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Handwerk: Informationsorgan des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk

2/ 97 Stiftung Heimatwerkschule Ballenberg Ein Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg und der Heimatwerke der Schweiz


Handwerk 2/97 Herausgeber Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk Postfach, 3855 Brienz Telefon 033-952 80 40 Fax 033-952 80 49 Redaktion Ursina Arn-Grischott Druck Gisler Druck AG, 6460 Altdorf gedruck auf Perlentrend Jahresabonnement Inland Fr. 24.–, Ausland Fr. 32.– 3200 Abonnemente erscheint 3mal pro Jahr Ausgabe 3/97 Redaktionsschluss Mitte November 1997 erscheint Mitte Dezember 1997 Bestellkarte auf der 3. Umschlagseite Insertions-Tarif 1/4 Seite Fr. 150.– 1/2 Seite Fr. 300.– 1/1 Seite Fr. 600.–

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Beno Frischknecht nimmt Abschied Editorial: Handwerken... Aktuelle Kursübersicht Inserate Bild: Ablichten, belichten Heinz Sonderegger Keramik: Licht Marc Zumstein Lebenswerk Keramik Elisabeth Langsch Wolle statt Federn: Duvet herstellen Doppelgewebe in der Handweberei Fischbandbeschläge Trockenmauern Vom Ballenberg... Infos aus dem Freilichtmuseum


Danke, Beno!

Beno Frischknecht nimmt Abschied Wer in den letzten 30 Jahren im Winter oder ab und zu auch im Sommer einen Schreinerkurs der Heimatwerkschule in Richterswil, letztes Jahr auf dem Ballenberg, besucht hat, ist Beno Frischknecht begegnet. Ob vor 30 Jahren oder heute – alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer werden Beno als einen Mann mit viel Begeisterung für die Sache in Erinnerung haben, einige auch als geselligen Lautenspieler und Sänger. Beno Frischknecht hat 3 Dekaden Heimatwerkschule miterlebt und mitgestaltet. Viele nostalgische Bilder der Kurstätigkeit der Heimatwerkschule in den sechziger und siebziger Jahren kommen im Gespräch auf. Der Fluss der Zeit hält alles immer in Bewegung... Ehemaligen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern wird dieses Foto gesellige Stunden mit ihrem Kursleiter Beno Frischknecht in Erinnerung rufen.

Wenn Beno sein umfangreiches Wissen über Holzbearbeitung weitervermitteln kann, ist er im Element und scheut keinen Aufwand, Interessierte jeden Wissensstandes zu lehren. Bis heute haben ca. 1500 Kursbesucherinnen und -besucher die Grundkenntnisse des Schreinerns bei ihm erworben! Bedingt durch die Verlegung der Schule auf den Ballenberg und das neue vielfältige Kursprogramm, stehen nur noch drei bis vier Einführungskurse in Schreinerei auf dem Programm. Während der Anlaufsphase des neuen Kurszentrums war Beno als vollamtlicher Mitarbeiter angestellt und beschäftigt mit Einrichten der neuen Werkstätten und Lager. Diese Arbeit ist nun getan und Beno verabschiedet sich vom Kurszentrum und vom Berner Oberland, um wieder in Herisau zu wohnen und zu wirken. Im Kurszentrum wird er ab und zu noch ein Gastspiel als Kursleiter in Schreinerei geben und hofft, vielleicht seine Schreinerkenntnisse auch anderweitig weitergeben zu können. Im Gespräch mit Beno kommt die Frage nach Sinn und Zweck der Schreinerei mit Handwerkzeugen in unserer technisierten und elektronischen Welt zur Sprache. Setzt dies bloss einen Gegenpol oder liegen ihm andere Werte zu grunde? Seine Argumente überzeugen: Um Holz und seine Handwerk 2/97 1


Beno Frischknecht im neuen Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk bei konzentrierter Arbeit. In den letzten fünfzehn Jahren haben die Frauen die Freude am Schreinern entdeckt! Beno Frischknecht als junger Kursleiter in der Heimatwerkschule in Richterswil mit einer Schar junger Männer, ca. 1965. Mit Begeisterung hat Beno Frischknecht sein umfangreiches Wissen über Holzbearbeitung in den Schreinerkursen weitergegeben. Bis heute haben etwa 1500 Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer die Grundkenntnisse des Schreinerns bei ihm erworben.

Eigenschaften kennen zu lernen und diesen Werkstoff zu bearbeiten, muss man sich mit «Gespür» daran machen und im Prozess des Lernens auch in einem nachvollziehbaren Tempo arbeiten können. Wer mit Handwerkzeugen geschickt umgehen kann, wird auch fähig sein, eine Maschine am richtigen Ort einzusetzen und zu bedienen. Maschinen sind aber kostspielig, brauchen fachgerechte Wartung und sind zeitaufwendig in der Einstellung des jeweiligen Arbeitsganges, was sich deshalb vor allem bei seriellen Arbeiten lohnt. Einzelstücke, in Massivholz mit schönen Holzverbindungen von Hand gearbeitet, sind nicht viel zeitaufwendiger. Dies als rein rationale Überlegungen. Das echte Handwerk aber ist eine Art Sprache, in welcher sich Wissen, Fertigkeiten, Erfahrungen und die Kreativität des Menschen ausdrücken können. Die Hand ist das wichtigste Instrument; die Fertigkeit, ein Werkzeug mit der eigenen Hand zu steuern, kann gesteigert werden bis zu einer hohen Perfektion, welche aber immer noch eine sehr persönliche Handschrift trägt und spontan beeinflusst werden kann. Handwerk als Sprache der Seele. Ein eigener Gestaltungswille kann sich entwickeln und einmalige Unikate entstehen, unvergleichbar mit Massenware. Beno Frischknecht hat viel Erfahrung und Wissen alter Bauweisen, deren Holzverbindung und Oberflächengestaltung. Deshalb ist es für uns wertvoll, wenn er auch weiterhin in dieser Zeitschrift sein Wissen weitergeben wird. Langjährige Abonennten werden bereits eine Sammlung seiner Schreinerei-Anleitungen mit sorgfältigen Massangaben und Zeichnungen besitzen. Ich hoffe, dass noch viele folgen werden! Beno, ich wünsche Dir ganz persönlich als langjährige Arbeitskollegin und im Namen der Heimatwerkschule viel Kreativität und Erfolg bei der weiteren Arbeit! Ursina Arn-Grischott

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Handwerken...

Editorial

Ist es heute noch verantwortbar, Dinge herzustellen?

Unser Körper als Wahrnehmungsinstrument: Die aus einem Pappelstamm geschnittene Treppe des Bildhauers Thomas Birv führt Kursteilnehmende und Gäste des Hauses hinunter in die Cafeteria. Durch die ungleichen Tritte wird uns beim Begehen bewusst, wie sehr wir uns an die Normen der Alltagsarchitektur gewöhnt haben. (SIA-Norm: 2 Steigungen und 1 Auftritt = 62/64 cm) Normen erleichtern uns die Mobilität im Alltag, haben aber den unangenehmen Nebeneffekt, dass unsere Wahrnehmung eingelullt und ausserordentliche Bewegungsabläufe – wie etwa das Treppensteigen – selbstverständlich erscheinen.

Geschätzte Leserin geschätzter Leser Unsere Wahrnehmung muss geschult werden, das Ziel all unserer Bemühungen soll die differenzierte Wahrnehmung sein. Der Aufbau von Unterscheidungskriterien ermöglicht uns die bewusste Auswahl. Wird unsere Wahrnehmung geschärft, wenn wir tagelang mit verschiedenen rotierenden Hölzern an der Drehbank um Formgebung ringen? Wir erkennen die Qualität, Härte, Beschaffenheit, innere Struktur des Holzes und schaffen so eine innige Beziehung zum Gegenstand. Gemeinsames Ziel aller Kurse ist also die Bildung, die uns ermöglicht zu unterscheiden – eine bewusste Auswahl zu treffen. In der vorliegenden Ausgabe von Handwerk werden verschiedene Arbeiten und Kurse vorgestellt, und ich freue mich, dass wir in diesem Heft schwerpunktmässig das Bild, das Abbilden und eigentliche «Ablichten» in den Mittelpunkt stellen können. Wie Sie gelesen haben, hat Beno Frischknecht auf Ende Juli das Kurszentrum als Betriebshandwerker verlassen. Ich danke Dir Beno für Deine Sorgfalt und Deinen engagierten Einsatz für das Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk, insbesondere während der Zeit des Neubeginns. Wir freuen uns, Dich künftig als Kursleiter bei uns begrüssen zu dürfen.

Den Nachfolger Mark Schlup heisse ich willkommen und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. Am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Oktober 1997, laden wir ein zu den Tagen der offenen Tür. Unsere Kursleiterinnen und Kursleiter stellen sich vor, es werden Handwerkdemonstrationen und Begegnungen stattfinden. Ich freue mich, dann auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, bei uns begrüssen zu dürfen. Lassen Sie sich überraschen und inspirieren. Machen Sie sich also auf den Weg zu uns: wir versprechen Ihnen eine handwerkliche Entdeckungsreise... Bis bald!

Adrian Knüsel

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Aktuelle Kursübersicht September 1997 1. bis 5. September, Kursnummer 362 n Malen/Zeichnen mit Patricia Boscarin 4. bis 7. September, Kursnummer 253 n Textiler Siebdruck mit Marianne Laub 8. bis 12. September, Kursnummer 172 n Holzschnitzen: Figuren, Reliefs mit Paul Fuchs 11. bis 13. September, Kursnummer 241 n Spinnen mit Barbara Wälchli Keller 15. bis 19. September, Kursnummer 163 n Drechseln: Arbeiten an der Drehbank Ausgebucht! mit Albert Wartenweiler 15. bis 19. September, Kursnummer 372 n Malen auf Seide mit Elisabeth Rodel-Jakob 18. bis 20. September, Kursnummer 363 n Sgraffito mit Annetta Catatina Ganzoni 22. bis 26. September, Kursnummer 164 n Drechseln: Arbeiten an der Drehbank Ausgebucht! mit Albert Wartenweiler 22. bis 26. September, Kursnummer 420 n Einführung in die Handholzerei mit Fritz Moser 25. bis 27. September, Kursnummer 217 n Filet-Knüpfen mit Barbara Wälchli Keller

6. bis 10. Oktober, Kursnummer 359 n Papiermaché – mit Altpapier gestalten Ausgebucht! mit Ursula Müller-Hiestand 13. bis 17. Oktober, Kursnummer 106 n Zusatzkurs Schreinern, Einführungskurs mit Beno Frischknecht 13. bis 24. Oktober, Kursnummer 202 n Handweben: Grundkurs mit Nathali Eschenbacher 13. bis 17. Oktober, Kursnummer 319 n Küferei/Boisselerie mit Hans-Rudolf Steiner

Oktober 1997

25. und 26. Oktober n Tage der offenen Tür des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk: Handwerksdemonstrationen und Begegnungen mit Kursleiterinnen und Kursleitern. Samstag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

6. bis 10. Oktober, Kursnummer 210 n Kette bedrucken, bemalen, beweben mit Marianne Laub

27. bis 31. Oktober, Kursnummer 302 n Sattlern: Neuanfertigungen und Reparaturen mit Brigitte Grob

6. bis 10. Oktober, Kursnummer 335 n Schmieden: Windfahne und Werkzeug mit Bernard Pivot

27. bis 31. Oktober, Kursnummer 421 n Einführung in die Handholzerei mit Fritz Moser

29. September bis 11. Oktober, Kursnummer 326 n Örgeli-Bau: einreihiges Schwyzer-Örgeli mit Peter Josef Bruhin

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November 1997 6. bis 8. November, Kursnummer 376 n Bienenhängekorb flechten, Umgang mit Bienen mit Eugen Bühlmann 10. bis 14. November, Kursnummer 309 n Korbflechten mit Weiden: Fortgeschrittene mit Bernard Verdet 13. bis 15. November, Kursnummer 224 n Sticken, Richelieusticken mit Barbara Wälchli Keller 17. bis 21. November, Kursnummer 181 n Kerbschnitzen mit Rosmarie Oppliger 17. bis 21. November, Kursnummer 343 n Scherenschnitt: Grundkurs mit Ernst Oppliger

Lochkameraaufnahme, Heinz Sonderegger. Das Ultrabanale, das einem am nächsten Liegende, bekommt philosophische Bedeutung. Das Loch (Fenster) der Lochkamera, durch das Licht in einen dunklen Raum fällt, hat etwas von unserem Auge. Auch unsere «GehirnHöhle bildet irgendwo an ihren Wänden» die eingefallenen Bilder ab.

24. bis 29. November, Kursnummer 327 n Bau von Spielmanns-Harfe, Büchel und Kastendrehleiher mit Matthias Wetter 24. bis 28. November, Kursnummer 344 n Scherenschnitt: Fortgeschrittene mit Ernst Oppliger 24. November bis 4. Dezember, Kursnummer 204 n Handweben: Fortgeschrittene mit Nathali Eschenbacher

Dezember 1997 Auskünfte zu den Kursen erhalten Sie beim Sekretariat Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk Postfach, 3855 Brienz Telefon 033-952 80 40, Fax 033-952 80 49. Rufen Sie einfach an oder benutzen Sie die Bestellkarte auf der Umschlagseite hinten.

1. bis 12. Dezember, Kursnummer 324 n Fidel-Bau mit Karl Grob 11. bis 13. Dezember, Kursnummer 213 n Bänderweben mit Mathilde Müller 11. bis 13. Dezember, Kursnummer 383 n Stroh: Sterne, Engel und weitere Dekorationen mit Trudy Hochuli-Weber 15. bis 19. Dezember, Kursnummer 410 n Traditionelle Holzbearbeitungstechniken mit Ambros Widmer

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25. und 26. Oktober

Tage der offenen Tür des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk: Handwerksdemonstrationen und Begegnungen mit Kursleiterinnen und Kursleitern. Samstag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

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Bild: Ablichten, belichten

Das Geheimnis des Lichtes Eines Sonntagmorgens blickte Jakob Böhme, den Hegel als den ersten deutschen Philosophen bezeichnete, auf einen Zinnteller, der an der Wand seiner Schusterstube hing. Der Teller leuchtete. Böhme ging an dem wie Jupiter strahlenden grauen unscheinbaren Metall auf, dass Licht ohne dunklen Hintergrund genausowenig zu sehen ist wie Finsternis ohne den Gegensatz des Lichtes finster erscheint. Böhmes Ein-Sicht: «Kein Ding ohne sein Gegenteil.» Wo Sonnenlicht ist, ist auch Schatten. Wie kann Licht in einer Abbildung dargestellt werden, ohne Schatten zu erwähnen – oder Schatten ohne Licht, zwei Pole im symbiotischen Wechselspiel. Fotografie, Heinz Sonderegger. Wo unsere eingeübte Sehblindheit sich lichtet, bleiben filigrane Erscheinungen und zwar dort, wo man sie nicht zu finden erwartet, in allernächster Nähe, im Unscheinbaren, als stille Welt neben der, die wir üblicherweise zu sehen vermeinen. Kontrastreiche Beleuchtung eignet sich vorzüglich für Camera obscura-Aufnahmen.

Licht hat seit Menschengedenken beschäftigt. Im berühmten Höhlengleichnis von Platon ist Licht und Schatten die Quelle des Spiels um die Frage der menschlichen Wahrnehmung und Existenz. Platon vergleicht den Menschen, der seinen Sinnen vertraut, mit einem Gefangenen in einer unterirdischen Höhle, wo er von früher Kindheit an mit dem Gesicht zum Höhleninnern gefesselt sitzt. Er sieht nichts anderes als die Schatten der Gegenstände, die hinter ihm im Schein des Feuers vorübergetragen werden. Genauso unvollständig wie das Wissen eines solchen Gefangenen, ist zunächst unser Wissen über die Dinge. Das Denken führt uns jedoch aus dem Bereich der Schatten hinauf zur Erkenntnis der Ideen. In der Sonnenstadt Heliopolis wurde mit Sonnenlicht ein Schauspiel um die Göttlichkeit Jupiter im Tempel von Baalbek geboten. Die nur den Priestern zugängliche goldene Jupiterstatue wurde einmal im Jahr dem Publikum mittels ihrer Lichtreflektion sichtbar gemacht. Die Sonne schien genau am Sonnenwendetag auf die Statue und warf eine leuchtende Reflektion in den Tempel. In der Malerei haben Künstler mit kontrastreichen Farbpaletten das Spiel mit Licht aufgenommen und in verschiedenen Epochen das Licht bzw. die Dunkelheit unterschiedlich betont. Handwerk 2/97 7


Zu den natürlichen Lichtquellen Sonne, Mond und Feuer gesellten sich erst sehr spät in der Menschengeschichte die künstlichen Lampen. Ist es blendendes Licht, gedämpftes, schwaches, helles oder grelles Licht, es ist nicht mit den Händen greifbar/begreifbar im Spiel mit seiner Reflektion und seinem Schatten, die sich verändern mit der Stand der Sonne.

Das wirft ein neues Licht auf die Sache In den beiden Kursen im Kurszentrum Ballenberg von Heinz Sonderegger und Marc Zumstein ist Licht der Ausgangspunkt zur Erzählung und sowohl Quelle zur Inspiration als auch direktes Arbeitswerkzeug. Die «Materialisierung» geschieht jedoch mit ganz unterschiedlichen Darstellungsweisen. Heinz Sondereggers Kurs beschäftigt sich mit der Camera obscura, mit deren Bau und Anwendung zur Realisierung von Bildideen. Es ist ihm ein Anliegen gerade im Zeitalter der elektronischen Medien einen vertieften Blick auf die Lochkamera – ein archaisches Medium – zu werfen. Marc Zumsteins Keramikkurs befasst sich ebenfalls mit der Thematik des Lichtes «Lichter, Lampen, Schattenspiele». Gebaut werden Lichter und Schattenspiele aus Ton.

Camera obscura, gezeichnet von Gemma-Frisius 1544

Heinz Sonderegger – Camera obscura Heinz Sonderegger versucht dem Geheimnis des Lichtes in seinem Kurs «Camera obscura» nachzugehen. Die Camera obscura (ital. dunkler Raum) ist eine Lochkamera, eine Einfachstkamera, mit der das Licht eingefangen und auf ein Papiernegativ individueller Grösse belichtet wird. Die Kamera kann aus Schachteln oder Büchsen den eigenen Wünschen entsprechend selbstgebaut werden. Wichtig ist, dass das Innere gegen Lichteinfälle komplett abgedichtet ist. Die einzige Öffnung die als Blende dient, kann aus einem oder mehreren Löchern bestehen, die weniger als einen Millimeter gross sind. Dabei ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten beim Experimentieren mit Schachtelgrösse, Lochgrösse, Anzahl Löcher, Papierpositionierung im Verhältnis zum Loch, Papierwölbung und dessen Lichtempfindlichkeit und schliesslich der Belichtungszeit.

Einzelbilder Da es sich immer um Einzelaufnahmen mit langen Belichtungszeiten handelt, wird die Auseinandersetzung mit dem Objekt intensiver, die Sujetwahl sorgfältiger, das Beobachten genauer – ein ganz anderer Umgang und ganz andere Resultate als man sie mit einer normalen Kamera kennt. Mit einem Kamerablitz müssen wir uns über die Lichtverhältnisse keine Gedanken machen, das Objekt wird gleichmässig aufgehellt. Mit der Lochkameraaufnahme jedoch erreicht man gerade durch Dunkelheit entstehende Fehlteile eine Lebendigkeit und Rätselhaftigkeit. Durch den Mangel an technischen Möglichkeiten werden die wesentlichen Eigenschaften der Fotografie verstärkt. Keine Linse, die eine Rolle spielt und besondere Effekte erzielt. Die Voraussetzungen reduzieren sich auf das grundlegendste Prinzip von Lichteinfall auf Fotopapier und beinhalten keine technischen Zusätze und Spezialfunktionen. Die Aufnahme wird auf ein Papiernegativ belichtet, das 1:1 auf Fotopapier abgezogen wird und daher kornfrei bleibt. Da der Schärfenbereich bei der Lochkamera überall gleich ist und es nichts scharf zu stellen gibt, enthält das Abbild auf allen Ebenen viel Information über den abgelichteten Ort.

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Minimallicht ist spannend

Lochkameraaufnahme, Caroline Haag. Duch tiefe Aufnahmestandorte entstehen oft Silhouetten, wie bei diesem Haus. Die Reduktion auf beinah nur schwarz/weiss fördert das Zeichenhafte. Dadurch drängen sich neue Inhaltsdeutungen auf. Tuschezeichnungen, Heinz Sonderegger. Die Tonwertreduktion und die Reduktion in den Details beim Arbeiten mit Lochkameras können zu anderen nicht eingeübten Sichtweisen führen wie hier bei diesen Zeichnungen die in Schwarz/Weiss möglichst präzise eine Empfindung vermitteln wollen.

Licht umgibt uns allzeit, wir nehmen es aber nicht immer bewusst wahr. Ist es dunkel, hilft bzw. täuscht uns das eigene Auge, indem die Iris (Regenbogenhaut) sich öffnet. Werden die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut durch Licht gereizt, zieht sich der Irismuskel zusammen. Die Camera obscura kann das nicht, sie kann uns nicht täuschen. Sie braucht also je nach Dunkelheit entsprechend viel Zeit das Licht einzufangen. Je kontrastreicher das Lichtspiel, desto klarer umreissen sich Formen, die zeichenhafte, konzentrierte Aufnahmen entstehen lassen. Silhouetten sind die Umkehrung von Licht, das ein Objekt umgibt. Um geeignete Sujets zu finden, müssen Prinzipien des Lichtes bekannt sein und das Wahrnehmen sensibilisiert werden. Je weniger man sich mit den Bedingungen der Lochkamera auskennt, desto eher entstehen Aufnahmen, die vom Zufall bestimmt sind. Es entstehen Bilder, die man sich nicht vorstellen kann – als würde man Träume sichtbar machen. Es verschieben sich die Ebenen, die Bilder werden verfremdet, die Perspektive verzogen. Die lange Belichtungszeit lässt bewegte Objekte verschwinden und erzeugt skurrile, gespenstische Stimmungen bei der Abbildung von GebäuHandwerk 2/97 9


den und Räumlichkeiten. Auch gibt es unzählige Variationen beim Anwenden von Doppelbelichtungen oder Serienaufnahmen mit mehreren Löchern. Interessant bei der Abbildung von Menschen ist die Ähnlichkeit mit Fotografien der Pioniere. In den Anfängen der Fotografie, als die fotografischen Emulsionen noch weniger lichtempfindlich waren, hatte man ähnlich lange Belichtungszeiten. Die fotografierte Person musste still sitzen und konnte ihre eigene Darstellung inszenieren, der Faktor Zeit wird wie in einem gemalten Portrait spürbar. In den ersten Fotografien herrscht oftmals eine magische Intensität. Lochkameraaufnahme, Regula Fäs. Diese Sequenz erzählt durch das Bildnebeneinander Geschichten. Lochkameraaufnahme, Heinz Sonderegger. Die Sicht der Lochkamera entspricht meist nicht derjenigen unseres Sehens schon allein wegen dieser Tatsache scheinen uns die Bilder der Camera obscura fremd, wenn nicht sogar märchenhaft.

Licht und Dunkel formen Plastizität Heinz Sonderegger, gelernter Fotograf und visueller Gestalter, hat mit verschiedenen Schulklassen Lochkamera-Kurse durchgeführt, und erzählt begeistert von der Experimentierfreudigkeit der Schüler und deren Faszination, die sie für diese Lichtfallen entwickelten. Die fotografischen Resultate, von denen einige hier abgebildet sind, haben seine Erwartungen übertroffen. Die Technik der Camera obscura hat ihn selbst in anderen Ausdrucksmitteln sensibilisiert, so ist z. B. eine Zeichnungsarbeit entstanden, die sich mit Handwerk 2/97 10


der Reduktion auf schwarz/weiss befasst und sich vom Objekt ablöst. Ähnlich wie bei der Camera obscura, wo ihm nicht die realistische Abbildung wichtig ist, sondern das räumliche Spiel, entsteht Plastizität nur aus Licht und Dunkelheit. Die unmittelbare Handhabung und Beeinflussung der Materie Licht und das genaue Betrachten und Verstehen ist eine wichtige Grundlage, auch um später am Computer zu arbeiten. Deshalb ist es Heinz Sonderegger wichtig, sich gerade in unserem elektronischen Zeitalter mit einem Gegenpol zu befassen, der unsere Wahr nehmung bei anderen Anwendungen stimuliert. Einem Kind, das direkt an den Computer sitzt, fehlt die Erfahrung an Sinnlichkeit in der visuellen Wahrnehmung. Es geht nur noch um Schnelligkeit und Effizienz, dabei gehen Geduld und Zeit im Umgang mit der Wahrnehmung verloren. Geschwindigkeit ist ein Faktor, der der Auseinandersetzung mit Licht widerspricht. Man muss sich Zeit nehmen, Licht zu beobachten. Wir erhalten immer mehr Gehhilfen für unsere visuelle Wahrnehmung, das Auge verkümmert, ist nicht mehr entdeckungsfreudig. Es entgehen uns dadurch Momente, die unser Gehirn mit Fantasie beflügeln könnten. Ein aufmerksames Auge kennt die Gesetzmässigkeiten des Lichtes, nimmt wahr wo das Licht von Objekten gebremst wird, wo es durch Lücken dringt, wo es reflektiert wird und an welchen Stellen es das Papier nicht belichten wird. Ein geübtes Auge komponiert mit Tönungen, so wie Melodien in unserer Erinnerung hörbar nachklingen. Christina Arn

Lochkameraaufnahme, Christian Lüber, Brienz. Diese Bildsequenz ist im Juli während des Kurses von Heinz Sonderegger bei uns im Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk entstanden.

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Keramik: Licht

Marc Zumstein – Keramik: Lichter, Lampen und Schattenspiele

Windlichter 1997 «Geschichten mit Licht», Marc Zumstein Windlicht 1996 «Geschichten mit Licht», Marc Zumstein

Marc Zumstein, ausgebildeter Bildhauer und Keramiker, stellt Gebrauchskeramik im weitesten Sinne her: Ess- und Trinkgeschirr, Schalen, Krüge, Blumengefässe, Kerzenhalter, Windlichter und Tonplattenböden bis hin zu Wandbildern, Brunnen und Wasserspielen. Er arbeitet mit den drei Techniken des Töpferhandwerks: Drehen auf der Töpferscheibe, Modellieren und Giessen. Seinen Arbeitsort – er hat ein eigenes Atelier in Basel – versteht er als Spiellabor, wo er immer neue Kreationen entwickelt, mit Formen und Mustern experimentiert und zusammen mit Assistenten hunderte von Farbmustern herstellt – auf der Suche nach Farben, die er zum Leuchten bringen will! Da er einen grossen Teil seiner Zeit mit Farbexperimenten verbringt, ist er am Brennen mit Feuer nach alten Methoden weniger interessiert. Er besitzt einen relativ unkompliziert bedienbaren Elektroofen, den er ähnlich wie ein Backofen mit Computersteuerung programmieren kann, sodass ein langsames Aufheizen und Abkühlen relativ unkompliziert möglich wird. Da sich die Farben beim Brennen verändern, sind FarbproHandwerk 2/97 12


ben essentiell. Die Menge der Glasur spielt eine Rolle und natürlich sind viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig, um die gesuchten Farben zu erzielen. Er glasiert mit einer Spritzanlage und erzeugt Aussparungen mit Abdeckungen. Seine Glasuren stehen immer im Spiel mit den Ausstanzungen, und Prägungen im Ton. Linien und Punkte verdichten sich zu Figuren, die humorvoll und unbeschwert antreten. Es sind archaische Muster, die verschiedenen Kulturen gemein sind, dazu gesellen sich auch erfundene Muster, für die es kein klassisches Zeichenverständnis braucht. Figuren und Ornamente werden mit Farben akzentuiert und verweben sich mit Freude am kompositorischen Spiel. Die Negativ- und Positivteile von durchbrochenen Ornamenten versucht Marc Zumstein ins Gleichgewicht zu bringen.

Licht in der Architektur, Licht in den Farben Marc Zumstein reist oft in slawische Länder und nach Nordafrika, wo er seine Inspirationen holt, entwirft und seine Konzepte zusammenstellt. Sein Interresse an Architektur steht auch im Zusammenhang mit Licht. Speziell die islamische Architektur fasziniert ihn, wo das Licht sich in «Waben» fängt, die die Dicke und Schwere der Mauern auflockern und zu Bauschmuck werden lassen. Der islamische Bau ist wie ein aus Licht gewobenes Zelt, dessen Bogen sich wie Zelttüren öffnen. Inmitten des Hofes, dem viereckigen Ausschnitt des Himmels entsprechend, ein Wasserbecken, in dem sich der ganze Aufbau spiegelt. Das flimmernde Spiel hebt jede Schwere auf. Auch die nordafrikanische Keramik spielt mit ausgeschnittenen Mustern und leuchtenden Farben. Zumsteins Windlichter lehnen sich an dieser Technik an. Sie überschreiten die Dimension vom blossen Objekt. Die freigestellten Muster erzählen Geschichten, die vom Flammenschein projiziert, einen ganzen Raum einhüllen.

Die durchbrochenen Elemente, die auch in seinen Kerzenständern auftauchen, verleihen dem Träger der Kerze eine Leichtigkeit und repetieren mit dem Zitat der Lichtdurchlässigkeit die Flamme, die vom Objekt getragen wird. Auch die gelochte Keramikschale ist ein luftiges Lichtspiel mit Leichtigkeit im doppelten Sinn.

Mut zur Erzählung In seinen Kursen will Marc Zumstein Leuten ohne keramische Vorkenntnisse eine technische Basis vermitteln und eine Richtung angeben, so dass genügend Spielraum besteht, mit Ton zu erzählen. In Workshops, mit Leuten aus verschiedensten Kulturen, war er fasziniert von der ganz anderen Formenwelt, die z. B. Leute aus der Türkei oder Spanien mitbringen. Muster beschäftigen ihn. Sie sind auch für gestalterisch nicht ausgebildete Leute ein guter Einstieg, die eigene Formenwelt in unbelastetem Angehen abzutasten, und werden im Experiment mit Licht und Schatten vom Kerzenlicht zum züngeln gebracht. Christina Arn

Kerzenstock 1996 «Lichtwächter», Marc Zumstein

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Lebenswerk Keramik Elisabeth Langsch: Die grosszügige Geste auch am Schluss Mit Überraschung habe ich die Auflösung des Ateliers an der Froschaugasse aufgenommen. Elisabeth Langsch hatte mit der grossen Figurengruppe in der Uni Tobler in Bern und der Saalgestaltung im Hotel Widder in Zürich bedeutende Werke geschaffen. Sie stand meiner Meinung nach mitten drin, war überall an internationalen Ausstellungen vertreten..., jetzt wollte sie so plötzlich aufhören. Im Gespräch mit Elisabeth habe ich gemerkt, worum es ihr ging. Das Aufräumen des Ateliers gehört auch zum Lebenswerk: «Ich habe genug geschaffen – jetzt höri uf.» Dass ihr Ofen weiterbrennen und viele Keramikbegeisterte auf dem abenteuerlichen Weg begleiten wird, dafür hat Elisabeth Langsch mit ihrer grosszügigen Schenkung an das Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk gesorgt. Ich danke Dir, Elisabeth, als Leiter im Namen aller künftigen Nutzer für diese grosszügige Geste. Adrian Knüsel

Unmittelbar, dringend, ungeduldig Blau erhält Einzug, stürmt, schiesst hoch und legt sich unmittelbar. Rot, in den Kerben schmerzend, bleibt ihm stets auf den Fersen. Um die Ecke zanken sich Lila mit Pink und gähnt Gelb. Dann regt sich wieder Blau, macht sich schön und rar und verlässt die bunte Gesellschaft. Mit Lapis lazuli gekrönt, Saphir und Lavendel zu den Seiten, wallt der Strom in die glühenden Nächte mit Indigo, Kobalt und Azur. Blau, die Farbe der Erinnerung und Fahne der Sehnsucht, zwischen die Windufer von Trauer und Freude gespannt. Mit dem ersten Honorar hat sich Elisabeth Langsch rote Schuhe gekauft, und der erste gewonnene Wettbewerb hat ein Fest für Freunde und Unbekannte finanziert. Die beneidenswerte Direktheit, mit welcher sie scheinbar unbekümmert das Leben und die Kunst ungetrennt handhabt, ist dabei trügerisch, denn nichts wurde ihr geschenkt.

Damals in Königsberg, erinnert sich Beni, ging man am Sonntag ans Meer. Das Salz auf der Haut schmeckte so seltsam, als ob die ganze Erde essbar wäre. Im Winter führte der Schulweg durch blau vereiste, hohe Schneekorridore. Die Kunst war noch nicht in Sicht, und im Geheul der Luftangriffe verstummte mancher Traum. Nach dem Krieg wieder in der Schweiz, entdeckt Beni dank der «Ecole d’Humanité» ihre Feude am Machen, am farbigen bilden und findet, philosophisch unvorbelastet, zu epikureischen Grundsätzen, für welche sie sich, gleich begeistert, noch heute den Kopf wundschlägt: Wenn Leidenschaft, dann eine grosse, wenn Engagement, dann ganz, und wenn Freiheit, dann eine unbedingte, denn Halbwahrheit ist bloss ein Zwillingsschatten der Lüge, und halb tun ist noch schlimmer als gar nichts machen. Der Vorschlag von der Berufsberaterin, sie solle Korsettschneiderin lernen, tönt für Elisabeth Langsch wie ein Hohn, und das Angebot, einen Pfarrei-Haushalt zu führen, begeistert sie nicht im geringsten. Sie entscheidet sich für die Keramik, da «die Tonerde so gut duftet» und absolviert die Keramische Fachschule in Bern mit dem Diplom einer Keramik-Malerin. Der Lehrer B. Geiger attestiert ihr «Naturtalent», hinter ihrer Unmittelbarkeit steckt aber mehr. Frühreif und eigenwillig, nimmt sie ihre Weiterbildung völlig unkonventionell in die Hand, führt klug und energisch Regie und überlässt die Rolle des Schutzengels dem Zufall. Die junge Frau steht der Bildhauerin Alice Guggeenheim Modell und lernt aus der Nähe kennen, wie eine Skulptur entsteht. Malen ist schön, die Plastik aber ein grösseres Abenteuer. Die Ausstellung «Céramiques des maîtres de la peinture contemporaine» in Lausanne (1953) mit der illustren Besetzung von Pierre Bonnard bis Pablo Picasso verschlägt ihr den Atem. Sie will und muss jetzt sofort nach Vallauris. Da aber Josep Llorens Artigas niemanden sucht, wandert die Schweizerin ohne Empfehlungspapiere weiter nach Aix-en-Provence. «Was können Sie eigentlich», fragt Georges Jouve, eine Autorität im Bereich moderner Baukeramik. «Alles», sagt Beni ehrlich und darf ein Jahr in seinem Atelier bleiben. Dann zieht es sie zu der keramischen Quelle von Faenza, wo sie in der Werkstatt von Professor Guerino Tramonti freie Entwürfe macht Handwerk 2/97 14


Zwei Mal Elisabeth Langsch: Ihre Figurengruppe ruhig und verspielt im bewegten Umfeld des Flughafens Zürich. Und die Keramikerin live und bewegt im Gespräch.

und beinahe kokett mit den klassischen Vorbildern Picasso und Mirò spielt. Die Praxis im Atelier von Margrit Linck-Daepp in Zollikofen beschliesst die Wanderjahre. Dank dem Ehepaar Linck erlebt Elisabeth besonders intensiv die berühmte Ausstellungstätigkeit von Arnold Rüdlinger in Bern. Nach der keramischen Taufe wird Elisabeth Langsch an der Aare mit den aktuellsten Kunsttendenzen wetterfest konfir miert. 1958 eröffnet die Keramikerin ein eigenes Atelier in Zürich-Kilchberg. Während dreiunddreissig Jahren baut sie an ihrem bewegten, beweglichen Werk, riskiert, droht abzustürzen und lässt sich dabei die ungemeine Lust des Machens nicht verderben. In der Schweizer Kunstszene entwickelt sie sich mit der Zeit zu einem Sonderfall. Maler und Bildhauer verweisen sie aus Konkurrenzgründen zu den «Angewandten», und für die Berufskollegen, welche den diskreten Charme der Glasuren pflegen, wirkt ihre Arbeitsweise geradezu frivol. Darf man offen so viel Mut und Zärtlichkeit überhaupt vermählen? Geht es nicht zu weit, wenn eine Frau, anstatt gediegene Vasen vorsichtig zu drehen, wie ein Berseker modelliert und grosse und noch grössere Phantasiegeschöpfe zwischen Tier, Pflanze und Engel in die Welt setzt? Von Handwerk 2/97 15


Anfang an tanzt Beni Langsch aus der Reihe des Fachjargons. «Frei oder angewandt» ist für sie kein Thema, und da sie die Finessen des Handwerks bestens kennt, muss sie nicht ängstlich nach Rezepturen kochen. Sie wiegt nicht ab, wagt aber viel. Keine Materialfetischistin, geht sie mit ihrem Werkstoff recht freimütig um und nimmt in der Tat nur das Substanzielle zur Kenntnis: Die Formbarkeit der Tonerde aus freier Hand, die Möglichkeit der zusätzlichen Bearbeitung der Oberfläche auf glatt, geschmeidig, rauh oder mit Glanz, die Gelegenheit, Farbe und Farben harmonisch oder diskursiv zur Form einzusetzen sowie das Unvorhergesehene, den Anteil von Zufallsgestaltung, welche beim Brennen geschieht. Wie sie diese potentiellen Qualitäten zum vollen Ausdruck bringt, bleibt ihr Geheimnis, denn ihre Arbeitsmethode, scheinbar planlos und unsystematisch, kennt keine Erfolgsgarantie. Elisabeth Langsch verzichtet auf Werkzeichnungen, Skizzen oder Berechnungen. Die erste Idee, ab und zu in einer Collage flüchtig fixiert, erlebt auf dem Weg zur Realisierung unzählige Verwandlungen. Der Prozess des Werdens erinnert an eine erstaunlich aktive Yoga-Sitzung ohne genaue Zeitangaben. Je länger und intensiver die Konzentration, umso schneller und auch sinnlicher der formende, gestuelle Eingriff. Nach dieser rein intuitiv gesteuerten Stufe erfolgt die rationale Ausscheidungsphase. Äusserst selbstkritisch und ohne Sentimentalität fegt Beni alles weg, was ihren ästhetischen Qualitätserwartungen nicht entspricht. Die Quote der Fehlgeburten und Verstossenen ist hoch, was aber bleibt, strahlt geballte Energien aus. Der Drang zum Grossen, den Beni bereits in Faenza verspürte, bestimmt auch heute die Treibkraft ihres Schaffens und verstärkt sich mit jeder öffentlichen Aufgabe. Die Radikalität der bildnerischen Auffassung überragt den helvetischen Gleichmut und besteht auch im internationalen Vergleich. Beni Langsch bedient sich keiner Generationssprache, sie setzt auf die Kunst als ein uraltes Ganzes ohne Alterserscheinungen. Ihr unbeirrbarer Sinn für Humor macht einen Bogen vor Witzchen und Anekdoten, ihr Temperament verträgt nur schlecht die modellierte Niedlichkeit. Die zeitgenössische Kunst beschleunigt ihre Experimentierfreude und vergrössert den Appetit auf das Extravagante. Als ob es das Üblichste

wäre, setzt Elisabeth Langsch den Steingutobjekten Kronen aus Federn oder Gras auf, schmückt sie mit Netzen oder lässt auf farbigen Schilden Glasperlen, Splitter und Staub zu einer eigenwillig tachistischen Assemblage zusammenschmelzen. Schon in dem imposanten, fast barock üppigen Liebesrondell, das sie mit Blumen kombiniert im eigenen Garten 1963 aufstellt, ist der Eigensinn ihres Tuns vorhanden. Sie liebt die rassige, voll ausgebildete Form ohne die Zwangsjacke des guten Geschmacks, pfeift auf moderates Verhalten und ästhetische Orthodoxie und hat keine Angst vor Dekorativem. Ihr Empfinden ist architektonisch, die Artikulation der Aufgabe aber bildhauerisch, und als Malerin führt sie aus. Dank dieser dreifachen Diskussion bleibt die Expressivität und die bis in die farbige Haut körperliche Sinnlichkeit ihrer Figuren immer spannend. Elisabeth Langsch geizt nicht mit Ideen und Einfällen. Verträumt, verspielt und verschwenderisch verschenkt sie alles, auch den Glauben, dass die Welt, von Farben beseelt, immer noch gross, grosszügig und grossartig genug fürs Leben ist. Sie lacht tief und ernst. Ihre Hände sind so stark, dass die Finger vielleicht auch Wolken, sicher aber einen Wassertropfen streicheln könnten. Langsam atmet Elisabeth Langsch aus. Sie bekennt Farbe und hat Zeit zur Ungeduld. An der Atelierwand hängen Zettel mit handgeschriebenen Sätzen, die nur ihr gehören: «In der Idee leben heisst, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.» «Ruhe lässt erkennen.» Das dritte Stück Papier bleibt zuhinterst versteckt: «...und als er endlich Flügel besass, um zum Flug anzusetzen, fehlte ihm plötzlich der Himmel.» Die neueste Monumentalgruppe von «Neun Musen» für das Areal einer Universität gedacht, tragen zur Sicherheit das Blau des Himmels auf ihren Schwingen. Ludmila Vachtova

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Wolle statt Federn Vorgehen Eine genaue Einteilung und Bezeichnung der Steppnähte ermöglicht ein genaueres Arbeiten und erleichtert anschliessend das Steppen.

Die Herstellung eines Schafwollduvets Das Schaf ermöglicht es uns, nicht nur steile und schwierig begehbare Weiden vor der Verwaldung zu retten, sondern deckt für uns Menschen einen grossen Teil lebenswichtiger Bedürfnisse ab: Fleisch und Milch als Nahrungsmittel, Wolle in verschiedenster Weise verarbeitet, als wär mespendendes oder isolierendes Material. Durch den immer weiter sinkenden Preis für die einheimische Rohwolle sollten wir uns nicht über die immer noch gleichgebliebenen hohen Qualitäten der Schafwolle hinwegtäuschen lassen. Wie selten ein Material, dessen Ressourcen so nahe liegen und sich ständig erneuern, lässt sich Wolle in den verschiedensten Stadien bearbeiten, angefangen bei der geschorenen, unentfettet versponnenen Wolle. Diese in speziellem Muster (Webstich) verstrickte Wolle ergibt einen dichten, wasserabstossenden, wärmenden Regen- oder Feuchtigkeitsschutz. Gewaschen, gekardet und grob oder fein versponnen eröffnet sich uns ein Spektrum vom robusten Wollteppich bis hin zu feinsten Wollstoffen für die Haute Couture. Auch Wollvliese, erst zwei Behandlungsstufen hinter sich – waschen und karden, lassen sich in vielfältiger Weise verarbeiten. Sie können zu Teppichen (und anderem mehr) verfiltzt werden, als Isolationsmaterial aufbereitet (siehe Handwerk 1/97) oder zu luftigen, wärmeregulierenden Duvets verarbeitet werden.

Abstand der Steppnähte: 40 cm Länge der Steppnähte: 10 cm Anfang und Ende der Steppnähte mit feinem Stift bezeichnen.

n Stoff flach auslegen, Wollvlies einlegen und gleichmässig verteilen. Nach Wunsch eine oder mehrere Schichten auflegen. n Stoff darüberklappen.

Mitte

Wollvlies

Baumwollstoff

n das Wollvlies soll etwas über den Rand des Stoffes hinausragen, damit durch die abschliessende Naht die Wolle eingenäht werden kann, und somit ein Verrutschen vom Rand her verhindert wird. n Vorgezeichnete Steppnähte stecken, anschliessend absteppen. n Um Falten auf der Rückseite zu verhindern, ist es von Vorteil, grosse Decken von Hand abzusteppen. Sind alle Nähte gesteppt, ist die Decke in sich stabil. n Die Ränder werden mit einer Maschinennaht abgeschlossen. Handwerk 2/97 17


Fischbandbeschläge Anleitung zum Einbau von Fischbandbeschlägen

Verschiedene Fischbandeisentypen

Von Beno Frischknecht Früher wurden bei Fenstern und Türen mit Fälzen vorwiegend Fischbänder verwendet. Vorteile: Solide Ausführung, handwerklich einwandfrei, sehr dauerhaft und stilecht. Ein grosser Nachteil ist ihre aufwendige Montage. Deshalb sind sie von neuzeitlichen Beschlägen verdrängt worden. Trotzdem glaube ich, dass es in unserer Leserschaft viele Interessierte gibt, die versuchen wollen, Fischbänder zu montieren, sei es beim Restaurieren oder bei neuen Massivholzmöbeln. Schöne alte Bänder sind in Abfallmulden, an Abbruchfenstern und Türen zu finden. Das Sammeln lohnt sich! Je nach Anschlagseite der Türe braucht es Links- oder Rechtsbänder. Der Türlappen hat, um den nötigen Halt zu finden, eine grössere Länge als der Schranklappen. Die Kuppen der Stifte laufen aufeinander, so dass zwischen den Lappen ein Abstand von 1 mm entsteht. Ein passendes Fischbandeisen ist für den Einbau erforderlich.

D

B

C

A

Bei den Formen A und B ist die Beseitigung der Späne nicht möglich (erhöhte Spaltgefahr!) Bei den Formen C und D wird ein Teil der Späne herausgeholt. Bei Anwendung von Fischbändern ist darauf zu achten, dass für die Türe die erforderliche Hubhöhe verbleibt, um das Ein- und Aushängen zu ermöglichen.

Arbeitsvorgang Wenn die Türe in den Rahmen eingepasst ist, wird mit dem «Banden» angefangen.

1 l Die beiden oberen Teile der Bänder (Hülsen) werden auf der Aussenseite der Türe genau ausgerichtet, die Lappen angerissen und die waagrechten Linien mit dem Winkel auf den Überschlag übertragen.

«Fischband» kommt aus dem Französischen: ficher = einschlagen – schlagen

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Um ein Aufspalten zu verhindern, werden die mit dem Fischbandeisen zu schlitzenden Holzteile mit Zulagen und Schraubzwingen gesichert.

6 l

Nun wird die Türe in die Vorderzange der Hobelbank eingespannt und mit dem speziell angefertigten Streichmass der Beschlägelappen angerissen.

2 l Streichmass Für Fensterrahmen leistet ein Hartholzklotz mit Keil gute Dienste.

Einstellung: (mit Schraubenzieher) Dicke des Lappens und zusätzlich 1/2 bis knapp 1 mm.

7 l

3 l

Mit dem Fischbandeisen, das ein wenig dünner ist als der Fischbandlappen (abwechslungsweise gerippte Seite vorn – hinten), den Schlitz ausstemmen. Ja nicht zu tief stemmen! Es ist besser, wenn man das Band noch etwas hineinschlagen muss; so hat man Gewähr, dass es für immer festsitzt.

Das heisst der Lappen wird um weniges tiefer versenkt. So besteht die Möglichkeit den Türfalz nachträglich allenfalls nachzuhobeln.

4 l

Mit dem Stechbeitel Versenkung im Überschlag sorgfältig ausstemmen.

Auf der Türaussenseite Löcher für die Stifte anreissen. Beachte, dass bei engeschlagenem Fischband, die Distanz zwischen Holz (Überschlag) und Rolle 1/2 bis 1 mm beträgt.

5 l

8 l

Durch diesen Abstand können sich die Bänder frei drehen, ohne die Farbe, Beize oder Politur anzugreifen.

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9 l

Stifte, die kürzer sind als die Friesdicke und mit der Lochgrösse im Lappen übereinstimmen, einschlagen. Die Stifte können aus gewöhnlichen Nägeln hergestellt werden. Bei schlechtem Faserverlauf ist evtl. vorbohren mit einem dünneren Bohrer nützlich. Für eher rustikale Möbel kann man die Stifte bündig belassen. Versenkt man sie, können die Senklöcher mit plastischem Holz oder Bienenwachs ausgefüllt werden. Bei einem nachträglichen Farbanstrich auskitten. Die Türe wird nun auf den Rahmen gelegt und ausgerichtet. Nach genauem Aufzeichnen des Schlitzes für den unteren Lappen, in der Mitte desselben nebeneinander 3 kleine Löcher bohren. Mit der Loch- oder Stichsäge kann nun der Schlitz fertig gemacht werden.

Hier ist auch wieder wichtig, dass das Sägeblatt der Lappendicke entspricht. Bei Schranktüren werden auch in diesen unteren Lappen, gleich dem oberen Stifte geschlagen.

Futterl

10 l

Zierverkleidung

Zimmertüre

Bei Zimmertüren hingegen, wird der vorstehende Lappenteil mit Rundkopfschrauben auf dem Türfutter befestigt.

11 l

Eventuell unterlegen oder ausstemmen.

Neu erschienen Buchbesprechung: Trockenmauern Trockensteinmauern sind ohne Mörtel errichtete Mauern. Sie haben in der ganzen Welt eine lange Tradition und wurden auch alle nach ungefähr den gleichen Prinzipien erstellt. Unzählige Mauerreste geben Hinweise über das Zusammenleben und die gesellschaftlichen Wandlungen jener Zeitepoche wieder. An den unterschiedlichen Maueranwendungen erkennen wir auch die damaligen Bedürfnisse und Wertvorstellungen. In zeitraubender Knochenarbeit haben unsere Vor fahren imposante Bauwerke erstellt. Sie dienten als auffällige Kulturstätten, Statussymbole und Bollwerke zur Abwehr von Feinden. Neben dem Häuserbau finden wir sie vor allem in der Landwirtschaft als Einzäunung der Weiden, als Grenzmarkierung und als Stützmauern für Terrassierungen in

Weinbaugebieten. Sie wurden ohne Zement und Mörtel gebaut, sind sehr stabil und passen sich harmonisch ins Landschaftsbild ein. Zudem bieten sie vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. In der Schweiz finden wir solche Mauern vor allem noch im Jura, in Graubünden, im Tessin und im Wallis. Leider verschwinden jedoch Jahr für Jahr zahlreiche Trockenmauern. Die «Stiftung UmweltEinsatz Schweiz» (SUS), die sich für den Wiederaufbau und Unterhalt von Trockenmauern engagiert, ist in Schottland, wo diese Handwerkskunst noch eine gepflegte Tradition ist, auf den Spezialisten Richard Tufnell gestossen. Dank seiner Unterstützung und auf der Basis seines Manuals «Building and Repairing Dry Stone Walls» ist dieses Buch entstanden. Dem Buch vorangegangen ist der eigentliche Bau von Trockenmauern – an 13 verschiedenen Orten Handwerk 2/97 21


der Schweiz sind 1995 unter der Leitung von Frank Rumpe, dem Projektleiter Trockenmauern SUS, total 1,3 km Mauern aufgebaut worden. Das Buch erläutert Schritt für Schritt begleitet von schönen und gut verständlichen Illustrationen, wie selbst Laien eine Trockenmauer nach allen Regeln der Kunst bauen und reparieren können. Die verschiedenen Grundregeln für den Abbau einer alten Mauer und den Wiederaufbau, der vom Fundament bis zu den Decksteinen in verschiedene Schichten aufgegliedert ist, als auch den Unterhalt, sind beschrieben. Dabei sind Hilfsmittel und Werkzeuge erwähnt, die für die verschiedenen Arbeitsschritte wichtig sind. Es werden spezielle Techniken geschildert, die für den Bau von besonderen Mauerabschlüssen, sowie Ecken oder in Kurven verlaufenden Mauern wissenswert sind. Für Mauerdurchgänge gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Trittmöglichkeiten und verschieden gestalteten Mauerlücken. Zuletzt werden die etwas aufwendigeren Bautechniken von Mauern am Hang sowie verschiedenen Stützmauerarten geschildert. Diese praktische Bauanleitung erschien 1996 in deutscher und französischer Sprache und gibt das notwendige Fachwissen weiter, damit ein altes, beinahe vergessenes Handwerk wieder auflebt und auch für die Zukunft erhalten bleibt. Es soll auch einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und des Landschaftschutzes leisten. Bestimmt wird diese Lektüre allen Interessierten die Lust am selbständigen Bau von Trockenmauern erwecken.

verwendet. Bei zusätzlichem Bedarf können auch grosse, unförmige Steine zu Schotter zerschlagen werden. Binder. Die Binder bilden die Verbindungen zwischen den beiden Wänden der Mauer. Durch sie wird die Stabilität der Mauer massiv verbessert. Pro Laufmeter sollte mindestens ein Binder eingebaut werden. Als Binder eignen sich nur speziell lange Steine. Deshalb ist es wichtig, diese Art Steine nicht für andere Zwecke zu benutzen oder sie sogar in kleinere Stücke zu brechen. Decksteine. Die Decksteine bilden den oberen Abschluss der Mauer. Je nach Mauertyp liegen oder stehen sie. Bei stehenden Decksteinen muss mit etwa acht Stück pro Laufmeter gerechnet werden.

Auszüge aus dem Buch:

Struktur einer doppelwandigen Trockenmauer Eine Trockenmauer setzt sich aus den folgenden fünf Steintypen zusammen: Fundamentsteine. Für das Fundament müssen möglichst grosse, solide und flache Steine verwendet werden. Sie sind überaus wichtig, denn auf ihnen ruht das gesamte Gewicht der Mauer. Bausteine (Läufer). Mit den Bausteinen wird die Mauer aufgebaut. Ein guter Baustein hat mindestens eine flache Seite und keine Spitzen. Füllsteine (Schotter). Mit den Füllsteinen werden die Hohlräume im Innern der Mauer gefüllt und wenn nötig Bausteine unterlegt. Als Füllmaterial werden kleine, anderweitig unbrauchbare Steine

Trockenmauern Anleitung für den Bau und die Reparatur Stiftung UmweltEinsatz Schweiz (SUS), 3612 Steffisburg erschienen 1996, Preis Fr. 30.– Ott Verlag+Druck AG 84 Seiten, mit vielen Zeichnungen, gebunden Bestellungen, Tel. 033-438 10 24

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Vom Ballenberg...

Berner Keramik früher und heute

Im Oktober: Herbstliche Köstlichkeiten

Noch bis Ende dieser Saison können im Haus von Ostermundigen Keramikkunstwerke aus Vergangenheit und Gegenwart bestaunt werden. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass im Kanton Bern seit dem 18. Jahrhundert in grossem Umfang Keramiken hergestellt wurden. Während es in der Frühzeit vorwiegend Tischgeschirr war, kamen mit der Zeit weitere Alltagsgegenstände wie Butterfässer, Waschgeschirre oder Schreibgarnituren hinzu. Die Gefässe aus Keramik mit ihren farbenfrohen Ornamenten, figürlichen oder freiplastischen Dekorationen sowie mit ihren eigenwilligen Formen ziehen die Betrachter in ihren Bann. Die Keramiken aus dem 20. Jahrhundert, die ebenfalls in der Ausstellung bewundert werden können, verlassen und erneuern gleichzeitig die Tradition, auf der Suche nach einem eigenständigen Ausdruck. Die Ausstellung wurde durch die Bernische Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung zusammengestellt.

«Kulturelle Vielfalt der Schweiz» lautet das diesjährige Motto des Freilichtmuseums Ballenberg. Am Herbstfest, das am Wochenende vom 25. und 26. Oktober stattfinden wird, kommt dieses Motto noch einmal voll zum Zuge. Am letzten Ballenberg-Wochenende der Saison 1997 heisst es noch einmal: So richtig festen! Denn es ist höchste Zeit – bevor dann der harte Winter kommt – sich noch einmal intensiv den schönen Seiten des Lebens zu widmen. Spezialitäten, Musik und Unterhaltung aus allen vier Landesteilen warten auf die Besucherinnen und Besucher. Auf der Alp Champatsch kocht eine Bündner Gerstensuppe, vor dem Haus von Madiswil spielt eine lüpfige Ländlerkapelle und verschiedene Brote und Kuchen verströmen ihren Duft, beim Villars-Bramard stehen Weisswein, Waadtländer Saucisson und Tomme bereit und beim Haus von Malvaglia rösten Kastanien, locken Merlot und eingängige Tessinerlieder. Dies alles und noch viel mehr am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Oktober. Am gleichen Wochenende öffnet auch das Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk interessierten Gästen seine Türen.

Noch bis Ende dieser Saison zeigt das Freilichtmuseum Ballenberg Keramikkunstwerke aus drei Jahrhunderten. Foto zvg.

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Neue Museumsobjekte bereichern den Ballenberg Die bereits heute enorme Vielfalt an Häusern im Freilichtmuseum Ballenberg wird in den nächsten Monaten und Jahren weiter vergrössert. Neuestes Objekt auf dem Ballenberg ist eine Spielhalle aus Sarnen OW. Nachdem vor drei Monaten mit dem 660jährigen Wohnhaus von Schwyz das älteste Gebäude auf dem Ballenberg eingeweiht worden war, ist seit wenigen Tagen eine Spielhalle aus dem Kanton Obwalden (siehe Foto) zu besichtigen. Blickfang dieses 17 Meter langen, pavillonartigen Holzbaus sind die anmutigen Arkaden, die einen Eindruck lichter Schwerelosigkeit vermitteln. Das ins Jahr 1909 datierte Objekt diente als Kegelbahn für das Gymnasium des Benediktinerklosters Sarnen und ist ein Beispiel für die Spielhallen, die bis vor wenigen Jahrzehnten in vielen Dörfern standen. Auch auf dem Ballenberg wird die Spielhalle für Feste und Anlässe Verwendung finden. In nächster Zukunft ist zudem die Übernahme weiterer historischer Gebäude geplant: ein Strohdachhaus aus Leutwil im Kanton Aargau, ein typisches Tessiner Turmhaus aus dem Val Bavona sowie ein Spritzenhäuschen aus Mühledorf BE.

Die Spielhalle von Sarnen, jüngstes Museumsobjekt im Freilichtmuseum Ballenberg, wird insbesondere für Spiele und Feste benutzt. Foto Josef Reinhard.

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Ablage-Symbole Werkstatt

Wissenswertes

Bauen

Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk

Geschreinerter Hausrat

Freilichtmuseum Ballenberg

Hof- und Stallzubehör Textil Kunsthandwerk Spielzeug

!

Bestellkarte Kursinformationen

n Jahresprogramm 1997 n Jahresprogramm 1998 (erscheint im Oktober)

Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk

n Informationen für Organisatoren von Tagungen, Seminaren und anderen Veranstaltungen

Freilichtmuseum Ballenberg

n Veranstaltungsprogramm

«Handwerk»

n Abonnement, Jahr: Fr. 24.–, Ausland Fr. 32.– n Probenummer Fr. 8.– n Ausgabe Nummer:..... n Register für die Zeitschriftenablage (Fr. 8.– inkl. Verpackung und Porto)

Ich bin interessiert an Informationen über


Schal in Doppelgewebe von Annemarie Schoch, aus dem Buch «Doppelgewebe in der Handweberei» von Ursina Arn-Grischott, das in diesem Heft auf Seite 18 vorgestellt wird.

Nicht frankieren Ne pas affranchir Non affrancare

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Handwerk 97 2  
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Publikation des Kurszentrums Ballenberg

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