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Holzbulletin 130/2019 Fassaden in Holz Teilgebiet A im Freilager Albisrieden, Zürich Apartmenthaus ‹Wolf›, Andermatt ‹55 Rigaud›, Chêne-Bougeries Überbauung Areal Gerbi, Willisau Wohnüberbauung Neudorfstrasse-Fluhweg, Wädenswil Wohnüberbauung Tièchestrasse, Zürich

Die Fassade des ‹Rigaud 55› in Chêne-Bougeries besteht aus einer Lattung aus natürlich vorvergrautem Tannenholz und fasst die kleinen Gebäudekörper zu einem einzigen Volumen zusammen. Architektur: Bonhôte Zapata architectes sa, Genf


Holz – sichtbar gemacht Nicht jedes Haus aus Holz wird von aussen auch als solches wahrgenommen. Ganz anders die Objekte, die wir Ihnen in diesem Heft vorstellen. Das Spektrum der realisierten Holzfassaden reicht vom Freilager-Areal in Zürich, wo drei sechsgeschossige Holzhäuser mitten in der Stadt stehen, über das Wohnprojekt ‹Rigaud 55› in Chêne-Bougeries mit einer lichtdurchlässigen Haut aus Holz, die tagsüber und nachts ein Schattenspiel entstehen lässt, bis zur Wohnüber­bauung Neudorfstrasse-Fluhweg in Wädenswil: Dort wird die rot eingefärbte Fassade partiell sogar Teil der Tragstruktur. Die in dieser Ausgabe versammelten Objekte sind Teil der rund 400 Bauten, die Roland Brunner in knapp 16 Jahren Kreation und Umsetzung in 63 Ausgaben des Holzbulletins mit 2000 Seiten Umfang sowie in fünf Spezialausgaben vorgestellt hat. Da er nun wieder selber bauen will, zieht er weiter: auf die Bauherrenseite im öffentlichen Dienst. Für sein Engagement für das Holzbulletin danken wir Roland Brunner herzlich. Als Architektin und Fachjournalistin freue ich mich sehr, für die künftigen Holzbulletins der Lignum verantwortlich zu zeichnen. Das Material Holz hat mich bereits in meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit begleitet: sei es als Autorin von Fachartikeln oder Büchern zum Thema wie ‹Holzbau – mehrgeschossig› oder ‹Haus 2050›. Denn Holz ist ein faszinierendes Material – technisch, architektonisch, aber auch im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunft. Das zeigt einmal mehr diese Ausgabe des Holzbulletins. In diesem Sinne freue ich mich auf mehr und wünsche Ihnen eine gute Lektüre!

Jutta Glanzmann Technische Kommunikation Lignum

Teilgebiet A im Freilager Albisrieden, Zürich Zwischen 2013 und 2016 realisierte die Zürcher Freilager AG die Arealüberbauung auf der 70 500 m2 grossen Fläche mit verschiedenen Quartierteilen. Das Herzstück bildet die Marktgasse – der historische Teil mit den Gründerbauten aus den zwanziger Jahren. Die Betonbauten der Rautitürme (A1–A3) bieten eine atemberaubende Aussicht; die Langhäuser (A5–A7) bestechen mit ökologischem Holzbau. Für die Langhäuser bildet das konstruktive Konzept des stattlichen Holzbaus, aufgebaut auf einem Achsmass von 3,35 m, die Aus­ gangslage der Wohnungsstruktur und damit der Wohnungsgrundrisse. Als Zweispänner, links und rechts der inneren Betontürme, sta­ peln sich auf sechs Geschossen mit immer gleichen, übereinanderliegenden vorfabrizier­ ten Elementen die Wohnungen. Transport­ fähige, wirtschaftliche Holzdimensionen be­ stimmen die Spannweiten der Elemente und damit die Raumgrössen der Wohnungen. Innerhalb des Betonkerns übernehmen gross­ zügige Schächte die primäre Versorgung der Wohneinheiten mit den notwendigen techni­ schen Installationen. 3,43 m hohe Räume zeichnen zusammen mit dem direkten Aussen­ raumbezug die Erdgeschosswohnungen aus. Die Individualität der Grundrisse drückt sich über die mehrfache Lesart, die vielfache Nütz­ lichkeit und Brauchbarkeit aus.

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Dem Rhythmus der Fassade der Langhäuser A5 und A6 folgend, ist immer einer Zelle von 15 m2 ein Fenster zugeordnet. Für das Woh­ nen, das Essen und die Küche ist eine Ver­ doppelung, für die Nassräume eine Halbierung der Zelle das lapidare Teilungsprinzip der Wohnungsstruktur. Durch Hinzufügen oder Weglassen einer Einheit entstehen unter­ schiedliche Wohnungsgrössen. Zwischen den Kernen variiert die Zellenanzahl zwischen drei und fünf Einheiten. Mittelpunkt der Woh­ nung ist die vielfältig nutzbare zentrale Halle. In Verbindung mit den angrenzenden Räumen entsteht bei geöffneten Türen ein ‹gekam­ merter Durchwohntyp›. Nach Südosten, mit kleiner Veranda, erhellen und erwärmen breite Fenster die Zimmer; nach Nordwesten, mit tiefer Veranda, sind es schmale, hohe Fenster, welche dem Innenraum mehr Privatsphäre zugestehen. Im Unterschied zu A5 und A6 entfallen im Langhaus A7 die hallentrennenden Wände. Die Tragstruktur liegt quer zum Haus. Von Fassade zu Fassade spannt sich ein langer, 50 m2 gro­ sser Raum. Die Halle ist nunmehr die Woh­ nung selbst. Die Tiefe des Raumes bietet Wohn- und Arbeitsraum unterschied­licher Be­ lichtung an. Beide Fassadenseiten stehen in direkter Beziehung zueinander. Doppelflüglige Türen vermitteln direkt und korridorlos in die angrenzenden Zimmer. Bei geöffneten Türen werden Diagonalbezüge geschaffen.

Im Teilgebiet A werden die drei Holz-Lang­ häuser von drei hohen Häusern in Beton be­ gleitet. Sie sind durch ihre robuste Materialität stark geortet und ergänzen die Leichtigkeit der Langhäuser stimmungsvoll. Innerhalb der 600 m2 Grundfläche sind um den massiven Betonkern in den Obergeschossen je fünf Wohnungen und in den Erdgeschossen Dienst­ leistungsflächen angeordnet. Neben den statischen Anforderungen sind im Kern alle versorgenden haustechnischen Installationen sowie die Erschliessung kompakt organisiert. Neben dem tragenden Kern und den tragen­ den Fassaden sind alle Innenwände nicht­ tragend ausgebildet, so dass auf veränderte Anforderungen reagiert werden kann. Vier Wohnungen profitieren von den Über-Eck-Situ­ ationen; eine Wohnung ist jeweils monoorien­ tiert. Beeinflusst durch die gestaltgebenden auskragenden Balkone unterscheiden sich die Stockwerkwohnungen neben ihrer Ausrichtung durch unterschiedliche Belichtung und Be­ schattung. Während in beiden Wohntürmen die ost- und westorientierten Wohnungen über eingezogene, windgeschützte Loggien verfügen, sind alle südorientierten Wohnun­ gen mit offenen Balkonen versehen.


Situation

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Erdgeschoss

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40 m


1. Obergeschoss

11.–12. Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 128–328 mm Schutzschicht 20 mm Wasserdichtung Gefällsdämmung 10–190 mm Dämmung 140 mm Dampfsperre Rippenelement: OSB-3 22 mm Rippen 220 mm Installationshohlraum 68 mm Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 15 mm

Aufbau Decke von oben über UG: Parkett in Eiche 15 mm Anhydritboden 53 mm mit Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 27 mm Gebundene Schüttung 30 mm Betondecke 250 mm Dämmung 200 mm

Aufbau Dachrand von oben: Tropfblech in Aluminium, dunkelbraun beschichtet Stirnbrett in Weisstanne 24 mm, sägeroh, druckimprägniert und geölt Montageholz 60 x 150 mm Kieskoffer 59–105 mm Schutzschicht 20 mm Wasserdichtung Dämmung 40 mm Brettsperrholz 94 mm, lasiert Brettschichtholz in Weisstanne 120 x 645–687 mm, druckimprägniert und geölt Stirnbrett zu Träger in Weisstanne 24 mm, druckimprägniert und geölt

Stützen Veranda im 1.–4. OG: Brettschichtholz in Weisstanne, rund mit Durchmesser 140 mm, druckimprägniert und geölt

Deckenaufbau von oben: Parkett in Eiche 15 mm Anhydritboden 53 mm mit Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 27 mm Gebundene Schüttung 30 mm OSB 15 mm Brettstapel 180 mm Gipsfaserplatte 18 mm Installationshohlraum 50 mm Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 15 mm

Aufbau Veranda von oben: Tropfblech in Aluminium, dunkelbraun beschichtet Stirnbrett in Weisstanne 24 mm, sägeroh, druckimprägniert und geölt Bodendielen in Weisstanne 27 mm, druckimprägniert und geölt Lattung 27 mm Schiftung 51–81 mm Elastomerlager 20 mm Wasserdichtung Dämmkeil Brettsperrholz 94 mm, lasiert Brettschichtholz in Weisstanne 140 x 236–266 mm, druckimprägniert und geölt Stirnbrett zu Träger in Weisstanne 24 mm, druckimprägniert und geölt

Aufbau Aussenwand von aussen: Fassadenkassetten in Weisstanne 22 mm, druckimprägniert und geölt Lattung 33 mm Fassadenfolie Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 360 mm/Dämmung OSB 15 mm, luftdicht abgeklebt Gipsfaserplatte 18 mm

Stützen Veranda im 5. OG: Brettschichtholz in Weisstanne, rund mit Durchmesser 120 mm, druckimprägniert und geölt

Stützen Veranda im EG: Brettschichtholz in Weisstanne, rund mit Durchmesser 160 mm, druckimprägniert und geölt Trennwand Veranda: Rahmen in Weisstanne 50 x 60 mm, druckimprägniert und geölt Schalung Nut und Kamm für Füllung in Weisstanne 22 mm, druck­imprägniert und geölt

Konstruktionsschnitt

Konstruktionsschnitt

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Ort Rautistrasse 55, 61, 67 (Hochhäuser), Flurstrasse 80/82/84/86/88, 70/72/74/76, 50/52/54/56/58/60 (Langhäuser), 8047 Zürich Bauherrschaft Zürcher Freilager AG, Zürich Architektur Rolf Mühlethaler Architekt BSA SIA, Bern; Mitarbeit: Thomas Moser (Projektleiter), Chantal Amberg, Roberto Couceiro, Reni Dähler, Etienne Geissmann, Julia Grommas, Marion Heinzmann, Michael Jäggi, Wolfgang Kessler, Pascal Knapp, Bianca Kummer, Simone Nina Kraus, Pascal Kraut, Kerstin Maurer, Ulrich Meuter, Manon Muller, Derya Sancar, Nadja Schaffer, Sandra Stein, Thomas Summermatter, Thomas Waeber, Simon Wiederkehr, Jonas von Wartburg Landschaftsarchitekt Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich Bauingenieur Ingenta AG, Bern Bauphysik, HLKS-Planer und Elektroingenieur Amstein + Walthert AG, Zürich Holzbauingenieur Indermühle Bauingenieure, Thun Totalunternehmer Allreal Generalunternehmung AG, Zürich Holzbau Renggli AG, Schötz Geschossfläche SIA 416 60 660 m2 (total), 24 090 m3 (Hochhäuser A1–A3 mit UG), 28 080 m3 (Langhäuser A5–A7 mit UG), 8490 m3 (restliche Untergeschosse und Einstellhallen) Gebäudevolumen SIA 416 200 540 m3 (total), 77 720 m3 (Hochhäuser A1–A3 mit UG), 94 460 m3 (Langhäuser A5–A7 mit UG), 28 363 m3 (restliche Untergeschosse und Einstellhallen) Fotografie Alexander Gempeler, Bern

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Apartmenthaus ‹Wolf›, Andermatt Das Bergdorf Andermatt hat sich in den letzten Jahren zur Ganzjahresdestination entwickelt: Apartmenthäuser, Hotels und Chalets sind entstanden. Das Haus ‹Wolf› ist Teil des in diesem Rahmen neu entstandenen Dorfteils ‹Andermatt Reuss›. Ebenfalls bereits realisiert wurden ein Schwimmbad, Kongressräume und ein Golfplatz. Die dem Haus ‹Wolf› benachbarten Bauten stehen wie in einem Bergdorf üblich dicht nebeneinander und bilden Gassen mit viel­ schichtigen räumlichen Qualitäten. Hier, in­ mitten der Bebauung, befindet sich das Haus ‹Wolf› gegenüber den ‹Gotthard Residences› und dem neuen ‹Radisson Blu Reussen›-Hotel. Es steht auf einem Infrastrukturbau, in wel­ chem unterirdisch die Parkplätze und die Tech­ niknutzung untergebracht sind. Die Grundform des Apartmenthauses ‹Wolf› mit Erdgeschoss, fünf Obergeschossen und einem Dachgeschoss entwickelt sich aus der Lage an der Piazza Gottardo sowie der Aus­

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richtung der Wohnungen. Das leicht auskra­ gende Dach folgt der Grundform und ver­ stärkt die skulp­turale Wirkung des Baukörpers. Die Lage direkt an der Piazza sorgt für viel Licht und ermöglicht den Ausblick auf die um­ liegende Natur. Im Sockelgeschoss schafft ein Verkaufsladen mit grossen Schaufensterverglasungen den Bezug zur Fussgängerebene. In den Ober­ geschossen befinden sich jeweils eine 2½-Zim­ mer-, eine 3½-Zimmer- sowie zwei 4½-Zim­ mer-Wohnungen. Diese bieten einen hohen Wohnkomfort. Der Eingangsbereich ist gross­ zügig gestaltet und führt in das offene WohnEsszimmer, das mehrseitig verglast ist. Im fünften Ober- und im Dachgeschoss er­ gänzen Maisonettewohnungen das Angebot. Durch eine wohnungsinterne Treppe erreicht man die Galerie, von welcher der zweige­ schossige Raum erlebt werden kann. Unter dem Dach sind auch die zugehörigen Schlaf­ zimmer angeordnet, die über Lukarnen be­ lichtet werden. Alle Wohnungen verfügen

über einen eigenen Aussenraum, nämlich ent­ weder über Loggien im Nordwesten oder einen Balkon im Süden. Der Gebäudekörper ist gegliedert durch einen Sockel aus sandgestrahltem Sichtbeton mit beigemischtem Jurakalk, die Holzfassade der oberen Geschosse sowie das Steildach. Die hinterlüftete Fassade ist mit naturbelassenen Lärchenschindeln eingekleidet. Eine Metallzar­ ge fasst die grossformatigen Holz-Metall-Fens­ ter ein; ein festes Metallelement mit ausgela­ serten Ornamenten bringt eine schöne Lichtstimmung in das Gebäudeinnere. Die Bodenplatte, die Umfassungswände in Keller und Einstellhalle, einzelne Stützen sowie ab dem Erdgeschoss sämtliche Geschoss­ decken und Aussenwände sind in Stahlbeton ausgeführt. Die Innenwände bestehen aus Backsteinmauerwerk; die Wohnungstrennwände und Wände zum Treppenhaus sind ein­ schalig aus Beton aufgebaut. Das Hauptdach ist als Zimmermannskonstruktion in Holz mit dazwischen liegender Wärmedämmung von


Lageplan

240 mm erstellt und innen mit weiss lasiertem Täfer bekleidet. Von innen wie aussen ist das Dachtragwerk nahezu unsichtbar. Die Last­ abtragung erfolgt fast ausschliesslich über die Aussenwände, da die Innenwände zugunsten der freien Innenraumgestaltung nicht dafür herangezogen werden durften. Angesichts der Lage auf 1450 Meter und der entsprechenden Schneelasten entstand ein Dach mit spannen­ den ingenieurtechnischen Herausforderungen. Eine weitere Herausforderung stellte die Schin­ delfassade aus Lärchenholz dar, da für eine fünfgeschossige Ausführung keine Anhaltspunk­ te zum Brandverhalten existierten. Im Rahmen der Holzbauplanung wurde die Schindelfas­ sade in der Höhe von 5 m nachgebildet und unter kontrollierten Bedingungen einem Brandversuch unterzogen. Dank diesem Ver­ such konnte man der Brandschutzbehörde aufzeigen, dass die Schutzziele für diese Fas­ sade erreicht werden.

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Querschnitt

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Längsschnitt

10 m


Erdgeschoss

1.–4. Obergeschoss

0

1

2

3

4

5

10

5. Obergeschoss

Dachgeschoss

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Aufbau Aussenwand von aussen: Dreifachdeckung mit Schindel in Lärche 3 x 6 mm Schalung Nut und Kamm 27 mm Lattung horizontal 30 mm Lattung vertikal 30 mm Windpapier Lattung 80 mm/Dämmung SP > 1000 °C und Rohdichte > 40 kg/m3 Lattung 140 mm/Dämmung SP > 1000 °C und Rohdichte > 40 kg/m3 Stahlbeton 180 mm

Horizontal- und Vertikalschnitt Fenster

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Ort Gütschgasse 6, Eiboden, 6490 Andermatt Bauherrschaft Saschi Immobilien AG, Andermatt Totalunternehmer Schmid Generalunternehmung AG, Ebikon Architektur Müller Sigrist Architekten AG, Zürich Bauingenieur Brigger + Käch Bauingenieure AG, Luzern Holzbauingenieur Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich Holzbau Bucher Holzbau AG, Kerns (Dachkonstruktion in Holzelementen) sowie ARGE Gotthard Holzbau GmbH, Flüelen, und Otto Schuler Holzbau GmbH, Schattdorf (Holzschindelfassade) Materialien Balkenschichtholz und Brettschichtholz für Dach 208 m3, geschindelte Fassade 1100 m2 Netto-Wohnfläche 1664 m2 Netto-Gewerbefläche 799 m2 Geschossfläche SIA 416 3145 m2 Gebäudevolumen SIA 416 10 965 m3 Bauzeit/Baujahr April 2016–Dezember 2017 Fotografie Alfons Gut, Horw

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‹Rigaud 55›, Chêne-Bougeries Das Projekt ‹Rigaud 55› trägt dazu bei, die Peripherie der Stadt Genf zu verdichten. Es präsentiert sich als Abfolge von sechs gross-volumigen Häusern, deren Dimension und Anordnung einen sanften Übergang zwischen der Einfamilienhauszone und den kleinen Wohnblöcken auf der Südseite bilden. Dazu nutzt ‹Rigaud 55› geschickt den Spielraum des Gestaltungsplans aus, welcher hier eigentlich nur einen einfachen Wohnblock vorsah. Hervorgegangen ist das Projekt aus einem Wettbewerb im Präqualifikationsverfahren un­ ter Wohnbaugenossenschaften und Architek­ turbüros. Durchgeführt hat ihn die Gemeinde Chêne-Bougeries, welche auch das Land im Baurecht zur Verfügung stellte. Schliesslich war es das gemeinsame Projekt der Wohn­ baugenossenschaft Codha, Coopérative de l’habitat associatif, und des Architekturbüros Bonhôte Zapata architecte SA, welches die Jury 2011 zu überzeugen vermochte. Die einzelnen Gebäude sind leicht gegenein­ ander versetzt. Das ermöglicht einerseits eine Aufwertung ihrer unmittelbaren Umgebung,

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andererseits lässt sich dadurch auch der Ge­ gensatz zwischen Vorder- und Rückseite reduzieren. Die Anordnung der drei ersten Gebäude gegen die Strasse hin schafft einen Eingangsbereich mit Zugang zu einer Kinder­ tagesstätte, zu Werkstätten und zu einer Reihe von Ladengeschäften. Auf der Südseite umrahmt der Bau einen geschützten, sonni­gen Raum für den Kindergarten. Auf der Nordseite besteht die Umgebung der Häuser aus privaten Gärten. Mit seinen zahlreichen Gemeinschaftsräumen und -plätzen konkretisiert sich im Projekt ‹Rigaud 55› eine ganz bestimmte Vorstellung des genossenschaftlichen Zusammenlebens, wie es die Bauherrschaft anstrebt. Die vierge­ schossigen Baukörper verfügen auf jedem Geschoss über zwei bis vier Wohnungen. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über Aussentreppen mit grossen, gedeckten Trep­ penabsätzen. Diese dienen aufgrund ihrer Dimensionen als zusätzliche Nutzflächen und fördern den Austausch unter den Bewoh­ nerinnen und Bewohnern. Das gesamte Pro­ jekt umfasst 48 Drei- bis Sechs-ZimmerWohnungen sowie eine Clusterwohnung mit

elf Einzelzimmern, welche um eine geräumige Küche, einen Gemeinschaftsraum und ein Gästezimmer herum angeordnet sind. Im Erdgeschoss werden die grossen Treppen­ absätze zu Durchgängen zwischen Vorder- und Rückseite und fördern so die Durchlässigkeit jedes Hauses. Zum Projekt gehören zudem drei weitere Gästezimmer, drei Geschäfts­ räume, ein Gemeinschaftsraum, gemeinsame Waschküchen, eine Kinderkrippe für 32 Kinder sowie eine Tiefgarage für 58 Fahrzeuge. Die Aussenanlagen, wie zum Beispiel der Permakultur-Gemüsegarten, werden vom Be­ wohnerverein ‹L’Armoise› betrieben. Zurzeit entsteht auf Initiative einer Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern in einem Bogen­ gang im Erdgeschoss ein gemeinschaftlicher Arbeitsraum. In der Gebäudestruktur vereinigen sich Re­ cyclingbeton, Backstein und Holz. Für die Materialisierung der Fassade erhielt das Holz Vorrang. Sie besteht aus einer Lattung aus natürlich vorvergrautem Tannenholz und schliesst die sechs kleinen Gebäudekörper mit den Treppenabsätzen und den Balkonen zu einem einzigen Volumen zusammen.


Die Satteldächer markieren die verschiedenen Gebäude. Die dreifach verglasten Fenster sind aus Holz und Metall und mit speziell angefertigten Klappläden versehen. Besonderes Augenmerk erhielten die Wände der Treppenabsätze, wo weisse Kacheln das Tageslicht in den Raum werfen. Der Bau entspricht den Anforderungen des Minergie-P-Eco-Standards, wobei eine Erd­ sonden-Wärmepumpe die Wärmeerzeugung übernimmt. Die Abgabe und die Entnahme der Wärme erfolgen über die Fussböden. Hybridkollektoren auf dem Dach liefern das Brauchwarmwasser und den Strom für die Überbauung. Dank der hohen Gebäudeeffi­ zienz und dem Einsatz erneuerbarer Energien ermöglicht das ehrgeizige Projekt sehr tiefe Betriebskosten.

Situation

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Ort 55 rue Jean Jacques Rigaud, 1224 Chêne-Bougeries Bauherrschaft Codha, Coopérative de lHabitat Associatif, Genf Architektur und Bauleitung Bonhôte Zapata architectes sa, Genf; Mitarbeit: Philippe Bonhôte, Julia Zapata, Mathieu Rouillon, Adriatik Mulaj, Claire Dreuder Bau- und Holzbauingenieur BG Ingénieurs Conseils SA, Vernier HL-Ingenieur Conti & Associés Ingénieurs SA, Versoix Sanitär-Ingenieur Ryser Eco Sàrl, Lancy Elektro-Ingenieur PSA Bureau dIngénieurs Conseils SA, Genf Landschaftsplaner La Touche Verte Sàrl, Genf Bauakustik Architecture et Acoustique SA, Genf Brandschutzingenieur MDEngineering SA, Carouge Holzbau Dasta Charpentes Bois SA, Plan-les-Ouates Materialien Fassadenverkleidung mit dem Herkunftszeichen Schweizer Holz 1880 m2 (davon 700 m2 durchbrochen) Baukosten BKP 1–9 CHF 25,8 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 23,3 Mio. davon BKP 214 CHF 1,3 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 8645 m2 Geschossfläche SIA 416 8438 m2 Gebäudevolumen SIA 416 37 600 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 620.– Bauzeit/Baujahr März 2015–September 2017 Fotograf Johannes Marburg, Genf und Bonhôte Zapata architectes sa, Genf

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Schnitte

5

20 m

0

10m

2

5

10m

Erdgeschoss

Regelgeschoss

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Dachaufbau von aussen: Zementfaserplatte 8 mm Hybride Sonnenpaneele Lattung 60 mm Lattung 50 mm Wasserdichtung Holzfaserdämmplatte 60 mm Sparren 220 mm/Dämmung Dämmung 100 mm Dampfbremse Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Bekleidung Balkone: Lamellen in Tanne 25 x 60 mm Lattung horizontal 27 mm Lattung vertikal 80 mm Glasbrüstung Stoffmarkise Deckenaufbau von oben: Parkett in Eiche 8 mm Zementunterlagsboden 80 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 2 x 20 mm Stahlbeton 240 mm Gipsputz 10 mm Aufbau Aussenwand von aussen: Lamellen in Tanne 25 x 60 mm Lattung horizontal 27 mm Winddichtungsbahn Dämmung 300–340 mm Stahlbeton 180 mm Gipsputz 10 mm

Fassadenschnitt

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Überbauung Areal Gerbi, Willisau Wachstum nach innen und ein schonender Umgang mit den vorhandenen Landreserven, um der Zersiedelung entgegenzuwirken: Nach diesem Grundsatz verdichteter Bauweise rea­ lisierten die Architekten auf dem Gerbi-Areal in Willisau eine nachhaltige und zeitgemässe Überbauung. Die Überbauung fügt sich gut in die gebaute Umgebung ein und setzt dennoch ein markan­ tes städtebauliches Zeichen. Die Mieter und Eigentümer geniessen sämtliche Vorteile der zentralen Lage in unmittelbarer Nähe zum Städtchen Willisau wie Einkaufsmöglichkeiten und Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Das Überbauungskonzept lässt die drei Gebäu­ de zu einer funktionalen Einheit zusammen­ wachsen. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Umgebungsgestaltung geschenkt. Der

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grosszügig gestaltete Innenhof bildet dabei das zentrale Element: Er ist Gemeinschafts- und Spielplatz zugleich und bietet viele Möglichkei­ ten für Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten. Die Wohnungen sind grosszügig und offen organisiert. Die eingezogenen Terrassen bieten dabei einen maximalen Schutz der Privats­ phäre. Um den unterschiedlichen Ansprüchen der Mieterschaft gerecht zu werden, bietet die neue Überbauung Wohnungen mit unter­ schiedlichen Flächen an. Total wurden 48 Miet­ wohnungen realisiert. Entlang dem kleinen Bach Buchwigger sind zudem zwölf attraktive und grosszügige Eigentumswohnungen ent­ standen. Alle Wohnungen sind bequem über die zweigeschossige Einstellhalle mit insgesamt 97 Parkplätzen erschlossen. Weiter werden entlang dem Bahnhofplatz und der Ostergau­

erstrasse im Erdgeschoss an bester Lage rund 680 m2 Gewerbeflächen für Dienstleistungs­ betriebe angeboten. Die sorgfältige und nachhaltige Materialisie­ rung der Fassade aus heimischer Weisstanne verstärkt die Wohnlichkeit der Überbauung Gerbi und setzt ein charaktervolles Zeichen. Durch die unterschiedliche Profilierung der vorvergrauten Holzlamellen entsteht ein span­ nendes Wechselspiel zwischen Licht und Schatten. Die Überbauung Gerbi wurde nach dem Miner­ giestandard realisiert und zertifiziert. Die Bau­ herrschaft entschied sich für eine effiziente und umweltfreundliche Energieerzeugung mittels Grundwasserwärmepumpe und Fotovoltaikan­ lage. Die kontrollierte Lüftung garantiert einen hohen Wohnkomfort.


Haus A

Haus C

Haus B

Situation

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2. Untergeschoss

4. Obergeschoss und Attika Haus B

Erdgeschoss

Attika Haus A

1.–3. Obergeschoss

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0 1 2 3 4 5

0 1 2 3 4 5

Schnitt Haus A

10

10

Schnitt Häuser C und B

20 m

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Aufbau Aussenwand von aussen: Holzschalung 24 mm beim Fensterband Holzschalung 100 mm beim Brüstungsband Lattung horizontal 30 mm Fassadenbahn Lattung horizontal 80 mm/Dämmung Lattung vertikal 100 mm/Dämmung Backstein und Beton 180 mm Grundputz und Abrieb 15 mm

Ort Bahnhofplatz 9a/9b/10/11, 6130 Willisau Bauherrschaft EG Landi, Willisau, Pius und Sonja Lustenberger, Willisau, und ABI AG, Willisau Architektur und Bauleitung Baureag Architekten AG, Willisau Landschaftsarchitektur Freiraumarchitektur GmbH, Luzern Farbberatung Angelika Walthert, Luzern Bauingenieur PlanQuadrat AG, Willisau Bauphysik Martinelli + Menti AG, Luzern Elektroingenieur Elektro Illi AG, Willisau HLKK-Ingenieur Stadelmann Energie & Haustechnik AG, Escholzmatt Sanitäringenieur W&P Engineering GmbH, Willisau Holzbauingenieur Lauber Ingenieure AG, Luzern (Fassadenbau) Holzbau ARGE Loosli Holzbau, Willisau, mit M. Kneubühler AG, Menznau (Fassadenkonstruktion), Ernst Zimmermann AG, Willisau (Holz-Metall-Fenster), Frank Türen AG, Buochs (Türen), Fabian Pabst Inndecor GmbH, Horw (Parkett), sowie Loosli Beat, Willisau, Hochuli Schreinerei GmbH, Reitnau, und Troxler Herbert, Schülen (allgemeine Schreinerarbeiten) Baukosten BKP 2 CHF 26,33 Mio. inkl. Mwst. davon BKP 214.4 CHF 1,38 Mio. inkl. Mwst. (Holzfassade) Grundstücksfläche SIA 416 5260 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 1486 m2 Geschossfläche SIA 416 14 605 m2 Gebäudevolumen SIA 416 47 528 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 500.– Bauzeit Januar 2013–August 2015 Fotografin Judith Kuoni, Willisau Detailschnitt Fassade

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Wohnüberbauung Neudorfstrasse-Fluhweg, Wädenswil Die Lage ist typisch für Orte am Südufer des Zürichsees. Aussicht und Sonne liegen an entgegengesetzten Seiten – die Sonne im Süden, die Seesicht im Norden. Hier standen im kleinmassstäblichen Patchwork der Wohnungsbauten am Agglomerationsrand sechs kleine, in die Jahre gekommene Mehrfami­ lienhäuser. Sie wurden durch Neubauten ersetzt, die eine viel höhere bauliche Dichte erreichen und zeitgemäss geschnittene Wohneinheiten aufweisen. Die Herausforderung in der Entwurfsarbeit lag darin, die deutlich grösseren vorgesehenen Baumasse verträglich in das Quartier zu integ­ rieren. Dabei setzten sich die Architekten insbesondere mit der Frage auseinander, wie beidseits möglichst viele Wohnungen an Son­ ne und Aussicht teilhaben können respektive wie diejenigen Wohnungen, die nur einer Seite zugeordnet sind, möglichst gut von ihrer Lage profitieren können. In der Entwurfsarbeit zeigte sich bald, dass die bauliche Dichte unangenehm zu werden droht, wenn die kleinen, schlanken und nied­ rigen Altbauten einfach durch grössere, dicke­ re und höhere Bauten ersetzt würden. Die offene Bauweise mit Einzelbaukörpern wäre an ihre Grenzen gestossen. Deshalb verschmel­ zen die Einzelvolumen neu zu einem viel­ gliedrigen Baukörper. Dessen plastische Be­ wegung kaschiert die eigentliche Grösse des Neubaus und eröffnet eine Sequenz von gross­ zügigen Freiräumen, die einen gut gefassten Rahmen für das genossenschaftliche Zusam­ menleben ergeben. In der Topografie des Hangs zeichnet sich am Bauplatz ein Felsgrat im Untergrund als das prägnante Plateau ab. Dieser Grat wird zum konzeptuellen Ausgangspunkt. Das neue Ge­ bäude sitzt hart am Grat und überhöht diesen baulich; es wird sozusagen gebauter Felsgrat. An Felszacken erinnert auch die vor- und zurückspringende Bewegung des Gebäude­ volumens. An den schmalsten Stellen dieser Felsformation öffnen sich im Sockelgeschoss

Lücken, so dass Wege die beiden Gebäude­ seiten verbinden können. Die bewegte Abwick­ lung des Baukörpers unterteilt den Aussenraum, eröffnet und begrenzt darin differenzierte Orte des Aufenthalts. Das Gebäudevolumen ist aus vier dreieckigen Segmenten zusammengefügt, welche jeweils dreispännig aufgebaut sind. Die plastische Abwicklung sorgt dafür, dass jede Wohnung auf zwei Seiten orientiert ist; viele sind gar auf drei Seiten hin ausgerichtet. Während die beiden Wohnungen in den Übergängen zwi­ schen den Segmenten komplementär ineinan­ dergreifen, ‹greift› die dritte, jeweils äusserste Wohnung weit hinaus ins Freie. Ausladende Balkone bilden hier einen attraktiven Über­ gang zwischen innerer und äusserer Welt. Die gemeinschaftlichen Bereiche jeder Wohnung sind zu einer Raumfolge gekoppelt, welche in den ‹Körper› der Individualräume eingelagert ist. Eingang, Wohnen und Essen sind zu einer weitläufig wirkenden Sequenz verbunden, dabei aber durch ‹Taillen› so weit voneinander abgetrennt, dass sich die einzelnen Sphären nicht stören. Die Wohnungsgrössen liegen bewusst am unteren Rand der Grössenvorga­ ben, um den Anliegen ökonomischer, sozialer und energetischer Nachhaltigkeit zu entspre­ chen. Um die starke plastische Gliederung des Volu­ mens zu stabilisieren, sollte die Gliederung der Fassade um so ruhiger ausfallen. Die Ma­ terialien sprechen hier allein über ihre Ober­ flächenbeschaffenheit, ihre Haptik, nicht über ihre Farbigkeit. Der Grundton des grossen Hauses orientiert sich am sogenannten FalunRot, der charakteristischen Farbigkeit skandi­ navischer Holzhäuser. Natürlich wirkt diese Farbe so einprägsam, weil sie dort, wo sie her­ kommt, im Komplementärkontrast steht zur grünen Landschaft. In Wädenswil fehlt zwar die Weite des Umraums, das Haus ist aber dicht umstanden mit Bäumen. Ihr Blattwerk lädt das Haus nicht nur mit seiner kontrastie­ renden Farbigkeit auf, sondern auch mit sei­ nem Schattenwurf. Licht und Schatten sind es

auch, welche die in ihrer uniformen Farbigkeit passive Fassade wieder aktivieren, denn das Relief ist kräftig und wird durch die feinstoff­ liche Differenzierung weiter vertieft. Das säge­ rohe, gestrichene Holzwerk ruht auf einem seinerseits sägeroh geschalten, eingefärbten Betonsockel. Die Blechabschlüsse sind rot ver­ zinkt, die Storen aus rotem Gewebe. Ursprünglich war das Haus übrigens minera­ lisch geplant, um den fels- oder riffartigen Charakter des Baukörpers zu betonen. Allmäh­ lich schien den Architekten, dass die Monu­ mentalität der Geste, die dieser Baukörper in seinem kleinteiligen Umfeld vollzieht, gar keine Bestätigung mehr braucht durch ein Ma­ terial, das Permanenz unterstreicht, dass im Gegenteil eine weichere, informelle Stofflich­ keit den grossen Auftritt relativieren sollte. Mit diesem Wechsel wurde die Tektonik der Fassade immer wichtiger, indem aus einer Lochfassade ein Hybrid aus Loch- und Band­ fassade wurde. Weil der Werkstoff Holz in seiner Struktur gerichtet ist, wird eine Holzfassade stark von der Richtung ihrer Teile bestimmt. Hier über­ lagern sich horizontale und vertikale Bänder. Die horizontalen Bänder sind einfache Holz­ verschalungen. Die vertikalen Bänder dagegen sind – ähnlich Kanneluren – kräftiger profi­ liert, so dass sich zwischen ihren Rippen Spal­ ten öffnen und Durchblicke freigeben. Die Profilierung ist schliesslich so kräftig, dass die Fassadenbekleidung selber in die Tragstruk­tur eingebunden ist – die Betondecken der Balkone stellen auf den Balkonverschalungen ab. Früher bewohnten vor Ort weniger als 40 Per­ sonen 24 kleine Genossenschaftswohnungen in drei Zeilenbauten von 1931/45. Im Ersatz­ neubau wohnen heute 150 Personen, darunter über 35 Kinder. Die Ausnützung stieg von 0,35 auf 0,61, die Wohnungszahl verdoppelte sich auf 48, und die oberirdische Geschoss­ fläche wuchs sogar noch stärker. Die wichtigs­ te Zahl aber lautet: Heute steht hier bloss noch ein Haus.

Lageplan

3181


Sockelgeschoss

3182

Erdgeschoss


Normalgeschoss

Dachgeschoss

Querschnitte

20 m

Ort Neudorfstrasse 27a–d, 8820 Wädenswil Bauherrschaft Mieterbaugenossenschaft Wädenswil Architektur Esch Sintzel Architekten, Zürich; Mitarbeit: Julia Geissler (Projektleitung), Beat Lengen, Julia Löffler, Andreas Wipf, Marketa Korbeliusova, Jana Stratmann (Wettbewerb) Bauleitung BGS & Partner, Rapperswil Landschaftsarchitektur Berchtold Lenzin, Zürich Bauingenieur Ernst Basler + Partner, Zürich Brandschutzplaner Fassade Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich Holzbau W. Rüegg AG, Kaltbrunn (Fassade) Materialien Balkenschichtholz 150 m3, Gipsfaserplatten 2400 m2, Fassadenschalung 2700 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 25,59 Mio. exkl. Mwst. Baukosten BKP 2 CHF 22,15 Mio. exkl. Mwst. davon BKP 214 CHF 1,60 Mio. exkl. MwSt. Geschossfläche SIA 416 5548 m2 Bauzeit April 2016–März 2017 (Holzbau) Fotografen Roland Bernath, Zürich

3183


Aufbau Aussenwand im Pfeilerbereich von aussen: Holzschalung vertikal, sägeroh, formschlüssig 19/58 mm Lattung 42 mm Fassadenbahn Lattung/Dämmung 160 mm Lattung/Dämmung 80 mm Backstein 150/175 mm/Stahlbetonpfeiler 180 mm Grundputz und Abrieb 15 mm Aufbau Aussenwand im Brüstungsbereich von aussen: Holzschalung vertikal, sägeroh, formschlüssig 19 mm Lattung 41 mm Fassadenbahn Lattung/Dämmung 120 mm Lattung/Dämmung 80 mm Backstein 150/175 mm/Stahlbetonpfeiler 180 mm Grundputz und Abrieb 15 mm

Detailschnitte

3184


Mieter-Baugenossensch Blumenstrasse 1 - 8820 Tel.: 044 780 47 04 - inf

Bauherrschaft:

Architektur:

Badenerstrasse 156 - 80 Tel.: 044-297 99 00 - inf

BGS & Partner Schönbodenstrasse 4 Tel.: 055 220 40 40 - inf

Baumanagement:

Sämtliche Masse sind durch den Unternehmer am B weichungen umgehend der Bauleitung zu melden. Maximale Bohrtiefe in Decken beträgt 5 cm!

8

5

15

45 15

B

P U Tr Tr W S w

O

±

AK Betondecke über Zimmerfenster

5

23

20

Kragankerelement

5

luft-/dampfdicht abkleben

1

3

2

3

Dichtung dampfoffen

Aufbau Brüstung bei Loggia/Balkon von aussen: BAUMEISTER: Holzschalung vertikal, Holzleiste 6.5 x 3 cm insägeroh, Betonschalung einlegen 1 2 1 formschlüssig 19 mm 4 Lattung 26 mm 1 Fassadenbahn Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 120 mm Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 40 mm Zementgebundene Leichtbetonplatte 12,5 mm Glattspachtel 3

8

5

Lochblech

5

16 19 29

15

-

26 (+4cm DG)

AK Balkondecke

Stützen in Brettschichtholz bei Balkon über Zimmerfenster 14 180 x 240 mm, über gesamte Höhe XPS, 8 cm (λ = 0.036) durchlaufend, lastabtragend für Balkon, sägeroh und oberflächenbehandelt 8 6 wie Fassadenschalung

O

Dichtung dampfdicht

6 (+4cm DG)

17 (+4cm DG)

3

11

Aufbau Brüstung bei Loggia/Balkon 1 2 1 16 von aussen: Holz-Ständer mit Mineralwolle, 16 cm Holzschalung vertikal, sägeroh, (λ = 0.036 W/mK) hohlraumfrei formschlüssig 19 mm Schädlingsschutz Lattung 26 mm Lochblech Fassadenbahn Dichtung aufgeklebt Gipsfaserplatte 15 mm (Windpapier danach) Fensterdichtung Ständer 120 mm Freibord Gipsfaserplatte 15 mm OK Überlauf ≥ 1.5 % Lattung 40 mm Gefälle Zementgebundene Leichtbetonplatte Bauzeitabdichtung 12,5 mm Mineralwolle OK r Balkon SP ≥ 1000 °C Glattspachtel-0.17 (-4cm DG)

45 15 6 05

Holz-Ständer mit Mineralwolle, 16 cm (λ = 0.036 W/mK) hohlraumfrei

Kanthölzer in Brettschichtholz bei Loggien/Fassade 140 x 70 mm, über gesamte Höhe durchlaufend, sägeroh und oberflächenbehandelt wie Fassadenschalung

Detailschnitte

3185


Situation

3186


Wohnüberbauung Tièchestrasse, Zürich Das Grundstück in Zürich ist geprägt durch eine Hanglage mit schönem Weitblick über Zürich nach Süden und eine lärmbelastete Nordseite gegen die Tièchestrasse. An diese schliessen Familiengärten und das Naherholungsgebiet Käferberg an. Der grössere Teil des Areals, das insgesamt eine Fläche von 17 700 m2 umfasst, ist mit 75 Genossenschaftswohnungen bebaut worden. Auf der restlichen Fläche wurden 30 baulich eigenständige Eigentumswohnungen realisiert. Der städtebauliche Lösungsansatz sah zum einen Kontinuität zur Stadt vor, zum anderen deren Auflösung zugunsten starker landschaftlicher Bezüge. Zwei gerade Längskörper bilden eine interessante räumliche Sequenz aus Bauten und Freiraum. Der erste langgestreckte Genossen­ schaftsbau begleitet den topografischen Anstieg, löst sich von der schön gekurvten Strassenfüh­ rung und spannt einen Grünraum auf, der sich in der Folge schliesst und das Haus aus dem Hang auftauchen lässt. Im anschliessenden Zwischen­ raum stellt die Magerwiese als Landschaftsfuge grossräumige Bezüge her und sichert die Weiter­ führung der Grünräume von Gartensiedlung und Käferberg. Das zweite Haus, der Eigentumsteil, wird minimal abgedreht auf den Grat gesetzt und tritt, wie schon der andere Bau, als kompak­ tes Volumen auf, das mit Loggien und Terrassen nach Süden perforiert ist. Beide Gebäude sind leicht abgetreppt und erhal­ ten ihre Form durch den topografischen Verlauf, die Erschliessung und die Strasse. Der Genossen­ schaftsteil ist parallel zum Anstieg der Strasse gestaffelt. Die untere Hangetage enthält gemein­ schaftliche Bereiche wie Hobbyräume, Fahr­ radabstellplätze und Kinderkrippen sowie eine vorgelagerte, gedeckte Begegnungszone für die Bewohner. In der inneren Organisation ermögli­ chen Abstufung und horizontale Verschiebung unterschiedliche Wohntypen. Sämtliche Schlaf­ zimmer sind südseitig orientiert und haben Zu­ gang zur durchlaufenden Balkonschicht. Der viergeschossige Eigentumsteil wird linear auf der Anhöhe entwickelt und horizontal über Brü­ cken erschlossen. Zentrales räumliches Element ist der beidseitig orientierte Wohn-Ess-Raum. Dieser wird gegen Norden überhoch ausgebildet und schliesst gegen Süden mit einer Loggia ab. Die dunkel gestrichene, sägerohe Holzfassade tritt als variantenreiches Geflecht mit vertikalen

und horizontalen Elementen in Erscheinung. Die­ ses Geflecht lässt das Ensemble, das aus vielen einzelnen Häusern besteht, dennoch als eine Ganzheit erscheinen. Gleichzeitig verleiht die gewobene Fassade dieser Einheit Leichtigkeit. Die Erstellung in Holzbauweise mit einer inneren tragenden Betonstruktur gewährleistet bei einem kompakten Wandaufbau einen hochwertigen Wärmeschutz. Die ästhetischen Aspekte des Materials Holz spielten eine grosse Rolle. Das Holz vermittelt eine Wohnlichkeit, die einer Überbauung dieser Grösse in ihrer äusseren Erscheinung sehr dien­ lich ist. Ursprünglich war sogar angedacht, das Gebäude ganz als Holzbau zu errichten. Das Holz, nordische Fichte, wird so eingesetzt, dass die Maserung sichtbar ist und das Material wür­ dig altern kann. Der Charakter des Holzes, das in seiner Natürlichkeit erkennbar bleibt, war wich­ tig. Die Entscheidung fiel aber auch für Holz, weil es CO2-neutral ist. Bezüglich Brandschutz wurden die Gebäude mit einer drei- bis viergeschossigen Fassade einge­ stuft, was einer Qualitätssicherungsstufe Q3 entsprach. In der konstruktiven Ausführung der Fassade wurden horizontale Brandschutzmass­ nahmen in Form von Holzschürzen sowie verti­ kale Brandschutzmassnahmen unterschiedlicher Form an den Aussenecken, den brandabschnitts­ bildenden Wänden, den Übergängen von ver­ setzten horizontalen Schürzen und den Flucht­ treppenhäusern angewandt. Neben der Gewährleistung der Schutzabstände, der Zugäng­ lichkeit für die Feuerwehr, dem Aufbau der Aussenwand mit der Ausbildung der Aussenbeklei­ dung sowie weiteren baulichen Massnahmen entstand das Brandschutzkonzept zur Baubewilli­ gung. Zudem wurden zuhanden der Bauherr­ schaft detaillierte Kontroll- und Unterhaltspläne für die Bekleidungen in Holz der Aussenwände und der Balkone, die Leibungen und Fensterfut­ ter, die Terrassenbeläge und deren Unterkonstruktionen sowie der Eingangsvordächer ausge­ arbeitet. Diese regeln die Aufgaben und Zuständigkeiten der Kontrollen und die empfohlenen Arbeiten im regelmässigen Unterhalt.

3187


Eigentumsteil: Längsschnitt

Eigentumsteil: 2. Obergeschoss

3188

40 m


Genossenschaftsteil: Querschnitt

Genossenschaftsteil: 1. Untergeschoss (Gartengeschoss)

Genossenschaftsteil: 1. Obergeschoss

Genossenschaftsteil: 3. Obergeschoss

3189


Ort Tièchestrasse 71–77 (Eigentumsteil) und Tièchestrasse 51–65 (Genossenschaftsteil), 8037 Zürich Auftraggeber HRS Real Estate AG, Zürich Bauherrschaft HRS Real Estate AG, Zürich, und BEP Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals, Zürich Totalunternehmer HRS Real Estate AG, Zürich Architektur Buchner Bründler Architekten AG, Basel; Partner: Daniel Buchner und Andreas Bründler; assoziierter Partner: Stefan Oehy; Projektleitung Wettbewerb: Nino Soppelsa; Projektleitung Projektierung und Ausführung: Daniel Ebertshäuser, Katharina Kral und Achim Widjaja; Mitarbeit Wettbewerb: Dominik Aegerter, Lukas Baumann, Rino Buess, Raphaela Schacher, Florian Ueker und Stephanie Wamister; Mitarbeit Ausführung: Dominik Aegerter, Sebastian Arzet, Rebecca Borer, Simone Braendle, Michael Glaser, Stefan Mangold, André Santos, Kim Sneyders, Karolina Switzer und Florian Ueker Bauingenieur Urech Bärtschi Maurer AG, Zürich Holzbauingenieur Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Heizung- und Lüftungsplaner Todt Gmür + Partner AG, Schlieren Sanitärplanung und Koordination Huustechnik Rechberger AG, Zürich Elektroingenieur Herzog Kull Group Engineering AG, Baden Bauphysik Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen Landschaftsarchitekten Fontana Landschaftsarchitektur GmbH, Basel Holzbau Künzli Holz AG, Davos (Genossenschaftsteil), und Josef Lehmann Holzbau AG, Schneisingen (Eigentumsteil) Materialien Schürzen und Leibungen in Zeder 70 m3, Fassadenschalung in Fichte 25 mm 7500 m2, Terrassenrost in Douglasie 26 mm 500 m2 (Genossenschaftsanteil); Balkenschichtholz und Balkenschicht­ holz 37 m3, Massivholz- und Dreischichtplatten 370 m2, Lattung 12 300 m, Fassadenschalung in Fichte sägeroh 2450 m2, Fensterverkleidungen in Zeder 3900 m2, Schalung in Eiche gehobelt 33 m2, Terrassen­ riemen in Douglasie gehobelt 640 m2 (Eigentumsteil) Baukosten BKP 1–5 CHF 25 Mio. (Eigentumsteil) und CHF 40 Mio. (Genossenschaftsteil) Baukosten BKP 2 CHF 52,3 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 17 700 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 4076 m2 Gebäudevolumen SIA 416 75 665 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 691.– Bauzeit Oktober 2014–März 2017 Fotograf Michael Blaser, Bern Aufbau Aussenwand: Fassadenvorsprünge 25 mm, Kassettierung in Rotzeder 35 mm Schalung vertikal und horizontal in Fichte 25 mm, sägeroh mit Dickschichtlasur Lattung 30 mm Lattung 30 mm Fassadenbahn Lattung 80 mm/Dämmung Dämmung 120 mm Betonkonstruktion 180 mm Weissputz 10 mm

Detailschnitt Balkone

3190


3191


SCHULRAUMERWEITERUNG CHAMPAGNE BIEL (2017)

BÖHME AG

SPONSOR Böhme AG Bernische Lack- und Farbenfabrik www.boehme.ch +41 (0)31 971 11 63 info@boehme.ch

Impressum

Seit 1866 entwickelt und produziert die Böhme AG hochwertige Farben und Lacke für die holzverarbeitende Industrie und ihre Partner. Mit über 150 Jahren Erfahrung in der Holzveredlung bietet sie ihren Kunden ein solides Sortiment an innovativen & bärenstarken Produkten für die Aussenfassade und den Innenausbau an. Sehr früh wurde das Bedürfnis an umweltverträglichen und nachhaltigen Produkten erkannt und die Produktion bereits vor über dreissig Jahren auf lösemittelarme Systeme verlagert. Das Know-how für diese Produkte auf wässriger Basis und deren Anwendungen wurde seither stetig ausgebaut. Als Familienunternehmen sind Kundennähe und Qualität zentrale Werte und werden aktiv gelebt. In enger Zusammenarbeit wird mit langjährigen Geschäftspartnern das Produktsortiment kontinuierlich optimiert und auf unterschiedlichste Anforderungen und Holzarten angepasst. Ob im Innen- oder im Aussenbereich, die Böhme AG bietet Ihnen effektive und erprobte Lösungen an. Leistung Böhme AG: Objekt behandelt mit AgingStain Fotos: Stefan Hofmann, Ph7, Biel Architektur: VERVE Architekten, Biel

Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno

Redaktion Jutta Glanzmann und Roland Brunner, Lignum, sowie Lucie Mérigeaux und Denis Pflug, Lignum-Cedotec

Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Gestaltung BN Graphics, Zürich

Holzbulletin, März 2019 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Druck Kalt Medien AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Lignum, Zürich

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Telefon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

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Holzbulletin 130/2019  

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