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Postfach, CH-3855 Brienz Telefon 033-952 80 40, Fax 033-952 80 49

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Handwerk: Informationsorgan des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk

3 / 2001 Stiftung Heimatwerkschule Ballenberg Ein Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg und der Heimatwerke der Schweiz


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Das Messer: Das Werkzeug, das unsere Kultur erst möglich gemacht hat. 2

Die Geschichte des Messers

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Schweizer Taschenmesser

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Porträt Arthur Soppera

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Internationale Messermacher-Bewegung

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Messerausstellungen

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Klappmesserkurs 2002

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Messermachen im Kurszentrum

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Der gute Schliff

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Projekt Yverdon 2002

Handwerk 3/2001. Redaktion: Elisabeth Soppera Herausgeber: Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk, 3855 CH-Brienz, Telefon 033-952 80 40, Fax 033-952 80 49, www.kurszentrum-ballenberg.ch, info@kurszentrum-ballenberg.ch. Druck: Gisler Druck AG, Altdorf. Auflage 3200 / 3 Ausgaben jährlich. Abo Inland Fr. 24.– / Ausland Fr. 32.–.


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Umschlagbild: Klappmesser von Friedrich Schneider. Mehr ab Seite 12. Links: Silexmesser, Holzfassung gelocht, Birkenpech, Neolithikum, Obermeilen ZH. Unten: Messer, Bronze, späte Bronzezeit, Zürich-Wollishofen. (Schweizerisches Landesmuseum Zürich, Nr. 7074, Nr. 12854). Mehr ab Seite 2.

Adrian Knüsel, Leiter

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Für den Rückfall in die Steinzeit braucht es so wenig. Stellen Sie sich vor: Sie sitzen am Tisch vor einem feinen Braten oder einem wunderbaren Käselaib und haben – kein Messer. Diese Situation wäre ganz unmöglich, ja schlimmer als Fastfood! Das wohl älteste Kulturwerkzeug hat entscheidende Impulse in der Entwicklung der Menschheit gesetzt – durchaus vergleichbar mit dem Rad. Selbst unsere Denkkultur ist vom Messer beeinflusst: «messerscharf» steht für Präzision, Intelligenz und Klarheit. Eigenschaften, die von der Musik über Sozial- und Naturwissenschaften bis hin zur Wirtschaft geschätzt werden. Wir kennen auch Begriffe wie «auf Messers Schneide» oder «über die Klinge springen» und wissen, dass ein Messer durchaus zweischneidig ist: nützlich und zerstörerisch. Das Messer ist, wie das Feuer auch, dualistisch: es kommt drauf an, was man damit macht ... Als wir im Frühjahr diese Ausgabe von Handwerk planten, ahnten wir nicht, wie schmerzlich wir mit der gewalttätigen Qualität eines einfachen Messers, geführt von der Hand eines selbstmörderischen Wahnsinnigen, konfrontiert sein würden. Die Bedrohung durch ein Messer hat in unserer komplexen Welt zur Katastrophe führen können. Trotzdem widmen wir Handwerk 3/2001 diesem ausserordentlichen Gegenstand: die in einen Griff gesetzte Klinge zum Schneiden, Trennen, Abmessen. Wir zeigen Ihnen gerne und sehr bewusst die Leidenschaft der Messermacher, die Schönheit der Messer. Die Texte recherchiert und zusammengetragen hat Elisabeth Soppera, Redaktorin, Frau von Arthur Soppera, gefragter Messermacher und Goldschmied und Kursleiter am Kurszentrum. Es bleibt mir, Ihnen Anregung beim Lesen zu wünschen und Ihnen und allen unseren KursleiterInnen (ab Seite 22) für die Treue und das Vertrauen in die Arbeit des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk zu danken und Ihnen ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Handwerk 3/2001

Liebe Leserin Lieber Leser


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Links: Eisenverhüttung im Rennofen, nach Agricola: Vom Berg- und Hüttenwesen, 1556. Rechts: Das Bankett des Königs. Holzschnitt von Michael Wolgemut, 1491. (Deutsches Klingenmuseum, Solingen. Fotos Christoph Maas, Solingen)

Die Geschichte des Messers Im Schweizerischen Landesmuseum beginnt die Zeitrechnung bei 100'000 Jahren, ältere Funde gibt es hier zu Lande kaum.

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Literatur: ■ Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 4. Berlin, Leipzig 1931/1932, S. 934.

In grauer Vorzeit entdeckte ein menschenähnliches Wesen irgendwann, dass man mit einem Stein mit scharfer Kante etwas zertrennen, zum Beispiel Nahrung zerteilen konnte. In Ostafrika wurden erste grobe Werkzeuge aus Stein und Knochen gefunden, die viereinhalb Millionen Jahre alt sind! Vor zweieinhalb Millionen Jahren stellte der Homo habilis bereits zielgerichtet gearbeitete Steinwerkzeuge her. Seit 500'000 Jahren verfügt der Mensch über das Feuer1.

Erster Quantensprung: Schneidwerkzeuge mit Griff Vor etwa 220'000 Jahren soll der Neandertaler, der muskulöser war und gröbere Knochen hatte als die anatomisch modernen Menschen, aus Afrika nach Europa vorgedrungen sein. Der Homo Sapiens, unser direkter Vorfahre, tauchte in Europa – ebenfalls aus Afrika kommend – erst etwa vor 40'000 Jahren auf und lebte hier offenbar eine Zeit lang gewissermassen als Nachbar des Neandertalers, der jedoch vor rund 30'000 Jahren verschwand. Teils stellten diese frühen Menschen in Europa und anderswo Faustkeile und Schaber aus Stein her, die auch als Messer dienten, teils, und je nach Region und


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Der zweite Entwicklungsschub: vom Stein zum Metall – und erste Gussverfahren Der Gebrauch von Messern und Werkzeugen war sicher entscheidend für die Entwicklung des Menschen. Aber es dauerte unendlich lange, bis aus grobem Steinwerkzeug ein Keilmesser mit Griff oder gar eine Sichel wurde; dies war eine Frage von Millionen oder doch von hunderttausenden von Jahren, und die Formen blieben im grossen Ganzen ziemlich einfach. Es ging alles viel schneller, und das Bild veränderte sich grundlegend, als der Mensch einmal die Fähigkeit erwarb, Metall zu verarbeiten. Das erste bekannte Metall war Kupfer, das schliesslich mit Zinn zu Bronze verschmolzen wurde. Bronzeklingen wurden gegossen, im Gegensatz zu den späteren, geschmiedeten Eisen- bzw. Stahlklingen. Ein bedeutendes Zentrum der Bronzekultur lag in Vorderasien, wo entsprechende Metallvorkommen vorhanden waren, während in Europa Kupfer noch kaum bekannt war; es muss also entsprechende Handelsbeziehungen mit dem Nahen Osten gegeben haben. Die Bronzezeit in Europa begann um ca. 1600 v. Chr. in Griechenland und in Zentraleuropa und um ca. 1000 v. Chr. in Italien. Aus der Bronzezeit sind zahlreiche Funde erhalten, nicht nur Messer, sondern auch Gefässe und allerlei Geräte. Von späteren Messerfunden aus der Eisenzeit sind häufig nur die Bronzegriffe erhalten, die Eisenklingen sind dem Rost zum Opfer gefallen, eine Ausnahme machen da vor allem Wasserfunde.

Die Verarbeitung von Eisenerz war bereits um 1500 v. Chr. bei den Hethitern in Anatolien bekannt, erst ab ca. 800 v. Chr. verbreitete sich dieses Wissen nach Europa, und das neue Material Eisen löste die spröde Bronze für die Klingen ab. Eisenerz kommt über den ganzen Erdball verteilt vor, in kleinerem oder grösserem Umfang (am meisten gibt es in Afrika mit rund 40%), deshalb verbreitete sich die Technik seiner Verwertung, als sie einmal in Europa bekannt war, ziemlich schnell. Eine bedeutende prähistorische Fundstätte von keltischen Eisenklingen, La Tène, liegt am nordöstlichen Ende des Neuenburgersees, dort, wo heute der Zihl-Kanal den Neuenburger- mit dem Bielersee verbindet, und hat einer ganzen Epoche – etwa 5. bis 1. Jh. v. Chr. – ihren Namen verliehen. An der Fundstelle La Tène hatte sich eine Schifflände, ein befestigter Umschlagplatz zwischen dem Jura und dem Flachland befunden, wie die zahlreichen Funde – nicht nur lange Eisenklingen, sondern auch Bronze-, Keramik- und Goldobjekte – zeigen, die heute im Archäologischen Museum von Neuenburg zu sehen sind. Eisenerz muss verhüttet werden, d.h., das Metall wird aus dem Gestein herausgeschmolzen. Das geschah im so genannten Rennofen oder Schachtofen. Der Ofen wurde mit einem Gemisch aus Eisenerz und Kohle angefüllt, angezündet, und dann wurde das Feuer mittels Blasebälgen am Leben erhalten. Unten setzte sich das geschmolzene Erz als Luppe (ein schlackenhaltiger, teigiger Eisenklumpen) ab. Diese wurde in kleine Stücke zerschlagen und dann zu Eisenmetall-Barren verschmiedet, was mehrere Arbeitsgänge erforderte. Die Entwicklung dieses Verfahrens hatte wohl sehr lange gedauert, und es fand auch ein technischer Austausch zwischen dem in der Metallverarbeitung schon früher entwickelten Osten und Europa statt. Harteisen, das verschmiedbar und härtbar ist, wird Stahl genannt; Stahl hat einen Kohlenstoffanteil von mindestens 0,5%.

Industrielles Wissen und handwerkliche Kunst Früh schon wurden verschiedene Eisensorten – weiche, bzw. elastische, und harte – in Lagen miteinander im Feuer verschweisst, gefaltet, wieder verschmiedet, erneut gefaltet und verschweisst, um eine möglichst gute Durchmischung der verschiedenen Eisenqualitäten und ihrer Eigenschaften zu erzielen. Dies ergab ein (ungeordnetes) Muster im Stahl. Nach und nach begannen die Schmiede dieses Muster auf die eine oder andere Weise zu beeinflussen, so dass gezielt eine Zeichnung auf der Klinge entstand, die durch Ätzen, z.B. mit Essig, besser sichtbar gemacht wurde: Damaszener- oder Damaststahl. Damastklingen waren so kostbar wie Gold. Die Kunst des Damastschmiedens kam aus dem Osten, über den Umschlagplatz Damaskus, nach Europa und drang bis in den hohen Norden vor, bis zu den Wikingern, die etwa vom 4. bis zum 8. Jahrhundert Damastschwerter von hohem Niveau schmiedeten.

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Know-how-Transfer und Rohstoffgewinnung

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Zeit, auch andere Klingenformen. Für die Klingen wurde häufig Silex (Feuerstein) verwendet, ein Quarz, der einen recht hohen Härtegrad aufweist (Härte 7). Steinklingen wurden in einem «Chip»-Verfahren bearbeitet, d.h., es wurden in einer besonderen Technik mit gezieltem Druck kleine flache Splitterplättchen aus der rohen Klingenfläche herausgesprengt, eines neben dem anderen. Dieses «Chip»-Verfahren brachte sehr scharfe Klingen hervor. An den Klingen Griffe zu befestigen erforderte gewiss einige Überlegung und Planung, das geeignete Verbindungsmittel musste ja erst gefunden werden. Aus Obermeilen am Zürichsee stammen zwei schaberartige Messer mit Silexklingen und Holzgriffen aus dem Neolithikum (der Neusteinzeit), wobei die Klingen mit Birkenpech an den Griffen befestigt worden waren (Schweizerisches Landesmuseum, Zürich), eines der Objekte ist auf der zweiten Umschlagseite abgebildet. Bei Grabungen in anderen Gebieten wurden aber auch richtige, blattförmige Klingen und gar Sicheln gefunden, mit denen man Gras und Getreide schneiden konnte, und an denen wahrscheinlich Stiele aus Holz befestigt waren. Im letzten Abschnitt der Steinzeit, im Neolithikum, waren die Menschen sesshafter geworden und hatten Ackerbau und Viehzucht zu treiben begonnen, was ihr Leben grundlegend veränderte.


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Messer, Schwerter und allerhand Werkzeug wurden bis zur Industrialisierung vorwiegend in kleineren Werkstätten geschmiedet, ohne wesentliche technische Fortschritte. Mit der Zeit entstanden in ganz Europa Zentren der Messer- und Schwerterproduktion: z.B. in Sheffield, Thiers und Solingen; in Regionen, wo sowohl Eisenerz als auch Kohle und Wasserkraft verfügbar waren. Als Mitte des 19. Jahrhunderts in England nach der Dampfmaschine als leistungsfähigem Stromlieferanten die Bessemer- und die Thomasbirne erfunden wurden, Technologien, die in Eisenhüttenwerken die Erzeugung von qualitativ besserem, reinerem Stahl aus Roheisen in grossen Mengen ermöglichten (Konverterstahl), bewirkte dies eine grundlegende Umwälzung in der Produktion.

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Neue Bedürfnisse, aber Schneiden bleibt elementar Als Schwerter nicht mehr so gefragt waren, weil die Schusswaffen an Bedeutung gewannen, verlegten sich die Messerproduktionszentren auf die Herstellung von Gebrauchs- und Tafelmessern und anderen Schneidwerkzeugen. Was das Tafelbesteck betrifft, so ist dieses in seiner heutigen Form relativ neu. Jahrhunderte lang gab es selbst an den Tafeln von Königen kein Besteck, jeder Gast brachte sein eigenes Messer und seinen Löffel mit (der wohl meist aus Silber war). Einfache Leute hatten Löffel aus Holz, später aus Zinn. Gabeln kannte man erst ab dem 16. Jahrhundert, lange galten sie noch als Luxusobjekt, und sie wiesen auch als Tafelbesteck in vornehmen Häusern anfangs nur zwei Zinken auf. Erst als Besteck maschinell hergestellt wurde, erhielt die Gabel ihre heutige, selbstverständliche Funktion. Das Taschenmesser, das schon die Römer vor 2000 Jahren gekannt haben sollen, erfreut sich in immer komfortableren Ausführungen seit dem 19. Jahrhundert immer grösserer Beliebtheit bei Jung und Alt. Bis heute ist das Messer ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens geblieben, auch wenn es inzwischen etwas anders aussieht als in der Steinzeit. ■

Oben im schwarzen Feld: Steinzeit, blattförmiges, gechipptes Silexmesser, Grabfund aus England. Unten: Bronzemesser, Fundort Auvenier NE, späte Bronzezeit. Links zwei Messer mit Griffen, übrige nur mit Angel, teilweise verziert (Schweizerisches Landesmuseum Zürich, Nr. 5158).


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1890 wurde in der Schweizer Armee ein Taschenmesser mit vier Funktionen eingeführt, das anfangs aus Solingen importiert wurde, da es in der Schweiz kein grosses Messerproduktionszentrum gab. Der junge Messerschmied Karl Elsener aus Ibach, Schwyz, gründete 1890 den Verband Schweizerischer Messerschmiedemeister mit dem Ziel einer gemeinsamen Herstellung des Militärmessers, und bereits 1891 konnten die ersten Soldatenmesser schweizerischer Herkunft ausgeliefert werden.

Schweizer Taschenmesser – weltberühmt


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Links gross das Offiziersmesser, Modell von 1897. Rechts das allerneuste Victorinox Cyber Tool. Seit über 100 Jahren funktioniert das geniale Sackmesser-Konzept: Die Tools funktionieren auch in Zukunft nicht virtuell, sondern zum Glück ganz real ...

The Swiss Army Knife Bald nach Beginn der Soldatenmesserproduktion entwickelte Karl Elsener weitere, verfeinerte Taschenmessermodelle, und schliesslich ein Messer mit sechs Teilen an nur zwei Federn – grosse und kleine Klinge, Ahle, Schraubenzieher, Büchsenöffner, und Zapfenzieher – das, wie er meinte, dem Bedürfnis der Offiziere nach einem leichteren und eleganteren Messer entgegenkam. Das so genannte «Offiziers- und Sportmesser» wurde am 12. Juni 1897 zum Patent angemeldet, wurde aber in keiner Armee der Welt je ordonnanzmässig eingeführt. (Seinen heutigen Namen «Swiss Army Knife» hat es dem Umstand zu verdanken, dass die Victorinox-Taschenmesser von 1945 bis 1949 in Massen an die PX-Läden der U.S. Army, der Navy und der Air Force in Europa geliefert und so bald weltbekannt wurden.)

Das Soldatenmesser hatte einen Eichenholzgriff und war mit einer Messerklinge, Ahle, Schraubenzieher und Büchsenöffner ausgestattet. In der Schweiz entstand es als Gemeinschaftswerk; einige Zulieferer stellten Klingen oder Ahlen her, andere die Schraubenzieher oder die Büchsenöffner, wieder andere die Platinen, bis schliesslich die Messer montiert werden konnten. Kurz nach ihrer Gründung im Jahre 1893 wurde die zweite Schweizer Messerfabrik, die noch heute Militärmesser her stellt – die damalige Firma Boéchat aus Courtetelle, heute Wenger aus Delémont – ebenfalls zum Armeelieferanten. Zeitweilig beschäftigte die Armee vier Hauptlieferanten, doch nach 1920 schieden ausser Elsener und Wenger alle Militärmesserhersteller aus, und seither verteilte das EMD seine Aufträge auf diese beiden Schweizer Firmen. Ab 1909 hiess Elseners Firma übrigens «Victoria», nach dem Namen seiner Mutter; als ab 1921 für die Klingen und Werkzeuge rostfreier Stahl (Inox) verwendet wurde (auch am Soldatenmesser natürlich), entstand daraus der Name «Victorinox». Das Schweizer Soldatenmesser wurde nach und nach etwas verändert und verbessert und wurde von 1891 bis 1980 immer kleiner und feiner. 1901 wurden die Holzgriffschalen, die leicht rissig wurden, durch robusteres Fibermaterial ersetzt, ab 1961 waren sie aus rotem Aluminium, das jedoch abfärbte, seit 1965 sind sie aluminiumfarben mit Waffelstruktur und seit 1980 ziert sie ein kleines Schweizerkreuz im roten Wappenfeld. (Ob es ein Victorinox oder ein Wenger-Produkt ist, erkennt man auf den ersten Blick an der Form des Wappenfeldes, die bei Wenger schlicht, bei Victorinox stilisiert ist.)

Sympathieträger – seit über 100 Jahren Das «Swiss Army Knife» – sei es nun von Wenger oder Victorinox – ist längst zu einem beliebten Schweizer Souvenir und Exportartikel geworden, genau wie die Uhren und die Schokolade, und nimmt dank seiner hohen Qualität und der genialen Vielseitigkeit einen wichtigen Platz auf dem Welt-Messermarkt ein. ■

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Der Werkzeugkoffer für die Hosentasche

Nach und nach wurde das «Schweizer Offiziersmesser» in vielen verschiedenen Varianten hergestellt, und Victorinox und Wenger standen und stehen in ständigem Wettstreit um noch mehr praktisches und schickes Zubehör, noch sensationellere Modelle. Inzwischen bieten beide Firmen eine riesige Auswahl an multifunktionellen Taschenmessern und klappbaren Mehrzweckwerkzeugen an, und beide exportieren in aller Herren Länder. Neben billigen Plagiaten aus dem fernen Osten gibt es aber auch intelligente Entwicklungen der ausländischen Konkurrenz. Als Antwort auf den erfolgreichen amerikanischen Leatherman hat Victorinox das «Swiss Tool» für alle Lebenslagen entwickelt.

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Echte Konkurrenz aus Übersee


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Arthur Soppera: Der Goldschmied und Messermacher


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Form und Funktion in Einklang bringen Als 1988 der «Liner Lock» nach Europa kam, dessen Funktion ebenfalls eine befriedigende Form zuliess, und der leicht zu öffnen und zu schliessen war, war er der erste Europäer, der ein Liner-Lock-Klappmesser herstellte und verkaufte, und danach bot er nebenbei auch Liner Locks an. Bald besuchte er auch Ausstellungen im Ausland, in Deutschland, Frankreich und in den USA, wo er recht gut aufgenommen wurde. Natürlich beschränkte er sich nicht auf Klappmesser, er kreierte ab und zu auch ein schönes Tanto oder sonst ein fantasievolles feststehendes Messer, und er entwickelte Messerschmuck für Frauen, wobei das kleine Messerchen in einer Scheide steckt, die an einem Collier hängt, oder sonst irgendwie in diesem befestigt ist; es hat schon viele Varianten davon gegeben!

Oben: Druckknopfklappmesser, Klinge aus türkischem Damast, Griff Silber 925 mit blau anodisierter Titaneinlage, auf der Kreuzung der Silberstränge 5 Zirkonia und 1 Brillant. Länge: 21,1 cm. Unten: Druckknopfklappmesser «Maiglöckchen» mit Damaststahlklinge und Silbergriff mit zwei Reihen Perlen und grün emaillierten Silberblättern, Druckknopfumrandung mit Perlmutt. (Foto Hans Mosimann)

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Arthur Soppera hatte bereits rund 30 Jahre als Goldschmied gearbeitet und namentlich hochklassige Juwelen montiert, als er erstmals handgemachte Messer zu sehen bekam. Seine Frau war im September 1984 von ihrer Redaktion zur Berichterstattung an die 2. «Swiss Knife Show» in Zürich geschickt worden, und er begleitete sie. Die Idee, ein Messer von Hand herzustellen, faszinierte ihn und liess ihn nicht mehr los. (Er hatte übrigens bereits eine Sammlung exotischer Messer aus aller Welt.) Er besorgte sich Klingenstahl und begann sein erstes Messer anzufertigen. Der Stahl war wesentlich härter als Gold, daran musste er sich gewöhnen. Da er aber als Goldschmied nicht nur ein räumliches Vorstellungsvermögen, sondern auch einen ausgeprägten Sinn für mechanische Abläufe hat, wandte er sich bald den Klappmessern zu. Die damals üblichen «Lock-Backs» befriedigten ihn nicht, weil sie zwar geöffnet gut aussahen, meist aber in geschlossenem Zustand die hintere Klingenecke noch aus dem Griff herausragte, es sei denn, man gab dem Griff eine Bananenform, sodass er die Klingenecke aufnahm. Das hing natürlich mit dem System zusammen, also musste er einfach ein neues entwickeln! Seine Klappmesser mit eigenem Mechanismus, die er bereits 1987 in Bern ausstellte, hatten unten einen Druckknopf zum Auslösen der Arretierung, die Griffe waren aus einem Stück gearbeitet, und seine verschiedenen Taschenmesser, fantasievoll oder rein zweckmässig, sahen recht attraktiv aus, keine Spur von Bananenform mehr und keine herausragenden Klingenecken!

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Leidenschaftlicher Gestalter und Erfinder


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Neues Klappmessersystem – revolutionär und elegant Da sein erstes Klappmessersystem ungeheuer zeitaufwändig in der Herstellung war, so dass er niemals einen angemessenen Preis verlangen konnte, entwickelte er im Laufe der Zeit ein neues System: gewissermassen das Ei des Kolumbus! Es ist ein so genanntes Druckknopfklappmesser, und sein Mechanismus nimmt so wenig Platz ein, dass er die Klappmessergriffe grundsätzlich gestalten kann, wie er will – was er auch manchmal tut. Der Verschluss ist ungemein leichtgängig. Man drückt zum Öffnen und zum Schliessen des Messers auf den Knopf. Damit sich seine Klappmesser niemals in einer Hosentasche ungewollt öffnen können, hat er eine Klingensicherung angebracht, ausserdem gibt es vorn ein Nachstellschräubchen für die Klinge, falls sie je «Spiel» bekommen sollte.

Lehrer und Vordenker Arthur Soppera ist seit ein paar Jahren Mitglied der amerikanischen Messermachergilde, aber auch der deutschen und der italienischen, und ausserdem Mitglied des Form Forum Schweiz sowie Kursleiter im Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk. Im Ausland wurde er für seine Arbeiten schon öfter preisgekrönt. Doch er bleibt nicht auf seinen Lorbeeren sitzen, immer wieder hat er neue Ideen. Und nicht nur für Messer; es kann auch einmal ein Korkenzieher oder sonst ein hübsches und nützliches Objekt sein. Oben: Colliers mit Lederkordeln und Stahl, links mit fossilem Elfenbein auf Griff und Scheide und l8 Karat Gold; Mitte mit Lapislazuli als Griffeinlage, rechts (Kranich) mit 18 Karat Gold und Brilliant, Schneide am Bauch. Unten: Detail Collier mit Kranich. Links: Küchenmesser mit gestreiftem Griff


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Jürgen Steinau, Berlin: 4 Messerobjekte, rostfreier Stahl, Griffe eingelegt mit Knochen.

Die internationale Messermacher-Bewegung Bereits ab 1910 begannen in den Vereinigten Staaten da und dort, mehr oder weniger unabhängig voneinander, Männer von Hand und einzeln Messer herzustellen, anfangs ausschliesslich Jagd- und Gebrauchsmesser, weil die erhältlichen Industrieprodukte von minderer Qualität waren. Ihre Messer, die nach alten, kraft- und zeitaufwändigen Methoden entstanden, waren sehr solide, mit schnitthaltigen Klingen, und die Leute wussten sie zu schätzen.


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Handgemachte Messer aus aller Welt Die ersten Pioniere schmiedeten ihre Klingen, häufig aus alten Autofedern, aber als es dann mit der Zeit immer bessere Stähle zu kaufen gab, begannen manche die Klingen im spanabhebenden Verfahren aus Stahlplatten herzustellen. Die Messer hatten natürlich meist einen Handschutz, und die Griffe waren vorwiegend aus Horn oder Holz. Bis Ende der sechziger Jahre boten die wenigen Messermacher, die es damals in den USA gab, ihre Erzeugnisse gelegentlich an Jagd- und Fischereimessen zum Verkauf an, es gab noch keine Messerausstellungen wie heute. An den selben Veranstaltungen verkaufte ein junger Mann namens A. G. Russell Abziehsteine, und so lernte er die Messermacher kennen. Es war Russells Initiative zu verdanken, dass einige Messermacher schliesslich, im Februar 1970, erstmals an einer solchen Börse gemeinsam ausstellten, und dass später im Jahr in Tulsa, Oklahoma, ihrer zwölf (einschliesslich Russell) die Knifemakers Guild (die amerikanische Messermachergilde) gründeten, mit Russell als Ehrenpräsident und Bob Loveless als Sekretär. Zweck der Gilde sollte es sein, sich gegenseitig in allen Bereichen des Messermachens mit Rat und Tat beizustehen und auch die Geschäftsethik der Mitglieder zu überwachen. Die Gilde beschloss ausserdem, sich einmal im Jahr zu versammeln, um Informationen auszutauschen und ihre Erzeugnisse auszustellen. Der Messermacher Bob Loveless (der übrigens einen neuen Messerstil in den USA eingeführt hatte, der selbst in Deutschland, Holland, Italien und Japan unter den Messermachern heute noch überzeugte Anhänger hat) ist immer noch am Werk, ebenso A. G. Russell, ein bedeutender Messerhändler und -designer, der handgemachte Messer stets fördert. Heute zählt die Gilde rund 500 Vollmitglieder aus den USA und verschiedenen anderen Ländern, zwei davon aus der Schweiz (Charles Roulin aus Genf und Arthur Soppera aus Zürich), und es gibt auf der ganzen Welt Tausende von weiteren Messermachern, mehrere nationale Messergilden und zahlreiche Messerausstellungen in vielen Ländern. Mit der Zeit begannen manche Messermacher ihre Messer ein wenig zu verzieren; sie verzierten die Klingenrücken mit Feilarbeit oder sie legten farbige Ringe in den Griff ein oder Ornamente, sie schnitzten vielleicht den Griff oder verzierten einen Knochen- oder fossilen Elfen-

beingriff mit Scrimshaw in der alten Technik der Walfänger, oder sie gravierten die Backen. Es entstanden nicht mehr ausschliesslich Jagd- und Fischmesser, sondern auch andere Messertypen und manchmal ausgesprochene Kunstmesser, inzwischen waren nämlich auch Sammler auf den Plan getreten. An einer der frühesten Guild Shows erschien ein Messermacher erstmals mit einem sehr hübschen, gut funktionierenden, selbstgebauten Taschenmesser, und er machte damit Furore. Von da an stellten auch andere Messermacher Taschenmesser her, teils Federmesser, teils «Lock-Backs» (Klappmesser mit Rückenverschluss) mit feststellbarer Klinge.

Messerausstellungen: Plattform und Erfahrungsaustausch Ende der sechziger und anfangs der siebziger Jahre begann die Messermacherbewegung auch in Europa Fuss zu fassen. Der Engländer Howard Hitchmough, die Deutschen Wolf Borger, Richard Hehn und Dietmar Kressler und schliesslich der Holländer Frans Van Eldik waren unter den ersten europäischen Messermachern, sie besuchten auch früh schon amerikanische Messerbörsen. Alle standen anfangs stark unter amerikanischem Einfluss, Dietmar Kressler und Frans Van Eldik sind heute noch bekannte Vertreter des Loveless-Stils. Inzwischen haben aber manche Europäer ihren eigenen Stil gefunden, andere haben einheimische Traditionen wieder aufgenommen. (In Skandinavien – vor allem in Schweden und Norwegen – waren übrigens seit langem schon unter dem Einfluss der Lappen Messer von Hand, zum Zeitvertreib, hergestellt worden, aber die Leute kauften die fertigen Klingen und stellten lediglich Griff und Scheide dazu her. Dies ist auch bei den Lappen selbst der Fall.) Im September 1983 fand als erste europäische Messerbörse die 1st Swiss Knife Show in Bern statt, organisiert vom Messerschmiedemeister H. P. Klötzli1, an der ein amerikanischer, verschiedene deutsche und junge schweizerische und ein holländischer Messermacher ihre selbstgemachten Stücke ausstellten. Im Herbst 1984 wurde die zweite Swiss Knife Show in Zürich durchgeführt, an der ausser Deutschen, Schweizern und Holländern auch ein Belgier und ausser Messermachern auch Damastschmiede teilnahmen: der Pionier Heinz Denig, aber auch Richard Hehn und Friedrich Schneider, die gemeinsam einen rostfreien Damaststahl entwickelt hatten, mit


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einem zehnjährigen Vorsprung vor den Amerikanern. In den Vereinigten Staaten, die keine Tradition des Damastschmiedens kannten, hatten Bill Moran, Daryl Meier und Al Pendray bereits in den sechziger Jahren mit dem Schmieden von Damaststahl zu experimentieren begonnen. Etwa um die gleiche Zeit waren unabhängig voneinander in Deutschland Heinz Denig und Manfred Sachse am Werk. Durch den Krieg war alles konkrete Wissen über das Schmieden von Damaszenerstahl verloren gegangen, und sie entwickelten nun in jahrelangen, mühevollen Versuchen und mit vielen Rückschlägen erneut die Kunst, Damaststahl mit verschiedenen Mustern zu schmieden.

Im November 1985 leitete Bill Moran übrigens in Vallorbe auf Einladung des GRMT (Groupe de Recherche sur la Métallurgie Traditionnelle) einen Kurs im Damastschmieden, an dem rund 15 französischsprachige «Schüler», vorwiegend aus metallverarbeitenden Berufen, teilnahmen; die Schweizer François Morier und Yves Péclard waren dabei, aber auch Christian Moretti aus Korsika und Daniel Vally aus der Lorraine. Es folgten weitere Damastschmiedesymposien – etwa unter Leitung japanischer Schmiede – in Frankreich. Daraus ergab sich, dass alle späteren Damastschmiede französischer Zunge ihr Handwerk eher bei Christian Moretti und anderen ehemaligen Teilnehmern der Vallorbe-Tagung erlernten, während sich die Deutschsprachigen, auch die Deutschschweizer, eher an Manfred Sachse orientierten; manchmal gab es allerdings gemeinsame internationale Veranstaltungen bei Manfred Sachse in Mönchengladbach oder bei Christian Moretti, Korsika. Manche Damastschmiede, die keine Kontakte zu Schmiedekreisen hatten – etwa der Schwede Kaj Embretsén, der sich von den Wikingerschwertern inspirieren liess – brachten sich die Kunst selber bei. Inzwischen gibt es nicht nur im experi-mentierfreudigen Amerika, wo das Damastschmieden ein hohes Allgemeinniveau hat und manchmal bunte Blüten treibt, sondern auch fast überall in Europa ausgezeichnete Damastschmiede, die auch Messer herstellen, und da und dort werden Schmiede- und Damastschmiedekurse angeboten: übrigens auch im Kurszentrum Ballenberg.

Wissen weitergeben, um das Handwerk zu beleben 1979 lud Manfred Sachse die wenigen Damastschmiede sowie Wissenschaftler aus aller Welt zu einem Erfahrungsaustausch ein, der sich höchst befruchtend auf alle Teilnehmer auswirkte. Bereits 1976 hatte Bill Moran, schon früh Mitglied der Knifemakers Guild, mit drei Gleichgesinnten die American Bladesmith Society (ABS) gegründet, die sich der Herstellung guter geschmiedeter Klingen verschrieb. Heute zählt die ABS rund 800 Mitglieder (darunter 78 «Master Smiths» und eine ganze Anzahl von Schmiedegesellen und Lehrlingen) und unterhält seit Jahren eine Schmiedeschule, an der Neulinge und Fortgeschrittene von den Meisterschmieden in der Kunst des Klingenschmiedens, des Damastschmiedens sowie in damit zusammenhängenden Techniken unterrichtet werden. Sowohl unter Messermachern als auch unter Klingenschmieden herrscht in den USA ein erstaunlicher Geist der Kollegialität. Hat einer eine neue Methode entdeckt, etwas besser (oder schneller) zu machen, oder gar ein neues Verfahren, dann teilt er das seinen Kollegen mit (mit wenigen Ausnahmen, in denen eine besonders raffinierte Erfindung patentiert wird). Gerade was das Schmieden betrifft, war früher strikte Geheimhaltung üblich, dies war auch der Grund, weshalb es für die modernen Damastschmiedeforscher so schwierig war, an die notwendigen praktischen Hinweise überhaupt heranzukommen. Heute ist das ganz anders, und zumindest, was das Schmieden betrifft, hat die neue Einstellung inzwischen auch auf Europa abgefärbt.

Pionierland Amerika Auf dem Gebiet der handgemachten Klappmesser waren seit den achtziger Jahren in den USA einige geniale Tüftler am Werk, die verschiedene raffinierte neue Klappmessersysteme entwickelten: Francis Boyd, Paul Poehlman, Robert Hayes, Paul Fox und Ray Appleton zum Beispiel. Ihre Klappmesser kamen auch in ausgesprochenem Hightech-Look daher. Ein weiterer amerikanischer Tüftler, der ebenfalls verschiedene Systeme entwickelt (und bestehende verbessert) hat, ist Michael Walker. Er hatte, ebenfalls in den achtziger Jahren, ein Klappmesserpatent aus dem Jahre 1901 verbessert und bot es unter dem Namen «Liner Lock» an. Wirklich erfolgreich war er damit aber erst, nachdem seine Frau Patricia die Titangriffe seiner Liner Locks in verschiedenen, bunten Mustern anodisiert und graviert hatte, das war 1988. Nun trat der «Liner

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Lock» (und gleichzeitig auch das färbbare Titan als Griffmaterial) seinen Siegeszug an. Der Liner Lock beruht auf dem Prinzip, dass die untere Platine (= Liner) des Klappmessers so hochgebogen wird, dass sie der offenen Klinge Halt gibt. Will man das Messer schliessen, so drückt man in einem seitlichen Griffeinschnitt die Platine nieder, so dass sie die Klinge freigibt. Dieses System ist einfacher nachzubauen als ein Lock-Back, daher sein Erfolg auch bei technisch weniger begabten Messermachern, und schliesslich auch in der Messerindustrie. Von Europäern hatte man vor dieser «Revolution» nur vereinzelt handgemachte Klappmesser zu sehen bekommen. An der Münchner Messerausstellung von 1992 konnte man aber bereits zahlreiche Liner Locks bewundern, nicht nur von Amerikanern, auch von Europäern, die bisher nur feststehende Messer gebaut hatten. Viele ahmten Michael Walker auch äusserlich nach, manche übernahmen nur das System und fanden dafür ihre eigene Gestaltung.

Learning by doing Die Messermacher und Klingenschmiede aus aller Welt stammen aus den verschiedensten Berufen, viele stellen ihre Messer in der Freizeit her, manche hauptberuflich. Da gibt es ehemalige Mechaniker, Schreiner und Autospengler, Kunsttischler (ébénistes; in Frankreich gar nicht selten), Buchhalter, Handlungsreisende, Fotografen, Lehrer, Pfarrer, Ärzte, Zahnärzte, Juristen, Gold- und Silberschmiede; Weltraumtechniker, auch einen einstigen Restaurantkoch aus Italien, der heute besonders schöne Damastmesser schmiedet. Nur ganz wenige waren von Anfang an Messermacher, wie etwa Steve Johnson aus Utah, der schon während des Lehrerseminars in der Freizeit bei einem Messermacher in die Lehre ging, danach bei Bob Loveless in Kalifornien landete, sogar sein Partner wurde und sich schliesslich, wieder zuhause, selbstständig machte. Dies ist übrigens keine reine Männerdomäne. In Kalifornien trafen wir vor Jahren an einer Ausstellung Carolyn Tinker, eine pensionierte Sportlehrerin, die robuste Gebrauchsmesser mit sehr schönen Holzgriffen herstellte; leider lebt sie nicht mehr. Ein langjähriges Mitglied der Knifemakers Guild ist die graziöse japanische Designerin Harumi Hirayama, die stets aparte kleine Messerchen anbietet. Die blonde Québec-Kanadierin Chantal Gilbert, von Haus aus Goldschmiedin, die man

regelmässig am Pariser Messer-«Salon» sieht, stellt fantasievolle Kreationen mit perlen- und brillantbesetzten Silbergriffen her. Die junge Amerikanerin Dellana Warren, ebenfalls einstige Goldschmiedin, hat sogar das Damastschmieden gelernt und bietet grosse, prachtvolle Klappmesser aus selbstgeschmiedetem Damaststahl an, ebenfalls mit Edelsteinen besetzt. Eine Südfranzösin, Mireille Deleuze, pflegte in Aix-en-Provence selbstgeschmiedete Gebrauchsmesser auszustellen. Doch weltweit dürfte der Anteil der messermachenden Frauen eher bescheiden sein; unter den Graveuren sind sie stärker vertreten.

Handmade – handgemacht? Wenn man von «handgemachten» Messern spricht, ist nicht immer ganz dasselbe gemeint. Gewiss gibt es Messermacher, die praktisch alles von Hand und mit der Feile zu Stande bringen, doch die meisten haben wenigstens eine Bandschleifmaschine, alle benützen eine Standbohrmaschine, einige haben einen ganzen Maschinenpark. (Darunter sind auch Leute, die sogar ihre Schrauben selbst herstellen, weil es die richtige Sorte nicht zu kaufen gibt, aber grundsätzlich sind Klappmesser ohne Drehbank kaum zu Stande zu bringen.) Es versteht sich von selbst, dass die Messermacher, also jene, die ihre Klingen im spanabhebenden Verfahren herstellen, dafür Klingenstähle von allerbester Qualität verwenden, Materialien, die in der Industrie meist nicht zur Anwendung kommen. (Was die Schmiede betrifft, findet man viele Varianten; es gibt solche, die ihre Damastklingen aus Motorfahrradketten schmieden, und am anderen Ende der Skala jene, die ihren Stahl, wie in alten Zeiten, selbst im Rennofen gewinnen.) Es gibt Messermacher, die ein bestimmtes Sortiment anbieten und mehr oder weniger immer wieder die selben Modelle anfertigen; perfekt in der Ausführung. Daneben gibt es die Kreativen, die mit immer neuen Einzelstücken aufwarten, oder die gar neue Damastmuster und Damastschmiedetechniken entwickeln (wie Steve Schwarzer aus Florida, der den Mosaikdamast, mehrfarbigen Damast und den Einsatz von Pulvermetall zur Bildung von Damastmustern entwickelt hat.) Natürlich hat jeder Neuerer schnell ein paar Nachahmer.


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1: Steve Johnson (USA): Messer mit Drop-Point-Klinge, Griff aus Hirschhorn und Chromnickelstahlbeschlägen. Fangriemenöse hinten im Griff. 2/3: Charles Roulin (CH) Messer mit Eisenschnitt «Dachse»; Detail. 4: Christian Wimpff (D): Liner Lock mit Titangriff, anodisierte Backen 5: Heinz Denig (D): Jagdklinge mit eingeschmiedeter Fingermulde. 3 Torsionsstränge in Quadrat- und Rechteckprofilen. Monostahlschneide.

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Unter den Messermachern findet man alle Spielarten, vom Handwerker über den Kunsthandwerker bis zum Künstler, wobei der Übergang fliessend ist. Im Zusammenhang mit der Messermacherbewegung wurden viele kunsthandwerkliche Techniken neu erfunden oder zu neuem Leben erweckt; viele Graveure werden heute ausschliesslich von Messermachern beschäftigt (manche Messermacher gravieren aber ihre Messer selbst); es gibt auch «Scrimshander» im Hauptberuf, und jemand hat vor Jahren das farbige Scrimshaw eingeführt (früher waren die Bilder ausschliesslich grau-schwarz auf hellem Grund). Manche Messermacher schnitzen ihre Griffe selbst, andere beschäftigen professionelle Schnitzer. Patricia Walker hat wohl als Erste den Einsatz von verschiedenfarbig titanodisierten Mustern auf einem Messergriff entwickelt, und Michael Walker hat in einem Reissverschluss-(Zip)-Verfahren in seinen Klingen Titan mit Stahl verbunden, so dass er die obere Klingenseite ebenfalls bunt färben konnte. Die Technik des Emaillierens ist wieder zur Geltung gekommen. Auch auf dem Gebiet der kunstvollen Lederverarbeitung hat sich einiges getan; manche Messermacher lassen ihre Scheiden nämlich nach Mass von einem Spezialisten anfertigen, andere stellen selbst originelle Messerscheiden her (oder überlassen dies ihrer Frau). Nicht zu reden vom Schmieden – und vom Damastschmieden – wo immer noch alles im Fluss ist und ständig etwas Neues entwickelt wird, vor allem in den USA, aber auch in Deutschland und Frankreich. Die Messerindustrie hat übrigens viele Neuerungen und auch Stilrichtungen von den Messermachern übernommen und überträgt gewissen Messermachern auch manchmal ein neues Design. Auf jeden Fall ist die Messermacherbewegung ein kunsthandwerkliches Phänomen, das noch viel zu wenig bekannt ist und doch ein hohes Potenzial an schöpferischen Möglichkeiten bietet.■

«Messerschmied» ist in der Schweiz eine vom einstigen BIGA und heutigen BBT anerkannte und mit einer Berufslehre verbundene Berufsbezeichnung; ein Messerschmied schmiedet nicht mehr und bearbeitet vorwiegend Klingen, während der «Messermacher» (meist ein Zweitberuf, der staatlich nicht anerkannt ist) das ganze Messer herstellt: also Klinge, Griff und meist auch Scheide. Messermacher, die ihre Klingen schmieden, werden besser «Klingenschmiede» genannt, in Anlehnung an den amerikanischen «Bladesmith».

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Messermacher: Handwerkliche Innovation und Zukunft


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Messerausstellungen In der Schweiz finden zur Zeit jedes Jahr zwei Messerausstellungen statt: Die erste in Lugano, meist im April oder Mai, die zweite (und älteste in Europa), die «Swiss Knife Show», in Bern oder anderswo in der Deutschschweiz im September, stets eine Woche vor der grössten Messerausstellung Europas, dem S.I.C.A.C. (Salon International du Couteau d'Art et de Collection), der jeweils in Paris Ende September/Anfang Oktober durchgeführt wird. Neu soll auch in der Welschschweiz alle zwei Jahre eine internationale Messerausstellung organisiert werden, und zwar in den Räumen des Musée militaire Vaudois im Schloss Morges. Ausserdem gibt es in Europa u.a. Messerbörsen in Mailand, Rom, München, Solingen, Thiers, mehrere in Schweden und Norwegen, in Belgien, in Österreich und in Tschechien. ■

Organisation: Coltelleria Fabio Bianda Piazza Grande 13 6600 Locarno Swiss Knife Show Organisation: H.P. Klötzli Postfach 3402 Burgdorf 2


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«Wir bauen ein Klappmesser» Kurs mit Arthur Soppera 24. bis 29. Juni 2002

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Interessierte melden sich beim Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk Postfach, CH-3855 Brienz Tel. 033-952 80 40 Fax 033-952 80 49 E-Mail: info@kurszentrum-ballenberg.ch

Neu: Klappmesserkurs 2002 Auf vielseitigen Wunsch wird im nächsten Jahr ein Klappmesserkurs mit Arthur Soppera auf dem Programm stehen. Zuerst sollen die drei gängigen Taschenmessersysteme und ihre Funktion vorgestelltwerden: Federmesser, «Lock-Back» (Rückenverschluss) sowie Liner Lock. Auf Grund eines Funktionsmodells baut dann jeder Teilnehmer sein Liner-Lock-Klappmesser. Die Gestaltung steht jedem frei, nur die Mechanik erfordert gewisse Rücksichten, vor allem hinsichtlich der Klingen-Hinterseite, die die richtige Form zur Arretierung braucht. Voraussetzungen: Praktische Erfahrung im Messermachen (z.B. absolvierter Messermacherkurs im Ballenberg); Verständnis für mechanische Zusammenhänge. ■


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Messermachen im Kurs Hat nichts mit Fischerei zu tun, ein Angel ist die Verl채ngerung einer Messerklinge, die im Griff drin steckt. Solche und 채hnliche technische Details erf채hrt die Klasse am Anfang ihres Kurses, bevor jeder, inspiriert von Illustrationen handgemachter Messer, das Messer seiner Tr채ume erst einmal auf Papier aufzeichnet.


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Was ist ein Spitzangel? Und ein Flachangel?

Dass so ein handgemachtes Messer recht arbeitsintensiv ist, muss jedem einleuchten, und manch einer hat schon Überstunden gemacht, damit sein gutes Stück auch rechtzeitig bis Freitagabend fertig wurde. Wenn es dann so weit ist, kann es der frischgebackene Messermacher meist kaum fassen, dass ein so prachtvolles Messer aus einem blossen Stück Stahl entstanden ist! Und wie die Klinge erst schneidet, wenn sie einmal geschliffen ist! Die ist ja richtig scharf! Das Erstaunliche ist: Kein Messer in der Klasse ist gleich wie die andern. In einer Klasse von zehn findet man zehn verschiedene Messer. Das allein ist ein Beweis für die Kunstfertigkeit und die Kreativität unserer Kursteilnehmer. Jeder, auch der ängstlichste, der vermeintlich zwei linke Daumen hatte, hat bisher noch sein Messer zustandegebracht, ein schönes, solides Messer, und stolz mit nach Hause genommen – aber nicht, bevor es fotografiert wurde! Vielleicht passt er dem guten Stück zuhause auch noch eine Lederscheide an, wie er es im Kurs gesehen hat. Manch einer baut später noch weitere Messer, er hat es ja von Grund auf gelernt, mit einfachen Mitteln. Und so ein selbstgemachtes Messer ist ein Qualitätsprodukt, das man dereinst sogar noch seinen Enkeln vererben kann. ■

«Messermachen, ein altes Handwerk in neuer Form» mit Arthur Soppera 8. bis 12. April 2002

Einige Messer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Messerbaukurse 2001 von Arthur Soppera, Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk.

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Tücken des Objekts – aber es gelingt. Immer!

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Dann geht es an die Arbeit, aus dem Klingenstahl wird der Umriss der Klinge ausgesägt, dann mit der Feile ausgeglichen, und schliesslich wird, immer noch mit der Feile, die plastische Form der Klinge herausgearbeitet. Später bekommt das Messer einen Griff – vielleicht aus einem schönen Holz, oder aus Hirschhorn, es steht einiges zur Auswahl – und wer will und kann, wird auch einen Handschutz aus Messing oder Neusilber anbringen, Backe oder gar Parierstange. All das Sägen und Feilen ist jeweils im ganzen Haus zu hören, und manchmal kommen auch die Teilnehmer anderer Kurse herein, um nachzusehen, was denn da los ist. Der Krach ist aber reine Musik in den Ohren der Messermacher, es entsteht mit Getöse etwas Schönes. Die Klingen werden in einem kleinen Ofen gehärtet, und die meisten Messermacherlehrlinge sind jeweils erstaunt darüber, wie elastisch ihre gehärtete Klinge geworden ist; sie klingt nun plötzlich, wenn man ihr einen Zwick gibt!


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Zeichnungen und Anleitung von Arthur Soppera

Zeichnung Schliffwinkel, a) bis d) a) Ein Schliffwinkel bis 30º ist für schwere Arbeiten geeignet, zum Beispiel für einen Jäger oder Metzger, dessen Messer auch mit Knochen in Berührung kommt. b) und c), Schliffwinkel von 25º und 20º sind die üblichsten Schneiden für Tafelmesser und auch Küchenmesser.

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net sich zum Schneiden eher weichen Materials, das aber eine sehr scharfe Klinge verlangt, ein Pastetenmesser oder ein Filetiermesser z.B. wird einen solchen Schliffwinkel aufweisen. Was unter diesem Wert liegt, kann unter Umständen ein Rasiermesser sein oder ein Skalpell – doch dies dürfte uns im Augenblick weniger interessieren.

Der gute Schliff Früher pflegten Messer- und Scherenschleifer – bei uns waren es meist Fahrende – herumzuziehen und bei den Hausfrauen alles, was stumpf geworden war, einzusammeln, um es schön nachzuschleifen. In Südfrankreich, Italien und Spanien waren es meist einfache Leute aus dem Volk, die zuhause vielleicht ein kleines Stück Land und eine Ziege besassen und mit ihrer Schleifmaschine auf Rädern die Gegend abklapperten, um so ein bisschen Geld dazu zu verdienen. (Die Frau blieb zuhause und hütete die Ziege.)

Messer schleifen, warum nicht selbst? Heute sind sie auch in diesen südlichen Regionen seltener geworden, aber in Frankreich sind Anstrengungen im Gange, um den Beruf des «Rémouleur» wieder zu fördern. Mindestens ein Messer besitzt ja jedermann, meist mehr als eins, und heute, da mehr denn je Wert auf ein gutes Stück gelegt wird – vielleicht auch ein schönes Taschenmesser – bleiben neunundneunzig von hundert Messern einfach stumpf, wenn sie einmal eine Weile in Gebrauch gewesen sind! Wenn ein Messer so ungeschliffen herumliegt, wird es heutzutage immer schwieriger, jemanden zu finden, der es fachgerecht nachschleift und am Ende nicht ein total verschliffenes und unbrauchbares Stück hinterlässt. Es ist gut, wenn man sich selbst zu helfen weiss; ein Messer erfüllt seinen Zweck nämlich nur, wenn es wirklich scharf ist. Bevor man zur Selbsthilfe schreiten kann, sind ein paar Fachkenntnisse vonnöten. Was jedermann sicher kennt, ist der so genannte Abziehstahl, der aber wenig Material abträgt und lediglich die Funktion hat, eine vorhandene Schneide, die beim Arbeiten leicht «umgelegt» wurde, wieder aufzurichten. Das


Geheimnis liegt im Schliffwinkel Um die ursprüngliche Schärfe wieder herzustellen, muss man wissen, dass ein Messer, je nach Einsatzzweck, verschiedene Schliffwinkel haben muss. Im Handel sind einige recht brauchbare Schleifwerkzeuge erhältlich, die es auch einem Laien ermöglichen, sein Messer wieder tadellos in Form zu bringen. In dieser Hinsicht besonders gut ist der Lansky-Schärfer, der eine Einspannvorrichtung und eine Führungshilfe für die Schleifsteine aufweist, die von «Grob» bis «Sehr fein» abgestuft und auch mit Diamantbeschichtung erhältlich sind (mit der das Schleifen noch schneller geht). Ein Tropfen Öl auf den Stein, und dann wird geschliffen. Der «Lansky» ist für einen gründlichen Nachschliff geeignet.

Schleifen – aber schonend Man will aber nicht jedesmal einen gründlichen Nachschliff haben, das ist nicht notwendig und täte dem Messer auch nicht gut. Für ein kurzes Nachschärfen oder für den Feinschliff nach dem Schleifen mit dem «Lansky» gibt es keramikbestückte Vorrichtungen, die V-förmig angeordnet sind. Die ältesten sind die «Crocksticks», runde Keramikstäbe – es gibt sie auch im Taschenformat. Dann gibt es noch den «Triangle Sharpmaker» von der amerikanischen Firma Spyderco Inc. (natürlich auch in der Schweiz erhältlich). Er besteht aus einer Halterung und zweimal zwei dreieckigen Keramikstäben mit runden Ecken und einer Längsrille auf einer der Flächen. Der dunkle Satz Keramikstäbe ist für den groben Abzug gedacht, der helle für den feinen. Man kann die beiden Stäbe in der Halterung in einem Winkel von 30 oder 40º einstecken, man kann aber damit alle Messer, ganz gleich mit welchem Winkel, schleifen. Man hält die Klinge schön gerade mit der Schneide nach unten zwischen die beiden Stäbe und schleift sie abwechselnd auf der einen und der anderen Seite. Auch das Feinschleifen von Wellenschliffklingen ist über die gerundeten Kanten möglich (was für Spyderco besonders wichtig ist, diese Firma hat nämlich den Wellenschliff selbst für Klappmesser in Mode gebracht). Der «Sharpmaker» ist mit einem Handschutz, bestehend aus zwei Messingstäben, ausgestattet, der verhindert, dass man sich im Falle eines Ausrutschers beim Schleifen die Hand verletzt. Die Längsrille ist übrigens zum Schleifen von Angelhaken vorgesehen. Der «Triangle Sharpmaker» ist sehr vielseitig verwendbar und ausserdem pflegeleicht. Er wird trocken verwendet.

Vorsicht Finger! Wer ein bisschen Erfahrung hat und die Winkelstellung einer Klinge gut abschätzen kann, verwendet vielleicht einen so genannten «belgischen Brocken», den schon unsere Grossväter für ihre Rasiermesser benützt haben. (Nur hatten sie noch am Rasiermesser einen breiten Rücken, der gleichzeitig die Führung beim Schleifen am

Stein übernahm.) Beim Nachschleifen auf dem belgischen Brocken führt man die Klinge kreisförmig über den Stein und wechselt regelmässig die Seiten, indem man das Messer über den (Messer)rücken dreht. Es wird nass geschliffen, diesmal mit Wasser. Die «belgischen Brocken» stammen tatsächlich aus einem Steinbruch in Belgien, es handelt sich um versteinerte Infusorien. Sie sind in zwei Qualitäten erhältlich, der gelben, feineren, und der blauen. Der Steinbruch befand sich seit Generationen im Besitz der Familie Grogna, wurde aber vor drei Jahren von einer flämischen Firma übernommen. Joseph Grogna, Geologe von Beruf, der nach wie vor dort tätig ist, ist uns seit langem bekannt, weil er stets an jeder Messerbörse in Europa vertreten war. Künftig will er sich, wie er sagt, mehr auf die grossen Jagd- und Fischereimessen konzentrieren. Neulich an der kleinen Messerausstellung im Innenhof von Schloss Morges war er aber sogar zusammen mit seinem älteren Bruder vertreten, und die beiden sorgten für praktische Anweisung und Unterhaltung eines sehr interessierten Publikums. Die Firma heisst nun Ardennes Coticule; ihre Adresse: Petit Sart 38C, B-4990 Lierneux. Der Laie hat also verschiedene Möglichkeiten, seine Messer fachgerecht selbst nachzuschleifen. Grundsätzlich ist ein gut geschliffenes Messer für den Benützer zum Arbeiten viel weniger gefährlich als ein stumpfes, aber wenn das Messer lange stumpf war, sollte man allfällige Mitbenützer unbedingt über den neuen Zustand informieren, damit sie dem plötzlich so scharf geschliffenen Instrument die notwendige Achtung entgegenbringen. Oder wie mein Grossvater jeweils sagte: «Attention Finger!» ■ Arthur Soppera

«Schärfen und Richten von Handwerkzeug» Kurs mit Beno Frischknecht 28. bis 30. November 2002

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hilft aber nur eine gewisse Zeit lang, bis die Schärfe ganz abgenützt ist und nur noch spanabhebend – also mit einem richtigen Schliff – wieder hergestellt werden kann.

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savoir faire, faire savoir: Au revoir à Yverdon

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Das Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk zu Gast in der Westschweiz im Expo-Jahr 2002. Die Kuratorin der städtischen Galerie Hôtel de ville Yverdon, Bernadette Pilloud, stellt in einer umfassenden Ausstellung Arbeiten von Kursleiterinnen und Kursleitern des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk vor. Ergänzt wird die Ausstellung mit Schnupperkursen. Zu sehen ist erstmals das Fotoprojekt des Kurszentrums: über 1000 Porträts der Kursteilnehmenden des Jahres 2001. Fürs Erste zeigen wir hier nun unsere Kursleiterinnen und Kursleiter – mit unserem allerbestem Dank für die gute Zusammenarbeit und das Engagement!


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Kursleiterinnen und Kursleiter

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1 Hada Ahmed 2 Paul Am Acher 3 Ruth Amstutz 4 Martha Angehrn 5 Sigi Angerer 6 Lucette Aubort 7 Felicity Aylieff 8 Philippe Barde 9 Brigitte Bauder 10 Anna Behringer 11 Thomas Birvé 12 Daniel Bürki 13 Heinz Bürgin 14 Christine Buser 15 Ian Byers 16 Mina Clavuot 17 Johanna Dahm 18 Kathrin Dardel 19 Christa de Carouge 20 Käthi Fässler 21 Silvia Falett 22 Peter Faust 23 Christian Fotsch 24 Brigitta Grob 25 Beno Frischknecht 26 Elisabeth Fritsch 27 Paul Fuchs 28 Kurt Furrer 29 Peter Gagstätter 30 Sigi Gertschen 31 Stefan Grau 32 Eka Häberling 33 Sandra Hafner 34 Frédéric Helfer 35 Liselotte Helfer 36 Johan Herak 37 Stefan Jakob 38 Walter Käch 39 Franz Kälin 40 Ueli Kehrli 41 Adrian Knüsel 42 Beatrice Lang 43 Fabio Leoni 44 Margrit Linder 45 Hans Lüscher 46 Richard Lux 47 Paul Ming 48 Inge Moser 49 Eva Mosimann 50 Gisela Müller 51 Ursula Müller 52 Ulrich Nyffenegger 53 Ernst Oppliger 54 Peter Oppliger 55 Jane Perryman 56 Johanna Rösti 57 Baba Rüegg 58 Dumeng Secchi 59 Arthur Soppera 60 Walter Trauffer 61 Bernard Verdet 62 Theres Vögtlin 63 Franz von Matt 64 Beat von Wyl 65 Barbara Wälchli 66 Roger Weber 67 Matthias Wetter 68 Takeshi Yasuda 69 Christina Zilioli 70 Monika Brugger 71 Ida Gut 72 Edwin Huwyler

Bestellkarte Kursinformationen

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■ Jahresprogramm 2002 ■ Ex. Kurzprogramme 2002 ■ Informationen für Veranstalter von Kursen, Seminarien und Tagungen ■ Information über Lehrlingslager

■ Abonnement, Jahr: Fr. 24.–, Ausland Fr. 32.– ■ Probenummer ■ Ausgabe Nummer:.....

Vereinigung der Gönner ■ Ich will GönnerIn werden

Freilichtmuseum Ballenberg ■ Veranstaltungsprogramm

Schweizer Heimatwerk ■ Kundenmagazin

Ich bin interessiert an Informationen über

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