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• € 4,50

Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,00

Zigarettenetuis Taschenlampen


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INHALT 3

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

4

LESERFORUM ■ Expertenauskünfte

7

ONLINETIPP ■ Websites für Sammler

8

MAGAZIN ■ Ausstellungen – Messen – Märkte

DESIGN

14

■ Konstantin Grcic

REDAKTION MARKT & HANDEL Heidrun Th. Grigoleit STÄNDIGE MITARBEIT

Dr. Graham Dry, Dr. Dieter Weidmann

AUKTIONEN

AUTOREN DIESER AUSGABE

Reinhard Bogena, Heidrun Grigoleit, Carel Weide, Reinhard Wylegalla

■ Berichte – Preise – Termine

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

VERTRIEB

Gerd Reddersen

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

REKLAME

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

■ Eduscho Bilderbücher

ABOVERWALTUNG

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

DRUCK

westermann druck Gmbh

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BLICKPUNKT ■ Glas / Sofas

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TECHNIK ■ Taschenlampen / 1

90

SCHALLPLATTEN ■ Schwarzes Gold für Sammler

OSTALGIE

92 96

■ DDR-Schreibgeräte

FUNDSTÜCKE

104

■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ■ ANTIKMARKTTERMINE ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

■ SAMMLERBÖRSENTERMINE

TITELFOTOS

Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig – Magis – Flos Spa – Schloss Ahlden – Im Kinsky

■ AUSLANDSTERMINE

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ REGELMÄSSIGE TERMINE ■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE ■ MARKT & HANDEL

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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ONLINETIPP 7

■ „Das Erwachen der Macht" läuft in den Kinos, und etliche Sammlungen werden damit wieder reichlich Zuwachs bekommen. Mit dem „Krieg der Sterne" wurde 1977 eine neue Sammelleidenschaft ausgelöst, die sich inzwischen auf eine schier unüberschaubare Vielfalt unterschiedlichster Objekte erstreckt. So werden im Internet gut geordnet einige spezialisierte Kollektionen präsentiert, aber auch Sammlungen, bei denen der Betrachter mit verwirrender Navigation durch unendliche Weiten geführt wird.

STAR WARS

■ Jedipedia – Das Star Wars-Wiki Wer sich im Star Wars-Universum nicht auskennt, hat die Möglichkeit, sich hier gezielt mit Hilfe gut strukturierter Kategorien zu informieren oder auf über 35000 Seiten zum Experten zu werden.

ben Bildmaterial werden zu den Exponaten auch umfassende Informationen geboten, wie Angaben zum Material, Datierungen, Maße, frühere Preise usw. Unter „Collections“ sind sechs Sammlungen unterschiedlicher Schwerpunkte und Größen zu sehen, allerdings ist dazu neben Kurzinformationen über die Sammler fast nur Bildmaterial vorhanden. Neuheitenvorstellungen, Terminhinweise und einige andere Informationen werden auch geboten. www.starwarscollector.de

jedipedia.wikia.com/wiki/Jedipedia:Hauptseite

■ Star Wars online Museum In zwei Haupt- und fast 30 Unterkategorien wird mit viel Bildmaterial und knappen Informationen eine sehr vielfältige Sammlung präsentiert: Figuren, Sammelbilder, Münzen, Kleidung, Autogramme, Comics u.v.a.m. Dazu kommen noch umfangreiche Bildergalerien von mehreren Ausstellungen. www.meine-star-wars-sammlung.de

■ Kleine Star Wars Sammlung Diese kleine Präsentation zeigt vorwiegend Verpackungen von Figuren und Puzzles. Da es sich aber um alte Stücke handelt, ist auch diese bescheidene Sammlung sehenswert.

■ Star Wars Sammlung Neben einer überschaubaren Einführung in das Thema bietet die Homepage in vier chronologisch geordneten Bildergalerien Figuren aus der Zeit von 1978 bis 1985. Informationen zu den gezeigten Objekten gibt es nicht. www.star-wars-sammlung.de/index.html

■ Kernwelten Sammler dürften hier einige interessante Objekte entdecken, die allerdings nur in bescheidener Bildqualität präsentiert werden. Die übrigen Menüpunkte dieser Homepage bieten eher Interessantes für

Star Wars-Fans allgemein und nur wenig Sammelobjekte. www.kernwelten.de/sammlung.html

■ Starwarslifestyle Eine gewaltige Sammlung wird hier in gut 25 Hauptkategorien präsentiert. Zu der sehenswerten Menge an Bildmaterial und einigen Videos gibt es nur sehr spärliche Informationen. www.starwarslifestyle.de

www.oobdoo.de/sonstiges/starwars/starwars. html

■ Starwars-Collectorbase Wer sich weniger für Neuheiten und mehr für ältere Sammelobjekte interessiert, sollte gleich zum Menüpunkt „Collectorbase“ wechseln. Hier finden sich, nach Herstellern und Sachgebieten sortiert, zahlreiche Objekte mit gutem Bildmaterial und umfassenden Beschreibungen. Auch unter „Holocron“ lassen sich allerlei Sammlerstücke mit interessanten Informationen entdecken. www.starwars-collectorbase.com/index.php

■ Star Wars Collector In der Kategorie „Collectors Guide“ werden 13 Hersteller von Star Wars-Artikeln mit ihren vielen Produkten vorgestellt. Ne03 / 16


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DESIGN 14

KONSTANTIN GRCIC HEIDRUN TH. GRIGOLEIT

Die Ausstellung „Konstantin Grcic Panorama“ im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig ist die bisher größte Werkschau zum Schaffen des avantgardistischen deutschen Designers. Eigens für die umfassende Ausstellung, die zuerst im Vitra Design Museum stattfand und jetzt noch bis 1. Mai in Leipzig gezeigt wird, hat der Künstler drei Raumszenarien entworfen, die sich Grundthemen des Designs widmen: dem Wohnen „Life Space“, der Arbeit „Work Space“ und dem öffentlichen Raum „Public Space“.

Werk und Visionen Zur Ausstellung ist ein Buch über Werk und Visionen des Designers mit einem umfassenden Verzeichnis im Verlag des Vitra Design Museums erschienen. Der Katalog mit Bildern und Bildkollagen auf über 300 Seiten enthält Beiträge von Paola Antonelli, Jan Boelen, Luise Schouwenberg, Jonathan Olivares, Richard Sennet und Peter Sloterdijk sowie zahlreiche Texte von Konstantin Grcic. In einem ausführlichen Katalogteil dokumentiert das Buch alle wichtigen Arbeiten des Künstlers seit Beginn seiner Laufbahn in den 1980er-Jahren.

Avantgardistisch Die Entwürfe von Konstantin Grcic sind sowohl zukunftsweisend wie avantgardistisch und verbinden experimentelle und

künstlerische Elemente mit kühler industrieller Ästhetik. Sie sind einerseits ernsthaft und funktional, manchmal witzig und humorvoll, gelegentlich aber auch befremdlich und irritierend. Einige seiner Stücke gelten schon heute als Design-Klassiker – etwa der „Chair_one“ aus dem Jahr 2004 oder die Leuchte „Mayday“ von 1999. Die Ausstellung dokumentiert anhand der drei Rauminszenierungen, welche Fragen den Künstler beschäftigen und wie er die Zukunft des Designs beurteilt. In einem vierten Ausstellungsbereich, dem „Object Space“, werden in der Orangerie des Grassi Museums Prototypen, Produkte sowie Zeichnungen von Grcic ausgestellt. Auch andere Gestalter werden hier mit ihren Werken berücksichtigt. All diese Objekte und Fundstücke geben Einblicke in Grcics ungewöhnliche und intuitive Vorstellungswelt. Dabei verknüpft die Ausstellung den Blick auf das „große Ganze“ mit der täglichen Arbeit des Designers und verbindet persönliche Inszenierungen mit wissenschaftlicher Zukunftsforschung. Deutlich wird auch, wie aus Weltentwürfen neue Objekte entstehen und wie dadurch wiederum die Weltensicht geprägt wird. Die Besucher werden zudem auf dieser Panorama-Ausstellung zwangsläufig mit Fragen konfrontiert, wie wohl die Zukunft aussehen könnte?

Konstantin Grcic Konstantin Grcic wurde 1965 in München geboren und wuchs in Wuppertal auf. Er studierte nach einer Schreinerlehre in Dorset in England an der John Makepeace School, anschließend von 1988 bis 1990 Design am Royal College of Art in London. Danach arbeitete er im Studio von Jasper Morrison, bevor er 1991 sein eigenes Designstudio unter dem Namen Konstantin Beide Fotos: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst 03 / 16


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DESIGN 15 Grcic Industrial Design (KGID) in München gründete. Seine Arbeiten waren anfänglich vom schlichten und minimalistischen Stil Jasper Morrisons beeinflusst. Schnell entwickelte er jedoch eine eigene, unverwechselbare Formensprache. Seine kühle, rationale und oft minimalistische Herangehensweise an seine Objekte lässt sich vielleicht auch mit seinen deutschen Wurzeln erklären. Denn in den Arbeiten von Grcic spiegelt sich eine typisch deutsche Strenge wieder, die von Rationalität und Logik geprägt ist mit einer Abneigung gegen überflüssige Verzierungen. Aber auch Einflüsse von Designgrößen wie Gerrit Rietveld, Jean Prouvé oder Enzo Mari sind in seinen Werken offenkundig, wie auch Parallelen zu Künstlern wie Blinky Palermo, Heimo Zobernig oder Thomas Demand. Heute ist Grcic selbst prägend für eine ganze Generation von Gestaltern, denn viele Designer haben in seinem Studio mitgearbeitet und Erfahrungen geich auch, dass Produkte den Menschen Handlungen nicht nur erleichtern, sondern sie auch konditionieren und bestimmen. Daraus entstehen Verpflichtungen“, so Grcic, „die Verantwortung von Designern ist gewaltig“.

Leuchte Mayday Die praktische Leuchte „Mayday“, die Grcic 1999 für Flos entwarf, besteht aus einem hellen, trichterförmigen Schirm und

sammelt – so etwa Stefan Dietz, Clemens Weisshaar oder Nitzan Cohen. Seine Auftraggeber in München sind namhafte Designunternehmen wie Flötotto, Authentics, Flos, Magis, Vitra, Plank oder Muij. Wichtige Ausstellungen seiner Werke fanden im Münchner Haus der Kunst und der Londoner Serpentine Gallery statt.

„Form follows function“ In Grcics Werken wird der moderne Leitsatz „Form follows function“ konsequent Fotos oben: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Mayday_2, Leuchte, Flos, 1999 Foto: Flos Spa

umgesetzt, wobei die Funktionalität der Objekte aufs Wesentliche reduziert ist. KGID entwickelte außerdem neue Materialien und fand neue Anwendungsbereiche für bewährte Stoffe, wobei beide in Kombination mit neuen Medien in genialen Konstruktionen zusammenfanden. In den ästhetischen Industrieprodukten von KGID spiegelt sich dabei eine große Faszination für Technik und modernstes technologisches Know-how, das Grcic und sein Mitarbeiterstab genauestens beherrschen. Dabei beschränkt sich deren Anspruch aber nicht alleine darauf, innovative und qualitativ hochwertige Produkte zu entwerfen, sondern es geht auch um Fragen, welche Beziehungen die Menschen zu den Objekten haben, die sie im täglichen Leben nutzen. Für Grcic spielen die Nutzer also eine entscheidende Rolle: „Funktionalität impliziert Nutzung… es ist daher aus meiner Sicht wichtig, dass diese Dinge verständlich sind und eine klare, einfache Funktion haben. Zugleich weiß 03 / 16


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DESIGN 16 einem beweglichen schwarzen Spritzgussgriff. Beide Teile sind aus Polypropylen. Der massive Griff dient zum Bewegen, Halten oder Aufhängen der durchscheinenden Leuchte, deren langes Stromkabel am Griff auch aufgewickelt werden kann. Eine Aussparung im Lampenschirm erlaubt es, die Lampe pendelnd aufzuhängen und als indirekte Lichtquelle zu verwenden. Die robuste „Mayday“ erinnerte an Werkstattleuchten und gleicht einem universellen Arbeitsgerät, das man immer dort nutzen kann, wo kurzfristig eine gleichmäßige Beleuchtung nötig ist. Diese Leuchte hat keine einschränkende Funktionsbestimmung und kann mit ihrem fast fünf Meter langen Kabel frei entweder für eine Arbeits- oder Wohnsituation genutzt werden. Zudem überwindet „Mayday“ herkömmliche Typologien von Tisch-, Hänge-, Steh- oder Wandleuchte und kann spontan mit verschiedenen Positionen dort eingesetzt werden, wo gerade Lichtmangel herrscht. Genauso schnell ist sie auch wieder aufgeräumt.

Tisch „Pallas“ Der Tisch „Pallas“, den Crcic 2002 für den italienischen Hersteller ClassicCon entwarf, vereint zwei Grundgedanken des Designers: Zum einen arbeitete er dafür mit Materialien früherer Projekte – dem pulverbeschichteten Stahl aus der „Diana-Serie“. Zum anderen zeigte Grcic auch keine Scheu vor Referenzen zu Designklassikern – in diesem Fall zum „Grande Table“ von Jean Prouvés aus den 1950er-Jahren.

Geschirrserie „Coup“ Die Geschirrserie „Coup“, die für die Rosenthal Marke „Thomas“ produziert wurde, umfasste in einer ersten Auflage 37 Porzellan- und Glasartikel und basierte auf zwei Elementen: flache Teller und konkave Schalen. Selbst die Kannen der Serie gleichen vergrößerten Tassen, die nur um Ausguss und Deckel verändert wurden. Das traditionelle, wohl durchdachte Service bietet Tassen mit Untertassen, die verschieden kombiniert werden können. So lassen sich etwa die Schalen mit den Tellern passender Größe abdecken. Eine ovale Untertasse mit asymmetrisch versetztem Spiegel bietet Platz für ein Glas Wasser oder Gebäck. Gourmet-Teller in Fotos oben: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Thomas_Coup, Teekanne, Porzellan, Thomas/Rosenthal, 2003 © KGID, Rosenthal GmbH 03 / 16


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DESIGN 17 derkante eines normalen Stuhls. Auf diesem Stuhl kann man aber auch seitwärts oder rücklings, rechtsherum oder linksherum sitzen. Wenn man kurze Zeit darauf sitzt, ist diese Position bequem und man ist äußerst flexibel und beweglich.

Barhocker „Miura“

drei Größen eignen sich für verschiedene Speisen. Die Proportionen jedes der Elemente passen stimmig zum Gesamtkonzept der Produktfamilie. Auf Anregung von Konstantin Grcic entstand für die Geschirrserie „Coup“ das Dekor „Spray“, das von der Grafikerin Valerie Kiock gestaltet wurde.

Ausführungen mit einem Sockel aus Beton, mit einem wahlweise drehbar gelagerten Sitz. Außerdem kann man den Stuhl stapelbar mit Beinen aus Aluminiumprofilen – poliert oder lackiert – erwerben. Weitere Varianten sind der Stuhl mit einem 4Stern-Fuß oder als ganze Sitzanlage mit Aluminium- oder Beton-Basis. Auch ein Hocker „Stool_one“ und dazu passende Tische ergänzen die Kollektion.

Der Barhocker „Miura“ (Plank, 2005) kann gestapelt werden, was für einen Barhocker ein Novum darstellte. Die Stapelfähigkeit des Hockers ist nicht nur für den Benutzer äußerst praktisch, sondern ist bereits während der Produktion, der Lagerung und beim Transport relevant, da äußerst ökonomisch. „Miura“ war ein Wendepunkt in der Karriere von Konstantin Grcic. Mit seinem „Chair_one“ hatte er 2004 international viel Aufmerksamkeit erregt, woran seine neuen Projekte nun gemessen wurden. Mit „Miura“ nutzte er die Möglichkeit, den harten Kanten von „Chair_one“ weichere Profile entgegenzusetzen. Das plastische, abgerundete Design des Kunststoffhockers wurde im Spritzgussverfahren aus verstärktem Polypropylen hergestellt, wobei die frei geformten, komplexen Oberflächen der farbigen Hocker vollständig am Computer entstanden. Beim Design stand vor allem die Stapelfähigkeit im Vordergrund. Ein seltsam orange-schwarz verfärbter Ho-

Stühle: „Chair_one“ „Stuhl 360°“ Bevor der Magis-Gründer Eugenio Perraza 2004 einen Stuhl aus Aluminiumdruckguss bei Konstantin Grcic in Auftrag gab, produzierte das italienische Unternehmen hauptsächlich Möbel aus Kunststoff. Bei der Entstehung der Stühle „Chair_one 1“ und „Chair_one 2“ beschreibt der Designer seine Vorgehensweise als eine „Mischung aus Naivität und Übermut“. Das Produktionsverfahren für die Stühle wurde zuvor für Möbelgestelle genutzt. Nun produzierte Grcic mit diesem Verfahren einen ganzen Stuhl im Aluminiumdruckguss. Die Sitzfläche von Chair_one ist in flacher Struktur dreidimensional in einer ungewöhnlich offenen Form zusammengefügt. Ursprünglich für den Außenbereich – etwa für öffentliche Outdoor-Sitzanlagen konzipiert – hat das markante Sitzmöbel längst den Weg in supermoderne Büros oder schicke Wohnungen gefunden. Den „Chair_one“ gibt es in unterschiedlichen

Der „Stuhl 360°“ (Magis, 2009) hat eine Sitzfläche so breit wie ein Brett. Darauf balanciert man, als säße man auf der Vor-

Foto oben: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig 360°_Magis, Stuhl, Hocker, Magis, 2009 Foto: Magis Chair_one_1, Magis, 2004, concret base Foto: Magis 03 / 16


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cker „Miura“ war technisch gesehen Ausschuss, der beim Farbwechsel in der Produktion anfiel.

Neue Materialien Das Material war ausschlaggebend bei der Entstehung der eleganten, frei schwingenden Stühle „Myto“ (Plank 2008). Der Kunststoff Ultradur High Speed von BASF

wurde zuvor für Teile im Automobilbau genutzt. Für „Myto“ wurde das Material, das in der Gussform besonders schnell fließt und dabei stabile Strukturen bildet, nun erstmals für Möbel verwendet. Dieser innovative Kunststoff erlaubt beim Möbeldesign elegante Übergänge von dick zu dünn. Der stapelbare Freischwinger „Myto“ entstand in Zusammenarbeit mit BASF und der Südtiroler Firma Plank und hat im Unterschied zu Freischwingern aus Stahlrohr einen klar definierten Rahmen. „Muskeln“, die die Konstruktion stützen, sind deutlich sichtbar. Grcic erhielt für Myto zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den „Compasso d’Oro“. Der Freischwinger, den es in verschiedenen Farben gibt, ist in vielen Museumssammlungen zu bewundern. 03 / 16

Tom & Jerry Nicht immer ist es Aufgabe eines Designers, Produkte gänzlich neu zu erfinden. Diese Maxime steht beispielsweise hinter Miura_all_colors, Barstühle, 2005, Plank Foto: Matteo Imbriani Foto Mitte: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig Miura_black, Barstuhl, 2005, Plank Foto: Matteo Imbriani


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DESIGN 19 dem Konzept „Tom und Jerry“ – zwei drehbare und damit höhenverstellbare Hocker. Mit seinem Design wiederholte Grcic den Archetyp eines verstellbaren Hockers, der über Jahrzehnte hinweg als anpassungsfähige Sitzgelegenheit vor Klavieren, in Büros oder Kantinen benutzt wurde und längst Teil der Alltagswelt geworden war. Nur der mechanische Drehmechanismus und die Farbgestaltung wurden von Grcic optimiert: Mit Hilfe eines leichtläufigen Polypropylengewindes und in den vier Farbvariationen Weiß, Schwarz, Rot und Blau aktualisierte und modernisiert er den Archetyp auf frappierende Weise.

Sessel „Medici“ Auch an „Medici“, einem Sessel für Mattiazi aus dem Jahre 2012, zeigt sich die Entwicklung des Designers. Grcic beschreibt das Projekt als „persönliche Zeitreise“, die ihn zu seinen Anfängen als Möbeltischler mit dem Material Holz zurück-

führte. Aus diesem Naturmaterial entwickelte er nun einen modernen, komplexen, dreidimensional strukturierten Sessel, der sich aus Holzplanken zusammensetzt. Die niedere Sitzposition des Möbels erinnert an den Typus der amerikanischen „Adirondack Chairs“ – robuste Gartenmöbel des frühen 20. Jahrhunderts. Es gibt Versionen aus Douglasie (auch in Gelb, Myto_black, Stuhl, Plank, 2008 Foto: Matteo Imbriani Myto_group_all colors, Stühle, Plank, 2008 Foto: Matteo Imbriani Fotos rechts oben und unten: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig 03 / 16


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DESIGN 20 Rot und Grau), aus amerikanischem Nussbaum und aus thermobehandelter Esche für die Nutzung im Garten. Ein passender Fußschemel gehört ebenso wie ein kleiner Beistelltisch zum Medici-Programm.

Parrish Collection Der Tisch, Stuhl und Loungesessel, den Grcic 2013 speziell für das Parrish Art Museum von Herzog & de Meuron auf Long Island in New York entwarf, steht sinnbildlich für seinen analytischen Geist und den Mut, Möbelklassiker und Designtraditionen in seine Arbeiten einzubeziehen. Alle Elemente der Serie bestehen aus gebogenen Aluminiumrohren und Kiefernholz und wurden vom amerikanischen Familienunternehmen „Emeco“ hergestellt, eine Firma, die lange Erfahrungen mit der Herstellung von Aluminiumstühlen hatte. Die geschwungene Form der Möbel beschreibt der Designer „als ein Band, das den Raum um einen herum definiert – einen Raum, in dem man sich geschützt fühlt“. Der Stuhlsitz erinnert an einen Trak-

torsitz und ist damit eine Huldigung an den Designklassiker Mezzadro von Achille Castiglioni aus dem Jahre 1954, den Grcic

bewundert. Die gesamte Konstruktion läuft in einem einzigen Element unter dem Sitz zusammen, die als „Herzstück“ bezeichnet wird. Dieses aus einer Gießform aus Aluminium bestehende Teil ist das Bindeglied, das die Möbel zusammenhält.

Neuinterpretationen Wie hier und bei vielen anderen von Konstantin Grcic entworfenen Produkten verOben: Tom&Jerry_2, The Wild Bunch, Hocker, Magis, 2011 © KGID, Foto: MagTom&Jerry_2 Links: Parrish_lounge_black, Emeco, 2013 © KGID, Foto: Emeco Unten: Parrish_side_chair_parws, Emeco, 2013 © KGID, Foto: Emeco

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DESIGN 21 schweren Konstruktionen, was Sofas und Sessel zu ziemlich unbeweglichen Möbeln werden lässt. Ganz anders bei „Traffic“. Die Basis dieser Möbelserie bildet eine offene Konstruktion aus einem dünnen Metallgestänge, das entweder verchromt oder in glänzenden Farben pulverbeschichtet ist. Diese Konstruktion nimmt Sitzkissen, Rücken und Armlehnen auf, die mit Leder oder Stoff bezogen sind. Das Sitzen lässt sich so je nach Bedarf mit entspannter Beiläufigkeit verändern. Die filigrane Serie besteht aus Sessel, Zweisitzer, zwei Bänken, einer Sofa-Sitzinsel sowie einer Chaiselongue. Damit kommt Grcic auf die Idee schlanker, feingliedriger Sitzmöbel zurück, die seit den 50er-Jahren mit den feinen Konstruktionen von Robin Day und Mathieu Mategot über die Jahre hinweg immer voluminöser, schwerer und unbeweglicher geworden sind.

Leben im „Hier und Jetzt“

einen sich auch bei der Gartenbank „Bench B“ 2011 eine Reihe von Bezügen und glücklichen Fügungen: Eine erste Inspiration kam von den schmiedeeisernen Bänken im Park der Villa Massimo in Rom, wo Grcic einige Zeit als Stipendiat lebte. Seine Überlegungen führten dann aber bald zu einem kreuzförmigen Gestell der Bänke aus Gussaluminium, die natürlich an den berühmten Barcelona-Sessel von Mies van der Rohe für den Deutschen Pavillion 1929 in Barcelona erinnern. Die Neuinterpretation des Möbelklassikers als Bank wurde dann übrigens auch von einem Unternehmen in Barcelona, „BD Barcelona Design“, hergestellt. „Bench B“ kann in beliebiger Länge angefertigt werden – vom Einsitzer bis zu 4,8 Meter Länge. Die Bank gibt es mit Armlehne oder Polstern oder puristisch rein nur aus Aluminium.

„Ich bin ein Beobachter“, sagt Grcic über sich. „Ich möchte etwas über die Geschichte des Designs, die Codes wissen

und die industriellen Prozesse verstehen. Aber insbesondere möchte ich das Leben verstehen und verstehen, wie Dinge mit dem Leben verbunden sind. In meinem Design soll dieses Streben zum Ausdruck kommen. Produkte sagen etwas über uns, die derzeitige Entwicklungsphase, technologische Innovationen sowie gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung des Hier und Jetzt aus.“

Ausstellung und Katalog „Konstantin Grcic Panorama“ im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig, noch bis 1. Mai. Telefon: 0341/2229100. www.grassimuseum.de. Ausstellungskatalog: „Konstantin Grcic Panorama“. Werk und Visionen des Designers, mit einem umfassenden Verzeichnis, zahlreichen Bildern und Bildkollagen, 320 Seiten, Verlag des Vitra Design Museums, Beiträge von Paola Antonelli, Jan Boelen, Luise Schouwenberg, Jonathan Olivares, Richard Sennet und Peter Sloterdijk und zahlreiche Texte von Konstantin Grcic, ISBN 978-3-931936-06-8.

Gegen Beschränkungen Viele Möbelhersteller sind auf bestimmte Herstellungstechniken spezialisiert und damit in gewisser Weise auch eingeschränkt. Konstantin Grcic hat diese Beschränkungen häufig in Frage gestellt und auch überwunden – so etwa bei der Produktion des „Chair_one“ in der Zusammenarbeit mit Magis. Im Jahre 2013 entwarf er für die Firma mit „Traffic“ dann das erste Polstermöbelprogramm für den Hersteller. Traditionell ruhen Polster auf Foto oben: Esther Hoyer/GRASSI Museum für Angewandte Kunst Medici_Lounge, Sessel, Mattiazzi, 2012 © KGID, Foto: Florian Böhm 03 / 16


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BLICKPUNKT 32

GLAS

■ Maurice Marinot Dass das Art déco bis heute nichts an seiner Strahlkraft für den globalen Markt verloren hat, bewies die triumphale Versteigerung der Privatsammlung des Pariser Kunsthistorikers und Händlers Félix Marcilhac in der Seine-Metropole bei Sotheby’s im März 2014. Das gepflegte und wissenschaftlich bestens aufgearbeitete Sammlungswerk von Marcilhac hatte alle namhaften internationalen Sammler und Händler von Rang angezogen, allein 600 Telefonbieter hatten sich angemeldet, um mit zu steigern – die Ergebnisse der Auktion gingen in die Annalen des Art décoHandels ein. 316 Kunstwerke aus der Epoche des Art déco kamen zum Aufruf und spielten, oft zugeschlagen um ein Vielfaches der Schätzungen, ein Gesamtergebnis von 24,7 Millionen Euro ein. 19 der Lose aus den Bereichen Möbel und Einrichtung, Glas, Metall und Keramik waren Glaskunstwerke von Maurice Marinot aus dessen bester Schaffensperiode, den 1920er- und frühen 1930er-Jahren. Keine Frage, auch die gläsernen Artefakte von Maurice Marinot, dessen Werkverzeichnis Große Vase „Die drei Tänzerinnen", 1922. Gelbes Überfangglas auf weißem, graviertem Glas. Signiert und mit nummeriertem Etikett. H 39,0 cm, Ø 21,5 cm. Sotheby’s Paris am 11. März 2014, Auktion Félix Marcilhac – Collection Privée, Los 16. Taxe 15.000-20.000 Euro, Ergebnis 35.000 Euro (Foto: Sotheby’s, Art digital studio)

der Sammler Félix Marcilhac 2003 publiziert hatte, erzielten ganz herausragende Ergebnisse: Der höchste Preissprung war einem Flakon mit raffinierten, violetten, blauen und grünen Blaseneinschlüssen vergönnt, der mit einer Schätzung von 6.000-8.000 Euro beziffert war und dann auf ein Ergebnis von 109.500 Euro kletterte. Die Glaskunstwerke von Marinot, von denen rund 2.800 Objekte und jedes davon als Unikat geschaffen wurden, gehören zum Begehrtesten, was der Künstler schuf. Marinot hatte ursprünglich ein ganz anderes Standbein gehabt, das nichts mit Glaskunst zu tun hatte. Er war Maler, stellte in seinen jungen Jahren, nämlich ab 1905, sogar gemeinsam mit Henri Matisse und André Derain auf den berühmten Salon d’Automnes in Paris aus. Dennoch, ein Seitenblick auf den aktuellen Kunstmarkt zeigt, dass seine Gemälde, meist Genreszenen, Landschaften und Stillleben, im Vergleich zu seinen Glasschöpfungen bislang kaum Beachtung finden. Generell werden sie niedrig geschätzt, mit drei- oder vierstelligen Taxen ausgepreist, und meist geht für sie – wenn überhaupt – zwischen 1.000 und 2.000 Euro der Hammer nieder – ein Umstand, der sich ändern könnte, wenn das malerische Werk von Maurice Marinot eine umsorgende Händlerhand finden würde … Den ausführlichen Artikel „Maurice Marinot – 1882-1960” (neun Seiten, 27 Abbildungen) von Dr. Bettina Krogemann finden Sie in der aktuellen März-Ausgabe der Zeitschrift „Sammler Journal” (ab 1. März im Handel erhältlich)

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Kleiner Flakon mit Verschluss, 1925. Farbloses Glas, innen karmesinroter Dekor unter bisterfarbenem Glaskörper. Signiert und mit nummeriertem Etikett. H 10,4 cm. Sotheby’s Paris am 11. März 2014, Auktion Félix Marcilhac – Collection Privée, Los 14. Taxe 10.000-12.000 Euro, Ergebnis 32.500 Euro (Foto: Sotheby’s, Art digital studio)

Deckelschale, 1912. Farbloses Glas mit Emailmalerei. Mit nummeriertem Etikett. H 26,5 cm. Sotheby’s Paris am 11. März 2014, Auktion Félix Marcilhac – Collection Privée, Los 177. Taxe 6.000-8.000 Euro, Ergebnis 13.750 Euro (Foto: Sotheby’s, Art digital studio)


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BLICKPUNKT 33

DESIGN

■ Sofas Sofas sind problematische Sammelobjekte. Letztlich erwerben wir sie kaum nur um ihrer selbst willen, sondern als Funktionsgegenstand. Dies hängt zum einen mit ihrer Größe zusammen, zum anderen mit dem Verschleiß ihrer Benutzeroberfläche. Eine weitere Besonderheit an Sofas ist, dass ihre Form nicht – wie bei einem Holzmöbel – vom Kunsthandwerker unmittelbar geformt wird, sondern sich aus Material und Bearbeitung erst ergibt, möglicherweise auch im Lauf der Zeit verändert, etwa wenn die Polster „durchgesessen" sind. Andererseits ist ein Sofa das eigentliche Zentrum einer Wohnung, dort, wo sich Lebensgefühl und gesellschaftlicher Anspruch in besonderer Weise ausdrücken. Dabei ist ein Sofa eine schwer auflösbare Verbindung von öffentlicher Repräsentation und privater Funktionalität, was wiederum dazu führt, dass Sofas in der Geschichte des modernen Designs eine besondere Rolle spielen. Dadurch, dass sie aufgrund ihrer Polsterung schon immer ornamentreduziert und formvereinfacht daherkamen, kommen sie der modernen Gestaltung in besonderer Weise entgegen, weshalb auch der Gegensatz zur Tradition nie so einschneidend war wie in anderen Bereichen. Trotzdem wurde das moderne Sofa nicht von allen Bevölkerungsschichten wirklich akzeptiert: Schreckliche Mischformen des HistorisFinn Juhl, Zweieinhalbsitzer, 1940er-Jahre, Holzgestell mit Polsterung und Stoffbezug, L 170 cm. Das Sofa ist deshalb so interessant, weil es einen Stil, den man gemeinhin mit den 50er-Jahren verbindet, bereits in den 40ern realisiert, was uns schmerzlich darauf hinweist, dass die 40er-Jahre in einem Großteil von Europa durch den Krieg stilgeschichtlich kaum stattfanden (Foto: Rasmussen)

mus geistern als stilistisch Untote noch immer durch die Lande und verbreiten dort ihren Verwesungsgeruch. Sofas sind eine relativ junge Errungenschaft. Natürlich gab es bereits in der Antike durch Gurte und Kissen auf Bequemlichkeit ausgelegte Liegen, die aber kaum den heutigen Sofas, sondern eher Betten entsprachen. Im christlichen Abendland kam es erst im 16. Jahrhundert in Deutschland und England zu Versuchen, durch Polsterungen Sitzgelegenheiten bequemer zu gestalten. Dazu verwendete man pflanzliche Fasern wie Stroh oder Tierhaare, etwa von Pferden. Durch spezielle Polsternägel mit breiten, oben gerundeten Köpfen wurde diese Polsterung an Sitzfläche, Rücken- und Armlehne befestigt und teilweise noch in kleinere Kompartimente unterteilt. Das waren anfangs sehr exklusive Möbelstücke. Generell war das Barock (der feudalen Wohnkultur) vorwiegend auf Repräsentation ausgerichtet, so dass Möbelstücke vor allem mit aufwändi-

Hans Bellmann, „Sitwell"-Sofa, Hersteller Strässle, Schweiz, 1955, Stahlrohrbeine, Fiberglas-Sitzschalen, Schaumstoff, Stoffbezug, L 140 cm. Der Gegensatz von organisch schwellenden und metallisch grafischen Formen ist typisch für die 50er-Jahre. Durch den Einsatz von Schaumstoff wurden freiere Polsterformen möglich (Foto: Dorotheum)

gen Dekoren und Ornamenten ausgestattet wurden, die meist aller Bequemlichkeit Hohn sprachen. Erst mit dem 18. Jahrhundert, in dem der französische Adel aus Versailles und dem Repräsentationsstil Ludwigs XIV. flüchtete, um in den Pariser Stadtpalais einen privateren und entspannteren Wohnstil zu pflegen, begann die große Zeit des Sofas, auch Couch und Chaiselongue genannt. Die Tischler verstanden es, ornamentalen Aufwand und Bequemlichkeit in einem anschmiegsamen, femininen Stil des Rokoko zu einer zwanglosen Einheit zu verbinden. Und Anfang des 19. Jahrhunderts begann auch technologisch eine neue Ära der Sofas und Polstermöbel; in England hatte man die Springfeder erfunden, die in großem Stil für die Polsterung eingesetzt wurde. Es handelt sich dabei um eine elastische Spiralfeder in einer Kegelform, möglich sind auch Federn in Form einer taillierten Sanduhr, die durch eine kunstvolle Verknüpfung so angeordnet werden, dass sie eine elastische, durch eine Polsterauflage und den Stoff- oder Lederüberzug einheitliche Liege-, Sitz- oder Lehnfläche ergeben. Dadurch ist es möglich, die Polster vorwiegend hohl und luftig zu gestalten, so dass die Sofas trotz ihres zunehmenden Volumens nicht notwendig schwerer, sondern teilweise sogar leichter wurden. Den ausführlichen Artikel „Sofas im 20. Jahrhundert” (neun Seiten, 25 Abbildungen) von Dr. Dieter Weidmann finden Sie in der aktuellen März-Ausgabe der Zeitschrift „Sammler Journal” (ab 1. März im Handel erhältlich)

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LICHT IN DIE GESCHICHTE DER ELEKTRISCHEN TASCHENLAMPE / 1 CAREL WEIDE

Die elektrische Taschenlampe ist grundsätzlich ein einfaches Gerät: eine Hülse aus Blech oder Kunststoff, ein trockenes Element (Batterie), eine Glühlampe sowie ein Druckknopf oder ein Schieber. Das hört sich alles sehr einfach an, es gilt aber zu bedenken, dass in der Vergangenheit viele Tausende Mannjahre Arbeit und Forschung geleistet wurden, bevor die erste elektrische Taschenlampe auf den Markt kam. Die Erfindungen der Trockenbatterie und der Glühlampe gingen der elektrischen Taschenlampe voraus. Alte und antike Taschenlampen werden in ganz Europa und in den USA gesammelt.

Erfindung der Batterie Ausgrabungen in der Nähe von Bagdad haben gezeigt, dass schon vor 2000 Jahren galvanische Zellen zur Anwendung gelangten. Die eigentliche Entwicklung der Batterie begann jedoch erst 1800. Damals zeigte Alessandro Volta (1745-1827), ein italienischer Professor der Physik aus Pavia, dass sich zwischen zwei in einer (ge)leitenden Flüssigkeit platzierten Metallen eine Spannungsdifferenz ergibt. Dadurch wird chemische Energie unmittelbar in elektrische umgesetzt. Volta war von der Arbeit Luigi Galvanis (1737-1798), Arzt und Physiker aus Bologna, der die biolo03 / 16

gischen Aspekte der Elektrizität untersuchte, inspiriert. 1786 entdeckte Galvani – durch Zufall –, dass die Muskeln toter Frösche sich zusammenzogen, wenn sie von zwei verschiedenen Metallen berührt wurden. Er nannte dieses Phänomen „tierische Elektrizität”. Volta entdeckte jedoch, dass diese Elektrizität auch ohne tierisches Gewebe entstand. Man brauchte nur zwei Leiter verschiedener Zusammenstellungen in einer feuchten Umgebung platzieren und sie mittels eines Drahts miteinander verbinden. 1800 kam Volta durch seine Experimente zur Konstruktion des ersten galvanischen Elements, des VoltaElements. Es bestand aus einer Kupferund Zinkplatte, die durch ein in einer Salzlösung getränktes Tuch von einander ge-

Alessandro Volta (1745-1827). – Georges Leclanché (1839-1882). – Leclanché-Element trennt waren. Wurden die Platten mittels eines Drahts miteinander verbunden, „floss” Elektrizität. Diese hatte allerdings nur eine geringe Spannung, konnte aber durch eine Reihe aufeinander gestapelter Elemente in einem Glaszylinder erhöht werden (in Reihe schalten). Diese Stromquelle ist bekannt als die „Volta-Säule”, die erste Batterie der Welt. Voltas Erfindung gab im 19. Jahrhundert einen wichtigen Impuls für die Untersuchungen nach elektrischen Erscheinungen wie auch für die Entwicklung elektrischer Apparate. Voltas Name lebt heute


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TECHNIK 81 Umschlag des Katalogs von 1890 der französischen Firma LECLANCHÉ & Cie. Das Unternehmen verkaufte hauptsächlich nasse Leclanché-Elemente. – Paul Schmidt (1868-1948), Gründer der elektrotechnischen Fabrik Schmidt & Co. danach gesucht, wie man die Batterie gänzlich dicht und trocken machen könnte. Es war der deutsche Arzt Dr. Carl Gassner aus Mainz, dem die Erfindung der Trockenbatterie allgemein zugeschrieben wird. Er bildete den Zinkstab zu einem Becher um, steckte in ihn den Beutel mit Kohlenstoff und Braunstein und füllte den Becher mit von Weizenmehl eingedicktem Elektrolyt. Er patentierte seine „dry cell battery" 1886 in Deutschland und 1887 in den USA. Gassners trockene Batterie war allerdings, aufgrund des Umfangs und des Gewichts, für den Gebrauch in Taschenlampen ungeeignet, legte aber die Basis für das „electric portable light". Verschiedene Erfinder, sowohl in Europa als in den USA, haben danach brauchbare Trockenbatterien entwickelt. Einer davon war der Deutsche Paul Schmidt (18681948), Gründer der Elektrotechnischen Fabrik Schmidt & Co., Berlin, (1901), die ihre Batterien und Taschenlampen ab 1905 unter dem Markennamen DAIMON verkaufte. Um 1900 wurden überall in Europa Unternehmen gegründet, die sich mit der Herstellung von Batterien beschäftigten. Die vermutlich älteste Batterienfabrik der Welt war die dänische Firma Hellesens. Der Gründer, Wilhelm Hellesen, begann schon 1887 in einer kleinen Werkstatt mit der Herstellung von Trockenbatterien. In Dänemark gilt er deshalb als deren Erfinder. Bedingt durch die anfänglich sehr mäßige Qualität der Batterien, zeigten die Glühbirnen meistens keinen andauernden Lichtstrahl, sondern nur kurze Lichtblitze. Aus diesem Grund wurden Taschenlampen in Amerika „flashlights" genannt. Obwohl sich die Qualität der Batterien seither enorm verbessert hat, wurde dieser Name bis heute beibehalten.

noch weiter in der Einheit elektrischer Spannung: das Volt, das 1881 eingeführt wurde. Galvanis Name ist im Begriff „galvanisches Element”, dem Sammelnamen für elektrische Stromquellen, bewahrt geblieben. Was wir heute Batterien nennen, sind tatsächlich Zusammenfügungen zweier oder mehrerer galvanischer Elemente. Einfachheitshalber nennen wir auch einzelne Zellen Batterien. Das Prinzip des gegenwärtigen galvanischen Elements wurde 1867 vom Franzosen Georges Leclanché (1839-1882) erfunden. Das sogenannte Leclanché-Element besteht aus einem gläsernen Topf, der mit verdünnter Salmiaklösung, dem „Elektrolyt”, gefüllt ist. Die negative Elektrode wird von einem Zinkstab, die positive von einem Stab aus Kohlenstoff gebildet. Die Kohlenstoffelektrode hängt nicht unmittelbar im Elektrolyt, sondern steckt in einem

porösen Topf, der mit einer Mischung aus Kohlenstoffpuder und Mangandioxyd (Braunstein) gefüllt ist. Die Leclanché-Zelle ergibt eine Spannung von rund 1,5 V. Während des Gebrauchs sinkt die Spannung, steigt aber wieder, wenn die Belastung aufhört, allerdings nicht bis zum ursprünglichen Wert. Dieser Elementen-Typ war deshalb am besten geeignet für gelegentliche Belastungen über längere Zeit und wurde deshalb vor allem für elektrische Türklingeln sowie für Telegrafen- und Telefonapparate verwendet. Die nasse Leclanché-Zelle war allerdings nicht sehr praktisch. Der gläserne Topf musste zur Vermeidung von Glasbruch vorsichtig behandelt werden, war schwierig zu transportieren und konnte außerdem nicht in der Tasche mitgenommen werden. In der Zeit zwischen 1880 und 1900 wurde durch verschiedene Wissenschafter 03 / 16


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TECHNIK 82 Edisons Glühlampe (1879). – Thomas Alva Edison (1847-1931). – Anzeige für elektrische Laternenund Handlampen, Beiblatt der „Fliegenden Blätter”, München 1893 Vakuum) mit einem Glühdraht aus Platinum. Das Licht erlosch aber schon nach einigen Stunden. Edison verbesserte diesen Entwurf und so gelang es ihm, eine Glühlampe, hergestellt mit einem Glühdraht aus Kohlenstoff, 1500 Stunden brennen zu lassen. Schon 1854 war es dem Deutschen Heinrich Göbel gelungen, eine gut funktionierende Glühlampe herzustellen. Diese Lampe hatte einen Glühdraht aus verkohlten Bambusfasern, der in einer mit Hilfe von Quecksilber vakuumierten Flasche befestigt war. Durch das Vakuum konnte die Bambusfaser nicht verbrennen. 25 Jahre später, 1879, beantragte Edison ein Patent auf eine ähnliche Konstruktion. Göbel focht vor Gericht das Patent von Edison an und bekam 1893 recht. Göbel starb aber im gleichen Jahr. Weil es Edison letztendlich gelang, die erste brauchbare Glühlampe zu produzieren, wird er allgemein als ihr Erfinder anerkannt. Die Ausbeute der Kohlefaden-Glühlampe war in Bezug auf Lichtstärke und Lebensdauer nicht von hoher Qualität. Kurz nach 1900 gelang es, einen Glühfaden aus Metall statt aus Kohlenstoff herzustellen. Dies bedeutete einen großen Fortschritt, denn die Metalldrahtglühlampe zeigte ein klares, weißes Licht und verbrauchte weniger Strom. 1906 machte man eine für die heutige Glühlampe entscheidende Erfindung: Die Anwendung des Metalls Wolfram – offiziell Wolframium genannt – mit dem für diesen Zweck günstigen Schmelzpunkt von über 3400 Grad brachte derart große Vorteile, dass die Wolfram-Glühlampe alle ihre Vorgänger in den Schatten stellte. Der Amerikaner William D. Coolidge von der General Electric Company entwickelte 1910 ein Verfahren, mit dem Wolframglühdraht industriell hergestellt werden konnte. Dieses Verfahren bedeutete eine Revolution in der Glühlampenherstellung und wurde seitdem weltweit angewendet. So begann ab 1910 der große Siegeszug der elektrischen Beleuchtung.

Tragbares elektrisches Licht

Erfindung der Glühlampe Die Erfindung der Glühlampe wird meistens dem Amerikaner Thomas Alva Edison zugeschrieben. Edison war allerdings einer von vielen, der zur Entwicklung einer praktischen Methode, mit Hilfe von Elektrizität Licht zu erzeugen, beigetragen hat. Der Engländer Josef Wilson Swan konstruierte 1879 eine gläserne Kugel (unter 03 / 16

Sowohl in den USA als auch in Europa kannte man, kurz nach der Erfindung der Glühlampe, tragbares elektrisches Licht auf der Basis nasser Batterien oder Akkumulatoren. Es handelte sich dabei um ziemlich schwere, elektrische Laternen oder Handlampen. Verschiedene solcher Lampen wurden in der Zeit von 1880 bis 1895 patentiert. Außer Laternen und Handlampen gab es ab 1891 auch tragbares, elektrisches Licht in der Form eines Spazierstocks. Dafür wurden spezielle Batterien angefertigt, anfänglich waren es „nasse” Elemente, später verwendete man Trockenbatterien. Die

Handlampe auf der Basis einer nassen Batterie des französischen Erfinders Gustave Trouvé, 1884. – Anzeige für einen elektrischen Spazierstock der Firma J. Hurwitz, Berlin, 1902 Glühbirne und die Linse befanden sich im Kopf des Spazierstocks. In der Tat handelte es sich um einen Vorläufer der elektrischen Taschenlampe. Das älteste Patent auf diesem Gebiet ist das der Amerikaner Alfred und Alexander Roovers, die im Dezember 1891 ein „electric cane" patentierten. Eine andere „electric novelty" aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist die elektrische Krawattennadel. Diese wurde sowohl für Dekorationen als auch für Beleuchtungszwecke verwendet, beispielsweise um im Dunkeln ein Buch zu lesen. Es handelte sich hier ebenfalls um einen Vorläufer der elektrischen Taschenlampe. Die allerersten elektrischen Krawattennadeln wurden von nassen Elementen gespeist, was bedeutete, dass man die Batterie meistens in einer Tasche bei sich trug. Diese ersten Modelle waren kommerziell nicht sehr erfolgreich, schon wegen des Risikos auslaufender Säure. Die späteren Typen elektrischer Krawattennadeln – ab 1903/1904 – wur-


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Anzeige für elektrische Spazierstöcke auf Basis von Trockenelementen, Beiblatt der „Fliegenden Blätter”, 1896

den von Trockenbatterien gespeist, die einfach in Blusen- oder Hemdentaschen untergebracht werden konnten. Für die Form der Krawattennadel (oder Brosche) gab es damals eine reiche Auswahl aus vielen Motiven wie Blumen, Tiere, Sterne oder Totenköpfe.

Erste elektrische Taschenlampen Es ist nicht genau bekannt, aus welchem Jahr die erste elektrische Taschenlampe stammt. Wahrscheinlich sind während der Periode 1895-1899 verschiedene Prototypen entwickelt worden. Wohl bekannt ist, dass die ersten brauchbaren Taschenlampen (in der Form eines Stabes) 1899 von der amerikanischen Ever Ready Co. – damals American Electrical Novelty & Mfg. Co., New York – gebaut wurden. Die Erfindung der ersten Stablampe wird dem Amerikaner David Misell zugeschrieben, der diese am 10. Januar 1899 in den USA unter der Nummer 617.592 patentieren ließ. Conrad Huber, der Gründer der amerikanischen Ever Ready Co., kaufte das Patent, entwickelte und vermarktete die neue Stablampe im großen Stil, was ihm viel Reichtum verschaffte. Die neuen Lampen – damals noch mit Kohlefaden-Glüh-

Zeichnung zum amerikanischen Patent Nr. 617.592 von 1899 auf den Namen von David Misell (USA). Es ist das weltweit erste Patent für eine Taschenlampe. – EVER READY, seltene, 17 cm lange Stablampe mit Ringkontakt, Hülse aus hartem Zelluloid, um 1910 birnen versehen – wurden mit großem Erfolg auf der Weltausstellung 1900 in Paris gezeigt. Dadurch ermutigt, gründete Conrad Huber kurz danach Zweigbetriebe in Paris, London und Berlin. In den USA wurden die Lampen anfänglich unter dem Namen „Ever Ready”, ab 1906 unter der Marke „Eveready” verkauft. In Deutschland hießen sie damals „Immer Fertig” („Immer Bereit” wäre besser gewesen), in den NieAnzeige für die IMMER FERTIG-Stablampe im Beiblatt der „Fliegenden Blätter”, 30. November 1900

Anzeige für elektrische Krawattennadel, abgebildet im Katalog August Stukenbrok, Einbeck, um 1905 03 / 16


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TECHNIK 84 gann man in Deutschland damit, die Elemente nicht unter-, sondern nebeneinander anzuordnen. So entstand die typisch europäische flache Taschenlampe, gespeist von einer aus drei Zellen bestehenden, flachen 4,5 Volt-Batterie. Bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges war die elektrische Taschenlampe aber keinesfalls ein technisch hochstehendes Produkt. Sie war kein Verbrauchsartikel,

EVER READY, Modell No. 1 mit Ringkontakt, etwa 1902/1905. Die Hülse ist aus einem kartonähnlichen Material. Bei der allerersten Ausführung dieses Modells gab es allerdings noch keine Schraubgewinde. – Das kleinste bekannte Modell, ca. 16 cm lang, der IMMER FERTIG-Stablampe mit Ringkontakt, 1900/1901 derlanden „Altijd Gereed”. Auch in Europa wuchs indessen das Interesse an der elektrischen Taschenlampe. In Deutschland war es vor allem Paul Schmidt, der sich für die Entwicklung und die Einführung der elektrischen Taschenlampe einsetzte. Im Gegensatz zu Amerika, wo Taschenlampen vorwiegend in der Form von Stablampen (Batterien liegen untereinander) produziert wurden, be-

wurde vielmehr nur als Spielerei betrachtet. Dies hatte vor allem mit der schlechten Qualität der Batterien zu tun, die bereits nach kurzer Zeit verbraucht waren, auch wenn die Taschenlampe nicht oder kaum benutzt worden war. Die flachen europäischen Taschenlampen hatten damals vorwiegend den Charakter von Luxusgütern und waren hauptsächlich für den Haushaltsgebrauch bestimmt. Die Hülsen waren manchmal mit Leder oder Kunstleder überzogen, andere waren mit Blumen, Frauenköpfen, Hirschen, Pferden oder

Abbildung einer der ersten französischen Taschenlampen – angeblich gut für 10.000 Erleuchtungen – in der illustrierten Preisliste der Firma Radiguet & Massiot, Paris, um 1902 – SENSATIONAL DISCOVERY, vermutlich die allererste Anzeige für „EVER READY portable light”, plaziert von The Portable Electric Light Co., Ltd, „The Illustrated London News”, 23. November 1901 Schiffen geschmückt. Sie waren meistens mit kleinen, ovalen oder mit kuppelförmigen Linsen (in der Fachsprache Domlinsen genannt) versehen. Kurz nach 1900 entstanden überall in Europa kleine Betriebe, die sogenannte „electric novelties” fabrizierten. Dazu gehörten außer elektrischen Taschenlampen auch batteriegespeiste Leuchter, Broschen, Krawattennadeln oder Tischlampen. Die meisten dieser Firmen mussten allerdings nach einigen Jahren wieder schließen. Die größeren Batterienfabriken – wie British Ever Ready, Hellesens, Schmidt (Daimon) – konnten sich dagegen aufgrund ihrer Erträge aus dem Verkauf von Batterien („repeat business”) bedeutend länger behaupten. Alte patentierte französische Taschenlampe, gespeist von drei Stabbatterien, abgebildet in der Preisliste der Firma Radiguet & Massiot, Paris, ca. 1902 . – Taschenlampe mit kleiner ovaler Linse, Rumpf mit Kunstleder überzogen, um 1910

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Anzeige für den WEGWEISER, eine elektrische Taschenlampe mit Druckkontakt der Firma Heinemann & Co, Berlin, „Die Woche”, 4. Oktober 1902

Anzeige für elektrische Taschenlampen der Firma F.J. Lehrer, Berlin, „Deutsche Export-Revue” 1905. – Anzeige für die kleinste elektrische flache Taschenlampe EFF-EFF der Berliner Firma J. Hurwitz, Zeitschrift „Die Woche”, Nr. 39, 1902 Anzeige für Taschenlampen und Batterien der Berliner Firma Dr. Riep & Friedländer, „Deutsche Export-Revue”, 1905. – Anzeige für eine elektrische Taschenlampe der Firma V. Brázda & Co, Wien, „Wiener Theater & Fremdenzeitung”, Februar 1905

Betrachtet man in der Periode 1900 -1910 die Anzeigen für Batterien und elektrische Taschenlampen in deutschen Zeitungen und Fachblättern, so fällt auf, dass BerliKleine flache Taschenlampe EFF-EFF mit Druckkontakt wie in oben erwähnter Anzeige der Firma Hurwitz abgebildet, um 1902

ner Firmen dabei einen hohen Anteil haben. Die Berliner elektrotechnische Industrie mit Großfirmen wie AEG und Siemens sowie eine Vielzahl elektrotechnischer Spezialfabriken machten Berlin zum Hauptstützpunkt der deutschen Elektrotechnik. Unter den Spezialfabriken figurierten Werke für Glühlampen, Bogenlampen, Telefonapparate, galvanische Elemente sowie Taschenlampen. Insbesondere ist hier die 1901 gegründete Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co. (Daimon) zu erwähnen, die im Laufe weniger Jahre eine führende Stellung auf ihrem Spezialgebiet errang. Sie galt damals als die größte Firma der elektrotechnischen Kleinindustrie. In der europäischen Kunstgeschichte gilt die Zeit zwischen etwa 1890 und 1910 als die Epoche des Jugendstils, eine internationale Bewegung, die sowohl die Kunst

als auch die Architektur beeinflusste. Kennzeichnend für den Jugendstil ist ein dekorativer Stil mit geschwungenen und stilisierten floralen Elementen. Interessant ist, dass die Bewegung sich auch mit Gebrauchsgegenständen wie Taschenlampen beschäftigte. Antike Taschenlampen mit Jugendstil-Motiven sind gesuchte Sammelobjekte. Fotos: Carel Weide

Fortsetzung folgt!

Zwei seltene Taschenlampen mit Jugendstil-Motiven, um 1910 03 / 16


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.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER

€ 200-400 American Blues „Is Here LP”, veröffentlicht 1968 in den USA auf Karma Records, No. „KLP 1001”. Studio-Album der „Psychedelic Blues Rock”-Band aus Texas, deren Mitglieder Frank Beard und Dusty Hill zusammen mit Billy Gibbons im Jahr darauf ZZ Top gründeten

€ 250-350 The Beatles „Same LP”, Sonderauflage (Odeon) Deutschland 1964 für den Deutschen Schallplattenclub, Nr. „J 033”. Matrix Nr. „12PAL 3027/28 ST-1”, Stereo. Seltene Compilation der Pilzköpfe aus Liverpool. Die Mono Pressung aus dem selben Jahr (Kat.-Nr. „E 043”) ist im Wert etwa gleich anzusiedeln

€ 50-100 Johnny Cash (1932-2003) „In Virginia 7 Inch”, deutsche Pressung von 1965 erschienen bei CBS, Nr. „2114”. Kurios ist die Single B-Seite. Auf ihr covert er seinen „Country”-Superhit „I Walk The Line”. Seine Verbindungen zu Deutschland reichen von seiner Stationierung in Landsberg 1950 als Radiomoderator, über seinen ersten Gitarrenkauf, bis hin zu einem Hörschaden, den ihm ein deutsches „Madel”, durch einen neckig ins Ohr gesteckten Bleistift verpasste

€ 100-175 Kate Nash „Made Of Bricks LP”, nur 507 Exemplare erschienen 2008 auf Fiction Records UK, No. „1755804”, rosa Vinyl, bedruckte Innenhülle, Poster. Die britische „Pop”-Musikerin hatte 2007 mit „Foundations” in England einen Nr. 2-Hit

€ 40-70 Duke Ellington „Masterpieces By... LP”, US-Erstpressung in Mono von 1951, veröffentlicht auf Columbia Masterworks, No. „ML 4418”, graues „Six-Eye”Label. Einer der ersten Alben, die den Vorteil der langen Laufzeit nutzte. Der Pianist und Bandleader weitete seine Stücke daraufhin aus und spielte vier lange „Jazz”-Tracks ein. Sie gelten heute als Klassiker des Genres (u. a. Mood Indigo) € 250-400 Ikarus „Same LP”, erschienen 1971 in Deutschland auf +plus+, Nr. „plus 4”. Lila-farbenes Label, laminiertes Cover. Ein Album brachte die „Fusion Rock”Band um Frontmann Jochen Petersen heraus. Danach spielte er bei Dicky Tarrachs Band Randy Pie, die hauptsächlich aus ehemaligen The Rattles-Mitgliedern bestand. Das Album ist auch bei „Krautrock”-Sammlern sehr beliebt

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€ 70-140 Michael Jackson „Blood On The Dancefloor-History In The Mix DOLP”, veröffentlicht 1997 in Europa auf Epic, No. „4875001”, weißer Aufkleber. Die US-Pressung mit Kat.-No. „AL(E)68069” erschien mit schwarzem Aufkleber (Wert: 120-160 Euro)

€ 50-100 Le Orme „Collage LP”, erschienen 1971 in Italien auf Philips, No. „6323007”. Zweites Album der „Progrocker” aus Venedig. Die Band produziert seit dem Jahr 1969 und hat bis 2011 circa zwanzig Alben veröffentlicht


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€ 500-800 Roy Porter Sound Machine „Jessica LP”, 1971 auf dem kleinen „LA”Label Chelan Records, No. „CHPS 2501”, gelbes Label. „Jazz Funk”-Platte des Drummers, der schon in den 1940er-Jahren in der „Bebop”-Bewegung aktiv war

€ 40-70 Benny Quick „Pretty Woman 7 Inch”, veröffentlicht 1964 auf Columbia Germany, Nr. „C 22855”. Deutsche Version des Hits von Roy Orbison. Die BSeite überzeugt mit einem Schlager, zu dem sich hervorragend Twist tanzen lässt

€ 300-500 The Sorrows „Nimm Mein Herz 7 Inch”, veröffentlicht 1966 auf Deutsche Vogue PYE, Nr. „DV 14449 P”, Deutsche Version ihres Hits „Take A Heart”. Die britische „Freakbeat”-Band wurde 1963 in Coventry, Warwickshire von Philip „Pip” Whitcher gegründet und ist bei den „Mods” sehr beliebt. Sie erreichten im September 1965 Platz 21 der UK-Charts und waren in Italien erfolgreich. Hier konnten sie eine Reihe von Hits landen

€ 40-80 The Spirit Of Atlanta „The Burning Of Atlanta LP”, veröffentlicht 1973 in den USA auf Buddah Records, No. „BDS 5135 ST”. Exzellentes „Funk”-Album, das Thomas Steward mit einem Kader „Hot ‘Lanta” Studiomusikern einspielte und zu einem klassischen „Blaxploitation”-Soundtrack entwickelte. Ein Vergleich zu Curtis Mayfields „Superfly” ist durchaus angebracht

€ 30-50 Symarip „Skinhead Moonstomp LP”, erschienen in Großbritannien 1970 bei Trojan Records , No. „TBL 102”. Die „Ska”-Band mit dem Jamaikaner Roy Ellis am Mikrofon war eine der ersten „Skinhead Reggae”-Bands

€ 50-80 Tiamat „Sumerian Cry LP”, veröffentlicht 1990 bei C.M.F.T. Productions UK, No. „CMFT 6”, Innersleeve. Das Cover ihres selbstproduzierten Debütalbums ließ die früher als Treblinka bekannte, schwedische „Death/ Black Metal”-Band v. Christian Wahlin gestalten

€ 50-100 Muddy Waters (1915-1983) „They Call Me ...”, erschienen 1970 auf Chess Records US, No. „CH 1553”, Matrix No. „stm5013/14s-1-c”. Compilation des legendären „Blues”-Musikers, der als Begründer des „Modern Chicago Blues” gilt und 1987 in die R’n’R Hall Of Fame aufgenommen wurde € 60-80 Smegma „Pigs For Lepers LP”, 982 auf Pigface USA, No. „007”, Zweites Album der „experimentellen” Musiker aus Kalifornien/Portland, die viel mit Objekten arbeiten und eine Art „primitiven, suburbanen Folk” heute noch kreieren

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint-Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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EDUSCHO BILDERBÜCHER REINHARD BOGENA

Mümmelmann und der Kaffee

Mümmelmann, ursprünglich aus der Geschichte von Hermann Löns. – „Mümmelmann weiß sich zu helfen”: In den 50er-Jahren ein wunderbares Ostergeschenk mit Bildern, die keine Erklärung brauchen. – In Sammeltassen passt nur eine geringe Menge Kaffee daher, ihren Absatz über kleine Geschenke an die Kunden zu erhöhen. Dazu gehörten vor allem Dosen, für die man im Haushalt gerne Verwendung fand. Und obwohl Kinder nicht zu den Kaffeetrinkern zählen, wusste man doch um den Einfluss, den sie auf ihre Eltern ausüben können. Man musste sie nur ins Geschäft locken, eine prinzipiell einfache Sache! Margarinehersteller versuchten das mit kleinen Plastikfiguren, andere köderten mit Zeitschriften und Comics. Da die Welt in jener Zeit noch nicht durch Fernsehen und andere Medien bildüberflutet war, nahmen die Kleinen jede Art von Literatur dankbar an. Somit er-

Verführerischer Kaffee Wenn heute mit oft verklärtem Blick über die Wirtschaftswunderjahre gesprochen wird, täuscht das über manche Realität hinweg. Der wachsende Wohlstand kam nicht von heute auf morgen und musste hart erarbeitet werden. So war es nicht selbstverständlich, dass man überall und zu jeder Zeit eine Tasse Kaffee genießen konnte – echter Bohnenkaffee war sehr teuer und beim größten Teil der Bevölkerung nur den besonderen Momenten vorbehalten. Als Ersatz diente billigerer Malzkaffee (hergestellt aus Gerste oder Roggen), im Volksmund gerne als „Muckefuck” bezeichnet. Mit reinem Bohnenkaffee ging die Hausfrau sparsam um; sie servierte ihn in flachen und modern gestalteten „Sammeltassen”, da passte nicht viel rein. Die Kaffeeröstereien bemühten sich 03 / 16


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reichte man gleich zwei Ziele: Die Eltern wurden in den Laden gedrängt, wo sie dann in der Regel auch einkauften, während sich bei den Kindern die Marke im Kopf manifestierte und sie vielleicht zu späteren Kunden machte. Was wir schon von Salamander mit den Lurchi-Heftchen kennen, sollte auch bei Eduscho funktionieren – allerdings mit dem Unterschied, dass man dort keine Serie über einen derart langen Zeitraum platzierte, sondern immer wieder anderen Lesestoff bot. Geschickt tauchte darin stets mehrfach der Name der Bremer Kaffeerösterei auf.

Hermann Löns’ Mümmelmann Dieses Prinzip der Werbung hatte Eduscho schon einmal vor dem Zweiten Weltkrieg verfolgt: Damals erschien das erste Mümmelmann-Heftchen mit dem KaffeeLogo. Der Name dieses Hasen war indes nicht neu, bekannt wurde er durch eine Tiergeschichte von Hermann Löns (1866-

1914), einem Dichter, der der Lüneburger Heide äußerst verbunden war. 1909 erschien sein Büchlein über den Hasen Mümmelmann unter dem gleichnamigen Titel. Die Geschichten des bekannten Heide-Dichters kamen bei Jung und Alt gleichermaßen gut an. Das hatte sich die Wer-

Oben: „Osterkaffee bei Mümmelmanns”, erste Ausgabe aus Vorkrieszeiten. – Rückseite der Vorkriegsausgabe. – Auszug aus der Vorkriegsausgabe Unten: Aus: „Mümmelmann weiß sich zu helfen”. – Technik im Stil Fred Feuersteins: aus „Mümmelmann weiß sich zu helfen” (beides 50er-Jahre)

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REKLAME 94 „Osterkaffee bei Mümmelmanns”. – Dazu passt der Blechhase von Köhler. – Rückseite von „Osterkaffee bei Mümmelmanns”. – Auszug aus „Osterkaffee bei Mümmelmanns” beabteilung bei Eduscho zunutze gemacht und in den 30er-Jahren eine Art Comic-Heft gestaltet unter dem Titel „Osterkaffee bei Mümmelmanns”, gedruckt im Gerhard Stalling Verlag. Wie in jenen Jahren durchaus noch üblich, ist der Titel in Sütterlin Schreibschrift geschrieben, während für die Texte im Inneren eine zeitgenössische Druckschrift verwendet wurde. Das Titelbild zeigt die Signatur „Wessels”. Dabei dürfte es sich um Martha Wessels (1890-1964) handeln, die zahlreiche weitere Kinderbücher illustriert hatte. Der Titel mit dem Begriff „Osterkaffee” verrät uns, zu welchem Anlass (nämlich Ostern) das Heftchen herausgegeben wurde. Dieser Zeitpunkt war aus damaliger Sicht des Herstellers klug gewählt, denn Ostern war immer schon ein Fest, zu dem die meisten Familien Besuch erwarteten. Und dem musste man natürlich etwas kredenzen: Kaffee! Hier ließ sich ansetzen, um den Verkauf anzukurbeln. Das schien erfolgreich gewesen zu sein, warum sonst wiederholte man die Aktion in den 50er-Jahren?

Hans Held Mit der Neugestaltung des alten Titels in Bild und Text sowie zweier weiterer Werbehefte gleichen Stils wurde Hans Held (1914-1995) beauftragt, ein Grafiker, der schon für Darboven Kaffee die Heftreihe mit der Figur „Darbohne” geschaffen hatte. Darüber hinaus war er bei der Radio-

und Fernsehillustrierten HörZu für die Werbung zuständig und schuf 13 Zeichentrickfilme mit dem berühmten „Mecki”. Seine drei Mümmelmann-Hefte gehören ohne

Zweifel mit zu den schönsten humorvollsten sowie ausdrucksstärksten Osterhasen-Darstellungen. Die Bilder zeichnen sich durch kräftig leuchtende Farben aus, sie verbinden zudem Natur und Technik auf eine Weise, wie sie auch bei der bekannten Comicfigur Fred Feuerstein vorkommt. So können wir uns zum Beispiel über einen Hubschrauber amüsieren, der hölzerne Räder besitzt und hauptsächlich aus einem riesigen Ei besteht.

Ei und Hase Natürlich dreht sich auch sonst (neben dem Kaffee) alles ums Osterei, denn das gehört schon lange zu einem kaum mehr hinterfragten Osterbrauch, der eigentlich aus vorchristlicher Zeit stammt. Das nahrhafte Hühnerprodukt galt einst als Sinnbild des Lebens, auch wenn Philosophen sich den Kopf über die Frage zerbrechen, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Davon unabhängig gehörten Eier zu jenen Nahrungsmitteln, deren Verzehr in der vorausgehenden Fastenzeit verboten war. Der längeren Haltbarkeit wegen wurden sie hartgekocht. Am Ende dieser entbehrungsreichen Wochen herrschte daran also kein Mangel. Aus diesem Grunde und 03 / 16


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11.02.2016

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REKLAME 95 ein glänzender Gedanke: „Kaffeebohnen gibt's dieses Mal zur Osterfeier, doch dürfen sie nur von Eduscho sein, denn diese sind besonders fein.”

Eduscho für Marsianer

wegen ihres symbolischen Charakters manifestierte sich der Brauch, sie anlässlich der Osterfeier zu verschenken, nicht ohne sie vorher zu schmücken, was ihren Wert einmal mehr steigerte – auch diese Idee hatte man aus heidnischer Vergangenheit übernommen. Bleibt noch die Sache mit dem Hasen – wie kam „Meister Lampe”, wie er gerne in Märchen genannt wird, zu der Ehre, das Osterfest gewissermaßen zu verkörpern? Eine erstmalige Erwähnung des „Osterhasen” lässt sich verschiedenen Aussagen zufolge ins 17. Jahrhundert datieren, so richtig bekannt wurde er aber erst zweihundert Jahre später. Je nach Region hatte man zuvor den „Ostervogel”, den Fuchs und anderes Getier als Oster-Botschafter und Eier-Überbringer bemüht. Letztlich konnte sich jedoch der „Mümmelmann” gegenüber allen anderen Tieren behaupten. Die Osterhasen-Darstellungen des Grafikers Held trugen bei Kindern in den 50erJahren und auch später noch dazu bei, die Fantasie in Bezug aufs Osterfest anzuregen. Da wurden kunstvolle Osternester aus Moos, Rinde und kleinen Zweigen gebaut und man schlich gespannt durch den Garten oder wartete versteckt am Fenster, ob man nicht den Osterhasen beim Verstecken der Eier erwischen würde, ganz im Sinne der gereimten Texte, die manch einer bald auswändig konnte: „Verzweifelt sitzt zu Haus der Mümmelmann, sinnt hin und her, was er wohl machen kann. Es naht die schöne Osterzeit, die Kinder warten weit und breit, daß lustig er durch ihre Gärten springt und ihnen viele bunte Eier bringt” (aus dem Band: „Mümmelmann weiß sich zu helfen”). Das Problem: Die Hühner hatten ihre Preise für die Eier erhöht: „Da wurde es zu bunt dem guten Mümmelmann, er ging davon: 'Kauf diese Eier, wer es kann!'” Das konnten auch die Erwachsenen nachvollziehen. Als er jedoch die Frau Mümmelmann mit der Kaffeekanne herannahen sieht, kommt ihm

Held hatte nicht nur eine Vorliebe für Märchenfiguren, sondern auch eine besondere Affinität zu Raketen. Das konnte er im dritten Band der Mümmelmann-Hefte umsetzen mit dem Titel „Mümmelmann im Weltall”. Es passte in die Zeit, denn der Wettlauf zwischen Amerikanern und Sowjets um die Mondlandung war voll im Gange. Das Interesse am Unbekannten war groß: Ob es Leben auf anderen Planeten gibt? Ob mögliche Marsbewohner tatsächlich mit fliegenden Untertassen die Erde beobachten? Held schürt solche Überlegungen mit seiner Geschichte von seltsamen einbeinigen Wesen, die Mümmelmann entführen: „Sie packen ihn an seinem Fell und schleppen ihn zum Fahrzeug schnell” (einer fliegenden Untertas-

Ein Hubschrauber als Osterei, oder umgekehrt. – Abenteuer im Weltall, Blecheier von Keim, made in US-Zone. – „Mümmelmann unter Marsbewohnern”. – Rückseite des Weltall-Heftes se). So gelangt Mümmelmann zum Planeten Mars, wo schließlich ein Päckchen Eduscho-Kaffee, das er in der Tasche hatte, die Marsbewohner ablenkt und er fliehen kann. Er springt in eine der fliegenden Untertassen „und macht jetzt den Versuch zu fliegen. Er drückt mal hier, mal da – und schon erbebt mit lautem Summerton die Tasse, hebt sich – und saust los in Richtung Erde – ganz famos!” So wendet sich alles wieder zum Guten und der Hase kann im Kreise seiner Lieben das Osterfest genießen. Wer sich heute dafür interessiert, kann für etwa 10 bis 30 Euro pro Heft fündig werden. Für diesen Preis sollte es allerdings in einem sehr ordentlichen Zustand sein. Der Kauf lohnt auf jeden Fall, denn obwohl es sich um einstige Werbeartikel handelt, kann sich auch heute noch Jung und Alt an den Darstellungen erfreuen. Fotos: Reinhard Bogena


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11.02.2016

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FUNDSTÜCKE 104

FLOHMARKTPREISE

■ Porzellan Ein Souvenir in Form eines kleinen Fernglases aus Porzellan, gefertigt um 1920, Maße 9 x 5 cm. Mit zwei handkolorierten Ansichten zweier Sehenswürdigkeiten der französischen Stadt Lyon dekoriert – der Kathedrale Notre-Dame de Fourvière (römisch-katholische Votiv- und Wallfahrtskirche, ab 1872 erbaut und 1896 geweiht, seit 1998 Unesco-Weltkulturerbe) sowie des Justizpalastes (Architekt Baltard, errichtet zwischen 1835 und 1844, erbaute auch die „Les Halles”-Markthallen im Zentrum von Paris). Zur Wirkungssteigerung des Souvenirs ist zusätzlich reichlich Lüster und Glanzgold aufgetragen. Die ausgefallene Form rechtfertigt den angegebenen Preis. Flohmarktpreis: 50 Euro

■ Glas Glasvase, unsigniert, in der Art von „Moser”-Glas, Karlsbad, vermutlich 1930erJahre oder später, Maße 10,5 x 10,5 cm. Sehr dickwandiges transparentes violettes Klarglas mit ausgeschliffenen geometrischen Reliefs umlaufend, in Form von vier getreppten kreisförmigen Flächen. Mündungsrand und Boden plangeschliffen, schöne originäre Gebrauchsspuren (authentische feinste Kratzer am Boden, die von langjährigem Gebrauch zeugen und ein wichtiges Indiz für Authentizität sind), Gewicht circa 0,7 kg. Dekoratives Glasobjekt in gefälliger Art déco-Manier. Falls die Vase von Moser oder einer anderen renommierten Glasmanufaktur stammen sollte, wäre ein drei- bis vierfacher Preis nicht unangemessen. Flohmarktpreis: 25 Euro

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■ Reklame Kleine chromolithografierte Papierdose mit Clownsgesicht, um 1920. Was hier einst wohl mal aufbewart wurde? Vielleicht weiße Clown-Schminke oder Puder? Vielleicht auch Schönheitspflästerchen. Auf jeden Fall eher etwas Kleines, denn das Döschen misst nur 4,5 cm im Durchmesser und ist gerade einmal 2 cm hoch. Früher waren diese Verpackungen, obwohl liebevoll verziert, wenig wertvolle „Pfennigartikel”. Entsprechend Weniges davon hat sich erhalten. Wir hatten Glück,

denn der freundliche Händler überließ uns die hübsche Papierantiquität für 10 Euro. Flohmarktpreis: 10 Euro

Erscheinungstermin April-Ausgabe: Abo-Versand 18.3.2016 Erstverkaufstag Handel 24.3.2016


Termine im März 02 03 04 05 06 09 10 11 12 13 13 16 17 18 19 20 23 24 25 26 27 28 30 31

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