Holzbulletin 145/2022

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Holzbulletin 145/2022 Bauen im Bestand

Hofbebauung Riehenring, Basel Aufstockung und Sanierung Reihenhaus, Zürich-Unterstrass Aufstockung Bernapark, Stettlen Erneuerung und Aufstockung Mehrfamilienhaus, Vevey Erweiterung von zwei Mehrfamilienhäusern, Lausanne

2021 mit dem Prix Lignum in Bronze ausgezeichnet: Die Aufstockung und Erweiterung in Vevey stärkt das Quartier mit ihrer Präsenz und wird damit zu einem Wegweiser für die weitere Entwicklung. Architektur: Rapin Saiz Architectes, Vevey. Foto: Joël Tettamanti

1 Umbauen statt abreissen: Mit der Aufstockung und energetischen Sanierung des Mehrfamilienhauses an der Saumackerstrasse in Zürich-Altstetten wurde neuer Wohnraum geschaffen, und die Bausubstanz blieb erhalten. Architektur und Fotos Kämpfen Zinke + Partner AG, Zürich

2 Ein neuer Ort fürs Quartier: Die Wohnüberbauung Maiengasse in Basel ist nicht nur ein vorbildlicher Holzbau und der Gewinner des Prix Lignum 2021. Zahlbarer Wohnraum mitten in der Stadt und die nachbarschaftliche Einbindung zeichnen sie ebenso aus. Architektur Esch Sintzel Architekten, Zürich Foto Matthias Bill, Basel

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L’oradel legno

L’heure est au bois

Zeit Holzfür

Weiterbauen mit Holz

Bereits 2015 stellte Architekt und Holzbaupionier Beat Kämpfen in einem Interview für das Themenheft 42 ‹Erneuern› des FaktorVerlags fest: ‹Wir brechen zu viel ab.› Eine Erkenntnis, die sich heute breit durchzusetzen beginnt: Betrachtet man bei einem Gebäude nicht nur die Energieeffizienz im Betrieb, sondern den ganzen Lebenszyklus, dann rückt die graue Energie bei der Erstellung in den Fokus. Und damit auch die Ressourcen, die bei einem Ersatzneubau durch den Abriss des Vorgängerbaus vernichtet werden. In Deutschland entstehen jedes Jahr 230 Millionen Tonnen Bauund Abbruchabfälle, was 55 Prozent des gesamten Abfalls ausmacht. So steht es auf der Webseite abrissmoratorium.de. Und weiter: ‹… Statt Abriss und Neubau stehen wir für Erhalt, Sanierung, Umbau und Weiterbauten im Bestand. Jeder Abriss bedarf einer Genehmigung unter der Massgabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen›. Unterzeichnet hat dieses Statement unter anderem der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. In der Schweiz liegt der Anteil des Bauschutts am Abfall sogar bei 84 Prozent, was 500 kg pro Sekunde entspricht. Eine stetig wachsende Anzahl von Architekturschaffenden, die sich unter dem Namen ‹Countdown 2030› zusammengeschlossen haben, verlangen deshalb in einer Petition an Parlament und Bundesrat mit einem Programm von fünf Punkten, den unhinterfragten Abriss von Gebäuden und die massive Verschwendung von Ressourcen und Energie beim Bauen zu stoppen.

stockung in Hybridbauweise. Dem Eingriff stellte der gemeinnützige Bauträger Heimat Österreich ein Forschungsprojekt voran: In zwei Studien ging das Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen der Frage nach, wie sich bestehende Wohnbauten aufwerten lassen, ohne einen grossen ökologischen Fussabdruck zu hinterlassen. Das Projekt wurde soeben mit dem Bauherrenpreis 2022 der Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs ausgezeichnet. Das erneuerte Mehrfamilienhaus in Zürich-Altstetten von Kämpfen Zinke + Partner mit Baujahr 1947 wurde energetisch erneuert. Die Aufstockung in vorfabrizierter Holzbauweise um ein Geschoss ergänzt die Liegenschaft der Stiftung PWG um weitere sechs auf insgesamt 27 Wohnungen. Auch die neuen Loggien auf der Ostseite bestehen vollständig aus Holz; sie wurden in druckimprägnierter Buche konstruiert.

3 Ökologisch und sozial nachhaltig modernisiert: Die Linien der ehemaligen Form sind noch ablesbar. Die Siedlung Friedrich-Inhauser-Strasse in Salzburg wurde soeben mit dem Bauherrenpreis 2022 der Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs ausgezeichnet. Architektur cs architektur & stijn nagels architecture atelier, Salzburg (A) Foto Volker Wortmeyer, Salzburg

4 Zeit für Holz: Das Material ist ein guter Partner für das Bauen im Bestand und speichert gleichzeitig CO2. Der LignumFlyer ist in Deutsch, Französisch oder Italienisch erhältlich und liefert Argumente zur Frage, wie die Schweiz ihre Klimaziele im Bauwesen erreichen kann. www.lignum.ch/shop/broschueren

Dass es beim Bauen im Bestand nicht nur um Nachhaltigkeit im Sinne von Klimaschutz geht, zeigt auch die Broschüre ‹Die Zukunft beginnt im Bestand›. Sie präsentiert die Resultate einer Studie, die im Rahmen des Ersatzneubauprojekts für die Siedlung Bergacker in ZürichAffoltern unentgeltlich und in Eigeninitiative unter anderem von ETH-Studierenden im Austausch mit Eigentümerinnen und Bewohnern angefertigt wurde. Denn werden ganze Siedlungen abgerissen, gehen auch soziale Netzwerke, bezahlbarer Wohnraum und über Jahrzehnte gewachsene Nachbarschaften verloren.

‹Wir brauchen eine neue Praxis, die viel stärker mit dem Bestand arbeitet›, so das Fazit der Autorinnen und Autoren. Eine der Forderungen lautet: aufstocken und anbauen statt abreissen – und Nachverdichtungen sollen ohne Bestandsvernichtung CO2-arm realisiert werden.

Dass sich dafür der Holzbau besonders gut eignet, zeigen die beiden bereits realisierten Projekte, welche die Broschüre als Beispiele nennt: die Siedlung Friedrich-Inhauser-Strasse in Salzburg für eine ökologische und sozial nachhaltige Modernisierung und die Sanierung und Aufstockung des Mehrfamilienhauses an der Saumackerstrasse in Zürich für eine ökologische Modernisierung, die aus dem Architekturbüro von Beat Kämpfen stammt. Das Projekt in Salzburg von cs architektur & stijn nagels architecture atelier erneuert eine Siedlung mit Baujahr 1985 und erweitert diese gleichzeitig mit einer zweigeschossigen Auf-

Auch die in dieser Holzbulletin-Ausgabe vorgestellten Objekte belegen, dass das Bauen mit Holz im Bestand qualitätsvolle Architektur ermöglicht, die einem hohen baukulturellen Anspruch genügt. Dazu gehören eher kleine bauliche Eingriffe wie die zeitgemässe Interpretation einer Aufstockung bei einem Reihenhaus aus den 1920er Jahren in Zürich-Unterstrass, die gekonnte Verbindung zweier freistehender Mehrfamilienhäuser in der Stadt Lausanne oder die Aufstockung in Vevey, mit der gleichzeitig auch eine Aufwertung des Quartiers gelang. Aber auch einen Neubau in Basel stellen wir vor: Im dreieckigen Hof einer bestehenden Blockrandbebauung entfaltet der viergeschossige Hybridbau spannungsvolle Räume und füllt den Hof mit neuem Leben. Die Bernapark-Aufstockung in der Agglomeration der Stadt Bern wiederum zeigt, wie sich in grossem Massstab und in einem denkmalgeschützten Kontext neuer Wohnraum schaffen lässt, ohne Bausubstanz zu zerstören oder auf der grünen Wiese zu bauen. Laut den Zahlen des neuesten Immo-Monitorings von Wüest Partner wächst der Umbau schon seit einiger Zeit stärker als der Neubau, aktuell sind es beim Neubau nominal +2,7 Prozent, beim Umbau +8,3 Prozent. Das Netto-Null-Ziel und die damit einhergehenden Regulierungen und Fördermassnahmen hätten den Trend, Gebäude zu sanieren und für die Zukunft fit zu machen, in Gang gesetzt, so das Fazit von Wüest Partner. Holz ist dafür ein guter Partner, auch weil das Material gleichzeitig als CO2-Speicher dient. Wir wünschen eine gute Lektüre.

Quellen

Faktor Erneuern, Themenheft Nr. 42, Faktor Verlag, Zürich, Oktober 2015 www.countdown2030.ch

Flyer ‹Die Zukunft beginnt im Bestand›, www.beispiel-bergacker.ch, 2022 Immo-Monitoring 2023/1, Wüest Partner AG, Schweiz, Oktober 2022

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netto zero In
che modo la Svizzera raggiunge i suoi obiettivi climatici nell’edilizia?
Netto
null Wie erreicht die Schweiz ihre Klima- ziele im Bauwesen?

Hofbebauung Riehenring, Basel

Im dreieckigen Hof einer Blockrandbebauung entfaltet der viergeschossige Hybridbau spannungsvolle Räume sowohl aussen als auch in den 36 Genossenschaftswohnungen. Die nichttragende Aussenwandkonstruktion in hellem Grün mit Farbakzenten in Dunkelrot prägt das Erscheinungsbild des verwinkelten Volumens, das den Hof mit neuem Leben füllt.

Die Bebauung Riehenring liegt in einem ruhigen Hinterhof im zentral gelegenen Basler Wettsteinquartier. Sie ist allseitig von Blockrandbauten aus dem letzten Jahrhundert umgeben. Auf diese Situation reagiert die Gebäudefigur des neuen Wohnbaus: Mit durchgehend vier Geschossen schreibt sie dem Blockrand einen inneren Horizont ein, der unter dessen Traufkanten bleibt. Die Gebäudearme strecken sich so in das dreieckige Grundstück, dass Situationen des direkten Gegenübers zu den Häusern des Blockrands vermieden werden. Stattdessen entwickeln sich aus der mehrfach geknickten Gebäudelinie hofartige Aussenräume, auf die sich die neuen Wohnungen orientieren und die gleichzeitig als räumliche Filter zwischen Rand- und Hofbebauung fungieren. Erschlossen wird das neue Gebäude im Hof über einen Fussweg auf dem Niveau des Erdgeschosses, der an der Nordostseite entlangführt. Der Genossenschaftsneubau umfasst 15 4½-Zimmer-Wohnungen (zwischen 96 und 107 m2), 16 3½-Zimmer-Wohnungen (zwischen 79 und 90 m2) und 5 2½-Zimmer-Wohnungen à ca. 65 m2. Den Wohnungen im Erdgeschoss sind tieferliegende Grünräume als Aussenbereiche vorgelagert, die sich die jeweils benachbarten Wohnungen teilen und die über zwei Stufen mit dem höher liegenden Hofniveau verbunden sind. Die Gartenwohnungen haben so eine attraktive, vom halböffentlich genutzten Hofbereich abgesetzte Vorzone, die gleichzeitig eine HochparterreSituation erzeugt.

Der im Rahmen eines Wettbewerbs entwickelte Wohnungsbau für eine Genossenschaft sollte kostengünstig sein und den hohen Ansprüchen an eine nachhaltige und gebrauchsfähige Architektur genügen. Dies gelang trotz der ungewöhnlichen Volumetrie in einem direkten und transparenten Austausch mit der Bau-

herrschaft und zeigt sich nicht zuletzt in einer effizienten Bauweise und einer sichtbaren, gegenständlichen Detaillierung. Die insgesamt 36 Wohnungen sind um zwei Treppenhäuser angeordnet. Der offene Grundriss mit Wohnraum und Essküche entwickelt sich jeweils um eine Loggia herum. Trotz der introvertierten Hoflage entfalten die knapp bemessenen Wohnungen eine verblüffende Grosszügigkeit und Vielfalt der Ausrichtung. Durch die spezielle Grundrissgeometrie gibt es fast keine rechten Winkel. Die inneren Wandoberflächen sind mit Gips oder Gipsfaserplatten bekleidet und gestrichen. Die Böden bestehen aus geöltem Eichenparkett.

Aus der atmosphärischen Identität des Hinterhofes leitet sich ein Materialkonzept ab, das komplementär zu den monolithisch gemauerten und verputzten Häusern des Blockrands die Qualitäten des leichteren Baustoffs Holz thematisiert. Dabei ist das Haus in Hybridbaubauweise erstellt. Die Decken und Treppenhauskerne sowie kurze Tragscheiben in der Fassadenebene sind in Stahlbeton ausgeführt. Dies erlaubte im Hof einen speditiven Betonrohbau. Alle Innenwände sind gemauert. Die Fassade als Holzkonstruktion erinnert nicht nur an die typische Materialität von Hofeinbauten, sondern nutzt für die innerstädtische Hoflage die Vorteile der Vorfabrikation. Die nichttragenden Aussenwände wurden als ausgedämmte Holzrahmenkonstruktion vorgefertigt. Die Aussenwand wurde über zwei Geschosse produziert und jeweils auf jedem zweiten Geschoss auf die Betonstirne abgestellt. Geschossweise wurden die Aussenwandelemente auf Winddruck respektive -sog verankert. Die Fassade ist eine vertikal ausgerichtete, sägeraue Holzschalung mit Nut und Kamm. Die komplementäre Farbgebung in Grün- und Rottönen mit weissen Akzenten prägt die neue Hofatmosphäre. Die grüne Oleith-Farbe ist eine Weiterentwicklung der schwedischen ‹Slamfärg› und entfaltet auf der sägerauen Oberfläche eine ganz eigene, sanft leuchtende Wirkung. Als Symbiose von Silikatund Ölfarbe ist sie härter als die traditionelle Schlammfarbe, sie versintert gewissermassen und schafft dadurch längere Renovationsintervalle. Ein Schrägdach mit Blecheindeckung schützt mit seiner Auskragung das Holzvolumen. Die Dachschrägen werden mit einer Holz-Rippenkonstruktion erzeugt, die auf der letzten Betondecke abgestellt ist. Das bildet einen angemessenen Abschluss des Baukörpers.

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Situation

Erdgeschoss

1. und 3. Obergeschoss

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Ort Riehenring 3, 4058 Basel

Bauherrschaft Wohnstadt, Bau- und Verwaltungsgenossenschaft, Basel

Gesamtleitung und Architektur Jessenvollenweider Architektur AG, Basel

Landschaftsarchitektur August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten, Binningen

Bauleitung Omlin Architekten GmbH, Bern Bauingenieur ZPF Ingenieure AG, Basel

Holzbauingenieur und Brandschutz Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See HLK/Fachkoordination Energie Waldhauser + Hermann AG, Münchenstein

Bauphysik Moritz Zimmermann, Aetigkofen Akustik Bau- und Raumakustik, Lärmschutz, Martin Lienhard, Langenbruck

Farbtechnische Beratung Luzia Borer, Öl + Kalk Gmbh, Basel Holzbau Hürzeler Holzbau AG, Magden (Elementbau, Fassade), GGS Holzbau Spenglerei, Gelterkinden (Konstruktion, Dach), Hasler Fenster AG, Therwil (Fenster), A-Team Bodenbeläge AG, Reinach (Parkett), Jäggi AG, Arlesheim (Innentüren)

Materialien Weisstanne, sägerau gestrichen mit Oleith-Farbe (Fassade); Bauteile in Nadelholz, gehobelt, mit Standölfarbe gestrichen (Loggien); Holzfenster lackiert; zweigeschossige Sandwichelemente (aussen Gipsfaserplatte, innen OSB, mit Mineralwolle ausgedämmt, von innen mit Vorsatzschale versehen (Konstruktion Aussenwand)

Bauholz: Schichtverleimtes Vollholz 125 m3, Brettschichtholz 40 m3 Platten: Dreischichtplatten 650 m3, Massivholzplatten 700 m3, OSB-Platten 1300 m2, Gipsfaserplatten 4500 m2 Bodenrost in Lärche (heimisch) 400 m2 Fassadenschalung: Weisstanne (HSH, Emmental) 1500 m2

Baukosten BKP 0–9 CHF 15,5 Mio. inkl. MWST Baukosten BKP 2 CHF 13,897 Mio. inkl. MWST Baukosten BKP 214 CHF 1 656 290.– inkl. MWST

Kubikmeterpreis BKP 2 CHF 804.–Grundstücksfläche nach SIA 416 3095 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 1134 m2 Geschossfläche nach SIA 416 5255 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 17 284 m3 Bauzeit März 2018 bis Februar 2020 Fotos Jessenvollenweider Architektur AG, Basel

3679 20 m Schnitt

Aufbau Dach:

Blechbahn/Stehfalzeindeckung 1,5 mm

Trennvlies 1 mm Schalung 25 mm Lattung/Hinterlüftung 80 mm Unterdachbahn 1 mm Schalung 25 mm Rippenelement Mineralwolle 300 mm Betondecke 220 mm Gipsglattstrich 10 mm

Aufbau Boden Loggia:

Holzrost 25 mm

Traglatte Tanne/Fichte 50 mm Stelzlager

Bautenschutzmatte 3 mm Abdichtung 1,8 mm

Trennvlies Furnierschichtholz 42 mm Rippenbalken Dreischichtplatte, lasiert 27 mm

Aufbau Wand:

Holzschalung vertikal 25 mm Hinterlüftung 80 mm Windpapier Gipsfaserplatte 15 mm

Mineralwolle 200 mm

OSB­Platte (Dampfbremse) 15 mm

Innendämmung/Installationsraum 60 mm Gipskartonplatten 2 x 12,5 mm 25 mm

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Situation

Aufstockung und Sanierung Reihenhaus, Zürich-Unterstrass

Den Eingriff in die sehr homogene und weitgehend original erhaltene Siedlung haben die Architekten mit grosser Sorgfalt gestaltet und den wunderbaren Ort mitten in der Stadt Zürich weiterentwickelt: Erst auf den zweiten Blick realisiert man, dass das Reihenhaus mit einem Holzbau zweigeschossig aufgestockt wurde. Die Identität blieb trotz Modernisierung erhalten.

Das aufgestockte und erneuerte Reihenhaus ist Teil einer Siedlung im Quartier Zürich-Unterstrass. Diese besteht aus zweigeschossigen Reihenhäusern von 1928, die sich um das eingeschossige Gebäude eines Tennisclubs mit Flachdach und die zugehörigen Spielfelder gruppieren. Jeweils drei Reihenhäuser bilden zusammen eine volumetrische Einheit. Obwohl nicht denkmalgeschützt, sind die Häuser auf den ersten Blick trotz der Lage in der dreigeschossigen Wohnzone praktisch unverändert. Zwar wurden verschiedene An- und Aus-

bauten der Garagen getätigt, aber die noch zusätzlich mögliche Ausnützung über eine Aufstockung wurde beim vorliegenden Projekt erstmals realisiert.

Dabei vermieden die Architekten eine Aufstockung mittels Giebeldachs, wie es die bis anhin gängige Bewilligungspraxis der Stadt Zürich in der Regel vorsah. Die Architekten präsentierten verschiedene Szenarien und konnten zeigen, dass ihre Lösung mit weniger Höhe und Masse sowie guten Proportionen überzeugt: Sie realisierten die zweigeschossige Aufstockung mit einem Flachdach und in das zusätzliche Volumen eingeschnittenen Rücksprüngen. Mit dem an die klassische Moderne angelehnten Flachdach, das für die Entstehungszeit der Häuser nicht untypisch ist, bleibt die Firstlinie trotz des Ausbaus mehr oder weniger konstant, und das erweiterte Gebäude integriert sich gut in den Bestand. Mehr noch: Es wirkt so, als sei es schon immer dagewesen. Für die Ausbildung der neuen Volumetrie lies-

sen sich die Architekten auch von Projekten der Protagonisten der Entstehungszeit des Hauses – wie Adolf Loos oder Josef Frank –inspirieren. Mit dem Flachdach entstand überdies auch zum benachbarten Clubgebäude ein formaler Bezug.

Die Terrasse im zweiten Obergeschoss und das gestaffelte Attikageschoss lösen das Volumen gegen oben auf. Damit stehen auf zwei Geschossen vielfältig nutzbare Aussenräume zur Verfügung. Das Bedürfnis der Bauherrschaft nach Licht und Verbindung mit dem Aussenraum liess sich so ideal erfüllen. Das äussere Erscheinungsbild des neuen Volumens gleicht dem Altbau, obwohl es sich aufgrund der statischen Vorgaben bei der Aufstockung um einen Holzbau handelt. Mit AerogelDämmputz war es möglich, den Altbau den energetischen Vorschriften anzupassen, ohne die bestehenden Fenstereinfassungen zu verändern. Gleichzeitig liess sich so ein sanfter Übergang zum benachbarten Gebäude reali-

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sieren: Bänder aus Klinker wurden übernommen und neue Elemente wie die Pergola oder das runde Fenster formal in Anlehnung an die klassische Moderne gestaltet. Im Inneren wurde der Charakter der ursprünglichen Materialisierung aufgenommen und weitergeführt: Unterschiedliche hohe und farbige Holztäfelungen – eigentlich die Vorsatzschalen des neuen Holzbaus – schaffen den Bezug zum Bestand und kreieren verschiedene Raumstimmungen. Blau-weisse Zementplatten verleihen dem Dachzimmer einen mediterranen Ausdruck und schliessen die vielfältige Raumfolge des hohen Gebäudes mit einem farbigen Akzent ab, der einen auch an Schiffsarchitektur erinnern kann.

Ort Quartier Unterstrass, 8057 Zürich Bauherrschaft privat Architektur und Bauleitung Singer Baenziger Architekten, Zürich Bauingenieur Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Zürich Ingenieur HLK P. Schärli und Partner Sanitärplanung GmbH, Regensdorf Elektroingenieur Skylla Strom, Zürich Bauphysik AIK, Architektur und Ingenieur Kollektiv, Zürich Holzbau und Schreinerarbeiten Schaerholzbau AG, Altbüron; Walter Widmer Schreinerei, Küsnacht; Gautschi Fensterbau AG, Eschlikon; Keller Treppenbau, Urtenen-Schönbühl; Graf Parkett, Wila Materialien Massivholzschalung diagonal 210 m2, Dreischichtplatten 60 m2 Baukosten keine Angabe

Grundstüksfläche nach SIA 416 376 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 82 m2 Geschossfläche nach SIA 416 341 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 292 m3 (Aufstockung)

Bauzeit August 2018 bis Dezember 2018 Fotograf Christian Senti, Zürich

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3684 Erdgeschoss 1. Obergeschoss 2. Obergeschoss

Aufbau Dach: Extensive Dachbegrünung mind. 100 mm Drainagematte

Dichtungsbahn bituminös zweilagig Dämmung im Gefälle 20–80 mm Dämmung 30 mm

Bauzeitabdichtung bituminös Schalung 22 mm

Dämmung Steinwolle in Balkenlage 200 mm

Dreischichtplatte 27 mm

Installationsschicht 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm

Aufbau Wand Aufstockung: Innenputz/Holzverkleidung mit Unterkonstruktion

Gipsfaserplatte 15 mm

Konstruktionsholz 200 mm

Wärmedämmung Zellulosefaser 200 mm Schalung 22 mm

Putzträgerplatte 60 mm Aussenputz 15 mm

Detailschnitt

3685 5 m Attika

Aufstockung Bernapark, Stettlen

Auf dem Industrieareal der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil ist mit dem Bernapark ein neuer Ort zum Leben und Arbeiten entstanden. Neben der Erneuerung der denkmalgeschützten Gebäude ist die zweigeschossige Aufstockung in Holz ein zentrales Element des Projekts. Hier haben 87 neue Etagen­ und Maisonette­ Wohnungen Platz gefunden –mit Aussenräumen, die fast so wirken, als befände man sich auf Erdgeschossniveau.

Dort, wo einst über 250 Mitarbeitende Karton für die ganze Schweiz herstellten, wird heute gelebt und gearbeitet. Nachdem die Kartonfabrik 2010 schliessen musste, entwickelten die neuen Eigentümer ein Konzept für ein Quartier mit hoher Vielfalt bezüglich Nutzung und Bewohnerschaft auf dem ehemaligen Industrieareal. Die 140 m lange Fassade entlang der Gleise der unmittelbar angrenzenden Bahn der RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn) und das leicht zurückversetzte Gebäude sind denkmalgeschützt und sollten deshalb erhalten bleiben. Die beiden miteinander verbundenen Bauten wurden sorgfältig saniert und in 40 Loftwohnungen, 16 kleine Studios sowie Krea-

tiv- und Kleinindustrieflächen umgewandelt. Die bestehenden Volumen ergänzte man zudem mit einer zweigeschossigen Aufstockung in vorgefertigten Holzelementen. Dort liessen sich nochmals 13 000 m2 neue Wohnfläche für 87 Wohnungen realisieren. Diese sind sowohl Etagen- als auch Maisonnette-Wohnungen mit 1½ bis 5½ Zimmern. Aktuell leben im Bernapark 300 Bewohner und Bewohnerinnen in insgesamt 173 Wohnungen; die Büro- und Gewerbeflächen umfassen rund 25 000 m2

Die denkmalgeschützten Bestandsbauten – ein 140 m langer Riegel und ein zweites Gebäude mit einer Grundfläche von 70 x 40 m – bestehen grösstenteils aus Stahlbetonkonstruktionen und Mauerwerk und verfügen über grosse Fensterfronten. Beide Volumen sind 18 m hoch und wurden um 6 m aufgestockt. Entsprechend muss die Aufstockung hohe Einwirkungen aus Wind und Erdbeben aufnehmen können. Anders als bei einem Neubau gaben hier die verwinkelten Fabrikgebäude vor, wie sich die Kräfte ins Fundament ableiten lassen: Das entwickelte Konzept für die Statik sieht vor, dass diese vorwiegend über tragende Stützen in den Aussenwänden abgeleitet werden. Die

Holzbauingenieure definierten die dafür geeigneten Punkte. Das Resultat sind unterschiedliche Tragrichtungen der Deckenelemente mit teilweise grossen Spannweiten. Die beiden zusätzlichen Stockwerke errichtete man in Schottenbauweise: Die tragenden Wände sind als Schotten in Querrichtung zum langen Gebäude angeordnet. Sie sind für die Gebäudeaussteifung als Scheiben ausgeführt und beidseitig beplankt. Über den Schotten liegen quer dazu gespannt Hohlkästen mit 280 mm hohen Rippen aus Brettschichtholz. Sie bilden die Decken. Je nach Spannweite variiert die Breite der Rippen zwischen 60 und 180 mm. Zur Optimierung des Schallschutzes und des Schwingungsverhaltens befüllte man die Hohlkästen mit Kalksplitt und überdeckte sie mit einem klassischen Bodenaufbau. Die nichttragende Fassade liegt zwischen den Schotten.

Auch hier zeigt sich der Holzbau: Im Bereich der Terrassen besteht die Aussenhülle aus einer Fichten-Schalung. Andere Teile der Fassade verputzte man in Anlehnung an die Materialität der bestehenden Fabrikgebäude, so dass die Aufstockung zu einem Teil des Ganzen wird.

Zur Erschliessung der Aufstockung dienen vier bestehende Treppenhäuser, drei weitere für die Erschliessung innerhalb der Aufstockung baute man neu aus Holz. Die dafür notwendigen Brandschutzanforderungen REI 60-RF1 werden dank Kapselung vollumfänglich erfüllt. Auch für das Dach gilt ein Feuerwiderstand von 30 Minuten, weil hier das Lüftungssystem eingebaut wurde. Auf dem Dach wurde eine grosse Fotovoltaikanlage verbaut.

3687 Situation
3688 5.
Obergeschoss
3689 20 m
Schnitt

Aufbau Dach: Substrat 110 mm Wasserführende Schicht 30 mm

Bituminöse Abdichtung zweilagig 20 mm Dreischichtplatte 27 mm Hinterlüftung (Gefällsschicht) 120–315 mm Unterdachbahn Folie Holzfaserplatte 16 mm Balkenlage, dazwischen Wärmedämmung 300 mm OSB­Platte 18 mm Ständerkonstruktion 75 mm Luft 25 mm Dämmung 75 mm Gipsplatte 15 mm Abrieb

Dachrand: Kies 30 mm

Bituminöse Abdichtung zweilagig 20 mm Dreischichtplatte 27 mm Hinterlüftung (Gefällsschicht) 120–315 mm Unterdachbahn Folie Holzfaserplatte 16 mm Balkenlage 360 mm OSB­Platte 18 mm

Aufbau Decke über 5. OG: Bodenbelag 20 mm Unterlagsboden 70 mm Trittschalldämmung 20 mm Wärmedämmung EPS 30 mm OSB­Platte 22 mm Hohlkastenelement 280 mm Hohlraum 130 mm Hohlraumbedämpfung (Glaswolle) 50 mm Schüttung 100 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsplatte 18 mm Installationsraum 75 mm Luft 25 mm Dämmung 50 mm Gipsfaserplatte 15 mm Abrieb

Ort Bernapark, 3066 Stettlen Bauherrschaft Bernapark AG, Stettlen Architektur GHZ Architekten, Bern Landschaftsarchitektur Moeri & Partner AG, Bern GU/TU und Bauleitung Implenia Schweiz AG, Bern Bauingenieur Ingenta AG, Bern Holzbauingenieur Timbatec Holzbauingenieure, Bern Brandschutz Amstein + Walthert, Bern Bauphysik Zeugin Bauberatungen AG, Münsingen HLKS­Planung ibe Institut Bau + Energie AG, Bern Elektroplanung SSE Engineering AG, Ostermundigen Holzbau Stuberholz, Schüpfen; Renggli AG, Schötz (Subunternehmer); G. Baumgartner AG, Hagendorn (Fenster); Kühni AG, Ramsei (Parkett); Hager Küchen GmbH, Worb (Küchen); Norma Reiden AG, Reiden (Innentüren)

Materialien Holz (Fichte und Tanne), 1325 m3; OSB 22 mm, 13 377 m2; Faserplatte 15 mm, 102 m3; Dreischichtplatten Fichte/Tanne 27 mm, 5505 m2; Gipsfaserplatte 15/18 mm, 20 703 m2 Baukosten keine Angaben Gebäudegrundfläche nach SIA 416 6474 m2 Geschossfläche nach SIA 416 9418 m2 (oberirdisch Aufstockung Holzbau) Bauzeit August 2019 bis Juli 2021 (Erneuerung Bestand, Neubau, Aufstockung) Fotograf Daniel Sutter, Zürich

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Erneuerung und Aufstockung Mehrfamilienhaus, Vevey

Im Handwerkerquartier La Valsainte in Vevey ist die Erweiterung und Aufstockung eines denkmalgeschützten, aber einfachen Wohnhauses durch seine dunkelrote Farbe unübersehbar. Damit wird der sorgfältig erneuerte Bau zu einem wichtigen Teil des Quartiers, der dieses mit seiner Präsenz stärkt und gleichzeitig in der Tradition der bisherigen Entwicklung steht.

Am Rande der Altstadt von Vevey befindet sich das Wohn- und Handwerkerquartier La Valsainte. Hier liegt auch jenes Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert, das im Laufe der Jahre sein Gesicht wandelte: Aus dem zweistöckigen Einfamilienhaus mit Garten wurde durch mehrere Aufstockungen ein kleines Mehrfamilienhaus mit drei Geschosswohnungen und je einer Galerie, die man zu Veranden umbaute und mit einer historisch wertvollen Holzkonstruktion ergänzte ‒ einer der Gründe, weshalb das Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde. Im Erdgeschoss ist die als Wintergarten genutzte ehemalige Terrasse mit Glasmalereien verziert.

Der äusserst marode Zustand der Liegenschaft mit ihren bescheidenen Wohnungen – ohne Bad oder anderweitige Sanitäranlagen, abgesehen von Gemeinschaftstoiletten auf der Etage – erforderte eine konsequente Erneuerung. Eine Studie zur Abschätzung der Kosten führte zum Entscheid für eine Aufstockung. So liess sich der Umbau finanzieren, ohne die Mieten drastisch zu erhöhen. Da die Überarbeitung des Nutzungsplans noch nicht abgeschlossen war und das Projekt vom Baureglement von 1952 abwich, kam es mit der Fachstelle für Planung und Denkmalpflege zu einem intensiven Austausch. Auch wenn das Gebäude kein wertvolles Baudenkmal ist, zeugt es doch von der handwerklichen Vergangenheit des Quartiers. Die von den Architekturschaffenden entwickelte Lösung erhält nicht nur das Gebäude, sondern verleiht ihm neuen Wert und stärkt seine Präsenz innerhalb des bestehenden Quartiers. Davon liessen sich auch die zuständigen Fachstellen überzeugen.

Die Aufstockung, die den vorhandenen Dachboden ersetzt, besteht aus vorgefertigten Holzelementen: Sie bieten den Vorteil, dass sie sich schnell und trocken montieren lassen. Die Konstruktion ruht auf dicken Mauern mit soliden Fundamenten, wie man sie früher errichtete. Die Erweiterung orientiert sich stark an den vorhandenen Veranden und bewahrt dabei die rhythmische Gliederung der Fenster in den unteren Etagen, die sich bis in die Innenausstattung mit vertikalen Paneelen und Abdeckungen fortsetzt. Die Besonderheit der Fassade, die sich zum begrünten Innenhof hin öffnet, liegt in der Anordnung der Fensterscheiben, die jeder Etage eigen und für die jeweilige Epoche typisch ist. Auch das oberste Geschoss folgt diesem Grundsatz und zeigt sich mit grossflächig verglasten Fenstern. Die geschlossene Brüstung der bestehenden Geschosse wird hier zu einem einfachen Geländer. Die horizontale Ausrichtung der Gesimse zeichnet die Erweiterung aus, die mit ihrem markanten, ochsenblutroten Anstrich auf Elemente der Nachbarschaft wie Schornsteine oder Fensterläden reagiert. Ebenso die Veranden und der Wintergarten, die im selben Farbton gestaltet sind.

Die Galerie der Aufstockung ist Teil der obersten Wohnung. Durch die Ausrichtung der sichtbaren Strukturen an der Decke sowie der Stütze, die den Raum klar unterteilt, wird jedoch ihr Veranda-Charakter angedeutet. Der Grundriss weicht nur geringfügig von dem der unteren Etagen ab, allerdings verfügt jetzt jede Wohnung über ein kleines Bad und eine Küche. Im Erdgeschoss wurde im Garten ein Anbau angefügt, der sich als Schlafzimmer oder Büro nutzen lässt. Mit dem Entscheid für eine vertikale Verdichtung in der Tradition der vorausgehenden Aufstockungen stärkt der bauliche Eingriff das Gebäude als bildhaftes Zeichen für das Quartier.

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10 m Erdgeschoss 1. Obergeschoss 3. Obergeschoss 2. Obergeschoss Schnitt

Detailschnitt

Aufbau Dach: Dacheindeckung aus Kupfer Trennlage 10 mm Unterkonstruktion 27 mm Konterlattung und Belüftung Unterdach 60 mm

Dichtungsbahn Unterkonstruktion 27 mm Tertiärstruktur für die Dachneigung Holzelemente, vorgefertigt, gedämmt, nichttragend Dämmung, Holzfasern 60 mm Rahmen und Dämmung 200 mm Dreischichtplatte als Dampfsperre und Abdichtung 27 mm Unterkonstruktion, sekundär, tragend, Massivholz C24 80/180 mm

Ort Rue du Chablais 8, 1800 Vevey Bauherrschaft privat Architektur Rapin Saiz Architectes, Vevey Bauingenieur Sacao SA, Freiburg Holzbauingenieur Ratio Bois Sàrl, Cuarny Vermessungsingenieur Pierre Bonjour, Pully Holzbau Burgy Sàrl, Denges (Konstruktion); Wider SA, Bussigny (Schreinerarbeiten aussen); La Passion du Bois SA, Belfaux (Schreinerarbeiten innen)

Materialien Fichte (Europa) Baukosten keine Angaben Grundstücksfläche nach SIA 416 502 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 112 m2 Geschossfläche nach SIA 416 487 m2, 76 m2 (Erweiterung/Aufstockung) Gebäudevolumen nach SIA 416 1577 m3, 320 m3 (Erweiterung/ Aufstockung)

Bauzeit Januar 2018 bis April 2019 Fotograf Joël Tettamanti

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Detailschnitt

Aufbau Boden: Bodenbelag 20 mm Estrich 70 mm Schall­ und Wärmedämmung 40 mm Bodenplatte 80 mm Fussboden bestehend

Aufbau Wand: Wandverkleidung innen 12,5 mm Lattung horizontal 60 mm OSB­Platte (Dampfsperre) 15 mm Struktur, gedämmt 200 mm Holzfaserplatte 35 mm Lattung, hinterlüftet 60 mm Holzpaneel, vorgefertigt 60 mm

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Erweiterung von zwei Mehrfamilienhäusern, Lausanne

Das in einem Quartier im Westen Lausannes realisierte Projekt nutzt geschickt den Raum zwischen zwei Häusern, um wertvolle Wohnfläche zu gewinnen. Hinter der Fassade aus glasierten Terrakottafliesen verbirgt sich eine Vollholzstruktur. Trotz der unterschiedlichen Materialität von Bestand und Erweiterung wirkt das neue Ensemble formal als Einheit.

Am Fusse des Parc de Valency, einer der grünen Inseln von Lausanne, erstreckt sich ein Quartier mit etwa 40 kleinen Gebäuden aus den 1930er Jahren fächerförmig über den Hang. Die meisten sind drei- oder vierstöckig und haben ein Walmdach, das teilweise mit Gauben versehen ist. Nur zwei bescheidenere Gebäude auf kleineren Parzellen fallen aus der Reihe. Als das Baureglement in den 1990er Jahren erlassen wurde, ging man davon aus, dass die Häuser abgerissen und die Parzellen zugunsten der Errichtung eines einzigen Baukörpers zusammengelegt würden. Diese Lücke im Quartierplan ergab eine kleine Bauzone zwischen den Häusern. Die beiden Eigentümer konnten somit ein gemeinsames Projekt entwickeln, um den verfügbaren Raum anders zu nutzen.

Ursprünglich umfassten die beiden Gebäude insgesamt sechs Dreizimmerwohnungen.

Durch die Erweiterung, welche die beiden Volumen verbindet, liessen sie sich flexibler und mit mehr Wohnfläche gestalten. Der jetzt ausgebaute Dachboden eines der beiden Häuser bildet heute die siebte Wohnung. Das zweite Haus verfügt hingegen weiterhin über einen Estrich. Die unterschiedliche Geschosshöhe der beiden Gebäude löst sich im Zwischenbau

auf: Er ist durch die Brandmauer in zwei gleiche Hälften unterteilt. Dabei wird der Höhenunterschied an der Fassade sichtbar. Diese betont durch ihre Andersartigkeit zwar den Eingriff, bleibt durch die leichte Zurücksetzung gegenüber den ursprünglichen Baukörpern aber sehr diskret.

Innen unterstreicht die Gestaltung die bauliche Veränderung. Die ausgewählten Materialien und Farben harmonieren dabei mit der Vielfalt der Räume. In der Erweiterung von Haus Nummer 5 wandeln in den einzelnen Geschossen jeweils ein Schlafzimmer, eine Küche bzw. ein mehrfach nutzbarer Raum die Dreizimmerin 4 ½-Zimmer-Wohnungen um. Im Bestand ersetzt ein zusätzlicher Raum die alte Küche und schafft so Platz für ein grösseres Wohnzimmer auf der Südseite. Böden, Türen, Heizkörper und Hohlkehlen an den Oberkanten der Wände, wie sie in Lausanne in den 1930er Jahren typisch waren, blieben erhalten. Eine Enfilade verbindet Wohnzimmer, Esszimmer und die Erweiterung, wofür man die ursprüngliche Fassade durchbrach. Die neue Küche wird dadurch Teil des Lebensraums. Die Gestaltung von zwei der drei Badezimmer ist aussergewöhnlich: Das eine weist eine gebogene Wandscheibe aus Metall und ein Bullauge auf, das sich zum Esszimmer und weiter zum Garten öffnet. Für das andere liessen sich die Architekturschaffenden von japanischen Bädern inspirieren – es verfügt über TerrazzoBecken, wobei eine schmale, tiefe Wanne zenital beleuchtet ist.

Im Haus Nummer 3 trennte sich während der Bauarbeiten eines der Eigentümerpaare. Um eine gewisse familiäre Stabilität zu wahren,

entschieden sich die Eltern für eine auf das CoParenting zugeschnittene räumliche Lösung: Die Wohnungen der beiden Elternteile liegen nah beieinander, sind jeweils unabhängig, aber durch die Zimmer der Kinder miteinander verbunden. Um diese Autonomie der Räume zu verwirklichen, mussten zwei Treppen anstelle von nur einer errichtet werden. Ein Elternteil bewohnt einen Teil des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses, der andere die zweite Etage und das Dachgeschoss. Die Kinder wiederum verfügen über ihr eigenes Zimmer und einen Spielbereich im zweiten Stock. Je eine Tür zur Seite der Mutter und zur Seite des Vaters ermöglicht eine alternierende Betreuung. Diese eher ungewöhnliche Lösung bietet viel Flexibilität, sollte sich die Situation wieder einmal ändern: Der Kinderbereich liesse sich an eine der beiden Wohnungen angliedern oder könnte auch völlig eigenständig gestaltet werden.

Die Materialgestaltung der Fassade mit den in Grüntönen glasierten Terrakottafliesen soll den Charakter der beiden ursprünglichen Baukörper wahren und zugleich dem Zwischenbau eine klare, sachliche Identität verleihen. Trotz der umfassenden Renovation mit zahlreichen Veränderungen insbesondere im Dachbereich bleibt der ursprüngliche Charakter der beiden Häuser erhalten. Der Umbau bietet angesichts der Möglichkeiten zur Veränderung von Immobilien eine überraschende Antwort auf die Entwicklung der Gesellschaft.

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20 m Schnitt

Ort Chemin du Risoux 3 und 5, 1004 Lausanne Bauherrschaft privat Architektur Biolley Pollini Architectes, Lausanne, und M-AP architectes, Lausanne Bauingenieur Gex & Dorthe ingénieurs consultants Sàrl, Bulle

Holzbauingenieur Schaerholzbau AG, Altbüron Vermessungsingenieur Renaud et Burnand SA, Lausanne Holzbau Schaerholzbau AG, Altbüron Materialien Brettschichtholz 24 m3, Brettsperrholz 5,2 m3, Dreischichtplatten (Sicht) 490 m2, Dreischichtplatten (Industrie) 27 m2, Schalung (Industrie) 135 m2, OSB-Platten 12 m2

Baukosten BKP 1–9 CHF 2,35 Mio. inkl. MWST Baukosten BKP 2 CHF 2,16 Mio. inkl. MWST Baukosten BKP 214 CHF 265 000.– inkl. MWST

Grundstücksfläche nach SIA 416 1013 m2

Gebäudegrundfläche nach SIA 416 295 m2 Geschossfläche nach SIA 416 900 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 3570 m3 Bauzeit Dezember 2019 bis Januar 2021 Fotos Daniela & Tonatiuh, Penthalaz

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2.
Dachgeschoss
Erdgeschoss 1. Obergeschoss
Obergeschoss

Aufbau Dach, begrünt: Substrat 100 mm Filtermatte Wasserrückhaltung 40 mm Schutzmatte Abdichtung, zweilagig Dämmung im Gefälle, 180–120 mm Dampfbremse OSB­Platte 16 mm Kies zur Beschwerung 120 mm Balken, Tanne 120 x 200 mm Dreischichtplatte, Tanne 33 mm

Aufbau Aussenwand: Terrakottafliesen, glasiert 12 mm Unterkonstruktion 15 mm Hohlraum für Belüftung 30 mm Windschutzfolie Mineralwolle 80 mm Dreischichtplatte, Tanne 22 mm Zellulosefaserdämmung 240 mm Stütze, Tanne 60 x 240 mm Dreischichtplatte, Tanne 33 mm

Aufbau Decke: Zementestrich 80 mm Mineralwolle 40 mm Kies 50 mm Kies zur Beschwerung 140 mm Balken, Tanne 140 x 200 mm Dreischichtplatten, Tanne 33 mm

Aufbau Boden gegen Keller: Zementestrich 80 mm Mineralwolle 40 mm Dämmung EPS 160 mm Betondecke 200 mm

Detailschnitt gegen Süden

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-
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Fachliteratur HOLZ

Holzmustersammlung Lignum Art.-Nr. 55002, 20 Holzmuster 12 x 7 cm in Holzbehälter mit Informationsbroschüre

Ahorn (Acer pseudoplatanus), Europa; Arve (Pinus cembra), Europa; Birke (Betula pendula), Europa; Birnbaum (Pyrus communis) gedämpft, Europa; Buche (Fagus sylvatica) gedämpft, Europa; Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Europa; Edelkastanie (Castanea sativa), Europa; Eiche (Quercus robur), Europa; Esche (Fraxinus excelsior), Europa; Fichte (Picea abies), Europa; Föhre (Pinus sylvestris), Europa; Hagebuche (Carpinus betulus), Europa; Hemlock (Tsuga heterophylla), Nordamerika; Kirschbaum (Prunus avium), Europa; Lärche (Larix decidua), Europa; Linde (Tilia platyphyllos), Europa; Nussbaum (Juglans regia), Europa; Pappel (Populus canescens), Europa; Tanne (Abies alba), Europa; Ulme (Ulmus glabra) gedämpft, Europa

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Gesamtausgabe Lignum­Dokumentation Brandschutz 2015 (10 Teile)

Art.-Nr. 17030, 2021, A4, teils farbig, teils s/w; 2 schwarze Ordner mit Rückenschild, 1 Karton-Sachregister

Holzbautabellen HBT 1 | 2021 Handbuch für die Bemessung Art.-Nr. 14070, Ausgabe 2021, 1. Auflage, nach revidierter Norm SIA 265 (2021) Holzbau, A4, s/w, 136 Seiten, Hardcover

transparentem Schiebedeckel und eingelegter dreisprachiger Informationsbroschüre (dfe). Alle Holzmuster mit Baumsilhouette und dreisprachiger Beschriftung auf der Vorderseite.

Qualitätskriterien für Holz und Holzwerkstoffe im Bau und Ausbau – Handelsgebräuche für die Schweiz, Ausgabe 2021 Art.-Nr.15022, Format A4+, 140 Seiten, farbig, Vierfachlochung

Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno

Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, Dezember 2022

Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

Die Herausgabe des Lignum-Holzbulletins wird vom Bundesamt für Umwelt im Rahmen des Aktionsplans Holz 2021 – 2023 unterstützt.

Redaktion Jutta Glanzmann, Lignum, sowie Ariane Joyet, Lignum-Cedotec

Gestaltung BN Graphics, Zürich

Druck Kalt Medien AG, Zug

Administration, Abonnemente, Versand Lignum, Zürich

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.–Einzelexemplar CHF 20.–

Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.–Sammelordner leer CHF 10.–Preisänderungen vorbehalten.

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