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Europas Sammlermagazin

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LESERF ROM k

EbPERz@SEH

! Por ellanschälchen Im Anhang sende ich Ihnen Fotos eines auf einer Haushaltsauflösung erworbenen Schälchens. Es ist mit einem Pandabären bemalt und trägt die Signatur 1986.M.L. sowie mehrere chinesische Schriftzeichen. Links neben dem Kopf des Pandabären befindet sich ein roter Stempel. Rechts neben der Signatur befindet sich ein weiterer roter Stempel. Auf der Rückseite des Schälchens ist ein grüner Stempel der Manufaktur und der Aufschrift Made in China. Das Schälchen hat einen Durchmesser von ca. 12,6 cm. Interessant wäre für mich der Name der Künstlerin/des Künstlers sowie eine Werteinschätzung Ihrerseits. Georg Weiß, o. O.

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Die Darstellung des kleinen Panda wurde von Han Meilin entworfen und wohl auch gemalt. Han Meilin (geb. 1936) ist durch seine Nass in Nass Tusch-

Hand bemalt wurde. Das gleiche Motiv des kleinen Panda wurde auch als Motiv für eine 50 Fen Briefmarke von 1985 verwendet. Die Bewertung ist etwas schwierig. Größere Teller wurden im Preisbereich von umgerechnet 1.000 bis 3.000 Euro angeboten und manchmal auch versteigert und möglicherweise sogar bezahlt. Chinesische Auktionspreise sind mit Vorsicht zu betrachten, denn manchmal werden Teil-

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zahlungen für Baugenehmigungen und dergleichen über Auktionserlöse beglichen. Falls es sich um einen Umdruck-Dekor-Teller (ein Punktraster wäre mit der Lupe erkennbar) handeln sollte, läge der Wert bei unter 50 Euro. Mehr Informationen erhalten Sie möglicherweise bei der Han Meilin-Stiftung unter hanmeilin.com. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Jagdschloss Göhrde

! Gemälde Seit langer Zeit sind wir Abonnenten Ihrer Zeitschrift und bitten heute um Ihre Expertenmeinung zu diesem Bild. Wir haben es vor 20 Jahren bei einer Haushaltsauflösung gekauft. Leider haben wir nicht die

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malerei bekannt, aber auch als Folteropfer während der katastrophalen sogenannten „Kulturrevolution“ von 1966 bis 1976, als Gegner von Gemälde-Fälschungen in chinesischen Kunstauktionen sowie für seine Tätigkeiten für die Olympiade in Peking und die UNESCO. Die Zeichnung des kleinen Panda ist signiert „M.L. 1986 ” also „Mei Lin 1986 seins“ sowie in Siegelschrift „Mensch“. Han Meilin hatte in den 70erund 80er-Jahren in einer Porzellan Fabrik in Hainan gearbeitet und dort Tiermotive für Teller entworfen, bei dieser Gelegenheit auch Teller mit Tiermotiven selbst bemalt. Das Schälchen in Ihrem Besitz trägt auf der Rückseite den Schriftzug Dieser Hersteller aus Tang Shan ist bekannt für sehr einfaches, meist im Umdruckverfahren dekoriertes Porzellan. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass der Teller tatsächlich von Han Meilin von 11 / 21

geringste Ahnung, ob sich hinter diesem Bild vielleicht ein Geheimnis versteckt, jedenfalls ergibt der Text auf der Rückseite für uns keinen Sinn. Wir sind gespannt auf Ihre Beurteilung.

Anneliese und Willi Meschkat, o. O.

Das kleine Gemälde ist eine Kopie nach dem Ölbild „Frau mit Kind in einer Speisekammer“ (um 1656-60) von Pieter de

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! In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem ein oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi 8erlags GmpV Redavtion LeserforTm Pfaffenhofener Str. 3 452X3 ReichertshaTsen oder -er EUMail an info9gemiuerlag.de


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Hooch, welches sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam befindet. Dieses Motiv war sehr populär und wurde vielfach kopiert. Da hier einige Details nicht kopiert wurden, wie z.B. das Schachbrettmuster des Fußbodens, handelt es sich möglicherweise um die Kopie einer Kopie. Die Ausführung ist eher bemüht laienhaft. Der Hinweis von 1980 bezieht sich auf eine private Leihgabe für zehn Jahre, das ist für die Bewertung unerheblich. Der Wert des etwa 120 Jahre alten Bildes dürfte bei unter 50 Euro liegen.

rend er gebannt auf das Schwanzende starrt. Bekleidet ist die Gestalt mit einer Art Lendenschurz aus Pfauenfedern und gepunktetem Leopardenfell. Dergleichen Bekleidung ist in europäischen Breiten eher unüblich, weshalb man wohl zu Recht annehmen kann, dass es sich um eine Darstellung der literarischen Gestalt des „Tarzan“ handelt. Die filmische Figur, die einst von dem preisgekrönten Jodler und Schwimmer János Weißmüller / Johnny Weissmuller verkörpert wurde, könnte als Vorbild gedient haben. Auch die berühmte Laokoon Gruppe der Antike stand vielleicht Pate. Die Figur aus Gipsguss (hergestellt in Frankreich, England oder Italien, ca. 30er- bis 40er-Jahre) ist farbig gefasst, die Konturen der Muskeln werden durch Grautöne akzentuiert, ein paar Farbflecken sind aufgesprüht. Dergleichen „Chalkware“-Figuren aus Gips waren beliebte Preise auf Jahrmärkten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Manchmal findet sich auf solchen Figuren eine im Guss abgeformte Copyright-Nummer und ganz selten einmal ein Hinweis auf den Hersteller. Eine Filzstift-Signatur auf einem solchen Massenartikel ist sehr unwahrscheinlich. Ich halte den Schriftzug für eine spä-

tere Hinzufügung, von fremder Hand ausgeführt mit der Absicht, den Käufer zu täuschen. Chalkware Carnival-Figuren dieser Größen werden zu Preisen von unter 200 Euro verkauft, Verfälschungen haben keinen Wert. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Jagdschloss Göhrde

Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Jagdschloss Göhrde

! zar an Ich möchte auf diesem Wege um Ihre Hilfe bitten. Dieser Tarzan wurde von mir vor vielen Jahren (wohl in England ) erworben und ich habe leider keine Infos zu dieser Figur. Das Material ist mir unbekannt, erinnert aber an Modelliermasse oder eine Art Fieberglas. Meiner Meinung nach könnte es eine Werbefigur aus den 50er-/ 60er-Jahren sein. Die größte Höhe liegt bei 38 cm, die Breite bei maximal 26 cm und das Gewicht beträgt etwas über 3 kg. Ich würde mich über Angaben zum Hersteller, freuen. Ralph-D. Marienfeld, o. O.

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Dargestellt ist ein muskulöser Mann, der mit einer kleinen Schlange ringt, wäh-

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MAGA N 6

ARSSTEDDRNGEN

! Geschichte auf Münze Bis zum 19. April 2022 zeigt das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in Kooperation mit der Numismatischen Abteilung des Nationalmuseums der Tschechischen Republik seine neue Sonderausstellung „Geprägt im Herzen Europas. Geld und Medaillenkunst in der Tschecho/Slowakei“. Die Präsentation umfasst etwa 180 numismatische Objekte, von denen 25 aus der Sammlung des Nationalmuseums stammen. Diese Leihgaben ergänzen die Bestände aus Dresden um herausragende Exponate, die erstmals in Deutschland ausgestellt werden. Zu sehen sind Zahlungsmittel sowie Zeugnisse der Medaillenkunst von 1918 bis zur Gegenwart. Nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie entstand 1918 die Tschechoslowakische Republik, die für das Land den Beginn einer neuen Ära markiert. Wichtige Etappen dieser folgenreichen Geschichte, wie die Annexion des Sudetengebietes 1938, der Prager Frühling 1968, die Samtene Revolution im Winter 1989 oder die Trennung in die Staaten Tschechien und Slowakei im Jahr 1993 werden in der Präsentation besprochen. Eine sich über mehr als 100 Jahre erstreckende Entwicklung lässt sich anhand einer Vielzahl von Münzen, Gedenkmünzen und Banknoten nachvollziehen. So spiegeln die Geldzeichen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse wider und sind zudem Ausdruck außergewöhnlicher künstlerischer Gestaltung. Auf dem Gebiet der Medaillenkunst geht in der Tschechoslowakei ein fruchtbares Schaffen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. In der Moderne zeichnet sich die Kunstgattung durch kreative und experimentelle Lösungen aus. Namhafte tschechische und slowaki-

šosef pli©til, 17. November 1989, 2013, Kupfer, nventarnummer: 2020/137B Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen 5resden ) SK5, Münzkabinett 11 / 21

MariCn öolonsk(, Studentin, 2016, Uronze, nventarnummer: 2020/8I3B Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen 5resden ) SK5, Münzkabinett sche Medaillenkünstlerinnen und Künstler haben bis heute über die Landesgrenzen hinaus ihre Anerkennung gefunden. Für die Besucher steht ein 50-seitiges, kostenfreies und reich bebildertes Booklet zur Verfügung. Telefon: 03I1 49142643 Webseite: www.skd.museum

! Kunstvoll filigran In der Zeit vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war mit dem sogenannten Eisenschmuck eine besondere Art von Preziosen beliebt: kunstvoll und filigran wie Spitze, jedoch aus Eisen gegossene Colliers, Armbänder, Ohrgehänge und Broschen oder auch Ringe. Sein schlichtes Material, die klare Formensprache und der etwas spröde Charakter spiegeln die Werte der damaligen Gesellschaft wider: Beständigkeit, Bescheidenheit und Zurückhaltung. Dem Geschmack der Zeit entsprechend, finden sich Elemente aus der gotischen Architektur oder florale Ornamente aus der Antike wie Akanthus, Palmette und Weinblatt. Neben Berlin – woher die Bezeichnung „fer de Berlin” stammt – war Gleiwitz eine der wichtigen Gießereien. Anfangs handelte es sich bei Eisenschmuck in erster Linie um Trauerschmuck, und preußische Frauen trugen nach dem Tod ihrer Königin oft Luisenanhänger oder Luisenbroschen. Während der Befreiungskriege wurde das Tragen von Eisenschmuck immer mehr zu einer politischen Aussage oder patriotischen Mode, und er wurde „für die Rettung des Vaterlands” angelegt. Dies hatte seinen Ursprung in einem Appell der Prinzessin Marianne von Preußen im Jahr 1813, Goldschmuck gegen solchen aus Eisen einzutauschen. Patriotisch gesinnte Damen trugen eiserne Preziosen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie gehören zum Feinsten, was je aus Eisen gefertigt wurde. So war neben dem politischen Hintergrund der Stand der technischen Entwicklung eine

entscheidende Voraussetzung für die Umsetzung, und die königlichen Gießereien verwendeten sehr phosphatreiches Eisen, damit es möglichst dünnflüssig wurde. Die Entwürfe für solch zartes Eisengeschmeide stammten unter anderem vom damaligen Hofbaumeister Karl Friedrich Schinkel. Auch englische und französische Gießereien ließen sich inspirieren, derlei Schmuck herzustellen. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs kamen Schmuckstücke mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen” abermals in Mode. Die rund 200 Exponate der Ausstellung stammen aus der Sammlung Klaus-Peter und Judith Thomé, die in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist und nun als Schenkung in den Bestand des Schmuckmuseums Pforzheim eingeht. Nachdem die in den USA geborene Sammlerin schon seit den späten 1970er-Jahren immer wieder alten Schmuck erworben hatte, ersteigerte sie 1995 erstmals einen Halsschmuck aus Berliner Eisen mit Medaillons. Davon war sie so fasziniert, dass sie weiter Eisenschmuck sammelte und inzwischen rund 160 Stücke zusammengetragen hat. Die Lust an Schmuck war schon in ihrer Kindheit, noch in Amerika, durch einen mit der Familie befreundeten Geologen geweckt worden. (Bis 6. Februar 2022) Telefon: 07231 392970 Webseite: www.schmuckmuseum.de

Armband Uerlin-GleiwitzB öforzheim Foto: Winfried Leinhardt

Schmuckmuseum


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MAGA N 7 zentrums und bieten mehrere Hunderttausend Schätze an, die das gesamte Sammelspektrum abbilden. Neben dem Suchen und Finden ist die Messe auch idealer Ort, um mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln. Wie immer findet parallel dazu auch diesmal die Mega Record & CD-Messe statt. Telefon: P31 +0Z492 I2I483 Webseite: www.verzamelaarsOaarbeurs.nl

! Gut gekleidet

Spezialisten unter sich auf dem Agra-Antikmarkt in Deipzig Foto: Agra-Antikmarkt

MESSEN / MHLKTE / TLEFFEN

! ýomeback in Deipzig Der Markt der Märkte ist zurück. Der AgraAntikmarkt in Leipzig-Markkleeberg ist Kult und legendär und das seit drei Jahrzehnten. Nach nunmehr einem Jahr Corona-Zwangspause findet am Samstag und Sonntag 23./24. Oktober 2021 von 7 bis 16 Uhr der feierliche Start statt. Der Agra Markt ist mehr als nur ein Markt, er ist eine Institution. Bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt, gehört er zu den Top10 der schönsten und größten Märkte Europas. Ramsch und Trödel wird man hier wenig finden. Der Antikmarkt bietet eher hochwertige, ausgewählte Ware von stets rund 500 bis 1.000 meist auch internationalen Verkäufern an und ist mehr Sammler- als Trödelmarkt. Von A wie Ansichtskarte bis Z wie Zinkbadewanne ist alles zu finden. Kurzum Kunst, Kult und Kitsch. Egal ob Möbel, DesignInterieur, altes Spielzeug, historische Musikinstrumente, antiquarische Bücher, Gemälde, Schmuck oder Münzen, Militaria, edles Porzellan, alte Schränke mit und ohne Holzwurm oder Nostalgisches aus DDR-Zeiten – der bunte Mix gehört zum Konzept. An jeder Ecke kann man etwas Originelles oder lange Gesuchtes finden. Und dies ganzjährig, denn neben dem riesigen, nahezu fünf Hektar großen Freigelände im Grünen sind zwei große Messehallen mit je 5000 qm Fläche der Garant, dass auch im Winter hochwertige Antikwaren auf dem Agra-Markt vertreten sind. Frei von Neuwaren, unabhängig von Wind und Wetter bieten hier ausgesuchte Händler ihre sonst nur in Antiquitätengeschäften feilgebotenen Waren an. Der Leipziger Agra-Antikmarkt ist Dreh- und Angelpunkt

für handverlesene Raritäten mit hoher Trefferquote und monatlich frischer Ware. Die weiteren Termine sind der 27./28. November und der 39./30. Dezember. Telefon: 0341 9804817 oder 0172 96876 Webseite: www.agra-antikmarkt.de

Das 24. Eisenbahneruniformsammlertreffen, kurz EUST genannt, findet in diesem Jahr am Samstag, dem 6. November im Bürgerhaus Delitzsch, Securiusstraße 34, wieder in Form einer großen EisenbahnSammler-Börse statt, die für alle Eisenbahn interessierten Besucher von 10 Uhr bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet ist. Neben der Börse, auf welcher alles Sammelnswerte von der „großen“ Eisenbahn angeboten wird, gehört zum EUST auch wieder eine Sonderausstellung. In diesem Jahr ist „Die Delitzscher Kleinbahn 1902 bis 1972“ das Thema der Sonderausstellung, die auf der Bühne aufgebaut wird. Telefon: 034202 61361 Webseite: http://.eisenbahneruniformen.de/hufo2/ indeJ/html

! Spielzeug und Weihnachtliches Die 55. Puppen & Bären-Börse im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich am 31. Oktober hat einiges zu bieten: SashaPuppen, Bekleidung und Zubehör für Puppen, ein Stand mit ausgesucht schönen Steifftieren und Teddybären, edle Stuben, Küchen und Krämerläden und entspreches Zubehör. Auch werden Kochherde, Kinderbücher, Erzgebirge, Spiele und Anker-Steinbaukästen wieder gut vertreten sein. Des Weiteren wird ausgewählter Weihnachtsschmuck zum Verkauf kommen. Bei einigen Austellern findet sich auch immer wieder mal ein Blechspielzeug oder eine Eisenbahn, die das Herz höher schlagen lässt. Auch der KünstlerBereich mit Teddybären und KünstlerPuppen wird zahlreich im Angebot vertreten sein.

Ulick in die Eisenbahn-Sammlerb;rse beim ERST 2019 +AusschnittZ Foto: artmut Sch;ttgei

Telefon: P43 664 404 1926 Webseite: www.puppenboerse.ch

! Sammeln der Superlative Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, ist die Internationale Sammlermesse im niederländischen Utrecht eine der besten Adressen für Liebhaber von Antiquitäten, Design, Spielzeug, Kunst, Kuriosa und vielem mehr. Über tausend Händler verteilen sich nun am Wochenende des 13. und 14. November über einige Hallen des Jaarbeurs Ausstellungs-

Alles mega in Rtrecht: on der nternationalen Sammlerb;rse bis zur Mega-Lecord-Fair 11 / 21


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FRGS4 E KA. R7ä üDäA4KER

as äachleben einer MBrchenfigur wird wohl selten so deutlich wie bei der Figur des Froschesz Manche Leute ekeln sich vor Fröschenz Andere wiederum sammeln sie in allen Formen und dekorieren ihre 6Brten und eime mit mehr oder weniger grTnen FigTrchenz en Froschkönig aber kennen sie alle und diese vermenschlichte Form des Froschs macht ihn sogar fTr Amphibienhasser als Reklamefigur attraktivz Auch Salamander/ ,nken und Kröten bevölkern die Werbewelt/ 8edes .ier auf seine Weisez

er MBrchenfrosch Im Jahr 1810 schrieben die Gebrüder Grimm ihre Kinder- und Hausmärchen, darin fand sich auch die Geschichte „Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich“. Das Märchen erzählt die Geschichte einer Königstochter, die beim Spielen ihre goldene Kugel versehentlich in den Brunnen wirft und dann einen Frosch bittet, sie ihr wieder herauszuholen. Der freundliche Frosch will belohnt werden, und sie verspricht ihm, ohne es ernst zu meinen, dass er sie ins Schloss begleiten und ihr Gefährte werden darf. „Ich bin ein verzauberter Königsohn und wenn Du mich küsst, werde ich mich wieder in einen Königssohn zurückverwan-

deln!“ ließ Komiker Otto Waalkes in der „Otto-Show V“ 1977 einen Föhn zu der bezaubernden „Susi Sorglos“ sagen. Leider verwandelte der sich danach nur in einen Duschkopf… Anders der Frosch im Märchen der Gebrüder Grimm, mit dem ihr Vater die Heldin der Geschichte, die egoistische und verwöhnte Prinzessin, verheiratet: Das Tier wird von der Königstochter brutal an die Wand geworfen und verwandelt sich dann tatsächlich in einen Prinzen. Damit hatte sie nicht gerechnet – allgemein wird aber angenommen, sie habe sich wohl gefreut. So gibt es am Ende eine Hochzeit und der treue Diener Heinrich ist so erleichtert über die Rückverwandlung seines jungen Arbeitgebers, dass die eisernen Ketten um sein Herz zerspringen. Der Froschkönig aus dem Märchen, das die Brüder Grimm vor gut 200 Jahren

aufgezeichnet haben, wird dort zwar eigentlich beschrieben als „alter Wasserpatscher“ mit einem „dicken, hässlichen Kopf“. Aber für die Reklame ist die Geschichte des Froschkönigs ein Glücksfall, weil sie viel Möglichkeit für Witz und Fantasie lässt. Es ist allerdings ein Irrglaube, dass der Frosch vor seiner Verwandlung geküsst wurde. Auch wenn es eine ursprüngliche Version der Geschichte gegeben hat, in der der König seine Tochter dazu zwang, so haben die Grimms diese doch nicht veröffentlicht, erklärt Erziehungswissenschaftler Bruno Bettelheim in „Kinder brauchen Märchen“ (S. 337). Der Moment des An-die-Wand-Werfens (den das Tier normalerweise nicht überlebt hätte) wird jedenfalls in der Regel für Kindertaugliche Illustrationen ausgeblendet und durch einen Froschkuss ersetzt. Für ihren Plüschfrosch warb die Firma „Steiff“ 1991 daher statt dessen mit einem Bild, das ihn ganz romantisch mit einer roten Rose und den Worten „Schöne Lena! Ich wünschte mir, ich wär dein „Prinz“!“ präsentierte, und die KfW-Bank zeigte 2004 eine mit gespitzten Lippen zärtlich über eine Amphibie gebeugte junge Frau.

er Werbefrosch Auch die Stadt Marburg hatte 2012 den Froschkönig zum Maskottchen erkoren. Die Männerfaust-großen, fröhlich lächelnden Gummifiguren gab es zu erwerben und gewinnen. Das Gewinnspiel zielte Links: Pwei Marburger Froschkönige Dben: „Sierra .eZuila“-Reklame mit Anspielung auf die Herwandlung des Froschs 11 O 21


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darauf ab, die Frösche soweit weg von Marburg wie nur möglich zu fotografieren und somit einen Urlaubsgruß in die mittelhessische Heimatstadt zu schicken, was Dben von links nach rechts: Froschkuss-Annonce der KfW-üank von 200J AnUeige der Firma Steiff von 1991 mit romantischem Frosch Werbekarte der schweiUerischen Schokoladenfirma 4ailler mit dem Froschkönig am ürunnen ,nten von links nach rechts: Wein-Etikett vom „Dppenheimer Krötenbrunnen“/ 19CJ Lindt-ülechdose von 201V

zur Folge hatte, dass viele der Werbetiere ins Reisegepäck wanderten oder fortan im Auto ihr Dasein fristeten. Der Marburger Froschkönig bewarb als prominenter Stellvertreter für alle Märchenfiguren damals die Fachwerkstadt als mit den Grimms eng verwobene Kulturstätte. Es ist einerseits die unerwartete Attraktivität einer Amphibie, andererseits die Verwandlung der Figur, die im FroschkönigMärchen als Motiv auftaucht. Interessant ist überdies, dass der Frosch in der Grimm-Geschichte zwar in dem Moment, als ihn die Prinzessin an die Wand wirft, zum liebenswerten „Königssohn“ wird, aber als Frosch keineswegs je eine Krone trägt. Ganz im Gegenteil: Er lehnt die Krone, die ihm die Prinzessin zum Tausch gegen die goldene Kugel anbietet, einfach ab. Dennoch ist der Frosch in Illustrationen, auf Buchcovers oder Schallplattenhüllen quasi im Vorgriff auf die Pointe sehr häufig gekrönt dargestellt. Ur- und End-

zustand des verwandelten Märchentieres werden dabei in einem Bild zusammengefasst. Auch die Aachener Chocolaterie „Lindt & Sprüngli“ nutzt in jüngerer Zeit den Froschkönig als Schokoladen-Blechdose, in der Schokofrösche verkauft werden. „Ich bin keine Kröte, ich bin eine Unke!“, so ruft verzweifelt die Fee Amaryllis in Otfried Preußlers 1962 erschienener Geschichte vom „Räuber Hotzenplotz“, die längst zum Klassiker geworden ist. Hier ist es einmal eine schöne Frau, die vom bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann in die Unkengestalt verwünscht worden ist und dringend erlöst werden will. In jedem Fall scheint gegenüber dem Zustand als Frosch, Kröte, Lurch oder Unke die Menschengestalt offenbar erstrebenswert. So liegt in der Froschform des verzauberten

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REKLAME 10 Als Futter für Störche sind Frösche ein weiteres, durchaus häufiges Bildmotiv, dann allerdings nicht gerade attraktiv für Reklame. Der fliegenfangende Frosch ist dagegen eher selten zu sehen. Auf den Sammelbildchen der Firma Stollwerck aus den 1910er-Jahren wird er in dieser Aktion zur Witzfigur, weil er im Sprung die Kaffeetasse umreißt, an der die Fliegen sich gütlich tun.

er Wetterfrosch Eine ganz andere Rolle ist die des Wetterfrosches, wie er im Hessischen Rundfunk vom Maskottchen „Fridolin“ verkörpert wird. Dieser ist (2021) als Stoffpuppe im Shop des HR auch zu kaufen: in groß (50 Dben: Anspielung auf die Herwandlung des Froschkönigs durch 7üM/ 19n9 Königssohns auch die Hoffnung, dass aus jeder nicht erfreulichen Figur doch einmal ein Prinz werden könnte: Eine Verlockung für alle Teenager! Beim „Oppenheimer Krötenbrunnen“ bedarf es keiner zauberischen Veränderung des Werbemotivs: Für eine Marke wie diesen rheinhessischen Weißwein ist ein einprägsamer Traditionsname ein Glück und die Stadt schmückt ihre Brunnen als touristische Attraktion mit großen steinernen Krötenfiguren, denn der Name des Weines geht auf das alte Wasserversorgungssystem von Oppenheim zurück.

er biologisch korrekte Frosch Ganz ohne Fantasie gibt es aber auch eine weitere Art der Verwandlung, der die Am-

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phibie als Motiv interessant macht: die naturwissenschaftlich gut verfolgbare Entwicklung des Frosches aus dem Laich in etwa zwei Monaten. In wenigen Bildern lässt sich hieran das Wunder des erwachenden Lebens aus einem Haufen glibberiger Eier darstellen. Beim Frosch wächst aus dem Ei die Kaulquappe mit einem Schwimmschwanz heran, den sie zugunsten der wachsenden Beine und Finger schließlich wieder verliert. Es ist ein biologischer Prozess, der Kindern in der Schule beigebracht wird und der damit auch für die allermeisten Reklamezielgruppen wiedererkennbar ist. Der IBMComputerkonzern warb daran anknüpfend 1989 mit der Entwicklung eines Aufziehfrosches in einen Prinzen.

,nten von links nach rechts: Wetterfrosch-AnUeige der jost von 19n1 Alte Reklamemarke von Ravensburger mit Storch bei Futter8agd Hier üilder aus der Stollwerck-Serienbildgruppe 1in


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cm) für 79 Euro, mit 32 cm für 39 Euro. Die dem Frosch seit Jahrhunderten zugeschriebene Eigenschaft, das Wetter prognostizieren zu können, hat sich im Spitznamen für Meteorologen, die eben liebevoll scherzhaft als Wetterfrösche bezeichnet werden, erhalten. Zeitweise versuchten Menschen, Frösche mit einer kleinen Leiter ausgestattet im Glas als Vivarium lebend zu beobachten: Sie nahmen an, die Amphibien würden die Sprossen erklettern, wenn Sonnenschein nahe. Obgleich dies nachgewiesenermaßen Unfug ist, hält sich die Tradition, Frösche und Wetter in Zusammenhang zu bringen, vor allem im Bereich der Karikatur und Scherz-Bilder. Die deutsche Post warb 1981 mit einem Frosch für ihre telefonische Ansage der Wettervorhersage: Der kleine Kerl mit den großen Augen stützt sich entspannt auf die oberste Sprosse einer Leiter inmitten eines Sonnenblumenfeldes. Ob sich die Sonne auf der einen oder das Unwetter auf der andern Seite würde durchsetzen können, wurde den Anrufenden vom ‚Wetterfrosch‘ für 23 Pfennige angesagt.

in der Werbung zu größerer Beachtung. Da gelang der Versuch, aus etwas kleinem Glitschigen etwas Fröhliches zu machen. Besonders erfolgreich ist dabei seit 1937 eine Figurengruppe aus der „Salamander“-Schuh-Reklame, bestehend aus einem Frosch, einer Unke, einem Igel, einer Maus, einem ‚Zwerg‘ und einem Feuersalamander. Dieser schwarz-gelbe Salamander (biologisch genau „Salamandra salamandra“ aus der Ordnung der Schwanzlurche), genannt „Lurchi“, ist der unbestrittene Held der gereimten Geschichten. Diese wurden als Reklameheftchen in den Schuhgeschäften an Kinder verschenkt, noch bevor die Firma „Salamander“ überhaupt Kinderschuhe führte. Die gemischte Freundesgruppe war dann aber auf den ersten Kinderschuhkartons

jrominente Reklame-Amphibien Andere Amphibien als die Frösche gelangten wiederum erst durch ihr Auftreten Dben von links nach rechts: „Lurchi“/ „ opps“ und „,nkerich“ von „Salamander“ „Salamander“-Werbesingle aus den 1930er- ahren „LurchiÖ- eft ärz 10 M7tte rechts: „Salamander“-AnUeige von 1909 Rechts: Schuhkarton von „Salamander“ aus den 19C0er ahren 11 O 21


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abgebildet und wurde heiß geliebt. Das Konzept der Markenbindung der jungen Kundschaft ging auf (auch weil es zur Unterhaltung begleitender Geschwister in den 1970er-Jahren sogar kleine Karrussells in den Geschäften gab), und die seit-

her im Handel befindlichen Figuren der Protagonisten aus Gummi und Plastik in unterschiedlichen Größen sind heute sehr beliebte Sammelobjekte. Die als Zweibeiner gestaltete Maus („Mäusepiep“) und der „Igelmann“ sowie der Zwerg („Piping“) begleiten bei „Salamander“ drei Amphibien, die ebenfalls auf den Hinterbeinen gehen und Schuhe tragen. Während der grasgrüne Frosch „Hopps“ relativ unspektakulär bleibt, hat „Unkerich“ durch seine knallig-gelbe Körperfülle mit roten Pünktchen und eine Kapitänsmütze deutlich mehr Gewicht, während „Lurchi“ sich immer durch seine Intelligenz hervortut: „Lange schallt’s im Walde noch: Salamander lebe hoch!“ – so klingt das typische Ende der Geschichten. „Lurchi“ trägt übri-

gens einen grünen Hut mit rotem Band und Feder und wird in der Bildtradition so als Wanderer, Förster oder Jäger ausgewiesen, als jemand, dessen Schuhwerk jedenfalls in der Natur dem Wetter trotzen können muss. Dben von links nach rechts: „Erdal“-Reklamemarke noch mit grTnem Frosch Herschiedene „Erdal“- osen unterschiedlichen Alters/ 1920er- ahre und 1933 ,nten von links nach rechts: „Erdal“-Sammelbilder mit Froschkönig-6eschichte Erdal- ose in Form einer LitfaqsBule/ 1920er-O V0er- ahre

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Erdal Eine noch ältere Reklamefigur ist aber mindestens ebenso erfolgreich: der ‚Rotfrosch‘ von Erdal, einer seit 1901 im Handel befindlichen Schuhcrememarke (und so bezeichnet, weil die Produktionsstätte in Mainz in der Erthalstraße lag, was vor Ort umgangssprachlich klang wie „Erdal“Straße). Der Frosch war als Markenzeichen der Produkte von Werner & Mertz zunächst grün bzw. in den Anzeigen ohnehin meist schwarz-weiß, bis er ab 1919 als Zeichen des Neuanfangs nach dem Krieg zum ‚Rotfrosch‘ wurde und seither nur behutsam grafischen Entwicklungen und Marketing-Ideen angepasst wurde. Eine monumentale Froschfigur (zunächst aus Beton, seit 1960 aus Kunststoff und von innen beleuchtbar) ziert bis heute weithin sichtbar einen Turm der Fabrikgebäude. 1961 bekam das eigentlich biologisch korrekt dargestellte Reklame-Tier zunächst ein Lächeln, 1971 wurde dann das Logo insgesamt stark vereinfacht. Es findet sich auch beispielsweise auf dem „Tuba“-Teppichschnee und „Tarax“-WCPutzmittel aus der Mainzer Firma. 1986 ergänzten Werner & Mertz ihr Programm durch die „Frosch“-Reiniger, die Ökologie in den Fokus rückten und wiederum einen grünen Frosch zum Markenzeichen haben. Auch Tengelmann nutzte einen Frosch als Repräsentanten der Na-

tur. Auf den in den frühen 1990er-Jahren produzierten Plastiktüten des Händlers küsst der grüne Hüpfer eine Schildkröte, untertitelt von den Worten: „Schützt unsere Umwelt!“. Das Film-Imperium der Warner Brothers dagegen darf mit den von Joanne K. Rowling für die Harry Potter-Romane erfundenen, verzauberten Schokoladenfröschen handeln. Leider springen sie nicht wirklich – wie in den Geschichten beschrieben – weg, dafür sind sie mit „magischen“ Sammelbildern ausgestattet, die berühmte Zauberer und Hexen der Potter-Welt zeigen. Die begehrten, lizensierten Schokoladenfrösche sind inzwischen sogar als Gummitier-Repliken, metallene Ohrstecker, Halskettenanhänger, Schlüsselringfiguren oder Plüschtiere im Handel. Aus der Popkultur stammt ebenfalls ein weiterer berühmter Frosch. Er ist der Liebste der beliebten Schweinedame Miss Piggy und wird daher gerne bemüht, um

gute Stimmung zu verbreiten: Jim Hensons Entertainer Kermit musste beispielsweise als Werbefigur für McDonald’s herhalten. Zum 25-jährigen Jubiläum der „Muppetshow“ erwarb die Burger-Kette eine Lizenz, und des intellektuellen Frosches Konterfei findet sich auf „Happy Meal“-Tüten von 2003.

Sammelob8ekte und jreise Reklameobjekte mit Amphibien gibt es also sehr viele und unterschiedliche. Die kleinsten und ältesten sind dabei Jugendstil-Reklamemarken (unter anderen von „Florian Speise-Eispulver“ oder „Dichtungskitt Fermit“) und „Stollwerck“-Bildchen. Von „Palmin“ gibt es eine alte Sam-

Dben von links nach rechts: „Erdal“ im Scheinwerferlicht 1991 „.ara5“ fTr den Froschkönig-.hron 1991 Herspielter Rotfrosch in der „.uba“-AnUeige von 1992 ,nten: „Erdal“-AnUeige von 19i9 11 O 21


08_14_Froesche.qxp_A Tibet 07.10.21 12:02 Seite 8

REKLAME 1J melbilder-Serie, bei denen ein fliegenfangender Frosch unter die „Wurfgeschosstiere“ eingeordnet ist, und im „Echte Wagner“-Margarine-Album Nr. 4 finden sich ein Laubfrosch (Bild 36), eine Erdkröte (Bild 76) und ein Grasfrosch (Bild 114) jeweils als Farbfoto. Ferrero hatte 2015 unter den „Hanuta“-Stickern eine Serie „Guinness World Records“, da punktete Bild 42 mit „Giftigster Frosch“. Besonders schön gestaltet ist eine sechsteilige „Deutsche Märchen“-Bilder-Serie mit dem „Froschkönig“ von „Erdal Marke Rotfrosch“ und „Kwak Bohnerwachs“ (Serie 66). Interessanterweise ist der Frosch hier zunächst grün und wird dann zum gekrönten Rotfrosch, sobald er das Schloss betritt. Im letzten Bild sitzt ein rot gekleideter junger Mann an seiner Stelle der Prinzessin gegenüber in der Kutsche. Richtig hochpreisig wird es bei den großen alten Stücken der Traditionsmarken, vor allem aus dem Verpackungsdesign oder bei den emaillierten Reklameschildern. Für Figurensammelnde gibt es eine große Auswahl, aber auch die Printwerbung ist ergiebig. Die Rotfrösche von „Erdal“ werden in jeglicher Form gesucht. Sehr beliebt sind die sogenannten Knackfrösche. Bei diesem (auch in anderer Form zu erwerbenden) Blechspielzeug, handelt es sich um ein handliches Metallobjekt, das bei leichtem Druck mit einem lauten „Knack“ auf sich aufmerksam macht und seit seiner Erfindung sicher so manche Erziehungsberechtigte in den Wahnsinn zu treiben drohte, denn der leichte Druck ist beliebig wiederholbar und dem inneren Rhythmus des Kindes anpassbar. „Erdal“-Blechdosen sind sehr unterschiedlich im Erhaltungszustand. Beulen,

Kratzer auf dem Lack und Rost trüben manchen Anblick, aber wer eine Weile sucht, findet auch sehr schöne unbeschädigte Objekte, von der Miniaturdose mit 4 cm Durchmesser (für den Kaufmannsladen) angefangen bis zur 20 cm hohen, litfaßsäulenförmigen Versand-Dose aus der Zeit der Weimarer Republik, die für etwa 50 € gehandelt wird. Bei den klassischen Schuhcremedosen lässt sich sehr schön mit wenigen Stücken der Wandel des Logos darstellen. Ergänzen lassen sich die Dosen durch Verkaufshilfe-Ständer, PappPlakate oder Email-Schilder. Generell ist dabei davon auszugehen: Je detailgetreuer der Frosch gestaltet ist, desto älter ist die „Erdal“-Reklame. Allerdings werden inzwischen durch diverse Händler von sehr vielen Blechschildern Repliken in allen Größen angeboten, wer dabei Wert auf Originale legt, sollte sehr genau das Kleingedruckte lesen. Hübsch sind auch die alten Alphabet-Reklamemarken von Erdal, auf denen Frösche sich jeweils an die Buchstaben schmiegen.

Pum xuietschen Die „Lurchi“-Figuren gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen. Alle sechs Freunde der Geschichten sind zu erwerben, in Gummi zum Quietschen (mit 11 cm Höhe), als Biegefiguren oder aus Hartplastik als Schlüsselanhänger (nur 4,5 cm hoch). Seltener ist der 33 cm hohe „Lurchi“ mit beweglichen Gliedern, also drehbarem Kopf, zu hebenden Armen und der Möglichkeit zu sitzen, er ist ab etwa 35 € zu bekommen. Die Plüschfigur von 1977 ist 48 cm hoch und wird nicht unter 100 € gehandelt. 1999 hat sogar die Firma Steiff einen 33 cm hohen „Lurchi“ mit Knopf im Ohr in limitierter Auflage (6000 Stück) produziert. Weiteres „Salamander“-Werbematerial mit „Lurchi“ und seinen Kum11 O 21

panen ist in Form von Aufklebern, Werbekarten, Tassen, Turnbeuteln, Taschentüchern, natürlich den Comic-Heftchen (die auch als Sammelbände in Buchform zu erwerben sind) und sogar Werbesingles zum Anhören zu bekommen. Die Schallplatten enthalten ebenfalls gereimte Texte.

Literatur Interessant zum Vergleich der Illustrationen sind alle Märchenbücher, die die Froschkönig-Geschichte enthalten, der wissenschaftliche Zugang dazu ist breit gefächert. Der Klassiker ist dabei Bruno Bettelheim: „Kinder brauchen Märchen“, dtv München, 1980. Im Katalog des Deutschen Werbemuseums e.V. „Die tierischen Verführer. Auf Safari durch den Dschungel der Werbung“ (Westermann Verlag, Berlin, herausgegeben von Heinz-Michael Bache und Michael Peters) fanden sich 1992 nur zwei kurze Seiten (142-143) über „Kriechtiere“, und dieses Beispiel ist typisch für die Reklameliteratur: Im Verhältnis zu Kühen, Adlern oder gar Löwen sind eben Frösche, Lurche und andere Amphibien doch eher kleine Lichter am Firmament des Werbehimmels. Umso spannender kann sich die Suche nach ihnen gestalten. Alle Abbildungen aus dem Archiv der Autorin, www.kabinettstueckchen.de

Links: Kermit als WerbetrBger fTr Mc onald s 200V Dben links und rechts: ,mweltschutU-orientierte „Frosch“-Reklame Kaffee-Reklamemarke vor dem Ersten Weltkrieg


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