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Zeitung der JungsozialistInnen • Journal de la Jeunesse socialiste Giornale della Gioventù socialista • Gasetta da la Giuventetgna socialista

5 La JS s’organise Un potentiel important existe en Romandie, mais …

6 Wem gehört Graubünden? Die Juso Graubünden auf der nicht ganz einfachen Suche nach Antworten

AZB 3900 Brig

rot h rouge rosso cotschen +++juso.ch+++

JUSO Schweiz, Postfach 8208, 3001 Bern Nr. 195, Mai 2011

9 – 11 Frische Köpfe Die GL ist zur Hälfte neu. Flo, Kristina, Meret und David im Gespräch

Bedenkliches hinter der Heidi-Fassade Die Schweizer Tourismusbranche boomt. Leider profitieren nur Wenige davon. Von Vivien Jobé

Zeichnung: Olga Baranova

Die Schweiz ist ein Ferienland. Wir haben unsere Berge, vermarkten unsere Städte, die schönen Hotels und gemütlichen Restaurants, und verdienen nebenbei eine goldige Nase daran. Im Jahr 2010 konnten dank dem Tourismus rund 31 Milliarden Franken eingenommen werden. Von diesen beeindruckenden Einnahmen sehen aber nur sehr Wenige etwas. Rund 200‘000 Menschen arbeiten in der Schweiz im Bereich Gastgewerbe/Hotellerie, eine Mehrheit davon Frauen – und vor allem MigrantInnen. Immer mehr übernehmen sie, wie auch im zweiten Niedriglohnbereich, dem Gesundheitssektor, die Jobs, die wir unter den Bedingungen und mit dem Lohn nicht mehr bereit sind zu verrichten. Es sind dies die Servierfachkraft im Restaurant, der Mann an der Rezeption, die Köchin, die dein Schnitzel brät – von Stellen in der Hauswirtschaft gar nicht zu sprechen. Oder: die Wäschereiangestellte, die das schmutzige Tischtuch wäscht, der unsichtbare Koch, der dein Schnitzel anbrät oder die dich bedienende Servicefachkraft. Weiter Seite 3


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INFRARot • JUSO • Mai 2011

Kommentar der Redaktion:

Gastronomie

Worte des Präsidenten

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Fortsetzung von Titelseite

«Eine Bewegung – viele Gesichter»

Liebe Jusos

Pluralismus ist gern gesehen – die Schweiz hat ja auch vier Landessprachen, 26 Kantone und 1001 Interessen.

Von Clau Dermont

Die repräsentative Vertretung und die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist gerade im zersplitterten Parteiensystem wichtig. Auch die Tradition der Konkordanz entstammte der Idee, die relevanten politischen Kräfte zu sammeln und einzubinden. Der Aufstieg der JUSO in den letzten Jahren stärkt die Partei, gleichzeitig kommt aber die Mühe dazu, alle Regionen in die nationale Politik einzubeziehen. Ein Symptom dafür: Italienischsprachige und französischsprachige GenossInnen sind meistens alleine oder in einer ganz kleinen Gruppe an JUSO-Veranstaltungen. Aber auch die GL-Wahl 2011 hat eine Konzentration gezeigt: Basel, Bern und die Bergkantone wurden nicht berücksichtigt, sondern St. Gallen über Züri bis Solothurn, mit je einem Ableger in der Romandie und einem in der Zentralschweiz. Der Kanton Zürich stellt sogar ein Drittel der GL-Mitglieder. JUSO, wie hast du’s mit dem Pluralismus? Wir müssen nicht nur wachsen und in den Gratismedien präsent sein – wie oft an der JV 2011 beschworen müssen wir auf die Sektionen achten und mit diesen zusammenarbeiten. Ein erster Schritt dazu ist sicher die Einbindung möglichst vieler Sektionen in die Gremien der JUSO, und den zukünftigen Verzicht der anderen auf eine übermässige Vertretung. Und um eine nationale Bewegung zu werden, brauchen wir ein starkes Standbein in der lateinischen Schweiz – Vive la JS!

Auf den Schlössern der Aristokraten sind Windfahnen installiert. Aufgestellt vom Geldadel, sitzen sie in unseren Parlamenten und ändern ihre politischen Meinungen je nach Grosswetterlage. Nur ihr Handeln ändert sich nicht, denn für diese Taten hat der Schlossherr sich die Windfahnen schliesslich gekauft. Die bürgerlichen PolitikerInnen wissen, dass sie nur solange dort sind, wie es dem Schlossherr passt. Und letztendlich bleibt die Kriecherei vor dem Geldadel die einzige Konstante bürgerlicher Politik. Genauso verhalten sie sich auch in den aktuellen Debatten: Ein wenig Geschrei um die Finanzkrise, eine Spur Empörung über die Boniexzesse und ein grosses Hallo bei Fukushima – aber das wars dann auch schon. Heute wollen sie nichts mehr wissen von einer effektiven Finanzmarktregulierung, nichts mehr von einer Bonisteuer und sie werden auch schon bald nichts mehr wissen wollen vom Atomausstieg. Die Halbwertszeit bürgerlicher Haltungen würden wir uns für den Atommüll wünschen. Die Linke geniesst hier eine unvergleichbare Freiheit. Wir müssen uns nicht den Denkblockaden von Milliardären unterwerfen, sondern können offen und ehrlich über zukunftsorientierte Politik nachdenken. Diese Chance müssen wir nutzen und haben sie im vergangenen Herbst auch gepackt. Die klare Linie, welche die JUSO und die SP mit dem Parteiprogramm entwickelt haben, macht uns glaubwürdig und erfolgreich. Dies haben die vergangenen Wahlen gezeigt. Dort wo wir uns nicht selbst zerfleischten und uns für den eigenen Mut verschämt entschuldigten, sondern selbstbewusst hin standen, dort sind wir auf die Siegerstrasse zurückgekehrt. In allen Kantonen leistet die JUSO einen beträchtlichen Beitrag für die Erneuerung der Sozialdemokratie und ein mutiges und selbstbewusstes Auftreten der Linken und damit für eine menschliche Gesellschaft. Diesen Beitrag werden wir auch bei den nationalen Wahlen im Herbst leisten müssen.

Wir sind der Bevölkerung und uns selbst aber auch noch Antworten schuldig. Wir müssen nun aufzeigen, wo wir mehr Mitund Selbstbestimmung fordern. Unsere Projekte für eine stärkere und vielfältigere Demokratie konkretisieren, sei es in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sowie politischen Bereichen. Diese Aufgabe wartet nun auf uns alle. Wir werden sie lustvoll und beharrlich anpacken. Zusammen werden wir überzeugen und vorwärts kommen. Ich freue mich diesen Weg gemeinsam mit euch allen zu gehen – lasst uns die Schlösser niederreissen.

im Namen der Geschäftsleitung David

Nicht nur Verbesserungen

Nachteile zu spüren, sei es die erhöhte Wo- ohne GAV. Dass es auch anders geht und man als Die meist jungen Menschen kommen für chenstundenzahl oder die Ruhetage die nur kleiner Restaurationsbetrieb schwarze Zaheine Saison bis zu einem Jahr in die Schweiz halb gewährt werden. len liefern und trotzdem eine faire Arbeitsund treffen hier auf vermeintlich, oder im situation für alle schaffen kann, durfte ich Vergleich zum Herkunftsland auch tatsächdiesen Winter erleben. Selbst in Spitzenzeilich komfortable Ausgangslagen was Lohn Ausbeuterische Zustände und Arbeitsbedingungen betrifft. Sehen wir Aber GAV hin oder her. Die Realität ist an- ten hatten die Mitarbeitenden fix zwei Tage uns den Gesamtarbeitsvertrag an, abge- ders, schlimmer, geht es doch in vielen Be- die Woche frei, Trinkgelder wurden an alle schlossen von der UNIA, der SYNA und der trieben (angeblich?) ums nackte Überleben. gleichmässig aufgeteilt, Stunden sorgfältig Hotel- und Gastro Union (die FDP-taugliche Also werden die Angestellten gebeutelt. notiert und mir als Praktikantin wurden Version einer «Gewerkschaft»). Zusammen Häufigste Ausrede: «Sorry, wir können uns mitten in der Hochsaison Ferien gewährt mit den Arbeitgeberverbänden haben sie nicht mehr Personal leisten», die Sechs Tage- (und Ferien gibt es auf Saison sonst nur per 2010 eine neue Woche über mehrere Mona- ausbezahlt oder zu Beginn oder Ende der Fassung vorgelegt. te im Saisonbetrieb ist nicht Saison). Durch diese Situation war also die Verbesserungen gibt Ausnahme, sondern die Re- Begeisterung und Leidenschaft, welche ein «Die Gastrobranche es in den Bereichen gel. Ausrede: «Es geht leider Gastrobetrieb haben soll, nicht aufgesetzt, leidet unter dem Druck Arbeitszeiterfassung nicht anders!», und so sind sondern ehrlich so gemeint. Ein Team, in der Profitsteigerung» (muss neu vom Ar12 Stunden Tage und Nacht- dem alle gleich viel wert sind, wo der porbeitgeber sicher gearbeit, auch für Lernende, tugiesische Spüler nicht Nebensache, sonstellt werden) und nichts Aussergewöhnliches. dern genauso ein Hauptakteur wie die Chef des 13. Monatslohns. Ab 2012 haben alle Das alles wird meist brav mitgetragen von de Pâtisserie und das gemeinsame Getränk Mitarbeitenden nach bestandener Probezeit Küche- und Servicemitarbeitenden, gerade nach Feierabend für alle Ehrensache ist. Wir das Recht auf einen 13. Monatslohn – et- von jenen, die aus einem Land kommen, wo wussten, dass wir von der Geschäftsführung was wofür schon lange gekämpft wurde und die Bedingungen noch schlechter sind. Die als Person und nicht als Arbeitskraft respekvon vielen Betrieben bis jetzt nicht geleistet weit verbreitete Akzeptanz von permanen- tiert worden sind und steckten diese Begeiswird. Die Kehrseite des neuen Vertrags ist ten Überstunden und fehlenden Ruhetagen terung jeden Tag neu in unsere Arbeit – was vor allem im Bereich der Saisonbetriebe an- kommt aber auch durch die Mentalität und natürlich auch beim Gast ankam. Es gibt sie zutreffen. So müssen Dienstpläne nur eine Einstellung, welche wir als GastronomInnen also diese Arbeitgeber, denen genauso etwas an Gerechtigkeit und den Woche im Voraus mitgeteilt werden (anstatt mitbringen: Wir sind sozial, Mitarbeitenden liegt wie regulär zwei Wochen), Ruhetage müssen wollen ein schönes Produkt an den Zahlen Ende des nicht aneinander sondern können auch als anbieten, Zeit haben für den «Lasst euch Monats. Nur sind es zu halbe Tage verstückelt gegeben werden und Gast, sind mit Leidenschaft nicht länger wenige um wirklich etwas die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 43.5 dabei und können nicht nein erpressen!» zu bewegen, die Branche Stunden (anstatt 42). Untragbar wird die sagen – beim Gast nicht und zu verändern und so werganze Situation dadurch, dass sich mit dem beim Arbeitgeber leider schon den wir nach wie vor auf neuen GAV auch nicht klassische Saisonbe- recht nicht. triebe als solche anerkennen lassen können Nur frage ich mich, ist es immer noch einen «fairen» Gesamtarbeitsvertrag ange– und in den Genuss der genannten «Vortei- Leidenschaft, wenn Köche schon nach we- wiesen sein. Und so lange es so ist, liebe Gourmädle» kommen. Ein Betrieb muss lediglich be- nigen Jahren am körperlichen und oft unweisen können, dass in einer oder mehreren terschätzten psychischen Druck zerbrechen, chen und Gastrofreunde, lasst euch nicht Hochsaisonzeiten überdurchschnittlich viel wenn GastgeberInnen ihre Abende mit Al- mehr länger mit Unwirtschaftlichkeit und Umsatz erwirtschaftet wird. So kommt es, kohol verbringen, weil Sie es anders nicht Personalmangel erpressen. Ob ihr als Lerdass zum Beispiel ein Hotel in der Messe- aushalten, wenn Servierfachkräfte nicht nende in diese Branche kommt oder einfach stadt Basel ohne Problem aufzeigen kann, mehr locker und höflich, sondern permanent als Aushilfen neben dem Studium: Lest den Gesamtarbeitsvertrag, informiert euch, steht dass sie während der Messemonate überpro- angespannt und genervt sind. portional mehr erwirtschaften, also ein SaiIch denke nicht. Und hier leidet unse- ein für das was euch zusteht und vor allem sonhotel sind, obwohl sie 365 Tage im Jahr re Branche, so schön sie auch gegen aussen helft anderen in eurem Betrieb wenn ihr geöffnet haben... So bekommen auch in ei- scheint, wie alle anderen unter dem Druck merkt, dass etwas schief läuft, steht ein, und nem solchen, an sich normalen, städtischen der Leistungs- und Profitsteigerung, wie sie ändert, was euch stört. Betrieb immer mehr ArbeitnehmerInnen die uns der Kapitalismus aufzwingt. Mit oder


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Romandie

INFRARot • JUSO • Mai 2011

GAV – Schutzschirme für die Hälfte der Beschäftigten Weil das Arbeitsgesetz in der Schweiz sehr schwach ist und die Arbeitnehmenden zu wenig schützt, sind Gesamtarbeitsverträge (GAV) umso wichtiger. Diese Kollektivverträge beinhalten verbindliche Bestimmungen zu Löhnen, Arbeitszeiten etc. Allerdings sind nur etwas mehr als 50 Prozent der Beschäftigten einem GAV unterstellt.

Von Pascal Pfister

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden GAV. Aber erst 1937/38 wurden die grossen GAV im Baugewerbe, der Maschinen- und der Uhrenindustrie abgeschlossen. Eine bedeutende Ausdehnung erfolgte nach dem 2. Weltkrieg, als auch in weiten Teilen des Gewerbes, in der Basler Chemie, bei Teilen der Nahrungs- und Textilindustrie GAV vereinbart wurden. 1950 lag die GAV-Abdeckung bei 50 % und die Möglichkeit der Allgemeinverbindlichkeitserklärung war eingeführt. In den krisenhaften 1990er Jahren sank der Abdeckungsgrad. Die Industriebeschäftigung ging zurück. Beschäftigungswachstum gab es nur im Dienstleistungssektor. Dieser war kaum gewerkschaftlich organisiert und deshalb gab es auch kaum GAV (Ausnahmen: Coop, Migros, Gastgewerbe und Banken). Zudem kamen die GAV mit dem Aufblühen neoliberaler Politikrezepte unter Druck. Vertragsinhalte wurden ausgedünnt und einzelne Verträge sogar aufgelöst (z. B. Strassentransport). Mit der Einführung der Personenfreizügigkeit wurde die Bedeutung kollektiver Verträge wieder breiter anerkannt und der Anteil der Unterstellten konnte wieder von 45 % (1998) auf 52 % (2010) gesteigert werden. Einen guten Überblick über die Geschichte, materiellen Inhalte und Bedeutung der GAV bieten die Artikel von Andreas Rieger.1+2

tivvertrag abgeschlossen hat, dann können die Behörden diesen Vertrag allgemeinverbindlich (AVE) erklären. Das heisst, er gilt für alle Firmen dieser Branche, auch wenn sie dem Arbeitgeberverband nicht angehören. Dies ist zum Beispiel im Bau- und im Gastgewerbe der Fall. Die Mindestlöhne und andere Schutzbestimmungen des LGAV im Gastgewerbe und des Landesmantelvetrages im Bau gelten ausnahmslos für alle Betriebe und Beschäftigten. Wie gut der Schutz durch GAV ist und wie stark er ausgebaut werden kann, hängt mit dem Kräfteverhältnis zusammen. Sind in einer Branche viele Arbeitnehmer organisiert, so haben die Gewerkschaften eine grössere Verhandlungsmacht. Dass der Dienstleistungsbereich noch nicht so gut geschützt ist, hängt vor allem damit zusammen, dass er eben nicht gut organisiert ist. Der gewerkschaftliche Aufbau in diesem Sektor wurde erst relativ spät ab Mitte der 90er-Jahre mit den nötigen Ressourcen in Angriff genommen.

Alle erwähnten Texte können bei pascal.pfister@unia.ch gratis bestellt werden. Andreas Rieger 2010. Entwicklung und Bedeutung der GAV. In: Movendo, GAV-Arbeitsbuch. 2 Andreas Rieger 2009: Entwicklung und Bedeutung der GAV in der Schweiz. In: Arthur Andermatt et. al. (Hrsg.) Handbuch zum kollektiven Arbeitsrecht. Basel: Helbing Lichtenhahn Verlag, S. 97-123 3 Daniel Oesch 2007: Weniger Koordination, mehr Markt? Kollektive Arbeitsbeziehungen und Neokorporatismus in der Schweiz seit 1990, in: Swiss Political Science Review 13(3): 337–68 1

Gemischte Bilanz

GAV werden zwischen Arbeitnehmervertretern (Gewerkschaften) und Arbeitgebern abgeschlossen. Manchmal mit einzelnen Firmen (so oft in der Industrie), manchmal mit einem Arbeitgeberverband einer Branche (vor allem im Gewerbe). Wenn ein bestimmtes Quorum aller Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer Branche einen Kollek-

Nach wie vor bleiben grosse Teile der Beschäftigten ohne gesamtarbeitsvertraglichen Schutz. Die Bilanz der Entwicklungen der letzten Jahre fällt denn auch gemischt aus. Man kann das Positive betonen wie Daniel Oesch2: Die wiedererlangte Anerkennung der GAV, die erleichterte Allgemeinverbindlichkeit, die neuen Verträge. Oder man kann wie Alessandro Pelizzari3 den Fokus auf bestehende Defizite legen

La JS romande s'organise Un potentiel important existe en Romandie, mais seule une forte collaboration entre sections nous permettra de l'exploiter pleinement.

Von Nicolas Buntschu

La Jeunesse socialiste a connu ces dernières années un essor impressionnant. En trois ans, le nombre de membres a plus que doublé, 130'000 signatures ont été récoltées pour l'initiative 1:12 et le parti est devenu incontournable dans les médias. Ce qui était principalement un conglomérat de sections est devenu un véritable mouvement national. Au niveau romand, la JS est probablement toujours le parti de jeunes le plus actif, mais elle n'a pour l'instant pas connu le même développement qu'outreSarine. La nationalisation des actions et de la communication, ainsi que le renforcement de la coopération entre les sections ont été

des facteurs décisifs pour le développement de la JS. Or, ces dernières années, les sections romandes ont travaillé de manière trop isolée, notamment après avoir quitté le comité directeur. Le potentiel existe en Romandie, mais les sections sont confrontées à plusieurs défis. La JS doit tout d'abord pouvoir s'imposer au niveau romand. Si les jeunes socialistes sont présents dans les médias locaux, ils sont encore pratiquement inexistants dans les médias transcantonaux (rsr, tsr, 20 minutes, etc.). C'est seulement en coordonnant les luttes et les actions entre sections romandes et avec la JS suisse que nous y parviendrons.

Souvent confrontées à un changement de génération, les sections doivent aussi se reconstruire. L'échange d'expériences joue ici un rôle primordial. Décidées à relever ces défis, les sections francophones s'organisent. Une coordination romande permet d'échanger et de collaborer. Un week-end sera organisé cet été, afin de mettre en relation les membres des différents cantons et de chercher à améliorer le travail dans les sections. Une collaboration sera aussi mise en place pour les élections 2011. Les possibilités sont très importantes en Romandie, mais ce n'est qu'ensemble et avec la JSS que nous les exploiterons pleinement.

und darauf verweisen, dass trotz GAV die Lohnschere weiter aufging und in vielen GAV schon lange keine substanziellen Verbesserungen mehr erreicht werden konnten. Wie auch immer man die Lage einschätzt, der notwendige Ausbau des GAV-Schutzes ist nur über eine bessere gewerkschaftliche Organisierung zu haben.

«Organize!»

Verbindliche Mindestlöhne

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Zeichnungen: Olga Baranova

Charakteristik eines SVP Politikers Wie denkt und handelt ein SVP-Politiker? Eine skurrile Geschichte bringt Aufschluss.

Von Fabio Höhener

Wir kennen sie alle: Spam-E-Mails in denen den Empfängern mit skurrilen, katastrophal von Google ins Deutsch übersetzten Geschichten Millionenbeträge versprochen werden. Oftmals muss man, um an das Geld heranzukommen, irgendeinem afrikanischen Geschäftsmann behilflich sein, eine horrende Summe ausser Landes zu schaffen. Ob wegen einer Diktatorenwitwe, eines Flugzeugabsturz oder der Flucht eines Geschäftsmannes, plötzlich ist Geld da, das nur mit deiner Hilfe verfügbar wird. Die Geschichten die zu diesem Betrug verwendet werden sind so absurd, dass ein vernunft-

begabter Mensch einen weiten Bogen um die unseriösen Angebote macht. Doch nicht so ein SVP-Mann: Der Waadtländer Kantonsrat war wohl ziemlich überrascht, als er von seinem vermeintlichen Glück erfahren hat. So erklärte ihm ein «Bankangestellter», dass sein Vater 12,5 Millionen Franken auf ein Konto in Togo (!) hinterlassen habe. Um an das Geld heranzukommen, müsse er nach Afrika reisen und einige Dokumente unterschreiben. Offensichtlich schaltete die Gier jegliche Vernunft aus: Der Herr Kantonsrat packte sofort seine Koffer und reiste unverzüglich nach Lomé der Hauptstadt von Togo. Am Flughafen wurde er bereits von Raymond Francis Akakpossa erwartet, der sich als Mitarbeiter der Togolesischen Bank vorstellte. Es kam, wie es kommen musste: Die beiden fuhren nicht zur besagten Bank, sondern geradewegs in einen Hinterhalt. Statt 12,5 Millionen zu erhalten, verlangten nun Entführer vom verdutzten Parlamentarier 1,5 Millionen Franken Lösegeld. Doch wer die Sparwut und Rappenspalter

der SVP kennt, wird nun nicht überrascht sein: Der Politiker handelte den Betrag für das Lösegeld von 1,5 Millionen auf lächerliche 7'000 Franken herunter. Ob die Entführer plötzlich Mitleid hatten oder ob sie den SVP-Mann einfach loswerden wollten, konnte bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden. qu'ensemble et avec la JSS que nous les exploiterons pleinement.


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INFRARot • JUSO • Mai 2011

Inspiration

Grundsatzfragen stellen – Das Projekt «Wem gehört Graubünden?»

Macht Unsinn Sinn?

«Politik ist ein Kampf um Deutungshoheit» oder «Wir müssen die Grundsatzfragen stellen», solche Sätze hört man oft, insbesondere im JUSO-Umfeld. Will man dies als JUSO-Sektion auf kantonaler Ebene konkret umsetzen, kommt man an Grenzen. Die JUSO Graubünden versucht mit der Lancierung des Generationenprojekts «Wem gehört Graubünden?» diese Grundsatzfragen auf kantonaler Ebene zu stellen.

Frauen auf Werbeplakaten wachsen Achselhaare. Schlaglöcher werden ausgehäkelt. In Zürich steht ein Auto aus Schnee ordentlich geparkt am Strassenrand. Im Park vor dem Pharmariesen steht plötzlich eine grüne Dusche. Die Coca-Cola Werbung erinnert zwar noch an Coke, irritiert aber irgendwie.

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Von Salome Bay

Von Lukas Horrer

Das Projekt «Wem gehört Graubünden?» wurde nach einer stundenlangen Sitzung geboren. Ursprünglicher Zweck dieser Sitzung war die Suche nach einem neuen Initiativprojekt nach der Ethik- (2007/2008) und der 1:12-Initiative. Ideen gab es viele, doch keine erweckte bei uns das erhoffte innere Feuer. Grundsatzfragen sollten mit der Initiative gestellt werden, gleichzeitig sollte sie etwas «Neues» sein. Doch ein Projekt welches diesen Forderungen entsprach, fanden wir nicht. Vermögenssteuern erhöhen, Pauschalbesteuerung etc. all das kannten wir schon und war auch nicht wirklich «neu» oder besonders «grundsätzlich». Was ist eigentlich «grundsätzlich»? Was heisst das konkret? Insbesondere dann, wenn diese Grundsatzfragen auf kantonaler Ebene gestellt werden und sie zugleich mehr als nur eine Geschichte in der «20 Minuten» sein sollen. Im Kern ist es dann eine Machtfrage. Die Frage – wem gehört Graubünden?

Allianz der fortschrittlichen Kräfte Um diese aber zu stellen, braucht es fundiertes und konkretes politisches «Know-how» – welches wir JUSO leider (noch) nicht haben. Auch die SP hat dieses offensichtlich nicht in gewünschtem Masse, sonst würde sie doch diese Grundsatzfragen längst stellen. Daraufhin setzten wir die AG «Wem gehört Graubünden?» ein. In drei Klein-

gruppen aufgeteilt, sollten die Bündner Kantonalpolitik und deren zentralen Politikbereiche grundsätzlich neu vermessen und aufgearbeitet werden. Wir konzentrierten uns in den Gruppen auf Boden- und Wohnbaupolitik, auf Wirtschaft, Finanzen & Tourismus, und auf die Energiepolitik. Externe ExpertInnen der jeweiligen Themengebiete wurden beigezogen. Diese Einbindung führte den Vorteil mit sich, dass so im weitesten Sinne eine «Allianz der fortschrittlichen Kräfte» geschmiedet wird. Ergebnis dieser Arbeit sollen konkrete politische Vorstösse und Initiativprojekte sein, welche die grundsätzlichen Fragen richtig stellen und dem Neoliberalismus endgültig den Boden unter den Füssen wegziehen – auch auf kantonaler Ebene. Klar, dies ist Knochenarbeit. Die Gefahr, dass das Projekt neben der Alltagsarbeit untergeht, besteht. Auch medial ist es sicherlich nicht das attraktivste Projekt. Es bietet aber die Möglichkeit, ein Fundament zu schaffen auf welchem unsere Generation ihre politischen Projekte aufbauen kann. Mit der Zeit merkten wir, dass dieses Projekt richtig, aber wohl eine Schuhnummer zu gross ist für eine kantonale JUSO Sektion. Am kommenden Parteitag der SP Graubünden wollen wir deshalb mittels einer Resolution dieses Projekt innerhalb der SP vorantreiben. So kann unsere Generation in der SP integriert und die generationenübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden. Wir sind überzeugt, dass der Mut zu einer langfristigen Strategie richtig ist und sich ausbezahlen wird – wenn auch nicht sofort.

Urban Interventions, Streetart, urbane Kleinkunst – es gibt viele Namen für solche Irritationen des Alltags. Gemeinsamkeit aller Street-Art-Varianten ist, dass sie kostenlos zugänglich und außerhalb etablierter Orte der Kunstvermittlung anzutreffen sind. Ein Beispiel-Künstler ist Bansky, der Engländer mit den Schablonengraffitis, den mittlerweile alle kennen. Die Anzahl Leute, die auf ihre Art zur Kunst im öffentlichen Raum beitragen, ist aber endlos. Sehr oft werden auch auf Signaturen, die auf eine bestimmte Künstleridentität schliessen lassen würden, verzichtet. Die Kunst taucht «über Nacht» auf und am nächsten Tag ist in der Stadt irgendetwas anders. Die Motive der Künstlerinnen und Künstler sind nicht einfach zusammenzufassen. Auch die Techniken beschränken sich lange nicht nur auf Spraydose und Farbe. Längst nicht jede Figur und jedes Plakat ist politisch gemeint, es sei denn man betrachtet schon das unerlaubte Aufstellen als politischen Akt. Oft geht es auch nur darum, Orte zu verschönern, mit Räumen zu spielen, und bei Passanten eine Reaktion zu provozieren - durch wohldurchdachten Nonsens. «Je subtiler die Botschaft ist, umso empfänglicher sind die Leute für sie. Gegen dicke Slogans haben viele eine automatische Abwehrreaktion», meint eine junge Winterthurerin, die sich manchmal, aber bei weitem nicht immer, mit ihren Aktionen politisch einmischt. Die Motivation hinter ihren Installationen sei es, die Leute mit etwas Eigenartigem aus dem Alltagstrott herauszuholen, so dass sie die Welt anders und aufmerksamer anschauen. So erhält plötzlich die Toilette, die in einem Passfoto-Automaten eingerichtet wurde, durch ihren Unsinn Sinn. Streetart spielt oft mit Imitation, Redefinition und Irritation. Der Basler Streetartist Bustart hat zum Beispiel in ganz Basel Plakate aufgehängt, die wie Werbung aussehen. Der einzige Unterschied zu «richtiger» Werbung ist, dass es das beworbene Produkt schlicht nicht gibt. Der Londoner

Künstler Eyesaw greift noch stärker ein und ersetzt gezielt Werbungen mit seinen Kunstwerken: «Es befriedigt mich sehr zu wissen, dass ich eine Scheiss-Werbung entfernt und mit einem meiner Werke ersetzt habe, und vielleicht wird jemand dadurch angeregt, über die Abgründe der Gesellschaft nachzudenken». Aber auch im Raum Zürich erfolgt dieses sogenannte «adbusting». Im Frühjahr wurde zum Beispiel ein APG-Schrank mit einem Plakat, welches auf das hundertjährige Jubiläum des internationalen Frauenkampftages aufmerksam machte, aufgewertet.

Streetart – unser Freund und Helfer? Die endlose Vielfalt an Aktionen und der subversive Charakter dieser Kunstform macht Streetart auch für die JUSO interessant. Streetart beansprucht den öffentlichen Raum und verlangt Freiraum für alle, statt eine Stadt für wenige. Streetart ist gratis und oft auch implizit konsumkritisch. Streetart regt an und hinterfragt. All dies sind Vorstellungen und Ideale, die der JUSO und der Streetart gemeinsam sind. Abgucken ist erlaubt, denn Patente gibt es keine. Greenpeace hat zum Beispiel nach Fukushima in ganz Europa auf Atommeiler kritische Botschaften und Bilder pro-

Adbusting: Eyesaw schreddert Plakate

jizieren. Die zahlreichen Internetblogs zu Streetart dienen als grossartige Inspirationsquelle. Vorbeischauen empfohlen!

AKW: Greenpeace projizieren auf Atommeiler

Links www.rebelart.net www.graffitiresearchlab.com www.bleib-passiv.de Buchtipp Urban Interventions: Personal Projects in Public Places, Die Gestalten Verlag

Irritation beim Einkaufen: Was ist normal?

Irgendwie anders: ein Passfoto-Klo


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INFRARot • JUSO • Mai 2011

Juso Schweiz

Und was machst du ab September?

Das InfrarotRedaktionsteam sucht Verstärkung!

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Interview – Samira Marty fühlt den neuen Mitgliedern der GL der JUSO Schweiz auf den Zahn

Die neuen Geschäftsleitungsmitglieder

b Bewir dich! So einiges hat sich im Zentralsekretariat verändert: Kristina Schüpbach ist die neue JUSO-Zentralekretärin, die 1:12-Initiative ist endlich erfolgreich eingereicht geworden und die Seki-Crew arbeitet nun im neuen Büro im 3. Stock. Und ein weiterer Wechsel hat stattgefunden: Für Lisa Häusermann ist die Zeit als Praktikantin im Seki nach drei ereignisreichen Monaten, die ihr sehr gefallen haben, leider auch schon wieder vorbei. Ab Mai wird nun Fabio Peter aus der JUSO Obwalden mit der soeben absolvierten Matura in der Tasche in Bern JUSO Luft schnuppern. Wenn auch du Lust hast, einen Blick hinter die Kulissen der JUSO zu werfen und ab Anfang September noch nicht ausgebucht bist, dann pack doch die einmalige Chance: Bewirb dich für das Praktikum im JUSO-Seki! (Bewerbung und Lebenslauf an: info@juso.ch)

Welches sind eure politischen Schwerpunkte oder Kernthemen in der JUSO Schweiz als Mitglieder der Geschäftsleitung?

Hast du Lust, in einem kleinen Team sechsmal jährlich das Infrarot herauszugeben?

Du wärst ein Teil des regulären Redaktionsteams und hast die Möglichkeit, die Gestaltung des Infrarot mitzuprägen. Themen bestimmen, Artikel schreiben und delegieren und der Feinschliff der Ausgaben gehören zu deinen Aufgaben. Wenn du dir schon lange etwas vom Herzen schreiben wolltest, du der Meinung bist, dass das Infrarot dringend mal gepimpt werden muss oder du einfach auf der Suche nach einem neuen superduper Hobby bist, dann schick deine Bewerbung bis am 6. Juni an redaktioninfrarot@juso.ch. Falls du noch Fragen hast, nur raus damit!

Tweet an Köppel

Florian: Diese sind eine Überschneidung mit meinen Ressorts «Sektionen», das ich mit Seraina leite und die Aufgabe des internationalen Sekretärs: Ich konzentriere mich als Student auf studentische Politik und Sektionsarbeit. Ein weiteres klassisches Thema von mir, wo ich mich immer dafür engagiert habe, ist der Antifaschismus. So würde ich zum Beispiel gerne eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema gründen. Meret: Einerseits finde ich Mitspracherecht für alle Mitglieder zentral. Im kommenden Wahlkampf finde ich wichtig, dass nicht die Geschäftsleitung der Juso Schweiz Wahlkampf betreibt, sondern die Sektionen. Die GL soll dabei unterstützend sein und Aktionen koordinieren. Mein grosses Projekt ist das Ressort Bildung, das ich zusammen mit Mattea betreue. Wir wollen vor allem unsere Mitglieder bilden und Sektionen zu vernetzen.

Welche Rolle hat die Geschäftsleitung in der JUSO Schweiz?

Hey Roger: Du kritisierst, dass der BR bei den Grossbanken mitreden will, wenn wir mitzahlen. WTF? Wo‘sn Dein Demokratieverständnis geblieben?

Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, war an der diesjährigen JV und durfte freudigerweise ein Infrarot-Abo mit nach Hause nehmen. Das wichtigste JUSO-Magazin hat jetzt also einen direkten Versand in die journalistische Hochburg der Rechtsbürgerlichen.

Das Infrarot möchte Roger nun auf die Sprünge helfen: in Twitter-Kürze erklären wir ihm die Welt und was an seinen Kommentaren falsch ist. Auf dass die Weltwoche über die Welt von Roger hinausgeht und nicht nur der Hochfinanz und Wirtschaftslobby nacheifert!

Meret: JUSO Schweiz ist nicht gleich GL Juso Schweiz. Die Koordination ist mir am wichtigsten. Florian: Die GL hat vor allem eine administrative und koordinierende Rolle.

Was zeichnet die Ära Wermuth resp. Roth aus? Florian: Die «Ära Wermuth» ist geprägt durch stärkere Medienpräsenz, unter anderem auch durch eine gewisse Personifizierung. Diese Zeit hat uns sehr viel gebracht, vor allem der Anstieg der Mitgliederzahlen. «Ära Roth»: Wir sollten es schaffen, diesen Drive der letzten Jahre zu behalten und weiterhin medienpräsent zu sein: Aber

nicht nur, dass wir wegen unseres Aktionismus auffallen, sondern weil wir uns trauen, das zu sagen, was sich sonst niemand traut. Diese Botschaft sollte von einer Vielzahl von Köpfen repräsentiert werden, damit die JUSO Schweiz als Bewegung wahrgenommen wird.

Wie siehst du die Beziehung zwischen JUSO und SP heute und was sollte sich ändern? Florian: Die Beziehung sollte nicht wie eine Mutter- und Tochterpartei sein, sondern eine Partnerschaft. Durch unseren Drive und Aktionismus helfen wir der SP massiv, diese gibt uns wiederum finanzielle Unterstützung. Aber wichtig ist: Wir sind nicht die kleinen, süssen JUSOS, die man auch zurückpfeifen kann. Wir machen seriöse Politik und ziehen das durch, auch gegen den Widerstand der SP.

Gehört die SP noch in den Bundesrat? Meret: Ja, momentan auf jeden Fall, das ist wichtig. Allerdings kommt es auch noch auf die zukünftigen Bundesratswahlen an, je nach Resultat ist der Rücktritt eine Option, die man sich überlegen muss. Florian: Ich bin Befürworter einer Opposition. Wenn die SP es schafft, sich vom Diktat der Konkordanz zu lösen, dann kann sie im Bundesrat bleiben. In der Vergangenheit hat es aber oft Situationen gegeben, wo SP-Bundesräte Mehrheitsentscheide mittragen mussten, die sich überhaupt nicht mit dem Gedankengut des Sozialismus vertragen haben.

sein: Wir haben viele marxistische Mitglieder. Da ich Teil einer linken Bewegung bin, legitimiert sich meine Position als Geschäftsleitungsmitglied.

Kann man zu jung für Politik sein? Meret: Ich glaube, dass das gesammelte Wissen und die politische Erfahrung wichtiger sind als das biologische Alter. Es kommt auch darauf an, wie stark man bereit ist, sich auf Neues einzulassen.

«Wir sind nicht die kleinen, süssen Jusos, die man zurückpfeifen kann»

Florian Sieber ist 21 Jahre alt, Mitglied der JUSO Winterthur und studiert an der Uni Zürich Geschichte, Deutsche Literatur und Skandinavistik. «Juso Schweiz als Mitmachorganisation»

Meret Herger ist 18 Jahre alt, Mitglied der JUSO Stadt Zürich und macht im Frühsommer die Matura. Nachher will sie in Luzern Rechtswissenschaften studieren.

Wie reagierst du auf den Vorwurf, du seiest zu links für eine GL der Juso Schweiz? Florian: Dies halte ich für komisch, denn die GL sollte das Spiegelbild ihrer Basis

Meret Herger und Florian Sieber


10 INFRARot • JUSO • Mai 2011

Juso Schweiz 11

Interview mit Kristina Schüpbach und David Roth

In Luzern konnte die JUSO und die SP bereits grosse Erfolge verbuchen. Du selber bist frischgebackener Kantonsrat.

«Die SP gewinnt dort, wo die JUSO stark ist»

David: Tatsächlich waren wir in Luzern bei den Kantonsratswahlen sehr erfolgreich. Die SozialdemokratInnen haben drei zusätzliche Sitze gewonnen, einer davon ist von Hasan Candan auf der JUSO-Liste.

An der Jahresversammlung vom vergangenen März wählten die Delegierten Kristina Schüpbach in das Zentralsekretariat, David Roth wiederum zum neuen Präsidenten der JUSO Schweiz. Was die beiden mit der JUSO vorhaben, erfahrt ihr exklusiv im Infrarot-Interview.

Was können die anderen Sektionen von Luzern lernen?

Kristina, du bist neu im Seki. Die JUSO hat immer mehr Mitglieder, was zu einem Mehraufwand führt. Ist die Arbeit mit dieser dünnen Personaldecke noch zu bewältigen? Kristina: Seit ich meine Stelle angetreten habe, hat die JUSO bereits wieder hundert Neumitglieder erhalten. Das bedeutet natürlich auch einen beträchtlichen Mehraufwand. Wir erhalten viele Mails und versuchen so gut wie möglich unsere Mitglieder zu betreuen. Zum Glück kann ich mit Andrea Jerger und Lisa Häusermann auf gute Mitarbeiterinnen zählen. Aber es ist klar, wenn die JUSO so weiter wächst müssen wir unser Personal aufstocken.

Wie versucht ihr mittelfristig die Arbeit zu bewältigen? Kristina: Zurzeit sind wir dabei den Sektionen zu ermöglichen, die Mitgliederdatenbank selber zu verwalten, so wie es bei der SP schon der Fall ist. Das könnte bei uns für Entlastung sorgen. Aber natürlich ist der Arbeitsaufwand wegen den vielen Mitgliedern ein schönes Problem. Kristina: «Wir sind nicht gewählt worden, um in so kurzer Zeit den SP-Karren aus dem Dreck zu ziehen»

David: Die Ziele hoch ansetzen und diese auch mit voller Überzeugung und vollem Einsatz versuchen zu erreichen. Auf jeden Fall haben wir ein sehr pointierten Wahlkampf geführt und uns auf den Kontakt mit der Bevölkerung konzentriert. Vor allem Hasan Candan hat einen unglaublichen Wahlkampf hingelegt. Dieser Sitz ist auch zum grossen Teil ihm und seinem riesigen zeitlichen Engagement zu verdanken. Die Parteileitung würde gerne Jusos im Nationalrat sehen. Von Fabio Höhener und Clau Dermont

Ihr seid also die neue Parteispitze. Was für Projekte können wir in der nächsten Zeit erwarten? David: Wir sind gerade daran zwei neue Initiativen zu lancieren (lacht)… Nein, natürlich nicht! Ich denke die JUSO hat es geschafft mit der 1:12-Initiative ein wichtiges Thema zu besetzen. Mit der zustande gekommenen Initiative haben sich für die JUSO auch neue Horizonte aufgetan. Wir sind ein politisches Gewicht geworden und müssen jetzt in allen Sektionen beweisen, dass wir Verantwortung übernehmen und konkrete Schritte zur Demokratisierung der Gesellschaft und der Wirtschaft aufzeigen können. Wie können die Menschen mehr Selbst- und Mitbestimmung erreichen? Wie können wir gesellschaftliche Zwänge überwinden? Diese Fragen stellt sich die JUSO Schweiz und wird dazu Lösungen aufzeigen.

Ist aber nach der Einreichung der 1:12-Initiative nicht das mögliche Potential der JUSO bereits ausgeschöpft? David: Nein, definitiv nicht! Wir sind zwar an einem Punkt angelangt in dem Kleinparteien weit weniger und Grossparteien nicht viel mehr Aufmerksamkeit haben als wir. Doch Potential erkenne ich bei der politischen Durchschlagskraft. Wir haben jetzt 80 Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Zum einen können wir da noch viel

mehr sein und zum anderen können wir in den Parlamenten wie auch in der ausserparlamentarischen Arbeit noch viel effektiver wirken zum anderen. Es gibt noch viele Sektionen die noch nie einen eigenen Wahlkampf gemacht haben oder jetzt zum ersten Mal bei Wahlen antreten. Da ist noch viel Potential vorhanden. Du sprichst die Nationalratswahlen im Oktober an. Dort wäre ja auch noch Potential vorhanden. Wie viele Sitze holt sich die JUSO? Und wo? Kristina: Es ist schwierig bereits jetzt eine Prognose abzugeben. Aber es ist klar, wir haben in vielen Kantonen einige gute Kandidatinnen und Kandidaten, die auch auf aussichtsreichen Plätzen auf der SP-Liste stehen. Ziel muss es sein, mindestens einen Sitz zu erreichen. Doch die Chancen bestehen durchaus für zwei bis drei. Auf jeden Fall gibt es mehr als nur eine Personen der Chancen auf den Einzug ins Parlament hat. Wir dürfen aber nicht nur den Fokus auf unsere SpitzenkandidatInnen setzen. Es werden über hundert JUSOS auf den Listen stehen und sich im Wahlkampf engagieren – auch ohne Aussicht auf die eigene Wahl. Alle werden aber dazu beitragen, dass die SP ihre Sitze mindestens halten kann oder gar Wähleranteile dazugewinnt. Unser Ziel ist nicht nur Sitzgewinne sondern auch einen coolen und erfolgreichen Wahlkampf zu gestalten und unsere Ideen in die Bevölkerung zu tragen.

David: Hauptziel ist es, die Wahlen für die SP zu gewinnen. Die letzen Wahlen haben gezeigt, dass die SP nur dort gewinnt, wo die JUSO stark ist. Also überall wo junge Linke Bestandteil der Sozialdemokratie ist. Wie Kristina gesagt hat müssen wir überall mit der Bevölkerung das Gespräch suchen und mit den Leuten diskutieren. Natürlich ist es auch wichtig dass die Sektionen Erfahrungen sammeln und dass ihnen der Wahlkampf Spass macht. Was ist, wenn diese Ziele nicht erreicht werden…? David: …was? Spass?! (lacht) Nein, was wenn die SP verliert? Bereits Zeit für euch zurückzutreten? Kristina: Ich glaube nicht. Wir sind ja nicht gewählt worden, um den SP-Karren in so kurzer Zeit aus dem Dreck zu ziehen (lacht). Wenn die SP verliert… David: Die SP verliert nicht! Das war eine ketzerische Frage. Kristina: Stimmt! Die Wahlen sind aber noch nicht das Ende der Geschichte. Wie wird es mit der JUSO weiter gehen und auf was für Schwierigkeiten müssen wir uns gefasst machen? Kristina: Auf die Fragen, welche wir mit der 1:12-Initiative aufwarfen, müssen wir

uns weiter konzentrieren. Doch wir brauchen sicher weitere Projekte um auf nationaler Ebene Themen zu setzen.

Wie werden dafür die welschen Sektionen und das Tessin ins Boot geholt? David: In der Romandie werden wir das wieder hinkriegen. Ich habe bereits Gespräche geführt mit Leuten aus diesen Sektionen, die bereit sind sich auch aktiv in der JUSO Schweiz zu beteiligen. Allen voran ist natürlich GL-Mitglied Nicolas Buntschu stark daran diese Regionen zu mobilisieren.

Mit dir, Priska Lorenz und Ylfete Fanaj wurden auch junge Linke auf der SP-Liste gewählt. Inwiefern spielt dabei die Zusammenarbeit mit der SP eine Rolle? David: In Luzern ist der SP das gute Verhältnis zur JUSO sehr wichtig.. Viele ehemalige oder noch aktive Jusos übernehmen in der SP Verantwortung – ob in der Geschäftsleitung oder als engagierte Basismitglieder. Das ist etwas, was die SP in der ganzen Schweiz begreifen muss: Die JUSO hat ein unglaubliches Potential nicht nur innerhalb der Jungpartei sondern auch bei der Mutterpartei. Nur mit dieser guten aber kritischen Zusammenarbeit können wir erfolgreich sein.

Werden wir in naher Zukunft einen SP-Vizepräsidenten David Roth erleben? David: (lacht) Über die Wahl des Präsidiums entscheiden die SP-Delegierten… Steht deine Kandidatur in Aussicht? David: (zögert) Ich finde das sinnvoll und bin mir sicher, dass sowohl die JUSO als auch die SP das Interesse hat, diesen gemeinsamen Weg zu gehen. David: «Die SP wird die Wahlen nicht verlieren»


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Wir fahren nach Chandolin VS!

Die 1:12-Initiative ist endlich eingereicht!

Ob Schnellbleiche vor den ersten Nationalratswahlen oder als Intensivcamp für das darauffolgende Mandat: Komm vom 2. bis 7. August ins Sommerlager 2011 in den Walliser Bergen! Verpasse es nicht, wenn 150 Jugendliche aus der ganzen Schweiz zusammen diskutieren, lernen und Spass haben. Was tun gegen Rechtsextremismus? Braucht’s Atomkraftwerke? Dies und viel mehr kannst du in den Workshops erfahren. Anmelden auf www.juso.ch

Impressum Herausgeber: Infrarot – Infrarouge – Infrarosso – Infracotschen · Spitalgasse 34, PF 8208, 3001 Bern, www.juso.ch, www.jss.ch · Kontakt: infrarot@juso.ch, 031 329 69 99 · Redaktion: Clau Dermont, Salome Bay, Fabio Höhener, Samira Marty, Kristina Schüpbach · Design & Layout: art.I.schock GmbH, Zürich, www.artischock.net · Druck: S & Z Print, 3902 Brig-Glis · Abo: Fr. 20.– / Jahr – Infrarot erscheint 6 Mal pro Jahr

Infrarot Nr. 195  

Das Infrarot ist das offizielle Publikationsorgan der JUSO Schweiz.

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