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Holzbulletin 79/2006 Bauen für die Sportgeneration Strandbad, Ermatingen Seebad Lattenberg, Stäfa Wassersportzentrum Lido, Rapperswil Sporthalle ‹La Riveraine›, Neuenburg Mehrzweckhalle La Brillaz, Lentigny Hallenbad, Bassins

Der neue Baukörper am Rapperswiler Lido widerspiegelt die Kraft und Eleganz im Kanu- und Rudersport. Bauherrschaft: Stadt Rapperswil, Gemeinde Jona, Kanuklub Rapperswil-Jona und Ruderklub Rapperswil-Jona Architekten: Roskothen Architekten GmbH, Rapperswil


Bild: BASF

Wasser und Holz

‹Es lebe der Sport, er ist gesund und macht uns hart!› Das 1982 veröffentlichte Lied des bekannten österreichischen Liedermachers und Unterhalters Rainhard Fendrich widerspiegelt die anerzogene Bedeutung des Sports für viele Generationen: Er hatte lange Zeit einen erzieherischen Charakter. Heute dagegen ist Sport Status und Ausdruck von Lebensgefühl. Er dient uns zur Unterhaltung, als Mittel des sozialen Umgangs, als Ausgleich zur Arbeitswelt und als Oase für das Wohlfühlen und das Abschalten im Rahmen der körperlichen Fitness. Und er ist nicht zuletzt ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Wirtschaft und Politik nehmen diesen Wandel auf – verschiedene Einrichtungen werden zu Sportzentren zusammengelegt, die Einrichtungen sind verkehrstechnisch und ortsplanerisch gut gelegen, und die Anlagen lassen sich wirtschaftlich betreiben. Natürlich nimmt auch die Architektur die örtliche Situation und die Nutzungsgegebenheiten auf. Doch wie lässt sich der Bezug von Sport zur Holzanwendung herleiten? Zugegeben, gewisse Traditionen sprechen für sich: Badehäuser wurden schon früher in Holz realisiert, und in ländlicher Umgebung passt eine Holzfassade besser ins Bild. Auch die logistischen Vorzüge der Holzbauweise wie präzise und trockene Vorfertigung im Werk mit der folgenden schnellen Montage sind fast einzigartig und sehr eindrücklich. Die veränderte Stellung des Sports, die Auseinandersetzung mit Materialien und die Betrachtung der auf den folgenden Seiten dargestellten Objekte erwecken jedoch den Eindruck, dass eine sinnlichere Beziehung vom Sport zum Holz besteht, und zwar unter Vermittlung des Wassers. Der Lebensträger schlechthin ist untrennbar vom Sport. Über die körperliche Betätigung heizt sich unser Körper auf, und mit Wasser wird die Temperatur wieder gesenkt. Deshalb schwitzen, trinken, baden und duschen wir. Schon die Farbe des Wassers wirkt kühlend und ist uns tendenziell blau in Erinnerung. Das kühle Nass tritt immer als weiche Form auf und wirkt sanft und gleichzeitig kraftvoll. Anders das Holz: Seine kubische und lineare Form steckt den Rahmen ab und bildet die Hülle. Stabförmige Tragwerke zeigen den Kraftverlauf und lassen erahnen, welche Spannung im Material steckt. Und trotzdem unterliegt Holz Veränderungen, denn seine Farbe an der Oberfläche ändert mit den Jahren, mit der Sonneneinstrahlung über die Jahreszeiten und mit der Ausrichtung der Gebäude. Aber ob frische Holzfarbe oder ein in die Jahre gekommener Grauton, der Charakter bleibt. Und dieser Charakter ist es, was Holz sich mit Wasser und Wohlfühlen verbinden lässt – dem neuen Zeitgeist des Sportes. Vermöchte in den beiden Seebädern in Ermatingen und Stäfa ein anderes Material besser als Holz die Wärme des Sommers aufzunehmen, sich beinahe unsichtbar in die Uferzone der Seen zu integrieren und so die Anlagen zum Sommererlebnis zu machen? Was ist für das Wassersportzentrum in Rapperswil besser geeignet als Holz, um den Ausdruck von Dynamik, Kraft und Eleganz des Kanu- und Rudersports zu unterstützen? Schafft in Neuenburg ein anderes Material als Holz für eine Sportanlage den Spagat zwischen städtischem Umfeld, am See gelegen, und dem idyllischen ländlichen Umfeld in Lentigny so mühelos filigran? Oder gäbe es einen malerischeren Rahmen als den in Holz ausgeführten, um den Ausblick und die Ruhe im Schwimmbecken von Bassins zu geniessen? Zugegeben, aus technischer Sicht ist die wachstumsfördernde Wasserzufuhr zum Holz nicht erwünscht. Der unplanmässige, langandauernde Kontakt der beiden Elemente ist in jedem Fall zu verhindern, was mit vorhandenem Wissen auch lösbar ist. Die Fachliteratur zeigt dies, und die Fachleute können es bestätigen. Vielmehr geht es aber darum, für sportliche Betätigungen Bauten zu realisieren, welche das Material Holz wie das für den Sport unumgängliche Element Wasser einbeziehen und gemeinsam für die Zukunft ein Umfeld des Wohlfühlens, der Aktivitäten und der Entspannung schaffen.

Roland Brunner, Technische Kommunikation Lignum

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Strandbad, Ermatingen Der Bauleitungsauftrag zur Sanierung der 75jährigen Badeanstalt war bereits einem ortsansässigen Büro erteilt worden, als das Jahrhunderthochwasser an Pfingsten 1999 der alten Bausubstanz nochmals arg zusetzte. Der Hochwasserschaden und die Petition einiger Oberstufenlehrer zugunsten eines attraktiven, jugendgerecht eingerichteten Strandbads mit Sportbecken führten zu einem Umdenken im Gemeinderat und öffneten den Weg zu einem neuen Projekt. Im Mai 2000 wurden acht Teilnehmer zu einem Architekturwettbewerb eingeladen. Mit einem geringen Aufwand von 2–3 % der Gesamtkosten sind sieben völlig unterschiedliche Lösungsvorschläge eingereicht worden. Die erstaunliche Lösungsvielfalt hätte in so kurzer Zeit und durch einen einzelnen Architekten kaum erarbeitet werden können. Ein Beurteilungsgremium, dem mehrheitlich Fachleute angehörten, verglich und bewertete die Eingaben und empfahl das Projekt ‹Lido› einstimmig zur Weiterbearbeitung. Eine private Einsprache führte jedoch zu einer zweijährigen Verzögerung und zu erheblichen Mehrkosten, die durch verschiedene schmerzliche Verzichte ausgeglichen werden mussten. Es kam zum Unterbruch der Ausführungsplanung und zur Wiederholung der Ausschreibung. Das realisierte Projekt beinhaltet eine Strandbadlösung mit einer klaren Gliederung in Aktivbereiche, Ruhebereiche und einen Intensivbetätigungsbereich zwischen Gebäude und See. Gegen die Seestrasse hin schliesst der einbündige, kleinmassstäbliche Längsbau die Anlage ab. Das Strandbadgebäude mit

dem überdachten Zugang zu den Garderoben und zum Kiosk dient ähnlich einer Brücke auch als hochwassersichere Verbindung zwischen den etwas höher gelegenen östlichen und westlichen Liegewiesen mit ihren alten Baumbeständen als Schattenspendern. Dem Strandgebäude zum See hin vorgelagert sind ein rund 1000 m2 grosser Sandstrand mit einem Feld für Beach-Volleyball, eine Steganlage mit Floss für den bequemen Zugang zum tieferen Wasser, ein 70 m2 grosses Planschbecken mit Natursteinpflästerung und Seewasserspeisung, wobei das Wasser über einen Überlauf in den tiefer liegenden See zurückfliesst, sowie eine Spielwiese für Fussball, Volleyball oder andere Sportarten. Die Materialisierung des Baus in Holz entspricht der vertrauten Tradition der Holzbadehäuser. Der vorfabrizierte Holzbau steht aus Gründen des Hochwasserschutzes leicht erhöht auf einem betonierten Sockel und gliedert sich in einen Kioskbuffetbereich mit überdachtem Sitzplatz und einen Garderobentrakt. Die Bereiche sind durch die Eingangszone voneinander getrennt und zwischen das begrünte, flache Pultdach und den mit einem Holzrost bedeckten Boden eingeschoben. Im Garderobentrakt befinden sich zwei Umkleideräume mit je einer Warmwasser-Dusche, vier Einzel-Umkleidekabinen, ein Material- und Technikraum für den Badebetrieb, ein grossen Kühlraum für das Kioskbuffet, ein Sanitäts- und Bademeisterraum sowie ein rollstuhlgängiges WC und ein separates WC für die Besucher des Kioskes. Die vorfabrizierten Holzrahmenelemente stabilisieren, eingebunden zwischen das Stützen-

Rippendecken-System, den Baukörper. Die 120 mm starken Konstruktionselemente sind aussen mit einer 20 mm starken Trapezschalung in Lärche bekleidet und mit AquaStop behandelt. Als innere Bekleidung dient eine Nut-und-Kamm-Schalung in Fichte, welche in den Nassräumen zusätzlich mit Vollkernplatten oder CNS-Blech abgedeckt ist. Der Boden in den Umkleideräumen und im Aussenbereich ist mit Holzrostelementen in Lärche ausgeführt, in den anderen Räumen wurde der Betonsockel taloschiert und versiegelt. Die Überdachung besteht aus einer Rippendecke aus Dreischichtplatten und Balken in Brettschichtholz. Die 80 mm starke, extensive Begrünung verhindert das zu starke Aufheizen des Daches im Sommer und sorgt so dafür, dass dieses nicht zum Infrarotstrahler über den Köpfen wird. Damit trägt die Begrünung zur richtigen Sommerstimmung unter den Kiosk- und Badegästen bei.

Situation

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Ort Westerfeldstrasse, 8272 Ermatingen Bauherrschaft Politische Gemeinde Ermatingen Architekt/Bauleitung Jörg Singer, dipl. Architekt ETH/SIA, Ermatingen Holzbauingenieur Markus Krattiger, Happerswil Holzbau Hanspeter Ilg, Ermatingen; Projektleiter: Ernst Kreis Sanitärplaner Bernhard Berchtold, Frauenfeld Bauingenieur Planimpuls AG Bauingenieure, Kreuzlingen Materialien Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 26 m3; Dreischichtplatten 27 mm 425 m2; Schalung: Fichte 350 m2, Lärche 200 m2; Lärchenbodenroste 560 m2 Baukosten (BKP 1–9) CHF 1,50 Mio. Baukosten (BKP 2) CHF 720 000.– Geschossfläche SIA 416 170 m2 Aussengeschossfläche SIA 416 280 m2 Kubatur SIA 116 1240 m3 Bauzeit September 2002–Mai 2003 Fotograf Jörg Singer, Ermatingen

Dachaufbau von aussen: Dachbegrünung extensiv 80 mm, Dachrandabschluss mit Blech und Kies Abdichtung zweilagig Trennlage Rippenplatten: Dreischichtplatte 27 mm Brettschichtholz 60 x 220 mm Aufbau Wand von innen: Schalung Fichte 20 mm, im Nassbereich Detailschnitt Garderobenbereich

mit Vollkernplatten 12 mm oder CNS-Blech abgedeckt Ständer 60 x 120 mm/Stützen 120 x 120 mm Blendvlies schwarz Trapezschalung Lärche 20 x 92 mm, behandelt mit Aqua-Stop, sichtbar geschraubt mit rostfreien SK-Schrauben A2 Schiebetüren: Dreischichtplatten 42 mm, gestrichen Aufbau Terrassenboden von oben: Holzrost Lärche 26 x 118 mm Betonboden

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Grundriss

20m

Querschnitt

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Seebad Lattenberg, Stäfa Das traditionelle Stäfner Seebad Lattenberg war über längere Zeit sanierungsbedürftig. Studien belegten, dass Abbruch und Neubau wirtschaftlicher waren als die Anpassung der zum Teil baufälligen Struktur an erweiterte Bedürfnisse. Ein erstes Vorhaben verwarf indessen die Gemeindeversammlung 2002. Ein verkleinertes Projekt fand ein Jahr später bei den Stimmbürgern Zustimmung. Die Abwicklung erfolgte als Totalunternehmerauftrag in einer Arbeitsgemeinschaft, begleitet von einer Baukommission. Das Projekt basiert auf der Idee, einen Lärmschutzriegel mit einer homogenen Wand aus Beton zur stark befahrenen Seestrasse zu erstellen. Die Strassenseite bildet, abgesehen vom Eingang, einen geschlossenen Baukörper, während seeseitig die Erschliessung der einzelnen Raumgruppen erfolgt. Die Anlage ist in Raumschichten aufgeteilt, wobei die Schicht zur Strasse immer Nebenräume enthält. Der Baukörper lässt sich zu einem späteren Zeitpunkt mit dem gleichen statischen und räumlichen Konzept einfach erweitern. Besonderes Gewicht hatten bei der Erstellung wie auch bei der Nutzung ökonomische Vorgaben: ein äusserst knappes Baubudget hier; wenig Personalaufwand, kurze Verbindungswege, kleine Unterhaltskosten dort. Die Bauherrschaft wollte zudem den Anlagenteil mit dem Restaurationsbereich auch im Winter betreiben können sowie ökologische Aspekte wie Wasseraufbereitung mit Solarenergie und nachhaltige Materialisierung durch Holzbau berücksichtigen.

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Der Baukörper gliedert sich in einen Garderobentrakt mit Sanitär- und Infrastrukturbereich sowie einen offenen Restaurationsbereich mit Eintrittskontrolle und Bademeisterbüro. Beide Bereiche sind über ein breites Vordach erschlossen und miteinander verbunden. Den Schwerpunkt in der Grundrissdisposition des Gebäudes bildet der grosszügige Eingangsbereich, wo die Badegäste alle notwendigen Informationen, Services und die Kasse mit dem Drehkreuz finden. Von hier gelangt der Besucher auf der einen Seite zur Buffetanlage mit einem Sitzbereich, der teilweise durch das Vordach beschattet, teilweise besonnt und mit einer Pergola überdeckt ist. Auf der anderen Seite, im Garderobentrakt, finden sich gleich neben dem Eingangsbereich die übersichtlich angelegten Sanitärräume. Dieser östliche Gebäudeteil gliedert sich in eine gedeckte Erschliessung, den dahinter liegenden Garderobenraum mit Fächern und rückwärtige Umkleidekabinen. Eine natürliche Belichtung des Garderobenbereichs wird durch die rhythmisch angelegten Oberlichter erreicht. Selbstverständlich wurde für den gesamten Baukörper die Behindertengängigkeit berücksichtigt. Das Dach, welches die ganze Anlage überspannt, besteht aus Vollholzbalken von 80 x 200 mm, einer oberen Beplankung aus 27mm starken Dreischichtplatten und einem Kiesklebedach. Um eine schwebende Wirkung zu erzielen, bleiben die Sparrenzwischenräume offen, was eine natürliche Belüftung gewährleistet. Getragen wird das Dach von einem Stützensystem, welches

über Stahlfüsse auf der Betonplatte abstellt. Die gesamte Stabilisierung übernimmt die strassenseitige Betonwand. Die Wände sind aussen mit einer Rhomboidschalung in Lärche bekleidet; blau gefärbte, 40 mm starke Dreischichtplatten bilden die Türen. Die Wandkonstruktion des Restaurationsbereiches ist innen aus brandschutztechnischen Gründen teilweise mit Gipsfaserplatten von 15 mm Stärke nichtbrennbar bekleidet. Rot gestrichene Dreischichtplatten bilden die Aussenbekleidung der Buffetanlage. Durch den Einsatz von Holz ist es gelungen, den Badegästen eine warme Atmosphäre zu vermitteln, gleichzeitig dem Wunsch der Bauherrschaft nach Verwendung nachhaltiger, einheimischer Materialien nachzukommen sowie die Bauzeit auf einige Tage im Winter zu reduzieren.

Situation


Ansicht S端dfassade

10m

Grundriss

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Ort Seestrasse 2, 8712 Stäfa Bauherrschaft Politische Gemeinde Stäfa Totalunternehmerauftrag AMZ Architekten AG, Zürich, und ArchiNet AG, Zürich Architekten AMZ Architekten AG, Zürich Bauleitung ArchiNet AG, Zürich Bauingenieur Andrin Urech + Partner AG, Zürich Holzbauingenieur Wohlgensinger AG, Mosnang Holzbau ARGE Peter Müller, Stäfa, und Wohlgensinger AG, Mosnang Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 14 m3, Rahmenbaukanteln 13 m3, Brettschichtholz 14 m3; Platten: Dreischichtplatten 19–40 mm 260 m2, Gipsfaserplatten 160 m2; Rhomboidschalung Lärche 27 x 75 mm 200 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 1,25 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 5873 m2 Geschossfläche SIA 416 344,5 m2 Gebäudevolumen SIA 416 1102 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1134.– Bauzeit Oktober 2003–April 2004 Fotografen Michael Beck, Villigen, und Tobias Frieman, Zürich

Dachaufbau von aussen: Kiesklebedach Dreischichtplatte 27 mm Balken Brettschichtholz 80 x 200 mm Servicebereich: Insektengitter als Abschluss zum Dach Hebeschiebefenster in Holz Holzrolladen motorisiert Detailschnitt Restaurationsbereich

Tablettlaufbahn CNS Abdeckung CNS Aufbau Wand von innen im Restaurationsbereich: Gipsfaserplatten 15 mm Holzständer 60 x 120–200 mm Rhomboidschalung Lärche 27 x 75 mm/Dreischichtplatten 19 mm, rot gefärbt

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Wassersportzentrum Lido, Rapperswil Der Kanuklub Rapperswil-Jona (KCRJ) und der Ruderklub Rapperswil-Jona (RCRJ) hatten Bedarf an neuer Infrastruktur: Das bisherige Bootshaus des KCRJ platzte aus allen Nähten, und die Garderoben und sanitären Anlagen hatten dringend eine Erneuerung nötig. Beim RCRJ waren die Bootslager zu klein, Garderoben und Duschen gar nicht vorhanden. Auf der Grundlage eines Sportstättenkonzeptes von Rapperswil-Jona ergab sich der Lido als neuer Standort für den Kanu- und Rudersport. Das neue Wassersportzentrum fängt die Poesie dieses Ortes ein, bildet ein stimmiges, selbstverständliches Ensemble, an das sich der Nutzer wie der Passant gerne erinnert. Zum See fällt der zweigeschossige Baukörper ab, tritt zum Strandweg möglichst niedrig in Erscheinung, verneigt sich vor der Natur und ihrer Schönheit. Gegenüber der Eishalle hebt er sich als baulicher Gegenpol. Die Bootshallen und der allgemeine Bereich sind als zwei gegenläufige, sich wie Eisschollen überschiebende Keile ausgebildet. Der Baukörper soll als dynamische Skulptur wahrgenommen werden, in der sich die dem Kanu- und Rudersport innewohnende Kraft und Eleganz spiegeln. Die charakteristischen Längsfassaden öffnen sich in Anlehnung an die Bewegungen der Ruder und Paddel. Dies gibt dem Gebäude neben den nach aussen geneigten Wänden sein unverwechselbares Aussehen. Die vor den Fenstern durchlaufenden Holzlamellen verbergen die dahinterliegenden Fenster und lassen das Gebäude als kompakten Körper erscheinen. Der skulpturale Ausdruck wird damit verstärkt. Gleichzeitig schützen sie die empfindlichen Boote vor direkter Sonneneinstrahlung. Die Aussenfassade ist mit einer unbehandelten, offenen Lärchenschalung bekleidet. Nach Süden und Norden ist sie aufgefächert, nach Osten und Westen sowie bei den Terrassen konventionell mit Abstand

zwischen den Brettern ausgeführt. Die Schrägdächer deckt eine Stehfalzdeckung in TecuZinn. Im Laufe der Zeit gleichen sich beide Materialien farblich an und bilden eine harmonische Einheit. Der Besucher betritt das Wassersportzentrum über das dunkel gehaltene, künstlich belichtete Treppenhaus und wird im Obergeschoss von der Helligkeit des durchgehenden Erschliessungskorridors überrascht. Auf der einen Seite bietet sich der Blick über die Sportanlagen, gefiltert durch die durchlaufende Fassade, auf der anderen Seite das Schauspiel der Natur. Sämtliche Umkleiden und Nebenräume sind entlang der Nordfassade aufgereiht. Vom Verwaltungsbereich bietet sich der beste Überblick über den Hafen- und Einwasserbereich der Boote. Der stets offene, durch grosszügige Schiebetore abgetrennte Klubraum öffnet sich über eine Terrasse zum See und lädt zum Verweilen ein. Die integrierte Klub-Bar ist als eigenständiger Körper konzipiert und wirkt als Raum im Raum. Gleich daneben, nach Westen orientiert, liegt der voll ausgestattete Kraftraum. Im Erdgeschoss sind neben WCs und Trockenraum zwei getrennte Bootslagerhallen eingerichtet. Infolge des schlechten Baugrundes steht das Gebäude auf Pfählen, über welchen Riegel in Beton ausgeführt sind. Der Hallenboden besteht aus einer 400 mm starken Kiesschicht und einem bituminösen Belag von 40 mm. Die Holzrahmenbauweise ist die primäre Konstruktionsweise für die vertikale und horizontale Lastabtragung. Die Ausnahme bilden drei fünfschichtige Massivholzplatten im Format von rund 3000 x 3000 x120 mm, welche zwischen den grossflächigen Toren in der Ostfassade die horizontale Aussteifung aus den Geschossdecken und die vertikale Lastabtragung aus den Unterzügen übernehmen. Die Wand, welche die beiden Lagerhallen im Erdgeschoss unterteilt, ist brandabschnitts-

bildend mit 30 Minuten Feuerwiderstand. Zwei Stützenreihen mit Unterzügen verringern zudem die Stützweiten der Deckenelemente. Die Dach- und Deckenelemente sind als gedämmte Hohlkastenelemente mit Beplankungen aus Dreischichtplatten, unten jeweils sichtbar, aufgebaut und über die entsprechenden Schubverbindungen zu Dach- und Bodenscheiben ausgebildet. Im Bereich des Treppenhauses und des Korridors sind die Wand- und Dachelemente mit zementgebundenen, fertig lasierten Spanplatten nichtbrennbar verkleidet. Die Bodenbeläge sind den Nutzungen angepasst: In den Nasszellen und Garderoben kommt Feinsteinzeug und im Kraftraum Gummigranulat zum Einsatz; im Klubraum, Büro, Ruheraum und Korridor ist der Zementunterlagsboden farbig versiegelt.

Situation

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Querschnitt

Längsschnitt

10 m

Detail aussteifende Platten zwischen den Toren: Fünfschichtige Massivholzplatten von 120 mm Dicke übertragen die Aussteifungskräfte zwischen den Toren von den Deckenplatten in die Streifenfundamente. Die schubfeste Verbindung zur Deckenplatte erfolgt über einen Balken von 120 x 120 mm, welcher mit der Decke verschraubt und mit der Fünfschichtplatte verleimt ist. Zwei Schlitzbleche von 8 mm Stärke, über Passbolzen mit der Massivholzplatte verbunden, übertragen die Kräfte in ein Stahlprofil, welches über eine Ankerplatte mit dem Fundament verschraubt ist.

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Erdgeschoss

Obergeschoss

Ort Gaswerkstrasse, Ecke Strandweg, 8640 Rapperswil Bauherrschaft Rohbau: Stadt Rapperswil und Gemeinde Jona; Ausbau: Kanuklub Rapperswil-Jona (293 Mitglieder) und Ruderklub Rapperswil-Jona (130 Mitglieder) Architekten Roskothen Architekten GmbH, Rapperswil Bauingenieur Tschupp & Diolaiuti, Wolfhausen Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Schäfer Holzbautechnik AG, Dottikon Materialien Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 125 m3; Platten: OSB 1445 m2, Dreischichtplatten 27 mm 2100 m2, diffusionsoffene Hartfaserplatten 310 m2, Holzfaserdämmplatten 620 m2, zementgebundene Spanplatten 18 mm 260 m2; Schalung 27 mm 880 m2; Fassadenbekleidung: Lärche 40 x 160 mm 320 m2, Lärche 20 x 160 mm 460 m2 Baukosten (BKP 1–9) CHF 1,75 Mio. Baukosten (BKP 2) CHF 1,55 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 2140 m2 Geschossfläche SIA 416 1520 m2 (ohne Terrasse) Gebäudevolumen SIA 416 5455 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 284.– Bauzeit März–Oktober 2005 Fotograf Frank Roskothen, Rapperswil

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Dachaufbau von aussen: Stehfalzdeckung Tecu-Zinn Schalung 27 mm Lattung 100 mm/Hinterlüftung Unterdachbahn Holzfaserdämmplatten 35 mm Rippenplatten: Rippen 80 x 240 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen im Obergeschoss: OSB 15 mm Ständer 60 x 160 mm/Dämmung Diffusionsoffene Hartfaserplatten 15 mm Wetterschutzfolie Lattung 80 mm Lärchenschalung 40 x 160 mm, gefächert Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden 65–80 mm Trennlage Trittschalldämmung 30 mm Hohlkastenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Detailschnitt

Rippen 80 x 280 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen im Erdgeschoss: Ständer 60 x 160 mm OSB 15 mm Wetterschutzfolie Lattung 80 mm Lärchenschalung 40 x 160 mm, gefächert

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Sporthalle ‹La Riveraine›, Neuenburg Die neue Sporthalle ‹La Riveraine› ist das Resultat eines 1998 von Stadt und Kanton Neuenburg lancierten Wettbewerbes. Das Ziel bestand darin, zwei alte Sporthallen zu ersetzen. In unmittelbarer Nähe zum Hafen ‹Nid du Crô› gelegen, vervollständigt der Bau die nahe Maladière mit ihren sechs Turnhallen, welche den städtischen Schulen zur Verfügung stehen. Das neue Gebäude dient einerseits dem Schulsport, andererseits bietet es auch Raum für Wettkämpfe. Das unter dem Titel ‹Coques en stock› (etwa: ‹Schalen-Lager›) prämierte Projekt besteht aus einem kompakten Baukörper aus Holz, welcher von fünf grossen Nussschalen eingeschlossen und verkleidet wird. In seiner Anordnung, Ausrichtung und Volumetrie trachtet das Gebäude danach, dem Ort treu zu bleiben und doch Zufälligkeiten aus den Entwicklungsläufen der Stadt wieder etwas auszutarieren. Die fünf Nussschalen gewähren dem natürlichen Oberlicht grosszügig Einlass und erinnern an einen umgekehrten Schiffskiel, während sich die geschlossenen, aus Kanthölzern erstellten Fassaden baulich an den benachbarten Lagerhallen orientieren. Dank seiner Nähe zur Uferböschung wird vor dem Gebäude ein weiter Vorplatz frei, der als Parkplatz dient. Ein grosses Glasfenster in starkem Kontrast zur dunklen Holzfassade öffnet die Wandelhalle gegen den Eingangsbereich hin. Ein länglicher Körper aus gefärbtem Beton fügt sich in das Holzvolumen ein und trennt

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die Eingangshalle von den Turnhallen ab. Er enthält die gesamten Serviceräume: WC, Küche, Umkleideräume und auch die Treppen ins Untergeschoss. Auf der Seite der Turnhallen bindet er die Sitzreihen für die Zuschauer mit ein. Diese bieten, zusammen mit einer Ergänzung aus mobilen Tribünen, bei Wettkämpfen Platz für fast 1300 Zuschauer. Die drei aneinander angrenzenden Turnhallen lassen sich dann zu einer einzigen grossen Halle verbinden. Im Untergeschoss führt ein ganz in Schwarz gehaltener Gang zu den verschiedenen Umkleideräumen. In deutlichem Gegensatz zu diesem dunklen Fussboden stehen die Wände, Decken und Garderobenbänke: Sie sind vollständig in lebhaften Farben gestrichen. Die Wahl von Holz als Baumaterial folgte vor allem aus der Forderung nach einer raschen Bauausführung. Alle Elemente der Holzkonstruktion wurden in der Werkstatt vorfabriziert und anschliessend auf den gefärbten Betonsockel montiert. Aus Budgetgründen beschränkte man sich auf das Wesentliche, ohne jedoch in die Niederungen der Banalität abzugleiten. Auf der Aussenseite erhielt das Werk aus rohem Tannenholz einen dunkelbraunen Anstrich. Die Innenseite der Halle zeigt dagegen die Eigenschaften eines wertvollen Möbels und schafft dadurch einen interessanten Kontrast. Die grossen, mit Kupfer überzogenen Nussschalen sind das Resultat der Suche nach

einem statischen System, welches sowohl die Belichtung als auch die ‹fünfte Fassade› berücksichtigt. Dank der Nussschalen wird die Halle von jeder Tragfunktion befreit. Gleichzeitig ermöglichen sie eine gleichmässige Beleuchtung mit Naturlicht. Die einzelnen Schalen sind 45 Meter lang, 5 Meter hoch und bis 40 Tonnen schwer. Sie wurden am Boden zusammengesetzt und mit Hilfe eines Pneukrans installiert. Im Innern verkleidet ein feines Gitterwerk aus Holzlamellen das gesamte Deckenwerk und filtert das Licht. Ein Kunstwerk über dem Eingang ziert das Gebäude – die Leuchttafel konjugiert ‹atmen› durch und erinnert so daran, wofür eine Sporthalle vor allem anderen da ist.

Situation


Untergeschoss

Erdgeschoss

L채ngsschnitt

20 m

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Ort Rue du Littoral 1, 2000 Neuenburg Bauherrschaft Stadt Neuenburg in Zusammenarbeit mit dem Kanton Neuenburg Architekten Geninasca Delefortrie SA, architectes FAS SIA, Neuenburg Holzbauingenieur Chabloz & partenaires SA, Lausanne Holzbau ARGE Tschäppät SA, Cornaux, Aiassa SA, Valangin, Gaille Construction SA, Fresens (Holzbau); J. Schwab SA, Prêles (Fassade); Fournier-Steiner SA, Prilly-Genève (Innenausbau) Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 20 m3, Brettschichtholz 260 m3; Platten: OSB-4 6300 m2, Dreischichtplatten 3000 m2, MDF 1080 m2; Lamellen aus Dreischichtplatten 2500 m2; Fassade: Schalung in Tanne 1935 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 9 700 000.– Kubatur SIA 116 30 762 m3 Bauzeit April 2003–August 2005 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

Aufbau Kuppeldach von aussen: Dacheindeckungssystem in Kupfer Steinwolle 160 mm/Lattung Dampfbremse OSB in drei Lagen zu 10 mm Akustikdämmung Mineralwolle 40 mm Gebogene Träger in Brettschichtholz 100 x 200 mm Aufbau Aussenwand von innen: Oberflächenbeschichtete Holzspanplatte 20 mm Lattung horizontal 30 mm Unterkonstruktion in Holz 100 mm OSB 30 mm Ständer Brettschichtholz 80 x 260 mm/Mineralwolle OSB 27 mm Lattung vertikal 80 mm Lattung horizontal 40 mm Schalung Tanne 30 x 150 mm, gestrichen

Detail Übergang Kuppeldach zur Fassade

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Mehrzweckhalle La Brillaz, Lentigny Seit 2005 verfügt die neue, aus der Fusion dreier Gemeinden hervorgegangene freiburgische Gemeinde La Brillaz über eine Mehrzweckhalle. Die durchdachte Verwendung des Baustoffs Holz machte es möglich, das beeindruckende Projekt mit öffentlichem Anspruch und repräsentativem Charakter in die ländliche Umgebung zu integrieren. Auf der Rückseite des Dorfes gelegen, scheint die Halle mit ihrer Holzfassade den Dialog mit dem Umfeld zu suchen. Vor einigen Jahren startete der Kanton Freiburg ein umfassendes Programm zur Fusion seiner zahlreichen zum Teil sehr kleinen Gemeinden. Im Rahmen dieses Prozesses schlossen sich im Jahr 2001 die drei Saanebezirk-Gemeinden Lentigny, Lovens und Onnens zur neuen Gemeinde La Brillaz zusammen. Als Folge dieser Fusion kamen die nötigen finanziellen Mittel für den Bau einer Mehrzweckhalle zusammen. Diese sollte sowohl sportlichen als auch kulturellen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner dienen. Zu diesem Zweck wurde ein entsprechender Studien- und Planungsauftrag erteilt. Die Mehrzweckhalle befindet sich bei den Sportplätzen etwas ausserhalb des Zentrums von Lentigny. Im Norden ist der Standort durch eine Einfamilienhaussiedlung begrenzt, während sich gegen Süden hin die freie Landschaft öffnet. Um Nachbarschaftskon-

flikte zwischen den Einfamilienhausbewohnern und den Benutzern der Mehrzweckhalle zu vermeiden, wurde letztere ganz an den Fuss des Grundstückes gestellt und sorgfältig auf zwei Etagen ausgebaut. Die Fassade auf der Seite des Zugangs vom Dorf her ist nur eingeschossig. Dadurch liessen sich die Auswirkungen auf die Umgebung verringern, die bei einem öffentlichen Gebäude dieser Grössenordnung unumgänglich sind. Gegen Süden ist die Halle ins Untergeschoss verlegt worden und führt so direkt auf die Sportplätze hinaus. Hier hat das Gebäude die Ausmasse der ländlichen Liegenschaften. Im Obergeschoss wird die Halle von einer vollständig verglasten Galerie überragt. Von hier aus führt eine Treppe direkt in den Vorraum mit angrenzender Bar und in die Halle. Unterhalb des Eingangsraumes wurde ein länglicher Betonkörper in die Erde gesetzt. Dieser beherbergt die Serviceräumlichkeiten: Umkleiden, Toiletten und Duschen, Geräteund Maschinenräume. Die Szenerie im Inneren der Halle wird von mobilen Zwischenwänden maskiert, welche sich bei Theateraufführungen verschieben lassen. Die Struktur des Gebäudes besteht aus einem Stützen-Balken-System aus Brettschichtholz, auf dessen Innenseite Fassadenelemente in Holzrahmenbauweise angebracht sind. Die Innenseiten der Wände sind mit lackierten MDF-Platten bekleidet. Die Balken des Daches reichen weit über die Fassade hinaus

und bilden dort ein geräumiges Vordach, welches die Fassade schützt. In hartem Gegensatz zu diesem massiven Tragsystem steht die aufgesetzte Fassade aus Lamellen in Douglasie, welche den Holzkörper filigran verkleidet. Dieser gitterartige Aufbau nimmt dem massigen Volumen die Schwere und lässt seine Dimensionen vergessen. Der Gang zu den Umkleiden ist vollständig in lebhaftem Rot gestrichen, während die Umkleideräume blau sind. Als Heizsystem wurde die Kombination Ölheizung/Wärmepumpe gewählt. Die Halle ist nach Minergiestandard gebaut und zertifiziert.

Situation

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Querschnitt

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Ort 1745 Lentigny Bauherrschaft Gemeinde La Brillaz Architekten Atelier d’architecture Dominique Rosset SA, Freiburg Holzbauingenieure Marchand & Partner AG und Jeanneret Etudes SA, Autigny Holzbau Stauffacher Charpentes, Donatyre (Holzbau), und Sallin Robert et Pascal SA, Villaz-St-Pierre (Aussenbekleidungen) Materialien Brettschichtholz: 150 m3; Platten: OSB 200 m2, MDF 130 m2; Sonnenschutz: Brettschichtholz Douglasie 3000 m; Boden: gekalkte Eiche 140 m2 Kubatur SIA 116 11 500 m3 Kubikmeterpreis (BKP 2) CHF 370.– Bauzeit Oktober 2003–Januar 2005 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Kies Dichtungsbahn Mineralwolle 200 mm Dampfsperre OSB Balkenlage Brettschichtholz 100 x 420 mm Träger Brettschichtholz 180 x 950 mm Abgehängte Akustikdecke Bodenaufbau von oben: Klebeparkett in gekalkter Eiche 10 mm Zementunterlagsboden 80 mm Trittschalldämmung Holzdeckenelemente 260 mm Abgehängte Akustikdecke Fenster: Elektrische Rolladen Eichenfenster mit Sicherheitsglas Aufbau Aussenwand von innen: MDF, lackiert Dampfsperre Ständer/Mineralwolle OSB Stützen Brettschichtholz 180 x 340 mm Sonnenschutz in Douglasie 50 mm

Fassadenschnitt

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Hallenbad, Bassins Die Gemeinde Bassins hoch über dem Genfersee zählt nur etwas mehr als 900 Einwohner. Um der Bevölkerungsabwanderung entgegenzutreten und junge, aktive Leute anzuziehen, schlugen die Gemeindebehörden im Jahr 2001 den Bau eines Hallenbades vor. Der dafür ausgeschriebene Architekturwettbewerb stellte neben der Nutzung des Trinkwasserreservoir-Überlaufs eine besondere Bedingung: die Nutzung von Holz aus dem Gemeindewald als Baustoff und Energieträger. Realisieren liess sich das Vorhaben dank der finanziellen Beteiligung der Klinik von Genolier und der umliegenden Gemeinden. Das Schwimmbad befindet sich im oberen Dorfteil auf dem Areal einer ehemaligen Sägerei und stellt einen neuen sozialen, kulturellen und sportlichen Brennpunkt dar. Das Gebäude liegt senkrecht zum Hang und richtet sich auf den See aus. Die beanspruchte Bodenfläche ist gering, was vielfältige Nutzungen der Umgebung ermöglicht. Mit seinen verschränkten Dachelementen fügt sich der Baukörper in überzeugender Art und Weise in seine ländliche Umgebung ein: Er passt sich dem Standort an und verstärkt den Bezug zum See. Die tragende Grundstruktur ist komplexer, als sich auf den ersten Blick vermuten liesse. Rahmenbinder in Brettschichtholz mit eingeleimten Gewindestangen in den Knotenpunkten überspannen das Bad auf vier Achsen. Zur Reduktion der Durchbiegungen werden Stahlseile eingesetzt, die zum Schutz vor der chlorhaltigen Schwimmbadatmosphäre behandelt wurden. Dieses Konstruktionssystem macht den Innenraum so offen wie möglich. Hohlkastenelemente von 240 mm Höhe bilden das sekundäre Tragsystem des Dachs. Sie überspannen die Felder zwischen den Hauptträgern und sind

abwechselnd am unteren Rand befestigt und gegenüberliegend am oberen Rand aufgelegt. Da die Dachform keine Übertragung der Stabilisierungskräfte über die Länge des Gebäudes ermöglicht, muss jeder Teil für sich selbst stabil sein. Während die Querstabilisierung über die Rahmenbinder erfolgt, bilden in der Längsrichtung die Stützen dieser Rahmen zusammen mit einem Andreaskreuz im oberen Fassadenteil die Stabilisierung aus. So kann der untere Teil des Raumes freigehalten werden, und die weiten Fenster eröffnen einen wunderbaren Blick auf den See und die Alpen. Die Aussenverkleidung besteht aus unbehandelter Lärche aus dem Gemeindewald. Vor

den Fenstern wurden hochkantige Lamellen angebracht, welche einerseits vor neugierigen Blicken, andererseits vor den Sonnenstrahlen schützen. Im Innern sind die Wände mit sichtbaren Dreischichtplatten bekleidet. Die Hohlkastenelemente des Daches, mit einer Akustiklochung und einer Hohlraumdämmung von 40 mm versehen, sind sichtbar. Das geplättelte, 11 x 25 Meter grosse Schwimmbekken lässt das Wasser türkisfarbig erscheinen und stellt einen harmonischen Kontrast zu den warmen Farbtönen der Gebäudehülle dar. Eine automatische Holzfeuerung beheizt sowohl das Schwimmbad als auch die benachbarte Schule.

Situation

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Ort Rte de l’Ancienne Scierie, 1269 Bassins Bauherrschaft Gemeinde Bassins Architekt Fournier-Maccagnan, Architectes ETS FAS, Bex Holzbauingenieur Charpente Concept SA, Perly Holzbau Ducret SA, Orges, und Georges Kohler, Nyon Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 41 m3, Brettschichtholz 109 m3; Platten: OSB 309 m2, Dreischichtplatten 470 m2; Hohlkastenelemente 750 m2; Fassade: Schalung Lärche 495 m2 Kubatur SIA 116 8330 m3 Kubikmeterpreis (BKP 2) CHF 495.– Bauzeit Juli 2003–August 2004 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

Längsschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

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10 m


Dachaufbau von aussen: Dacheindeckung in Kupfer Schalung 27 mm Lattung 80 mm/Hinterlüftung Unterdachbahn Mineralwolle zweilagig 160 mm/Lattung Dampfbremse Hohlkastenelemente 240 mm mit Akustiklochung/ Dämmung 40 mm Rahmenbinder Brettschichtholz 480 x 740 mm Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 27 mm Unterkonstruktion/Installationsraum belüftet OSB-4 12 mm Dampfbremse Ständer 60 x 180 mm/Mineralwolle Winddichtung schwarz Lattung 40 mm, schwarz gestrichen Schalung Lärche 30 mm, sägeroh und unbehandelt, von hinten befestigt

Detail Dachübergang: Die Hohlkastenelemente liegen auf der einen Seite des Binders auf. Auf der anderen Seite sind Kanthölzer am Binder angeschraubt, welche das verdeckte Auflager der Elemente bilden. Hier sind die Hohlkastenelemente zusätzlich verstärkt. Fassadenschnitt

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch Holzbulletin, Juni 2006 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260 Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

Holzbulletin 79/2006  

Bauen für die Sportgeneration

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