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HANDWERK: KONKRET 2/13

DIE INFORMATION DES KURSZENTRUMS BALLENBERG

Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten Telefon 033 952 80 40, Fax 033 952 80 49 info@ballenbergkurse.ch, www.ballenbergkurse.ch Handwerk, traditionelles Bauhandwerk, zeitgenรถssische Gestaltung

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DAS REPARATUR-MANIFEST 1

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Reparieren ist nicht ersetzen.

Reparieren überlebt jede Mode.

Reparierte Dinge werden einzigartig.

Produziere Dinge so, dass

Ersetzen heisst, das zerbrochene Stück

Bei Reparaturen geht es nicht um Styling

Sogar Imitationen werden zu Originalen,

sie länger leben!

wegzuwerfen. Reparieren gibt dem Stück

oder Trends. Es gibt kein Ablaufdatum

wenn man sie repariert.

eine Chance, weiter zu funktionieren.

für reparierbare Gegenstände.

Reparieren heisst, dem Produkt ein zweites

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end it, mend it! Reparieren ist nicht kon-

Was es nicht zerstört,

Reparieren heisst entdecken.

Kein Sklave der Technologie – sondern ihr

sumfeindlich. Es ist gegen das nutzlose

macht es stärker.

Repariert man Gegenstände, kann man

Meister: Wenn etwas defekt ist, soll man es reparieren und verbessern. Und wenn man

Wegwerfen von Dingen.

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Leben geben. Don’t ditch it, stitch it! Don’t

Jedes Mal, wenn wir etwas reparieren, fü-

lernen, wie sie eigentlich funktionieren

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gen wir zu seinem Potenzial, seiner Ge-

oder eben nicht funktionieren.

Gegenstände sollten so gestaltet werden,

schichte, seiner Ausstrahlung und seiner

dass sie repariert werden können.

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ein Meister ist, soll man sein Wissen weitergeben und andere stärken.

Reparier!

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In guten wie in schlechten Tagen.

Hör auf zu rezyklieren!

Reparieren ist eine kreative

Dieses Manifest hat mit Rezession oder

Beginn zu reparieren!

Herausforderung.

der Wirtschaftskrise nichts zu tun. Es geht

Schönheit etwas hinzu.

Designer: Macht eure Produkte reparierbar.

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Gebt klare, verständliche Informationen zu Reparaturen, die vom Konsumenten selbst gemacht werden können. Konsumenten:

Reparieren regt Fantasie und Ideen-

Kauft Dinge, von denen ihr wisst, dass sie

reichtum an. Neue Techniken, Werkzeuge

reparierbar sind oder findet heraus, warum

und Materialien zu nutzen, führt auf neue

solche nicht existieren. Seid kritisch, neu-

Wege und nicht in eine Sackgasse.

nicht um Geld, es geht um Einstellung.

gierig und unbequem. Quelle: www.platform21.nl (mit freundlicher Genehmigung leicht angepasst)

1. Reparaturtagung im Kurszentrum Ballenberg: reichhaltiges Programm, unter anderem mit Referat von Christine Ax geb. 1953, Autorin von Könnensgesellschaft, Philosophin und Ökonomin. Sie gilt als eine der profiliertesten Handwerksforscherinnen in Europa! Tagungspauschale CHF 120.– inkl. Verpflegung Anmeldung www.ballenbergkurse.ch

Reparieren ist Unabhängigkeit

Verbandstoff ist wohl eines der bekanntesten Hilfsmittel, wenn es darum geht, Zerbrochenes ganz zu machen. Wenn Stoffbänder aber, wie bei diesem Spitzhammer, zur Sicherung des Metalleinsatzes am Holzschaft eingesetzt werdem, wirkt es fremd und ungewohnt. Reparieren heisst: mit einfachsten Mitteln funktionierende Lösungen finden.

CHRISTINE AX AN DER 1. REPARATURTAGUNG, 5. OKTOBER 2013


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Seite 2 bis 3 Leidenschaft Schuhe: Von Timberland ins Kurszentrum Seite 4 bis 5 Neuer Kurs: Veredeln von Obstbäumen Adrian Knüsel, Leiter Kurszentrum

Seite 6 bis 7 Spitze Steine und scharfe Klingen: Ein Porträt

EDITORIAL Mit Handwerk Konkret beschreiben wir

des Materials stellen und mit dem Material

was wir machen, gemacht haben, und auch

neue Design-Ideen und auf den Material-

was wir erstmals und neu im Programm

erfahrungen aufbauend neue Produkte ent-

haben. Erlebnis eins: Kürzlich erhielt ich von jungen überzeugten Stadtbewohnern die

werfen. Nach wie vor sind wir dabei. ■

Seite 8 bis 9 Outdoor-Kurse: Kompostieren, Gärtnern Seite 10 bis 19 Bildungsgänge: Filz und Weben zeigen ihre Arbeiten

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Adrian Knüsel, Leiter Kurszentrum Ballenberg

Einladung, in den Schrebergarten zu Be-

Schweizer Familiengärtnerverband durch

angesehen wurde, ist heute Trend und im

die kantonalen Dachverbände von Basel,

Mittelpunkt des Interesses. Urban Beeing

Bern, Genf, Lausanne und Zürich unter

und urban Gardening sind heute angesagte

den Namen Schweizerischer Kleingärtner-

Themen. Mit den Kursen «Veredeln von

verband als gesamtschweizerischer Dach-

Obstbäumen» und «Gärtnern und Kom-

verband gegründet wurde? Dem Dachver-

postieren» haben wir bereits bei der Pla-

band haben sich rund 25’000 Mitglieder

nung letztes Jahr Akzente in die richtige

und gegen 400 Gartenareale angeschlos-

Richtung gesetzt.

sen.

Erlebnis zwei: Wussten Sie, dass auch

Handwerk 2/2013 Handwerk Fotos Seiten 1, 6, 7, 10 bis 17 und hintere Umschlagseite: Nina Mann Fotos Seiten 3, 4, 5 und Titelseite: Adrian Knüsel

die geplante Reparaturtagung einem aktuellen Trend folgt? Wir konnten die renommierte Autorin Christine Ax als Referentin gewinnen … Erlebnis drei: Mit der Überschrift «post-

Herausgeber: Kurszentrum Ballenberg CH-3858 Hofstetten Telefon 033 952 80 40 Fax 033 952 80 49 www.ballenbergkurse.ch info@ballenbergkurse.ch

digitale Materialität» hat die Hochschule für Design und Kunst zur Tagung zum Jahresabschluss 2013 eingeladen: Und wen es interessiert, worum es dabei wohl gehen könnte: Es ist verblüffend einfach und meint schlicht, dass die Studenten wieder zurück in die Werkstatt gehen und sich wieder mit den Materialien beschäftigen, dass sie sich wieder dem Widerstand

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Satz, Bildbearbeitung und Druck: Gisler Druck AG, Altdorf Layout: Margret Omlin. Auflage 2500 3 Ausgaben jährlich Abo Inland Fr. 38.–/ Ausland Fr. 48.–.

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P.S. Wussten Sie, dass 1925 der

zusehen! Was früher als eher spiessig

Handwerk 2/2013

such zu kommen und mir die selber gezogene Pracht an Gemüse und Blumen an-


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Ton van Lier – Holländer, Manager, in-

mehr Menschen wieder selbst bestimmen

dustrieller Schuhproduzent – hat an der

möchten, was sie essen und mit was sie

im Jahr richtig eingeplant werden. Aber

BEA 2013 gemeinsam mit sieben weiteren

sich kleiden. Ein Trend in Richtung Slow

was ich nicht wusste, war, wie man selbst

Teilnehmenden unseren Schuhmacherkurs

Food (z.B. mit selbst gemachter Konfitüre,

Hand anlegt, um sich sein eigenes Paar

bei Franz Kälin besucht, und uns diesen

selbst gebackenem Brot oder selbst ge-

Massschuhe zu fertigen, und wie man die

Text geschrieben. Danke Ton!

brautem Bier) zeigt, wie man versucht, die

Herstellung von einem einzelnen Paar

Kontrolle zurückzugewinnen. Ein weiteres

plant. Das war meine Herausforderung und

NACHHALTIG PRODUZIEREN. IM GROSSEN UND KLEINEN MASSSTAB

Beispiel sind die mittlerweile auf den Dä-

Motivation! Genau wie es für viele heutzu-

Nach einer Reihe von Skandalen haben

den soll und wie 30 Millionen Paar Schuhe

chern der Grossstädte gelandeten Bienen-

tage eine Herausforderung ist, von der in-

völker, als Alternative zu von Monokulturen

dustriellen Fertigung unabhängiger zu wer-

dominierten Standorten, wo sie durch Um-

den. Diese Reise zurück zur Fertigung im

viele Menschen in den letzten Jahren das

weltgifte ihren feinen Orientierungssinn

kleinen Massstab, ist eine Reise, die sich

Vertrauen in die Wirtschaft verloren und

verlieren. Das Ergebnis einer oft viel zu

wirklich lohnt.

realisiert, dass sie die Kontrolle zurücker-

rücksichtslos geführten Agrarwirtschaft.

und die Art und Weise, wie sich unsere Banker verhalten (haben), hat das Vertrauen allgemein erschüttert, auch die vielen Lebensmittelskandale (Gam-

Also hab ich mich bei Franz Kälin für eine Schuhmacherwoche angemeldet. Er

obern müssen. Nicht nur die Finanzkrise

DAS ANGEBOT DES KURSZENTRUMS BALLENBERG PASST ERSTAUNLICH GUT IN DIESEN GEDANKENGANG UND TREND

organisiert Kurse, in denen man lernt, wie man sich sein eigenes Paar Schuhe fertigt. Die Kurse gibt es in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Zu meinem Erstau-

melfleisch, Bioeier) sowie die er-

Das ist ein wichtiger Grund für mich, ei-

nen war seine erste Reaktion: «Es tut mir

nüchternden Arbeitszustände

nen Kurs beim Kurszentrum zu besuchen

leid, aber zu Ihrem gewünschten Zeitpunkt

in Produktionsstätten, wie sie

und zwar einen für mich ganz besonde-

ist der Kurs bereits ausgebucht.» Also gibt

oftmals in den Fabriken in

ren. 16 Jahre lang arbeitete ich in der Füh-

es doch mehr Menschen als ich gedacht

Fernost (Elektronik- und

rungsebene bei Timberland, einer Marke,

hatte, die sich dieser Herausforderung stel-

Bekleidungsindustrie) zu

einem Unternehmen, das Schuhe, Beklei-

len. Einige Wochen später kam die Ent-

beobachten sind.

dung und Accessoires produziert und ver- warnung. Es gab einen extra Kurs vom

Daher

ist

es

Kurszentrum Ballenberg, der an der BEA

nicht

marktet. Nun können Sie sich fragen, wie

überraschend, dass immer

kommt ein Holländer, der jahrelang bei ei-

durchgeführt wurde. Ich wurde gefragt, ob

ner Schuhmarke arbeitete, verantwortlich

ich Lust hätte, an diesem speziellen Kurs

für die Schuhproduktion war und der als

an der grössten Messe in Bern teilzuneh-

einer der Architekten und Pioniere für das

men.

innerhalb des Unternehmens gefolgte Prinzip «Commerce & Justice» galt, dazu, beim Kurszentrum die «Schuhmacherwoche» zu

Ton van Lier und seine Schuhe

VON DER IDEE ZUR TAT – AN DER BEA

besuchen und ein Paar Schuhe selbst zu

Der nächste Schritt war, eine Unter-

machen? Die Schuhherstellung ist bei Tim-

kunft zu buchen. Ich fand eine kleine, nette

berland arbeitsintensiver als bei vielen an-

Ferienwohnung in Muri bei Bern. Täglich

deren Schuhmarken, aber trotzdem bleibt

machte ich mich auf meinen Weg mit Zug

es ein industrielles Verfahren. Ich wusste,

und Tram, um in die Halle 4.1 der BEA zu

wie ein Schuh in einer Fabrik hergestellt

gelangen. Insgesamt acht Teilnehmer fin-

wird, welche Kennzahlen dazugehören, wel-

gen unter der Leitung von Franz an, ihre

che Gewinnspanne mit einkalkuliert wer- Schuhe anzufertigen. Der erste Tag war

LEIDENSCHAFT SCHUHE: VON TIMBERLAND INS KURSZENTRUM


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der Erstellung der Leisten gewidmet. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich die schwierigsten Füsse von allen habe.

DER SCHUH WIRD … UND ZWICKEN IST GENIAL Endlich! Ab dem dritten Tag konnte ich

Montieren der Rahmen und das Schneiden, Ankleben und Pressen der Sohle. Voilà – ein fertiger Schuh! Wer würde erkennen, dass

Jedenfalls kostete es mich mehr als einen

mit Leder, meiner wirklich grossen Leiden-

er von Hand gemacht worden ist? Einen

Tag, die von Franz erhaltenen Standard-

schaft, zu arbeiten beginnen. Auf meine

letzten kritischen Moment gab es noch, als

leisten auf meine Füsse anzupassen und

Bitte hin, hatte Franz mir pflanzlich ge-

wir unter der Leitung von Franz den Leist

das Mass, das wir einen Monat vorher wäh-

gerbtes Leder besorgt, der Umwelt zuliebe.

aus dem Schuh entfernen mussten. Der

rend eines Vorbereitungsabends erstellt

Noch viele Herausforderungen wurden ge-

Schweiss steht einem teilweise auf der

hatten, richtig auf meinen Leisten zu über- meistert, so auch die Nähmaschine, die

Stirn. Gross ist die Freude, als wir endlich

tragen. Meine Hände taten weh vom vielen

noch von Hand angetrieben wird. Sogar

unsere Schuhe anprobieren können.

Raspeln, aber das Resultat hat sich sehen

die ging mir anfangs noch zu schnell. Auch

lassen können. Es entstand ein tadelloser

das Schärfen des Leders, d.h. es dort dün-

Leist, genau in meiner Grösse.

ner zu machen, wo zwei Stücke überei-

An diesem ersten Tag war es publikumsmässig noch relativ ruhig, und wir

nander geklebt oder genäht werden, ist nicht ganz ohne.

SCHUHE UND MENSCH – ZERTIFIZIERT Dass Adrian Knüsel, Leiter des Kurszentrums Ballenberg, mir mein Diplom

konnten gut durcharbeiten. Der zweite Tag

Aber nach mehreren Tagen und vielen

ausgehändigt hat, beweist, dass ich nicht

war der Tag des Entwurfes. Mit Malertape

Stunden Arbeit, einigen Mahnungen, doch

nur in der Lage bin, 30 Millionen Paar

wurde der Leisten eingepackt, der Entwurf

auch einmal eine Pause einzulegen, fing

Schuhe industriell produzieren zu lassen,

aufgezeichnet. Danach wurde wieder auf-

das alles doch an, wie eine richtiger Schuh

sondern auch ein Einzelpaar Schuhe selbst

geschnitten und die einzelnen Musterteile

auszusehen. Zwar noch ohne Sohle, aber

und handwerklich herstellen kann. Raten

aus Papier geschnitten. Wir waren fertig für

jedenfalls genau rechtzeitig für den An-

den nächsten Tag, um mit der Arbeit mit

sturm von Besuchern an Christi Himmel-

dem Leder zu beginnen. Wir hatten jeden

fahrt, damit die sich auch eine Vorstellung

Morgen ein festes Ritual. Alle Teilnehmer

machen konnten, wie das Endergebnis

gingen mit Franz gemeinsam von Tisch zu

«selbst gemachter Schuh» aussehen würde.

Tisch, um die Fortschritte der anderen be-

Die schönste Arbeit war dann wirklich

wundern zu können, und um von Franz

das Zwicken (das Leder um den Leisten

neue Richtlinien und Aufgaben zu erhalten.

spannen bzw. ziehen). Der Schuh, das

Waren wir sicher, dass das, was vor uns lag, irgendwann mal ein Paar Schuhe werden würde? Der Glaube war anfangs grösser, als das Wissen – aber irgendwann wirds schoo …!

Das Kurszentrum Ballenberg wurde eingeladen, an der BEA, der grössten Waren- und Landwirtschaftsmesse in Bern auf über 100m2 das Programm 2013 vorzustellen: Wir haben entschieden, Kurse rund um das Thema «Schuh» vorzustellen. Hauptaktivität war der 8-tägige Schuhmacherkurs, den wir dank Beiträgen der Fondation Jumelles vergünstigt anbieten konnten.

Sie mal, was mich wohl stolzer macht? ■ Ton van Lier

Wir danken Franz Kälin und Beat von Deschwanden, dass sie in diesem speziellen Ambiente die Kurse durchgeführt haben. Wir danken aber auch der Messeleitung für diese Plattform! Stolz präsentieren alle 8 Teilnehmenden am Schlusstag der BEA 2013 die selbstgemachten Schuhe.


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DER KURSLEITER AUS DEM KOMPETENZ-KANTON FÜR OBSTBAU

sich und was nicht? Nach einem Theorie-

fusspfropfen, Spaltpfropfen, um nur ein

teil über Voraussetzungen und Gefahren

paar der klingenden Namen ins Spiel zu

des Veredelns geht es gleich ans Üben.

bringen.

Kursleiter Jürg Gamper ist im Kanton

Jürg Gampers Ziel für den Tag ist es, dass

Verschiedene Techniken werden geübt,

Thurgau aufgewachsen, wo er auch heute

jede Kursteilnehmerin und jeder Kursteil-

und Jürg Gamper erläutert mit grossem

lebt. Angefangen hat alles mit seiner Aus-

nehmer am Ende des Tages zwei bis vier

Fachwissen die Vor- und Nachteile der ein-

bildung zum Landwirt, wie er selber er- Schnitttechniken kennengelernt und aus-

zelnen Methoden. Die Zeit vergeht zu

zählt: «Nach einer Ausbildung zum Land-

geführt hat. Bevor die Arbeit mit dem Mes-

schnell, und die Kursteilnehmer gehen am

wirt und einer 15-jährigen Tätigkeit im

ser aber beginnt, zeigt er, wie das scharfe

Ende des Tages mit ihren Veredlungs-«Tro-

landwirtschaftlichen Bereich verspürte ich

Werkzeug vorbereitet und abgezogen wird.

phäen» (wie sie ein Teilnehmer genannt

Lust auf eine Veränderung und habe ein

Das spezielle Messer (Okuliermesser) ver- hat) nach Hause. Mit dem Weiterüben müs-

Studium zum Werklehrer und Bildhauer

fügt über eine kurze, scharfe Klinge und

sen sie nun allerdings etwas warten – bis

absolviert und mich dann zum plastischen

eine Art Ausbuchtung, mit der die Rinde

zum nächsten Winter, in dem sie ihre eige-

Kunsttherapeuten weitergebildet. Seit zehn

angehoben oder gelöst werden kann.

Jahren unterrichte ich an zwei verschiedenen Sekundarschulen als Werk- und Zeich-

ÜBEN IST ALLES!

nungslehrer. Daneben interessiere ich mich

Dann geht es los: Jürg Gamper de-

für Kunst, alte Handwerke, das Bildhauen

monstriert, wie der Reiser gehalten und

sowie die Landschafts- und Lebensraum-

das Messer für einen sauberen Schnitt an-

gestaltung. Ich bewege mich gerne in der

gesetzt wird. Nach etwas zaghaften und

Natur, fahre viel Velo, mähe mit der Sense,

vorsichtigen Versuchen fliegen schon bald

widme mich meinen Obstbäumen, gehe

bei allen Teilnehmern die ersten «Späne» –

zwischendurch in die Luft und fröne mei-

den perfekten Schnitt hinzubekommen ist

nem Hobby, dem Segelfliegen.»

gar nicht so einfach, wie es beim Blick auf

VEREDELN VON OBSTBÄUMEN

reitgestellten Material können Probe-

den Kursleiter scheint. Aber mit dem beZum ersten Mal hat das Kurszentrum

Es braucht Know-how, Sensibilität, ein gutes Auge für das Wesen eines Baumes, ein schar fes Messer und den beherzten Schnitt. Dies und noch viel mehr wird im neuen Kurs «Veredeln von Obstbäumen» im Kurszentrum Ballenberg von Kursleiter Jürg Gamper vermittelt.

schnitte geübt und wiederholt werden.

Ballenberg im Mai 2013 einen Kurs zum

Auch zur Reisergewinnung gibt Jürg

Veredeln von Obstbäumen angeboten.

Gamper detailliert Auskunft. Das Aus-

Umso erfreulicher, dass gleich die Premiere

gangsmaterial für die Veredelung soll qua-

des Kurses ausgebucht war. Die meisten

litativ hochwertig sein – am besten eignen

Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben

sich gesunde und gut ausgereifte, einjäh-

zu Hause selber Obstbäume im Garten und

rige Langtriebe, die beispielsweise beim

wollen diese Bestände aktiv pflegen. Und

Schnitt junger Bäume anfallen oder in der

schon in der Vorstellungsrunde kommen

Krone eines Baumes gewachsen sind. Da

die ersten Fragen und Anliegen von den

die Reiser im Wachstumsrückstand zur

Teilnehmenden: Wie können mit Veredeln

Unterlage sein müssen, werden diese be-

alte Obstsorten «gerettet» werden? Wie geht

reits im Januar geschnitten und dann un-

man vor, wenn man Bäume im Garten hat,

ter möglichst idealen Bedingungen gela-

die zwar köstliche, aber nur wenige Früchte

gert, so dass sie nicht eintrocknen oder

tragen? Welche Bäume und Reiser kann

antreiben. Die Vielseitigkeit der Veredelung

man miteinander veredeln? Was verträgt

ist gross: Okulieren, Kopulieren, Geiss-

NEUER KURS: VEREDELN VON OBSTBÄUMEN

nen Reiser gewinnen und einlagern kön-

nen. Viel Erfolg! ■

Viele unserer Kurse können auch für Teams, Schulen und Firmen massgeschneidert und zum Wunschtermin angeboten werden. Rufen Sie uns an: Adrian Knüsel, Kurszentrum Ballenberg, Telefon 033 952 80 40.


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Handwerk 2/2013

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Das Veredeln von Obstbäumen braucht neben Fingerspitzengefühl gutes und scharf geschliffenes Werkzeug. Können entsteht auch hier durch Üben und Ausprobieren. Jürg Gamper demonstriert und erklärt Schnitt für Schnitt.


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IDYLLE HINTER DEM FLUGPLATZ Nando Crivelli wohnt in Unterbach bei Meiringen. Beim ersten Kreisel soll ich den Flugplatz überqueren und dann links fahren, sein Haus finde ich unmittelbar neben dem alten Schulhaus, das eigentlich längst auf den Ballenberg dislozieren sollte. Inzwischen sei es sogar gefährlich, ins Gebäude hineinzugehen – so prekär sei der Zustand (das Freilichtmuseum Ballenberg sucht tatsächlich nach einem historischen Schulgebäude …) Nando erwartet mich in der Werkstatt, die hinter dem traditionellen Berner Holzhaus, das sich in einem sehr gepflegten Garten – samt Biotop und quasi handzahmen Fischen – duckt, angebaut ist und sich auf einen Teich mit Goldfischen und Sommerlaube öffnet. Handwerk 2/2013

MANN DER LEIDENSCHAFTEN, ANGEFANGEN BEIM METALL Nando erzählt: «Ich bin gelernter Maschinenmechaniker, heute heisst diese Ausbildung Polymechaniker. Die Lehre habe ich in Meiringen im Depot gemacht.

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Nach der Lehre habe ich dies und das geUnmittelbar neben dem historischen Schulhaus von Unterbach, das dem endgültigen Verfall geweiht scheint, der sehr schön gepflegte Garten und Hofraum von Nando Crivelli.

macht: Zwölf Jahre war ich Betriebsmechaniker, dann war ich bei der Führung eines Hotels beteiligt, habe als Knecht gearbeitet und mich bei meinem Bruder im Handwerk des Goldschmieds weitergebildet. Zu den Messern bin ich durch die Kurse im Kurszentrum Ballenberg bei Arthur Soppera gekommen! Bei meinem ersten Klappmesser hat eigentlich gar nichts

Nando Crivelli ist unser Kursleiter für Messer und Klappmesser. Adrian Knüsel hat den passionierten Tüftler in seinem Atelier in Meiringen besucht.

SPITZE STEINE UND SCHARFE KLINGEN: EIN PORTRÄT

geklappt. Das hat mich aber nicht entmutigt, sondern ich habe aus den Fehlern gelernt und in Kombination mit meiner Berufserfahrung das Klappmesser perfektioniert. Später sind dann auch die Damast-


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kurse, ebenfalls im Kurszentrum Ballen-

Vor drei Jahren eröffnete sich die Mög-

berg, bei Niklaus Maurer dazugekommen.

lichkeit, bei meinem Mutterhaus, das wir

STRAHLER, SAMMLER, GÄRTNER

Faszinierendes und Unglaubliches. Hier zeigt sich der eigentliche Jäger und Samm-

Diese haben mich begeistert und mir in

übernehmen konnten, eine Werkstatt zu

Nando Crivelli ist Tüftler, Entwickler

ler, wobei auch die Gefahr beim Strahlen

der Gestaltung der Klingen neue Möglich-

bauen, und seit einem Jahr bin ich zu 100

und Pionier. Ihn zeichnet aus, dass er – bei

und die Pionierhaftigkeit der Lebensum-

keiten eröffnet. Ich habe auf privater Basis

Prozent selbstständig. Ich versuche, mir

allem, was er anpackt – den Dingen fundiert

weitergeschmiedet und bin dann eigent-

ein kleines Lager, eine Auswahl an Messern

auf den Grund geht. Ein typischer lebens-

lich durch eine kurzfristige Absage eines

zu erarbeiten, was mir nicht gelingen will,

langer Lerner. Was nicht unerwähnt bleiben

Kursleiters zu den Kursen gekommen und

weil praktisch alles ab Werkbank einen

darf, ist Nando Crivellis Leidenschaft für die

so langsam in die Vermittlungstätigkeit hi-

Käufer findet. Durch den Internetauftritt

Strahlerei. Drei bis vier Wochen im Jahr

neingewachsen. Die SVEB-1-Weiterbildung

und die vielen Kontakte, die ich knüpfen

steigt er mit einem Freund in die nahen

hat mich in der Vermittlungsmethodik wei-

konnte, arbeite ich immer öfter auf Auftrag,

Oberländer Berge und findet immer wieder

tergebracht.

was für mich ein Privileg ist.»

stände oben am Berg faszinieren. ■ Adrian Knüsel

Ein Kursteilnehmer fügt die Klinge ins roh zugeschnittene hölzerne «Heft». Präzision und Gestaltungswille sind auch beim Messermachen entscheidende Erfolgsfaktoren.


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LERNEN UND PLANEN AM WACHSENDEN OBJEKT

Garten zu gefährden? Kursleiterin Ruth Ruef zeigt vor, erklärt und gibt Tipps und

Die Kursteilnehmenden können an vier

Hinweise. Gemeinsam wird der Garten be-

Tagen – im Frühling, Sommer und Herbst

arbeitet: Es wird gelockert, gemulcht, Setz-

– in verschiedenen Momentaufnahmen eine

linge werden gepflanzt, Samen gestreut.

Gartensaison im Ballenberg miterleben,

Wir dürfen auf den Juni gespannt sein:

«Wenn mich meine Eltern nachhaltig

den Boden vorbereiten, aussäen und

Hat das feuchte und kalte Wetter den Pflan-

bestrafen wollten, so schickten sie mich in

schliesslich ernten. Am ersten Kurstag im

zen arg zugesetzt? Die Kursteilnehmenden

den Garten. Bei einer solchen Strafarbeit

Frühling widmen sich die Gärtnerinnen

werden dann auch Hilfsmittel zur Schäd-

entdeckte ich plötzlich Zusammenhänge

und Gärtner dem Boden, der Grundlage

lings- und Krankheitseindämmung ken-

in der Natur, die mich zu faszinieren be-

des Gartens. Haben Sie gewusst, dass es

nenlernen und diverse Krankheiten und

gannen. Innert kurzer Zeit liebte ich den

im Boden auf einer Fläche Ihres Schuhab-

Schädlinge erkennen können. Das eine

Garten, was ich aber für mich behielt. Be-

druckes mehr Mikroorganismen gibt als

oder andere werden sie auch schon ernten

ruflich wollte ich Gartenarchitekt oder Gar-

Menschen auf der Erde? Diese spielen auch

können! Das ist der Lohn der Arbeit.

tenbau-Ingenieur werden. Die Grundaus-

DEN TRAUM WAHR GEMACHT: RUTH RUEF, KURSLEITERIN FÜRS GÄRTNERN UND KOMPOSTIEREN

ich dann als Baumschulist und Land-

eine wichtige Rolle beim Kompostieren. Kursleiter Horst Heinel erklärt, dass dem Boden durch die Pflanzen stetig Nährstoffe entzogen werden, die ihm mit dem Humus auf natürliche Weise wieder zugeführt wer-

Praktische Übungsteile des Kurses «Gärtnern und Kompostieren» finden in den gut gepflegten Gärten des Freilichtmuseums Ballenberg statt. Der Kurs ist so über das Jahr verteilt, dass die Vegetationsperioden mit dem Jahreslauf beobachtet werden können.

In Zusammenarbeit mit dem Garten- und Kompostforum des Kantons Bern kann das Kurszentrum den vierteiligen Kurs zum Gärtnern und Kompostieren anbieten. Die Kurstage sind auf das Gartenjahr verteilt.

NACHHALTIGKEIT DER BESONDEREN ART: HORST HEINEL, KURSLEITER GÄRTNERN UND KOMPOSTIEREN

bildung dazu war eine Gärtnerlehre, die schaftsgärtner abschloss. Danach arbeitete ich auf Neuanlagen und spezialisierte mich auf Sportplatzbau.

den können. Der Humus sorgt dafür, dass

«Gärtnerin zu werden war mein Kinder-

Dann aber fand ich meinen Traumjob

die Fruchtbarkeit der Erde erhalten bleibt.

traum. Schon als kleines Kind pflanzte ich

als Schlossgärtner im Schloss Hünigen in

Nach ersten Erklärungen auf dem Gelände

in alle möglichen Kleingefässe Blumen und

Konolfingen. Meine Frau ist ebenfalls Gärt-

des Ballenbergs geht es gleich in zwei

Salat. Nach der dreijährigen Gärtnerlehre

nerin. So konnten wir uns wunderbar er-

Gruppen an die Arbeit: Die einen bewirt-

als Topfpflanzen- und Schnittblumengärt-

gänzen. Es entstand in diesen mehr als 42

schaften den Kompostplatz: sie sieben den

nerin arbeitete ich zehn Jahre auf dem ge-

Jahren als Schlossgärtner ein über die

letztjährigen Kompost aus und verwenden

lernten Beruf in der Produktion, im Ein-

Schweiz hinaus bekannter Rosengarten mit

einen Teil davon im Garten. Mit der «Aus-

kauf und in einem Blumenladen. Als

über 4’000 Rosen. Für die Volkshochschule

siebete» wird der neue Komposthaufen

Hausfrau und Mutter von zwei Söhnen

erteilte ich während vieler Jahre Rosen-

«geimpft». Die anderen bereiten unterdes-

konnte ich im eigenen Garten den Beruf als

schnitt- und -pflegekurse. 1992 liess ich mich zum Kompostberater ausbilden und

sen die Beete im Garten des Bauernhauses

Hobby weiter ausüben. 1994 liess ich mich

von Oberentfelden vor. Der Gartenplan ist

zur Kursleiterin für den naturnahen Gar- half ein Jahr später, das heutige Garten-

bereits erstellt und gibt vor, wo man welche

tenbau ausbilden. Seit 1995 erteile ich re-

und Kompostforum des Kantons Bern zu

Setzlinge pflanzen soll. Wie kann man die

gelmässig Kurse bei Bioterra, Gartenbau-

gründen, dessen Präsident ich bis heute noch bin.

Erde lockern, ohne gleich die ganze Bo-

und Frauenvereinen, ausserdem betreue

denbeschaffenheit wortwörtlich auf den

ich an Märkten Infostände von Gemeinden

Ich freue mich, im Kurszentrum Bal-

Kopf zu stellen? In welchem Abstand wer-

zum Thema ‹Kompost, Garten und Um-

lenberg meine vielfältigen Erfahrungen und

den die Zwiebeln gesteckt? Welche Pflanzen

welt›. Heute möchten viele junge Menschen

Erkenntnisse an interessierte Leute wei-

mögen einen besonders nährstoffreichen

einen Garten betreuen, aber das Wissen

tergeben zu können. Ich hoffe, dass es noch

Boden? Wie kann der Salat vor Schnecken

fehlt weitgehend. So freue ich mich immer

geschützt werden, ohne die Chemiekeule

wieder, ihnen an Kursen eine kleine Start-

zu schwingen und den Boden mit Schne-

hilfe mit altem Wissen mit auf den Weg zu

ckenkörnern zu belasten und Nützlinge im

geben.»

OUTDOOR-KURSE: KOMPOSTIEREN, GÄRTNERN

bei vielen Menschen ‹Klick› macht, wie bei

mir als kleiner Bub!» ■


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Handwerk 2/2013

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Grosses Bild: Der Kompost vom Vorjahr wird gehoben. Kleine Bilder unten: Frisch geschnittenes Gras – der Gärprozess setzt sehr schnell ein: Temperaturfühler im Haufen. Kompost ist lebendig und zieht auch grössere Lebewesen an … Geniales Gerät zum Lockern des Komposts. Unsere Kursleiter: Ruth Ruef ist nicht nur eine passionierte Gärtnerin: Sie beherrscht das alte Handwerk der Feldmauserin! Der Kurs dazu im neuen Kursprogramm 2014! Horst Henel, man muss die Erde mit den Fingern spüren …


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GROSSAUFMARSCH UND AHA-ERLEBNISSE Am Wochenende vom 27. und 28. April 2013 sind im Kurszentrum Ballenberg eine Auswahl der Modularbeiten und die Abschlussarbeiten der Bildungsgänge Filz und Weben gezeigt worden. An der Vernissage begrüsste Adrian Knüsel, Leiter des Kurszentrums Ballenberg, die Ausstellerinnen, die Kursleiterinnen und mehrere Hunderte interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer. Er überreichte den Teilnehmerinnen der Bildungsgänge ihre Zertifikate für die absolvierte dreijährige Ausbildung und eine Rose. Rosen und ein grosser Dank gebühren auch den Kursleiterinnen der Bildungsgänge: für die Bildungsgänge Filz, Johanna Rösti-Bühler und Martha Angehrn, die den Bildungsgang gemeinsam konzipiert und Handwerk 2/2013

die Ausstellung mit viel Engagement vorbereitet haben sowie Claire Joseph-Greusing, Cristina Fröhlich, Marianna Forrer und Sieglinde Ludes. Erstmals schliesst auch der von Barbara Wälchli-Keller konzipierte Bildungsgang Weben (Gewebede-

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sign) ab, den sie mit den Gewebedesignerinnen Katharina Osterwalder und Tabea Tscharland geleitet hat. ■

An einem Samstag Ende April: Vom Frühling ist noch nicht viel zu spüren – kalt und regnerisch ist es draussen. Drinnen, in der Cafeteria des Kurszentrums Ballenberg, knistert es aber vor Erwartungen. Ein wichtiger Moment für alle Teilnehmenden der Bildungsgänge Filz und Weben – und ein spannender Einblick für das Publikum.

BILDUNGSGÄNGE FILZ UND WEBEN ZEIGEN IHRE ARBEITEN


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hat er sich zum innovativen Laboratorium entwickelt, aus dem immer wieder neue Ansätze und Talente hervorgehen (wir ha-

DER BILDUNGSGANG FILZ Erstes Jahr: Die Fläche Im ersten Jahr steht das Grundwissen zu Materialien,

ben verschiedentlich im «Handwerk» darüber berichtet).

Entwurf, Ausdruck, Entwicklung und Herstellung des Filzes in der Fläche im Zentrum. Im Modul 1 (Filz – Stoff der No-

VIELFALT UND PERFEKTION – DREI BEISPIELE 2013 standen die Abschlussarbeiten der Filz-Bildungsgänge unter dem Thema «Jardin Secret – aus dem tiefsten Inneren». Ein geheimer Garten; eine Vorstellung, die von jeder Teilnehmerin individuell und anders umgesetzt wurde. Die Auswahl ist uns sehr

DIE 1000 GESICHTER DES FILZENS

LEHRGANG FILZ SETZT MASSSTÄBE

schwer gefallen, denn jede Arbeit hätte einen Ehrenplatz verdient. Hier – stellver-

2013 haben gleich zwei Bildungsgänge

2002 startete der erste Filz-Bildungs-

tretend für alle Kreationen – werden auf

Filz abgeschlossen. 23 Kursteilnehmerin-

gang im Kurszentrum Ballenberg: sechs

den nächsten Seiten drei Arbeiten näher

nen haben zwischen 2009 und 2013 den

einwöchige Module, die über einen Zeit-

Bildungsgang besucht und präsentieren

raum von jeweils drei Jahren verteilt wer-

nun ihre Werke. Drei Jahre lang haben

den. Zwischen den Modulen erstellen die

sich die Teilnehmerinnen intensiv mit Filz

Kursteilnehmerinnen selbstständig Mo-

vorgestellt. ■

maden) wird der Grundstoff für Filz – die Wolle – nähergebracht und geschichtliche Hintergründe vermittelt. Wie wird Rohwolle verarbeitet? Welche unterschiedlichen Erfahrungen kann man mit dem Material machen? In einer ersten Modularbeit wird das eigene Schaffen aufgezeichnet. Die Modularbeiten haben zum Ziel, die eigene Arbeit weiterzuentwickeln und zum Ausdruck der eigenen Vorstellung zu führen. Modul 2 (Filz – Stoff der Könige) steht ganz im Zeichen des Stoffdesigns. Wie finde ich den Weg von der Inspiration zur Flächengestaltung, zum Stoffentwurf ? Farbe, neue Materialien, sich wiederholende Motive, Positiv- und Negativformen kommen dazu. Wie können verschiedene Gestaltungselemente filztechnisch ein- und umgesetzt werden? Zweites Jahr: Dreidimensional

unendlichen Vielfalt der individuellen Aus-

der Modularbeit wird zudem eine Doku-

drucksform experimentiert und gespielt.

mentation verfasst, die den Arbeits- und

Die Ausstellung war der krönende Ab-

Projektablauf beschreibt und illustriert.

Kleines Bild oben: Eine Kursteilnehmerin erklärt dem Besucher die Feinheiten des Doppelgewebes …

ganz dem Spiel gewidmet: vom Filzprozess als Spiel zum spielbaren Filzobjekt. Hier wird auch ein Verkaufsprospekt gestaltet, der die Arbeit in wenigen Worten auf den Punkt bringt und diese einem Publikum bekannt macht. In Modul 4 (Filz – Schmuck und Accessoires) dreht sich alles um

schluss dieses intensiven Arbeitsprozes-

In elf Jahren haben 140 TeilnehmerinKopfbedeckungen, Accessoires, Schmuck, Objekthaftes. In-

ses. Ein wichtiger Moment für die Ausstel-

nen (bis jetzt ausschliesslich Frauen. Das

lerinnen, denn es werden nicht einfach

ist gleichzeitig als Aufruf an die Herren

spirationsquellen werden auch hier in alltäglichen Dingen gesucht. «losgelöste» Objekte präsentiert, es ist ein

zu verstehen!) den Bildungsgang Filz ab-

Moment, an dem auch viel von sich selbst

solviert. 140 Teilnehmerinnen, die etwa

gezeigt wird: die eigenen Kreationen, die ei-

230 Stunden begleitete Kurszeit und wei-

genen Umsetzungsideen. Die Abschluss-

tere geschätzte 200 Stunden für Modular-

Drittes Jahr: Vertiefung Objekt Im dritten Jahr wird die Arbeit im Dreidimensionalen vertieft und erweitert. Modul 5 (Filz – Bekleidung) themati-

ausstellung zum Thema «Jardin secret –

beiten und das Selbststudium aufgewendet

aus dem tiefsten Inneren» reflektiert den

haben, das macht sage und schreibe

Arbeitsprozess und die Entwicklung des

60‘200 Stunden Filz, ein enormer Reichtum

eigenen Schaffens und gibt einen Einblick

an Erfahrung! Für den Bildungsgang 2013

in verschiedenste Welten, so auch in die ge-

sind noch Plätze frei. Weitere Informationen

siert den Schritt vom eigenen Körper zum Schnitt beim Filz. Wie werden Kleider entworfen? Thematische Entwurfsserien entstehen. Modul 6 (Filzobjekte) setzt schliesslich den Fokus wiederum auf die dritte Dimension sowie die Oberflächengestaltung. Es geht um die Gestaltung eines Körpers, von dem heimen Gärten der Gestalterinnen: Lassen

finden Sie unter www.ballenbergkurse.ch.

Sie sich von unseren Bildern in die unter-

Der Lehrgang Filz vermittelt zum einen

schiedlichsten jardins secrets entführen.

die Basis und Grundlagen. Zum andern

zuerst ein Modell angefertigt wurde. So entstehen grössere Objekte, die frei und losgelöst vom Gebrauch sein können.

BILDUNGSGANG FILZ: DER KLASSIKER MIT PIONIERPOTENZIAL

Handwerk 2/2013

dularbeiten zum Thema, die anschliessend besprochen und gewürdigt werden. Zu je-

Im zweiten Jahr steht dann die Auseinandersetzung mit der dreidimensionalen Form im Vordergrund. Modul 3 ist

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auseinandergesetzt, technische Möglichkeiten erkundet und vertieft sowie mit der

Grossaufmarsch des Publikums bei der Eröffnung der Ausstellung zu den Bildungsgängen Filz und Weben


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Das Entwickeln von Strukturen auf Filzoberflächen fasziniert sie, und so war es klar, dass eine weitere Auseinandersetzung damit in ihre Schlussarbeit fliessen würde. Ihr Jardin Secret wird zum dreiteiligen Objekt. Sie hat die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in grossformatigen Flächenfilzen mit unterschiedlicher Farbgebung und Oberflächenstrukturen umgesetzt. Die dunklen Farben des ersten Tableaus symbolisieren das Vergessen und die Ferne. Die Vergangenheit hat Spuren in Form von starr wirkenden Säulen, die zum Teil durchbrochen sind, hinterlassen. Die

Handwerk 2/2013

ULRIKE WIELAND

Vergangenheit ist unveränderbar und kann

Ulrike Wieland hat für den Filz-Bil-

nicht mehr beeinflusst werden. Lücken zei-

dungsgang immer den Weg von Deutsch-

gen auch, dass Momente vergessen und

land in die Schweizer Berge auf sich ge-

verloren sind. Aber rot schimmern die Er-

nommen. Sie wollte das Handwerk Filz von

innerungen heraus, und diese lassen das

Grund auf erlernen, und der Bildungsgang

Bild wärmer erscheinen und ziehen die Bli-

des Kurszentrums Ballenberg war für sie

cke des Zuschauers auf sich. Ein Kontrast

die richtige Wahl. «Besonders geschätzt

dagegen die Zukunft: ein weisser Flächen-

habe ich die gute Atmosphäre in den Mo-

filz, von dem sich unbeschriebene Blätter

dul-Kursen, die wertvollen Inputs der Kurs-

wegschälen. Die Zukunft ist ein Ort der

leiterinnen und den vielfältigen Erfah- Wünsche und Träume – alles ist möglich rungsaustausch mit Gleichgesinnten.»

und noch nichts festgeschrieben. Eingear-

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beitete Seide verleiht dem Bild einen weichen Schimmer und zeigt, wie kostbar die Zukunft ist. Zwischen diesen beiden Flächen leuchtet die Gegenwart heraus: prall

«Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ist noch nicht hier. Leben steht uns nur im gegenwärtigen Moment zur Verfügung. Wir lassen unser Bedauern über das Gestern hinter uns, wir lassen unsere Sorgen über das Morgen los und kommen zu uns selbst zurück, um den gegenwärtigen Moment zu berühren.»

und bunt und in ihrer ganzen Vielfalt und Form- und Farbenpracht zieht sie den Zuschauer in ihren Bann. Eine Trilogie, die

zum Verweilen einlädt. ■

Thich Nath Hanh

DIE DREI BEISPIELE AUS DEM BILDUNGSGANG FILZ


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jardin secret der geheime Garten der ganz persönliche Bereich das Innerste die absolute Identität das wahre Selbst von Gott geschaffen lebenserhaltende Kraft Organ der Empfindung die Seele

NICOLE LIERSCH Nicht zu übersehen, hängt der übergrosse dunkle Mantel im Ausstellungsraum. Nicole Lierschs Umsetzung des Abschlussthemas wirkt aber nicht nur wegen der Grösse des Objekts imposant. Zwei filzt und miteinander kombiniert: eine dunkle, wilde Lebenshülle und, darin verborgen, die filigrane Seelenhülle. Covered heisst ihr Werk: Covered, was so viel bedeutet wie bedeckt und beschützt; aber

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ganz unterschiedliche Objekte hat sie ge-

nung sieht Nicole Liersch auch in der Auseinandersetzung des Innersten des Menschen – der Seele – mit dem Leben und der Welt, die den Menschen umgeben. So wirkt das Leben stets auf die Seele ein, verhüllt sie und erdrückt sie teilweise sogar. Der dicke, fast bedrohlich wirkende Umhang mit seinen Vernarbungen und wilden Strukturen, legt sich wie ein Panzer um die Seele. Die äussere Hülle verliert beim längeren Hinschauen aber von ihrer Dominanz. Sie wird von dem feinen «Seelenfilz», durchbrochen. Dieser Stoff ist von lichter Farbe und wirkt durch die kostbaren Stickereien und die schimmernden Perlen zart und luftig unter dem schweren Mantel. Kostbarkeiten, die sich erst auf den zweiten Blick

offenbaren. ■

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auch verdeckt oder verborgen. Diese Span-


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CORINA HESS Corina Hess taucht mit ihrer Abschlussarbeit in den üppigen Garten ihrer Kindheit ein – ihr Versteck, ihren Rück-

«Niemand kann sich einen lieblicheren und geheimnisvoller aussehenden Ort vorstellen. Die hohen Mauern, die ihn einschlossen, verschwanden fast hinter den vielen Rosenzweigen. Auch aus dem winterbraunen Gras wuchsen Rosenbüsche. Kletterrosen hatten sich über die Bäume ausgebreitet und ihre Ranken bildeten wehende Vorhänge ... Sie hatte in ihrem Leben nie etwas Ähnliches gesehen.»

schlossen und mit Filzschnüren verbunden

Frances Hodgson Burnett. Der geheime Garten

sind. Die Krinoline legt sich wie ein Schutz

zugsort, in dem sie sich ihren Gedanken und Träumen widmen konnte. Ihr Jardin Secret erwächst zu einem verspielten Kleid, das aus einem Mix von unterschiedlichsten Materialien hergestellt ist: Eine alte Jeans wird mit einem leicht schwingenden angefilzten Jupe gepaart. Nicht unter, sondern über den Rock ist eine Krinoline gestülpt, deren Reifen in dunkelgrauen Filz einge-

über das Kleid darunter. Corina Hess vergleicht ihn mit einem Pavillon im Rosengarten. Ein geheimer Garten sei für sie eben etwas Romantisches, Verheissungsvolles. Der Schutz und die Hülle bleiben aber offen und lassen Blicke auf das «Darunter» erhaschen. Auch eine Kette von roten Rosen mit feinen Blättern rankt sich daran empor. Ein schön drapierter grüner Seidenchiffon verleiht dem Ganzen einen Hauch von Transparenz und verbindet den Jupe und die raffinierte Korsage gekonnt zu einem harmonischen Ganzen. Die Rosenmotive wiederholen sich im Schmuck und am weiten Kragen, der sich schützend um die Schultern legt. Ein Kleid, das jedes Dornröschen aus dem hundertjährigen Schlaf holt. ■


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BILDUNGSGANG GEWEBEDESIGN: NEULAND AUSGELOTET UND BEREITS ETABLIERT

Diese Besonderheiten wurden im Bildungsgang berücksichtigt: Die maximale

DER BILDUNGSGANG GEWEBEDESIGN Erstes Jahr: Gewebe, Technik, Struktur

Anzahl der Teilnehmer/-innen ist auf acht Modul A (Gewebe und Technik): Es braucht viele beschränkt. Die einzelnen Module dauern Schritte, bis ein Webstuhl so eingerichtet ist, dass ein per-

«Ein Gewebe besteht aus zwei Faden-

jeweils 8.5 Tage, und ein grosser Teil der

systemen, die sich rechtwinklig kreuzen

Theorie wird zum Selbststudium abgege-

und auf diese Weise miteinander eine Flä-

ben. Die Kursteilnehmerinnen sind also

fektes Gewebe hergestellt werden kann. Unterschiedlichste Stoffqualitäten können bis ins kleinste Detail geplant und mithilfe von technischen Darstellungen festgehalten werden. che bilden.»(*) Eigentlich klingt es ganz ein-

gefordert, und ein hohes Mass an Selbst-

fach, doch schon ein kurzer Blick in ein

disziplin ist nötig. Aber es hat sich gelohnt

Modul B (Gewebe und Strukturen): Textile Materialien können sowohl das optische als auch das taktile Empfinden Grundlagenwerk über Weben und Web-

– die Teilnehmerinnen des ersten Bil-

technik zeigt, dass die Herausforderungen

dungsganges Gewebedesign zeigen in der

spürbar verändern. Den Teilnehmern werden die unterschiedlichen Eigenschaften von pflanzlichen, tierischen des Handwebens gross sind: Exaktes Ar- Abschlussausstellung Gewebe und Obbzw. synthetischen Fasern und deren Einsatz in der Gewebeiten, kreative Auseinandersetzung mit

jekte, die in technischer wie auch gestaltebeherstellung nahegebracht.

Farben und Materialien, eine Vielzahl von

rischer Hinsicht auffallen.

komplexen handwerklichen Fertigkeiten und darüber hinaus auch umfangreiche

(*) Erika Arndt. Handbuch Weben. S. 50

Zweites Jahr: Gewebe, Kleidung, Farbe Modul C (Gewebe und Kleidung): Textilien sind seit

theoretische Kenntnisse sind nötig. Diese Jahrhunderten auf das Engste mit der Herstellung funktioungeheure Fülle von Anforderungen galt neller, tragfähiger und repräsentativer Kleidungsstücke veres, für Barbara Wälchli Keller im Bilbunden. In diesem Modul werden alle notwendigen Kriterien dungsgang Gewebedesign unterzubringen. erarbeitet, um geeignete Kleiderstoffe zu weben. Modul D Ähnlich aufgebaut sollte er sein, wie die anGeweben wird theoretisch und am Webstuhl experimentell Ballenberg: sechs Module, die jeweils eine erarbeitet. Der Einfluss von horizontaler und vertikaler VerWoche dauern und auf drei Jahre verteilt flechtung im Gewebe eröffnet neue Farbqualitäten. sind. Aber Webstühle brauchen nicht nur mehr Platz als andere Arbeitsinstrumente, Drittes Jahr: Gewebe, Raum, Inspiration

Handwerk 2/2013

(Gewebe und Farben): Die Wirkung von Farbe und Textur in deren Bildungsgänge des Kurszentrums

Modul E (Gewebe und Raum): Wie werden Räume durch Webstuhls ist eine zeitraubende Arbeit, die Textilien in ihren Proportionen beeinflusst? Wie verändert gut und gerne zwei bis drei Tage in Ansich ein Raum durch den Einsatz von dicken, dünnen, spruch nehmen kann. schweren oder leichten Stoffen? Der Einsatz von Teppichen, Raumteilern und Vorhängen in verschiedenen Raumtypen wird untersucht. Modul F (Gewebe und Inspiration): Die Entwicklung einer Vision zu einem fertigen Gewebe ist in der Regel ein langwieriger Prozess. In diesem Modul verbin-

Erstmals schliesst auch ein Bildungsgang Gewebedesign (Weben) ab und präsentiert sich in der Ausstellung. Susanne Hintermann, Astrid Wyss, Bettina Studer, Carine Michel, Monique Aubry und Cécile von Reding zeigen eine Auswahl ihrer Modul- sowie ihre Abschlussarbeiten.

det sich Konzeption eigener Ideen mit allen bisher erlernten Techniken und Erfahrungen. Strukturelle Leitplanken zur sicheren Umsetzung der eigenen Imagination werden behandelt und umgehend eingesetzt. Im dritten Jahr wird von den Teilnehmer/-innen ausserdem eine abschliessende Projektarbeit erstellt.

BILDUNGSGANG GEWEBEDESIGN: ANGEZETTELT.

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sondern auch Zeit. Das Einrichten eines


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CARINE MICHEL Transparent schimmernd, vergänglich, flüchtig – leicht wie eine Seifenblase ist der Stoff, den Carine Michel für ihre Abschlussarbeit entworfen hat. «Bubbles» taufte sie denn auch das luftige und zarte Gewebe, das sie in verschiedenen Pastelltönen gestaltet hat. Eine schlichte Leinenbindung, in Kombination mit aktiv überdrehtem Garn, im Karo angeordnet, lässt das Gewebe aufplustern – die Bläschen, die Bubbles entstehen. Als Eyecatcher zieht sich ein Faden in kräftigem Rot durch alle Gewebe dieser Serie. Der sprichwörtliche rote Faden nimmt hier also konkrete Form an. Carine Michel entwarf aber nicht nur eine Reihe von lockeren Schals, sondern auch ein Lichtobjekt zum gleichen Thema: Dafür stülpte sie verschieden grosse Acrylkugeln über eine Lichterkette und hüllte sie anschliessend in das bonbonfarbene Gewebe. ■

Lichtblicke … In der Dämmerung zart und transparent, später als Lichtkugeln die Nacht erhellend … Am nächsten Morgen wieder lautlos verschwunden … Nichts erinnert mehr an den Zauber der vergangenen Nacht … Aus der Abschlussarbeit von Carine Michel

DIE BEISPIELE AUS DEM BILDUNGSGANG GEWEBEDESIGN


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SUSANNE HINTERMANN Susanne Hintermann hat sich mit akribischer Genauigkeit daran gemacht, die vielen Facetten und Möglichkeiten des Doppelgewebes zu verstehen. Doppelgewebe bestehen aus zwei Gewebelagen, die gleichzeitig gewoben und auf verschiedene Art und Weise miteinander verbunden werden. Ihre umfangreichen und detailliert illustrierten Arbeitsbücher zeigen verblüffende Spielereien mit verschiedenen Gestaltungselementen, Farben und Materialien auf, die sie im Laufe des Arbeitsprozesses erprobt und mit denen sie experimentiert hat. Es entstanden Schlauchgewebe oder Gewebe, die auf der einen Seite miteinander verbunden waren und sich auf der anderen Seite wie die Seiten eines Buches öffnen lassen (womit die Nähe der Worte «Text» und «Textil» wieder einmal beson-

den. Susanne Hintermann hat die Gestaltungsmöglichkeiten, die zwei Kett- und zwei Schusssysteme bieten, ausgelotet und in

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wunderschöne Gewebe umgesetzt. ■

Handwerk 2/2013

ders schön illustriert wird). Sogar eine «Mini-Hose» ist auf diese Weise entstan-

Stellvertretend für alle Teilnehmerinnen der Bildungsgänge zeigen wir von Seite 12 bis 17 die Arbeiten und Porträts von drei Teilnehmerinnen des Bildungsganges Filz und zwei des Bildungsganges Weben. Bilder: Nina Mann Texte: Daniela Christen


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BILDUNGSGANG FILZ

«Ich habe verschiedene Ausbildungsange-

«Meine Erwartungen haben sich ganz und

«Ich erlebte es als sehr bereichernd, mit so

«Das Interesse an einer «grösseren» Filzaus-

bote verglichen. Ausschlaggebend waren

gar erfüllt. Die Modularbeiten waren Moti-

viel interessierten, ideenreichen, offenen

bildung gab es schon seit längerer Zeit. Eine

die umfassenden Konzepte der sechs Mo-

vation, um immer an einem Thema dran zu

Filzfrauen unterwegs zu sein, voneinander

Nachbarin, die gerade ihren Bildungsgang

dule sowie die verschiedenen Kursleiterin-

sein. Ich konnte es aber immer auf meine

und miteinander zu lernen, sich gemein-

Filz am Abschliessen war, erzählte mir vom

nen, welche die entsprechenden Module

persönliche Weise gestalten, wir hatten da-

sam über Gelungenes zu freuen und Er-

Ballenberg. Ich rief das Kurszentrum an

kompetent leiten konnten.»

bei viel Freiheit. Dies habe ich geschätzt.»

mutigung zu erfahren, wenn sich die Dinge

und konnte den zweitletzten Platz buchen.

Corina Hess, Kurs 13

Annamaria Gredig, Kurs 13

Ausserdem passte der Zeitpunkt für meine Familie gut.» Ann-Sofie Kantsjö, Kurs 14

Frauen in unserem Kurs sind mir zur tem«Nicht sehr viel. Die Anmeldung war zu

«Meine Erwartungen haben sich sicher er- porären Filzheimat geworden.»

kurzfristig, um sich viele Gedanken zu ma-

füllt. Meine Vorstellung hat sich in dem

chen. Ich hoffte, dass ich jede Menge lernen

Sinn geändert, dass ich merkte, dass ich

«Ich wollte meine bisherigen Filzkennt-

kann. Dass meine kläglichen Filz-«Sachen»

mein Eigenes gestalten kann. Früher habe

«Die Abschlussaustellung! Sie wurde mit

nisse vertiefen und mich intensiv mit diesem

endlich fertig aussehen. Vielmehr aber

ich ein Filzbuch aufgeschlagen und pro-

viel Know-how und Engagement vorberei-

Handwerk auseinandersetzen. Von den in

hatte ich Angst, dass ich die Einzige bin,

biert, das Gezeigte nachzumachen. Heute

tet und durchgeführt. Es war ein sehr wür-

der Schweiz angebotenen Filz-Lehrgängen

welche noch nicht filzen kann oder sehr we-

gestalte ich meine eigenen Ideen, und das

digender Abschluss der drei Jahre. Ken-

macht enorm Spass!»

hat mich derjenige im Kurszentrum Ballen-

nig Filzerfahrung hat. Was sich ja auch

berg am meisten überzeugt, unter anderem

bestätigt hat. Jedoch sind die ganzen Kurs-

weil verschiedene Lehrerinnen unterrichten

leiterinnen so toll, dass das nichts macht.»

und der Bildungsgang seit Jahren im Pro-

Andrea Barrot, Kurs 14

gramm etabliert war, man also Erfahrung damit hatte. Ausserdem lerne ich stets Handwerk 2/2013

nicht wie gewünscht entwickelten … Die

gerne Neues, und nachdem ich die Ausbil-

retischem und vor allem praktischem Hintergrund.» Barbara Gloor, Kurs 14

lastigen Ausbildung, etwas mit den Händen zu tun.»

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Marlis Bruppacher, Kurs 14

Nicole Liersch, Kurs 14

Vanessa Buchmüller, Kurs 13

Gleichgesinnte zu treffen, Zeit für mich

Es half mir, den Begriff Spielen weit zu fassen. Spielerisch an eine Sache heranzuge-

tiger Teil der Kurse, da man auch von den

hen, ist häufig wirklich hilfreich.»

Kursleiterinnen ausbilden zu lassen. Die

nem Thema zu widmen.» Nicole Liersch, Kurs 14

Ausbildungsdauer über drei Jahre à je zwei einwöchigen Modulen lässt sich mit der

«Ich liess mich überraschen und habe mich

Familienarbeit mit kleinen Kindern gut ver- vor jedem Modul möglichst ohne konkrete einbaren.» Gabriela Spindler, Kurs 14

Marlis Bruppacher, Kurs 14

«Das ist schwierig zu sagen, denn jedes Modul brachte mir ganz viele neue Inputs. Ich

«Einsicht in die unterschiedlichen Gestal-

finde, dass das Arbeiten mit Filz immer

tungen mit allen möglichen Materialien.

spannend ist, da während dem Prozess

Inspiration. Fachgespräche und gegensei-

ganz viel passiert und auch grosse Flexibi-

tige Unterstützung, Motivation und Feed-

lität vorausgesetzt wird, da man sich unter

back. Entwicklungen wahrnehmen, Er- Umständen neue Vorgehensweisen aus-

Vorstellungen und zu hohem Druck auf

kenntnisse austauschen, das Bündeln von

denken muss, damit man zum Ziel kommt.

die neuen Inputs gefreut.»

Fachwissen. Gemeinsames Geniessen der

Wunderschön war die Abschlussausstel-

Filzwoche.»

lung. Die Gespräche mit den verschiedenen

Barbra Habegger, Kurs 14 «Die Zeit mit meinen «Filz»-Kolleginnen

Simone Schulze, Kurs 13

habe ich sehr genossen. Der fachliche und

«Meine Erwartungen haben sich erfüllt. Ich

der persönliche Austausch war berei-

habe aber auch gelernt, dass dieses Gebiet

«Die Abschlussarbeit. Man konnte aus dem

chernd. Die gemeinsame Leidenschaft Filz

immens gross ist, und dass man nie aus-

Vollen schöpfen und das Gelernte aus den

verbindet.»

gelernt hat.»

letzten drei Jahren umsetzen.»

Verena Bossart, Kurs 13

Annamaria Gredig, Kurs 13

ren Ideen und Erfahrungen.»

persönlich (ohne Familie), mich vertieft ei«Die Möglichkeit, sich von verschiedenen

«Das Modul «Spiele» interessierte mich am wenigsten und wurde aber sehr wichtig.

«Der Austausch in der Gruppe war ein wichKolleginnen viel profitieren konnte, von de-

«Neue Techniken, gestalterische Arbeit,

nenlernen der verschiedenen Schafrassen und ihrer Rohwolle (Modul 1).»

«Ich habe Erwartungen an mich selber entdeckt.»

«Eine fundierte Grundausbildung mit theo-

dung zur Ausbilderin abgeschlossen hatte, gelüstete es mich, nach der ziemlich kopf-

Karin Bucher, Kurs 13

Marianne Schnellmann, Kurs 13

Ann-Sofie Kantsjö, Kurs 14

ECHOS ZUR KURSWAHL FILZEN UND WEBEN

Besuchern und «Filz»-Leuten gab mir grosse Befriedigung und Freude, wie ein Konzert-

Barbara Gloor, Kurs 14

applaus.» Barbra Habegger, Kurs 14


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«Mein persönliches Highlight war der Pro-

Das Filzen bildet in meinem beruflichen

BILDUNGSGANG WEBEN

«Freude habe ich auch, dass ich nochmal

zess der Abschlussarbeit mit der Begleitung

Tun bereits einen Schwerpunkt. Ich kann

«Vor dem Bildungsgang bin ich beim Planen

eine Ausbildung geschafft habe, darum hat

einer Mentorin. Sich intensiv auszutau-

mir die Ausstellung viel bedeutet.

mein Fachwissen weitergeben und andere

eines Gewebes, sei es beim Material, den

schen, immer wieder das Tun zu hinter- anregen, sich individuell mit Filz auszu-

Farben oder bindungstechnisch, immer

fragen, nach neuen Möglichkeiten zu su-

drücken. Im privaten Bereich möchte ich

wieder steckengeblieben. Mein Wissen war

chen und seine Arbeit auf den Kern der

mich mit Filzkunst auseinandersetzen und

einfach zu wenig umfangreich.»

Aussage zu reduzieren, war äussert span-

meine Möglichkeiten erweitern und vertie-

nend und sehr lehrreich.»

fen. Filzen ist für mich eine Möglichkeit,

Susanne Hintermann

Susanne Hintermann «Eines meiner Highlights während der letzten drei Ballenbergjahre war sicherlich der Moment, als ich zum ersten Mal die Fäden

meine Ideen mit Freude, Kraft und Aus-

«Ich war neugierig, dieses traditionelle

eines abgewobenen Zettels abschneiden

dauer auszudrücken und während des Pro-

Handwerk mit seinen faszinierenden Ge-

konnte und mein erstes selbstgewobenes

«… Das erste Modul war für mich wie eine

zesses immer wieder überrascht zu werden.

staltungsmöglichkeiten von Grund auf und

Stück Stoff in den Händen hielt.»

Tür in eine andere Welt.»

Wunderbar!» Simone Schulze, Kurs 13

unter fachkundiger Leitung kennenzuler-

Carine Michel

nen.» Carine Michel

«Mein Wissen möchte ich noch vertiefen

«Auf jeden Fall! Ich werde mich weiter von

«Unbedingt! Ich werde weiterhin in meinem

der Natur inspirieren lassen und weiter ex-

Atelier Kurse erteilen, will aber auch ge-

«Ich habe vor Beginn des ersten Moduls er- komme, beruflich etwas mit Weben zu ma-

perimentieren.»

nügend Zeit haben. um Gelerntes zu festi-

wartet, dass ich die Fertigkeiten erlerne,

gen, Neues auszuprobieren und mich wei-

eine gute und brauchbare Qualität von

terzuentwickeln. Gerne würde ich mich mit

Stoff herzustellen, und ich ausserdem ge-

Barbara Gloor, Kurs 14

und erweitern. Wenn ich die Chance bechen, werde ich sie sicher packen.» Susanne Hintermann

«Unbedingt möchte ich mich weiterhin mit

eigenen Arbeiten für Ausstellungen bewer- stalterische Anregungen erhalten.»

«Bestimmt wird mein Webstuhl nicht lange

Filz beschäftigen, meine Website ist online,

ben.»

unbenutzt bleiben – viele Ideen warten da-

ich arbeite auf Bestellung, möchte aber

Corina Hess, Kurs 13

auch künstlerisch tätig sein und an Ausstellungen teilnehmen. Es wird sich zei-

Bettina Studer

«Ich habe im Sommer 2012 eine eigene Filz-

rauf, umgesetzt zu werden. Ich freue mich «Meine Erwartungen haben sich weitgehend

darauf! Gespannt bin ich auch auf den

erfüllt. Während den drei Jahren wurde

Austausch mit meinen Kurskolleginnen,

gen, wie sich das Atelier entwickeln wird,

werkstatt eröffnet, in der ich auch Kurse

mir aber auch bewusst, wie vielfältig und

erste Daten sind bereits geplant. Im Weite-

neben Familie und Arbeit! Der Bildungs-

anbiete. Ausserdem möchte ich meine Tä-

weitläufig die Möglichkeiten zur Vertiefung

ren hoffe ich natürlich ebenfalls auf span-

gang hat mir in meiner künstlerischen Ent-

tigkeit in Schulen als Kursleiterin für Filz

sind und man am Schluss des Bildungs-

nende weiterführende Kursangebote im Kurszentrum Ballenberg.»

wicklung viel gegeben, hat aber auch meine

AGs erweitern. Und mich interessieren

ganges eigentlich erst am Anfang steht,

persönliche Entwicklung unterstützt.»

Ausschreibungen und Ausstellungen rund

womit es ja aber auch spannend bleibt.»

Nicole Liersch, Kurs 14

ums Thema «Filz». Ich bin Mitglied des

«Ein Highlight war für mich, dass ich ohne

deutschen Filznetzwerks, also Filz wird ein «Ich brauche das Filzen bei meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen. Ich möchte den Austausch mit Filzenden aus anderen Ländern pflegen. Ich werde Work-

fester Bestandteil meines Lebens bleiben.» Ulrike Wieland, Kurs 14

«Die unterschiedlichen Themenmodule ga-

Vorkenntnisse schon während des zweiten

ben mir Einblicke in die vielfältigen Ge-

Moduls eine zufriedenstellende Stoffquali-

heimnisse der Gewebegestaltung.»

tät realisieren konnte und es ausserdem

Carine Michel

ckeln.» Annamaria Gredig, Kurs 13

auch schon möglich war, verschiedene gestalterische Möglichkeiten umzusetzen.

shops geben, Aufträge ausführen, und weiterhin Neues – spielerisch-filzend entwi-

Carine Michel

Bettina Studer

«Es war sehr schön, sich mit gleichgesinn-

Das hätte ich von einem halben Jahr «Web-

ten Kolleginnen mit diesem breiten The-

erfahrung» nicht erwartet, und es hat mich

menspektrum auseinanderzusetzen.»

sehr motiviert.»

Susanne Hintermann

Bettina Studer ■

Handwerk 2/2013

Ann-Sofie Kantsjö, Kurs 14

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Ulrike Wieland, Kurs 14


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Paul Jackson – Vom Faltobjekt zum Werbeträger. Schneide- und Falttechniken im Papierdesign 2013, Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/ Wien

VOM FALTOBJEKT ZUM WERBETRÄGER Sich mit der eigenen Werbebotschaft

Ursula MüllerHiestand – Werkbuch Papierschmuck 2012, AT Verlag, Aarau/München

WERKBUCH PAPIERSCHMUCK Ungewöhnlicher

Schmuck,

PAPIERSCHMUCK

Handwerk 2/2013

ZEICHNEN HEISST SEHEN

Raum-

Wer einmal die Lust am Sammeln und

«zeichnen heisst sehen» öffnet die Augen

schmuck und Accessoires aus Alltagspapier.

Experimentieren mit Papier entdeckt hat,

für eine neue Art zu sehen: den zeichneri-

von der visuellen Informationsflut abzuhe-

Mit Ideen, Kreativität und einer guten Prise

findet in «Papierschmuck» die Grundlagen

schen Blick. Wird die Welt als flache Zeich-

ben, ist heutzutage schwierig. Paul Jackson

Experimentierlust entstehen aus Papier er-

zu den wichtigsten Papiertechniken, Hin-

nung und somit als Liniengerüst wahrge-

stellt über 40 elegante und vor allem be-

lesene, ungewöhnliche, filigrane oder mar-

weise zum Gebrauch der Werkzeuge und

nommen, bedeutet Zeichnen lediglich ein

merkenswerte Papierkonstruktionen vor,

kante Schmuckstücke.

eine Fülle von Inspirationen zum schmu-

Übertragen des Gesehenen auf das Papier.

mit denen man von Kunden besser wahrge-

Das Material sind gewöhnliche All-

nommen wird und in deren Erinnerung haf-

tagspapiere: Zeitungspapier, Packpapier,

ten bleibt.

Seidenpapier, Telefonbuchpapier, Zitrus-

cken Gestalten mit Papier. In «Papierschmuck» von Barbara Bau-

Heike Kelter führt mit vielen Beispielen und Übungen in die Methode des flächigen

mann werden 55 Projekte aus ganz unter- Sehens ein. Das wichtigste Hilfsmittel zum

Die vorgestellten Projekte zum Nachar- früchtepapierchen, Recyclingpapier. Gear- schiedlichen Papiersorten vorgestellt: Die

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Heike Kelter – Zeichnen heisst sehen. Mit dem flächigen Sehen zum dreidimensionalen Zeichnen 2013, Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/ Wien

Barbara Baumann – Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten 2013, Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/ Wien

Erlernen dieser Technik ist das dem Buch

beiten reichen von Klassikern wie dem Fle-

beitet wird mit einfachen Techniken wie

Auswahl reicht von literarischen Perlen

xicube über Umschläge, CD-Hüllen, Puz-

Falten, Knittern, Wickeln, Schichten und

über die Pralinenstola bis zum Armband

beigelegte Zeichenvisier, mit dessen Hilfe der flache Blick trainiert werden kann. An-

zles, Knobeleien bis zum Faltbuch. Alle

Kleben. Die wichtigsten Hilfsmittel sind

aus Spielkarten. Barbara Baumann gibt

schliessend werden Themen wie die Kom-

diese kleinen Meisterstücke der Papier- Kleister und Leim, Bindedraht oder fein-

Anregungen, wie sich jedes Stück weiter- position der Zeichnung, das Sehen der Per-

kunst wurden nach dem Kriterium ausge-

maschiges Drahtgitter, Japanmesser, Pin-

entwickeln, anders gestalten oder durch

spektive, die Bedeutung von Innenlinien,

wählt, Erstaunen zu wecken und zu un-

sel, Bohrer, Ahle und Zange.

weitere Schmuckstücke zu einer Kollektion

Schraffur und Fokus behandelt.

terhalten.

Das Werkbuch Papierschmuck von

oder einem Ensemble ergänzen lässt. ■

Dieses Buch ist für Anfänger/-innen

Fast alle Faltobjekte in diesem Buch

Ursula Müller-Hiestand, eine Fülle an

sind interaktiv: Sie lassen sich öffnen,

Ideen, Inspirationen und Anleitungen für

unternehmen, es kann aber auch Fortge-

schliessen, zusammenfalten, von innen

alle, die neue, unkonventionelle Werkideen

schrittenen viele Anregungen bieten und

nach aussen stülpen, in der Form verän- suchen. ■ dern oder sie müssen zusammengebaut werden. Ihre verschiedenen dynamischen Möglichkeiten lassen sich auf einer gedruckten Buchseite jedoch nur schwer darstellen – um sich richtig daran freuen zu können, muss man sie nachmachen! ■

BILDEN SIE SICH: SO VIEL THEORIE MUSS SEIN …

gedacht, die ihre ersten Zeichenversuche

Gewohntes unter einem neuen Aspekt erscheinen lassen. ■


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MOBILE KLEINBEHAUSUNG: DESIGN-CAMP 2013 Leaderpartner

Projektpartner

mung». Am Freitag, 23. August 2013,

VERFLECHTEN VERKNÜPFEN 20 JAHRE STROH STIFTUNG

findet zudem eine Präsentation der entstandenen Arbeiten statt, in der Stiftung Schreinerschule Solothurn (Glutz-Blotzheimstrasse 1, 4500 Solothurn). Kosten: CHF 790.– inkl. Unterkunft/Verpflegung

SCHWEIZERISCHE STROHSTIFTUNG FONDATION PAILLE SUISSE FONDAZIONE PAGLIA SVIZZERA SWISS STRAW FOUNDATION c/o Kurszentrum Ballenberg Museumsstrasse 131B CH-3858 Hofstetten strohstiftung@gmx.ch +41 (0)33 952 80 40 www.strohstiftung.ch

CHF 690.– für Mitglieder Luzern Design und für Student/-innen/Lehrlinge in

DESIGN-CAMP 2013

der Erstausbildung, Sonderkonditionen

20 JAHRE STROHSTIFTUNG

Weitere Infos und Anmeldungen:

10 bis 17 Uhr

Sonntag 18. bis Donnerstag, 22. August

ungezwungenen Rahmen eines Basars. Wer will, kann sich an einem Stand/Tisch präsentieren: geschmückt mit Kunstwerkstücken, Fotos oder einfach nur mit Visitenkarten. Ziel ist, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu sehen, wer, wo, wie mit Stroh arbeitet. Ein Verkauf von Produkten ist möglich, jedoch nicht Hauptzweck des Basars. Einrichten der Basar-Stände ab 9

30 Personen beschränkt.

50%. Die Teilnehmerzahl ist auf

Zum Basar: Der Schwerpunkt des Anlasses ist das gegenseitige Kennenlernen – dies im

Uhr.

Aktuellste

Infos

laufend

unter

www.strohstiftung.ch.

Samstag, 7. September 2013, 2013 im Kurszentrum Ballenberg Kurszentrum Ballenberg,

Kosten: Tagung und Verpflegung wird von der Stiftung offeriert. Übernach-

Luzern Design führt – in Zusammenwww.ballenbergkurse.ch arbeit mit dem Kurszentrum Ballenberg – bereits zum dritten Mal das Design-Camp

Telefon 033 952 80 40. ■

Ab 9.30 Uhr Eintreffen, Kaffee und Gip-

ten auf eigene Kosten. Das Kurszentrum

feli im Kurszentrum Ballenberg, Eingang

Ballenberg hilft gerne weiter, www.ballen-

West des Freilichtmuseums Ballenberg. Für

bergkurse.ch, siehe Unterkunft.

im Ballenberg durch. Während fünf Tagen, Projektpartner:

Strohschaffende aus der ganzen Schweiz.

vom 18. bis 22. August, haben erlebnisWir schenken uns zum Jubiläum eine Zu-

Anfahrt:

sammenkunft der Schweizer Strohschaf-

Mit dem Auto Anfahrt Richtung

fenden zum Thema: «Kontakte knüpfen,

Brienz/BE, Wegweiser Ballenberg West

Ideen verflechten». Jubiläum 20 Jahre

beachten. Parkplätze und Ablademöglich-

Schweizerische Strohstiftung.

keit vorhanden. Mit Bahn und Postauto

Programm: Vergangenheit,

Brünig oder in Brienz auf das Postauto

Gegenwart, Zukunft

umsteigen.

Gestaltungsideen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht das Thema «Handwerk» und die Umsetzung eines realen Projekts. Anfahrt direkt vor die Haustür. Auf dem Mobil – eine Tradition? In diesem Jahr soll «Mobiles Wohnen» ein Thema werden. Vergangenheit: Referat «Eine Industrie Dazu gehören Referate über unterschiednimmt den Hut» von Monique Millard-Hel-

Fragen?

fer (Liz-Arbeit).

Präsidentin: Monique Millard-Helfer,

liche Materialien, Informationen zum historischen Hintergrund, Fachgespräche mit

Leadpartner: Gegenwart: Basar mit gegenseitigem

Telefon 031 721 24 27,

Austausch der Strohschaffenden. Referat

strohstiftung@gmx.ch,

Handwerkern und die innovative Entwicklung eines Musterbaus mit Möbeln, textilen von Anna Hegi, Strohmuseum Wohlen (AG)

info@ballenbergkurse.ch;

Vorführung in der Hutmacherwerkstatt von

Telefon 033 952 80 40

Gestaltungselementen und Beleuchtung. Der «Musterbau» könnte in Zukunft den Hans Isler-Räber im Freilichtmuseum BalBesuchern während den Sommermonaten lenberg.

Wir freuen uns!

als Übernachtungsgelegenheit dienen. Zukunft: Diskussionsrunde und Ideen-

Der Stiftungsrat der Schweizerischen

Das gemeinsame Wohnen wird wieaustausch unter den Strohschaffenden zu

Strohstiftung: Monique Millard-Helfer,

verschiedenen Themen (z.B. Wie vernetzen

Adrian Knüsel, Doris Rothen, Marc Weg-

derum Teil des Konzepts sein. Mit Exkursionen, gemeinsamem Wohnen und Essen wir uns?). entsteht eine besondere «Werkstattstim-

KURZFRISTIGE TEILNAHME NOCH MÖGLICH

müller, Christine Huber-Helfer ■

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lichkeit, sich mit neuen Materialien und

Handwerk 2/2013

freudige, innovative Menschen die Mög-


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Die Kraft im Hintergrund. Wir sind Partner des Kurszentrums Ballenberg. Weil das Handwerk stimmen muss. Ăœberall und in jeder Branche.

Handwerk 13 2  
Handwerk 13 2  

Publikation des Kurszentrums Ballenberg

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