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U1_Titel_SJ_0717.qxp_SJ Titel 12.06.17 16:27 Seite 1

Juli 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/lux € 7,50

SAMMlEr JourNAl

JulI 2017

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Über 2.000 Termine

PARTNERS IN DESIGN Bauhaus-Pioniere in Amerika

Beate Kuhn Keramikerin der Nachkriegszeit

Malerei

GEMI

Karl Einhart

Schätzungen Auktionen Ausstellungen


U2_Thies

12.06.2017

16:24 Uhr

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www.andreas-thies.de


03_Inhalt.qxp_SJ Inhalt 13.06.17 10:17 Seite 1

INHALT

KUNSTMARKT Edgar Degas

FOTOKUNST Falter-Archiv, Reise, Porträt etc.

Titelfoto aus „Partners in Design“: Wohnzimmer von Philip Johnson, Wohnung Johnsons, 216 East 49th Street, New York, um 1934 © 2017. Digital image Mies van der Rohe/Gift of the Arch./MoMA/Scala

PARTNERS IN DESIGN von Ina Knekties

SAMMLER-SERVICE

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MAGAZIN

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MESSETERMINE

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AUKTIONSTERMINE

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INSERENTENVERZEICHNIS

35

AUKTIONSNOTIZEN

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AUSSTELLUNGSTERMINE

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AUSSTELLUNGEN

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LITERATURTIPP

72

VORSCHAU | IMPRESSUM

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BEATE KUHN von Dr. Wolfgang Hornik

DER MALER KARL EINHART von Anja Iwa

AUKTIONSPREISE Bronze-/Elfenbeinfiguren

44 62 76

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SAMMLER-SERVICE

Die­ bisherige­ Rubrik­ „Dialog”­ wird­ in­ veränderter Form­ als­ „Sammler-Service“­ weitergeführt.­ Die­ Einschätzung­der­Objekte­wird­künftig­auf­die­Schultern vieler­Experten­verteilt­–­viele­Auktionshäuser­unterstützen­ uns­ mit­ zahlreichen­ Spezialisten­ aus­ verschiedensten­ Fachbereichen.­ Das­ bedeutet:­ mehr Abwechslung­bei­den­Themen­und­unterschiedliche Herangehensweise­ bei­ der­ Beantwortung­ (kurz/ informativ­ oder­ ausführlich/im­ historischen­ Kontext).­Die­Ru­brik­ist­ferner­ein­Angebot­an­alle Auktionshäuser,­ eine­ interessante­ und­ spannende­ Einlieferung­ kunsthistorisch­ zu­ beschreiben­ und­ von der­ Bewertung­ bzw.­ dem­ Auktionsergebnis­ zu berichten.­ Weiterhin­gilt:­Wenn­Sie,­liebe­Leserinnen­und­Leser, Fragen­zu­Ihrem­Erbstück,­Dachbodenfund­oder­liebgewordenen­ Antiquitäten­ haben,­ senden­ Sie­ bitte Ihre­Anfrage­mit­detaillierter­Beschreibung­und­aussagekräftigen­Fotos­an­uns­unter­folgender­Adresse: Gemi­ Verlags­ GmbH,­ Redaktion­ Sammler-Service, Pfaffenhofener­ Straße­ 3,­ 85293­ Reichertshausen oder­per­E-Mail­an:­info@gemiverlag.de Ausgewählte­Beiträge­werden­veröffentlicht.

Galeazzo I. Sanvitale Kopie nach Parmigianino

?

Es­ wäre­ schön,­ wenn­ Ihr­ Expertenteam­ mir­ Auskunft über­das­von­mir­erworbene­unsignierte­Gemälde­geben könnte.­ Ist­ aufgrund­ der­ Aufmachung­ der­ dargestellten Person­eine­Herkunft­auszumachen?­Was­könnte­die­runde Plakette­in­der­Hand­mit­der­Nummer­12­oder­72­bedeuten? Ist­ anhand­ der­ Fotos­ eine­ ungefähre­ Datierung­ vorzunehmen­(der­Rahmen­ist­aus­dem­19.­Jahrhundert,­wurde­aber von­ mir­ hinzugefügt)?­ Die­ Bildgröße­ beträgt­ 38­ x­ 48­ cm.

Rück­seitig­ ist­ der­ Rahmen­ mit­ vier­ Wörtern­ beschrieben, wovon­ das­ Letzte mit­ „Martou“­ deutlich­ zu­ lesen­ ist.­ Vielleicht­könnte­eine­Bewertung­vorgenommen­werden?­­­­­­­­­­­­­­­ Franziska­Plischka,­o.­O.

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Es­ handelt­ sich­ hier­ um­ ein­ Ölbild­ auf­ Leinwand­ in­ der Grö­ße­48­x­38­cm.­Es­ist­gerahmt­und­scheint­in­gutem Zu­stand­zu­sein.­Es­ist­nach­Leserangabe­unsigniert­und­of­fenbar­undatiert;­ich­möchte­es­in­die­erste­Hälfte­des­20. Jahrhunderts­datieren.­Das­recht­einfach­gemalte­Bild­zeigt den­ italienischen­ Condottiere­ Gian­ Galeazzo­ Sanvitale (auch­Galeazzo­I.­Sanvitale,­1496-1550).­Es­handelt­sich­hier um­ei­ne­recht­einfache­und­freie­Kopie­des­Bildes­„Porträt des­ Gian­ Galeazzo­ Sanvitale“­ des­ italienischen­ Künstlers Parmigianino­ (Girolamo­ Francesco­ Maria­ Mazzola,­ 15031540).­Das­Original­hängt­heute­im­Museo­di­Capodimonte in­Neapel.­Die­„runde­Plakette“­– im­Originalbild­ist­das­gut zu­ er­kennen­ – ist­ ein­ großes­ und­ sicher­ wertvolles­ Geldstück,­ das­ wahrscheinlich­ auf­ das­ Steuerrecht­ des­ Dargestellten,­ der­ im­ Dienste­ des­ französischen­ Königs­ stand, hinweist.­Das­Bild­stammt­nicht­von­einem­professionellen Maler,­der­in­Listen­vertreten­wäre.­Ich­möchte­eine­Schätzung­von­170­Euro­für­das­Bild­vornehmen.­­­­­­­­­­­­­­­­­Experte­SJ


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SAMMLER-SERVICE

einem Weinfass vergnügen. Auf dem Fass steht ein weiterer Putto mit erhobenem Polkal. Der obere durchlaufende Fries wird von geraden Ästen eingefasst und enthält gekreuzte Stäbe. Mittig ist in einer Wappenkartusche ein Bacchuskopf zu sehen. Der untere breite Fries zeigt ein verschränktes Bandmuster mit kreuzförmigen Blüten. Die Tafeln sind durch Scharniere miteinander verbunden. Es handelt sich hier um eine fabrikmäßige Ware, die in größerer Stückzahl angefertigt wurde. Vielleicht diente sie zur Ausschmückung von Weinstuben einer großen Firma, die es sich leisten konnte, die Formen herzustellen. Deutsch um Dr. Carl Ludwig Fuchs 1870-90.

Puttireigen Messingtafeln, deutsch, um 1870-90

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Auf einem Flohmarkt habe ich diese beiden dreiteiligen Tafeln aus geprägtem Messingblech erstanden. Sie sind 48 cm lang, 21 cm hoch und können aufgestellt werden. Das Gewicht eines Dreiteilers beträgt ca. 550 Gramm. Abgebildet sind mehrere Engel mit kleinen Flügeln. Ein Engel steht auf einem Podest. Oben ist ein Gesicht dargestellt. Insgesamt könnte es sich um eine Szene rund um den Wein handeln. Aber wofür wurden diese Tafeln genutzt? Ich freue mich, wenn ein Experte helfen und auch etwas Manuela Schmidt-Weimann, Hildesheim zum Alter sagen könnte.

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Sechs Relieftafeln, Messing gedrückt und poliert, 21 x 48 cm. Alle Tafeln sind identisch. Die Darstellung wurde mit Stahlformen mechanisch gedrückt und dann poliert. In einem Rahmen aus Rebstöcken ist eine laubenartige Weinranke eingestellt, unter der sich Putti im Reigen unter

Waschgarnitur Bunzlauer Keramik

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Anbei übersende ich einige Fotos einer größeren Waschgarnitur. Durchmesser 34 cm, Höhe 35 cm. Zustand perfekt, leichte Risse in der Glasur. Keine Marke. In Form gegossen, nicht gedreht. Die Waschgarnitur dürfte in Bunzlau entstanden sein, da sie in heutiger Zeit nur als Deko verwendet werden kann. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir eine Beurteilug zukommen lassen würden. Heiz Weber, Bayrischzell

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Bunzlauer Keramik stammt, wie der Name schon sagt, aus Bunzlau, dem heutigen Bolesławiec. Die hochgebrannte Irdenware aus Bunzlau war besonders aufgrund ihrer Temperaturwechsel-Beständigkeit sehr beliebt und um 1900 in fast jedem Haushalt zu finden. Die Verwendung von Waschgeschirren war um 1900 bis 1950 (je nach Region) ebenfalls weit verbreitet. Allerdings ist das nicht unbedingt ein Beweis, dass Ihr mit Schwämmeldekor deko-


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Hiroshige, Oban. Aus der Tokaido-Serie von 1855, die Station Odawara

14. Auktion Sa. 15. Juli 2017 ab 14 Uhr Vorbesichtigung 08.–14. Juli, 13–18 Uhr Samstag 15. Juli, 10–13 Uhr Auktion und Vorbesichtigung: Riehler Str. 77, 50668 Köln, Germany Tel. +49 (0)221 16899440, Mobil +49 (0)157 82622177 weissenberg-deville@signens.com • www.signens.com

EINLADUNG ZUR KUNSTAUKTION Samstag, 29. Juli 2017 Beginn 10.00 Uhr – Saalöffnung 9.00 Uhr Vorbesichtigung GmbH

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22.07.17 23.07.17 24.07.17 25.07.17 26.07.17

10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr

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SAMMLER-SERVICE

ses Werk hinterlassen. Er war NSDAP-Mitglied und gehörte zum Lehrkörper der Nordischen Kunstschule, gleichzeitig wurden einige seiner Werke später aus öffentlichen Sammlungen entfernt. 1943 wurde er zum Kriegsdienst einberufen. In dieser Zeit, als einfacher Fußsoldat auf dem Weg zur Ostfront, könnte das Bild entstanden sein. In den USA wird das Werk des Malers sehr einseitig als „entartet" dargestellt, was aufgrund der Quellenlage einfach falsch ist. Eine Stiftung in den USA, der „Grohs Collection Trust", betreut das Werk des Malers. Auf dem Kunstmarkt spielt das Werk des Malers kaum eine Rolle. Ein angemessener Schätzpreis wäre circa 100 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

Kaum bekannt Gemälde von Vittorio Franchina

? riertes Waschgeschirr tatsächlich auch in diesem Zeitraum entstanden ist. Die Fotos können täuschen, doch scheint mir, dass die Glasur sehr glänzend ist. Ein mögliches Indiz für ein Stück aus moderner Produktion. Möglicherweise im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts entstanden, als die Nachfrage nach Bunzlauer Keramik sehr hoch war. Ob nun wirklich alt oder aus jüngerer Produktion, auf jeden Fall ein dekoratives Objekt. Schätzpreis: 200 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

Rosen Blumenstillleben von Hans Groß

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Ich komme mit einer großen Bitte zu Ihnen. Ich habe vor ein paar Wochen ein Bild bekommen. Leider kann ich es nicht einschätzen. Die Außenmaße sind 34 x 34 cm, das Innenmaß ist 23 x 22 cm. Es wäre schön, wenn Sie folgende Fragen beantworten könnten: Wie alt ist das Bild? Wer ist der Maler? Was könnte es wert sein? Rudolf Batzner, Bad Kissingen

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Das Bild zeigt ein Blumenstillleben, Rosen in einer Vase. Es ist in Öl auf Pappe ausgeführt und rechts unten „Hans Groß“ signiert. Rückseitig findet sich ein Aufkleber, welcher vermerkt, dass das Bild im Juli 1943 verschenkt wurde. Die Malerei spricht für einen Maler, der mit einer durch den Krieg bedingt reduzierten Farbpalette zurechtkommt. Die Signatur ist sehr selbstsicher gut sichtbar angebracht. Zwar ist der Name recht häufig und auch ein talentierter Laie hätte dieses Bild erschaffen können, dennoch spricht einiges dafür, dass es sich um ein Gemälde des Dithmarscher Malers Hans Groß (auch: Grohs) handelt. Die Signatur ist in alter Lateinschrift ausgeführt, das „ß“ sieht dann aus wie „hs“. Der Maler und Grafiker Hans GROSS (noch eine Schreibweise!) lebte von 1892-1981 und hat ein sehr diver-

Seit Jahren lese ich Ihr Journal mit großem Interesse. Nun habe ich selbst einmal eine Frage zur Einschätzung von Gemälden. Ich erwarb die Gemälde vor etwa 10 bis 15 Jahren privat in Berlin. Leider konnte mir die Verkäuferin nichts zur Herkunft der Bilder oder zum Künstler sagen. Seither bin ich auf der Suche. Die in Öl auf Leinwand gemalten Bilder erinnern mich an andere Werke des italienischen (?) Neoexpressionismus – ein Stempel auf der Rückseite eines der Bilder weist auf Palermo – womöglich ein Zollstempel für die Einfuhrgenehmigung anlässlich einer Ausstellung? Eines der Bilder ist hinten bezeichnet: Titolo: Discussione. Die Bilder sind etwa 1 x 1 m groß. Die Signatur kann ich leider nicht entziffern. Können Sie mir etwas zum Künstler sagen und vielleicht eine Einschätzung hinsichtDr. Sascha Löschner, Greifswald lich des aktuellen Wertes geben?


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SAMMLER-SERVICE

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Tatsächlich ist die Signatur auf den ersten Blick nicht leicht zu lesen. Immerhin gibt der Stempel auf dem Keilrahmen den nötigen Hinweis. Der Stempel „Ufficio esportazione delle antichità e degli oggetti d'arte della Sicilia" verweist auf das „Büro für Ausfuhr von Antiquitäten und Kunstwerken in Sizilien". Das legt zumindest die Vermutung nahe, dass es sich um einen sizilianischen Künstler handelt. Glücklicherweise ist diese Zahl begrenzt und so findet sich tatsächlich Vittorio Franchina (1951). Geboren in Tortorici studierte er später an der Kunstschule „Mattia Preti“ in Reggio Calabria, heute lebt er in Capo d’Orlando. Regional ist der Künstler bekannt, aber kaum über die Grenzen Siziliens hinaus. Gemälde des Künstlers wurden in den letzten Jahren für wenige hundert Euro angeboten, allerdings meist nicht verkauft. Ein Schätzpreis wäre daher jeweils 100 bis 200 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Lüneburg

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18_21_Fotokunst.qxp_SJ Redaktion 12.06.17 16:34 Seite 2

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FOTOKUNST

Es lebe der Widerspruch Fotos aus dem Falter-Archiv Entstanden im Umfeld der Arena-Besetzung (1976), erschien die erste Ausgabe der Stadtzeitung „Falter. Programmzeitschrift für Wien“ im Mai 1977. Mehr Flugblatt als Zeitschrift, mit bräunlich-gelbem Papier, bestand der „Falter“ damals aus zwölf gefalteten Seiten, mit zahlreichen Text-Bild-Collagen. Stadtzeitungen waren Teil der Alternativbewegungen und der Neuen Linken, somit hochpolitische Projekte in dieser Zeit. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums zeigt das Wien Museum die Ausstellung „Es lebe der Widerspruch! Fotos aus dem Falter-Archiv“, die noch bis zum 27. August zu sehen ist: Rund 600 Fotos von mehr als 30 Fotografinnen und Fotografen ermöglichen einen spezifischen, alternativen Blick auf die Wiener Stadtgeschichte. Im Fokus stehen Themen wie Architektur, öffentlicher Raum, Wohnen, Ökologie, Protestbewegungen und Demonstrationen, Antirassismus, Medienkritik, die Aufdeckung von Skandalen und immer öfter auch Lifestyle. Analog zu den Interessen und Inhalten des „Falter“ war auch das Bildprogramm der neuen Stadtzeitung offen parteiisch. Zu Beginn richtete sich der Fokus vor allem auf aktivistische Themen wie die Besetzung der Hainburger Au, Anti-Atomkraft, die Hausbesetzerszene, die Grünen. Das Bildmaterial entstand oft aus der Sicht von AktivistInnen, gab einen Einblick in das Innere der Bewegungen, in Demonstrationen und Versammlungen, wie etwa die frühen Fotos von Lui Frimmel zeigen. Dezidiert verwendete man auch satirische und polemische Bilder oder Bildmontagen, angelehnt an ästhetische Vorbilder aus den 1920er-Jahren. Abseits tagesaktueller Themen gab es immer wieder auch großzügige Fotostrecken, etwa von Werner Korn zum Matzleinsdorfer Platz oder von Matthias Cremer zur Vorstadt Meidling und zum Donaukanal. Fungierten FotografInnen zunächst noch häufig als „namenlose Lieferanten“, so entwickelte sich im Lauf der Zeit im „Falter“ eine Fotografie mit eigenem Qualitätsanspruch und selbstbewusster Autorenschaft. Typische Darstellungsformen in den 80er-Jahren waren u. a. filmische Bildmontagen oder die Anordnung von zwei unterschiedlichen Porträts nebeneinander. Vor rund zwölf Jahren begann schließlich auch im „Falter“ der große Umbruch durch die Digitalfotografie. Das

Polizisten und Demonstrantin, um 1980

Räumung der besetzten Häuser in der Aegidi- und Spalowskygasse, 1988 Foto: Christian Fischer

Fotoarchiv umfasst heute rund 25.000 analoge und 150.000 digitale Fotos. Die Konkurrenz unter den Fotografinnen und Fotografen ist gestiegen, die Schwarzweißfotografie auf dem Rückzug. Die Einsatzweise und die Ästhetik der Fotos im „Falter“ der letzten Jahre bezeichnen die Kuratoren der Ausstellung als „konstruktiv“: Als bewusstes Kontrastprogramm zur Häme in den sozialen Medien verzichtet der „Falter“ heute weitgehend auf polarisierende Bilder. INTERNET | www.wienmuseum.at

Die fotografierte Ferne Fotografen auf Reisen (1880-2015) Das Reisen ist seit mehr als 100 Jahren ein großes Thema der Fotografie. Mit Aufkommen des massenhaften Tourismus im späten 19. Jahrhundert entstand das Genre der Reisefotografie, das die Erwartungen an das Exotische in der Fremde bestätigte. Erst seit den 1920er-Jahren ist das Rei-

Erich Salomon, Fairfax Hunt Club, Virginia, 1930/1932


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FOTOKUNST

Tobias Zielony, Car Wreck, aus der Serie Trona – Armpit of America, 2008 © Tobias Zielony

sen für Fotografen auch Anlass für die künstlerische Auseinandersetzung mit den kulturellen, politischen und sozialen Zuständen anderer Länder. Die Bilder entstehen als spontane Reaktion auf Unbekanntes oder im Zusammenhang mit vorher geplanten konzeptuellen Ideen. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, die noch bis zum 11. September gezeigt wird, vermittelt mit über 180 Bildern von 17 Fotografen eine Geschichte der künstlerischen Fotografie des 20. Jahrhunderts. Die verschiedenen Positionen veranschaulichen, wie sich Bildsprache und Wahrnehmung von der frühen Reisefotografie bis in unsere globalisierte Welt verändert haben. Gezeigt werden Fotografien von Max Baumann (*1961), Kurt Buchwald (*1953), Marianne Breslauer (1909-2001), Tim Gidal (1909-1996), Thomas Hoepker (*1936), Sven Johne (*1976), Robert Petschow (1888-1945), Hans Pieler (1951-2012) und Wolf Lützen (*1946), Evelyn Richter (*1930), Erich Salomon (18861944), Hans-Christian Schink (*1961), Heidi Specker (*1962), Wolfgang Tillmans (*1968), Karl von Westerholt (*1963), Ulrich Wüst (*1949) und Tobias Zielony (*1973). INTERNET | www.berlinischegalerie.de

Germaine Krull, Selbstporträt mit Icarette, um 1928, Silbergelatineabzug, 23,8 x 17,9 cm, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München © Fotografische Sammlung im Museum Folkwang Essen/Nachlass Germaine Krull

August Sander und Michel Seuphor aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. INTERNET | www.pinakothek.de

Danny Lyon Message to the Future

Künstlerporträts Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre In der Fotografie der Moderne ist das Porträt Experimentierfeld einer Kunstform, die sich stets selbst reflektiert. Das Künstlerporträt gibt dabei Zeugnis der dargestellten und darstellenden Künstler und ist zugleich Spiegel von weitreichenden Beziehungsgeflechten und personellen Netzwerken. Die Ausstellung „Künstlerporträts. Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre“ in der Pinakothek der Moderne und Bayerische Staatsgemäldesammlungen Kunstareal in München zeigt noch bis zum 31. August Fotografien aus den 1920er- und 1930er-Jahren von Aenne Biermann, Florence Henri, Germaine Krull, Albert Renger-Patzsch,

Mit „Message to the Future“ zeigt das Fotomuseum Winterthur noch bis zum 27. August eine umfassende Retrospektive des amerikanischen Fotografen und Dokumentarfilmers Danny Lyon (*1942). Als engagierter und scharfer Beobachter dokumentiert Lyon seit über 50 Jahren gesellschaftspolitische Themen, Randgruppen und Subkulturen, wobei er stets eine besondere Nähe zu den Menschen aufbaut, die vor seiner Kamera stehen. Entschlossen, der massenmedialen Berichterstattung eine alternative Sichtweise entgegenzuhalten, entwickelt er in der Nachfolge von Walker Evans und Robert Frank eine verstärkt subjektive und teilnehmende Form der dokumentarischen Fotografie. Neben den ikonischen Bildern zeigt die umfassende Retrospektive erstmals in Europa auch weniger bekannte Filme, Kollagearbeiten und faszinierendes Material aus Lyons

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FOTOKUNST

Danny Lyon, Tesca, Cartagena, Colombia, 1966

Fotoalben seines Vaters beeinflusst, richtet er sein Interesse schon früh auf soziale Randgruppen. Den Chicago Outlaws, eine der weltweit größten und ältesten Motorrad Gangs, schließt er sich 1965 kurzerhand an und hält während den folgenden Jahren ihren Alltag auf und abseits der Straßen fest. Während seiner Zeit in Lower Manhattan (1967) dokumentiert er den Abriss jenes Stadtteils, an dem später u. a. das World Trade Center errichtet wird. Für ein weiteres Projekt besucht er während 14 Monaten Häftlinge in texanischen Gefängnissen. In den 1970er- und 1980er-Jahren führt ihn sein selbsternannter „anwaltschaftlicher Journalismus“ nach Bolivien, Mexiko, Kolumbien und Haiti, wo er das Leben illegaler Arbeiter und von Straßenkindern dokumentiert. Ende der 1960er-Jahre tauscht Lyon erstmals den Fotoapparat gegen die Filmkamera. Der Autodidakt Lyon folgt keiner bestimmten Schule des Dokumentarfilms, sondern filmt, wie er fotografiert: nah, direkt und ehrlich. Die Ausstellung umfasst neben rund 150 Fotografien auch Filme und Ephemera, die erstmals zusammen gezeigt werden. Zudem erscheint ein reich bebilderter Katalog, der das Schaffen Lyons der letzten fünfzig Jahre widerspiegelt (englisch, mit deutschem Beiheft der Haupttexte).

© Danny Lyon, Courtesy Gavin Brown Enterprises

INTERNET | www.fotomuseum.ch

Archiv. Lyons frühste Fotografien entstehen im Rahmen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. 1962, im Alter von 20 Jahren, reist er per Anhalter nach Illinois, um seine erste Demonstration fotografisch festzuhalten. Nachdem er zum offiziellen Fotografen des Student Nonviolent Coordinating Committee ernannt wird – einer der bedeutendsten Organisationen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung –, entstehen Bilder, die das gewaltsame Aufeinandertreffen von Demonstrierenden und der Südstaatenpolizei dokumentieren. Seine Fotografien von Demonstrationen der Occupy-Bewegung, die im Herbst 2011 in New York, Los Angeles, Oakland und Albuquerque entstanden sind, schlagen einen Bogen zu den Anfängen seiner Karriere. Als Sohn jüdischer Einwanderer wuchs Lyon im New Yorker Stadtteil Queens auf. Von der Beat-Generation und den

Andreas Mühe Pathos als Distanz Mit Andreas Mühe (*1979 Karl-Marx-Stadt) stellt das Haus der Photographie Deichtorhallen in Hamburg noch bis 20. August einen jungen deutschen Fotografen vor, dessen Wahrnehmung von der Welt des Theaters, der Inszenierung und der Verwandlung geprägt ist. Mühes Bilder und Sequenzen sind am besten mit dem Modell einer Theaterprobe zu vergleichen, bei der der Regisseur seinen Akteuren maximalen Raum lässt. Die in enger Zusammenarbeit zwischen

Danny Lyon, Occupy Oakland, City Hall, Oakland, 2011

Andreas Mühe, Empfang Antonio Puri Purini, 2009

© Danny Lyon, Courtesy Gavin Brown Enterprises

© VG Bildkunst Bonn 2017


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FOTOKUNST

Andreas Mühe und Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie, inszenierte Ausstellung „Pathos als Distanz“ vereinigt ältere Arbeiten mit neuen, teils unveröffentlichten Aufnahmen. Erstmals wird damit das junge, vielversprechende Œuvre Andreas Mühes in einer umfassenden Ausstellung vorgestellt. Formal ein Konzeptfotograf, der mit Bezug auf die KunstgeAndreas Mühe, Jagdhaus schichte Sujets auflädt, legt Honecker, 2016 aus der Serie Andreas Mühe oftmals das Jagd © VG Bildkunst Bonn 2017 frei, was das kollektive Bewusstsein ausmacht. Seine Arbeiten verführen zudem zu einem spontanen Urteil. Erst der genaue Blick verifiziert, ob es sich um eine subjektive Wirklichkeit handelt. Dass Andreas Mühe dabei aus seiner Biografie essentielle Wahrnehmungen schöpft und in Bilder umsetzt, steht dabei in keinem Wiederspruch: Das Schöne, das Nähe schafft, wird gefüllt mit Inhalten, die innehalten lassen und Distanz schaffen. So entstehen Bilder aus der Gegenwart mit dem Blick zurück nach vorn. Arbeiten aus allen Serien und Werkphasen Andreas Mühes finden im „Großen Saal“ im Zentrum des Hauses der Photographie zusammen und stellen Bezüge untereinander her, darunter bekannte Werkzyklen wie „Obersalzberg“ (2010-2013) oder „A.M.“ (2013), aber auch noch unveröffentlichte Arbeiten. Seit 2010 stellt Andreas Mühe in musealen Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. in der Kunsthalle Rostock, im Martin-Gropius-Bau in Berlin, Benaki Museum Athen und jetzt im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg aus. INTERNET | www.deichtorhallen.de

Nautilus Schnecken, Muscheln und andere Mollusken Gehäuse von Mollusken wie Muscheln und Schnecken gehören zu jenen Bauformen der Natur, die die Fotografen seit jeher fasziniert haben. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg wird in Zusammenarbeit mit der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin und der Kunsthalle Erfurt diesem fotografischen Bildthema erstmals eine eigene Ausstellung widmen, die noch bis zum 27. August im Bibliotheksflügel im Oldenburger Schloss gezeigt wird. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Gehäuse von Muscheln und Schnecken zunehmend zum Bildthema einer künstlerisch autonomen Fotografie, und es entstanden Ikonen der Fotomoderne, wie Edward Westons „Nautilus Shell“ von 1927. Im deutschsprachigen Raum sind es Künstlerinnen und Künstler wie Aenne Mosbacher und Ernst Fuhrmann, die sich als Vertreter einer sachlichen Fotografie dem Motiv der

Alfred Ehrhardt, Murex tenuispina L., Molukken, 1940/41, Abzug 1968, Gelatinesilberabzug © bpk Alfred Ehrhardt Stiftung

Muscheln und Schnecken widmeten. Im Gegensatz dazu stellt die Fotografie des Surrealismus, die in der Ausstellung unter anderem durch Man Ray vertreten ist, eine vollkommen andere Sicht auf diese Naturobjekte dar. Gleich zwei umfassende Konvolute werden in der Ausstellung präsent sein: Eine große Anzahl der erst kürzlich wiederentdeckten Fotografien des Hamburger Architekten und Fotografen Fritz Block sowie eine Auswahl von Alfred Ehrhardts Aufnahmen für sein Buch „Muscheln und Schnecken“ von 1941. Der Blick auf die unterschiedlichen fotografischen Positionen nach 1945 richtet sich beispielsweise auf Horst P. Horst, Leni Willimann-Thoeni und Andreas Feininger und reicht mit Exponaten von David La Chapelle und Pierre et Gilles bis in die internationale GeAlfred Ehrhardt, Nautilus genwartsfotografie. pompilius L. Philippinen, INTERNET | www.landesmuseum-ol.de

1940/41, Abzug 1968, Gelatinesilberabzug © bpk Alfred Ehrhardt Stiftung

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62_67_Karl_Einhart.qxp_SJ Redaktion 12.06.17 16:47 Seite 2

Karl Einhart Karl Einhart Von Anja Iwa

Der Konstanzer Maler Karl Einhart (1884-1967) hielt in seinen Gemälden und Aquarellen vorzugsweise die Landschaft seiner geliebten und vertrauten Heimat fest. Gleichzeitig knüpfte er ein ausgedehntes Netzwerk von künstlerischen Beziehungen rund um den Bodensee. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit Hans Purrmann (1880-1966), der ihm zum künstlerischen Vorbild wurde.

Seine Ausbildung absolvierte der Konstanzer Maler Karl Einhart in Emmishofen, Gottlieben, Karlsruhe und Berlin. Auch in München, Zürich und Dachau fand er Inspiration. In seinem Werk blieb Einhart stets dem Gegenständlichen verbunden. Er malte vornehmlich Porträts, Landschaften und Stillleben. In seiner Geburtsstadt gestaltete er zudem sogenannte Hauszeichen – bildlich umgesetzte Namen, die in früheren Zeiten anstelle von Hausnummern verwendet wurden. Darüber hinaus war er als Buchillustrator und Keramiker aktiv und immer wieder stellte er die Bodenseelandschaft in seinen Bildern dar.

BIOGRAFIE Josef Karl Einhart wurde am 27. November 1884 als Sohn des Fischermeisters Karl Edmund Einhart (1851 -1937) und seiner Frau Paulina Einhart (1857-1954, geb. Burkart) in Konstanz geboren. Karl hatte fünf Geschwister: Pauline Edmunda (1880-1880), Karl Edmund (18811970), der den väterlichen Fischereibetrieb übernehmen sollte, Julie Paula (1882-1968), Johann Nepomuk Anton (1889-1966) und Mathilde Julie Cäcilie Johanna (1893-1978). Väterlicherseits hatte er alteingesessene Fischer und Schiffer aus Konstanz als Vorfahren, die Vorfahren der Mutter waren Schweizer Baumeister und Zimmerleute aus Emmishofen. Seine Kindheit verbrachte Karl Einhart in Konstanz, bis seine Familie um 1894 nach Emmishofen (heute Kreuzlingen) in der Schweiz zog. Hier erhielt er Zeichenunterricht bei dem deutschen Porträt- und Grenremaler Ernst Würtenberger (1868-1934). Ab 1900 bis 1903 machte er eine Ausbildung zum Dekorationszeichner und -maler an der Kunstgewerbeschule

Karl Einhart, Bäuerin, o. J., Öl auf Holz, Privatbesitz 74,8 x 62,5 cm


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MALEREI

Karlsruhe und wurde von dem Schweizer Maler Emil Thoma (18691948 ) in den künstlerischen Techniken unterwiesen. Von 1904 bis 1908 studierte Einhart an der Großherzoglichen Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seine Lehrer dort waren Caspar Ritter (1861-1923 ), Ludwig Schmid-Reutte (1863-1909), Ernst Schurth (18481910 ) und Wilhelm Trübner (18511917). Ab 1908 besuchte er dann ein Jahr lang die private Kunstschule von Walter Thor (1870-1929) in München und machte dort Bekanntschaft mit dem Maler Georg Tronnier (1873-1962). Ab dem 27. Januar 1909 nahm Einhart für einige Monate erneut Unterricht bei Ernst Würtenberger in Zürich, bevor er sich 1910 an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin-Charlottenburg einschrieb. Gegen Ende seiner Ausbildung im Jahr 1911 hielt er sich erstmals in der Dachauer Künstlerkolonie auf, wo er sich in der Freilichtmalerei übte. Ebenfalls 1911 lernte er Berta Jacques (1888-1968), die Schwester des Schriftstellers Norbert Jacques (1880-1954), kennen. Die Bekanntschaft der beiden erfolgte vermutlich über ihren Bruder, der sich ab 1903 regelmäßig am Bodensee aufhielt. Der junge Künstler besuchte Berta wiederholt in Luxemburg und unternahm Studienreisen nach Belgien, Paris, Wien, Italien und in die Schweiz. Am 4. September 1911 heirateten Karl Einhart und Constanzia Elisabeth Berta Jacques in Luxemburg. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Karl Rainer (1912-2001) und Elisabeth (19212010). 1911 erfolgte auch eine erste Einzelausstellung des Malers im Kunstverein Konstanz. Von 1912 bis 1914 lebte er abwechselnd in Gottlieben, Luxemburg und Berlin. Am 26. Mai 1915 trat Einhart den Kriegsdienst im Infanterieregiment Nr. 114 an, das an der Westfront in Nordfrankreich zum Einsatz kam. Ab 1915 erschienen im Verlag Reuß & Itta, Konstanz, die sogenannten

„Zeitbücher“ für die Einhart bis 1918 insgesamt 12 Einbände entwarf. Darüber hinaus erschienen von 1915 bis 1953 Bildbeigaben und Illustrationen des Künstlers in den jährlich herausgegebenen „Bodenseebüchern“. Schon bei der Hochzeit von Karl und Berta war aufgefallen, wie unterschiedlich das Paar eigentlich war, einerseits der naturnahe Künstler und andererseits seine belesene Frau, die ihm mehr als nur einmal bei seinem Schriftverkehr zur Hand ging. Scheinbar hatte sich das Paar während des Krieges auseinander gelebt und so ließen sich die beiden im Jahr 1917 scheiden. 1918 kehrte Einhart zurück nach Konstanz, wo er regelmäßig Umgang mit anderen Künstlern und Schriftstellern hatte. Ein Jahr später gründete er zusammen mit anderen Künstlern wie Hans Breinlinger (1888-1963) und

Kasia von Szadurska (1886-1942) die expressionistische Künstlergruppe „Breidablik“ in der Hoffnung, ihre Werke gemeinsam besser verkaufen zu können. Die Vereinigung brachte jedoch nur eine einzige Ausstellung hervor und löste sich nach einem Jahr wieder auf. In den 1920er-Jahren war Einhart oft zu Besuch bei dem Juristen, Kunsthistoriker und Sammler Nicola Moufang (18861967) in Karlsruhe und inspizierte die von Moufang geleitete MajolikaManufaktur. 1921 lernte er den Schriftsteller und Verleger Oskar Wöhrle (1890-1946) kennen. Dieser engagierte Geschäftsmann betrieb seine Buchhandlung und seinen Verlag in der Hussenstraße 18 in Konstanz, wo schon bald Maler und Schriftsteller ein und aus gingen. Einhart bemalte die Kassettendecke des Eingangsflurs in diesem Haus

Karl Einhart, Selbstbildnis, 1967, Öl auf Sperrholzplatte, 43,2 x 40,3 cm © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

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mit Schilderungen eines Tagesablaufes am See. Wöhrle publizierte auch sogenannte „Bodensee-Künstlerkarten“, von denen einige auch Aquarelle Einharts zeigten. Der Maler beteiligte sich an verschiedenen Buchgestaltungen, knüpfte so engere Kontakte zu literarischen Kreisen und fertigte auch einige Porträts von Schriftstellern an. Die Sammlung der Wessenberg-Galerie besitzt beispielsweise ein von Einhart gemaltes Bildnis des deutschen Schriftstellers Wilhelm von Scholz (1874-1969). Am 26. Oktober wurde der „Künstlerbund Bodensee“ als freie Vereinigung von Künstlern und Kunstfreunden gegründet, dem auch Karl Einhart beitrat. Er hatte es geschafft als freiberuflicher Künstler Fuß zu fassen und zwischenzeitlich hatten er und seine geschiedene Frau sich wieder angenähert. Am 2. August 1921 kam die gemeinsame Tochter Elisabeth zur Welt und am 7. November des selben Jahres erfolgte erneut die Hochzeit von Karl und Berta. 1923 gründeten die Maler und Grafiker aus dem „Künstlerbund Bodensee“ die „Neue Malergruppe am See“ als eigene Vereinigung mit Sitz in Konstanz. Zwei Jahre später riefen Norbert Jacques und sein Schwager Karl Einhart die Künstlergruppe „Der Kreis“ ins Leben, die mit um die vierzig Mitgliedern die bedeutendste der Künstlergruppen am Bodensee war. Die Kontakte der Gruppe gingen in

Oben: Karl Einhart, Blick aus meinem Fenster, o. J., Öl auf Leinwand, 55 x 65 cm © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Mitte: Karl Einhart, Blick auf die Insel Mainau (Bodenseelandschaft), o. J., Öl auf Leinwand, 54, 3 x 76,4 cm © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Unten: Karl Einhart, Am Untersee (Schiff im Schnee), o. J., Öl auf Leinwand, 37,4 x 52,4 cm © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz


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alle Richtungen über den See und auch einige Maler von außerhalb, wie beispielsweise Hans Purrmann oder Conrad Feixmüller (1897-1977) zählten zu den Mitgliedern dieser Künstlervereinigung. Die „Neue Malergruppe“ löste sich in der Folge nach und nach wieder auf. „Der Kreis“ setzte sich zum Ziel, jährlich Wanderausstellungen in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich zu organisieren, um Kunstliebhaber und potentielle Käufer zu erreichen. Einhart war sowohl organisatorisch als auch als ausstellendes Mitglied dieser Gruppe tätig. Der Maler hatte immer wieder finanzielle Engpässe, weshalb er mehrmals bezahlte Auftragsarbeiten annahm. So gestaltete er zum Beispiel ab 1927 verschiedene Hauszeichen in Konstanz. Zusätzlich ersuchte er Hilfe in Form eines Reichsmitteldarlehens, das ihm am 15. Dezember 1927 bewilligt wurde. Die Rückzahlung der 500 Reichsmark ab 1929 konnte Einhart allerdings nur teilweise aufbringen und es endete damit, dass man ihm einige Jahre später letztendlich seine Restschuld erließ. 1929/30 entwarf der Künstler die jährliche Titelseite im „Goldenen Buch“ der Konstanzer Karnevalsgesellschaft „Elefanten A G“ zu deren 50. Jubiläum und um 1930 gestaltete er ein Wahlplakat für die liberale Deutsche Staatspartei. 1933 nahm Einhart letztmals an einer „Kreis“Ausstellung teil, denn die Aktivitäten der Künstlervereinigung wurden nach Hitlers Machtübernahme erheblich beeinträchtigt. Im Januar 1934 wurde Einhart Mitglied der Reichskulturkammer (RKK). Anlässlich seines 50. Geburtstages organisierte der Kunstverein Konstanz dann im Herbst 1934 eine Einzelausstellung und rief die ansässigen Künstler zu einer Spende auf, um eines von Einharts Werken für die Wessenberg-Galerie ankaufen zu können. Ab 1934 beteiligte sich der Maler auch bis in die 1950er-Jahre regelmäßig an den Weihnachtsaus-

Hans Purrmann (1880 Speyer-1966 Basel), Bildnis Karl Einhart, 1925, Öl auf Lein© VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz wand, 62 x 49 cm

stellungen des Konstanzer Kunstvereins. 1936 begannn er privaten Malunterricht zu geben und nahm an einem Wettbewerb für die Gestaltung der Fassade am neuen Hallenschwimmbad in Konstanz teil. Aus erneuter Geldnot stellte er einen Antrag auf staatliche Unterstützung beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, dieser wurde jedoch abgelehnt. 1937 erfolgte eine letzte „Kreis“-Ausstellung in St. Gallen, bevor sich die Vereinigung auflöste. Auch Hans Purrmann, der den Sommer regelmäßig mit seiner Familie am Bodensee verbrachte, hatte wiederholt an diesen Ausstellungen teilgenommen. Einhart bewunderte Purrmann für seine

künstlerischen Fähigkeiten. Die beiden verband eine lebenslange Freundschaft, als Beleg erhalten ist beispielsweise ein beeindruckendes Porträt von Karl Einhart aus der Hand Purrmanns, welches sich heute in der Sammlung der Städtischen Wessenberg-Galerie befindet. Purrmann ging 1935 nach Florenz und ein Jahr später schrieb Einhart melancholisch: „Am 1. Mai habe ich an die Zeit vor 2 Jahren zurückgedacht wo wir Ihr Arbeitszimmer schmückten“. Der Maler tat sein Bestes, um mit Purrmann in Kontakt zu bleiben und so schrieb er ihm zahlreiche Briefe, die unter anderem auch seinen ständigen Kampf in seiner Malerei offenbaren. Er klagte

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Oben: Karl Einhart, o. T. (Meine Frau in blauem Kleid), o. J., Öl auf Weichfaserplatte, 42 x 27 cm Sammlung Frieder-Gerlach, Konstanz

Unten: Karl Einhart, Am Konstanzer Hafen liegender Junge, 1928, schwarze Kreide, Aquarell auf Papier, 47 x 63 cm Rosgartenmuseum Konstanz

mehrmals über seine künstlerische Unfähigkeit und bat Purrmann, er möge ihm von seinem Schaffen erzählen, um ihm Motivation zu geben. 1937 unternahm Einhart zusammen mit seinem Schwager Norbert Jacques und einer gemeinsamen Bekannten eine Reise nach Florenz, wo er ein letztes Mal mit seinem Freund Hans Purrmann zusammentraf. Im Juni 1939 kaufte Berta Einhart für 30 000 Reichsmark ein Haus in der Ruppanerstraße in Konstanz. Aufgrund der stets engen finanziellen Lage ihres Mannes und ob der Tatsache, dass sie selbst als Käuferin antrat, liegt es nahe zu vermuten, dass ihre Famile, wahrscheinlich der Bruder, das Geld für den Kauf zur Verfügung gestellt hatte. Möglicherweise malte Einhart sogar tatsächlich aus Dankbarkeit dafür im Jahr 1940 ein Porträt seines Schwagers. Das Bild wurde später von der Stadt Konstanz angekauft. Am 1. Januar 1940 wurde der Künstler Mitglied in der NSDAP. Wie er persönlich zu Hitler und der Politik des NS-Regimes stand, ist nicht bekannt, denn es sind keine schriftlichen Äußerungen Einharts über das politische Geschehen zwischen 1933 und 1945 zu finden. Seine Kunst fiel bei den Machthabern nicht unangenehm auf und der Ma-

ler hat sich scheinbar schnell den neuen Begebenheiten angepasst. 1942 gestaltete Einhart Holzspielzeug und ein Kinderbuch für den Vorsitzenden des Konstanzer Kunstvereins. Während des Zweiten Weltkriegs konzentrierte sich der Künstler wieder mehr auf die Buchgestaltung, da das Ausstellungswesen zum Stillstand gekommen war. Im Mai 1944 wurde Einhart Blockleiterhelfer und zwischen dem 1. Juni und dem 14. November kam er beim Zollgrenzschutz, wahrscheinlich als Oberzollsekretär, zum Einsatz. Kurz vor dem Kriegsende wurde er zum Volkssturm eingezogen und kam in französische Gefangenschaft. Sein Haus in der Ruppanerstraße wurde von der französchischen Besatzung beschlagnahmt. 1948 war Einhart Gründungsmitglied des „Kulturbund Konstanz e.V.“ und 1951 stellte der Künstler als Gast bei einer Ausstellung der Badischen Secession im Haus der Kunst in München aus. In den 1950er-Jahren begann er kleine Keramiken anzufertigen. Dies waren kleine Aschenbecher und Schälchen, größtenteils in Form von Fischen, die nur für den privaten Gebrauch oder als Präsent gedacht waren. Es ist zu vermuten, dass Einhart hierfür die Kunsttöpferei von Albert Schatz (1893-1980) nutzen durfte. 1953 konnte die Familie zurück in ihr Haus in der Ruppanerstraße, das Anwesen war allerdings zerstört und ausgeplündert worden. Einhart und seine Frau forderten Entschädigung und so erhielten sie 1955 vom deutschen Staat 7508,04 DM zugesprochen. Ab 1953 beteiligte sich der Künstler bis zu seinem Tod regelmäßig an den Singener Kunstausstellungen. Im November 1954 erfolgte anlässlich des 70. Geburtstages Einharts eine große Sonderausstellung, veranstaltet vom Kunstverein Konstanz. Die Schau beinhaltete über hundert Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des Künstlers und präsentierte eine Zusammenfassung über die vergangenen zehn Jahre seines Schaffens.


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Die Stadt Konstanz kaufte aus dieser Ausstellung ein Bild für ihre Sammlung an. Aus den Notizen Einharts geht hervor, dass sich ab 1954 auch endlich mehr und mehr seiner Werke verkauften, wodurch er und seine Frau genug finanzielle Mittel hatten, um 1955 nach Frankreich sowie 1957 in die Schweiz zu reisen. 1962 wurde der Maler Mitglied in der jüngst gegründeten deutsch-schweizerischen Künstlergruppe „Der kleine Kreis“, dessen Geschäftsführer Emil Honold sehr darum bemüht war, dass Einhart die ausgeschriebene Konservatorenstelle an der Wessenberg-Galerie bekommt. Honolds Versuche blieben jedoch erfolglos. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde der Maler 1964 erneut vom Kunstverein Konstanz mit einer großen Einzelausstellung gewürdigt. Zur Ausstellung erschienen erstmalig auch zwei gedruckte Texte. Zum einen die Eröffnungsrede des Südkurier-Kulturredakteurs Ludwig Emanuel Reindl und zum anderen ein kleines Faltblatt mit einem Beitrag des Fotografen Heinz Finke. Beide Beiträge vermitteln anschauliche

Karl Einhart, Stillleben, 1927, Öl auf Leinwand, 70 x 82 cm © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Informationen zum Wesen des Malers und seinem künstlerischen Werdegang. Ein Jahr später ernannte die 1950 in Überlingen gegründete Kulturvereinigung „Internationaler Bodenseeclub“ Karl Einhart zum Ehrenmitglied. Am 10. Mai 1967 starb der

Karl Einhart, Fischer auf dem Eis beim Zocken, o. J., Öl auf Leinwand, 34,8 x 45,2 cm

Maler in Konstanz und wurde am 13. Mai auf dem Friedhof in KonstanzAllmannsdorf beigesetzt. Anlässlich seines 50. Todestages widmet die Städtische WessenbergGalerie Konstanz dem Künstler Karl Einhart eine Retrospektive. Die Schau zeigt neben Landschaften und Stillleben auch weniger bekannte Aspekte seines Œuvres und präsentiert zugleich Arbeiten seiner künstlerischen Weggefährten, unter anderem von Adolf Dietrich, Waldemar Flaig, Hans Purrmann, Hans Sauerbruch, Jean Paul Schmitz, Kasia von Szadurska und Arthur Wittig. Einige Konstanzer Häuser zeigen an ihren Fassaden noch Hauszeichen von Karl Einhart, er schuf auch eine Deckenmalerei. Zu den von Einhart gestalteten Wandmalereien wird ein kostenfreier Rundgang (von circa zwei Kilometern, 1,5 Stunden) angeboten. Ausstellung: „Dem See treu. Karl Einhart (1884-1967) und seine Weggefährten“. Städtische WessenbergGalerie, Konstanz, bis 27. August 2017

Privatbesitz

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17:07 Uhr

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