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ISSN 2363-8109

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„Oh Captain, my Captain.“

Wir verlassen nicht sofort das sinkende Schiff, aber geben jetzt mal das Steuer in andere Hände. Welche das sein werden, wissen wir noch nicht. Es wird sich jemand finden. Für ein paar Monate werden wir wenigstens noch die Planken schrubben, oder die Segel setzen. Der Eine länger, die Andere kürzer. Am geeigneten Hafen gehen wir dann endgültig von Bord. Wann genau, werden die Sterne zeigen.

Auch wenn es niemand mehr lesen und hören mag, so muss man als Fischkopp, wenn auch manchmal nur zugezogen, zumindest einmal im Leben allzu typisch in Seefahrtsmetaphern untergehen. In Zeiten, in denen das Volkstheater sein ruhiges Fahrwasser sucht, liegt wohl ein passender Moment. Der Generationswechsel macht vielen Angst. Die Einen haben ihren Abschluss und ziehen von dannen, die Anderen setzen einfach neue Prioritäten. Auch ein Magazin wie dieses durchlebt seit 20 Jahren solche Phasen.

Eines ist gewiss: Neue Kräfte werden das Ruder an sich reißen. Manchmal lenkt auch nur der Sturm. Friederike und Fritz

heulermagazin.de Philipp Rose

Hauke Ruge

Michèle Fischer

Alexandra Wendt

Anne Halbauer

Luise Wagner

Stephan Pohling

Christopher Groß

Friederike Wollgast

Stephan Holtz

Jan Tamm

Carolin Brandenburg

Isabell Kilian

Tom Seiler

Nadine Fruck

Anica Kunze

Sophie Auer

Daniel Möck

Michel Wiedecke

Lea Kroos

Anja Heidepriem

Vivian Bissel

Yasmin Wilke

Inna Barinberg

Katharina Heise

Steffen Wollschläger

Fritz Beise

Steffen Dürre

Ich bin heuler – und du? Meld dich per E-Mail: redaktion@heulermagazin.de

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heuler – Das Studentenmagazin Parkstraße 6, 18057 Rostock Tel/Fax: 0381-498-5608 / -5603 www.heulermagazin.de Nr. 109 | April 2015

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Herausgeber Studierendenschaft der Uni Rostock Redaktionsleitung Fritz Beise (V.i.S.d.P.) Friederike Wollgast redaktion@heulermagazin.de

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Geschäftsführung Stelle frei! gf@heulermagazin.de Ressortleitungen Friederike Wollgast, Luise Wagner (Uni) uni@heulermagazin.de Isabell Kilian, Stephan Pohling (Leben) studentenleben@heulermagazin.de Michèle Fischer, Tom Seiler (Politik) politisches@heulermagazin.de Anne Halbauer, Philipp Rose (Kultur) kultur@heulermagazin.de

Inhalt // Ausgabe 109 LEBEN

Politik

6 Ordentlich ausmisten!

26 Unterernährte Universitäten

8 Das Schulgarten-Projekt

30 Gestrandet in der Landespolitik

Schrebergartenkollektiv

10 Studieren mit Tieren 11 Faul war gestern Sportmotivation aufrecht halten

12 Sterben weniger einsam machen Ein Besuch im Hospiz

14 Non-Profit-Games UNI 16 Auf Herzen und Nieren geprüft Ein Einblick in die Anatomie

19 Gute Geister // Uni-Siegel

31 Das Studentenwerk 32 Die Umgebung der Uni Eine einzige Baustelle?

34 American Football in Rostock 35 „Wir gehören zusammen – irgendwie“ Konzerne in Rostock

36 Wohnungen im Werftdreieck

38 Vitrine 40 Hinter den Kulissen ... Licht und Ton im M.A.U.

42 Mehr als nur Theater

22 Stipendium – warum eigentlich?

43 Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel in Rostock

23 Wird novus-Marketing bald AStA-Marketing?

44 Volkstheater

24 Kommilitonen fürs Leben

47 Masters of Sex

25 Von der Grundschule an die Uni

Redaktionelle Mitarbeit Sophie Auer, Inna Barinberg, Vivien Bissel, Carolin Brandenburg, Florian Fröhlich, Nadine Fruck, Christopher Groß, Katharina Heise, Stephan Holtz, Anica Kunze, Daniel Möck, Max Rentner, Jan Tamm, Alexandra Wendt, Michel Wiedecke, Yasmin Wilke, Steffen Wollschläger Redaktionssitzung gerade Woche, Montag, 19:00 Uhr

Kultur

20 Zwischen Spitzensport und Studium

50 Jahre nach dem Abschluss

Layout, Grafik, Illustration Steffen Dürre, Fritz Beise Bildredaktion & Fotografie Hauke Ruge Korrektorat/Lektorat Anja Heidepriem, Lea Kroos Coverfoto/S. 5: Fritz Beise

48 Kultour #3 Termine // Empfehlungen

50 Rostock in 100 Worten // Postskriptum

Die Meinung der AutorInnen muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Den AutorInnen wird freigestellt zu gendern. Lizenz Creative-Commons by-nd 3.0 DE. Inhalte können unter Angabe von UrheberIn und Magazinname verwendet werden. Ausnahmen sind durch © gekennzeichnet. Druck: ODR Ostseedruck Rostock Auflage: 3.000 Exemplare Erscheinungsweise: quartalsweise Es gilt die Anzeigenliste 1/15. ISSN 2363-8109

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leben Es gibt einige interessante Themen – und wenn sie nicht interessant sind, dann kurios. Aber eigentlich gibt es ein Metathema: Eigenständigkeit. Eigenständigkeit ist großartig, geht aber mit dieser blöden Verantwortung einher. Wer einen Garten hat, um zu feiern und die Sonne zu genießen, muss ihn auch pflegen und Arbeitsstunden leisten. Wer Haustiere hat, kann sie nicht beiseitelegen wie Stofftiere. Und wenn man schon den Fitnessclub bezahlt, kann man auch hingehen. Man hat aber auch Verantwortung für andere Menschen: Dazu Texte über das Hospiz in der Südstadt – und Videospiele, die Empathie lehren wollen. Regelmäßige Leser*innen vermissen hier das Bild von Nicole, die nur halbherzig durch Stephan ersetzt wurde. Der nämlich bringt zur Redaktionssitzung keinen Kuchen mit. Er weiß es nicht besser. However, wir hoffen, euch gefällt die neue Ausgabe ebenso wie uns.

Isabell Kilian

Stephan Pohling

Einfach mal die Sau rauslassen und ordentlich ausmisten! 6


Wer ausmisten will, muss zuerst die Schweine aus der Hütte jagen! Doch was, wenn man selber im Saustall wohnt und Ausziehen keine Möglichkeit ist? Dann wird es Zeit, sich zu fragen, was man eigentlich braucht, wozu man Dinge aufbewahrt und den ganzen Mist mit der Karre rauszufahren. Nadine Fruck will nicht, dass ihre Wohnung zum Schweinestall mutiert. // Foto: Nadine Fruck

An manchen Tagen erscheint mir ein Umzug als einzige Lösung. Bücher, Kosmetik, Kleidung, Dekoration – das alles passt einfach nicht in mein 24 Quadratmeter großes Arbeiterschließfach. Materialien von Seminaren sind in Kartons unter meinem Schreibtisch so verstaut, dass ich meine Füße darunter nicht mehr ausstrecken kann. Das spielt aber keine Rolle, denn auf meinem Schreibtisch wird alles abgestellt, was keinen anderen Platz hat. Also ist nicht daran zu denken, an ihm zu arbeiten. Wenn ich Besuch bekomme, türme ich meine entliehenen Bücher zu einem Stillleben vor dem Fenster. Das sieht organisiert und strebsam aus. Aber spätestens nach einem Gang ins Bad, werde ich gefragt, ob ich nebenbei einen Onlinehandel für Drogerieartikel betreibe. Denn wozu habe ich dreimal Badeschaum, obwohl ich keine Wanne besitze? Es waren Geschenke! Geschenke wirft man nicht weg, wurde mir beigebracht. Denkfehler! Es bringt dem Schenkenden nichts, wenn ich sein Geschenk als Belastung wahrnehme und es ihm zuliebe aufbewahre.

Ich fühle mich angenehm matt, wie nach einem Shoppingtrip. Nur, dass ich die Tüten hinaustrug statt herein. Trotzdem bin ich versucht, neue bunte Boxen und Ordner zu kaufen, um Dinge zu verstauen, die ich eigentlich nicht brauche. Die Japanerin Marie Kondo, Ordnungscoach und Buchautorin, weiß, dass es vielen so geht. Sie sagt, es ginge nicht darum, zu organisieren. Denn was einmal organisiert sei, müsse immer wieder organisiert werden. Deshalb sollte nichts Neues in den Haushalt gebracht werden, bevor es keine konsequente Trennung von allem Alten gab. Ein Heim hat bereits alles, was es braucht. Stimmt! Kartons, Gläser, Ordner – alles ist da und kann genutzt werden: Kartons als Schubladentrenner, Gläser zur Aufbewahrung, Ordner für Broschüren, die tatsächlich wichtig sind. Ich arbeite mich in den folgenden Wochen abschnittsweise vor. Nicht weil ich muss, sondern weil es mich entspannt, meine Bedürfnisse zu hinterfragen und meine Umwelt daran anzupassen.

Es geht beim Wohnen darum, sich selbst ein Heim nach den eigenen Bedürfnissen zu schaffen. Dazu muss man diese aber erst einmal kennen.

Das ist eine Art, nett zu mir zu sein.

Nach einer halben Stunde ausmisten, schleppe ich einen kleinen Müllbeutel aus dem Bad und fühle mich erleichtert. Vom Erfolg euphorisiert, mache ich weiter. An meinem Arbeitsplatz haue ich alle Seminarunterlagen in den Müll. Handouts, die schlecht recherchierte Informationen enthalten, werden mir bei den Prüfungen nichts mehr bringen. Also weg damit! Wichtiges scanne ich aber doch vorher ein. Ich putze die Regale, ordne neu und bringe am Ende zwei IKEATüten zum Altpapier. Das Chaos auf meinem Schreibtisch wurde in einen einzigen Karton verbannt. Damit kann ich leben und wieder arbeiten.

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Das haben außer mir auch andere entdeckt und es gibt Hunderte von Onlinemagazinen und Tausende von Blogs, die sich mit dem Decluttering auseinandersetzen. Es gibt Challenges, starre Systeme von Regeln und Wettbewerbe im Minimalismus. Besonders radikal gehen dabei einige beim Aussortieren von Kleidung vor. Sie erlauben sich nur eine geringe Anzahl an einzelnen Kleidungsstücken pro Saison. Auch ich sortiere meinen Schrank aus. Aber nicht nach deren Regeln, es geht schließlich um mich. Für mich habe ich letztlich auch mehr als acht Ikea-Tüten aus meiner Wohnung getragen und ich vermisse nichts.


Das Schulgarten-Projekt – Irgendwo zwischen Kompost und Gewächshaus Neun Studierende der Politikwissenschaft und die Mission Schrebergartenrevolution. Was passiert, wenn ein paar Kleingartenneulinge eine kleine Fläche am Rande von Rostock bewirtschaften umgeben von Rentnerpärchen und Hummelbienchen. Max, Tom, Katha, Basti, Mimi, Caro, Steffen, Marcus, Daniel und ihr Gartenzwerg sind Spießer aus Leidenschaft. // Fotos: Daniel Möck, Maria Annemüller, Michèle Fischer

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Es gibt wohl nichts, das typischer deutsch ist, als einen Kleingarten zu besitzen. Wenn das Gemüse in Reih und Glied steht, die Spatzen an der Tränke sitzen und sich die Gartenzwerge von Parzelle zu Parzelle zu grüßen scheinen, geht den deutschen PensionärInnen doch das Herz auf. Aber wenn sich neun befreundete PolitikwissenschaftsstudentInnen einen Garten anschaffen wollen, dann sind das die reinen Paradiesvögel zwischen all den alten Silberrücken und Platzhirschen. Im Frühling 2014 kam die Idee das erste Mal auf. Der Warnemünder Strand würde bald zu voll und die WG-Küche zu klein sein. Ein neuer Treffpunkt musste her. Ihr kennt das: Jeder hat so einen Freund, der scheinbar den halben Tag auf ebay Kleinanzeigen verbringt und einem ständig eigenartige Angebote zeigt. So fing es an. Wir sitzen eines Abends im Pleitegeier und nach zwei Bier kommen wir - wie auch immer - auf das Thema Kleingärten. Auf einmal schlägt dieser Freund vor, wir könnten uns doch einen Garten kaufen, er habe da neulich was gesehen. Zuerst wurde der Kleingarten als Schnapsidee abgetan und es wurden Witze darüber gemacht. Aber nach zwei Nächten begann die Idee bei dreien zu gären und etwas (viel) Überzeugungsarbeit später fanden sich neun Freunde, die in eine Parzelle in Reutershagen, nicht weit von IKEA, investierten. GroSSgrundbesitzer mit Anfang 20 Die Suche im Netz war erfolgreich und nach der Besichtigung ging es plötzlich ganz schnell. Geld zusammengelegt, Vertrag unterschrieben und am Herrentag folgte dann der erste große Garteneinsatz. Der war auch dringend nötig. Die vorherigen Besitzer, eine junge Familie, hatten sich wenig bis kaum um die Grünfläche gekümmert und einen wilden Dschungel hinterlassen – Prädikat „unbewirtschaftet“. Am Anfang fehlte Alles. Gartengeräte, eine wirkliche Ahnung, ein Ziel, aber vor allem Struktur. Seitdem ist einiges passiert. Der Wein von dem Dach der Terrasse wurde geerntet, Tomaten sprießten im Gewächshaus und die leckersten Erdbeeren wurden gepflückt. Aber vor allem wurde sehr viel umgegraben, gemäht, geschnitten, ausgegraben und angesät. In der urgemütlichen Laube veranstalteten wir Filmabende, grillten auf der Veranda oder saßen bei Sonnenuntergang am Feuer. An manch einem Abend mochte man kaum nach Hause, und das nicht nur, weil der letzte Bus schon vor einer Stunde gefahren ist. Auf der Couch in der Laube ist schon so mancher versackt. Ja, nach einem Sommer war der Garten schon kaum wiederzuerkennen, auch wenn noch vieles zu erledigen ist.

2015 – Jahr des Gewöhnlichen Teufelsabbiss Das neue Jahr verspricht neue Visionen, aber vor allem sollen die Nachbarn nicht Recht bekommen, als sie sagten: „Habt ihr euch da nicht zu viel vorgenommen?“. Ihre verdutzten Blicke in den ersten Tagen, als plötzlich eine Truppe Studierender den Dschungel hinterm Gartenzaun platt machte und durch Spinat und Radieschen ersetzte, war die Aktion schon wert. Aber beschweren können wir uns über unsere Nachbarn absolut nicht. Im Gegenteil: Sie waren sofort sehr hilfsbereit, haben uns ihre Gartengeräte ausgeliehen und es verziehen, dass das geborgte Verlängerungskabel beim Hecke schneiden versehentlich durchtrennt wurde. Ab und an ergeben sich auch durchaus amüsante Zaungespräche. Da werden schon mal halbe Melonen verschenkt oder Gärtnerweisheiten ausgetauscht. Als wir inmitten des Meers aus Rostock- und Deutschlandfahnen unsere Regenbogenflagge hissten, kam eine ältere Dame zu uns und meinte freudig, sie fände es toll, dass etwas Farbe in den Verein käme und dass sie jetzt auch ihre Piratenflagge hisse. Trotzdem wäre es kein typischer Kleingarten, wenn es nicht auch einige Regeln geben würde. Um die Mittagszeit muss man leise sein, vor allem ist da Musik sehr störend. Offiziell. Tatsächlich machen sich nicht viele Nachbarn etwas daraus, wenn etwas Reggea und Lachen über den Zaun dringt. Immerhin sind wir „nette junge Leute“. Es gibt Vereinssitzungen, denn um überhaupt einen Schrebergarten besitzen zu können, muss man in den Kleingartenverein eintreten und dort eine jährliche Pacht bezahlen. Des Weiteren sind im Jahr fünf Arbeitseinsätze geplant, um die gesamte Anlage ansprechend zu gestalten. Aber am strengsten wird darauf geachtet, dass eine Drittelteilung in Anbaufläche, Rasen und Laube vorliegt. Außerdem ist der Einsatz von Chemikalien strengstens verboten, um so umweltschonend wie möglich zu bleiben. Das mit den Chemikalien stört uns ökophile Studierende wenig, mal abgesehen davon, dass wir uns die eh nicht leisten könnten. Ladungsfähige Adresse? – Illegales Wohnen im Schrebergarten Einen Kleingarten zu pachten kann sehr unterschiedlich viel kosten, je nachdem, wo dieser Garten sich befindet und wie groß die entsprechende Nachfrage ist. In einigen Gegenden kann man mit Glück einen Garten mit symbolischen Beträgen übernehmen, an anderer Stelle kann es deutlich teurer sein. Deutschland ist der absolute Spitzenreiter

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im Bereich Laubenkolonien – rund eine Millionen KleingartenbesitzerInnen gibt es im Lande, die auf ca. 46.000 Hektar ihren Traum der Ruheoase von März bis Oktober leben dürfen. Doch seit einigen Jahren bildet die Nische auch eine Alternative für Aussteiger, die entweder nicht die finanziellen Mittel besitzen oder sich bewusst gegen ein kapitalistisches Leben entschieden haben und deswegen in ihrer Laube wohnen. Ein Beispiel dafür bildet eine jahrelang funktionierende Rentnerkleingartensiedlung in Berlin, die vor wenigen Jahren aufgelöst wurde, weil das Wohnen im Garten durch das geltende Bundeskleingartengesetz nicht gestattet ist. Genauer heißt es: „Nach ihrer Beschaffenheit, Ausstattung und Einrichtung darf die Laube nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein.“ Der Vorstand des Vereins ist gegenüber dem Gesetzgeber verpflichtet jegliches Missachten dieser Verordnung zur Anzeige zu bringen. Daraufhin wird geprüft, ob während der Wohnzeit nachhaltige Umweltschäden, beispielsweise durch fehlende Kanalisierungsanschlüsse, entstanden sind. Viele KritikerInnen sind jedoch der Meinung, dass diese Grauzone nur entstanden ist, weil die Vorgaben von 1983 nicht mehr einer zeitgemäßen Nutzung entsprechen. Vielen reicht es nicht mehr aus einmal im Monat den Ertrag zu ernten – neben Gartenzwergen soll auch Komfort mit einziehen. Darüber hinaus ist mittlerweile zu beobachten, dass Menschen in einen Kleingarten ziehen, weil sie sich eine herkömmliche Wohnung nicht leisten können. Das ist eindeutig verboten, sollte aber zu denken geben. Die Klasse 20b vom Buchenweg Die nächste Herausforderung und das nächste Projekt im Kleingarten, der liebevoll als Schulgarten bezeichnet wird, ist das Anpflanzen von neuem Obst und Gemüse, damit wir im Sommer wieder Erdbeeren, Zucchini, Tomaten und Co. ernten können. Die Liste an Filmen für anstehende Filmabende ist ellenlang und alle haben im Winter Winterspeck aufgebaut, der beim Rasenmähen und Hecke trimmen abtrainiert werden will. Wohin uns die weitere Reise verschlägt – auf jeden Fall zur nächsten Vereinsversammlung!


Studieren mit Tieren

Hunde, Katzen, Nagetiere und Exoten wie Igel beherrschen auch einige Zimmer in Rostock. Aber die niedlichen Vierbeiner sind mehr als Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, denn sie bedeuten viel Arbeit und Verantwortung. Carolin Brandenburgs Hasen Mimi und Hugo haben den ganzen Balkon eingenommen.

Mit der Studienbescheinigung folgt für viele Studierende der Umzug in eine neue Stadt. Zu Semesterbeginn gestaltet sich die Wohnungssuche in der Hansestadt schon schwierig genug, aber mit einem Vierbeiner im Gepäck fast unmöglich. So passiert es auch, dass die Traumwohnung an dem Hund oder der Katze scheitert, die vielen Vermietern nicht recht sind. Kleintiere sind laut deutschem Mietrecht erlaubt. Die Rostocker Studentenwohnheime lehnen Tiere jeder Art konsequent ab. Gerade zu Beginn ist alles neu und aufregend, man möchte die Stadt erkunden, viel unternehmen und dabei die Uni nicht vernachlässigen. Für Studierende mit Tieren ist es oftmals schwierig, ihren Alltag mit den Vierbeinern unter einen Hut zu bekommen. Man muss die Tiere füttern und sich mit ihnen beschäftigen. Vor allem Hunde brauchen viel Aufmerksamkeit und wollen regelmäßig ausgeführt werden. Im Hotel Mama war vieles so viel einfacher. Miete, Strom und Wasser muss man in der eigenen

Wohnung jetzt selbst zahlen. Aber auch Futter- und Tierarztkosten sollten bei einem Studentenbudget berücksichtigt werden. Dabei ist es hilfreich, wenn man für Notfälle Geld beiseite legt, denn oft sind Untersuchungen und Medizin nicht günstig. Es geht sogar in Ausnahmen so weit, dass Tiere eingeschläfert werden sollen, da man notwendige Operationen nicht bezahlen kann. Wenn Tierbesitzer wegfahren wollen, ist das oft komplizierter als gedacht. Möchte man die Tiere mitnehmen, muss man sich aber bewusst machen, dass jeder Transport für sie zusätzlicher Stress ist, der möglicherweise zu vermeiden ist. Es könnte einfacher und stressfreier sein, Freunde zu fragen, ob sie die Tiere versorgen können. Dabei ist die Versorgung von Kleintieren oft einfacher, als die von Hunden und Katzen. Allerdings gibt es auch hierfür Lösungen. Für Hunde gibt es auch Tierpensionen, allerdings sind diese mit hohen Kosten verbunden. In sozialen Netzwerken wird oft nach Leuten ge-

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sucht, die für ein Wochenende auf die Lieblinge aufpassen können. Hilfreich könnte dabei auch die Homepage www.tierbetreuung-rostock.de sein. Allerdings muss auch dieser Service entlohnt werden. Auch wenn dies sicher Alternativen sind, hat man zu Freunden ein größeres Vertrauen. All diese Dinge müssen natürlich auch beachtet werden, wenn man sich ein Tier während des Studiums anschaffen möchte. Dabei sollte die erste Anlaufstelle das Tierheim sein, denn dort suchen viele Hunde, Katzen und Nagetiere ein neues zu Hause und einen liebevollen Besitzer. Sollte man dort nicht fündig werden, kann man auch ebay-Kleinanzeigen durchstöbern. Solange man sich der großen Verantwortung bewusst ist und nur das Beste für sein Tier will, schließen sich ein erfolgreiches Studium und der Besitz von Tieren nicht aus.


Faul war gestern – Wie motiviere ich mich zum Sport?

Der Vertrag im Fitnessstudio ist seit Anfang des Jahres gültig und man wollte doch bis zum Sommer den perfekten Beachbody haben! Doch bei den meisten geht die Motivation nach kurzer Zeit flöten und man fällt zurück in den alten Trott. Wie man da wieder rauskommt, erfahrt ihr hier! Yasmin Wilke und ihr ewiger Kampf mit dem inneren Schweinehund.

Ist man am Anfang des Jahres noch total motiviert und zu 100% sicher, dass es dieses Mal anders ist und man dieses Jahr den Sixpack bekommt, den man sich schon immer gewünscht hat, ist es für die meisten ganz schön schwer die guten Vorhaben auch umzusetzen. Besonders jetzt, wenn es draußen wieder wärmer wird, gibt es doch so viele schönere Dinge, die man unternehmen kann. Die Party am Wochenende, der Shoppingbummel mit den Freunden oder der leckere Sahnekuchen mit Mutti sind doch weitaus entspanntere Alternativen, als sich schwitzend im Fitnessstudio abzumühen. Um dem inneren Schweinehund in diesen Situationen nicht die Oberhand gewinnen zu lassen, muss man sich gute Taktiken überlegen! Richard Gensch, Diplom-Fitnesstrainer, hat besonders für Neulinge Tipps, wie man es schafft am Ball zu bleiben. Zuallererst sollte man sich ein Ziel setzen – Wie will ich dieses Jahr am Strand ausse-

hen? Was will ich mit meinem Körper erreichen? Dann ist es für viele einfacher, mit einem Trainingspartner Sport zu machen. So kann man sich gegenseitig zum Training aufraffen und motivieren. „Außerdem sollte man sich viele verschiedene Meinungen von Profis einholen“, so Gensch. „Wenn z. B. drei von vier Sportlern die gleiche Meinung haben, sollte man auf die der Mehrzahl vertrauen. Habt keine Angst andere Sportler anzusprechen – schließlich haben wir doch alle klein angefangen!“ Besonders wichtig ist es, dass man sich seinem Ziel gesund nähert. Crashdiäten und zu viel Sport ziehen oft genau das Gegenteil nach sich: Die Motivation geht verloren und der JoJo-Effekt kommt schneller als man denkt. „Besonders wichtig ist es, auf seine Ernährung zu achten“, rät Gensch. Erst durch die richtige Ernährung kommen die Fortschritte zum Vorschein und man sieht erste Erfolge. Auf illegale Substanzen sollte man, nach Genschs Meinung, vollständig verzichten. Keiner sollte für

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einen trainierten Körper die gesundheitlichen Schäden in Kauf nehmen, die diese Stoffe anrichten. Wer seinem inneren Schweinehund gehörig die Meinung geigt, genug Sport macht und auf seine Ernährung achtet, wird Erfolge erzielen und dann kommt die Motivation ganz von allein.


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Sterben weniger einsam machen

Fährt man mit der Straßenbahn Richtung Mensa, kommt man unvermeidlich am Südstadtklinikum vorbei, einem Ort der Genesung und Gesundheit. Aber was ist, wenn es für einen Patienten keine Chance auf Heilung gibt? Auch dafür gibt es einen Platz: Das Rostocker Hospiz. Sophie Auer hatte nach dem Besuch im Hospiz erstmal einen langen Spaziergang nötig. // Foto: Hauke Ruge

„Es geht darum, dem Menschen ein würdevolles Abtreten aus dem Leben zu ermöglichen“, erklärt Birger Birkholz, ein Mann mit elegantem Sakko und sanften blauen Augen. Er ist Leiter des Hospizes neben dem Südstadtklinikum, ein flacher Bau mit großen Fenstern und einem schönen Garten im Innenhof. Aber was genau ist eigentlich ein Hospiz? Diese Einrichtungen haben es sich zur Aufgabe gemacht, unheilbar kranke Menschen, meist Krebspatienten, auf ihren letzten Schritten zu begleiten bevor sie sterben. Die Interessen der Patienten und ihrer Angehörigen stehen dabei im Mittelpunkt, aber der Betroffene muss voll und ganz dazu bereit sein, in ein Hospiz zu ziehen. „Auf keinen Fall ist das Motto: Wir geben Oma im Heim ab“, erklärt Birkholz. Dieser Erkenntnisschritt, dass das Leben der Betroffenen in absehbarer Zeit ein Ende haben wird, ist für viele sehr schwer. „Denn die Hoffnung stirbt zuletzt und viele hoffen noch auf ein Wunder.“ Aber für manche, so Birkholz, sei der Gang ins Hospiz auch eine Erlösung nach einem langen Leidensweg. Angehörige werden so entlastet und erhalten umfassende Hilfe, denn für die Familie kann die Pflege eines unheilbar Kranken vor allem Überforderung bedeuten. Im Hospiz selbst bleiben die Patienten in gewisser Weise Herr der Lage und sind nicht alleine. „Je nach den Bedürfnissen des Patienten gibt es Frühstück erst um 14:00 Uhr, viele wünschen sich auch Essen aus ihrer Kindheit.“ Das Entscheidende sei, die verbleibende Zeit der Patienten bewusst zu gestalten. „Vieles ist möglich“, so Birkholz. Seit 1998 existiert das Haus und entstand aus der Intention, die Hospizarbeit in Rostock zu etablieren. Das Südstadtklinikum besitzt eine große onkologische Station und eine Palliativstation. Patienten sollen dort die Schmerzen genommen werden, aber sie gelten als „austherapiert“ – es besteht keine Chance mehr auf Heilung. Dennoch wird ihr Körper dort gestärkt und stabilisiert. Eine Rückkehr in eine unzureichende Pflegesituation, wie sie in Heimen leider Alltag sein kann, ist dann keine Option mehr. Hier kann dann der Einzug ins Hospiz eine vernünftige Alternative sein.

der Patienten, Seelsorge und Sozialarbeit. Nicht nur die Kranken stehen dabei im Fokus, auch die Angehörigen werden in die Betreuung eingeschlossen. Was heißt das genau? Eine Sozialarbeiterin unterstützt die Familie bei organisatorischen Sachen. Das können ganz banale Sachen sein, z. B. die Abmeldung der GEZ-Gebühren oder die Organisation der Beerdigung, bis hin zu komplizierteren Sachverhalten, wie der Erbschaftsregelung. Aber ist es nicht sehr belastend, im Hospiz zu arbeiten? Diese Frage kann Herr Birkholz schnell beantworten: „Unsere Pflegekräfte können sich nichts anderes mehr vorstellen, als im Hospiz zu arbeiten. Aber natürlich ist ,als geheilt entlassen‘ nicht unser Thema. Wenn wir es schaffen, den letzten Teil des Weges schmerzarm und würdevoll zu gestalten, dann haben wir einen guten Job gemacht.“ Wichtig sei neben der hohen fachlichen Kompetenz viel Empathie, ein Gespür für die Höhen und Tiefen, die ein menschliches Leben durchlaufen kann. „Manchmal geht es auch darum, Biographien aufzuarbeiten.“ Aber bitte nicht „mitzusterben“, wie Birkholz es treffend ausdrückt. Als Pflegekraft und auch als Ehrenamtlicher müsse man ausreichend Abstand zu der Situation halten und für sich Bewältigungsstrategien entwickeln. „Aber dafür gibt es kein Patentrezept, das ist sehr individuell“. Der Tod und das Sterben werden tabuisiert Generell umfasst die Betreuung der Patienten vor allem Pflegeaufgaben. Häufig kommen Studenten der HMT und geben kleine Konzerte. Im Frühjahr wird der Garten wieder Treffpunkt für die Bewohner sein, je nach körperlicher Verfassung. Die ehrenamtlich Tätigen machen Ausflüge mit den Patienten, lesen vor, begleiten zum Friseur oder sitzen einfach nur am Bett und schenken einen Teil ihrer Zeit. Das Sterben soll weniger einsam sein, denn in dieser Gesellschaft werde der Tod tabuisiert. Woher kommt diese Tendenz, will ich wissen. „Der Tod wird ausgegrenzt aufgrund der Erfahrung, die die Deutschen in den beiden Weltkriegen gemacht haben. Das viele unnütze Sterben wurde verinnerlicht, indem es verdrängt wurde. Dabei haben die meisten Menschen gar keine Angst vor dem Tod, sondern vor dem leidvollen Sterben, vor dem Verlust ihrer Selbstbestimmung.“ Gerade in den letzten Jahren fand aber ein Wandel statt. Durch Öffentlichkeitsarbeit der Hospize, mediale Aufmerksamkeit und Aufklärungsarbeit wurde schon viel erreicht. „Viele wissen mittlerweile, dass Hospize keine dunklen Hütten sind.“ Sterben gehöre zum Leben dazu. „Aber junge Menschen haben andere Sorgen als den Tod und das ist auch gut so.“ Viele alltägliche Dinge seien wichtiger als das Sterben. Es gehe nur darum, im Falle des Falles, nicht alleine gelassen zu werden, sondern einen Platz zu haben und Ansprechpartner an die Seite gestellt zu bekommen.

„Die Kassen hatten Angst vor explodierenden Kosten.“ Dennoch war der Anfang durch Schwierigkeiten geprägt. „Die Krankenkassen hatten Angst vor explodierenden Kosten und immer wenn etwas neu ist, sind die Leute verunsichert.“ Das Hospiz konnte sich trotzdem etablieren. Zehn Personen finden dort Platz. „Mehr Kapazität ist gar nicht erwünscht, wir wollen gerade diese Pflegeheimatmosphäre verhindern.“ Wie lange leben die Patienten im Hospiz, frage ich. „Durchschnittlich 14 bis 16 Tage, länger meist nicht. Zwischen einer Nacht und einem dreiviertel Jahr hatten wir schon alles dabei.“ Zwei Ärzte, 14 Pflegekräfte und über 40 Ehrenamtliche kümmern sich um die Betroffenen. Die Hospizarbeit umfasst dabei die Pflege

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Empathie statt Profit

Egal ob Depressionen, Selbstständigkeitsdrang oder Alltagstrott – heute lässt sich alles zu einem (Video-)Spiel verarbeiten. Offen bleibt dabei die Frage: Vermitteln diese Non-Profit-Spiele Werte fürs Leben? Anica Kunze und Vivian Bissel schlüpfen in die Rollen nicht ganz so typischer Videospielhelden.

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Fazit Trotz geringem Bekanntheitsgrad haben beide Spiele Auszeichnungen erhalten und sind Beweise für gelungene Vermittlung von Werten in spielerischer Form. Spieler, die an Simulations- oder Entscheidungsspielen Gefallen finden und Geduld mitbringen, werden also auf ihre Kosten kommen. Grafische Meisterwerke stellen diese Non-Profit-Spiele zwar nicht dar, aber man erkennt die Liebe zum Detail. Englischkenntnisse werden vorausgesetzt, aber Schulenglisch ist ausreichend. Beide Spiele beweisen, dass Profit nicht immer das Ziel eines Spiels sein muss. Aus unserer Sicht sind diese Non-Profit-Spiele es wert, gespielt zu werden.

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uni Es geht wieder los! Die Hörsäle füllen sich und StudentIn wird durch bunte Plakate von novus Marketing durch den Einstandspartymarathon gelotst. Dass der Werbevertrag für Diskussionen sorgt, soll in dieser Ausgabe beleuchtet werden. So manch einer stöhnt jedoch jetzt schon über den vollen Terminkalender: Studienstress, Nebenjob und dann noch Feiern ... Wer hätte da nicht gern eine zusätzliche Finanzspritze in Form eines Stipendiums? Dazu muss man kein Überflieger sein – lest selbst! Training statt Party heißt es für studierende Spitzensportler, die auf die bevorstehenden Meisterschaften hinarbeiten. Ob und wie Leistungssport und Uni zu vereinbaren sind, erfahrt ihr hier aus erster Hand. Definitiv vereinbar sind in Rostock Grundschule und Uni – und zwar in der Kinderuni, die es nun schon seit 10 Jahren gibt! Ob sich aus diesen kleinen Vorlesungsgängern auch einmal eine Kommilitonenschaft fürs Lebenentwickelt? Außerdem erfahrt ihr, was es mit dem Universitäts-Siegel auf sich hat, lernt neue Gute Geister kennen und erhaltet Einblicke in eines der schönsten Gebäude der Universität: Die Rostocker Anatomie. Viel Spaß beim Lesen!

Luise Wagner

Friederike Wollgast

Auf Herz und Nieren geprüft

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Das Rostocker Institut für Anatomie zeichnet sich nicht nur durch seine architektonische Schönheit aus, sondern kann auch auf eine lange Tradition in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses zurückschauen. Aber was genau passiert eigentlich hinter der schönen Fassade? Ein Einblick. Sophie Auer weiß jetzt, was bei Knieprothesen gerade en vogue ist. // Foto: Hauke Ruge

„Strecken Sie mal Ihren Zeigefinger. Fühlen Sie das? Das ist ein Nerv!“ Mit Professor Andreas Wree, dem Direktor des Instituts für Anatomie, stehe ich im großen Präpariersaal in der Gertrudenstraße 9, einem hellen, luftigen Raum, und fahre mit der linken Fingerkuppe über meinen rechten Handrücken. Vorsichtig versuche ich zu erkunden, wo sich der Ramus superficialis des Nervus radialis befindet, der zwischen Zeigefinger und Daumen verläuft. „Mit den Studenten mache ich das auch so, denn so lernt man zunächst auch ohne aufschneiden etwas über den menschlichen Körper“, so Professor Wree. Ist man häufiger in der KTV unterwegs, läuft man irgendwann am Institut für Anatomie vorbei. Bei sonnigem Wetter strahlt die rote Backsteinfassade einschließlich der weißen Terrakottaputzflächen mit dem blauen Küstenhimmel um die Wette. Von der britischen Huffington Post im Jahr 2013 zu einem der schönsten Universitätsgebäude der Welt gewählt, beherbergt es unter anderem die anatomische Sammlung. Begründet von Karl Friedrich Quittenbaum, enthält sie einige wundersame Exponate. Das älteste Ausstellungsstück stammt aus dem Jahr 1820: Ein konservierter Mensch, dessen Blutgefäße freigelegt und farbig markiert sind. „Wir wissen heute noch genau, wie dieser Mensch einmal hieß“, erzählt mir Professor Wree während ich fasziniert die filigranen Adern und Äderchen inspiziere. In einem anderen Schränkchen hockt eine peruanische Mumie aus dem Jahr 1936. „Sowas würden wir natürlich heute nicht mehr machen“, stellt Professor Wree dar, „aber die Sammlung ist eben eine Anhäufung von verschiedenen Stücken, die über die Jahrhunderte gewachsen ist.“ Bevor es die Fotografie gab, wurden für die Veranschaulichung verschiedener krankhafter Vorgänge im menschlichen Körper aufwendig gearbeitete Wachsmoulagen

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angefertigt. Sie liegen sorgfältig aufgereiht in einem anderen Regal. „Das sind unsere wertvollsten Stücke. Ganze Scharen von Künstlern haben sich damit beschäftigt, die verschiedenen Wachsmodelle zu kolorieren. Heute benötigt man sowas nicht mehr, da gibt es mittlerweile ganz andere Technik.“ In der nächsten Vitrine finden sich moderne, mit hochwertigem Kunststoff plastinierte Präparate, wie ein Herz oder ein Stück Darm. Sie werden vor allem zu Weiterbildungszwecken für die Studierenden genutzt. „Es geht darum, dass Studenten den menschlichen Körper im wahrsten Sinne des Wortes begreifen.“ Viele sehen dort zum ersten Mal einen Toten Den menschlichen Körper begreifen die Studierenden der Medizin vor allem im Präparierkurs, der jedes Semester verpflichtend angeboten wird und in den beiden Präpariersälen des Instituts stattfindet. Hier lernen sie an Verstorbenen – sogenannten Vermächtnisgebern – die ihren Körper nach ihrem Tod der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben. „Viele Studierende sehen dort zum ersten Mal einen Toten. Wenn sie später am Operationstisch stehen, müssen sie genau wissen, wo sich welches Blutgefäß befindet.“ Anatomiebücher zeigen die häufigsten Variationen, aber auch wenn die Funktionsweise eines jeden Körpers grundsätzlich gleich ist, so seien wir doch alle ein bisschen anders, erklärt Professor Wree. Es ginge darum, die Besonderheiten des menschlichen Körpers zu erkunden. Auch krankhafte Veränderungen, wie Metastasen, Entzündungen oder Hinweise auf Eingriffe und die Todesursache lassen sich so untersuchen. Im Jahr werden 20 Vermächtnisgeber für den Präparierkurs benötigt. An einem Körper lernen dann zehn Studenten. Was für Menschen sind das, die ihren Körper für die Forschung spenden?


Viele von ihnen wollen nach ihrem Tod weiterhin nützlich sein und dem Berufsstand des Arztes einen Dienst erweisen. „Vielen wurde von Ärzten im Laufe ihres Lebens geholfen, da geht es dann vor allem um Dankbarkeit.“ Das Institut baut mit einigen eine enge Beziehung auf. Manche kommen oft vorbei, bringen Kuchen mit und erzählen, wie es ihnen geht. Dabei haben sie teilweise ärztliche Unterlagen, die dann im Institut archiviert werden. „Solche Leute haben sich lange mit dem Thema Körperspende beschäftigt, sie haben diese Entscheidung bewusst getroffen und sehen darin keine Notlösung“, erklärt Professor Wree. Circa zwei Jahre verbleiben die Körper zu Forschungszwecken am Institut. Danach wird die Einäscherung und die Bestattung auf dem Friedhof Kühlungsborn oder dem Ruheforst in der Rostocker Heide organisiert. Im Vorfeld muss der Verstorbene dafür einen Betrag von 800 Euro bezahlen – angesichts der Kosten für eine normale Beerdigung ein sehr geringer Betrag. Deswegen treiben viele Vermächtnisgeber auch finanzielle oder ganz praktische Motive an. „Die Nachfahren wohnen oft nicht vor Ort. Da geht es denn einfach nur darum, wer mal das Grab harkt. Das hat auch was mit Selbstbestimmung zu tun“, erklärt Professor Wree. Häufig würden sich ältere Paare melden, die nach ihrem Tod zusammen bestattet werden wollen. Aber auch Familien und Leute um die 30 würden sich für diesen Weg entscheiden. In der Kartei des Instituts befinden sich derzeit über 2000 Profile von Vermächtnisgeber, im Jahr melden sich über 100 Leute. „Es ist ein Querschnitt durch alle sozialen Schichten, da lässt sich nichts verallgemeinern.“ Ob man eigentlich gleichzeitig Organ- und Körperspender sein kann, frage ich. „Ja, das ist möglich. Viele besitzen einen Organspendeausweis und die Organspende geht immer vor. Einem anderen das Leben zu retten, ist in dem Moment wichtiger als die Ausbildung zukünftiger Mediziner.“ Die Vermächtnisgeber haben ein eher unverkrampftes Verhältnis zum Tod. Viele von ihnen besuchen bereits zu Lebzeiten die jährliche Gedenkfeier, welche in Zusammenarbeit mit dem Theologischen Institut stattfindet. Diese Festlichkeit wird von den Studierenden selbst gestaltet und soll die Menschen ehren, die ihren Körper nach dem Tod für die Ausbildung zur Verfügung gestellt haben. Die Namen der Verstorbenen werden verlesen und Kerzen angezündet. Sie waren mehr als bloß die Summe ihrer Organe. Diese Gedenkfeier erinnert an ihre Geschichte, die über den Tod hinausging. Dieses Jahr wird die Festlichkeit Mitte November in der Universitätskirche stattfinden. Zum Abschluss legt Professor Wree seine persönliche Sichtweise über das Institut dar. „Wir sind hier eine große Familie. Manchmal sehe ich Studenten in einem Semester bis zu fünfmal die Woche. Da lernt man sich kennen.“ Es komme auch vor, dass Studierende ihm ärztliche Befunde schicken und eine Meinung erbeten, der sie vertrauen können. Ihm ist anzumerken, dass er für das Institut, für die jungen Mediziner und für die dort betriebene Forschung lebt und brennt. Für die Ausbildung zum Arzt kann das nur von Vorteil sein. Der äußere Glanz des Anatomischen Instituts spiegelt sich so auch in seinem Inneren wieder.

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Gute Geister der Uni

Vom UrkundenSiegel zum Corporate Design

Es steckt in unserem Portemonnaie, wir sehen es in Vorlesungen und manche tragen es sogar auf ihrem Pullover. Jeder kennt es und trotzdem wissen die Wenigsten um seine Bedeutung: Das Siegel der Universität Rostock. Christopher Groß besiegelt hiermit seine Tätigkeit beim heuler.

Professoren, Dozenten und Studenten – mehr braucht es für eine Universität nicht. Weit gefehlt: Im Sekretariat arbeiten die Menschen, ohne die eine Hochschule nicht funktionieren kann. Nadine Fruck braucht im Studium oft die Hilfe der Sekretärinnen. // Foto: ITMZ

Es ist einer der letzten Tage meines Studiums, ich brauche Unterschriften und renne durch die Fakultät. Sie erscheint mir wie ein Haus, das Verrückte macht: Türen sind geschlossen, Termine verschoben, Telefonate führen ins Nichts. Und so stehe ich am Ende immer wieder vor den Tischen der Sekretärinnen. Die Damen in den einzelnen Etagen haben ein offenes Ohr für mich und meine Belange. „Wenn man höflich fragt, finden wir immer eine Lösung!“, verspricht mir eine Angestellte. „Wir haben ja die Privatnummern der Dozenten und Durchwahlen ins Prüfungsamt, so können wir auch mal direkt nachforschen, wenn es dringende Fragen gibt.“ In diesen Fällen können wir Studenten auch mal außerhalb der offiziellen Sprechzeiten erscheinen. Doch ein ständiges Rein und Raus, nur um nach Scheinen zu sehen, stört den täglichen Arbeitsablauf. Schließlich sind allein an der Philosophischen Fakultät fast viertausend Studierende eingeschrieben, die alle gleichermaßen gut betreut werden wollen. Neben den Belangen der Studierenden sorgen die Sekretärinnen vor allem dafür, dass die Verwaltungsaufgaben bearbeitet werden. Von der Post über Krankschreibungen bis hin zur Reisekostenabrechnung geht alles über ihren Schreibtisch. Und als Allrounder sind sie nebenbei auch der zentrale Ansprechpartner für neue Angestellte, die oft nicht aus Rostock kommen. „Ich habe sogar schon Wohnungen für Professoren vermittelt. Es soll ja keiner unter seinem Schreibtisch schlafen müssen“, verrät mir eine der guten Seelen.

Das sogenannte Große Universitätssiegel wurde dem Gründungsrektor bei seiner Vereidigung am 12. November 1419 überreicht und hauptsächlich zur Beglaubigung von Urkunden verwendet. Als in den 1990er Jahren ein Logo zum neuen Leitmotiv „Traditio et Innovatio“ gesucht wurde, fiel die Wahl auf das Große Universitätssiegel und es nimmt seitdem einen wichtigen Platz im Corporate Design der Universität ein. Am äußeren Rand des Siegels befindet sich die Umschrift „Sigillum universitatis studii rozstokcensis“ also die Angabe, dass es sich hier um das Siegel der Universität Rostock handelt. Im Siegelbild kann man zwei Personen unter einem Zierdach erkennen. Zudem befindet sich unter ihnen ein Schild mit dem Bild eines Greifs, also Rostocks Wappentier. Die stehende Person im Siegelbild stellt Jesus Christus dar, der ein Kugelkreuz in der einen Hand hält und mit der anderen einer vor ihm knienden Person eine geöffnete Bibel überreicht. Der Kniende trägt eine Art Priester- oder Diakonengewand und es handelt sich bei ihm wahrscheinlich um einen Rektor oder Professor. Über den beiden Personen schlängelt sich ein Spruchband mit den Worten „Scrutamini scripturas et discite a me, quod mitis sum et humilis corde“. Dabei handelt es sich um zwei zusammengesetzte Bibelzitate, die auf Deutsch wie folgt übersetzt werden: „Suchet in der Schrift und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“.

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Zwischen Spitzensport und Studium

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Sportliche Höchstleistungen setzen neben harter Arbeit auch einen großen (Zeit-)Aufwand voraus. Studierende Sportler befinden sich meist in einem Alter, in dem zeitgleich eine Basis für die berufliche Zukunft gelegt wird. Jan Tamm und Isabell Kilian drücken den Athleten die Daumen. // Foto: © Verbund Deutscher Sporttaucher

„Komm! Noch einen! Das schaffst du, Alter!“, brüllt Trainer Alex K. seinen Trainingskollegen an. In einer Halle des Hochschulsports perlt der Schweiß auf den Boden und das Stöhnen der Sportler übertönt die Musik im Hintergrund. Höchstleistung wird hier verlangt. Neben den Spitzensportlern sind hier auch Breitensportler dabei. Diese sind oft völlig baff von den Leistungen ihrer Kommilitonen, nicht zuletzt wegen deren Teilnahmen bei Landesmeisterschaften, Bundesligen und sogar Olympia. Neben dem regulären Studium von ca. 20 SWS pro Semester trainieren viele Sportler noch drei- bis viermal am Tag, um die koordinativen und konditionellen Anforderungen für die Titelwettkämpfe erfüllen zu können. Im Fachbereich Sport unterteilt man auf der Leistungsebene zwischen Breiten-, Leistungs- und Hochleistungssportlern. Die Breitensportler sind die große Masse aus Gesundheitsfans, Speckbekämpfern und den Freudensportlern, die sich gerne bewegen wollen. Der Leistungssportler hingegen fokussiert sich auf Erfolge im Wettkampf und trainiert auch mehr für Wettkämpfe. Die Priorität liegt aber dennoch beim Studium. Beim Hochleistungssport jedoch nimmt der Sport den Lebensmittelpunkt ein. Um zu erfahren, wie der Alltag eines Leistungssportlers aussieht, haben wir uns mit Carolin Haase getroffen. Von ihr wollten wir wissen, ob und wie Spitzensport und Uni miteinander harmonieren. Caro ist Leistungssportlerin im Flossenschwimmen. Mit 17 nahm sie an ihrer ersten Jugendeuropameisterschaft teil und ist seit 2011 im Kader der Nationalmannschaft. Sie hat das Glück, von der OSPA-Sportstiftung, die nur regionale Sportler aus MV unterstützt, gefördert zu werden. Stolz und dennoch bescheiden erzählt sie uns von ihren Erfolgen: Sie ist zweifache deutsche Rekordhalterin, gewann in der letzten Worldcup-Serie einmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze, trägt unzählige Deutsche Meistertitel und belegte bei den italienischen Studentenspielen im letzten Jahr Platz zwei. Viel Erfolg bedeutet aber auch viel Arbeit, enorme Selbstdisziplin und einen hohen Zeitaufwand. Zweimal am Tag trainiere sie: Morgens und abends, vor und nach der Uni. Bisher habe sie auch noch kein Training ausfallen lassen. „Das morgendliche Training findet von 7:30 bis 9 Uhr statt, danach

sprinte ich zur Uni“, sagt sie, „und 16 Uhr sprint’ ich zurück!“ Denn schon 16:30 Uhr beginne das Abend-Training, das bis 20 Uhr dauert. Lediglich sonntags sei trainingsfrei. Auch wenn der Sport einen großen Teil ihres Lebens einnehme, stehe die Uni für sie jederzeit an erster Stelle. „Der Abschluss ist wichtiger“, sagt die Lehramtsstudentin. Schließlich können nur die wenigsten Sportler auch von ihrem Sport leben. Für Normalsterbliche klingt das vielleicht nach einem knallharten Alltag und einer verlustreichen Jugend, Caro hingegen kennt es nicht anders. Hätte sie rein hypothetisch doch mehr Zeit, wüsste sie damit gar nichts anzufangen. Bereits auf der Sportschule seien zwei Trainingseinheiten pro Tag Pflicht gewesen. Daher habe Caro keine großen Probleme, ihren Alltag mit der Uni zu vereinbaren. Wirklich kritisch sei es lediglich zur Prüfungszeit, wenn viele Wettkämpfe und gleichzeitig zwei oder drei Hausarbeiten anstehen, sie jedoch nur anderthalb Wochen zu Hause verbringe. „Klar ist nicht immer alles geil und auch aufs Training habe ich nicht immer Lust“, sagt sie. Doch wenn Missmut und Zweifel sie packen, denke sie an ihre Erfolge und Ziele. Das sorge für Motivation. Im Juli steht die WM in China an – „der Hochburg des Flossenschwimmens“. China, Ungarn, Polen – so toll die vielen Reisen und Erfolge auch sein mögen, ihre Familie sehe sie nur selten. Dafür sind dann wiederum Freunde da – natürlich ebenfalls allesamt Sportler. Ihr Freund? Ein Sportler. Oder inzwischen Ex-Sportler. Es könne schon mal für ein genervtes Knurren seinerseits sorgen, wenn sie wieder zum Training müsse. Doch da die beiden sich bei einem Wettkampf kennengelernt haben, weiß er selbst, wie das Leben als Leistungssportler abläuft und hat natürlich Verständnis. Weniger Verständnis und Unterstützung erfährt sie von der Uni: Keine Glückwünsche zu ihrer Silbermedaille bei den italienischen Studentenspielen im letzten Jahr und auch sonst wenig Interesse. Doch sie ist nicht die Einzige, der es so geht. Im letzten Jahr haben unsere Sportler bei Hochschulsportkämpfen Gold im Bereich Boxen sowie Silber über 200m Brustschwimmen und Beachsoccer nach Rostock gebracht. Auch hier blieb eine Notiz seitens der Universität aus.

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Was tut die Uni Rostock für die Jungtalente? Viele Dozenten zeigen wenig Verständnis, wenn Studenten das Schwimmen oder Laufen genauso wichtig nehmen wie die Uni. Eine Hausaufgabe wegen eines Wettkampfes nachzureichen bedeutet für einige schon den Rauswurf aus dem Seminar. Auch der Druck der Fehlzeiten macht Spitzensport und Studium wenig kompatibel. Noch schwerer machen es die jeweiligen Prüfungsämter. Neben den erforderlichen Prüfungsvorleistungen, die fristgerecht erfüllt werden müssen, sind auch die Prüfungstermine so statisch, dass nur der Weltuntergang diese beeinflussen könnte. Auch auf Protest des Fachschaftsrats der Sportwissenschaft hin wurden die Regelungen nicht gelockert. Trotz der Tatsache, dass es sich teilweise um Uni- oder Bundeswettkämpfe handelt, stehen die akademischen Termine fest und werden nicht geändert. Die Leitung des Hochschulsports (HSP) nimmt dazu keine Stellung. Der HSP hat sogar die Ausgaben für Wettkämpfe stark gekürzt. Die Anmeldegebühren für Wettkämpfe werden gestellt – die Fahrten zu den Wettkämpfen und die Übernachtungen, welche die größten Kosten verursachen, müssen allerdings immer häufiger vom AStA getragen werden. Will die Uni keine Spitzensportler mehr? Neben den Kosten für die Teilnahme an Wettkämpfen ist es bei Trainingszeiten von sechs bis acht Stunden täglich auch schwieriger, das Studium selbst zu finanzieren. Zwar gibt es Sportlerstipendien von der Allianz oder der Sporthilfe, allerdings sind diese eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die meiste Unterstützung erhalten die Athleten, wenn sie wie Caro der Sportfördergruppe der Bundeswehr beitreten. Da dies nicht für jeden eine annehmbare Option ist und die Anforderungen in vielen Sportarten enorm hoch sind, flüchten Jungtalente immer häufiger nach Amerika. An den Highschools gibt es neben ausgedehnten Sportförderprogrammen eine finanzielle Absicherung durch Stipendien und Unterstützung von der späteren Uni in Form von gesonderten Stundenplänen, die situationsgemäß angepasst werden. Auch die Prüfungen sind flexibler. Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle un(i)bedingt eine Scheibe abschneiden.


Stipendium – warum eigentlich nicht?

In Deutschland gibt es 13 große Stiftungen, die Zuschüsse vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten und Stipendien an Studierende aller Fachrichtungen vergeben. Bewerber aus Rostock sind jedoch rar. Luise Wagner kann nur jedem raten, sich für ein Stipendium zu bewerben.

Stiftung Profil Anzahl der Stipendiaten im Großraum Rostock Studienstiftung des deutschen Volkes (SddV)

Unabhängig von Parteien, Konfessionen und Weltanschauungen

ca. 150

Evangelisches Studienwerk Villigst Evangelisch 6 Cusanuswerk Katholisch 5 Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) Jüdisch k.A. Avicenna Studienwerk Muslimisch z.Z. 0 Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw)

Unternehmer-/Arbeitgebernah

13

Hans-Böckler-Stiftung (HBS) Gewerkschaftsnah (SPD) 9 Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Parteinah (SPD) ca. 15 Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Parteinah (CDU) 6 Friedrich-Naumann-STiftung für die Freiheit (FNF)

Parteinah (FDP)

6

Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) Parteinah (Bündnis90/Grünen) k.A. Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) Parteinah (Die Linke) k.A. Hanns-Seidel-Stiftung Parteinah (CSU) 1

Quellen: www.stipendiumplus.de, Homepages der jeweiligen Stiftungen, Rostocker StipendiatInnen der jeweiligen Stiftungen; Stand: 01.03.2015

Die Bezeichnung „Begabtenförderungswerke“ mag auf einige zunächst abschreckend wirken, wie auch die Bewerbungsvoraussetzungen „leistungsstark“ und „sozial engagiert“. Zu Unrecht, sind sich die Rostocker StipendiatInnen der verschiedenen Stiftungen einig und möchten deshalb in gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit die Mythen rund ums Stipendium aufklären und die Hemmschwelle zur Bewerbung senken. „Unsere Stiftungen fördern Persönlichkeiten, keine Karrieren“, betonen die VertreterInnen der verschiedenen Werke. Leistungsstärke bedeute nicht, nur Einsen mit Sternchen zu bekommen. Es gehe um überdurchschnittliche Leistungen, nicht um übermenschliche. Daher sei es auch legitim, nicht in jedem Fach zu glänzen und auch mal eine Klausur in den Sand zu setzen. Ähnliches gelte für das Engagement: Man müsse keine eigene Bürgerinitiative ins Leben gerufen haben und als Bewerber bei einer politischen Stiftung auch kein Parteimitglied sein. Es komme darauf an, sich einzubringen – sei es durch die ehrenamtliche Trainertätigkeit im Sportverein, die Unterstützung

einer Umweltschutzbewegung, die Mitarbeit beim Studentenmagazin ... Die StipendiatInnen in Rostock sind sich sicher, dass viel mehr Studierende von Stipendien profitieren könnten. Doch das Stipendium kommt nicht von allein auf einen zu; zunächst ist Eigeninitiative gefragt. Der Bewerbungsprozess ist bei den 13 Werken ähnlich: Der schriftlichen Bewerbung folgt eine Einladung zum Gespräch oder einer Auswahltagung, ehe schließlich die Entscheidung mit einem Brief nach Hause kommt. Ein wenig Aufwand steckt also schon dahinter.

Lohnt sich das? JA!, lautet der einstimmige Konsens der Geförderten. Für viele stünde zum Zeitpunkt der Bewerbung vor allem die finanzielle Förderung im Vordergrund. Die beträgt zurzeit 300 Euro Büchergeld für jeden, plus gegebenenfalls einen an den individuellen finanziellen Bedürfnissen bemessener Zuschuss, der sich am BAföG-Satz orientiert und nicht zurückgezahlt werden muss. Situationsbe-

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dingt können Auslandszuschläge oder Familienzuschüsse hinzukommen. Darüber hinaus beinhaltet ein Stipendium bei einem der 13 großen Begabtenförderungswerke auch noch die ideelle Förderung. Hinter diesem Begriff stehen fächerübergreifende und interdisziplinäre Seminare oder Akademien. Sie bieten die Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Studiums zu schauen, querzudenken und Ko-StipendiatInnen aller möglichen Fachrichtungen kennenzulernen. Was zum dritten Punkt führt, den viele StipendiatInnen im Laufe ihrer Förderung zu schätzen lernen und von dem sie langfristig profitieren können: Dem großen, breitgefächerten Netzwerk. Ein Stipendium kann also viel mehr bedeuten, als die regelmäßige Aufstockung des Kontos. Viele der Rostocker StipendiatInnen hätten zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung noch nicht zu träumen gewagt, was die Aufnahme in die jeweilige Stiftung in ihrem Leben bewegen würde. „All das kann noch viel mehr Studierenden zuteilwerden“, sagen sie und hoffen, viele ihrer KommilitonInnen zu ermuntern, den ersten Schritt zu tun und sich zu bewerben.


Wird novus- bald AStA-Marketing?

Im Oktober 2010 verkaufte die Universität Rostock die Werbeflächen des Campus an das Unternehmen novus Marketing, um kommerzielle Werbung besser zu verwalten. Knapp vier Jahre später ist der Vertrag ausgelaufen und die Diskussion wird neu aufgeworfen. Michèle Fischer und Florian Fröhlich verteilen ihre Flyer fröhlich weiter.

Bekleben verboten! StGb §303

Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle. Barbara.

Jede FachschaftsvertreterIn kennt das Problem: Kurzfristig wird eine neue Veranstaltung für die KommilitonInnen geplant, alle wollen zusammen auf der Campuswiese in der Ulmenstraße grillen und deswegen werden noch schnell ein paar Flyer gestaltet. 100 Kopien werden im Hauptgebäude verteilt, alle freuen sich auf den Abend – doch drei Stunden später ist kein Zettel mehr zu finden. Erklärungsansatz eins: es war höchste Zeit, die Grillsaison einzuläuten oder Alternative zwei: novus Marketing hat wieder zugeschlagen. Ordnung muss sein Vor knapp fünf Jahren entschied der ehemalige Universitätspressesprecher Ulrich Vetter fast völlig im Alleingang, dass es sinnvoll wäre, die Werbeflächen im Sinne der Ordnung an ein externes Unternehmen zu verkaufen, um so mehr Übersichtlichkeit im Flyer- und Plakatedschungel in den Universitätsgebäuden zu gewährleisten. Keines der Unigremien wurde dabei gefragt oder informiert und auch der Personalrat sowie die StudierendenvertreterInnen von AStA und StuRa wurden bei diesem Prozess nicht mit einbezogen, wie aus den Protokollen der jeweiligen Sitzungen hervorgeht. Daher reagierten die Mitglieder 2011 prompt mit mehreren Beschlüssen zur sofortigen Beendigung des Vertrages (der heuler berichtete darüber in Ausgabe 94). Die Universität erhält seitdem im Gegenzug durch das Unternehmen eine Mindestausschüttung von

4.500 Euro pro Jahr und wird prozentual an weiteren Vermietungen, beispielsweise von PromotionStändern, beteiligt. Ein System, das nur auf dem Papier studierendenfreundlich erscheint, weil nicht transparent dargestellt wird, wie die Finanzen weiter eingesetzt werden. Klinisch rein, nur ohne Krankenhaus Davon abgesehen, dass die Entscheidung in keinem demokratischen Rahmen stattfand und die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes eine wichtige Entwicklung innerhalb der Universität darstellt, sollten auch die darauf folgenden Veränderungen betrachtet werden. Die Vorräume und Flure der Universitätsgebäude wirken steril, ganz im Gegensatz zu der kunterbunten Mischung aus Studierenden verschiedenster Kulturen und Lebenseinstellungen, die an der Universität Rostock vertreten sind. Eine Gemeinschaft lebt davon, mit Hilfe von Werbung und Ideenanhäufungen in einen kreativen Austausch zu treten. Die Öffentlichkeitsarbeit für studentische Gremien und Initiativen, sowie nicht kommerzielle Kultur- und Bildungsträger wird auf diese Weise unnötig erschwert, weil Werbeaktionen schon frühzeitig angemeldet werden müssen und die wenige Werbung, die, von novus Marketing gestattet, kostenlos verteilt werden kann, muss schritthalten mit einer Masse an kommerzieller Reklame. Dabei sollte es im Interesse der Studierenden sein, von fachinternen Infoabenden zu erfahren, an-

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statt mit der x-ten ADAC-Werbung konfrontiert zu werden. Außerdem mussten sich in der vergangen Zeit die StudierendenvertreterInnen bei sexistischer oder politisch-bedenklicher Werbung mit großem Aufwand zur Wehr setzen. So kam es immer wieder zu Beschwerden seitens des AStA über fragwürdige Werbung, die bis zu einer Beschwerde beim deutschen Werberat führte. Ausgerüstet mit Pins und Klebestreifen Wie soll es in Zukunft weitergehen? Aus den Kreisen des AStA hören die Studierenden immer wieder, dass auch die AStA-ReferentInnen an eigenen Werbeflächen innerhalb der Universität interessiert wären, um den Verwaltungsstress durch ein externes Unternehmen zu minimieren. Außerdem könnten sie sich vorstellen, sogar die kompletten Flächen mit Hilfe von ProjektmitarbeiterInnen zu betreuen. Ob dieser organisatorische Mehraufwand so einfach mit ein paar separaten Angestellten zu bewältigen ist, sollte allerdings erst schrittweise getestet werden. Das Rektorat zeigt sich nach vielem Hin und Her nun kompromissbereit und beschloss im März diesen Jahres einen Teil der Werbeflächen, die momentan novus Marketing für Werbung nutzt, an den AStA zu übergeben. Es bleibt also spannend, ob beide Parteien mit dieser Umstrukturierung verbessert arbeiten können - Augen auf an den Plakatwänden!


Kommilitonen fürs Leben

30. Januar 1965: 16 junge Männer bekommen an der Fakultät für Schiffsmaschinenbau der Universität Rostock nach elf Semestern Studium ihren Diplom-Ingenieur verliehen. Auf den Tag genau fünfzig Jahre später treffen sich zehn von ihnen wieder an derselben Stelle. Luise Wagner ist beeindruckt von dieser langjährigen Gemeinschaft. // Fotos: © privat

„Zwei fehlen auf dem Foto. Sie konnten an dem Tag nicht kommen“, erzählt Joachim Hahne (77), als ich ihn einige Wochen nach der Jubiläumszusammenkunft seiner ehemaligen Seminargruppe treffe. „Einige – nun ja, sind nicht mehr da.“ Sie wären es aber sicher gewesen, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten – denn der Abschlussjahrgang ’65 der Schiffbautechnischen Fakultät war und ist noch immer mehr als eine bloße Zweckgemeinschaft, die jahrelang im selben Hörsaal saß.

fen – sofern man fähig war, das Schnarchkonzert der anderen auszublenden. Von der hart verdienten Prämie gönnte sich die Truppe einen gemeinsamen Skiurlaub.

Quelle: © Ostsee Zeitung 1962

Quelle: © privat Schon zu Studienzeiten entstand ein besonderer Zusammenhalt unter den Kommilitonen, berichtet Hahne. Ganz wesentlich haben dazu die Feldeinsätze beigetragen, bei denen die ganze Seminargruppe einen Monat lang auf dem Kartoffelacker zur Ernte aushelfen musste: Tagsüber wurde fleißig gearbeitet, abends mit einem Bier „von innen geduscht“ und nachts auf Strohsäcken in der Scheune geschla-

Doch auch in Rostock unternahmen die angehenden Schiffsmaschinenbauer einiges zusammen. Ein Höhepunkt des Jahres war immer wieder die Faschingszeit, die ausgelassen gefeiert wurde. Als Ausgleich zum Studium taten sich die Kommilitonen außerdem zu Mannschaften jeglicher Ballsportarten zusammen oder leerten in den Studentenwohnheimen der Südstadt das ein oder andere Fass. Aber natürlich bestand das Studentenleben nicht nur aus Spaß. Besonders in den ersten Semestern mussten die jungen Männer viel Zeit über ihren Büchern, Berechnungen und technischen Zeichnungen verbringen, um das gefürchtete Vordiplom zu bestehen. Weil dem sozialistischen Studenten

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ein nicht unerhebliches Maß an Selbstdisziplin und kontinuierlichem Lernwillen zugeschrieben wurde, gab es in diesem Jahr bis zum Vordiplom keinerlei Leistungskontrollen. Der gemeine Student neigt jedoch damals wie heute entgegen dieser Annahmen von Natur aus eher zur Gemütlichkeit, deshalb brach diese Prüfung vielen das Genick. „Ich war damals Seminargruppen-Sekretär und musste miterleben, wie in den Sitzungen viele meiner Kommilitonen geext wurden, ohne es verhindern zu können“, erinnert sich Hahne. So war von 45 Studienanfängern nach dem Vordiplom nur noch ein gutes Drittel übrig. Doch vielleicht gerade aufgrund der kleinen Gruppengröße und der regionalen Nähe – denn viele der Diplom-Ingenieure fanden Arbeit bei Werften, Reedereien und Zulieferbetrieben im Rostocker Raum – blieben die Absolventen von ’65 auch nach dem Abschluss in Kontakt. Über die Jahre wuchsen sie und ihre Familien zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen. Zur Wendezeit hatten sie alle mit beruflichen Schwierigkeiten zu kämpfen und mussten sich zum Teil neu orientieren. Heute wird bei den jährlichen Treffen nach wie vor über Erfahrungen aus dem langen Berufsleben gefachsimpelt. Die Familien der 16 Absolventen von 1965 verbindet eine Kommilitonenschaft fürs Leben -– und sogar darüber hinaus.


Von der Grundschule an die Uni

Seit 2005 heißt es viermal im Semester: Kinder in das Audimax! Diesen Sommer feiert die Rostocker Kinderuni ihr zehnjähriges Bestehen und ist damit in etwa so alt wie die meisten ihrer Besucher. Luise Wagner hat erst mit 19 einen Studentenausweis bekommen.

Wenn kleine Münder weit offenstehen und runde Kinderaugen immer größer werden, hat das Team der Kinderuni sein Ziel erreicht: Interesse geweckt! Denn genau darum geht es bei diesem Format außerschulischer Bildung: Die Kinder neugierig machen, an neue Themen heranführen, sie auf Ideen bringen. Der Altersdurchschnitt im Hörsaal liegt dabei jedoch weit über dem Grundschulalter, denn vor allem Großeltern begleiten die Kinder in die Uni. „Manche kommen sogar ohne Enkel“, erzählt Wiebke Loseries zwinkernd, die das Projekt seit einigen Jahren leitet. Ihr gut funktionierendes Team setzt sich aus Moderatoren, Technikern und einem Kameramann zusammen. Nicht wegzudenken ist außerdem Edgar Glitz, Facility Manager des Audimax und „die gute Seele“ der Kinderuni. Er ist es, der den Hörsaal jedes Mal still und leise vorbereitet, zum Sommerfest bunte Girlanden aufhängt und den Tannenbaum für die Weihnachtsvorlesung aufstellt. Wenn dann die Pforten für die kleinen Studierenden geöffnet werden, bekommen sie zur Begrüßung ihren eigenen Studienausweis. Danach gilt es, sich schnell einen Platz zu sichern, denn mit 400-500 Besuchern ist der Raum fast ausgelastet. Dann liegt es vor allem am Dozenten, die folgenden 45 Minuten für die kleinen und großen Neugierigen zum spannenden und lehrreichen Erlebnis zu machen.

„Die Kinderuni ist keine Unterhaltungsshow, aber auch kein Unterricht“, so Loseries. „Vielmehr ist es eine Vorlesung auf anschaulichem, kindergerechten Niveau.“ Ob der Dozent diesem Anspruch gerecht wird, gibt ihm sein Auditorium während der Vorlesung unmittelbar zu verstehen, denn Kinder sind wohl die ehrlichsten Zuhörer der Welt. Sind sie gelangweilt, versuchen sie gar nicht erst, dies zu verbergen. Daher haben die Dozenten Respekt vor ihrer Aufgabe. Spätestens direkt vor der Vorlesung, wenn hinter den Türen des Hörsaals die geballte Lautstärke hunderter Kinder auf sie einströmt, wird ihnen bewusst, welcher Herausforderung sie sich stellen. Pleiten, Pech und Pannen gehören zur Kinderuni dazu: Mal hinkt der Beamer hinterher, eine Lampe funktioniert nicht oder das Mikro fällt aus. Doch solche Dinge sind es nicht, die über den Erfolg der Vorlesung entscheiden, sondern vielmehr, wie der Dozent mit diesen Situationen umgeht, wie wohl er sich dabei fühlt, vor etwa 10-jährigen Kindern vorzutragen und wie sehr er die kleinen Zuhörer mitreißen kann. „Je greifbarer, desto besser“, lautet hier das Motto, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Mit Kostümen, Maschinen zum Anfassen und Ausprobieren und echten Tieren zum Beispiel lässt sich die Aufmerksamkeit und Begeisterung der Kinder am besten gewinnen.

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Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser besonderen Herausforderung gibt es keine Schwierigkeiten, immer wieder neue Dozenten zu finden. Die Themen sind dabei bunt gemischt: Es gab bereits Einblicke in Berufsbilder wie Polizist, Feuerwehrmann und Schiedsrichter oder in die Tierklinik. Außerdem erklärte die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft, wie Satelliten funktionieren; ein andermal wurden die Kinder in die Geheimnisse der Schrift eingeführt und zur letzten Weihnachtsvorlesung besann sich unser Rektor Dr. Schareck auf Traditionen. Auf die Idee für die Aprilvorlesung kam Frau Loseries durch ihren Sohn, der großer Fan von Asterix und Obelix ist und sie eines Tages fragte, ob es bei den Galliern und Römern eigentlich nur Wildschwein zu essen gab. Was im alten Rom tatsächlich auf den Tisch kam, wie so ein Essen damals ablief und wie es in dieser Zeit überhaupt aussah, soll ihm und vielen anderen Kindern in der Aprilvorlesung (29. April, 15 Uhr) nähergebracht werden. Die Vorbereitungen für das zehnjährige Jubiläum der Kinderuni laufen unterdessen bereits auf Hochtouren. „Die Kindern können sich in diesem Sommer auf einige Überraschungen freuen!“, verspricht Wiebke Loseries und scheint sich selbst genauso sehr darauf zu freuen wie ihr Sohn.


politik Werft-Dreieck, Firmenverbindungen, der Umbau der Ulmenstraße oder unser Titelthema Unterfinanzierung – auch in dieser Ausgabe geht es mal wieder um das Reizthema Nummer Eins: Geld! Doch diesmal haben wir uns sogar in den Landtag eingeschleust, um einige fundierte Aussagen zu erhalten. Ob das gelungen ist, kann auf den folgenden Seiten nachgelesen werden. Außerdem gibt es spannende Hintergrundinfos zum Studentenwerk – los geht’s!

Michèle Fischer

Tom Seiler

Unterernährte Hochschulen

Steuergeldtransporter im Investitionsstau 26


Den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern fehlt das Geld. Ein alter Hut, und doch tut sich seit Jahren kaum etwas. Ob daran der Bericht des Landesrechnungshofes etwas ändern wird? Fritz Beise würde auch gern den eigenen Bedarf prüfen lassen. // Fotos: Fritz Beise

Wenn Bildungsministerium, Rektorate und Studierendenvertreter_innen sich 2014 in Einem einig waren, dann darin, sich nicht einigen zu können und daher eine unabhängige Stelle zu brauchen. Man stritt sich seit Ewigkeiten, ob die Universitäten denn nun ausfinanziert seien oder nicht und welcher Grad einer Ausfinanzierung denn wirklich ausreichend sei. Die Frage der Ausfinanzierung bezieht sich hierbei – und auch im Weiteren dieses Textes – lediglich auf den Personalhaushalt. Nachdem nun der Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) erschienen ist, fragt man sich als Universitätsangehöriger, wer auf die Idee kam, gerade diese Institution als unabhängiges Prüfungsgremium zu beauftragen. Rektor Schareck fungiert dabei als Initiator – er geht damit auch in einigen Gremien offen und stolz um. Vergleiche dich nicht! Der Landesrechnungshof sollte klären, „ob die den Hochschulen zur Verfügung stehenden Finanzmittel ausreichen, um sie in die Lage zu versetzen, ihre in den derzeitigen Strukturen bestehenden Aufgaben in Lehre und Forschung zu erfüllen“ (LRH-Bericht, S. 1). Das ifo-Institut Dresden wurde vom LRH im Rahmen des Prüfungsberichtes beauftragt, zur Beantwortung der Fragestellung ein Gutachten beizusteuern. Das Institut ist sich sogar bewusst, dass eine betriebswirtschaftliche (!) Prüfung notwendig gewesen wäre, um hierzu eine Aussage treffen zu können. Durchgeführt wurde jedoch ein volkswirtschaftlicher Vergleich mit anderen Hochschulen aus den Bundesländern Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Holstein. Aufgrund dieser ungeeigneten Analysemethode und der Tatsache, dass nicht alle notwendigen Aspekte untersucht wurden – wie beispielsweise, ob die zur Verfügung stehenden Mittel ausreichen, um die Zielvereinbarungen zu erfüllen – konnte und kann der Bericht zu seiner Fragestellung gar keine fundierte Aussage treffen. Prof. Dr. Johanna Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-

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Arndt-Universität Greifswald, benutzte für die Vergleiche mit anderen Universitäten in der Anhörung im Finanzausschuss des Landes am 5. März 2015 ein schönes Bild: „Wenn man Unterernährte vergleicht, wird man nie etwas über das Normalgewicht sagen können.“ Auch Prof. Benkenstein, Vorsitzender des Akademischen Senats der Universität Rostock, unterstützte auf der Ende Februar anberaumten Pressekonferenz der Akademischen Senate aus Rostock und Greifswald diese Aussage: „Von der Universität des Saarlandes weiß ich genau, dass dort definitiv keine Ausfinanzierung vorliegt. Dort müssen gerade 15 bis 20 Prozent der Stellen gestrichen werden. Das zeugt wahrlich nicht von einer Ausfinanzierung.“ Diese Universitäten als Vergleichsmodelle heranzuziehen und hernach etwas über den Ausfinanzierungsgrad oder gar mögliche Bedarfe und Einsparungsmöglichkeiten sagen zu wollen, wirkt aus wissenschaftlicher Perspektive zumindest träumerisch. Vergleiche machen unglücklich. Unsere Eltern sagten uns schon immer, wir sollten uns nicht mit unseren Mitschüler_innen vergleichen. Vergleicht man sich aber clevererweise mit den Tabellenletzten, hier also den ebenfalls oder noch schlechter finanzierten Hochschulen, steht man selbst immer ganz gut oder zumindest durchschnittlich da. Eine perfekte Herangehensweise für die Argumentation, es sei ja eigentlich alles wunderbar. In der Anhörung des Finanzausschusses wurde von Seiten der Universitäten, der Studierendenschaft und einigen weiteren Institutionen heftig Kritik am Gutachten des ifoInstituts geübt. Die Daten aus der Hochschulstatistik wären nicht überprüft, sondern schlicht übernommen worden. Es wären Sachverhalte verglichen worden, deren Datenbasis für keinen Vergleich ausreichend gewesen sei. Auf kritische Nachfrage reagierte Prof. Joachim Ragnitz, Vertreter des ifo-Instituts Dresden, sinngemäß: Das ist dann halt so und außerdem haben wir das schon immer so gemacht. Da ist es dann auch verständlich, warum Dozent_innen aus dem Bereich Wirtschaft die Hände über den Köpfen zusammenschlagen, konfrontiert man sie mit diesem Gutachten.


Fragen, Fragen, Fragen Auch um die Entstehung und den Sinn der Anhörung vor dem Finanzausschuss ranken sich einige Fragen. Sie wurde von der SPD, also einer Regierungspartei initiiert. Doch hat es nicht ein Mitglied der Regierungsfraktionen für nötig erachtet, während der Anhörung Fragen zu stellen. Sollte die Anhörung überhaupt etwas zur Diskussion beitragen und war man wirklich an der Meinung der Betroffenen interessiert? Oder war sie womöglich nur ein Schauprozess, um die Opposition bei Laune zu halten, diese ihre Fragen stellen zu lassen und letztlich doch durchzusetzen, was der Regierung beliebt? Da der LRH eine Unterfinanzierung wahrscheinlich nicht feststellen durfte, tut der Bericht dies auch nicht. Liest man aber mal hinein, findet sich doch die ein oder andere Stelle, wo finanzielle Defizite offen benannt werden – gerade im Hinblick auf den Investitionsstau im Bereich Bau und Instandhaltung. Gleichsam sieht der LRH jedoch Effizienzpotenziale. Dass dieser Begriff bei völlig überlasteten Mitarbeiter_innen des Lehrerprüfungsamts und auch bei vielen Dozent_innen auf keine große Zustimmung stoßen wird, liegt nahe. Wer aufgrund von Überlastung noch nicht zum Arzt musste, kann ja körperlich noch etwas herausholen. So wirken die Aussagen des Berichtes zumindest. Wohin mit dem vielen Geld? Weitere Fragen werden ebenfalls durch das gesonderte Beratungsgutachten im Hinblick auf die zukünftige Verwendung der BAföG-Millionen aufgeworfen. Darin heißt es, man empfehle ca. drei Millionen Euro in hochschulbezogene Bereiche des Bildungsministeriums zu investieren. Was hier abstrakt formuliert wird, bezeichnet sehr wahrscheinlich schlicht den Beamtenapparat unter Bildungsminister Brodkorb. Doch was hat die Hochschullandschaft von einem vergrößerten bürokratischen Beamtenapparat im Bildungsministerium? Seit wann hat der LRH die Aufgabe, politische Entscheidungen zu empfehlen? Und warum empfiehlt der LRH gerade diese Verwendung? Er attestiert dem Bildungsministerium mangelnde Quantität und Qualität im Anfertigen von Berichten im Bereich der Hochschulsteuerung. Daher sei eine Aufstockung des Personals hier notwendig. Der Minister werde die Verteilung der BAföG-Millionen nur überdenken, wenn Hochschulen und Studierendenschaften einen gemeinsamen Gegenvorschlag machen würden, hieß es aus Schwerin. Dass sich die Vertreter_innen der Hochschulen so ganz einig nicht waren und sind, machte auch die erwähnte Pressekonferenz der Senate deutlich. Prof. Benkenstein formulierte dort, dem Wortsinne nach sei eine Universität dann ausfinanziert, wenn sie zu 100 Prozent finanziert sei. Die häufigen Schwankungen der freien Stellen, die dann nicht bezahlt werden müssten, könnte deutlich geringer sein, müsste man nicht mit befristeten Verträgen arbeiten oder bestimmte Stellen ständig frei halten, da man sie nicht finanzieren könne.

Auch innerhalb der Studierendenschaften vertritt man diese Meinung, ist sich jedoch im Klaren, so eine Forderung nicht durchsetzen zu können. Der gemeinsame Vorschlag sieht eine Ausfinanzierung von 97 Prozent für die Universitäten, 98 Prozent für die Fachhochschulen und 100 Prozent für die Hochschule für Musik und Theater (hmt) vor, die aufgrund ihrer „relativen Kleinheit“ (LRH-Bericht, S. 7 und 239) bei einer Finanzierung des Personalhaushaltes unter 100 Prozent gar nicht arbeitsfähig wäre. Die Regentschaft der Durchschnittlichkeit Damit folgt man dem Weg mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit. Vom Ministerium war schließlich wenig Entgegenkommen zu erwarten. „Politiker_innen sollten die Gesellschaft gestalten wollen und nicht nur rumverwalten. Man kann sich doch nicht ständig nur an irgendwelchen Durchschnitten orientieren!“, stellt Martin Warning, Referent für Hochschulpolitik des AStA der Uni Rostock und Sprecher der Landeskonferenz der Studierendenschaften MV (LKS MV) das Selbstverständnis der Landespolitiker_innen in Frage. „Was will die Regierung eigentlich mit diesem Land machen? Was bringen Studierende für den Standort, für die Entwicklung von MV? Es ist ja nicht so, als wäre die Investition in Bildung rausgeschmissenes Geld, es kommt ja wieder.“ Er spielt damit auf mögliche Folgeeinnahmen durch Firmenneugründungen, zusätzliche Einwohner und dergleichen mehr an. „Wir sind nicht mehr das einzige Bundesland ohne Studiengebühren, da muss man sich schon etwas einfallen lassen, um die Leute an unsere Universitäten zu locken und im Land zu halten“, fordert er die Landesregierung zur weiteren Ausfinanzierung auf. Blättert man alte Ausgaben des heuler durch, spielte das Thema Unterfinanzierung regelmäßig eine Rolle. Das war Ende der Neunziger genauso der Fall wie heute. Geld floß nur, wenn wirklich gar nichts mehr ging. Ob dies wohl endlich das letzte Mal gewesen sein wird, dass sich der heuler mit der Unterfinanzierung der Hochschulen beschäftigen muss? Unwahrscheinlich.

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Der Keller des Gr체nen Ungeheuers birgt einige Sch채tze f체r die visuelle Darstellung des mangelnden Willens, in Bildung zu investieren.

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Gestrandet bei der Landespolitik – Im Büro neben der Niklothalle

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern bildet den Dreh- und Angelpunkt der Politik dieses Bundeslandes. Der perfekte Ort, um als angehende PolitikwissenschaftlerIn das Pflichtpraktikum zu absolvieren – auf den Spuren nachhaltiger Zukunftsvisionen im Schloss (oder doch nicht). Michèle Fischer spielt diesmal die Prinzessin im Schloss. // Foto: CC BY-NC-SA 2.0 Thaddäus Zoltkowski

ich Muttergefühle für meinen Auftrag und brütete neben Fraktionssitzungen, Ausschussveranstaltungen und den ReferentInnentreffen ununterbrochen über den Ordnern. Schnell wurde jedoch der Ehrgeiz durch bürokratische Hürden zurückgehalten. Realität trifft auf studentische Naivität im Glauben an schnelle Politik. Die Stimmung im Schloss – Rudelbildung

Vom Hauptbahnhof aus Richtung Marienplatz über die Schlossstraße kann jeder Politikfan innerhalb von 15 Minuten den Sitz des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin erreichen. Der Personalausweis wird bei der Sicherheitskontrolle in ein praktisches Umhängeschild getauscht und schon wartet die Marmortreppe der Eingangshalle – wie anstrengend. Bei diesem Bericht spielt es keine Rolle, bei welcher Fraktion die folgende Zeit erlebt wurde. Von Kaffee kochen bis Post sortieren Wer die typischen Klischees der Praktikantenjobs kennt, erwartet an dieser Stelle sicherlich einen ausführlichen Bericht über die neueste Stempelverordnung oder den Unterschied zwischen Arabica-

bohnen eines bekannten Kaffeerösters und der Pulvervariante aus dem Supermarkt von nebenan. Aber glücklicherweise gehörte dieses Aufgabenfeld nicht zum Arbeitsbereich. Stattdessen wird man als PraktikantIn der Fraktion, nach dem obligatorischen Rundgang durch die Büros, ins kalte Wasser geschubst. „Siehst du die Aktenordner auf dem Schreibtisch dort?“ – „Das sind die aktuellen Themen, erarbeite eine kleine Anfrage, Vergleichstabellen, Medienrecherche und natürlich Pressemitteilung zu einem expliziten Thema, okay?“ Puh. Erste Überforderung – für Hausarbeiten hat der Studierende schließlich acht Wochen Zeit. Nachdem der erste Schock jedoch verdaut war, stürzte man sich natürlich sofort in die Arbeit, da negatives Auffallen am ersten Tag eher nicht erwünscht ist. In den nächsten Tagen entwickelte

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Fünf Parteien und somit fünf grundverschiedene Ansichten stellen seit 2011 die aktuelle Vertretung der BürgerInnen in Mecklenburg-Vorpommern. Obwohl die Koalition aus SPD und CDU immer wieder betont, dass es untereinander nie Streitigkeiten geben würde, merkt man schnell, wie das System funktioniert. Jeder hat seinen zugewiesenen Fachbereich und die Vorschläge der Oppositionsfraktionen werden grundsätzlich abgelehnt. Demokratieverständnis – Fehlanzeige. Da können die Abgeordneten froh sein, dass der Landtagslivestream nur das Rednerpult zeigt, nicht die leeren Stühle der VertreterInnen. Ergreift Abgeordneter X doch mal das Wort, fällt er entweder durch Pöbeleien oder den Versuch von Schadensbegrenzung negativ auf. Die NPD – „ruhig, Brauner!“ Ein ganz eigenes Thema für sich beansprucht die Fraktion der NPD im Landtag. Auf dem Flur mit ignorierenden Blick bestraft, lassen sie ihren Ansichten in sämtlichen Sitzungen freien Lauf. An dieser Stelle ein Hoch auf die begrenzte Redezeit. Statistiken brauchen sie nicht, weil es doch logisch ist, wenn im Jahr 2013 100.000 Asylanträge im Land gestellt werden und 2014 200.000, es dementsprechend 2015 300.000 sein müssten. Auch ihre chorartigen, fremdenfeindlichen Hassbekundungen sind auf Dauer einfach nur nervig. Was noch so kurioses hinter den Schlossmauern passiert, erfahrt ihr auf: www.heulermagazin.de


Das Studentenwerk – wichtige Anlaufstelle für Studierende

Das Studentenwerk Rostock hat eine neue Geschäftsführung. Eine gute Gelegenheit die Einrichtung vorzustellen: das StuWe hat sehr viel zu bieten! Tom Seiler geht für sein Leben gern mensen.

Viele Student*innen kennen das Studentenwerk sehr gut, zum Beispiel weil sie dort BAföG beantragen müssen oder im Studentenwohnheim leben. Andere nehmen es meist nur im vorbeilaufen in der Mensa wahr. In jedem Fall ist es für uns als Student*innen in vielen Fragen sehr wichtig. Deshalb ist es auch von Interesse, wer im StuWe, so die inoffizielle Kurzform des Studentenwerks, das Sagen hat. Da nicht jede*r von uns Expert*in sein kann, hier die wichtigsten grundsätzlichen und aktuellen Informationen im praktischen heulerArtikelformat. Das Studentenwerk Rostock ist nicht nur für die Rostocker Universität zuständig, sondern darüber hinaus für die HMT sowie für die Hochschule Wismar und betreut damit ungefähr 19.000 Student*innen. Seine Aufgaben sind klar in einem Studentenwerksgesetz definiert: die Versorgung der Student*innen in unseren preisgekrönten Mensen gehört ebenso dazu, wie das studentische Wohnen. Dazu gehört das Betreiben der vorhandenen Einrichtungen, aber auch für die Zukunft zu planen und vorzusorgen. Wenn neue Mensen oder Wohnheime gebaut werden müssen, ist es unweigerlich mit im Boot. Zum sozialen Auftrag des Studentenwerks gehört auch, Sozialberatung für Student*innen in schwierigen Lebenssituationen anzubieten. Ob im Studium oder privat – wenn ihr große Probleme habt, die ihr alleine nicht lösen könnt, habt ihr die Möglichkeit, euch im StuWe beraten zu lassen. Es muss aber nicht erst eine konkrete Notsituation vorliegen, damit ihr dort eine wichtige Anlaufstelle findet. So bietet es auch Beratung von Student*innen mit Kind, Student*innen mit Behinderung, in Finanzierungsfragen und dient nicht zuletzt der Bearbeitung von BAföG-Anträgen. Wer sich damit also schon rumschlagen durfte, kennt das StuWe sowieso. All diese Informationen sind im Internet zu finden, aber es lohnt sich ein weiter gehender Blick

hinter die Kulissen. Ende des letzten Jahres wurde vom Verwaltungsrat ein neuer Geschäftsführer gewählt. Was zunächst unspektakulär klingen mag, beendet ein langes und schwieriges Auswahlverfahren. Seit dem alten Geschäftsführer im Sommer 2013 gekündigt worden war, stand bisher Petra Tröbner kommissarisch an der Spitze. Sie war davor bereits Abteilungsleiterin, wollte die Geschäftsführung aber nicht dauerhaft übernehmen. Es folgte ein Prozess, in dem ausgewählte Personen dann doch wieder zurücktraten. Schließlich wurde professionelle Hilfe gesucht, als klar wurde, dass der Auswahlprozess allein aus den Gremien des Studentenwerks nicht zu bewältigen war. Im November 2014 wurde der neue Chef dann endlich gewählt, dessen Name bei Redaktionsschluss jedoch noch geheim war, da die Vertragsverhandlungen gerade erst beendet wurden. Warum ist das für uns als Student*innen überhaupt von Bedeutung? „Die Geschäftsführung bestimmt die Ausrichtung des StuWe maßgeblich mit“, sagt Max Hertrich, einer der studentischen Vertreter im Vorstand. Für Student*innen sei besonders interessant, ob die studentischen Vertreter*innen sich wichtige Dinge erst erkämpfen müssen oder ob sie in der Geschäftsführung einen Verbündeten haben. Worauf legt derjenige das Hauptaugenmerk? Teure Prestigeprojekte oder gute Wohn- und Mensaprojekte, die tatsächlich den Rahmenbedingungen des Studiums zugutekommen? In den Gremien des Studentenwerks, in Verwaltungsrat und Vorstand arbeiten und entscheiden Student*innen mit, haben aber keine absolute Mehrheit. Das bedeutet, Max und seine Mitstreiter*innen müssen die anderen Mitglieder der Gremien, also Professor*innen, Vertreter*innen der Stadt sowie der Industrie- und Handelskammer, mit guten Argumenten überzeugen. So werden im Studentenwerk schließlich viele Weichen gestellt, die für die Studierendenschaft

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von Bedeutung sind. Aktuell ist zum Beispiel der Beschluss des Vorstands spannend, die Außenstelle in der Möllner Straße schrittweise aufzugeben. Die unsanierten Wohnheimgebäude sollen geschlossen werden, „sobald adäquater Ersatz besteht“. Dies sei nach derzeitiger Planung spätestens im Wintersemester 2016/2017 so weit, meint Max. In zehn Jahren werden sich Uni und Studentenwerk komplett aus Lichtenhagen zurückgezogen haben, wenn der ungefähre Zeitplan eingehalten wird. Für die absehbare Zukunft stehen noch weitere große Aufgaben und Projekte auf dem Plan. Das Studentenwerk muss sich beispielsweise auf einen veränderten Bedarf einstellen, wenn das derzeit in der Planung befindliche neue Gebäude für die Philosophische Fakultät errichtet wird. Dieses soll den Bebel-Tower ersetzen, der höchstens noch mit Retro-Charme, jedenfalls nicht mit guten Studienbedingungen, überzeugen kann. Außerdem sollen die beiden kleinen Mensen auf dem Ulmencampus, ursprünglich nur als Provisorien gedacht, einer großen Mensa im Stil jener in der Südstadt weichen. Daran schließen sich allerdings neue Probleme an: Wo genau werden die neuen Gebäude platziert? Dafür gibt es zwar Ideen und Möglichkeiten, die Planung der Bauvorhaben, die eigentlich gleichzeitig stattfinden sollen, wird aber alles andere als einfach. Am Ende hat das Studentenwerk ein ganz ähnliches Problem wie die Student*innen, die es betreut: zu wenig Geld. Das Bildungsministerium zögert mit ausreichenden Investitionen und die Finanzierung des Mensaneubaus auf dem Ulmencampus ist zum Teil noch immer ungeklärt. Dennoch wird sich in den nächsten Jahren viel bewegen, dran bleiben zahlt sich aus!


Die Umgebung der Uni Eine einzige Baustelle? Rund um den Ulmencampus soll ab 2016 gebaut werden: Ulmenstraße und Ulmenmarkt werden umgebaut. Was kommt damit auf die Universität Rostock zu? Daniel Möck sieht Baustellen als Zeichen des Fortschritts. // Foto: Hauke Ruge

Bereits seit längerem plant die Stadt Rostock, die Maßmannstraße, die Ulmenstraße und den Ulmenmarkt umzubauen. „Der allgemeine Zustand der Straße und die Aufwertung der Straße insbesondere durch den Universitätsstandort mit erheblichem Fußgänger- und Fahrradverkehr sowie der Polizei erfordern eine grundhafte Erneuerung“, erklärt dazu Christian Pagenkopf vom Rostocker Tiefbauamt. In den Jahren 2012 und 2013 fanden bereits erste Planungswerkstätten statt, in welchen den Anwohnern die Umbaumaßnahmen erläutert wurden. Aktuell laufen noch die Vorplanungen, doch bereits 2016 soll mit einem ersten Bauabschnitt begonnen werden. Konkret soll die Verkehrssicherheit verbessert werden, indem auf Höhe der Universität eine leicht

erhöhte, für Autos aber trotzdem überfahrbare Verkehrsinsel in der Fahrbahnmitte gebaut wird, die den Fußgängern das Überqueren der Ulmenstraße erleichtern soll. Die Bäume sollen zudem mehr Platz bekommen, indem zukünftig nicht mehr so nah an ihnen geparkt werden darf. Am S-Bahn Ausgang Maßmannstraße sollen dafür weitere Stellplätze entstehen – als Ausgleich für die wegfallenden Parkplätze in der Ulmenstraße. Zwischen Waldemarstraße und Margaretenstraße soll es zudem eine Begrenzung auf Tempo 30 geben. Natürlich wird es all diese Veränderungen nicht ohne Einschränkungen geben. Die Stadt schätzte die Kosten 2013 auf rund drei Millionen Euro – doch diese Rechnung geht nur auf, sofern einige Kosten auf die Anlieger umgelegt werden. Auch

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die Universität Rostock wird dann als Anlieger einen Teil dieser Kosten tragen müssen. Die genaue Höhe der Gelder, so Pagenkopf, wird in der weiteren Planung jedoch erst noch ermittelt. Abgesehen von finanziellen Nachteilen wird die Universität natürlich auch weitere Einschränkungen hinnehmen müssen: Dazu gehört Baulärm ebenso wie eine verschärfte Parksituation und eine schlechtere Erreichbarkeit. Erst nach der gesamten Bauzeit von drei Jahren wird sich vieles zum Besseren wenden und die Situation deutlich entschärft sein. Die meisten der aktuell immatrikulierten Student*innen dürften bis dahin ihr Studium jedoch beendet haben.


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American Football in Rostock

Amerikanische Sportarten werden in Rostock immer beliebter. Doch es gibt ein Problem: Die Spielund Trainingsbedingungen sind alles andere als optimal. Die Vereine suchen eine Lösung. Tom Seiler hätte am liebsten ein großes Football-Stadion in Rostock.

American Football, Lazunächst abgelehnt. manchmal crosse und Baseball gibt So wurde neben den im Leichtes längst nicht mehr nur fehlenden Finanzierungsat h let i k st ain ihrem Herkunftsland, vorschlägen kritisiert, dass dion, direkt den Vereinigten Staaten. In zuerst ein tragfähiges Konzept vor den Toren Europa sind in den letzten vorhanden sein müsse, wie ein des OstseestadiJahren viele Vereine entstanden, solches Sportzentrum nachhaltig ons. Da kann man die eben diese Sportarten anbieund für alle beteiligten Sportarten schon mal ins Träuten. Rostock ist mit den Rostock in vollem Umfang nutzbar zu realisiemen geraten ... Gemeinsam versuGriffins (Football), RoLax (Lacrosse) ren sei. Damit ist die Sache aber längst chen die Vereine sich pound den Bucaneros (Baseball) gut mit nicht abgehakt. Schul- und Sportsenator litisch für eine dauerhaftere dabei. Diese drei haben zusammen inSteffen Bockhahn von der Linkspartei weiß Lösung einzusetzen. Ziel ist zwischen mehr als 250 Mitglieder und nach einiger Aussage von dem Problem, es die Einrichtung einer Spielstätkönnen Erfolge in den entsprechenden deutwerde versucht eine Lösung zu finden. Natürte speziell für diese amerikanischen Ligen feiern. Die positive Entwicklung lich wäre ein vollwertiges Sportzentrum äußerst schen Sportarten. Unterstützung wird allerdings behindert durch mangelnde aufwendig und kostspielig – die Rentabilität gibt es in der Bürgerschaft unter Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten. Bisher nicht vorhersehbar. Die Spieler der Rostock anderem von der FDP-Fraktion, doch gibt es noch keine Plätze in Rostock, die speziell Griffins sowie der anderen Vereine für amees gibt viele Hindernisse. Zum einen auf Football oder Baseball zugeschnitten sind. rikanische Sportarten spielen unterdessen muss geklärt werden, wo in der HanDas ist ein Problem, weil die Vereine fremde weiter auf Plätzen, die für sie eigentlich sestadt überhaupt Flächen zur Verfügung Einrichtungen mitnutzen müssen, dort aber nicht geeignet sind und werden schon stehen, die zu diesem Zweck genutzt werkeine guten Bedingungen für ihre Sportart deshalb den Kampf für bessere Traiden könnten. Selbst wenn geeignete Flächen vorfinden. Die Rostock Griffins beispielsnings- und Wettkampfbedingungen gefunden werden, ist die Frage offen, wie die weise trainieren ihre Football-Fähigkeiten nicht aufgeben. Jens Putzier von den doch erheblich unterschiedlichen Bedürfnisse vorwiegend auf einem Fußballplatz in Rostock Griffins träumt sogar von der Football-, Lacrosse- und Baseball-Spieler*innen Warnemünde. Das Feld hat zwar eine einem innovativen Sportzentrum, in einer einzigen Sporteinrichtung vereint werden vergleichbare Länge und Breite mit das die deutschen Nationalmannkönnen – von der Finanzierung ganz zu schweigen. jener, die die Griffins brauchen, die schaften anlocken könnte. Falls Ein konkreter Antrag der FDP-Fraktion in der Rostocker speziellen Markierungen und Tore, die Popularität der Sportarten Bürgerschaft aus dem Jahr 2014 sah vor, dass der Oberdie zum Footballspielen benötigt in Rostock weiter steigt, wird bürgermeister und die Stadtverwaltung prüfen sollten, wo werden, müssen jedoch jedes Mal der Druck auf die Politik imein amerikanisches Sportzentrum entstehen könnte. Einer eigens angebracht und aufgemer größer werden. Vielder Vorschläge der Fraktion sprach sogar von den Universibaut werden. Außerdem sind leicht gibt es dann ja doch tätssportflächen am Waldessaum. Außerdem wurde auf die indie Kapazitäten für das Publinoch ein Happy End. tensive Nachwuchsarbeit und den möglichen Nutzen für andere kum stark beschränkt. Auch Vereine und Anti-Gewalt-Projekte verwiesen. Der Antrag wurde deshalb spielen die Griffins

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Wir gehören zusammen – irgendwie!

Hinter den vielen Schaufenstern in der Kröpeliner Straße verbergen sich nicht immer auch verschiedene Unternehmen. Oftmals gehören Geschäfte nämlich zusammen oder sind wirtschaftlich verflochten. Ein etwas anderer Schaufensterbummel durch die Rostocker Einkaufslandschaft. Daniel Möck schaut, anstatt zu shoppen, lieber hinter die Kulissen.

Beginnen wir also am Neuen Markt, dem Herz der Stadt. Neben vielen Cafés und dem Rathaus befindet sich dort eine Vielzahl von Geschäften. Eine Filiale der DKB etwa. Die Deutsche Kreditbank ist jedoch keine Rostocker Erfindung, sondern gehört zu 100% der Bayerischen Landesbank. Bayern geben also auch dem altehrwürdigen Ostseestadion seinen aktuellen Namen! Ein paar Meter weiter in der Kröpeliner Straße treffen wir auf eine Tchibo-Filiale. Tchibo gehört zur Maxingvest AG und diese wiederum besitzt auch Blume 2000. Den Blumenladen findet man kurz hinter dem Uni-Hauptgebäude. Interessanterweise gehört zu Maxingvest anteilig auch die Beiersdorf AG, welche unter anderem für Nivea, Labello und Tesa bekannt ist. Kaffee, Blumen, Klebstoff und Hautpflege also unter einem Dach! Auf Höhe des Universitätsplatzes hat die Parfümerie Douglas eine Filiale. Und auch diese ist ein Tochterunternehmen einer Aktiengesellschaft: Eigentümer von Douglas ist nämlich die DouglasHolding – und zu dieser gehören auch die Buchhandlungen von Thalia. Bis 2014 waren auch die Süßwarenläden von Hussel und der Juwelier Christ im Besitz der Douglas-Holding. In Rostock findet man all diese vier Läden in der Innenstadt.

Auch Modeunternehmen gehören oftmals zusammen. Ein gutes Beispiel aus Rostock ist dafür das Bekleidungsunternehmen Bonita, welches sich eigentlich im Besitz von TomTailor befindet. Abseits der Kröpeliner Straße, in der Breiten Straße ist Galeria Kaufhof angesiedelt. Kaufhof gehört zur METRO AG – genauso wie die Supermarktkette Real und die Elektrotechnikmärkte Mediamarkt und SATURN. Zum SATURN im KTC ist es von hier nur ein Katzensprung. Zurück in der Kröpeliner Straße ist ein Buchgeschäft von Weltbild kaum zu übersehen. Die Verlagsgruppe Weltbild, zu welcher die Filiale gehört, war bis zur Insolvenz 2014 im vollständigen Besitz der katholischen Kirche. Weiter führt unser Spaziergang in die Doberaner Straße Richtung Westen. Ein bekanntes Rostocker Exportprodukt, die Biere der hanseatischen Brauerei, ist unternehmenstechnisch komplex verflochten: Als Teil der Radeberger Gruppe gehört die Brauerei zur Dr. August Oetker KG – jenem Dr. Oetker, der für Tiefkühlpizza oder Backzutaten bekannt ist. Der Discounter Lidl, wie beispielsweise gegenüber des Peter-Weiss-Hauses zu finden, ist Teil der Schwarz-Gruppe – zu dieser gehört auch die Super-

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marktkette Kaufland. Eine solche Kaufland-Filiale befindet sich wiederum in der Rostocker Südstadt. Unser Spaziergang endet, ohne alle Verstrickungen namentlich erwähnen zu können – das wären einfach zu viele im Neptuncenter beim Werftdreieck. Interessant ist an dieser Stelle der Lebensmitteleinzelhändler EDEKA. Zur EDEKA-Gruppe gehören nämlich auch der (rote) Netto Marken-Discount und das SB-Warenhaus Marktkauf. Und diese beiden sind ebenfalls mit Filialen in Rostock vertreten: Im KTC, beziehungsweise in Lütten Klein.

Anmerkung des Autors: Natürlich sind nicht alle Unternehmen in Rostock miteinander verflochten. Es gibt sehr viele kleine, selbstständige und unabhängige Läden, deren Besuch sich zu jeder Zeit lohnt. Schaut euch um – und ihr werdet überrascht sein, wie viel Individualität in einigen Rostocker Geschäften steckt!


Wohnungen im Werftdreieck

Steigende Mieten in der KTV: Mehr Wohnraum soll Abhilfe schaffen. Der WIRO obliegt nun die Bebauung des Werftdreiecks. Hauke Ruge und Fritz Beise schlagen vor, die Heinkel-Mauer als Parkhausfassade zu recyceln. // Foto: Hauke Ruge

Der vermutlich größte innerstädtische Hundetrainingsplatz hinter der Heinkelmauer am Werftdreieck soll nach Plänen der WIRO bebaut werden. Das Werftdreieck würde sich demnach in ein großes Neubaugebiet verwandeln. Dazu gab es in der Bürgerschaftssitzung am 20. Januar eine Beschlussvorlage. Nach dieser hat nun die WIRO das Areal zwischen Holbeinplatz und Neptun-Center erworben. Mitte der Neunziger Jahre hatte der vorherige Besitzer Pläne, auf dem Gelände ein größeres Einkaufszentrum bauen zu lassen – darunter Filialen eines Baumarkts und eines französischen Sportartikelhändlers. Die zu erwartende zusätzliche Verkehrsbelastung auf der schon hoch frequentierten

Lübecker Straße stieß auf Kritik der Rostocker_innen – besonders im Ortsbeirat KTV – und man befürwortete aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes stattdessen das Vorhaben, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Mitbestimmung? Zum Bebauungsplan des Werftdreiecks gehören sowohl die Häuserfront an der gegenüberliegenden Seite der Lübecker Straße als auch die Spitze an der Haltestelle Maßmannstraße, auf der bis vor einem Jahr ein Kiosk vor sich hin rottete. Da die Beteiligung der Bürger_innen an derarti-

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gen Bebauungsmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben ist, verpflichtete sich die WIRO, mithilfe eines externen Unternehmens ein spezielles Beteiligungsverfahren durchzuführen. Wie die Beschlussvorlage vorsah, beschäftigte sich auch der Ortsbeirat mit diesen Bauplänen. Bei einer öffentlichen Sitzung in der Borwin-Schule sammelte man Wünsche und Anregungen für das zukünftige Bebauungskonzept. Besonderes Augenmerk legte man auf bezahlbaren Wohnraum. Hier stellt sich allerdings die Frage, was genau bezahlbar bedeutet. Wo wird hier die Grenze gezogen? Hinzu komme, dass Sozialer Wohnungsbau vom Land nicht subventioniert werde, da man nach negativen Erfahrungen


in Berlin davon absehe, erklärt uns Friedrich Gottschewski (SPD) aus dem Ortsbeirat KTV. Man wünscht sich außerdem eine Kinderbetreuung und Flächen für Spielplätze sowie Räume für kleinen Einzelhandel – ein Biosupermarkt hat bereits Interesse angemeldet. Um das in der KTV beschränkte Angebot an Parkmöglichkeiten zu entlasten, regt man an, die Möglichkeiten eines Parkhauses – ob unter- oder oberirdisch – zu bedenken. Die Mauer muss weg? Wichtiger Bestandteil des Konzeptes solle ebenfalls die Integration der Heinkelmauer sein, die seit 1993

unter Denkmalschutz steht. Die Gründung von Ernst Heinkels Flugzeugwerk im Dezember 1922 in Warnemünde trug maßgeblich zur Industrialisierung und zum Wachstum der Hansestadt Rostock bei. Dabei sollte aber nicht die Beteiligung der Firma an der Ausbeutung von Zwangsarbeiter_innen in der NS-Rüstungsindustrie vergessen bleiben. Auch die Heinkelwerke profitierten davon. Das weitere Schicksal der markanten Mauer ist nun allerdings noch unklar. Der Zahn der Zeit hat an ihr genagt und sie wird im aktuellen Zustand kaum der Statik eines modernen Gebäudes entsprechen. Daher halten es Mitglieder des Ortsbeirates für sinnvoll, sie zumindest als architektonisches

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Element in die Gebäude entlang der Lübecker Straße zu integrieren. Das heißt, sie abzureißen, aber in der Fassade der neuen Gebäude eine Adaption der Mauerarchitektur erkennen zu lassen. In der Sitzung der Bürgerschaft Ende März wurde die Beschlussvorlage sowie beide Änderungsanträge des Ortsbeirates KTV durchgewunken. Man sei sich eben einig, heißt es dazu in der Bürgerschaft. Eine Debatte wäre nicht zu erwarten gewesen. Mit Spannung dürfen nun die ersten ausgearbeiteten Konzepte für die Neueinteilung der Flächen erwartet werden. Eine komplette Neugestaltung des Verkehrsflusses an der staugeplagten Lübecker Straße wäre möglich.


kultur Je suis ... Je suis Charlie. Je suis Sewan. Je suis heuler. Seit den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo stellt sich nicht nur Hamlet die berühmte Frage „Sein oder nicht Sein?“. Die Meinungen darüber, ob Kunst und Satire wirklich alles dürfen, gehen auseinander. Die Debatte erreichte unlängst Rostock: Hier werden Theaterintendanten aufgrund „poetischer Zuspitzungen“ abberufen und auch der heuler muss sich für streitbare Inhalte rechtfertigen. Doch fest steht: Im kommenden Ressort dürfen Menschen ihre Meinung frei äußern. Freut euch auf Tontechnik, Theater und Toitenwinkel.

Philipp Rose

Anne Halbauer

Vitrine Hier soll eine kleine Plattform für eure künstlerischen Arbeiten sein. Egal ob Malerei, Bildhauerei, Fotografie oder Literatur – zeigt her euer Können! Falls ihr Lust habt, euch und eure Arbeit vorzustellen, dann könnt ihr uns rund um die Uhr eine Email an kultur@ heulermagazin.de schreiben. Wir freuen uns auf eure spannenden Vorschläge!

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F端r den heuler fotografiere ich nun schon eine Weile. Meistens digital und in Farbe. In meiner Freizeit halte ich gerne Augenblicke klassisch auf Film fest. Ich bin immer auf der Suche nach einem interessanten Blickwinkel und dem besonderen Licht. Manches davon zeige ich unter www.flickr.com/photos/xe-hauke/. Hauke Ruge

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... hinter den Kulissen

B端hne frei: Diesmal darauf und nicht dahinter!

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Viele Musikliebhaber*innen und Freund*innen der Technik haben schon einmal darüber nachgedacht genau das zu tun, was Peter Schade sich zum Beruf gemacht hat. Er ist Licht- und Tontechniker im Rostocker M.A.U. Club. Michel Wiedecke dreht diesmal den Spot um. // Fotos: Hauke Ruge

„Oh Gott! Was macht denn der da?“

Seit 2013 liegt die Hauptverantwortung für alles Technische in den Händen von Peter Schade. Nach der Ausbildung in eben diesem Etablissement arbeitete er kurzzeitig als freier Techniker bis ihn sein damaliger Mentor, der nach Berlin wechselte, für seine Nachfolge empfahl. Sich an seine Lehrzeit erinnernd, nahm er das Angebot an. In dieser Zeit hatte er das M.A.U. als sehr speziellen Ausbildungsbetrieb, in dem sich auf Augenhöhe begegnet wird, wahrgenommen. Auch deshalb war er dem Club noch emotional verhaftet. Heute lernt er selbst vier Lehrlinge an, mit denen er zusammen das technische Team des M.A.U. bildet. Ein externer Tontechniker wird bei Bedarf dazugekauft. In der Rostocker Szene gibt es zudem eine rege Zusammenarbeit mit ähnlich gesinnten Veranstaltungsorten, sodass es beispielsweise zu bestimmten Anlässen einen Personalaustausch zwischen dem JAZ (JugendAlternativZentrum) und dem M.A.U. gibt. Allerdings bringen die Bands mittlerweile bei vielen Veranstaltungen ihre eigenen Tontechniker*innen mit. Dann besteht Peters Aufgabe abends natürlich nicht darin, selber den Sound abzumischen, sondern in der Einarbeitung und Betreuung dieser. Aber sein Arbeitstag beginnt nicht erst mit den Veranstaltungen, bei denen er auch nicht immer zugegen ist. Bereits um 10 Uhr trifft er sich vor Ort mit den Lehrlingen, um die Aufgaben für den Tag zu besprechen. Diese unterscheiden sich je nach Anforderungen für den Abend. Der Zumbakurs hebt sich selbstverständlich von der DRK-Disko ab, und auch von etwaigen Konzerten. Deshalb muss das Equipment neu ausgerichtet und verkabelt werden. Manchmal wird selbst der Bühnenaufbau abgeändert. Einen größeren Teil der Arbeitszeit nimmt die Reparatur beschädigter Gerätschaften in Anspruch. Im Fokus steht in jedem Fall der Sicherheitsaspekt. Dies alles sind Aufgaben, die grundsätzlich von den Azubis erledigt werden können. Peter ist vormittags meistens damit beschäftigt, die notwenigen Absprachen mit kommenden Bands oder anderen Veranstaltungen zu treffen.

Der Beruf verändert natürlich die Wahrnehmung anderer Veranstaltungen. Das Wissen darum, was alles passieren kann, bis die Menschen vor der Bühne tanzen können, ist immer präsent. Andere Anforderungen werden an die Show gestellt und der Kopf denkt kontinuierlich darüber nach, was verbessert werden könnte, um den Ohrenschmaus noch schmackhafter zu machen. Was nicht bedeuten soll, dass bei Peter nie etwas schief gehen würde. Als Ende 2013 DIE BoNKERS im M.A.U. spielten, lief es hervorragend. Gegen Ende des Konzertes standen zehn zusätzliche Menschen auf der Bühne, die „gut dabei“ waren. Und plötzlich war das Licht aus. Der Ton auch. Und das für über zehn Minuten. Eine große Bierlache hatte sich auf dem Boden gebildet und war in den Verteilerkasten gelaufen. Die Hauptsicherung sprang heraus und sorgte für die anschließende Verwirrung. Für Peter, dem Verantwortlichen, eine unglaubliche Stresssituation. Seitdem gibt es auf der Bühne wasserfeste Verteiler. Aber Herausforderungen scheut er trotzdem nicht. Im Gegenteil, es ist sein Wunsch einmal für Porcupine Tree, eine Progressive Rock-Band mit sehr eigenem Sound, zu mischen. Damit diese die Gelegenheit hätte im M.A.U. zu spielen, müsste dieses aber noch eine Weile bestehen. Schon Ende letzten Jahres stand die Finanzierung allerdings auf Messers Schneide. Mithilfe einer Petition konnte erreicht werden, dass zumindest bis Mitte dieses Jahres der Bestand gesichert werden konnte. Peter sagt, er glaube trotzdem, dass das M.A.U. bestehen bleiben wird. Als essentieller Teil der Rostocker Musikszene, der für die Menschen einfach dazugehöre, wäre es wert dafür zu kämpfen. Und er glaubt auch, dass die Bürger*innen dies tun werden.

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Mehr als nur Theater

Im Kulturbereich hat Rostock einiges zu bieten, auch in beruflicher Hinsicht. Mit dem Studiengang Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel schafft die Hochschule für Musik und Theater (hmt) Grundlagen für mehr Kunst und Kultur im eigenen (Berufs-)Leben und im Leben anderer. Steffen Wollschläger liebt das Theater, will aber trotzdem kein Schauspieler sein. // Foto: Leandro Gomes Viana

In Rostock gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich neben dem Studium schauspielerisch zu betätigen: neben freien Theatergruppen, wie den Freigeistern und dem Theater am Ring, gibt es beispielweise auch (noch) den Studententheaterclub am Volkstheater, das Kabarett ROhrSTOCK oder die Improvisationstheatergruppe Haspler. Doch was ist, wenn man trotzdem nicht genug bekommt und das Hobby zum Beruf machen will? Klar, man könnte sich einfach an der hmt für Schauspiel bewerben, um dann Karriere zu machen. Wer sich aber für die Arbeit mit Menschen interessiert und von der Wirkungskraft theatraler Formen überzeugt ist, für den hat die hmt noch mehr zu bieten, denn am Institut für Schauspiel gibt es seit mehr als zehn Jahren einen weiteren Studiengang: Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel. War dieser Anfangs ausschließlich für Lehramtsstudiengänge konzipiert, so ist er seit rund vier Jahren ein Masterstudiengang, welcher aber immer noch Plätze für Lehramtsstudenten der Universität Rostock für das Beifach Darstellendes Spiel bereithält.

Geleitet wird der Studiengang von seiner Mitbegründerin Marion Küster, die sich neben dem Engagement für Theaterpädagogik in MV vor allem für den transkulturellen Austausch stark macht und in der Weltorganisation IDEA (International Drama in Education Association) mitarbeitet. Dies hat auch Auswirkung auf die Gestaltung des Studiums. So wurden in der Vergangenheit Projekte in Frankreich, Brasilien oder Italien realisiert und internationale Gäste empfangen. Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum an Studieninhalten: Von Theatergeschichte und Stückanalyse, über Maskenbau und Puppentheater, bis hin zu Improvisationsansätze und Figurenstudium wird viel geboten. Um ein möglichst umfassendes Rüstzeug mit an die Hand zu geben, werden darüber hinaus auch Inhalte wie Licht- und Tontechnik oder Kulturmanagement und Projektplanung behandelt. Bevor man jedoch für zwei bzw. vier Semester in diese Welt abtaucht, gilt es die Aufnahmeprüfung zu bestehen, um einen der zwölf Plätze pro Jahrgang zu ergattern (siehe nächste Seite). Dabei

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bewerben sich nicht nur Lehramtsstudierende, Theaterwissenschaftler_innen und Sozialpädagog_innen. Auch ein Biologe und ein Wirtschaftsingenieur haben schon Theaterpädagogik an der hmt studiert. Am Ende der sehr intensiven Studienzeit, steht man wie in jedem anderen Studium vor der Frage: Wie geht es weiter? Möglichkeiten gibt es viele, auch in Rostock. So arbeiten Absolvent_innen beispielsweise am Rostocker Volkstheater als Theaterpädagog_in oder Assistent_in in der Dramaturgie, andere schlagen sich als freie Theaterpädagog_innen durch oder arbeiten in sozialen Einrichtungen. Gute Voraussetzungen für die berufliche Karriere bietet die hmt auch mit ihrer Anerkennung als eine von deutschlandweit 14 Bildungsinstitutionen für Theaterpädagogigk vom Bundesverband Theaterpädagogik e. V. Mit dem Studium der Theaterpädagogik an der hmt bekommt man eine Ausbildung geboten, die einen persönlich wachsen lässt und mit ständigem Praxisbezug Schritt für Schritt auf die spätere Arbeit vorbereitet.


Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel in Rostock önliches Auf ein pers im Gespräch be ionstag: at rm o linf en Hochschu den Studierend rsön lich m it Wer gerne pe agog ik ins Geder Theaterpäd h möchte und sic en spräch kom m oag äd rp e Theate weiter über di ill, in form ieren w k oc st Ro gi k in zu da Gelegen heit erhä lt die nstag am io at rm chul in fo beim Hochs der hmt 13:30 Uhr in 09.05.2015 ab 05. in Raum WE

Berufsfelder der Theaterpädagogik: Die einzelnen Elemente der Theaterpädagogik lassen sich in den unterschiedlichsten Bereichen einsetzen. Entsprechend vielfältige Einsatzmöglichkeiten bieten sich, ob in der (kulturellen) Bildung, im Theater, der Sozialarbeit, der Wirtschaft oder bestimmten Therapieformen. Es gilt, sich sein Arbeitsfeld nach eigenen Interessen und Schwerpunkten zu gestalten.

Abschlusstage: Am Ende eines jeden Semesters kann man sich die Projekte der Studierenden der Theaterpädagogik im Rahmen der Abschlusstage kostenlos ansehen. Die genauen Termine sind im Veranstaltungskalender der hmt oder auf der Facebookseite der Theaterpädagogik zu finden.

Bewerbung: Neben der obligatorischen Onlinebewerbung über die Seite der hmt sind weitere Unterlagen einzureichen, die auf der Seite der hmt aufgelistet sind. Dazu zählt unter anderem auch ein Konzeptentwurf von drei bis fünf Seiten, in dem gezeigt werden soll, wie man an ein theaterpädagogisches Projekt herangeht. Darüber hinaus ist im Vorfeld eine Prüfungsgebühr zu entrichten, um an der Aufnahmeprüfung teilnehmen zu können.

fung: meprü der Aufnah mepr ü fu ng a n ah vorzufn s u e A ig Um die t es ein il g , n ssch n itt e besteh ollenau R u z es t m m e h n ein u ng ein . Nebe orbereit n V e ert. it d ie e r r d fo e b xtes ge t auch is te a s ) g en o r lo zen P st, fü r d (Mono der ku r g u ng ste o e re s w e e te in B h h ein d, k le Gedic rtet noc ig t w ir . a t n ö w e n r b e e a b b fg Da r ü idu ng ionsau le t a k t is r v o o p r S p Studie lockere u nd Im n n von bu n g e n ie m a n da d e ir it w Sprechü le t, d ng stag ster beg fu e ü m r e P h S Am a lisc er en nd mor der höh lä ren u renden rk e e r . e n eit nd leiste a lles w en Beista seelisch

Zum Weiterlesen: Weitere Informationen findet ihr auf der Internetseite der hmt unter Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel oder auf der Facebookseite Theaterpädagogik an der HMT Rostock.

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David gegen Goliath: Die Odyssee um das Volkstheater

Nachdem das Rostocker Volkstheater mit seiner neuen Intendanz Sewan Latchinian auf einen neuen, modernen Kurs ging (der heuler berichtete in der Ausgabe 107), gibt sich die Politik Mühe, dem Schiff den Wind aus den Segeln zu nehmen. Den Gipfel des Eisberges mag die Auseinandersetzung über die etwaige Entlassung Latchinians bilden, doch darunter ruhen noch immer die Konflikte um Spartenschließung und Theaterneubau. Anne Halbauer und Alexandra Wendt über ein Drama der besonderen Art. // Foto 1: Hauke Ruge; 2: Michel Wiedecke

Sewan Latchinian wollte nicht nachgeben. Vehement verteidigte er seine Vorstellung des Rostocker Volkstheaters, bis es Oberbürgermeister (OB) Roland Methling zu viel wurde. Der folgende Kommentar veranlasste ihn, Latchinian in einer Sondersitzung der Bürgerschaft am 31. März 2015 zu kündigen: „Seit Wochen zerstören IS-Schergen im Irak die jahrtausendealten Weltkulturerbestätten Nimrud und Kirkuk. Und hier bei uns in Mecklenburg-Vorpommern – ich setze das nicht gleich, aber vergleichen können muss man das schon – hat momentan im Namen des Geldes die Zerstörung funktionierender Theaterstrukturen begonnen.“ (Quelle: NNN) Das Maß verbaler Entgleisungen sei hiermit gefüllt worden und außerdem hätte der Intendant die Beschlüsse der Politik zu respektieren, so der OB. In den folgenden Tagen solidarisierten sich Rostocker*innen und Menschen aus ganz Deutschland mit Latchinian und am 13. April 2015 kam es zu einer Sondersitzung der Bürgerschaft, in der der Entlassungsbeschluss rückgängig gemacht wurde. Allerdings besteht hierbei für Methling die Option eines Widerspruchs binnen einer Frist von 14 Tagen. Doch das Grundproblem der aktuellen Theaterdiskussion ist wie immer ein finanzielles: Für das Theater in Rostock ist aufgrund ansteigender Kosten ein Finanzierungsdefizit von ungefähr drei Millionen Euro kalkuliert worden, das die Stadt nicht bezahlen kann und das Land nicht bezahlen will. Diese Unterfinanzierung entsteht unter anderem durch steigende Lohnkosten, aber auch die Zinskosten für den Kredit für einen bereits seit mehreren Jahrzehnten geplanten Theaterneubau fließen

in diese Summe mit ein. Lösungsmöglichkeiten für das Finanzierungsproblem gibt es von Seiten des Theaters und von Seiten der Politik verschiedene, die natürlich unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Oberstes Ziel des Theaters ist es, alle vier Sparten (Schauspiel, Orchester, Tanz und Musiktheater) zu erhalten, ebenso wie die damit verbundenen Arbeitsplätze. Auch möchte es künstlerisch eigenständig bleiben. Für die Stadt- und Landespolitik steht die Finanzierung des Theaterneubaus im Vordergrund, sowie ein systematischer – kein willkürlicher – Abbau von Stellen. Tanz und Musiktheater sollen zugunsten von Schauspiel und Orchester geschlossen werden. Die Politik erarbeitete einen „Kompromiss“, der vorschlägt, sukzessiv auslaufende Verträge in den Sparten Tanz und Musiktheater nicht zu verlängern. Das Theater solle für zukünftige Produktionen in diesen beiden Sparten mit anderen Theatern in Mecklenburg-Vorpommern kooperieren. Die Bürgerschaft stimmte am 25. Feburar 2015 diesem Beschluss mit knapper Mehrheit zu. Wir trafen uns daraufhin mit Vertretern von 2 vor 12 − Die Initiative Volkstheater Rostock. Diese gründete sich im November letzten Jahres, um sich der Spartenschließung entgegenzustellen. In den Hauptrollen: Jan-Ole Ziegeler (Bierbrauer), Malte Rüther (Rechtsanwalt) und Thomas Kunzmann (beschäftigt bei der AIDA). Als Theaterliebhaber haben sie sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die Stimme der Rostocker*innen zu vertreten, die für den Erhalt aller vier Sparten am Rostocker Volkstheater eintreten möchten. Die Initiative sieht in dem geplanten Spartenabbau die Finanzierung von Methlings „Herzensan-

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gelegenheit“, die HanseSail-Mehrzweckhalle im Stadthafen. Das Streichen der Sparte Musiktheater sei jedoch laut Initiative 2 vor 12 die falsche Herangehensweise, um Kosten einzusparen, da man damit das Theater ruiniere. Die Sparte spiele ca. 800.000 Euro ein und stelle damit die Haupteinnahmequelle dar. Auch Actori, ein Münchener Institut für Theaterprognosen, erklärte in seinem Gutachten, dass eine Spartenschließung betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Allerdings übe das Auslaufen des Solidaritätsbeitrags Druck auf das Projekt Neubau aus, so die Argumente für den Beschluss. Ein weiterer großer Streitpunkt ist der Umgang mit dem Personal. Der Beschluss kann zur Folge haben, dass 80 der 270 Mitarbeiter*innen entlassen werden müssen. An diesem Punkt konzentriert sich der Streit hauptsächlich auf das Problem des Flächentarifs. OB Methling möchte die Tariflöhne einhalten und Entlassungen zustimmen, während die Mitarbeiter*innen des Theaters für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auch auf Lohn verzichten würden. An dieser Stelle schließt sich eine Sozialdebatte an. Wie sozial ist Lohnverzicht, wie sozial sind Entlassungen? Befürworter des Beschlusses argumentieren weiter, dass das systematische Schließen zweier Sparten für die Angestellten fairer sei als zufällige Entlassungen in allen Sparten – und dass diese kommen müssen, stehe aufgrund der Finanzierungslücke fest. Hieran anschließend lässt sich jedoch kritisieren: Trotz Teuerung bekommt das Volkstheater seit 1994 denselben Zuschuss. „Unser Volkstheater wird systematisch heruntergewirtschaftet!“, erklärt 2 vor 12 verbittert. „Die jetzige Situation ist kein Theaterversagen, sondern ein Politikversagen!“


Der Intendant Sewan Latchinian im GEspräch am 4. April 2015: heuler: Herr Latchinian, Sie sind mit großen Ambitionen nach Rostock gekommen und der Version von einem Theater, das näher an den Bürger*innen von Rostock ist. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer bisherigen Arbeit am Volkstheater? Sewan Latchinian: Man ist natürlich nie zufrieden und sollte das auch nicht sein, aber angesichts der vielen, jahrzehntelangen Schwierigkeiten und des Negativimages, das das Volkstheater hatte und angesichts dessen, dass wir vom ersten Tag damit konfrontiert waren, dass zwei Sparten abgeschafft werden sollen, darf man es ohne Übertreibung als relativ sensationell bezeichnen, was uns künstlerisch gelungen ist. Zum einen quantitativ: Fast 30 Neuproduktionen innerhalb von sechs Monaten, das schaffen andere Theater in drei Jahren nicht. Die Reaktionen des Publikums bestätigen uns auch Qualität: Standing Ovations, ausverkaufte Stücke und Wartelisten zeigen, dass unsere Arbeit angenommen wird. Auch positive Berichterstattung der lokalen und überregionalen Medien objektivieren meine subjektive Wahrnehmung. Wir haben begonnen zwei neue Sparten [Anm.d.R.: Figurentheater und Bürgerbühne] zu etablieren und es ist uns auch gelungen in die Stadt hinauszugehen: Wir spielen in der Straßenbahn, in der Brauerei, im Bunker. Das alles trotz massiver Infragestellung. Das ist etwas, worauf man auch stolz sein darf. Die Bürgerschaft hat in ihrer Sitzung der Beschlussvorlage zu einem „Kompromiss“ zugestimmt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung? Die Art und Weise der Bürgerschaftssitzung als auch das Ergebnis bezeichne ich als „Schwarzen Mittwoch“ für die Bürgerschaft, für das Volkstheater Rostock, aber auch für die politische Kultur der Hansestadt. Der Beschluss ist nicht wirklich demokratisch zustande gekommen. Es wurden vor der entscheidenden Sitzung unter Ausschluss zweier wesentlicher, dem Beschluss kritisch gegenüber-

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stehender Fraktionen Mehrheiten durch die Ankündigung organisiert, dass Millionensummen aus dem Kulturministerium nicht mehr fließen oder der Neubau nicht mehr finanziert wird. Das denke ich, kann man nicht nur als Theaterleiter nicht akzeptieren oder muss es zumindest sehr in Frage stellen. Zweitens steht in dieser Beschlussvorlage nichts Konkretes drin, was umgesetzt werden könnte. Das was drin steht, kann so nicht funktionieren. Weder wirtschaftlich, noch künstlerisch. Doch da die Folge schon innerhalb von anderthalb Jahren sein könnte, dass 80 bis 100 Menschen entlassen werden, ist es auch asozial. Deswegen entzieht sich mir vollkommen das Verständnis, wie gerade sozial orientierte Parteien so etwas mehrheitlich beschließen konnten. Ich will gern zugestehen, dass die Materie inzwischen so hochkomplex ist, dass möglicherweise mehrere von den Menschen, die für diese Beschlüsse gestimmt haben, etwas missverstanden haben, vielleicht aus Gutmütigkeit gar nicht glauben können, dass das negativ gemeint ist, oder dass es nicht eingehalten wird. Verheerend an dieser Entscheidung ist außerdem, dass sich die Bürgerschaft in der Volkstheaterfrage mit diesem Beschluss komplett überflüssig gemacht hat, weil sie die Verantwortung an den Oberbürgermeister abgegeben hat, der nun bevollmächtigt ist, alleine mit dem Kulturminister die nächsten Entscheidungen voran zu treiben und das Ergebnis nur noch der Bürgerschaft zur Kenntnis geben muss, nicht mehr zur Abstimmung. Auch das macht den Schildbürgerstreich in vielerlei Hinsicht deutlich. Können Sie näher erläutern, was an diesem Beschluss nicht funktionieren kann? Um ein Beispiel zu nennen: Im Beschluss steht, es sollen betriebsbedingte Kündigungen vom Grundsatz her ausgeschlossen werden und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Auf direkte Nachfrage, was diese immerhin 80 bis 100 alternativen Beschäftigungsmodelle sein sollen, antwortet ein SPD-Mensch: "Das wissen wir noch nicht ganz genau. Aber zum Beispiel könnte eine Möglichkeit sein, dass jemand aus dem Chor dann Chorleiter in der Volkshochschule wird. Außerdem werden Musiklehrer in ganz MecklenburgVorpommern schon händeringend gesucht“. Das ist ein klares Beispiel für die Fahrlässigkeit und den unsozialen Umgang mit Menschen und deren Familien. Kann der Beschluss noch einmal gekippt werden? Wenn es ein erfolgreiches Bürgerbegehren gibt, kann neu abgestimmt werden. Dann können mündige, engagierte, kompetente Bürger auf demokratische Weise die Entscheidung korrigieren.

und natürlich andererseits die Verantwortung dem Publikum gegenüber. Es ist unsere moralische Integrität zu versuchen selbst bei Fehlentwicklungen die Politik vor sich selbst zu schützen, auch Fehler der Bürgerschaft auszuhalten, auch Fehler des Kulturministers auszuhalten, weil die Menschen, die gern ins Theater kommen, dafür nichts können. Dabei geben uns verschiedene Dinge Kraft: das überregionale Medienecho, Solidaritätsbekundungen des Publikums – Emails, Briefe, Anrufe in großer Zahl. Dadurch entsteht bei mir auch ein gewisser Trotz: Es würde wahrscheinlich den Gegnern nur gefallen, dass das Schiff hier führerlos wäre. Bleiben Sie also dem Rostocker Theater als Intendant erhalten? Meine Einstellung lässt mich sehr selbstbewusst versuchen auf der Brücke, als Kapitän, auszuhalten und nicht von Bord zu gehen. Es ist wichtig, eine Grenze zu ziehen: Ich kann so was, bei aller zusammengekratzten Gutmütigkeit, nur so lange mit mir machen lassen, bis es nicht zu dem Punkt kommt, wo ich solcherlei mitmache. Aber solange noch ein Fünkchen Hoffnung besteht, werde ich versuchen durchzuhalten und würde mich auch freuen noch in zehn Jahren hier zu sein und gemeinsam mit allen Sparten und Mitarbeiter*innen ein Sechs-Sparten-Volkstheater im Neubau eröffnen zu dürfen. Wir dürfen bei dieser ganzen Sache eins nicht vergessen: was verloren geht, was verloren gegangen ist, kommt meistens nicht wieder. Wenn eine Mehrheit in der Bürgerschaft bei einer zweiten Abstimmung gegen den bisherigen Beschluss stimmt, und wir reden von einer knappen Mehrheit: Fünf Menschen können schon sehr viel ändern, dann kann der Beschluss gekippt werden. Wenn die Bürgerschaft diese Beschlüsse noch einmal bestätigt, dann kann es einen Bürgerentscheid geben, der tatsächlich 45.000 Wähler hinter sich bringen muss. Das ist sehr viel, aber egal ob das erfolgreich ist oder nicht, die aufschiebende Wirkung die mit beiden Schritten verbunden ist, ist neben dem Solidarisierungseffekt und der nicht ganz unrealistischen demokratischen Chance ein großer Grund zur Hoffnung. Wie schaffen Sie es nach einem solchen Beschluss, die Motivation am Theater zu erhalten? … sehr, sehr schwer; jetzt ist es noch schwerer, weil ich davon überzeugt war, wenn wir engagiert und so erfolgreich bessere Kunst machen und die Ahnung von einem besseren, moderneren Volkstheater aufkommen lassen, dass dann diese Diskussionen aufhören. Das wir jetzt möglicherweise noch jahrelang gegen Windmühlen kämpfen sollen, lässt mich schon an Don Quijote denken. Allerdings habe ich die Verantwortung für die Belegschaft einerseits

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Herr Latchinian, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen bei Ihrer Arbeit viel Erfolg. Hier haben wir Ihnen noch einen heuler mitgebracht. Ja, vielen Dank. Ich denke, dass das jetzt auch ein Auftakt ist. Denn wie kommt das Theater mit den Studenten mehr zusammen? Das meine ich selbstkritisch auch von unserer Seite. Ich würde ja am liebsten den Campustag hier im Haus stattfinden lassen. Die Erstsemester komplett zu einer Veranstaltung, auch gern kostenfrei, einladen, damit sie wissen, wie das Theater der Stadt, in der sie studieren, ist. Es ist leider schade, dass jeder halbe Tag durch die kulturpolitischen Zumutungen von außen zerstört wird und man sich nicht auf das Kerngeschäft konzentrieren kann. Aber vermitteln Sie mir gern Kontakte zur Universität und den studentischen Vertretern! Sehr gern und viel Erfolg für die nächsten Monate!


Masters of Sex – oder wie Sex emanzipieren kann

Wieso Frauen bei der Selbstbefriedigung an William Masters und Virginia Johnson denken sollten und Masters of Sex kein Softporno in Serienformat ist. Inna Barinberg mag weder Welpen noch kleine Kätzchen.

„Frauen denken oft, dass Sex und Liebe dasselbe sind, aber das muss nicht so sein, das kann man auch voneinander trennen“, sagt die emanzipierte und selbstbewusste Virginia Johnson (Lizzy Caplan) zu Beginn der Serie Masters of Sex. Als Forschungsassistentin, die durch ihr besonders unkonventionelles Denken im Jahr 1956 für diesen Posten geeignet erscheint, erforscht sie mit dem renommierten Gynäkologen William Masters (Michael Sheen) das menschliche Sexualverhalten. Basierend auf den realen Leben von William Masters und Virginia Johnson, spielen Michael Sheen und Lizzy Caplan die Geschichte zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gemeinsam jegliche Erkenntnisse über menschliches Sexualverhalten revolutionieren. Eine wichtige Feststellung dabei lautet, dass es keinen Unterschied zwischen vaginalen und klitoralen Orgasmen gibt.

Grund ist, weshalb sie (bislang) kein Kind bekommen konnte, sondern er. Virginia ist hingegen ihrer Zeit weit voraus. Den Höhepunkt stellt dabei ihr überaus erfülltes Sexleben dar, was in Kombination mit der Tatsache, dass sie eine zweifache, alleinerziehende, unverheiratete Mutter und Sexualforscherin in den 50er Jahren ist, nur skandalös sein kann. Es geht bei dieser Serie offensichtlich um mehr als nur Sex oder das Beobachten von Menschen beim Masturbieren oder Koitus, während sie mit Aufzeichnungsgeräten verkabelt sind. Rollenbilder werden hinterfragt, Vorreiter_innen geschaffen und Sex auf eine Art und Weise emanzipiert, auf die es auch tatsächlich allen Beteiligten Spaß machen darf und kann! „Der Sex war immer eine Art Vehikel, um Diskussionen über wirklich schwierige Themen führen zu können“, sagt Produzentin Michelle Ashford in einem Interview. Es gibt in der Serie zwei weitere zentrale Themen: Die zu diesem Zeitpunkt in den USA vorherrschende Segregation zwischen Schwarzen und Weißen und der Kampf dagegen, den Masters Frau Libby – bis dato unscheinbar und naiv – beginnt zu unterstützen. Zum anderen spielt das Thema Homosexualität beispielsweise für die ehemalige Prostituierte Betty DiMello (Annaleigh Ashford) eine Rolle, da sie sich mit einer Gesetzeslage konfrontiert sieht, die Homosexualität bis 1962 in allen Staaten unter Strafe stellte. Auch danach wurden Homosexuelle in der Gesellschaft weder akzeptiert, noch gleichwertig behandelt. 2015 hat die Serie kaum an Aktualität verloren. In Zeiten von rassistischen Spaziergängen, sexueller Gewalt in Werbungen und Videos, die als witzig und harmlos empfunden wird, und homophoben Regierungen kann ich die Serie als kurzen Wink mit dem Zaunpfahl gar nicht genug empfehlen.

Es zeugt von einer gewissen Ironie und ist auch gleichzeitig paradox, dass es letzten Endes ein Mann ist, der den Frauen sagt, dass sie sich auch selbst befriedigen können. Die Serie ist von gegensätzlichen Verhältnissen geprägt. William Masters, ein Mann, der beweisen will, dass Frauen sich auch ohne Männer gut und gerne befriedigen können, ist gleichzeitig ein frauenfeindlicher, ignoranter Kontrollfreak mit einem gigantischen Ego. Dabei ist der Gipfel der fragilen Verflechtungen von Paradoxien die Tatsache, dass er aus Stolz seiner Frau Libby (Caitlin Fitzgerald) nicht sagen kann, dass nicht sie der

Die erste Staffel läuft auf ZDF.neo und ist für 16,90€ erhältlich.

Die Wohnung ist geputzt, die Wäsche aufgehangen und auch der Einkauf ist erledigt. Stellt sich die Frage: Womit drücke ich mich jetzt vor dem Schreiben der Hausarbeit? Ganz weit vorne auf der Liste der Prokrastinationsmöglichkeiten stehen Serien. Wer Inspiration für eine neue Suchtquelle braucht, schaut am besten mal auf heuler-online. Dort stellen wir euch ab jetzt regelmäßig die eine oder andere Serie vor. Den Anfang macht Jens Wegener mit The Newsroom. To be continued …

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KULTOUR #DREI Papier

Philipp Rose ist euer Reiseleiter.

_ Die Tänzerin von Auschwitz – Glaser, Paul

via aufbau verlag Paul Glaser erzählt in authentischer und emotionaler Weise die Überlebensgeschichte seiner Tante Rosie. Als temperamentvolle und emanzipierte Tanzlehrerin verteidigt sie ihren Lebensmut gegen den nationalsozialistischen Terror.

_Girl in a band – Kim Gordon

via Kiepenheuer& Witsch Kim Gordon ist bekannt als Indie-Ikone und Sängerin der Band Sonic Youth. Sonic Youth ist mittlerweile wohl Geschichte. Aber nicht nur diese wird beleuchtet. Dieses Buch ist eine süchtig machende Mixtur aus Episoden und Begegnungen in Gordons Leben.

_Low – Pofalla, Boris

via Metrolit Wenn man was will, dann muss man vor allem erst mal brennen. Wie ein Streichholz. Reibung, sagt der Autor selbst. Hitze. Und dann? Verglühen. Irgendwann. Aber die meisten brennen nicht mal. Weil sie Angst haben.

Projektion

_ Mülheim – Texas. Helge Schneider hier und dort - Andrea Roggon

aus Deutschland Komiker, Musiker, Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler – Helge Schneider. Dieser Streifen ist eine Dokumentation über den Allroundkünstler und gibt einen Einblick in den Alltag von Helge. Amüsant und empfehlenswert!

_ The F-Word – Von wegen gute Freunde! - Michael Dowse

aus Irland, Kanada Wallace hat den Glauben an die Liebe schon verloren. Doch dann trifft er Chantry. Die macht ihm aber sofort klar, dass sie vergeben ist und er nur ein Freund sein kann. Für Wallace schwingt allerdigns bei jedem Treffen mehr mit als Freundschaft und bald muss auch Chantry sich und ihre Beziehung zu ihrem festen und ihrem besten Freund hinterfragen.

_ Lost River – Ryan Gosling

aus Deutschland Im Regiedebüt von Ryan Gosling geht es um die alleinerziehende Mutter Billy und ihre beiden Kinder und Franky, die im trostlosen Lost River wohnen, einem Ort an dem die Immobilienkrise die Einwohner vergrault. Auch Billy gerät mit Hypothekenzahlungen in Rückstand. Um schnell an Geld zu kommen, lässt sie sich auf die Arbeit in einem Nachtclub ein ...

Platten

_ Auf die Welt – Wolfgang Müller

via Fressmann / INDIGO, 17.04.2015 Schönheit und Schlichtheit. Klavier und Gitarre. Tiefe und Dichte. Vieldeutig und hintersinnig. Das ist Wolfgang Müller. 3 Jahre sind vergangen, aber Vorfreude ist die schönste Freude. Wer auf ausgeruhte Popproduktionen steht, sollte hier mal reinhören.

_ Krieg & Krieg – Vierkanttretlager

via Buback, 17.04.2015 Dass Melancholie auch eine schöne Seite des Leben ist, haben Vierkanttretlager mit ihrem 2012er Debüt sehr wohlklingend unter Beweis gestellt. Melodiefülle und Eingängigkeit werden auch Krieg&Krieg die Entspanntheit einer Friedenspfeife verleihen.

_ Egotronic, c'est moi – Egotronic

via Audiolith, 17.04.2015 Egotronic – das gute Gewissen des politischen Musizierens der Gegenwart. Der Mensch muss das Rad ja nicht neu erfinden. Auf dieser Platte werden Klassiker wie „Berlin Callin“ oder „Exportschlager Leitkultur“ neu verpackt. Punkrock, baby! Don´t forget the Dosenbier.

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KULTOURKALENDER 15.04.15 bis 13.05.15

entrÿckt // Kunstverein zu Rostock, Galerie Amberg 13

17.04.15 bis 26.07.15

Egon Tschirch – Illustrator vom Kaiserreich bis in die wilden 20er // Kulturhistorisches Museum

04

Agnostic Front // M.A.U. Club

09

Dota_Kleingeldprinzessin // Zwischenbau

09

Millencolin // Helgas Stadtpalast

12

Sarah Kuttner // Zwischenbau

13

Rotfront // M.A.U. Club

14

Alle Farben // Helgas Stadtpalast

16

It's Derby-Time: F.C. Hansa Rostock – Energie Cottbus // Ostseestadion

17.05.15 bis 12.07.15

Weltsichten // Kunsthalle

Mai

Mai

Mai

Mai

Mai

Mai

Mai

22

Coogans Bluff // Peter-Weiss-Haus

23

Einar Stray Orchestra // M.A.U. Club

29

Markus Kavka // Zwischenbau

09

We are City // Peter-Weiss-Haus

22

The Gaslight Anthem // M.A.U. Club

30

ZZ TOP // StadtHalle

Mai

Mai

Mai

Juni

Juni

Juni

Konzert Lustiges Ausstellung Sportlich

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Rostock in 100 Worten

#kannmanmallassen

Stephan Pohling hofft auf nachhaltige Stadtentwicklung. // Foto: Hauke Ruge

Laut einer Studie von Eurostat aus dem letzten Jahr ist Deutschland eines der wenigen europäischen Länder, in denen soziale Medien anteilig eher von Menschen mit geringer formaler Bildung als von Menschen mit hoher formaler Bildung genutzt werden. Das erklärt sicherlich zu einem Teil das Phänomen, dass Kommentare selbst zu harmlosen Artikeln wie MV freut sich auf ein sonniges Osterfest in Beleidigungen, Schuldzuweisungen Richtung Antifa, Rechtsextremen oder „den feinen Herren da oben“ und dem Aufruf zu Selbstjustiz enden. Nun halte ich meine Freunde auf facebook aber für durchaus gescheit und sozial fit. Ich frage mich deshalb, warum ich mir täglich ansehen muss, dass Martin B. heute schon 879 km Fahrrad gefahren ist, Christian D. in einem sauteuren Restaurant für sein Essen gerade sterben könnte, Meike F. ihre Mittagspause – wie schon die letzten vier Wochen – am Strand verbringt und Hanna U. kommentarlos ein Bild von sich und dem Eiffelturm in die Welt entlässt. Und das am besten noch mit herunterspielenden Hashtags wie #kannmanmalmachen oder #läuftbeimir. Was kann es für einen Grund dafür geben, außer mir ungefragt ins Gesicht zu klatschen, dass mein Leben spießiger, trister, ungesünder ist? Wir gehen auf Partys doch auch Leuten aus dem Weg, die uns, ohne dass man danach gefragt hätte, ihre Talente und Leistungen entgegenschleudern, als wären sie in einem Bewerbungsgespräch. Klassische Angeber eben. Warum sollte es okay sein, dies online zu tun? Klar, das Phänomen ist nicht neu, aber es hat, wie die Polizei immer so schön sagt, eine neue Qualität erreicht. Was ist aus dem guten, alten Posten von Cat Content geworden? Dafür habe ich gerne mal einen Like verteilt. Vielleicht entspreche ich aber auch dem unsympathischen deutschen Typus, der sich über Posts lieber beschwert, als sie zu blockieren, der bei einem Unfall extralange hinsieht, nur um im Nachhinein zu sagen, dass er besser nicht so lange hingesehen hätte. Trotzdem: Hört auf anzugeben, sonst veröffentliche ich täglich Fotos, die euch auf meine kerngesunde, geregelte Verdauung neidisch werden lassen. #läuftbeimir Stephan Holtz lehnt sich gerne

Unselige Trabantenstadt, reich an Kindern warst du einmal: Anfang der Neunziger. Doch wer gehen konnte, ging. Wer verdiente, bekam Besseres. – Denn es verdient keiner, dort zu wohnen, wo Kioske angezündet, ihre Besitzer erschossen werden, dort, wo kein Hahn kräht, sondern von Balkonen gereihert und in Hohlwege gebrüllt wird, bei dir, wo man sich früh in Tretmühlen verbraucht.

Goldbrand wärmt dich, wenn leere Betonklötze Platz für Hundewiesen machen. Merkst du’s? Alle Buslinien fahren um dich herum und Bahngleise trennen Metro- von Nekropole: weiße Bauten und Am Fasanenholz hier, Ilja-Ehrenburg-Straße und Braun dort. Der Menschenfreund will evakuieren, jeder Ästhet den Komplettabriss.

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aus dem digitalen Fenster und bewirft ungezogene

Jugendliche mit Dislikes.


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