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Holzbulletin 90/2009 Ausdrucksstarke Bürobauten Verwaltungs- und Wohngebäude Sagérime SA, Bulle Büroneubau Schöb AG, Gams Büroneubau Lonza AG, Visp Bürogebäude Hug AG, Malters Verwaltungsgebäude Swissgenetics, Zollikofen Support Office Marché International, Kemptthal ‹Green Offices›, Givisiez BL23 ‹Supertanker›, Zürich

Die umlaufenden Brüstungs- und Fensterbänder sowie die Fassadenbekleidung mit Aluminium Wellband verleihen dem Büroneubau der Lonza in Visp einen industriellen Charakter. Architektur: Hornberger Architekten AG, Zürich Gesamtleistung: Erne AG Holzbau, Laufenburg


Firmenkultur in Holz Erinnern Sie sich noch an den unten gezeigten Büroneubau in Sursee, vorgestellt im ‹Holzbulletin› 67/2003? Grossvolumig, viergeschossig, ausdrucksstark, ein reiner Holzbau. Damals wie heute ein repräsentatives Projekt für die Möglichkeiten im Umgang mit Holz und eine dreidimensionale Visitenkarte der Bauherrschaft. Aber doch vielleicht noch eher ein Solitär als ein Beispiel unter vielen. Heute, sechs Jahre später, dürfen wir Ihnen acht ausgewählte Projekte vorstellen, welche allesamt Vorbildcharakter beanspruchen können. Die Bauten repräsentieren nicht allein Unternehmen der Holzwirtschaft oder allgemeiner des Industriesektors, wie die Büroneubauten des Holzbauunternehmens Schöb AG oder der Sagérime SA. Nein, sie vertreten auch weltweit bekannte Dienstleistungs- und Technologieunternehmen wie den Chemie- und Biotechnologiekonzern Lonza AG, den Backwarenhersteller Hug AG, das Technologieunternehmen Swissgenetics oder den Gastronomiekonzept-Vermarkter Marché Restaurant Schweiz AG. Vom Ersteller nicht benötigte Büroflächen wurden erfolgreich vermarktet und vermietet, so etwa bei den konsequent auf Nachhaltigkeit ausgelegten ‹Green Offices› in Givisiez oder beim an Attraktivität und Rendite orientierten ‹Supertanker› in einem sich rasant zur Dienstleistungsmeile wandelnden Zürcher Industriequartier. Die Gründe für eine solche Zahl an Vorzeigeprojekten dürften zum einen in der breiteren Akzeptanz des Baustoffs Holz ganz allgemein zu suchen sein, liegen wohl aber auch im professionalisierten Auftreten der Lösungsanbieter aus der Holzbranche. Daneben findet sich bei einigen Bauherrschaften eine erhöhte Affinität zum Material Holz, sei es, weil sie es als ideales Konstruktionsmaterial für energieeffiziente Gebäudekonzepte erkannt haben, oder weil sie vom Sinn der Nutzung eines in grossen Mengen lokal verfügbaren Rohstoffs überzeugt sind. Einen wichtigen Hintergrund bildet aber auch die Entwicklung konstruktiver Lösungen, etwa in der Anwendung mehrlagiger Massivholzplatten für den Massivholzbau. Sie erlauben das effiziente Konstruieren von Bauteilen, was zumeist mit einer günstigen Wirkung auf die Ökobilanz einhergeht. So oder so: Es scheint, dass der Markt auf den Geschmack gekommen ist und Bürobauten vermehrt mit Holzbauunternehmen realisieren lässt.

Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

Anfang 2003 haben die Renggli AG und diverse Partnerbetriebe ihr neues Bürogebäude in Sursee bezogen. Es entstand als Kompetenzzentrum für zukunftsorientiertes Bauen. Der Bau, nach Minergie-Standard und neuesten technologischen Erkenntnissen erstellt, lebt diese Kompetenz vor. Architektur Scheitlin & Syfrig Architekten, Luzern Ausführung Renggli AG, Schötz Bild Renggli AG, Sursee

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Verwaltungs- und Wohngebäude Sagérime SA, Bulle Wer würde beim Anblick des neuen Verwaltungs- und Wohngebäudes an der Zufahrtsstrasse zum Industriegebiet von Bulle ahnen, dass sich hinter der Metallfassade ein Kern aus Holz verbirgt? Und doch war es für den Bauherrn, den Besitzer einer der grössten Sägereien unseres Landes, die natürlichste Sache der Welt, unter diesem äusseren Erscheinungsbild eines modernen Gebäudes die Möglichkeiten des Massivholzbaus hervorzuheben. Das viergeschossige Gebäude am Stadtrand beherbergt die Verwaltungen von mehreren Firmen aus verwandten Branchen, welche bisher über die ganze Stadt verstreut waren. Dadurch ergaben sich zwei Vorteile: Die Nutzung von Synergien unter den Verwaltungseinheiten und deren Nähe zur Produktion. Das viergeschossige Volumen baut auf einem Betonsockel auf. Die unteren drei Etagen werden als Büroräumlichkeiten genutzt, das oberste Geschoss dient dem Wohnen. Bis auf einen Kern in Beton, der an der Nordfassade angeordnet ist und das Treppenhaus, den Aufzugsschacht sowie die Nasszellen umfasst, ist das Gebäude vollständig aus Holz gebaut. Die vertikale Tragstruktur wird von vier über die gesamte Gebäudelänge verlaufenden Wandscheiben gebildet, welche aus kleinformatigeren Massivholzplatten bestehen, die am oberen Ende mit einem Unterzug in Brettschichtholz gekoppelt sind. Diese Scheiben stehen in jedem Geschoss genau übereinander. Die Massivholzplatten werden dann über mit Harz eingegossene Metallanker im Unterzug auf Druck und Zug verankert. Auf der Südseite sind die zwei mittleren Scheiben mit einem Andreaskreuz ausgefacht. Zusammen mit dem massiven nördlichen Kern ergibt sich

die Gesamtstabilisierung des Gebäudes. Dank modernsten Holzbearbeitungstechnologien konnte wieder an traditionelle Verbindungen angeknüpft werden. So sind die Geschossdecken, welche aus 400 mm breiten Massivholzelementen bestehen, mittels eines Systems aus kreisförmigen Schwalbenschwanz-Verbindungen mit den Unterzügen der Wandscheiben verbunden. Die Massivholzelemente der Geschossdecken sind oben mit OSB beplankt, worüber der Bodenaufbau mit Fussbodenheizung aufgebracht wurde. Um mehr Freiheit bei der Dimensionierung der Bauteile zu haben, wurde bezüglich des Brandschutzes das Standardkonzept mit Sprinkler gewählt. Die Leitungsführung für dieses Sprinklersystem ist ebenfalls im Bodenaufbau integriert. Im Inneren der Büroräume erzeugt das Holz goldfarbene Widerspiegelungen, welche in einem spannenden Kontrast zu den anthrazitfarbenen Teppichen stehen. In den Wohnräumen sorgen schwimmende Parkettböden für eine raffinierte Raumnote. Eine zusätzliche Dynamik entsteht durch das rote Geländer der Innentreppe zwischen dem ersten und dem zweiten Geschoss. Die Fassade zeigt grosse, regelmässig angeordnete Fensteröffnungen. Lediglich im obersten Geschoss ist diese Gleichmässigkeit zugunsten von zwei Loggien auf der Südseite modifiziert worden. Die hinterlüftete Fassadenbekleidung besteht aus einer Schalung, welche von 0,8 mm dicken Platten aus rostfreiem Stahl bedeckt ist. Diese Lösung schützt das darunter liegende Holz optimal, widerspiegelt die Wetterbedingungen je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich und verleiht dem Bauwerk den Hauch eines städtischen Hochhauses als Zukunftsvision.

Situation

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Ort 36 Route de la Pâla 11C, 1630 Bulle Bauherrschaft Sagérime SA, Bulle Architektur Pasquier Glasson SA, Bulle Bau- und Holzbauingenieur Chabloz & Partenaires SA, Lausanne Holzbau JPF SA, Bulle Materialien Massivholzplatten 194 m3, Brettschichtholz 84 m3; OSB 1120 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 4,1 Mio. davon BKP 214 CHF 0,62 Mio. Kubatur SIA 116 7700 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 532.– Bauzeit Februar –Dezember 2007 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

Querschnitt

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Dachaufbau von aussen: Kies 50 mm Dichtungsbahn D채mmung 140 mm OSB 22 mm Massivholzelement 180 mm Aufbau Aussenwand von innen: Massivholzelement 160 mm Dampfbremse Mineralfaserd채mmung 120 mm Winddichtungsbahn Lattung vertikal 50 mm Schalung 27 mm Metallbekleidung 0,8 mm Deckenaufbau von oben: Gehbelag Zementunterlagsboden mit Fussbodenheizung 70 mm Trennschicht Trittschalld채mmung 2 x 30 mm OSB 22 mm Massivholzelement 180 mm

Fassadenschnitt

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Büroneubau Schöb AG, Gams Die positive Entwicklung im Schweizer Holzbau hat die Schöb AG stark beeinflusst. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Produktionskapazitäten und der Personalbestand verdoppelt. Damit stieg der Raumbedarf für Architektur, Konstruktion und Verwaltung. Ende 2005 entschied sich der Verwaltungsrat zum Bau eines neuen Bürogebäudes. Ziel war, ein architektonisch attraktives und so wirtschaftliches wie funktionelles Bürogebäude zu erstellen, in dem sich Kunden wie Mitarbeiter wohl fühlen. ‹Less is more› war der tragende Gedanke während des gesamten Entwurfsprozesses. Der Minimalismus, der sich bis ins Detail durchzieht, beispielsweise bei der Ausführung der Tragkonstruktion, beim Sichtbetonkern mit der Erschliessung oder bei den fest eingebauten Regalen, und der zurückhaltende Umgang mit den Materialien bestimmen den Ausdruck des Gebäudes innen wie aussen. Der schlichte, dreigeschossige Kubus steht mit seiner geometrischen Strenge orthogonal zu der langen und gerade verlaufenden Hauptstrasse, die von Osten her geradewegs ins Dorf Gams führt und weiter Richtung Toggenburg. Das Gebäude bildet mit der nordseitig gelegenen Sägerei eine hölzerne Eingangspforte, welche die starke Bedeutung der Holzindustrie in der Region darstellt. So definiert der ausdruckstarke Baukörper mit seinen tiefen Fensterleibungen und der horizontal angebrachten Rhomboidschalung in Fichtenholz die Industriezone Gams neu. Die Hauptfassade gewährt einen Blick in eine weite, unverbaute, mit Obstbäumen durchsetzte Landschaft. Die Mitarbeitenden schätzen die Ostausrichtung sehr, weil ab Mittag keine Beschattung mehr benötigt wird. Ein ausladender, roter Rahmen, der auf den Haupteingang hinweist, sowie eine grosse Öffnung für die Anlieferung der dahinter liegenden Produktionshalle komplettieren den Baukörper. Dieser Grundriss mit den Abmes-

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sungen von 8,50 x 52 m ergab sich aus der zur Verfügung stehenden Landfläche, den baugesetzlichen Vorgaben sowie dem Wunsch, zu einem späteren Zeitpunkt je eine weitere Produktions- und Lagerhalle zu erstellen – beide Hallen wurden schon im Folgejahr erstellt. Der Zugang zu den Büros, sei es über die Haupttreppe oder via Lift, erfolgt über einen Sichtbetonkern, der losgelöst als Kubus im Kubus steht. Parallel zur längsseitigen Rückwand, die aus feuerpolizeilichen Gründen in Beton ausgeführt wurde, befindet sich der breite Erschliessungsgang, der die Büros durch dunkelgraue, nicht raumhohe Schrankelemente trennt. Hier befinden sich die interne Erschliessungstreppe sowie Bürogeräte für alle Mitarbeitenden. Es ist ein Raum für gewollte oder zufällige Begegnungen, der spontane Kommunikation unterstützt. Die Verteilung der Abteilungen entspricht dem Prozessablauf innerhalb der Firma. Empfang, Sekretariat, Geschäftsleitung und Sitzungsräumlichkeiten befinden sich im obersten Geschoss. Die Abteilungen Architektur und Baumanagement sind ein Geschoss tiefer, die Aufgaben Konstruktion, Kalkulation und Arbeitsvorbereitung im Erdgeschoss untergebracht. In der Ausgestaltung der rechteckigen Grundrisse wurde darauf geachtet, eine Mischung aus Grossraum- und Einzelbüros für die verschiedenen Aufgabenbereiche zu realisieren. Jedes Geschoss verfügt zudem über eine Sitzungsnische. Die Cafeteria im zweiten Obergeschoss ist die gemeinsam genutzte Zone, die für gemeinsames Mittagessen, aber auch für Meetings, Vorträge und Veranstaltungen genutzt werden kann. Weitere Nass-, Technikund Archivräume sind zentral im Erschliessungstrakt angeordnet. Die sichtbare Tragkonstruktion des Skelettbaus, bestehend aus Stützen und Trägern in Brettschichtholz, sowie die Kombination von Massivholzdecke und Sichtbeton sind ein wesentlicher Bestandteil des puristischen Erscheinungsbildes.

Der dunkelgraue Holzsteinboden ist in derselben Farbe wie die fest montierten Schrankwände gehalten. Die Auslässe der kontrollierten Lüftung befinden sich in den Sockeln dieser Schränke. Schränke und Tische wurden auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter hin entworfen und von der hauseigenen Schreinerei produziert. Punktuell abgehängte, schallabsorbierende Elemente reduzieren den Geräuschpegel und tragen so zu einem optimalen Arbeitsklima bei. Die Materialwahl im Innern wie auch im Aussenbereich folgt dem Trend, die Materialien so darzustellen, wie sie in der Natur vorkommen. Konsequent werden die Tragkonstruktionen sowie Installationen gezeigt. Die Trennwände sind so konstruiert, dass sie jederzeit versetzt oder herausgenommen werden können. Damit erfüllt das Gebäude ein weiteres Kriterium aktueller Bürobauten, die Wahrung der Flexibilität, um mit der Organisation zu wachsen. Holz, Beton und Glas – das minergiezertifizierte Bürogebäude kombiniert die verschiedenen Materialien, ohne einem den Vorzug zu geben.

Situation


L채ngsschnitt

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Schutzlage Wasserdichtung Mineralwolldämmung 220 mm Dampfsperre Massivholzelemente 110 mm Unterzug BSH Aufbau Aussenwand von innen: Massivholzplatte 19 mm Lattung 40 mm/Dämmung Holzwerkstoffplatte 16 mm Ständer 120 mm/Mineralwolldämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 60 mm Lattung/Mineralwolldämmung Vlies Rhomboidschalung in thermisch behandelter Fichte 20 mm Deckenaufbau von oben: Gehbelag 10 mm Unterlagsboden 70 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 20 mm Wärmedämmung 20 mm Massivholzelemente 125 mm Unterzug BSH Aufbau Decke von oben über UG: Gehbelag 10 mm Unterlagsboden 70 mm Dampfsperre Dämmung 80 mm Dämmung 20 mm Feuchtigkeitssperre Überbeton 150 mm Betonfertigelemente 50 mm

Fassadenschnitt

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Ort Haagerstrasse 80, 9473 Gams Bauherrschaft Schöb AG, Gams Architektur Schöb AG, Gams; Hannes Königshofer Bauingenieur Ingenieurbüro Düsel Gottfried AG, Grabs Holzbauingenieur Ingenieurbüro für Holzbau Diethelm Ivo, Gommiswald Holzbau Schöb AG, Gams Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 15 m3, Brettschichtholz 34 m3, Massivholzdecken 103 m3, Furnierschichtholz 6 m3; Holzwerkstoffplatten 6 m3; Fassadenbekleidung: thermisch behandelte Fichte 953 m2 Baukosten BKP 2 CHF 2,1 Mio. davon BKP 214 CHF 0,56 Mio. Geschossfläche SIA 416 1193 m2 Gebäudevolumen SIA 416 4130 m3 Kubatur SIA 116 4721 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 445.– Bauzeit März – November 2006 Fotograf Stefan Lenherr, Gams

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Büroneubau Lonza AG, Visp Eingebettet in eine idyllische Berglandschaft im Oberwallis, erstreckt sich die grösste Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstätte der Lonza-Gruppe, das Areal der Lonza AG Visp, über mehr als 900 000 m2. Mehr als 2700 Mitarbeitende forschen, entwickeln und produzieren für die weltweite Industrie. In dieser alpinen High-TechLandschaft entstand das sechsstöckige Bürogebäude in Holz-Hybrid-Bauweise. Seit einigen Jahren ist die Firma Erne AG Holzbau mit ihrem Holz-Beton-Verbunddeckensystem am Markt präsent. Darin vereinen sich die Vorzüge zweier hervorragender Baumaterialien, kombiniert mit den bekannten Vorfertigungsmöglichkeiten des Holzbaus. Auf dieser Technologiebasis entstand die Idee zur Entwicklung eines Gebäudes, in dem die Vorzüge des Deckensystems vollumfänglich zum Tragen kommen. Den beigezogenen Architekten wurde diese Aufgabe anvertraut. Es sollte ein klar strukturierter Gebäudetyp entstehen, um möglichst viele Wünsche der Bauherren erfüllen zu können – immer unter dem Gesichtspunkt einer wirtschaftlichen Lösung mit grösstmöglicher Nutzungsflexibilität. So entstand ein kompakter, neutral gestalteter Kubus. Das sechsgeschossige Gebäude entwickelt sich um einen zentralen Kern, in dem neben der Erschliessung die sanitären Anlagen untergebracht sind. Über den zentralen Vertikalschacht erfolgt zudem die gebäudetechnische Erschliessung. Vergleichbar mit einem konventionellen Bau besteht die Möglichkeit, unterschiedliche gebäudetechnische Lösungen für jeden Anspruch zu integrieren. Weiter übernimmt der massive Kern aus vorgefertigten Betonelementen die Aussteifung des Gebäudes. Darin angehängt sind die steifen Deckenscheiben, welche fassadenseitig auf einem innen liegenden Stützenraster ihre Lasten abtragen. Die Fassade wird mit vorgehängten Elementen in Holzrahmenbauweise gebildet. Bei der Fassadengestaltung können individuelle Lösungen entwickelt werden, wobei die architektonische Ausgestaltung und die Materialwahl nur durch die Kosten limitiert werden. Der Raster von 1,45 m, der sich aus der halben Breite der Holz-Beton-Verbundelemente er-

gab, ermöglicht eine höchst flexible Raumeinteilung. In diesem Rastersystem können von Zwei-Achsenbüros mit 2,90 m Breite bis zu Gruppen- und Grossraumbürostrukturen alle möglichen Raumbedürfnisse erfüllt werden. Zudem reduziert das Grundrisskonzept mit dem zentralen Erschliessungskern die Verkehrsflächen auf ein Minimum, und es wird eine effiziente Nutzung der Grundfläche und des Tageslichtes erreicht. Im Neubau der Lonza in Visp wurde diese Idee nun erstmals umgesetzt. Für diverse Abteilungen, die in verschiedenen Provisorien untergebracht waren, wurde ein zentrales Bürogebäude mit Ausbaureserven realisiert. Neben einer hohen Nutzungsflexibilität waren die engen Termin- und Kostenvorgaben entscheidende Vergabekriterien. Die architektonische Ausgestaltung des neuen Bürobaus orientiert sich an den umliegenden Industrieanlagen. Das Fassadenbild mit den umlaufenden Brüstungs- und Fensterbändern sowie die Wahl der Fassadenbekleidung mit Aluminium Wellband verleihen dem Gebäude den gewünschten industriellen Charakter. Der arkadenartig ausgebildete Eingang ist einladend und reagiert mit seinem grosszügigen Vordach auf die vorhandene Situation. In vier der fünf Obergeschosse sind Büroräume untergebracht, die den Anforderungen der Nutzer entsprechend unterteilt und ausgebaut wurden. Das fünfte Obergeschoss, heute Reserve, wird erst später ausgebaut. Im Erdgeschoss wird noch eine Sanitätsstelle eingebaut. Zwei Standortbedingungen waren bezüglich der Tragstruktur von Bedeutung: Der wenig tragfähige Sedimentboden sowie die Erdbebenzone Z3b, die Zone mit der grössten horizontalen Bodenbeschleunigung der Schweiz. Auf die Baugrundverhältnisse wurde mit einer Fundierung auf Bohrpfählen reagiert. Die Einwirkung Erdbeben stellte das Gebäudekonzept nicht vor Probleme, da dieses von Grund auf allen Anforderungen des erdbebengerechten Entwurfs nachkommt. So entstand ein sechsgeschossiges Bürogebäude nach modernsten Ansprüchen, das nach nur zehn Monaten Planungs-, Produktionsund Montagezeit bezogen werden konnte. Situation

Querschnitt

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

5. Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Bekiesung Dachhaut Aufdachdämmung im Gefälle Dichtung Holz-Beton-Verbunddecke: Beton 70 mm OSB 10 mm Brettschichtholzträger 320 mm/Dämmung 120 mm Lattung Gipsfaserplatte Kühlsystem abgehängt und akustisch wirksam Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Unterlagsboden mit Bodenheizung Trittschalldämmung Trennlage Holz-Beton-Verbunddecke: Beton 70 mm OSB 10 mm Brettschichtholzträger 320 mm/Dämmung 120 mm Lattung Gipsfaserplatte Kühlsystem abgehängt und akustisch wirksam Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte Luftdichtung Ständer 200 mm/Dämmung Gipsfaserplatte Winddichtungsbahn Lattung Sinusblech Aufbau Decke von oben über UG: Bodenbelag Unterlagsboden mit Bodenheizung Trittschalldämmung Trennlage Dämmung Dichtung Bodenplatte auf Pfählen

Fassadenschnitt

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Ort Lonzastrasse, 3930 Visp Bauherrschaft Lonza AG Visp Totalunternehmen Erne AG Holzbau, Laufenburg Architektur Hornberger Architekten AG, Zürich Materialien Brettschichtholz 220 m3; Platten: OSB 3200 m2, Gipsfaserplatten 900 m2; Betonstützen 250 Stück; Holz-Beton-Verbundelemente für Decken und Dach 182 Stück Baukosten BKP 2 CHF 4,97 Mio. davon BKP 214 CHF 1,73 Mio. Geschossfläche SIA 416 3180 m2 Gebäudevolumen SIA 416 12 500 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 400.– Bauzeit April 2008 – Februar 2009; Baueingabe Februar 2008 Fotografie Zeljko Gataric, Zürich; Copyright: Erne, Laufenburg

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Bürogebäude Hug AG, Malters Das neue Bürogebäude ist an der Neumühlestrasse situiert, östlich des bestehenden Produktionsgebäudes. Selbstbewusst und selbstverständlich reagiert der Neubau mit seinem Solitärcharakter und dem markanten Volumen auf die unterschiedliche Bedeutung der beiden Strassenräume. Der strenge, rechteckige, ost-westlich orientierte Baukörper vermeidet jegliche Anpassung an die angrenzende Produktion und steht somit klar zu seiner Nutzung. Über den Eingang an der Neumühlestrasse gelangen Besucher und Mitarbeiter in das Gebäude. Eine offen gestaltete Halle beherbergt das Besucherzentrum als öffentlichen Bereich. Hier findet man den ‹Hug-Träff›, das Forum für Schulung und Konferenzen, sowie Flächen für geplante Nutzungen wie z. B. den Fabrikladen ‹Chnusperland›. In der Mitte des Eingangsgeschosses werden Gäste an der Rezeption empfangen. Im Erdgeschoss sowie im Obergeschoss befinden sich Büro- und Besprechungsräume mit Arbeitsplätzen für insgesamt 80 Mitarbeitende. Das Hug-Leitbild sieht die Firmenkultur geprägt von einer offenen und transparenten Kommunikation. Die Architektur der Büroetage fördert das gute Arbeitsklima durch eine offene Bürolandschaft im Verbund mit zahlreichen Begegnungsflächen. Die Tragkonstruktion des Gebäudes erlaubt eine variable Raumaufteilung ohne fixe Zwischenwände. Prägendes Element ist der Innenhof, ein offener Raum in der Gebäudemitte mit einem grossen Dachflächenfenster, um den die Bürolandschaft angeordnet ist. Gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie die Kaffeeecke, der Garderobenraum und die Postfächer befinden sich ebenfalls in diesem Bereich. Eine spezielle Treppenarchitektur trägt wesentlich zur Kom-

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munikationskultur im Unternehmen bei. Ein auffälliges Mittelpodest fördert bewusst die zufällige Interaktion im Alltag – die Treppe wird zum spontanen Sitzungszimmer. Im Konsens mit der Bauherrschaft stand beim Büroneubau keine prestigeträchtige Innenarchitektur im Vordergrund. Um die Nähe unter den Mitarbeitenden in der Produktion und im Büro zu visualisieren, wurde vielmehr die Anlehnung an die Bauweise von Fabrikneubauten gesucht: offene Leitungsführung, keine abgehängten Decken, funktionale Materialien und schlichte Oberflächen. Diese Überlegung war der Ausgangspunkt für die Ausführung der Akustikdecke, der Deckensegel, der Pendelwände sowie des Holz- und Schieferbodens im Erdgeschoss. Für alle Oberflächen der Möblierung wurde ein warmer Weisston gewählt. Die Akustikdecke in Kombination mit den Absorptionsflächen der Deckensegel und den Schallpaneelen zwischen den Arbeitsplätzen reduziert Störgeräusche auf ein Minimum. Die Gebäudehülle sowie das Energie- und Haustechnikkonzept sind auf den MinergieStandard und auf lokal verfügbare Energiequellen ausgelegt. So dient als Grundlage für die Wärmebedarfsdeckung des Neubaus die Abwärme aus der Kältemaschine der Tartelettes-Produktionsanlage in einem Betriebsgebäude. Die Abwärme wird in Wärmespeichern im Untergeschoss abgepuffert, um auch während Produktionspausen die benötigte Wärmemenge bereitzustellen. Die Raumkühlung wird mit der Nutzung von Grundwasser über die Flächenheizung und mittels Akustikdecken mit zusätzlichen Kühlelementen realisiert. Als Schnittstelle ist ein zusätzlicher Wärmetauscher eingebaut, welcher die von der Fussbodenheizung und Kühldeckenelementen aufgenommene Wärme an das Medium Grundwasser abgibt

und eine sogenannte ‹stille Kühlung› über diese Bauteilflächen bewirkt. Für die Komfort-Bürolüftung wird die Aussenluft über die Fassade gefasst. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurde auf ein Erdregister für die Luftvorwärmung verzichtet. Dafür kommen dezentrale Lüftungsgeräte mit rund 90 % Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Frische, gefilterte Luft wird in die inneren Zonen eingebracht und mittels sichtbarer Düsenrohre verteilt. Die verbrauchte Luft wird im Fassadenbereich wieder abgesaugt. Dieses Konzept gewährleistet jederzeit die Individualität und Unabhängigkeit innerhalb der offenen Bürolandschaft. Über dem massiven Untergeschoss besteht das Tragwerk aus Geschossdecken in Stahlbeton, betonierten Stützen entlang der Längsfassaden sowie massiv ausgeführten Treppenhaus- und Nasszonen. Dagegen sind die nichttragenden Fassaden in Holzrahmenbauweise mit einer Dämmstärke von 220 mm ausgeführt, um dem Minergie-Standard auch in der Gebäudehülle zu entsprechen. Dieses Gesamtkonzept sorgt für ein Höchstmass an Energieeffizienz: Der Heizwärmebedarf liegt bei 40 kWh/m2a.

Situation


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Erdgeschoss

Obergeschoss

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Ort Neumühlestrasse 4, 6102 Malters Bauherrschaft Hug AG Generalunternehmung Renggli AG, Sursee Bauingenieur Berchtold + Eicher, Zug Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Holzbau Renggli AG, Schötz Planung und Gestaltung Christian Kohler AG front office design, Basel: Christian Kohler, Innenarchitekt; Hug AG, Malters: Edi Renggli, Künstler und Farbberater; Renato Lampugnani, Landschaftsarchitekt, Malters; Renggli AG, Sursee: Simone Pretelli, Architekt HTL Materialien Rahmenbaukanteln 47 m3; Platten: Flachpressplatten 1540 m2, Dreischichtplatten 144 m2, Gipskartonplatten 682 m2; Akustikplatten 1744 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Schweizer Tanne 780 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 6,5 Mio. davon BKP 214 CHF 0,58 Mio. Geschossfläche SIA 416 3276 m2 Gebäudevolumen SIA 116 12 688 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 512.– Bauzeit März – Dezember 2006 Fotografie Renggli AG, Sursee

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Drainagevlies Dachbahnen Wärmedämmung 220 mm Dichtungsbahn Stahlbetondecke 360 mm Lattung 30 mm /Akustikdämmung Akustikplatte 25 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Anhydrit-Unterlagsboden 70 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 20 mm Wärmedämmung 40 mm Stahlbetondecke 360 mm Lattung 30 mm /Akustikdämmung Akustikplatte 25 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 12,5 mm Dampfbremse Flachpressplatte 15 mm Ständer 220 mm / Dämmung Flachpressplatte 15 mm Lattung 50 mm Schalung 22 mm

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Verwaltungsgebäude Swissgenetics, Zollikofen

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Das Raumprogramm der Verwaltung ist im dreigeschossigen Hauptgebäude organisiert. Das Lager mit den Stickstofftanks und die Überdeckung der Einstellhalleneinfahrt sind als eingeschossige, geschlossene und zenital belichtete Baukörper konzipiert. Alle Baukörper zusammen bilden einen gegen Westen offenen Vorplatz mit dem Hauptzugang. Anstelle der traditionellen Büroorganisation mit Einzel- und Gruppenbüros entschied sich Swissgenetics für eine offene Raum- und Bürostruktur, welche unter den Mitarbeitenden das Zusammenwirken, die Kommunikation und das Verständnis als Team fördert. Die Gliederung in verschiedene Bereiche erfährt die offene Raumstruktur durch die beiden Treppenhauskerne und den dreigeschossigen Lichthof. Im Erdgeschoss befinden sich der Empfang, die Cafeteria, der grosse Meetingraum sowie die Lagereinrichtungen. Die beiden Obergeschosse werden als Büroräume der verschiedenen Abteilungen genutzt. Die Fensterfronten beider Längsfassaden sind in einem Pfosten-Riegel-System mit DreifachIsolierverglasung ausgeführt. Rafflamellenstoren ermöglichen die aussenliegende Beschattung. Entlang dieser Fensterfronten sind

Bodenkanäle angeordnet, in welchen Heizungskonvektoren und Lüftungsauslässe integriert sind. Das im Minergie-Standard ausgeführte Bauwerk wird mit einer Wärmepumpe und acht Erdsonden beheizt. Zudem ist es mit einer kontrollierten Lüftung und einer automatischen Gebäudesteuerung ausgerüstet. Die Verwendung von einheimischem Holz als primäres Baumaterial war für die Bauherrschaft ein zentrales Anliegen und steht für die Nähe der Unternehmung zu Natur und Landwirtschaft. So wurde das dreigeschossige Gebäudevolumen als Holzbau realisiert, einzig das Untergeschoss und die beiden Erschliessungskerne sind in Beton ausgebildet. Der praktisch absatzlose Übergang von Bodenfläche respektive Deckenuntersicht zu den Fensterflächen, die vollflächige Verglasung der Längsfassaden sowie das Fehlen von Trennwänden lassen die Geschossdecken zu multifunktionalen Bauteilen werden. Diese sind als Holz-Beton-Verbundelemente ausgeführt, wobei der Bereich der Brettstapel regelmässig zugunsten von Schallabsorptionselementen unterbrochen ist. Über der Rohdecke ist eine Hohlbodenkonstruktion aufgebracht, um den notwendigen Raum für Installationen zu schaffen. Vier Reihen von Stahlstützen verkürzen die Spannweite der Deckenelemente auf maximal 6,6 m. Die raumakustisch wirksam ausgebildeten Geschossdecken in Holz und die Brüstungselemente des Lichthofes sorgen für eine ausgewogene Raumakustik in der offenen Bürostruktur, was zusammen mit dem MinergieStandard für ein gutes Arbeitsklima sorgt.

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Swissgenetics ist ein international erfolgreiches Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen in der Rindviehzucht. Die Firma kombiniert Innovation und Tradition in der Landwirtschaft auf ganz besondere Weise. Für ihren neuen Hauptsitz in Zollikofen waren nebst 60 Arbeitsplätzen für die Verwaltung auch Räumlichkeiten für die Lagerung und den Vertrieb des Samengutes zu realisieren.

Situation


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Obergeschoss

Erdgeschoss

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Dachaufbau von aussen: Vegetationsmatte 30 mm Substratmatte 30 mm Schutz- und Drainagematte 20 mm Wasserdichtung 10 mm Wärmedämmung 200 mm Dampfsperre Holz-Beton-Verbundelement: Überbeton 120 mm Brettstapel 160 mm oder Hohlraum/Dämmung 40 mm/Lattung Deckenaufbau von oben: Nadelfilzteppich 6 mm Kalziumsulfat-Fliessmörtel 55 mm Trennlage Dreischichtplatte 30 mm Hohlbodenkonstruktion 250 mm Holz-Beton-Verbundelement: Überbeton 120 mm Brettstapel 160 mm oder Hohlraum/Dämmung 40 mm/Lattung Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Lattung 35 mm OSB 15 mm Dampfbremse Ständer 240 mm/Wärmedämmung Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 2 x 40 mm, gekreuzt Schalung in Douglasie 25 mm, vertikal Aufbau Decke von oben über UG: Parkett 11 mm Holzwerkstoffplatte 30 mm Hohlbodenkonstruktion 250 mm Kalziumsulfat-Fliessmörtel 50 mm Fassadenschnitt

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Wärmedämmung 120 mm Betondecke


Ort Meielenfeldweg 12, 3052 Zollikofen Bauherrschaft Swissgenetics Architektur Lüscher Egli AG, Langenthal Bauingenieur Berger + Wenger, Zollikofen Bauakustik MBJ Bauphysik + Akustik AG, Kirchberg Haustechnik Enerconom AG, Bern Metallbauplanung Fuhrimann Metallbauplanung, Wangen an der Aare Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Holzbau Boss Holzbau AG, Thun Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 30 m3, Brettschichtholz 90 m3, Brettstapelelemente 165 m3; Platten: Dreischichtplatten 1500 m2, OSB 800 m2, Gipsfaserplatten 2500 m2; Lattung für Akustikelemente der Decken 18 100 m; Fassadenbekleidung: Schalung Douglasie 800 m2; Stahlteile 65 t Baukosten BKP 2 CHF 6,5 Mio. davon BKP 214 CHF 1,39 Mio. Geschossfläche SIA 116 1842 m2 Gebäudevolumen SIA 116 11 594 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 566.– Bauzeit April 2007 (Holzbau), November 2006 – Oktober 2007 (Gesamtbauzeit) Fotograf Pascal Hegner, Solothurn

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Support Office Marché International, Kemptthal Der Standort für den neuen Verwaltungsbau wurde direkt neben dem Marché-Restaurant der Autobahnraststätte Kemptthal gewählt. Dadurch haben die Mitarbeiter des Support Office stets den direkten Bezug zum Alltag ihrer Restaurants. Entstanden ist ein Gebäude, welches die strategischen Werte von Marché International widerspiegelt: ‹Natürlichkeit› und ‹Umweltfreundlichkeit›. Der Bau ist ein schlichter, dreigeschossiger Körper mit einer Fassadenbekleidung in Lärche. Der hervortretende Eingangskubus mit den schwarzen Holzwerkstoffplatten erscheint später als von Efeu und wildem Wein überwachsen. Ein Biotop vor dem Eingang dient als Regenwasserrückhaltebecken. Im Eingangsbaukörper befinden sich das Café, die Entsorgungsstation und drei Studios für übernachtende Besucher. Die Büroflächen sind auf allen Geschossen flexibel in Gruppenbüros unterteilbar. Die offene und transparente Einteilung sorgt für eine kommunikative Arbeitsatmosphäre. Von über der Hälfte der fünfzig Arbeitsplätze besteht ein direkter Ausgang auf den Balkon der Südseite. Der nördliche Bereich der Büroflächen wird für Sitzungszimmer, Nebenräume, einige wenige Einzelbüros und die Lagerung von Dokumenten beansprucht.

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Das Gebäude wurde mit Ausnahme der beiden betonierten Treppenhäuser komplett in einer vorfabrizierten Massivholzplattenbauweise erstellt. Dies erlaubte nebst der präzisen Ausführung auch eine starke Verkürzung der Bauzeit, denn der Bezug musste nach nur zwölf Monaten ab Beginn der Planung erfolgen. Aus ökologischen Gründen wurde auf eine Unterkellerung verzichtet. Zwei Treppenhäuser in Beton sind selbständig stehende Baukörper ohne Kontakt zur Holzkonstruktion, die ihrerseits auf Streifenfundamenten ruht. Die Nord- und Querfassaden stabilisieren das Gebäude und tragen mit den acht mal zwei Stützen mit dem Querschnitt 450 x 450 mm in einem Achsabstand von 4 m die Lasten ab. Die Geschossdecken sind als Kastenelemente ausgebildet. Die Technikzentrale liegt über dem Treppenhaus im Dachgeschoss. Hier erfolgt die horizontale Verteilung für Lüftung, Heizung, Strom und Datennetzwerke. Die vertikale Verteilung geschieht über Aussparungen in der Nordfassade und innerhalb der Stützenquerschnitte. Dem Projekt liegt ein passiv-solares Gebäudekonzept zu Grunde. Eine verglaste Südfassade lässt die Sonneneinstrahlung maximal nutzen. Durchlaufende Balkone und Stoffstoren beschatten die Fassade und schützen vor Überhitzung. Die Hälfte der Südfassade ist mit

opaken und mit Salzhydrat gefüllten Scheiben verglast, welche die Sonnenwärme speichern und zeitlich verzögert dem Raum abgeben. Die übrigen Fassaden weisen eine dicke Wärmedämmung ohne konstruktive Schwachstellen auf und minimieren so die Wärmeverluste des Gebäudes. Eine innovative Gebäudetechnik mit einer Erdsonden-Wärmepumpe und kontrollierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung ergänzt die Gebäudehülle. Der Energieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser liegt so bei etwa 18 000 kWh/a. Das exakt gegen Süden ausgerichtete und 12° geneigte Pultdach ist vollflächig mit Photovoltaikpaneelen belegt. Die anthrazitfarbenen Solarmodule bilden eine geschuppte Dachhaut, so dass keine weitere Eindeckung erforderlich war. Bei der installierten Leistung der Photovoltaikanlage kann mit einer jährlichen Stromproduktion von 40 000 kWh gerechnet werden, was zur Deckung des Energiebedarfs für die ganze Gebäudetechnik und den Bürobetrieb reicht. Zur vollen Ausschöpfung des Potentials ist die Anlage netzgekoppelt und wird vom Elektrizitätswerk des Kantons Zürich EKZ betrieben. Der Innenausbau ist ganz schlicht und ohne Bekleidungen ausgeführt. So sind zum Beispiel die tragenden Dreischichtplatten aller Bauteile sichtbar belassen. Auf jedem Geschoss reguliert eine 12 m2 grosse Hydrokultur


die Luftfeuchtigkeit und bildet zugleich ein beruhigendes, natürliches Gestaltungselement. Die schlichten Büromöbel aus Schweizer Buchensperrholz sind speziell für diesen Bau entworfen und durch Schweizer Schreiner angefertigt worden. Die Rückwände der Schränke und Bücherwände sind als Schallabsorber ausgebildet, ähnlich wie einige wenige Trennwände. Zusammen mit dem blendfreien Licht, welches die opake Südverglasung erzeugt, entstehen angenehme Bedingungen für die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden. Die Fundamente und Treppenhäuser sind mit Recyclingbeton erstellt, der Holzbau besteht ausschliesslich aus einheimischen Nadelhölzern ohne chemischen Holzschutz. Die Wärmedämmung ist zu 80 % aus Altglas hergestellt. Die Life Cycle Analysis nach der Methode von Ecoindicator zeigt, dass dieses Gebäude insgesamt etwa ein Drittel der Energie eines konventionellen Gebäudes benötigt. Dabei ist der ganze Stofffluss von der Produktion der Baumaterialien über die Erstellung des Gebäudes, den Energieverbrauch während einer angenommenen Lebensdauer von 50 Jahren (Dauer des Baurechtes mit dem Grundstückseigentümer) und den Abbruch des Gebäudes inklusive der Entsorgung berücksichtigt worden. Das erste Bürogebäude der Schweiz mit einer Nullenergiebilanz ist nach Minergie-P-Eco

zertifiziert und zeigt, dass ökonomische Repräsentationsobjekte entstehen, wenn die Parameter Nachhaltigkeit, Ökobilanzierung und Energieverbrauch von Anfang an als gleichwertige Kriterien mit Funktionalität, Arbeitsplatzqualität und Gestaltung in den Entwurf einbezogen werden.

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

Dachgeschoss

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10 m


Querschnitt

Ort Alte Poststrasse 2, 8310 Kemptthal Bauherrschaft Marché Restaurants Schweiz AG Architektur Beat Kämpfen, Büro für Architektur, Zürich; Projektbearbeiter: Rico Ruder Energieingenieur Naef Energietechnik, Zürich Bauingenieur Gerd Groier, Wetzikon Bauphysik und Akustik Amstein & Walthert AG, Zürich Holzbauingenieur AG für Holzbauplanung, Rothenthurm; Projektbearbeiter: Stefan Heinzer Holzbau Bächi Holzbau AG, Embrach Materialien Konstruktionsholz: Rippen Blockholz 75 m3, Brettschichtholz 44 m3, Vollholz in Lärche 10 m3, Dreischichtplatten Blockholz 4080 m2; Platten: Dreischichtplatten 260 m2, stabverleimte Massivholzplatten 180 m2, Gipsfaserplatten 380 m2, zementgebundene Spanplatten 85 m2, hochdichte Holzfaserplatten 810 m2, OSB 490 m2; Terrassenrost in Lärche 260 m2; Latten 10 m3; Fassadenbekleidung: Schalung in Lärche 510 m2, Fassadenplatten 560 m2 Geschossfläche SIA 416 1454 m2 Gebäudevolumen SIA 416 5757 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 507.– Bauzeit Oktober 2006 – März 2007 Fotograf Willi Kracher, Zürich

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Deckenaufbau von oben, U-Wert 0,084 W/m2K: Zellulosedämmung 280 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 30 mm Rippen 160 mm/Dämmung Dreischichtplatte 30 mm, sichtbar Aufbau Aussenwand von innen, U-Wert 0,104 W/ m2K: Dreischichtplatte 35 mm, sichtbar Rippen 260 mm/Dämmung Lattung 80 mm/Dämmung Hochdichte Faserplatte 15 mm Winddichtung schwarz Lattung 30 mm Schalung in Lärche 25 mm Fenster: Holzfenster Ug = 0,5 W/m2K, g = 54 % GlassX Ug = 0,46 W/m2K, thermisch speicherfähiges Glas Deckenaufbau von oben: Zementgebundene Spanplatte 15 mm Zementunterlagsboden und Bodenheizung 80 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 30 mm Rippen 260 mm/Dämmung 100 mm Dreischichtplatte 30 mm Bodenaufbau von oben, U-Wert 0,095 W/m2K: Zementgebundene Spanplatte 15 mm Zementunterlagsboden und Bodenheizung 80 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 30 mm Rippen 380 mm/Dämmung Dreischichtplatte 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm

Fassadenschnitt

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‹Green Offices›, Givisiez In der Gemeinde Givisiez, vor den Toren der Stadt Freiburg, steht das erste mit dem Label Minergie-P-Eco zertifizierte Bürogebäude der Schweiz. Der Bauherr, der gleichzeitig auch Architekt ist, setzte bei dem nach aussen eher nüchtern wirkenden Gebäude nichts anderes um als die Grundsätze seiner Arbeit: Es orientiert sich hinsichtlich Bau und Betrieb umfassend am Prinzip der Nachhaltigkeit. Der Neubau ist eine Ausnahmeerscheinung an der Rue Jean Prouvé in Givisez. Hier reihen sich Gewerbebauten aus Blech und Stahl; den Hintergrund bilden mächtige, Hunderte Meter lange Wohnblöcke. So erscheint der neue Kubus mit seinem quadratischen Grundriss, der grauen, nüchternen Hülle und den hellen, leuchtenden Sonnenschutzblenden wie eine Oase. Das Fassadenbild lebt vom Wechselspiel zwischen ausgefüllten und leeren Flächen. Dadurch wirkt es nicht eintönig, sondern erhält einen dynamischen Charakter. Die flächig wirkende, homogene Fassadenbekleidung besteht aus einer Vertikalschalung in Tanne, welche unter Einwirkung von Pilzen, Sonne und Wasser auf natürliche Art vorvergraut wurde. Das Innere des Bürobaus ist von Farbe, natürlich belassenen Materialien und Licht geprägt. Das zentrale Treppenhaus strukturiert die Grundrisse. Das grosszügige Oberlicht verleiht ihm den Charakter eines Lichtschachtes und erlaubt eine Optimierung der natürlichen Beleuchtung. Um das Treppenhaus sind die Büroräume in den oberen Geschossen angeordnet. Das Erdgeschoss beherbergt die Cafeteria, welche sich bei Bedarf in einen Tagungsraum umwandeln lässt. Die Kombination der tonfarben verputzten Wände mit den weiss gestrichenen Decken erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Rohe Backstein-

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mauern unterteilen den Raum und erhöhen die thermische Trägheit des Gebäudes. Die drei Geschosse über dem massiven Untergeschoss sind mehrheitlich in Holz aufgebaut. Die tragenden Aussenwände wurden in Holzrahmenbauweise erstellt. Die innere, primäre Tragstruktur besteht aus einem Stützenraster von 6 x 6 m mit Unterzügen. Dazwischen sind die Balkenlagen für die Geschossdecken eingehängt, auf Wunsch in wechselnder Ausrichtung. Direkt darauf sind die Betonplatten befestigt. Für das Dach und die Decke über dem Untergeschoss kamen vorgefertigte Kastenelemente zum Einsatz. Da der ökologische Anspruch immer im Vordergrund stand, wirkte dieser Aspekt bei der gesamten Materialisierung mit. So wurden für die Dämmung des Daches und der Decke über dem Untergeschoss Zellulosefasern gewählt und für die Aussenwände Holzfaserdämmplatten. In derselben Konsequenz ist die Haustechnik umgesetzt. Das Regenwasser wird gesammelt und zum Händewaschen und Geschirrspülen verwendet. In den Trockentoiletten ersetzen Holzschnitzel die Wasserspülung. Das Warmwasser wird von Solarkollektoren erzeugt. Die Vorwärmung der Lüftungsluft im Winter erfolgt über einen kleinen Erdwärmetauscher, welcher im Sommer auch zur Kühlung dient. Für Zeiten grosser Kälte steht eine Pelletsheizung zur Verfügung. Die gesamten Büroräumlichkeiten fanden innert kürzester Zeit Mieter, zumeist in Form von ebenfalls ökologisch sensibilisierten Firmen. Dieser Erfolg bestätigt den Bauherrn und Architekten, der eine grosse Nachfrage nach Gebäuden sieht, welche auf intelligente Art und Weise ökologische und ökonomische Kriterien in Einklang zu bringen vermögen.

Situation


Ort Rue Jean Prouvé 14, 1762 Givisiez Bauherrschaft Conrad Lutz Architectes Sàrl, Givisiez Architektur Conrad Lutz Architectes Sàrl, Givisiez Bauingenieur Gecibat Sàrl, Montmagny, Lausanne Holzbauingenieur ING Holz AG, Fribourg Holzbau Vonlanthen Holzbau AG, Schmitten Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 78 m3, Brettschichtholz 43 m3; Platten: Dreischichtplatten 420 m2, OSB 950 m2, Massivholzplatten 60 mm 220 m2, mitteldichte Holzfaserplatten 1000 m2, zementgebundene Spanplatten 400 m2 Baukosten BKP 2 CHF 3,09 Mio. davon BKP 214 CHF 1,08 Mio. Gebäudevolumen SIA 116 5291 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 584.– Bauzeit Oktober 2006 – Juli 2007 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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L채ngsschnitt

20 m

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90 x 270

Ikea

Ikea

Ikea

Ikea

90 x 360

90 x 270

Erdgeschoss

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1. Obergeschoss

2. Obergeschoss


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Dachaufbau von aussen: Kiesschicht 50 mm Schutzmatte Abdichtung zweilagig Spanplatte 19 mm Unterkonstruktion/Lüftung 140–200 mm Kastenelement: Mittelharte Holzfaserplatten 15 mm Rippe 460 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen: Tonverputz Gipsfaserplatte 15 mm Holzfaserdämmplatte 100 mm OSB 15 mm Ständer 300 mm/Holzfaserdämmung Mittelharte Holzfaserplatten 15 mm Lattung gekreuzt 2 x 40 mm Schalung in Tanne Deckenaufbau von oben: Unterlagsboden mit Fussbodenheizung 55 mm Trennschicht Trittschalldämmung 2 x 10 mm Leichtbeton 110 mm Trennschicht Zementplatten 45 mm Balkenlage in Brettschichtholz 120 x 400 mm Deckenaufbau von oben über UG: Unterlagsboden mit Fussbodenheizung 55 mm Trennschicht Trittschalldämmung 10 mm Abdichtungsschicht Kastenelement: OSB 22 mm Balkenlage in Brettschichtholz 80 x 460 mm/Zellulosefaserdämmung Fassadenschnitt

Zementgebundene Spanplatte 28 mm

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BL23 ‹Supertanker›, Zürich Für die zwei Geschosse dieser Aufstockung wurde eine einfache, einheitliche und einprägsame Grossform gesucht, die mit dem bestehenden Baukörper harmoniert und mit der Umnutzung dem gesamten Gebäude zu einer neuen Präsenz verhilft. Mit einer grossen Auskragung zur Strasse und dem südseitigen Wegrücken von der Fassadenflucht zugunsten einer Terrasse wurde eine einfache, rechteckige Grundform auf dem gestaffelten Altbau als Voraussetzung für eine einfache und flexible Konstruktion erzielt. Beim Bauauftrag handelte es sich um die Umnutzung und Aufstockung eines bestehenden Lagergebäudes im citynahen Zürcher Industriequartier Binz. Die ursprünglich reine Industrienutzung wird seit geraumer Zeit durch Dienstleistungsbetriebe verdrängt. Durch den strukturellen Wandel des Quartiers stehen attraktive und günstig zu mietende Räumlichkeiten zur Verfügung. Das Lagergebäude ist ein imposanter Backsteinbau aus den zwanziger Jahren mit vier Geschossen und 100 m Gebäudelänge. Das Erscheinungsbild ist durch Fensterreihen und Brüstungen mit weissen Betonbändern und Backsteinreihen stark horizontal betont und durch vier vertikale Erschliessungstürme gegliedert. Das allgegenwärtige Dampfermotiv und die formale Kraft der Detailausbildung führten wohl die heutigen Betreiber des Gebäudes zum neuen Namen ‹Supertanker›. Die erste Phase sah eine pragmatische und kostengünstige Umnutzung der grossen Lagerflächen in vielfältig, aber auch kleinteilig nutzbare Büroflächen vor. Die bestehenden Erschliessungen wurden unverändert übernommen und um das brandtechnisch Notwendige ergänzt. Bezeichnenderweise liegt der neue Haupteingang auf der Gebäuderückseite, weil

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die Strassenfront auf der ganzen Länge von einer gedeckten Laderampe eingenommen wird. Das Stützensystem und die strassenseitige Fassade wurden im Hinblick auf eine spätere, im Projekt noch nicht definierte zweigeschossige Aufstockung in Leichtbauweise verstärkt. Die Gebäudetechnik und die Aufzugsanlagen, auch der Aufzug für Kleintransporter, wurden erneuert und einzelne Aufzüge für eine Verlängerung in die Aufstockung vorbereitet. Erst nach der Vollvermietung des Umbaus wurde die Planung der Aufstockung beschlossen. Dazu verlangte die Bauherrschaft eine maximale Ausnutzung, um eine rentable Investition erzielen zu können, mit Mietzinsen, die nicht wesentlich höher als diejenigen des Umbaus lagen. Zusätzlich legten die vorinvestierte Verstärkung der Statik und das enge Korsett der baugesetzlichen Bedingungen (Dachgeschoss) den Spielraum für die Planung der Aufstockung fest. Von seiten der Vermietung wurde ein flexibles Nutzungs- und Erschliessungssystem mit einer kleinsten Einheit von 50 m2 gefordert. Die Räume sollten schon als Rohbau benutz- und vermietbar sein und der Endausbau Sache des Mieters bleiben. Ein einfaches zweigeschossiges Aufstocken in den Konturen des Industriebaus war aufgrund der baugesetzlichen Bedingungen mit beschränkten Fassadenhöhen und Dachgeschossregelungen nicht möglich. So ist auch die Strassenfassade mit einer Neigung von rund 48° ein eigentliches Schrägdach, das den baugesetzlichen Spielraum maximal ausnützt. Der 100 m lange und 23 m tiefe Baukörper der Aufstockung wird mit zweigeschossigen Schotten über dem bestehenden Stützenraster von 6,36 m gegliedert. Quer verlaufende Wandscheiben aus Massivholzplatten leiten die Lasten auf den vorbereiteten, punktuellen

Raster ab. Kastenelemente für Geschossdecken und Dachflächen sind zwischen die Scheiben gespannt. Im unteren der beiden Geschosse zieht sich ein Korridor über die gesamte Gebäudelänge und verbindet die beiden Haupttreppenhäuser. Bei jeder zweiten Schotte wurde eine Stichtreppe mit Oberlicht zur Feinerschliessung des Obergeschosses angeordnet. Aus brandschutztechnischen Gründen sind das untere Geschoss und die Erschliessungen mit Gips bekleidet, während das obere Geschoss den rohen Holzbau zeigt. In der Westfassade ist der volle Querschnitt verglast, im Osten ermöglicht eine Aussichtsplattform den Blick unter der Auskragung hindurch auf die Stadt. Nach Süden kragt eine Terrasse mit Abspannvorrichtungen aus Stahl frei über das bestehende Flachdach aus, das keine zusätzlichen Lasten aufnehmen konnte. Die Fassade ist mit Schiebefenstern zur Terrasse respektive zum Balkon voll verglast. Die Nordseite ist von der Fassadenneigung und von der 3,7 m weiten Auskragung geprägt. In dieser Fläche wurden pro Achse je sechs horizontal geteilte, grossflächige Klappfenster angeordnet, die sich horizontal ausstellen lassen. So werden die 23 m tiefen Räume des oberen Geschosses durch die maximale Raumhöhe von 4,5 m über die Südverglasung und die vier Dachflächenfenster der Nordfassade in voller Tiefe mit Tageslicht versorgt. Ein feingewelltes, rohes Aluminiumblech bildet die Aussenbekleidung. Dieses Material sorgt für den industriellen Charakter, zeigt mit seinen Wellen eine ähnlich feine Körnigkeit wie der Sichtbackstein des Lagerhauses und knüpft an die Maschinenästhetik an, die im neuen Namen mitschwingt.


4. Obergeschoss

5. Obergeschoss

6. Obergeschoss

20 m

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Querschnitt

20 m

Ort Binzstrasse 23, 8045 Zürich Bauherrschaft Schweizerische Lebensversicherungsund Rentenanstalt, Zürich Architektur Stücheli Architekten, Zürich; Gesamtprojektleitung: Jean-Marc Fischer Bauingenieur Gruner AG, Zürich Bauphysik und Akustik Weber Energie und Bauphysik, Bern Planer Heizung /Lüftung Todt Gmür + Partner AG, Zürich (Projekt), Pfiffner AG, Zürich (Ausführungsplanung) Planer Sanitär Neukom engineering ag, Adliswil Planer Fassade Mebatech AG, Baden Holzbauingenieur AG für Holzbauplanung, Rothenthurm; Stefan Heinzer Holzbau Estermann Holzbau AG, Sursee; Hubert Hecht Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 248 m3, Brettschichtholz 87 m3, dreischichtige Grossformatplatten 327 m3, Blockholzplatten 538 m3; Gipsfaserplatten 12 348 m2 Baukosten BKP 2 CHF 10,96 Mio. (Aufstockung) davon BKP 214 CHF 2,52 Mio. (Aufstockung) Geschossfläche SIA 416 4360 m2 (Aufstockung) Gebäudevolumen SIA 416 17 150 m3 (Aufstockung) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 639.– (Aufstockung) Bauzeit Februar – Oktober 2007 (Aufstockung) Fotograf Reinhard Zimmermann, Adliswil

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Dachaufbau von aussen: Blecheindeckung mit Unterkonstruktion Lattung 60 mm Unterdachfolie Kastenelement: Dreischichtplatte 30 mm Rippen 40 x 300 mm/Mineralwolldämmung Dreischichtplatte 35 mm Aufbau geneigte Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm (nur 4. OG) Rippenelement: Dreischichtplatte 35 mm Rippen 40 x 300 mm/Mineralwolldämmung Gipsfaserplatte 15 mm Unterdachfolie Lattung 60 mm Blecheindeckung mit Unterkonstruktion Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden Trennlage Trittschalldämmplatte zweilagig Trennlage Kastenelement: Dreischichtplatte 40 mm Rippen 40 x 240 mm/Mineralwolldämmung 80 mm Dreischichtplatte 40 mm Federschienen auf Lattung 60 mm/Mineralwolldämmung Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenschnitt

Bodenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden Trennlage Trittschalldämmplatte zweilagig Trennlage Kastenelement: Dreischichtplatte 35 mm Rippen 40 x 220 mm/Mineralwolldämmung Dreischichtplatte 35 mm Hohlraum für Installationen 270–370 mm


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Holzbulletin, März 2009 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Pittet-Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Telefon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 90/2009  
Holzbulletin 90/2009  

Ausdrucksstarke Bürobauten