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rot rouge rosso cotschen Zeitung der Jungsozialist_innen • Journal de la Jeunesse socialiste Giornale della Gioventù socialista • Gasetta da la Giuventetgna socialista

+++JUSO.CH+++

JUSO Schweiz, Postfach 8208, 3001 Bern Nr. 217, März 2017

10–12 Nouveau : trois articles en français !

Wir wollen unser Geld zurück! Ein immer grösserer Teil des gesellschaftlich erarbeiteten Wohlstandes fliesst als Kapital­ einkommen in die Tasche der Superreichen. Die 99%-Initiative soll diesen Missstand beheben.

Von Christian Gross

Die Kassiererin in der Migros, der Krankenpfleger, der Lehrer oder die selbständige Handwerkerin – sie alle arbeiten, um ihr Einkommen zu erzielen. Es gibt aber auch Menschen, die nicht selbst für ihr Einkommen arbeiten müssen, son-

dern « ihr Geld für sich arbeiten » lassen, sei das durch Zinsen auf dem Bankkonto, Wertsteigerungen bei Immobilien oder Dividenden. Von diesen Kapitaleinkommen profitiert hauptsächlich das reichste Prozent der Gesellschaft. Ihr Profit wird

durch die restlichen 99 % der Bevölkerung erarbeitet. Fortsetzung auf Seite 2

P.P.

8+9 Young European Socialists Vizepräsidiums-Kandidatin Andrea Scheck im Interview

3900 Brig

3 Migrationspapier No Borders, No Nations


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INFRAROT • JUSO • März 2017

Fortsetzung Seite 1

Einseitige Vermögensverteilung Durch die Kapitaleinkommen wuchsen die Vermögen in den letzten Jahren rasant. So hat sich das Gesamtvermögen aller Schweizer_innen in den letzten zehn Jahren um über 60 % gesteigert. Doch die breite Bevölkerung hatte nicht viel davon, im Gegenteil: Personen mit unter 50’000 Franken Vermögen sind in derselben Zeit im Schnitt ärmer geworden. Die Bonzen profitierten derweil kräftig: Inzwischen sind schon über 40 % des gesamten Wohlstandes in den Händen des reichsten Prozentes konzentriert. Aus diesen immer höheren Vermögen entstehen immer höhere Kapitaleinkommen. Die Superreichen horten schliesslich nicht Banknoten unter der Matratze, sondern legen ihr Geld zum Beispiel in Immobilien an. Mit Wuchermie«Die breite Bevölkerung muss endlich ihren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg zurückerhalten!»

ten sorgen sie dann dafür, dass aus ihrem Geld noch mehr Geld wird. Oder sie kaufen sich Aktien und werden durch Dividenden noch reicher. Dabei hilft ihnen unser Steuersystem: Grossaktionär_innen müs-

sen ihre Dividenden nur zum Teil ver- deren Folgen dann wieder die breite Besteuern, Einkommen aus Aktienverkäufen völkerung tragen muss. Hier setzt unsere neuste Initiative sind komplett steuerfrei. Einige wenige Superreiche profitieren so vom Wohl- an. Wir wollen die Privilegien der Superstand, für den die gesamte Gesellschaft reichen beenden und Steuerschlupflöcher schliessen. Dazu schreiben wir auf Verfasgear­beitet hat. Dies wirkt auf den ersten Blick ein- sungsstufe vor, dass alle Arten von Kapifach nur unfair – warum kann sich zum taleinkommen steuerbar sind – also auch Beispiel Magdalena Martullo-Blocher die oben erwähnten Aktienverkäufe. Mit der 99%-Initiative werden Ka­ jährlich fast 60 Millionen Dividenden ausbezahlen lassen, während andere täglich pitaleinkommen aber nicht einfach noracht Stunden arbeiten müssen (und oft ge- mal besteuert, sondern mit dem Faktor nug weit mehr), um knapp ihren Lebens- 1,5. Hohe Freibeträge sorgen dafür, dass Kleinsparer_innen nicht betroffen sind. unterhalt zu verdienen? Mit den Mehreinnahmen sollen tiefe Löhne entlastet werden. So wird unsere Steuerprivilegien für Superreiche Initiative zum Gegenangriff auf die Bürabbauen Für die Kapitaleinkommen in der heutigen gerlichen. Jahrelang war die Politik in der Höhe gibt es letztlich keine Rechtferti- Schweiz nur darauf ausgerichtet, die Reigung. Die Arbeit vergangener Genera- chen noch reicher zu machen. Darunter tionen war nötig, um das Kapital anzu- zu leiden hatten die restlichen 99 % der häufen. Die Arbeit der heutigen Gene­­­­­r a- Bevölkerung. Durch steigende Krankention erwirtschaftet die Rendite für die kassenprämien und gleichzeitige Sparpakete hatten die Lohnabhängigen immer Superreichen. Auf den zweiten Blick sind die Ka- weniger Geld zum Leben. Damit ist jetzt pitaleinkommen aber nicht nur unfair, Schluss! Die breite Bevölkerung muss sondern brandgefährlich. Sie entstehen endlich ihren Anteil am wirtschaftlichen dort, wo bereits viel Geld vorhanden ist, Erfolg zurückerhalten und soll nicht also mehrheitlich bei den Superreichen. länger die Milliardenrenditen der Bonzen Die können diese enormen Summen kaum bezahlen müssen. Mit der 99%-Initiative ausgeben – das Geld wird folglich der holt sich die Bevölkerung zurück, was Realwirtschaft entzogen. Stattdessen flies- ihr gehört und lässt nicht mehr ein paar sen Milliarden in die Finanzspekulation. Superreiche bestimmen. Dabei kommt es regelmässig zu Spekula­ tionsblasen und kurz darauf zu Krisen,

Freiheit denen, die haben Von Anna Viola Bleichenbacher

Mein Ticket nach Paris diesen Januar kostete 40 Euro – hin und zurück versteht sich. Währenddessen berichtet ein junger Mann, keine 18 Jahre alt, im Film « Neuland » von seiner Reise mit Schleppern und zu Fuss von Afghanistan in die Schweiz, welche mehrere tausend Dollar kostete. Der Film ist schon einige Jahre alt, das Thema Migration aber keinesfalls weniger aktuell. Wir können uns aufgrund von sinkenden Ticketpreisen bei Zug, Bus und Flug immer mehr Mobilität und damit kulturelle und geistige Horizonterweiterung

leisten. Wenn aber unser eigener Wohlstand gefährdet scheint, stösst der erweiterte Horizont schnell an seine Grenzen – an die Nationalstaatsgrenzen, um genau zu sein. Dies treibt Rechtspopulist_innen an, die Freiheit des globalen Finanzka­ pitals höher zu werten als die Freiheit von Menschen, sich und ihre Familien vor Hunger, Krieg und Terror in Schutz zu bringen. Legale Fluchtwege bleiben einigen wenigen vorbehalten. Die Diskussion des Migrationspapiers an der JV ist wichtig, auch wenn sie sehr spät kommt. Die

Linke braucht schlagfertige Antworten auf Rassismus und Hetze. Darum freue ich mich auf noch mehr scharfe Analysen und pointierte Forderungen. Mehr zum Thema Migration und dem ­Migrationspapier auf der folgenden Seite.


Migration 3

No Borders, No Nations – Für eine Überwindung der Grenzen als soziale Konstrukte Während Bürgerliche das Thema wo immer möglich bewirtschaften, haben linke Kräfte in Europa und der Schweiz versagt, eine konsequente und solidarische Migrationspolitik auszuarbeiten.

Von Jérémie Reusser

prozesse werden im politischen Diskurs massiv verzerrt: Ob durch künstliche Kategorisierung in echte und unechte Flüchtlinge, Schubladisierung von Fluchtgründen, willkürliche Illegali­ sierung von Menschen etc. Systemische Ursachen als gemeinsamer Nenner werden bewusst ausgeklammert, stattdessen wird in der Öffentlichkeit durch Desinformation Hass geschürt. Imperialistische Kriege in weiten Teilen der Welt, Schäden in der Umwelt und fehlende Perspektiven aufgrund ökonomischer Ungleichheit zwingen Menschen, nach besseren Lebensbedingungen Linke Alternative als nachhaltige Lösung zu suchen. Es fällt auf, dass alle diese Beispiele ihren Ursprung Die politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben in den Interessen der herrschenden Klasse finden: Erweiterung eine dermassen starke Verschärfung des Grenzregimes her- der Märkte, Ausbeutung der Natur, Akkumulation des Kapitals. beigeführt, dass Menschen extreme Risiken auf sich nehmen Genauso wichtig zu erkennen ist, dass die herrschende Wirtmüssen, um überhaupt nach Europa zu gelangen. Teile der em- schaftsordnung nicht nur Migrationsprozesse antreibt, sondern bewusst aus ihnen Kapital pörten Zivilgesellschaft sind schlägt. Eine Spaltung der Arbeiaktiv geworden und leisten in ter_innenklasse infolge der bürzahlreichen Bereichen Hilfe für gerlichen Propaganda erlaubt es Menschen auf der Flucht. Doch auf der politischen Ebene fehlt den Arbeitgeber_innen, die Arimmer noch eine kritische Antbeitsbedingungen der Menschen wort auf die Politik von rechts. gegeneinander auszuspielen. Das Engagement von so vielen Ebenfalls dazu gehört das Verständnis der Migrant_innen Menschen ist begrüssenswert, als autonome Individuen: Sie doch können nur allumfassende politische Massnahmen nachhalsind nicht passive Menschen in tig die Lebensqualität der Flücheinem beweglichen System, sondern passen sich autonom den tenden verbessern. Mit einem jeweiligen Migrationsregimes, Positionspapier will die JUSO wirtschaftlichen Bedingungen Schweiz eine antikapitalistische, antimilitaristische und antinaBoot mit Migrant_innen auf dem Mittelmeer und Gesellschaften an. tionale Alternative bieten. Kern des Papiers ist die Beseitigung der künstlichen Einteilung der Mit Fakten die Hetzer_innen besiegen! Arbeiter_innen nach ihrer Herkunft und die Stärkung des grenz- Ein derart komplexes Thema erfordert eine ausführliche Analyse. übergreifenden Klassenbewusstseins. Zugleich blicken wir jedoch Um jedoch allen einen Zugang zu unserer Alternative zu geder Tatsache ins Auge, dass Flüchtende heute leiden und sterben –­ währleisten, wird aus dem vollständigen Papier ein ausführlicher ­deshalb sollen die Forderungen nicht ausschliesslich Utopien, son- Massnahmenplan herausgearbeitet. Unsere Vision kann das Sterdern konkrete Vorstösse umfassen, mit welchen heute und in der ben auf Fluchtrouten, die Ausbeutung auf den Arbeitsmärkten, aktuellen Ordnung die schlimmsten Symptome des Kapitalismus Diskriminierung, Zwangsintegration und alle hässlichen Gebekämpft werden können. sichter der bürgerlichen Gesellschaft stoppen. Gemeinsam als Gesellschaft können wir sie erreichen. Denn nichts ist stärker, Systemische Ursachen verstehen und bekämpfen als eine Idee, die aus Fakten – nicht Gier und Hass – entspringt. Unsere Positionen ergeben sich hierbei aus einer breiten und detaillierten Analyse der Migrationsthematik. MigrationsKaum ein Thema wurde in den letzten Jahren so stark dazu instrumentalisiert, rechte Hetze und Hass zu verbreiten, wie die Migration. Besonders seit dem Sommer 2015 herrscht eine besorgniserregende nationalistische Tendenz. Menschen werden gegeneinander aufgehetzt, um sie von einer Auflehnung gegen das kapitalistische System abzuhalten. Und das Angstklima wird benutzt, um mit protektionistischen Instrumenten wie Frontex Menschen an den Grenzen Europas abzuwehren.


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INFRAROT • JUSO • März 2017

Für ein Verbot von Kriegsgeschäften! Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) lanciert zusammen mit anderen Organisationen und Parteien am 11. April eine nationale Volksinitiative. Die Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten soll verboten werden.

Von Lewin Lempert

Mit der Initiative «  Für ein Verbot von Kriegsgeschäften  » sollen Schweizer Finanzakteur_innen Investitionen in die Rüstungsindustrie verboten werden: Schweizer Geld soll nicht länger zur Finanzierung von Kriegsmaterial und somit zur Unterstützung von Kriegen weltweit missbraucht werden. Die Rolle der Grossbanken Neben den direkten Kriegsmaterial­­ exporten spielt der Schweizer Finanzplatz eine zentrale Rolle bei Kriegsgeschäften. Die Schweiz hat einen der grössten und wichtigsten Finanzplätze der Welt. 2014 wurden hier 7 Billionen Franken verwaltet. Im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft hat die Schweiz einen weltweiten Marktanteil von 25 %. Diese unvorstellbar hohen Geldsummen werden auch in Kriegsmaterialproduzenten investiert und verursachen somit direkt den Tod und das Leid tausender Menschen. Alleine Schweizer Grossbanken investierten 2014 pro Einwohner_in 798 US-Dollar in Unternehmen, die nukleare Rüstungsgüter herstellen. In Deutschland lag dieser Wert bei 122 US-Dollar und in Österreich bei 9 US-Dollar. Dieser Vergleich zeigt das aussergewöhnliche Ausmass der Kriegsgeschäfte in der Schweiz. Bei diesen Zahlen nicht eingerechnet sind Investitionen der Nationalbank, der Pensionskassen und vielen weiteren Finanzakteur_innen. Alleine die Pensionskassen investieren zwischen 4 und 12 Milliarden Franken in die Rüs-

tungsindustrie. Wohlgemerkt: Beim Pen- US-Dollar an Raytheon beteiligt. Raytheonsionskassengeld handelt es sich um unsere Munition wird beispielsweise von SaudiRenten. Während wir also für die Sicher- Arabien im völkerrechtswidrigen Jemenheit im Alter sparen, schürt unser Geld Krieg eingesetzt, in welchem schon Unsicherheit und Leid weltweit. Ein ne- Flüchtlingslager und Spitäler bombargatives Beispiel ist hier die Pensionskasse diert wurden und tausende Zivilist_innen der linken Stadt Bern, welche überdurch- ihr Leben verloren haben. Der Finanzschnittlich viel Geld (1,8 % des verwal- platz Schweiz macht sich also mitverantteten Vermögens) in Rüstungskonzerne wortlich dafür, dass Menschen in die Flucht getrieben werden und aktuell so investiert. viele Menschen auf der Flucht sind wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Welt«Kein Schweizer Geld kriegs. Schlussendlich werden wir durch für die Kriege dieser das Geld, welches über den Schweizer Finanzplatz in die Rüstungsindustrie geWelt!» langt, zu Kompliz_innen jener Produktionsfirmen, die Profit aus den Opfern der Doch es gibt auch Lichtblicke: So hat die Kriege schlagen. Als Sozialist_innen und Pensionskasse der Stadt Zürich kürzlich Friedensaktivist_innen können wir uns entschieden, aus der Finanzierung von diese Politik der Profitmaximierung auf Atomwaffenproduzent auszusteigen. Auch Kosten von Menschenleben nicht erlauben. das Bundesland Berlin hat Anfang 2017 Deshalb soll mit der Initiative den Pensiverlauten lassen, dass das Vermögen der onskassen, der Schweizerischen NatioHauptstadt Deutschlands in Zukunft rüs- nalbank sowie Stiftungen jegliche Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten tungsfrei angelegt werden soll. verboten werden. Zudem wird der Bund beauftragt, sinngleiche Bedingungen für Millionen für Streumunition Ein Beispiel für die direkte Verstrickung Banken und Versicherungen zu fördern. des Schweizer Finanzplatzes in aktuelle Kurz: Kein Schweizer Geld für die Kriege Kriege und Konflikte ist die Finanzierung dieser Welt! Die JUSO Schweiz wird an der Jahdes Rüstungskonzerns Raytheon. Der USKonzern Raytheon produziert u. a. inter- resversammlung Anfang März über die national geächtete Streumunition. Die Unterstützung der Initiative diskutieren. Schweizerische Nationalbank (SNB) hat Auf ein Ende der Kriegsgeschäfte und für im Jahr 2016 mindestens 116 Millionen eine friedlichere Welt! US-Dollar in den Konzern investiert und die UBS ist mit mindestens 270 Millionen


Altersvorsorge 5

Angriff auf unsere Errungenschaft 99 Jahre sind es her seit dem Landesstreik. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften ist die Altersvorsorge. Und diese gerät immer mehr unter Druck.

Von Tamara Funiciello

Die AHV ist das Resultat von harten Arbeitskämpfen, die sich gelohnt haben. Denn die AHV ist das grösste Rückverteilungsprogramm, das die Schweiz je gesehen hat. Die Beiträge an die AHV werden zum grössten Teil in Form von Lohnabzügen geleistet. Diese sind für alle prozentual gleich hoch. Das heisst, Vasella zahlt gleich viele Prozente seines Lohns in die AHV ein, wie die Bauarbeiterin im Emmental. Ihre AHV-Renten sind gleich hoch, wenn sie gleich lang einbezahlt haben, denn die Renten sind gedeckelt. Genau deshalb ist die AHV Teil des Klassenkampfes. Ein Teil, den wir gewonnen haben. Das haben nicht nur wir festgestellt, sondern auch die Lobbyist_innen der Reichen im Parlament. Aus Gewerkschaftskundgebung auf dem Bundesplatz diesem Grund steht die AHV, seit sie eingeführt wurde, unter massivem Druck. AHV sowie kleine Verbesserungen in der gar 69 Jahre verhindern, wenn wir uns heute nicht wehren? Wie kann der Angst, Dabei wird munter postfaktisch argumen- 2. Säule. Ein kleiner Trost für das, was die aufgrund der Digitalisierung den Job zu tiert und der Bundesrat liegt mit seinen Prognosen regelmässig mehrere Milliar- Menschen real und die Linke diskursiv verlieren, mit einer Forderung nach eiden daneben. Doch die Wiederholung von verlieren. Der Erhöhung des Frauenren- ner Senkung der Arbeitszeit entgegengefalschen Argumenten ist anscheinend tenalters zuzustimmen, heisst, einer re- wirkt werden, wenn wir einer faktischen beliebter als es Fakten sind. Die Angstma- alen Verschlechterung der Situation der Arbeits­zeitverlängerung zustimmen? cherei hat dazu geführt, dass das Vertrau- Frauen* zuzustimmen. Denn es sind die en in die AHV massiv abgenommen hat. Frauen*, die diese Reform zum grossen Auf die Strasse! Zudem scheint die zuweilen schamlose Teil finanzieren müssen. Dies sei in Ord- Wir dürfen uns nicht trennen lassen. Umverteilung von unten nach oben viele nung, weil die Frauen* heute den Männern* Die Erhöhung des Frauenrentenalters ist aus der Bevölkerung nicht zu empören. angeblich gleichgestellt seien, lautet die falsch, so wie es auch immer die Erhöhung Die Kombination dieser zwei Faktoren Begründung. Das ist gelinde gesagt eine des Männerrentenalters war und ist. Wir ergibt die bewusste Stärkung der unso- Frechheit! Denn es bedeutet, zu ignorie- müssen die AHV für alle stärken, ohne lidarischen und spekulativen Pensions- ren, dass Frauen* nach wie vor rund 20 % dass die Arbeitenden dafür bezahlen müskassen unter dem bürgerlich-neoliberalen weniger verdienen, dass sie einen Löwin- sen. Denn die Mittel dazu wären da. Nur nenanteil der unbezahlten Care-Arbeit wird heute damit die 2. Säule geflutet. Schlagwort der « Selbstverantwortung ». Egal wie man es dreht und wendet. leisten und dass sie weniger Zugang haben Wir können bei dieser Reform nur verliezu gut bezahlten Jobs. Schweigen der Linken Nichts desto trotz schweigt die Linke. ren. Die Frage ist, ob wir die Reform als Die aktuelle Rentenreform 2020 zeigt erneut, wie die Umverteilung von oben Weil die Erhöhung der AHV um 70 Fran- Niederlage erkennen und sie aktiv auf der nach unten funktioniert. Zwar kommt die ken angeblich ein Sieg ist. Für diese 70 Strasse bekämpfen. Oder ob wir sie mittraReform erst im März für die Schlussab- Franken bezahlen die Frauen* aber mehr, gen und stillschweigend dem langsamen, stimmungen in den National- und Stän- als sie bekommen! Wie können wir das als aber stetigen Niedergang einer der grössten linken Errungenschaften in diesem derat, aber die Eckpfeiler sind klar: Die feministische Organisation vertreten? Eigentlich ist es ganz einfach: Das Land zuschauen. zusätzlichen Renten für die BabyboomAls JUSO sollten wir uns dafür entgeneration sollen durch ein zusätzli- Rentenalter von Arbeitenden, von Frauen* ches Mehrwertsteuer-Prozent finanziert und Männern*, zu erhöhen, bedeutet im- scheiden, zu kämpfen. Denn auf lange werden. Die Finanzierung wird an die mer auch, ihre Rechte zu verschlechtern. Sicht verlieren wir an Schlagkraft und Erhöhung des Frauenrentenalters und Daher können weder die Gewerkschaften verraten die Arbeitenden. Und wir, die Senkung des Umwandlungssatzes in der noch die Linke für eine Rentenaltererhö- junge Generation, werden bei der nächsten 2. Säule geknüpft. Wenn wir Glück ha- hung sein. Wie sollen wir bei der nächs- Reform der AHV kämpfen müssen. Und ben, kriegen wir dafür 70 Franken mehr ten Reform eine Erhöhung auf 67 oder die kommt bestimmt.


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INFRAROT • JUSO • März 2017

Zeichnung: Julia Kubik


Brexit 7

It’s the economy, stupid! Wird der schrittweise Rückbau des Staates in Grossbritannien unter die Lupe genommen, zeigt sich, dass der Brexit ein Symptom verfehlter wirtschaftsfreundlicher Politik ist. Ohne progressive Alternative zum Status quo droht Europa weiter Rückzug in die Nati­ onalstaaten. Von Simeon Marty*

Jenseits des Ärmelkanals ist die Welt ketten in eine Krise, besonders in den ehe- onierenden Krankenkasse – kurz: Würde – im letzten Juni aus den Fugen geraten. maligen Industriegebieten Nordenglands. fehlen real in der Unter- und Mittelschicht. Die konservative Tory-Regierung um In der Hoffnung, Privatunternehmen zu Die Mitglieder der Eliten, die Krawatten Premierministerin Theresa May plagt Investitionen zu motivieren, senkte die auf ihren Bierbäuchen jonglieren, sollten sich mit der Herausforderung, die Euro­ britische Regierung die Zinsen auf Dar- eine Ohrfeige für ihre jahrelange verfehlte päische Union zu verlassen und gerät lehen: Unternehmen konnten sich also Politik bekommen. Nur stellt sich das Prodabei zunehmend in Schieflage. Zerfall günstiger Geld leihen. Dahinter steckte blem: Die konservative Regierung denkt und Fremdenfeindlichkeit liegen in der die Idee, dass dieses Kapital verwendet nach der Abstimmung nicht daran, ihren Luft. Doch das Zittern des Establishments würde, um frische Projekte zu tätigen und Kurs zu ändern. Die Sparideologie wird bleibt nicht auf London beschränkt. In damit neue Anstellungen zu schaffen. Das weiter verfolgt. Die Linkspartei hat zwar ganz Europa befinden sich die Kräfte ei- Gegenteil trat ein: Grossunternehmen lie- zum ersten Mal seit den 1990er-Jahren ner nationalistischen Internationalen im hen sich zwar gerne günstiges Geld, dieses wieder eine kämpferische Parteiführung, Aufwind. Wird der schrittweise Rück- wurde jedoch anstelle physischer Investi- diese wird aber von den wirtschaftsbau des Staates in Grossbritannien unter tionen zwecks Gewinnoptimierung in den freundlichen Parlamentsmitgliedern aus den eigenen Reihen zerfleischt. Werden die Lupe genommen, wird ebenfalls klar, Aktienmarkt gepumpt. die Hoffnungen, welche Brexit zu Tage weshalb die Technokraten in Deutschland gefördert hat, nun weiter nicht erfüllt, beund Frankreich Gefahr laufen, im anstehalten Rechtspopulisten mit dem Beschulhenden Wahljahr von den Kryptofaschisdigen allen Fremdes die stärksten Karten ten der Alternative für Deutschland (AfD) und können ihren Einfluss ausbauen. und dem Front National (FN) überrumpelt Die Problemstellungen in strukturzu werden. schwachen Regionen Westeuropas ähIn Grossbritannien herrscht seit der neln sich. In Frankreich und Deutschland berüchtigten Regierungszeit Margaret punkten die Rechtsaussenbewegungen Thatchers von 1979 bis 1990 das Dogma ebenfalls mit den Versprechen eines exdes Neoliberalismus: Die Privatwirtschaft klusiven Wohlfahrtsstaates für die weisse würde effizienter funktionieren als ein Ursprungsbevölkerung. Sie machen für bürokratischer Staat. Wird dieser auf das Sparprogramme und fehlende Investi­ Minimum rückentwickelt, würde eine tionen die Europäische Union verantwortWirtschaft frei von Regulierungen für eine lich, für soziale Spannungen Migrant_ingerechte Welt sorgen. Der Ausverkauf des nen. Als Lösung wird soziale Sicherheit, fast kompletten Staatseigentums – Trinkmit guten Löhnen und Renten, hinter elekwasserleitungen (1989), Bahnstrecken trischen Zäunen nationaler Grenzen pro(1993), Postbriefkästen (2013), um nur pagiert. Der Brexit steht nicht isoliert auf einige zu nennen – war einer der mannigfaltigen Einschnitte nach neolibe­ralem Nigel Farage, UKIP, Nationalist der englischen Insel, er ist Teil einer europäischen Krise der Austeritätspolitik. Ein Credo. Ab den 1990er-Jahren hat sich auch die britische Sozialdemokratie, die Jahrzehnte eines Klassenkampfs von oben siegreicher Aufstand gegen den NeolibeLabour-Partei, unter dem Einf luss des nach unten haben ihre Spuren hinterlas- ralismus von gruseligem Ursprung. Gegen rechten « New Labour »-Parteiflügels am sen. Besonders strukturschwache Gebiete, den Aufschwung der nationalistischen Staatsabbau beteiligt. In den Händen der beispielsweise in Nordengland, haben sich Internationalen muss das Establishment Privatwirtschaft wurde die Infrastruktur überproportional stark für den Austritt umdenken. Führen die progressiven Kräfzur Milchkuh: Die Preise wurden so weit aus der EU ausgesprochen. Notabene in te einen Schmusekurs mit austeritären als möglich erhöht, um maximale Gewinne klassischen Hochburgen der Labourpartei, Konservativen und Nationalisten, führt zu erzielen. Investitionen in den Ausbau welche sich für den Verbleib in der EU en- das in die Katastrophe. Die Lösung liegt der Infrastruktur wurden nur noch getä- gagiert hatte. Die rechtsnationalistische in der längst überfälligen Abkehr von eitigt, wenn es absolut notwendig war, um Partei UKIP führte Migrant_innen aus der ner verfehlten Wirtschaftspolitik, welche den Profit der Privatinvestoren nicht zu Europäischen Union als Sündenböcke vor. nur einer Elite dient. Ohne starke Gewerkschmälern. Besonders nach der Finanz- Es greift jedoch zu kurz, Brexit-Befürwor- schaften, gerechte Rückverteilung und krise 2008 blieben sie ausserhalb der terinnen und Befürworter bloss als Frem- Service Public funktioniert Europa nicht. grossen Städte wie London oder Manches- denfeinde abzustempeln. Perspektiven in ter vermehrt ganz aus. Ohne Investitionen Form von gutbezahlten Arbeitsstellen, er- * Simeon Marty studiert derzeit in London. schlitterten ganze Regionen und Berufs- schwinglichen Wohnungen, einer funkti-


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INFRAROT • JUSO • März 2017

« Ich will eine handlungsfähige YES, welche die internationale Politik beeinflusst.» Andrea Scheck ist seit Sommer 2015 internationale Sekretärin der JUSO Schweiz. An der Jahresversammlung im März 2017 tritt sie von ihrem Amt zurück – und kandidiert als Vize-Präsidentin der Young European Socialists.

Interview: Ramina Wakil & Dario Schai

Andrea, warum kandidierst du als Vize-Präsidentin der Young European Socialists (YES)? Als internationale Sekretärin war die YES das Kernstück meiner Arbeit, mein Herzblut. Es gibt heute niemanden in der JUSO, der sie besser kennt – und niemanden, der sie stärker kritisiert. Geheimabsprachen, Machtkämpfe, Sitzungsboykotte, Tränen und Rumgeschreie – während der letzten zwei Jahre in der YES habe ich vieles gesehen. Aber ich habe auch eine YES kennengelernt, die geniale Debatten führt, in der brillante junge Menschen ihr Wissen weitergeben, sich gegenseitig em­powern und eine echte Vision für Europa auf­ bauen. Die YES ist meine Internationale und ich will Verantwortung dafür übernehmen, dass sie ihr Potential ausschöpft. Falls Du gewählt wirst, wofür möchtest du dich besonders einsetzen? Inhaltlich würde ich gerne zum Feminismus arbeiten, weil uns die YES in diesem Bereich extrem beeinflusst hat. Sie hat

die JUSO zur Selbstkritik gezwungen, als Feminismus bei uns noch nicht wirklich präsent war, uns neue Ideen gebracht und unsere Entwicklung zu einer feministischen Partei angetrieben. Strukturell will ich eine handlungsfähige, selbstständige YES, welche die internationale Politik regelmässig mit Projekten beeinflusst. Dazu muss sie die Basismitglieder in ihren Mitgliedsorgani­ sationen direkt erreichen, zum Beispiel mit langfristigen Kampagnen und Aktionen, mit Arbeitsgruppen und hochwertigen Bildungsseminaren. Wo gibt es Unstimmigkeiten zwischen der JUSO Schweiz und der YES? Manche Mitgliedsorganisationen sehen die YES als eine lockere Verbindung, in der man Leute kennenlernen, networken und die eigene Karriere starten kann. Sie zetteln Machtkämpfe an oder politisieren aus persönlichen Vendetten und es wirkt, als würden sie Politik «   spielen  ». Mit diesem kindischen Verhalten kommen sie

heute aber nur durch, weil es so wenige basisdemokratische Strukturen und Transparenz gibt. Wenn die Basis mehr Einblick in die Gremien hätte, würden sie sich kontrolliert fühlen und konstruktiver arbeiten. Wird die Kritik der JUSO Schweiz in der YES wahrgenommen? Zwar ist die JUSO nicht allein mit ihrer Kritik, doch einige Mitglieder der YES halten ihre Funktionsweise, ihre Strukturen und ihre Präsenz in der internationalen Politik heute für ausreichend. Sie reagieren entsprechend unwillig auf Änderungen und es ist oft schwierig, sich das nötige Gehör zu verschaffen. Der letzte Kongress der YES fand 2015 in Winterthur statt. In deinem Nominierungsschreiben sprichst du von Enttäuschung und Frustration nach dem Kongress. Warum? Die YES war extrem zweigeteilt in ihre Fraktionen; die «  L inken  » und die «  Mo­ deraten  ». Es gab Blockabstimmungen, Wahlabsprachen und oft basierten die Entscheidungen auf persönlichen Sympathien. Das war für uns ein Schock, denn wir politisieren ganz anders.

Man kann für gewisse Fragen im nationalen Rahmen keine wirklichen Antworten finden. Dazu braucht es internationale Strukturen, damit wir nicht nur schöne Theorien und Scheinlösungen schaffen. Andrea Scheck kandidiert als Vize-Präsidentin der Young European Socialists


Young European Socialists 9

Wir haben daraus gelernt und verstehen das System der YES heute besser als vor zwei Jahren – auch wenn es noch viel Arbeit brauchen wird, um die Fraktions­ situation zu lösen. Welche Themen soll die YES in den nächsten zwei Jahren ansprechen? Migration, Steuerflucht und die Vorbereitung der EU-Parlamentswahlen 2019. Warum ist eine internationale so­zialistische Jugendbewegung wie die YES wichtig? Der Kapitalismus kümmert sich nicht um Grenzen, er wirkt global. Egal, ob es um die Migration von Menschen, von Unternehmen oder von Steuergeldern geht – man kann für gewisse Fragen im nationalen Rahmen keine wirklichen Antworten finden. Dazu braucht es internationale Strukturen, damit wir nicht nur schöne Theorien und Scheinlösungen schaffen. Diese Arbeit für eine bessere Welt mit anderen Jugendlichen anzugehen, ist naheliegend: In der JUSO sehen wir, dass junge Leute weniger an gewohnte Strukturen gebunden sind, radikalere Pläne formulieren und einander ernster nehmen. Genauso ist es wichtig, als junge Menschen Verantwortung zu übernehmen und die Welt mitzugestalten.

aktiv wurden, Defizite ansprachen und Die Wahlen in der YES waren Initiative zeigten. bisher geprägt von geheimen Ich glaube es ist wichtig, am nächsAbsprachen. Hast du überhaupt ten SI-Kongress einen Aufstand zu maWahlchancen? Ich hoffe schon! Die JUSO hat sich in den chen – ein Reformprogramm schreiben letzten zwei Jahren in der YES bewiesen und diesem mit Kampfkandidaturen und und ich konnte Leute von meinen Fähig- Anträgen Gehör verschaffen. Damit wird keiten überzeugen. Auch ohne Wahlchan- man keinen Erfolg haben, aber man zeigt cen würde ich kandidieren. Eine Kandida- eine Gegenvision. Der nächste Schritt tur soll politisch sein, primär geht es um wäre der Rückzug in eine funktionierende Internationale, wie die «  Progressive Aldie Botschaft und nicht die Wahl selber. lianz » – und die nötige Mitarbeit, damit diese nicht denselben Weg einschlägt wie Von der Jugendbewegung zur die SI. Sozialistischen Internationalen (SI): Die SI ist heute geprägt von Und zum Schluss: Wie kann man Korruption, Postenschacher und sich als JUSO-Mitglied in der politischer Bedeutungslosigkeit. internationalen Arbeit engagieDie SP Schweiz und 30 weitere ren? Organisationen werden am Man kommt in die Arbeitsgruppe Internächsten Kongress voraussichtnationales! Wir sind eine sehr lockere und lich rausgeworfen, weil sie unbegut befreundete Truppe – wir treffen uns queme Fragen stellen. Hat der zu Sitzungen, diskutieren und reisen an Internationalismus versagt? Die Probleme der SI sind nicht unbedingt internationale Veranstaltungen im Ausneu, auch wenn sie erst jetzt plötzlich in land. Jedes JUSO-Mitglied kann bei uns der SP thematisiert werden. Dem liegt mitmachen, es reicht eine Nachricht an nicht das Versagen des Internationalis- mich bzw. meine Nachfolge als intermus zugrunde; man hat ganz einfach zu- nationale_r Sekretär_in. gelassen, dass die falschen Leute zu viel unkontrollierte Macht an sich reissen. Daran ist niemand anderes Schuld als die Mitgliedsorganisationen, die nicht früher

Rücktritte aus der Geschäftsleitung Andrea Scheck Andrea Scheck verlässt die Geschäfts­ hätte man sehr gerne noch länger unserer leitung, das klingt wie ein schlechter Streberin vom Dienst, unserer PoliticalScherz (denn für solche ist sie schliess- Correctness-­Beauftragten, unserem Nachlich bekannt). Reas Rücktritt ist ein biss- falter zugehört. Ihre Talente gehen weit chen wie Bigfoot oder Nessie, man hört über das normale hinaus. Sie ist nicht nur immer wieder etwas davon, vielleicht eine hervorragende Rhetorikerin, und taucht auch einmal ein (mehr oder weni- überzeugt damit sogar verstaubte SP-Muger) unein-deutiges Indiz auf, aber wirk- mien, sie ist die beste Bunkerputzerin, die lich konkret war es nie geworden. Be- wir je hatten und es gibt auch Quellen, die reits wurden Gerüchte laut, dass es sich behaupten, sie wäre die beste Flunkyballbei ihrer letzten Wahl vielleicht um eine spielerin, die die JUSO Schweiz je gesehen lebenslängliche gehandelt haben könnte. hat. Dieses Gerücht sollte vielleicht einer Nun aber geht eine Ära wirklich zu Ende. eingehenden Prüfung an der JV unterzoÄhnlich sagenumwoben wie ihr Rücktritt gen werden. Rea, du bist bekannt dafür, jewar auch Reas Wirken während ihrer Zeit den Monat mit neuer Frisur und Haarfarbe in der GL. So schaffte sie es sogar, in der aufzutauchen, das werden wir vermissen. YES eine integre und wirklich politische Deine Arbeit und du als Mensch haben die Arbeit durchzuziehen und nicht zu einer JUSO nachhaltig geprägt und werden uns Cüplisozi zu mutieren, von denen es in auch weiterhin begleiten. der YES leider viele gibt. Auch in der GL

Gian Luca Bonanomi Gian Luca, unser Zentralsekretär, wird an der Jahresversammlung im März zurücktreten. Ich muss zugeben, dass ich nicht an diese schreckliche Tatsache denken kann, ohne dabei ein Stechen im Herzen zu verspüren. Denn Gian Luca arbeitet nicht nur für den Sozialismus, er lebt ihn. Selten habe ich einen Menschen mit so viel Empathie kennengelernt. Er suchte stets die Lösung, die allen am besten passt, ohne dabei diejenigen zu vergessen, die besonders betroffen sind. Die Welt bräuchte zahllose Menschen wie Gian Luca, die den Sozialismus als Lebensphilosophie übernommen haben: Auf der Seite des Guten sein, nicht als Selbstzweck, sondern, um ein besseres Leben zu führen, für sich und für alle anderen. Danke für alles, Gian Luca!


10 INFRAROT • JUSO • März 2017

La gauche française aux élections présidentielles En avril et mai 2017, les français voteront dans le cadre de l’élection présidentielle. Après 5 ans de présidence « socialiste », François Hollande ne se représente pas.

De Brice Touilloux

fonder une VIe république. Un autre objecLa France connait une crise sociale résultant de la crise économique du capitalisme tif est de refonder la gauche française aumondial de 2008. François Hollande avait tour de lui et d’un projet anticapitaliste, et promis un retour de la croissance éconode tuer le PS. Cependant, la campagne est mique et une baisse du chômage, alors que fortement centrée sur son « leader » Mélenson mandat restera marqué par la destrucchon. Le mouvement politique reste caché tion du droit du travail et le mouvement derrière le tribun. social de résistance. Dans un tel contexte, A gauche de Mélenchon, se rela crise économique se prolonge en crise trouvent deux candidats dits d’extrême politique et la Ve république est remise en gauche  : Philippe Poutou du Nouveau Parti Anticapitaliste (ex-trotskyste, altercause. Comment se place la gauche dans mondialiste) et Nathalie Artaud de Lutte cette élection ? Ouvrière (trotskyste). Ces mouvements Le Parti Socialiste a organisé une socialistes révolutionnaires ont du mal à primaire autour de son appareil. Benoit être entendu par les travailleurs français, Hamon en est sorti vainqueur, avec l’un des programmes les plus à gauche de la L’Assemblée nationale à Paris alors qu’ils portent depuis longtemps une critique intéressante du capitalisme et de primaire. Le candidat du PS veut augmenter le pouvoir des citoyens français pour associé à un grand volontarisme. Candi- ses institutions. Leur isolement politique affaiblir celui de la « monarchie » prési- dat issu de la finance, il compte sur les des dernières années, l’actuelle aura de dentielle issu de la Ve République, dimi- pro-système économique, désabusés par Mélenchon et des erreurs de communicanuer le temps de travail et parle d’un re- les partis politiques. Il veut surfer sur ces tions affaiblissent la portée du message venu de base pour faire face au chômage jeunes mouvements populistes centristes du NPA. Les travailleurs se reconnaissent de masse et à la raréfaction de l’emploi. Ce qui fleurissent en Europe (La Rivière en peu en eux. Un candidat écologiste (Yannick programme social-démocrate est l’une des grèce, Ciudadanos en Espagne… ). Jean-Luc Mélenchon se présente J­ adot) est également présent. On pourrait seules voies pouvant sauver le PS d’une faillite politique de type PASOK. Cepen- également hors partis, à travers son mou- l’oublier, car il est médiatiquement peu dant, le passé de ministre d’Hamon le vement « La France Insoumise ». Il béné- en vue, et loin du conflit social français. rattache à l’actuel gouvernement et à ses ficie tout de même du soutien du Parti de Jadot fait les frais de l’attitude peu claire actions anti-sociales. De plus, la cam- gauche et du Parti Communiste. Depuis des Verts français, qui mènent une polipagne d’Hamon, ainsi que son programme, sa candidature de 2012 sous l’étiquette du tique en zigzag, alternant entre le soutien socialiste  » seront enchainés par les organes du PS, Front de Gauche, Mélenchon est considéré ou non du gouvernement «  dirigés par une Nomenklatura. Par consé- par les médias comme le nouvel homme français. Durant les périodes de crise, il y quent, il devra faire de nombreuses politique français de la gauche radicale. concessions pour avoir ces perfides soutiens. Ce rôle a grandi lors de sa nette opposition a toujours de grands changements et de Emmanuel Macron est considéré à la loi travail. De plus, les travailleurs vieilles institutions peuvent disparaitre comme homme de gauche par les médias conscientisés voient en lui le porte-parole en peu de temps. La crise économique et généralistes, ce dont on peut douter vu ses de leurs problèmes, reprenant l’espoir d’un politique actuelle changera l’aspect de la actions comme ministre de l’économie. Il monde meilleur pour la classe populaire gauche française pour de nombreuses anse présente hors partis via le mouvement organisée, porté historiquement de 1920 à nées, tout comme l’échec de la révolte de « En Marche », dans ce contexte de crise 1990 par le PCF. Son programme politique mai 68 avait façonné le paysage politique politique. Sa candidature repose sur un clair porte un vrai projet social, et veut français pendant 40 ans. programme flou mais ouvertement libéral appeler une assemblée constituante pour


Migration 11

Du pessimisme teinté d’espoir Lors de sa prochaine assemblée annuelle en mars prochain, la Jeunesse Socialiste Suisse traitera un papier de position portant sur l’enjeu actuel de la migration. Pour bien comprendre que ce thème revêt un caractère particulier début 2017, une petite analyse de la situation internationale est requise. De Bertil Munk

Au sortir de la guerre froide, un optimisme Le nouvel ordre international fou quasi-inédit prévaut chez beaucoup Durant ce temps, les Etats-Unis perdent d’analystes bourgeois-e-s des relations petit à petit leur statut implicite de maîtres internationales. La démocratie libérale du monde acquis pleinement durant la accompagnée de l’économie de marché est seconde guerre mondiale. Leur rôle de en forte progression sur l’ensemble de la « civilisateur » part avec. En effet, le pouplanète. On pense alors que l’humanité voir de l’idéologie américaine, symbole connaitra bientôt uniquement cette forme d’émancipation politique et de liberté perd de gouvernance grâce à une augmentation de sa vigueur. C’est cette même puissance des échanges internationaux qui oblige- idéologique qui a légitimé l’extension aux ront mécaniquement les autocraties à ac- quatre coins du monde de l’impérialisme cepter le suffrage universel. Ceci étant, américain, sous différentes formes. Le jeu géostratégique en est aul’humain sera comblé et ne cherchera plus à trouver un autre système socio-écono- jourd’hui chamboulé. L’impérialisme ne recule pas pour autant, il tend juste à mique dans lequel vivre. se dépolariser à la faveur de l’émergence d’autres puissances. Les rapports entre Une désillusion totale Cette prophétie semblait se réaliser jusqu’à Etats deviennent progressivement plus peu, le « printemps arabe » étant l’un des utilitaristes qu’avant. On ne collabore plus derniers signes de cet espoir. Mais 2016 avec tel Etat car il ressemble idéologiquemarque un tournant décisif dans cette ment au nôtre mais car il peut nous être conception. Que ce soit Trump et son avantageux. De ce fait, les jeux d’alliance sont « America first ! » ou l’euroscepticisme ascendant, on assiste à une redécouverte bouleversés et l’instabilité internationale pure et dure du protectionnisme capita- est accentuée. Les Etats soutiennent une liste tel qu’il existait avant la première forte compétition pour prendre possession de zones géostratégiques importantes. Les guerre mondiale. Mais pourquoi une telle débâcle ? La tensions s’y exacerbent encore plus facileréussite théorique du néolibéralisme n’a ment et ces secteurs deviennent des bourtout simplement jamais fonctionné et les biers dont la solution est indéterminée. dérégulations totales n’ont pas empêché la croissance de ralentir. Malgré la valse Une vraie urgence médiatique de nombreux chiens de garde Face à une situation internationale ultra­ défendant un marché mondialisé, le tendue et des conflits régionaux interpeuple occidental n’a pas été entièrement minables, 2017 ne semble pas partie du dupe et a réagi face à la stagnation de son bon pied. Un aspect dans cette politique pouvoir d’achat, voir à sa détérioration. En internationale semble particulièrement découle cependant un malheureux repli sensible : celui de la migration. Certains partis spécifiques profitent effroyablenationaliste.

ment de cet enjeu pour améliorer leur poids. Ils n’hésitent pas à décrier la venue de réfugié-e-s en prescrivant comme unique solution une fermeture des frontières. Face à une politique si inhumaine à l’encontre de personnes en exil forcé en raison des situations délicates dans leur propre pays, il est nécessaire d’y opposer une vision progressiste. Surtout lorsque le nombre de réfugié-e-s ne tend pas à diminuer et qu’il faut prendre en conséquence ce sujet à bras-le-corps. Au-delà des personnes qui se voient contraintes de partir en raison de guerres, d’instabilités politiques ou économiques, le XXIe siècle verra apparaître une nouvelle forme de migration : celle due au changement climatique. Ainsi, la politique de l’autruche doit être interrompue car elle est intenable humainement. Ce problème doit être réglé à ses racines, en admettant l’impossibilité de faire disparaître les causes désolantes des migrations actuelles dans le cadre donné du capitalisme, puisqu’il en est lui-même la cause. En effet, à travers son impératif d’impérialisme, son modèle productiviste non-respectueux de l’environnement et sa création d’inégalités sociales, le capitalisme engendre une grande vague de migrations forcées et son alternative chauvine telle qu’elle émerge aux Etats-Unis, ne permettra pas d’y changer quoi que ce soit. Tout cela prouve que l’intérêt général de l’humanité va dans le sens d’un dépassement du capitalisme. La fin de l’Histoire n’est possible que si le système en vigueur ne possède plus de contradiction, tel n’est apparemment pas le cas aujourd’hui.


12 La dernière page

Ciel, mon capital ! Dialogue fictif mais sachlich* avec mon fiscaliste sur la nouvelle initiative de la JS. De Diana-Alice Ramsauer

Lorsque j’entre dans la maison néocolonialiste de mon fiscaliste, je me rappelle ce que mon pote m’avait dit : « t’inquiète, tous les fiscalistes sont de gauche ! ». A en juger par le marbre et les appliques aux murs, style « Melania Trump », je me dis que la gauche doit avoir sacrément changé. Je ne me décourage pas et je sonne chez « Lucien Van Doerbörk, expert fiscaliste ». Un café accompagné de quelques paroles de circonstance « ah, vous lancez une initiative ? C’est bien ces jeunes qui s’impliquent… » et nous prenons place dans son cabinet. Pour commencer, M. Van Doerbörk, je dois vous avouer que je n’ai pas compris la différence entre revenu et capital. Il éclate de rire. Toute interloquée, j’écoute sa réponse : Moi non plus, repond-il. En observant les baleines sous ses yeux et les vallées qui sillonnent son visage, je vois deux solutions : a) il était à l’Usine à Genève hier soir, b) la fiscalité est un produit bien plus dangereux que le Fendant… La différence est floue… mais, ajoute-t-il, la Confédération entend par revenu « la somme des biens et avantages économiques qui affluent durant une période déterminée vers un individu et que celui-ci peut utiliser pour la satisfaction de ses besoins personnels ou à d’autres fins, sans en amoindrir pour autant sa fortune. » Pour faire simple, c’est tout le pognon qui vous arrive sur le compte en banque histoire que vous puissiez payer vos factures d’assurance ou le cuisinier de votre résidence secondaire. C’est la seule définition qu’on ait ?

d’épargne. C’est les intérêts de 2,50 francs qui apparaissent le 31 décembre sur votre petit compte épargne d’étudiante. Et le revenu des titres, dans tout ça ? Exonérés de l’impôt fédéral et de l’impôt cantonal. Les titres et actions sont comptés dans la fortune, mais pas dans les revenus. Je vous l’accorde, selon la « doctrine fiscale » en vigueur : tous les gains découlant d’une plus-value devraient être soumis à l’impôt. Surtout que ces gains renforcent la capacité financière du contribuable déjà fortuné-e, alors même qu’il-elle a juste « laissé travailler l’argent ». Un Whisky pour faire passer les infos ? J’acquiesce. M. Van Doerbörk… je ne suis pas une grande connaisseuse en bourse… mais il me semble que certaines fois les détenteurs d’actions engrangent des gains, mais que d’autres fois… ils font des pertes. Les actionnaires voudront déduire cela de leurs revenus, non ? C’est là, pour moi la plus grande difficulté… Doit-on déduire ces pertes, comme si on déduisait des frais de transport ? Très honnêtement, je ne sais pas. Cela dit… qui a envie de garder des actions qui font des pertes ? Je finis mon Whisky, il est déjà tard. Je crois avoir compris une partie de la fiscalité. Du moins, suffisamment pour en déduire que nous avons raison : si en 2015 les 62 plus riches détenaient autant que la moitié de la population mondiale et qu’aujourd’hui, ils ne sont plus que 8, c’est que quelque chose dysfonctionne. L’argent trouve toujours un moyen de nous faire des petits dans le dos, surtout quand on en a beaucoup. Et ça, c’est en grande partie parce qu’il n’y a (presque) pas d’impôt sur le capital… J’avoue, je suis un peu écœurée…

Sacrebleu ! Ça va pas être facile… Et… un détail, C’est sûr, faire une initiative du genre « Ausländer Rauuuus! » aurait été bien plus simple ! me dit Van Doerbörk, d’un air malicieux.

me dit Van Doerbörk oui, mon cabinet est dans une maison de luxe. Le bling-bling, c’est juste pour l’image, pour attirer les gros poissons. Si je suis fiscaliste, c’est justement parce que je ne jure que par la redistribution des richesses.

Si on ne peut pas vraiment avoir une définition claire du revenu, au niveau fiscal, on a quand même plusieurs catégories de revenus. D’abord, il y a ce qu’on appelle les « produits d’une activité lucrative ». C’est assez simple : c’est le salaire. Ensuite, les revenus Je remets mon manteau, Van Doerbörk me fait un clin d’œil et de la fortune immobilière… ferme délicatement la porte derrière moi. Ouais, ça je connais… revenus locatifs, loyer abusifs, etc… Dans les grandes lignes, oui. Autre catégorie : les revenus

*Mot bien plus parlant en allemand qu’en français définissant non pas l’objectivité journalistique, mais l’honnêteté des propos vis-à-vis d’une réalité fact-checkable.

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infrarot 217  
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