Öffnung von Schule und Unterricht mit den Neuen Medien in der Fremdsprachenwerkstatt Hermann Olberding
Manuskript für die Zeitschrift Computer und Unterricht, (März 1997)
„The teacher’s primary responsibility is to help build bridges for their students, bridges whose footings are set in both culture and language. Projects designed to facilitate learning will move both students and teachers further along the cultural learning continuum. Partners from both cultures can meet on the bridge and view both the target culture and their own native culture from a different perspective. For the duration of a project or perhaps much longer, students will be able to see the familiar from a distance and the new from much closer than ever before.“1 Verstärkte Bemühungen hin zur Öffnung von Schule und Unterricht werden von uns Lehrerinnen und Lehrern in den neuesten Richtlinien für den Englischunterricht klar gefordert. Die gesellschaftliche Realität und die rasanten Entwicklungen im Bereich
der Neuen Medien stellen auch den modernen
Fremdsprachenunterricht
vor
ganz
neue,
aber
auch
sehr
interessante Herausforderungen. Bei der Arbeit in unserer Fremdsprachenwerkstatt am GeschwisterScholl-Schulzentrum in Münster können wir diese Vorgaben aus den Richtlinien im besonderen Maße berücksichtigen. Mein Interesse an der Erprobung Unterrichtsmethoden
praxisnaher und alternativer
und die inzwischen in unserer Schule
vorhandenen Möglichkeiten des Einsatzes von Datenverarbeitung im Englischunterricht brachten mich dazu,
doch häufig recht
1
Fischer, The Semantics of Culture: Communication and Miscommunication in the Foreign Language Classroom, in: Galc K. Course (ed.), Meeting New Challenges in the Foreign Language Classroom; Lincolnwood, IL, National Textbook Company 1994, p.75
1
eingefahrene Wege in der unterrichtlichen Arbeit zu verlassen und Neues auszuprobieren. Der Einsatz von Telekommunikation im Englischunterricht bietet faszinierende Möglichkeiten. Wir können die Grenzen
der
Kommunikation in der Enge des Klassenzimmers überwinden; Entfernungen zu E-mail Partnern und zu den schier unzähligen Informationsquellen in den Datennetzen spielen keine Rolle mehr. Die Unübersichtlichkeit der Angebote im Internet macht es allen am Unterricht Beteiligten aber auch schwer, sinnvoll mit den Angeboten im Bereich der Neuen Medien umzugehen, um so Unterricht zu verbessern. Ein unreflektierter Einsatz dieser Neuen Medien bringt sicherlich eher Enttäuschung als Erfolg. „How can we as teachers facilitate discourse that is truly open and during which students recognize the need for the negotiation of meaning? ... direct communication with people all around the world is possible if we use modern technology,
but ... supervised and
unsupervised direct communication via E-mail is not guaranteed to be successful.“² Im Folgenden beschreibe ich einen Teil einer Unterrichtsreihe in einer Jahrgangsstufe 13 mit dem Thema America’s Experience in Vietnam. Die allmähliche Öffnung des Unterrichts und ein durch die
neuen
Informationstechnologien
möglich
gewordenes
interkulturelles Lernen soll exemplarisch Einblick geben in die Arbeit einer möglichen Schule der Zukunft.
Eine neue Lernumgebung: Die Fremdsprachenwerkstatt
Seit ca. 4 Jahren existiert die Fremdsprachenwerkstatt am Geschwister-Scholl-Schulzentrum. Nachdem sie zunächst in zwei nebeneinander liegenden Räumen untergebracht war, konnte diese neue Lernumgebung im Zuge von Umbaumaßnahmen des
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Schulträgers in einem neugestalteten Großraum von ca. 130qm Größe endgültig eingerichtet werden. Die unterschiedlichen Lernbereiche sind durch Stellwände voneinander getrennt. Der eine Teil des Raums ist ausgestattet mit Computerarbeitsplätzen, einer Sitzecke mit fremdsprachlichen Zeitungen, Zeitschriften und anderen Medien, die das Interesse und den Spaß an den Fremdsprachen fördern sollen. Ausgestattet mit einer Menge Technik, ähnelt dieser Teil der Werkstatt einem großen Büro oder Redaktionsraum. Im anderen Teil befindet sich eine kleine Bühne, eine Art Zimmertheater, in dem aber auch ganz normaler lehrgangsmäßiger Unterricht stattfinden kann. Über eine Satellitenanlage können wir Fernsehsender wie SkyNews, Superchannel, CNN, TV5 und einen spanischen Sender empfangen.
Nachrichtensendungen
und
viele
interessante
Hintergrundberichte lassen sich so ganz ohne großen Aufwand in den Unterricht integrieren. Wir nutzen den Raum auch für geselliges
Beisammensein,
Dichterlesungen,
Aufführungen
ausländischer drama groups oder zum Gespräch mit ausländischen Gästen.
Die Bühne kann spontan in den Unterricht einbezogen werden, und sie wird in der Tat von allen Jahrgangsstufen begeistert genutzt. Ein wesentlicher Lernbereich der Fremdsprachenwerkstatt ist der Teil, in dem CALL, Computer Assisted Language Learning stattfindet. Uns stehen hier 15 Personal Computer zur Verfügung, die wir vor allem für sprachpraktische auf die individuellen Lernertypen zugeschnittene Übungen nutzen.
Einstieg in die Telekommunikation mit Electronic Mail - Projekten
Der Leistungskurs Englisch der Jahrgangsstufe 13 wird in der Fremdsprachenwerksatt durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich schon zu Anfang der Qualifikationsphase an die Arbeit in dieser neuen Lernumgebung gewöhnen. Sie sind mit 3
den
Computern
schon
recht
gut
vertraut.
Das
Textverarbeitungsprogramm, aber auch Programme zur Übung und Festigung des fremdsprachlichen Wortschatzes werden regelmäßig genutzt. Als Vorbereitung auf den Einsatz der Telekommunikation im Unterricht wurde ihnen in der Jahrgangsstufe 12 von Studentinnen der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster das Projekt DAWIN (Daten im Wissenschaftzsnetz) vorgestellt. Sie lernten, was electronic mail ist und
wie man in Datennetzen
recherchieren kann. Die Schule bekam vom Rechenzentrum der Universität die Möglichkeit, zum telefonischen Ortstarif das Internet zu nutzen. Zwei Colleges in den USA bieten sich uns als E-mail Partner an. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird an vorher festgelegten Themen
gearbeitet.
Später
gesellen
wir
uns
zum
sog.
Transatlantischen Klassenzimmer, einer von der Hamburger Körberstiftung
initiierten
und
auch
durchgeführten
Diskussionsrunde im Internet. Zu vorher festgelegten Themen wird kontrovers diskutiert. Eine große Anzahl von Schulen aus Deutschland, Europa und den USA nimmt daran Teil. Nachdem der Kurs im Verlauf der Jahrgangsstufe 12 schon mit einigen Möglichkeiten der Telekommunikation vertraut gemacht worden ist, sollen jetzt in der Jahrgangsstufe 13 verstärkt die faszinierenden Angebote in den Datennetzten erprobt und unterrichtlich genutzt werden.
Der Vietnam-Krieg in der Retrospektive Themenspezifische Recherchen bei CompuServe und im Internet
Themen zur Landeskunde der englischsprachigen Welt bieten sich besonders an, wenn es darum geht, Authentizität in den Unterricht zu bringen. Konkret steht das Thema America’s Experience in Vietnam auf dem Kursplan. 4
Ich habe dieses Thema schon in früheren Leistungskursen behandelt. Als wesentliches Medium
diente dabei eine
Textsammlung mit dem gleichnamigen Titel aus dem CornelsenVerlag.2In sechs Kapiteln werden das militärische Engagement der Großmacht Amerika in dem damaligen
Krieg behandelt.
Ausgehend von den Ursachen des Konflikts werden sodann die Erfahrungen der Soldaten im Dschungelkrieg und die sich immer stärker artikulierenden Stimmen gegen den Krieg analysiert. Abschließend wird der Krieg aus der Rückschau einer kritischen Beurteilung unterzogen. Neben den Texten wählen meine Schülerinnen und Schüler auch Filme aus, die den Krieg in Vietnam aber auch die sich nach den großen Verlusten breitmachende Stimmung gegen den Krieg in Amerika zum Gegenstand haben.
Der Einstieg in das Thema der Unterrichtsreihe erfolgte anhand eines Romanauszugs aus Philip Caputo: A Rumor Of War. Dieser Text führt zum einen in das Thema Krieg ein; zum anderen konfrontiert er die Jugendlichen mit einem Protagonisten aus ihrer Altersgruppe, der aus einem für ihn stickigen amerikanischen Mittelschichtsmilieu ausbrechen will und von den vermeintlichen Abenteuern eines Kriegseinsatzes träumt, um sich endlich als Mann beweisen zu können.
Eine Vietnamesin berichtet Dieser erste im Rahmen der U-reihe gelesene Text enthält noch keinen konkreten Bezug zu dem Land Vietnam und dem Krieg dort.
Die
Schülerinnen
und
Schüler
kennen
die
Kriegsgeschehnisse in Vietnam, wenn überhaupt, nur aus Geschichtsbüchern. Daher erfolgt, nach einer kurzen Betrachtung eines Photos des Vietnam-Memorials in Washington DC, durch den sehr persönlich geprägten Vortrag einer Mitschülerin aus 2
ebd. p.75 ³G. Kirchner u. a. (Hrsg.) America’s Vietnam Experience, English Senior Library, Cornelsen 1991
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Vietnam, die mit ihrer Familie zu den Leidtragenden des Krieges gehört,
eine vor allem auch affektiv geprägte Hinwendung zum
eigentlichen Thema. Die Schülerin Ly Nguyen berichtet vom Leben ihrer Familie in Vietnam, von Flucht und Verfolgung und vom
Neuanfang
hier
in
Deutschland.
Sie
war
in
den
vorausgegangenen Sommerferien zum ersten Mal nach ihrer Flucht wieder in ihrem Heimatland gewesen und hatte einen sehr beeindruckenden Bericht über ihre Reise mitgebracht.
Das Photo des Vietnam-Memorials in Washington DC steht am Anfang der nächsten U.-stunde. Ich habe es auf eine Folie kopiert. Es führt die Schülerinnen und Schüler direkt zu dem Thema der Ureihe, bietet Sprechanlässe und löst sicherlich auch schon eine gewisse emotionale Betroffenheit aus. Da einige Namen gefallener Soldaten recht deutlich zu lesen sind, bietet sich für die Gruppenarbeitsphase die Möglichkeit, per Datenfernübertragung in Datenbeständen des amerikanischen Netzanbieters CompuServe zu einigen dieser Namen exemplarisch weitere Informationen mit Hilfe
der entsprechenden
Fremdsprachenwerkstatt
technischen Einrichtungen
der
zu recherchieren. Zwei mit den
Angeboten von CompuServe schon recht gut vertraute Schüler machen sich an die Arbeit. Sie finden sehr schnell heraus, daß es ein sog. Military Forum bei CompuServe gibt, in dem u.a. auch Vietnam - Veteranen und deren Angehörige vertreten sind. Das Forum bietet u. a. die Möglichkeit, nähere biographische Hinweise zu den auf dem Mahnmal befindlichen Namen der gefallenen Soldaten zu recherchieren. Die zwei Schüler geben Namen ein und schon nach einigen Sekunden haben sie erste Auskünfte zu den gefallenen Soldaten. So treten einige der vielen unbekannten,
auf der schwarzen
Marmorwand
den
zu
lesenden
Namen
in
Vordergrund.
Einzelschicksale werden anhand konkreter biographischer Daten aus der Masse hervorgehoben. Während die beiden Schüler sich mit dem Angebot des Military Forum befassen, probt eine weitere Kleingruppe den Vortrag einer 6
Rede des damaligen Senators John F. Kennedy, in der dieser die Ziele Amerikas in Vietnam erläutert. Die Rede wird nach der Gruppenarbeitsphase von einem Schüler am Rednerpult in der Fremdsprachenwerkstatt vorgetragen. Der Vortrag kann in der Werkstatt auch mit einer Videokamera aufgezeichnet werden, um ihn in einer späteren Unterrichtsstunde einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Darauf verzichten wir allerdings in dieser Stunde, da der Einsatz des Computers im Vordergrund steht. Eine weitere Gruppe von Schülerinnen und Schülern arbeitet derweil mit dem Textverarbeitungsprogramm der uns zur Verfügung stehenden IBM-Personal Computer. Sie formulieren eine Liste von Fragen zu unserem Thema. Die Fragen werden anschließend per E-mail an verschiedene Adressaten geschickt. Diese sind neben dem Veteranen - Forum
unsere
schon
vertrauten direkten E-mail Partner am Santa Rosa Community College
in
Kalifornien
und
unsere
„Mitschüler
und
Mitschülerinnen“ im Transatlantischen Klassenzimmer. Unsere Fragen richten sich natürlich in der Hauptsache an virtuelle Partner in den USA. Weiterhin „heften“ wir diese Fragen auch noch an ein schwarzes Brett im Fremdsprachenforum von CompuServe. Und das sind die Fragen, die die Schülerinen und Schüler erstellt haben:
- Do you know anybody who was involved in the war in any possible way? - Can you get us into contact with former soldiers/families who were involved? - How many Americans died in this war? - What did the war do to your country? - Why are there so many films/novels that deal with this war? - Can you recommend any of those films to us that might help to understand the war and its background better? - As we (the boys) are soon going to leave school and as some of us will have to join the 7
forces and be soldiers then, we would like to know how the men who had to go to Vietnam were chosen. Some of us might get involved in the war in Bosnia. - What do you -today- think about America’s role in Vietnam? - Would you possibly have access to letters or any other personal writings of soldiers who were in Vietnam?
Ein Welcome aus Washington DC
Schon nach einigen Tagen meldet sich per E-mail aus Washington DC das Vietnam - Veterans - Forum: “Welcome to the military forum!“ lautet die Überschrift. Man bedankt sich für unser Interesse für das Thema und bietet uns Hilfe bei unseren Recherchen an.
Als konkretes Angebot erhalten wir eine Liste mit
sieben
Adressen. Es handelt sich dabei um Mitglieder der National League of Families Of American Prisoners And Missing In Southeast Asia. Die auf dieser Liste aufgeführten Personen bieten meinen Schülerinnen und Schülern an, ihnen bei der Bearbeitung des Themas behilflich zu sein und zunächst ihre konkreten Fragen zu beantworten. Wir sind von diesem großzügigen Angebot der Amerikaner gleich begeistert. Einige der aufgeführten Personen haben eine E-mail Adresse, die anderen können wir per snail-mail erreichen. Im Verlauf der nächsten Wochen erhalten die Schülerinnen und Schüler Post aus den USA. Einige der Kursteilnehmer haben ihre Computer zu Hause inzwischen auch aufgerüstet. Sie können nun auch von zu Hause aus über das Rechenzentrum der Universität Münster das Internet nutzen. Ihre Teilnahme am Transatlantischen Klassenzimmer und an anderen Diskussionsforen betreiben sie nunmehr selbständig von
ihrem
Schülerschreibtisch
aus.
Als
Teilnehmer
des
Transatlantischen Klassenzimmers kann ich auch ihre Beiträge an 8
meinem Computer zu Hause mitverfolgen. Das Ganze darf natürlich nicht den Anschein des “Big brother is watching you!“ haben. Das ist wohl selbstverständlich. Neben der Adressenliste schickt uns die Leiterin der Organisation noch eine ganze Menge an Informations- und Hintergrundmaterial zu unserem Thema. Das Lehrbuch tritt jetzt mehr und mehr in den Hintergrund. Stattdessen lesen wir alle mit großem Interesse die uns zugeschickten Materialien, die natürlich ausschließlich authentisches Lehr- und Lernmaterial darstellen. Um das umfangreiche Material überhaupt in angemessener Zeit bearbeiten zu können, entscheiden sich die Kursteilnehmer, Referate anzufertigen.
Reaktionen aus dem Cyberspace
Mike Pavlovich von der Layton High School in Chicago schickt uns folgenden Brief: Hello, I am an 18-year- old student at Layton High School. I would like to reply to your questions about the Vietnam War. The Vietnam War was a war we could have won easily if our leaders would have let the military have a free hand in destroying North Vietnam. Our soldiers were placed under ridiculous restraints during the war that severely hampered their ability to fight. My father and my uncle fought in the Vietnam War, they are not too bitter about their experiences as some veterans are. The Vietnam War still causes deep scars in American society today. I hope this will be of help to you. Please write back. I would like to know what you teachers say about the war.
Thanks Mike
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Am schwarzen Brett des Fremdsprachenforums hatte eine jetzt in den USA lebende Vietnamesin unsere Fragen gelesen und geantwortet: I am a Vietnamese woman living in the USA. I was in Vietnam during the war. I was a little girl then, but I will help you as much as I can remember what was going on there.
Hoa
N.
Brown
Per snail mail erreichen uns ausführliche Briefe von Mitgliedern des Veteranenforums. Mit bewegenden Worten schildern sie, was Ihnen und ihren Familienangehörigen der damalige
Krieg in
Südostasien an schrecklichem Leid zugefügt hat. Einigen der Briefe sind Photos des vermißten bzw. gefallenen Sohnes beigelegt. Die Schülerinnen und Schüler erfahren aus erster Hand, was ihnen im konventionellen Unterricht nur in Ansätzen eine Textsammlung bieten kann. Der direkte Kontakt mit den Betroffenen stellt auch gleichzeitig ein hohes Maß an Identifikationsbereitschaft mit dem Thema und den involvierten Menschen her. Besondere Brisanz bekommt das Thema noch durch die gleichzeitig in Deutschland stattfindende Diskussion um die Entsendung deutscher Soldaten nach Bosnien. In Amerika hatte man in diesem Zusammenhang immer wieder gewarnt: This could become another Vietnam. Wir lernen, daß es noch immer eine starke Gruppe von Veteranen und deren Angehörigen gibt, die sich in Washington DC für eine Verbesserung ihrer häufig sehr schlechten Situation einsetzt. Der Krieg in Vietnam ist zwar längst vorbei; dennoch leiden noch heute viele Menschen an den Folgen. Das unterstreicht die Titelgeschichte des amerikanischen Magazins TIME vom April 1995 trägt die Überschrift: „Vietnam - twenty years later, it still haunts both sides“.
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Yahoo Search Engine meldet: Found 234 matches containing Vietnam
Dieses Ergebnis präsentiert uns die Suchmaschine Yahoo im Internet. Mit ihrer Hilfe versuchen wir herauszufinden, wie es heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Krieg in diesem südostasiatischen Land aussieht. Besonders interessiert uns, wie sich das neue Vietnam in dem neuesten Medium selbst darstellt. Die große Anzahl der matching categories und sites deutet schon an, daß wieder eine riesige Menge an Informationen auf die Schülerinnen und Schüler wartet. Neben einer Vielzahl weiterer und vertiefender Informationen zu unserem Ausgangsthema, nämlich dem Krieg, finden wir auch ein modernes, selbstbewußtes und sich der Welt öffnendes Vietnam. Dieses neue Vietnam bietet sich als emerging market in einer auf starkes wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Region. Auf vielen web-sites werden die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts Vietnam gepriesen. Daß diese dargestellten Vorzüge keine leeren Worte sind, macht ein kurzer link zu aktuellen Notierungen an der Frankfurter Börse deutlich. Wertpapiere, deren Investitionsziel u.a. Vietnam
ist,
haben
in
den
vergangenen
Jahren
eine
überdurchschnittliche performance gezeigt.
Reflexion
Wie inzwischen deutlich geworden sein dürfte, haben wir die Textsammlung schon ziemlich weit hinter uns gelassen. Unsere virtuellen Partner zu diesem Thema haben sehr viel Interessanteres und Aktuelleres zu berichten. Es ist auch wieder zu beobachten, wie bei einem so spannenden Thema der reine Spracherwerb eher in den Hintergrund tritt. Die englische Sprache wird wird ganz einfach als unmittelbar notwendiges Medium zur Kommunikation mit der Welt draußen gebraucht. Je kompetenter die Schülerinnen 11
und Schüler damit umgehen können, um so besser können sie in einem wie hier beschriebenen konkreten Lernprojekt arbeiten und für sich echte Lernfortschritte selbst realisieren. Für viele von ihnen ist es das erste Mal, daß sie überhaupt englischsprachige Briefe entweder per Post oder über den Computer erhalten. Sie werden jeweils selbst konkret in den Briefen angesprochen und von den Absendern als forschende Lernerinnen und Lerner wahrgenommen und ernstgenommen. Das ist die Arbeit in der Schule etwas ganz Neues. In der Regel ist es der Lehrer oder die Lehrerin, der oder die den Lernenden Texte geben, die dann im Unterricht zum Gegenstand des Lernens werden. Meistens machen dann auch noch alle das Gleiche, obwohl ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten eher differenziertes Lernen notwendig machen. So könnte ein Teil der Schule der Zukunft sein: Die Schülerinnen und Schüler werden bezüglich der Nutzung der Neuen Medien immer kompetenter und organisieren wichtige Lernarbeit selbst, nachdem sie in der Schule zunächst an die Dinge herangeführt und allmählich mit ihnen vertraut gemacht worden sind. „...Schreiben und Sprechen in der Fremdsprache beziehen sich nicht mehr nur auf Lehrbuchtexte sondern auf authentisches Material,
so
daß
konkrete
Spracharbeit
für
die
direkte
Kommunikationsabsicht notwendig wird. Empfangene Texte wollen korrekt verstanden werden, Antworten zu bestimmten Themen sollen so richtig wie möglich formuliert werden, schließlich werden sie von native speakers gelesen.“3 Es wird schon deutlich, daß eine wie bis jetzt skizzierte Art des Unterrichts von allen Beteiligten Offenheit und Flexibilität verlangt. Man weiß eben nicht, was die von uns angeschriebenen Personen und Organisationen antworten werden, und / oder ob sie uns Material zukommen lassen, was wir auch sinnvoll im Unterricht verwenden können. Bei reinen E-mail Projekten ist die Gefahr,
wenig
brauchbares
Material
zu
bekommen,
3
Reinhard Donath, Opening the Classroom - Electronic Mail im Englischunterricht, RAAbits Englisch Oktober 1994, p.3
12
erfahrungsgemäß recht groß. Hier geht die Kommunikation manchmal nicht über ein sich gegenseitiges Vorstellen und einem sich anschließenden eher oberflächlichen “chat“ hinaus. Prof. Dr. M.M. Meyer, der sich seit vielen Jahren mit der Arbeit in Lernwerkstätten befaßt, fordert von der neuen Art zu lernen: „Die Schüler sollen lernen, sich adäquat und flexibel gegenüber den Erwartungen der Kommunikationspartner aus anderen Kulturen zu verhalten; sie sollen sich der kulturellen Differenzen und Interferenzen
zwischen eigener und fremder Kultur und
Lebensform bewußt werden; und sie sollen in der Vermittlung zwischen den Kulturen mit sich und ihrer kulturellen Herkunft in Einklang
bleiben.
Ziel
ist
also
nicht
ein
bestimmtes
landeskundliches Wissen, sondern interkulturelle Sensibilität, Sensibilität dafür, daß die anderen anders sind.“4Wenn diese Forderungen erfüllt sind, findet interkulturelles Lernen statt.
Lehrerinnen und Lehrer, die es gewohnt sind, exakt alle Schritte der Unterrichtsreihe weit im Voraus zu planen, und zwar sowohl bzgl. des Inhalts als auch der methodischen Schritte, werden mit der hier beschriebenen Art zu unterrichten sicherlich nicht sogleich zurechtkommen.
Es
lohnt
sich
jedoch,
denn
auch
der
Unterrichtende wird zum Lernenden in einem spannenden Prozeß und zum Moderator des unterrichtlichen Geschehens. Im Rahmen eines Dissertationsprojekts wurden die Schülerinnen und Schüler zu der Arbeit mit den Neuen Medien befragt. Ohne Ausnahme zeigten alle Befragten großes Interesse an den damit verbundenen neuen Lehr-und Lehrformen. Sie bedauerten, nicht auch in anderen Fächern bereits ähnliche Projekte durchführen und so neues Lernen erfahren zu können. Für einige von ihnen war die Begegnung und das Arbeiten mit den Neuen Medien Anlaß, ihre eigene EDV-Umgebung zu Hause den modernen Anforderungen anzupassen und dann z.B. eigene Recherchen im Internet durchzuführen. 4
Prof. Dr. Meinert A. Meyer: Fremdsprachenwerkstätten, in: Halfpap (Hrsg): Unterricht als integriertes Handlungslernen in kaufmännischen Schulen, Bd.2: Fremdsprachen, Winklers Verlag 1994, p. 28
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