TRACES catalogue

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T R AC E S KOAK MATTEA PERROTTA JÓZSEF CSATÓ PETER LINDE BUSK



T R AC E S KOAK MATTEA PERROTTA JÓZSEF CSATÓ PETER LINDE BUSK

H AV E R K A M P F G A L E R I E



In Zeiten und Krisen wie diesen, die geprägt sind von negativen Nachrichten und Entwicklungen, von Absagen, Schließungen und Vertagungen, freut man sich umso mehr über Zusagen und stattfindende Ereignisse. So ist diese Ausstellung nicht nur durch die Förderung der Stiftung Kunstfonds ermöglicht worden; einen großen Beitrag haben durch ihr Vertrauen, ihre Flexibilität und Energie insbesondere die hier präsentierten Künstler*innen Koak, Mattea Perrotta, József Csató und Peter Linde Busk geleistet, denen unser besonderer Dank gebührt. Ein großer Teil der hier gezeigten Werke ist eigens für die Ausstellung entstanden und weist gleichzeitig auf spannende Neuentwicklungen im Œuvre der Künstlerinnen und Künstler hin, die hier erstmalig präsentiert werden. Die Ausstellung Traces betrachtet anhand der Werke der genannten Künstler*innen, wie sich der Einfluss der Formensprache der Klassischen Moderne in der zeitgenössischen Kunst noch immer widerspiegelt. Die Ausstellung will nicht nur die Faszination zeigen, die Künstler wie Matisse, Picabia und Picasso auf zeitgenössische Künstler*innen ausüben; sie will auch zeigen, wie letztere mit diesem gewaltigen Erbe umgehen, wie sie daraus etwas Neues machen und ihre eigene Bildsprache und Antwort heute finden. Bedanken möchten wir uns bei den Galerien Altman Siegel in San Francisco und LAMB arts in London, die uns und die Ausstellung durch ihre Kooperation großzügig unterstützt haben sowie bei der Autorin Camila McHugh, die die Einflüsse auf die aus Ungarn, Dänemark und den USA stammenden Künstler*innen im Text näher beleuchtet. Das Cover des Kataloges basiert auf einem Foto von heruntergerissenen Plakaten, das Imke Wagener auf einem ihrer fotografischen Streifzüge durch Berlin-Kreuzberg aufgenommen hat und das die Verflechtung der Formensprachen, die Zeitschichten, die immer wieder palimpsestartig zu Tage treten und das Graben und Verwurzeln der Künstler*innen in der Kunst ihrer „Vor-Bilder“ reflektiert und formal verdeutlicht. Entstanden ist so nicht nur eine wunderbare Werkschau mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die der Einfluss und die Beschäftigung mit der Kunst und Geschichte der Klassischen Moderne eint, sondern auch unsere erste Galerie-Publikation.

In times and crises like these, which are characterized by negative news and developments, by cancellations, closures and postponements, one is all the more pleased about commitments and events that take place. Thus, this exhibition has not only been made possible by the support of the Stiftung Kunstfonds; a great contribution has been made by their trust, flexibility and energy, especially by the artists presented here Koak, Mattea Perrotta, József Csató and Peter Linde Busk, to whom we owe our special thanks. A large part of the works shown here were created especially for the exhibition and at the same time point to exciting new developments in the oeuvre of the artists, which are presented here for the first time. Through the works of the artists mentioned, the exhibition Traces looks at how the influence of the formal language of Classical Modernism is still reflected in contemporary art. The exhibition does not only demonstrate the fascination that artists like Matisse, Picabia and Picasso have on contemporary artists; it also wants to show how the latter deal with this enormous heritage, how they make something new out of it and find their own visual language and response today. We would like to thank the galleries Altman Siegel in San Francisco and LAMB arts in London, who generously supported us and the exhibition through their cooperation, as well as the author Camila McHugh, who elaborates on the influences on the artists coming from Hungary, Denmark and the USA in the text. The cover of the catalog is based on a photograph of torn-down posters that Imke Wagener took on one of her photographic forays through Berlin-Kreuzberg, and which reflects and formally illustrates the interweaving of formal languages, the layers of time that repeatedly come to light in a palimpsest-like manner, and the artists’ digging and rooting in the art of their „pre-images.“ The result is not only a wonderful show of works by artists who are united by their influence on and preoccupation with the art and history of Classical Modernism, but also our first gallery publication. Carolin Leistenschneider Berlin im Februar 2021 Berlin in February 2021


2. József Csató Rug, 2020


3. József Csató Play dumb – act cute, 2020


4. József Csató When I need some solitude, 2020


Everything Old is New Again Camila McHugh Es ist das alte Thema und eine immer wiederkehrende Frage in der Malerei: wie schafft man es, mit mehr oder weniger immer wieder denselben Materialien etwas Neues zu erschaffen, sich dabei an einer sehr langen Geschichte entlang zu hangeln, ohne sich aber zu sehr an diese zu klammern? Manche Vermächtnisse liegen uns dabei näher als andere. Die Ausstellung Traces widmet sich dem der klassischen Moderne anhand der Werke vier zeitgenössischer Maler*innen, die deren Formensprache auf die Probe stellen. Die Sprache der Moderne war selbst auch weit entfernt von ihrer eigenen, gründeten die formalen Durchbrüche des frühen 20. Jahrhunderts doch enorm auf dem Einfluss der traditionellen afrikanischen Skulptur. Und dies ist nur einer der Aspekte, an dem erkennbar ist, wie untrennbar die Bewegung vom Kolonialismus zu sehen ist. Die Künstler*innen Koak, Mattea Perrotta, Peter Linde Busk und József Csató greifen das Tauziehen der Moderne zwischen Figuration und Abstraktion auf, indem sie die Formen, die aus dieser Reibung entstanden sind, neu interpretieren. Obwohl diese Künstler*innen sehr unterschiedlich sind und jede/r von ihnen aus ihrer/seiner eigenen Welterfahrung heraus arbeitet, kann der Blick auf die Art und Weise, wie sie sich solche Formen zu eigen machen, vielleicht eine Antwort über ihre Praktiken hinaus sowie einen Einblick in die uralte Frage geben, wie sich das Vergangene mit dem Gegenwärtigen verbinden lässt. Mattea Perrotta malt Frauen, wobei sie jedes Werk als eine Art Selbstporträt positioniert. Indem sie vage, anthropomorphe Formen zusammensetzt, finden Perrottas Gemälde ihre Auflösung in einer Balance aus schrägen Kurven und harten Kanten. Die Arbeiten fußen auf einer durchdachten Komposition, in der simple Formen, oft in hellen Fleischtönen und breiten blauen und rosafarbenen Strichen, in einen harmonischen Zustand übergehen. Der Effekt ist sofort ansprechend. Ihre Gemälde zapfen ein intuitives Erkennen an, das auf frühe Kindheitserfahrungen beim Zusammensetzen der Welt zurückgeht. Geprägt von ihrer eigenen Erfahrung mit Synästhesie, verwandeln sich ihre Farben und Formen in eine Art emotionales Mapping. Auf diese Weise sind die Arbeiten verschlüsselt, wie eine Symbolsprache, deren Bedeutung die Künstlerin nicht preisgibt, sondern den Betrachter erahnen lässt. In „I‘m New Here“ (2020) steht eine blasse, rechteckige Form streng wie ein sitzender Akt vor tiefblauen und türkisfarbenen Farbschwaden, die eine Horizontlinie markieren. Die dicken und vielfältigen Markierungen, aus denen die monochromen Formen bestehen, bauen eine subtile Spannung innerhalb der Zurückhaltung des Werks auf – eine Art emotionale Maserung. Diese langgestreckte Form scheint nackt – im wahrsten Sinne des Wortes entblößt – in einem Bild der Verletzlichkeit, wie auch der Titel andeuten könnte. In „Love is Fine“ (2020) geht die Form der Komposition in eine weichere Form mit abgeschnittenen Gliedmaßen und einem sanft gerundeten Po über. Hier verkörpern die Konturen eine Spannung zwischen dem Grotesken und dem Sinnlichen und beschwören das Gefühl herauf, im Inneren eines Körpers zu sein. Oder in dem eines anderen. In der Ausstellung ist auch eine Auswahl neuer Arbeiten zu sehen, die einen bedeutenden Wandel in Perrottas Praxis markieren. Sie kehrt expliziter zur Figur zurück, insbesondere zum Gesicht, nachdem sie in den letzten sieben Jahren eine abstrahierte Körperlichkeit entwickelt hat. Inspiriert von der Forschung zu satanischen Feminismen nehmen diese grünhaarigen Figuren die Lilith als Ausgangspunkt und bewegen Perrottas kühne Formen in eine neue Richtung.


Auch Koak malt figurativ und das in einer sehr eigenen Bildsprache, die als „Popeye meets Picasso“ beschrieben wird. Mit schnellen und reduzierten Linien konturiert sie weibliche Körper aus abgerundeten und entleerten Kreisformen. Es sind Gebilde, die mehr im Symbolischen als in der Figur begründet sind und so an die spätkubistische Abstraktion des Körpers anknüpfen. Koak geht es jedoch um die Vermittlung von Subjektivität, die sie den passiven Musen der Kunstgeschichte entgegenstellt. Mit einem Master of Fine Arts im Fach Comics ist sie eigentlich eine ausgebildete Geschichtenerzählerin. Ihre Themen kreisen um die Stereotypen der melancholischen und resignierten (Haus)Frau und versuchen sie aufzuschlüsseln. Durch die überspitzte Darstellung der Frau als sexuell oder mütterlich, entziehen sich Koaks Charaktere aber gleichzeitig einer solchen Klassifizierung. Mit ruhiger Hand zeichnet sie mit einer Mischung aus Pigment, gelegentlich Öl, klarem Gesso und Graphitspänen Formen nach, die zugleich exzessiv, zurückhaltend, kraftvoll und verletzlich sind. Der den Arbeiten innewohnende Eindruck von Geschwindigkeit verleiht dem Bedürfnis, ein Bild von Frauen zu zeigen, die sich nicht einschränken lassen, noch mehr Nachdruck. Oft arbeitet Koak auf monochromen Hintergründen in blassem Rosa oder tiefem Blau, und betont damit die Linien, aus denen heraus die Kompositionen und emotionalen Bedeutungen der Bilder erwachsen. In „Good Sculptures / Heavy Handed“ (2019) bietet der Titel einen witzigen Einstieg in die seltsame Szene, in der eine magere Figur mit ausgeprägtem Gesäß und Bizeps einen Stein über den Kopf hebt, und ausholt, um die Skulptur neben ihr zu zerschlagen. Das Geschehen bleibt jedoch rätselhaft und wird zusätzlich durch ein Seil verkompliziert, das die Taille der weiblichen Figur mit dem Hügel unter ihr verbindet. Warum durchtrennt sie das Seil nicht? Ist die Skulptur Teil ihres Körpers? Koak ist mehr daran interessiert, Fragen aufzuwerfen als Antworten zu liefern, Formen zu skizzieren als sie auszufüllen. „Hell Hath“ (2020) zeigt eine liegende Frau mit wulstigen Muskeln und gerunzelter Stirn: Der Titel erinnert an das (sexistische) Sprichwort Hell hath no fury like a woman scorned, also „Die Hölle kennt keinen schlimmeren Zorn als den einer verlachten Frau“. Die Arbeit lässt sich sofort lesen, bleibt aber ebenfalls unaufgelöst: So entfalten Koaks Werke ihre Kraft. Die Arbeiten von Peter Linde Busk brauchen länger in ihrer Entstehung. Der Künstler wählt einen anderen Zugang zur formalen Verzerrung. Er wendet sich der Unvollkommenheit, dem Verwelkten oder Zerfallenen zu, als wollte er fragen, was eine misslungene Form ausmacht. Er stellt sich den Zusammenbruch von Formen vor. Das was Marguerite Duras ihr „verwüstetes Gesicht“ nannte. Linde Busk beschäftigt sich seit langem mit der frühen Moderne, mit der Art und Weise, wie die kubistischen Abstraktionen die Figuren von ihren Eigenschaften lösen. Er trägt dieses Erbe in seinen Werken öffentlich zur Schau und die Formen seiner Figuren das Gewicht auf ihren Schultern. Der Druck dieser Last verformt und deformiert sie, macht sie unvollkommen und erneuert sie. In „Windowlicker“, 2021 baumeln sechs gelbe Füße über eine strukturierte Leinwand. Die Formen sind grotesk und erinnern an Batailles Beschreibungen der vergrößerten Körperteile. Vor einem stark gemusterten Hintergrund wirken die hellen Formen wie emporwachsende Keimlinge, die gerade beginnen, sich zu formen, die Zehen abzustreifen oder sich in etwas völlig anderes verwandeln. Linde Busks Formen sind nur schwer lesbar. Getrennt von den gelben Füßen durch ein gemustertes Band aus roten Ovalen bleiben drei vage, gesichtsähnliche Formen an unsere Welt gebunden, als wären sie Verzerrungen von etwas Vertrautem. Ihre expressive Qualität beruht auf einer intuitiven, menschlichen Reaktion. Gleichzeitig sind es offene, ungebundene Formen, die den Betrachter im Unklaren lassen und sich in einen Bereich jenseits der Bedeutung entfalten.


5. Mattea Perrotta The two eyes of that soft panther glow, 2021


6. Mattea Perrotta I’m New Here, 2021


7. Mattea Perrotta Love Is Fine, 2020


8. Peter Linde Busk Windowlicker, 2021


In der Ausstellung wird auch eine Entwicklung in Peter Linde Busks Praxis anhand von vier kleinformatigen Arbeiten sichtbar, die eine neue Herangehensweise an die Oberfläche demonstrieren: Er beginnt, die Plastizität und Körperlichkeit, die er bei seinen Mosaiken und Reliefs kultiviert hat, hier auf seine Gemälde zu übertragen. Er baut die Oberflächen durch Farbschichten und collagierte Materialien wie Schnüre, Porzellan und Quarzsand auf und betont so den Akt der Berührung. Diese Betonung des Taktilen ist zum Teil eine Reaktion auf die Verflachung durch die digitale Verbreitung. Sich dem entgegenstellend entwickelt er eine Oberfläche, die sich durch eine Dimension auszeichnet, die man erst begreift, wenn man vor ihr steht. Diese Arbeiten sind zunächst diffus und desorientierend, stehen aber für eine rauere Nach-außen-Verlagerung der Ströme von Aufruhr und Klaustrophobie, die sich durch Linde Busks Œuvre ziehen. Auch József Csató arbeitet zwischen Abstraktion und Figuration und gewinnt so eine Position, die ihm eine gewisse Freiheit gewährt. Mit einer humorvollen Leichtigkeit sprießen und winden sich biomorphe Formen über seine Leinwände. Alfred H. Barrs Beschreibung des Begriffs Biomorphismus, den er 1936 im Katalog zu seiner Ausstellung Cubism and Abstract Art im Museum of Modern Art in New York prägte, ist ein treffender Einstieg in Csatós Werk: „Eher kurvenförmig als geradlinig, eher dekorativ als strukturell und eher romantisch als klassisch in seiner Verherrlichung des Mystischen, Spontanen und Irrationalen.“ Csató sondiert das Potenzial solcher Formen, die auch heute noch auf einer ursprünglichen Ebene mitschwingen. Der Einfluss seines Studiums bei Dóra Maurer an der Ungarischen Akademie der Schönen Künste ist ebenfalls spürbar, da Maurers Aufmerksamkeit für Bewegung und ihre ständigen Veränderungen – ein lebenslanges, mehrdimensionales Projekt, das Inhalt ihres Unterrichts war – sein Interesse am Potenzial biomorpher Formen prägt. Wo Maurer einfache Handlungen aufgeschlüsselt hat, um etwas zu erschaffen, das Bewegung ist, anstatt sie abzubilden oder zu fotografieren, wendet sich Csató der Morphologie und dem Potenzial der Malerei zu, um sich jenem Zweig der Biologie anzunähern, der sich mit der Form von lebenden Organismen und der Beziehung zwischen ihren Strukturen beschäftigt. Er ist fasziniert von der Vorstellung, dass sich Zellen zu Formen entwickeln. Der Eindruck der unendlichen Möglichkeiten – das ist es, woran er denkt, wenn er seine Arbeiten im Skizzenbuch beginnt. Ausgehend von der Zeichnung bereitet er seine Leinwände vor, indem er mit einem Palettenmesser Ölschichten abkratzt und strukturierte Linien in die Oberfläche kratzt. Er vergrößert die Umrisse ausgewählter Skizzen und Motive auf die Leinwand: eine Figur mit einer aus der Hose wachsenden Pflanze in „Long Time No See“ (2020) oder vielgliedrige Formen mit blattartigen Köpfen in „Play dumb – act cute“ (2020) zum Beispiel. Sein ursprünglich durch Ausschneiden und Einkleben von Leinwandstücken entwickeltes Verfahren beruht auf der Schichtung und den Prinzipien der Collage, die es ihm ermöglichen, eine Welt aus einer Vielzahl von erdachten und ererbten Formen zusammenzusetzen. Wie der Titel der Ausstellung es bereits deutlich macht, sind die Spuren eines kunsthistorischen Erbes in der gesamten Ausstellung zu erkennen. Was jedoch am meisten beeindruckt, sind die neuen Richtungen, in die jede Künstlerin und jeder Künstler diese visuelle Geschichte führt, da diese Werke auch unwiderruflich zeitgenössisch sind. Ihre Gemälde verbinden das Bewusstsein für das, was vorher war, mit einem Bewusstsein für das Jetzt. Das ist eine kluge Art, Kunst zu machen und auch zu leben, denn die Geschichte – ihre Fehler und Durchbrüche festzuhalten, ist wesentlich, um die Gegenwart zu gestalten, die wir hinterlassen wollen.


9. Peter Linde Busk À Rebours, 2021


10. Peter Linde Busk Gently Down The Stream, 2021


11. Koak The Reader, 2021


Everything Old is New Again Camila McHugh How to use more or less the same materials, hold a long history in your hands—but not too tightly—and make something new: the problem of painting. Or expression writ large. Some legacies hang closer than others and the exhibition Traces turns its attention to that of classical modernism and four contemporary painters who seem to try its forms on for size. Of course Modernism’s language was also far from its own, as the formal breakthroughs of the early 20th century were enormously indebted to the influence of traditional African sculpture: just one aspect of the ways in which the movement is inextricable from colonialism. In any case, trickled down from the likes of Picasso and Picabia, the artists Mattea Perrotta, Koak, Peter Linde Busk and József Csató pick up Modernism’s tug and pull between figuration and abstraction by reimagining the shapes that emerged from that friction. While these artists are vastly different and each works from their own experience of the world, perhaps looking to the way in which they each make such shapes their own can opens up resonance across their practices, as well as insight into the age-old question of how everything old is made new again. Mattea Perrotta paints women, or more precisely herself, positioning each work as a selfportrait of sorts. Puzzling together vaguely anthropomorphic forms, Perrotta’s paintings find resolution in a balance of sloping curves and hard edges. The works hinge on considered composition, as simple shapes, often in light fleshy tones and broad blue and pink strokes, shift into a harmonic state. The effect is immediately appealing. Her paintings tap into an intuitive recognition, harkening back to early childhood experiences of piecing together the world. Informed by her own experience of synesthesia, her colors and forms transmute into a kind of emotive mapping. In this way the works are coded, like a symbology whose meaning the artist does not divulge, but allows the viewer to sense instead. In I’m New Here (2020), a pale, rectangular form stands stark like a seated nude against deep blue and turquoise swathes of color that meet to mark a horizon line. The thick and varied marks that make up these monochrome shapes build a subtle tension within the work’s restraint, like an emotional grain. This elongated shape is exposed—quite literally laid bare—in an image of vulnerability, as its title could also suggest. In Love is Fine (2020), the composition shape shifts into a softer form with truncated limbs and a gently rounded bum. Here, the contours embody a tension between the grotesque and sensual, conjuring the feeling of what it’s like to be in a body. Or to be with someone else’s. Also on view in Traces are a selection of new works that mark a significant shift in Perrotta’s practice, as she returns more explicitly to the figure, specifically to the face, after developing her abstracted corporality over the last seven years. Inspired by research into Satanic feminisms, these green-haired figures take the likes of Lilith as a starting point, moving Perrotta’s bold forms in a new direction. Koak also paints figurative work in a characteristic pictorial language, which has been described as Popeye meets Picasso. In swift and sparing lines, she renders feminine bodies from rounded and deflated circular shapes. These are bodies more grounded in symbolism than the figure per se and in this way harken back to late Cubist abstraction of the figure. Koak, however, is driven by conveying subjectivity, enunciated in contrast to art history’s passive muses. Drawing on an MFA in comics, she is a storyteller and her subjects unravel


the stereotypes of the desperate housewife or the women on the verge of a nervous breakdown. Chafing at categorization of women as sexual or maternal, Koak’s characters derail such classification. She does so with a steady-handed line in a mix of pigment, occasionally oil, clear gesso, and graphite shavings, creating shapes that are at once excessive and restrained, powerful and vulnerable. The works give the impression of speed, imbuing this project of representing women who cannot be contained with a sense of urgency. She often works atop monochrome backgrounds in pale pink or deep blue, accentuating the way in which the painting’s composition and emotive charge arise from her slight of line. In Good Sculptures / Heavy Handed (2019), the title offers a witty entry point onto the strange scene, as a scant figure with bulging buttocks and biceps heaves a rock overhead, poised to smash a sculpture beside her. The action remains perpetually unresolved however, and is complicated further by a rope that attaches the female figure’s waist to the mound beneath her. Why doesn’t she snip the rope? Are she and this sculpture one and the same? Koak is more interested in raising questions than answering them, in outlining shapes than filling them in. Hell Hath (2020) pictures a reclined woman with muscles bulging and brow furrowed: the title evokes the (sexist) proverb Hell Hath no fury like a woman scorned. The work can be read instantaneously, but also remains unresolved: this is how Koak’s works pack their punch. Peter Linde Busk’s works take longer to process, as he takes a different approach to distortion. He turns to the malformed, the sagging or fallen, as if to ask, what is a failed shape? He imagines the collapse of forms. Like what Marguerite Duras called her face laid waste. Busk has long been concerned with early modernism—the way cubist contortions loosened figures from their features—and wears this inheritance on his sleeve. Or perhaps carries its weight on his shoulders, rendering shapes warped by the pressure of this load, deformed, imperfect and renewed. In Windowlicker, 2021, six yellow feet dangle across a textured canvas. The forms are grotesque, reminiscent of Bataille’s definition of the term by way of enlarged body parts. Against a heavily patterned background, these bright forms approximate a germinal state—like they are just beginning to form—unravelling toes or perhaps transforming into something else altogether. Busk’s shapes occupy a tenuous legibility. In Windowlicker, for instance, separated from the yellow feet by a patterned band of red ovals, three vaguely monstrous, face-like shapes remain tethered to our world in that they are distortions of something familiar. Their expressive quality relies on an intuitive, human response. At the same time, they are open, unconfined forms, unsettling and unfolding into a realm beyond signification. Traces also marks a development in Busk’s practice in three, small-format works that represent a new approach to surface as he begins to translate a physicality cultivated in work in mosaic and reliefs into his paintings. Building up his surface through layers of paint and collaged materials like string, Twelve Steps Left and A New End, the artist accentuates the impressions of touch. This emphasis on the tactile is in part a reaction against the flattening of digital distribution, developing a surface that is characterized by a dimension only grasped when you stand before it. These works are also more chaotic and disorienting at first, a rawer externalization of the currents of turmoil and claustrophobia that course through Busk’s oeuvre. József Csató also works between abstraction and figuration, a position he inhabits for the freedom it allows him. With a humorous levity, biomorphic shapes sprout and squiggle across his canvases. Indeed Alfred H. Barr’s description of the term biomorphism, which he coined


12. Koak Hell Hath, 2020


13. Koak Good Sculptures / Heavy Handed, 2019


in the catalogue accompanying his 1936 Cubism and Abstract Art exhibition at the Museum of Modern Art in New York, is an apt entry point into Csató’s work: “Curvilinear rather than rectilinear, decorative rather than structural and romantic rather than classical in its exaltation of mystical, the spontaneous and the irrational.” Csató probes the potential for such forms to continue to resonate on a primal level today. The impact of his studies with Dóra Maurer at the Hungarian Academy of Fine Arts is also palpable, as Maurer’s attention to movement and its continual changes—a lifelong, multidimensional project that extended to her teaching— informs his interest in the potential of biomorphic shapes. Where Maurer broke down simple actions to create something that is movement, rather than representing or photographing it, Csató turns to morphology and the potential for painting to approximate that branch of biology that deals with the form of living organisms, and the relationship between their structures. He is fascinated by the notion of cells developing into forms—that impression of infinite possibility—and it is on his mind when he begins his works in the sketchbook. From there, he prepares his canvases by scraping back layers of oil with a pallet knife, scratching textured lines into its surface. He then selects from among his many drawings and enlarges the outlines of chosen motifs on canvas: a mannish figure with a plant growing out of his pants in Long Time No See (2020) or many-limbed forms with frond-like heads in Play dumb – act cute (2020), for instance. As such, initially developed by cutting out and pasting pieces of canvas, his process is rooted in layering and the principles of collage, allowing him to piece together a world from a panoply of imagined and inherited forms. Traces of an art historical inheritance are discernible throughout the exhibition, as its title suggests, though what is most compelling are the new directions in which each artist takes this visual history, as these works are also irrevocably contemporary. These paintings couple consciousness of what came before with a hyper-personal awareness of the now. This is an astute way to make art, and indeed also to live, as holding history close—its blunders and its breakthroughs—is essential to crafting the kind of present we want to leave behind.


The American painter Koak (*1981 in Michigan, USA) studied at the California College of the Arts in San Francisco until 2016 and graduated with an MFA in Comics. She lives and works in San Francisco. “Every time I make a piece, I always try to covey a mix of emotions: happiness, fear, guilt, tenderness... connection.”


Die amerikanische Malerin Koak (*1981 in Michigan, USA) studierte bis 2016 am California College of the Arts in San Francisco und schloss mit einem MFA in Comics ab. Sie lebt und arbeitet in San Francisco.

Koak

„Jedes Mal, wenn ich an einem Werk arbeite, versuche ich, eine Mischung aus Emotionen zu erzeugen: Glück, Angst, Schuld, Zärtlichkeit... Verbindung.“


Mattea Perrotta (*1990) is a Londonbased artist born in Los Angeles. Perrotta has a BFA from UC Berkeley and studied at the Santa Reparta School of Art in Florence. Her paintings deal with the balance between masculinity and femininity, the unconscious, desire, and the female body. “Art is my therapy, my teacher and the greatest romance of my life. It is a great priveledge to be able to use my hands to work off my inner turmoil.”


Mattea Perrotta

Mattea Perrotta ( *1990 in Los Angeles) studierte an der UC Berkeley und der Santa Reparta School of Art in Florenz und lebt in London. Ihre Bilder beschäftigen sich mit dem Gleichgewicht zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit, dem Unbewussten, dem Begehren und dem weiblichen Körper. „Kunst ist meine Therapie, mein Lehrer und die Liebe meines Lebens. Es ist ein großes Privileg, meine Hände benutzen zu können und meine Gefühle und Gedanken zu verarbeiten.“


14. Mattea Perrotta To write you I first cover myself with perfume, 2021


15. Mattea Perrotta I write you because I don’t understand myself, 2021


József Csató (*1981) lives and works in Budapest. He graduated from the Department of Painting at the Hungarian University of Fine Arts (MKE) in the class of Dóra Maurer in 2006.

“I try to unite my art historical references and different visual languages, like fairy-tale or pop cultural iconography, surrealist visuality, and the combination of figurative and abstract elements.”


József Csató (*1981) lebt und arbeitet in Budapest. Er schloss 2006 sein Studium in der Abteilung für Malerei an der Ungarischen Universität der Schönen Künste (MKE) in der Klasse von Dóra Maurer ab.

József Csató

„Ich versuche, meine kunsthistorischen Referenzen und unterschiedlichen Bildsprachen miteinander zu vereinen, wie etwa Märchen – oder popkulturelle Ikonographie, surrealistische Visualität und die Kombination von figurativen und abstrakten Elementen.“


16. Peter Linde Busk A New End, 2021


17. József Csató Long Time No See, 2020


“For me painting is an act of defiance against idealization and superficiality. A futile act maybe, but none the less. I don’t strive towards beauty or idealization. Although it’s invented and sometimes deliberately wrong or distorted, it’s true. Or at least it’s true to me and how I see not only myself but mankind. Yes, it’s an existentialist position. To embrace the absurdity of living. And the ugliness and imperfections. And live in it. As Camus said “one must imagine Sisyphus happy”.

Peter Linde Busk (*1973 in Copenhagen) studied at the Royal Academy of Art in London and lives and works in Denmark and Berlin. His works are in collections such as the Holstebro Art Museum, the Rubell Family Collection, Miami and the Arken Museum of Modern Art in Ishoej.


„Für mich ist die Malerei der Versuch, Idealisierung und Oberflächlichkeit abzuwehren – auch wenn es ein vergeblicher Akt sein mag. Ich strebe nicht nach Schönheit oder Idealisierung. Obwohl die Verzerrung erfunden und absichtlich falsch ist, ist sie wahr. Zumindest für mich: nicht nur, wie ich mich selbst, sondern alle Menschen sehe. Ja, es ist eine existenzialistische Position. Die Absurdität des Lebens zuzulassen. Und die Hässlichkeit und die Unvollkommenheit. Und darin zu leben. Wie Camus sagte: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Peter Linde Busk

Peter Linde Busk (*1973 in Kopenhagen) studierte an der Royal Academy of Art in London und lebt und arbeitet in Dänemark und Berlin. Seine Werke befinden sich in Sammlungen wie dem Holstebro Kunstmuseum, der Rubell Family Collection, Miami und im Arken Museum of Modern Art in Ishoej.


Werkliste List of works 1 Vorwort Preface

Peter Linde Busk Twelve Steps Left 2021 (Detail) Mixed Media auf Leinwand Mixed media on canvas 40 x 30 cm PLB/M 4 2

József Csató Rug 2020 Öl auf Leinwand Oil on canvas 150 x 175 cm JCS/M 3 3

József Csató Play dumb – act cute 2020 Öl auf Leinwand Oil on canvas 190 x 185 cm JCS/M 1 4

József Csató When I need some solitude 2020 Öl, Acryl auf Leinwand Oil, acrylic on canvas 150 x 120 cm JCS/M 2

7

Mattea Perrotta Love is Fine 2020 Öl auf Leinwand Oil on canvas 145 x 165 cm MP/M 3 8

Peter Linde Busk Windowlicker 2021 Mixed Media auf Leinwand Mixed media on canvas 117 x 85 cm PLB/M 1 9

Peter Linde Busk À Rebours 2021 Mixed Media auf Leinwand Mixed media on canvas 40 x 30 cm PLB/M 3 10

Peter Linde Busk Gently Down The Stream 2021 Mixed Media auf Leinwand Mixed media on canvas 40 x 30 cm PLB/M 2 11

Mattea Perrotta The two eyes of that soft panther glow 2021 Öl auf Leinwand Oil on canvas 115 x 145 cm

Koak The Reader 2021 Öl, Acryl, Graphit auf Leinwand Oil, acrylic, graphite on canvas 25 x 20 cm

6

12

5

MP/M 9

Mattea Perrotta I’m New Here 2020 Öl auf Leinwand Oil on canvas 132 x 158 cm MP/M 2

KOAK/M 3

Koak Hell Hath 2020 Acryltusche, Acryl, Pigment auf Leinen Acrylic Ink, acrylic, pigment on linen 122 x 91.5 cm KOAK/M 1

13

Koak Good Sculpture / Heavy Handed 2019 Acryl, Pigment, Pastel, Graphit, Casein auf Mull und Leinwand Acrylic, pigment, pastel, graphite, casein on muslin and on canvas 214.5 x 160 cm KOAK/M 2 14

Mattea Perrotta To write you I first cover myself with perfume 2021 Öl auf Leinwand Oil on canvas 40 x 50 cm MP/M 6 15

Mattea Perrotta I write you because I don’t understand myself 2021 Öl auf Leinwand Oil on canvas 40 x 50 cm MP/M 5 16

Peter Linde Busk A New End 2021 Mixed Media auf Leinwand Mixed media on canvas 40 x 30 cm PLB/M 5 17

József Csató Long Time No See 2020 Öl auf Leinwand Oil on canvas 45 x 35 cm JCS/M 4



Dieser Katalog erscheint anlässlich der Ausstellung This catalogue is published on the occasion of the exhibition TRACES Koak | Mattea Perrotta | József Csató | Peter Linde Busk 12. März - 24. April 2021 March 12 - April 24, 2021 Haverkampf Galerie, Berlin Philipp Haverkampf & Carolin Leistenschneider Mommsenstraße 67 10629 Berlin, Germany www.haverkampf.gallery © 2021 Haverkampf Galerie, die Künstler*innen, Autorinnen und Fotografen the artists, authors and photographers Texte Texts Camila McHugh Carolin Leistenschneider Übersetzung Translation Carolin Leistenschneider Gestaltung Design Imke Wagener Fotografie Photography Peter Linde Busk: Jens Ziehe Mattea Perrotta: Benjamin Westoby József Csató: Áron Weber Koak: Courtesy of the artist and Altman Siegel, San Francisco Lithographie Lithography Farbanalyse, Köln Gefördert von der Stiftung Kunstfonds / Neustart Kultur Sponsored by Stiftung Kunstfonds / Neustart Kultur

ISBN 978-3-00-068221-6 Printed in Germany



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