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Holzbulletin 120/2016 Bergluft Erneuerung und Erweiterung Rambert-Hütte, Leytron Ersatzbau Ustria Triel, Vella WellnessHostel4000 und Aqua Allalin, Saas-Fee Seilbahnstationen Weissenstein, Oberdorf Gipfelgebäude Chäserrugg, Unterwasser

Der hölzerne, polygonal verschnittene Kubus der Jugendherberge Saas-Fee wird von mehreren steinernen Sockeln getragen und schliesst mit diesen flächig ab, womit er sich in seinem formalen Ausdruck an die traditionellen Stadel von Saas-Fee anlehnt. Architektur: Steinmann & Schmid Architekten AG BSA SIA, Basel


Gipfeltreffen In der letzten Ausgabe zeigten wir eine Auswahl an Projekten, die als Ausflugsziele in der Sommerzeit für einen Moment der Freude und Entspannung sorgen. Mit dem aktuellen Holzbulletin verlängern wir diesen Moment mit einer Entdeckungsreise in die Höhe, sei es in den Alpen, im Toggenburg oder auf der Jurakette. Die sechs Destinationen mit Höhenlagen bis über 2500 m ü.M. erweisen einmal mehr, wie gut sich Bauten in Holz in aussergewöhnliche Landschaften einfügen. Manche Projekte reihen sich in ihrer Erscheinung mit grosser Selbstverständlichkeit in eine konstruktive Tradition ein und drücken damit unmissverständlich historische Kontinuität aus – obwohl hinter den Bauten heute hochmoderne Herstellungsprozesse stehen. Mit der Erfüllung höchster Ansprüche an Geschwindigkeit und Genauigkeit des modernen Bauens schafft es Holz auch im Berggebiet, sich als Baustoff der Moderne zu präsentieren.

Roland Brunner und Audanne Comment Technische Kommunikation Lignum

Botanischer Alpengarten, Meyrin Der Botanische Alpengarten Meyrin wurde vor über hundert Jahren von einem Textilhändler und leidenschaftlichen Gartenliebhaber als Vergnügungspark angelegt. Er beherbergt über 60 000 Pflanzen von 1200 verschiedenen Arten und befindet sich seit 1960 im Besitz der Gemeinde Meyrin, welche ihn aufzuwerten suchte. Insbesondere galt es, die Anlage vor nächtlichen Plünderungen zu schützen sowie ihre pädagogische und kulturelle Bedeutung bei einem breiten Publikum zu verstärken. Zu diesem Zweck erarbeitete man im Rahmen eines multidisziplinären Projektes eine Vielzahl von kleinen Massnahmen, welche alle zusammen zur gewünschten Aufwertung und Umwandlung des Gartens führen sollten. So benötigten etwa die im Garten lebenden Ziegen einen neuen Stall und einen Heustock. Die beiden Bauten aus Holz wurden wie Brüder behandelt, welche sich gleichen. Der Ziegenstall besteht aus sägerohem Holz der Tanne und enthält einen geschlossenen Raum sowie einen gedeckten Unterstand mit den Futterkrippen. Die Fassade, bestehend aus Latten mit quadratischen Querschnitten, präsentiert sich bald als Lattenzaun, bald als Aussenbekleidung, und dort, wo sie die Fensterflächen passiert, als Trennwand. In ihrer fast schon abstrakten Einfachheit erinnert die durchdachte Form an eine Skulptur. Das neue Gebäude zeigt meisterlich auf, dass sich Qualitätsarchitektur auch auf kleine und einfache Bauten anwenden lässt.

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Ort rue du Jardin alpin 9, 1217 Meyrin Bauherrschaft Gemeinde Meyrin Architektur Studio Véronique Favre architectes, Genf Landschaftsarchitektur In Situ SA, Montreux Bauingenieur Ingeni SA, Genf Holzbau Eric Portier SA, Grand-Saconnex Bauzeit Mai–August 2016 Fotograf Nicolas Lieber, Genf


Erneuerung und Erweiterung Rambert-Hütte, Leytron Der Schweizer Alpen-Club SAC hat die Rambert-Hütte in der Unterwalliser Gemeinde Leytron saniert und vergrössert. Die Hütte auf 2580 m ü.M. ist ein beliebter Halt für Berggänger auf der Muveran-Tour. Trotz dem Eingriff bleibt der Charakter eines bescheidenen Gebirgsrefugiums gewahrt. Die Hütte der SAC-Sektion Les Diablerets liegt auf einer sanften Terrasse am Südhang des symbolträchtigen, 3051 m hohen Grand Muveran und ist Ausgangspunkt zahlreicher Alpinisten und Klettersportler für die Besteigung anderer Gipfel der Region. Der Steinbau mit den roten und weissen Fensterläden wurde in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts erstellt und war jeweils von Juni bis September bewartet. Für Liebhaber von Skitouren war die Hütte auch im Winter geöffnet. Dieser Bau ersetzte eine frühere Holzhütte aus dem Jahr 1895, welche sich etwas weiter unten an einer windgeschützten Stelle und in der Nähe einer Wasserquelle befand. Angesichts ständig zunehmender Belegungszahlen hatte sich der Steinbau immer mehr als überholt und ungeeignet für einen zeitgemässen Hüttenbetrieb erwiesen. Insbesondere die als abgetrennte ‹Plumpsklos› konzipierten Toiletten und die nur von aussen zugänglichen Duschanlagen verlangten nach einer Modernisierung. Zudem galt es, die Hütte an die veränderten Ansprüche und Vorschriften bezüglich Umweltverträglichkeit, Hygiene, Brandschutz und rationelle Energienutzung anzupassen. Deshalb lud die zuständige Hüttenkommission im Jahr 2009 fünf Architekturbüros zu einem entsprechenden Wettbewerb ein. Schliesslich war es das Projekt des Architekturbüros Bonnard Woeffray aus Monthey,

welches die Jury überzeugte, weil es den bestehenden Steinbau geschickt in Szene setzte und gleichzeitig die bestehende Architektur und das neue Volumen miteinander in einen Dialog brachte. Unverändert geblieben ist die Terrasse, wo die Besucher die Bergsonne geniessen. Auf der Rückseite des Altbaus hingegen wurde, gleichsam als ebenso funktionaler wie kompakter Rucksack, ein neuer, dreigeschossiger Baukörper errichtet. Seine Form ist geprägt durch den Knick im Dach, der auf den Winkel des Altbaudachs verweist. Beide Dächer und alle anderen Aussenflächen des Neubaus bis hin zu den Türen und Fensterläden sind mit rostfreiem Profilblech bekleidet. Dieses Material wurde für die Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Teil gewählt, weil es die Qualität des auf dem Dach gesammelten Regenwassers nicht beeinträchtigt. Mit dem Anbau entstand Platz für Nutzungen, welche im Innern der alten Hütte nicht möglich waren. Dazu gehören Vorratslager für Lebensmittel und Brennmaterial, Duschen und Toiletten sowie ein Privatraum für den Hütten­ wart. Die frühere Küche ist einem Büroraum gewichen; gekocht wird in den neu gegliederten Diensträumen. Die Schlafräume wurden neu gestaltet; die Neuanordnung der Betten entlang der Wände schafft etwas mehr In­ti­ mität für die Gäste. Da die Bauherrschaft keine Ausweitung der Übernachtungskapazität anstrebte, stehen nach wie vor 44 Schlaf­ plätze für die Gäste, die Hüttenwarte und die Hilfskräfte zur Verfügung. In einem derart speziellen Umfeld wie diesem galt es, auch den letzten Winkel des knappen Platzes auszunutzen und so praktisch wie möglich zu gestalten. Auf dem Dach sorgen

Sonnenkollektoren und eine Fotovoltaikanlage für vollständige energetische Autarkie. Auch die Wahl vorfabrizierter Holzrahmenelemente für die Tragkonstruktion erfolgte aus den gleichen Effizienzüberlegungen, welche auf dieser Höhe unumgänglich sind. Die erste Hütte von 1895 war in der Werkstatt der Firma Bugnion in Lausanne erbaut und von Riddes aus auf Maultierrücken zu ihrem Standort hinauftransportiert worden. 120 Jahre später erfolgte der Abbund für den neuen Anbau in der Werkstatt der Firma Amédée Berrut in Collombey, und anstelle von Maultieren führte der Helikopter die vorfabrizierten Elemente von Ovronnaz auf die Baustelle. Baubeginn war im Juni 2015, und nach einer Bauzeit von fünf Monaten war das Projekt praktisch abgeschlossen. So bedurfte es im Frühling 2016 lediglich noch einiger kleinerer Anpassungen, damit die neue Hütte im Sommer 2016 feierlich eingeweiht werden konnte. Ihr neues Erscheinungsbild wird der Rambert-Hütte zweifellos hohe Besucherzahlen bescheren.

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Querschnitt

Längsschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

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10 m


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Ort Crettaz Morez, 1912 Leytron Bauherrschaft Schweizer Alpen-Club SAC, Sektion Les Diablerets, Lausanne Architektur Bonnard et Woeffray, architectes FAS SIA, Monthey; Mitarbeiter: Jonas Vandermaesen Bauingenieure Kälin & Rombolotto SA, Lausanne Elektroingenieure Lami SA, Martigny HLS-Ingenieure Tecnoservice Engineering SA, Martigny Holzbau Amédée Berrut SA, Collombey Materialien schichtverleimtes Vollholz und Brettschichtholz 36 m3; Platten: OSB 350 m2, Dreischichtplatten 1000 m2, zementgebundene Spanplatten 400 m2, Gipsfaserplatten 400 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 1,785 Mio. (inklusive Helikoptertransport) BKP 2 CHF 1 Mio. (Erweiterung), CHF 480 000.– (Umbau Bestand) BKP 214 CHF 494 000.– Geschossfläche SIA 416 155 m2 (Erweiterung), 200 m2 (Bestand) Gebäudevolumen SIA 416 430 m3 (Erweiterung), 580 m3 (Bestand) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1490.– Bauzeit Juni–Oktober 2015 Fotografen Corinne Cuendet, Clarens, und Diego Marques, Monthey

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Dachaufbau von aussen: Blecheindeckung Schalung 27 mm Lattung 100 mm Unterdachbahn Kastenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 186 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen: Blechbekleidung profiliert 150 mm Lattung horizontal 60 mm Lattung vertikal 27 mm Winddichtungsbahn OSB 22 mm Ständer 200 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Deckenaufbau von oben: Kautschuk 3 mm Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Dämmung Gipsfaserplatte 10 mm Ausgleichsschüttung 14 mm Kastenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 120 mm Zementspanplatte 33 mm

Fassadenschnitt

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Ersatzbau Ustria Triel, Vella Der Neubau ersetzt ein in die Jahre gekommenes Bergrestaurant im Val Lumnezia. Der Standort wurde leicht verschoben, was einen besseren Zugang zu den Sesselbahnen sowie zur Talabfahrt ermöglicht. Zusammen mit den Sesselbahnstationen setzt der Neubau die Akzente der touristischen Infrastruktur vor Ort. Der quer zum Hang stehende, rechteckige Baukörper auf leicht abfallendem Gelände in 1600 m Höhe liegt im Sockelbereich teilweise im Terrain und wird südwestlich zu einer Aussichtsterrasse verlängert. Durch das asymmetrische, beidseitig geneigte Dach öffnet sich das Gebäude zum Berg und zum Tal hin. Verstärkt wird dieser Ausdruck mit der offenen Fassade im Erdgeschoss. Diese eigentümliche Form nimmt einerseits die Topografie der Landschaft auf, andererseits werden damit ungeahnte Ausblicke in das ‹Tal des Lichts› und optimale Lichtverhältnisse im Innenraum geschaffen. Das Sockelgeschoss sowie der innere Kern im Erdgeschoss sind in aufgerauhtem Sichtbeton ausgeführt. Eine Holzkonstruktion aus einheimischer Fichte komplettiert das Erdgeschoss. Entlang der vollflächig verglasten Südwest- und Südostfassade sind im Inneren Massivholzstützen im Abstand von 2,70 m angeordnet. Darauf liegen mittels Gabellagerung die rund 1,0 m hohen, sichtbaren Brettschichtholzträger, die den architektonischen Ausdruck des Holzdachs prägen. Im Bereich des Kerns wird die Verglasung

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durch horizontal geschichtete Holzbalken ersetzt. Die Dachform spiegelt sich im Grundriss wider, indem der tiefste Punkt der Träger in der Eingangsachse respektive in der Flucht des Kerns liegt. Dadurch wird eine durch Konstruktionselemente definierte räumliche Trennung von bedientem und nichtbedientem Restaurantbereich entlang der Südwestbeziehungsweise Südostfassade geschaffen. Sämtliche Nebenräume sowie Treppen und Aufzug sind im Kern angeordnet. Im Untergeschoss befinden sich entlang der Südostfassade drei Personalzimmer sowie weitere Nebenräume. Das in Ortbeton und Mauerwerk konzipierte Untergeschoss dient als Sockel für die Holzkonstruktion im Erdgeschoss. Die Primärkons­ truktion des Holztragwerks bilden die über zwei Felder gespannten Brettschichtholzbinder im Abstand von 2,7 m. Die Binder liegen parallel zur Dachform mit Gefälle zur Mitte hin auf den massiven Holzstützen entlang der Fassade und der Achse sowie auf der Betonwand des Kerns. An dieser Schnittstelle von Holz- und Betonkonstruktion sind die Binder aus konstruktiven Gründen mit einem biegesteifen, verdübelten Stahlschuh verbunden. Die massiven, aus vier einzelnen Schnittholzquerschnitten von 200 x 200 mm zusammengesetzten Stützen überlappen die Binder durch beidseitige Stege an deren Kopf und geben dem Träger dazwischen die erforderliche Kipphalterung. Die Sekundärkonstruktion wird durch quer zwischen die Binder gespannte Holzelemente

mit Rippenquerschnitt ausgebildet. Auf der Eingangsseite des Gebäudes wurden diese Elemente als auskragende Träger über zwei Binder geführt und in ihrer Stärke den statischen Anforderungen angepasst. Die gesamte Holztragkonstruktion konnte dank dem hohen Vorfertigungsgrad in nur zwei Wochen aufgerichtet werden. Damit liess sich die Gebäudehülle binnen kurzem schliessen.


Situation

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Ansicht Fassade Nordwest

Ansicht Fassade Nordost

Ansicht Fassade Südost

Ansicht Fassade Südwest

Untergeschoss

Erdgeschoss

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20 m


Ort Ustria Triel, 7144 Vella Bauherrschaft Bergbahnen Piz Mundaun AG, Surcuolm Architektur schneller caminada architekten, Trin Holzbauingenieur Liesch Ingenieure AG, Chur Bauingenieur Norbert von Sax, Obersaxen Elektro- und HLKS-Ingenieure Caduff Haustechnik AG, Ilanz Gastroplanung FHE Vertrieb von Gastronomieeinrichtungen GmbH, Dornbirn (AT) Holzbau Coray Holzbau AG, Ilanz (Holzbau), Alig Holzkultur, Vrin (Holzfenster), Gartmann SA, Lumbrein (Holztüren), und HOLZbau-candrian.ch, Flims (Möbel) Materialien Bauholz: Vollholz 60 m3, Brettschichtholz 42 m3; Platten: Dreischichtplatten 808 m2, Schalung 89 m2, OSB 100 m2; Latten 37 m3; Fassade 24 m3 Baukosten BKP 1–9 CHF 4,56 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 3,71 Mio. Baukosten BKP 214 CHF 530 000.– Grundstücksfläche SIA 416 2409 m2 Geschossfläche SIA 416 1061 m2 Gebäudevolumen SIA 416 4294 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 864.– Bauzeit Juli–November 2014 Fotograf Ralph Feiner, Chur

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Dachaufbau von aussen: Blecheindeckung Trennlage Dachschalung 27 mm Lattung gekreuzt 2 x 60 mm Rippenelemente: Unterdachbahn Holzfaserdämmplatte 35 mm Pfetten 240 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Abhängung Akustikelemente Deckenaufbau von oben: Kugelgarn 10 mm Stahlbetondecke 280 mm, gestrichen Aufbau Aussenwand von innen: Abrieb und Netzeinbettung 25 mm Dämmung 200 mm Stahlbeton 250 mm Mehrstärke Beton für Kratzbeton 30 mm Aufbau Boden von oben: Hartbeton mit Bodenheizung 60 mm Dampfsperre Trittschalldämmplatte 20 mm Dämmung 120 mm Feuchtesperre 10 mm Stahlbeton 250 mm Magerbeton 50 mm

Fassadenschnitte

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WellnessHostel4000 und Aqua Allalin, Saas-Fee Der Neubau der Jugendherberge Saas-Fee lehnt sich in seinem Ausdruck an die traditionellen Stadel im Ort an. Die Fassade ist über dem grob verputzten Sockel mit unterschiedlich breiten Brettern aus Fichte verkleidet, die gekonnt den Ausdruck eines traditionellen Strickbaus aufnehmen. 2009 erhielten die Basler Architekten Steinmann und Schmid den Auftrag, das bestehende Freizeitzentrum umzubauen und zu er­ weitern. Im November 2011 fiel der politische Entscheid, und im Januar 2012 startete die Planung zur Renovation und Modernisierung des Schwimmbades mit Wellness- und Fitnessbereich sowie zur Erweiterung um eine Jugend­herberge im Topsegment. Das Sockelgeschoss der Jugendherberge gliedert sich in zwei grossformatige Körper, die zum Aussenbereich als Rahmen gezeichnet sind und den hölzernen Beherbergungskörper tragen. Dieser zeigt sich als polygonal verschnittener Kubus, der mit den ihn tragenden Sockeln nicht flächig abschliesst. Unter dem Neubau der Jugendherberge, verbunden mit dem bestehenden Hallenbad, liegt der erweiterte und neu konzipierte Wellnessbereich Aqua Allalin. Hauptattraktion ist hier der Whirlpool mit spektakulärer Aussicht auf die umliegenden Berge und Gletscher an einmaliger Lage direkt an der rund 300 m tiefen Schlucht der Feevispa. Im Untergeschoss liegen ausserdem Umkleide- und Massage­räume, Sanitäranlagen und der Fitnessraum. Im Erd­ geschoss darüber befinden sich der Speisesaal mit 120 Sitzplätzen, das Bistro 4000, die gewerbliche Küche, der Empfang, Seminar- und Aufenthaltsräume, Bike- und Skiraum sowie Betriebs- (Lager, Economat, Kühlraum, Lin­ gerie, Recycling) und Technikräume (ElektroUnterverteilung, Lüftungszentrale). Das erste bis dritte Obergeschoss gliedert sich in je vier Vierbettzimmer, acht Doppelzimmer und

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drei Familienzimmer, jeweils mit Dusche/WC. Das vierte Obergeschoss umfasst sechs Sechsbettzimmer mit Lavabo, eine allgemeine Sanitärzelle (vier Duschen, drei WCs, Doppellavabo), eine 3½-Zimmer-Wohnung sowie Estrich und Lager. Das Unter- und das Erdgeschoss sind massiv ausgeführt, jeweils mit einer Stahlbetondecke. Die Aussen- und Innenwände im Untergeschoss bestehen aus Beton und Backstein, wobei diese nach aussen hin mit einer Kom­ paktfassade und Abrieb abgeschlossen sind. Betonscheiben und -stützen bilden die Aussenwände im Erdgeschoss, welche von Thermobacksteinen mit Kellenwurf abgeschlossen werden. Die Geschosse darüber (erstes bis viertes Obergeschoss) sind in Holzrahmenbauweise für die Aussenwände aufgebaut, mit tragenden Innenwänden aus Brettsperrholz und nichttragenden Innenwänden im Leichtbau. Die Holz-Beton-Verbundelemente spannen jeweils zwischen den Aussen- und den tragenden Korridorwänden bis zu 6,5 m. Um eine möglichst schnelle Begehbarkeit am Bau mit möglichst wenig Behinderungen (Spriessung) in trockener Bauweise zu erzielen, wurde der Hauptteil des Überbetons im Werk eingebracht. Anschlussstellen an die Innenwände oder an das Treppenhaus wurden in Ortbeton ergänzt. Die Dachkonstruktion wurde als klassisches Sparrendach mit Zwischensparren- und Aufdachdämmung ausgeführt. Die Gesamt­ stabilisierung erfolgt über den massiven Treppenhauskern und die Innenwände in Brettsperrholz. Das Gebäude wurde brandschutztechnisch als fünfgeschossiger Beherbergungsbetrieb (Hotel) eingestuft. Unter den VKF-Brandschutz­ vorschriften 2015 hätte es als Standardkonzept realisiert werden können. Unter den für die Planung geltenden VKF-Brandschutz­ vorschriften 2003 war dies jedoch noch nicht

möglich. So wurde der Bau hinsichtlich Brandschutz zum Pilot- und Pionierprojekt für die jetzt geltenden Möglichkeiten im Holzbau. Mit dem Einbau technischer Brandschutzan­ lagen, einer Brandrisikoberechnung und weiteren Massnahmen konnte eine Bewilligung herbeigeführt werden, die auf einem objekt­ bezogenen Brandschutzkonzept basierte. Ausschlaggebend dafür war die Wahl von robusten Holzbauteilen: Die brandabschnittsbildenden Brettsperrholz-Innenwände sind massiv in Stärken von 160–200 mm ausgeführt und korridorseitig mit nichtbrennbaren Gipsfaserplatten bekleidet. Zudem kamen Holz-Beton-Verbunddecken zum Einsatz, welche in Bezug auf das Brandverhalten durch ihre massive, kompakte Konstruktion ein durchaus ähnliches Brandverhalten wie Bau­ teile in Stahlbeton oder Mauerwerk zeigen. In diesen Bauteilaufbauten wird eine Brand­ ausbreitung über eventuelle Hohlräume verunmöglicht. Die weiteren Massnahmen des objektbezogenen Brandschutzkonzeptes umfassten den Einbau einer Sprinkleranlage in allen Geschossen in Holzbauweise sowie einer Brandmeldeanlage in allen neu erstellten Gebäudeteilen und in den Räumen, welche mit der Jugendherberge zusammenhängen. Die Aussenwandkonstruktion in Holz hatte bezüglich der Brandschutzmassnahmen gemäss aktuellem Stand der Technik zu erfolgen; anzuwenden war die Qualitätssicherungsstufe Q4 mit Begleitung durch einen Fachingenieur als Kontrollorgan. Alle Räume der Jugendherberge Saas-Fee und der Aqua Allalin sind mit kontrollierter Lüftung und Fussbodenheizung ausgestattet. Die Energieversorgung für Heizung und Warmwasser erfolgt über den Anschluss an das solare Fernwärmenetz Saas-Fee. Das Gebäude der Jugendherberge ist zudem nach Minergie-Eco zertifiziert.


Situation

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Ort Panoramastrasse 1, 3906 Saas-Fee Bauherrschaft Schweizerische Stiftung für Sozialtourismus, Zürich (Auftraggeberin Jugendherberge), und Burgergemeinde Saas-Fee (Auftraggeberin Wellness) Architektur Steinmann & Schmid Architekten AG BSA SIA, Basel Bauleitung amoba Baumanagement, Visp Bauingenieur alp Andenmatten Lauber & Partner AG, Visp Bauphysiker HSR Ingenieure AG, Spiez HLKS-Ingenieure Zurfluh Lottenbach GmbH, Luzern (Jugendherberge), Thomas Duss, Sempach Station (Jugendherberge), und Kannewischer Ingenieurbüro AG, Cham (Wellness) Elektroingenieur und MSRL Ingenieurbüro Hanimann Peter, Zweisimmen (Jugendherberge), und Friedli Elektro Bern AG, Bern (Wellness) Brandschutz- und Holzbauingenieur Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Holzbau Implenia Schweiz AG, Rümlang (Jugendherberge) Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 53 m3 und Brettschichtholz 68 m3; Brettsperrholz für Innenwände 135 m3 und für Decken 180 m3; Platten: Gipsfaserplatten 15 mm 1595 m2 und 18 mm 510 m2, OSB 30 mm 430 m2; Fassadenbekleidung in Fichte 980 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 18,13 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 13,57 Mio. (total), CHF 8,34 Mio. (Jugendherberge), CHF 5,23 Mio. (Wellness) Grundstücksfläche SIA 416 3973 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 1743 m2 Geschossfläche SIA 416 15 654 m2 (total), 2766 m2 (Jugendherberge), 2888 m2 (Wellness) Gebäudevolumen SIA 416 19 656 m3 (total), 9916 m3 (Jugendherberge), 9740 (Wellness) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 690.– (total) Bauzeit April 2013 – September 2014 Fotograf Ruedi Walti, Basel

Querschnitt

Wellnessgeschoss

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Erdgeschoss

40 m


1.–3. Obergeschoss

Dachgeschoss 40 m

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Freie Leitungsdurchführung durch brandabschnittsbildende Decke: Die Leichtbauwände der Steigzone mit den Sanitärleitungen in BKZ 4.2 sind beidseitig EI 30 ausgebildet. 80 mm Überbeton und 153 mm Brettsperrholz bilden die brandabschnittsbildende Decke mit der Anforderung REI 30 aus. Die Leitungsdurchführungen erhalten Brandschutzmanschetten: Der Überbeton

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erhält zur Leitung eine Einlage mit entsprechender Dämmung. Das Brettsperrholz erhält eine Ausleibung und einen 50 mm breiten Kragen aus Bekleidungen mit Brandschutzfunktion EI 30 (nbb) sowie eine hohlraumfreie Ausstopfung mit entsprechender Dämmung. Für die Armaturenzuführungen wurden alternativ Bekleidungen EI 30 (nbb) an der Deckenunterseite vorgehalten.


Dachaufbau von aussen: Fotovoltaik Alu-Profil mit Nageldichtung 30 mm Lattenabdeckung mit Dichtungsbahn Konterlattung 120 mm Abdichtung Dämmung 140 + 50 mm Dampfsperre OSB 27 mm Tragkonstruktion 400 mm/ Dämmung 60 mm/Luftschicht 340 mm Lattung 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm Deckenaufbau Regelgeschosse von oben: Anhydritunterlagsboden 70 mm, geschliffen Trennlage Trittschalldämmung 20 mm Holz-Beton-Verbunddecken: Überbeton 80 mm Brettsperrholz 153 mm Aufbau Aussenwand Regelgeschosse von innen: Gipsfaserplatte 12,5 mm Lattung 20 mm/Dämmung Dampfbremse Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 240 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenbahn Lattung 30 mm Stülpschalung in Fichte/Tanne 50–80 mm

Aufbau Decke über Sockelgeschoss von oben: Anhydritunterlagsboden 70 mm, geschliffen Trennlage Trittschalldämmung 40 mm Beton 400 mm Aufbau Aussenwand Sockelgeschoss von innen: Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Lattung 40 mm Beton 200 mm gedämmter Backstein 365 mm Aussenputz 20 mm Aufbau Boden Sockelgeschoss von oben: Anhydritunterlagsboden 70 mm, geschliffen Trennlage Dämmung 50 + 20 mm Feuchtigkeitssperre 5 mm Beton 370 mm Trennlage Magerbeton 400 mm Vlies 5 mm Fassadenschnitt

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Seilbahnstationen Weissenstein, Oberdorf Eine Seilbahn führt von Oberdorf bei Solothurn auf den 1280 m hohen Weissenstein, ein beliebtes Ausflugsziel der Region. Da die Betriebsbewilligung der ursprünglichen Sesselbahn von 1950 im Jahr 2009 auslief, wurde diese mit einer Sechser-Gondelbahn ersetzt. Die neue Weissenstein-Bahn wurde im Dezember 2014 eröffnet. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts waren zahlreiche Projekte für eine Bahn auf den Weissenstein vorgelegt worden. Zu den Vorschlägen gehörten neben verschiedenen Systemen von Luft- und Standseilbahnen eine Zahnradbahn und ein Aufzug, der aus dem Weissensteintunnel der Solothurn–MoutierBahn im Inneren des Berges auf den Weissenstein geführt hätte. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde allerdings nichts davon realisiert. Ende der vierziger Jahre kam es aber wieder zu konkreten Plänen, und 1950 entstand eine Sesselbahn nach dem System VR101 der Firma Von Roll. 1994 wurden dar-

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an grössere Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Da die Betriebsbewilligung der Sesselbahn auf Ende 2009 auslaufen sollte, hatte sich die Betreiberin 2006 für den Neubau einer Sechser-Gondelbahn entschieden und 2008 einen Studienauftrag ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt im selben Jahr das Büro Guido Kummer + Partner Architekten. Zunächst wollte es jedoch mit dem Projekt nicht vorangehen: Seit dem Abbruch der Sesselbahn zum Oeschinensee im Herbst 2008 war die Sesselbahn auf den Weissenstein die letzte ihres Typs in der Schweiz. So ging noch 2008 eine Einsprache des Heimatschutzes ein. In der Folge wurde das Projekt 2010 optimiert und schliesslich 2013 vor Bundesverwaltungsgericht gutgeheissen. Ein Grossteil der Seilbahnanlage liegt in einem Juragebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt ist. Das Wandergebiet mit einmaliger Flora und Fauna, interessanter

Geologie und überwältigendem Alpenpanorama verlangte nach einem schonenden Umgang. Diese Prämisse war wegweisend für den Entwurf. Die drei Standorte und ihre Geologie sind verschieden und verlangten unterschiedliche Gründungen: Die Talstation liegt im Waldhang, die Mittelstation auf dem Plateau Nesselboden in Weideland an der Waldgrenze und vom Untergrund her in einem Rutschgebiet (Effingerschicht), die Bergstation befindet sich dagegen auf einem Felsfuss aus Kalksteinplatten, dem sogenannten Weissenstein. Trotz der grossen Unterschiede zwischen den drei Standorten sollten die Gebäude einheitlich und einfach in Erscheinung treten und überall ein Teil der Umgebung werden. Dies löst die Gestaltung in Analogie zu den Holzstapeln der Förster ein, wie man sie überall in den hiesigen Wäldern findet. Mit ihrem runden Querschnitt werden die Gebäude für das Auge zu einem Teil der Landschaft. Die Dimensionen der Bauten sind primär be-


Situation

stimmt durch die Bahntechnik und deren Vorschriften wie Lichtprofil und Sicherheitsabstände. Die runde Form ist die minimale Hülle um das Lichtraumprofil der Seilbahn. Die klare Formensprache ohne Absatz und Kanten ergibt einen Gebäudetypus, der durch Rücksprünge und Auskragungen (Licht/Schatten) einen kleinen Fussabdruck hinterlässt. Das Erscheinungsbild und die Integration sind geprägt durch das Material Holz und dessen Vergrauung. Die Gondelgarage im Tal mit ihrer grossen Dimension wird dank der angekohlten Holzfassade optisch reduziert und integriert sich zurückhaltend in die Waldlichtung. Die drei Stationen geben heute für die Besucher imposante Ausblicke in die Natur frei: vom Tal die Waldschneise im Jurasüdhang, im Nesselboden die Parallele zur Juraflanke mit Sicht auf die drei Seen und den Chasseral und von der Bergstation die Alpenkette mit dem Mont Blanc als Fernpunkt. Die Fahrt in den Panoramagondeln lässt den Blick über das Mittelland schweifen und Solothurn von oben erleben.

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Talstation: Ansicht SĂźdost

Talstation: Untergeschoss

Talstation: Ansicht Nordost

20 m

Talstation: Erdgeschoss

Talstation: Isometrie

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Ort Weissensteinstrasse, 4515 Oberdorf Bauherrschaft Seilbahn Weissenstein AG, Oberdorf Architektur Guido Kummer + Partner Architekten, Solothurn Gesamtprojektleitung Sutter Ingenieur- und Planungsbüro AG, Oberwil Bauingenieur Emch + Berger AG, Solothurn Geologie Wanner AG, Solothurn Gondelbahn Garaventa AG, Goldau Elektroplaner Regio Energie, Solothurn (Vorprojekt), Hefti Hess Martignoni, Solothurn (Gebäude), und AEK Energie AG, Solothurn (Zuleitung) Sanitärplaner Saudan AG, Solothurn Heizungsplaner Gurtner AG, Solothurn Lüftungsplaner Riggenbach AG, Solothurn Umweltingenieur bsb + Partner Ingenieure, Biberist Holzbauingenieur Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See (Vorprojekt), und Neue Holzbau AG, Lungern (Ausführung) Holzbau Kooperation Holzbau Weissenstein: Bader Holzbau AG, Aedermannsdorf, Holzbau Moosmann AG, Rüti bei Büren, und Späti Holzbau AG, Bellach, sowie Adam Schreinerei AG, Oberdorf (Innentüren aus Holz), Fluri Holz AG, Bellach (Deckenbekleidungen), Devaud und Marti AG, Bellach (Fenster aus Holz) Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 33 m3, Brettschichtholz 224 m3; Platten: Dreischichtplatten 19 m3, OSB 5 m3, Sperrholz 8 m3, zementgebundene Holzwolleplatten 4 m3; Schalungen: Dach 245 m3, Fassade in Douglasie 7 m3 Gesamtobjektauszeichnung mit dem ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› (88 % Schweizer Holz, Vorgabe mind. 80 %) Baukosten BKP 1–9 CHF 25 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 9 Mio. Baukosten BKP 214 CHF 2 Mio. Geschossfläche gesamt 2814 m2 Bauzeit Februar–Dezember 2014 (Talstation), April–November 2014 (Mittel- und Bergstationen) Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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Mittelstation: Isometrie

Mittelstation: Ansicht SĂźd

Mittelstation: Untergeschoss

Mittelstation: Erdgeschoss

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Bergstation: Isometrie

Bergstation: Längsschnitt

Bergstation: Untergeschoss

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Bergstation: Ansicht Nord

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Bergstation: Erdgeschoss


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Gipfelgebäude Chäserrugg, Unterwasser Die Tourismusdestination Toggenburg lenkt die Aufmerksamkeit mit einem durchgestalteten Holzbau an prominenter Lage auf sich. Auf dem Churfirstengipfel Chäserrugg belebt die neue Bergstation das Sommer- wie das Wintergeschäft. Der Bau interpretiert gekonnt lokale Tradition, ohne in Klischees zu verfallen. Als östlichster der sieben Churfirsten erhebt sich der Chäserrugg auf 2262 m. Von Norden, aus dem Toggenburg her, steigt der Bergrücken sanft empor und stürzt Richtung Süden als steile Felswand fast 1900 m zum Walensee hinunter. Hinterrugg, Rosenboden und Chäserrugg bilden ein Hochplateau, dessen Horizontalität in starkem Kontrast zu den schroff abfallenden Felswänden steht. Hinter dieser eindrücklichen Topografie im Vordergrund erstreckt sich die Bergkulisse der Alpen bis zum Horizont. Dieser einmalige Ort wird seit 1972 durch die Bergbahn Unterwasser–Iltios– Chäserrugg erschlossen, deren Talstation man in weniger als einer Stunde von Zürich und St. Gallen erreicht. Seit der Fertigstellung der Luftseilbahn betrieb man in einem Provisorium ein Restaurant, welches ursprünglich als Unterkunft für die Bauarbeiter entstanden war. Dieses wurde nun durch einen Neubau ersetzt. Das Bahngebäude, ein für seine Zeit typischer, pragmatischer Stahlbau auf einem Betonsockel, wurde neu eingekleidet und wird weiter genutzt. Senkrecht dazu erstreckt sich entlang des Bergpanoramas ein nach Süden orientierter

Querbau – das neue Bergrestaurant. Als verbindendes Element überspannt ein grosses Dach die beiden Baukörper und schafft eine Ankunftshalle im Freien. Die neue Bergstation ist ein reiner Holzbau auf einem Betonsockel. Er wurde von lokalen Handwerkern im Tal vorfabriziert und in einem Sommer auf dem Berg zusammengebaut. Im darauffolgenden Winter wurde der Innenausbau fertiggestellt. Die Architekten entschieden sich für Holz, um die lokale Bautradition aufzunehmen. Genauso aber ging es darum, schonend mit Ressourcen umzugehen: Ausser dem Kran, der mit dem Helikopter hochge­ flogen wurde, erreichten sämtliche Teile des Bauwerks ihr Ziel mit der Gondelbahn – bei laufendem Bergbahnbetrieb. Für die Beton­ arbeiten wurde der angefallene Aushub aufbereitet und als Kieszuschlag weitergenutzt. Das Restaurant ist ein langer, flexibel bespielbarer Raum, dessen Atmosphäre geprägt wird durch gefügte, repetitive Zimmermannsarbeit aus Fichte. Das tief herunterreichende Dach auf eng gestellten Stützen ist das dominierende Element des Gebäudes mit vorgelagerter, gedeckter Terrasse. Der Innenraum des Restaurants ist dreiseitig verglast und bietet spektakuläre Aussicht. Die vierte Seite des Raums bilden Nischen mit eingebauten Bänken und Tischen. Jede Nische hat ein eigenes Fenster, ihr eigenes Stück gerahmte Berglandschaft.

Ort Unterwasser, 9657 Wildhaus-Alt St. Johann Bauherrschaft Toggenburg Bergbahnen (TBB) AG, Unterwasser Architektur Herzog & de Meuron, Basel Bauleitung Ghisleni Planen Bauen GmbH, Rapperswil Tragwerksplaner Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel, Pirmin Jung Ingenieure AG, Sargans, und Schällibaum AG, Herisau Haustechnik, Brandschutz Amstein + Walthert St. Gallen AG, St. Gallen Akustik Martin Lienhard, Langenbruck, und Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain Bauphysik Zimmermann + Leuthe GmbH, Aetigkofen Gastro-Fachplanung Gastro-Fachplanungen Ruedi Menet GmbH, Walzenhausen Textilien Rondelli Consulting, Zürich Prüfingenieur Casutt Wyrsch Zwicky AG, Chur Schneegutachten WSL – Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos Windgutachten I.F.I. Institut für Industrieaerodynamik GmbH, Aachen (DE) Holzbau Blumer-Lehmann AG, Gossau (Holzbau), und Schreinerei Stolz, Unterwasser (Innenausbau Holz) Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 125 m3, Brettschichtholz 406 m3; Platten: Dreischichtplatten 83 m3, OSB 43 m3, diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 41 m3; Lattungen 63 m3; Bodenriemen 38 m3 und Blindschalungen 56 m3; Brüstungen und Treppenstufen 6 m3; Fassaden: Schalung 39 m3, Unterkonstruktion und Abschlüsse 31 m3; Objektauszeichnung für die Fassade mit dem ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› (100 % Schweizer Holz, Vorgabe mindestens 80 %) Gebäudegrundfläche SIA 416 1360 m2 (Neubau), 1010 m2 (existierender Teil) Geschossfläche SIA 416 2500 m2 (Neubau), 1580 m2 (existierender Teil) Bauzeit April 2014 – Juni 2015 Fotografin Katalin Deér, St. Gallen

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Untergeschoss

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Obergeschoss

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Querschnitt Bahnstation und Küche

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Querschnitt Restaurant und Terrasse

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Neubau Restaurant: 1 Terrasse 2 Tenne 3 Eingang 4 Restaurant 5 Sitznische 6 Haustechnik 7 Lift 8 Fluchttreppenhaus 9 Service 10 Küche 14 Balkon 15 Luftraum Tenne 16 Eingang, Garderobe, Service 17 Separee 18 Luftraum Restaurant 19 Haustechnik Lüftung 20 Luftraum Haustechnik 23 Luftraum Separee 24 Haustechnik Elektro 26 Toiletten 27 Lagerraum 28 Personalraum 29 Umkleiden Personal 30 Wasserspeicher 31 Haustechnik Heizung

40 m

Bestand Bergstation: 11 Perron 12 Warteraum, Kasse 13 Sanitär 21 Luftraum Perron 22 Betriebsräume Seilbahn 25 Räderraum Seilbahn 32 Anlieferung 33 Technik 34 Lagerraum


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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno

Redaktion Roland Brunner, Lignum, und Audanne Comment, Lignum-Cedotec

Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Gestaltung BN Graphics, Zürich

Holzbulletin, September 2016 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Druck Kalt Medien AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Lignum, Zürich

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 120/2016  
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