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TrÖdLer

ISSN 1863-0340

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CHefredaKTion

Nicola Fritzsch eMail: nicola.fritzsch@gemiverlag.de

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Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

gesCHiCHTe der feuerweHr

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auToren dieser ausgabe

Dr. Susanne Buck, Alexander Glück, Hans-Jürgen Flamm, Heidrun Th. Grigoleit, Theresia Peters

redaKTionsassisTenz

Heike Genz

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Termine und anzeigen ersCHeinungsweise

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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Keramikkrug

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Diesen Weinkrug (?) haben wir vor circa zehn Jahren erworben. Immer wieder haben wir über das Motiv gerätselt. Meine Dame des Hauses tippt auf „Schneewittchen und die 7 Zwerge“. Da aber die entscheidende Person auf dem Krug nicht dargestellt ist, haben wir Zweifel. Könnte es auch eine Serie sein? Marken haben wir keine gefunden. Nur oben am Rand steht „902“. Alles in allem ist der Krug in einem guten Zustand. Er ist circa 45 cm hoch. Vielleicht können Sie uns mehr darüber mitteilen? Eine Wertsschätzung wäre auch schön. Familie Both, Leverkusen

grenzung der Farben auf Porzellan, Steingut, Majolika u. dgl., bestehend aus einer gravierten Reliefkontur bei allen figürlichen und ornamentalen Darstellungen.“ Die Nachfrage nach solchen Krügen wurde lange Zeit von amerikanischen Sammlern getragen, meistens von denjenigen, die einst in Deutschland stationiert waren. Durch den Generationswechsel fallen die Preise inzwischen. Aktuell würde ich die Kanne mit 200 bis 300 Euro bewerten. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

■ Ölgemälde

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Wir haben dieses Bild vom Großvater übernommen und würden gerne mehr darüber erfahren, Künstler, Alter etc. Das Einzige, was wir dazu sagen können: Es ist ein Ölbild, 65 cm x 100 cm groß und hat ein paar kleine Altersmacken. Lohnt sich eine Restaurierung? Da das Motiv uns

!

Die große Dreiliter Schenkkanne in Ihrem Besitz wurde circa 1905 bis 1910 von der Firma Adolf Diesinger hergestellt. Es handelt sich um ein seriell hergestelltes Stück, welches einige für Diesinger typische Kennzeichen hat. Zum einen ist der Henkel typisch, zum anderen die schmalen Linien bzw. Ritzungen, welche die figürlichen Darstellungen umgeben. Dieser technische Kunstgriff erlaubte die präzise Kolorierung von Hand. Die Firma hatte 1901 darauf ein Patent erworben: „Vorrichtung zur genauen und scharfen Ab-

selbst aber nicht gefällt, wüssten wir gerne einen ungefähren Preis, falls wir uns dazu entschließen sollten, das Bild zu veräußern. R. Hueweler, o. O.

!

Es handelt sich bei diesem Gemälde um eine geläufige Darstellung aus der religiösen Volkskunst, „Christus an der Geißelsäule“. Dieses Motiv zeigt den Moment in der Passion Christi, wie er bei Matthäus 27,26, Markus 15,15 und Johannes 19,1 beschrieben wird. Christus, nur mit einem Lendenschurz bekleidet und direkt den Betrachter ansehend, steht an der ihn überragenden Martersäule und legt die gebundenen Hände um dieselbe. Dieses Gemälde ist in Öl auf Leinwand gemalt und hat die Maße 100 x 65 cm. Die Maloberfläche ist mehrfach beschädigt und flächig ausgebrochen. Man erkennt an horizontalen Bruchstellen, dass dieses Gemälde zumindest kurzfristig gerollt aufbewahrt worden ist. Als Künstler ist ein regionaler Kirchenmaler im süddeutschen Raum des 18. Jahrhunderts zu vermuten.

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen

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LESERFORUM 5 Die Qualität der Malerei ist funktional im Sinne der Glaubensausübung und nicht als künstlerischer Ausdruck zu verstehen. Dieser kulturhistorische Aspekt darf wertvoller eingeschätzt werden als der monetäre. Derzeit ist religiöse Malerei auf dem Kunstmarkt schwer verkäuflich. Erschwerend kommt hinzu, dass sich dieses Gemälde in einem schlechten Zustand befindet. Von einer Restauration würde ich abraten, denn die Kosten würden den Wert des Gemäldes um ein Vielfaches übersteigen. In einer Auktion würde ein solches Gemälde, wegen des Zustandes und der malerischen Qualität, unter 100 Euro angesetzt werden. Georg Ottomeyer, Experte Berlin

■ Kerzenständer

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Dieser Kerzenständer ist knapp 10 cm hoch und hat einen Durchmesser von 8 cm. Der Stempel auf dem Boden sieht ein wenig aus wie drei verschränkte Radieschen. Können Sie feststellen, woher er stammt und wie alt er wohl sein mag? Gabi Kühn, o. O.

!

Der kleine Leuchter zeigt auf der Unterseite ein Gänseblümchen als Symbol für Maria oder ein Kleeblatt, ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit Gottes. Dieses Symbol ist das Zeichen für die Stadt Hannover. Der Leuchter ist vermutlich in der zweiten Hälf-

te des 19. Jahrhunderts hergestellt worden und hat einen Wert von nur etwa 10 Euro. Insgesamt ergibt sich für den Markt für altes Zinn ein anderes Bild. Für seltene und sehr alte Objekte vor 1800 werden wieder sehr gute Preise bezahlt, denn in den letzten Jahrzehnten ist der Bestand an authentischen Objekten durch Einschmelzen stark dezimiert worden. Klaus Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

■ Babypuppe

?

Diese Babypuppe habe ich meiner Tochter vor 40 Jahren gekauft, sie stammt von Hummel Goebel und ist 28 cm groß. Ich weiß, dass Puppen heute keinen Wert mehr haben, aber er würde mich trotzdem interessieren. Gibt es noch viele solcher Puppen? Brigitte Voß, Lüdenscheid

anzunehmen, dass gut erhaltende Hummelpuppen aus Gummi und Vinyl heute selten sind. Als Spielzeug für Kinder sind sie wohl nicht geeignet, gibt es doch schon ab 20 Euro bis 30 Euro nette Babypuppen, die natürlich Schlafaugen haben und sogar ein paar Worte plappern können. Für erwachsene Puppensammler und natürlich speziell für HummelfigurenSammler könnte der Kauf dieser Puppe die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches sein – und das bedeutet Liebhaberpreise, die bei Ihrem schönen Hummelbaby vielleicht bei 50 Euro beginnen und rasch in einen dreistelligen Bereich von 150 Euro oder mehr klettern. Liebhaberpreise sind nach oben offen! Quellen: Die zauberhafte Welt der M.I. Hummel, Figuren Katalog für Sammler, W. Goebel Porzellanfabrik. Reingard Ecker, Wels (A)

!

Im Jahr 1871 gründete Franz Detleff Goebel gemeinsam mit seinem Sohn William unter dem Namen „F & W“ eine Fabrik zur Herstellung von Gebrauchsartikeln aus Porzellan und Steingut für den Haushalt. Um 1900 erweiterte man das Sortiment um die Produktion von Porzellanfiguren. Eine neue Ära begann 1935 mit der Herstellung der „Hummelfiguren“, die nach Zeichnungen von Berta Hummel entstanden. Diese war 1933 in einen geistlichen Orden eingetreten und hatte bei ihrer Einkleidung den Namen Maria Innocentia erhalten. Die Buchstaben „M.I.“ wurden Teil ihrer Signatur. Das künstlerisch sehr begabte junge Mädchen hatte in München an der Akademie für Angewandte Kunst studiert und erwies sich als Glücksfall für die Fabrik Goebel, die sie unter Vertrag genommen hatte. 1935 wurden auf der Leipziger Messe erstmals „Hummelfiguren“ ausgestellt. Der Erfolg war überwältigend und machte die Fabrik Goebel und die Künstlerin M.I. Hummel international bekannt. 1950 schuf Karl Wagner erstmals Modelle von Puppen und Spielwaren, die aus Gummi hergestellt wurden. Zunächst wurde Hartgummi verwendet und später Weichgummi. Zu beginn der 60er-Jahre erfolgte der Übergang zu PVC und Vinyl, das allen Anforderungen entsprach und aus dem höchstwahrscheinlich auch Ihr Puppenbaby besteht. Jede „Hummelpuppe“ ist am Hals dreifach gekennzeichnet: in der ersten Zeile mit der Seriennummer (bei Ihrer Puppe V 104). In der zweiten Zeile der Schriftzug „M.I.Hummel“ und am Halsrand der Name des Herstellers „GOEBEL“. Auch in den Rücken der Puppen-Babies ist eine umrandete Hummel eingeprägt – sie ist nur schwer als solche zu erkennen. „Hummelbabies V 104“ wie die Ihrige, wurden ab 1953 hergestellt. Sie waren in zwei Größen (33 cm und 26 cm) erhältlich. Anfangs hatten die Puppen dieser Serie gemalte Augen, erst später wurden sie mit Glasaugen ausgestattet. Ihre Puppe, die bereits Glasaugen hat, wurde um 1960 hergestellt. 1975 entschloss man sich, die Herstellung von Puppen und Spielzeug aufzugeben. Es ist 04 / 19


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FEuERWEhRMoDELLFAhRzEugE / 3 SuSAnnE BuCK

„Wenn dort, wo du gerade bist, kein Feuermelder nahe ist, so laufe auf der Stelle zur nächsten Fernsprechzelle!" – So lautete 1969 die Anweisung in der Brandschutzfibel für Kinder. heute hat fast jedes Kind ein eigenes handy und bekommt so früh wie möglich beigebracht, dass man bei Feuer die notrufnummer 112 wählen muss. Seit wann aber gibt es die einheitliche Telefonnummer für notfälle, und wie kam es zum Aufbau des heutigen Rettungssystems?

Die 112 Der entscheidende Anstoß hierzu war ein tragischer Unfall: Am 3. Mai 1969 wurde der achtjährige Björn Steiger aus Winnenden (Baden-Württemberg) auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt. Obwohl mehrfach Polizei und Rettungskräfte alarmiert wurden, dauerte es eine ganze Stunde, bis ein Krankenwagen am Unfallort eintraf, denn es gab damals in der Bundesrepublik weder rund um die Uhr besetzte Leitstellen noch eine Koordinierung der Hilfsorganisationen. Noch auf dem Weg ins Krankenhaus starb das Kind. Seine Eltern, Siegfried und Ute Steiger, gründeten eine Stiftung mit dem Namen ihres Sohnes, die sich mit viel Energie und Ausdauer für eine Verbesserung des Rettungswesens einsetzte. Mit Erfolg: In Zu-

sammenarbeit mit dem Roten Kreuz und anderen Organsationen konnte im Laufe der nächsten Jahre ein modernes Rettungssystem aufgebaut werden. Dazu gehörten die einheitliche und gebührenfreie Notfallnummer 112 sowie die flächendeckende Infrastruktur mit Rettungswachen und zentralen Leitstellen. Ab 1973 traten die neuen Regeln des Notrufsystems 73 in Kraft, mit denen die Nummer 110 und 112 eingeführt wurden.

Sprechfunk Wichtige technische Voraussetzung für die Koordination von Rettungsmaßnahmen war die technische Ausrüstung sämtlicher Fahrzeuge mit Sprechfunk, da erst der Funk die schnelle Kommunikation der Feuerwehrleute und anderen Rettungs-

kräfte untereinander möglich machte. Sämtliche Einsatzfahrzeuge wurden Mitte der 1970er-Jahre mit Funksprechanlagen ausgerüstet. Auch die Notrufsäulen an den Schnellstraßen und Autobahnen stammen aus dieser Zeit. Die Notrufnummern sind auch auf den Einsatzfahrzeugen angebracht, außerdem haben Fahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten oft eine Nummer auf dem Dach, die dem Ansprechen der jeweiligen Fahrzeuge über Sprechfunk aus der Luft dient. Die Dachkennzeichnung kann aus dem Funkrufnamen, dem KFZ-Kennzeichen oder einer internen Kodierung der jeweiligen Organisation bestehen. In der DDR waren übrigens die 110 für Polizei und 112 für die Feuerwehr schon seit 1958 gültig. 1976 wurde dort die Nummer 115 für medizinische Notfälle eingeführt. Die „Schnelle Medizinische Hilfe" – eine Kooperation zwischen dem Deutschen Roten Kreuz und dem Ministerium für Gesundheitswesen – übernahm fast sämtliche Notfalleinsätze. Mit der Wiedervereinigung wurde dann auch die Notrufnummer vereinheitlicht. Mittlerweile gilt die 112 in fast allen europäischen Staaten. Trockenlöschfahrzeuge sind Sonderlöschfahrzeuge mit einer Pulverlöschanlage, die Brände ohne den Einsatz von Wasser löschen können. Dies ist immer dann nötig, wenn Substanzen am Brandherd empfindlich auf Kontakt mit Wasser reagieren würden. Als Löschmittel dient ein brandhemmendes Pulver. Solche Fahrzeuge werden überwiegend von Flughafenfeuerwehren sowie Werksund Betriebsfeuerwehren in der Metall- und Chemie-Industrie eingesetzt. Trocken-Löschfahrzeug 750, MB LF 710/32, Bausatz von Preiser im Maßstab 1:87, das Modell wurde nachträglich mit Decals der Feuerwehr Bad Reichenhall beklebt

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Retten, Löschen, Bergen, Schützen Die Verhütung und Bekämpfung von Bränden macht heute nur einen Teil der Feuerwehrarbeit aus. Zum einen sind Gebäude durch moderne Materialien und Brandschutzmaßnahmen sicherer geworden, zum anderen haben Verkehrsunfälle und Unwetter in den letzten Jahrzehnten zugenommen. „Retten-Löschen-BergenSchützen" lautet das Motto der Feuerwehren in Deutschland, und in diesem Slogan werden auch die heutigen Aufgabenfelder gefasst. Die Rettung von Menschen war schon immer die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr. Conrad Dietrich Magirus schrieb 1851 in seinem Handbuch „Alle Theile des Feuerlöschwesens": „Zur Menschenrettung muß die Steigermannschaft jeden Augenblick gerüstet seyn, denn in einem solchen Falle wächst die Gefahr mit jeder Secunde (...). Auf das Signal, daß ein Mensch in Gefahr sey, eilen augenblicklich alle Steiger mit den Steiggeräthen und die Reserve mit den Rettungsgeräthen herbei, und der Obmann wird ebenso schnell die Art bezeichnen, wie gerettet werden soll. In den meisten Fällen ist durch das Anlegen einer Leiter, auf der der Bedrängte herabsteigen kann, geholfen, handelt es sich aber um die Rettung eines Kranken, eines Weibes oder Kindes, so tritt der zweite Fall ein, d. h. es steigen 2 Mann hinauf, stecken die betreffende Person in den Sack und lassen diesen an dem gewöhnlichen Seile herab." Nach wie vor gilt der Grundsatz: Menschenrettung vor Brandbekämpfung. Wenn beispielsweise bei einem Wohnungsbrand eine Person vermisst wird, liegt das Hauptaugenmerk zuerst auf der Rettung dieser Person und erst danach auf der Brandbekämpfung. Als „Retten" definiert ist das Abwenden einer Gefahr [die nicht unbedingt durch Feuer verursacht sein muss] "von Menschen oder Tieren (!) durch lebensrettende Sofortmaßnahmen, die sich auf Erhalt oder Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf und Herztätigkeit

richten und/oder durch Befreien aus einer lebens- oder gesundheitsgefährdenden Zwangslage." Das „Bergen" wird bei der Feuerwehr vom Retten unterschieden und bezeichnet das Befreien und Sicherstellen von Sachgütern. Auch die Körper von toten Menschen oder Tieren werden geborgen.

Die Aufgaben In den Aufgabenbereich „Schützen" fällt zum Beispiel der Hochwasserschutz, der Einsatz bei Unwettern oder das Sichern von Eigentum. Auch der vorbeugende Brandschutz – wir erinnern und an Feuerwehrmann Fix und seinen Gegenspieler Lodrian in Teil 2 dieses Beitrags im letzten „Trödler” – gehört in diesen Bereich. Somit sind die Aufgaben der Feuerwehr heute breit gefächert Ein paar Beispiele gefällig? Im Herbst

2018 rettete die Feuerwehr in Maichingen eine Kuh, die auf das Dach einer Garagenanlage gestiegen war. Sie wurde schließlich mit einem Kran befreit. In Osnabrück versuchte der Bewohner einer Dachgeschosswohnung, Wespen mit einer brennenden Haarspraydose zu vertreiben; als die Flammen auf den Dachstuhl übergriffen, musste die Feuerwehr übernehmen. Weil die Feuerwehr in Düsseldorf Meldung erhielt, dass eine Katze auf einem Stück Holz über den Rhein trieb, rückten die Kameraden mit einem Boot aus, um das Tier in Seenot zu retten. Die vermeintliche Katze entpuppte sich jedoch als ein ausgestopfter Marder, der auf einem Floß aus Kunststoffflaschen befestigt war. Über solche skurrilen Einsätze kann man regelmäßig Berichte im Feuerwehrmagazin lesen. Zu den Routineaufgaben gehören Türöffnungen, Krankentransport, Schädlingsbekämpfung, Gefahrguteinsätze, Verkehrsabsicherung, Brandsicherheitswachdienst, Personensuche, Mitwirken im

großlöschtankfahrzeug für den Flughafen München von der Firma Rosenbauer. Das unternehmen geht auf die 1844 gegründete Maschinenfabrik des Feuerwehrpioniers Carl Metz zurück und gehört zu den weltweit führenden herstellern für Feuerwehrtechnik. großtanklöschfahrzeuge von Rosenbauer sind heute weltweit auf Flughäfen im Einsatz. großtanklöschfahrzeug Flughafen München, Fertigmodell von Reinhard Merlau Modellbau im Maßstab 1:87 FLF Flughafenlöschfahrzeug 80/200, Faun, Flughafen München, Bausatz von Preiser (Fahrzeugkabine wurde umlackiert) im Maßstab 1:87 FgTLF 18, Flughafengroßtanklöschfahrzeug Faun/Kronenburg, Flughafen hamburg, Fertigmodell von Preiser im Maßstab 1:87 04 / 19


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gESChIChTE DER FEuERWEhR 20 erschienen Militärfahrzeuge diverser Streitkräfte. Mittlerweile hat sich Roco, dessen Unternehmenszentrale sich in Bergheim bei Salzburg befindet, auf die Herstellung von Modellbahnen spezialisiert. Herpa wurde 1949 in Nürnberg von Wilhelm Hergenröther gegründet. Der Name entstand aus den Anfangsbuchstaben von Hergenröther-Patente. Der Stammsitz von Herpa ist im fränkischen Dietenhofen, ein Zweigwerk befindet sich im bayerischen Beilngries. Auch der Name Brekina entstand 1980 durch die Namen der Gründer Breiten-

Katastrophenschutz sowie die klassische Brandbekämpfung und Technische Hilfe bei Verkehrsunfällen.

neue Aufgaben Den Anforderungen entsprechend haben sich auch Ausrüstung und Einsatzfahrzeuge verändert. Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge sind die jüngsten und vielfältigsten Fahrzeuge im deutschen Feuerwehrwesen. In den vergangenen Jahrzehnten waren die Freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeurwehren damit konfrontiert, dass sich ihr Einsatzspektrum von der Brandbekämpfung zunehmend in Richtung technischen Hilfeleistung verschob. Sie statteten daher ihre Löschgruppenfahrzeuge mit zusätzlicher Beladung zur Unfallhilfe aus und bezeichneten diese Eigenkonstruktionen als „Hilfeleistungslöschfahrzeuge" (HLF). Erst seit knapp 20 Jahren gibt es DIN-Normen für Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge.

Feuerwehr-Modellfahrzeuge Feuerwehr-Modellwagen – ob fertig gekauft oder als Bausatz – sind ein vielseitiges Sammelgebiet. Denn an den kleinen Fahrzeugen lässt sich die ganze Palette technischer Entwicklungen an den „echten" Fahrzeugen ablesen. Es gibt weltweit mehr als 100 Hersteller für Modellautos, dazu kommen noch unzählige Kleinserienhersteller. Modelle im Maßstab 1:87 – sie bestehen meist aus Plastik – werden hauptsächlich im deutschsprachigen Raum gesammelt. Von dort kommen auch die meisten Hersteller, die in dieser Baugröße Modelle produzieren. Die Hersteller Brekina, Busch, Herpa und WIKING sind nur einige wichtige Vertreter dieser Branche. Wiking fertigt Pkw-Modelle nach aktuellen deutschen Marken; Lkw, Bus und Feuerwehr sind weitere Themengebiete. Die Firma Preiser produziert seit 1949 Miniaturfiguren und -Fahrzeuge; seit den sechzi-

ger Jahren werden diese im Kunststoffspritzguss hergestellt. Das Unternehmen wird heute in der dritten Generation geführt und hat zwei Standorte in Deutschland und einen auf Mauritius. Roco existiert seit 1960; als erste Modellfahrzeuge

Das Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8) ist das kleinste genormte Löschgruppenfahrzeug der deutschen Feuerwehren. Von seiner Beladung her war es primär auf die Brandbekämpfung ausgerichtet, wozu auch die vierteilige Steckleiter auf dem Dach gehörte. Das lebensgroße Pendant dieses Modells können Feuerwehr-Enthusiasten im Feuerwehrmuseum Schleswig-holstein bewundern. Es ist ein Ford FK 2500 (Aufbau von Bierstedt & Sohn, Bremen) der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttelkoog, Erstzulassung 23. März 1959, stillgelegt am 30. Juli 1980. Bei der Feuerwehr Renchen war ein Ford FK 2500 sogar bis 2003 im Einsatz. Löschgruppenfahrzeug 8, Ford FK 2500 (2. Serie), Bausatz von Kibri im Maßstab 1:87 Wechselladerfahrzeuge mit Abrollbehältern sind das konzeptionelle gegenstück zu Feuerwehrfahrzeugen mit fest montiertem Aufbau. Als Abrollbehälter (oder: Abrollcontainer) bezeichnet man Wechselbehälter auf Basis von AbrollcontainerTransportsystemen, die auf Trägerfahrzeugen zur Einsatzstelle transportiert werden. Dies können zum Beispiel Module für Atem- und Strahlenschutz, Container für Einsatzleitung und Betreuung, Boote oder Tanks sein. Das System eignet sich besonders bei Beladungen, die für spezielle oder seltene Einsatzzwecke gebraucht werden. Auf diese Weise können mit wenigen Trägerfahrzeugen und Abrollbehältern mit unterschiedlicher Beladung sehr vielfältige Aufgaben bewältigt werden. Das Konzept ist besonders bei kleineren Feuerwehren gefragt, weil Anschaffung und unterhalt eines Abrollbehälters deutlich preisgünstiger sind als Fahrzeuge mit fest montiertem Aufbau. WLF Wechselladerfahrzeug MAn F 8 mit Abrollbehälter Tank, Fertigmodell von herpa im Maßstab 1:87 Von dem Fahrzeugtyp, der hier im Modell dargestellt ist, beschaffte die Stuttgarter Feuerwehr sechs Exemplare in Leuchtrot (RAL 3024). Eines davon kippte bei einem unfall um, wurde verkauft und ist nach Reparatur- und umbauarbeiten als universallöschfahrzeug bei der Werkfeuerwehr InfraServ in Frankfurt höchst im Dienst. Von dem Modell existieren drei verschiedene Versionen, die von der Firma herpa produziert wurden. zuerst kam ein Modell in klassischem Feuerwehr-Rot (RAL3000), danach eine Variante in Leuchtrot. Für die Firma ziegler wurde eine Sonderauflage hergestellt, die am Aufbau den Schriftzug „Feuerwehr Stuttgart" trägt. hilfeleistungslöschfahrzeug MB SK '94 (Feuerwehr-Rot), Fertigmodell von herpa im Maßstab 1:87

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gESChIChTE DER FEuERWEhR 21 bach, Kießling und Nann. Feuerwehrfahrzeuge mit hoher Detailgenauigkeit gehören von Anfang an zu den Highlights der Firma. Die Traditionsmarken Wiking und Siku stellten beide ab den 1950er-Jahren Verkehrsmodelle aus Kunststoffspritzguss her. Später setzte man bei Siku auf Zinkdruckguss, Wiking blieb bei Kunststoffmodellen. Auf Modelle von DDR-Fahrzeugen ist die Firma s.e.s ® Modeltec aus Berlin spezialisiert. Sie liefert Plastik Modelle, die überwiegend mit original DDR-Werkzeugen hergestellt werden. Wenn es vom Wunschfahrzeug kein Modell gibt oder dieses in puncto Originaltreue zu wünschen übrig lässt, ist der Bastler gefragt. Die Palette reicht von handbemalten Gussmodellen aus Gießharz bis zu Umbau und Verbesserung (Supern) serienmäßig hergestellter Modelle und

Bausätze. Hierzu gehören farbliche Nachbehandlungen, der Austausch einzelner Baugruppen, das Anbringen neuer Beschriftungen oder die Montage von Zurüstteilen, um das Aussehen oder die Funktionalität der Modelle zu verbessern. Manuelle Geschicklichkeit und Fachwis-

sen sind hier gefragt und machen das Basteln und Sammeln zu einem spannenden Hobby, das auch gerne Gruppen oder Foren gefrönt wird. Fotos: Susanne Buck Fachliche Beratung: Jens Tropp

Atemschutzfahrzeuge (die genaue Bezeichnung lautet gerätewagen-Atemschutz) sind Fahrzeuge zum Transport von Mannschaft, Atemschutzgeräten und Ausrüstungen inklusive Reservematerial für den Einsatz mehrerer Atemschutztrupps. Sie kommen meist als Teil eines Löschzugs zum Einsatz, wenn der Bedarf an Atemschutzgeräten besonders groß ist oder spezielle Kleidung und geräte (zum Beispiel Ersatzflaschen für Pressluftatmer, Kreislaufgeräte, Atemschutzmasken und Filter, Schutzanzüge) benötigt werden. Das Modell ist die Miniatur-Version eines DDRFeuerwehrfahrzeugs auf dem Fahrgestell des Typs W50 L aus dem VEB IFA-Automobilwerk Ludwigsfelde. Fertigmodell im Maßstab 1:87 von s.e.s.®FM 7 Bei Bränden von Kunststoffen, Fetten und Schmierstoffen, Benzin und Mineralölen und verdampfenden Stoffen sind Löschschäume oft das einzig erfolgversprechende Löschmittel. Mit einem Löschschaumangriff sollte jedoch erst dann begonnen werden, wenn genügend Schaummittel, eine ausreichende Wasserversorgung und leistungsfähige Schaumrohrwerfer an der Einsatzstelle vorhanden sind. Wird nämlich ein Löschschaumangriff vor dem vollständigen Erlöschen des Brandes unterbrochen, dann sind mit hoher Wahrscheinlichkeit sämtliche Löschmaßnahmen in kürzester zeit wieder wirkungslos. Schaumtankwagen, Saurer Vier-Achs-Tankwagen, Fertigmodell im Maßstab 1:87 von Roskopf (zum Feuerwehrfahrzeug gesupert) Das Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8) ist das kleinste genormte Löschgruppenfahrzeug der deutschen Feuerwehren. Von seiner Beladung her war es primär auf die Brandbekämpfung ausgerichtet, wozu auch die vierteilige Steckleiter auf dem Dach gehörte. Das lebensgroße Pendant dieses Modells können Feuerwehr-Enthusiasten im Feuerwehrmuseum Schleswig-holstein bewundern. Es ist ein Ford FK 2500 (Aufbau von Bierstedt & Sohn, Bremen) der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttelkoog, Erstzulassung 23. März 1959, stillgelegt am 30. Juli 1980. Bei der Feuerwehr Renchen war ein Ford FK 2500 sogar bis 2003 im Einsatz. Löschgruppenfahrzeug 8, Ford FK 2500 (2. Serie), Bausatz von Kibri im Maßstab 1:87 04 / 19


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n Die Zeitmessung mit Hilfe von Sanduhren ist nahezu bedeutungslos geworden, weshalb sie auch fast nur noch als Eieruhren bekannt und gelegentlich in Gebrauch sind. Neu produzierte Exemplare werden zwar noch reichlich angeboten, doch sind sie eher für Kinder, den gelegentlichen Einsatz in der Küche oder als Dekoartikel gedacht. Über den vielfältigen Gebrauch dieser Uhren in früheren Jahrhunderten, als es mechanische Uhren noch nicht gab oder diese kaum erschwinglich waren, informieren mit Bildmaterial einige Sammlerseiten und Fachartikel von Historikern.

sANDUHREN n sandwelten Diese Homepage beschäftigt sich sehr umfassend mit Sammlungen aller Art zum Thema Sand. In der Rubrik „Sandwelten" und anschließend „Sanduhren" sind in mehreren Kategorien ausführliche und kompetenteTextinformationen mit einigen Bildern über die Geschichte der Sanduhren, deren Verwendung und Hersteller, Restaurierungsmöglichkeiten u.a.m. vorhanden. sandwelten.de/sanduhren

n sanduhren Diese Präsentation bezieht sich hauptsächlich auf Uhren verschiedenster Art und auch über Sanduhren sind einige kurze und gut bebilderte Informationen vorhanden. www.uhrenkoch.de/sanduhren.xhtml

vielen Bildern gibt es keine weiteren Angaben. www.zandlopers.nl/Duits/indexde.htm

n Kuriose Exemplare Hier werden mit Kurzinformationen und Bildern einige eher kuriose Exemplare aus der Welt der Sanduhren vorgestellt. www.wundersamessammelsurium.info/ mechanisches/sanduhr/index.html

n Relikte des Handwerks Die Publikation „KulturGut", die sich regelmäßig mit den Beständen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg beschäftigt, bot im November 2010 einen fachkundigen Beitrag über die frühere Sanduhrenherstellung in Nürnberg und deren Verwendung im Handwerk. Das dreiseitige pdf-Dokument enthält auch einige Bilder. journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ kulturgut/article/viewFile/18802/12613

n Geschichte der sanduhren Die Geschichte der Sanduhren unter Einbeziehung der Gestaltung, Einsatzgebiete und Herstellung ist Thema dieser Präsentation. Historisches Bildmaterial zeigt die Vielfalt der früheren Verwendungen von Sanduhren und auch einige alte Exemplare. www.uhrmacherwerkstatt.com/sanduhren/ sanduhren.html

n Zandlopers Ein niederländischer Sammler stellt einen Teil seiner ca. 5.000 Exemplare umfassenden Kollektion mit Übersichtsbildern und ca. 60 ausgewählte Stücke mit Einzelfotos vor. Dazu kommen noch über 20 Bildergalerien, in denen Sanduhren als Bestandteil anderer Objekte oder auf Abbildungen zu sehen sind, z. B. auf Plakaten, Fliesen, Briefmarken, Werbematerial usw. Als Textinformation ist nur eine auf die Sammlung bezogene Einführung vorhanden, zu den 04 / 19


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AUSSCHNEIDEBÖGEN HANS-jürGEN FLAmm

Seit mitte des 19. jahrhunderts lieferten Druckereien und Verlage ein immer vielfältiger werdendes Programm an sogenannten Luxuspapieren. Von der Weltausstellung in Wien 1873 meldet ein Beobachter, „dass das Papier die Grenzen des Alltäglichen“ überschreitet (…) „um die zahlreichen Luxusartikel aus Papier zu erzeugen, die einer menge von gewöhnlichen Dingen zum Schmuck, zur Zierde dienen und das Auge des Beschauers erfreuen“. Kindern bescherte diese Industrie eine reiche Auswahl an Spielzeugen aus Papier, „nicht nur in Gestalt von Spielkarten, Spielplänen oder Bilderbüchern, sondern auch als Ausschneide- und modellierbögen (…) oder Papiertheater“. Der Beginn dieses „Papierhandwerks“ liegt zwar wesentlich früher – schon Goethe erwähnt 1811, dass Papparbeiten ihn in der Kindheit „höchlich beschäftigen“ konnten; 1802 erschien in Weimar eine von Heinrich rockstroh veröffentlichte „Anweisung zum modellieren aus Papier oder aus demselben allerley Gegenstände im Kleinen nachzuahmen“, frühe kommerzielle Exemplare kamen um 1830/40 auf den markt, eine weitergehende Verbreitung erfolgte aber erst im Laufe der zweiten jahrhunderthälfte. man sah darin in der Nachfolge der Aufklärung einen nützlichen Zeitvertreib für Kinder und eine möglichkeit spielerischen Lernens.

Ostermotive Der Esslinger Jürgen Pintscher, dessen beachtliche Weihnachts- und Osterkollektionen immer wieder für Ausstellungen um Leihgaben angefragt werden, hat für sich ein reizvolles Nischenthema der Sparte Ausschneide- und Modellierbogen entdeckt: Den Oster-Ausschneidebogen. Verglichen mit der Fülle an weihnachtlichen Themen ist der Osterhase etwas marginal vertreten. Er war im Spielzeugangebot – im Gegensatz zu seiner sprichwörtlichen Schnelligkeit – ein Spätentwickler und spielte lange Zeit eine untergeordnete Rolle, wie Musterbücher von Spielzeuggroßhändlern belegen. Bei ihnen kommt der Hase nur gelegentlich vor, und dann etwa eher als Bestandteil von Jagd-

szenen, zum Beispiel bei C. Burckhardt‘s Nachf. in Weißenburg (Elsass). In den Ausschneidebogen des Verlages „Die Jagd – Aufstellbilder – Eine Landpartie No. 1485“ (nach 1889) haben sich ein hoppelnder und ein Männchen machender Hase „verirrt“. Im ausgehenden 19. Jahrhundert kam ins Oben: „Ostern in unserer Heimat“, Ausschneidebogen mit Volksbräuchen, ohne Verlagskennzeichnung Links: Ausschneidebogen „Frohe Ostern“ aus der Zeitschrift „Für Sie”


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Hasenleben mehr Bewegung, der Hase tritt häufiger auf und zwar überwiegend als Osterhase, der in dieser Zeit eine allgemeine Popularisierung erfährt. Das betraf zunächst das normale Spielzeug und Figuren, die sich zur Osterdekoration anboten, dann auch sogenannte „Füllhasen“, Figuren, in denen man Süßigkeiten versteckte. Zur später massenhaften Verbreitung des Osterhasen trugen sicher die äußerst beliebten Ansichtspostkarten zur Zeit der Jahrhundertwende bei. 1990 erklärte Gertrud Wienand, eine der ersten Sammelnden zum Thema „Hase“ in Deutschland, in einem Interview mit dem „Sammler-Journal”, „ich glaube, dass die Hasen als weitverbreitetes populäres Osterpräsent, nicht so sehr alt sind (…) auf den Postkarten sind die frühesten rund hundert Jahre alt, und im Stil ähneln die auf ihnen abgebildeten Hasen ganz den ältesten aus Pappmaché (…) ich nehme an, dass die ersten dieses Typs zwischen 1880 und 1890 entstanden sind“. Wann der Osterhase auch die Ausschneide- und Modellierbogen erreichte, konnte Jürgen Pintscher noch nicht ermitteln.

Verlage Unter den Verlagen, die Ausschneide- und Modellierbogen herstellten, sind einige berühmte und zahlreiche unbekannte. Die Oben: Bogen „Villa Osterhas“, Bilderbuchverlag Otto moravec, Wien rechts oben: Aus der Serie Oster-Aufstellbilder „Villa Hase“, Verlag josef Schneider junior, Wien rechts unten: Ausschneidebogen mit Schweizer Fahnen, bez. „No. 200“, Verlag josef Schneider junior, Wien

Bilderbogenstadt in Deutschland ist das brandenburgische Neuruppin, in dem zeitweise drei Verlage für Nachschub sorgten. Der bekannteste ist Gustav Kühn („zu haben bei Gustav Kühn“), zur großen Zeit des Bilderbogens um 1890 druckte man auf einer Fünf-Farben-Rotationsmaschine. Nach der Einstellung des Drucks wegen Papiermangels während des Ersten Weltkrieges begann man ab 1925 wieder mit Bilderbogen, die einstige Popularität wurde jedoch nicht mehr erreicht. Bei Oehmigke & Riemschneider wurden Bilderbogen sporadisch bis 1937 gedruckt, das dritte Unternehmen, die Druckerei von Friedrich Wilhelm Bergemann stellte diese nur bis 1863 her. Zu den Großen des Gewerbes zählt die Esslinger Firma J. F. Schreiber. Unter Ferdinand Schreiber (1835-1914), dem ältesten Sohn des Firmengründers Jakob Ferdinand Schreiber, erwarb das Unternehmen 1877 Lithosteine von der Stuttgarter Anstalt E. Roth. Damit begann der Aufstieg des Verlags. Diese Steine bildeten die Basis der um 1880 einsetzenden Bilderbogenherstellung. Schreiber begann mit dem Druck von Kulissen- und Dekorationsbogen des bald bekannten Schreiberschen Papiertheaters, mit Ausschneideund Aufstellbogen, mit Ankleidepuppen und Modellierbogen, auch mit Krippenbogen in verschiedenen Größen. Das Angebot entwickelte sich ähnlich dem der konkurrierenden Firmen. Ob auch Ostermotive zum Ausschneide-Programm gehörten, ist unklar aber möglich. Das Motiv „Hasenfamilie“ war (und ist noch) ein beliebtes Sujet bei Kinderbüchern, wo es vermutlich erfolgreicher ist als bei Osterbogen. Im Schreiber-Verlag erschienen zum Beispiel 1934 zwei Bände von Hans Karl Meixner mit Illustrationen von Karl Rohr. „Aus dem Hasenleben” schildert Alltagssituationen, darunter das Ostereierbemalen, das von der ganzen Familie ausgeführt wird, die bunten, in Körbe gefüllten Eier werden vom Hasenvater dann mit dem Flugzeug ausgeliefert! Supermodern in dieser Zeit.

Eine erste Neuauflage erschien 1949. In „Der Häslein Zeitvertreib” kann man die Hasen u. a. beim Verstecken der Ostereier beobachten. Nach 1945 knüpfte der Verlag inhaltlich an sein früheres Programm an mit dem Schwerpunkt Kinderbuch. Das traditionelle Bilderbogenprogramm wurde aktualisiert. Heute werden unter „Esslinger Verlag“ auch die Erfolgsbücher von Lothar Meggendorfer, Sibylle von Olfers u. a. als Reprint vertrieben. Zu den großen Herstellern in Mitteleuropa gehört die Imagerie d’Épinal Pellerin. Pellerin hatte bereits vor 1800 begonnen, u. a. mit der Herstellung von Spielkarten. Ins Programm gehörten neben den bekannten Bilderbogen Ausschneide- und Modellierbogen sowie Papiertheater. Der Produktionshöhepunkt lag in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, seit 1903 setzte man Koloriermaschinen ein. Nach 1918 wurden hauptsächlich vorhandene Bogen nachgedruckt. 1984 gründete eine Gruppe vogesischer Industrieller die Imagerie d‘ Épinal S.A. als Auffanggesellschaft. Pinot & Sagaire wurde 1860 ebenfalls in Épinal gegründet, aber bereits 1888 an Pellerin verkauft. Im nordelsässischen Weißenburg machte das Unternehmen von JeanFrédéric Wentzel (seit 1835) und seiner Nachfolger den Ort zur international bekannten „Bilderbogenstadt“ und zur ernsthaften Konkurrenz des lothringischen Épinal. Die verschiedenen Nachfolger verkauften bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gut gehende Bilderbogen nach alten Motiven und Vorlagen. Im ABC des Luxuspapiers, der Bibel der Papiersammler von Christa Pieske, sind im Firmenregister zahlreiche weitere Hersteller aufgeführt,

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OSTErN 78 u. a. Joseph Scholz, Mainz, Gustav Weise, Stuttgart oder Meißner & Buch, Leipzig.

Volksbräuche Ein alter Ausschneidebogen (Ostern in unserer Heimat) der Sammlung dokumentiert Oster-Volksbräuche. Die Kirche mit Zwiebelturm vor großer Bergkulisse lässt keinen Zweifel, aus welcher Region diese Bräuche stammen. Sie waren – und sind noch – auch in weiteren Teilen Deutschlands und den angrenzenden Nachbarländern bekannt. Das Osterblasen wird noch heute in unterschiedlichen Varianten veranstaltet. In Großpostwitz bei Bautzen wartet man das Läuten der Glocken ab, anschließend wird vom Turm geblasen. Das Eierpecken oder Eiertitschen (es gibt noch weitere, land-

schaftsabhängige Bezeichnungen) kennt man „…besonders in den Formen des Aufeinanderschlagens der Eierspitzen und des Aufschlagens mittels eines draufgeworfenen Geldstücks.“ Beim Winterverbrennen wird dem Winter mit Umzügen und viel Lärm der Garaus gemacht und endgültig vertrieben. Eierschießen oder Eierrollen ist unter verschiedenen Namen bekannt. Im sorbischen Bautzen ist es bereits um 1550 erwähnt. Man ließ Eier – später auch Äpfel und andere runde Gegenstände – einen Hang hinab rollen, Kinder versuchten, ihrer habhaft zu werden. In weiteren Varianten gewann derjenige, dessen Eier unversehrt blieben, die weiteste Strecke zurücklegten usw. In Ostfriesland ließen Kinder die Eier von der Deichkrone hinab rollen. Auf dem Ausschneidebogen der Sammlung Pintscher haben Jungen aus zwei Rechen eine „Rollbahn“ gebildet, auf der die Eier abwärts rollen. Auch der Brauch des Osterschießens war weit verbreitet. Laut Wikipedia wird „in kleinen Gruppen ,geschossen‘ (…) ab Mitternacht bis zum ersten Glockengeläut am Ostermorgen sind die Böllerschüsse aus herkömmlichen Kanonen und speziellen Kannen weithin zu hören“. Andererseits sollten die Schüsse auch böse Geister vertreiben, im christlichen Brauchtum symbolisieren sie den Sieg Christi über den Tod. Das knatternde Geräusch, das die Ratschenbuben mit ihren Instrumenten veranstalten, muss die Kirchenglocken ersetzen, die an Gründonnerstag nach Rom „entflogen“ waren und dadurch 48 Stunden schwiegen. Dieser Brauch besitzt ebenfalls eine lange Tradition, wie ein Bericht aus dem Jahr 1534 schildert: „…da fährt man mit einem klopfenden Karren und vielen Tafeln in der Stadt herum (…) sie rufen das Volk in die Kirche zur Passion“. Diesem Osterbogen ist eine Bastelanweisung aufgedruckt: „Klebe den Hinter04 / 19

grund mit einem Klebestreifen auf ein Stück Pappendeckel. Schneide aus stärkerem Papier zwei Stützen in entsprechender Größe und klebe ‘1’ auf die Rückseite des Bildes und ‘2’ auf den Pappendeckelboden“. Die Presse nutzte solche Feiertage gerne zur Werbung und um ihre Exemplare attraktiver zu machen. Die Zeitschrift „Für Sie” hatte ihre Ausschneidefiguren mit einem großen Oster-Sonderteil kombiniert: „Was Sie mit diesen schönen Tierfiguren alles machen können, zeigen wir Ihnen (…) ab Seite 171“. Dafür waren nur noch einige gestrichelte Linien mit spitzer Schere auszuschneiden, alle anderen Linien waren vorgestanzt und konnten leicht herausgedrückt werden.

Wiener Bogen Vermutlich eher selten wird die Kombination von Hasen-Ausschneidefiguren mit einer Ankleidepuppe gedruckt worden sein. Der vorliegende Bogen wurde vom Berliner Verlag BEHA hergestellt. Aus Wiener Produktion besitzt Jürgen Pintscher mehOben: Ausschneidebogen „No. 201“, Verlag josef Schneider junior, Wien Links oben: Ausschneidebogen „No 0/101“, Verlag josef Schneider junior, Wien Links mitte: Ausschneidebogen „No 0/102“, Verlag josef Schneider junior, Wien Links unten: Osterbogen Serie 3/1, Verlag josef Schneider junior, Wien


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OSTErN 79 rere Ausschneidebogen. Der Bilderbuchverlag Otto Moravec wurde von Ottokar Moravec 1951 in Wien gegründet und begann Pappbilderbücher für kleinere Kinder zu veröffentlichen, deren Ringbindung war eine Erfindung des Firmengründers. Der Verlag entwickelte sich erfolgreich und erweiterte sein Programm. Puzzles, Malbücher, generell Bücher, Adventskalender, Ausschneidebögen und weitere Produkte ergänzten das Angebot. Seit den 1960er-Jahren arbeitete die für ihre Märchenillustrierung bekannte Felicitas Kuhn für Moravec, zum Beispiel bei „Osterhas, bring uns was!”, ein Band mit vielen Osterund Frühlingsgedichten. Ob sie auch Modellbogen bearbeitete, ist eher unwahrscheinlich. Zu den Illustratoren des Verlages gehörte Willy Mayrl, in der Sammlung Pintscher befinden sich Ausschneidebögen von ihm. Die Villa Osterhas ist eine Neuauflage des Originals aus den 1960erJahren, der Strichcode wurde in Österreich bzw. in einem Wiener Geschäft 1979 eingeführt und weist auf eine anhaltende Nachfrage nach diesem Motiv hin. Die wie üblich vermenschlichten Hasen färben Ostereier und tragen sie mit der Kiepe aus. Im Bogen der Wiener Konkurrenzfirma Josef Schneider Junior mit der Aufschrift „Oster-Aufstellbilder” wohnt die Hasenfamilie nicht mehr ganz so komfortabel, dafür ist sie vielfältiger und fleißiger dargestellt, außerdem erhält sie nachbarlichen Besuch durch „Mecki“, den Igel. Beide Bogen zeigen klare und flächige Farben mit festen Konturen. Auf dem Bogen „Meister Osterhase” (nicht gekennzeichnet) ist der Stil etwas illustrativer, die Farben weniger plakativ, man könnte sagen, mit etwas mehr „Gefühl“ aufgetragen. Der Bogen No. 200 von Josef Schneider Junior Wien zeigt in der Kombination Hase-Mensch vielleicht ein für den Export gefertigtes Motiv: der Osterhase fährt im Wagen mit einem Küken, das die Schweizer Fahne schwenkt und als Fahnenträger dahinter kann man sich einen Buben aus den Schweizer Alpen vorstellen. Auf Bogen No. 201 folgt ein buntes Allerlei mit Kindern und Hasen, einer der Langohren reitet auf einem Schaf, ein anderer fährt Rad. Es ist eine fröhlich-unkomplizierte Osterwelt, die Kinder (und ihre Eltern) sicher entzückte. Diese Schneider-Bögen sind nicht zusätzlich gekennzeichnet, bei den beiden mit der Seriennummer „No 0/101“ und „No 0/102“ könnte die erste 0 für Ostern stehen, die Bogen „Serie 3/1“ und „Serie 3/2“ sind dagegen explizit als „Osterbogen“ bezeichnet. Das Firmenlogo wird mehrfach variiert: Die Versalien JSJ (das mittle-

re „S“ meist größer) mit darunter stehendem WIEN, manchmal durch eine Linie getrennt; die Buchstaben mit und ohne Punkten, statt ausgeschriebenem Ort manchmal lediglich ein „W“, teilweise mit dem Zusatz „Made in Austria”. Es scheint auch, dass die Bögen älteren Datums eine zum Teil deutlich schmalere Aufstellfläche besitzen.

Osterkrippe

Literatur Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers, Berlin 1983; Irina Rockel: Zu haben bei Gustav Kühn. Zur Geschichte der Neuruppinger Bilderbogen, Berlin 1992; Heilige, Herrscher, Hampelmänner, Ausstellungskatalog Stuttgart 1999; Verschiedene Jahresbände des Arbeitskreises Bild, Druck, Papier Fotos: Hans-Jürgen Flamm

Ein liebenswürdiges Stück ist die „Osterkrippe“, ein unbezeichneter und titelloser Bogen, den Jürgen Pintscher mehrfach besitzt und einmal als dreidimensionales Ensemble aufstellen kann. Dazu hat er die Figuren auf passgenau ausgesägte Sperrholzstückchen geklebt und in Standfüße mit Schlitz gesteckt. Die Teile des Zaunes sind durch Scharniere verbunden und beweglich. Ein Mädchen und ein Junge knien vor dem Hasen mit Kiepe oder dem gefüllten Osterkorb – das kann man nach eigenem Gusto stellen - ein Mädchen in rotweißem Tüpfelkleid eilt herbei, ein Bub in Trägerhose wirft begeistert die Hände in die Höhe ob der Schätze, die sich hier bieten. Ein zweiter Hase hoppelt davon. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Ausschneide- und Modellierbogen einem harten Verdrängungswettbewerb vor allem durch den Plastikmodellbau ausgesetzt. Durch die Möglichkeit des Internet-Downloads und die präzisere Konstruktion von Ausschneidebogen durch die CAD-Technik erlebte der Ausschneidebogen in den letzten Jahrzehnten eine gewisse Renaissance. Immer wieder werden sie als preiswerte Werbegeschenke oder als Beilagen in Zeitschriften eingesetzt. Ein besonders beliebtes Motiv ist der Hampelmann, der sich in Wahlkampfzeiten gut zu Propagandazwecken verwenden lässt. Der Osterhase ist allerdings (als Ausschneidebogen) etwas ins Hintertreffen geraten.

Oben: Osterbogen der Serie 3/2, Verlag josef Schneider junior, Wien mitte: Kombination Ankleidepuppe mit Hasenstandbild und Einzelhase, Berlag BEHA, Berlin Unten: Ausgeschnittene und aufgestellte Osterkrippe 04 / 19


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LAcK AuS OSTASien THeReSiA PeTeRS

Tiefes Schwarz, brillantes Rot, glänzendes Gold und schimmerndes Perlmutt zeigen sich auf wertvollen Lackwaren aus dem fernen Osten, die alle Lebensbereiche der gesellschaftlichen elite wie essen, Schreiben, Reisen, Musik, Schmuck und Teekultur bereichern. noch bis zum 26. Mai wird diese materielle Kultur Japans, chinas und Koreas in den Ostasien-Räumen des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) von ihrer luxuriösen Seite präsentiert. Die prächtige Ausstellung über Lackkunst stellt mit über 100 Objekten zudem erste ergebnisse zur wissenschaftlichen erschließung der Sammlung Ostasien vor.

Luxuriöse Lackwaren Seit dem späten 16. Jahrhundert wurden Lackwaren auch auf den europäischen Höfen bewundert, gesammelt und imitiert. Gründungsdirektor Justus Brinckmann (1843-1915) legte die Sammlung des MKG in der Hochphase des Japonismus um 1900 an. Gerade die Anzahl japanischer Stücke ist beachtenswert. Aber

auch die Auswahl chinesischer Lacke und einzelne Beispiele aus Korea sind äußerst beeindruckend: Gezeigt werden wertvoller Schalen, Kämme und Schmuck, Kästen für Kosmetik, Schreibutensilien und Spiele sowie Stapelkästen für Esswaren. Zudem gewährt die Schau Einblicke in die Erwerbungspolitik des MKG und in die internationale Sammlerszene von Ostasiatika zwischen der Weltausstellung 1873 in Wien und dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914.

Ausstellung In den thematisch gestalteten Räumen zur Kunst Koreas, zum Buddhismus und zur Samurai-Kultur werden mit Lack gestaltete Objekte im jeweiligen Kontext hervorgehoben. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man zudem den Gegenständen für die japanische Teekultur. In unmittelbarer Nähe des Teehauses Shōseian (Hütte der reinen Kiefer), in dem wöchentlich Unterricht im japanischen Teeweg (chadō) und monatlich öffentliche Teevorführungen stattfinden, werden Lackwaren präsentiert, die bei der japanischen Teezeremonie Anwendung finden.

Ostasiatische Bildkultur Im Raum für ostasiatische Bildkulturen stellt die Ausstellung Shibata Zeshin (1807-1891) als den wichtigsten japanischen Lackkünstler des 19. Jahrhunderts vor. Der Lackmeister war auch als Maler und Entwerfer von Holzschnitten erfolgreich tätig. Neben Malereien und Farbholzschnitten von Zeshin werden auch Lacke aus seinem Umfeld präsentiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung beleuchtet die verschiedenen Funktionen und Gebrauchsweisen der ostasiatischen Lackkunst. Links: Kosmetikkasten (tebako) mit Kürbisranken zweite Hälfte 19. Jahrhundert, Schwarz- und Goldlack mit Perlmutteinlagen über Holzkern, 9,7 x 16,5 x 22,2 cm Foto: Joachim Hiltmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Oben: Aufbewahrungskasten für Textilien, Japan, Momoyama-Zeit, spätes 16. Jahrhundert, Schwarz-, Rot- und Goldlack auf Holz, 40,4 x 31,4 x 13,2 cm Foto: Maria Thrun, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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ASiATiKA 85 bis-Ranken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Textilien wurden in Japan in Aufbewahrungskästen während der Momoyamazeit im späten 16. Jahrhundert gelagert. Ein besonders dekoratives Stück mit den Maßen 40,4 mal 31,4 und einer Höhe von 13,2 Zentimetern erstrahlt in dekorativem Schwarz-, Rot- und Goldlack. Eine Dose aus der Edo-Zeit im 19. Jahrhundert weist die Gestalt einer lesenden Hofdame auf und besticht mit Schwarz-, Gold- und Silberlack auf Holz. Auch japanische Schreibkästen wurden zu dieser Zeit mit einem typischen Dekor aus Schwarz-, Rot-, Gold- und Silberlack auf Holz dekoriert. Aber nicht nur das Äußere der Behälter wurde so verziert, sondern auch die Innenseite der Deckel passend dazu aufwändig gestaltet. Ein Schreibka-

sten mit Libellen-Motiv aus dem 18. Jahrhundert besticht durch Perlmutt auf Schwarzlack. Auch Medizinbehälter wurden in Japan in der Edo-Zeit im 19. Jahrhundert mit Gold- und Silberlack sowie Einlagen aus Koralle, Horn, Elfenbein und Perlmutt aufwändig dekoriert.

chinesische Dosen Ein Raum ist chinesischen Dosen, Schalen und Vasen gewidmet, die in ihrem technischen Facettenreichtum von Schnitzlack bis Einlagendekor faszinieren. Eine große rote Dose mit Drachen und Attributen der „Acht Unsterblichen“ stammt aus dem

Japanische Kästen Japanische Stapelkästen für Lebensmittel, aber auch Freizeitvergnügungen wie das Muschelspiel (kaiawase) sowie Kosmetikkästen, Kämme und Schmuck geben anschauliche Einblicke in das Leben der japanischen Oberschicht. Gezeigt wird auch eine Gruppe von Lackkästen im Stil der Rinpa, die Justus Brinckmann als Werke des Hon’ami Kōetsu (1558-1637) und Ogata Kōrin (1658-1716) erwarb. Heute werden sie ins 19. Jahrhundert datiert. Die Werkgruppe verdeutlicht zusammen mit japanischen Blockdruckbüchern mit Kompositionsvorlagen dieser Lacke sowie europäischen Publikationen zu japanischer Kunst des späten 19. Jahrhunderts, wie unmittelbar Handeln, Sammeln und Vermitteln von Wissen über japanische Kunst in den frisch gegründeten Kunstgewerbemuseen miteinander verknüpft waren. Ein japanischer Kasten für das Duftspiel mit Dekor „Drei Freunde des Winters“ entstand um 1800 und zeigt Schwarz- und Goldlack auf Holz. Goldlack mit PerlmuttEinlagen über dem Holzkern schmücken hingegen einen Kosmetikkasten mit KürKasten für das Duftspiel (kōdōgubako) mit Dekor der Drei Freunde des Winters, Detail, Japan, edoZeit, um 1800, Schwarz- und Goldlack auf Holz, 16,9 x 24,8 x 18,7 cm Foto: Wibke Schrape, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Dose (kōgō) in Gestalt einer lesenden Hofdame, Japan, edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Schwarz-, Goldund Silberlack auf Holz, 2,2 x 9,8 x 5 cm Foto: Joachim Hiltmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Set für das Duftspiel (kōdōgubako) mit Dekor der Drei Freunde des Winters, Gesamtansicht, Japan, edo-Zeit, um 1800 Foto: Maria Thrun, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 04 / 19


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18. Jahrhundert aus China. Während der Ming-Dynastie der Wanli-Ära zwischen 1573 und 1618 entstand eine kleine Deckeldose aus Schnitzlack in Rot und Schwarz auf Holzkern. Ein große Dose mit glücksbringendem Dekor wurde in China zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert gefertigt. Viele dieser dekorativen Objekte dienten der Aufbewahrung persönlicher Gegenstände. Ein Hängevasenpaar aus Schnitzlack und Lapislazuli trägt Gedichte in kaiserlichem Auftrag. Sie stammen wahrscheinlich von dem chinesischen Kaiser Qianlong (1736-1795), der eine der bedeutendsten Kunstsammlungen besaß.

Aber auch auf der koreanischen Halbinsel perfektionierte man Techniken mit Perlmutt, Schildpatt und Metalldraht.

Tierpräparate Lack verwendete man auch bei der Präsentation von Tierpräparaten – etwa von Hirschkäfern – mit denen die Hamburger Ausstellung ebenfalls aufwarten kann. Solche Insektenpräparate von Higuchi Akihiro (*1969) spiegeln die spannungsreiche Beziehung zwischen Mensch und Tier. Sie reflektieren zudem die Künstlichkeit naturwissenschaftlicher wie kulturwissenschaftlicher Sammlungen, die versuchen, das fremdartige, natürliche Chaos in artifizielle Ordnungen menschlicher Ethik und Ästhetik zu pressen.

Material Lack Neben den thematischen Objektgruppen stellt die Ausstellung wichtige Lacktechniken, charakteristische Motive, einzelne Meister und ihre Malereien sowie Farbholzschnitte vor. Moderne und zeitgenössische Positionen ergänzen die Präsentation der historischen Bestände und zeigen Wechselwirkungen zwischen Lack-Ästhetik und europäischem Design auf. Was alle die gezeigten Objekte vereint, ist das Material Lack. Der milchige Saft, der aus dem Lackbaum (lat. Toxicodendron verniciflua) gewonnen wird, ist giftig und verätzt die Haut. Erst durch die Verarbeitung wird aus ihm eine glasklare, glänzende Oberflächenversiegelung, die Hitze und Feuchtigkeit gleichermaßen standhält. Über Jahrhunderte ließ sich der pflanzliche Lack nur mit bestimmten Pigmenten einfärben, weshalb die Farben Schwarz, Rot, Gold und Perlmutt die Ästhetik der ostasiatischen Lacke dominieren. Der Lack selbst trocknet nicht, sondern unterliegt einem Polymerisationsprozess: Zum Aushärten benötigt er Sauerstoff, so dass die einzel04 / 19

nen Lackschichten sehr dünn und mit zeitlichem Abstand aufgetragen werden müssen. Ein hochwertiger Lack besteht durchschnittlich aus 30 einzelnen Schichten. Besonders aufwändig gearbeitete chinesische Schnitzlacke bestehen sogar aus weit über einhundert Schichten. Typisch für die japanische Lackkunst ist das sogenannte Streubild (makie), bei dem Gold- oder Silberpulver auf den feuchten Lack gestreut wird. Ob Schnitzlack, Streulack oder Einlagendekor – die Verarbeitung des pflanzlichen Lackes ist in jedem Fall arbeitsintensiv und daher auch sehr kostspielig. In Europa ist sie äußerst schwierig – neben der natürlichen Ressource fehlen die klimatischen Bedingungen. Denn die Polymerisation findet idealerweise bei sommerlichen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit von 75 bis 85 Prozent statt. Aus diesem Grund gelang es (anders als beim Porzellan) nicht, sogenannten Chinalack oder Japanlack (uruOben links: Schreibkasten (suzuribako), Detailansicht Deckel innen, Japan, edo-Zeit, frühes 19. Jahrhundert, Schwarz-, Rot-, Silber- und Goldlack auf Holzkern, 25 x 19,5 x 4,5 cm Foto: Wibke Schrape, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Mitte: Schreibkasten (suzuribako), Detailansicht Deckel außen, Japan, edo-Zeit, frühes 19. Jahrhundert, Schwarz-, Rot-, Silber- und Goldlack auf Holzkern, 25 x 19,5 x 4,5 cm Foto: Wibke Schrape, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Oben rechts: Schreibkasten (suzuribako) mit Libellen, 18. Jahrhundert, maki-e und Perlmutt auf Schwarzlack Foto: Wibke Schrape, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Links: Fünfteiliger Medizinbehälter (inrō), Japan, edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Gold- und Silberlack mit einlagen aus Koralle, Horn, elfenbein und Perlmutt auf Holz, 9,5 x 4,2 x 2,6 cm Foto: Joachim Hiltmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


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ASiATiKA 87 shi) in Europa industriell zu verarbeiten. Bereits im 17. Jahrhundert mehren sich aber Materialimitationen auf Objekten und Möbeln, von denen auch einige Beispiele aus der Sammlung des MKG in der Ausstellung präsentiert werden.

Lacksammlung Die wissenschaftliche Erfassung der Lacksammlung des MKG geht mit der Analyse der Erwerbungspolitik für Ostasiatika unter Justus Brinckmann einher. Dabei ermöglichen die Angaben auf den frühen Inventarkarten der zwischen 1873 und 1914 erworbenen Lacke auch Einblicke in die Sammler- und Händlernetzwerke für japanische Lackwaren in dieser Zeit. In diesem Zusammenhang werden neben wichtigen Sammlern auch Ereignisse vorgestellt. Beispielhaft hierfür ist ein wertvoller Kosmetikkasten aus dem 15. bis 16. Jahrhundert, den der bedeutende Händler Hayashi Tadamasa (1853-1906) Justus Brinckmann 1904 vor seiner Rückkehr aus Paris nach Japan schenkte. Hervorzuheben sind ferner auf der Weltausstellung in Wien 1873 erworbene Lacke sowie eine Gruppe von Stücken aus der Sammlung der französischen Schriftsteller Edmond (18221896) und Jules (1830-1870) Goncourt, die zu den wichtigsten Wegbereitern des Japonismus zählen.

Oben: Große Dose mit glückbringendem guriDekor, china, 13.-14. Jahrhundert, Schnitzlack in Schwarz und Rot auf Holzkern, 6,4 x 24 cm Foto: Wibke Schrape, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Higuchi Akihiro (*1969), Mitate urushi – Shimazu Family (Samurai), 2018, Hirschkäfer-Präparat (Odontolabis cuvera ♂ 81.8 mm, Laos; ♀ 44 mm, Laos), Lack (urushi), Gold, Silber, 20 x 25 x 6 cm, eigentum der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen (erwerbung november 2018) Foto: Mikiko Sato Gallery, Hamburg © Higuchi Akihiro Rechts: Große Dose mit Drachen und den Attributen der Acht unsterblichen, china, 18. Jahrhundert, Roter Schnitzlack, 10,2 x 20,5 cm Foto: Joachim Hiltmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Lackkunst Ostasiens Die didaktisch und geschichtlich aufbereitete Ausstellung mit über 100 wunderbaren Exponaten möchte die Besucher für die Lackkunst Ostasiens begeistern, leistet aber gleichermaßen einen Beitrag zur Provenienz- und Marktforschung in der ostasiatischen Kunstgeschichte. Ergänzt werden die vormodernen Stücke aus Ostasien um historische europäische Exemplare, die Wechselwirkungen zwischen europäischem und japanischem Kunsthandwerk vor Augen führen. Diese moder-

nen und zeitgenössischen Objekte dokumentierten die Lebendigkeit der ostasiatischen Lackkunst und ihre Ausgestaltung zu Designobjekten.

informationen „Luxus pur. Lack aus Ostasien“, noch bis 26. Mai im MKG Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg. Fotos: wie angegeben

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FUNDSTÜCKE 90

n Literatur

FLOHMARKTPREISE

Katalog „Opal Kleinmöbel für jedes Heim“, Waiblingen, wohl Ende 1950er-Jahre. Gegründet wurde die Kleinmöbelfabrik von dem gelernten Buchbinder Karl Oppenländer, der seit 1896 in der Fotografenbranche tätig war und später dann die Firma Opal in Waiblingen ins Leben rief. Noch bis in die 1960er-/1970er-Jahre gab es zahlreiche und zugleich erfolgreiche deutsche Möbelunternehmen, die dann im Laufe der Zeit durch national und international operierende Mega-Kaufhäuser vom Markt verdrängt wurden. Bekannt waren unter anderem damals die Firmen Opal

n Reklame Werbeaufsteller „Rex-Tee in OriginalVerpackungen“, Deutschland, wohl 1920er-/30er-Jahre, Maße circa 40 x 28 cm. Rückseitig mit Herstellerbezeichnung „Egulan hat einen abwaschbaren Überbezug. Die Farbfestigkeit und der Glanz bleiben unverändert, wenn man den Überzug von Zeit zu Zeit mit einem weichen, feuchten Tuch reinigt. E. Gundlach Bielefeld seit 1847“. Farbenprächtiger Aufsteller mit Orientalen beim Tee-Genuss als Hauptmotiv, darunter Schriftzug und Firmenlogo. Johann Ludwig Louis Rex (1825-1890) war Inhaber der Chinesischen Teehandlung „en gros u. en detail“, der Hauptniederlassung der „Dampf- und Chokoladenfabrik“ von J. G. Hauswaldt in Magdeburg sowie ab 1879 Mitinhaber des Importgeschäfts „Rex & Co. Japanische, Chinesische und Indische Industriewaren“ in Berlin. Leider ist der Aufsteller an den Rändern umklebt, neuwertig dürfte er bis zu 100 Euro erzielen. Flohmarktpreis: 35 Euro

n Alte Technik Radiogerät Modell „448 GWLK“, Hersteller Saba, Schwer & Söhne GmbH, Villingen, 1937/38, Holzgehäuse, Maße 56 x 37 x 33 cm, Gewicht 20,5 kg, Stromverbrauch 58 Watt, ehemaliger Verkaufspreis 326 Reichsmark. Tischgerät im Querformat mit breiter Schrägskala, Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle, Superhet, 7 Kreis AM, sechs Röhren, dynamischer Lautsprecher, Klappdeckel, gut erhalten und funktionstüchtiger Zustand. Die Schwarzwäl-

der-Apparate-Bau-Anstalt (kurz: SABA) wurde 1835 in Triberg gegründet, ab 1923 wurden Teile für Radiogeräte hergestellt, ab 1927 komplette Radios. Berühmt war SABA für sein „S 35“-Radio, später folgten diverse Volksempfänger, in den Kriegsjahren Rüstungsgüter (Funkgeräte etc.) und nach dem Krieg das omnipräsente Telefon „W48“, diverse Fernseher, Tonbandgeräte, Kofferradios etc., bis die Schwarzwälder 1980 vom französischen Thomson Konzern aufgekauft wurden und die Firma schließlich 2016 endgültig erlosch. Allgemein sind die Preise für „analoges Radiohörenwollen“ sowie für Gerätschaften wie Röhrenradios schwer im Keller. Schon ab 50 bis 100 Euro angeboten, gehen sie kaum noch über die Ladentheke, trotz unvergleichlichem Röhrenklang und oftmals magischem Auge. . Flohmarktpreis: 50 Euro

„formschön, praktisch, preiswert“, „Opal Kleinmöbel mein ganzer Stolz!“, EuropaMöbel „Zum Verlieben schön“, Defaka Kurier „Ihr Heimberater“, Kaufhaus Merkur „Töchterzimmer“, Ilse-Möbel „Schöner wohnen, besser leben“, KaDeWe „Ein gepflegtes Heim“, Hess „Mach Dein Heim zu Deiner Welt“, Hansa „Die tägliche Freude – schöneres Wohnen“, Musterring „Ich bin so glücklich mit meinen Möbeln“, Angelika Möbel „Für verwöhnte Liebhaber“, Kaufhof, Horten und und und. Interessanter Einblick in die teilweise. noch etwas verklemmte Nachkriegs-Konsumwelt im eigenen Heim in der noch jungen BRD. Flohmarktpreis: 15 Euro

Erscheinungstermin Mai-Ausgabe: Abo-Versand 17.04.2019 Erstverkaufstag Handel 23.04.2019 04 / 19


U4_Jaarbeurs

07.02.2019

12:53 Uhr

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Trödler 04/2019  

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