Page 1


Fotos: Niester

Ruprik || „Go Szenen TextParc“, Münster

Start geglückt: Vor allem an Samstagen strömt vermehrt älteres Publikum in die Großdiscothek.

Notwendige Neuausrichtung Gut gefüllt war der „Go Parc“ bis zuletzt. Doch das Image hatte gelitten, und vier Jahre nach dem letzten Umbau war die Renovierung längst fällig. Hinter den Kulissen war aber wesentlich mehr geschehen.

B

egeistert schlendern die Gäste durch die drei Areas und das große Foyer und spüren den neuen Zeitgeist, der in den „Go Parc“ eingezogen ist. LED und vor allem Video lassen den Tanzpalast erstrahlen. Das neue Design und die verbesserte Musikausrichtung kommen an.

mehrt zu Schlägereien und Alkoholexzessen kam, war der Ruf in der Öffentlichkeit rasch ruiniert. Doch im Gegensatz zum Sprichwort lebt es sich damit gar nicht ungeniert. Die Gäste wurden immer jünger. Der „Go Parc“ war als „Teenie-Bude“ verschrien.

Seit im Herbst 2000 erstmals im Kinokomplex in Münsters Süden zur Disco gerufen wurde, stand das Objekt im Kreuzfeuer. Nach dem „Bellagio“ und den „Nachtstudios“ zog im Februar 2006 der „Go Parc“ ein. Das neue Konzept traf voll ins Schwarze, doch Münster war nie ein einfaches Pflaster. Die Massen strömten, doch die örtlichen Medien beäugten den Mainstream-Tanzpalast stets kritisch. Das ist der Fluch der Unistadt. Als es dann im Umfeld der Discothek ver-

Auslöser für den Umbau war letztlich aber die Trennung des GeschäftsführerDuos Michael Büter und Thorsten Bruns. Büter übernahm allein das Ruder und blies zum Neustart. Bruns, der in Wildeshausen die „Fun Factory“ betreibt, tritt jetzt kürzer – bald soll er Vater werden. „Programm und Design waren nicht mehr aktuell“, sagt Michael Büter, seit vielen Jahren einer der ganz Großen im Nachtgeschäft. Der Tanzpalast sollte wertiger positioniert werden. Dafür

76 disco-magazin 4/10


„Rheinsubstanz“, Bad Honnef | Szenen

Alte Problemzone: Die Eingangssituation wurde jetzt verbessert, und auch die neue Security macht einen guten Job.

Unverzichtbar: Ruhezone am Rand des Main-Floors mit loungigen Sitzmöbeln

Auf der Suche nach neuen Zielgruppen: Vor allem älteres Publikum soll sich vom modernen hellen Design angesprochen fühlen.

nahm der bekannte Gastronom, der in Herford einen weiteren „Go Parc“ betreibt, rund eine Viertel Million Euro in die Hand. Engagiert wurde für den Innenausbau mit Karl-Heinz Stapper einer der erfahrensten seines Metiers. Der Kölner hatte bereits für Michael Büters Vater im Legdener Dorf Münsterland gearbeitet und Ende der 90er-Jahre auch schon mal den Herforder „Go Parc“ umgebaut. Büters Konzept ist schnell erklärt. Zunächst wird der „Go Parc“ aufgesplittet und damit verkleinert. Der ehemalige Party-Floor im gläsernen Areal zur Straße hin wird komplett selbstständig betrieben. „Bailando“ heißt der neue Club für Publikum ab 30 Jahren. Eigener Eingang, eigene Garderobe, eigene Sanitäranlangen und vor allem ein eigener Auftritt sollen Münsters ältere Jahrgänge zum Tanzen in Steinwurfweite der beliebten Hafenmeile bewegen. Die Eröffnung war Ende März. Auf dem überwiegenden Teil – rund 2000 qm – erstreckt sich weiterhin der „Go Parc“. Heller, lichter und stylischer ist der Großbetrieb geworden. KarlHeinz Stapper, Chef des Kölner Ateliers für Architekturdesign, blickt ein paar Wochen zurück. „Da war der Muff drin“, erinnert er sich, „meine Vorstellung von einem stylischen Laden hat immer etwas mit Glamour zu tun. Da muss etwas Zündendes kommen, es muss knistern.“ Kein leichtes Unterfangen, denn die Grundarchitektur konnte nicht entscheidend beeinflusst werden, und das Investitionsvolumen hielt sich in Grenzen. Für Stapper eine echte Herausforderung, die er bestens gemeistert hat. Der neue „Go Parc“ hat Flair, wirkt innovativ und zugleich heimelig. „Ich habe Cocooning geschaffen durch kleine, in sich abgeschlossene Einheiten“, erklärt der Designer, und man mag glauben, dass dies das Tanzpalast-Konzept des neuen Jahrzehnts werden könnte. disco-magazin 3/10 77


Viel Platz für Umsatz: Der lange Tresen in der „Halle“ erhielt beim Relaunch speziell angefertigte Pendelleuchten.

Der komplette Betrieb, der früher mit Teppichboden ausgelegt war, erhielt nun robustes Industrielaminat. Das Foyer wirkt aufgeräumt, großzügiger und lädt mit der neuen Relaxzone zum Verweilen ein. In der „Main-Area“ mit dem Namen „Halle“ hat Karl-Heinz Stapper eine Theke versetzt und zur Cocktailbar erkoren, neue Podeste eingezogen und Sitzbereiche mit loungiger Möblierung konzipiert. In den Laufzonen und über den Bars hängen große Pendelleuchten, allesamt Spezialanfertigungen und damit Unikate. Den optischen Kick unterstreicht das neue Videokonzept, für das Jacek Krawczyk, Inhaber von J C Music Veranstaltungstechnik aus Minden, verantwortlich zeichnet. Der innovative Technikdienstleister hatte bereits im Meller „Sfera Club“ für Furore gesorgt und konnte nun auch in Münster sein Können unter Beweis stellen. KarlHeinz Stapper lobt die vielfältigen Synergien, die dadurch entstanden sind. „Die Zusammenarbeit von Raum- und Lichtgestaltung ist wichtig. Das ist ein gegenseitiges Befruchten“, so Stapper. Allein 40 vorstehende Kästen hat Krawczyk an die Wände montiert und mit kleinen LCD-Monitoren versehen, die eine aufregende Bühne für kreatives Design schaffen. Insgesamt neun Optoma Videobeamer erreichen eine neue Dimension abseits der klassischen Lichtshow. „Wir können die Bildschirme und die Beamer alle einzeln ansteuern“, sagt Krawczyk. Gearbeitet wird in Münster mit der „Video Processing Unit“ von MA-Lighting. Michael Büter über Innendesigner Karl-Heinz-Stapper:

„Ich bin froh, dass er hier war. Das Design ist nicht von der Stange, das wächst und entwickelt sich.“

Entscheidend für den Erfolg des „Go Parc“ ist aber vor allem auch das Musikprogramm. Während der House-Club und der Black-Bereich „Groove“ nur eine Stilrichtung bedienen, wird in der Main-Area mit neuem Konzept und neuen DJs ein neuer Weg gegangen. Michael Büter hat den Radiosender 1Live zum Vorbild erkoren. „Wir spielen maximal drei Songs einer Musikrichtung“, erklärt er, „dann kommt etwas Anderes. Es wird also mehr Breaks geben.“ Büters Mann vor Ort ist der neue Clubmanager Alexander Scholz. „Wir haben festgestellt, dass bei 1Live andere Musikanteile laufen, als sie bei uns liefen“, so der 27-Jährige, „und 1Live liegt sicher nicht falsch – der Sender läuft gut.“ Querbeet ist folglich angesagt. „Das ist eine ganz klare Ansage für die DJs“, sagt Scholz, „gespielt wird alles, was massendiscotauglich ist.“ Dabei hat Alexander Scholz in den letzten Jahren im Clubbereich gearbeitet. Als Partyveranstalter hatte er Off-Locations gefüllt, dann in Verl das „Get Nacked“ geleitet. „Damals hat er mir immer die guten DJs vor der Nase weggeschnappt“, wirft Michael Büter ein. Zuletzt war Scholz Mitbetreiber des Indie-Rockclubs „Untergrund“ in Bochum. Den Einstieg in die Branche hatte er jedoch ausgerechnet bei Michael Büter absolviert. Als dessen erster Auszubildender zum VeranstaltungsKaufmann hatte er in Herford das Business von der Pike auf gelernt. Ende 2009 kamen die beiden dann wieder zusammen. „Ich habe Leute gesucht, die anders sind, die ein bisschen querdenken“, meint Büter, und Alexander Scholz erklärt seine Motivation, nach Münster zu wechseln: „Ich habe Lust auf einen großen Laden. In so einem Team macht es Spaß, Gas zu geben. Es gibt so viel urbane Kultur, die sich noch nicht in Großdiscotheken ausgebreitet hat.“ Zielgruppe für das neue Musikkonzept sollen Menschen ab 21 Jahren sein. „Der Freitag bleibt aber jung“, schränkt Büter ein, „sonst kann man einen solch großen Laden nicht füllen.“ Innendesigner Karl-Heinz-Stapper über Michael Büter:

„Wir kennen uns schon so lange. Michael brauchte hier unkonventionelle Leute für unkonventionelle Ideen.“

Der zweite große Dancefloor – der „Groove Club“ – wurde dagegen nur in Details verändert. Die Wände wurden mit Stoffbespannungen aufgewertet, die Bars erhielten speziell gefertigte Pendelleuchten aus satiniertem Acrylglas. Im kleinen House-Club „Space“ wurde mit ähnlichen Elementen gearbeitet, allerdings wesentlich dichter. Lichtkästen aus Reliefacryl mit einzeln ansteuerbaren LEDs laufen dort rundum über die Wände. Über der Tanzfläche sind neben einer riesigen Lichtspinne aus Acrylstäben und LEDs große Leuchtkörper entstanden, die es in sich haben. Vorhandene Discokugeln wurden mit Acryl- und Reliefglas verkleidet. Integrierte Halogenlampen strahlen von innen auf die sich drehenden Spiegelkugeln, die wiederum das Licht auf die Innenwände der Kästen reflektieren.

Oliver Bartke, der ebenfalls neue Betriebsleiter, der bei Gastronomie & Tanz zahlreiche Läden geführt hatte und zuletzt im Magdeburger „Funpark“ tätig war, ist vom Standort mehr als überzeugt. „Die Lage ist absolut genial“, strahlt der 34-Jährige, „mitten im Vergnügungsviertel. Da geht einiges.“ Das Potenzial ist tatsächlich gewaltig. Direkt in Münster leben rund 50.000 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Doch eine Großdiscothek hat es in einer Stadt, die vom studentisch geprägten Clubleben geprägt wird, immer schwer. Am ersten Samstag nach der Relaunch hatte sich das Publikum aber tatsächlich gewandelt. „Älter und stylischer“, sagt Alexander Scholz und erklärt, wo der Unterschied zwischen Betriebsleiter und Clubmanager liegt: „Der eine kümmert sich um den Gast, der andere um den Laden.“ Klaus Niester

Heller und offener: Der House-Club „Space“ wurde am intensivsten umgebaut.

Fast unverändert: Der zweite Großbereich „Groove“ erhielt Detailverbesserungen wie große Stoffbespannungen an den Wänden.

78 disco-magazin 4/10


Profil Location: Inhaber: Geschäftsführer: Betriebsleiter: Clubmanager: Fläche: Eröffnung: Investitionsvolumen: Inneneinrichtung: Technik-Installation: Technik-Highlights: Gastronomie: Kasse: Security: Öffnungstage: Eintritt:

„Go!Parc“ Albersloher Weg 14 48155 Münster www.go-parc.de MS Discotheken Betriebs GmbH, Herford Michael Büter Oliver Bartke Alexander Scholz 2000 qm 13. März 2010 ca. 250.000 Euro Atelier für Architekturdesign Karl-Heinz Stapper, Köln J C Music Veranstaltungstechnik, Minden Moving-lights von Clay Paky, High End Systems, Robe* 90 Clubtechnik LED-SMD-Stripes 9 Optoma Videobeamer MA-Lighting „grandMA fullsize“* MA-Lighting „video processing unit VPU“ Dynacord „Alpha“-Soundsystem* (neu eingemessen) Dateq Limiter 9 Theken Bindung mit Herforder Brauerei Herforder Pils 0,3 l: EUR 2,50 Franziskaner Weizen 0,5 l: EUR 4.Warsteiner, Frankenheim 0,33 l: EUR 2,50 Salitos Tequila/Mojito/Cuba Libre 0,33 l: EUR 3,50 Pepsi Cola 0,2 l: EUR 2.Effect Energy 0,2 l: EUR 3,50 Water Joe 0,5 l: EUR 3,50 Aloha 0,33 l: EUR 2,50 Granini Säfte 0,2 l: EUR 2,50 Tradewinds Eistee 0,33 l: EUR 3.Longdrinks mit 2 cl Alkohol: ab EUR 3.Meyers Bitter 0,7 l: EUR 49.Wodka Three Sixty 0,5 l: EUR 45.Ballantine’s 0,7 l: EUR 69.Scavi & Ray Prosecco 0,75 l: EUR 15.Moët & Chandon Brut 0,75 l: EUR 70.OPC One-Point-Cash BSD, Münster freitags, samstags EUR 5.-

LED lighting control solutions made in Germany.

MUSIC for your

LEDs

*Altbestand

Das neue Doppelteam (v.l.): Clubmanager Alexander Scholz und Betriebsleiter Oliver Bartke

Tel.: +49 351 482 056 30 Fax: +49 351 482 056 31

www.madrix.com disco-magazin 3/10 79

Go!Parc Münster  

Bericht Go!Parc Münster; Disco Magazin April 2010; Club Neuausrichtung; Video Screens; Disco Design

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you