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Jahresbericht


Impressum

Herausgeber:

Manfred Lautenschläger-Stiftung gGmbH Geschäftsstelle Im Breitspiel 9 69126 Heidelberg Tel. +49 6221 54 50 95

Geschäftsführer: Jürgen Dernbach Redaktion:

Catharina Seegelken (CS), Markus Lautenschläger (ML)

Gestaltung, Satz, Layout:

Denis Herrmann (GSM mbH)

Bildmaterial:

Catharina Seegelken, Markus Lautenschläger, GSM mbH, iStockphoto

Druck:

ColorDruck Leimen GmbH

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei geschlechtsspezifischen Substantiven die männliche Form verwendet. Diese Form versteht sich explizit als geschlechtsneutral, Frauen sind an den entsprechenden Stellen selbstverständlich mit eingeschlossen.


GRUSSWORTE

S. 05

NEUES GROSSPROJEKT 2012

S. 07

VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

S. 11

SPORT & GESUNDHEIT

S. 21

FORSCHUNG & WISSENSCHAFT

S. 27

GESELLSCHAFT & KULTUR

S. 35

PREISE

S. 45

AUSBLICK

S. 51

KURATORIUMSMITGLIEDER

S. 55

PORTRAIT DES STIFTERS

S. 57

DAS ENGAGEMENT IN ZAHLEN

S. 59

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GRUSSWORTE Die Manfred Lautenschläger-Stiftung zeichnet sich unter anderem durch die Breite ihrer Fördergebiete aus. Auch im Jahr 2012 hat die Manfred Lautenschläger-Stiftung viel für Völkerverständigung, Sport und Gesundheit, Gesellschaft und Kultur sowie Forschung und Wissenschaft getan. Die in diesem Jahresbericht aufgeführten und im Einzelnen beschriebenen Projekte sollen beispielhaft zeigen, in welcher Weise die Ziele der Manfred Lautenschläger-Stiftung im Jahr 2012 realisiert wurden. Daneben wurden zahlreiche weitere Projekte gefördert. Es würde den Rahmen dieses Jahresberichts sprengen, wollte man alle im Jahr 2012 geförderten Vorhaben aufzählen. Sämtlichen, zum Teil unterstützten Maßnahmen ist gemein, dass sie den hinter der Stiftung stehenden Menschen Manfred Lautenschläger authentisch widerspiegeln, weil er die Projekte nicht nur mit zum Teil erheblichem Aufwand finanziell unterstützt, sondern sie auch mit großem persönlichen Engagement verfolgt. Viele Vorhaben haben einen regionalen Bezug und die Menschen, die in dieser Region leben, haben hiervon auch im Jahr 2012 in hohem Maße profitiert.

Angelika Lautenschläger

(Vorsitzende der Manfred Lautenschläger-Stiftung)

Jürgen Dernbach

(Geschäftsführer der Manfred Lautenschläger-Stiftung)

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Mit Beginn diesen Jahres haben wir angefangen, in der Manfred Lautenschläger-Stiftung tätig zu werden. Die Vielfältigkeit und das breite Spektrum der bereits geförderten und ständig neu vorgestellten Projekte sind der Anreiz und gleichzeitig die Herausforderung an dieser Aufgabe, eröffnen aber die Möglichkeit, unsere in der beruflichen Ausbildung erworbenen Fähigkeiten sinnvoll und gewinnbringend im Sinne der Stiftung einzubringen. Im hohen Grade profitieren werden wir von der Erfahrung von Jürgen Dernbach und der Zusammenarbeit mit ihm, aber natürlich auch von den Einblicken in die Projekte und dem Austausch mit den dahinter stehenden Personen aus so vielen verschiedenen, spannenden Themenbereichen. Wer die Möglichkeit hat, Gutes und Sinnvolles zu tun, sollte diese nutzen – wer, wie in unserem Fall, zudem seinen beruflichen Weg danach ausrichten kann, erst recht. Wir freuen uns darauf, Ihnen auf den folgenden Seiten einige Projekte des vergangenen Jahres vorzustellen. Bitte zögern Sie nicht, mit uns in Kontakt zu treten, sich mit uns auszutauschen und viele interessante Projekte vorzustellen.

Catharina Seegelken

Markus Lautenschläger

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„Die Unterstützung von Kindern aus sozial schwachen Familien ist ein wichtiges Anliegen meiner Stiftung. Gerade in Entwicklungsländern hat sich gezeigt, dass diese Unterstützung oftmals durch die Stärkung der Mutter am besten erreicht werden kann.“ Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


NEUES GROSSPROJEKT 2012 Förderung nachhaltiger Entwicklung in von Dürre betroffenen Gegenden in Äthiopien

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NEUES GROSSPROJEKT 2012

Förderung nachhaltiger Entwicklung in von Dürre betroffenen Gegenden in Äthiopien

und Dörfern gegenüber externen Schocks und Katastrophen in neun von der Dürre betroffenen Distrikten im Südosten Äthiopiens zu stärken. Die geplante Laufzeit des Projektes beträgt drei Jahre und zwei Monate, so dass im Dezember 2015 die wesentlichen Ziele erreicht sein sollen.

Seit dem 1. November 2012 gibt es eine neue Kooperation zwischen der Manfred Lautenschläger-Stiftung, der Kindernothilfe und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Gemeinsam finanzieren sie ein Projekt, das zum Ziel hat, einen Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit von ausgegrenzten Frauen, ihren Familien

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt und wird wiederholt von Katastrophen heimgesucht. Zwischen 1970 und 1996 haben Millionen Menschen unter Dürren und darauffolgenden Nahrungsmittelengpässen gelitten, die eine erhebliche Zahl von Menschenleben in Äthiopien gekostet haben. In der Vergangenheit konnten Gemeinwesen in diesen stark von Dürre betroffenen Gebieten die Folgen dieser überstehen,

Äthiopien

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NEUES GROSSPROJEKT 2012

indem sie auf traditionelles Ressourcenmanagement, traditionelle Frühwarnsysteme und Landnutzungsmuster zurückgriffen. Die vielen Krisen dieser Jahre haben zu einem allmählichen Verlust dieser traditionellen Krisenstrategien geführt dadurch wurden die Einwohner an den Projektstandorten noch anfälliger für die Folgen von Dürren und anderen externen Krisen. Am Rande der Gesellschaft lebende Frauen und ihre Kinder leiden als Erste unter den Auswirkungen, weil es ihnen an Bildung, wirtschaftlichen Ressourcen und sozialem Einfluss mangelt und sie somit keinen Zugang zu Informationen und Entwicklungschancen haben. Im Laufe des Projektes wird ein institutionalisiertes wirtschaftliches und soziales Netz geknüpft, das die verloren gegangenen traditionellen Überlebensstrategien und Institutionen ersetzen soll und so die Widerstandsfähigkeit der Frauen im Hinblick auf künftige Dürren und externe Krisen stärkt. Direkte Zielgruppe des Projektes sind etwa 10.000 am Rande der Gesellschaft lebende Frauen in neun Distrikten der Regionen Afar, Somali und Oromia. Die genauen Kebeles (dies ist die kleinste Regierungseinheit in Äthiopien) werden nach einer gründlichen Untersuchung und nach Diskussionen im Einvernehmen mit den zuständigen Regierungsvertreterinnen ausgewählt, wobei die Entwicklungsschwerpunkte der Regierung in den Distrikten und Kebeles berücksichtigt werden. Alle Frauen der Zielgruppe leben unterhalb der international definierten Armutsgrenze von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag und werden unter Beteiligung verschiedener Mitglieder aus den Gemeinwesen ausgewählt. Diese Frauen erhalten eine Einladung, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Da im Durchschnitt jede Frau im Projektgebiet fünf bis sechs Kinder hat, werden so 50.000 bis 60.000 Kinder erreicht. Neben den Frauen und ihren Familien profitieren auch die Dörfer, in denen sie leben, sowie Fachministerien, gemeinwesenbasierte Organisationen und lokale Behörden von der Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation in den Projektstandorten. Das Projekt stützt sich auf die Überzeugung, dass auch Menschen am Rande der Gesellschaft Potenziale haben, die für ihre eigene Entwicklung, die ihrer Kinder und Familien, aber auch der Gemeinwesen genutzt werden können. Diese Potenziale lassen sich am besten in einer Selbsthilfegruppe entdecken und entwickeln, in der

Menschen aus ähnlichen Lebenssituationen zusammenkommen. Die Gruppen und ihre einzelnen Mitglieder erhalten Schulungen in den verschiedensten Bereichen, angefangen von finanzieller Buchführung über Gruppenorganisation und –leitung und Geschäftsplanung und –führung bis hin zu Themen wie Frauen- und Kinderrechte, Gesundheitsvor- und -fürsorge und vieles mehr. Abgesehen von den ersten Einführungsveranstaltungen und einer Reihe vorgegebener Schulungen setzt sich jede Gruppe mit ihren spezifischen Bedürfnissen und eigenen Diskussionsthemen und –anliegen auseinander und sucht eigene Lösungen dafür. Dabei wird sie unterstützt von einem/einer ehrenamtlichen Mitarbeiter (Community Facilitator, CF). Die einzelnen Teilnehmerinnen werden sich ihrer Potenziale bewusst, sie werden über ihre Rechte informiert und lernen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterzuentwickeln und sie erfolgreich einsetzen, um die eigene Lebenssituation zu verbessern. Gleichzeitig beginnen die Frauen, kleine Beträge zu sparen und vergeben sich gegenseitig aus dem gemeinsam gesparten Betrag kleine Kredite. Die dazu zu zahlenden Zinsen legen sie gemeinsam fest. So wächst der ersparte Betrag und damit auch die Höhe der zu vergebenden Kredite gleichzeitig mit den Fähigkeiten der Frauen, diesen Betrag zu verwalten und sinnvoll einzusetzen. Diese psychosoziale und materielle Stärkung der einzelnen Frauen und ihrer Familien, aber auch der Selbsthilfegruppen an sich bildet die Basis für den Aufbau einer Selbsthilfestruktur: ca. zehn Selbsthilfegruppen gründen eine sogenannte Cluster Level Association (CLA) und wählen dafür je zwei Vertreterinnen aus ihrem Kreis. Die CLA vertritt die Belange der SelbsthilfegruppenMitglieder auf Dorfebene und fordert Verbesserungen ein, die nicht nur die einzelne Familie oder Mitglieder dieser Gruppe begünstigen, sondern zur Entwicklung des gesamten Gemeinwesens beitragen. Durch Vernetzungen mit anderen Organisationen vor Ort sowie mit Regierungsvertreter werden diese Entwicklungsanstrengungen unterstützt und gefördert. Die ehemals am Rande der Gesellschaft lebenden Personen sind so in der Lage, innerhalb ihrer Gemeinwesen (als “change agents“) einen Wandel für alle voranzutreiben.

Barbara Burger-Erlenstedt und CS

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"Wer die Zukunft positiv gestalten will, muss sich der Vergangenheit erinnern und daraus eine besondere Verantwortung ableiten. Toleranz und Menschlichkeit finden ihren Ausdruck dort, wo die Verständigung zwischen Menschen und Völkern aktiv gelebt wird." Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Neue Projekte und einmalige Förderungen Mehrjährige laufende Förderungen

Hildegard Lagrenne Stiftung - für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland

S. 12

Mediendienst Integration

S. 13

Bildungsförderung durch Sport in Äthiopien

S. 17

Simferopol: Heidelberg-Zentrum und Ärztinnen aus Simferopol Kellerladen e.V. und Bruder Lukas

S. 19

Lautenschläger Azekah Ausgrabung

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Darüber hinaus ...

S. 14

S. 19

S. 19 S. 19

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Kurz vor dem Krieg geboren, hat Manfred Lautenschläger als Kind den Einsatz von Zwangsarbeitern miterlebt, wurde durch die Nachkriegszeit maßgeblich geprägt und diskutierte in den 68ern mit Kommilitonen und Freunden leidenschaftlich gegen den teilweise noch herrschenden, überkommenen Geist der Nachkriegseliten an. Durch diese Erfahrungen reifte in ihm die zentrale Erkenntnis und Überzeugung heran, wie wichtig die Förderung der Völkerverständigung ist. Neben der Förderung des deutsch-jüdischen Austausches möchte Manfred Lautenschläger besonders auch auf die Situation der Sinti und Roma sowohl während des 2. Weltkrieges als auch heute aufmerksam machen.

Hildegard Lagrenne Stiftung für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland

Im Bild die 2007 verstorbene Sintiza und Namensgeberin Hildegard Lagrenne. Sie betätigte sich als KZ-Überlebende langjährig in der Bürgerrechtsbewegung und engagierte sich auf vielfache Weise als Zeitzeugin. Dafür wurde sie vom Land Baden-Württemberg und vom Bund ausgezeichnet.

Bildungschancengleichheit – leider besteht diese auch in Deutschland nicht für jeden. Im besonderen Maße betroffen sind die Kinder von Sinti und Roma in Deutschland als Folge eines Jahrhunderte dauernden Antiziganismus. Es gibt eine Distanz zwischen den Familien der Sinti und der Roma einerseits und der Bildungseinrichtungen andererseits. Sinti und Roma sind daher in allen europäischen Ländern, eben auch in Deutschland, in der Schule weniger erfolgreich als die Kinder der Mehrheitsbevölkerung.

Die Schule war oft Instrument im Kampf gegen die Kultur der Sinti oder sie wurden als Minderheit ausgegrenzt - die Mehrheit der Sinti und Roma hat die Schule als Ort der Diskriminierung erlebt. Dennoch gilt: Bildungsförderung gelingt dann am besten, wenn sie nicht nur auf eine Zielgruppe bezogen ist, sondern allen Kindern und Jugendlichen gilt, die gemeinsam die Bildungseinrichtungen besuchen. Benötigt werden die Bereitschaft und Fähigkeit zur individuellen

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Förderung aller Kinder und Jugendlicher als ein ganzheitlicher Ansatz, der auch die Dimension Gesundheit, Beschäftigung und Wohnen mit einbezieht und auf eine lokale Verantwortung zielt. Die Hildegard Lagrenne Stiftung - für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland - wurde am Tag nach der Denkmalseröffnung von einer Gruppe bildungsinteressierter Sinti und Roma in diesem Bewusstsein gegründet. Die Stiftung möchte durch Bildungsförderung und durch die Bekämpfung von Diskriminierung und Antiziganismus einen Beitrag zur Verbesserung der Bildungschancen von Sinti und Roma, insbesondere der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leisten. Sie fördert explizit auch den Übergang von Schule und Ausbildung in die berufliche Praxis und Qualifizierung. Konkret sollen lokale Projekte unterstützt werden. Auf einer ersten Stifterversammlung wählten die Stifterinnen und Stifter einen Vorstand, der seinesgleichen sucht: Dr. Elizabeta Jonuz ist Romni und Lehrbeauftragte am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln, Dr. Jane Schuch ist Sintiza und am Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt Universität Berlin und Daniel Strauß ist Sinto und Geschäftsführer von „Romno Kher - Ein Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung gGmbH“, und Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg des Verbandes deutscher Sinti und Roma. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung war sowohl im Vorfeld als auch bei der Ausgründung der Stiftung finanziell, ideell und personell involviert und Catharina Seegelken wird als Vorsitzende des Stiftungsbeirates 2013 das Handeln der Stiftung aktiv unterstützen.

CS


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Neue Projekte und einmalige Förderungen Mediendienst Integration

Die mediale Berichterstattung über Migration und Integration in unserer Einwanderungsgesellschaft muss qualifizierter und differenzierter werden und sich weniger an der „gefühlten Wahrheit“ und mehr an der empirischen Faktenwelt orientieren. Dabei mangelt es nicht an Daten und Studien, die ein wesentlich differenzierteres Bild unserer Einwanderungsgesellschaft und der Migranten in Deutschland zeichnen – aber an deren medialer Rezeption. Fehlende mediengerechte Aufbereitung empirischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse sind hier ebenso ursächlich wie geringere Zeitbudgets für Recherche auf journalistischer Seite.

Daher gehört „Medien und Integration“ zu den zehn Themenfeldern des Nationalen Integrationsgipfels (2006-2011). Eine Idee, die unter anderem in der entsprechenden Arbeitsgruppe mit Journalisten und Wissenschaftlern im Kanzleramt entstanden ist, ist die Einrichtung eines „medienübergreifenden Informationsdienstes“ speziell für die Bedürfnisse von Medienschaffenden.

Fortsetzung »

„In der alltäglichen redaktionellen Arbeit fehlt es auch oft an leicht zugänglichen Wissensquellen und an mediengerecht aufbereiteten Daten zum Themenfeld Integration/Migration.“, analysiert das Dialogforum Medien und Integration in einer Zwischenbilanz für den Nationalen Aktionsplanes Integration. Medien prägen durch Berichterstattung und Unterhaltungsformate die Wirklichkeit der Einwanderungsgesellschaft und die Bilder über Minderheiten. Was die Bevölkerung über die Bedeutung von Migration und Integration und über die Situation von Migranten in Deutschland weiß, das weiß sie überwiegend aus den Medien. Dabei verläuft der Diskurs um Einwanderung und Integration nicht immer sachlich, sondern ist oft geprägt von „gefühlten“ Wahrheiten und emotionalen Standpunkten. Auch rassistische Äußerungen und ausgrenzende Rhetorik finden ihren Weg in Massenmedien. Mit fatalen Wirkungen: Zwei Drittel der Bürger sind der Auffassung, dass Zuwanderung die Sozialsysteme belaste, zu Konflikten mit Einheimischen führe und zu Problemen in Schulen, wie eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung im Dezember 2012 zuletzt zeigt. www.bertelsmann-stiftung.de/ cps/rde/xchg/SID-CC43E6430C09FBF0/bst/hs.xsl/nachrichten_114652.htm Auftakt Mediendienst Integration Fotos: Thomas Lobenwein

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Der daraus entstandene „Mediendienst Integration“ hat seine Arbeit mit drei Mitarbeitern im September 2012 aufgenommen.

überrascht zu werden. Inzwischen haben diesen Service über 300 Interessierte abonniert (davon rund 200 Journalisten).

Sein Ziel: sachliche Berichterstattung zu den Themen Migration und Integration zu fördern. Der Mediendienst arbeitet vor allem an der Schnittstelle zur Wissenschaft, bereitet empirische Sachverhalte und wissenschaftliche Erkenntnisse im Themenfeld auf und stellt sie aktuell Medien und Interessierten zur Verfügung. Auf Informationsseiten in der linken Navigationsspalte bietet er kurz und bündig aktuelle Zahlen und Fakten zu Fragen der Einwanderungsgesellschaft.

Der Mediendienst will fortlaufend vorbildliche Praxismodelle vorstellen (Good Practice) und bietet internationale Vergleiche. Aber auch bei seiner eigenen Arbeit will er beispielhaft vorangehen und achtet beispielsweise mit seinem Bildkonzept sehr genau darauf, wie Berichterstattung zur Einwanderungsgesellschaft sensibel bebildert werden kann, ohne Klischees zu reproduzieren.

Seit dem offiziellen Projektauftakt Ende November 2012 hat der Mediendienst Integration über 30 Artikel zu verschiedenen Themenbereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung etc. veröffentlicht. Er greift in aktuelle Berichterstattung ein, in dem er (zum Teil bislang unbekannte) Experten vorstellt und zu Wort kommen lässt, gängige Thesen oder Zahlen überprüft und relativiert. So hat er beispielsweise eine Erklärung des Deutschen Städtetags von Januar 2013 zu den Problemen durch die „Armutswanderung aus Rumänien und Bulgarien“ überprüft, wonach rund 150.000 Menschen in 2011 nach Deutschland gekommen seien. Der Städtetag hat offenbar weder die Abwandererzahlen berücksichtig (es blieben unterm Strich nur 58.000 Menschen), noch die Anzahl der Studierenden oder sozial-versicherungspflichtigen Beschäftigten, die gestiegen ist. Ein relativierender Bericht des Mediendienstes weist nun darauf hin, dass die Herausforderungen nicht so dramatisch sind, wie sie zunächst klingen. Darüber hinaus vermittelt der Mediendienst Ansprechpartner und Experten für die Arbeit von Journalisten und greift dabei auf eine eigens erstellte Experten-Datenbank zurück, die sich im Aufbau befindet. In regelmäßigen Abständen verschickt der Mediendienst Integration einen „Themen-Alert“ mit Hinweisen auf anstehende mediale Ereignisse, damit Journalisten ihre Berichterstattung mit genügend Vorlauf planen können. Aber auch andere Interessierte können davon profitieren, um nicht von tagesaktuellen Nachrichten

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Projektträger des Mediendienstes Integration ist der Rat für Migration e.V., ein bundesweiter Zusammenschluss von Migrationsforscherinnen und -forschern. Kooperationspartner für die Finanzierung des Vorhabens sind die Stelle der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie die Manfred Lautenschläger-Stiftung, die Freudenberg Stiftung, die Karl Konrad und Ria Groeben Stiftung und die Möllgaard-Stiftung

Ferda Ataman und CS

Lautenschläger Azekah Ausgrabung Wo David Goliath geschlagen hat ... Nach den sehr erfolgreichen Ausgrabungen in Jerusalem / Ramat Rahel und in er-Ras von 2004-2011 (die 2014/2015 im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg gezeigt werden sollen), wollten Oded Lipschits (Tel Aviv University) und Manfred Oeming (Universität Heidelberg) ihre israelisch-deutsche Zusammenarbeit an einem neuen Ort fortführen. Nach einigen Vorüberlegungen und auch nach dem Scheitern von


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Plänen für eine weitere Grabung in Jerusalem fiel die Wahl schließlich auf Aseka. Die Gründe für diese Wahl sind vielschichtig: u.a. ist die Lage an der Grenze zwischen Philisterland und Juda (also der antiken Grenze zwischen „Palästinensern“ und „Juden“) sehr interessant und verspricht Einblicke in die früheste Geschichte dieses Konflikts; zudem finden aktuell viele weitere Grabungen in der unmittelbaren Nachbarschaft statt, so dass Aseka in ein archäologisches Schefela-Netzwerk eingebunden wird.

Schließlich haben wir versucht, intelligent zu raten, wo wohl das Stadttor, der Palast und die öffentlichen Anlagen wie z.B. ein Tempel liegen könnten. Schließlich richtete sich die endgültige Planung stark nach den Resultaten der Geoelektrik.“

Aseka wird in der Bibel prominent erwähnt; es gibt ein großes öffentliches Interesse in Israel, da Aseka für Israelis ein wichtiger politischer Erinnerungsort ist, der die Botschaft vermittelt: „Der Kleine kann den Großen besiegen (David gegen Goliat)!“ Zudem ist Aseka in mehreren außerbiblischen Quellen bezeugt, die auf in die Zeit des assyrischen Königs Sanherib und des babylonischen Herrschers Nebukadnezar verweisen und Spuren großer Weltgeschichte verheißen. Zwar waren erste Grabungen der englischen Archäologen Bliss und Macalister, mit denen die Palästina-Archäologie Ende des 19. Jh. überhaupt begann, wenig verheißungsvoll, sie liegen aber 114 Jahre zurück und seitdem haben sich die Methoden stark geändert.

„Die Realisierung des Projekts war nur durch die großzügige Unterstützung der Manfred Lautenschläger-Stiftung, die unsere Arbeit für wertvoll und förderungswürdig hält, möglich. Zu Ehren des Stifters und als Ausdruck unserer freundschaftlichen Verbundenheit haben wir das Projekt Lautenschläger Azekah Expedition benannt. Lautenschläger ist ein urdeutscher Name, Azekah ist ein hebräischer Name, ‚expedition‘ ist ein englisches Wort, so dass insgesamt der internationale Charakter dieses Projekts und das Ziel der Völkerverständigung schon im Titel sofort klar hervortreten“ so Manfred Oeming. „In Vorbereitung der Grabung haben wir die wissenschaftlich üblichen Vorarbeiten durchgeführt: Zum einen Survey, d.h. eine systematische Erhebung der Oberflächenfunde, zum anderen eine geoelektrische Introspektion durch das Heidelberger Geographische Institut von Rektor Eitel durch Prof. Bubenzer und Dr. Hecht, die zu der Hypothese von der Existenz einer bisher ungeahnten Unterstadt führten.

Das Interesse an der Grabung war für eine erste Startphase überwältigend. Durchschnittlich waren 120 bis 140 Volontäre pro Woche im Einsatz, insgesamt 360 Personen. 23 deutsche Studierende begleiteten ihren Professor Manfred Oeming nach Israel, dazu kamen 30 israelische Studierende aus Tel Aviv, davon zwei Palästinenser, sowie 20 US-Amerikaner, neun Australier, acht Südafrikaner weitere Personen aus 18 Nationen. Diese gaben dem Unternehmen einen wunderbaren multinationalen und multikulturellen Charakter. Die Lautenschläger-Azeka-Expedition ist ein „Weltunternehmen“. Fortsetzung »

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Azekah - Funde

Azekah - Ausgegrabene Areale

Die hohe Zahl der Teilnehmer ermöglichte es, insgesamt fünf Areale mit insgesamt 60 Squares zu öffnen. Unter den Funden an Architektur ragten besonders eine öffentliche Piazza aus der Spätbronzezeit mit einem tiefen Brunnen und ein Teil der spätbronzezeitlichen Stadtmauer heraus. Außerdem sind an herausragenden Einzelstücken vier Skarabäen, Speerspitzen, Pfeilspitzen, Münzen, ein Knopf aus Gold sowie einer äußerst bemerkenswerten Terrakotta-Plakette, wohl die Stadtgöttin von Aseka, zu erwähnen. Bis jetzt sind weder Spuren von David noch von den Philistern gefunden worden, bis jetzt stehen auch der Palast, der Tempel sowie die offiziellen Gebäude nicht vor einem, aber für eine erste Saison kann man die Fundlage als geradezu sensationell bezeichnen. Die spätbronzezeitliche Stadt konnte in ersten Umrissen freigelegt werden, die hellenistische Umfassungsmauer sowie ein römischer Wachturm und viele Einzelfunde verweisen auf den hohen Einfluss Ägyptens in der Zeit von 1500-1200 v. Chr. wie auch auf die Blütezeit im Hellenismus. Für die kommende Saison haben sich zusätzlich zu den bisherigen Kooperationspartnern drei chinesische Universitäten dem Projekt angeschlossen und die Registrierung läuft auf vollen Touren. Der Kurs der Lautenschläger-AsekaAktie steigt stark an. Prof. Dr. Oeming und CS

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Wenn Sie einen zusätzlichen Eindruck gewinnen wollen, schauen sie auf YouTube unter http://youtu.be/7FGeqHXXtRo


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Mehrjährige laufende Förderungen Bildungsförderung durch Sport in Äthiopien Als gemeinsame Schirmherren eines „Circle of Friends“ bündeln Dr. h. c. Manfred Lautenschläger und Haile Gebrselassie ihre Kraft zum Wohle der „Tariku und Desta´s Kids´ Education and Development through Tennis (TDKET) Ethiopia“ – ein Projekt und seine Geschichte.

„Ich finde das Tennisprojekt phantastisch. Nicht nur, was tatsächlich passiert, sondern auch die Philosophie, die dahinter steckt. Wir brauchen in diesem Land die Unterstützung von Außen, um manche Dinge in Bewegung zu bringen. Mein Dank gilt all denen, die helfen. Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben, das kann vieles verändern, deshalb ist dieses Projekt so wichtig für Äthiopien“.

Vor genau zehn Jahren machen sich Tariku und Desta Tesfaye daran, Kinder von den Straßen und aus Blechhütten Addis Abebas zu holen, um ihnen das Tennisspielen beizubringen. Dieses außergewöhnliche Engagement bot Grund für eine besondere „Geburtstagsfeier“. Dazu eingeladen war unter anderem eine 14-köpfige Delegation des Racket Centers. Personen, die sich dem Projekt der Brüder eng verbunden fühlen, reisten gemeinsam mit Dr. h. c. Manfred und Angelika Lautenschläger vom 31. Oktober bis 4. November 2012 in die Hauptstadt Äthiopiens. Insgesamt über 60 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Sport und Medien folgen der Einladung von Johannes Kifle, dem „President of the Board“ der TDKET, der im Laufe dieser Jahre für Tariku und Desta ein Mentor geworden ist. Auch eine weitere, ganz berühmte Persönlichkeit des Landes, zählt zu seinen Mentees: Haile Gebrselassie. Johannes Kifle kennt den Läufer aus seinen Anfangsjahren als Leichtathlet mit Weltklasseformat. Dadurch hat Haile Gebrselassie das „Ethiopian Kids´ Tennis Programme“ schon sehr früh in Augenschein genommen – und ins Herz geschlossen. An diesem Samstagabend, den 3. November 2012, soll ein wegweisendes Zeichen gesetzt werden: Der mehrfache Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter kommt ins German Development and Cooperation Office der GIZ, um ein Commitment zu leisten:

v.l.n.r.: Tariku Tesfaye, Dr. Matthias Zimmermann, Haile Gebrselassie, Dr. h. c. Manfred Lautenschläger, Angelika Lautenschläger

Diese Begeisterung, die Haile Gebrselassie in seiner herzlichen Art so authentisch vermittelt, ist ansteckend. Die erste Begegnung zwischen ihm und Manfred Lautenschläger lässt alle, die dabei sind, spüren: hier treffen sich zwei Persönlichkeiten, die sich – jeder auf seine Weise – irgendwann einmal auf ihren ganz eigenen Weg gemacht haben, Großartiges erreichen konnten und eines dabei nie vergessen haben: es ist Pflicht und Privileg zugleich, Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu übernehmen. Fortsetzung »

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Da stehen sie sich nun gegenüber, zwei Männer, die sich auf Anhieb verstehen und alle Anwesenden an der gegenseitigen Sympathie füreinander teilhaben lassen. Der „Circle of Friends der TDKET“, dessen Gründung in diesem Saal nun bevorsteht, darf sich über zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten als Schirmherren freuen. Dazu Manfred Lautenschläger: „Wir beide werden Schirmherr sein einer Initiative für äthiopische Kinder. Ich hoffe, dass es auch staatliche Stellen aufrüttelt. Denn wir sind nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Wir können Initialzündung sein, und dann muss auch bei uns das zuständige Ministerium die Dinge weiter betreiben“.

So wird diese Geburtstagsfeier gleichzeitig zur Gründungsfeier. Und tatsächlich schließen sich alle Anwesenden dem „Circle of Friends“ an – sicherlich auch unter dem Eindruck einer gelungenen filmischen Präsentation des Projekts, einer eindringlichen Begrüßungsansprache von Johannes Kifle und einer sehr prägenden Festrede von Manfred Lautenschläger.

Nachhaltig berührt von dem vorher Erlebten war die gesamte Deutsche Gruppe, die noch wenige Stunden zuvor auf der Tennisanlage an einem kleinen Ausschnitt aus dem Alltag der Tenniskinder teilhaben durfte.

„Ich bin überwältigt. Es ist ein Riesenunterschied, ob man so etwas unterstützt, weil man davon gehört hat, hier wird etwas für Kinder getan, oder wenn man dann vor Ort ist und selber dann die Eindrücke in sich aufnehmen kann – da liegen Welten dazwischen! Was das für die Kinder bedeutet, hier eine Art Zuhause zu haben. Ich bin so was von beeindruckt.“, sagte Manfred Lautenschläger im Angesicht der fast 70 Kinder, deren Aktivitäten zwischen Tennistraining, Motorikschulung und Zusatzunterricht in Englisch und Mathematik abwechseln. Anrührend ist es auch, wenn man beobachtet, wie die Älteren in dem Projekt Verantwortung für Jüngere übernehmen, wie sie sich kümmern und den gerne beschworenen „Generationenvertrag“ im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die Tat umsetzen. In dieser so positiven, von Respekt und Anerkennung geprägten Stimmung, leistet der Stifter zum Ende seiner Ansprache schließlich das Versprechen, das allen Teilnehmern dieser Gründungsveranstaltung erkennbare Hoffnungsschimmer ins Gesicht zeichnet:

„Wenn die Regierung hier ein Grundstück bereitstellt, wird die Manfred Lautenschläger-Stiftung dafür Sorge tragen, dass noch sehr viel mehr Kinder an diesem wunderbaren Projekt teilhaben dürfen. Wir werden Tennisplätze und Unterrichtsräume schaffen, und – Step by Step – dazu beitragen, dass eine Bildungsstätte entsteht, in der Schul- und Sportförderung viele Kinder und Jugendliche erfolgreich sein lässt: im Sport, in der Schule – und im Leben!“ So folgt der „Circle of Friends“ unter den schützenden Händen von Manfred Lautenschläger und Haile Gebrselassie einem gemeinsamen Geist, den Johannes Kifle schon bei dem ersten Besuch der deutschen Partner in Addis Abeba vor zwei Jahren formulierte: „Beides muss Hand in Hand gehen: Tennis und Bildung. Nur wenn beides stimmt, werden wir erfolgreich sein“.

Dr. Matthias Zimmermann

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger mit den Kindern des Projekts

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Simferopol: HeidelbergZentrum und Ärztinnen aus Simferopol

Bereits 1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines nationalen Denkmals zur Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung von europäischen Sinti und Roma - eingeweiht wurde dieses von dem israelischen Künstler Dani Karavan entworfene Mahnmal im Oktober 2012. Das Denkmal besteht aus einem Brunnen, in dessen Mitte sich ein versenkbarer Stein befindet, auf dem jeden Tag eine frische Blume zu sehen ist. Darüber hinaus informieren Tafeln über Ausgrenzung und Massenmord an dieser Minderheit während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.

Seit nunmehr fünf Jahren bringt die Manfred Lautenschläger-Stiftung Ärzten und Ärztinnen der Medizinischen Universität Simferopol durch ein Kurzstipendium an der Frauenklinik und in der Chirurgie nach Heidelberg - neu seit 2012 ist die zusätzliche Kooperation mit der Universität Heidelberg. Neben dem Wissen, das die Ukrainerinnen aus Heidelberg mitnehmen, ist auch ein Transporter mit medizinischen Hilfsgüter für das Kinderkrankenhaus in Simpferopol auf seinem Weg. Darüber hinaus wurde auch das HeidelbergZentrum Simferopol unterstützt, unter anderem bei einer Ausstellung anlässlich 20 Jahre Städtepartnerschaft Heidelberg und Simferopol.

Aus diesem Anlass präsentierten der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ein kulturelles Rahmenprogramm unter dem Titel „DENKMAL WEITER“. Vom 19. bis zum 25. Oktober sollten Theaterabende, Konzerte, Ausstellungen, Diskussionen, Lesungen, Vorträge und Zeitzeugengespräche Impulse zur Auseinandersetzung mit der Gesellschaft geben. Unter anderem unterstützt von der Manfred Lautenschläger-Stiftung fand am Abend der Mahnmalseröffnung ein Konzert mit Ferenc Snétberger, dem Kammerorchester „Concerto Budapest“ unter Leitung von András Keller und Schülern des Snétberger Music Talent Centers statt.

CS

Homepage Newsarchiv

Kellerladen e.V. und Bruder Lukas Seit mehreren Jahren unterstützt die Manfred Lautenschläger-Stiftung Aktivitäten vom Kellerladen e.V. und Bruder Lukas im Roma-Lager Habesch in Sevoce (Slowakei). Im Jahr 2012 wurde dort ein bereits erworbenes stabiles Betonhaus renoviert.

CS

Darüber hinaus ...

... spendete die Stiftung der Hochschule für Jüdische Studien drei Stipendien, unterstützte „Romane Romnja“ bei deren einjährigen Jubiläumsveranstaltung anlässlich des internationalen Frauentages und die Inszenierung der Theater-

stücke „Gilgamensch“ und „Zigeunerboxer“. Weitere Informationen finden Sie in unserem Jahresbericht 2011.

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"Wenn man weiĂ&#x;, dass 50 Prozent der deutschen Kinder nicht auf die von der Weltgesundheitsorganisation geforderte tägliche Bewegung von einer Stunde kommen, muss man handeln." Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


SPORT UND GESUNDHEIT

Neue Projekte und einmalige Förderungen Mehrjährige laufende Förderungen

Motorik ABC

S. 22

2. Sportstifter-Symposium der Sportregion Rhein-Neckar

S. 23

„Straßenfußball für Toleranz Europameisterschaft 2012“

S. 24

Schwimmfix auch außerhalb Heidelbergs erfolgreich

S. 25

Internationales Vetter A-Junioren Fußballturnier “Inselcup“

S. 24

Radtreff Rhein-Neckar 300 Teilnehmer radeln für den guten Zweck

S. 25 S. 25

Darüber hinaus ...

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SPORT UND GESUNDHEIT

Nicht erst seit seiner Erkrankung ist der Stifter Manfred Lautenschläger ein Sportnarr. Ob Basketball, Tennis, Golf, Radfahren oder Schwimmen – er nimmt die Herausforderung an. Dies sieht er darin begründet, dass er schon als Kind im Hof kicken ging, wann immer die Zeit es zuließ. Dass heutzutage die meisten Kinder unter Bewegungsmangel leiden, ist eine Tatsache, der er entschieden entgegenwirken möchte. Unter dem Motto „wenn man als Mann aus der Wirtschaft Geld gibt, dann sollte man sich anschließend zurückhalten und die machen lassen, die sich in ihrem Feld am besten auskennen“ unterstützt die Stiftung einige ausgewählte Sportprojekte.

Motorik ABC Eine Beobachtung, die die Manfred Lautenschläger-Stiftung von Anfang an in Blick hatte und der sie mit überzeugenden Programmen entgegentreten möchte, ist die, dass viele Kinder nicht mehr in einer Bewegungswelt heranwachsen. Um den vielfältigen negativen Folgen einer bewegungsarmen Kindheit vorzubeugen, haben daher die Manfred Lautenschläger-Stiftung und die BASF SE im Herbst 2011 ein neu konzipiertes Programm für Klein- und Vorschulkinder ins Leben gerufen: Das Motorik ABC. Das Programm hat zum Ziel, Bewegungs- und Sprachförderung für alle Kinder als festen Bestandteil in den Kindergartenalltag zu integrieren, um sprachliche und motorische Defizite frühzeitig zu kompensieren. Zusätzlich werden an ausgewählten Kindertagesstätten motorische und sprachliche Tests durchgeführt, um die Effekte des Programms auf die Kinder wissenschaftlich zu belegen. So soll die motorische Leistungsfähigkeit frühzeitig, systematisch und nachhaltig gefördert werden; gleichzeitig ist es ein Ziel, die sprachlichen Kompetenzen der Kinder zu stärken.

Das Programm besteht aus zwei Modulen: Dem namensgebenden Modul Motorik ABC von Herrn Prof. Roth (Universität Heidelberg), dessen Schwerpunkt in der Schulung erster motorischer Basiskompetenzen liegt und dem Modul Bewegte Sprache von Frau Prof. Zimmer (Universität Osnabrück), in dem sprachliche Kompetenzen in Verbindung mit Bewegungsangeboten gefördert werden sollen. Das Projekt startete nach einer Pilotphase 2011 offiziell im April 2012, wobei eine überwältigende Resonanz der Kindertagestätten auf die Ausschreibung zu verzeichnen war. In der Zwischenzeit wurden über 400 Erzieher in den 120 ausgewählten Einrichtungen aus der Metropolregion Rhein-Neckar fortgebildet. Dabei wurde ein Schwerpunkt auf die Auswahl von Kindertagesstätten mit einem hohen Anteil Heranwachsender aus sozial schwachen, bildungsfernen Familien oder aus Migrantenfamilien gelegt. Neben den beiden Modulen Motorik ABC und Bewegte Sprache wird außerdem im Rahmen des Projekts eine kostenfreie Beratung zu dem Themenfeld „kindliche Ernährung“ angeboten, die individuell an die Bedürfnisse in den einzelnen Einrichtungen angepasst werden kann. Dabei wird in Kindertagesstätten mit einem erhöhten Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund eine kultursensible Ernährungsberatung in verschiedenen Sprachen angeboten. Die Erzieher, die das Programm seit letztem Jahr in Ihrer Einrichtung anbieten, berichten von sichtbaren Erfolgen der Kinder in ihrer motorischen und sprachlichen Entwicklung. Gerade bei den Kindern mit erhöhtem Förderbedarf können durch das altersgerechte Förderprogramm und adäquate Anregungen im Kindertagesstättenalltag deutliche Effekte beobachtet werden.

v.l.n.r.: Dr. Markus Gomer, Dr. Ulrike Hegar, Dr. h. c. Manfred Lautenschläger, Prof. Dr. Roth

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Prof. Dr. Roth und ML


SPORT UND GESUNDHEIT

Neue Projekte und einmalige Förderungen 2. Sportstifter-Symposium der Sportregion RheinNeckar

Sport und Bildung, die Bildungswirkung des Sports, insbesondere auch in seiner Rolle als Schulfach, war Kernthema des diesjährigen Sportstifter-Symposiums am 09. Oktober 2012 in der Neuen Universität Heidelberg. Dank der Vielzahl hervorragend vorbereiteter Referenten, Diskutanten und Chairs fügte sich das Programm zu einem schlüssigen Ganzen: „Lokale Bündnisse für Bildung“ aus Stiftungen, Vereinen, Kommunen, Schulen und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen können im Sport und durch Sport mehr als nur Impulse setzen. Die Initiative des Bundes „Allianz für Bildung“ sieht sich dabei als Dach über diesen lokalen Bündnissen und dient der Förderung bildungsbenachteiligter Kinder. Auch der DOSB ist Gründungsmitglied dieser Allianz, um vor allem die Bedeutung außerschulischer Bildungsangebote im und durch Sport hervorzuheben. Welche Bedingungen der Sport erfüllen muss, welche Chancen sich für die Institutionen ergeben und welche Best Practice Beispiele vorbildlich sind, darüber informierte das Tagessymposium in eindrucksvoller Weise. Immerhin 30 Beteiligte gestalteten vor knapp 180 Zuhörern ein abwechslungsreiches, spannendes und äußerst nachdenkenswertes Programm.

Höhepunkt des Symposiums – belegt auch durch den enormen Zuhörerzuspruch – war eine Diskussionsrunde, bei der neben Bestsellerautor Bastian Bielendorfer, BSB-Präsident Heinz Janalik und MdB Eberhard Gienger der Veranstaltungsmäzen und Stifter Manfred Lautenschläger selbst seine Sicht auf die unumstritten dringend erforderliche Kooperation zwischen Institutionen des Sports und der Bildung darlegte. Den Abschluss der Sportregions-Veranstaltung bildete der Talk zwischen der damaligen Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg und dem SWR-Sportchef Michael Antwerpes. Inhaltlich ging es dabei hauptsächlich um die Ausgestaltung der rhythmisierten Ganztagsschule. Gabriele WarminskiLeitheußer zeigte sich durchaus solidarisch und verständnisvoll mit den Teilnehmern des Symposiums; konkrete Programme und Finanzierungsvorschläge von Seiten der Politik konnten die Vertreter von Schulen und Stiftungen jedoch auch aus diesem Gespräch nicht ableiten. Letztendlich waren sich aber alle Teilnehmer und Zuhörer des Symposiums in einem Punkt einig: Sport und Bildung bilden eine untrennbare Einheit und sollten stets auch als solche gefördert werden. Lokale Bündnisse für Bildung aus Schulen, Stiftungen, Vereinen und Kommunen sind dabei sicherlich ein wichtiger Schritt, um in gemeinsamen Projekten diesem Ziel näher zu kommen.

Dr. Matthias Zimmermann

v.l.n.r.: Wolfgang Grünwald, Bastian Bielendorfer, Dr. h. c. Manfred Lautenschläger, Heinz Janalik, Eberhard Ginger (MdB)

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SPORT UND GESUNDHEIT

Mehrjährige laufende Förderungen „Straßenfußball für Toleranz Europameisterschaft 2012“

Am 11. Juli 2012 eröffneten Oberbürgermeister Dr. Würzner und Manfred Lautenschläger die „Straßenfußball für Toleranz Europameisterschaft 2012“ in Heidelberg. Mit dem Projekt „Straßenfußball für Toleranz“ sollen das Fair Play gefördert und die Einbindung aller Spielers erreicht werden. Bei dieser Variante des Fußballs repräsentiert jede mitspielende Mannschaften eine der an der UEFA EURO 2012™ teilnehmenden Nationen, wobei 4 gegen 4 nach dem besonderen Regelwerk von „Straßenfußball für Toleranz“ gespielt wird. Die Teams bestehen aus maximal sechs Spielerinnen und Spielern, und es muss immer mindestens ein Mädchen und ein Junge auf dem Feld stehen. Die vier Siegermannschaften der Mannschaften qualifizierten sich für das Finale am 15. Juli in Ostfildern und spielten dort mit den Gewinnern aus fünf weiteren baden-württembergischen Standorten den Titel des „Straßenfußball für Toleranz Europameisters 2012“ aus.

„Bei unserer Straßenfußball-EM steht nicht nur das ‚Tore schießen‘ im Mittelpunkt. Vielmehr wollen wir Werte wie Fairplay und Toleranz, Respekt und Anerkennung stärken“, betont LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar. Hierfür wurde die Spielmethode von „Straßenfußball für Toleranz“ weiterentwickelt: Die Spielerinnen und Spieler der gemischten Mannschaften legen eigene Regeln des Fair Play fest und vergeben für deren Einhaltung gemeinsam Punkte, die in das Ergebnis einfließen. Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Schiedsrichter, sondern sogenannte Teamer. Diese schauen bei den Spielen zu und reflektieren nach Spielende gemeinsam mit den Mannschaften deren Verhalten. Auch die Teamer profitieren von ihren Erfahrungen und erlernen durch ihr Mitwirken und Mitgestalten neue Fähigkeiten und Kompetenzen.

ML

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Internationales Vetter A-Junioren Fußballturnier oder „Inselcup“ Auch 2012 hat die Manfred LautenschlägerStiftung das „Internationale Vetter A-Junioren Fußballturnier“ in Ilvesheim unterstützt. Seit 1955 wird das Fußballturnier um den sogenannten „Inselcup“ durchgeführt. Schon an der ersten Auflage des Turniers nahmen bekannte Vereine wie der KSC oder Darmstadt 98 teil, bereits im Folgejahr war der Inselcup mit der Teilnahme vom FC Baden und dem FC Basel, beide aus der Schweiz, und Racing Straßburg aus Frankreich international besetzt. Jedes Jahr nehmen acht Nachwuchsmannschaften (U19) aus Deutschland und aus dem Ausland an dem Turnier teil, die in ihrer jeweils höchsten heimischen Liga spielen. Denn den Veranstaltern ist daran gelegen, internationalen Fußball auf hohem Niveau zeigen zu können. Zudem sind weitere Aspekte ganz wesentlich: Der Fußball soll den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen und Brücken zwischen den Teilnehmern schlagen. Werte wie Teamfähigkeit, Motivation und Fairness stehen im Mittelpunkt, für Fremdenfeindlichkeit ist kein Platz. Daher ist es nachvollziehbar, dass die Veranstalter das Turnier als „Mosaikstein der Völkerverständigung“ bezeichnen. Teilgenommen haben 2012 eine Mannschaft aus Tansania, eine aus Israel und ein kroatischer Verein. Mit viel Tradition und Engagement werden bei diesem Turnier klassische Stiftungszwecke der Manfred Lautenschläger-Stiftung wie Sport und Völkerverständigung gelebt und gefördert.

ML


SPORT UND GESUNDHEIT

Schwimmfix - auch außerhalb Heidelbergs erfolgreich

Radtreff Rhein-Neckar 300 Teilnehmer radeln für den guten Zweck

2012 haben Karlsruher Grundschüler von insgesamt 16 verschiedenen Schulen das Ende des Projekts „Schwimmfix” im Europabad Karlsruhe gebührend gefeiert - bei dieser Abschlussveranstaltung hatten sie die Möglichkeit das Seepferdchenabzeichen abzulegen. Einige Schulen hatten kleine Dankeschöngeschenke für Herrn Dr. h. c. Lautenschläger gebastelt und von allen Schulen wurde ihm ein großes Plakat mit Unterschriften von allen Schülern überreicht. Auch 2012 gab es wieder das SchwimmfixFestival. Seit 2005 lehren Sportstudenten Grundschulkindern in Heidelberg das Schwimmen. Bei lokalen Wettkämpfen erzielten diese Kinder sogar schon erste Erfolge. Ein Beweis für die Betreuer, dass das Konzept der Manfred Lautenschläger-Stiftung „umfassend und nachhaltig“ greift. Dank der „Schwimmfix“-Initiative haben in Heidelberg rund 1.700 Kinder bereits das Schwimmen erlernt. Mittlerweile wurde das erfolgreiche Projekt auch in Karlsruhe etabliert und es bestehen Überlegungen das Projekt auf ganz Baden-Württemberg auszudehnen.

Newsarchiv

Übergabe des Spendenschecks

Rund 130 anstrengende Kilometer fuhren die Teilnehmer des diesjährigen „Radtreff RheinNeckar“. Die Einnahmen aus Startgeldern und Spenden werden von der Manfred LautenschlägerStiftung und dann noch einmal von der Initiative „Tour der Hoffnung“ verdoppelt. Rund 85.000 Euro sind so in diesem Jahr zusammengekommen und gehen an ein Forschungsprojekt des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Kinderklinik Heidelberg.

Newsarchiv

Darüber hinaus ...

... wurden die Ballschule Heidelberg und der ADFC in der „Verkehrpädagogik“ unterstützt, so-

wie die Jugend des USC Heidelberg, die Jugend des SC Neuenheim und B.ALL.

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"Wissenschaft braucht Neugier und frische Köpfe – und die brauchen Freiheit für ihre Forschung." Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Neue Projekte und einmalige Förderungen

Mehrjährige laufende Förderungen

Glykosyliertes Albumin: neuer Parameter zur mittelfristigen Stoffwechselkontrolle und Prädiktor für das Auftreten von Gefäßkomplikationen?

S. 28

EMBL: Science and Society - Heidelberg Forum

S. 29

Internationale Stoffwechsel-Tagung im Deutschen Krebsforschungszentrum

S. 29

Syndromtag 2012

S. 29

Bibliotheca Palatina/Lateinische Codices in der Biblioteca Apostolica Vaticana

S. 30

MINT Excellence

S. 33

Manfred Lautenschläger-Gastprofessur für Entrepreneurship

S. 32

Medical Excellence

S. 33

Darüber hinaus …

S. 33

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FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Gesundheitsbewusstsein heißt in Deutschland: Man geht zum Arzt, wenn man krank geworden ist, das heißt man lässt einen aufgetretenen Schaden reparieren. Viel zu wenig Gedanken macht man sich darüber, ob und wie man vermeiden kann, dass der Schaden, sprich die Erkrankung, überhaupt eintritt. Prävention heißt das Stichwort. Die primäre Prävention betrifft in erster Linie die Lebensführung. Der moderne Zivilisationsmensch isst zu viel, bewegt sich zu wenig, trinkt zu viel Alkohol, raucht. Die Folge: Übergewicht, Krebserkrankungen, Diabetes.

Glykosyliertes Albumin

Neuer Parameter zur mittelfristigen Stoffwechselkontrolle und Prädiktor für das Auftreten von Gefäßkomplikationen? Der HbA1c-Wert gilt bisher als „Goldstandard“ der Güte der Stoffwechseleinstellung bei Patienten mit Diabetes. Er reflektiert die mittlere Blutzuckerkonzentration der letzten zwei bis drei Monate und stellt somit einen „langfristigen“ Stoffwechselparameter dar. In diesem Rahmen ist er auch ein Prädiktor für das Auftreten von diabetestypischen Komplikationen (diabetische Retinopathie, diabetische Nephropathie, Neuropathie und Makroangiopathie-Komplikationen). Als Nachteil dieses Parameters sind bekannt: kurzfristige Blutzuckeranstiege, wie sie z.B. nach einer Mahlzeit auftreten, werden durch den HbA1c-Wert nicht erfasst und können so zu einer Fehleinschätzung der Güte der Stoffwechseleinstellung führen, die sich natürlich hinsichtlich des langfristigen Therapieziels, Gefäßkomplikationen zu verhüten, ungünstig auswirkt. Die Abhängigkeit des HbA1c-Wertes vom Hämoglobin-Stoffwechsel hat vor allem bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion Bedeutung: bei diesen ist die Lebensdauer der roten Blutkörperchen häufig verkürzt, sodass hier der HbA1c-Wert die Diabeteseinstellung unterschätzt.

Prof. Dr. Hasslacher

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Mit dem glykosylierten Albumin steht seit kurzem ein neuer Parameter zur Verfügung, der die genannten Nachteile des HbA1c’s weitgehend zu überwinden scheint: er reflektiert die Stoffwechselkon-

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trolle der letzten zwei bis drei Wochen, auch postprandiale Blutzuckerwerte gehen in diesen Wert ein. Es besteht keine Abhängigkeit vom Hämoglobin- bzw. Erythrozytenstoffwechsel. In der von der Stiftung ebenfalls unterstützten CARISMA-Studie wurden rund 500 Patienten mit Diabetes über fünf Jahre hinweg hinsichtlich des Auftretens von diabetestypischen Komplikationen in jährlichen Abständen untersucht. Durch Bestimmung des glykosylierten Albumins in den eingefrorenen Serumproben dieses gut dokumentierten Krankenguts sollten folgende Fragestellungen geklärt werden: Welche Beziehungen bestehen zwischen dem HbA1c-Wert und dem glykosyliertem Albumin im mehrjährigen Verlauf bei Diabetikern mit normaler und eingeschränkter Nierenfunktion? Welche stoffwechselunabhängigen Faktoren wie z.B. Anämie, Eisenmangel, Eiweißverlust über die Niere (Proteinurie) etc. haben einen Einfluss auf die beiden Langzeitparameter? Wer ist der bessere Prädiktor für das Auftreten von diabetestypischen Folgeerkrankungen, insbesondere kardiale Komplikationen: HbA1c oder das glykosylierte Albumin? Die Ergebnisse der Studie befinden sich derzeit in der Auswertung und werden gegen Mitte des Jahres 2013 erwartet.

Prof. Dr. Hasslacher und CS


FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Neue Projekte und einmalige Förderungen EMBL: Science and Society Heidelberg Forum

Biowissenschaften und ihr Einfluss auf unser tägliches Leben und auf unsere Umwelt sowie die durch sie bedingten Veränderungen unserer Zukunft stellen zentrale Themen der heutigen Zeit dar, die auf vielfältigen Ebenen und zum Teil sehr kontrovers diskutiert werden. Dabei bleibt die Diskussion jedoch oft innerhalb einzelner Gesprächsgruppen und die Möglichkeit zur Sachinformation aus erster Hand und in verständlicher Form ist für den interessierten Bürger zu selten gegeben. Heidelberg beherbergt einige der weltweit führenden Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet und bietet daher besonders günstige Voraussetzungen, um den notwendigen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken. Auf Initiative von Wissenschaftlern des Europäische Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL), Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Zentrum für Molekularbiologie (ZMBH) und Medizinische Fakultät Heidelberg) wurde das Heidelberger Forum Biowissenschaften und Gesellschaft gegründet, in dessen Rahmen international herausragende Wissenschaftler eine Reihe von ausgewählten Vorträgen zu aktuellen Forschungsthemen halten. Das Besondere dieser neuen Vortragsreihe ist dabei, dass neben einem Vortrag für die Fachkollegen zusätzlich ein populärwissenschaftlicher Abendvortrag gehalten wird, der sich in allgemein verständlicher Form an die interessierte Bevölkerung wendet. www.embl.de und CS

Syndromtag 2012

Der Syndromtag 2012 basiert auf der langen Zusammenarbeit zwischen Humangenetik und Pädiatrie. Er widmet sich syndromalen seltenen Erkrankungen der Gebiete Kardiologie und Neuropädiatrie sowie Erkrankungen des Ektoderms. Das Programm macht deutlich, wie vielfältig sich heute Syndrome definieren lassen.

Internationale StoffwechselTagung im Deutschen Krebsforschungszentrum

Im November 2012 trafen sich im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Wissenschaftler aus aller Welt, um den Zusammenhang zwischen gestörtem Stoffwechsel und verschiedenen Krankheiten zu diskutieren. Die Konferenz „Metabolism 2012: From Signaling to Disease“ fand in der Reihe der jährlichen DKFZ-ZMBH Allianz Foren in Heidelberg statt, die die strategische Allianz des DKFZ mit dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg organisiert. Bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen, wie Übergewicht oder Diabetes, liegt die Ursache in gestörten Signalwegen. So funktioniert bei Diabetes das Insulin-Signal nicht mehr, das über den Insulin-Rezeptor der Zelle signalisiert, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel dramatisch an, was zu Schäden an verschiedenen Organen führt. Bei chronisch erhöhter Kalorienzufuhr und daraus folgendem Übergewicht locken übermäßig produzierte Signalstoffe hochaktive Immunzellen heran, was schließlich zur metabolischen Fehlfunktion verschiedener Gewebe führt. Mit zunehmendem Alter treten gestörte Signalwege und damit Stoffwechselstörungen häufiger auf und sind nicht nur Auslöser für schwere Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose, sondern auch ein Merkmal oder sogar Ursache von verschiedenen Krebserkrankungen.

„Wir haben die weltweit besten Wissenschaftler auf diesem spannenden Gebiet nach Heidelberg eingeladen, um die gesamte Bandbreite des Themas – von den Grundlagen bis zu Ideen für die Behandlung – abdecken zu können“, erklärt Prof. Dr. Stephan Herzig vom DKFZ im Vorfeld der Konferenz. Die Tagung wird von der Manfred Lautenschläger-Stiftung sowie der Klaus Tschira Stiftung unterstützt.

Sel und CS

www.syndromtag.de und CS

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FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Mehrjährige laufende Förderungen Bibliotheca Palatina

Lateinische Codices in der Biblioteca Apostolica Vaticana Die Ursprünge der Bibliotheca Palatina, der überaus bedeutsamen Sammlung von Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die sich einst in den Emporen der Heidelberger Heiliggeistkirche befand, reichen zurück bis zur Gründung der Universität Heidelberg im Jahr 1386. Bevor Heidelberg durch katholische Truppen während des Dreißigjährigen Krieges erobert und die Bibliothek in den Vatikan transportiert wurde, galt diese als „optimus Germaniae literatae thesaurus“, als der größte Schatz aller Gebildeten in Deutschland. Im Jahr 1816 kehrten zumindest die deutschsprachigen Handschriften wieder in ihre alte Bibliotheksheimat zurück. 2001 begann die Universitätsbibliothek Heidelberg, erste Bände aus diesen Beständen vermittels digitaler Techniken im Internet zugänglich zu machen.

in den klimatisierten Tresoren der Vatikanischen Bibliothek, der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom. Nun wird die Bibliotheca Palatina zumindest virtuell wieder vereint. Zu diesem Zweck begründeten der Vatikan und die Universität Heidelberg mit ihrer Universitätsbibliothek eine mehrjährige Kooperation. Vertreter der beteiligten Institutionen – unter ihnen der Präfekt der Vatikanischen Bibliothek – stellten das Projekt gemeinsam mit dem Förderer im Oktober 2012 der Öffentlichkeit vor.

„Dank der großzügigen Finanzierung durch Dr. h. c. Manfred Lautenschläger und seiner Stiftung können wir jetzt die Voraussetzung dafür schaffen, dass Forscher ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit unabhängig von Ort und Zeit Einblick in die digitalisierte Bibliothek nehmen können, während die kostbaren Originale unter konservatorisch besten Bedingungen in den klimatisierten Tresoren verbleiben“, erklärte der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Bernhard Eitel. Pro Woche werden vier bis sieben Handschriften aus den vatikanischen Tresoren in den Aufnahmeraum des Heidelberger Digitalisierungsstudios transportiert, wo sie mit einer hochauflösenden Kamera fotografiert werden, wobei ein spezieller Kameratisch die kontaktlose und schonende Direktdigitalisierung der höchst empfindlichen Objekte ermöglicht. Die Nachbearbeitung mit Bildbearbeitungsprogrammen sorgt dafür, dass das digitale Dokument bestmöglich dem Original entspricht

Digitalisierung einer Palatina-Handschrift in Rom

Foto: Universitätsbibliothek Heidelberg

Bis auf einige wenige Ausnahmen liegen die verbliebenen, nicht deutschsprachigen Handschriften und sämtliche Drucke und somit der größte Teil der Bibliotheca Palatina jedoch noch heute

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Dieses Projekt ist nach einhelliger Einschätzung für die wissenschaftliche Forschung überaus bedeutend, aber wie der rege Zulauf zu einer Ausstellung der vatikanischen Bestände (darunter das bekannte „Falkenbuch“ Kaiser Friedrichs II.) in Heidelberg im Jahr 1986 zeigt, ist die Digitalisierung auch für die historisch und kulturell interessierte Öffentlichkeit ein echter Gewinn.

ML


Falkenbuch, Pal. lat. 1071, Bl. 93r Foto: Biblioteca Apostolica Vaticana


FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Manfred LautenschlägerGastprofessur für Entrepreneurship Die Manfred Lautenschläger-Stiftung richtet am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (ifm Mannheim) die Gastprofessur für Entrepreneurship neu ein. Die Gastprofessur erlaubt es, einen renommierten Wissenschaftler für das ifm Mannheim zu gewinnen, der ausgewählte Forschungsprojekte vorantreibt und zugleich Lehrveranstaltungen zum Thema Entrepreneurship aus internationaler Perspektive anbietet. Ziel des Engagements ist, Forschung und Lehre in diesem Zukunftsbereich auszubauen und die Universität Mannheim an das Niveau international führender Universitäten heranzuführen.

„Die systematische Erforschung und praxisorientierte Vermittlung von unternehmerischem Denken und Handeln als zentraler Motor der Wissensgesellschaft bleibt eine große Herausforderung“, sagt Prof. Dr. Michael Woywode, Direktor des Instituts für Mittelstandsforschung und Inhaber des Lehrstuhls für Mittelstandsforschung und Entrepreneurship an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre. „Durch die neu eingerichtete Gastprofessur erwarten wir zahlreiche neue Impulse, wie wir Ausgründungen aus der Universität stärken können.“

Als erster Gast konnte Professor Michael Horvath, Ph.D. für einen Kurzaufenthalt am ifm Mannheim gewonnen werden. Michael Horvath studierte an der Harvard University und Northwestern University Volkswirtschaftslehre, bevor er als Wirtschaftsprofessor an der Stanford University und der Tuck School of Business des Dartmouth Colleges lehrte. Parallel zu seiner akademischen Karriere gründete er selbst oder beteiligte sich an 17 Unternehmen – zumeist aus einem universitären Umfeld -, von denen mehrere sehr erfolgreich waren. So wurde das Biotech-Unternehmen Glycofi, an dem Michael Horvath maßgeblich beteiligt war, 2007 für 800 Mio. Euro von Merck (USA) erworben. Aber auch mit Börsengängen, beispielsweise der Unternehmen KANA und Enercon, war Michael Horvath erfolgreich Seit Herbst 2011 besetzen Prof. Francis Greene von der Warwick Business School und Prof. Robert Isaak von der Pace University die Lautenschläger-Gastprofessur für Entrepreneuship. Die beiden angelsächsischen Wissenschaftler arbeiten am ifm Mannheim über mehrere Monate hinweg in Forschung und Lehre mit. Francis Greene ist Associate Professor am Center for Small and Medium-Sized Enterprises der Warwick Business School (GB). Robert Isaak ist langjähriger Professor für Entrepreneurship an der Pace University (USA). Die Förderung von Unternehmer-geist und Unternehmertum, gerade auch im Bereich der Lehre, ist der Manfred Lautenschläger-Stiftung seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen. „Wir freuen uns einen Beitrag zum weiteren Ausbau des Forschungs- und Lehrangebots des ifm Mannheim leisten zu können.“, so Dr. h. c. Manfred Lautenschläger

ifm und CS

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FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

MINT Excellence

Medical Excellence Die vierte Runde des Stipendienprogramms „Medical Excellence“, eines der größten Förderprogramme für Medizinstudierende in Deutschland, startete am 15. April 2012. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt damit 15 angehende Human- und Zahnmediziner mit einer Förderung in Höhe von je 500 Euro pro Semester, insgesamt jeweils 3.000 Euro. Zusätzlich wurden drei Sonderstipendien in den Kategorien „Gefäßmedizin“, „Hausarzt“ und „Neurowissenschaften“ vergeben.

Die gemeinnützige Manfred LautenschlägerStiftung hat „MINT Excellence“ in diesem Jahr zum ersten Mal ausgeschrieben. Mit diesem Programm zeichnet die Stiftung herausragende wissenschaftliche Arbeit, besondere Studienleistungen und soziales Engagement in den sogenannten MINT-Studienrichtungen aus. Die Stipendiaten des neuen Stipendienprogramms standen dann im Juni 2012 fest. Insgesamt 30 Studierende der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik erhalten zwei Jahre lang eine Unterstützung von je 750 Euro pro Semester. Sie setzten sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren unter bundesweit rund 1.200 Bewerbern durch. Das Assessment Center fand in der MLP-Zentrale in Wiesloch statt. Durchgeführt wird „MINT Excellence“ von MLP. Kooperationspartner sind das Innovationsmagazin Technology Review aus dem Heise Verlag und „MINT Zukunft schaffen“, eine Initiative der deutschen Wirtschaft gegen den Fachkräftemangel in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen.

Die Stipendiaten erhalten ein halbes Jahr lang 500 Euro pro Monat, beispielsweise für ein Forschungssemester.

MLP und CS

MLP und CS

Darüber hinaus ...

... wurde auch 2012 das DKFZ mit Frau Riemer unterstützt, das Lautenschläger-Auslandsstipendium der Heidelberger Stiftung für Chirurgie gespendet, die Untersuchung der Entstehung von Karzinomen im Gastrointestinaltrakt durch Alkohol gefördert, ein Forschungsantrag zur Untersuchung der Mechanismen der alkoholi-

schen Leberschäden und Karzinogenese unterstützt und vieles mehr. Weitere Informationen dazu finden Sie im Jahresbericht 2011.

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"Bildung ist einer der Wegweiser in eine erfolgreiche Zukunft f체r unsere Gesellschaft und f체r die Kultur, die uns pr채gt." Dr. h. c. Manfred Lautenschl채ger


GESELLSCHAFT

UND KULTUR

Neue Projekte und einmalige Förderungen Mehrjährige laufende Förderungen

Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie

S. 36

Lesescout

S. 38

Poetry Slam Meisterschaften 2012 BIOS

Durchgängige Sprachförderung in Heidelberger Schulen (Klasse 1 bis 6) Teach First Deutschland in Baden-Württemberg

Darüber hinaus …

Aktion „Lesestart - Heidelberg schenkt Kindern Zukunft“

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S. 37 S. 39 S. 40 S. 41 S. 43 S. 43

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

Die Manfred Lautenschläger-Stiftung fördert ein verbessertes Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft. Dies umfasst sowohl Projekte von gesellschaftspolitischer Bedeutung für Deutschland insgesamt als auch solche, die die Lebensqualität in Heidelberg und der Region konkret betreffen. Heidelberg ist darüber hinaus in der ganzen Welt als Kulturstadt bekannt. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung setzt sich dafür ein, diesen Ruf zu erhalten und die kulturelle Vielfalt in der Region weiter zu fördern.

Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie

Seit fünf Jahren nun finden die von der Manfred Lautenschläger-Stiftung in Kooperation mit der Universität Heidelberg veranstalteten “Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie” statt, die sich interdisziplinären Themen zuwenden. Verantwortlich für ihre Thematik und Organisation ist der Germanist Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Borchmeyer, Professor emeritus der Universität Heidelberg, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und Honorarprofessor der Universität Graz. Er hält die Heidelberger Vorträge teilweise selbst oder führt Gespräche mit international renommierten Wissenschaftlern, Nachwuchsgelehrten und Künstlern verschiedener Sparten. Eine besondere Attraktion sind immer die Gesprächskonzerte mit prominenten Musikern in der Alten Aula. In den Berichtszeitraum 2012 fielen drei Vortragsreihen, quer durch die verschiedensten fachlichen Disziplinen, über „Jüdische Überlieferung – deutsche Kultur. Scheitern und Gelingen einer Wechselbeziehung“ im Wintersemester 2011/2012, „Melancholie – Gemütsverfassung und ästhetischer Zustand“ im Sommersemester 2012 (dem Andenken des großen Heidelberger Gelehrten und MelancholieForschers Raymond Klibansky gewidmet), und „Glaube, Kunst und Wissenschaft“ im Wintersemester 2012/2013. Im Anschluss an die Vorlesung zur jüdischen Überlieferung und deutschen Kultur fand ein Arnold Schönberg-Symposion statt, bei dem unter anderem Christian Gerhaher, der wohl führende lyrische Bariton in Deutschland, mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber Schönbergs „Buch der hängenden Gärten“ aufführten. Außerhalb der thematischen Reihe führten Dieter Borchmeyer und der Musikologe und Pianist Siegfried Mauser, Präsident der Hochschule für Musik und Theater in München, der in nahezu jedem Semester Gast der „Heidelberger Vorträge“ ist, ein Gespräch mit Christian Thielemann, dem

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wohl bedeutendsten Wagner- und StraussDirigenten der Gegenwart, über „Richard Strauss zwischen Tradition und Moderne“. In einer Zeit, in der aufgrund des ,Bologna-Prozesses’ das Studium mehr und mehr zweckrationalisiert und funktionalisiert wird und die Universität ihren Allgemeinbildungsauftrag immer weniger zu erfüllen droht, ist eine Veranstaltungsreihe wie die „Heidelberger Vorträge“ wahrhaft Gold wert, denn der Zulauf ist im Laufe der Jahre immer größer geworden. Nicht nur für das Heidelberger Bildungsbürgertum und für manche Hörer, die oft von weither anreisen, ist sie inzwischen, wie kaum eine andere allgemeinbildende Veranstaltung der Universität Heidelberg, eine Institution geworden, sondern auch die Zahl der Studierenden, die Studium-Generale-Veranstaltungen leider immer weniger besuchen, ist von Semester zu Semester immer größer geworden.

Das Geheimnis des Erfolgs der Heidelberger Vorträge gründet nicht nur in ihrer allen Fachjargon meidenden Verständlichkeit und ihrem rhetorischen Schwung, die allen Rednern abverlangt werden, oder ihren semesterübergreifenden thematischen Leitlinien, sondern auch in der Tatsache, dass manche Redner und Künstler immer wiederkehren, so die Schriftsteller Martin Walser und Martin Mosebach, die erwähnten Musiker sowie Gelehrte wie Jan Assmann und Paul Kirchhof. Durch diese Wiederkehr hat sich über Jahre hinweg eine einzigartige – geradezu leitmotivische - Kontinuität dieser Veranstaltungsreihe ausgebildet. Besonders bewährt hat sich, am Ende einer Reihe mehrere Referenten noch einmal zu einer Schlussdiskussion zusammenzubitten. Im Sommersemester 2013 wird anlässlich des Wagner-Jahrs eine Vorlesung über „Richard Wagner im Fadenkreuz der Moderne“ stattfinden, die das Phänomen Wagner ins Blickfeld der verschiedensten Wissenschaften von der Musikologie und Philologie über die Politologie bis zur Medizin treten und natürlich auch Musik und Regie nicht zu kurz kommen lässt. Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Borchmeyer und ML


GESELLSCHAFT UND KULTUR

Neue Projekte und einmalige Förderungen Poetry Slam Meisterschaften 2012

Ein Poetry Slam ist ein Wettbewerb der Bühnendichter. Die Veranstaltungsform entstand in den 80er Jahren in den USA und verbreitete sich bald weltweit, derzeit gilt die deutschsprachige SlamSzene nach der englischsprachigen als die zweitgrößte der Welt. Der Ablauf: Mehrere Poeten teilen sich im Verlauf eines Abends die Bühne, um ihre Texte dem Publikum „so aufregend, so mitreißend, so laut und schnell wie nötig und so einfühlend und zuckersüß wie möglich vorzutragen“ (so die Internetseite zum Poetry Slam 2012). Das Publikum bestimmt entweder im Kollektiv über die Lautstärke des Applauses oder durch ausgewählte Publikumsjuroren die Gewinner. Jeden Herbst kommt eine Vielzahl von Poetinnen und Poeten zum Saisonhöhepunkt zusammen, den deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Vom 13. bis 17. November 2012 wurden die Meisterschaften, auch mit der Kurzform SLAM 2012 bezeichnet, in Heidelberg und Mannheim ausgetragen und jeweils in den Disziplinen „Einzel“, „Team“ und „U20“ die deutschsprachigen Poetry Slam Meister gekürt. Auch das Rahmenprogramm zeigte mit öffentlichen Geldern eher selten unterstützte Kunstformen, u.a. eine Allstar Poetry Slam-Show, einen Rap-Slam, einen Song-Slam sowie eine Partie des FK Interslam, der offiziellen Fußballauswahl der Slam-Szene.

Volker Strübing

Der Anteil der Nettoausgaben für Kultur an den Gesamtausgaben der Länder bewegt sich in aller Regel im Bereich von höchstens 1 bis 2 Prozent, wovon einer freien Kulturszene kaum jemals mehr als vielleicht 5 Prozent zugutekommen. Da die Politik oftmals Zwängen unterliegt, die es ihr nahezu unmöglich machen, mehr Mittel für Theater, Konzerte und eben auch Poetry Slams zur Verfügung zu stellen und weil die Manfred Lautenschläger-Stiftung eine ihrer Aufgaben darin sieht, möglichst viele Lebensbereiche in der Region und auch darüber hinaus zu fördern, passt die Unterstützung des Sam 2012 hervorragend in das Programm der Stiftung: Ein Ereignis, zu dem über vier Tage junge Menschen aus mehreren Ländern zusammenkommen, um ihren sprachlichen Meister zu küren und in dessen Rahmen außerdem der Nachwuchs durch einen U20-Wettbewerb eingebunden wird. Überdies ein Ereignis, welches vermittelt, dass Lesen und Schreiben, das Beherrschen der Sprache und des Wortes nicht nur wichtige Fähigkeiten sind, sondern auch Spaß machen. So fördert der Slam Sprache, Kreativität, fördert die Jugend und bereichert schon seit Jahren das Kulturangebot des Rhein-Neckar-Raumes. Gleichzeitig findet ein Austausch zwischen verschiedenen Regionen und Ländern statt und es ist neben dem kulturellen sogar ein sportlicher Aspekt erkennbar: der friedliche Wettkampf der Poeten, der Autoren, der Dichter.

Fortsetzung »

Team Totale Zerstörung

Fotos: Uwe Lehmann | Photographiemanufaktur

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

In der Nachbetrachtung konnten die Veranstalter des SLAM 2012 ein überaus erfreuliches und positives Fazit ziehen: Mehr als 200 Poeten traten in 28 Veranstaltungen vor über 10.000 Zuschauern auf, darunter Gäste aus Schweden, Großbritannien und den USA. Dieses große Interesse schlug sich auch in der Medienresonanz nieder. Das Finale in der Heidelberger Stadthalle wurde bei arte.tv gestreamt, EinsPlus, der digitale Kanal der ARD, strahlte eine mehrteilige Zusammenfassung aus und auch das SWR berichtete sowohl in seinem Fernsehsender als auch im Radio vom dem Ereignis. ML

Lesescout Das schon längere Zeit von der Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstütze Projekt „Lesestart – Heidelberg schenkt Kindern Zukunft“ zielt darauf ab, Kindern und Familien Spaß am Vorlesen (und Lesen) näherzubringen und hat seit 2007 mehr als 4.500 Familien im Raum Heidelberg erreicht.

Hintere Reihe v.l.n.r.: Frau Corinne Engelmann, Christoph Max (Teach First Fellow), Dr. h. c. Manfred Lautenschläger, Gabriele Warminski-Leitheußer (Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes BW), Dr. Joerg F. Maas (Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen), Claus Heinrich (Schuldirektor) Vordere Reihe: Schüler

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Daran anknüpfend wurde die Idee der „Lesescouts“ entwickelt und umgesetzt. Und so haben sich in Heidelberg und der Region Rhein-Neckar „Lesescouts“ zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern.

„Mit dem Projekt ‚Lesestart in Heidelberg‘ haben wir bislang vor allem die frühkindliche Leseförderung unterstützt. Uns ist es jedoch wichtig, dass auch im weiteren biografischen Verlauf das Lesen gefördert wird. Daher freuen wir uns, dass mit unseren Mitteln nun auch ein Leseförderungs-Projekt für Jugendliche in der Region umgesetzt wird“, betont Dr. h. c. Manfred Lautenschläger. Nicht Eltern oder Lehrer, sondern Jugendliche ab der Klassenstufe 5 stellen als Lesescouts gleichaltrigen oder etwas jüngeren Jugendlichen Bücher vor und teilen und vermitteln so den Spaß am Lesen. Die Besonderheit besteht jedoch nicht nur darin, dass sich hier ungefähr Gleichaltrige austauschen, sondern dass die Aktivitäten wie Bücherpartys, Lesenächte, Vorleseaktionen und ähnliches in lockerer, entspannter Atmosphäre in der Freizeit der Schüler stattfinden. Im November 2012 stellten Schülerinnen und Schüler dann an der Gregor-Mendel-Realschule ihre Pläne und Ideen als Lesescouts vor. Zu Besuch waren neben Gabriele Warminski-Leitheußer, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg als Schirmherrin des Projekts auch die Manfred LautenschlägerStiftung sowie die Stiftung Lesen. Gabriele Warminski-Leitheußer sieht in dem Projekt „Lesescouts“ eine überzeugende Ergänzung zum Unterricht: „Gerade vor dem Hintergrund vermehrter Ganztagesbetreuung ist ,Lesescouts‘ ein sinnvolles zusätzliches Angebot für die Jugendlichen in der Schule.“ Die Lesescouts werden von der Stiftung Lesen mit speziellen Workshops unterstützt und erhalten eine Erstausstattung. In einer ersten Phase werden an zehn Schulen in Heidelberg Lesescouts gewonnen. Von hier aus soll das Projekt ab dem Jahr 2013 in der Metropolregion Rhein-Neckar und ab 2015 in ganz Baden-Württemberg ausgedehnt werden. Wünschenswert wäre sicherlich, dass andere Bundesländer nachziehen.

ML


GESELLSCHAFT UND KULTUR

Mehrjährige laufende Förderungen BIOS Die Folgen des bloßen „Wegsperrens“ verurteilter Straftäter, wie es in Deutschland zu oft praktiziert wird, sind ernüchternd: Hohe Rückfallquoten, hohe (Folge)Kosten, das Ziel der Resozialisierung wird viel zu selten erreicht. Studien aus der Schweiz und auch Kanada zeigen, dass sich vieles hiervon durch eine intensive psychologische Behandlung und Betreuung von Strafgefangenen vermeiden ließe. Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e. V., ein gemeinnütziger Verein zur Senkung der Rückfallquoten von Gewalt- und Sexualstraftätern, setzt sich für die Verhinderung von Straftaten ein. Neben einer Vielzahl von einzeltherapeutischen Maßnahmen für bereits verurteilte Personen oder solche, die befürchten, straffällig zu werden, unterstützte BIOS darüber hinaus bislang in den Justizvollzugsanstalten Mannheim, Heimsheim, Heilbronn und Bruchsaal vier BIOS-Behandlungsabteilungen, in denen gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter psychologisch behandelt werden. Zuletzt sind zwei neue von der Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützte Projekte - die Behandlungsabteilung in der Justizvollzugsanstalt Offenburg und das gruppenpsychotherapeutische Training für soziale Kompetenz in der JVA Adelsheim - hinzugekommen und wurden im Juni 2012 offiziell eingeweiht. Ziel ist es, bereits vorhandene sozialtherapeutische Behandlungsmöglichkeiten im Justizvollzug Baden-Württembergs zu ergänzen. Die Therapie richtet sich an Strafgefangene, die eine erhöhte Rückfälligkeit aufweisen und für die ein intensiver gruppenund einzeltherapeutischer Behandlungsbedarf besteht. In der Behandlungsabteilung in der JVA Offenburg werden Straftäter mit einer Gewalt- und einer Suchtproblematik aufgenommen. Im Dezember 2011 wurde dort mit einer ersten Gruppe

von neun Gefangenen begonnen und im April 2012 kam eine weitere Gruppe hinzu. Jeder Gefangene nimmt wöchentlich an zwei Gruppensitzungen teil, in welchem sich die Teilnehmer mit ihrem Gewalt- und Suchtproblem auseinandersetzen, außerdem werden allen Teilnehmern zusätzlich psychologische Einzelgespräche angeboten. In Adelsheim hat eine Gruppe von acht Teilnehmern im Oktober 2011 das gruppenpsychologische Training sozialer Kompetenzen begonnen. Ein Gruppendurchlauf umfasst zehn wöchentliche Sitzungen, die ebenfalls von regelmäßigen Einzelgesprächen begleitet werden. Alle acht Teilnehmer haben bisher erfolgreich an jeder Sitzung teilgenommen. Die positiven Erfahrungen mit der ersten Gruppe sind in die Gestaltung der Therapie einer zweiten Gruppe eingeflossen und haben außerdem dazu geführt, dass eine dritte Gruppe eingerichtet wurde. Zudem fand die Tagung Opferschutz durch Täterbehandlung am 11.10.2012 in Heidelberg statt. Ein Anknüpfungspunkt war die konsequente psychotherapeutische Behandlung von Gefangenen in der Schweiz, insbesondere im Kanton Zürich, durch die die Rückfallquote bei Gewaltund Sexualstraftätern stark gesenkt werden konnte. Im ersten Teil der Tagung wurde untersucht, ob das deutsche Strafrecht auf eine solche moderne Form des präventiven Opferschutzes in Form einer deliktorientierten psychotherapeutischen Behandlung ausgerichtet ist oder ob hier Reformbedarf besteht. Im zweiten Teil wurden die, auch von BIOS angestoßenen, Behandlungsangebote in Deutschland und Baden-Württemberg vorgestellt und erste Ergebnisse der von der Universität Heidelberg durchgeführten Begleitforschung präsentiert. Vorträge hielten unter anderem Frank Urbaniok, Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Kanton Zürich, sowie Generalbundesanwalt Harald Range ML

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

Durchgängige Sprachförderung in Heidelberger Schulen (Klasse 1 bis 6) Der Erwerb und Ausbau des Deutschen, insbesondere der schulrelevanten Bildungssprache, sind ein wesentliches Element, um im deutschen Schulsystem erfolgreich lernen zu können. Die Bildungsstandards sind aber im Wesentlichen auf Schüler ausgerichtet, welche diese Sprache bereits beherrschen. Allein durch den Deutschunterricht erreichen viele Kinder, insbesondere auch solche mit Deutsch als Zweitsprache, dieses Ziel nicht, weshalb Sprachförderung das Problem beheben soll. Von außen betrachtet fragt man sich: Warum ist das in Deutschland immer noch eine Herausforderung und warum liegen nicht längst funktionierende Sprachförderkonzepte vor? Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Heidelberger Verbundprojekt setzt an verschiedenen Stellen an. Eine sehr starke Bedeutung für Spracherwerb und Bildungserfolg haben soziale Einflussfaktoren. Um hier ein Gegengewicht zu schaffen, entscheidet sich die Stadt Heidelberg seit Jahren dafür, zusätzliche Sprachförderung an Heidelberger Schulen zu finanzieren, obwohl der Staat für die Bildungsbelange zuständig ist. Die Stadt möchte verständlicherweise, dass dieses Geld direkt bei den zu fördernden Kindern ankommt und deren Bildungsbiografie erfolgreich gelingt. Dank der Lautenschläger-Stiftung können die erforderlichen Organisationsarbeiten sowie die Schulungen und die Begleitung der Förderlehrbeauftragten finanziert werden, ohne die eine sinnvolle Förderung nicht denkbar wäre. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Sprachförderangeboten, deren Erfolg schwer nachweisbar ist. Das Heidelberger Verbundprojekt setzt darauf, dass Kinder nicht mal hier und mal da mit diesem und jenem Konzept gefördert werden, sondern durchgängig von der Kita bis in die Sekundarstufe I sprachlich begleitet werden. Eine Projektaufgabe besteht darin, getrennt voneinander entwickelte Sprachfördermodule sinnvoll aufeinander abzustimmen, sodass die Kinder zunächst Basiskompetenzen (Wortschatz, Grammatik, Erzählen) erwerben, auf welche sie später in komplexeren sprachlichen Zusammenhängen (Umgang mit Deutsch als Bildungsspra-

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che, Wissensausbau durch Lesen und Schreiben von Texten) verlässlich zurückgreifen und sich auf den Erwerb von aufbauenden Kompetenzen konzentrieren können. Dazu gehört vor allem auch, eigene Schwierigkeiten genau lokalisieren zu können, um zunehmend selbstständig entsprechende Hilfsmittel (z.B. erklärendes Zusatzmaterial, Wörterbücher, Verfahren der Visualisierung) auswählen zu können. Die zunehmende Verknüpfung des Projektes mit dem Unterricht der Lehreraus- und Fortbildung in der Kooperation von Universität, Pädagogischer Hochschule, den beteiligten Schulen und dem Staatlichen Schulamt Mannheim ist wichtig, um Nachhaltigkeit zu erreichen. An vielen Schulen setzen sich die Lerngruppen sehr heterogen zusammen. Ein Lösungsansatz besteht in offenen Lernformen, in denen Schüler selbstbestimmt auswählen können, an welchen Inhalten sie gerade arbeiten. Dieses Verfahren funktioniert, wo exemplarisch gelernt werden kann. So kann man etwa an verschiedenen Märchen typische Märchenstrukturen erarbeiten. Auch ist es im Unterricht möglich, Materialien mit verschiedenen sprachlichen Anforderungen einzusetzen, so dass jedes Kind sie sprachlich und inhaltlich auch bewältigen kann. Allerdings sind solche Materialien bisher kaum entwickelt. Gemessen an dem Ziel, dass Deutsch als Zweitsprache keine Barriere für gute Bildungsabschlüsse darstellt, reichen diese Verfahren zudem nicht aus: Die Unterstützung des Spracherwerbs muss in verschiedenen Bereichen systematisch erfolgen, damit Bildungssprache vollständig erworben werden kann. Das Verbundprojekt arbeitet in Zusammenarbeit mit Studierenden und Lehrer an der Entwicklung und Bereitstellung von Materialien, die einerseits den Spracherwerb individuell in der Zone der nächsten Entwicklung stützen und andererseits einen sprachsensiblen Fachunterricht mit möglichst wenigen Sprachbarrieren ermöglichen. Sprachförderung bleibt vorerst eine große Herausforderung. Gemeinsam weiter daran zu arbeiten ist die einzige Möglichkeit, die verbesserte Bildungschancen in Aussicht stellt.

Prof. Dr. Anne Berkemeier und ML


GESELLSCHAFT UND KULTUR

Teach First Deutschland in Baden-Württemberg

vollen Motivationsschlüsseln, die die Jugendlichen hier insbesondere mit Hinblick auf ihre spätere Berufslaufbahn an die Hand bekamen.

Die Manfred Lautenschläger-Stiftung fördert die Arbeit von Teach First Deutschland mit zwei Grundschulpiloten-Fellows sowie acht BIWAQ Fellows aus dem Raum Heidelberg-Mannheim.

Ein Highlight des letzten Schuljahres war die Teilnahme von über 50 Duden-Schülern am MLP Marathon Mannheim. Dafür führte Noëmi Donner eine Gruppe von Schülern ins Fundraising ein und konnte so einen Teil der Startgebühren und bedruckte Schul-T-Shirts für das Laufteam organisieren. Das harte Training zahlte sich ebenso aus: Alle meisterten die Schülerdistanz von 4,2 km und genossen gemeinsam ihr Erfolgserlebnis.

Wie die Fellows ihre Arbeit gestalten, lässt sich am Beispiel von BIWAQ-Fellow Frau Noemi Donner nachvollziehen, die an der KonradDuden-Werkrealschule in Mannheim zum Einsatz kommt.

Fortsetzung »

Seit Februar 2012 ist Noëmi Donner als Fellow im Einsatz an der Konrad-Duden-Werkrealschule im Süden Mannheims. Sie hilft Schülern der Klassenstufen 8 bis 10 dabei, ihre Selbstwirksamkeit und ihre Chancen auf einen erfolgreichen Berufseinstieg zu verbessern. Sie unterrichtet Kleingruppen der achten Klassen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, unterstützt die Jugendberufshelferin bei Bewerbungscoachings und hilft bei Unterrichtsprojekten und der Organisation von Exkursionen. Auf dem Weg zu den Hauptschul- und Werkrealschulabschlussprüfungen begleitet sie die Schüler durch intensive Konversationsübungen für die mündliche Englischprüfung und durch Einzelcoachings für Schüler, die im Hinblick auf Prüfungen oft viel zu wenig Selbstvertrauen haben. Für die Neuntklässler, die ihren Hauptschulabschluss 2012 absolvierten, organisierte sie gemeinsam mit anderen Mannheimer Fellows ein schul- und stadtteilübergreifendes Lernwochenende. Nicht nur für die Fellows, auch für Schüler selbst war erstaunlich, wie effektiv das Lernen funktioniert, wenn man sich aus freien Stücken dazu entscheidet und dafür auch noch seine Freizeit investiert. Kleine Erfolgserlebnisse gab es auch beim gegenseitigen Helfen und Unterstützen, worin viele Schüler zu Experten wurden. Aufgrund ihrer Affinität zum Sport rief Noëmi Donner ab April 2012 die Laufgruppe „Zukunftsläufer“ erneut ins Leben. Die Jugendlichen aus der 5. bis 10. Klasse machten sich im wöchentlichen Lauftraining gemeinsam fit für die Teilnahme an verschiedenen Volksläufen. Selbstbewusstsein aufzubauen und zu erkennen, dass man persönliche Vorsätze aus eigener Kraft und im Team erreichen kann, wenn man intensiv darauf hinarbeitet, sind nur zwei von vielen wert-

Motiv aus der Anzeigenkampagne „Teach First Deutschland“

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

Seit dem Schuljahr 2012/13 leitet Noemi Donner zudem eine Basketball-AG, zu der sie regelmäßig Gasttrainer der Basketball-Allianz Rhein-Neckar und aus Amateurgruppen einlädt. Bis in die Haarspitzen motiviert erscheinen die Schüler wöchentlich zum Training und erfahren spielerisch, wie leicht sie neu Gelerntes umsetzen können, wenn sie auf ihre Fähigkeiten vertrauen, und wie wichtig Fair Play, gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt – nicht nur – in einer Teamsportart sind.

Noëmi Donner setzte sich ferner gemeinsam mit der Jugendberufshelferin seit Oktober 2012 für die Gründung einer Schulfirma ein: Eine kleine Gruppe interessierter Juniormanager lernt anhand realer Prozesse unternehmerisches Denken und Handeln und erhält so eine intensive Berufsorientierung, vor allem im kaufmännischen Bereich. Die Firma wird mit dem Markteinstieg im Februar 2013 Geschenkartikel verkaufen, die im Unterricht durch die Klassen produziert werden, und Schülerkunstwerke aus dem Kunstunterricht an Arztpraxen oder Friseursalons vermieten. Das Besondere an dem Konzept ist einerseits, dass die gesamte Schule an dem Unternehmen beteiligt wird und Kontakte zu lokalen Unternehmen und Institutionen aufgebaut werden, andererseits die curriculare Verankerung der Prozesse und Aufgaben. So wird beispielsweise der Technikunterricht zur Produktionswerkstatt, im Rahmen des Deutschunterrichts können Anfragen verfasst und im Wirtschaftsunterricht Bedarfsanalysen formuliert werden. Zudem entführten beim „Bundesweiten Vorlesetag 2012“ zwei Gastvorleser die Schüler der Klassen 6 und 7 in bunte Fantasiewelten: Im Deutschunterricht und in der Bibliothek wurde Jugendliteratur vorgelesen und so bei den Kindern Begeisterung für Bücher geweckt.

Sabine Joos und Noëmi Donner,

Motiv aus der Anzeigenkampagne „Teach First Deutschland“

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Aktion „Lesestart Heidelberg schenkt Kindern Zukunft“ 70 Kinder waren zum diesjährigen Beginn der Aktion „Lesestart“ in die Statdtbibliothek Heidelberg gekommen. Seit 2007 bringt das von der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanzierte Lesestart-Projekt Familien in der Region Bücher und Vorlesen nahe. Das Projekt ist mittlerweile so erfolgreich, das es bundesweit übernommen wurde.

Newsarchiv

Darüber hinaus ...

... wurde die Individualhilfe Heidelberg bei einem Dokumentarfilm anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens unterstützt, außerdem der Heidelberger Stückemarkt und der Heidelberger Frühling, „Schüler helfen Schülern“ an der IGH, das Coolness-Training und das Elterncafe der Geschwister-Scholl-Schule Heidelberg. Ebenfalls finanziell gefördert wurden die Fortsetzung der Tagungsreihe „Urteilen lernen“, das Symposium

„Religionsfreiheit und Gleichberechtigung der Geschlechter“, der Karlstorbahnhof e.V. bei der Inszenierung von Baschrass (Musik der Sinti und Roma) und eines Deaf Slams, die Karpow Schachakademie, der Kunst Heidelberg e.V. beim „Art Walk“, der Philharmonische Chor e.V., Pro Kunsts Skulptur „Hommage an Goethe“ und das Kurpfälzische Museum.

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"Als Unternehmer begreife ich große Begabungen als ein Versprechen. Ich möchte helfen, dieses Versprechen einzulösen." Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


PREISE James W.C. Pennington Award

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Willibald-Kramm-Preis

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Europ채ischer B체rgerrechtspreis der Sinti und Roma

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PREISE

James W.C. Pennington Award Das Heidelberg Center for American Studies (HCA) und die Theologische Fakultät haben 2011, anlässlich des 625-jährigen Bestehens der Universität Heidelberg, den James W.C. Pennington Award ins Leben gerufen. Mit diesem Preis werden herausragende Wissenschaftler geehrt, die an Themengebieten gearbeitet haben, die auch in Penningtons Leben und Wirken eine zentrale Rolle eingenommen haben: Sklaverei und Emanzipation, Frieden, Bildung, Reformen, Bürgerrechte, Religion und die Verständigung der Kulturen. Mit dem James W.C. Pennington Award ist ein einmonatiger Forschungsaufenthalt in Heidelberg und ein öffentlicher Festvortrag des jeweiligen Preisträgers verbunden, in dem dieser Einblicke in sein Forschungsgebiet eröffnet. Im Juni 2011 hatte US-Präsident Barack Obama anlässlich der Einrichtung des Preises eine Grußadresse übermittelt, in der er den Beteiligten für die Initiative dankte und sich überzeugt zeigte, dass die Hochachtung vor den Leistungen Penningtons künftige Generationen von Amerikanern und Deutschen inspirieren werde. Der Preis ist nach dem amerikanischen Pfarrer und ehemaligen Sklaven James W.C. Pennington benannt. Dieser wurde 1809 geboren, entkam mit 18 Jahren der Sklaverei, lernte lesen und schreiben und schrieb sich 1834, als erster schwarzer Amerikaner, an der Yale University ein. 1838 wurde er Pfarrer in der Presbyterianischen Kirche und lernte 1849 auf dem Weltfriedenskongress in Paris 1849 den Gelehrten Friedrich Carové aus Heidelberg kennen. Dieser war von Pennington beeindruckt und überzeugte noch im selben Jahr seine Universität, die Ruperto Carola, davon, Pennington die Ehrendoktorwürde in Theologie zu verleihen und somit die erste Ehrendoktorwürde für einen Afroamerikaner in Deutschland, vermutlich auch in Europa, wenn nicht gar weltweit. Ein in der damaligen Zeit vermutlich einmaliges, mit Sicherheit aber bahnbrechendes Ereignis, das, kurios genug, beinahe in Vergessenheit geraten wäre. Und gleichzeitig enthält und erzählt die Geschichte viel von dem, was der Manfred Lautenschläger-Stiftung ein Anliegen ist: Völkerverständigung, das Überwinden und bekämpfen von Vorurteilen, die gleichberechtigte und ausgewogene Teilhabe an Bildung.

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Dadurch, dass der Name Penningtons nun für einen Preis steht, mit dem wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet wird, wird seine Geschichte mit der Förderung der Forschung auf sehr schöne weise verzahnt und der Preis für eine Förderung durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung gleichsam prädestiniert.

Am 14. Juni 2012 wurde der erste James W.C. Pennington Award an Albert J. Raboteau verliehen. Der schon zuvor mehrfach anderweitig ausgezeichnete Religionshistoriker wurde 1974, nach dem Studium an der Loyola University in Los Angeles und der University of California, Berkeley, an der Yale University im Fach Religionswissenschaften promoviert. Seit 1982 lehrt und forscht er in Princeton. In seinen Publikationen beschäftigt er sich hauptsächlich mit afroamerikanischer Religionsgeschichte sowie dem Bereich Einwanderung und Religion. Überaus gelungen und interessant war der von Albert J. Raboteau im Rahmen der Preisverleihung gehaltene Vortrag mit dem Titel „Martin Luther King, Jr. and the Civil Rights Movement as Precedent for Religion in U.S. Politics“.

Prof. Dr. Junker und ML


PREISE

Europäischer Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma Dieser mit 15.000 Euro dotierte Preis wurde im Jahr 2007 mit Unterstützung der Manfred Lautenschläger-Stiftung gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und dem Dokumentationszentrum eingerichtet und soll neben der Anerkennung für die jeweils Ausgezeichneten einen Beitrag zur Wahrung und Durchsetzung der Chancengleichheit für die Angehörigen der Roma- und Sinti-Minderheiten in ihren jeweiligen Heimatländern in Europa leisten. Die Auszeichnung soll zum einen ein Signal an politisch verantwortliche Stellen, Medien und gesellschaftliche Gruppen in Europa sein, gegen Klischees, Vorurteile und jede Form der Ausgrenzung vorzugehen. Zudem soll das gesellschaftliche Engagement gestärkt werden, für die tatsächliche Gleichbehandlung und Einbeziehung der Sinti und Roma einzutreten. Ausgezeichnet werden Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die sich in vorbildlicher Weise für die Durchsetzung der Bürgerrechte als ein Teil der Menschenrechte für Sinti und Roma eingesetzt haben.

Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wurde am 3. April 2012 im Europasaal des Auswärtigen Amtes in Berlin feierlich an Thomas Hammarberg überreicht, der sich seit langem mit großem Engagement für die Durchsetzung der Bürgerrechte der Sinti und Roma in ihren Heimatländern einsetzt. Als amtierender Kommissar für Menschenrechte des Europarates prägt er durch sein konsequentes Auftreten und seine deutlichen Worte innerhalb des Europarates, in den Staaten der EU und weltweit den Diskurs entscheidend mit und wendet sich öffentlich wirksam gegen Missstände wie Diskriminierung der Sinti- und Roma-Minderheit. Sein konsequentes Eintreten gegen den weitverbreiteten Populismus in Bezug auf Sinti und Roma setzt ein wichtiges politisches Zeichen. Neben vielen anderen Initiativen war insbesondere sein Einsatz gegen die Abschiebung von Roma-Angehörigen beispielhaft. In Italien führte sein jüngster Länderbericht und die damit verbundenen Empfehlungen gerade zu einem neuen Bewusstsein für die Situation der Roma von staatlicher und öffentlicher Seite.

Fortsetzung »

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PREISE

Außerdem erhielt der rumänische Journalist George Lacatus von der Asociatia Jurnalistilor Rromi einen Sonderpreis in Höhe von 5.000 Euro. Angesichts der teilweise untragbaren und skandalösen Lebens- und Menschenrechtssituation der Roma in vielen europäischen Ländern ist es besonders wichtig, öffentlich für die Rechte dieser Minderheit einzutreten. Journalisten können durch eine differenzierte Berichterstattung, die aufzeigt, dass in Vorurteilen die Ursache für die Lebens- und Menschenrechtssituation der Sinti und Roma in Europa liegt, in besonderem Maße gegen die Diskriminierung wirken, indem sie vorurteilsfrei Informationen aufbereiten und verbreiten und so der Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma entgegenwirken.

Preisträger Thomas Hammerberg (links) und Sonderpreisträger George Lacatus

Europäischer Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma

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Ein Aspekt, auf den Manfred Lautenschläger in seiner Laudatio auf den Preisträger einging: „Nicht nur der Boulevardjournalismus macht Sinti und Roma immer wieder zu Sündenböcken für vielschichtige gesellschaftliche Probleme, auch hier in Deutschland. Dem gilt es mit ganzer Kraft entgegenzuwirken. Zugleich sind die Medien aber auch ein Schlüssel zur Überwindung von Rassismus und von tief sitzenden Vorurteilen: nämlich dann, wenn sie sich in den Dienst von Aufklärung und Gleichberechtigung stellen. Leider ist dies im Falle der Berichterstattung über Sinti und Roma eher die Ausnahme als die Regel. Das Bild der Minderheit in den Medien ist in weiten Teilen von einer klischeebeladenen und stigmatisierenden Darstellung geprägt, und dies europaweit.“ George Lacatus und seine Organisation machen sich in einem Land verdient, in dem einem großen Teil der Angehörigen der Minderheit ein würdiges, gleichberechtigtes Leben nicht möglich ist. Mit der Verleihung des Sonderpreises soll die Arbeit der noch jungen Organisation deshalb gestärkt werden. Auch erwähnt werden darf in diesem Zusammenhang, dass die hochrangige Besetzung der Vergabe-Jury mit der Stellvertretenden Generalsekretärin des Europarates Maud de BoerBuquicchio, dem früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Erwin Teufel, den Vorsitzenden des Ungarischen und des Polnischen Roma-Verbandes László Teleki und Roman Kwiatkowski, des Holocaust-Überlebenden und Vorstand des Niederländischen Roma-Verbandes Zoni Weisz, der persönlichen Referentin des Vorsitzenden des OSZE-Büros zur Bekämpfung von Rassismus und Xenophobie Anastasia


PREISE

Crickley, dem Mitglied des Kuratoriums der Manfred Lautenschläger-Stiftung Romani Rose und Manfred Lautenschläger die Bedeutung dieses Preises unterstreicht.

Georg Armbrüster und ML

Willibald-Kramm-Preis Der mit 2.500 Euro dotierte Willibald-KrammPreis wird jährlich an bildende Künstlerinnen und Künstler aus der Kurpfalz vergeben. Der bereits 1970 von den ehemaligen Inhabern des Heidelberger Restaurants Sole d’Oro, Guido Giordano und Francesco Gurnari gegründete Preis wird zurzeit von der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanziert. 2012 luden die Willibald-Kramm-Preis Stiftung und die Manfred Lautenschläger-Stiftung gGmbH zur Ausstellung und Präsentation des gleichnamigen Buches von Karl Korz: 40 Mal Willibald-Kramm-Preis 1970-2011.

CS

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„Mit meiner Stiftung möchte ich kreative und innovative Personen dabei unterstützen, ihre Idee zu verwirklichen.“ Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


AUSBLICK Diasurg 2: Operative vs. Medikamentöse Therapie zur Behandlung von Diabetes melltitus Typ 2

Stipendien zur Forschung und Dokumentiation zu Sinti und Roma am Historischen Seminar

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Darüber hinaus …

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AUSBLICK

Diasurg 2: Operative vs. Medikamentöse Therapie zur Behandlung von Diabetes melltitus Typ 2 Diabetes mellitus Typ 2 – oder auch Altersdiabetes: das hieß bisher für den Rest des Lebens auf Insulin angewiesen zu sein. Neben Schwierigkeiten wie der richtigen Einstellung, des täglichen „sich-selbst-spritzens“, der blauen Flecken und dem organisatorischen Aufwand, die richtige Menge immer bei sich zu führen, in fremden Ländern vorab zu schauen, ob man dort auch an das richtige Insulin kommt, etc., birgt der schwankende Blutzuckerspiegel einige Gefahren in sich. Zu nennen wären hier Nervenschäden, Durchblutungsstörungen bis hin zu Herzinfarkten und viele mehr. Da scheint es wie ein Wunder, dass man in den letzten Jahren bei einer großen Anzahl von Operationen bei Fettleibigen festgestellt hat, dass es nach dieser Operation neben einem Gewichtsverlust auch zu einer erheblichen Verbesserung oder gar zum Verschwinden des Diabetes mellitus 2 kam. Daraufhin zeigte eine Studie an 4.000 Patienten (SOS-Studie), dass bei 72% der operierten Personen der Diabetes Typ 2 verschwand. Als günstigste - weil am wenigsten invasive - Operation stellte sich der Magenbypass heraus (hier wird der Magen ausgeschaltet und der Zwölffingerdarm umgangen). In einer ersten Heidelberger Studie (Diasurg-1) zur klinischen Evaluation eines Effekts einer Magenbypassoperation erstmals bei nur mäßig übergewichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 wurden 20 Patienten operiert. In dieser ersten Studie bestätigt sich bisher die Wirksamkeit der chirurgischen Therapie auch bei diesen Patienten, was bedeutet, dass viele der Patienten viel weniger Insulin brauchen, während ein anderer Teil sogar insulinfrei ist. An einer deutschlandweit ersten kontrollierten Studie mit nur mäßig übergewichtigen Diabetikern sollen nun 400 Patienten teilnehmen, die nach einem randomisierten Verfahren entweder konservativ (also mit Insulin) therapiert werden oder chirurgisch (sich also einem Magenbypass unterziehen).

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Warum die Bypass-Operation wirkt, ist derzeit noch nicht bekannt. Es wird vermutet, dass die verkürzte Magenpassage zu einer veränderten Ausschüttung von Hormonen im Magen und Dünndarm führt. Ziel der Studie ist es, dies zu überprüfen und die Heilungschancen von Diabetes mellitus Typ 2 durch einen Magenbypass zu untersuchen. Dies soll in jährlich über acht Jahre hinweg angelegten Vergleichen der Patienten der beiden Gruppen hinsichtlich ihrer Sterblichkeit, des Auftretens von Herzinfarkten und Schlaganfällen und Diabetes bedingten Komplikationen geschehen.

CS

Stipendien zur Forschung und Dokumentiation zu Sinti und Roma am Historischen Seminar Mit der Errichtung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas erfüllte sich eine lang erhobene Forderung der Sinti und Roma nach Anerkennung und offizieller Erinnerung der Opfer ihrer Minderheit. Dieser Kampf begann Ende der 70er Jahre, als sich die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma konstituierte. Erst 1982 wurde das Verfolgungsschicksal der Minderheit offiziell durch Bundeskanzler Helmut Schmidt als Völkermord anerkannt – bis dahin aber war es ein langer und mühsamer Weg, auf dem sich die Akteure der Bürgerrechtsbewegung gegen einen in allen Bereichen vorherrschenden Antiziganismus behaupten mussten. 2013 wird die Manfred Lautenschläger-Stiftung die Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma sowie des Antiziganismus durch zwei Stipendien fördern. Damit soll dieses bislang vernachlässigte, jedoch zentrale Thema in den Mittelpunkt der Geschichtswissenschaft gerückt werden. Die Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V., der Freudenberg Stiftung und der Hochschule für Jüdische Studien sollen ein breites Forschungsinteresse innerhalb der Geschichtswissenschaften und darüber hinaus wecken.


AUSBLICK

Das geplante Forschungsprojekt will dazu beitragen, dass 1. Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma bewusst werden und 2. Sinti und Roma nicht als Fremde, sondern als Teil unserer Gesellschaft und nationale Minderheit anerkannt werden. So widmet sich das erste Dissertationsprojekt der Geschichte des Antiziganismus seit der Weimarer Replubli, während die zweite Dissertation die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma seit Ende der 70er Jahre sowie deren politische und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten für die Anerkennung des NS-Völkermordes an der Minderheit untersucht.

Prof. Dr. Wolfrum und CS

Darüber hinaus ...

... wird im Mai 2013 der erste Manfred Lautenschlaeger Award for Theological Promise verliehen und Ende 2013 die Funde des Ausgrabungsprojektes Ramat Rahel (Israel) ausgestellt.

Für nähere Informationen lesen Sie hierzu gerne auch den Jahresbericht von 2011.

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"Man sollte die Verantwortung, die einem auferlegt ist, wahrnehmen und alle MÜglichkeiten, die man finanziell hat nutzen, um zu helfen." Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


KURATORIUMSMITGLIEDER

Angelika Lautenschl채ger (Vorsitz)

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Markus B체chler

Prof. Dr. Dr. h. c. Detlef Junker

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof

Romani Rose

Dr. Volker Then

Dr. Matthias Zimmermann www.manfred-lautenschlaeger-stiftung.de

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„Manfred Lautenschläger ist ein Mäzen der Wissenschaft, des Sports und der Kinder. In der kritischen Nachdenklichkeit über unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem tritt er uns als ein erfolgreicher Unternehmer vor Augen, der in seiner Region verwurzelt ist, sein Unternehmen persönlich aufgebaut und als Verantwortungseigentum geführt hat, der nunmehr über seine Stiftung einen Teil seines Erfolges an die Allgemeinheit weitergibt. Hier wird eine große Tradition wieder lebendig, nach der Unternehmer, Wissenschaftler oder Künstler nachhaltig die Kultur pflegen und fördern, in der ihre Leistungskraft wurzelt.“ Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof


PORTRAIT DES STIFTERS

In der Begründung seines Engagements, das in hohem Maße den Jüngsten unserer Gesellschaft gewidmet ist, spannt Manfred Lautenschläger gerne den Bogen zu seiner Kindheit im Karlsruher Stadtteil Mühlburg. Geboren am 15. Dezember 1938 wächst er zunächst in Abwesenheit seines Vaters auf, der erst nach Kriegsende zur Familie zurückkehren kann und dann einen Berufsweg einschlägt, der ihn bis in die höchste Beamtenbesoldungsstufe für Nichtakademiker führt. Er sieht es mit Freude, dass sein Sohn Manfred von 1959 bis 1964 in Freiburg, Hamburg und Heidelberg Rechtswissenschaften studiert und dort 1969 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abschließt. Dass dieser allerdings, anstatt mit der schwarzen Robe im Gerichtssaal zu wirken, lieber Versicherungen verkauft, erzählt er seinem Vater erst, nachdem sich belegen lässt, dass auch damit ein Lebensunterhalt gesichert werden kann.

Es entspricht seiner Lebenslogik, dass sich in den Aktivitäten seiner Stiftung vieles wiederfinden lässt, was ihn auf seinem Lebensweg geprägt hat. Dass seine Frau Angelika, seine beiden Töchter und drei Söhne eng eingebunden werden, hat zu tun mit der Kraft der Werte, die er lebt und seinen Kindern stets vermittelt: „Man sollte die Verantwortung, die einem auferlegt ist, wahrnehmen und alle Möglichkeiten, die man finanziell hat nutzen, um zu helfen...“

Ein Pankreaskarzinom macht ihn 1980 zum Diabetiker. Trotz einer radikalen Operation liegt die Überlebensrate nur bei etwa einem Prozent. Der leidenschaftliche Sportler wiegt bei einer Größe von 1,86 Metern nur noch 63 Kilo – und verhandelt über den Verkauf von MLP an einen großen Versicherer. Dann trifft er die Entscheidung weiterzumachen, ändert seinen geschäftlichen Stil total und findet nach über zwei Jahren zurück zur alten Stärke und Belastbarkeit. Nach zehn Jahren erfolgreichen Schaffens als Vorstandsvorsitzender zieht er sich 1999 aus dem operativen Geschäft zurück, übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz der MLP AG und gründet die Manfred Lautenschläger-Stiftung. Seither gilt seine Leidenschaft dem Engagement für die Projekte seiner Stiftung.

„Früher, da habe ich meine Phantasie eingesetzt, um Geld zu verdienen. Und heute macht es mir halt Spaß, es sinnvoll auszugeben“. www.manfred-lautenschlaeger-stiftung.de

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Verteilung der Spenden 2012 Preise 2%


DAS ENGAGEMENT IN ZAHLEN Das Spendenaufkommen der Manfred Lautenschläger-Stiftung im Geschäftsjahr 2012 betrug rund 3.300.000 Euro. Es wurden über 100 einzelne Projekte und Vorhaben gefördert.

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Jahresbericht 2012  

der Manfred Lautenschläger-Stiftung www.manfred-lautenschlaeger-stiftung.de

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