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Das Studentenmagazin de

r Uni Rostock auf Papier

In diesem Heft: stöbernde Start-up-Studenten, Snowdens Würde, denkwürdige Denkmäler, und klangfarbene Tonfilme. www.heulermagazin.de


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Gültig vom 01.04. bis 30.06.2014

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Auch wenn jeder den wahren Kern von Sprichwörtern zu erkennen glaubt, haben wir bisher nur wenige getroffen, die sich auch dran halten. Aber woran liegt‘s? Reden allein ist schön und gut – auf das Handeln kommt es an. So wie es die Philosophische Fakultät bei ihrem Vorstoß zur Ehrendoktorwürde für Snowden getan hat. Oder die Verantwortlichen bei der Neuerstellung und Sanierung der Uni-Gebäude. Oder die Veranstalter der Volksküchen. Oder die Studenteninitiativen „Kreidestaub“ und „Theatergänger-Club“.

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... der späte Wurm verpasst den frühen Vogel und was du heute besorgen kannst, solltest du gestern schon gemacht haben ... oder so ähnlich?

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Es ist noch kein Himmel vom Meister gefallen Natürlich kann man auch erst einmal klein anfangen: Frühjahrsputz in der WG, frühzeitige Prüfungsvorbereitung, Frühtuning der Bikinifigur – alles fängt mit einer einzigen Handlung an. Und jedem Anfang wohnt ja bekanntlich ein Zauber inne. Zu kitschig? Zu viel Moralkeule? Mehr als nur leere Worte findet ihr auf den nächsten Seiten. Viel Spaß und einen entspannten Sommer, Rieke und Ole

Es ist also nicht unmöglich, neue Wege zu beschreiten und Gedanken in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel auch bei den Kommunal-, Europa- oder StuRa-Wahlen. Oder beim heuler: Wir suchen eine/n neue/n ChefredakteurIn.

Ole Schulz

Friederike Wollgast Anne Halbauer

Yvonne Hein

Theresia Ziegs

Isabell Kilian

Nur echt mit 52 Seiten. Auch echt, aber online: Fritz Beise

Nicole Korte

Tom Warnke

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Maria Schönrogge

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Martin Fietze

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Steffen Dürre

Andreas Doneith

Marcus Sümnick

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Wir sind heuler – du auch? Meld dich per E-Mail: redaktion@heulermagazin.de

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heuler-Studentenmagazin Parkstraße 6, 18057 Rostock Tel/Fax: 0381-498-5608 / -5603 www.heulermagazin.de Nr. 105 | April 2014

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Herausgeber Studierendenschaft der Universität Rostock Redaktionsleitung Ole Schulz (V. i. S. d. P.) Friederike Wollgast redaktion@heulermagazin.de Geschäftsführung Nadine Krämer gf@heulermagazin.de Ressortleitung

Inhalt / Ausgabe 105

Friederike Wollgast, Fritz Beise (Uni)

6 LEBEN

28 Politik

Isabell Kilian, Nicole Korte (Leben)

7 Do it yourself – Geschenkidee zun Muttertag

29 How to do Europawahlen

Anne Halbauer, Ole Schulz (Kultur)

8 Die heuler-„Spielebox“ – Klappe, die zweite!

30 Der Bürger schafft die Bürgerschaft

9 Glotze aus, Stadion an! Amateurfußball braucht Fans

10 Stadtgestöber ... lokal und online einkaufen?

12 Know your meme! Phänomenales aus dem Netz

Theresia Ziegs, Yvonne Hein (Politik)

Kommunalwahlen in Rostock 2

32 Volxküchen

Startseitengrafiken

34 Studenten an die Front!

Dörte Glänzer

Rostock im Ersten Weltkrieg

36 Mitmachen – Stadt – Zuschauen

38 Kultur

16 Kein Asyl im Bebeltower

39 Neueröffnung JAZ

18 Vom Bachelor zum Master Von Mainz nach Rostock

19 Das unsichtbare Tagesgeschäft 20 Uni-Hauptgebäude Die ersten Einblicke

24 Neubauten der Universität Eine finanzielle Rangliste26 Politik

Bildredaktion & Fotografie Marcus Sümnick Korrektorat/Lektorat

15 Initiative Kreidestaub

Edward Snowden bekommt die Ehrendoktorwürde?!

Steffen Dürre

33 Mehmet-Turgut-Denkmal

37 Baudebakel: Medizinermensa 14 UNI

Layout, Grafik, Illustration

Andreas Doneith

40 Wer schreiben kann, ist klar im Vorteil! Buchveröffentlichung leicht gemacht

42 Das yaro-Programm hmt-Talentförderung

44 Bewegte Bilder − Bewegende Bilder Filmkünstler Hannes Wichmann

Redaktionelle Mitarbeit Sophie Auer, Christoph Behrens, Marcel Dittmann, Martin Fietze, Björn Hertle, Maria

Hoehr,

Johannes

Hörnsche-

meyer, Stephan Holtz, Charlotte Kohl, Clemens Langer, Christopher Meyer, Patrick Ode, Yvonne Rosche, Philipp Rose, Hauke Ruge, Maria Schönrogge, Tom Warnke

45 FiSH-Festival 46 Buchrezensionen „Sandberg“ // „Juninovember“

26 Wissenschaftsserie: PRIMA eDS

47 Der Theatergängerclub

Druck: ODR Ostseedruck Rostock

27 StuRa-Wahl 2014

48 Theaterrezensionen Sonnenallee // Dracula

Auflage: 3.500 Exemplare

50 Rostock in 100 Worten // Postskriptum

Erscheinungsweise: viermal im Jahr

Aufruf des Wahlleiters

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leben

„Wer auf einen Baum klettern will, fängt unten an, nicht oben.“ Getreu diesem Motto haben wir uns bezüglich des Aufwands unserer zweiten Ausgabe etwas verschätzt. Wir nahmen uns eine Menge vor, konnten unsere Vorstellungen jedoch nicht eins zu eins umsetzen. Da unsere erste Ausgabe so reibungslos verlief, war es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Problem auftritt. Oder das zweite. Oder das dritte. Trotz unzähliger Schwierigkeiten haben wir unser Ressort am Ende doch wieder attraktiv gestalten können! Unser zweiter Spieletest, ein interessanter Artikel zu sogenannten „Internet-Memen“ oder ein Bericht zum Amateurfußball garantieren euch eine Menge Lesespaß. Wir freuen uns jetzt schon auf Ausgabe 106 und wünschen euch viel Freude beim Stöbern! Isabell und Nicole

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Do it yourself:

Eine Idee zum Muttertag – oder für andere Anlässe, die ein Mitbringsel erfordern. Autorin: Isabell Kilian kann in ihrer Wohnung nicht genug davon rumstehen haben!

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Das benötig t ihr: ein Kons er vengla s, zwei Fotos, ei ne Schere , Kl eb estr eifen und Olivenöl .

Neh mt die Bi lder und schn eidet sie so zu recht, da ss sie gleich groß sin d. Die Breite der Bi lder sollte et was kü rzer sein al s der Durchmes ser eu res G la ses.

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klebten Fotos ei zu sa m menge Schiebt die zw in Problem, ke s. Dabei ist es la G s da in t jetz h „k rü m men“. wen n diese sic Al s Letz tes fü llt ih r nu n noch da s Ol ivenöl hi nein und las st eu re Bi lder in dessen Gr ün schi m mer n. Fertig ist ein schönes und simples Fotogesc henk!

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Die heuler -„Spielebox“ Klappe, die zweite! Die Gewinner der letzten Ausgabe stehen fest und wurden benachrichtigt. Heute wird das Spiel „Phase 10“ in der MasterVersion getestet. Ob diese genauso gut ist wie das Original? Wir werden sehen ... Autorin: Maria Schönrogge war schon immer ein Spielkind.

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ür die Kartenspiele-Fans unter euch ist Phase 10 wahrscheinlich ein alter Hut, denn es ist eines der meistverkauften Kartenspiele der Welt. Die Master-Version lockt mit neuen Phasen und Aktionskarten. Doch jetzt erst mal auf Anfang. Worum geht es überhaupt? Phase  10 ist ein einfaches Ablegespiel mit nicht allzu komplizierten Regeln für zwei bis sechs Personen. Die Spielzeit beträgt ca. 60 Minuten. Zu Beginn erhält jeder Spieler zehn Karten, auf denen in vier unterschiedlichen Farben die Zahlen von 1 bis 12 abgebildet sind. Zusätzlich gibt es verschiedene blaue Aktionskarten, mit denen man sich unter anderem zusätzliche Karten sichern oder einen Gegner aussetzen lassen kann. Ziel des Ganzen ist es, die zehn Phasen in vorgeschriebener Reihenfolge zu absolvieren. Das sind verschiedenste Kartenkombinationen. Beispielsweise werden für Phase 1 „4 Zwillinge“ benötigt (z. B. 3/3, 6/6, 7/7, 10/10). Die Farbe der Karten spielt dabei keine Rolle

– noch nicht! Die Schwierigkeit nimmt natürlich im weiteren Spielverlauf zu. Um das Ganze etwas zu vereinfachen, können dem Spieler Joker helfen. Ein Durchgang endet, wenn ein Spieler seine aktuelle Phase ausgelegt hat und seine restlichen Handkarten losgeworden ist. Dies gelingt durch das Anlegen von passenden Karten an andere ausliegende Phasen. Endet ein Durchgang, zählen alle Mitspieler ihre Handkarten. Jede Karte bringt einen Minuspunkt. Gesamtsieger oder in unserem Fall Master of Desaster ist derjenige, der als Erstes alle 10 Phasen geschafft hat. So weit so gut, aber wie lief das Ganze in der Realität? Zu zweit sehr, sehr träge und absolut unspektakulär. Bereits in Phase 4 haben wir das Spiel abgebrochen. „Phase 10“ ist ein Glücksspiel. Man braucht nicht viel Strategie oder Vorausplanung. Beim Ziehen hofft man auf die perfekten zehn Karten und kann dann sofort seine Phase auslegen oder es endet in einem unspektakulären Warten

'ne heuler-Fotostory? Gut Ding will Weile haben.

auf die passenden Karten. Jeder Spieler muss pro Runde eine Karte aufnehmen und eine auf den Ablagestapel legen. Bei zwei Spielern kann sich ein Durchgang also ganz schön in die Länge ziehen. In einer größeren Runde hingegen wendete sich das Blatt. Plötzlich wurde es spannend und die blauen Aktionskarten wurden außerordentlich hilfreich. Man konnte seinen Mitspielern wunderbar auf die Nerven gehen und deren Pläne durchkreuzen. In nahezu jeder Runde nahm das Spiel eine unerwartete Wendung. Wer eben noch deutlich führte, sah ein paar Runden später oft ganz schön alt aus. Alles in allem ist „Phase 10 Master“ also doch ein unterhaltsames und gelungenes Spiel, wenn auch nicht für zwei Personen geeignet.

Schon seit einigen Ausgaben spielen wir mit dem Gedanken, eine Fotostory aufzuziehen. Doch so ein kleines großes Projekt braucht eben Zeit. Und viele kreative Köpfe. Jetzt kommt ihr ins Spiel: Wir suchen genau EUCH als Hauptdarsteller, als Ideensammler oder auch als Drehbuchautoren. Meldet euch doch einfach bei uns. Schreibt dazu einfach eine Mail an studentenleben@heulermagazin.de oder sprecht uns an. Wir sind gespannt und freuen uns auf eure Vorschläge und eure Teilnahme.

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Glotze aus, Stadion an! Amateurfußball braucht Fans

Im Sommer steht wieder einmal das Fußballevent schlechthin an – die Weltmeisterschaft in Brasilien. Erneut werden Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen mit ihrer Mannschaft mitfiebern. Der heuler stellt euch eine Fan-Initiative vor, die Sportbegeisterte von ihren Fernsehgeräten in die Stadien locken möchte. Autor/Foto: Christopher Meyer kann nicht nur kicken, sondern auch Mathe.

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lotze aus, Stadion an! Amateurfußball braucht Fans“ will wieder mehr Zuschauer in die Stadien der Amateurmannschaften locken. Denn während jeder weiß, dass Samstag 15:30 Uhr die Bundesligaprofis ihr Können unter Beweis stellen, wissen die wenigsten, wann der ortsansässige Verein seine Spiele austrägt. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um die Vereine in Kreis- und Landesligen. Bereits in der Regionalliga haben auch traditionsreiche Klubs Probleme, ihre Stadien halbwegs zu füllen. Der FC Hansa kann sich mit einem Schnitt von rund 10.000 Zuschauern pro Spiel in der 3. Liga noch glücklich schätzen. Vielen Amateurmannschaften geht es da schlimmer: Sie spielen in einem recht großen, aber oft veralteten Stadion vor einer winzigen Kulisse und einem meist leeren Auswärtsblock oder müssen gar auf eine kleinere Anlage ausweichen. Und auch moderne Sportanlagen sind kein Garant für Zuschauer: So erfreut sich z.  B. der SV Waldhof Mannheim eines modernen Stadions mit knapp 27.000 Plätzen, kann dieses aber im Schnitt mit gerade mal 3.500 Zuschauern füllen. Ins Leben gerufen wurde die Initiative „Glotze aus, Stadion an! Amateurfußball braucht Fans“ nach den Entwürfen der Supporter des 1. SC Göttingen 05. Die Mannschaft spielt in der Oberliga und kämpft dort mit den üblichen Folgen von mangelndem Interesse in Stadt und Umgebung bis hin zum Abstieg des Vereins in die Belanglosigkeit. Nun versuchen Fans ein Zeichen zu setzen und sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen. Bislang schlossen sich deutschlandweit mehr als 40 Fangruppierungen an, die ihren Verein in einer ähnlichen Situation sehen, so auch die Supporter des Rostocker FC – die Old Ground Stomper 1895. Deutlich älter, aber auch weniger bekannt als der große Rivale Hansa Rostock spielt der RFC in der Verbandsliga vor gerade einmal rund 250 Zuschauern je Heimspiel. Neben den leeren Stadien und der daraus resultierenden kaum vorhandenen Stimmung spielt auch der finanzielle Aspekt eine entscheidende Rolle für die Initiative. Speziell für kleinere Vereine sind Zuschauereinnahmen ein wichtiger Bestandteil der finanziellen Planung, da die einzige Alternative Sponsoren sind. Doch diese sind rar und selten gewillt, in unterklassige oder kaum repräsentative Vereine zu investieren. Da ich selbst im Warnowkreis kicke, weiß ich, wie abhängig die Vereine von Sponsorengeldern und Beiträgen der Mitglieder sind, um überhaupt am geregelten Spielbetrieb teilnehmen zu können. Besonders bedeutend ist dieser Umstand für den typischen Dorfverein, der am Samstag- oder Sonntagnachmittag seine Spiel austrägt. Wo sich früher das halbe Dorf auf dem Sportplatz traf, sieht man heute vielleicht noch eine Handvoll Freunde oder Verwandte der Spieler und wenige Alteingesessene aus dem Dorf. Aus eigener Erfahrung ist festzuhalten, dass es einen ge-

waltigen Unterschied für solche Vereine macht, ob 20, 50 oder gar 100 Schaulustige dem eigenen Können beiwohnen. Apropos Können: Nicht nur Lahm, Schweinsteiger und Co. können mit dem Ball umgehen. Oft findet man auch in den untersten Klassen tolle Pässe, schöne Tore und spannende Spiele, ohne dafür zweistellige Eintrittspreise oder ein jährliches Sportabonnement zahlen zu müssen. Wieso also nicht mal einen Nachmittag auf dem nahe liegenden Fußballplatz verbringen? Rostock hat davon unzählige zu bieten. Wer dem Fußball allerdings nicht allzu viel abgewinnen kann, hat auch noch andere Möglichkeiten, denn die Initiative beschränkt sich nicht allein auf König Fußball. Es gibt genügend Sportarten, die ebenso einen Besuch lohnen. So könnte man ja mal versuchen, bei den Rostocker Piranhas den Eishockey-Puck stets im Auge zu behalten, die Basketballer der EBC Rostock Seawolves beim anvisierten Aufstieg zu unterstützen oder den HC Empor Rostock beim torreichen Handball in der Stadthalle zuzujubeln. Auch wenn man sich bisher noch nicht für solche Sportarten interessiert hat oder nicht weiß, was es bedeutet, wenn der Trainer der Rostock Griffins eine gelbe Fahne auf das Footballfeld wirft, so schmälert dies definitiv nicht das Gefühl des Live-Dabeiseins. Denn nach wie vor gilt: Ein Spiel vor Ort zu sehen ist stets spannender und emotionaler als die beste Live-Übertragung im Fernsehen.

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Stadtgestöber Stellen wir uns vor, es ist abends und wir schlendern durch die Innenstadt. Macht man ja häufig. Überall sehen wir beleuchtete Schaufenster mit vielen tollen Sachen. Da ‘ne tolle Jacke und im nächsten Schaufenster stehen dazu die passenden Schuhe. Leider ist das Geschäft aber schon geschlossen. Und nun? Autorinnen: Nicole Korte und Nadine Krämer stöbern auch gerne durch die Stadt. Foto: Sven Schannak.

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ier kommt STADTGESTÖBER ins Spiel. Mit Stadtgestöber wird uns ein vollkommen neues Einkaufserlebnis geboten. Im Februar wurde das Start-up STADTGESTÖBER UG (haftungsbeschränkt) gegründet. In einem der letzten Hefte haben wir berichtet, wie man ein Unternehmen starten kann. Die drei Jungs von Stadtgestöber haben genau das getan und sind seit dem 4. April mit ihrem Unternehmen online. Zunächst wird es einen Testlauf mit einigen Rostocker Geschäften geben.

ist Sven Schannak, der die Webseite gestaltet und für die Datenbank verantwortlich ist. Um alle Aufgaben zu erledigen, sitzen die drei jeden Tag viele Stunden gemeinsam im Büro und vollführen „ganz viele magische Dinge“, so Sven Schannak. Aber wie kam das alles überhaupt zustande? Ende 2011 kam die Idee auf, Online-Shopping mit der Offline-Welt zu verknüpfen. Wie wir alle wissen, ist Online-Shopping nicht gerade förderlich für die lokalen Läden, sodass sich die drei gedacht haben, dass sie den lokalen Markt unterstützen möchten. In einem ihrer Module an der Uni (Erfolgsfaktoren beruflicher Selbstständigkeit) haben sie die Idee entwickelt und ausgebaut. Nach einiger Zeit des Bedenkens über eine mögliche Weiterführung des Projekts haben sie dann einen Antrag auf Fördermittel von der Europäischen Union gestellt. Die Idee kam so gut an, dass sie von Beginn an eine Förderung erhielten. Sven Schannak betont, dass dieser Erfolg auch der guten Unterstützung durch das Zentrum für Entrepreneurship (ZFE) zu verdanken sei. Der Antrag wurde bewilligt, Anfang Oktober 2013 erhielten die drei Jungs ein EXIST-Gründerstipendium. Durch das Gründerstipendium erhält jeder von

Doch was ist Stadtgestöber eigentlich? Stadtgestöber möchte den lokalen Einkauf in der Innenstadt mit den Vorteilen des Online-Shoppings verknüpfen, somit lokale Geschäfte unterstützen und den Einzelhandel der eigenen Stadt stärken. Und wer sind die drei Jungs hinter Stadtgestöber? Zum einen haben wir Martin Christof, der verantwortlich ist für die administrativen Angelegenheiten, sich um die Planung und das Management von Projekten kümmert. Dann gibt es noch Marcel Holle, der für die App, das Design und die Kommunikation zuständig ist. Und der Dritte im Bunde

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Sven Schannak, Marcel Holle und Martin Christof (von links) wollten starten und nicht warten.

ihnen einen festen monatlichen Geldmittelbetrag und weitere Coaching- und Sachmittel, um die Idee optimal umsetzen und entwickeln zu können. Das Stipendium wird insgesamt für ein Jahr gewährt. Im Dezember 2013 wurde Stadtgestöber zudem mit dem 3. Platz beim Ideenwettbewerb der Uni Rostock ausgezeichnet und gewann einen Sonderpreis. Dieser Erfolg gab den dreien natürlich einen großen Motivationsschub, erzählt Sven Schannak. Mittlerweile haben die drei mit dem Unternehmen Datagroup, einem der führenden deutschen IT-Service-Unternehmen, einen starken Partner gewonnen, der sie nicht nur finanziell, sondern auch ideell unterstützt. Die Jungs sind froh, dass sie diese Idee in Rostock umsetzen können, da es generell in Mecklenburg-Vorpommern schwierig ist, ein Start-up zu gründen. Sie wollen das Ganze nun zunächst vor Ort ausbauen und anschließend weiter in Richtung Hamburg in verschiedenen Städten etablieren.

Einkaufstüte mit einem QR-Code zu sehen sein, dieser kann mit dem Handy über die App von Stadtgestöber gescannt werden. In der App kann man dann verschiedene Artikel durchstöbern, quasi wie Shopping vor Ort. Am nächsten Tag kann der Artikel abgeholt werden. Im Laufe der Zeit soll es auch möglich werden, die gewünschten Artikel nach Hause liefern zu lassen. Daran arbeiten die drei Jungs von Stadtgestöber noch. Auf www.stadtgestoeber.de werden wir dann auch die Möglichkeit bekommen, von Zuhause zu entdecken, was es alles in unseren Innenstädten gibt. Also: Augen auf und nach den auffälligen Einkaufstüten Ausschau halten!

Was ist denn jetzt ein QR-Code? Ein QR-Code (englisch für Quick Response) ist ein elektronisch lesbarer, zweidimensionaler Code. Durch Scannen eines QR-Symbols mit dem Handy können Informationen aus dem Symbol decodiert und für die weitere Informationssuche genutzt werden.

Und wie funktioniert das Ganze jetzt? Start ist Anfang April. In Rostock haben bereits mehrere Händler ihre Teilnahme zugesagt. Diese Händler sind zum Beispiel Gusti Leder, Colour & More und Krümelchens Spielzeugkiste. Im Schaufenster wird dann eine

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Know your meme!

„Was soll das sein? Mehm? Kenne ich nicht!“, ist keine ungewöhnliche Reaktion, wenn es um die Erklärung geht, was das da denn sei. Sie sehen aus wie ein schräges Video, ein schlechter Spruch oder ein schlechter Cartoon. Sie begegnen uns in ganz unterschiedlichen Situationen, in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Die Darreichungsformen von Memen sind vielfältig, doch sie alle teilen vieles. Autor: Marcus Sümnick versucht sich in Mimik.

als beispielsweise Meme in Text- oder Bildform. Ein bekanntes Mem in Textform ist das der ChuckNorris-Facts. „Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit“ und „Chuck Norris hat bis unendlich gezählt. Zwei Mal“ sind nur zwei Beispiele, deren Muster so simpel wie wirkungsvoll ist. Durch das In-Verbindung-Bringen einer unmöglichen oder schwer lösbaren Situation mit Chuck Norris wird diese Situation entweder noch verstärkt oder ad absurdum geführt. Die häufigste und bekannteste Form der Meme sind jedoch jene in Bildform. Zu den bekannteren zählen Rage Faces, in Alltagssituationen gezeichnete Charaktere, die in starke Emotionen versetzt sind und dennoch etwas Humorvolles ausstrahlen. Eine zweite sehr bekannte Darstellung von Memen sind Bilder, auf denen ein kurzer Satz steht. Dieser setzt das auf dem Foto Gezeigte in einen Kontext, der unterschiedlichste Arten von Humor bedienen kann. Die Meme in Form von Bildern entfalten ihre

humoristische Wirkung häufig ohne Kontext. Der Bonus-Level ist allerdings auch bei diesen Memen der Kontext ihrer Verwendung. Demjenigen, der es versteht, Bilder gekonnt mit Sprüchen zu kombinieren, bieten Meme eine vielfältige und aussagekräftige Alternative zu den in ihrer Ausdrucksweise sehr limitierten und dennoch häufig verwendeten Smileys. Sollte dir also nun mal wieder etwas begegnen, von dem du denkst, „Das könnte ein Mem sein, aber ich verstehe seine Bedeutung nicht“, dann schau mal bei knowyourmeme.com vorbei. Dort findest du nicht nur die Erklärungen für viele Meme, sondern kannst auch anhand von Vorlagen selbst einen Mem verwenden, abwandeln und teilen. 1 The Selfish Gene (1976; 2nd edition 1989), Richard

Dawkins, OXFORD UNIVERSITY PRESS, ISBN: 978-0-192-86092-7

Bildquellen: Internet

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as Wort Mem (engl. meme) stammt aus „The Selfish Gene“ von Richard Dawkins1 und ist die Verkürzung von *mimema*, aus dem Altgriechischen für „Anlehnung, Kopie“. Ein Mem im Sinne von Dawkins ist eine Idee oder ein Gedanke – vielleicht etwas Flüchtiges, Immaterielles, Konzeptionelles –, der durch Interpretation, Abwandlung und konkrete Umsetzung zu etwas Neuem wird, dessen Ursprungsbezug aber dadurch nicht verloren geht. Ein im Jahr 2013 sehr bekannt gewordenes Mem ist der Harlem Shake, ein 30-sekündiges Video, in dem sich erst ein Mensch und dann die ganze Umgebung an unterschiedlichsten Orten seltsam zu basshaltiger Musik bewegen. Zu einem Mem wurde es, weil Menschen dieses Muster aufgriffen und es in Verbindung mit der Musik immer wieder wiederholten – und es dabei dennoch nie gleich war. Meme in Videoform sind allerdings selten, da sie schwerer umzusetzen sind

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uni Studieren wird ja häufig überbewertet. Daher probieren wir lieber – und zwar, Erstaunliches zutage zu fördern. Dabei ist es uns gelungen, lang gehütete Geheimnisse zu ergründen, und nun mimen wir den Whistleblower. Das ist alles so geheim, dass wir hier nichts verraten dürfen. Gerichtliche Auflagen zwingen uns erst auf den folgenden Seiten alles preiszugeben. Also bloß nicht lesen und weitererzählen! Friederike und Fritz

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Stell dir vor, es ist Schule und alle gehen gerne hin.

Machen statt meckern: Die Menschen der Initiative Kreidestaub wollen nicht länger über ihre schlechte Lehramtsausbildung klagen. Sie wollen sich selbst organisiert das besorgen, was ihnen fehlt, um für die Schule vorbereitet zu sein. Autorin/Foto: Maria Hoehr möchte Staub aufwirbeln.

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enn du frei entscheiden könntest, wie sähe für dich die perfekte Lehramtsausbildung aus? Um diese Frage kreiste das erste Treffen der im Januar neu gegründeten Initiative Kreidestaub in Rostock. Die vielfältigen Ideen, die aufkamen, wurden anschließend sortiert: Für die Erfüllung welcher Wünsche kann man sich alleine oder in der Gruppe organisieren? Für welche Idee kannst du dich so sehr begeistern, dass du dafür deine Freizeit nutzen würdest? Kreidestaub entstand ein Jahr zuvor in Berlin. Zwei Studenten wollten ursprünglich nur Inspirationsquellen zum Thema Bildung und Schule über eine Facebookgruppe austauschen, doch die Seite verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit extrem schnell. Die Idee wurde weiterentwickelt und seitdem treffen sich begeisterte Menschen regelmäßig in der Hauptstadt, um Gedanken über nachhaltiges Lernen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu realisieren. So begaben sie sich unter anderem auf eine Bildungsreise durch ganz Deutschland. Sie besuchten verschiedene hervorragende Schulen, um anhand dieser Beispiele zu sehen, wie Lernen gelingen kann. Die Kreidestaubidee erreichte Rostock und riss drei Lehramtsstudentinnen so sehr mit, dass sie beschlossen, auch hier eine Gruppe zu gründen. Seit Anfang des Jahres treffen sich engagierte Lehramtsstudierende und Referendare regelmäßig im Bildungskeller. Neben dem Austausch über zukunftsfähiges Lernen planen sie eigene Projekte, an denen sie wachsen wollen. Nach dem Berliner Vorbild wollen sie gute Schulen der Region besu-

chen und durch Hospitationen und Gespräche Erkenntnisse gewinnen. Langfristig geplant sind auch Methodenseminare, die Zusammenarbeit mit Schulen und Workshops, in denen das eigene Auftreten als LehrerIn reflektiert und trainiert werden kann. Die Gruppe besteht aus Lehramtsstudierenden aus allen Bereichen. Jede und jeder bringt Wissen und Erfahrungen mit, die mit anderen geteilt werden können. So lernen die Mitglieder von- und miteinander. Bei einem Treffen wurden mit Juliane und Benjamin Methoden der Erlebnispädagogik ausprobiert, bei einem anderen präsentierte Marlen eine Internetplattform, über die sich Gruppen organisieren können, und im Mai teilt Jule mit der Gruppe, was sie über das Classroom Management gelernt hat. Die offene Organisationsstruktur ermöglicht es, Anliegen und Interessengebiete

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schnell und unkompliziert zu thematisieren. Anstatt über schlechte Seminare und Bildungspolitik zu meckern, nehmen die KreidestaublerInnen ihre Ausbildung selbst in die Hand. Sie erhoffen sich, dass wie beim Schneeballeffekt noch viele weitere Lehramtsstudierende und Referendare von ihrer Idee angesteckt werden. Zum Mitmachen sind keinerlei Vorkenntnisse notwendig, nur der dringende Wunsch, das eigene Lernen und die Schulen der Zukunft mitzugestalten. Neugierig geworden? Die Kreidestaubgruppe trifft sich 14-tägig am Mittwochabend um 18 Uhr im Bildungskeller (Ulmenstraße 69, Haus 3). Alle Termine erfährst du unter: web: www.kreidestaub.net/ber-uns/ mail: rostock@kreidestaub.net


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Kein Asyl im Bebeltower

Anfang November beantragte das Dekanat der Philosophischen Fakultät, dass der Fakultätsrat ein Verfahren zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Edward Snowden prüfen solle. Dieser Schritt rief deutschlandweit eine Kontroverse hervor. Autorinnen: Friederike Wollgast und Theresia Ziegs wollen nicht im Bebeltower wohnen.

Um den Rat zu überzeugen, ließ die Philosophische Fakultät (PHF)

sieben Gutachten von externen Experten anfertigen, darunter Wolf-

gang Hoffmann-Riem (Bundesverfassungsrichter a. D.) und Noam Chomsky (Sprachwissenschaftler). Die Gutachter sprachen sich geschlossen für die Verleihung der Ehrendoktorwürde aus. Wir sprachen mit Prof. Dr.

Gesa Mackenthun, Lehrstuhl für Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Anglistik und Amerikanistik, über die Beweggründe der PHF und das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit.

heuler: Frau Prof. Mackenthun, worin besteht die wissenschaftliche Leistung Edward Snowdens? Frau Prof. Mackenthun: Ehrendoktorwürden werden an der PHF nicht ausschließlich aufgrund wissenschaftlicher Leistungen verliehen, sondern auch für hervorragende gesellschaftliche Verdienste, moralische oder künstlerische Leistungen. Ein Beispiel hierfür ist die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Walter Kempowski für seine Leistungen rund um das „Echolot“. Solche Verdienste sind wiederum für Wissenschaftler relevant. Es geht weniger darum, dass die NSAFiles, die er gesammelt und zur Publikation weitergegeben hat, an sich eine wissenschaftliche Leistung sind. Das Wissen, das er zugänglich gemacht hat, ist für uns alle relevant und fördert unsere Erkenntnis über die Welt und unsere Gesellschaft.

Hat der Antrag vor allem eine politische Dimension? Natürlich ist unsere Motivation in erster Linie eine moralischpolitische, keine wissenschaftliche. Aber wir sind eine wissenschaftliche Institution und sehen die wissenschaftliche Relevanz dieses Archivs. Geht es bei diesem Antrag auch um Publicity für die Uni Rostock? Auch wenn es für einige schwer zu glauben ist, geht es uns als Dekanat darum, unsere Mittel zur Ehrung dieser Leistung auszuschöpfen und die Debatte nicht einschlafen zu lassen. Als wir das Thema im November anrührten, hätten wir nicht gedacht, dass wir die einzige Fakultät in Deutschland sind, die auf diese Idee kommt.

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Haben die Studenten auch etwas davon? Also die Studenten haben sicher nichts davon, wenn Edward Snowden Ehrendoktor wird, aber sie haben indirekt natürlich sehr viel von der gegenwärtigen Debatte.

Whistleblower: jemand, der Missstände [an seinem Arbeitsplatz] öffentlich macht (Quelle: Duden) Die Ehrendoktorwürde kann in „Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen

Im Verlauf der Diskussionen mit Studenten merke ich, dass es immer mehr um Snowdens Beweggründe geht. Er wird von Studenten jetzt eher als Gutmensch wahrgenommen. Snowden ist kaum älter als die Studierenden. Es ist für viele kaum vorstellbar, dass er nicht aus egoistischen Gründen gehandelt hat. Aber sein Verhalten ist „uramerikanisch“. Besonders in Amerika gibt es immer wieder Menschen, die sich jenseits von sozialen Einflüssen aufbäumen. Die nach einem „point of no return“ einen ungewöhnlichen Weg beschreiten. Er ist ein Verfassungspatriot. Ich könnte ihn mir gut mit Barack Obama an einem Tisch vorstellen, weil sie die gleichen Grundwerte haben, die wir auch hier in Deutschland teilen.

auf Fachgebieten, die in der Philosophischen

Gibt es schon Ergebnisse aus den sieben Gutachten? Ja, wir haben inzwischen alle erhalten, darunter ein zwanzigseitiges von Herrn Prof. Hoffmann-Riem [Bundesverfassungsrichter a. D., Anm. d. Red.] und immerhin eine Seite per Mail von Noam Chomsky [Sprachwissenschaftler]. Natürlich sind alle befürwortend, sonst hätten wir sie wahrscheinlich auch nicht gefragt. Eine Wissenschaftlerin, Seyla Benhabib, sieht zwar die Würdigung gerechtfertigt, äußert aber Zweifel hinsichtlich der Methode der Ehrenpromotion als Würdigung. Aber das ist das Einzige, was wir tun können. Was anderes können wir nicht tun, wir können ihm kein Asyl im Bebeltower geben. Wir haben nur dieses kleine, symbolische Instrument einer Ehrendoktorwürde in der Hoffnung, dass danach noch andere Leute aufwachen und das Gleiche tun. So können wir von unten Druck auf die politischen Repräsentanten ausüben.

bekam er Zugang zu den Datensätzen der höchs-

Wie geht es jetzt mit dem Verfahren weiter und wie schätzen Sie die Chancen ein? Zunächst entscheidet der Fakultätsrat im April über die Eröffnung des Verfahrens zur Verleihung der Ehrenpromotion, wofür eine einfache Mehrheit benötigt wird. Hierfür sehe ich gute Chancen. Anschließend würden zwei weitere, ausführlichere Gutachten in Auftrag gegeben werden. Dann würde die eigentliche Abstimmung stattfinden, hierfür benötigen wir 75 Prozent der Stimmen. Wichtig zu wissen ist, dass bei den Abstimmungen nicht nur die Stimmen der Anwesenden, sondern aller Fakultätsratsmitglieder gezählt werden. Daher wird diese Abstimmung nicht einfach. Eine endgültige Entscheidung wird es im Laufe des Sommersemesters geben, also genau dann, wenn Edward Snowden einen Asylort braucht.

für das Gespräch.

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Fakultät vertreten sind“, verliehen werden. Für die Verleihung müssen drei Viertel der Mitglieder des Fakultätsrates zustimmen (Quelle: Promotionsordnung Philosophische Fakultät der Uni Rostock). Wer ist Edward Snowden? Vor Veröffentlichung der geheimen Unterlagen lebte Edward Snowden auf Hawaii und arbeitete als Informatiker für eine Beratungsfirma, die sich im Auftrag der National Security Agency (NSA) an der Internet-Überwachung beteiligte. Dort ten Geheimhaltungsstufe „Top Secret“, die er im Juni 2013 nach seiner Ausreise nach Hongkong zur Veröffentlichung an Journalisten weitergab. Momentan lebt er in Russland im Asyl.


Vom Bachelor zum Master – Von Mainz nach Rostock

Der Bachelor ist in der Tasche. Doch was nun? Jedes Semester stellen sich unzählige Studenten die gleiche Frage. Die drei naheliegendsten Antworten auf diese Frage sind: 1. Ich habe genug von der Uni, es wird Zeit, dass ich richtig Geld verdiene! 2. Der Masterstudiengang an meiner Uni passt einfach perfekt zu mir, ich bleibe hier! Oder 3. Die Zeit an meiner Uni war zwar schön, aber meinen Master würde ich doch lieber woanders machen! Autorin: Yvonne Rosche weiß die Tücken eines Hochschulwechsels zu meistern.

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uch ich, Biologiestudentin aus Mainz, musste mir genau diese Frage stellen. Für mich war jedoch schon während meines Bachelor-Studiums klar, dass es mich woanders hinzieht. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wollte ich mich auf Mikrobiologie spezialisieren, was in Mainz aber nicht möglich war, zum anderen war da die Erwartung auf etwas ganz Neues – eine neue Stadt, eine neue Uni und natürlich viele neue Leute. Dass ich 800 Kilometer von meinen Freunden und meiner Familie entfernt sein würde, machte es zwar nicht leichter, änderte aber an meinem Entschluss nichts. Da die Entscheidung nun mehr oder weniger theoretisch getroffen war, musste ich mich an die praktische Umsetzung machen. Das hieß zunächst einmal Bewerbungen schreiben und mir aus allen Zusagen die für mich beste Uni aussuchen. Für Rostock sprach nicht nur das passende Lehrangebot, sondern auch die Nähe zur Ostsee. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich mir die Stadt an einem Wochenende lieber noch einmal selbst angeschaut. Das Einzige, was mich nicht sonderlich begeisterte, war die prekäre Wohnsituation, aber da war ich noch Schlimmeres aus Mainz gewohnt. Nichtsdestotrotz kam ich zu dem Entschluss: Hier will ich hin! Wieder in Mainz hatte ich einiges zu erledigen: Exmatrikulation inklusive Semestergebühren-Rückerstattung, denn für das nächste Semester hatte ich bereits bezahlt. Abmeldung beim Bürgeramt. Nachmieter für mein WG-Zimmer suchen, was in Mainz nicht sonderlich schwierig war, und den Auszug aus der Wohnung. Nachdem ich in Mainz also alle Brücken abgebaut hatte, musste ich diese in Rostock nach und nach wieder aufbauen. Das heißt: Suche nach einem neuen WG-Zimmer, was glücklicherweise auf Anhieb funktionierte. Umzug nach Rostock mit einem ganz normalen Auto, was bedeutete, dass es keinen Platz für Möbel gab, weswegen noch ein Ikea-Möbeltag eingeplant werden musste. Es folgten die allseits beliebten Anmeldungen im Bürgeramt (inklusive 100 Euro Begrüßungsgeld – der beste Empfang überhaupt!), an der Hochschule und der Bibliothek. Auch nicht vergessen sollte man die Mensa- und Kopierkarte. Alles in allem war ich ausgerüstet für den Semesterstart, sogar eine Woche, bevor es überhaupt losging. Das Einzige, was nun noch fehlte, war ein neuer Nebenjob und nette Kommilitonen. Den Job

hatte ich schnell gefunden und auch neue Freunde fanden sich ganz leicht. Denn glücklicherweise ist man nie die Einzige, die einen Neuanfang startet, viele meiner Kommilitonen kamen ebenfalls aus anderen Städten und sind für den Master nach Rostock gezogen. Da viele in der gleichen Lage waren wie ich, wurden die ersten Kontakte sehr schnell geknüpft und haben sich mittlerweile zu guten Freundschaften entwickelt. Somit keine Angst vor einem Neuanfang!

To-d o-List e f ü r den Hoc hsc h u l w ec hs e l : ● er folgreiche An nahme/ Imm atrikulation an der neuen Universität ● Exm atrikulatio n an der alten Universität ● Semes tergebüh renRücker stat tung ● Nachmieter su chen ● Abmelden aus der alten Stadt ● Woh nung in de r neuen Stadt ● Anmeldun g (B ürgeramt, Men sa , Bibliothek etc.) ● neue Freunde fin den sich von ganz allein

Mainz

Rostock

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Das unsichtbare Tagesgeschäft Podiumsdiskussion hier, Fachtagung dort, dazwischen leckere Schnittchen und ein, zwei Prosecco. Hinter dem Erfolg solcher Veranstaltungen stecken oft monatelange Vorbereitungen, ausgeführt von Leuten, die man nur selten zu Gesicht bekommt. Julia Eimicke promoviert derzeit im Bereich Germanistik und in diesem Jahr organisiert sie die Internationale Tagung „Uwe Johnson und der Kanon“, die vom 22. bis zum 25. Mai 2014 in Rostock stattfindet. Autor/Foto: Martin Fietze trinkt auf Tagungen lieber Sekt als Kaffee.

heuler: Wie fängt die Vorbereitung für eine Tagung eigentlich an? Julia Eimicke: Zuerst schreibt man ein Konzept. Man überlegt sich ein Thema, worum es eigentlich gehen soll. Bei uns stand die thematische Stoßrichtung Kanon schon recht früh fest. Daraufhin musste ich mich durch die Sekundärliteratur der Johnson-Forschung lesen, schauen, wer schon etwas darüber geschrieben hat. Ausgewählte ReferentInnen mussten angefragt werden, ob sie Zeit oder eigene Ideen haben. Die Vorschläge wurden dann in das Konzept eingearbeitet, sodass es im Sommer fertig war.

überregional zu informieren. Zudem werden Flyer und Plakate entworfen sowie Einladungen verschickt. Werden Studierende in die Planung und Durchführung einbezogen? Indirekt ja. Professor Helbig bietet regelmäßig zur Tagung im Sommersemester ein Hauptseminar an, in dem all das sichtbar gemacht werden soll, auf was man sonst als Besucher einer Tagung nicht unbedingt achtet. Aus fachlicher Sicht werden beispielsweise die Vortragstitel genauer betrachtet. Was erwartet man eigentlich beim Lesen des Programmes? Hinterher wird das überprüft, denn der Besuch der Tagung ist natürlich Pflicht. Neben dem Anfertigen von Mitschriften üben sich die Studierenden auch im Beobachten. Wissenschaft findet im sozialen Raum statt. Was also machen da Doktoranden, wenn sie vor gestandenen Professoren etwas zum Besten geben? Und vor allem: Wie machen sie es?

Die Forschungsgemeinschaft wurde also miteinbezogen? Ja, genau. Bei der Recherche stößt man sowieso auf ein paar Namen und man muss herausfinden, ob die Leute überhaupt Zeit haben, an der Tagung teilzunehmen. Deshalb liefen die beiden Prozesse des Anfragens und Konzeptschreibens auch parallel, was den positiven Effekt hatte, dass sich unser Konzept immer weiterentwickelt hat und dass durch neue Vorschläge Dinge in den Blick gerieten, die man zuvor nicht gesehen hatte. Das geht natürlich nur, wenn das eigene Konzept und das Thema möglichst breit und offen gestaltet werden. Und wo liegen die Feinheiten bei der Planung? Wenn die Zusagen alle da sind und das Konzept steht, beginnt die Feinplanung. So muss ein Programm erstellt werden, damit jeder weiß, wann er dran ist. Nicht zu vergessen die Rahmenangebote! Ist am Abend noch etwas geplant? Soll etwas in den Pausen passieren? Das Catering will frühzeitig gebucht sein, Anträge für Hilfskräfte müssen geschrieben werden, das Tagungsmaterial ist zu erstellen etc. Um dabei den Überblick zu behalten, bedarf es eines Kostenplanes. Schlimm kann es aber dann werden, wenn man die räumlichen Gegebenheiten nicht mitbedenkt. Die Tagung findet ja im Rathaussaal statt. Dort gibt es aber keinen Drucker. Also muss ich vorher wissen, ob die Vortragenden Handouts benötigen. Ich brauche jemanden, der sich mit der Technik auskennt. Wenn der Beamer streikt oder Verlängerungskabel fehlen, ist das blöd.

Weitere Infos unter: www.uwe-johnson-gesellschaft.de

Eine öffentliche Tagung hat ja den Zweck, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was macht ihr dafür? Eine Option bietet das ITMZ an der Universität Rostock. Auch da muss man frühzeitig anfragen, denn es gibt viele andere Veranstaltungen, bei denen ein Universitätsfotograf oder ein Filmteam vor Ort sein soll. Dann schreiben wir natürlich Pressemitteilungen, die zeitnah zur Tagung versendet werden. Da es sich bei uns auch um eine internationale Tagung handelt, nutzen wir wissenschaftliche Netzwerke/Portale wie H-Germanistik oder H-Soz-u-Kult, um

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Vom frisch frisierten Haupt der Alma Mater

Autor: Fritz Beise ist gespannt auf die ersten Veranstaltungen im neuen Prachtbau.

Begrüßt von Göttin Metis im Foyer gelangt man auf der linken Seite zum zentralen Treppenhaus. Auf der rechten Seite befinden sich das Universitätsarchiv und ein Ausstellungsraum. In der ersten Etage gelangt man direkt zum Rektorenzimmer. Bei unserem Besuch war sein Mobiliar noch nicht vor Ort. Er hat sich entschieden, unabhängig vom einheitlichen Bürostil des Hauptgebäudes seinen alten Schreibtisch mitzunehmen. Beim Anblick des weiten Raumes wäre selbst der Bürgermeister vor Neid erblasst. Das gusseiserne Treppenhaus sollen zukünftig Büsten von berühmten Philosophen und Wissenschaftlern, die schon früher angebracht waren, schmücken. Problem ist nur, dass nicht alle ursprünglichen Persönlichkeiten bekannt und erhalten sind. Es muss noch ergründet werden, wer es wert ist, diese Räumlichkeit zu füllen. Angekommen in der ersten Etage treibt es einen zum Schmuckstück des

Beim letzten Besuch des heuler im Uni-Hauptgebäude (#98) war noch nicht alles Gold, was glänzte. Es ist immer noch kein Gold und wird es auch nicht mehr, aber jetzt glänzt es endlich in voller Pracht.

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Hauptgebäudes. Die Aula erstrahlt im goldenen Kronleuchterschein. Frühere Rektoren reihen sich unter der Deckenkonstruktion, in der sich die Lüftung versteckt, deren platzintensives System den Dachboden nahezu vollkommen ausfüllt. Die ersten Matrikel der Alma Mater finden sich im neu gestalteten Frontfenster, dass nun die Blendung des Auditoriums durch die Mittagssonne kunstvoll verhindert. Über die Farbwahl des Glases lässt sich dennoch streiten. Nun hat sich die Eröffnung des Hauptgebäudes für den Semesterbetrieb doch etwas verzögert. Im Januar 2013 war noch geplant, das Gebäude Ende August an die Uni zu übergeben, was jedoch nicht eingehalten werden konnte und sich erst im November lösen ließ. In den letzten Monaten ist nach und nach das Universitätsarchiv ins Gebäude umgezogen. Als wir im Februar einen Einblick gewinnen konnten, waren Schilder an den Büros angebracht, es fehlten meist aber noch die Inhalte, vor allem jene auf den Bürostühlen. Manche sagen gar böswillig, die Inhalte würden auch dann noch fehlen, wenn die Bürostühle besetzt wären …

Dass es nicht gelang, das Hauptgebäude schon im letzten Jahr vollends zu nutzen, ist größtenteils der Insolvenz der Rohbaufirma geschuldet, die am Bau beteiligt war. Das führte zu mehrwöchigem Verzug, weil ein Ersatz gefunden werden musste und so auch alle Fristen und Absprachen mit den restlichen Firmen neu gesetzt werden mussten. Zusätzlich verursachten die Vertragsverlängerungen weitere Kosten durch Preissteigerungen für Materialien und Löhne. So wurden aus 14 Millionen doch etwas mehr als 15 Millionen Euro Gesamtbaukosten. Die erste Hälfte des 1,1  Millionen Euro großen Nachtrags resultierte aber noch aus den Mehrkosten für die Anpassungen im Sinne der Denkmalpflege und Anforderungen an die Barrierefreiheit, für die das Hauptgebäude als Pilotprojekt diente. Die Räumlichkeiten im Bereich des Neuen Museums, Seminarräume und der Hörsaal 218 beispielsweise, werden wahrscheinlich zumeist von der Theologischen Fakultät, teilweise von der Philosophischen, genutzt werden.

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Die universitäre Karriereleiter führt rauf auf den Dachboden. Das dort zu findende Lüftungssystem entbehrt leider jeder Metapher mit der Arbeitswelt.

Rechterhand tagt das Konzil. Auf geradem Weg öffnet sich die Pforte zum neuen Bernsteinzimmer.

An dieser Tafel wird das Konzil seine Sitzungen genießen. Im Rücken der Kamera die Präsentationen. Erinnert ein wenig an die Sicherheitsgespräche des Präsidenten in HollywoodBlockbustern.

Diese Aufschrift ist eine dreiste Irreführung. Lasst euch überraschen, was sich dahinter befindet.

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Hörsaal 218. Hier ist ein CO2Messgerät am Werk. Doch bevor das ausschlägt und die Öffnung eines Fensters empfiehlt, seid ihr sicherlich alle schon eingeschlafen. Es sei denn, die Vorlesung hält mit Spannung dagegen.

Das Bernsteinzimmer ist entdeckt: Die Aula erstrahlt in güldener Pracht. Lasst euch nicht blenden. 95 % sind hier kein echtes Gold.

Nicht nur schön, sondern auch dem Brandschutz angemessen: die Kunststeintreppe. Keine Angst, hier gibt es nicht nur Stufen. Zwei Aufzüge und zusätzliche Hebebühnen schaffen auch jedem Rollstuhlnutzer freie Bahn.

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Größer, moderner – und nicht ganz billig Autor: Patrick Ode wünscht sich auch für die Institute der Philosophischen Fakultät einen Neubau. / Fotos: Hauke Ruge

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Seit 1991 wurden für die Instandhaltung und den Ausbau der universitären Infrastruktur in Rostock mehr als 750 Mio.  Euro investiert. 250 Mio. davon in den letzten sechs Jahren. Zur Zeit ist die größte Uni M-Vs auch gleichzeitig dessen größte Baumaßnahme. Ein Grund dafür, sich die aktuellen Ergebnisse dieses „Baubooms“ mal in einem Ranking der „Top-6-Baumaßnahmen“ anzusehen.

uf dem 6. Platz, mit ca. 4,1 Mio. Euro, landet das nach dem liberalen Sowjetregime-Gegner Arno Esch benannte Hörsaalgebäude auf dem Ulmencampus. Nach 18 Monaten Bauzeit bieten dort seit der Fertigstellung im Dezember  2011 zwei Hörsäle Platz für etwa 500 Studierende. Mit ca. 9,7 Mio. Euro liegt der Neubau von Laborgebäuden für die Agrarsowie Umweltwissenschaftliche Fakultät im Justus-von-Liebig-Weg auf Platz 5. Mit dem Bau für das in Stahlskelettbauweise errichtete Gebäude wurde im Mai  2012 begonnen. Nach seiner Fertigstellung im Mai dieses Jahres bietet es auf 1.500 m² Raum für neue Forschung. Das Forschungszentrum „Leben, Licht & Materie“ (LLM) reiht sich auf dem 4.  Platz ein. Baubeginn des 15,5  Mio.  Euro teuren Gebäudes auf dem Südstadtcampus war April  2011. Dieser Neubau der Interdiszi-

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Unangefochtener Spitzenreiter im aktuellen Ranking der Baumaßnahmen an der Uni Rostock ist der Neubau „Zentrale Medizinische Funktionen“ (ZMF) auf dem Campus Schillingallee. Einigen ist die Großbaustelle nahe dem Barnstorfer Wald vielleicht schon aufgefallen. Der Neubau der ZMF bildet dabei nur einen Teil der Baumaßnahmen. Bereits seit einigen Jahren werden die historischen Gebäude auf dem Campus denkmalgerecht saniert. Zudem kam es auch zum Rückbau einiger Gebäudeteile. Im März 2013 wurde mit dem Bau der ZMF begonnen. Voraussichtlich 80 Mio. Euro wird dieser bis zu seiner Fertigstellung 2017/18 kosten. Dann wird es das interdisziplinäre Zentrum der operativen und internistischen medizinischen Disziplinen sein und gleichzeitig den Hauptzugang des Universitätsklinikums Rostock bilden.

plinären Fakultät soll die interdisziplinäre Forschung an der Uni weiter voranbringen. Auf den untersten Treppchenplatz schafft es das Konrad-von-Zuse-Haus, vielen wohl eher durch das dort beheimatete IT- und Medienzentrum sowie das Institut für Informatik bekannt. Der nach dem deutschen Bauingenieur und Erfinder des ersten Computers benannte Bau dauerte knapp drei Jahre und kostete 21,3 Mio. Euro. Seit Fertigstellung im Mai 2011 werden von dort aus auf 4.200 m² alle informationstechnischen Belange der Uni geregelt. Der ebenfalls auf dem Südstadtcampus entstehende Neubau des Instituts für Physik schafft es auf Platz  2. Wie beim Forschungszentrum LLM war der Baubeginn für das 36,6  Mio.  Euro teure Projekt im April  2011. In der Tat entstehen beide Gebäude in unmittelbarer Nähe zueinander und werden über eine gläserne Brücke in der ersten Etage miteinander verbunden sein.

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Prima verläuft der Arztbesuch

..., wenn sich die Liste der einzunehmenden Medikamente nicht zwangsläufig verlängert. Ärzte müssen dafür aber viele Details vor Augen haben, die den Patienten und die bereits vorhandene Medikation betreffen. Wie lässt sich aber der Überblick behalten und dabei effizient handeln? Das europäische Forschungsprojekt PRIMA eDS wirkt an der Optimierung der Behandlung multimorbider Patienten mit – auch am Studienstandort Rostock.

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ie demografische Entwicklung bringt als Begleiterscheinung mit sich, dass immer mehr ältere Menschen aus einer Mehrzahl an unterschiedlichen gesundheitlichen Gründen Ärzte aufsuchen. Sie leiden häufig an mehreren chronischen Erkrankungen und nehmen daher oft verschiedene Medikamente ein. Ab einer täglichen Einnahme von fünf unterschiedlichen Medikamenten spricht man in der Medizin von einer Polypharmazie. Dies ist ein zunehmendes, aber noch wenig erforschtes Phänomen in der westlichen Welt. Vor allem ältere Patienten mit chronischen Erkrankungen sind von Polypharmazie betroffen. Über-75-Jährige nehmen im Schnitt 7,5 Arzneimittel ein. Die Einnahme vieler unterschiedlicher Medikamente steigert aber gleichzeitig auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen. Viele der eingesetzten Medikamente wurden ursprünglich an jüngeren Menschen mit nur einer Erkrankung getestet. Das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen ist in diesen Fällen sehr gering. Bei älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen, die zahlreiche Medikamente einnehmen, treten häufiger Nebenwirkungen oder UnverPolypharmacy in chronic t räg lichkeiten diseases: Reduction of In- auf als bei jungen appropriate Medication and Patienten. PolypharAdverse drug events in el- mazie kann also auch zu derly populations by elect- einem neuen Gesundheitsrironic Decision Support siko führen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Um dies zu vermeiden, kann eine Reduktion der Medikamenteneinnahme sinnvoll sein. Das europäisch geförderte Forschungsprojekt PRIMA eDS will dazu beitragen, dass die Medikamenteneinnahme durch eine elektronische Entscheidungshilfe in der Arztpraxis gegebenenfalls sinnvoll reduziert werden kann und den gesundheitlichen Nutzen dieses Ansatzes überprüfen. Dafür wurde auf Basis neuester wissenschaftlicher Ergebnisse ein Computerprogramm speziell für den Einsatz in der hausärztlichen Praxis entwickelt, das behandelnde Ärzte durch standardisierte Empfehlungen darin unterstützt, die bestmögliche medikamentöse Therapie bei möglicher Reduktion der Arzneimittelzahl für multimorbide Patienten herauszusuchen. Reduziert werden

sollen dabei nur die Medikamente, die einen geringen Nutzen für die Zielgruppe der über 75-jährigen Patienten haben, aber zugleich ein großes Risiko für Nebenwirkungen beinhalten. Getestet wird die elektronische Entscheidungshilfe bei niedergelassenen Ärzten im Einzugsgebiet der Studienzentren in Rostock, Witten sowie Österreich, Italien und Großbritannien. Durch PRIMA eDS sind positive Auswirkungen auf Behandlungsstandards, Kosten und Sicherheit für ältere Patienten mit Polypharmazie zu erwarten. Derzeit bereitet das Team unter der Leitung von Dr. Christin Löffler am Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock die Pilotstudie vor, deren Ziel die umfassende Überprüfung und Optimierung des Computerprogramms für den Einsatz in der Praxis ist. Wie bei SoftwareKonzernen üblich sind auch hier Testphasen notwendig, um Fehler und Probleme, die im eigentlichen Einsatz in der Praxis zeitraubend und hinderlich sind, rechtzeitig erkennen und beseitigen zu können. Anschließend beginnt in der zweiten Jahreshälfte die 24-monatige Erprobungsphase, in der die Funktionalität und Wirksamkeit des Konzepts auf Herz und Nieren getestet wird. Die Anwendung der Software in der Praxis ist im Idealfall wie ein Spezialeffekt im Film. Die besten Effekte sind immer diejenigen, die nicht auffallen, aber eine besondere Wirkung haben. Die Veränderung und Optimierung von Prozessen in Arztpraxen läuft für die Patienten geradezu unscheinbar ab, baut aber auf langjährigen, detaillierten und kontrollierten Studien und Prozessen auf. Wenn am Ende aber alles läuft, dann ist das einfach nur PRIMA.

Autor: Clemens Langer, M.A., (Bild) ist Promotionsstudent an der Wirtschafts-

und Sozialwissenschaftlichen Fakultät im Bereich Filmsoziologie. Er veröffentlichte für den heuler bereits eine Essayreihe zur Filmwelt.

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2014

stura wahl ECHT JETZT? WIESO DAS DENN? Einmal im Jahr kommt ein dicker Briefumschlag der Uni in mein Haus geflattert, dann weiß ich: Yeah, es sind wieder Wahlen! Wieder Listen voller Namen, die ich nicht kenne, und die wollen von mir in Gremien gewählt werden, die mich nicht interessieren. StuRa? Was ist das? Senat und Konzil haben wir hier auch? Ich glaub, vom Fakultätsrat hat mir mal irgendwer erzählt. Wieso darf ich hier nicht den AStA wählen, die machen doch immer so viel? Autor: Björn Hertle, Wahlleiter und das wohl älteste uns bekannte Lebewesen auf Erden.

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ragen sich viele von euch nicht genau dasselbe? Deshalb hat sich der StuRa, also der StudentINNenrat unserer Universität, gedacht, dass es dieses Jahr transparenter zugehen soll und wir als Studierende auch mal erfahren sollen, wem wir da so unser Kreuz geben und – das Wichtigste – wofür. So weit so gut. Aber was interessiert mich denn das, betrifft mich das denn überhaupt? Im StuRa treffen sich regelmäßig hochschulpolitisch engagierte Studierende, die verschiedene Sachverhalte diskutieren, die uns Studierende und unser aller Studium betreffen. Eigentlich will ich doch aber nur in Ruhe studieren und schnell meinen Abschluss machen. Und genau das sind die Themen, die auch den StuRa beschäftigen. Wie kann man zügig seinen Abschluss machen, wenn Stellen gekürzt werden? Wenn das Gebäude, in dem man studiert, fast zusammenfällt, wenn jemand niest? Wenn nicht einmal Geld für einen neuen Beamer da ist? Der StuRa hat sich damit befasst und im letzten November zu einer Demo in Schwerin aufgerufen. Die Probleme wurden erkannt und im Bildungs- und Finanzministerium behandelt. Dadurch wurde vielen Studierenden ermöglicht, weiterhin erfolgreich an unserer Universität zu studieren. Die Mitglieder des StuRa wählen auch die einzelnen Studierenden, die für den Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) tätig sind, und vergibt

Arbeitsaufträge an diesen, um zum Beispiel eine Buslinie von der AugustBebel-Straße in die Ulmenstraße zu etablieren oder um herauszufinden, wie viele Kindergartenplätze wir brauchen, damit wir einen Kindergarten bekommen, der durch unser Studentenwerk betreut werden würde. Das sind nur ein paar Themen, mit denen sich der StuRa beschäftigt. Und neben den ganzen Diskussionen kommt es auch vor, dass sich der StuRa zum Grillen oder zur Karaoke trifft, um abseits des Plenums ebenfalls zu diskutieren. Um Näheres über die einzelnen Kandidierenden zu erfahren, wird es auf heuler-online ein Wiki von jedem einzelnen geben. Dort werden diese vorgestellt und geben Antwort auf relevante Fragen. Zusätzlich dazu ist eine Infoveranstaltung geplant, bei der dann auch das persönliche Gespräch gesucht werden darf. So, und damit auch weiterhin allen Studierenden die Chance auf ein erfolgreiches Studium gewährleistet werden kann und Sätze wie „Davon hab ich noch nichts gehört“ oder „Wie kann man dieses oder jenes ändern?“ bald der Vergangenheit angehören, solltest auch DU für den StuRa kandidieren. Dafür musst du einfach deinen Wahlvorschlag in der Zeit vom 21. April bis 5.  Mai  2014 (15:00  Uhr) im Büro oder Briefkasten des AStA in der Parkstraße 6 abgeben. Vordrucke gibt es auf der AStA-Homepage oder beim Bürodienst des AStA.

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politik

Bald sind wieder Wahlen, die die Politiker dazu auffordern, das Blaue vom Himmel zu reden. Trotzdem sind Wahlen ein unverzichtbarer und vor allem ein b端rgernaher Teil der Demokratie, weswegen wir uns in diesem Heft etwas genauer mit der Kommunalwahl und der Europawahl befassen wollen. B端rgernah sind auch die Volxk端chen und das Gedenken an Mehmet Turgut. Also bl辰ttert schnell weiter! Yvonne und Theresia

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How to do Europawahlen Am 25. Mai finden die achten Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Und aus diesem Grund sieht sich dein heuler in der Pflicht, die vielleicht noch offenen Lücken zum Wahlprozess der Europawahl zu schließen und das Wählen auf EU-Ebene kurz zu erläutern. Autorin: Yvonne Hein plant ein Videotutorial unter dem Titel A democratic and peaceful Europe for Dummies". "

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as Europäische Parlament wird seit 1979 alle fünf Jahre und seit 2004 im Verhältniswahlrecht gewählt. Jedoch gibt es kein komplett einheitliches Wahlsystem innerhalb der EU und es gelten nationale Wahlbestimmungen. Generell ist lediglich festgehalten, dass die Mitglieder des Europäischen Parlaments allgemein, unmittelbar, frei und geheim zu wählen sind und dass alle Mandate freie Mandate sind, das heißt, dass die Mandatsträger nicht an Weisungen und Aufträge von Parteien, Fraktionen oder Personen gebunden sind, sondern in ihrer Mandatsausübung nur ihrem Gewissen unterliegen. Die unterschiedlichen Wahlgesetze finden sich auch in den Altersbeschränkungen wieder: Dürfen in allen anderen EU-Ländern alle Bürger ab dem vollendeten 18. Lebensjahr wählen gehen, so können die Österreicher schon mit 16 Jahren an die Wahlurne treten. Passives Wahlrecht besitzen die meisten EU-Bürger bereits mit der Volljährigkeit. In Italien zum Beispiel allerdings erst mit 25. Insgesamt hat das EU-Parlament 751 Sitze. Wie viele Abgeordnete ein Mitgliedsstaat in das Europäische Parlament schicken darf, hängt von der Größe seiner Bevölkerung ab. Dabei gilt jedoch das Prinzip der degressiven Proportionalität, sodass größere Staaten zwar mehr Abgeordnete nach Brüssel schicken können, aber ein Abgeordneter auch mehr Einwohner repräsentieren muss. Trotz der unterschiedlichen Bevölkerungszahl und -dichte in den verschiedenen EU-Staaten soll dadurch den kleineren Staaten ein ausreichendes Mitbestimmungsrecht eingeräumt werden. Die Aufstellung der Kandidaten erfolgt über Listen. An der Wahlurne hat der Wähler nur eine Stimme und entscheidet sich für eine Partei, die sich dann einer Fraktion im Europäischen Parlament anschließt. Deutschland berechnet die zustehenden Sitze mit dem Sainte-Laguë-Verfahren. Doch aufgrund der nationalen Wahlgesetzbestimmungen unterscheiden sich auch die Sitzzuteilungsverfahren in den EU-Staaten. Es ist lediglich vorgegeben, dass kein Staat weniger als sechs und mehr als 96 Sitze im Europäischen

Parlament haben darf. In Deutschland sind die Listen geschlossen, das heißt, dass die Mandatsträger nach einer zuvor festgelegten Reihenfolge, auf die der Wähler keinen Einfluss hat, in das Parlament einziehen. In anderen Staaten gibt es lose und freie Listen. Zudem gibt es bei dieser Wahl für deutsche Parteien keine Sperrklausel mehr, denn das Bundesverfassungsgericht befand Prozenthürden als Verstöße gegen das Grundgesetz. Und noch etwas regeln die nationalen Wahlgesetze: den Tag der Europawahl. Diesen bestimmen die Wahltraditionen. Wird in Großbritannien zum Beispiel unter der Woche gewählt, so wählen wir Deutschen immer an einem Sonntag. Die Italiener haben hingegen zwei Wahltage. Aus diesem Grund finden die Wahlen zum Europäischen Parlament in diesem Jahr im Zeitraum vom 22. bis zum 25. Mai statt. Wenn man sich aber die Wahlbeteiligung der letzten Europawahl anschaut, scheinen vielen EU-Bürgern ihre Union und besonders die Vorgänge im Europäischen Parlament ferner zu sein als sonst irgendetwas auf der Welt. Erst im Dezember 2013 wurden die ersten Zahlen des aktuellsten Eurobarometers veröffentlicht und zeigen, dass nur 29 Prozent der EU-Bürger glauben, dass ihre Stimme etwas zählt. Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2009 lag bei 43 Prozent. Euroskeptizismus ist verbreiteter denn je. Eine Ursache des Euroskeptizismus ist das geringe Wissen über die Vorteile und Möglichkeiten der EU und somit auch des Europaparlaments. Doch mittlerweile ist die EU eine wichtige Stütze der nationalen Regierungen geworden und hat mehr Potenzial, als allgemein bekannt ist. Nur braucht sie dafür zunächst einmal eine europapolitisch interessierte und aktive Bevölkerung, die sich auch über Wahlen hinaus für ihre Interessen einsetzt. Wählen zu gehen ist dabei nur der Anfang, denn eine hohe Wahlbeteiligung legitimiert das Projekt Europäische Union nicht nur, es zeigt den Europapolitikern auch, dass es dem EU-Bürger vielleicht doch nicht so egal ist, was „die da oben“ praktizieren, sodass die EU-Abgeordneten um ihre Wiederwahl fürchten müssen. Zudem hat Nicht-Wählen selten etwas zum Positiven verändert.

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Der Bürger schafft die Bürgerschaft

25. Mai 2014: Gandalf-Darsteller Ian McKellen feiert seinen 75. Geburtstag und wir Rostocker haben die Ehre, unsere Stadtvertretung wählen zu dürfen. Nebenbei natürlich noch das Europaparlament. Doch was steckt eigentlich alles hinter einer Kommunalwahl und was ist so wichtig an der Bürgerschaft? Autor: Fritz Beise hat sich das geholt, was dem Namen nach in einem Rathaus zu bekommen ist.

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an macht es sich gerne einfach. Warum auch nicht? Zwei Wahlen auf denselben Tag zu legen, hat Vorteile. Allein die Vorbereitung einer Wahl braucht mindestens drei bis vier Monate. Ein Wust von Fristen erwartet nicht nur die Verantwortlichen. In Rostock war man sich des Aufwandes bewusst und fing mit den ersten Vorbereitungen direkt nach der Bundestagswahl an, denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Erfahrungswerte. Das EU-Parlament wird ebenfalls alle fünf Jahre gewählt. Die Doppelwahl ist also nichts Neues. Jetzt ist man im Endspurt angelangt. Mit Erscheinen dieser Ausgabe werden die Kandidaten für die Bürgerschaft schon feststehen. Zwei Tage vor Fristende waren es schon ca. 140. Der Gemeindewahlleiter legte schlussendlich dem Gemeindewahlausschuss 70 Wahlvorschläge für fünf Wahlbereiche mit 190 Kandidaten vor. Aus ihnen sollen die 53 Mitglieder der Bürgerschaft gewählt werden. Bewerbungen in mehreren Wahlbereichen sind dabei erlaubt. Die Wahllokale werden für den Wahlsonntag gemietet. Bei Schulgebäuden ist das natürlich obsolet. Für den korrekten Ablauf und die Auszählung braucht man selbstverständlich Wahlhelfer. Pro Wahllokal ungefähr acht. Die Rostocker Gemeindewahlleitung um Robert Stach will auf alles vorbereitet sein und engagiert lieber mehr Helfer als zu wenige. Mitte März fehlten noch 800 Wahlhelfer. Wer der Demokratie also nicht nur mit seinem Kreuz ihre Seele einhauchen möchte, kann ein Teil ihrer körperlichen Hülle werden. Ein sogenanntes Erfrischungsgeld als Aufwandsentschädigung soll dabei natürlich nicht fehlen. Ob am Abend bei der Auszählung auch alles mit rechten Dingen zugeht, kann ganz nebenbei jeder Bürger selbst überprüfen. Die Lokale sind ab 18 Uhr auch weiterhin offen für interessierte Beobachter.

Wir dürfen bei der Kommunalwahl dreistimmig wählen. Das heißt natürlich nicht, dass man zu mehreren, womöglich gar zu dritt in die Wahlkabine gehen darf. Es sei denn, man kann aufgrund einer Behinderung sein Kreuz nicht selbst setzen. Dann darf eine Person des Vertrauens mit in die Wahlkabine. Die drei Stimmen können auf einen Kandidaten oder auf mehrere Kandidaten verteilt werden, egal welcher Gruppierung sie angehören. Wer mit seinen Stimmen geizen will, kann auch nur ein Kreuz setzen. Ob das hilfreich für das befürwortete Ergebnis ist, steht auf einem anderen Blatt. Übrigens ist es in allen 190 Wahllokalen untersagt, laut kundzutun, wen man gewählt hat. Inwiefern das geahndet wird, ist fraglich. Ermahnungen zur Ruhe im Wahllokal und gegebenenfalls die Aufforderung zum Verlassen des Wahllokals könnten die Folge sein. Auch das Mitnehmen der Stimmzettel nach draußen führt dazu, dass diese Stimmen nicht mehr angenommen werden. Und das wäre wirklich ärgerlich, denn die nächste Kommunalwahl ist, sofern nichts dazwischenkommt, erst wieder 2019. „Parlamentarische Demokratie ohne Wahlen wäre keine Demokratie. Denn es gehört zu ihrem Wesen, dass in regelmäßigen Abständen der grundsätzliche Wille der Mehrheit der Bürger neu festgestellt wird und die Repräsentanten der Wahlberechtigten in den Parlamenten und Kommunalvertretungen neu bestimmt werden.“ So beginnt die Einleitung des Innenministerium M-V in einer Broschüre zu Landtags- und Kommunalwahlen. Zur letzten Bürgerschaftswahl lag die Beteiligung bei 43 Prozent von ca. 170.000 Wahlberechtigten, dort gibt es seit Jahren keine großen Änderungen. Die höchste Wahlbeteiligung hat immer die Bundestagswahl, weil sie medial schlichtweg am stärksten verbreitet und ausgeschlachtet wird. Wenn die Bürgerschaft in den Medien zu marginal erscheint, muss man ihr

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ins Rampenlicht verhelfen. In Schwerin ist man jetzt auf die Idee gekommen, die Sitzungen der Stadtvertretung online zu übertragen. Was im Bundestag und Landtag schon seit Jahren Usus ist, erreicht nun auch die „Provinz“. Das wäre sicher auch für Rostock keine schlechte Lösung. Jede Form der Öffnung von geschlossenen Zimmern der Politik dem Wähler und Bürger gegenüber kann der Wahlbeteiligung nur zugutekommen. Das wird vielleicht einigen, die ihre Ränkespielchen lieber im Nebel treiben, nicht gefallen, doch dann wäre es für den Stadtbewohner leichter, sich über Gesagtes ganz direkt zu informieren, ohne Verallgemeinerungen und Wiedergekautem aus Zeitungen und anderen Medien vertrauen zu müssen. Auch wenn die Sitzungen der Bürgerschaft grundsätzlich öffentlich sind – abgesehen von den üblichen Ausnahmen, unter anderem bei Privat- und Steuerangelegenheiten –, erleichtert eine Übertragung aus dem Sitzungssaal den Zugang zu Informationen. Letzteres ist schließlich die Grundlage für eine fundierte Entscheidung beim Setzen des Kreuzchens. Gerade bei einer Personenwahl sollte es nicht allein auf Sympathie ankommen, sondern auf die Handlungen der Kandidaten. Jemanden zu wählen, weil er oder sie das schönste Lächeln auf einem Plakat zeigt, mag manchmal das Ziel von Kandidaten ohne Inhalt sein, untergräbt jedoch das Wesen der Demokratie. Dem mag etwas zu viel Pathos anhängen, dies sollte aber bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Die Bürgerschaft mag nicht so viel Gewicht haben wie der Bundestag. Sie ist jedoch das Parlament mit der größten Nähe zum Bürger. Sie kann noch am ehesten auf die Interessen dieser eingehen. Von der gleichzeitigen Wahl der Bürgerschaft und des EU-Parlaments erhofft man sich auch eine Erhöhung der Beteiligung. Interessierte an der Bürgerschaft sollen, wenn sie schon mal da sind, auch gleich das Europäische

Parlament wählen und umgekehrt. Die Anzahl der Personen, die dieser Überlegung zugrunde liegen, ist wahrscheinlich äußerst gering. Doch jede Stimme zählt. Und jeder zusätzliche Wähler trägt zur Legitimierung der gewählten Vertretung bei. Dass diejenigen, die letztlich über den Haushalt, über Bauvorhaben, über Belange der Kultur, Jugendhilfe, Regionalentwicklung, Soziales, Gesundheit sowie Schule und Sport entscheiden, auch rechtmäßige Vertreter der Stadtbevölkerung sein sollten, entspricht durchaus einer gewissen Logik. Gewählt werden kann die Rostocker Bürgerschaft von jedem Deutschen, der das 16. Lebensjahr vollendet und seinen Erstwohnsitz innerhalb Rostocks angemeldet hat und nicht durch ein rechtskräftiges Gerichtsurteil vom Wahlrecht ausgeschlossen ist. So viel im Groben. Zusätzlich muss man Bürger eines EU-Staates sein, also einen Pass aus einem EU-Staat besitzen. Man nennt sie Unionsbürger. Besonders vereinend ist das für die Bürger, die schon länger in Rostock wohnen, jedoch einen, sagen wir, ukrainischen Pass besitzen, nicht. Sie sind den gleichen Vor- und Nachteilen des Ergebnisses einer Kommunalwahl ausgesetzt wie alle anderen Einwohner Rostocks und sind sicherlich in der Lage, selbst zu entscheiden. Was macht einen EUBürger besser als einen Nicht-EU-Bürger? Der Friedensnobelpreis, den die EU erhalten hat, sicher nicht. Die Regelungen zur Wahlberechtigung sind Grundlage einer ewig währenden Diskussion. Die Rostocker Wahlleitung spricht sich im Gespräch mit dem heuler durchaus für eine Erweiterung der Berechtigung auch auf Nicht-Unionsbürger mit Rostocker Wohnsitz aus, ist aber nicht entscheidungsbefugt. Diese Zuständigkeit liegt beim Land und das hat nun einmal einen solchen Rahmen festgelegt, der dringend einer Restaurierung bedarf.

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Volxküchen in Rostock

Verschiedene Einrichtungen in Rostock bieten warme Mahlzeiten gegen einen Soli-Beitrag an. Das klingt zuallererst nach einer solidarischen Suppenküche für Bedürftige. Ist es auch – aber nicht nur. Wir schauten in verschiedene Voküs und deren Töpfe und fanden vor allem eines: ein geselliges Miteinander. Autorinnen: Nicole Korte und Yvonne Hein haben noch nie so viele Bananen auf einmal geschält.

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wei große, dampfende Töpfe stehen im Flur auf einem Holztisch. Sie sind mit Reis gefüllt und mit einem Gemüsegericht: Paprika, Broccoli, Zwiebeln, rote Bohnen und Mais in einer Tomatensoße. Daneben befinden sich unzählige Schalen und Teller, ein Besteckkasten und eine kleine Schale, über die der Zettel „Vertrauenskasse“ und „Spendenempfehlung 2 €“ geklebt wurde. Es ist Donnerstagabend im Peter-Weiss-Haus (PWH). In einer Stunde beginnt die Veranstaltung des wöchentlich stattfindenden Politischen Donnerstags (auch Poldo genannt), diesmal zum Thema „Adbusting“. Doch zuvor reihen sich eine Vielzahl von Menschen in eine Schlange vor den Kochtöpfen ein, schenken sich eine Schale mit Reis und Gemüse ein, werfen ein paar Münzen in die Vertrauenskasse und begeben sich in den großen Saal des PWH. Denn genauso regelmäßig wie der Poldo findet auch die Volksküche jeden Donnerstag im PWH statt. Es wird immer vegan gekocht, sodass auch wirklich jeder mitessen kann. Was auf den Tisch kommt, entscheiden die Köche und die Soli-Einnahmen der letzten Vokü. Meistens kochen dieselben Personen, ein fester Kern, aber fast immer kommen ein paar neue Menschen hinzu, die dann auch neue Rezeptideen mitbringen. Wenn etwas übrig bleibt, dann wird sich das für den nächsten Tag eingepackt. Viel bleibt aber selten übrig. Volksküchen sind in der Zeit der Industrialisierung entstanden, als immer mehr Menschen in den Städten arbeiteten und sich nicht mehr mittels ihrer Landwirtschaft selbst versorgen konnten. Meisten war das Familieneinkommen nämlich so gering, dass sie auf externe Unterstützung angewiesen waren. Aber erst in den Hungersnöten im Zuge der Deutschen Revolution von 1848/49 gewannen die Voküs an Bedeutung. Es entstanden eigene Vereine, die es sich zur Aufgabe machten, ärmere Menschen zu verpflegen. Auch vor, im und nach dem Ersten Weltkrieg sicherten Volksküchen die Ernährung für einen großen Teil der Bevölkerung. Im Chaos der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges verschwanden die Voküs Stück für Stück, zum einen, weil die institutionellen Strukturen während des Krieges zerstört wurden, und zum anderen sicherten die Alliierten die Versorgung, auch wenn dies zunächst eher mühselig passierte. Erst in den Sechzigerjahren lebten die öffentlichen Versorgungsanstalten mit dem Ziel, den ärmeren Teil der Bevölkerung zu verpflegen, wieder auf. Die Volksküchen, wie sie heutzutage existieren, sind in den Achtzigerjahren in der linken Szene im Zuge der Hausbesetzungsbewegungen entstanden. Fast alle linksorientierten Zentren bieten heutzutage Voküs mit verschiedenen Konzepten an. Die Grundidee ist jedoch fast immer gleich: Es wird für möglichst viele Menschen gekocht und jeder gibt einen Soli-Beitrag nach eigenem Ermessen. Oft findet man den Begriff „Volxküche“, um sich von dem Wort „Volk“ zu distanzieren, in dem oft eine nationalistische Konnotation mitschwingt. Heutzutage sind es weniger Bedürftige, die wöchentlich zur Vokü kommen. Es sind Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Auch in der Tisch-

runde im PWH kamen die Gäste aus unterschiedlichen Gründen zur Vokü: Für sich alleine kochen lohnt sich nicht und alleine essen macht keinen Spaß. Man trifft immer nette Menschen, es ist lecker und günstig, waren die Hauptgründe. Die Volksküche im PWH ist bewusst vor den Politischen Donnerstag gelegt worden. „Es passt einfach, nach einer Vokü ein politisches Thema zu behandeln“, erzählt uns ein regelmäßiger Besucher der PWH-Vokü. Doch in Rostock bietet nicht nur das PWH eine Vokü an: Eine Woche später besuchen wir die Vokü des Median. Diese wird vom Awiro e. V. veranstaltet und findet in einem kleineren Kreis statt als die Vokü des PWH. Doch auch hier ist das Prinzip das gleiche: Menschen treffen aufeinander und genießen gemeinsam die vegane Küche für einen kleinen Beitrag. Hier gab es für uns eine würzige Linsensuppe und als Nachspeise ein Mangoküchlein. Und auch das Jugendalternativzentrum Rostock (JAZ) ist bekannt für seine regelmäßigen Volksküchen. Diesmal haben wir beschlossen, nicht nur mitzuessen, sondern auch mitzukochen. Es ist das allererste Mal seit dem Umbau, dass die Vokü wieder in den Räumlichkeiten des JAZ stattfindet. Mit dem Umbau wurde auch eine neue Küche mit neuen Küchengerätschaften eingebaut, die nun zum ersten Mal in Benutzung genommen wird. Die JAZ-Vokü gibt es schon fast genauso lange wie das JAZ selbst, nur hat sich die Personenzahl, für die gekocht wird, vervielfacht. Auch hier kommen lediglich vegane Gerichte auf den Tisch. Die Zutaten werden auf den Wochenmarkt und beim Biobauern besorgt und, soweit es möglich ist, wird auf biologischen und nachhaltigen Anbau geachtet. Welche Gerichte zubereitet werden, wird meistens spontan beschlossen. „Wir versuchen immer, besonders die Zutaten zu verwenden, die sonst weggeschmissen werden müssten, weil sie der Otto Normalbürger nicht mehr kaufen würde. Und das wäre schade“, erzählt uns ein Helfender. Als wir ankommen, hat das Team schon mit dem Schnippeln des Gemüses angefangen Eine Besonderheit zeichnet die Vokü des JAZ aus: Es gibt nicht den klassischen „Reis mit Scheiß“, sondern ein Vier-Gänge-Menü. Als Vorsuppe stand eine Pastinaken-Möhren-Ingwer-Orangen-Suppe auf dem Speiseplan, gefolgt von einem Rote-Beete-Apfel-Feldsalat mit Sonnenblumenkernen, einer bunten Gemüsepfanne an Kartoffelspalten und als Nachtisch wurde Apple Crumble mit Vanille-Bananen-Soße serviert. Nach drei Stunden Kochen sind alle Gerichte fertig und können serviert werden. Die Ausgabeluke geht auf und die Vokü-Sympathisanten stehen schon für den ersten Gang an. „Das neue JAZ ist ganz anders“, erzählt uns ein Gast, „aber die Vokü ist genauso lecker wie immer.“ Er nimmt sich zum zweiten Mal Dessert und geht zurück in den schummrig beleuchteten Saal. Bei Bier und den letzten Happen wird über alten Zeiten geplaudert, vielleicht auch über die Voküs von früher …

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Stilles Gedenken

Rostock hat sich Zeit gelassen. Widerstand von Politikern und Bürgern und viele Diskussionen um das richtige Gedenken sorgten dafür, dass Rostock als letzte Stadt eines Opfers der NSU gedenkt. Im Februar wurde ein Mahnmal für Mehmet Turgut eingeweiht. Autorin: Theresia Ziegs ist für einen Mehmet-Turgut-Weg.

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m Rand von Toitenwinkel. Zwei Bänke aus Beton. Sie sind grau, rustikal. Sie stehen einander gegenüber, leicht verschoben, und sollen an die Ermordung Mehmet Turguts erinnern. Der gebürtige Türke hatte hier in einer Imbissbude gearbeitet, bevor er am Morgen des 25. Februars  2004 erschossen wurde. Die Polizei ging von kriminellen Machenschaften des Opfers aus. Die Familie in Ostanatolien wurde observiert, bis sie aus dem Dorf, in dem sie lebte, ausziehen musste, weil sich Gerüchte über Mehmet Turguts angebliche Kriminalität verbreitet hatten. Doch seit 2011, nachdem der Nationalsozialistische Untergrund, kurz NSU, aufgedeckt wurde, ist bekannt, dass Mehmet Turgut nicht kriminell war, sondern das vermeintlich fünfte Opfer der NSU wurde. Doch es dauerte noch weitere drei Jahre, bis in Rostock ein Mahnmal für den Türken geschaffen wurde. Antworten auf die schwierige Frage nach der richtigen Form des Gedenkens riefen Widerstand hervor. Manche führten gar das fadenscheinige Argument an, dass Mehmet Turgut doch kein richtiger Rostocker und illegal im Land gewesen sei. Als Provisorium hatte man zunächst einen Gedenkstein aufgestellt, bevor der Entwurf für einen Gedenkort mit zwei Bänken in einem Künstlerwettbewerb ausgewählt wurde. Das Werk des Leipziger Künstlers TobiasDavid Albert thematisiere „die Bedeutung von Distanz für die Möglichkeit echter menschlicher Begegnungen“, so die Jury. Einer der Preisrichter betont, dass die Bänke ein Angebot zur Kommunikation und zur friedlichen Verständigung unterbreiten.

In die Rückenlehne der Bänke ist je eine Gedenktafel aus Metall eingelassen, auf der jeweils ein Ausschnitt aus Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und ein Satz der Arbeitsgruppe Gedenken, die eigens für die Errichtung des Mahnmals gegründet wurde, zu lesen ist. Die Texte sind auf Türkisch und Deutsch verfasst. Es wird kritisiert, dass das Gedenken nicht weit genug gehe und das Werk zu unauffällig sei. Die Antifa forderte wiederholt, den Neudierkower Weg in „MehmetTurgut-Weg“ umzubenennen. Und tatsächlich gewinnt man den Eindruck, dass die Bedeutung dieses Denkmals einige Menschen nicht erreicht. Eine Frau, die an der Erinnerungsstätte vorbeikommt, beschwert sich, dass nur wenige Tage nach Einweihung alle Blumen und Kerzen bis auf eine Kerze gestohlen worden seien. „Es ist eine große Sauerei“, schimpft sie, bevor sie von Mehmet Turgut und seinem Bruder schwärmt, die sie beide gekannt habe. Sie betont: „Er war ein ganz Lieber.“ Noch ist das Stück Erde um die Bänke braun. Im Hintergrund sind die typischen Toitenwinkeler Neubauten zu sehen und nebenan ein Parkplatz. Ein Steinweg führt zu den Bänken hin und wieder weg. Aber im Sommer, wenn die Samen gekeimt und die Pflänzchen gewachsen sein werden, wird der Gedenkort etwas von der grauen, beklemmenden Atmosphäre verlieren. Vielleicht ist dann „echte menschliche Begegnung“ möglich.

Jeden 25. Februar um 10:20  Uhr, zur Tatzeit, verläuft das Sonnenlicht parallel zu den Bänken.

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Studenten an die Front! Rostock im Ersten Weltkrieg

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus und veränderte das Leben unzähliger Familien. Der Krieg prägte die Gestalt Europas und noch heute sind die Folgen spürbar. Auch das kleine, beschauliche Rostock bekam die volle Bandbreite des Kriegsalltags zu spüren.

Autoren: Sophie Auer und Fritz Beise würden eher ungern an die Front.

es dunkel auf den Straßen, da die Laternen ausgeschaltet blieben. Die Geschäfte schlossen aus Tageslichtmangel in der kalten Jahreszeit meist schon vor 17 Uhr. Deswegen führte man 1916 die Sommerzeit ein, die mit einigen Unterbrechungen auch heute noch den zeitlichen Rhythmus von Sommer und Winter bestimmt. Vor den Lebensmittelgeschäften bildeten sich lange Schlangen. Der Mangel trieb die Preise in die Höhe, sodass es Anfang Juli 1917 zu einer größeren Hungerunruhe in Rostock kam: Ein Grüppchen wütender Frauen begab sich zunächst zum Polizeiamt und verlangte dort mehr Brotzusatzkarten für ihre hungernden Familien. Weil den Frauen keine zusätzlichen Karten gewährt wurden, plünderten sie einige Bäckerläden und ein Fleischgeschäft in der Augustenstraße. Sie wurden daraufhin zu Freiheitsstrafen verurteilt. Der Krieg verschlang Unmengen an Materialien für Geschütze und Munition: Fahrradschläuche wurden beschlagnahmt, um das Gummi zu verwenden, die Kupferplatten auf den sieben Rathaustürmen wurden demontiert und die als „kulturhistorisch nicht wertvoll“ eingestuften Glocken der Petrikirche wurden eingeschmolzen. Das kulturelle Leben kam zum Erliegen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, blieben verwaist, denn bis Kriegsende stellte das Theater seinen Betrieb ein. Und zum ersten Mal seit Jahrhunderten fiel das Großereignis dieser Tage, der Rostocker Pfingstmarkt, aus.

Der städtische Kriegsalltag Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg begann, war in Rostocks Geschäften gerade der Sommerschlussverkauf angelaufen. Doch die Rostocker merkten alsbald, dass die unbeschwerten Sommertage ein Ende hatten und sich die Stimmung in der Stadt veränderte. Schon zogen die ersten Verbände des in Rostock stationierten Füsilier-Regiments Nr. 90 „Kaiser Wilhelm“ Richtung Westen, wo sie große Verluste verzeichnen mussten. Zunächst waren die Menschen kriegsbegeistert und bereit, die Rüstungskassen zu füllen. Im Rathaus wurde mit der Nagelung des „Eisernen Greifen“ begonnen: Mit einer Spende konnte man einen Nagel erwerben, dessen Größe zu dem gespendeten Betrag im Verhältnis stand – je mehr Geld gespendet wurde, desto größer war der Nagel. Die eingeschlagenen Nägel in einer Holztafel fügten sich dann zu Rostocks Wappentier, dem Greifen, zusammen, der stolz und aufrecht dahinschreitet. Er sollte die Opferbereitschaft und den Entbehrungswillen der Hansestädter symbolisieren. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz im Barnstorfer Wald wurde ein Musterschützengraben ausgestellt, der „trotz des regnerischen Wetters“, wie der Rostocker Anzeiger berichtete, rege besucht war. Der Krieg sei eben „eine spannende Sache“ für die Menschen im durch und durch militärisch geprägten Kaiserreich gewesen, wie Dr. Steffen Stuth, Leiter des Kulturhistorischen Museums Rostock, erklärt. Doch bald veränderte sich das zivile Leben radikal. In den kommenden Kriegswintern mussten die Rostocker auf vieles verzichten. So wurden Schulen geschlossen, es fand nur noch selten Unterricht statt und die Öfen der Stadthäuser blieben kalt, denn es fehlte an Heizmaterial. Abends war

Universität und Studenten Im Wintersemester 1913/14 waren 1.009 Studenten in dem universitären Provinzstädtchen Rostock immatrikuliert. Mit Beginn des Krieges war ein massiver Schwund zu verzeichnen. Von den gut 800 Eingetragenen studierten nur noch etwa 250 wirklich, der Rest war dem Ruf der Armee gefolgt.

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Bildmaterial: Thomas Hirsch

Ausstellu ng: Kulturhistorisches Museum Rostock Für den Kaiser an die Front – Rostock er und Mecklenburge r im Ersten Weltkr ieg 6. Ju ni – 21. Sept em ber 2014 Literatu r: Antje St ra hl: Rosto ck im Ersten Welt kr ieg, Bi ldu ng, Ku ltu r und Al lta g in einer Seestadt zw ischen 1914 und 1918, Mag isterar beit, Berli n 2007 . (Die Doktorarbe it von Antje St ra hl über das Großhe rzog tu m Meckl enbu rg-Schwer in im Ersten Welt kr ieg w ird eben fal ls ba ld in unserer Bi bl iothek zu r Verfügu ng stehen.)

Gesellschaftlicher Neustart Als 1917 der Friedenswille unter der Bevölkerung erstarkte, gründeten sich zahlreiche Parteien. Vor allem die USPD setzte sich, nachdem die Oktoberrevolution in Russland bekannt wurde, für Frieden ein. Im Oktober 1917 und Januar 1918 gab es im Rostocker Gewerkschaftshaus „Philharmonie“, Doberaner Straße 134/135, Kundgebungen gegen den Krieg, vornehmlich von sozialdemokratischen Vereinigungen organisiert. Was aber nach großen Umwälzungen klang, war es in Rostock mitnichten. Man muss sich dabei immer vor Augen führen, dass Rostock zur Zeit des Kaiserreichs ein relativ unbedeutendes Provinzstädtchen war. Die KTV war und ist bis heute kein Arbeiterviertel. Die Stadt bestand zum Großteil ganz typisch aus gutbürgerlichen Einwohnern. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, spätestens unter den Nazis, gewann Rostock an Bedeutung, beispielsweise als Hafenstadt, und wuchs dann durch den sozialistischen Wohnungsbau zu seiner heutigen Größe heran. Anfang November 1918 solidarisierten sich in Warnemünde stationierte Matrosen mit denen aus Kiel und bildeten in Warnemünde einen Soldatenrat. Auch in Rostock gründete sich ein solcher sowie ein Arbeiterrat, die sich am 9. November vereinigten. Zusätzlich streikten 1.500 Arbeiter der NeptunWerft und forderten Frieden und Demokratie. Die Gedenkstätte der revolutionären Matrosen mit nach Osten gerichteter Siegerfaust am Stadthafen in Höhe der EWS zeugt von den Tagen des Neuanfangs in Rostock. Nur wurde zu DDR-Zeiten daraus ein Idealbild gegossen, das auf Rostock bezogen etwas zu viel Make-up aufgetragen bekam. Bald darauf beschloss der Rat die Ausrufung einer Republik, dem sich der im dänischen Exil sitzende Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, da er nicht glaubte, die republikanische Idee unterdrücken zu können, beugte. Unter der neuen Regierung behielten die Beamten ihre Posten, um die kaputte Wirtschaft nicht zusätzlich durch Vakanzen zu geißeln. Da die Arbeiter- und Soldatenräte finanziell von der Staatsverwaltung abhängig waren, verloren sie schnell an Einfluss und die Revolution nach russischem Vorbild scheiterte, auch wenn letzte Versuche bestanden hatten, durch Hissen von roten Fahnen in der Stadt Symbolisches zu bewirken. Bald lief alles wieder in seinen geordneten Bahnen. Und der Pfingstmarkt fand statt.

Professor Barfuth stellte 1917 fest: „Nach Ausbruch des Krieges war unsere geringe Zuhörerschaft zusammengesetzt aus Dienstuntauglichen, Kriegsbeschäftigten und studierenden Damen.“ Für Letztere war es erst seit 1909/10 möglich, in Rostock zu studieren. Auch viele Dozenten und Verwaltungsangestellte zogen in den Krieg und ihre Tätigkeiten mussten von anderen Kollegen kompensiert werden. Was ältere Professoren nicht an der Front beweisen konnten, zeigten einige durch ihre geistige Haltung zum intensiven Patriotismus. Auch durch die Materialnöte litt die Universität. Neben den schon erwähnten Beschlagnahmungen von Fahrradschläuchen – ein studentischer Notstand! – mussten sämtliche Gebäude über die Weihnachtsferien 1916/17 geschlossen werden und wurden im Januar ebenfalls nur bei Tageslicht geöffnet, um Kohle für die Heizung zu sparen. Einige Dozenten waren sogar bereit, die Vorlesungen zu Hause abzuhalten. Als der Rektor beim zuständigen Großherzoglichen Ministerium in Schwerin um Beistand bat, weil die Bibliotheken nur zwei Stunden pro Woche geöffnet werden könnten, sah man dies dort nicht als Problem, was für einige Studenten darin mündete, dass sie ohne Abschluss in ihre Heimat zurückkehren mussten. Um die Heizungsnot zu umgehen, verlegte man im Einverständnis mit dem Ministerium das Ende des folgenden Wintersemesters auf den 31. Januar 1918 vor. Für die zukünftigen studentischen Soldaten gab es einen Abschied am Blücherdenkmal vor der Universität. Die in Rostock Verbliebenen versuchten, den Kontakt zur Front aufrechtzuerhalten. Selbst Professoren erstellten eine Sammlung von Forschungsschriften für die Studenten an der Front, in der Annahme, diese würden nach geistiger Arbeit lechzen und befürchten, mit dem Studium in Rückstand zu geraten. Nebenbei sollte es eine Ablenkung von den Kriegsgräueln sein. Geistige Fitness ist jedoch keine Bedingung für Unverwundbarkeit. Jeder vierte Rostocker Student kehrte nicht von der Front zurück.

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Mitmachen – Stadt – Zuschauen Innenstadt, KTV, Plattenbausiedlungen – im Laufe seiner wechselhaften Geschichte hat Rostock viele Gesichter erhalten. Über das Wachstum der Stadt zu DDR-Zeiten informiert noch bis zum 25. Mai eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum. Für uns Anlass, Vergangenheit und Gegenwart Rostocker Stadtplanung unter die Lupe zu nehmen.

Rostocker Heide

Markgrafenheide

Autor: Tom Warnke plant am liebsten Urlaube. Warnemünde Lichtenhagen

Groß Klein

Lütten Klein

Schmarl

Evershagen

Toitenwinkel Gehlsdorf

Reutershagen Hansaviertel Gartenstadt

KTV Stadtmitte

Dierkow Brinckmansdorf

STV

Südstadt

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as heutige Stadtbild ist immer noch stark geprägt durch die Baumaßnahmen der DDR-Führung. Nachdem Rostock 1950 zur „Aufbaustadt“ erklärt worden war, versuchte man mit aller Kraft, die Lücken, die der Krieg gerissen hatte, mit Bauten nach sowjetischem Ideal zu füllen. Das erste Großprojekt war die Umgestaltung der Langen Straße, die mit ihrer Breite und den hohen Häusern das historisch gewachsene Stadtbild zugunsten der neuen Ordnung zerstörte. Da Rostock als Hafen- und Handelsstadt wirtschaftlich aufblühte, rückte dann aber immer mehr der Wohnraummangel in den Mittelpunkt. Die Beseitigung dieses Notstandes – 1957 hatte ein Rostocker im Durchschnitt gerade einmal 7,6 m² Wohnfläche zur Verfügung – stellte auf Jahrzehnte die Hauptaufgabe für die Stadtplaner dar. Das erste neue Wohnviertel, Reutershagen I, weist noch deutliche Ähnlichkeiten mit dem großzügigen Stil der Langen Straße auf. Doch ab 1958 wurde mit Reutershagen II auf den Bau billigerer Plattenbausiedlungen umgeschwenkt. Es folgten die Südstadt, Lütten Klein, Evershagen, Lichtenhagen, Schmarl und Groß Klein, dann ab 1983 im Nordosten Dierkow und Toitenwinkel – insgesamt 54.000 Wohnungen. Der Fokus auf den Wohnungsbau in den äußeren Vierteln führte dazu, dass die Innenstadt vernachlässigt wurde. Als man hier Ende der 70er-Jahre wieder aktiver wurde, hatte sich die Einstellung zur Geschichte glücklicherweise etwas geändert. Die nördliche Altstadt wurde abgerissen und in Plattenbauweise, aber im maritimen Stiel neu aufgebaut; die historische, aber

marode Bausubstanz in der östlichen Altstadt und der KTV blieb größtenteils unangetastet. Auch bei der Neugestaltung des Universitätsplatzes versuchte man, dem historischen Stadtbild treu zu bleiben. Machen wir einen Sprung in die Jetztzeit. Im Jahr 2014 wird Rostock wieder an allen Ecken umgestaltet. Ein neuer Campus in der Südstadt, Wohngebäude auf den Freiflächen am Vögenteich, die Wallanlagen am Kröpeliner Tor. Für die nahe Zukunft geplant ist eine Erweiterung der „Hafencity“, eine Bebauung der Nordseite des Neuen Marktes und eine Erschließung der Fläche am Werftdreieck. Auch die Mittelmole in Warnemünde soll neu bebaut werden. An diesen Beispielen wird klar, dass die Stadtplaner auch heute den Spagat zwischen modernen Lebens- und Arbeitsräumen und dem Erhalt des traditionellen Stadtbilds meistern müssen. Kritik ist nicht selten. Die Entscheidung, was wo gebaut wird, muss man aber nicht den Ämtern und Behörden allein überlassen. Durch eine Vielzahl von öffentlichen Sitzungen und Gremien möchten die Stadtplaner Transparenz und Beteiligung der Bürger erreichen. Es ist an uns, diese Angebote wahrzunehmen und unser Recht auf Mitbestimmung zu nutzen. Gerade als Studenten, die Rostock vielleicht noch auf viele Jahre ihr Zuhause nennen möchten, können wir so auf direkte Art und Weise das Gesicht unserer Heimatstadt mitgestalten. Der Bau- und Planungsausschuss tagt wieder am 22. April. Weitere Infos unter www.rostock.de/ksd.

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Medizinermensa unter Jubel eröffnet Kein Geld gegen studentischen Hunger Schon in der letzten Ausgabe haben wir über das Studentenwerk berichtet und ein paar Unregelmäßigkeiten transparent gemacht. Nun schreiben wir wieder über das Studentenwerk. Wieder geht es um Unregelmäßigkeiten, allerdings beziehen die sich diesmal auf eine Mensa in der Schillingallee, die nicht in Betrieb genommen wird. Autorin: Yvonne Hein empfindet mit den Medizinern und versteht, warum sie trotz Hunger eigentlich pappsatt sind.

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ch bin hier, weil unsere Studierenden Hunger haben. Verstehen Sie das?“ Studiendekan Prof. Attila Altiner, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin, schaut entschlossen in die Verwaltungsratsrunde des Studentenwerkes (StW) der Uni Rostock. Keiner der Anwesenden antwortet. Herr Altiner hat seinen Laptop mitgebracht, der Fotos von einer nagelneuen Mensa zeigt, die fast alles hat: Tische und Stühle für ungefähr 70 Personen, eine hochmoderne Küche zum Erwärmen der Speisen, sämtliche Küchengeräte und einen modernen Tresen. Insgesamt wirken die Räumlichkeiten hell und sauber, viel Glas wurde verarbeitet, sie laden zum Sitzen und Verweilen ein. Nur eines fehlt ihnen: die hungrigen Medizinstudierenden, für die diese Mensa ursprünglich konzipiert wurde. Es gibt also in der Schillingallee eine Mensa, die komplett fertiggestellt und an die Maßstäbe der Medizinischen Fakultät angepasst ist und nun deshalb nicht in Betrieb geht, weil das StW kein Personal zur Bewirtschaftung zur Verfügung stellt. Das Studentenwerk habe keine Kapazitäten, die Mensa zu betreiben, erklärt Frau Tröbner, die als kommissarische Geschäftsführerin bis zur Wahl einer ordentlichen Geschäftsführung deren Funktion übernimmt. Man bekomme nur eine feste Summe für die Verpflegung der Studierenden vom Land und diese Mittel reichten nicht aus, um neben den bestehenden Mensen und Cafeterien noch eine weitere zu betreiben. Doch wie kann es sein, dass das StW dem Bau einer Mensa zustimmt, obwohl es von vornherein wissen müsste, dass es nicht über ausreichende Mittel verfügt, um dort Personal zu beschäftigen? Eine Frage, die sich alle Anwesenden auf der Verwaltungsratssitzung stellen. Die Pläne zum Bau einer Versorgungsanstalt wurden noch unter dem ehemaligen Geschäftsführer

Herr Dr. Stoll geschmiedet. Allerdings gibt es keine unterzeichneten Verträge – lediglich stetige Zusagen des StW, diese Mensa nach Fertigstellung auch in Betrieb zu nehmen. Aber erst jetzt, nach einigen personellen Veränderungen im StW, stellt sich heraus, dass das Studentenwerk gar nicht fähig ist, eine weitere Mensa zu unterhalten. Und nicht nur das: Zwar hat das StW der Medizinischen Fakultät die Genehmigung für den Bau einer Mensa erteilt, das Land jedoch, auf dessen Fördergelder die gesamte Uni angewiesen ist, stimmte lediglich für den Bau einer Cafeteria. Eine wichtige Info, die der Medizinischen Fakultät vor dem Mensabau vorenthalten wurde. Protokolle oder Dokumentationen der Absprachen scheint es nicht zu geben. Der Unterschied zwischen einer Mensa und einer Cafeteria liegt in der Bewirtschaftung. Eine Mensa wirtschaftet in der Regel defizitär, um die Studierenden zu geringen Preisen ausreichend zu verpflegen, weshalb sie auf Fördergelder des Landes angewiesen ist. Eine Cafeteria wiederum soll kostendeckend arbeiten. Doch es fehlt nicht nur an Personal und finanziellen Mitteln, um die Mensa zu betreiben. Da

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diese Mensa nicht mit Kochvorrichtungen, sondern lediglich mit Geräten zum Erwärmen der Speisen ausgestattet ist, werden zusätzlich noch logistische Mittel benötigt, um das fertig gekochte Essen von der einen Mensa in die andere zu transportieren. Mittel, über die das Studentenwerk nicht verfügt und die das Land nicht bereitstellen möchte. Doch wie geht es nun weiter? „Es ist Aufgabe des Studentenwerks, die Studierenden zu verpflegen, und wenn ich mir die überfüllten Mensen anschaue, kommt es seiner Aufgabe nicht nach“, betont Herr Altiner. Sollte es dem Studentenwerk nicht gelingen, die Mensa in der Schillingallee in Betrieb zu nehmen, so werde die Medizinische Fakultät nach externen Betreibern suchen, um die dringend benötigte nahe gelegene Versorgungseinrichtung für die Universitätsmedizin endlich nutzen zu können. Dies sei jedoch nicht im Sinne der Medizinischen Fakultät, da ein externer Betreiber diese Mensa nicht zu studierendenfreundlichen Bedingungen betreiben werde. Am Ende der Verwaltungsratssitzung einigen sich das StW und die Vertreter der Medizinischen Fakultät auf eine koordinierte Zusammenarbeit und Lösungsfindung zum Wohle der Studierenden. Doch faktisch gesehen entscheidet letztendlich das Land, ob es mehr Gelder in die Verpflegung seiner Studierenden investieren und damit die Aufnahme des Mensabetriebes in der Schillingallee ermöglichen möchte. Und wie das Bildungsministerium zu Mehrausgaben für universitäre Zwecke steht, zeigte uns Schwerin mit dem Beschluss über den Doppelhaushalt 2014/2015, der keine ausreichende Finanzierung aller Hochschulen in M-V vorsieht.


kultur Wer bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte nicht auch noch den Kopf hängen lassen. Anders sieht es da schon in einem Tintenfass aus: Luft holen, Augen schließen und abtauchen – in die Untiefen geistiger Ergüsse (oder was man dafür halten mag). Im Glas nur eine undurchschaubare Masse dickflüssiger Farbe, auf Papier in feinen Linien jedoch das Mittel zum Zweck unsterblichen Gedankenaustausches. Abgewetzte Federn gegen leere Seiten, Verewigung statt Vergessen, Wort für Wort. Und wir? Mittendrin. Anne und Ole

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Eine Distel im zweiten Frühling Im Jahr 2011 verfiel Rostock in eine kurze Schockstarre, als es hieß, das JAZ müsse schließen. Schnell war zwar klar, dass es ein Zurück geben würde, zwischendurch erschien uns das Warten aber unendlich. Doch nun ist es endlich wieder da – das Jugendalternativzentrum. Autor: Philipp Rose kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

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s ist einer dieser schönen Frühlingstage. Einer der ersten in diesem Jahr. Gunnar vom JAZ hat sich Zeit genommen und wir sitzen zusammen im neuen Café. Lichtdurchflutet. Einer dieser ganz wunderbaren Räume in dem Neubau. Im Subtext frisch und zu allen Seiten offen. Generell entspricht das Haus nicht dem Stereotyp von einem alternativen Zentrum. Die Lage mitten in der Stadt und der Bau anno 2014. Es ist schön zu sehen, dass die Welt subkultureller Jugendkultur nun auch solche Akzente setzen kann. Der Grund für diesen Neubau liegt ein bisschen zurück. Ein Teil der damals gerade erst entstehenden Nachbarschaft auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs formierte sich 2010 gegen das JAZ. Zu laut, zu doll, passt nicht hier rein – so lautete seinerzeit in etwa der Vorwurf. Doch dem großem Engagement der JAZ-SympathisantInnen sei Dank war schnell klar, dass in Zusammenarbeit mit der Stadt an gleicher Stelle ein neues Zuhause entstehen sollte. Nicht nur dem Wunsch der Nachbarschaft nach Lärmminimierung konnte so Rechnung getragen werden. Gleichzeitig stellte man auch das Projekt JAZ auf festere Grundmauern. Im Gegensatz zu den maroden und morschen Brettern der alten Uni-Kita bieten die neuen Wände einen weitaus festeren Halt für Alternativen abseits der festen Strukturen. Nach etwa eineinhalb Jahren Bauzeit ist das JAZ also aus dem Exil zurückgekehrt und öffnet die Türen am gewohnten Platze. Neben den heißen subkulturellen Abend- und Nachtveranstaltungen wird das JAZ auch wieder das Zuhause vieler interessanter Projekte sein. Auf die Frage, ob es viele Veränderungen zum früheren Angebot geben werde, antwortet Gunnar: „Im Grunde nicht. Konstant

bleibt in jedem Fall unsere Philosophie, wonach Projekte mit den Aktivitäten seiner Initiatoren stehen und fallen. Das JAZ ist nur Basis und soll einen Raum zur Entfaltung bieten – die Initiative geht von den Leuten selbst aus.“ Die neuen Räume laden sowohl zum Produzieren als auch zum Konsumieren kultureller Finessen ein. Veranstaltungen auf die Beine zu stellen ist nur das eine. Oft bieten Projekte im JAZ auch Hilfe zur Selbsthilfe. Zum Beispiel die Fahrradwerkstatt. Hier wird euch Werkzeug zur Verfügung gestellt und unter Anleitung könnt ihr lernen, wie ihr beispielsweise einen Schlauch wechselt. Der so gesparte Taler kann dann viel leckerer bei der wöchentlich stattfindenden Volxküche investiert werden – eine schöne Alternative zum heimischen Kochtopf oder dem Döner. War das JAZ in den letzten beiden Jahren selber im Exil unterwegs, so bietet es nun anderen Asyl. Den meisten wird die Palette als Kunstfreiraum auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft noch ein Begriff sein. Nachdem der dortige Standort anderen Bauplänen zum Opfer fiel, haben die Macher der Palette e. V. im JAZ nun endlich wieder ein Dach über dem Kopf gefunden. Zum Dank werden auch sie ein Teil des Workshop- und Veranstaltungsprogramms mitorganisieren. Egal ob als Initiator, Mitmacher, Besucher, Küchenfee oder Tänzer: Kommt vorbei und schnuppert mal wieder ein bisschen JAZ-Luft. Es fühlt sich gut an! Schon jetzt das Comeback des Jahres. Für Künstler wie The Micronaut oder auch Dritte Wahl war das JAZ die Startrampe in wunderbare Zeiten. Das JAZ wagt nun selbst einen (Neu-)Start. Möge sie also bald wieder blühen, die Distel im Beton.

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Wer schreiben kann, ist klar im Vorteil!

m Informationszeitalter ist es dank Computer und entsprechender Software relativ einfach, geistige Ergüsse zu Papier zu bringen. Egal ob Roman, Kurzgeschichte oder auch Gedichte: Alles ist nur einen Tastaturgriff entfernt. Das selbstverfasste Werk aber vom digitalen auf das tatsächliche Papier zu übertragen ist allerdings auch heute noch kaum unproblematischer als vor der Zeit der Bits und Bytes.

Der schwierige klassische Weg zum Verlag Der klassische Weg, also die Übergabe eines Manuskripts in die Hände eines schon etablierten Verlages, ist noch immer ein ziemlich erfolgloses Unterfangen, da selbige täglich mit solchen Werken überhäuft werden. Außerdem darf bezweifelt werden, dass tatsächlich alle diese Manuskripte eine intensive Überprüfung und Bearbeitung erfahren, da allein schon das simple Probelesen dieser Masse einen gigantischen organisatorischen Aufwand für den Verlag bedeuten würde. Und die Chance, aus dieser Masse dann auch noch hervorzustechen und einen Vertrag zu ergattern, ist letztendlich verschwindend gering. Ohne Namen und vor allem ohne Vitamin B kommt hier kaum jemand zum Erfolg.

Jeder hat normalerweise zumindest schon einmal daran gedacht. Einige haben es sogar getan: ein Buch geschrieben. Doch wie geht es dann weiter? Was lohnt sich überhaupt zu veröffentlichen und vor allem wie läuft das ganze Prozedere ab? Wir versuchen Antworten zu geben.

Abbildung 1: Unter Aufsetzen des Füllfederhalters auf das Papier erhalten Sie das maximal befriedigende Ergebnis.

Druckkostenzuschussverlage und ihre Grenzen Wahrscheinlich aus diesem Grund hat sich eine neue Art von Verlagen entwickelt, die sich in der Regel selbst als Druckkostenzuschussverlag oder auch Privatverlag bezeichnen. Bei diesen Geschäftsmodellen ist allerdings Vorsicht geboten: Der Verlag wirbt zwar damit, dass er Manuskripte kostenlos prüft und bewertet, für die eigentliche Publikation eines solchen verlangt er dann aber, dass die Druckkosten für eine zuvor festgelegte Auflage vom Autor getragen werden. Dies können dann mehrere Tausend Euro sein. Zwar bieten die typischen Druckkostenzuschussverlage häufig an, sich auch um die Vermarktung des Buches zu kümmern. Inwiefern dies aber als effiziente Werbung zu bewerten ist, bleibt jedoch zumindest teilweise fragwürdig, da sich diese Verlage nicht über den eigentlichen Bücherverkauf, sondern vor allem über den Druckkostenzuschuss der Autoren finanzieren. Natürlich finden auch einige Bücher den Weg in die Öffentlichkeit, das ist allerdings nicht die Regel. Was verwunderlich ist, da das Werk ja zuvor angeblich auf Massentauglichkeit überprüft wurde. Warum sollte es sonst schließlich gedruckt werden? Es

Autor: Marcel Dittmann möchte

Texte nicht nur über den heuler veröffentlichen.

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scheint somit, dass vor allem Neuautoren, die der Selbstüberschätzung zum Opfer gefallen sind und die den einen oder anderen Euro mehr in der Tasche haben, die Zielgruppe dieser Verlage sind. Das erklärt vielleicht auch, warum diese im Englischen passend als „vanity press“ bezeichnet werden. Darüber hinaus sieht ein Verlagsvertrag nach §1 des Gesetzes über das Verlagsrecht (VerlG) vor, dass der Verleger die Kosten für die Vervielfältigung und Verbreitung eines Werkes zu tragen hat. Ein Vertrag bei einem Druckkostenzuschussverlag aber entspricht in der Regel nicht diesen Richtlinien, weshalb bei diesem daher auch nicht von einem „echten“ Verlag im Sinne des VerlG gesprochen werden kann. Deshalb kann der Weg über diese Unternehmen nicht unbedingt als idealer Einstieg in die Welt der Autoren betrachtet werden.

Außerdem ist es hierbei oft noch zusätzlich möglich, das Werk nicht nur als Print-Buch, sondern darüber hinaus noch als E-Book anzubieten. Dabei fallen normalerweise auch keine zusätzlichen Kosten an und der Autor hat dabei eine weitere Einnahmemöglichkeit. Zu beachten ist allerdings, dass der Verlag für gewöhnlich keine Marketingmaßnahmen ergreift. Der Autor muss sich somit selbst um die Werbung für sein Werk kümmern.

Eine Jungautorin berichtet Franziska Neufeld, zurzeit Masterstudentin an der Universität Rostock und darüber hinaus Mitglied im Verband Schriftsteller in Schleswig-Holstein e. V. sowie dem Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e. V., hat bereits zum zweiten Male über das Book-on-Demand-Publikationsverfahren ein Buch veröffentlicht. Sie hat sich der Lyrik verschrieben und weiß, wie schwierig der offizielle Start in die Welt der Autoren sein kann. Das Prinzip von Book-onDemand könne sie daher grundsätzlich jedem empfehlen, der schon länger darüber nachdenkt, etwas zu veröffentlichen. Man habe natürlich trotzdem einen hohen technischen Arbeitsaufwand, wenn man sich für diese Art der Veröffentlichung entscheidet. Das Design, die Aufteilung und auch die Copyright-Texte müssen alle vom Autor ausgearbeitet, vom Verlag formatiert und wieder durch den Autor überprüft werden. Das könne schon ziemlich mühsam und vor allem sehr zeitintensiv werden. Trotzdem, so bekräftigt sie, rechtfertige die Veröffentlichung letztlich definitiv diesen Arbeitsaufwand. Franziska empfiehlt dieses Prinzip gerne weiter und möchte gleichzeitig alle aktiven Schreiberlinge dazu ermutigen, sich das Schreiben nicht verderben zu lassen. Ihrer Meinung nach sei es wichtig, zu schreiben, was einen bewegt. Vor allem die Lyrik sei für sie dafür ein ideales Mittel. Als kleinen Tipp für alle angehenden Autoren empfiehlt sie übrigens zudem, sich Gleichgesinnte zu suchen: Vereine und Verbände von Schriftstellern können Autoren nicht nur informativ zu Seite stehen, sondern auch Lesungen organisieren oder Kontakte zu Verlagen herstellen. Somit besteht also auch für bisher noch nicht etablierte Autoren die Möglichkeit, Bücher zu veröffentlichen. Hierbei spielt es dann auch keine Rolle, ob das Werk ein Roman, eine Gedichtesammlung oder vielleicht nur ein Reiseführer ist. Durch das Book-on-Demand-Publikationsverfahren besteht für jeden Autor die Möglichkeit, seine Schriften auch tatsächlich an den potenziellen Leser zu bringen.

-h e u l s u s e -

Abbildung 2: Mittels mehrerer wohlüberlegt geplanter Anschläge sorgen Sie schon bald für Aufsehen − bei Ihren Leserinnen und Lesern.

Eine interessante Alternative: Book-on-Demand Da wir glücklicherweise aber, wie eingangs schon unterschwellig erwähnt, im Informationszeitalter leben, gibt es noch eine andere Möglichkeit, selbst geschriebene Literatur an den Mann zu bringen: nämlich den Druck auf Anfrage, allgemein als „Book-on-Demand“ bezeichnet. Wie der Name schon erahnen lässt, wird das entsprechende Werk hierbei nicht von vornherein als feste Auflage gedruckt, sondern nur auf Kundenanfrage direkt produziert. Dadurch entstehen keine Kosten für den Autor und der Verlag läuft nicht Gefahr, etwas am Bedarf vorbeizuproduzieren. Der Verlag erhält vom Autor lediglich die digitale Version seines Manuskripts, versieht dieses mit einer ISBN-Nummer und listet es im stationären Buchhandel. Damit ist das Buch automatisch durch sämtliche Geschäfte käuflich zu erwerben, ob es nun der Buchladen um die Ecke ist oder ein Shop im Internet. Sobald der Verlag dann eine Kaufanfrage erhält, druckt er das eigentliche Buch. Aufmachung, Format und Herstellungsmaterialien sowie auch den endgültigen Ladenpreis bestimmt der Autor im Übrigen selbst. Außerdem hat er meistens die Möglichkeit, gegen Bezahlung zusätzliche Dienste des Verlages, wie z. B. die Korrektur des Textes oder eine professionelle Covergestaltung, in Anspruch zu nehmen. Ansonsten entstehen bei dieser Art der Publikation bis auf eine einmalige Einrichtungsgebühr in der Regel keine Kosten für den Autor.

Abbildung 3: Schreiben Sie immer zeitgemäß!

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Junge Talente fördern – das yaro-Programm der hmt

Hinter einer musikalischen Karriere steckt neben der Liebe zur Musik, einem gewissen Grad an Begabung und dem berühmten Vitamin B vor allem eines: viel Arbeit, Engagement und Ausdauer. Oder um es lapidar im Sprichwort-Motto dieser heuler-Ausgabe auszudrücken: Übung macht den Meister. Dabei gilt in der Musik: Je früher, desto besser.

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n Rostock wurde im Jahr 2008 die yaro – die young academy rostock – als ein Konzept der musikalischen Frühförderung besonders begabter Kinder ins Leben gerufen. In der Musik gebe es längere Qualifikationszeiträume, als sie für ein Hochschulstudium in anderen Bereichen nötig seien, so Prof. Imorde, der sowohl als Leiter als auch als Dozent für die yaro tätig ist. Ab dem achten Lebensjahr haben Musikschüler*innen die Möglichkeit, in das sogenannte Netzwerk der yaro aufgenommen zu werden. Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Professor*innen der Hochschule und Lehrer*innen an Musikschulen, die den Unterricht für Kinder im Netzwerk gemeinsam planen und die Stücke zusammen auswählen. Durch diese Kooperation profitieren nicht nur die Musikschüler*innen, sondern gleichwohl die Lehrenden. Derzeit gibt es ungefähr 60 Kinder im Netzwerk der yaro, denen außerdem Gelegenheiten zu Workshops und Auftritten gegeben werden. Ab ungefähr 14 Jahren besteht die Möglichkeit, sich einer Eignungsprüfung für ein yaro-

Foto: Ulrike Bals

AutorInnen: Anne Halbauer und Johannes Hörnschemeyer sind zu alt für ein Frühstudium.

Frühstudium zu unterziehen. Frühstudierende genießen die gleichen Privilegien wie normale Studierende der hmt. Sie erhalten Instrumental- und Theorieunterricht und können die Bibliothek und Übungsräume der Hochschule nutzen. An sie werde allerdings auch der gleiche musikalische Anspruch gestellt, betont Prof. Imorde. Natürlich seien in seinem Unterricht der Zugang und die Stückauswahl eine andere, aber die Betreuung sei teilweise sogar intensiver als bei den älteren Semestern. Die jungen Musiker*innen seien in einer sehr wichtigen Phase ihrer musikalischen Ausbildung. Die Konkurrenz untereinander ist im Studium hoch, denn eine gefeierte Virtuosin oder ein gefeierter Virtuose wird aus wenigen. Sollten gerade Kinder und Jugendliche, deren Leben in der Pubertät ohnehin kompliziert ist, diesem zusätzlichen Druck ausgesetzt werden? Prof. Imorde leugne diesen Druck nicht, betone aber, dass Druck auch im professionellen Musikerleben eine Rolle spiele. Er empfehle seinen Studierenden, in gesundem Maße auf realistische Ziele hinzuarbeiten und die Dinge mit Ruhe kommen zu lassen.

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Ob alle Frühstudierenden nach dem Programm eine Laufbahn als Berufsmusiker*in einschlagen, könne man jedoch nicht wissen. Viele Faktoren, zu denen neben den Fähigkeiten und Möglichkeiten der Jugendlichen auch die physische Veränderung und der Umgang mit psychischem Druck gehören, beeinflussen diese Entscheidung. Und nicht zuletzt fließen auch die persönlichen Interessen mit ein. „Eva zum Beispiel möchte jetzt Boxerin werden und trainiert schon fleißig.“


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as yaro-Frühstudium an der hmt ist eine großartige Chance und bietet optimale Lernbedingungen. Wie es sich aus der Perspektive einer Frühstudentin gestaltet, erzählt uns die 16-jährige Hannah Hauser (siehe Foto links). Sieben Stunden am Tag üben, 365 Tage im Jahr, das seit 10 Jahren: Für viele musikalisch besonders begabte Jugendliche ist das Realität. Nicht aber für die junge Pianistin. heuler: Wie kamst du zur Musik? Hannah: Ich begann im Kindergarten mit musikalischer Früherziehung. Danach spielte ich Blockflöte, bis ich mit neun Jahren die Musikschule verließ und in unserer Gemeinde musikalisch aktiv war. Im Alter von zehn Jahren begann ich, Klavier und Orgel zu spielen, bevor ich in der sechsten Klasse zusätzlich mit Geige anfing. Meine Eltern erzählten mir, dass ich bereits im Alter von zwei Jahren bewundernd vor einem Geigenspieler stand und danach unbedingt dieses Instrument lernen wollte. Aber heute bist du Frühstudentin an der hmt und hast ungewöhnlich spät angefangen, Klavier zu spielen. Wie kommt es, dass du trotzdem an der hmt studierst? In der achten Klasse spielte ich erstmals Prof. Imorde vor, um in das Netzwerk der yaro aufgenommen zu werden. Er meinte, ich müsse mich für ein Instrument entscheiden und riet mir, im nächsten Jahr wiederzukommen. So hörte ich mit Orgel und Geige auf und übte nur noch Klavier. Doch auch bei meinem zweiten Vorspiel reichte es nicht, um aufgenommen zu werden. Nachdem mich ein BachWorkshop sehr inspiriert und ich mehr geübt hatte, wurde ich im Oktober 2012 endlich in das Netzwerk der yaro aufgenommen. Mir ist bewusst geworden, wie viel mir die Musik wirklich bedeutet und was sie alles verändern kann. Deswegen ent-

wickelte ich einen großen Ehrgeiz, der jedoch von einer Sehnenscheidenentzündung unterbrochen wurde. Bis April 2013 konnte ich also nicht üben. Trotz dieses Rückschlags bin ich aber seit Herbst 2013 Frühstudentin bei Herrn Imorde.

unterrichtet werden. Trotzdem sind die Tage recht lang. Es wäre außerdem nicht möglich gewesen, an meiner alten Schule zu bleiben und gleichzeitig Frühstudentin zu sein, da die Wege zu weit gewesen wären und ich nicht hätte üben können.

Welche Rolle haben deine Eltern auf diesem musikalischen Weg gespielt? Meine Eltern haben selbst auch Musik gemacht, aber sich nie intensiv mit ihrer Wirkung auseinandergesetzt. Ich lerne, ein anderes Verständnis für Musik zu entwickeln, deswegen ist es für sie oft nicht möglich, die Musik so zu verstehen, wie ich es mir wünschen würde. Manchmal haben sie auch versucht, mich in meiner Entwicklung zu bremsen, damit es mir nicht zu viel wird. So war vor allem mein Vater zunächst dagegen, dass ich an das Internat der Christophorusschule Rostock (CJD) wechsle und von zu Hause fortziehe. Davon konnte ich ihn schließlich aber doch noch überzeugen. Sie haben mich immer gefördert und viel Geld investiert, um mir diese musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Glücklicherweise unterstützt mich zum Beispiel auch die Oscar und Vera Ritter-Stiftung.

Wie sieht es mit deiner Übungsdisziplin aus? Herr Imorde sagt uns immer, wir sollten nicht mehr als vier Stunden täglich üben. Doch die Übungszeit ist von mehreren Faktoren abhängig. Wenn in der Schule viel ansteht, übe ich weniger, vor Konzerten oder Wettbewerben übe ich mehr. Auch versuche ich, bewusst Pausen einzulegen, damit sich das Gelernte besser festigen kann. Die vergangenen zwei Wochen habe ich übrigens gar nicht geübt. Das ist als Auszeit auch mal gut. Wenn man dann die Stücke wieder herausholt, kann man sie aus einer anderen Perspektive betrachten und lernt ganz neue Seiten an ihnen kennen.

Die yaro versucht unter anderem, junge Talente auf ein Musikstudium vorzubereiten. Welche Zukunftsträume hast du? Ich suche immer noch den passenden Weg für mich, kann mir aber gut vorstellen, Klavier zu studieren. Natürlich bin ich mir des hohen Niveaus an Musikhochschulen bewusst. Alternativ hätte ich Lust, etwas Philosophisches zu studieren. Goethe interessiert mich zum Beispiel sehr! Ich finde es spannend, dass Musik und Literatur viel gemeinsam haben und oft miteinander verbunden sind. Wie gut sind Schule und Musikstudium miteinander vereinbar? Das CJD ist gut organisiert und stellt sich auf uns Musikerinnen und Musiker ein. Zum Beispiel haben wir weniger Schulunterricht, da wir an der hmt

Termine:

Leistungsdruck ist ein brisantes Thema bei der Förderung musikalisch besonders begabter Kinder. Wie stehst du dazu? Leistungsdruck spielt definitiv eine Rolle. Ich mache mir selbst insofern Druck, als dass ich Stücke perfekt spielen möchte, was natürlich nicht möglich ist. Man sollte deshalb regelmäßig Pausen machen, die einen auch neu inspirieren können. Der Druck kommt auch dadurch, dass wir am CJD einige Pianisten sind und man sich ständig vergleicht. Herr Imorde schafft es immer wieder, mich zu motivieren, auch wenn er natürlich die schwierigen Stellen viel übt und auseinandernimmt. Ich glaube, es ist vor allem der Leistungsdruck, der uns zu Höchstleistungen anregt und es auch gelingen lässt, diese unter Beweis zu stellen. Wir danken für das Gespräch und wünschen Hannah weiterhin viel Erfolg für ihr Studium.

19.4.: Osterkonzert der yaro; 14:30 Uhr, Grand Hotel Heiligendamm, Ballsaal // 29.4.: Lunchkonzert in der Berliner Philharmonie; 13 Uhr, Berliner Philharmonie // 9.5. Konzert der yaro; 17 Uhr, Katharinensaal der hmt // 24.5.: 20-jähriges Jubiläum der hmt; 16–18 Uhr, Konzert von yaro-Studierenden im Kammermusiksaal der hmt // 6.7.: Festspiele Mecklenburg-Vorpommern; 16 Uhr, Scheune Langensee bei Güstrow // Studierende der yaro spielen regelmäßig auf Klassenabenden ihrer Dozent*innen

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Bewegende Bilder

Bewegte Bilder

Mit dem Micronaut auf dem Weg zu den Sternen

Dass Rostock bereits einen großen Fundus an jungen und erfolgreichen Künstlern in der Musikbranche bietet, ist wohl jedem bekannt. Doch nicht nur in der musikalischen Szene der Hansestadt lassen sich diese finden. Auch die Filmbranche hat einige vielversprechende Talente zu bieten. Eines davon ist der junge Filmproduzent Hannes Wichmann. Autorin: Charlotte Kohl sieht sich beim nächsten Konzert ganz vorn.

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ichmann, der beim „Magical Kenya Filmcontest“ gemeinsam mit seinen Freunden Daniel Köpcke und Kristina Gasnower für die Produktion des Clips „Baltic Motion“ ausgezeichnet wurde, weiß, was er will. Schon mit 14 Jahren entdeckte der aus Bützow stammende Filmemacher seine Leidenschaft für das Einfangen von Bildern, mit 18 kaufte er sich seine erste Kamera. Damit fiel der Startschuss für eine Vielzahl von größeren und kleineren Filmprojekten. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst startete er seine Karriere mit einer noch bis in diesen Sommer laufenden Ausbildung zum Kameramann bei einem lokalen Rostocker Fernsehsender. Schon während seiner Ausbildung glänzte er mit mehreren Nebenprojekten, aus denen Kurzfilme, Musikvideos und sogar einige Werbespots entstanden, u. a. für ein Hamburger Szenegetränk. Zu diesem Projekt sei er über einen Freund, der sich ebenfalls für diesen Job beworben habe, gekommen. Wichmann überzeugte das junge, offene Unternehmen mit seiner Idee. Zur Belohnung läuft seine Kreation nun seit letztem Jahr in den großen Kinoketten und hatte sogar einen Auftritt während des Supercups Dortmund gegen Bayern. 2011 gründete er mit „Wichmann Productions“ eine Plattform für seine Projekte – mit Wiedererkennungswert. Besonders stolz ist der 23-jährige auf sein neuestes Werk: Mit einer 24-minütigen Dokumentation über den Electro-Musiker Stefan Streck alias „the Micronaut“ lässt er den Zuschauer tief in die Gefühlswelt des Musikers eintauchen. Kennengelernt habe er den zurückhaltenden Musiker beim „Kommt Zusammen Festival“. „Ich habe mich sofort in die Musik verliebt“, schwärmt Wichmann. Er sei fasziniert von Strecks Art, Musik zu machen.

24 Stunden lang begleitete er den aus Rostock stammenden ElectroMusiker vor, während und nach seinem Auftritt im Club „Gewandhaus zu Leipzig“ bei der „Audioinvasion“ und hielt dabei dessen Eindrücke fest. „Als Stefan auftrat, war die Tanzfläche leer. Doch plötzlich kamen die Leute überallher und waren begeistert von seiner Musik“, erinnert sich Wichmann. Die Kurzdokumentation gibt dem Zuschauer das Gefühl, direkt auf Strecks Reise dabeigewesen zu sein und während des Auftritts mit ihm mitgefiebert zu haben. Sie weckt den Drang, sich direkt die Tanzschuhe anzuziehen und dem Rhythmus der Musik zu folgen. Um dieses Gefühl noch zu intensivieren, startete Wichmann eine OnlineFilmpremiere, an der ca. 700 Gäste teilnahmen. Es sollte sich für die Zuschauer anfühlen, als seien sie live dabeigewesen. Wichmann geht dabei sehr bedacht an das ganze Projekt heran, für ihn steht die Sicht des Musikers im Vordergrund: „Das Wichtigste ist für mich, dass es Stefan gefällt.“ Doch natürlich denkt der Jungproduzent auch an seine Karriere und reichte das Video bereits in einigen Filmwettbewerben, so auch dem „FiSH“, ein. „Das Größte wäre für mich, wenn das Ding mal auf der Leinwand läuft“, so Wichmann. Wer mehr über den Filmemacher und seine Werke erfahren will, findet weitere Infos auf: www.hanneswichmann.de facebook.com/wichmannproductions Bildquelle: wichmannproductions

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11 Jahre FiSH Das Festival im StadtHafen Autorin: Nadine Krämer mag FiSH gekocht, gebraten und gefilmt.

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as Filmfestival FiSH wird seit 2004 vom Institut für neue Medien ausgerichtet und zeigt dieses Jahr in der Zeit vom 15. bis 18. Mai 2014 über 70 Filme in sieben Locations. Es ist – wie immer – in drei Teile gegliedert: Es gibt den Wettbewerb JUNGER FILM, die SehSterne und den Medienkompetenz-Preis M-V sowie den jungen polnischen Film OFF Polska. Natürlich gehören verschiedene Workshops, Empfänge und Filmpartys ebenfalls zum FiSH.

JUNGER FILM Der Hauptteil der Veranstaltung besteht aus dem bundesweiten Wettbewerb für nicht-kommerzielle Kurzfilme, wobei das Genre nicht vorgegeben ist. Die Bewerber dürfen hierbei nicht über 27 Jahre alt sein. Dieses Jahr sind 30 Filme der über 45 Einreichungen dabei. Eine Jury bewertet die Filme direkt vor Ort, um die Plätze eins bis drei zu vergeben – der Hauptpreis wird dieses Jahr ein Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro nebst einem Produktionsbudget in Höhe von 5.000 Euro sein. Aber nicht nur das, auch die Besucher können ihre Meinungen und Bewertungen abgeben und am Ende wird auch noch ein Publikumspreis in Höhe von 777 Euro vergeben.

Medienkompetenz-Preis M-V und SehSterne Hier werden u. a. Filme, Musikclips, Dokus und Experimentelles aus und über MecklenburgVorpommern gezeigt. Dieses Jahr zeigt das FiSH zusätzlich Filmbeiträge der dokumentART, des diesjährigen Gastfestivals aus Stettin. Der Medienkompetenz-Preis (Meko) wird durch die Medienanstalt M-V und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur für die außergewöhnlichsten medienpädagogischen Projekte des Landes verliehen. In dieser Kategorie gibt es insgesamt 50  Einreichungen, doppelt so viele wie noch im letzten

Jahr. Zu gewinnen gibt es beim Meko zwei Preise in den Sparten „Schulische Projekte“ und „Außerschulische Projekte“, die mit einem Preisgeld von je 2.000 Euro dotiert sind.

OFF Polska Es gibt seit 2005 einen eigenständigen Programmbereich, in dem jährlich wechselnde Länder rund um die Ostsee – dieses Jahr Polen – teilnehmen. In diesem Bereich zeigen junge Nachwuchsregisseure bis 27 Jahre ihre Beiträge und bilden damit das Pendant zum Wettbewerb. Acht Beiträge junger polnischer Filmemacher laufen im Mai in dieser Sparte.

Festival mit vielen Gesprächen und abwechslungsreichen Locations Aus dem Gespräch mit den Veranstaltern ging vor allem hervor, dass die Atmosphäre wichtig ist. Das Beieinandersein und Miteinandersprechen steht im Vordergrund. Deswegen gibt es im Anschluss an jede Filmvorführung ein Gespräch zwischen den Filmschaffenden und einem Moderator. Dabei hat sogar das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Selbst die Jurybesprechung nach jedem Filmblock im JUNGEN FILM findet live vor dem Publikum statt. Die Locations werden hauptsächlich um den Stadthafen herum verteilt sein. Der Medienkompetenz-Preis wird im Katharinensaal der Hochschule für Musik und Theater in Rostock (hmt) verliehen. Das Programm des JUNGEN FILMs sowie dessen Preisverleihung findet im M.A.U. Club statt. Die SehSterne sowie die weiteren Programmpunkte werden in der Bühne 602, im li.wu und in der Frieda 23 gezeigt. Insgesamt klingt das viertägige Programm sehr vielversprechend und spannend, sodass abzuwarten bleibt, was uns dort tatsächlich geboten wird.

FiSH Festival im StadtHafen

DER JUNGE DEUTSCHE FILM

15.-18. Mai 2014 www.fish-rostock.de

Projekt1:Layout 1

08.11.2011

12:11 Uhr

Seite 1

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möchte, n e h e g ter d ins T hea p er n un n O e , g ls n a u t ic us lich ehrmals rende M re Verpf ie m e d it n u e e t r w S h r a e J e ei jed o hn r t seit dr ro k ann eld und ie u G is E n f a ig n g n ü r f e o Für ter, ür w gerclub. t im Mas os tock f n R n ä e g d in r u e r t t e s a W ysik T he udde, Ph ich zum B s i t a ll K e . s n e g ch e e h r b e su m s le ie v K ar ten. ie d t a n im Mo There Autorin:

sia Ziegs

war auch

dabei.

r w ird rsemeste n Winte te u n g en tz h le ü ine Bem Seit dem se r. r te ü a e F h tzt. men. Volk st u nterstü t bekom rn a n. O p e vom AStA ti-A bos geschen k i n cher a lle a e su K m e B ra Ka i, hen die ei Spon lt e sische D g h s w ä z g la n r k rz e u e h etwas t lt ie c ha t, da na era nsta siker w des Ma l, n h V s e c r je a la e st d d K e in fe n g e r U n e od Nach da ra n keine liebt. lle n ichts Me nht so be e s geb e er er wo Ka i ha b e n ic b i, . e a n e e rt eb , g n a e a n ie e d w W r se eh m e bu nt g ih rer au ses sichte s zu u ntern roßen H r zu ru ng de g sei, ein ächsten ne ue G e G h m te ri n a ü s ie sa e ff ie e h w in u d se T h e A r s r g em es sc ig in Im n de m F oye vor eine n, weil it, g ü nst u ha lten. le Stutud ieren u nd Sta m m. s ist k u rz ög lich ke rga n isiere pe zusa m men z Ein ige S n nen v ie o M . e e g ziehen k rs d e re r d te e s c he n . E w e a u d t e t id e B n p e h h a lt i L a a ic st ru e . h e K G lk o in ll . in o b E ie e n V te er kön nen. bo b fu nde m isch d er v ponti-A Rostock a n isieren a i. Das A u ro, a llerster w ir m me n g e ist das S rü ndete K rg e a g , s o t n m u r r e e in z E h h e rs eitere e h m g te s. m ic Win 25 E icht n au d n icht, rojekt w h a b en s sgesa mt rgä nge n it tsk a rte nsta lrclu b u n nde das ie das P in te tr e d ra a re g r e in e , n ie V E h ä te fü d T r u rg e e ie n e te die ht. vor d a rdrei L teilt d e n T he a rstellu ng inen sei er n ic M o n at K rei Tage e z wei, fü n f Vo Ja h ren d r sicher bten Term ft. ima l im Er ken n n erst d e e a b re li rn a e d m e , b vor d rei p is n n i b O e n te öch de r n. B erkau r z weiding s ka n zerte o fü h ren m n ein löse on ausv s rt seit he men, Ko sich latzka rte Meisten ma ls sch P t ra . orga n isie ft n D g o it h n e m lo n h tu n c n t, a igo m me k la s sis ter geh e Ka rten d ten fü r eren Ere h a b e n, k ins Thea b ist ein si nd die ie Lu st i besond r selten e d t u b h n , ä ngerclu , c e r a rg ll e te n n a d u te o a , e v lm e n L fi h e t u nd 5 d T m m 1 r r m Fü u nd de u r Stu fü r sta m h 10 bis s Z a t ll ic d h s r. fa ic e h n r n e e e e a ff Id o b m tre da m ls de . A tl ich . Die da s A b rlzeit, die tud ieren u c h de u ernative ü S a u lt h w A 5 n c te 4 i, S e se a a ll r is K o e n n etw si n nv Das woll s sein erk lä rt a r k a me r pla nte. se g ibt, reri n au p p e ns le h m e ü a ru re L h r G te c im Ja nu h r S In e ja in s ein r die dien ma l e so g roße n. E r esuche fü ng im ersten Stu iese Idee r au c h re fe rb ie u te v ä es n icht a r e rk se h e T .phtml fü r d u nd fi eute re Ka rtenv d e x _ ne u r: , a ndere m selbst ls 10 L r die rt fü h ren in n te e a / den d ie ih fo a a b e e r i ü t e ie h .d a u k h d K st ig it c c n st Volk es si rosto n r we en au s, schen In 134/135 ater stheatervorstelle it breitete ticket fü st a lt u ng Physi ka li Volk st he er Stra ße w w.volk it der Ze n e r au c h e Vera n w m b h M ra . a a e . d lc r b h in e rn o so s ic u e D te s t rt s He aus, isiert s uc h ne n e r zu begeis interes sie A ls Ha n te, orga n Großes H , vo n de d ierende E-Ma ilit betreu a nUn i aus. e tu d n S n e e rb z u s a gen z te in re sa n e e In it a d e r g hk chen e ü be da s s a n Öffentl ic ue r che z w is stock .de Mu nd-z u ie Term in kön nte, noch die Ha ns He nta kt: @uni-ro fe Gesprä itet er d o n, ü b e r b il K m re lu H se e e s d n rc rb p e it re e p te v d ss a e ber se te die Rostock e: the Da n n 20 0 A ook-Gru Ka i m it d nden. A hat, ru h it etwa ngerclu b Ka i Budd re lt ie Faceb ä m d ie ie se rg d r r d h e e c te tu a r e b il S rt e e ü w e Vert ld fü dau k: T h rn ge da u nd ten u nd Da s G e Clu b, be Faceboo rpom me s ropa ga n da s ostock“. ater u nd eater Vo u n g . Da e R h rt is Mu nd-P h e T e b T u s w n lu te n r a e e e rc b h b c rÜ ä n ge ern, h tion z w is r o de r p e n ft ig ä nd a h lt, auc „T heaterg Koopera mt er ba a n zu kü ellt, bez m o st m k e m e e b ll b A r o n e i. w Ka rte t Ka lappt: W Ka i. Das mt, mein me r g e k he n ko m Mu sica ls c ha be im is n e w d z n a iere twa s d d ie Stud we n n e uen sich a h c s n liebste

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Am kürzeren Ende der Straße

Autorin: Anne Halbauer begibt sich auf Zeitreise.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Doch plötzlich ist sie da, die Mauer. Sie trennt ein Land in zwei Teile und eine Straße in zwei Enden.

I Pünktlich 25 Jahre nach dem Mauerfall inszeniert Alexander Marusch am Volkstheater Rostock Sonnenallee in Kooperation mit den zehn Schauspielstudierenden des zweiten Studienjahrs der hmt. Die Inszenierung der Sonnenallee parodiert die Stellung der Staatsmacht und zeigt auf nostalgische Weise das Leben zu „Zonen-Zeiten“. Dabei wird tief in die Klischeekiste gegriffen. Das Stück zeigt unter anderem trinkfeste DDR-Bürger, Besuche der Westverwandtschaft mit geschmuggelten Raritäten aus dem kapitalistischem Ausland, den florierenden Schwarzmarkt und einen Fluchtversuch. Das Bühnenbild und die Requisiten unterstützen den nostalgischen Flair und gewähren einen Einblick in das typische DDRWohnzimmer: Es dominieren Karomuster in braun-beige und der Multifunktionstisch darf natürlich auch nicht fehlen. Ein Diamant-Klappfahrrad rollt über die Bühne, im FDJ-Hemd werden patriotische Lieder gesungen, der Versuch, die DDR für 90 Minuten wiederzubeleben, ist gelungen. Mit spielfreudigen jungen Schauspielerinnen und Schauspielern ist Sonnenallee ein heiteres Stück für alle Generationen und zeigt mit Witz und Kurzweil die DDR nicht im typischen Einheitsgrau, sondern bunt und lebensfroh. Termine: 8. Mai im Ateliertheater, 10 Uhr 9., 22., 30. Mai, 4., 13. Juni im GroSSen Haus, jeweils 19:30 Uhr

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Fotos: Dorit Gätjin

m kürzeren Teil der Sonnenallee wohnt Micha zusammen mit seiner Jugendgang. Ihr Weg in den 1970er-Jahren in Ostberlin ist klar vorgeschrieben und fest im System der DDR verankert. Eigentlich. Doch dann passiert etwas, wogegen selbst das Regime der DDR machtlos ist: Micha und seine Freunde testen Grenzen, ihre eigenen und die des Systems. Sie entwickeln Ideale, streben amerikanischen Musikstars nach, verlieben sich, sind auf der Suche nach ihrem eigenen Weg, kurz: sie pubertieren.


Viktorianisches Rostock – 1001 und Dracula

Fotos: Dorit Gätjin

Vampirklassiker im Volkstheater

Autor: Christoph Behrens heult nicht mit den Wölfen.

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s war einmal in einer fremden, barbarischen und unzivilisierten Gegend im Zentrum Rumäniens: Transsylvanien. Ein aufgeklärter britischer Upperclass-Anwalt kehrt in einer dreckigen, simplen Hütte ein, die an die animalische Behausung der Baba Jaga erinnert. Ihr Bewohner redet noch dazu eine unverständliche Sprache voll RRRs und ZZZs, hat keine Manieren und Kochen kann er auch nicht. – Ja, das orientalistische Unglück nimmt seinen Lauf: Der Barbar wird zum monströsen Gentleman. Es lernt unsere Sprache und bedroht die repressive Sexualmoral der westlichen Welt. Es dominiert uns, obwohl wir stärker, zivilisiert und aufgeklärt sind? Es fasziniert uns, zieht uns an, obwohl es doch so anders ist? 1001 Inszenierung kennt der gleichnamige, scheinbare Erfolgs-Urstoff des irischen Autors, und so auch eine zweite (bereits als Musical „Dracula“, Spielzeit 2008): die von Anja Panse, Abgängerin der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (hmt) und freie Regisseurin, im Rostocker Volkstheater. Begleitet von einem vampiresken Flashmob in der Innenstadt, einem 30-Sekunden-Kinotrailer, der die Region hypnotisiert, und unter der Schirmherrschaft des Vorsitzenden der Transylvanian Society of Dracula, besser bekannt als Kriminalbiologe Mark Benecke, der schon des Öfteren in der Rostocker

Stadthalle gastierte, feierte das Event am 1. März seine Premiere im Großen Haus. Kostümiert warteten die ersten Besucher im Foyer, bis das Heulen der Kinder der Nacht – ja, bei Stoker können sich Vampire in Wölfe verwandeln – zur Vorstellung rief. In ihrer teils am diaristischen Roman, teils stark an Coppolas Verfilmung orientierten Inszenierung gelang es der Regisseurin sehr gut, auf naive Art und Weise den viktorianischen Diskurs in das Rostock des 21.  Jahrhunderts zu transportieren. „Dracula“ bewegt sich zwischen kruder, zeitweise

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unfreiwillig komödiantischer Darstellung von Fremdheitskonstruktionen und Stereotypen, die sehr gut an aktuelle Diskurse einer Außenpolitik zwischen Inklusion und Exklusion und an Debatten um repressive Sexualerziehung Anschluss nehmen können. Zeitweise bricht die Inszenierung jedoch aus diesem geordneten Rahmen aus. Renfield (Ulrich K. Müller), der Antagonist zum aufgeklärten Mediziner Dr. Seward, untergräbt im Deckmantel des Irren das viktorianische Konstrukt. Einerseits wird die ansonsten so historisierte, pompöse Bühne durch eine mechanische Folterkonstruktion mit allen Raffinessen verunstaltet, andererseits bricht das fetischisierte Spiel aus Wächter und Gefangenem die viktorianische Spießigkeit auf. Alles in allem scheint die Inszenierung auf den ersten Blick sehr epigonal zu bleiben, sie schafft es jedoch durch einige ausgespielte, subversive Figuren – so teilweise auch die weibliche Besetzung des Dr. Van Helsing –, eine eigene Nuance in die vielfachen Inszenierungen des Stoffes einzuschreiben. „True blood“ sind die fast letzten Worte der sich verwandelnden Vampirjägerin. Sie verorten das Stück mit der Reaktualisierung des Stoffes in der kontemporären Medienwelt, in der sich nun auch das Rostocker Theater einen Namen machen kann. Weiterer termin: 17. April, 19:30 Uhr, GroSSes Haus


Rostock in 100 Worten o Aut

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Washington, Leningrad und Karl-Marx-Stadt sind urbane Räume, die den Namen historischer Personen tragen. Rostock hingegen ist nicht nach Jennifer benannt, Jennifer bediente sich hier vielmehr eines Toponyms. Namensgeber des Ortsteils Brinckmansdorf ist der 1814 in Rostock geborene niederdeutsche Schriftsteller John Brinckman. Dort tummeln sich Straßennamen wie Kasper-Ohm-Weg, Unkel-Andrees-Weg, Käppen-Pött-Weg oder Knallerballerweg – alles wegweisende Romanfiguren und Kopfgeburten aus Brinckmans Roman „Kasper Ohm un ick“. Knallerballer beispielsweise ist Professor und „'n ollen Schnapskopp“ sowie „een uterordentliches Membran von de Eloquentsch“. Zu begegnen ist Kasper Ohm auf seinem Ross noch heute: in der Badstüberstraße als Bronzeplastik von Jo Jastram.

Ein Freund hat mir neulich ernsthaft erzählen wollen, dass er immer noch so jugendlich sei wie zu Beginn seines Studiums. „Erwachsen? Neeeiiin, postjugendlich maximal“, sagte er. „Au contraire!*“, antwortete ich. Um es mit The Armageddon Volcano Day After Tomorrow zu sagen: Es hat bereits begonnen! Überprüft euch mal selbst. Verbale Entgleisungen wie „Ich vertrag ja auch nicht mehr so viel wie früher“ oder „Wir machen einen französischen Käseabend, kommst du auch?“ sind die ersten Anzeichen. Dann geht es damit weiter, dass das perfekte Wochenende auf der Couch im Jogger statt auf dem Dancefloor im besten Hemd stattfindet. Erstklassige Vorbilder wie MacGyver, Batman oder Harry Potter werden von langweiligen, real existierenden Weltverbesserern verdrängt. Fleischsalat auf Weißbrot wird von frei lebendem Huhn in Erdnuss-Kokos-Soße mit Koriander (oder jeglichem anderen per Hand zubereiteten Gericht) abgelöst. Irgendwann zieht man ein Wochenende im Spa-Hotel dem Festivalbesuch vor und dann ist es passiert: Man ist erwachsen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Bis auf das Ding mit der Verantwortung ist das Erwachsensein doch gar nicht so übel, solange man sich dessen bewusst ist und das eheliche Tragen der gleichen Jack-Wolfskin-Regenjacke bei sonnigem Wetter meidet. Wichtig sind Menschen, mit denen man sich gelegentlich danebenbenehmen kann, bei denen man ungestraft den ungepflegten, politisch unangebrachten, pubertären Witz rauslassen kann. Sonst verliert man irgendwann sein Gespür für Humor, Ironie und Sarkasmus und wird zu dem, was man im negativsten Sinne als erwachsen versteht. Wie wir dann wohl als Rentner sein werden? Rauchen und trinken ohne sich weiterhin über die Spätfolgen Sorgen machen zu müssen. Den ganzen Tag FIFA 65 auf der Playstation 14 zocken. Selbstherrlich über die furchtbare Kleidung und Musik der Jugend schimpfen. Jeden Tag Kaffee und Kuchen. Im Grunde gar nicht mal so anders als unsere Großeltern. Ach, das wird herrlich. *französisch für: „Am Arsch!“ Stephan Holtz geht am Stock. Aus Stilgründen.

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