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Zart, aber knallhart

Die Schnee- sicheren

Die zarten Insekten sind meist deutlich robuster, als man es ihnen zutraut. Am härtesten im Nehmen ist der Zitronenfalter: Er überwintert auf den Zweigen in Bodennähe und lässt sich dabei sogar einschneien. Wie er das überlebt? Sobald er seine Ruheposition gefunden hat, scheidet er möglichst viel der in seinem Körper vorhandenen Flüssigkeit aus. Dadurch verringert sich sein Gefrierpunkt. Da sein Körper zudem von Natur aus Glyzerin enthält, kann er Temperaturen bis minus 20 Grad überstehen.

So überwintern Schmetterlinge

Im Sommer sehen wir sie überall herumflattern. Doch was machen sie eigentlich im Winter? Einige Spezialisten beweisen grosses Talent.

Text: Jeanette Kuster

Die Höhlenbewohner

Das Tagpfauenauge sowie der Kleine und der Grosse Fuchs überwintern ebenfalls als ausgewachsene Schmetterlinge, allerdings nur an geschützten, dunklen und trockenen Orten. Das können Höhlen sein, aber auch Garagen, Dachstühle oder Gartenlauben. Entdeckst du dort einen starr da- sitzenden Schmetterling in deiner kalten Garage, hole ihn auf keinen Fall in die warme Wohnung, sonst erwacht er viel zu früh aus seiner Winterstarre und verhungert.

Die Winzigen

In der kleinsten Form verbringt der Nierenfleck-Zipfelfalter die kalte Saison: als winziges Ei (im Bild das untere). Ab Mitte August legen die Weibchen ihre Eier auf Steinobstgewächsen ab. Anders als gut getarnte Raupen und Puppen sind die Eier mit ihrer leuchtend weissen Farbe auf den dunklen Gewächsen gut sichtbar.

Die Häuslichen

Mit einem Schmetterlingshaus im Garten oder auf dem Balkon bietest du Arten wie dem Kleinen Fuchs im Winter eine zusätzliche Rückzugsmöglichkeit. Fülle es mit ein wenig trockenem Reisig oder Baumrinde, damit sich die Insekten einfacher festhalten können. Dann platzierst du es an einem gedeckten, halbschattigen bis sonnigen Ort. Achte auch darauf, dass es ausserhalb der Reichweite von Katzen hängt. Noch attraktiver machst du das Schmetterlingshaus, wenn es in der Nähe von schmetterlingsfreundlichen Pflanzen steht – dazu gehört übrigens auch der pflegeleichte Efeu.

Die Kriechlinge

Der Grosse Schillerfalter überdauert die kalte Jahreszeit als Raupe. Diese frisst am liebsten die Blätter der Salweide und überwintert auch gleich auf dieser Pflanze. Dazu baut er sich ein kleines Polster an einer Astgabel. Den Winter über verfärben sich die sonst hellgrünen Raupen braun oder olivgrün und sind so optimal getarnt.

Die Verpuppten

Die grün-orange Raupe des Schwalbenschwanzes verpuppt sich bereits im August. Als Puppe überwintert der Schmetterling gut getarnt an trockenen Pflanzenresten in Bodennähe. Deshalb tust du ihm einen Gefallen, wenn du den Garten im (Spät-) Herbst nicht ganz aufräumst und trockene Äste liegen lässt.

Die Reisefreudigen

Anders als seine Verwandten kennt der Admiral keinen echten Winterschlaf. Deshalb kann diese Art theoretisch in jeder Daseinsform überwintern. Als Raupe allerdings nur in den Gegenden, in denen die Brennnessel das ganze Jahr über grün bleibt, denn davon ernährt sie sich. Der Wanderfalter kam ursprünglich jeweils im Frühling über die Alpen zu uns, sorgte hier für Nachkommen und flog im Herbst wieder zurück in den wärmeren Mittelmeerraum. Genau wie Zugvögel. Unterdessen hat sich bei uns eine eigene, mitteleuropäische Population gebildet, die hier überwintert und im Sommer weiter nordwärts nach Skandinavien fliegt. Forschende der Universität Bern haben die beeindruckenden Reisen des Admirals übrigens in einer grossen Studie untersucht.

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