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Jahresbericht


Impressum

Herausgeber:

Manfred Lautenschläger-Stiftung gGmbH Geschäftsstelle Im Breitspiel 9 69126 Heidelberg Tel. +49 (0) 62 21/31 13-0

Geschäftsführer: Jürgen Dernbach Redaktion:

Catharina Seegelken-Lautenschläger, Markus Lautenschläger

Gestaltung, Satz, Layout:

Denis Herrmann [GSM mbH]

Bildmaterial:

Catharina Seegelken-Lautenschläger, R. Frank, Petra Löw (Universitätsklinikum Heidelberg), GSM mbH

Druck:

BAIER DRUCK, Heidelberg


GRUSSWORT

S. 05

NEUES GROSSPROJEKT 2010 TEACH FIRST DEUTSCHLAND

S. 07

VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

S. 11

SPORT & GESUNDHEIT

S. 19

FORSCHUNG & WISSENSCHAFT

S. 25

GESELLSCHAFT & KULTUR

S. 31

PREISE

S. 37

WAS WURDE AUS...

S. 45

KURATORIUMSMITGLIEDER

S. 47

PORTRAIT DES STIFTERS

S. 49

DAS ENGAGEMENT IN ZAHLEN

S. 51

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Die Manfred Lautenschläger-Stiftung: Die gemeinnützige Manfred Lautenschläger-Stiftung möchte die direkte Verbesserung der Lebensumstände von Menschen ebenso unterstützen wie die mittelbare Arbeit zugunsten eines besseren Lebens und einer besseren Gesellschaft durch Wissenschaft und Innovation. Insbesondere setzt sie sich dafür ein, in den Bereichen der Völkerverständigung, der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen sowie des Forschungsstandortes Deutschland zu Fortentwicklungen beizutragen und die Voraussetzungen für eine positive Veränderung zu schaffen. In ihrer Arbeit folgt sie dabei den Werten des Stifters Manfred Lautenschläger: Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Freiheit, Anständigkeit und Solidarität. Herausragende Zuwendungen der Stiftung sind die Angelika Lautenschläger Klinik (13,8 Mio) und der mittlerweile alle zwei Jahre zu vergebende Manfred Lautenschläger Forschungspreis, der mit 250.000 Euro zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland gehört.


GRUSSWORT Die Manfred Lautenschläger-Stiftung zeichnet sich unter anderem durch die Breite ihrer Fördergebiete aus. Auch im Jahr 2010 hat die Manfred Lautenschläger Stiftung viel für Völkerverständigung, Sport und Gesundheit, Gesellschaft und Kultur sowie Forschung und Wissenschaft getan. Die in diesem Jahresbericht aufgeführten und im Einzelnen beschriebenen Projekte sollen beispielhaft zeigen, in welcher Weise die Ziele der Manfred LautenschlägerStiftung im Jahr 2010 realisiert wurden. Daneben wurden zahlreiche weitere Projekte gefördert. Es würde den Rahmen dieses Jahresberichts sprengen, wollte man alle im Jahr 2010 geförderten Vorhaben aufzählen. Sämtlichen, zum Teil unterstützten Maßnahmen ist gemein, dass sie den hinter der Stiftung stehenden Menschen Manfred Lautenschläger authentisch widerspiegeln, weil er die Projekte nicht nur mit zum Teil erheblichem Aufwand finanziell unterstützt, sondern sie auch mit großem persönlichen Engagement verfolgt. Viele Vorhaben haben einen regionalen Bezug und die Menschen, die in dieser Region leben, haben hiervon auch im Jahr 2010 in hohem Maße profitiert.

Angelika Lautenschläger

(Vorsitzende der Manfred Lautenschläger-Stiftung)

Jürgen Dernbach

(Geschäftsführer der Manfred Lautenschläger-Stiftung)

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„Die Unterstützung von Kindern aus sozial schwachen Familien ist ein wichtiges Anliegen meiner Stiftung“

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


NEUES GROSSPROJEKT 2010 Teach First Deutschland

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S. 08

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NEUES GROSSPROJEKT 2010

Teach First Deutschland Die Manfred Lautenschläger-Stiftung ist neuer Hauptförderer von Teach First Deutschland - mit einem Betrag von zunächst gut 100.000 Euro unterstützt die Stiftung die gemeinnützige Initiative beim Ausbau ihrer Aktivitäten in Baden-Württemberg, vor allem in der Metropolregion Rhein-Neckar.

„Die Unterstützung von Kindern aus sozial schwachen Familien ist ein wichtiges Anliegen meiner Stiftung“, sagt Dr. h. c. Manfred Lautenschläger. „Teach First setzt dazu am entscheidenden Punkt an: der Verbesserung von Bildungschancen. Die bisherigen Ergebnisse der Initiative sprechen für sich und zeigen die großen Potenziale einer gezielten Förderung benachteiligter Schüler. Deshalb freue ich mich, Teach First künftig zu unterstützen.“

Pressekonferenz mit Ministerin Schick Dezember 2010

Auch wenn anders als in Entwicklungsländern die Grundausbildung von Kindern als gesichert gilt, gibt es kaum ein anderes Industrieland, in dem die soziale Herkunft

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den Bildungserfolg eines Kindes so stark beeinflusst wie in Deutschland. In unserem Land beendet jeder fünfte Jugendliche die Schulzeit ohne ausreichende Kenntnisse im Lesen, Schreiben oder Rechnen – und das muss sich ändern. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung möchte bessere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche mit schlechten Startbedingungen schaffen, und fand in Teach First einen Projektpartner, der sich eben diesem Ziel in hervorragender Weise widmet. Teach First Deutschland setzt Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen als zusätzliche, kompetente Fachkräfte (Fellows) für zwei Jahre in Vollzeit an Schulen in sozialen Brennpunkten ein. Fellows werden, entsprechend dem Wunsch von Schulen, sowohl im Unterricht als auch im außerunterrichtlichen Bereich eingesetzt. Im Unterricht sind die Fellows eigenständig oder im Team-Teaching aktiv, um wesentliche Grundlagen und Lehrplaninhalte zu vermitteln oder sie kümmern sich gezielt um die Förderung besonders leistungsstarker oder -schwacher Schüler. Im außerunterrichtlichen Bereich bieten sie beispielsweise Bewerbungstrainings, Sportkurse und musische AGs an, gründen Schülerfirmen oder haben Zeit für Elternarbeit. Die Fellows setzen sich so konkret und vor Ort für Schülerinnen und Schüler ein, um diese individuell zu fördern, ihnen Perspektiven aufzuzeigen und ihnen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen. Dauerhaft werden sie sich aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Positionen heraus für gerechtere Bildungschancen in einem erfolgreichen Schulsystem engagieren. Die Fellows sind persönlich und fachlich herausragende Hochschulabsolventen aller Studienrichtungen, die aus über 1.000 Bewerbern (2009 und 2010) ausgewählt wurden. Im Herbst 2009 wurde der erste Fellow-Jahrgang an Haupt-, Real- und Gesamtschulen eingesetzt, im Herbst 2010 folgte ein zweiter Jahrgang, der erstmalig auch an Schulen in


NEUES GROSSPROJEKT 2010

Baden-Württemberg arbeitet. Die Gehälter der Fellows von Teach First werden öffentlich finanziert, während die Ausgaben, die für Anwerbung, Auswahl, Training, Betreuung und Fortbildung der Fellows entstehen, von Stiftungen, Privatpersonen und Unternehmen übernommen werden. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung sieht ihren gesellschaftlichen Beitrag darin, über die rein finanzielle Förderung hinaus als Brückenbauer zwischen Personen, Fachdisziplinen und Institutionen zu agieren. Die Förderung ist gezielt darauf ausgerichtet, wegweisende Konzepte, vertreten von unternehmerisch denkenden Persönlichkeiten mit hoher Strukturbildungskraft, zu finanzieren, zu denen sie längerfristige Vertrauensbeziehungen aufbauen möchte. Gemäß diesem Grundsatz setzt sich die Stiftung neben der finanziellen Unterstützung auch auf Ebene der Ausbildung der Fellows und den Kontakten zu den Ministerien für das Gelingen der Initiative Teach First in der Metropolregion ein. Um mit Teach First eine solche langfristige Partnerschaft einzugehen, ist es vor allem von zentraler Bedeutung, dass die Zahlung der Gehälter vom Land Baden-Württemberg nachhaltig gesichert ist. Ein erstes positives Signal ließ sich bei der Pressekonferenz am 21.12.2010 ablesen. „Der Start [des ersten Teach First Jahrganges in Baden-Württemberg] ist außerordentlich gut gelungen“, sagte Ministerin Marion Schick, die an diesem Dienstag die in Baden-Württemberg tätigen Fellows kennen lernte. „Ich bin sehr froh, mit den Fellows weitere Schritte zu gehen, um gerade benachteiligte Schüler und Schülerrinnen gezielt zu fördern und dadurch den Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungschancen zu entschärfen. Es ist unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund noch besser zu fördern und keine Chance ungenutzt zu lassen. Die ersten Ergebnisse der Fellow-Arbeit in den Schulen sprechen für sich.“

„Ich freue mich sehr, dass die Fellows in Baden-Württemberg so gut aufgenommen worden sind und erfolgreich Schülerinnen und Schüler fördern“, so Arist v. Hehn, Geschäftsführer von Teach First Deutschland. „Mit der Manfred Lautenschläger-Stiftung haben wir einen weiteren starken Partner in Baden-Württemberg gewinnen können, der vor allem die Qualifizierung und Begleitung der in der Metropolregion Rhein-Neckar eingesetzten Fellows fördert. Wir freuen uns über die große Unterstützung in BadenWürttemberg sowohl durch das Ministerium als auch durch in der Region verankerte Förderer.“

Teach First Podium v.l.n.r.: Dr. M. Schick, G. Gerstberger, Dr. A. v. Hehn, Dr. M. Lautenschläger

Wir freuen uns darauf mit Teach First hoffentlich nachhaltig eine Partnerschaft aufzubauen, die über eine einseitige finanzielle Förderung durch die Stiftung hinausgeht, um Teach First Deutschland zum Erfolg in der Region zu verhelfen und dadurch Kindern und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten bessere Bildungschancen zu ermöglichen.

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"Wer die Zukunft positiv gestalten will, muss sich der Vergangenheit erinnern und daraus eine besondere Verantwortung ableiten. Toleranz und Menschlichkeit finden ihren Ausdruck dort, wo die Verständigung zwischen Menschen und Völkern aktiv gelebt wird."

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG Ramat Rahel

S. 12

Äthiopien

S. 16

Hochschule für Jüdische Studien

S. 17

Partnerschaft Simferopol

S. 17

Weitere Projekte

S. 17

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Kurz vor dem Krieg geboren, hat Manfred Lautenschläger als Kind den Einsatz von Zwangsarbeitern miterlebt, wurde durch die Nachkriegszeit maßgeblich geprägt und diskutierte in den 68ern mit Kommilitonen und Freunden leidenschaftlich gegen den teilweise noch herrschenden, überkommenen Geist der Nachkriegseliten an. Durch diese Erfahrungen reifte in ihm die zentrale Erkenntnis und Überzeugung heran, wie wichtig die Förderung der Völkerverständigung ist. Neben der Förderung des deutsch-jüdischen Austausches möchte Manfred Lautenschläger besonders auch auf die Situation der Sinti und Roma sowohl während des 2. Weltkrieges als auch heute aufmerksam machen.

Ramat Rahel Verständigung zwischen Menschen und Völkern muss aktiv gelebt werden – das ist eine der zentralen Überzeugungen Manfred Lautenschlägers. Ideal also, wenn Studenten aus Israel, Deutschland, Tunesien, USA, China und vielen weiteren Ländern mit dem Hintergrund verschiedener Disziplinen, etwa der Theologie, der Ägyptologie, der Medizin sowie weiterer Geisteswissenschaften, aufeinandertreffen. Umso mehr, wenn sie eines zusammenschweißt: freiwillig, ohne Bezahlung, bei Staub und Hitze nach bedeutsamen archäologischen Schätzen Israels zu suchen. In Ramat Rahel ist genau dies, gefördert durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung, geschehen.

Ausgrabungstätte Ramat Rahel

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Das Kibbuz Ramat Rahel befindet sich im Süden Jerusalems und beherbergt einen antiken Ruinenhügel, dessen älteste Funde auf das 7./8. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Seit 2005 werden dort Ausgrabungen unter der Leitung von dem Theologen Prof. Oeming von der Universität Heidelberg und dem Archäologen Prof. Lipschits von der Universität Tel Aviv vorgenommen. Bei genauer Betrachtung fördert die Unterstützung der Ausgrabungen in Rahmet Rahel zwei Schwerpunkte der Manfred Lautenschläger-Stiftung: Forschung und Wissenschaft ebenso wie Völkerverständigung. Aus Sicht der Stiftung stand zu Beginn der Förderung, bei aller, teilweise zu Beginn nicht absehbaren archäologischen und somit wissenschaftlichen Bedeutung dieses Projekts, der Aspekt der Völkerverständigung im Vordergrund. Übrigens ganz im Sinne von Prof. Oeming, der in einem Interview mit der RNZ im September 2010 die Art und Weise des interkulturellen und interdisziplinären Arbeitens als zweiten großen Erfolg neben den archäologischen Funden bezeichnete. Zunächst ist hervorzuheben, dass sich über die Jahre Menschen aus 25 Nationen an den Ausgrabungen und der Auswertung der Funde beteiligt haben. Und wenn sich Personen verschiedener Herkunft, mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund in einer offenen Atmosphäre begegnen, um freiwillig gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, dann ist nicht nur für Ressentiments und Vorurteile kein Platz, vielmehr entdeckt man mentalitätsübergreifende Gemeinsamkeiten und entwickelt Respekt für die dennoch bestehenden Unterschiede. Um sich einen Eindruck von dem Geist, der bei


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

einem solchen Projekt unter den Teilnehmern herrscht, zu verschaffen, sei auf den Brief von Thalia Engel (auf Seite 14) verwiesen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein Projekt der Universitäten aus Heidelberg und Tel Aviv und spielte damit eine bedeutende Rolle für die Beziehungen sowohl zwischen Israel und Deutschland als auch zwischen der christlichen und der jüdischen Religion. Beide Beziehungsgeflechte waren und sind einerseits nicht immer unproblematisch, andererseits in der Entwicklung der abendländischen Kultur und der Entstehung des heutigen Europas nicht wegzudenken. Und so ist eine solche wissenschaftliche Kooperation eine Chance und Möglichkeit, erneut aufeinander zuzugehen, die von den Teilnehmern auch in beeindruckender Weise genutzt wurde. So berichtet Professor Oeming von einem Brief eines 72 Jahre alten Juden aus den USA, der sich für die Erfahrung bedankte und mitteilte, dass er sein Bild von Deutschland und den Deutschen revidiert habe. Aber auch die Tatsache, dass der israelische Präsident Shimon Peres die Ausgrabungsstätte besuchte und sich intensiv mit den Beteiligten austauschte, verdeutlicht die Relevanz und Bedeutung dieses internationalen Projekts für die Völkerverständigung. Es muss aber auch der Bogen zu Wissenschaft und Forschung gespannt werden, um der in Ramat Rahel geleisteten Arbeit auch in dieser Hinsicht gerecht zu werden: Shimon Peres sprach von „einer der wichtigsten Entdeckungen für die Geschichte Israels“. Freigelegt wurde unter anderem ein Palast aus dem 7. oder 8. Jh. v. Chr., dessen Nutzung allerdings in der Lehre umstritten bleibt. Zur Debatte steht, ob es sich um einen assyrischen Bau oder den ältesten erhaltenen Königspalast der Davididen handelt. Professor Oeming spricht ferner von „nahezu sensationellen Funden aus der Perserzeit“ in Form von Krügen und Stempeln, die gemacht wurden. Im Hinblick auf das vergangene Jahr hebt er die Bedeutung folgender Funde hervor: „Die herausragenden Funde 2010 waren

das lange gesuchte Wasserreservoir aus der Eisenzeit (dessen Decke schon in der Antike eingestürzt war), ein Elfenbein-Siegel mit dem sinnigen hebräischen Namen „Shelom Kalkal“ (zu Deutsch: „Manfred, der Unterstützer“), ein Swimmingpool aus der Perserzeit, sehr reiche Keramik aus der Perserzeit (ein nahezu kompletter Hausstand) und ein römischer Götterbildständer.“

Vergabe der Teilnehmerurkunden

Neben den zu erwartenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu der Grabung selbst ist geplant, ein Buch mit Erlebnisberichten verschiedener Teilnehmer zusammenzustellen. In diesem soll die Einzigartigkeit der Erfahrungen der Teilnehmer festgehalten werden, mit dem Ziel, den „Geist der Grabung“ lebendig werden zu lassen. Manfred Lautenschläger dankt Manfred Oeming, Oded Lipschits und allen Teilnehmern für ihr engagiertes und beeindruckendes Zusammenarbeiten.

Brief von Thalia Engel >>

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Fortsetzung Ramat Rahel Brief von Thalia Engel

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

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VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Schulbau- und Wasserprojekt in Äthiopien Der Manfred Lautenschläger-Stiftung ist es ein besonderes Anliegen, Kindern eine Entwicklung zu gesunden und gebildeten Menschen zu ermöglichen. Um dies auch über die Grenzen von Deutschland anzugehen, hat es sich die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe und der „Ethiopian Kale Heywet Church“ (EKHC) zur Aufgabe gemacht, ein Entwicklungshilfeprojekt im Rift Valley im Süden Äthiopiens zu unterstützen. Ursprünglich war das Ziel bis 2009 80 Lernzentren zu erbauen, in denen speziell ausgebildete Lehrkräfte Schüler und Schülerinnen (unter ihnen auch Erwachsene) das Lesen und Schreiben beibringen. Parallel soll für eine konstante Wasserversorgung gesorgt werden, sodass die Kinder künftig regelmäßig die Schule besuchen können und nicht wie bisher dem Wasser „hinterherreisen“ müssen. Während des Jahres 2009 stellte sich heraus, dass optimale Ergebnisse nur realisiert werden können, wenn das Projekt noch das ganze Jahr 2010 weiterläuft. Dementsprechend hat sich die Stiftung bereit erklärt, die Finanzierung ein weiteres Jahr zu übernehmen. In den ersten Monaten 2010 konnten in zehn weiteren Schulzentren zusätzliche Klassenräume gebaut werden. Durch das Engagement der Communities verfügen nun insgesamt 45 Zentren über erweiterte Räumlichkeiten, 65 Schulen haben mittlerweile von der Regierung den Status „formal schools“ zugesprochen bekommen. In diesen anerkannten Schulen unterrichten staatlich anerkannte Lehrer, was besonders aus der Sicht der Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung ist, auch weil Abgänger nun in gesamt Äthiopien auf weiterführende Schulen gehen können. Froh sind die Projektverantwortlichen, dass die projektbegleitende Bewusstseinsarbeit so

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gute Früchte trägt: Die Großzahl der Mitglieder der Communities sehen Bildung nun als einen Schlüssel für eine bessere Zukunft ihrer Kinder. So konnten im laufenden Schuljahr 2009/2010 weitere Zuwachsraten verzeichnet werden. Die Schülerzahl stieg um 683 auf insgesamt 15.989. 46 Prozent aller zur Schule gehenden Kinder sind Mädchen. Um die Schulen herum haben sich verschiedenste Entwicklungsaktivitäten etabliert. Die Zahl der Marktstände, in denen Produkte verkauft und Dienstleistungen angeboten werden, hat sich erhöht, der staatliche Gesundheitsposten, ein Farmer-Trainingszentrum und Kebele-Verwaltungsbüros haben sich fest etabliert. Auch die Angebote anderer Nichtregierungsorganisationen, wie der Aufbau von Wassersystemen und Toiletten, setzten sich erfreulicherweise fort. Einige Communities erhielten die Möglichkeit, an das Strom- und Telefonnetz angeschlossen zu werden. Von den drei noch zu bauenden Wasserauffangbehältern konnte einer fertig gestellt werden. Für die beiden anderen wurden die Materialien bereits angeschafft, jedoch scheiterte deren Transport zu den Bestimmungsorten an den schweren Regenfällen, welche die unbefestigten Wege unpassierbar machten. Sobald sich die Bedingungen verbessert haben, wird der Transport durchgeführt. Für die noch zu bauenden Bewässerungssysteme werden derzeit verschiedene Angebote von Baufirmen eingeholt. Der Kauf der Brunnengeneratoren steht kurz bevor. Erango Ersado (der EKHC Projekt-Koordinator): „Die vorhandenen Wasserreservoire sind für die Schulzentren und für die Communities in der Nähe eine große Hilfeleistung. Sie dienen nicht nur der Trinkwasserversorgung - durch neue Bewässerungsmöglichkeiten für den Ackerbau und Versorgung der Tiere verbessert sich zum Beispiel auch die Ernährungslage. Wasser ist die Grundlage dafür, dass sich


VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

verschiedene Entwicklungsvorhaben etablieren konnten und dies auch weiterhin können. Im Namen aller Kinder, ihrer Familien und der Projektmitarbeiter ein herzliches Dankeschön an die Manfred Lautenschläger-Stiftung und die Kindernothilfe für die großartige Unterstützung, ohne die unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre!“ Die bisherigen Ergebnisse sind sehr erfreulich. Um das Projekt jedoch abschließend bewerten zu können, erwartet die Manfred Lautenschläger-Stiftung einen umfassenden Abschlussbericht im Jahr 2011.

Hochschule für Jüdische Studien – Manfred Lautenschläger ist erster Ehrensenator der Hochschule „Ehrensenatoren sind Universitätsminister ohne Aufgabenbereich. Man muss ihnen nämlich gar keine Aufgaben zuweisen, sie haben sie sich selbst gestellt und wirken unermüdlich für die Sache. Man täte ihnen keinen Gefallen, sie weiterhin in Gremien und zu Sitzungen zu bitten, das beschränkte nur ihre Aktivitäten.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Heil am 14. Juli 2010 seine Laudatio anlässlich der Ernennung von Manfred Lautenschläger zum ersten Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung begleitet die Hochschule bereits seit einigen Jahren und ermöglichte zahlreiche Projekte, unter anderem eine Thora-Rolle zur Eröffnung der neuen Heidelberger Synagoge, den Hoftrakt und damit den Lesehof des Neubaus der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, sowie das Manfred LautenschlägerStipendium für deutsch-jüdische Geschichte. Die Ernennung des Stifters zum Ehrensenator soll dieses Engagement würdigen und ein kleines Zeichen des Dankes für außerordentliche Dienste übermitteln.

Partnerschaft Simferopol Im Jahr 2000 wurde das Heidelberg Haus in der Partnerstadt Simferopol mit Hilfe der Manfred Lautenschläger-Stiftung eröffnet. Ursprünglich gedacht als Begegnungsstätte für ehemalige Zwangsarbeiterinnen, nutzen inzwischen mehrere Gruppen das Gebäude, das so zu einem sozio-kulturellen Ort des Austausches wurde. 2007 kam es zu einer Vereinbarung zwischen der Manfred Lauenschläger Stiftung und den Universitäten Taurisch Nationale Universität Simferopol und Staatlich Medizinische Universität Krim: die Stiftung wird für beide Hochschulen zusammen jährlich je sechs Stipendien an der Universität Heidelberg finanzieren. Auswahl und Dauer der Stipendien werden in Kooperation mit der Universität Heidelberg festgelegt.

Weitere Projekte, die im Bereich der Völkerverständigung unterstützt werden: Neben den oben ausführlicher beschriebenen Projekten unterstützte die Manfred Lautenschläger-Stiftung 2010 Unternehmungen des Freundeskreises Simferopol, das Heidelberghaus in Montpellier, sowie die Vortragsreihe am Heinrich-Pesch-Haus „ Ethics in the Shadow oft the Holocaust“ und die Initiative der Stadt Heidelberg „Partnerschaft Polen“.

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"Wenn man weiĂ&#x;, dass 50 Prozent der deutschen Kinder nicht auf die von der Weltgesundheits-Organisation geforderte tägliche Bewegung von einer Stunde kommen, muss man handeln."

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


SPORT

UND GESUNDHEIT Masterstudiengang Sport und Bewegung im Kindes- und Jugendalter

S. 20

Ballschule Heidelberg

S. 21

Schwimmfix

S. 21

Radtreff Rhein-Neckar

S. 22

Fechtverein Heidelberg

S. 22

Rudern gegen Krebs

S. 23

Weitere Projekte

S. 23

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SPORT UND GESUNDHEIT

Nicht erst seit seiner Erkrankung ist der Stifter Manfred Lautenschläger ein Sportnarr. Ob Basketball, Tennis, Golf, Radfahren oder Schwimmen – er nimmt die Herausforderung an. Dies sieht er darin begründet, dass er schon als Kind im Hof kicken ging, wann immer die Zeit es zuließ. Dass heutzutage die meisten Kinder unter Bewegungsmangel leiden, ist eine Tatsache, der er entschieden entgegenwirken möchte. Unter dem Motto „wenn man als Mann aus der Wirtschaft Geld gibt, dann sollte man sich anschließend zurückhalten und die machen lassen, die sich in ihrem Feld am besten auskennen“ unterstützt die Stiftung einige Sportprojekte.

Masterstudiengang Sport und Bewegung im Kindes- und Jugendalter Die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bieten seit 2010 in Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen der beiden Städte einen gemeinsamen Masterstudiengang mit dem Titel „Sport und Bewegung im Kindesund Jugendalter“ an. Abgänger sollen sowohl an Kindergärten und Schulen, Vereinen und Verbänden, bei kommerziellen Anbietern im Sport- oder Gesundheitsbereich, als auch bei Krankenkassen und Rehabilitationszentren Anstellung finden.

Pressekonferenz zum Masterstudiengang Sport und Bewegung im Kindes- und Jugendalter

„Die Kinderwelt ist heute häufig keine Bewegungslandschaft mehr und es ist mir ein Anliegen, was für mich hausgegeben war – Sport im Hof zu treiben – den Kindern näher zu bringen“, so Manfred Lautenschläger. „In unserer zunehmend übergewichtigen Gesellschaft hat wohl kaum etwas so eine hohe Relevanz wie die Prävention und die

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Rehabilitation der Folgen von zu wenig Bewegung. Daraus ergibt sich ein erhöhter Bedarf qualifizierter Studienabgänger, die innovative und kreative Konzepte wissenschaftlich begleiten und in die Praxis überführen können.“ Als Prof. Dr. Bös (KIT) an Manfred Lautenschläger mit der Bitte herantrat, ihn und sein Institut finanziell zu unterstützen, erwiderte dieser: „Nur, wenn Sie mit Herrn Prof. Roth [Universität Heidelberg] kooperieren“. Unter dem Motto „Wissen schaffen durch Wissenschaften“ und auf Initiative von Manfred Lautenschläger haben sich folglich Prof. Dr. Roth und Prof. Dr. Bös zusammengesetzt, holten die jeweiligen pädagogischen Hochschulen an Bord, und entwickelten diesen modular aufgebauten Studiengang. Ein vergleichbares Studienangebot existiert deutschlandweit bisher noch nicht. Der Master befasst sich zentral mit Themen wie Entwicklung und Sozialisation, Lernen und Instruktion sowie mit Leisten und Trainern. Am Studienort Heidelberg kann zwischen den Profilen Prävention & Rehabilitation und Entwicklung & Talent gewählt werden, in Karlsruhe liegt das Hauptaugenmerk auf dem ersten Profil Prävention & Rehabilitation, wobei den Studenten freisteht zu entscheiden, welche Seminare sie belegen möchten, ungeachtet der Tatsache, in welcher Stadt diese angeboten werden. Die Stiftung fördert den Aufbau des Masterstudienganges durch die Finanzierung der Koordinatorinnen Sabrina Erdrich (Heidelberg) und Susanne Krug (Karlsruhe). Weitere langjährige Unterstützung erfährt das ISSW Heidelberg bei ihren Projekten Ballschule und Schwimmfix.


SPORT UND GESUNDHEIT

Ballschule Heidelberg Die Ballschule Heidelberg versteht sich als Institution, die Kindern zwischen 5 und 8 Jahren eine professionelle und entwicklungsgerechte Ausbildung in den bekannten Ballsportarten spielerisch vermittelt. Gegründet 1998 unter der Leitung von Prof. Dr. Roth, angelegt als Kooperationsprojekt des Instituts für Sport und Sportwissenschaften (ISSW), der FT Kirchheim und lokaler Grundschulen, fand das Projekt Ballschule bald große Anerkennung und weitere Kooperationspartner. Mittlerweile wird das Konzept der Ballschule an unzähligen Schulen, Vereinen und auch Kindergärten angeboten. 2007 wurde sogar eine F-Lizenz „Kinder Ballsport (Ballschule)“ (BSB) eingeführt. Folgendes Beispiel wird viel bemüht – ist deshalb jedoch nicht weniger wahr. Während Kinder früher das ABC des Sportelns auf der Straße oder im Park gelernt haben, fehlt es Kindern heute häufig gänzlich an einem ungezwungenen Zugang zu Sport. Auch die Sportvereine können dafür in der Regel keinen vollständigen Ersatz bieten: Die Kinder werden hier vielfach trainiert, bevor sie selbst spielen lernen. Das hat Nachteile: Kinder sind keine Spezialisten, sondern Allrounder. Einseitige Ausbildungen können dazu führen, daß sie frühzeitig die Lust verlieren und erbringen auch langfristig nicht den erwünschten Erfolg. Die Ballschule des FT Kirchheim und des Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg schafft hier Abhilfe. Die Grundidee ist einfach: Kinder sollen durch selbstbestimmtes Spielen die Freude am Ballspielen entwickeln. Dafür gilt es, die frühere Straßenspielkultur wieder zu beleben. So lernen sie beim ABC des Spielens ganz nebenbei – auf implizitem Weg – „Spiele zu lesen und sensomotorisch zu schreiben”, wie es Roth formuliert.

Mit den Zielen, eine ganzheitliche Ausbildung von Kindern in ihrer geistigen, emotionalen und motorischen Entwicklung zu ermöglichen und damit sowohl Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch die soziale Einbindung zu ermöglichen, passt das Konzept sehr gut zu dem Profil der Manfred Lautenschläger-Stiftung.

Schwimmfix Das Projekt Schwimmfix, eine Kooperation des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg (ISSW), der Pädagogischen Hochschule und der Stadt Heidelberg, wurde im Jahr 2005 auf Grundlage eines vom ISSW entwickelten Konzeptes initiiert und seither von der Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt. Nicht nur aus Sicherheitsgründen ist es wichtig, dass Kinder das Schwimmen erlernen. Auch Gesundheitsaspekte spielen eine Rolle. Das Schwimmen ist eine der anerkannten gesunden Sportarten, die zudem bis ins hohe Erwachsenenalter ausgeübt werden kann. Nicht zu vernachlässigen ist auch der soziale Aspekt: Kinder, die nicht schwimmen können, werden ausgegrenzt. Ziel des Projekts Schwimmfix ist es, dass in Baden-Württemberg 90 Prozent der Schüler und Schülerinnen nach der zweiten Klasse in mindestens einer Schwimmart sicher schwimmen können. Diese Forderung entspricht dem Bildungsplan des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport. 2010 lernte die tausendste Nixe das Schwimmen. Die Nichtschwimmerquote in der vierten Klasse lag 2009 in Heidelberg auf 9 Prozent, in Baden-Württemberg liegt diese bei 31 Prozent. Diese Zahlen hat nun die Stiftung zum Anlass genommen, in Kooperation mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und dem ISSW, Schwimmfix in leicht angepasster Form landesweit zu konstituieren.

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SPORT UND GESUNDHEIT

Radtreff Rhein-Neckar 300 Spender folgten dem Ruf von Manfred Lautenschläger und stiegen am Sonntagmorgen, den 08.08.2010 für die gute Sache auf den Sattel. Der Erlös des 13. Radtreff Rhein-Neckar kommt der Kinderkrebsforschung in Heidelberg zugute. Unter den 300 Teilnehmern waren neben dem Initiator des Radtreff Rhein-Neckar Manfred Lautenschläger prominente Mitstreiter wie Weltmeisterin Hanka Kupfernagel, Olympia-sieger Andreas Walzer, Heidelbergs OB Eckhard Würzner und MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg. Die Streckenführung in diesem Jahr sollte von Nußloch über Bad Schönborn, Stettfeld und Odenheim in den Kraichgau führen. Von der Polizei bestens abgesichert konnten die Radler alle Kreuzungen und Abzweigungen problemlos durchfahren. Trotz eines kräftigen Regenschauers endete die Tour nahezu sturzfrei im Nußlocher Racket Center bei der traditionellen Pasta Party. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung arbeitet seit nunmehr 5 Jahren mit der ähnlich organisierten, jedoch wesentlich größeren Tour der Hoffnung zusammen. Die Zusammenarbeit ist derart, dass die Tour der Hoffnung

den Erlös des Radtreff Rhein-Neckar verdoppelt. Manfred Lautenschläger, der mit seinen 72 Jahren als ältester Teilnehmer an den Start ging, war auch dieses Jahr überwältigt von der Tatsache, dass so viele Teilnehmer bei streckenweise sehr schlechtem Wetter vier bis fünf Stunden in den Sattel stiegen - und das „nur“ für den guten Zweck. Das „erradelte“ Geld ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Andreas Kulozik, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinderheilkunde der Universitätsklinik Heidelberg. Im Jahr erkranken etwa 2.500 Kinder an Krebs, wovon die meisten von Leukämie betroffen sind. „Dieser Blutkrebs ist in den meisten Fällen heilbar, jedoch kämpfen die Kleinen oft mit den Methoden die Chemo- und die Strahlentherapie sind sowohl risikobehaftet als auch mit vielen Nebenwirkungen verbunden. Proffessor Dr. Andreas Kulozik arbeitet mit der sogenannten risikoadaptierten Methode - nach dem Motto‚ jeder bekommt soviel Therapie, wie er benötigt, aber eben nicht mehr.“ Mit diesen Worten übergab Manfred Lautenschläger den Scheck über 80.000 Euro für die Weiterentwicklung dieser Arbeit. Ein Dank geht an die vielen treuen Helfer des Vereins Radsport Rhein-Neckar und die Einsatzkräfte der Polizei und des Deutschen Roten Kreuzes.

Fechtverein Heidelberg Der Heidelberger Fechtverein versteht sich nicht nur als Sportstätte, sondern auch als Begegnungsort, um Fair-Play und Integration aktiv zu (er)leben. „Fechten trainiert Körper und Geist. Allgemeine Fitness ist Voraussetzung für das Fechten, ohne intelligente Taktik jedoch ist kein Kampf zu gewinnen. Das Eine bedingt das Andere. Ein guter Fechttrainer wird seine Schützlinge geistig, wie körperlich fordern und fördern. Dies wird sich auf schulische Leistungen und auf die soziale

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SPORT UND GESUNDHEIT

Kompetenz der Athleten auswirken. Die Förderung und Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und aus schwierigeren sozialen Verhältnissen steht auf der Prioritätenliste der Vereinsziele. Dadurch trägt der Verein aktiv zur Integration derer bei, die in naher Zukunft unsere Gesellschaft mittragen sollen.“ Mit diesen Worten begrüßt die Homepage des Fechtvereins Heidelberg seine Besucher. Nur ein attraktiver Verein kann sowohl finanziell starke Förderer als auch (oft weniger wohlhabende) Talente anziehen. Der Fechtverein, der sich 2009 gründete, ist Mitglied des Nordbadischen Fechtverbundes, was es den Mitgliedern ermöglicht, an allen Turnieren und Meisterschaften teilzunehmen. Zielsetzung des Vereins ist darüber hinaus, wohlhabendere Mitglieder und Sponsoren zu werben, um monetär weniger ausgestattete Talente und Interessierte fördern zu können. Die Spende der Manfred Lautenschläger-Stiftung soll diesen Aspekt, aber auch den sportlichen Erfolg sichern, indem ein hoch anerkannter Trainer wie Igor Ott gehalten werden kann.

Rudern gegen Krebs „Rudern gegen Krebs“ ist eine von der Stiftung „Leben mit Krebs“ initiierte und erstmals im Jahre 2005 in Mainz durchgeführte Aktivität zur Förderung der Initiative „Sport und Krebs“. Inzwischen ist „Rudern gegen Krebs“ zu einer bundesweiten Bewegung geworden: 2010 fand die Regatta neben Berlin, Frankfurt, Mainz, Kiel, Hamburg, Neuruppin und Erlangen, auch in der Metropolregion RheinNeckar, nämlich in Mannheim, statt. Manfred Lautenschläger unterstützte die Stiftung „Leben mit Krebs“ bei dieser Benefitsregatta sowohl finanziell als auch durch persönlichen Einsatz, indem er mitruderte.

von den „Spendern“ verlangt, wobei bei den Profis die Familie Klüter und bei den Amateuren die Bundesliga-Damen des Mannheimer Hockeyclubs gewannen. An den verschiedenen Informationsständen konnten sich die Zuschauer sowohl über unterschiedliche Selbsthilfegruppen als auch die Knochenmarkspenderdatei informieren. Bei der Mannheimer Regatta gingen 60 Boote in den Kategorien Profis und Amateure an den Start. Wer jetzt denkt „Ich würde daran auch gerne teilnehmen, habe aber kein Boot oder das notwendige Können“ – dies ist kein Hinderungsgrund. Die Stiftung „Leben mit Krebs“ stellt den Interessenten ein Boot und einen Trainer. Der Erlös der Regatta soll dazu beitragen, dass krebskranke Menschen an Lebensqualität gewinnen. Jeder aktive Teilnehmer unterstützt mit seinem Startgeld dieses Projekt und ermöglicht so, Patienten des „Interdisziplinären Tumorzentrum Mannheim“ ein gezieltes und auf die Erkrankung abgestimmtes Sportprogramm anzubieten. Die Stiftung finanziert so u.a. Sporttherapeuten, die gezielt Sportprogramme anbieten, Patienten beraten und Kurse durchführen.

Weitere Projekte, die im Bereich Sport und Gesundheit unterstützt werden Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt zudem verschiedene sportliche Projekte. Besonders aktiv ist die Stiftung bei Ballsportprojekten, wenn diese auch mit Jugendarbeit und/oder der Gesundheitsprävention verbunden werden. 2010 unterstützte Manfred Lautenschläger darüber hinaus sowohl durch eine Spende, als auch durch persönlichen Einsatz den Diabetikersportverein Heidelberg e.V..

Auch wenn der gute Zweck im Vordergrund stand, so wurde doch eine sportliche Leistung

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"Wissenschaft braucht Neugier und frische Köpfe – und die brauchen Freiheit für ihre Forschung."

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


FORSCHUNG

UND WISSENSCHAFT DKFZ

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Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. (BIOS)

S. 27

Hรถrsaal 13

S. 28

Passivrauchen und die Auswirkung davon auf den Blutdruck von Kindern

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1000 Leben retten

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Weitere Projekte

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FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Gesundheitsbewusstsein heißt in Deutschland: Man geht zum Arzt, wenn man krank geworden ist, das heißt man lässt einen aufgetretenen Schaden reparieren. Viel zu wenig Gedanken macht man sich darüber, ob und wie man vermeiden kann, dass der Schaden, sprich die Erkrankung, überhaupt eintritt. Prävention heißt das Stichwort. Die primäre Prävention betrifft in erster Linie die Lebensführung. Der moderne Zivilisationsmensch isst zu viel, bewegt sich zu wenig, trinkt zu viel Alkohol, raucht. Die Folge: Übergewicht, Krebserkrankungen, Diabetes.

Deutsches Krebsforschungszentrum Es ist ein besonderes Anliegen der Manfred Lautenschläger Stiftung, die Krebsforschung zu fördern. Krebserkrankungen sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen, in Deutschland liegen sie gar auf Rang 2 hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Universität Heidelberg stellt eine der weltweit renommiertesten Medizinfakultäten, insbesondere auch in der Krebsforschung. Dies unterstreicht auch die Tatsache, dass der Nobelpreis für Medizin im Jahr 2008 an Prof. Harald zur Hausen, der von 1983 bis 2003 Vorsitzender des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) war, für seinen herausragenden wissenschaftlichen Beitrag zur Erforschung von humanen Papillomviren (HPV), verliehen wurde. Dennoch ist nach wie vor zu konstatieren, dass in Deutschland, im Gegensatz zu etwa den angelsächsischen Ländern, die private Förderung von Universitäten noch in den Kinderschuhen steckt und somit immer wieder der Anschluss an die internationalen Spitzenuniversitäten verloren zu gehen droht. Und so erschien es fast nur folgerichtig,

v.l.n.r.: Prof. Wiestler, Prof. zur Hausen, Angelika Riemer, Dr. h. c. Manfred Lautenschläger

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anknüpfend an den Nobelpreis im Bereich Wissenschaft und Forschung das DKFZ in Heidelberg zu fördern. Das DKFZ ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland, Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und beschäftigt über 2.500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, darunter über 1.000 Wissenschaftler. Diese erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Entwicklung neuer Verfahren für die Klinik sind in den letzten Jahren am DKFZ entscheidende Fortschritte erzielt worden. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Eine Million Euro für vier Jahre, das sind die nackten Zahlen der Unterstützung für das DKFZ. Ein Betrag, der im Vergleich zu den Zahlungen an die Universitäten durch die öffentliche Hand wie ein kleinerer Posten erscheinen könnte, jedoch zeigt, was möglich ist, wenn Geld an die richtigen Stellen, mit klaren Zielen, vergeben wird. „Um international zu bestehen, ist unsere Forschung zunehmend auch auf private Geldgeber angewiesen“, erklärte so auch Professor Dr. Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. Ziel und Anliegen dieser Unterstützung war in erster Linie, hochqualifizierte Nachwuchskräfte zu finden, die die Arbeit des DKFZ und von Prof. Harald zur Hausen weiterführen. Und so konnte die 33-jährige Angelika Riemer an das DKFZ gebunden werden. Die Österreicherin kann eine beeindruckende Vita vorweisen, darunter zwei Promotionen und


FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

eine Habilitation, und wird nun die Arbeit von Prof. zur Hausen fortführen. Hatte sich seine Arbeit auf das Impfen gegen die krebsauslösenden Papillomviren konzentriert, so soll nun ein Medikament entwickelt werden, welches eingesetzt werden kann, wenn die Infektion bereits stattgefunden hat. Das Augenmerk liegt hierbei auf der Forschung an dem Papillomvirus 16, welches die Hälfte aller Fälle von Gebärmutterkrebs verursacht, jedoch auch eine weitere Reihe von Krebserkrankungen auslöst. Jedoch waren nicht nur die Verantwortlichen des DKFZ von dem Neuzugang begeistert, ebenso sprach Angelika Riemer von einem Angebot, das sie nicht ablehnen konnte. Und so zeigt sich, dass es auch in der Wissenschaft und Forschung ein Wechselspiel gibt: Bekannte, renommierte Einrichtungen, die exzellente Arbeit leisten, ziehen hervorragende Wissenschaftler an, die ihrerseits wieder dazu beitragen, dass ihre neue Arbeitsstelle an Prestige und Strahlkraft gewinnt. Es ist erfreulich, dass die Manfred LautenschlägerStiftung durch gezielte finanzielle Hilfe dazu beitragen kann, dass sich diese Spirale am Deutschen Krebsforschungszentrum weiterhin nach oben dreht und der Kampf gegen die Krebserkrankungen effektiv und innovativ fortgeführt werden kann.

Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. (BIOS) Die Resozialisierung von Gewalt- und Sexualstraftätern ist ein sehr schwieriges Thema – ist doch die Mehrheit der Bevölkerung dafür, dass diese die Freiheit nie wieder erlangen. Eine wirksame Straftäterbehandlung ist aber ein wichtiges Mittel des präventiven Opferschutzes. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt aus Überzeugung BIOS und deren wissenschaftliche Evaluierung eines solchen Programmes. Auf Initiative der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. werden zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter im Regelstrafvollzug auch externe Therapeuten zur Verfügung gestellt und

es werden neben zahlreichen einzeltherapeutischen Maßnahmen vor allem Behandlungsabteilungen in den Vollzugsanstalten Mannheim, Heimsheim und Heilbronn unterhalten. Seit 2004 bietet außerdem die Behandlungsabteilung der JVA in Bruchsal eine Wohngruppe, in der 16 Sexualstraftäter und seit 2010 auch sechs Gewaltstraftäter Platz finden und sich in Gruppen- und Einzeltherapien mit ihren Taten auseinandersetzen. Absolvieren sie zwei bis drei Jahre die Behandlung erfolgreich, dürfen sie in die Entlassungsvorbereitung und von dort in den offenen Vollzug. Die Programme beruhen auf einer Kombination von Gruppen- und Einzeltherapie (vgl. hierzu näher unter: >> www.bios-bw.de „Projekte“). Jeder Mensch hat das Recht, nicht Opfer einer Gewalt- oder Sexualstraftat zu werden. Aus diesem Grundsatz ergibt sich eine Verpflichtung des Staates. In unserem Rechtsstaat ist es eine Tatsache, dass die meisten Straftäter nach dem Absitzen ihrer Haftstrafe wieder entlassen werden – die Aufgabe des Staates besteht darin, diese Menschen weitestgehend auf das Leben draußen vorzubereiten und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um mit den täglichen Herausforderungen umgehen zu können, ohne rückfällig zu werden. Man könnte also sagen, dass erfolgreiche Resozialisierungsarbeit an Gewaltund Sexualstraftätern einer Prävention auf zweiter Stufe entspricht. Obwohl es aufgrund internationaler Forschungen zwischenzeitlich als nachgewiesen anzusehen ist, dass durch eine deliktorientierte psychotherapeutische Behandlung das Rückfallrisiko deutlich gesenkt werden kann, besteht ein Mangel an Untersuchungen über die Wirkungen von Behandlungsprogrammen in deutschen Haftanstalten. Das von der Universität Heidelberg, dem Institut für Psychologie (Prof. Dr. Peter Fiedler) und dem Institut für Kriminologie (Prof. Dr. Dieter Dölling), durchgeführte und am 1. Februar 2010 beginnende Forschungs- und Evaluierungsprojekt wird von der Manfred LautenschlägerStiftung finanziert.

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FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

Hörsaal 13 Im Rahmen der umfassenden Sanierung zentraler Hörsaal- und Veranstaltungsräume anlässlich des 625-jährigen Bestehens der Universität Heidelberg wurde auch der Hörsaal 13 saniert. Ziel des Sanierungsprojektes ist es, die Baukosten von 10,4 Millionen Euro durch Spenden der Förderer und Alumni der Universität aufzubringen. Manfred Lautenschläger nahm sich der Sanierung des Hörsaals 13 an, der am 2. Mai 2010 mit einer festlichen Vortrags- und Konzertveranstaltung wiedereröffnet wurde. Die Neugestaltung des Hörsaals stand unter dem Motto „Dem lebendigen Geist“ und berücksichtigte sowohl Belange der Denkmalpflege als auch die Anforderungen einer neuen Haus-, Klima- und Medientechnik. So wurde die Lüftungsanlage komplett erneuert, die hochwertige technische Ausstattung wurde ergänzt durch im Boden eingelegte Induktionsschleifen für Hörgeräteunterstützung, Kameraanschlüsse für Bild- und Tonübertragungen in andere Hörsäle sowie die notwendigen Sicherheitseinrichtungen. Das erhaltene Holzgestühl aus der Erbauungszeit wurde aufgearbeitet und in seiner ursprünglichen Fassung gebeizt. Auffälliges Gestaltungselement des modernisierten Hörsaals sind die bunten Längslamellen aus lackiertem Metall, die an Decke und Rückwand angebracht wurden. Sie kaschieren zugleich die technischen Einbauten für Lüftung, Beleuchtung und Beschallung.

„In diesem Hörsaal würde man gerne noch einmal studieren, so schön ist er geworden“, sagte Manfred Lautenschläger spontan, als er zur Wiedereröffnung den Hörsaal betrat. Für die Finanzierung der Hörsaalmodernisierung sprach ihm der Rektor der Universität seinen Dank aus. Durch die uneigennützige Unterstützung eines „bekennenden Mäzens“ sei die Realisierung dieses Projekts möglich

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geworden, betonte Prof. Dr. Bernhard Eitel, der in seinem Grußwort an die wechselvolle Geschichte der Neuen Universität erinnerte. Der Festvortrag anlässlich der Einweihung des Hörsaals 13 war Teil der „Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie“, die ebenfalls von der Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt werden. Die Vorlesung hielt der Heidelberger Germanist Prof. Dr. Dieter Borchmeyer, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er sprach zum Thema „,Laß der Sonne Glanz verschwinden, Wenn es in der Seele tagt‘ – Die Romantik oder Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Den musikalischen Rahmen gestalteten Silke Schwarz (Sopran) und Joana Mallwitz (Klavier) vom Theater Heidelberg.

Passivrauchen und die Auswirkung davon auf den Blutdruck von Kindern Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Bei Kindern ist bisher keine Risikoabschätzung möglich, da Langzeitstudien zum kardiovaskulären Risiko an großen, bis ins Erwachsenenalter verfolgten Kohorten fehlen. Aber: Kinder mit Blutdruck haben auch als Erwachsene Blutdruck und diese Kinder können bereits als junge Erwachsene eine vorzeitige Atheriosklerose aufweisen. Bisher ist bekannt, dass Übergewicht, niedriges Geburtsgewicht und Bluthochdruck der Eltern Auswirkungen auf den Blutdruck der Kinder haben. Jetzt möchten die Ärzte des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg sowie des Gesundheitsamts Rhein-Neckar bei über 4.000 Fünf- bis Sechsjährigen in Heidelberg und der Rhein-Neckar-Region eine Studie durchführen, um nachzuweisen, dass zudem das Passivrauchen einen Anteil an diesem Problem hat. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Folgen wie zerebrale Infarkte, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz,


FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT

periphere Durchblutungsstörungen und chronische Nierenfunktionseinschränkungen sind ursächlich für den Großteil aller akuten und chronischen Krankheitsfälle in der Allgemeinbevölkerung, ursächlich für über 45 % aller Todesfälle in Deutschland und verursachen Folgekosten von mehr als 35 Milliarden Euro im Jahr. Aus diesen Gründen ist es nur richtig und konsequent, besonders Kinder vor möglichen Ursachen dieser Krankheiten zu schützen. Daher unterstützt die Manfred Lautenschläger-Stiftung die Studie zur Erfassung des Einflusses von Passivrauchen auf den Blutdruck von Kindern. 2011 wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

1000 Leben retten In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es rund 2000 Neuerkrankungen von Darmkrebs und über 750 Todesfälle pro Jahr. Die Aktion „1000 Leben retten“ hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in drei Jahren 1000 Todesfälle von den zu erwartenden 2250 zu verhindern. Wenn primäre Prävention in erster Linie die Lebensführung betrifft, ist die sekundäre Prävention die sinnvolle Vorsorgeuntersuchung. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart mit 73.000 Neuerkrankungen und einer Todesrate von ca. 26.500 in Deutschland pro Jahr. Dabei ist dieser Krebs fast immer heilbar, wenn er im Frühstadium erkannt wird. Und dies kann man erreichen, wenn man ab Alter 55 etwa alle 10 Jahre eine Darmspiegelung vornehmen lässt. Das aber heißt: Arztbesuch, ohne erkennbare Krankheit, aber zu dem Zweck, eine sich eventuell anbahnende tödliche Krankheit rechtzeitig zu erkennen und damit beherrschbar zu machen. Das heißt, einem sonst sicheren Krebstod zu entgehen.

Um die Erkrankung frühzeitig entdecken oder sogar verhindern zu können, gibt es eine wirksame Methode. Und zwar kann durch einen Stuhlbluttest nicht sichtbares Blut im Stuhl erkannt werden. Sollte der Test positiv ausfallen, wird anschließend eine Darmspiegelung durchgeführt, um die Ursache zu ermitteln. Falls erforderlich werden bei der Darmspiegelung Krebsvorstufen - sogenannte Polypen entfernt. Viele Untersuchungen zeigen, dass diese Methode sehr effektiv ist. Die meisten Darmkrebserkrankungen können so von vornherein vermieden werden oder durch frühzeitige Erkennung erfolgreich geheilt werden. Leider wird diese Möglichkeit der Darmkrebsvorsorge nur unzureichend wahrgenommen. Aus diesem Grund existiert das Projekt „Metropolregion Rhein-Neckar gegen Darmkrebs“.

Weitere Projekte, die im Bereich Forschung und Wissenschaft unterstützt werden Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt die Universität Heidelberg auf unterschiedlichen Wegen, wie der Finanzierung von Konferenz- und Vortragsreihen, aber auch die Unterstützung einzelner Personen. Darüber hinaus werden an der FH Ludwigshafen das Mittel- und Osteuropäische Institut sowie an der Universität Mannheim die Vortragsreihe „Mit Sicherheit verliebt“ und das Institut für Mittelstandsforschung unterstützt. Zudem wird auch die Universitätsklinik Heidelberg umfangreich unterstützt, wie beispielsweise Projekte zur Bekämpfung von Diabetes und dessen Spätfolgen, die Forschung über Folgen von Alkoholmissbrauch und dem Rauchen, sowie Stipendien für ausländische Studenten nach Heidelberg, wie auch für Heidelberger Studenten ins Ausland.

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"Bildung ist einer der Wegweiser in eine erfolgreiche Zukunft f체r unsere Gesellschaft und f체r die Kultur, die uns pr채gt."

Dr. h. c. Manfred Lautenschl채ger


GESELLSCHAFT

UND KULTUR M端hlenhof

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Lesestart

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Virtuelle Medien

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Heidelberger Fr端hling

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Weitere Projekte

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

Die Manfred Lautenschläger-Stiftung fördert ein verbessertes Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft. Dies umfasst sowohl Projekte von gesellschaftspolitischer Bedeutung für Deutschland insgesamt als auch solche, die die Lebensqualität in Heidelberg und der Region konkret betreffen. Heidelberg ist darüber hinaus in der ganzen Welt als Kulturstadt bekannt. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung setzt sich dafür ein, diesen Ruf zu erhalten und die kulturelle Vielfalt in der Region weiter zu fördern.

sondern vielmehr konkret und direkt vor Ort zu helfen. Im Kanzelbachtal in Schriesheim wurde ein Konzept umgesetzt, das für Manfred Lautenschläger von Anfang an eine Herzensangelegenheit war.

Symbolische Schlüsselübergabe bei der Einweihungsfeier Mühlenhof

Mühlenhof Auch wenn Deutschland, in Hinblick auf Größe und Einwohnerzahl, ein gut funktionierender Sozialstaat ist, so bleibt es naturgemäß nicht aus, dass immer wieder Menschen durch die Absicherungsnetze fallen. Zwar ist erkennbar, dass es in Deutschland besser als in anderen Ländern gelingen mag, den „sozialen Abstieg“ zu vermeiden, jedoch staatliche Maßnahmen insbesondere bei der Wiedereingliederung von Obdachlosen aus mannigfaltigen Gründen nicht in wünschenswertem Maß greifen. Hier besteht eine Lücke, die durch privates Engagement geschlossen werden muss. Soziales, ethisches Unternehmertum und die daraus resultierende stifterische Tätigkeit beinhaltet nach der Überzeugung der Manfred Lautenschläger-Stiftung auch, beim Thema Obdachlosigkeit nicht wegzusehen,

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Die Stiftung hat eine ehemalige Kerzenfabrik auf dem Högg-Gelände in Schriesheim für die Realisierung des Projekts Mühlenhof der Wiedereingliederungshilfe der Evangelischen Stadtmission Heidelberg gekauft. Ziel ist es, Obdachlosen und anderen Menschen in schwieriger Lage zu helfen, im Alltag wieder Fuß zu fassen und einen geregelten Tagesablauf (wieder) kennenzulernen. Dies soll im Mühlenhof vor allem durch die Arbeit in der freien Natur und mit Tieren geschehen. Jedoch ist es ebenso Teil des Projekts, dass es sich für jeden Interessierten öffnet; so bietet der Mühlenhof etwa eine architektonisch sehr gelungene Gaststätte an.

„Etwas Schönes soll hier entstehen“, hatte Manfred Lautenschläger vor Baubeginn gesagt, und etwas wirklich sehr Schönes ist es nun in der Tat geworden: Insgesamt ist das Areal ca. zwei Hektar groß, verfügt nun nach der Fertigstellung neben der Wirtschaft über Ställe für etwa 80 Tiere und eine Reithalle. Im Außenbereich vervollständigen Streuobstwiesen, Bienenstöcke, ein Teich und Kräuterbeete den Bauernhof. Wie erwähnt, ist es ein wichtiger und zentraler Gesichtspunkt des Mühlenhofs, dass er eine Stätte der Begegnung für die dort tätigen Obdachlosen und die Bevölkerung wird. Für Radfahrer, Wanderer und Familien ist nun ein weiteres schönes Ausflugs- oder Zwischenziel in der Metropolregion entstanden, Schulklassen werden für Ausflüge eingeladen, zum Beispiel zum Ponyreiten oder um den Streichelzoo zu besuchen. In der Adventszeit kann hier ein


GESELLSCHAFT UND KULTUR

Weihnachtsbaum erworben werden, des weiteren wird „altes Handwerk“ gezeigt, angeboten wird auch Reittherapie und ein Erlebnispfad. Der Mühlenhof zeigt, dass Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, dauerhaft Enormes leisten können und wollen, wobei die Männer und Frauen durch das fachkundige Team der Wiedereingliederungshilfe der Stadtmission Heidelberg angeleitet werden.

Projekt Lesestart der Stadtbücherei Heidelberg Eine Studie der Deutschen Bahn, der Zeit und der Stiftung Lesen ergab 2007, dass über 40% der Eltern ihren Kindern selten oder nie vorlesen. Die Gründe hierfür reichen von der subjektiven Einschätzung, dass man kein guter Vorleser sei bis hin zu dem (Irr)Glauben, dass ihre Kinder lieber vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen würden. Dazu lässt sich nur erwidern, dass Medien kein Ersatz für die gemeinsame Zeit beim Vorlesen sind. Beim Vorlesen kann man selbst das Tempo bestimmen, zwischendrin innehalten und etwas nicht verstandenes erklären, gewisse Passagen überspringen, das gelesene mit persönlichen Erfahrungen in Verbindung setzen und das Kind auch auf wichtige Ereignisse vorbereiten, indem man entsprechende Bücher wählt. Zudem gab in einer Erfurter Studie jedes vierte befragte Kind an, dass es sich wünschen würde, häufiger vorgelesen zu bekommen. Lesen ist sicherlich die nachhaltigste und preiswerteste aller Investitionen in die Bildung unserer Kinder – gerade wenn man entsprechende Tauschbörsen oder Leihangebote nutzt. Beim Zuhören bauen die Kinder ihren Wortschatz aus, lernen anhand der Geschichten ihre eigenen Emotionen einzuordnen und – sicherlich einer der gewichtigsten Gründe für das Vorlesen – Kinder, die vorgelesen bekommen, lesen später selbst sehr viel wahrscheinlicher.

Aus den genannten Gründen unterstützt die Manfred Lautenschläger-Stiftung die Stadtbücherei Heidelberg bereits seit einigen Jahren in unterschiedlichen Bereichen. Im Jahr 2010 gab es unter anderem die Zusage, das seit dem Beginn im Jahr 2007 unterstützte Leseförderungsprojekt „Lesestart – Heidelberg schenkt Kindern Zukunft“ auch weiterhin zu unterstützen. Gemeinsam mit der Universitäts-Frauenklinik und der Heidelberger Stadtbücherei werden an Eltern mit Neugeborenen eine Büchertasche im Krankenhaus und im Folgejahr ihr zweites kostenloses Lesestart-Set in der Bücherei übergeben. Dieser besondere Willkommensgruß, der gleichzeitig eine gute Starthilfe für die geistige Entwicklung der kleinen Erdenbürger sein soll, lag ab August 2010 wieder für die Familien in der Heidelberger Stadtbücherei bereit. Zusätzlich lud anlässlich dieser Zusage die Heidelberger Stadtbücherei Kinder ab 4 Jahren und ihre Eltern zu einer ganz besonderen Vorlesestunde ein - der bekannte Kinderbuchautor Stefan Gemmel kam eigens zu einer Lesestart-Bilderbuchstunde nach Heidelberg. „Wer liest, wird reich. Reich an Erfahrung, Erkenntnissen und Wissen. Wer liest, begibt sich auf Weltreise, lernt andere Länder, Kulturen und Haltungen kennen.“ Gemäß dieser Philosophie von Frau Regina Wolf-Hauschild, der Büchereidirektorin a.D. der Stadtbücherei Heidelberg, nahm Gemmel die Kinder mit auf eine Reise nach Afrika. Sein Kinderbuch, das von einem grünen Drachen erzählt, der eine Koalition mit einer Maus eingeht, um sich gegenseitig zu helfen, ist Teil des Lesestart-Sets. Dieser Nachmittag gestaltete sich nicht nur für die anwesenden Kinder, sondern auch für deren Eltern und alle weiteren Anwesenden zu einem ganz besonderen Nachmittag, der einen wieder daran erinnerte, dass ein Buch nicht durch andere Medien ersetzbar ist!

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GESELLSCHAFT UND KULTUR

Virtuelle Medien in der Stadtbücherei Heidelberg Wenn es auch zu verhindern gilt, dass die virtuelle Welt das gedruckte Wort verdrängt, so darf man sich der Tatsache, dass immer mehr Personen auf elektronische Bücher und Fachzeitschriften zurückgreifen, nicht versperren. Die Stadtbücherei Heidelberg hat dies erkannt und mit Hilfe der Spende von 12.000 Euro der Manfred Lautenschläger-Stiftung rund 800 neue elektronische Medien gekauft und ihren Bestand von insgesamt 7.000 Exemplaren (davon ein Gesamtpaket mit 4.000 Musik-CDs) ausgebaut. Manfred Lautenschläger zu seiner Spende für die e-Ausleihe: „Es ist mir wichtig, besonders auf dieses zukunftsorientierte Angebot aufmerksam zu machen.“ Denn damit greift die Bücherei das veränderte Nutzungsverhalten vieler Menschen auf und verknüpft ihre Bildungsangebote mit neuer Technologie. Auch Lektorin Renate Reinhardt und Bibliotheksdirektorin Ingrid Kohlmeyer sind froh, das speziell auf Heidelberger Bedürfnisse ausgerichtete Angebot um zahlreiche aktuelle Titel, z.B. durch Sprachkurse und Hörbücher zu vergrößern. Denn gerade die Nachfrage nach neuen Hörbüchern – wie z.B. Henning Mankell „Mittsommermord“ oder Stephenie Meyer „Bis(s) zum Ende der Nacht“ steigt stetig. Das liegt auch daran, dass sich gerade Hörbücher auf unterschiedliche Weise nutzen lassen: gemütlich zuhause auf dem Sofa, unterwegs über MP3-Player beim Joggen, auf dem Fahrrad, im Auto oder beim Zug fahren. Zudem ist die Ausleihe unkompliziert und kostenlos. Aber auch e-Books werden bei Schülerinnen und Schülern, Studierenden und berufstätigen Kundinnen und Kunden immer beliebter. Mit Hilfe der rund um die Uhr geöffneten virtuellen

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Zweigstelle der Stadtbücherei kann man schnell noch sein Referat über Goethes „Faust“ erledigen, gleich nach Erscheinen den aktuellen „Spiegel“, die Süddeutsche Zeitung, die FAZ oder das Handelsblatt lesen oder im großen Angebot der Musik-CDs stöbern. Neu im Angebot sind nun auch Romane und Titel der Bestsellerliste, die am Bildschirm oder auf einem E-Book-Reader gelesen werden können - hier gibt es bereits positive Resonanz. Die e-Ausleihe mit dem kompletten virtuellen Angebot ist auf der Stadtbücherei-Homepage >>

www2.onleihe.de/heidelberg

zu finden. Dort wählt man seinen Wunschtitel aus, meldet sich mit der Büchereicard an und lädt das ausgesuchte Medium auf den heimischen PC. Ein Daten-Rechte-Management sorgt dafür, dass die Inhalte nur im Rahmen der vereinbarten Lizenzmodelle genutzt werden können, die Rückgabe erfolgt automatisch.

Internationales Musikfestival „Heidelberger Frühling“ 2010 Manfred Lautenschläger hat den Veranstaltern des „Heidelberger Frühling“ die Zusage über 5 Jahre ausgesprochen, das Festival jährlich mit 100.000 Euro zu unterstützen. Gerade in einer Stadt wie Heidelberg hat ein Musikfestival einen besonderen Auftrag und Herausrangendes wird erwartet, natürlich in der Musik, aber auch in der Auseinandersetzung mit den großen Fragen. Es gilt das kulturelle Leben in Heidelberg zu bereichern und für zukünftige Generationen zu sichern. 2010 war das bisher erfolgreichste Jahr in der Geschichte des „Heidelberger Frühling“: Mit einem festlichen Abschlusskonzert des


GESELLSCHAFT UND KULTUR

SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg und der Sopranistin Christiane Oelze beendete der „Heidelberger Frühling“ am 24. April das internationale Musikfestival, das bei insgesamt 87 Veranstaltungen mehr als 31.000 Zuhörer zählte. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass man beim „Heidelberger Frühling“ die Weltelite der Klassikszene bei großen Konzertabenden in festlichem Ambiente erleben kann - das Herz des Festivals aber schlägt woanders. Es ist zu finden in Projekten wie dem renommierten Streichquartettfest oder dem „Heidelberger Atelier“, bei dem zeitgenössische Musik ihren festen Platz im Programm findet. Bei diesen Veranstaltungen wird die Distanz zwischen Akteuren und Publikum abgebaut, man kommt miteinander ins Gespräch, tauscht Erfahrungen miteinander aus. Das ist fruchtbar für beide Seiten und schafft nachhaltige Erlebnisse, die mit dem Begriff „Event“ wenig zu tun haben.

Pessimisten manchmal vermuten, beweist ein Besucheranstieg von 47 Prozent in den vergangenen vier Jahren.

Weitere Projekte, die im Bereich Gesellschaft und Kultur unterstützt werden Zusätzlich zu den oben genannten, wurden im Jahr 2010 weitere Projekte finanziell unterstützt. Darunter das Kurpfälzische Museum der Stadt Heidelberg, die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung der Jubiläumsfeier des Karlstor Heidelberg und die Sternsinger der Gemeinde Gaiberg. Ebenfalls wurde eine Essensversorgung von Kinder der Stadt Heidelberg bezuschusst.

Der „Heidelberger Frühling“ versteht sich auch als Musikvermittler und möchte Denkanstöße geben, wie die Musik in größere Zusammenhänge einzuordnen ist. Dass dies kein Lippenbekenntnis ist, beweisen der Umfang und die Qualität der begleitenden Vorträge, Künstlergespräche, Workshops und anderer, teils innovativer Veranstaltungsformate. Dabei hat Festivalleiter Thorsten Schmidt immer im Blick, dass all dies auf keinen Fall trocken und schulmeisterlich daherkommen darf. Schließlich hat das Festival auch junge Besucher im Visier. Großen Wert legt Schmidt darauf, dass sich der „Heidelberger Frühling“ sowohl an den Kenner als auch an den interessierten Neuling richtet: „Mit einer Vielzahl von Vermittlungsangeboten möchten wir Brücken bauen für alle, die wenige Vorkenntnisse, aber viel Neugier mitbringen.“ Und dass es von diesen Menschen mehr gibt, als

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"Als Unternehmer begreife ich große Begabungen als ein Versprechen. Ich möchte helfen, dieses Versprechen einzulösen."

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


PREISE Deutscher Präventionspreis

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Europäischer Bürgerrechtspreis

S. 40

Autorenpreis HEIDELBERGER STÜCKEMARKT

S. 43

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PREISE

Deutscher Präventionspreis Im Zeitraum von 2008 bis 2010 finanzierte die Manfred Lautenschläger-Stiftung den Deutschen Präventionspreis, der jährlich von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vergeben wird. Ziel des seit 2004 ausgelobten Preises ist die Gesundheitsförderung in Deutschland. Nach dem Motto „Die Besten finden und fördern“ werden vorbildhafte Projekte in jährlich wechselnden Teilgebieten der gesundheitlichen Prävention ausgezeichnet. Das Preisgeld ist für die Weiterführung und Entwicklung der prämierten Maßnahmen bestimmt und wird an Einzelpersonen, Institutionen oder Kommunen vergeben.

Die Preisträger des Deutschen Präventionspreises 2010

„Gesund aufwachsen – Ganzheitliche Förderung von Heranwachsenden in der Sekundarstufe I“ war das Motto der Ausschreibung des Wettbewerbs vom Bundesministerium für Gesundheit und der Manfred Lautenschläger Stiftung. Es wurden Wettbewerbsbeiträge angenommen, die zeigen, wie Schulen der Sekundarstufe I die Entwicklung der körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler bewusst und systematisch fördern, sie bei der Bewältigung

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ihrer alterstypischen Entwicklungsaufgaben unterstützen und die dafür wichtigen Aspekte umsetzen. Dass Kinder gesund und mit Chancen für ihr Leben aufwachsen können, ist nicht nur eine Frage der Ernährung, der Bewegung oder des sozialen Umfeldes, in dem die Familie lebt. Immer häufiger ist die Zukunft der Kinder abhängig vom Zusammenwirken aller dieser Faktoren, ist ein ganzheitlicher Ansatz der Förderung gefragt. Über 400 Schulen hatten sich für den Deutschen Präventionspreis 2010 beworben – Schulen, die teilweise in einem schwierigen sozialen Umfeld und mit Familien arbeiten, die offenkundig von Armut, Perspektivlosigkeit, Bildungsferne und Arbeitslosigkeit geprägt sind. In dieser Situation ist die schulische Arbeit mit Heranwachsenden in der Sekundarstufe I zugleich sehr schwierig und besonders dringend notwendig. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz der Förderung von Schülerinnen und Schülern bezieht die Bewegungsförderung ebenso mit ein wie Ernährungsfragen. Er muss sich aber auch um die Fähigkeit der Kinder kümmern, Kontakt zu anderen aufzunehmen, mit anderen Kindern in der Gruppe und mit eigenen Gefühlen umzugehen. Viele Kinder haben von ihren Erfahrungen in der Familie ausgehend keinen selbstverständlichen Zugang zu Bewegung im Freien, einige kennen die natürlichen Zutaten zahlreicher Gerichte nicht und müssen an eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung erst herangeführt werden. Oft haben Kinder aus einem schwierigen Lebensumfeld die Grenzen ihres Stadtviertels oder ihrer Stadt nie überschritten und kennen selbst die Natur in ihrer Umgebung nicht. Die preisgekrönten Schulen zeigen mit ihrer Arbeit, wie phantasievoll, wie engagiert, wie kompetent man sich dieser Situation annehmen kann. Immer wieder zeigen Schülerfirmen gemeinsames Kochen und Essen, regelmäßige Angebote von Mahlzeiten, die mit großer Beteiligung der Schüler zubereitet


PREISE

werden, Sportangebote über den Regelunterricht hinaus und viele weitere Vorhaben, was gute Schulen leisten können und auch teilweise bereits leisten.

berger Ballschule, einem Projekt der Bewegungsförderung für Schulkinder, das bei Prof. Roth in der Heidelberger Sportwissenschaft seinen Ausgangspunkt nahm und inzwischen tausende von Schulkindern erreicht.

Für manche Kinder ist die Schule der einzige Zugang zur Bewältigung der großen Lebensfragen. So gibt es in manchen ländlichen Regionen außerhalb des Unterrichts wenige Möglichkeiten für die Kinder, Freundschaften zu pflegen, an Freizeitangeboten teilzunehmen und weitere Bildungserfahrungen zu machen. Für alle Schüler ist jedes systematische Herangehen an diese Themen eine Bestärkung auf dem Weg in ein gesundes und chancenreiches Leben. Was bringt einen Stifter dazu, sich in dieser Weise für ein Projekt zugunsten der Prävention zu entscheiden? Hierzu sagt Manfred Lautenschläger folgendes: „Stiften im eigentlichen Sinne gründet sich letzten Endes auf eine klare innere Überzeugung: Es geht darum, immer auch zum Wohle des Ganzen zu wirken, Verantwortung anzunehmen und dabei zu helfen, gesellschaftlichen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Als Stifter engagiere ich mich gerne dafür, anderen die Lebenschancen zu eröffnen oder zumindest nicht zu verschließen, die sich mir in meinem eben geboten haben. Ich halte mich insoweit an einen Großen, der in Heidelberg wirkte: Max Weber. Er hätte wohl auch das Stiften in unserer Gegenwart – ganz einfach und schlicht – als ‚aktive Mitgliedschaft im Bürgerverband’ bezeichnet.

Ausgezeichnete Gesundheitsversorgung ist ein hohes soziales Gut. Und die Förderung der Gesundheit von Kindern ist ohnehin eine ganz besondere Herausforderung und uns persönlich ein ganz besonderes Anliegen – dies nicht nur angesichts der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Meiner Frau und mir war dies schon bei der Förderung des Neubaus der Kinderklinik der Universität Heidelberg ein besonderes Anliegen. Es bewegte uns bei der Förderung der Heidel-

Preisträger 2010: Nordstadtschule Pforzheim (Baden-Württemberg)

Mit der Zuwendung meiner Stiftung kann ich somit Werte fördern, die mir persönlich sowie für die soziale Zukunft unseres Landes von großer Bedeutung sind und zugleich den Zweck der von mir gegründeten Stiftung erfüllen. Zudem bin ich überzeugt davon, dass man gemeinsam, in der Kooperation mehrerer Partner mehr erreichen kann. Das halten wir häufig im Kreise von Stiftern in unserer Rhein-Neckar-Region so und ich freue mich auch in der Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Bundesministerium für Gesundheit darüber, dass wir Kräfte bündeln und auf diese Weise hoffentlich die Lebensumstände zahlreicher Kinder konkret verbessern können. Den Partnern danke ich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit. Bundesweite Programme wie der Deutsche Präventionspreis setzen vor allem auf die Vorbildwirkung der ausgezeichneten Preisträger, auf die verstärkte Aufmerksamkeit, die den Preisträgern zuteil wird und auf die wachsende Anerkennung, die wir damit wertvoller Arbeit in den Schulen zollen können.“ Fortsetzung >>

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PREISE

Die preisgekrönten Schulen zeigen uns allen, dass gelingende Präventionsarbeit nicht nur darauf angewiesen ist, Gesundheit und soziale Kompetenz zum Thema des Unterrichts zu machen. Der Weg in ein gesundes, bewusstes, vom gelingenden Umgang mit Gleichaltrigen und anderen Menschen geprägtes Leben hängt von viel mehr ab. Die nominierten Schulen arbeiten dazu mit einem hoch motivierten Team, das in vielfältigen Formen über Fächer- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg miteinander an einem Strang zieht. Diese Schulen haben eine starke Identität. Ihre Schüler identifizieren sich bei den Besuchen der Juroren intensiv mit ihrer Schule und sind stolze Gastgeber für die Besucher. Das Team dieser Schulen schlägt zahlreiche Brücken in die Welt außerhalb: die Sportvereine, die Welt des Theaters und der Kunst, die Welt anderer Religionen und gesellschaftlicher Gruppen. Erfolgreiche schulische Präventionsarbeit ist ein Ergebnis gelungenen Zusammenarbeitens. Es kommt also auch auf die Organisationsentwicklung in der Schule an. Die Preisträgerschulen zeigen uns klar, dass es eine organisatorische Leistung darstellt, Präventionsarbeit zur Angelegenheit aller zu machen, nicht nur weniger „Beauftragter“, sondern aller Kollegen, Schüler, Eltern und Partner außerhalb der Schule. Der Fachjury fiel es nicht leicht, unter den über 400 Bewerberschulen die 13 Finalteilnehmer zu ermitteln. Hochengagiert und mittels mehrerer Vor-Ort-Besuche wurden die 6 Herausragenden dieser 13 Finalisten ermittelt und von der Manfred LautenschlägerStiftung und von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler ausgezeichnet. Für die Fortführung ihrer herausragenden Projekte zur Präventionsarbeit erhält jede Preisträgerschule ein Preisgeld von 15.000 Euro.

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Die Preisträger 2010 sind: • Fritz Winter Gesamtschule, Ahlen (Nordrhein-Westfalen) • Georg Christoph Lichtenberg Gesamtschule, Göttingen (Niedersachsen) • Herman Nohl Schule, Berlin (Berlin) • Nordstadtschule, Pforzheim (Baden-Württemberg) • Regionale Schule, Marnitz (Mecklenburg-Vorpommern) • Theodor Heuss Schule, Rotenburg (Wümme) (Niedersachsen)

Europäischer Bürgerrechtspreis „Ich möchte dazu beitragen, dass die erbärmlichen Lebensumstände der RomaAngehörigen in Ost- und Südosteuropa allen Menschen in Europa bewusst werden.“ Unter diesem Zeichen steht neben anderen Projekten der Stiftung auch der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma, der anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ins Leben gerufen wurde und seit 2008 alle zwei Jahre vergeben wird. Die Preisträger des mit 15.000 Euro dotierten Preises können aus jedem europäischen Land kommen. Roma und Sinti leben seit vielen Jahrhunderten als Bürger ihrer jeweiligen Heimatländer in den Staaten Europas. Sie sind mit insgesamt 10 bis 12 Millionen Angehörigen die größte Minderheit Europas. Nach dem jüngsten Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle gegen Rassismus in Wien aus dem Jahre 2007 sind Roma und Sinti bis heute wie keine andere Gruppe von gesellschaftlicher Aus-


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grenzung und offenem Rassismus betroffen. Trotz positiver Ansätze der internationalen Gemeinschaft zur Verbesserung der Situation werden Roma und Sinti auch 60 Jahre nach dem nationalsozialistischen Holocaust in vielen Ländern nicht nur diskriminiert, sondern auch zu Opfern offener Gewalt durch Rechtsextremisten. Rassistische Gewalt und Propaganda gegen Roma und Sinti geht in manchen Ländern oft sogar von staatlichen Stellen aus. Straftäter aus dem rechtsextremistischen Umfeld werden für Übergriffe oft nicht mit der notwendigen Konsequenz zur Rechenschaft gezogen. Opfern wird in zahlreichen Fällen Schadensersatz vorenthalten. Ausgezeichnet werden Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen vorrangig aus der Mehrheitsbevölkerung, die sich in vorbildlicher Weise für die Durchsetzung der Bürgerrechte als ein Teil der Menschenrechte für Sinti und Roma eingesetzt haben. Dazu zählen auch politische Einflussnahme und öffentliches Eintreten gegen diskriminierende Praktiken und Beiträge in den Medien, bei Veranstaltungen und anderen Gelegenheiten, die sich für die Respektierung der Minderheit als gleich geachteter Teil der Gesellschaft verwenden oder sich gegen Formen von Benachteiligung und Stigmatisierung zur Wehr setzen. Die diesjährige Preisträgerin ist die französische Politikerin und ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments, Simone Veil. Simone Veil zeichnet in besonderem Maße aus, dass sie sich mit als Erste gesellschaftlich und politisch für die Anerkennung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti und Roma einsetzte. Simone Veil nahm 1978 noch vor ihrem offiziellen Amtsantritt als Präsidentin des Europäischen Parlaments an der Gedenkkundgebung der Sinti und Roma im ehe-

maligen Konzentrationslager Bergen-Belsen teil. Den Kampf der Sinti und Roma um ihre Anerkennung als Opfer der rasseideologischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten bezeichnete Veil als „Kampf für die Menschenrechte“. Mit dieser ersten europäischen Gedenkkundgebung und Simone Veils eindrucksvoller Rede wurde das öffentliche Bewusstsein für das Verfolgungsschicksal und das Leiden der Minderheit in der Zeit des Nationalsozialismus geschaffen. Hier wurde mit ziemlicher Sicherheit der Grundstein für die spätere Anerkennung des Völkermordes an den 500 000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzen Europa durch die ehemaligen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt und Helmut Kohl gelegt. Der Vorsitzende der Jury, Romani Rose, sagte: „Simone Veil betonte, dass der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, selbstverständlich ebenso wie der Völkermord an den Juden, allein aus rassistischen Gründen erfolgte. Indem sie diese Analogie und ihre Solidarität mit den Opfern unter den Sinti und Roma bis heute immer wieder betont, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung und Erinnerung. Ohne die durch ihren Einsatz und ihre Funktion erzielte, große öffentliche Wirkung hätte sich der Verlauf der weiteren politischen Arbeit für die Sinti und Roma kaum derart erfolgreich gestalten können.“ Anlehnend daran würdigte Manfred Lautenschläger die Rede Veils in Bergen-Belsen als „Großtat und politisch wegweisend für die weitere Entwicklung der Arbeit für die Minderheit“. Im Rahmen des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma vergibt die Manfred Lautenschläger-Stiftung zusammen

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mit den Jurymitgliedern in diesem Jahr erstmalig zwei Sonderpreise. Mit diesen Auszeichnungen, die jeweils mit einer Summe von 5.000 Euro dotiert sind, werden Angehörige der Minderheit für ihr Engagement und ihren Mut bei den Bemühungen für eine gesellschaftliche Gleichstellung von Sinti und Roma geehrt. Àgnes Daróczi erhält den Sonderpreis für ihre herausragenden Verdienste als Menschenrechtlerin, Journalistin und Wissenschaftlerin. Sie wird für ihr mutiges Engagement geehrt, vor dem Hintergrund der akuten Bedrohungslage für die Roma-Minderheit in Ungarn öffentlich gegen aktuelle Formen des Rassismus vorzugehen und damit ein gesellschaftspolitisches Signal zu setzen. Andrea Bandyová, Denisa Bandyová, Lukáš Bodek, Monika Bongilajová, Petr Danko, Katrin Dzurková, Denisa Holubová , Sabrina Holubová, Helena Kočková, Julius Mika, Denisa Miková, Nikola Pechová, Michaela Podraná, Martin Pokuta, Kristýna Rácová, Veronika Šindelářová, Roman Suchý und Zina Vaněrková erhalten die Auszeichnung für ihre Courage und ihr Engagement, sich öffentlich gegen Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen in der Tschechischen Republik zur Wehr zu setzen. Indem sie ihr Recht auf Gleichbehandlung bei der Schulbildung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erfolgreich eingeklagt haben, schufen sie einen Präzedenzfall, der künftig eine diskriminierende Behördenpraxis gegenüber Sinti und Roma in anderen europäischen Mitgliedsstaaten des Europarates zu unterbinden hilft. Romani Rose: „Mit der Vergabe des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma wollen wir auch an den Hungerstreik von zwölf Sinti in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau an Ostern 1980 erinnern. Dabei ging es um die

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Anerkennung des Völkermordes an den im besetzten Europa von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma. Außerdem wandten sich die Streikenden gegen die Methoden der rassistischen Sondererfassung von Sinti und Roma bei Justiz- und Polizeibehörden auf der Grundlage der alten Aktenbestände aus der Nazizeit und teilweise mit dem damaligen SS-Personal. Dieses Ereignis, das auch in der internationalen Öffentlichkeit großes Aufsehen erregte, markiert den Beginn der Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma in Deutschland und Europa und hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Minderheitenangehörigen der Nachkriegsgeneration heute selbstbewusst für ihre Rechte als deutsche Staatsbürger einsetzen.“

Autorenpreis HEIDELBERGER STÜCKEMARKT Seit 1984 findet der Dramatikerwettbewerb (der gleichzeitig ein Theaterfestival ist) „HEIDELBERGER STÜCKEMARKT - Forum junger Autoren“ jeden Juni in Heidelberg statt. Das Ziel ist es, junge Autoren zu entdecken und zu fördern. Aus Einsendungen von Verlagen, Schreiblehrgängen und ehemaligen Teilnehmern werden sechs Werke aus dem deutschsprachigen Raum ausgewählt, sowie drei Stücke aus dem jeweiligen Gastland nominiert. In den Autorennächten werden die Texte durch Mitglieder des Heidelberger Schauspielensembles gelesen. Die Fachjury, verstärkt um den Vorjahressieger, vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Autorenpreis des HEIDELBERGER STÜCKEMARKT und einen Innovationspreis. Weiterhin gibt es den Europäischen Autorenpreis und einen Preis des Freundeskreises der durch das Publikum bestimmt wird, und einen Ehrenpreis, der 2010 an Volkmar Clauß verliehen wurde. Eines der Stücke wird im Theater Heidelberg in der folgenden Saison uraufgeführt.


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Der Rahmen für den Wettbewerb variiert und entwickelt sich, so gibt es Gastspiele von Uraufführungsinszenierungen deutschsprachiger Bühnen, eine Werkschau des Vorjahrespreisträgers und seit 2001 die Vorstellung von Autoren und Theaterproduktionen eines Gastlandes, welches 2010 Israel war. Der Stückemarkt 2010 wird in die Geschichte eingehen und voraussichtlich eine Debatte zur Autorenförderung auslösen. Nach der längsten Jurysitzung, die das Autorenfestival je sah (neun Stunden), entschied die Jury den Hauptpreis, den Innovationspreis und den Preis für das Gastland Israel zusammenzulegen und auf alle neun Wettbewerbsteilnehmer zu verteilen. Das sind die israelischen Autoren Yaron Edelstein, Roni Kuban und Oded Liphshitz sowie die deutschsprachigen Autoren Markus Bauer, Johan Heß, Ursina Höhn, Azar Mortazavi, Eva Rottmann und Juri Sternburg. Diese erhalten demnach neun Förderpreise zu gleichen Teilen. Manfred Lautenschläger hob das Preisgeld spontan von 2.333 Euro auf 2.500 Euro pro Wettbewerbsteilnehmer an.

So kam dem Preis des Freundeskreises als Preis des Publikums besondere Bedeutung zu. Er zeichnete die junge deutsche Autorin Eva Rottmann und ihr Stück „Unter jedem Dach (ein ach)“ unter den Preisträgern noch einmal besonders aus. Der Publikumspreis wird aufgrund eines Votums der Zuschauer nach strengen statistischen Kriterien vergeben. Alle neun Stücke wurden in szenischen Lesungen vorgestellt. Den Ehrenpreis des HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 2010 erhielt Volkmar Clauß, ehemaliger Intendant des Heidelberger Theaters, der 1996 den Autorenwettbewerb als Herzstück des HEIDELBERGER STÜCKEMARKT eingeführt hatte. Zuvor hatte das Festival nur Gastspiele von Uraufführungen eingeladen. Volkmar Clauß setzt sich zudem beispielhaft für die Theaterarbeit in Israel und Palästina ein.

Die Jury, bestehend aus Christine Dössel, Kritikerin der Süddeutschen Zeitung, dem Künstlerischen Leiter des Dramenprozessors Zürich, Erik Altorfer und Vorjahressieger Nis-Momme Stockmann, erklärte ihre Entscheidung wie folgt:

„Die Jury ist nach sehr langer Diskussion zu dem Schluss gekommen, dass aus den zur Auswahl stehenden Stücken keine derartig herausragen, dass wir eindeutig und konsensfähig die zu vergebenden Preise – den Autorenpreis, den Innovationspreis und den Europäischen Preis – verleihen können. Wir haben daher beschlossen, um dem fördernden Sinn des Wettbewerbs zu entsprechen, die Preissumme zwischen allen Autoren zu teilen, sie „Förderpreis“ zu nennen und in diesem Sinne zu vergeben.“

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WAS WURDE AUS… Erfolge ehemaliger Projektpartner und Preisträger Diese Rubrik möchte beispielhaft über Erfolge ehemaliger Projektpartner oder Preisträger der Stiftung berichten - es besteht nicht der Anspruch, alle Erfolgsgeschichten zu erfassen. Dieses Jahr wird über die Preisträger des MRN-Innovationspreises von 2001 berichtet. Der mit 25.000 Euro dotierte MRN-Innovationspreis wird alle zwei Jahre an Forscher und Entwickler in der Metropolregion Rhein-Neckar verliehen, die durch herausragende Innovationen auffallen.

„Mit meiner Stiftung möchte ich kreative und innovative Personen dabei unterstützen, ihre Idee zu verwirklichen.“

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


WAS WURDE AUS...

Im Jahre 2001 ging der erste Innovationspreis der Metropolregion Rhein-Neckar (MRNInnovationspreis) an Dr. Markus A. Schill und Dr. Clemens Wagner für das Projekt EyeSi, einem Simulator für intraokulare Operationen 2002 folgte die Markteinführung der ersten Produktgeneration von Eyesi auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin. Mittlerweile hat sich dieser Augenoperations-Simulator längst auf dem Markt etabliert. Obligatorisch trainieren angehende Augenchirurgen die „Katarakt-Operation“ gegen den grauen Star an diesem Innovationsprodukt.

Die positiven Erfahrungen mit Eyesi lassen darauf hoffen, dass Operationssimulatoren für die Chirurgenausbildung zukünftig denselben Stellenwert erreichen wie Flugsimulatoren für die Pilotenausbildung. Die positive Resonanz auf die Vorstellung des Prototyps ermutigte die Wissenschaftler darin, 2001 die VRmagic GmbH zu gründen und den Simulator in Serie zu fertigen. Heute wird Eyesi weltweit in der Ausbildung eingesetzt. Neben vitreoretinalen Eingriffen können mit Eyesi auch Katarakt-Operationen trainiert werden.

Dass das Training mit Eyesi tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigt, belegt beispielsweise eine wissenschaftliche Studie mit angehenden Augenchirurgen. Sämtliche Testpersonen nahmen an zwei Wetlabs teil, wo sie zunächst mit Tieraugen arbeiteten. Dazwischen absolvierten einige Testpersonen zwei Eyesi-Trainingskurse. Es zeigte sich, dass diese Personen im zweiten Wetlab deutlich bessere Resultate erzielten. Für den Simulator spricht darüber hinaus, dass Eyesi-Kursteilnehmer häufig so tief in die virtuelle Realität eintauchen, dass sie die umgebende reale Welt völlig vergessen. Beispielsweise ziehen Chirurgen während des Trainings manchmal ein Eyesi-Instrument aus dem künstlichen Auge heraus und streifen es anschließend an ihrer Kleidung ab, um Gewebe von der Instrumentspitze zu entfernen – das aber nur in der virtuellen Welt existiert.

(Von links) Dr. Markus Schill, Geschäftsführer der Firma VRmagic, Hans Geuder, Aufsichtsratsvorsitzender der GEUDER AG, Professor Dr. Gerd Auffarth, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Heidelberger Augenklinik, Diplom-Volkswirtin Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Volker Geuder, Vorstand der GEUDER AG, und Martina Pfister, Leiterin Strategie und Unternehmensentwicklung der GEUDER AG, bei der Übergabe des Augenoperations-Simulators Eyesi.

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"Man sollte die Verantwortung, die einem auferlegt ist, wahrnehmen und alle MĂśglichkeiten, die man finanziell hat nutzen, um zu helfen."

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger


KURATORIUMSMITGLIEDER

Angelika Lautenschl채ger (Vorsitz)

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Markus B체chler

Prof. Dr. Dr. h. c. Detlef Junker

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof

Romani Rose

Dr. Volker Then

Dr. Matthias Zimmermann

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„Manfred Lautenschläger ist ein Mäzen der Wissenschaft, des Sports und der Kinder. In der kritischen Nachdenklichkeit über unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem tritt er uns als ein erfolgreicher Unternehmer vor Augen, der in seiner Region verwurzelt ist, sein Unternehmen persönlich aufgebaut und als Verantwortungseigentum geführt hat, der nunmehr über seine Stiftung einen Teil seines Erfolges an die Allgemeinheit weitergibt. Hier wird eine große Tradition wieder lebendig, nach der Unternehmer, Wissenschaftler oder Künstler nachhaltig die Kultur pflegen und fördern, in der ihre Leistungskraft wurzelt.“

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof


PORTRAIT DES STIFTERS

In der Begründung seines Engagements, das in hohem Maße den Jüngsten unserer Gesellschaft gewidmet ist, spannt Manfred Lautenschläger gerne den Bogen zu seiner Kindheit im Karlsruher Stadtteil Mühlburg. Geboren am 15. Dezember 1938 wächst er zunächst in Abwesenheit seines Vaters auf, der erst nach Kriegsende zur Familie zurückkehren kann und dann einen Berufsweg einschlägt, der ihn bis in die höchste Beamtenbesoldungsstufe für Nichtakademiker führt. Er sieht es mit Freude, dass sein Sohn Manfred von 1959 bis 1964 in Freiburg, Hamburg und Heidelberg Rechtswissenschaften studiert und dort 1969 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abschließt. Dass dieser allerdings, anstatt mit der schwarzen Robe im Gerichtssaal zu wirken, lieber Versicherungen verkauft, erzählt er seinem Vater erst, nachdem sich belegen lässt, dass auch damit ein Lebensunterhalt gesichert werden kann.

standsvorsitzender zieht er sich 1999 aus dem operativen Geschäft zurück, übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz der MLP AG und gründet die Manfred LautenschlägerStiftung. Seither gilt seine Leidenschaft dem Engagement für die Projekte seiner Stiftung.

„Früher, da habe ich meine Phantasie eingesetzt, um Geld zu verdienen. Und heute macht es mir halt Spaß, es sinnvoll auszugeben“. Es entspricht seiner Lebenslogik, dass sich in den Aktivitäten seiner Stiftung vieles wieder finden lässt, was ihn auf seinem Lebensweg geprägt hat. Dass seine Frau Angelika, seine beiden Töchter und drei Söhne eng eingebunden werden, hat zu tun mit der Kraft der Werte, die er lebt und seinen Kindern stets vermittelt: „Man sollte die Verantwortung, die einem auferlegt ist, wahrnehmen und alle Möglichkeiten, die man finanziell hat nutzen, um zu helfen...“

Ein Pankreaskarzinom macht ihn 1980 zum Diabetiker. Trotz einer radikalen Operation liegt die Überlebensrate nur bei etwa einem Prozent. Der leidenschaftliche Sportler wiegt bei 1,86 Metern nur noch 63 Kilo – und verhandelt über den Verkauf von MLP an einen großen Versicherer. Dann trifft er die Entscheidung weiterzumachen, ändert seinen geschäftlichen Stil total und findet nach über zwei Jahren zurück zur alten Stärke und Belastbarkeit. Nach zehn Jahren erfolgreichen Schaffens als Vor-

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Spenden in Euro 2010

enden in Euro 2010

4% 19% Völkerverständigung Sport und Gesellschaft Forschung und Wissenschaft Gesellschaft und Kultur Preise sonstige


DAS ENGAGEMENT IN ZAHLEN Das Spendenaufkommen der Manfred Lautenschläger Stiftung im Geschäftsjahr 2010 betrug insgesamt 3.617.324,70 Euro. Es wurden 95 einzelne Projekte und Vorhaben gefördert.

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Profile for Manfred Lautenschläger-Stiftung gGmbH

Jahresbericht 2010  

der Manfred Lautenschläger-Stiftung www.manfred-lautenschlaeger-stiftung.de

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