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Europas Sammlermagazin

09/2019 64419

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Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,50

Bauhaus Sachsen Jahrmarkt


U2_Muenzenrevue

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12:54 Uhr

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www.battenberg-gietl.de


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inhaLT 3

TrÖDLer

ISSN 1863-0340

VerLag

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

n Expertenauskünfte

6

magazin n Ausstellungen – Messen – Märkte

geschÄfTsfÜhrer

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

chefreDakTion

Nicola Fritzsch eMail: nicola.fritzsch@gemiverlag.de

reDakTion

Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

auToren Dieser ausgaBe

Reinhard Bogena, Heidrun Th. Grigoleit, Theresia Peters, Ludger Spielberg

sPieLzeug

reDakTionsassisTenz

Heike Genz

n Jahrmarkt als Gesellschaftsspiel / Teil 2

Termine

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

LiThos, saTz, hersTeLLung

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schaLLPLaTTen

westermann druck Gmbh

n Schwarzes Gold für Sammler

Druck

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Leserforum

Technik

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n Schwarzwalduhren mit Figuren

aukTionen

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n Berichte – Preise – Termine

Bauhaus

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n Bauhaus in Sachsen

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n Die Brücke

funDsTÜcke

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n Flohmarktpreise

Termine unD anzeigen erscheinungsweise

monatlich

TiTeLfoTos

Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen; Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Esther Hoyer

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Milchkanne

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Als Abonnent des Trödlers lese ich immer mit großem Interesse Ihre Beiträge und habe nun eine Frage an Ihre Experten: Diese emaillierte Milchkanne ist schon sehr alt. Sie gehörte ursprünglich meinen Großeltern, die aus der ehemaligen Slowakei, Deutsch-Litta stammten. Können Sie feststellen, woher diese Kanne genau stammt. Am Boden befindet sich folgende Marke: HSMALTC, das H und das C sind größer als die übrigen Buchstaben, darunter steht „Rone“ und wiederum darunter die Ziffer 2. Siglinde Klinke, Seelze

!

Ihre Angaben zur Provenienz passen sehr gut zur tatsächlichen Herkunft des Stückes. Hergestellt wurde die emaillierte, mit schabloniertem Spritzdekor dekorierte Milchkanne in Hronec. Der Stempel liest sich „Smalt Hronec“. Das Museum der Re-

1943. Emailliertes Geschirr war immer ein Massenartikel und vergleichsweise günstig. Die momentan etwas höhere Nachfrage wirkt sich kaum auf die Preise aus, da sehr viel angeboten wird. Aktuell hat die Kanne einen Wert von 20 bis 40 Euro. Der sentimentale Wert dürfte für Sie um einiges höher sein. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

■ Venedig

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Auf diesem kleinen Aquarell, das Motiv selbst misst nur 6 x 5 cm, ist klar erkennbar Venedig mit Markusplatz, Palazzo Ducale und Campanile dargestellt. Signiert ist es mit „Silver“ oder so ähnlich und

gion Horehronie in Brezno (Slowakei) hat vor ein paar Jahren in einer umfangreichen Ausstellung die Emaille-Fabrikation in dieser Region wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Produktion begann im Jahr 1885, private und staatliche Besitzer wechselten sich ab, 1910 hatte die Fabrik schon über 500 Angestellte. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns geriet die Fabrik wieder unter staatliche Kontrolle. Eingestellt wurde die Fabrikation im Jahr 09 / 19

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen


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LESERFORUM 5 auf der Rückseite ist ein Zettel aufgeklebt, dessen Text leider nur schwer zu entziffern ist. Können Sie etwas über den Maler und die Entstehungszeit des kleinen Bildes herausfinden? Eine ungefähre Wertangabe wäre natürlich auch interessant. M. Aigner, o.O.

!

Das eingesendete Gemälde zeigt in der Tat die Ansicht der wohl am häufigsten auf Gemälden verewigten Stadt dieses Erdenrunds, Venedig. Das Motiv zeigt den Blick vom Canal Grande auf den Markusplatz, den Palazzo Ducale zur rechten und

den hochaufragenden Campanile di San Marco, wie sie ganz richtig erkannt haben. Das Bild ist eine Malerei in etwas unklarer Technik. Es könnte in Öl oder Pastell auf einer Platte oder einen Karton gefertigt sein. Die Signatur „Silver“ führt leider nicht zu einem bekannten oder gelisteten Künstler. Dieses Kunstwerk ist in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als ein Souvenir für einen der zahlreichen Besucher Venedigs, entstanden. Auf der Rückseite ist der Rahmen mit einer Seite eines Buches des 18. oder 19. Jahrhunderts verklebt. Dies ist ein üblicher Handgriff, um einen potentiellen Käufer ein höheres Alter vorzutäuschen, der besonders bei Miniaturen immer wieder zu finden ist. In einer Auktion ist ein solches Kunstwerk leider nur mit 40 Euro anzusetzen. Georg Ottomeyer, Experte Berlin

■ Gedeck

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Ich bin in Besitz eines Gedecks von Rosenthal mit dem Namen „Winifred“. Wie kann man das zeitlich einordnen? Ist der Form- und Dekorentwurf bekannt? Was wäre es wert? K. Pelzl, o.O.

!

Das schöne Gedeck in Ihrem Besitz wurde von dem Architekten und Innenarchitekten Friedrich Fleischmann (1887-1943) um 1932 entworfen und von 1933 an unter dem Namen „Winifred“ vermarktet. Der Name bezieht sich auf Winifred Wagner, Schwiegertochter des Komponisten Richard Wagner, Prinzipalin der Bayreuther Festspiele und gute Freundin Hitlers. Die Formgestaltung der Tasse entspricht ganz dem Zeitgeist. Die schlichte Tassenform mit ausgestelltem Stand und Rand ist kaum zu verbessern. Ähnliche Entwürfe wurden zeitgleich auch von Trude Petri für KPM oder Hermann Gretsch für Arzberg geschaffen. Der Blumendekor, den es in vielen Varianten gab, ist sicher ein Zugeständnis an den Massengeschmack der Zeit, dekorativ und unpolitisch. Der Kotau vor den neuen Machthabern, welcher sich durch die „Widmung“ an Winifred Wagner ausdrückt, konnte die Inhaberfamilie nicht vor Verfolgung schützen, sie emigrierten 1934 nach England. Hergestellt wurde die Tasse wohl im Jahre 1936. Als interessantes Zeitdokument hat das Gedeck heute einen Wert von 15 bis 20 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

■ Radierung

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Ich habe hier eine Radierung, deren Signatur mir rätselhaft ist. Eventuell könnte man sie als „PR 38“ lesen. Dargestellt ist wohl eine Kate an der Ostsee, 14,5 x 17 cm misst das Motiv. Wissen Sie, um welchen Künstler es sich handelt? Heinrich Siebers, o.O.

!

Die eingesendete Grafik ist eine Aquatinta-Radierung auf Papier. Der Druck zeigt zur Linken eine knorrige und von der Zeit an sich gezeichnete Eiche und dahinter eine ebenso verschroben gewachsene reetgedeckte Kate. Die Bauweise des kleinen Häuschens und die Landschaft lässt die Szene nach Norddeutschland in Küstennähe verorten. Das Motiv ist in Bleistift mit „Heidekate“ betitelt, monogrammiert „FR“ und datiert 1938. Darüber hat der Künstler den Vermerk „Orig.-Radierung“ als Qualitätsmerkmal hinzugefügt. Das Motiv ist als ein Ausläufer des Wirkens der Künstlerkolonie Worpswede und im politischen Sinne als eine „typisch“ deutsche Charakterlandschaft zu verstehen und lässt sich exemplarisch in die Kunst der 1930er-Jahre einordnen. Der Künstler lässt sich bedauerlicherweise nicht über das Monogramm, den Titel oder das Motiv identifizieren. In einer Auktion sollte dieses Blatt mit 60 Euro Schätzpreis angesetzt werden. Georg Ottomeyer, Experte Berlin 09 / 19


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MAGAZIN 6

AUSSTELLUNGEN n Reiche Ernte Passend zur Remstal Gartenschau (bis 22.09.) greift das Gmünder Museum in den Obstkorb: „Feine Früchtchen“ titelt die Ausstellung, die sich bis 13. Oktober der Darstellung von Obst in Buchillustrationen des 19. und 20. Jahrhunderts im Dialog mit moderner Kunst widmet. Hinter den rund

Karl Hofer (1878-1955), Birnenstillleben, um 1944 / 45, Öl auf Leinwand, 31 × 36,5 cm, Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg; Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Reinette jaune, altkolorierter Kupferstich: Unterhaltungen aus der Naturgeschichte des Pflanzenreichs Teil 4, Augsburg 1812; Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd © Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Katharina Fritsch, Apple, 2009-10, Schnellgießharz, Farbe, handbearbeitet, Edition Parkett 4/48, Ø 14 cm, Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg; Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 09 / 19

30 Exponaten stehen Leihgaben der Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg, der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart und des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd. Diese Arbeiten ergänzen Werke aus dem Sammlungsbestand des Museums. Durch die naturgetreue Illustration von Früchten entstanden an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst über Jahrhunderte prachtvoll gestaltete botanische Werke, die unseren Blick auf die Natur erweiterten. „Die Baumzucht im Großen“ von Johann Caspar Schiller aus dem Jahr 1795 etwa gilt bis heute als wichtiges Standardwerk des Obstbaus, das nicht zuletzt durch die gestochenen farbigen Aquarelle seiner Tochter Christophine fasziniert. Ein ebensolches Zeitdokument und Werk von Gültigkeit ist die 1858 von Eduard Lucas herausgegebene „Sammlung vorzüglicher Apfel- und Birnsorten“, deren Illustrationen durch ihre Ästhetik und Genauigkeit beeindrucken. Die Ausstellung zeigt diese bibliophilen Schätze als Leihgaben der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Die enge Wechselwirkung von Kunst und Wissenschaft dokumentieren ferner acht Bände aus der Werkreihe „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte“, die seit 1792 vom Augsburger Verleger Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811) veröffentlicht und mit üppigen Illustrationen namhafter Augsburger Kupferstecher versehen wurden; sie werden als Leihgaben aus dem Bestand des Gmünder Stadtarchivs präsentiert. Ein veränderter Blick auf die Natur sowie

reizvolle Bezüge und Kontraste eröffnen sich im Dialog der Buchillustrationen mit Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst aus der Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg. Die Sammlung des Unternehmers, Wissenschaftlers und Stifters Wild ist weltweit einzigartig. In über 40 Jahre aufgebaut, beschäftigt sie sich ausnahmslos mit dem variantenreichen Abbild der Frucht in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Annähernd 300 Gemälde und Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken sowie plastische Arbeiten und Videoinstallationen zählen zu der Sammlung, die damit in konzentrierter Form auch über ein Jahrhundert Kunstgeschichte umschließt. Der Bogen der in der Ausstellung versammelten Arbeiten spannt sich von spätimpressionistischen, kubistischen, expressionistischen und sachlichen Strömungen der Klassischen Moderne – darunter Obst- und Fruchtstillleben von Juan Gris (1887-1927), Paul Signac (1863-1935), Alexej von Jawlensky (18641941) und Karl Hofer (1878-1955) – bis zu zeitgenössischen Positionen, vertreten durch Werke von Katharina Fritsch (*1956) und Karin Kneffel (*1957). Die Auseinandersetzung zeigt ein bis heute ungebrochenes Interesse bildender Künstlerinnen und Künstler am gar nicht so stillen Metier des Stilllebens. Während die sinnlichen Oberflächen der Kirschen in Karin Kneffels realistischer Malerei das Auge verführen und zum Genießen einladen, changiert Katharina Fritschs hellblauer Apfel aus Gießharz in seiner extrem gesteigerten Künstlichkeit irritierend zwischen Vertrau-


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MAGAZIN 7

Kinofilm „Pappa ante Portas“, Erscheinungsjahr: 1991, Land: Deutschland, Regisseur: Loriot alias BernhardViktor Christoph-Carl von Bülow; Porzellanikon Selb Quelle: © Rialto Film GmbH, 1991

der Londoner Porzellandesignerin Ali Miller wurde nach ihrem Auftritt in der Sherlock-Holmes-Serie sogar zum Verkaufsschlager. In Kultfilmen wie „Die Legende von Paul und Paula“ (1970/71) mit Winfried Glatzeder oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) mit Daniel Brühl sind ebenfalls Sequenzen zu sehen, in denen Keramik- und Porzellan-Objekte ganz bestimmte handlungsrelevante Aussagen oder Stimmungen transportieren. Anhand ausgewählter Szenen aus dem Kinofilm „Grüner wird’s nicht“ mit Elmar Wepper (2018) und einer eigens dafür konzipierten Ausstellungsstation erhalten die Besucherinnen und Besucher schließlich spannende Einblicke hinter die Kulissen: Die Filmrequisiteurin erklärt passend zu den jeweiligen Filmausschnitten, warum sie welche Keramik-Requisiten für bestimmte Szenen ausgewählt hat. In Werbefilm und -fotografie werden Keramik-Requisiten häufig genutzt, um ein Produkt in Szene zu setzen und ein passen-

tem und Fremdem, Realität und Fiktion. Aus den Sammlungen des Gmünder Museums stammen Werke weiterer Künstler, darunter nicht zuletzt drei Arbeiten von Daniel Bräg (*1964) aus dem Zyklus „Herbarium Rosales“; dabei handelt es sich um zwischen zwei Glasplatten samt Wurzelwerk, dünnem Stamm, Zweigen und Blättern gepresste Obstbäume, die das Vanitas-Motiv neuzeitlich aufgreifen. Telefon: 07171/6034130 Webseite: www.museum-galerie-fabrik.de

n Stumme Diener Wer kennt sie nicht, die noch heute legendären Werbefilme von Dr. Oetker mit Frau Renate aus den 1950er-Jahren oder die klassischen Kellogg’s-Werbespots, die uns durch die 1980er-Jahre begleiteten? Und wer erinnert sich nicht gerne zurück an die Kultserien mit Pastewka, Stromberg und an die Kinofilme von Loriot bis James Bond. Sie alle haben eines gemeinsam: Die „Stillen Stars”. Es gibt kaum eine Filmund Werbeproduktion, die ohne sie auskommt: Teller, Tassen und Figuren, Waschbecken oder Fliesen – als bewusst platziertes Element in Kinofilmen, Werbespots oder auf Zeitschriftentiteln transportieren sie Botschaften, illustrieren einen bestimmten Zeitgeist oder erzeugen ein besonderes Lifestyle-Gefühl. Mit der Sonderausstellung „Stille Stars: Keramik in Film und Werbung“ rückt das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan bis 26. Januar 2020 diese stummen Darsteller erstmals ins große Rampenlicht und beleuchtet ihren Einsatz und ihre Wirkung in den jeweiligen Medien. Gezeigt werden Filmszenen, Werbeclips und Werbefotos aus verschiedenen Ländern in Europa, darunter Deutschland, England, Spanien, Schweden, Finnland – von den 1930erJahren bis zum aktuellen Kinofilm heute. Aufwändige Inszenierungen und Medien-

Deutsche Serie „Pastewka“, Erscheinungsjahr: 2007, Land: Deutschland, Regisseur: Joseph Orr; Porzellanikon Selb Quelle: © Brainpool stationen laden ein, in die bunte Welt der Kinofilme, Werbespots und HochglanzMagazine einzutauchen. Auf insgesamt 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche erleben die Besucherinnen und Besucher, in welche vielfältigen medialen Zusammenhänge keramische Produkte eingebunden sind und welche visuellen, oftmals versteckten Botschaften und Codes durch sie vermittelt werden. Zu den prominenten deutschen Filmen zählen etwa der LoriotKlassiker „Pappa ante Portas“ mit dem markanten Indisch Blau-Service, das die kleinbürgerliche Welt des Protagonisten Heinrich Lohse illustriert, aber auch die Kultserien „Pastewka“ und „Stromberg“. So begleitete die legendäre „Capitol“Werbetasse mit der prägnanten Aufschrift „Sorgenfrei“ den Hauptdarsteller Bernd Stromberg von Folge zu Folge durch seinen nicht immer so unbeschwerten Büroalltag. Die „Home Sweet Home“-Teetasse

des Lebensgefühl zu transportieren. So etwa im klassischen Persil-Werbespot von 1953 oder bei der erfolgreichen „Zipfelrausch“-Kampagne von Media Markt, bei der neben animierten Gartenzwergen wild tanzende Porzellanfiguren ihren großen Auftritt haben. Auch Kellogg’s setzt in seinem Werbeclip für Frühstücksflocken auf unterschiedliche Keramik-Müslischalen, um den unkomplizierten, gesunden Genuss des Produkts zu bewerben. Besonders häufig zieren Keramik-Objekte die Titelseiten von Lifestyle-Magazinen. Die Fülle und Vielfalt unterschiedlichster Titel mit Keramiken illustriert ein acht Meter langer „Zeitschriftentunnel“, der die Besucherinnen und Besucher durch die faszinierende, schillernde Geschichte der Werbefotografie führt. Telefon: 09287/918000 Webseite: www.porzellanikon.org

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MAGAZIN 8

n Elegant erledigt

n Pflegeleicht

Er gilt als berühmtester Spion der Welt: James Bond, Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät und ausgestattet mit der „Lizenz zum Töten“. Sein neuestes Leinwand-Abenteuer steht bevor, die Dreharbeiten zu „Bond 25“ (so der bisherige Arbeitstitel) laufen bereits – Anlass für das Museum Hameln, dem Ausnahme-Phänomen James Bond eine Sonderausstellung zu widmen (bis 10. Mai 2020). Über 50 Jahre Kinogeschichte mit sechs verschiedenen Hauptdarstellern ließen die Abenteuer des britischen Geheimagenten zu einer der erfolgreichsten Filmserien überhaupt werden. Mit einem außergewöhnlichen Gespür für Trends und Zeitgeist gelang den Produzenten dabei das Kunststück, ihren Titelhelden immer wieder neu zu erfinden und gleichzeitig der Marke James Bond treu zu bleiben. „Dass es nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch vielschichtiges Thema ist, zeigt nicht zuletzt die immense Anzahl an Veröffentlichungen über James Bond aus unterschiedlichen Fachrichtungen“, sagt Museumsleiter Stefan Daberkow.

Vor über 30 Jahren begann die Sammelleidenschaft von Joachim Grambeck. Bis zur Gegenwart entstand eine kontinuierlich gewachsene Sammlung mit über 250 Tierplastiken aus der Zeit von 1910 bis 1930. Faszinierende Tiermodelle herausragender Bildhauer zeigen die neuen künstlerischen Herausforderungen der großen deutschen Porzellanmanufakturen Meissen, Nymphenburg, Berlin und der 1909 von Max Adolf Pfeiffer in Thüringen gegründeten Kunstabteilung Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst. Diese umfangreiche Sammlung Grambeck mit einer außerordentlichen Qualität und bemerkenswerten Vielfalt an Tierplastiken repräsentiert Porzellandesign auf dem Weg in die Moderne. Zur Ausstellung in Schloss Heidecksburg ist ein Begleitband, hrsg. vom Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, mit einem Text von Anna Grosskopf zum Preis von 19,50 Euro erschienen. (Bis 29. September) Telefon: 03672/429013 Webseite: www.heidecksburg.de

Hugo Meisel, Großer Papagei mit Kirschen, Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst, 1920; Porzellangalerie Schloss Heidecksburg Film. Fans der Filmserie kennen ihn als Autor mehrerer Standardwerke über James Bond und einen der führenden Bond-Experten im deutschsprachigen Raum. Für die Hamelner Ausstellung stellte er einige der schönsten Objekte seiner einzigartigen James-Bond-Sammlung zur Verfügung, darunter zahlreiche originale Requisiten, Drehbücher, Storyboards und Kostüme. Telefon: 05151/2021215 Webseite: museum-hameln.de

n Lebendig in der Funkionalität Funktional, langlebig und optimiert für die industrielle Massenproduktion – die Ausstellung „Alltag formen!” stellt Objekte der Alltagskultur der DDR – Möbel, Gefäße, Technik, Grafikdesign – sowie ihre Gestalterinnen und Gestalter vor, die in der Tradition und für die Weiterentwicklung der Gestaltungsprinzipien des Bauhauses und der modernen Formgestaltung stehen. So beleuchtet die Ausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR u. a. die Möbelgestaltung der bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts für innovative Produkte stehenden Deutschen Werkstätten Hellerau anhand von Arbeiten der Formgestalter Franz Ehrlich, Selman Selm-

James Bond, Marine-Jacket; Museum Hameln Thematischer Fokus der Hamelner Ausstellung ist „Die Macht der Verführung“, denn die Welt des James Bond ist schillernd und glamourös. Sie entführt uns an nie gesehene Orte voller Luxus und Eleganz, überwältigt mit Technik zwischen Innovation und Gigantomanie und versprüht Sinnlichkeit und Erotik. Der unwiderstehliche Superheld, die „Bond-Girls” und die von Macht und Gier getriebenen Schurken – sie alle erliegen den Mechanismen der Verführung, ebenso wie der Zuschauer, dem die aufwändig produzierten Filme ein Leinwald-Erlebnis der Extraklasse versprechen. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Dr. Siegfried Tesche, Hochschuldozent und Journalist mit dem Schwerpunkt 09 / 19

Portionsschalen in Meladur, Entwurf: Albert Krause, 1959; Hersteller: VEB Preßwerk Auma; Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt Fotograf: Armin Herrmann für Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR


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MAGAZIN 9 anagić und Rudolf Horn. In den Blick genommen werden zudem Einflüsse moderner und funktionaler Entwürfe wie die Wilhelm Wagenfelds auf Gefäßgestaltungen von Friedrich Bundtzen, Erich Müller, Margarete Jahny, Ilse Decho und Christa Petroff-Bohne. Es wird sichtbar, wie die Gestaltungsprinzipien Funktionalität, Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit von Formgestaltern wie etwa Albert Krause auf neue Materialien wie Plaste übertragen wurden. Darüber hinaus zeigt sich in Designansätzen wie dem „offenen Prinzip“, das Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph etwa am Beispiel des Mokick Simson S50 demonstrierten, eine im Sinne der Flexibilität und Nutzerorientierung weiterentwickelte „lebendige Funktionalität“. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 präsentiert das Dokumentationszentrum eine Sonderausstellung zur Bauhaus-Rezeption in der DDR: „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ (bis 5. Januar). Telefon: 03364/417355 Webseite: www.alltagskultur-ddr.de

n Schnittiges Styling Die 60er-Jahre waren wild: ob bei der Kleidung, den Frisuren oder der Musik. Die Welt war in Aufruhr und die Jugend rebellierte. Auch der Automarkt sollte einen Wandel erleben, denn in Europa waren die klassischen Automobile out und die Jugend sehnte sich nach Sportwagen, wie es sie in den USA gab. Da beim Autohersteller Ford die Verkaufszahlen einbrachen und man den Trend erkannte, wurde die europäische Antwort auf den Ford Mustang entwickelt und der Ford Capri erblickte 1969 das Licht der Welt. Das Coupé sollte nicht nur der Sportwagen des „kleinen“ Mannes, sondern auch der angesagte und bezahlbare Familienwagen dieser Zeit werden. Für viele weckt der Capri noch heute Erinnerungen an die eigene Kindheit oder Jugend: Urlaub mit der Familie, das erste eigene Auto, oder Mitfiebern bei Motorsportmeisterschaften. Auch nach 50 Jahren hat der Wagen nichts an seiner Faszination verloren und Fans aus ganz Europa feiern den runden Geburtstag des Capris. Das Technik Museum Speyer feiert mit der neuen Sonderausstellung gleich zwei Jubiläen – 50 Jahre Ford Capri & 25 Jahre European Capri Post Meeting Speyer. Bis zum 20. Dezember wird ein Querschnitt aus drei Generationen Ford Capri, sowie Stücke aus der 25-jährigen Geschichte des Capri Treffens gezeigt. Die Ausstellung umfasst zehn Fahrzeuge, darunter auch das Sondermodell „Ford Capri-Sun“ Baujahr 1969, welches zum 50. Jubiläum des Getränkeherstellers gestaltet wurde. Der Wagen ist nur noch bis zum 30. August in Speyer ausgestellt und passend zum Anlass gibt es für Besucher auch die Capri Sonne Retro Edition zur Erfrischung. Vor 50 Jahren musste fürs Familienglück kein Minivan her, es genügte auch ein kleines Sportcoupé. Vier Sitze, ein geräumi-

50 Jahre Ford Capri & 25 Jahre European Capri Post Meeting Speyer. Sonderausstellung des Kultfahrzeugs bis 20. Dezember im Technik Museum Speyer ger Gepäckraum sowie ein bezahlbarer Preis ergaben zusammen mit dem sportlichen Design das Traumauto vieler Familienväter, mit dem man auch ohne weiteres in Urlaub fahren konnte. Fast 20 Jahre ließ die Capri-Baureihe Fords Kassen in Europa klingeln. Der Wagen erfreute sich, nicht zuletzt wegen dem Preis, großer Beliebtheit. Schon im ersten Jahr steigerte der Capri den Marktanteil von Ford Deutschland auf gut 16 Prozent und 1970 war bereits fast jeder zweite Ford aus Köln ein Capri. In drei Generationen verließen über 1,8 Millionen Fahrzeuge das Band. Auch wenn die Basisvariante mit 50 PS nicht schneller als die veralteten Limousinen war – die Fahrer fühlten sich damit einfach schneller und dynamischer. Für Fans von schnellen Autos gab es zum Glück später

auch Modelle mit mehr PS. Kein Wunder also, das der Ford Capri auch im Motorsport ein Zuhause fand. In den 70er- und 80er-Jahren fuhren unter anderem Motorsportlegenden wie Niki Lauda, Dieter Glemser, Hans-Joachim Stuck, Jochen Maas, Harald Ertl, Klaus Ludwig und Hans Heyer damit. Anfang der 80er-Jahre änderte sich der Trend jedoch wieder und die neuen Kompaktwagen, wie VW Golf GTI, waren das heiß begehrte Ziel. Im Dezember 1986 rollte der letzte Ford Capri vom Band. Einen Nachfolger gab es zwar nie, aber die Fans von damals gibt es noch heute und dank ihnen wird die Begeisterung noch lange weiterbestehen. Telefon: 06232/670868 Webseite: technik-museum.de

Mokick Simson S50, Entwurf ab 1967: Karl Clauss Dietel, Lutz Rudolph, Herstellung ab 1974: VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl; Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt Fotograf: Armin Herrmann für Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR 09 / 19


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MAGAZIN 10 ren für angebotene Waren gefordert. Strikt verboten sind hingegen Antik2000, Neuware und sonstige Repliken.

BÜCHER n Ins Glas geschaut Landeshauptstadt Potsdam, Der Bürgermeister/Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte (Hg.): Gläserne Welten – Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte, 182 Seiten, Broschur, zahlreiche Abbildungen in Farbe, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2017, Preis: 24,95 Euro. Der Stein der Weisen wartet zwar noch immer beharrlich darauf, entdeckt zu werden, aber immerhin bescherte die jahrhundertelange Suche danach der Menschheit etliche schöne und nützliche Kollateralprodukte, wie man heute weiß. So landete beispielsweise der Alchemist und Glasmacher Joachim Kunckel (um 1635-1703), nachdem er den sächsischen Hof in Sachen Goldherstellung unverrichteter Dinge verlassen hatte müssen, bei seinem neuen Auftraggeber den großen Coup. Gold wurde zwar auch am Hof des preußischen Kurfürsten keines produziert, aber Kunckel sollte schließlich die Glasproduktion entscheidend vorantreiben, ganz im Sinne des Landesherrn. Tatsächlich erlebte die Potsdamer Glashütte zu seinen Zeiten ihre Blüte. Insbesondere was die Entwicklung farbigen Glases anbelangte, mit Goldrubin und Kobaltblau im speziellen, setzte Kunckel Meilensteine. Entscheidenden Anteil an diesem großen Erfolg hatten aber ebenso die dort tätigen Glasschneider, allen voran der Schlesier Gottfried Spiller sowie der vergleichsweise unbekannte Martin Winter. Mithilfe ihrer überragenden Kunstfertigkeiten veredelten sie Pokale, Krüge, Kelche und Gläser und schufen damit beredte Zeugnisse der Vergangenheit. Viele dieser Luxusartikel tragen auf ihren Wandungen Wappen und Herrscherbildnisse, von den Regenten anlässlich großer Feierlichkeiten als Erinnerungs- und Repräsentationsstücke in Auftrag gegeben, Jagd- und Militärmotive schmücken andere Exemplare oder es zieren sie filigrane Ornamente. Der Kata-

n Richtigstellung In dem in der August-Ausgabe des Trödlers abgedruckten Text von Heidrun Th. Grigoleit (Neue Formenwelt, S. 20 ff.) gab es fast ausschließlich Textübernahmen eines fremden Textes, die nicht als Zitat kenntlich gemacht worden sind. Sie stammen von Frau Dr. Mayako Forchert und ihrem Textbeitrag „Der Sammler Dieter Högermann“ aus dem Katalog „Die neue Formenwelt – Design des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Högermann“ (S. 13-24, hrsg. von der Stiftung Leuchtenburg, März 2019). 09 / 19

Telefon: 0176 64323220 Webseite: www.schoene-maerkte.de

n Spielzeug am Schloss Am Sonntag, dem 8. September findet von 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr die 39. SEAS, die Süddeutsche Europatauschbörse für altes Spielzeug im Bürgerzentrum in Bruchsal, am alten Schloss 22 statt. Blechspielzeug, Modelleisenbahnen und -autos sowie Puppen und vieles mehr werden wieder zahllose Sammler erfreuen. Die SEAS ist einer der größten Spielzeugmärkte für antikes Spielzeug in Europa.

logteil in dieser Publikation beeindruckt mit zahlreichen Beispielen aus all diesen Kategorien und mehr, nicht zuletzt dank der Qualität der Abbildungen. Die Geschichte der Potsdamer Glashütte erschließt sich aus informativen Beiträgen, die dem Bildteil vorangestellt sind. ISBN 978-3-7319-0572-1

BÖRSEN/MESSEN/MÄRKTE n Antikes in zentraler Lage Organisiert von der Fa. Schöne Märkte, veranstaltet Citymarketing Fulda am Sonntag, dem 8. September zum zweiten Mal einen großer Antiquitätenmarkt in der Innenstadt von Fulda. Die Qualität des Angebots entspricht dem des europaweit bekannten Marktes in Regensburg. So bieten Händler aus vielen deutschen Bundesländern sowie dem benachbarten Österreich an diesem Tag in schönster Zentrumslage der Barockstadt Fulda eine für Hessen sicher einmalige Auswahl an Antiquitäten, edlem Trödel und ausgefallener Sammlerware an. Die Marktflächen befinden sich in zentraler Lage auf dem Universitätsplatz, in der Bahnhofstraße sowie am Borgiasplatz. Zwischen 9 und 17 Uhr kann man auf etwa 400 laufenden Metern Bäuerliches und Sakrales aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert erwerben. Alte Puppenstuben, Spielzeug, Glas, Porzellan und rare antiquarische Bücher finden sich ebenso wie Küchenantiquitäten, Möbel und restaurierte französische Kronleuchter. Vom Barock bis zu Biedermeier und Jugendstil werden neben bezahlbaren kleinen Dingen auch hochpreisige Waren für den anspruchsvollen Sammler angeboten. Design aus den 70er-Jahren oder die gute alte Vinylplatte kommen ebenso zum Zuge. Ansonsten wird ein Alter von wenigstens 50 Jah-

Telefon: 0711/5590044 E-Mail: Info@theuers.de Webseite: www.theuers-spielzeugmaerkte.de

n Rares in Ludwigsburg Die Ludwigsburger Antikmeile ist ein Paradies für Sammler und Liebhaber schöner Dinge. Über 170 Anbieter aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland präsentieren am Wochenende des 28. und 29. September – jeweils von 11 bis 18 Uhr – ein hochwertiges Angebot auf dem Marktplatz: antike Möbelstücke, Spielzeug, Bücher, Glas, Gemälde, Uhren und vieles mehr. Technikbegeisterte werden an Ständen mit historischen Fotoapparaten, Telefonen, Schreib-, Rechen- und Nähmaschinen sicher fündig. Wer sein Zuhause mit etwas Edlem verschönern möchte, findet auf der Antikmeile zum Beispiel JugendstilLeuchter und Biedermeier-Rahmen. Zu erstehen gibt es außerdem englische Kleinantiquitäten, böhmische Glaswaren oder französische Keramik. Wer es rustikaler mag, kauft bäuerliche Antiquitäten und hochwertiges Leinen. Alte Reklame-

Antikmeile Ludwigsburg (Ausschnitt) Foto: Tourismus & Events Ludwigsburg


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MAGAZIN 11 Über 50 Aussteller aus sechs Ländern bieten bei der Parfümbörse oftmals Flakons an, die hierzulande nicht oder nur sehr schwer erhältlich sind. Telefon: 0171 6349999 Webseite: www.parfumboerse.de

n Moderner Wohnkult

Flakons in Gold; Flakonsammlerbörse in Holtzheim bei Straßburg Foto: Dagmar Schulze tafeln, antike Lampen oder Schiffsantiquitäten verleihen Wohnzimmer oder Küche das gewisse Etwas. Historische Eisenbahnen, Steifftiere und Puppenstubenzubehör erfreuen nicht nur die kleinen Besucherinnen und Besucher. Für die vielen Fans der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ gibt es bei der diesjährigen Antikmeile ein besonderes Highlight: Der Kunst- und Antiquitätenhändler Albert Maier, der in der Sendung als Experte auftritt und für den die Ludwigsburger Antikmeile zu den „drei schönsten Märkten Deutschlands“ zählt, ist als Verkäufer vor Ort. Die Aufgabe, die Albert Maier bei „Bares für Rares“ wahrnimmt, wird auf der Ludwigsburger Antikmeile von zwei anderen Experten ausgefüllt: An einem Stand bei der Zentral-Apotheke begutachten sie auf der Antikmeile erworbene sowie mitgebrachte Antiquitäten. So lässt sich schnell herausfinden, woher das Stück kommt, wie alt es ist und wie viel es wert ist.

den zur dieser Parfumbörse erwartet. Nachdem in den letzten Jahren hochrangige Aussteller, wie das Lalique-Museum aus Wingen-sur-Moder und zwei Buchautoren und Designer für Pafumflakons an der Börse teilgenommen haben, wird dieses Jahr wieder insbesondere ein Experte für Guerlain-Flakons erwartet, der seltene Exponate der Firma Guerlain ausstellt und auch Flakons von Besuchern begutachtet. Bis zu 300 neue Düfte jährlich buhlen um die Nasen der Kundschaft, der Flakon steht im Dienst der Verkaufsförderung.

Die alte Empfangshalle und die AirportLounge vom alten Kölner Flughafen Butzweilerhof auf dem Gelände von Motorworld Köln / Rheinland wird am 21. und 22. September zum Treffpunkt für Sammler, die Raritäten und Kuriositäten lieben. Auf über 600 Quadratmetern bieten Händler aus ganz Deutschland und den Nachbarländern ihre Schätze an. Offeriert werden nur Originale aus der Zeit wie Reklameschilder, Plakate, Leuchtreklamen und andere Gebrauchsgrafik, außerdem Kleinmöbel und Lampen im Industriedesign, aus der Zeit des Art déco und aus den 50er- bis 70er-Jahren, des Weiteren Kuriositäten aus alten Apotheken, Arztpraxen, Fahrschulen, Tankstellen, Turnhallen, Schulen und aus dem Tante-Emma-Laden. Das vielfältige Angebot runden alte Spiel- und Warenautomaten, Jukeboxen, alte Technik und altes Spielzeug ab. Im Rahmen von „Moderner Wohnkult" bei Motorworld Rheinland findet am Samstag, dem 21. September eine Reklame-Auktion mit dem Schwerpunkt „Automobilia und Technik" statt. Über 100 ausgesuchte Objekte kommen ab 18 Uhr unter den Hammer. Die Vorbesichtigung beginnt um 16 Uhr. Telefon: 0162 9102947 Webseite: www.moderner-wohnkult.de

Telefon: 07141/9102252 Webseite: www.ludwigsburg.de/antikmeile

n Dufte Aussichten für den Herbst Am Sonntag, dem 29. September kommen Liebhaber duftender Essenzen wieder auf ihre Kosten. Von 9.30 bis 16 Uhr öffnet der „Salle de la bruche“ in Holtzheim bei Straßburg (in unmittelbarer Nähe des Flughafens Entzheim) seine Tore. Seit 1999 ist diese Veranstaltung der größte Parfumflakon-Treff in Europa und erfreut sich großer Beliebtheit. Sammler aus ganz Europa, Duftliebhaber und solche, die es werden wollen, reisen seit nunmehr 20 Jahren zu diesem „duften“ Höhepunkt in die elsässische Metropole. Viele Besucher und namhafte Aussteller aus der ganzen Welt wer-

Moderner Wohnkult auf dem alten Kölner Flughafen Butzweilerhof auf dem Gelände von Motorworld Köln/Rheinland 09 / 19


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Schwarzwalduhren mit Figuren heidrun th. grigOleit

mechanische automaten brachten im 19. Jahrhundert groß und Klein zum Staunen – ob auf Volksfesten, auf Jahrmärkten oder im Kuriositätenkabinett. in der Sonderausstellung „tick tack trick“ im deutschen uhrenmuseum Furtwangen haben die kleinen Figuren der Schwarzwälder automatenuhren noch bis zum 3. november einen großen auftritt.

Figurenuhren Früher waren Automatenuhren als Spielereien den Herrscher- und Adelshäusern vorbehalten. Allmählich aber fanden sich die Figurenautomaten dann auch auf Drehorgeln oder in Musikuhren, um das gemeine Volk zu ergötzen. Die meisten Figurenuhren stammten aus dem Schwarzwald. Hier gab es jedoch viel Konkurrenz. Um sich abzuheben, wandten sich erfinderische Uhrenmacher dem Automatenbau zu. In diesen Uhren bewegt eine meist simple Mechanik verschiedene Figuren im Pendeltakt oder führt beim Stundenschlag eine kleine Geschichte auf. Als Sujets waren vor allem volkstümliche Figuren beliebt: Tanzbären, Akrobaten, Messerschleifer oder Trinker. Manchmal kamen aber auch ganz drastische

Szenen auf die Bildfläche – etwa ein Scharfrichter, der seines blutigen Amtes waltet.

Verschiedene Szenarien In sieben „Aufzügen“ können die Besucher bei der Ausstellung in Furtwangen nun lebendige Geschichten vom Jahrmarkt, aus dem Wirtshaus oder aus der Uhrmacher-Gasse erleben. Die Vorführung beginnt mit einem Prolog bei der Kirche: Zum Auftritt kommen die zwölf Apostel sowie Mönche und Glockenschläger in sogenannten „Schwarzwälder Männleuhren“. Bereits im 18. Jahrhundert wurden im Schwarzwald neben den einfachen Wanduhren auch solche „Kunstuhren“ und „Spieluhren“ hergestellt, manchmal sogar schon mit beweglichen Figuren. Pater Franz Steyrer nannte bereits 1796 auf einer Liste verschiedene beliebte Motive: Er beschreibt Uhren, auf denen ein Kapuziner-Bruder alle Stunde läutet, worauf eine Schildwache marschiert und bei der Drehung zu jeder Stunde läutet oder auf denen ein Metzger alle Stunde auf einen Ochsen einschlägt. Da gibt es aber Flanierende damen und herren auf ihrem laufteller, der durch den rhythmus des Pendels bewegt wird. detail einer lackschilduhr, Schwarzwald um 1860 „uhren, auf welchen ein Kapuziner Bruder alle Stunde läutet." so beschreibt Pater Steyrer aus St. Peter 1796, damals typische Figurenuhren. Selten erhaltene musikuhr mit glasglockenspiel, Johann wehrle, neukirch, ende 18. Jahrhundert


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auch Uhren, auf denen zwei Böcke aufeinanderprallen, auf denen Bären tanzen oder ein Scherenschleifer seine Scheren schärft.

lackschilduhren In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren bunte Lackschilduhren der Exportschlager des Schwarzwalds. Auch diese wurden manchmal mit beweglichen Figuren ausgestattet. Dabei orientierte man sich meist an althergebrachten Szenen. Ab 1850 wurden die Lackschilduhren dann zunehmend von den neuartigen Regulatoren und Rahmenuhren verdrängt. Und so meldet ein Text von 1873: „Diese einst so beliebten Figurenuhren waren […] ganz aus der Mode gekommen.“

trompetenuhren 1854 erschien ein Versepos von Joseph Victor von Scheffel: „Der Trompeter von Säckingen“. Angeregt davon soll der Furtwanger Maler Johann Baptist Kirner vorgeschlagen haben, nun auch Uhren mit Trompetenklang zu bauen – so heißt es zumindest in einer Legende. Der Furtwanger Uhrmacher Jacob Bäuerle stellte 1858 dann eine erste Uhr vor, bei der die vollen Stunden nicht mit Glocke oder Kuckuck, sondern mit einem Trompetersignal angezeigt wurden. Auf der Gewerbeausstel-

lung in Villingen wurde er dafür mit einer Silbermedaille ausgezeichnet, obwohl der Klang seiner Uhr im Vergleich zum hohen Preis nicht gerade überzeugte. Die Erzeugung von Trompetenklang mittels Automat war jedoch schwierig. Noch 1873 brachte „die Herstellung [der Trompeteruhren] so viele Schwierigkeiten mit sich, daß sich bis jetzt nur 2 Geschäfte damit befassen. Es sind dies: J. Bäuerle und Em. Wehrle und Comp., beide in Furtwangen“ heißt es in einem alten Dokument. Und auch die Militärbegeisterung im wilhelminischen Kaiserreich brachte der Trompeteruhr keinen Erfolg. Die Herstellung war einfach zu kniffelig und so blieb sie ein Nischenprodukt.

Oben von links nach rechts: zur vollen Stunde bewegen sich die musikanten mit der Flötenmelodie. die Stadtansicht zeigt Furtwangen kurz vor 1840. Flötenuhr mit Figuren, Schwarzwald um 1840 im takt des Pendels bewegt dieser mann seine augen, jede Stunde „schnappt“ er. lackschilduhr mit augenwender und Schnapper, Schwarzwald um 1850 durch das Pendel in gang gesetzt, reitet der „Schneider“ auf einem „ziegenbock“ hin und her. lackschilduhr mit automat. werk sign. J. Bäuerle, Furtwangen, um 1860 rechts: drei Figuren schlagen viertel, halbe und volle Stunden auf den glocken, für die Stadt zu ihren Füßen. lackschilduhr von martin wehrle, wohl St. märgen um 1810 09 / 19


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techniK 16 Drehorgel wurde dies dramatisch dargestellt, indem sich die Figur des französischen Kaisers aus einem Sarg erhebt. Derartige Figuren-Drehorgeln entstanden in Zusammenarbeit zwischen Instrumentenbauern und Schnitzern. So bezog zum Beispiel die Waldkircher Orgelbaufamilie Bruder ihre Figürchen vom Holzschnitzer Fidel Heer aus Vöhrenbach, der auch Figuren für Uhren fertigte.

Schaufensteruhren

drehorgeln mit Figuren

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Schwarzwald vermehrt Tischuhren hergestellt. Waren die Wanduhren durch Gewichte in Gang gehalten worden, so wirkten in den Tischuhren nun Federn als An-

triebskraft. Wie den Lackschilduhren fügte man auch den Tischuhren mancherlei Figuren hinzu, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Die Bewegungen der Figuren war, anstatt nur eine Beigabe zur Uhr zu sein, nun die eigentliche Hauptattraktion. Diese Automatenuhren waren vor allem interessante Schaustücke, als dass sie tatsächlich als Uhren dienten, und wurden als „SchaufensterUhren“ bezeichnet. Die ersten dieser Automatenuhren wurden 1858 in Villingen präsentiert. Neben den traditionellen Szenen wie der „Scherenschleifer-Automat mit Uhr“ gab es bald auch ganz neue Motive, etwa ein „Affe, welcher sich rasirt“, eine „TheeGesellschaft“ oder „Ringkämpfer“. Die bis heute wohl bekannteste Schaufenster-Uhr dürfte jedoch der

Figuren von Schwarzkünstlern, Scharfrichtern, Artisten, fahrendem Volk und Napoleon schmücken auch die Drehorgeln im 18. und 19. Jahrhundert. Zum Einsatz kamen diese Musikorgeln auf Volksfesten, Messen und Jahrmärkten, um die Besucher anzulocken und zu erfreuen. Manche dienten auch als Fenster in die weite Welt. Denn die umherziehenden Bänkelsänger brachten Neuigkeiten aus nah und fern, oft als Moritaten und als Lieder mit vielen Strophen. Besonders geeignet zur musikalischen Untermalung waren Drehorgeln, mit denen man die Melodie beliebig oft wiederholen konnte. Einige der Instrumente besaßen auch eine kleine Bühne mit Figuren, die sich zur Musik bewegen konnten. Meist sah man hier Charaktere aus dem Volkstheater – etwa den Wein trinkenden König oder salutierende Soldaten. Manchmal gab es aber auch Anspielungen auf zeitgeschichtliche Ereignisse: So gab es nach Napoleons Tod allerlei Gerüchte über seine erneute Wiederkehr. Auf einer „Knöpflefreßer“ sein, um dessen Entstehungsgeschichte sich zahlreiche Legenden ranken. Schaufenster-Uhren wurden noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts produziert. Dann wurde der Wechsel der Moden zu schnell, als dass sich die teuren Uhren noch als Dekoration gerechnet hätten. zwei turner. Bewegliche Figuren sind auch thema der diesjährigen Sommerwerkstatt: noch bis 3. September können Kinder jeden dienstag solche fröhlichen akrobaten selbst bauen und trainieren immer wieder tauchen neue gegenstände unter den hütchen auf. der „hütchenspieler“ fasziniert bis heute mit seinen tricks. Stutzuhr mit hütchenspieler, Schwarzwald um 1870 „Scherenschleifer“ einer typischen Schaufensteruhr. mit dem Fuß bedient er den Schleifstein und schärft in regelmäßigen abständen die Klinge. werk signiert i. B., Schwarzwald um 1890 09 / 19


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techniK 17 allgemeinen Stilentwicklung: von Papierüber Lackschild bis hin zu den Kastenund Rahmenuhren. Von außen unterschieden sich die Kuckucksuhren lediglich durch das Türchen von anderen Schwarzwälder Uhren. Aufgrund ihrer Zusatzfunktion waren sie deutlich teurer als die einfachen Modelle mit Stundenschlag. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieben Uhren mit dem typischen Kuckucksruf vorerst Nischenprodukte. Erst in den 1850er-Jahren zog der Kuckuck um in das bis heute bekannte „Bahnhäusle“. Dank der so einfachen wie stimmigen Gehäuseform mit dem Türchen unter dem Dachgiebel entwickelte sich die Kuckucksuhr dann innerhalb weniger Jahre zum beliebten Kassenschlager. Schon im Bericht über die Wiener Weltausstellung 1873 war zu lesen, „daß heute die Kuckucksuhr eine der gesuchtesten Schwarzwälder Uhren ist“. Und auch heute noch ist der Kuckuck in seinem Uhrenhäuschen ein weltweit beliebter und bekannter Botschafter des Schwarzwalds, der in alle Herren Länder exportiert wird und dort mit seinem typischen „Kuckuck“-Ruf verkündet, was die Stunde geschlagen hat.

rahmenuhren In den 1840er-Jahren geriet die Schwarzwälder Uhrmacherei in eine Krise. „Die Hauptursache“, so urteilte Regierungsdirektor Kern 1844, „liegt ganz unzweifelhaft in dem eigensinnigen Festhalten am Althergebrachten, indem die Schwarzwälder Uhrmacher von den seitherigen Fortschritten der Kunst gar keine Notiz nehmen und ihren Wanduhren noch die nemliche geschmacklose Form und Gestalt geben, wie vor einem halben Jahrhundert“. Doch langsam entstanden neue Uhren-Typen, zum Beispiel die „Rahmenuhren“. Statt des bunt bemalten, aber ungeschützten Holzschilds besitzen sie einen Bilderrahmen mit einem Glas. Darunter befindet sich neben dem Ziffernblatt ein geprägtes Messingschild oder ein Gemälde auf Blech. Manchmal wurde das Glas auch von hinten bemalt oder bedruckt. Ganz besonders eindrücklich waren die sogenannten „Augendreher“. Bei einer menschlichen Figur oder einer Tierfigur wurden dafür die Stellen der Augen im Blech ausgeschnitten und sodann dahinter kleine Kugeln angebracht, die sich eine der ältesten erhaltenen Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald. gebaut von Johannes wildi, eisenbach um 1780 aufwändig geschnitzte Kuckucksuhr, mit adler und Vogelnest, Schwarzwald, um 1900 „Knöpflefresser“ oder „ Kartoffel-esser“ auf einer Schaufenster-uhr. unaufhörlich isst er, doch die Schüssel leert sich nie. werk signiert i. B., Schwarzwald um 1890

durch eine Verbindung mit dem Pendel hin und her bewegen.

amerikaneruhren Im Schwarzwald kam es ab den 1870erJahren zu einem massiven Strukturwandel. Während die herkömmlichen Unternehmen zunehmende Absatzprobleme hatten, stellten neue, schnell wachsende Uhrenfabriken sogenannte „Amerikaneruhren“ her. Produziert wurde in Serie mit Hilfe von speziellen Maschinen. Die einzelnen Teile der Uhr waren somit austauschbar. Dies betraf nicht nur die Uhrwerke selbst. Dank standardisierten Gehäusen konnten auch unterschiedliche Zifferblätter verbaut werden. Insbesondere die „Babywecker“ wurden zum weltweiten Exportschlager. Mittels einer verlängerten Achse konnte man auf einfache Art eine wippende oder eine drehende Bewegung auf dem Zifferblatt erzeugen. Die Szenen-Motive spiegeln auch den wilhelminischen Zeitgeist mit seinem Militarismus und dem Drang zur kolonialen Macht wider: Angeboten wurden etwa Wecker, auf denen Karten spielende Soldaten zu sehen sind, und es gab auch das kolonialistische Modell „Neger“ wahlweise auch als „Negerin“. Auch Motive vom Land waren beliebt – etwa Jäger, Mäher, ein Schneider auf dem Geißbock oder eine Kuckuck-Schar.

informationen TICK TACK TRICK, Schwarzwalduhren mit Figuren, Sonderausstellung noch bis 3. November 2019 im Deutschen Uhrenmuseum Furtwangen. www.deutsches-uhrenmuseum.de. Virtuelle Ausstellung unter: www.ausstellungen.deutsche-digitalebibliothek.de/figurenuhren. Fotos: © Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

Kuckucksuhren Schon Mitte des 18. Jahrhunderts bauten einige Werkstätten dann Kuckucksuhren aus Holz. Ihre Gehäuse folgten dabei der 09 / 19


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BAuHAuS 78

BAuHAuS in SAcHSEn THERESiA PETERS

Anlässlich des 100. Jubiläumsjahres des Bauhauses präsentiert das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig erstmals einen Überblick über die Verbindungen und das Wirken der Bauhäuslerinnen und Bauhäusler in Sachsen. Zum Schwerpunktthema „100 Jahre Bauhaus“ wird neben den Fenstern vom Bauhausmeister Josef Albers im Haupttreppenhaus des Museums die Sonderausstellung mit Thema „Bauhaus Sachsen“ gezeigt.

Sächsische Bauhäusler Damit spürt das Grassi Museum noch bis zum 29. September den zahlreichen Sachsen-Kontakten der legendären Avantgardeschmiede nach. Auch zur Messestadt Leipzig und speziell zum Grassi Museum unterhielt das Bauhaus frühzeitig und kontinuierlich zahlreiche fruchtbare Kontakte. Auf diese sowie auf die Werke sächsischer Bauhäuslerinnen und Bauhäusler, aber auch auf prägende Meister wie Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Paul

Klee oder Josef Albers und ihre Verbindungen in die Region richtet sich ein Fokus der Ausstellung.

Bauhaus Das vor 100 Jahren von Walter Gropius gegründete Bauhaus gilt heute weltweit als eine der bedeutendsten Ideenschmieden und Ausbildungsstätten des 20. Jahrhunderts. Sein Einfluss auf Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur ist kaum zu

überschätzen – trotz der nur vierzehnjährigen Zeit seines Bestehens – und zwar weit über Weimar, Dessau und Berlin hinaus, wo das Bauhaus zwischen 1919 und 1933 ansässig war.

Sachsen Sachsen spielte für das Bauhaus auch eine prägende Rolle: Überraschend groß ist etwa die Anzahl der von hier stammenden und tätigen Bauhäusler. Eine ganze Reihe prominenter Bauhaus-Künstlerinnen und -Künstler wurden nämlich in Sachsen geboren oder wirkten hier – etwa Marianne Brandt, Lothar Schreyer, Hajo Rose oder Franz Ehrlich. Daher thematisiert die Schau vor allem die zahlreichen Verbindungen und das Wirken der in Sachsen gebürtigen und tätigen Bauhäusler. Auch die Industrie, das Verlagswesen, Museen und Sammler, intellektuelle Köpfe und Arbeitervereinigungen des Landes zeigten sich in vielerlei Hinsicht als potente Partner für die Kunstschule und ihre Absolventinnen und Absolventen: Die Galerien und Museen in Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Zwickau stellten häufig Gemälde, Zeichnungen und Grafiken der Bauhausmeister aus. Die sächsische Industrie war ein bedeutender Partner, denn die leistungsstarke Textil-, Leuchtenbau- und Möbelindustrie Sachsens fertigte Bauhausentwürfe in Serie und die Generalvertretung der Bauhausprodukte agierte von Dresden aus. Die unterschiedlichsten Karl Raichle (Entwurf) Deckeldose Ausführung: Meersburger Zinnschmiede, nach 1933, Zinn, handgeschmiedet, martelliert, Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer Lyonel Feininger Gelmeroda Weimar, 1918, Holzschnitt auf rosafarbenem Seidenpapier, Leihgabe Sammlung Freese

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BAuHAuS 79 Bauhaus-Erzeugnisse boten. Auf diesen Messen wurden viele Kontakte geknüpft und Weichen für die aus der Ausbildungsstätte hervorgegangenen Künstlerinnen und Künstler gestellt. Zudem erwarb das Museum schon früh selbst zahlreiche Bauhausobjekte für seine hauseigenen

Bauhaustypografien sowie deren Bildästhetik fanden zudem Eingang in sächsische Verlagsprodukte und Werbemittel, etwa in der prominenten Lifestyle-Zeitschrift „die neue linie“. Prägnante Spuren hinterließ das Bauhaus auch in der modernen Architektur Sachsens. Und 1932 gab es sogar – wenn auch nur kurze und gescheiterte – Verhandlungen über einen Umzug des Bauhauses von Dessau nach Leipzig.

Leipzig

Denn in den Hallen der Leipziger Mustermessen fanden die innovativen Bauhäusler für ihre neuen Gestaltungsideen ein Podium, das sich als höchst bedeutsamer Multiplikator für die Bauhaus-Produkte erwies. Bereits von 1919 an unterhielt auch das Leipziger Kunstgewerbemuseum/ Grassi Museum eine enge Verbindung zum Bauhaus. So nimmt das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig selbst eine herausragende Rolle für die Bauhausbewegung in Sachsen ein – mit den von Josef Albers entwickelten Fenstern und den hauseigenen Grassimessen, die ein wichtiges Forum zur Ausstellung der

Besonders die Messestadt Leipzig erwies sich für das Bauhaus als enorm wichtig: im uhrzeigersinn von links oben: Marianne Brandt, Selbstporträt anlässlich des Metallischen Festes, Februar 1929, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019 Anni Albers, Entwurf für einen Wandbehang, Dessau, 1926, Farbsiebdruck, Leihgabe Slg. Freese Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019 Franz Ehrlich, Flächenüberlagerung, 1930, Öl auf Leinwand, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Mokkaservice „Hallesche Form“, 1930, Ausführung: Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin, Porzellan, transparent glänzend glasiert; gestuppter grauer Fond, Schenkung aus der Sammlung inge und Wilfried Funke, 2018 Foto: Esther Hoyer Wilhelm Wagenfeld (Zuschreibung), Kaffeekanne mit Sahnegießer, 1922/1923, Messing, neusilber und Ebenholz, Leihgabe aus Privatbesitz Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019 09 / 19


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Sammlungen. Im Jahr 1927 erhielt das Museum mit den achtzehn großen Treppenhausfenstern von Josef Albers dann ein prägendes Attribut seiner Räumlichkeiten.

Themenbereiche Die Leipziger Ausstellung ist gegliedert in verschiedene Themenbereiche: Beim „Frühen Bauhaus“ sind Arbeiten mit Bezug zu den hauseigenen Grassimessen hervorzuheben. Neben dem bekannten Bauhaus-Schachspiel von Josef Hartwig aus dem Jahr 1924 wird auch eine silberne Teekanne von Christian Dell von 1922 gezeigt. Bei der „Bühne am Bauhaus“ stehen Fotografien, Figurinen und Marionetten

des in Sachsen gebürtigen Kurt Schmidt im Mittelpunkt. Im Bereich „Josef und Anni Albers“ werden unter anderem grafische Arbeiten, Probesegmente der Albers-Fenster des Grassi Museums sowie Arbeiten von Anni Albers gezeigt. Entwurfszeichnungen von Marianne Brandt, Gebrauchsgrafik von Hajo Rose, Grafiken, Malereien und Materialstudien von Franz Ehrlich werden unter „Sächsische Bauhäusler“ vorgestellt. Die Arbeiten von Jan Tschichold, Irmgard Sörensen-Popitz und weiteren Künstlern stehen im Fokus von „Grafikdesign und Typographie“. Im Bereich „Bauhaus für die Industrie“ werden Kandem-Leuchten aus Leipzig, wichtige Arbeiten aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Stahlrohrmöbel, Möbel von Peter Keler für die Waldheimer Firma Albert Walde oder Möbel von den Deutschen Werkstätten Hellerau präsentiert.

Gestern und heute Die andauernde Inspiration des Bauhauses geht zweifellos bis heute weiter. Im Dialog zu den historischen BauhausWerken stehen bei der Ausstellung daher Arbeiten von sieben zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Damit will die Ausstellung das Spektrum erweitern und die Gegenwartskunst mit Projekten einbeziehen, die das Bauhaus rezipieren und so die Brücke vom Gestern ins Heute schlagen: Die Designerin Katharina Jebsen schuf dafür mehrere Neuwebungen von Bauhaus-Gebrauchsstoffen, die einst in sächsischen Firmen in Produktion gingen. Felix Bielmeier führt fotografisch durch das von Oskar Schlemmer geprägte Haus Rabe. Die angekündigte, aber nie erschienene zweite Bauhaus-Grafikmappe legt als Überraschungsüberlieferung Felix Martin Furtwängler vor. Oskar Rink schreibt Bildräume der Bauhäusler fort. Joachim Brohm verfolgt die architektonische Umsetzung einer Skizze von Mies van der Rohe. Lutz Könnecke setzt sich mit Oben von links nach rechts: Lászlo Moholy-nagy, Komposition, Blatt 6 aus der Mappe „Meister am Bauhaus“, 1923, Farblithographie, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer Heinz Loew, Lyrische Abstraktion, 1925, Gouache, Papier, Leihgabe aus Privatbesitz nRW, courtesy Galerie David, Bielefeld Foto: Esther Hoyer Wassily Kandinsky, Lithographie no. i Dessau, 1925, Leihgabe Sammlung Freese unten: Hajo Rose, Foliencollage auf Karton, Leipzig, 1970er-Jahre, Grassi Museum für Angewandte Kunst, Schenkung isolde Rose Foto: Esther Hoyer

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der frühen Bauhauskeramik auseinander. Und Alexej Metschanows Möbelassemblagen werfen Fragen nach berühmten Sitzikonen auf.

Ausstellungskatalog Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen im Verlag Arnoldsche erschienen. Auf fast 600 Seiten dokumentiert die zweisprachige Publikation auf Deutsch und Englisch, mit welcher Kraft und Präsenz das Bauhaus in der kurzen Zeit zwischen 1919 und 1933 die Geschehnisse auf den unterschiedlichsten Ebenen prägte und wie seine Einflüsse fortwirken. Der detaillierte und ausführliche Katalog, der die Ausstellung begleitet und erweitert, beinhaltet Textbeiträge vieler ausgewiesener Expertinnen und Experten. Renommierte private wie öffentliche Sammlungen und Archive stellten das umfangreiche Bildmaterial zur Verfügung. Abgesehen von drei thematisch übergreifend angelegten Texten sind die Beiträge des Werkes nach Orten sortiert.

Damit kristallisieren sich die Haupt- und Nebenschauplätze der Bauhausaktivitäten in Sachsen gut heraus. Kurzbiografien der Akteurinnen und Akteure runden die Publikation ab. Das Buch macht deutlich, in welch großem Ausmaß das Bauhaus Sachsen die Gestaltung, Kunst und Architektur seiner Zeit prägte und wie die Ideen der international renommierten Lehr- und Experimentierstätte bis heute nachwirken.

„Grand Tour der Moderne” Schon früh erwarb das Grassi Museum Bauhaus-Objekte für seine Sammlungen und ist damit heute das einzige Museum in Sachsen, das in einer ständigen Ausstellung das Bauhaus komplex darstellt. Ein vielfältiges Angebot von Führungen, Workshops, Gesprächen, Lectures, Präsentationen und Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit der Cinemathéque Leipzig ergänzen Ausstellung und Katalog. Das Grassi Museum ist übrigens auch

einer der ausgewählten Orte der „Bauhaus 100: Grand Tour der Moderne“. Darauf ist auch die Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke, besonders stolz und betont: „Die Leipziger Grassimessen waren ab 1919 ein entscheidender Ort, um Bauhausprodukte bekannt zu machen. Es ist wunderbar, dass Leipzig als wichtiger Ort im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus sichtbar wird.“

informationen Sonderausstellung noch bis 29. September im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, www.grassimuseum.de. Gleichnamige Publikation: Bauhaus Sachsen, 50 Autoren stellen in 85 Essays 22 Orte in Sachsen vor. Arnoldsche ART PUBLISHERS, Stuttgart 2019, 390 Abbildungen, 592 Seiten, deutsch/englisch, Preis 48 €, ISBN 978-3-89790-553-5. Fotos: wie angegeben

Oben von links nach rechts: Lothar Schreyer, Tanzmaske „Mutter Erde“ aus dem Bühnenspiel „Mann“, Weimar, 1921, Farblithographie, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer Felix M. Furtwängler, Revolte, 2019 Foto: Karola Bauer Erich Mende, Bühnenbildfigur für eine Leipziger Theateraufführung, 1930, nachgestaltung von Thomas Moecker, 2019 Foto: Thomas Moecker Rechts: Prospekt der Firma Walde in Waldheim mit Stuhlentwürfen von Peter Keler (Rückseite), Papier, bedruckt, Leihgabe Jan Keler, Rostock 09 / 19


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FILM 82

DIe Brücke reInHArD BogenA

1959 / 2019 – genau sechzig Jahre ist es her, als ein Film erschien, der nicht nur nachkriegsgeborene bewegte und innerlich aufwühlte. Die meisten unter ihnen wurden hier erstmalig bildhaft und eindringlich mit dem grauen des nur wenige Jahre zurückliegenden Weltkriegs konfrontiert, der Vergangenheit ihrer eltern und großeltern.

ein Kinofilm, 1959 vorgestellt und bald auch für Bildungseinrichtungen über die Kreisbildstellen auf 16-mm-Material verfügbar, konnte eine Ahnung vermitteln. Der zunächst banal klingende Titel lautet:

Zeitgeschichte 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Für alle, die danach das Licht der Welt erblickten, waren die Folgen jener Zeit durchaus gegenwärtig. Ruinen und Trümmergrundstücke dienten als Abenteuerspielplatz, Kriegsversehrte mit fehlenden Gliedmaßen gehörten zum persönlichen Umfeld ebenso wie die Erzählungen der Erwachsenen von Menschen, die im Krieg gefallen waren. Und dennoch wusste man als Jugendlicher kaum etwas über jene dunklen Jahre, die die Eltern erlebt hatten und die eigene Zukunft mehr oder weniger stark beeinflussen würden. Mit dem Älterwerden drängten sich Fragen auf: Wie war das damals? Wie konnte es dazu kommen? Von wem erfuhr man die Wahrheit? Was ist die Wahrheit und wie sieht sie aus? Lange wurde das selbst im Geschichtsunterricht der Schulen totgeschwiegen. Erst

„Die Brücke". Im Unterricht setzten die Lehrer ihn in den oberen Klassen meist am Ende eines Schuljahres ein – ob sie mit der Wahl dieses Termins den Fragen der Schüler aus dem Weg gehen wollten? Immerhin hatten sie die Zeit selbst erlebt, waren beteiligt gewesen in irgendeiner Form. Für die Schüler selbst hatte das Abspielen eines Films stets unterhaltenden Charakter, und je nach Disziplin in der Klasse verhielten sich einige dabei nicht selten wie Von oben nach unten: Filmprogramm der DFH Die Brücke – ein beeindruckender Antikriegsroman Illustrationen mit Bildern aus dem Film 09 / 19


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FILM 83 gen Jugendlichen im Alter von etwa 16 Jahren. Und er dokumentiert die jüngste Vergangenheit – ohne jede Effekthascherei.

Manfred gregor Die Handlung dieses Antikriegsfilms stammt aus der Feder von Gregor Dorfmeister (Pseudonym Manfred Gregor) und ist weitestgehend autobiografisch, denn der 1929 im württembergischen Tailfingen geborene Autor hat die Geschichte selbst (im oberbayerischen Bad Tölz) erlitten: „Dem Vaterland zu dienen, hatten wir geschworen". Um diese Vergangenheit für sich aufzuarbeiten, schrieb er das Buch, das gleichzeitig als Mahnung für die Nach-

welt dient. Es geht um eine Gruppe Jugendlicher, die kurz vor Kriegsende noch einberufen wird, um eine im Grunde genommen unwichtige Brücke zu verteidigen. Die Jungen nehmen ihre Aufgabe äußerst ernst und erleben dabei das ganze Grauen des Krieges, welches am Schluss nur einer der Freunde überlebt. Dorfmeister bringt dem Leser die beteiligten Personen der Geschichte nahe, indem er zurückblickend ihren individuellen Werdegang in die Handlung integriert, auch unter dem Einfluss des Nationalsozialismus. Somit versucht er, ihr Verhalten zu erklären, „der Nachwelt verständlich zu machen ... (und) kommende Generationen vor erneutem Missbrauch ihrer Ideale zu warnen" (Manfred Gregor). Rückschauen wie diese sind besonders in der Jugendarbeit geeignet, persönliche Lehren zu ziehen.

im Kino, legten die Beine hoch, amüsierten sich, machten Blödsinn, sobald die Fenster verdunkelt waren. Doch in diesem Fall änderte sich ihr Verhalten schon nach wenigen Minuten, Gespräche verstummten, denn jeder spürte, dass sich etwas Ungeheures ereignen wird. Außerdem handelt der „nur" in schwarz-weiß gedrehte Filmstreifen nicht von irgendwelchen imaginären Personen, sondern von gleichaltriIllustrierte Filmbühne – Programmheft gregors Buch erschien in zahlreichen Ausgaben und Auflagen Der Film von Bernhard Wicki wurde auch in der ehemaligen DDr gezeigt – hier das Programmheft dazu Was liest man in diesen gesichtern? 09 / 19


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FILM 84 nötigte man einst, heute reicht eine DVD, um sich den Streifen anzusehen. Möchte man beispielsweise anlässlich einer Ausstellung daran erinnern, kann das mit zeitgeschichtlichen Devotionalien geschehen, darunter eines der früher an der Kinokasse erhältlichen Filmprogramme oder mit dem Buch, das als Vorlage diente und für wenige Euro antiquarisch erhältlich ist. Gregor Dorfmeister alias Manfred Gregor, der die Vorlage für den Film schuf, wurde 1981 für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet; er starb am 4. Februar 2018 in Bad Tölz, also dem Ort, wo sich der Original-Schauplatz befindet. Das Buch wurde mehrfach aufgelegt und ist auch heute noch absolut lesenswert, auch, oder erst recht, wenn man

Bernhard Wicki Der Film „Die Brücke" wurde im oberpfälzischen Cham gedreht und mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht, kein Wunder, denn Regisseur Bernhard Wicki (1919-2000) vollbrachte mit diesem Drama ebenso eine Meisterleistung wie seine Schauspieler, darunter die damals noch jugendlichen Darsteller Fritz Wepper, Volker Lechtenbrink, Vicco von Bülow (später mit dem Künstlernamen Loriot), Michael Hinz (1939-2008) sowie Cordula Trantow und der ebenso unvergessene Günther Pfitzmann, der 2003 im Alter von 79 Jahren verstarb. Deren schauspielerische Glanzleistung kommt insbesondere in ihrem jeweiligen Gesichtsausdruck zur Geltung, die den Betrachter verstummen lassen (Anm.: Wie das erreicht wurde, erfährt der interessierte Leser in dem Buch „Bernhard Wicki, Regisseur und Schauspieler" von Robert Fischer).

Die Filmhandlung schockiert und macht nachdenklich, auch in Bezug auf das persönliche Umfeld: Nicht irgendwer hatte den Krieg durchlitten, sondern die eigene Familie, Eltern und Großeltern! Was bedeutet es, Angehörige oder Hab und Gut zu verlieren, die Heimat verlassen zu müssen, in Kriegsgefangenschaft zu geraten? – all das konnte man sich nicht vorstellen. Schlimmer noch bewegte der Gedanke, welche Rolle die Eltern in diesem Wahnsinn gespielt hatten. Waren sie Opfer oder gar Beteiligte? Trugen sie in irgendeiner Form Verantwortung? Die Wahrheit war meist schwer herauszufinden, vielleicht wollte man sie gar nicht wirklich wissen.

Auszeichnung Zwei große Filmrollen und einen entsprechenden Projektor für 16-mm-Film be-

die filmische Fassung kennt. Zu Gregors weiteren Romanen, die ein Stück erlebte Zeitgeschichte der frühen Nachkriegsjahre dokumentieren, gehören die nicht weniger ergreifenden Bücher „Das Urteil", bzw. „Stadt ohne Mitleid" (1960 / Titel der Verfilmung) sowie „Die Straße" (1961). Beide Romane zeigen tiefe Einblicke in die moralischen Vorstellungen jener Zeit und die damals herrschenden sozialen Verhältnisse. Fotos: Reinhard Bogena

regisseur Bernhard Wicki in jungen Jahren Bernhard Wickis Biographie Volker Lechtenbrink in späteren Jahren – nur einer der Schauspieler; hier eine Autogrammkarte Auch das Jugendmagazin BrAVo berichtete über den Film – Heft 38 von 1959 09 / 19


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.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER DEUTSCHE BUNDESLIGA SINGLES

€ 25-35 Charly & Kurt mit Orchester Karl Heinz Stadler/Die Fidelios „1. F.C. N. Club-Lied/Zabo Marsch 7 Inch”, erschienen 1974 auf Abanori Schallplatten, Nr. „AB 2021”. Auf der B-Seite wird der legendäre Nürnberger „Zabo”-Sportpark besungen, der 1913 entstand und als „die Heimat der Cluberern” gilt

€ 50-60 Karl Gross/Conny Jackel „Darum Alle Vor/Ballfieber 7 Inch”, veröffentlicht auf O.N.S. 1968, Nr. „157”. Die Single war den Kickers-Mannen zum Aufstieg in die Bundesliga in Verehrung gewidmet. Die Offenbacher gewannen 1970 als erster Zweitligist den DFB Pokal gegen den damals übermächtigen 1. FC Köln (2:1)

€ 15-25 G. Kunoth/Die Borussia Elf „Wir Halten Zusammen/So Ein Tag 7 Inch“, 1966 auf CBS, Nr. „2322“. Die Urhymne (Melodie Kunoths „Kaisermarsch” 1893) stammt von 1934 „Ball Heil Hurra, Borussia” anlässlich des 25-jährigen Bestehens

€ 10-25 Garry Lee „Glory, Glory, Halleluja/Ja Das Ist Der WSV”, 1970 Pilot, Nr. „451069”. Mit Trainer Horst Buhtz & Torjäger Günter „Meister” Pröpper spielte Wuppertal von 1972 bis 1975 1. Bundesliga € 10-20 Gerd Fitz, Orchester Alois Ernst Jäger „Das 1860 Lied/Feuert Los! 7 Inch“ (1963 veröffentlicht, hier mit Zusatz „Deutscher Fußballmeister 1966), 1966 auf Tempo, Nr. 897”. Orchesterleiter Jäger („König des Münchener Karnevals”) war auch am „FC Bayern”-Lied beteiligt

€ 5-10 De Höhner „FC Leed (Unser Hätz Schlät För Dr FC-Kölle/Echte Fründe 7 Inch”, erschienen 1986 auf Odeon, Nr. „1C 0061471737”. De Höhner gründeten sich 1972 als „Ne Höhnerhoff” und landeten im Lauf der Geschichte zahlreiche Karnevalhits wie „Viva Colonia”, „Ich Bin Ne Räuber” etc. „Dr erste Club am Ring” und das gefühlte „Real Madrid des Westens” (Präsident Franz Kremer „Wo wir sind ist oben”) sackte ab Mitte der 1990er-Jahre in die Mittelmäßigkeit ab und pendelt aktuell zwischen der 1. und 2. Bundesliga € 5-10 Moni James/Pete Mc Crory „Heya, Heya, Heyo HSV!/Noch Ein Tor 7 Inch”, veröffentlicht 1974 auf SMV-Oktave, Nr. „101”. Im Stil eines stimmungsvollen Wanderliedes kommt der Song daher. Die goldene Ära des HSV begann Ende 70er-/Anfang 80er-Jahre mit Kevin Keegan und Trainer Ernst Happel (Deutscher Meister 1979/ 1982/1983). Im Landesmeister-Pokalfinale 1983 besiegte man Juventus Turin

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€ 20-30 Melodians „Zebrastreifen Weiss Und Blau/Im Stammlokal 7 Inch”, Ende 1970er-Jahre auf Procom Records, Nr. „PR 3772”. Der Meidericher Spielverein Duisburg (gegründet 1902) errang seine beste Bundesliga-Platzierung als Vizemeister in der Bundesliga-Premierensaison 1963/64


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€ 20-30 Gerd Müller (geb. 1945 Nördlingen) „Das Gibt Ein Schützenfest/Bleib Am Ball 7 Inch”, Linda 1969, Nr. „F 144”. „Der Bomber der Nation” (Bayern-Trainer Cajkovski „Was soll isch mit diese Junge, diese Figur, unmöglich”) erzielte trotzdem 365 Tore in 437 BL-Spielen, 78 Tore in 62 DFB-Pokalspielen und 68 Länderspieltore

€ 5-10 Klaus Schlappner „Schlappi Räp”, 1985 Teldec, Nr. „614364”. „Die WaldhofBuben” (Kohler, Gaudino, Wörns etc.) um Trainer Schlappner (Pepitahut) rockten die Bundesliga Mitte der 1980er-Jahre

€ 15-20 Rudi Tadday/Harmut Kulka & Heinzelmännchen Beat- & Bumsorchester „Immer Auf Schalke/Fußballers Albtraum 7 Inch”, 1969 auf Menga Schallplatten, Nr. „MEM 1904”. Das Cover ziert „Opa Pritschikowski” (1887-1983) mit der berühmten Schalker Glocke, die bei Toren für Schalke und beim Einmarsch läutete. Sänger Rudi Tadday war auch als „Country”Sänger „Tex Rodgers” bei „Rudy & The Springtouchers” in den 60er-Jahren aktiv

€ 10-15 Die Travellers „Blau-Weiße Hertha/Noch Ein Tor! 7 Inch”, veröffentlicht 1970 auf Ariola Schallplatten, Nr. „14622 AT”, Tommy Voss & Sein Orchester. „Die 3 Travellers” waren ein erfolgreiches Bartrio um Fred Olddörp, Eddie Rothe und Mischa Andrejew, die von 1946 bis in die 1970er-Jahre existierten

€ 40-60 Werder Bremen „Wenn Wir Heut Im Frohen Kreise 7 Inch”, Privatpressung von 1965, Nr. „T 75009”. Werder-Vereinslied plus Reportagen (gegen 1860/BVB), Interview (Ries/Piontek) sowie „So Ein Tag”-Song

€ 5-10 Winni II „Dynamo/He, Kleines Fräulein 7 Inch”, 1977 auf Amiga DDR, Nr. „456274”. 1923 wurde in der Sowjetunion die Sportvereinigung Dynamo gegründet, die in die Ostblockstaaten expandierte und zur Gründung der SGD 1953 führte

€ 25-30 VFB Stuttgart „Das VFB Lied/Es Geht Wieder Los 7 Inch“, Intercord 1977, Nr. „INT 110047”. Musik und Texte von Wilhelm Diebold, der auch die Vereinshymne für den SSV Reutlingen schrieb. Im gleichen Jahr gelang dem VFB unter Jürgen Sundermann mit dem „HundertTore”-Sturm der Bundesliga-Aufstieg

€ 15-25 Stunde X/Family 5 „Wir sind Fortuna Düsseldorf, Wir können Alles 7 Inch”, Eleven Rec. 1997, Nr. „79-611-30. Fortuna erreichte in der Bundesliga Platz 3 1973 und siegte im DFB-Pokal 1979 & 80

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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FUNDSTÜCKE 90

FLOHMARKTPREISE n Technik „Modellband zum Maschinenbauer, Maschinisten & Heizer“, o. V. (wahrscheinlich Arndt Leipzig), wohl Gustav Ripke, um 1910. Folgende Farbtafeln sind in originaler Kartonmappe vorhanden: Dampfturbine, Dampfmaschine, Guillaume-Wasserrohrkessel, Dynamo-Maschine, Motorwagen (Tonneau) und Kompound-Lokomotive. Jeder Tafel ist die Beschreibung der einzelnen Teile des Modells vorgeheftet, die Tafeln sind (teilweise auch mehrfach) ausklappbar. Interessanter Einblick in die technischen Errungenschaften kurz nach der Jahrhundertwende. Im Antiquariatshandel für circa 70 bis 80 Euro zu beziehen Flohmarktpreis: 30 Euro

n Technik Experimentierkasten „Alles was im Hause ist, untersucht der All-Chemist, 170 gefahrlose und lehrreiche chemische Versuche für Knaben und Mädchen“, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh’sche Verlags-Handlung Stuttgart (gegründet 1822 Johann Friedrich Franckh, seit 1922 werden handlichen Chemielabore hergestellt), wohl Ende 1940er-Jahre. „Alles was der junge Forscher braucht, um chemische Versuche/Experimente durchzuführen. Geforscht wurde mit Säure, woraus Seife besteht, Rezepte für Geheimschrifttinte, Brausepulver, Lichtpauspapier, Holzbeize, Feuerpulver, Mittel gegen Magenbrände und Mückenstiche. Milch,

Fette, Zucker, Obst und selbst das Hühnerei wird chemisch untersucht“. Wer später erfolgreicher Chemiker wurde, hatte seinerzeit oftmals mit dem All-Chemist in jungen Jahren angefangen. Im Handel werden solche Kästen oftmals zwischen 30 bis 50 Euro angeboten. Flohmarktpreis: 25 Euro

n Design „Senftenberger Ei“, Entwurf Peter Ghyczy (1940 Budapest), 1968, für Firma Elastogran im niedersächsischen Lemförde, Ausführung später VEB Synthesewerk Schwarzheide, DDR, wohl Mitte 1970erJahre, Maße geöffnet: 85 x 107 x 80 cm, Sitzhöhe 44 cm. Das Besondere an dem Entwurf des ersten aufklappbaren Sessels aus Polyurethan mit weißem Sitzbezug ist die Möglichkeit, die Rückenlehne wetterund witterungsbeständig zu verschließen. So kann das Ei das ganze Jahr auch im Außenbereich eingesetzt werden. Passend dazu gab es auch noch einen Bei-

stelltisch zu kaufen. Der Sessel kostete satte 430 Mark in der DDR in den 1970erJahren, für einen mittleren Angestellten fast ein Monatsgehalt. Heute werden unrestaurierte Exemplare ab circa 400 Euro angeboten, neuwertige Stücke können schon mal die 1.000-Euro-Marke erreichen. Flohmarktpreis: 350 Euro

Erscheinungstermin Oktober-Ausgabe: Abo-Versand 16.09.2019 Erstverkaufstag Handel 20.09.2019 09 / 19


U4_Kuengverlag

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Trödler 09/2019  

Trödler 09/2019  

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