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9. Oktober – 15. November 2017

Federico Fellini Jacques Tourneur


01 Editorial

Alles so schön bunt hier PT

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Filmstill: Cure – Das Leben einer anderen

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HOLOGIE EINE ANT TERFILMS DES GEIS

DAVI LYNCD H

Agnès JAoui

« Ein sonniger und herzerfreuender film! » aufeminin.com

AurorE Ein film Von BlAndinE lEnoir

J ETZT IM KINO *aurore_InsD_127x98_fp.indd 1

Das Programmheft des Filmpodiums hat mit dieser Ausgabe ein leicht erneuertes Erscheinungsbild erhalten: Die gediegen schwarzweisse Broschüre, in der bisher nur mit einer Auszeichnungsfarbe dezent auf Besonderes hingewiesen wurde, enthält neben einigen gestalterischen Retuschen jetzt auch Farbbilder. Sie zieht also mit der Filmpodium-Website gleich, die bereits seit ein paar Jahren farbig ist. Den Wandel bei den Drucksachen haben wir ganz still und leise schon beim diesjährigen Sommerprogramm eingeläutet, indem wir zwei Leporellobilder zur Hongkong-Reihe farbig publizierten. Einigen unserer Stammleserinnen und -lesern war schon das ein Dorn im Auge. Und jetzt ist auch noch das Heft bunt! Wir können Ihnen versichern: Wir stimmen damit nicht in den Chor der Marketingleute ein, wonach Schwarzweiss passé und wenig attraktiv sein soll. Im Gegenteil: Unser Kino ist und bleibt in seiner konsequenten Gestaltung in Schwarz, Grau und Weiss ein innenarchitektonisches Kunstwerk des Bauhaus-Schülers Roman Clemens. Viele Klassiker in unserem Programm führen vor Augen, dass die gekonnte Handhabung von Licht und Schatten ohne Farbe Höhepunkte der Filmkunst hervorgebracht hat. Und das nicht nur in der Stummfilmzeit, sondern zum Beispiel auch in den atmosphärischen Gruselfilmen und Films noirs von Jacques Tourneur im aktuellen Programm. Umgekehrt ist aber auch klar, dass die schwarzweisse Bebilderung von Farbfilmen diesen letztlich nicht gerecht wird. Tourneur etwa hat in späteren Werken sehr präzise und malerisch mit Farbe gearbeitet. Und Federico Fellini, dem unsere zweite Hauptreihe gewidmet ist, schwelgte in den schrillen Farben der sechziger und siebziger Jahre; das spezielle, intensive Dunkelrosa, das er oft verwendet hat, ist auch der Grundton des Plakats zu dieser Reihe, das die ZHdK-Studentinnen Elena Gabriel, Rebecca Wey und Soraya Gaouaoua aufgrund einer Zeichnung des Regisseurs geschaffen haben. Diese und andere vielfarbige Meisterwerke der Filmkunst in unserem Programmheft nur mit Schwarzweissfotos zu illustrieren, würde ihre Qualitäten schmälern. Wir hoffen daher, dass sich auch die Fans des alten Schwarzweiss-Looks mit der Würdigung von Farbfilmen mit Farbbildern anfreunden können. An der Gestaltung unseres Programms im Kino ändert sich dadurch nichts. Adleraugen haben höchstens bemerkt, dass unser neuer Laserprojektor Farben und Details noch etwas präziser abbildet – und Schwarzweiss ist jetzt erst recht schwarzweiss. Corinne Siegrist-Oboussier und Michel Bodmer Titelbild: Donald Sutherland und Leda Lojodice in Il Casanova di Federico Fellini (Foto: Franco Pinna)

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03 INHALT

Federico Fellini

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Federico Fellini (1920–1993) ist einer der seltenen Künstler, die ein Adjektiv inspiriert haben, nämlich «fellinesk»: «Das Wort wird verwendet, wenn die Wirklichkeit aussieht, als wäre sie ganz aus Vorstellung und Pappmaché. Es meint die Magie einer Welt gewordenen Künstlichkeit, die rührend bizarren Grimassen des Lebens und insbesondere auch das ehrfurcht­ gebietende Schwellen einer heiligen Weiblichkeit.» (Christoph Schneider) In fünf Vorlesungen wirft Fred van der Kooij seinen persönlichen Blick auf diesen legendären Cineasten, dessen stilistische Bandbreite von ­ neo­realistischen Milieustudien bis zu sinnlich-surrealen Phantasmagorien reicht. Van der Kooijs Würdigung gilt vor allem I vitelloni, Otto e mezzo, Roma, Amarcord und Casanova. Bild: La dolce vita

Jacques Tourneur

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Die 70. Ausgabe des Locarno Festival widmete heuer ihre Retrospektive Jacques Tourneur, und das Film­podium zeigt eine Auswahl seiner bedeutendsten Werke. Der Sohn des französischen Stummfilmregisseurs Maurice Tourneur wuchs teilweise in den USA auf, drehte aber erste Filme in Frankreich, bevor er in den späten 30er-­ Jahren nach Hollywood zog. Vom B-Film-Regisseur entwickelte er sich dort bald zum vielseitigen Meister des Genrekinos. Er schuf die subtilen ­Gruselfilme Cat People (1942) und I Walked with a Zombie (1943), starke Films noirs wie Out of the Past (1947) und Nightfall (1956), eigenwillige Western wie Canyon Passage (1946) und Great Day in the Morning, den Heimatfilm Stars in My Crown (1950) und den Horrorfilm Night of the Demon (1957). Bild: Nightfall

Das erste Jahrhundert des Films: 1987

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Das rote Kornfeld, Zhang Yimous farblich üppiges Drama über die Zeit der japanischen Okkupation, kontrastiert mit Louis Malles subtiler, fast monochromer Erinnerung an VichyFrankreich in Au revoir les enfants. Oliver Stones Wall Street und Paul Verhoevens RoboCop nehmen die USA der Reagan-Ära satirisch aufs Korn, und Souleymane Cissés Yeelen schildert einen archaischen VaterSohn-Konflikt in Mali. Bild: Das rote Kornfeld

Filmpodium für Kinder: Der Lorax

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In Thneedville gibt’s frische Luft nur noch aus Flaschen, weil die Bäume alle verschwunden sind – und mit ihnen ihr Wächter, der Lorax. Wie konnte es nur soweit kommen? Ein farbenfroher und kurzweiliger Animationsfilm nach dem berühmten Kinderbuch von Dr. Seuss. Bild: Der Lorax

Einzelvorstellungen IOIC-Soireen: Streik Madame Dubarry

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Federico Fellini Nach dem Riesenrummel zu Lebzeiten ist es still geworden um Federico Fellini (1920 –1993). Der richtige Zeitpunkt, um mit einiger Distanz ein Œuvre zu betrachten, dessen Regisseur immerzu aus dem Vollen zu schöpfen schien und dafür wie ein Popstar gefeiert wurde. Wer wäre dafür besser geeignet als unser langjähriger Filmdozent Fred van der Kooij, der sich nicht scheut, die Ehrfurcht beiseitezulassen, langjährige Werturteile zu hinterfragen und Anthologiefilme vom Sockel zu kippen. Tüchtig zugebissen hat der Zahn der Zeit. Von den 24 Filmen Fellinis – seine Werbespots nicht mitgezählt – haben m. E. nur deren fünf als Meisterwerke überlebt. Sogar La dolce vita (1960), damals eine Offenbarung, schleppt sich heute langfädig dahin und hat an gesellschaftlicher Sprengkraft eingebüsst. Den grössten Schock hält beim Wiedersehen wohl La strada (1954) bereit. Damals mit Preisen und Lobeshymnen überschüttet, bleibt heute nur noch ein unerträglich sentimentaler, filmisch einfallsloser und technisch wie dramaturgisch linkisch zusammengekleisterter, moralinsaurer Streifen. Aber nach wie vor ist Amarcord (1973) ein einziges Vergnügen, I vitelloni (1953) ein frühes Bijou, Roma (1972) ein virtuoses Feuerwerk, Casanova (1976) ein unterschätztes Teufelswerk und Otto e mezzo (1963) schlicht einer der grössten Filme der Kinogeschichte. Wir müssen nochmals über die Bücher. Varieté und Panoptikum Das Varieté seiner Jugend prägt Fellinis Gesamtwerk bis in die tiefsten Strukturen. Formal gesehen ist diese Gattung des Volkstheaters auf dem Modell des Potpourris gebaut: Nummer wird an Nummer gereiht. Es ist das simpelste Formschema, das man sich denken kann, und Fellini hat es über alles geliebt. Nun wird es Sie überraschen, aber diesen Einfluss auf seine filmische Dramaturgie halte ich für einen absoluten Glücksfall. Fellini hat wohl als einer der ersten Regisseure entdeckt, dass der Film am Gängelband des ewigen Erzählens auf Dauer nicht vom Fleck kommt. Erzählen spielt mit der Erwartung, Fellinis anekdotische Struktur jedoch mit der Dreingabe. In Giulietta degli spiriti ist eine kuriose Gesellschaft tief in eine Séance verwickelt. Da ist es schon auffallend, dass die Gastgeberin dennoch Zeit findet, sich von einem geringfügigen Geschehen in ihrem Garten ablenken zu lassen. Dort nämlich

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Artischockenkopf und Zampanò: La strada. < Erinnerung und Verklärung: Amarcord. Nashorn und Plastikmeer: E la nave va.


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07 stelzt ihr Gatte mit einem der Gäste im Gleichschritt durch die Nacht. Eine ebenso bedeutungslose wie schöne Szene. Fellini war nun mal ein Meister der Verschwendung. Im Studio liess er einmal mit Riesenaufwand einen venezianischen Kanal mit einer an historischen Prachtbauten vorbei schwebenden Gondel konstruieren. Die Dauer der Einstellung? Gerade mal acht Sekunden. Was aber ökonomisch Tadel erzeugt, ist ästhetisch gesehen die Kür. Anstelle einer narrativen Entwicklung tritt bei Fellini die Gleichzeitigkeit von verschiedenartigsten Geschehnissen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Autobahnfahrt nach Rom im Film über diese Stadt: In einem fort fährt die Kamera an Fahrzeugen und an Situationen in der Landschaft entlang, aber diese an sich triviale Ausgangssituation wird dauernd überhöht, indem dabei mal anekdotisch Pointiertes, mal surreal Zugespitztes aufblitzt, als wäre alles Alltägliche nur ein Spuk. Das ganze Panoptikum wird zudem noch eingefangen von einem Kamerateam, das primär mit dem verschwindenden Tageslicht und dem einbrechenden Regen zu kämpfen hat. So verschachtelt sich die Welt zur unerschöpflich wirkenden Mehrstimmigkeit. Dagegen stehen jene so gut wie dialoglosen Szenen, in denen die Kamera wie erstaunt kurz in entleerten Räumen verharrt; eine Beobachterin unberührter Orte. Sie gehören zum Kostbarsten in diesem Werk, allein schon wegen ihrer Seltenheit. Zarte audiovisuelle Ereignisse inmitten einer Dramaturgie der Paukenschläge. Wie etwa jene Landung eines Pfaus auf dem verschneiten Dorfbrunnen in Amarcord, bei der eine der schönsten Kranfahrten der Filmgeschichte das Aufsetzen des Vogels abfedert und das Tier als Dankeschön dafür die Federn spreizt. Da verschlägt es sogar den Papagalli der Ortschaft kurz die Sprache. Apropos Papagalli: Obwohl der Pornofilm zur Genüge bewiesen hat, dass das Körperliche an der Liebe zutiefst unfilmisch ist, gelang Fellini das Unmögliche. Gleich den ersten Liebesakt in Casanova verwandelte er in ein hypnotisch schönes Ballett mit von Tüchern umtanzten Körpern, die so den Verlust des Taktilen im Kino souverän kompensieren.

übersehen wurde – einer der technisch spektakulärsten Sequenzen nachgebildet worden, die je in Hollywood entstanden sind: der Massenszene im strömenden Regen aus Frank Capras 1941 gedrehtem Meet John Doe. Bis in einzelne Details geht da die Anleihe und dennoch krempelt Fellini die Ausgangslage völlig um und unterwirft sie souverän seinem eigenen, ganz uncaprahaft sarkastischen Anliegen. Da ist Diebstahl vom Feinsten zu bewundern. Ich habe es schon angedeutet: Fellini hat von Anfang an rücksichtslos Budgets überzogen (bei Casanova um mehr als das Dreifache), Produzenten in den Bankrott getrieben oder zumindest nahe an eine sichere Absturzstelle. Kein anderer Regisseur, weder vor noch nach ihm, hat das überlebt. Und er konnte sich das erstaunlicherweise leisten, obwohl mehrere seiner Filme bei der Premiere zunächst beim Publikum durchfielen. Nach Aussagen von vielen Darstellern, etwa von Donald Sutherland, der es am eigenen Leibe erfahren musste, hat er Schauspieler gehasst und zur Verzweiflung getrieben und war eifersüchtig auf jeden am Set, der brillierte. Dennoch ist er immer «im Geschäft» geblieben, als wäre er ein unkontrollierbares, nicht zu bremsendes Naturereignis. Und dieser Regisseur hatte erst noch die Neigung, sich wie ein Moral predigender Lüstling zu benehmen. Dabei war er, wie Orson Welles einmal gnadenlos feststellte, doch nur ein Provinzler, den es in die Grossstadt verschlagen hatte und der sich nun bei seinem eigenen sittenlosen Treiben erstaunt über die Schulter schaute. Aus dieser Verwunderung, die er selbst mehrmals in seinen Filmen «la grande confusione» genannt hat, nährt sich aber seine Kunst. So hatte er seinen Film über Casanova mit einem ausgesprochenen Widerwillen gegenüber dieser Figur begonnen, bis er nach einigen Wochen am Set merkte: «Verflixt und zugenäht, dieser Kerl bin ich ja selbst!» Das hätte ihm Gustav Flaubert im Voraus sagen können. Es geht zwar die Mär herum, dass weder Schriftsteller noch Regisseure ihre Protagonisten hassen dürfen, aber das ist Nonsens. Man darf, ja manchmal muss man es sogar, denn am Ende stellt sich heraus: «Madame Bovary, c’est moi.»

Ein virtuoser Dilettant Bei so viel Kunstfertigkeit erstaunt die Tatsache, dass damals in Fachkreisen behauptet werden konnte, Fellini habe von der technischen Seite des Films keine Ahnung. Er selber hat, immer der beste Agent provocateur in eigener Sache, gern an dieser Legende mitgesponnen. Eigentlich wollte er Schriftsteller werden, oder wenn schon Karikaturist. Aber dann haben ihn zuerst Roberto Rossellini und dann – ein wichtiger Mann zu jener Zeit – Alberto Lattuada buchstäblich in die Filmregie hineingedrängt. So wurde Fellini einer der virtuosesten Dilettanten der Kinogeschichte. Wen das ein zu leicht dahingesagtes Oxymoron dünkt, der sollte sich in La dolce vita jene Szene anschauen, wo zwei Kinder vorgeben, die Jungfrau Maria zu sehen. Sie ist – was bis jetzt

Fred van der Kooij

Fred van der Kooij, 1948 in den Niederlanden geboren und seit 1972 in Zürich wohnhaft, ­komponierte und setzte sich mit Musiktheorie auseinander, bevor er sich dem Film zuwandte. Seither ist er als Filmemacher und als Filmdozent u. a. an der Filmakademie Baden-­ Württemberg in Ludwigsburg tätig und publiziert regelmässig zu film- und musiktheoretischen Themen. Seit zehn Jahren hält er im Filmpodium jeden Herbst eine fünfteilige Vorlesungs­reihe.


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Federico Fellini

I VITELLONI Italien/Frankreich 1953 Alberto, Fausto, Leopoldo, Moraldo und Riccardo haben weder einen Job noch sonst etwas zu tun – sie sind Müssiggänger, die auf Kosten ihrer Eltern leben und die Zeit totschlagen. Fausto versucht es kurzzeitig mit Ehe und Arbeit, doch schafft er es nicht, Verantwortung zu übernehmen. Einzig Moraldo beschliesst, die Kleinstadt zu verlassen, um einen Neuanfang zu wagen. «I vitelloni» heisst wörtlich übersetzt «grosse Kälber» und steht für die fünf jungen Nichtstuer. «I vitelloni ist der erste Film von Fellini mit einem offenen Ende, was seine späteren Werke kennzeichnet. Allergisch auf Schlüsse, welche die Dinge zu sehr auf einen Punkt brachten oder die aufgebaute Spannung zu stark auflösten, bemerkte Fellini einmal: ‹Als Geschichtenerzähler haben wir die Pflicht, die Menschen an einen Bahnhof zu bringen. Dort wird jede Person ihren eigenen Zug wählen. Das Mindeste ist, dass wir sie zur Station bringen, zu einem Abreisepunkt.› (...) I vitelloni bringt uns am Schluss wörtlich zu einer Bahnstation. Auf einer tieferen Ebene war dieser Film auch für Fellini ein Abfahrtsort – fortan meinte er es ernst mit dem Film.» (Tom ­Piazza, criterion.com) «Diese Studie über fünf ziellose junge Männer in der Einöde eines Provinznests ist der beste aller Fellini-Filme (…) – wunderschön gefilmt, grandios gespielt und von der Hand des Regisseurs mit einer unentwirrbaren Mischung aus liebevoller Sympathie und bissiger Satire geführt.» (Tom Milne, Time Out Film Guide)

> I vitelloni.

103 Min / sw / 35 mm / I/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli // ­KAMERA Carlo Carlini, Otello Martelli, Luciano Trasatti // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Rolando Benedetti // MIT Franco Interlenghi (Moraldo), Alberto Sordi (Alberto), Franco Fabrizi (Fausto), Leopoldo Trieste (Leopoldo), Riccardo Fellini (Riccardo), Leonora Ruffo (Sandra), Claude Farell ­ (Olga, Albertos Schwester), Jean Brochard (Faustos Vater).

LA STRADA Italien 1954 Die junge Gelsomina wird von ihrer Mutter an den Artisten Zampanò verkauft. Zwar tingelt sie gemeinsam mit dem Kraftprotz durchs Land, doch sie bleibt einsam. Dann trifft sie den Seiltänzer Il Matto: Bald kommt es zwischen ihm und Zampanò zu einem brutalen Streit ... «Wer auch könnte Giulietta Masinas Gelsomina je vergessen? (…) Gelsomina, dieses so sanfte wie störrische, so lebhafte wie launische > Le notti di Cabiria.

> Il bidone.

Wesen, ist der melancholische Clown par excellence: der tölpelhafte August, stets ‹umso verlumpter, unbeholfener, staubbedeckter, je autoritärer das Gegenteil verlangt wird› (Fellini). Die Masina und ihre Gelsomina, das ist und bleibt eines der grossen Wunder der europäischen Kinematografie. Im Nachhinein wissen wir, wie schwer sich die italienischen Produzenten Carlo Ponti und Dino de Laurentiis damals taten, die Masina für diese Rolle zu akzeptieren. Als sie sich dann während der Dreharbeiten verletzte, wollte de Laurentiis dies sofort als Vorwand nutzen, um sie loszuwerden. Glücklicherweise hatten die amerikanischen Koproduzenten den besseren Riecher: Sie entdeckten sofort das Besondere ihrer Ausstrahlung.» (Norbert Grob, Die Zeit, 1.4.1994) «La strada ist ein absolut perfekter, unvergesslicher Film. (…) Fellinis Aufnahmen und seine Erzählkunst sind so ungezwungen wie elegant, als ob sie durch eine Kamera in seinem Kopf direkt auf die Leinwand projiziert würden.» (Jane Campion’s Top Ten, criterion.com) 102 Min / sw / Digital HD / I/e // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Tullio Pinelli, Federico Fellini // KAMERA Otello Martelli // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Leo Catozzo // MIT Giulietta Masina (Gelsomina), Anthony Quinn (Zampanò), Richard Basehart (Il Matto), Aldo Silvani (Colombiani), ­ ­Marcella Rovere (Witwe), Livia Venturini (Nonne).

IL BIDONE Italien/Frankreich 1955 Die Geschichte des alternden Gauners Augusto und seiner Kumpane, die im Nachkriegs-Italien als Priester und Amtspersonen auftreten, um arme Leute um ihr Geld zu bringen. Ein gelähmtes Mädchen, das Augusto gläubig um seinen priesterlichen Segen bittet, öffnet für einen Moment dessen Herz. «Ein Film mit neorealistisch genauer Milieuschilderung, aber chaplinesker Komik, eine todtraurige Komödie, in der das Lachen erstirbt, eine Tragödie mit beissenden Karikaturen – ein fellinesker, konzessionsloser, einzigartiger Film kurzum.» (Harry Tomicek, Österreichisches Filmmuseum, 3/1988) «Zavattini hatte Fellini wegen eines, wie er meinte, Verrats am Neorealismus kritisiert; mit Il bidone gab Fellini die Antwort darauf, indem er den Film visuell im Stil des Neorealismus drehte, aber dessen Sentimentalität aufdeckte, da der neorealistische Film es unterliess, die erniedrigende Wirkung der Armut zu zeigen.» (Buchers Enzyklopädie des Films, 1977) 113 Min / sw / Digital HD / I/e // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli //


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Federico Fellini KAMERA Otello Martelli // MUSIK Nino Rota // SCHNITT ­Mario Serandrei, Giuseppe Vari // MIT Broderick Crawford (Augusto), Richard Basehart (Carlo/Picasso), Giulietta Masina (Iris), Franco Fabrizi (Roberto), Giacomo Gabrielli («Baron» Vargas), Maria Zanoli (Bäuerin), Xenia Valderi ­(Luciana), Alberto De Amicis (Rinaldo).

LE NOTTI DI CABIRIA Italien/Frankreich 1957 Ein unscheinbares römisches Strassenmädchen, einem Mordversuch seines Zuhälters mit knapper Not entronnen, verliert trotz weiterer Enttäuschungen und Demütigungen durch die Männer nicht seine naive Hoffnung auf die Liebe und das Glück. «Cabiria, die kleine römische Nutte, ist eine weitere Gestalt aus dem fellinischen Kosmos der armen Seelen, eine Schwester Gelsominas mit ­einem Flämmchen Verstand, ein schmächtiger, erniedrigter Clown, eine Maus, die sich hinter kessem Hüftschwung verbirgt und konfus und kindlich auf den Prinzen wartet, der sie freien wird. (…) Und so schliesst ‹dieser Film voll Tragik›, sagt Fellini, ‹mit einer Serenade, einem lyrischen Ausbruch in muskalischer Form›. Gang durch die Asche in einen Abend mit Lichtern und Lachen und dem Funken der Freude in warmer Dunkelheit. Com’è bello questo mondo terribile.» (Österreichisches Filmmuseum, 3/1988) «Giulietta Masina (…) wird hier zur Kämpfenden, zu einem weiblichen Don Quichotte, jederzeit zum Kampf gegen Windmühlen bereit und, allem zum Trotz, mit einem unerschütterlichen Glauben an das Leben und das Glück.» (Georges Sadoul: Dictionnaire des films) 110 Min / sw / 35 mm / I/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Pier Paolo Pasolini // KAMERA Aldo Tonti // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Leo Catozzo // MIT Giulietta Masina (Maria «Cabiria» Ceccarelli), François Périer (Oscar D’Onofrio), Franca Marzi (Wanda), Dorian Gray (Jessy), Amedeo Nazzari (Alberto Lazzari), Aldo Silvani (Hypnotiseur).

LA DOLCE VITA Italien/Frankreich 1960 «La dolce vita ist ein vielschichtiges Stadtporträt, das einige typische Lebensbereiche der Grossstadt Rom beschreibt – verbunden durch Marcello, der als Journalist, Berichterstatter und oft involvierter Zeuge fungiert, gleichzeitig ein Mann, der ein wesentlicheres Dasein anstrebt. Doch gerade dies gelingt ihm nicht, seine eigene Schwäche korrumpiert ihn, und unweigerlich verfällt er einer moralischen Dekadenz, aus der er sich

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Federico Fellini

selbst nie wird hinaushelfen können. Um ihn herum ist Lärm und Geschwätz – am Ende ist er Teil dieser Welt der aufgedonnerten, sensationslüsternen, haltlosen Tagediebe geworden.» (Thomas Koebner: Federico Fellini, et+k 2010) «La dolce vita ist einer der weitsichtigsten Filme aller Zeiten und löst heute ein anderes Repertoire von Schlagwörtern aus als in den frühen sechziger Jahren. (…) Die Zeit hat Themen frei­ gesetzt, die heutige Dilemmas hervorheben, die 1960 noch gar keine Tragweite hatten. Unübersehbar nimmt der Film unsere Obsession mit dem Verlust der Privatsphäre und dem Aufstieg der virtuellen Realität vorweg, das Abstumpfen der Sinne und die Technologieabhängigkeit, die Korruption der Medien, die Gier nach Ruhm.» (Gary Giddins, criterion.com) 178 Min / sw / Digital HD / I/d // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano, Brunello Rondi // KAMERA Otello Martelli // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Leo Catozzo // MIT Marcello Mastroianni (Marcello Rubini), Anita Ekberg (Sylvia), Anouk Aimée (Maddalena), Yvonne Furneaux (Emma), Alain Cuny (Steiner), ­Annibale Ninchi (Marcellos Vater), Adriano Celentano (Sänger), Lex Barker (Robert), Valeria Ciangottini (Paola), Laura Betti (Laura), Magali Noël (Fanny), Nadia Gray (Nadia).

OTTO E MEZZO Italien/Frankreich 1963 Regisseur Guido Anselmi steckt sowohl privat als auch künstlerisch in einer Krise. Genervt von Produzenten, Ehefrau und Geliebter, sucht er verzweifelt nach Inspiration für seinen neuen Film. Als er seine Kindheit, sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht und zur Kunst und die Missstände in der Filmbranche reflektiert, kommen seine Ängste und verdrängten Komplexe ans Licht – Traum und Realität beginnen zu verschwimmen. «Schwerelos und magisch wechseln die Ebenen von Realität und Imagination, fluten Gegenwart und Vergangenheit ineinander, Albtraum, Erinnerung und erotische Fantasie. Die Odyssee des Protagonisten (Guido-Marcello-Federico) zu sich selbst ist zugleich der Versuch der Hervorbringung seines Films – beides wird zur Selbstdarstellung Fellinis und zum Autoporträt des labyrinthischen Zustandekommens von Otto e mezzo. Generationen von Filmemachern haben am Gebirge dieses Films kopiert und geplündert, ohne auch nur entfernt seine ‹coincidentia oppositorum› von Lebensangst und humorvoller Zärtlichkeit zu erreichen – das freie, suggestive Spiel von Formen, Zeiten, Ebenen und die bohrende, sarkastische Distanz der Selbsterforschung.» (Harry Tomicek, Österr. Filmmuseum, 5/2014)

138 Min / sw / Digital HD / I/d // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi, nach einer Idee von Federico Fellini, Ennio Flaiano // KAMERA Gianni di Venanzo // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Leo Catozzo // MIT Marcello Mastroianni (Guido Anselmi), Claudia Cardinale (Claudia), Anouk Aimée (Luisa, Guidos Frau), Sandra Milo (Carla), Barbara Steele (Gloria ­Morin), Rossella Falk (Rossella), Jean Rougeul (Daumier), Caterina Boratto (die schöne Fremde), Madeleine Lebeau (die französische Schauspielerin), Eddra Gale (Saraghina).

GIULIETTA DEGLI SPIRITI Italien/Frankreich/BRD 1965 Giulietta, eine wohlsituierte bürgerliche Hausfrau, verbringt den Sommer im Landhaus der Familie. Ihr Mann, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ist meist abwesend. Als sie den Verdacht schöpft, dass er sie betrügt, kann sie sich niemandem anvertrauen. «Sinnliche Verlockungen verwirren Giulietta und stürzen sie in eine Krise, bei der ihr imaginäre Gestalten ihrer Kindheit wieder begegnen und in einen Dialog mit ihr treten. Schliesslich lernt sie, sich von ihrem untreuen Mann ebenso zu emanzipieren wie von den Geistern. Ein Film ‹über Giulietta und für Giulietta› (Fellini), mit Giulietta Masina in der Titelrolle. (…) Fellinis erster Farbfilm ist von ungestümer Fantasie und eine Orgie von Formen und Farben, die die Gedanken, Träume und Visionen der Protagonistin objektivieren.» (arsenal, 4/2006) «Giulietta degli spiriti ergänzt Otto e mezzo, da an die Stelle der männlichen eine weibliche Perspektive tritt. (…) Fellini ist es gelungen, eine vielleicht typische Krise einer Frau mittleren Alters im Kokon einer geldgeschützten, doch bereits zerfallenden Lebensgemeinschaft zu verstehen und darzustellen.» (Thomas Koebner: Federico Fellini, et+k 2010) 129 Min / Farbe / 35 mm / I/d // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi // KAMERA Gianni Di Venanzo // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Giulietta Masina (Giulietta), Sandra Milo (Susy/Iris/Fanny), Mario Pisu (Giorgio, Giuliettas Mann), Valentina Cortese (Valentina), Valeska Gert (Bishma), Caterina Boratto (die Mutter), Sylva Koscina (Sylva, Giuliettas Schwester), Luisa Della Noce (Adele, Giuliettas andere Schwester), Lou Gilbert (der Grossvater), José de Villalonga (Giuliettas Kavalier).

FELLINI SATYRICON Italien 1969 In freier Bearbeitung des antiken Roman-Fragments von Petronius beschreibt Fellini die eroti-

schen Abenteuer zweier Jünglinge in der dekadenten römischen Gesellschaft zur Zeit Neros. «Der Film pointiert in vielen grotesken Episoden die Krise einer Gesellschaft in unsicheren Zeiten, auf nichts scheint Verlass zu sein (...). Insofern regt das ‹Satyricon› des Petronius, dessen Lektüre auch dem Film La dolce vita zu Grunde gelegen haben soll, einen weiteren Versuch Fellinis an, das Panorama einer Gesellschaft ‹in Auflösung› zu entfalten. Die bruchstückhafte Aneinanderreihung der Episoden wird zum Leitfaden des Erzählens. (…) Fellini macht deutlich, dass sich dieser Film eine Welt vorstellt, in der Hetero- und Homosexualität fliessend ineinander übergehen. Die fluktuierende Sinnlichkeit kann ebenso als Merkmal einer dekadenten Ära wie als Indiz einer liberalen und aufgeschlossenen Epoche gelten. Fellini gewinnt unter dem Einfluss der Counterculture, der freizügigen Lebensart der Hippies in den 1960er-Jahren, ein ausserordentlich zuversichtliches Verhältnis zu jungen Menschen: Ihre unverkrampfte neue Natürlichkeit, die nicht von kirchlichen Tabus umzingelt und vergiftet wird, das Wiederaufleben oder die Wiedereinsetzung der Erotik in alte Rechte hat bei Fellini ausdrückliches Wohlwollen hervorgerufen.» (Thomas Koebner: Federico Fellini, et+k 2010) 128 Min / Farbe / 35 mm / I/d/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Bernardino Zapponi, nach einem Romanfragment von Titus Petronius Arbiter // KAMERA ­Giuseppe Rotunno // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Martin Potter (Encolpio), Hiram Keller ­(Ascilto), Max Born (Gitone), Salvo Randone (Eumolpo), Magali Noël (Fortunata), Alain Cuny (Lica), Capucine (Trifena), Mario Romagnoli (Trimalcione), Lucia Bosé (Matrone).

ROMA Italien/Frankreich 1972 «Fellini filmt Rom. Was besagen will: Er erfindet, erschafft Rom neu. Ein Kunstgebilde, eine Studio­ kreation, filmisch erzeugte Illusion, um die Wirklichkeit so zu zeigen, wie sie ist – eine Erfahrung, besser noch: ein ganzer Wald von Erfahrungen, von Fellini während vierzig Jahren gemacht und im Laufe eines halben Jahres filmend wiedergefunden, also hervorgebracht. Rom, eine Schnitte Metropolis aus dem Kuchen der Unendlichkeit. Nähe und Ferne. Vertrautheit und Geheimnis. Die Stadt als bukolischer Mutterbauch und als Irritation. Urbanes Landleben und Feste des Essens auf offener Strasse unterm Nachthimmel. Verkehrsapokalypse, antikes Fresko, Music Hall, Bordell und Palazzo. Fellini reiht Perle an Perle zu einer hinreissenden Kette aus Satiren und ­Zoten, Erinnerungen und Extravaganzen. So ist Roma eine visionäre Vedute und Triumph zügellos


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Federico Fellini schweifender Filmimagination, die nie suchen muss, sondern ständig findet oder erfindet.» (Harry Tomicek, Österreichisches Filmmuseum, 1/2016) 119 Min / Farbe / 35 mm / I/d/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Bernardino Zapponi // KAMERA Giuseppe Rotunno // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Peter Gonzales (Fellini als 18-Jähriger), Fiona Florence (Dolores, die junge Prostituierte), Federico Fellini (er selbst), Marne Maitland, Britta Barnes, Gore Vidal,

> Giulietta degli spiriti..

Anna Magnani.

AMARCORD Italien/Frankreich 1973

> La dolce vita.

> Roma.

Fellini erinnert sich an seine Jugendzeit und zeichnet eine von einfachen Menschen, Käuzen und Originalen belebte Provinzlandschaft, wobei er auch psychische und politische Bedingtheiten der dreissiger Jahre einbezieht. Sein Film ist kein objektiver Bericht, sondern ein durch Erinnerungen verändertes und verwandeltes Zeitbild, in dem der Satiriker Fellini seiner Fantasie und Vorliebe fürs Groteske freien Lauf lässt – eine bildmächtige Schau des vielfältigen, abgrundtief hässlichen wie unendlich schönen Lebens. «Der Titel Amarcord ist entstanden aus dem in der Mundart der Romagna zusammengezogenen Satz ‹io mi ricordo› (ich erinnere mich). Tatsächlich spielt der Film in der Vergangenheit, in Fellinis Heimat Rimini, der Junge Titta steht wohl für den jungen Fellini. Aber ‹nur› eine Autobiografie ist daraus doch nicht geworden. Vielmehr bekennt sich Fellini hier abermals zu einer Subjektivität, die selbst die eigene Vergangenheit aus dem Blickwinkel der Gegenwart zu verändern vermag. Diese Betrachtungsweise bestimmt auch die Erzählstruktur des Films, die aufgelöst wird in Anekdoten, Erlebnisse, Erfahrungen, Träume. ‹Fellini erzählt längst keine Geschichten mehr. Er schafft Welt – aus Anekdoten, aus Gefühlen. So wie vor ihm einzig Chaplin es getan hat›. (Martin Schlappner)» (Reclams Filmführer)

IL CASANOVA DI FEDERICO FELLINI Italien, USA 1976 Giacomo Casanova bricht 1756 aus den Bleikammern Venedigs aus und flüchtet durch ganz Europa. Dabei lebt er seine sexuellen Fantasien und Obsessionen aus, doch die dekadente Gesellschaft lässt ihn zum tragikomischen Helden werden. Casanova, der grösste Liebhaber überhaupt, wird in Fellinis Version zur traurigsten Figur aller Zeiten: ein verwitterter Geck, der sich auf Frauen ebenso wenig versteht wie auf die Liebe. «Die visuelle Kühnheit und pure Fantasie jeder einzelnen Einstellung lassen den Film zu einem elegischen Abschied von einer Ära des italienischen Kinos werden und Donald Sutherlands Darbietung ist das verblüffendste Beispiel von Schauspielkunst seit Marlon Brandos in Last Tango in Paris.» (Scott Meek, Time Out Film Guide) «Casanova ersetzt die filmische Erzählung durch eine Folge grosser Bilder, aber Sutherland lässt sich von all dem Zauber nicht erdrücken. Die Gliederpuppe, mit der ihn Fellini auf dem Set allein lässt, als alle Frauengeschichten zu Ende erzählt sind, ist vielleicht das aufregendste Requisit, das je für einen Kostümfilm erdacht wurde. Sie ist die Totengöttin des Erotischen, und Sutherland dreht mit ihr seinen letzten Tanz, bis die Lüste und die Lüster der Epoche gelöscht sind.» (Andreas Kilb, FAZ, 29.11.2005) 162 Min / Farbe / Digital HD / I/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Bernardino Zapponi, frei nach den Memoiren von Giacomo Casanova // KAMERA Giuseppe Rotunno // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Donald Sutherland (Giacomo Casanova), Margareth Clementi (Maddalena), Chesty Morgan (Barberina), Tina ­Aumont (Enrichetta), Claretta Algranti (Marcolina), Clarissa Roll (Annamaria), Olimpia Carlisi (Isabella), Daniel Emilfork (Du Bois), Marie Marquet (Casanovas Mutter).

Il Casanova di Federico Fellini ist auch Bestandteil der Reihe Sélection Lumière.

119 Min / Farbe / 35 mm / I/d/f // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Tonino Guerra, nach einer Idee von Federico Fellini // KAMERA Giuseppe Rotunno // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Magali Noël (die «Gradisca»), Bruno Zanin (Titta Biondi), Pupella Maggio (Miranda, Tittas Mutter), Armando Brancia (Aurelio, Tittas Vater), Stefano Proietti (Oliva, Tittas Bruder), Giuseppe Ianigro (Tittas Grossvater), Nandino Orfei («il Pataca», Tittas Onkel), Ciccio Ingrassia (Teo, der verrückte Onkel), Carla Mora (Gina), Luigi Rossi (Advokat).

> Otto e mezzo.

LA CITTÀ DELLE DONNE Italien/Frankreich 1980 Im Zug sitzt der notorische Schürzenjäger Snàporaz einer verführerischen Frau gegenüber. Er folgt der Schönen und landet so in einem abgelegenen Hotel. Zu seinem Entsetzen tagt dort gerade ein Feministinnen-Kongress, für dessen Teilnehmerinnen Snàporaz ein gefundenes Fressen ist.


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Federico Fellini

> Fellini Satyricon.

Ein surrealer Bilderreigen, in dem Fellini auf skurrile Weise und mit überbordender Fantasie traditionelle Männerträume und Machoattitüden persifliert. «Fellini gelingt das Porträt eines nicht mehr jungen Mannes, der verwirrt und verängstigt auf die Frauenbewegung reagiert. (…) Er hat durchaus recht, wenn er akzentuiert, dass dieser Film weniger ein Film über die Frauen sei als ein Film über einen Mann, der, in der alten Kruste des italienischen Männlichkeitsmythos verharrend, sich nicht zu helfen weiss. (…) Fellini will diesen Durchschnittshelden nicht rechtfertigen, doch verständlich machen. (…) Mastroianni vermag wie kein anderer den weichen, unbestimmten, gedankenträgen Mann zu spielen, zu dessen Lebenserfahrung aber auch gehört, dass sich Frauen ihm freundlich, vielleicht sogar erotisch animiert nähern. Er ist ein verwöhnter Mann – desto mehr verletzt ihn der Angriff der Frauen, versetzt ihn in tiefe Ratlosigkeit, aus der er sich nur dadurch heraushelfen kann, dass er sich auf seine alte Identität zurückzieht, also nichts lernt.» (Thomas Koebner: Federico Fellini, et+k 2010) 145 Min / Farbe / Digital HD / I/e // REGIE Federico Fellini // DREHBUCH Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Brunello

E LA NAVE VA Italien/Frankreich 1983 Ein italienischer Luxusdampfer gerät im Juli 1914 auf Kollisionskurs mit einem österreichischen Panzerkreuzer – und mit den eigenen Passagieren: Serbische Flüchtlinge stossen auf berühmte Opernstars und Durchlauchten aus aller Welt, die auf dem Weg zur Seebestattung ihrer unsterblichen Diva die sich anbahnende Katastrophe zu spät bemerken. «E la nave va ist die Vision einer Götterdämmerung, gewiss heiter und ironisch vorgetragen, aber gerade im überschwänglich Komischen und im prall Satirischen von ernster Verbindlichkeit. Einmal mehr entpuppt sich der Visionär als Realist.» (Urs Jaeggi, Zoom, 19/1984) «Zur ausgeprägt delikaten Ausstattung des Films passt die spezifische Fotografie: Man hat die rot-grün-blauen Töne entfärbt, um das Vergangene optisch zu entrücken, ins Altmodische. Beinahe liesse sich von einer Verklärung der Bilder, einer Verwandlung ins Sanfte und Elegische sprechen.» (Thomas Koebner: Federico Fellini, et+k 2010)

Rondi // KAMERA Giuseppe Rotunno // MUSIK Luis Enriquez

128 Min / Farbe + sw / 35 mm / I/d/f // REGIE Federico Fellini

Bacalov // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Marcello

// DREHBUCH Federico Fellini, Tonino Guerra // KAMERA

Mastroianni (Snàporaz), Ettore Manni (Katzone), Bernice

Giuseppe Rotunno // MUSIK Gianfranco Plenizio // SCHNITT

­Stegers (Frau im Zug), Anna Prucnal (Snàporaz’ Frau), Dona-

Ruggero Mastroianni // MIT Freddie Jones (Orlando), Bar-

tella Damiani (Donatella), Iole Silvani (Motorradfahrerin),

bara Jefford (Ildebranda Cuffari), Norma West (Lady Violet

­Fiammetta Baralla (Onlio).

Dongby Albertini), Peter Cellier (Sir Reginald), Victor Poletti (Aureliano Fuciletto), Elisa Mainardi (Teresa Valegnani), Pina Bausch (Prinzessin Lherimia), Janet Suzman (Edmea Tetua).

> Il Casanova di Federico Fellini.

FEDERICO FELLINI GESEHEN MIT FRED VAN DER KOOIJ

VORLESUNGSREIHE AB MI, 11. OKT. | 18.30 UHR

Wie schon in seinem Einführungstext deutlich wird, hat Fred van der Kooij keine Scheu, das Werk Federico Fellinis ohne Vorbehalte einer Neubeurteilung zu unterziehen. In seiner fünfteiligen Vorlesungsreihe wird er die filmischen Mittel, aber auch die Themen des legendären Kinomagiers fast 25 Jahre nach dessen Tod genau unter die Lupe nehmen. Auf die 90-minütige Vorlesung folgt jeweils nach einer Verpflegungspause eine Film­ vorführung. Tickets für Film und Vorlesung sind separat erhältlich. Am 18. Oktober offeriert das Italienische Kulturinstitut Zürich im Rahmen der «Woche der italienischen Sprache in der Welt» zwischen der Vorlesung und der Vorführung von Otto e mezzo einen Apéro.

> La città delle donne.


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Jacques Tourneur Als Sohn des französischen Stummfilmpioniers Maurice Tourneur war ihm Filmemachen in die Wiege gelegt, dennoch verlief seine Karriere eher ungewöhnlich: Nach Anfängen in Frankreich mauserte sich ­Jacques Tourneur in Hollywood zum A-Film-Regisseur, um nach einer glanzvollen Periode von meisterhaften Werken in diversen Genres in der Obskurität des Fernsehens zu versinken. Das Locarno Festival widmete 2017 dem subtilen Allesdreher eine umfassende Retrospektive. Das Filmpodium zeigt die Filetstücke, zu denen der Filmwissenschaftler Lukas Foerster den Kontext liefert. «Meine Gedanken bewegen sich selten auf einer geraden Linie», meint der Bankier George Camrose in Jacques Tourneurs Western Canyon Passage. Camrose, von dem man zum Schluss nicht sagen kann, ob er ein verkappter Bösewicht oder ein verhinderter Held ist, bringt so nicht nur seine eigene Unentschlossenheit auf den Punkt, sondern auch ein Grundprinzip der Filme Tourneurs: Tourneur ist ein Regisseur, der zeit seiner Karriere populäre Genrefilme gedreht hat, der dabei aber nie den geradlinigen Weg des geringsten Widerstands gegangen ist. Er war ein Auftragsregisseur, der stolz behauptete, niemals ein Drehbuch abgelehnt zu haben, und der doch in seinen über 30 Langfilmen niemals nur Dienst nach Vorschrift leistete. Ein Kino der Zwischentöne Tourneurs Filme heben sich sanft, aber bestimmt von den Konventionen ab: Western ohne Shootouts (Canyon Passage), Films noirs, die nicht in der Grossstadthölle, sondern vor einer Kulisse ländlicher Idylle spielen (Out of the Past, Nightfall), Monsterfilme ohne Monster (The Leopard Man). Der Grundmodus seines Kinos – und das ist vielleicht der Kern seiner noch heute nachfühlbaren Radikalität – ist nicht die Handlung, sondern der Zweifel. Das heisst zum einen, dass man in einem Tourneur-Film seinen Sinnen niemals bedingungslos trauen darf, schon weil die entscheidenden Handlungen meist dem Blick entzogen oder durch das kunstvolle Halbdunkel des Schattenspiels verunklart sind. Zum anderen heisst es aber auch, dass Tourneurs Helden immer wieder in Selbstzweifeln gefangen sind. Das betrifft nicht nur die Horrorfilme wie Cat People oder Night of the Demon, in denen die Hauptfiguren lange vergeblich versuchen, die mysteriösen Ereignisse um sie herum zu ratio-

<

>

Schauerliche Schattenspiele: Cat People. < Film noir mit Femme fatale: Out of the Past. Einbruch des Irrationalen: Night of the Demon.


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19 nalisieren. Sondern es zeigt sich auch in einem in die argentinische Steppe verlegten Western wie Way of a Gaucho, dessen Hauptfigur erst spät erkennt, dass ein unbedingter Freiheitsdrang nur auf Kosten des eigenen Glücks ausgelebt werden kann. Tourneurs Kino plädiert immer wieder dafür, den Zweifel und die Schwäche zuzulassen, die Beschränktheit der eigenen Perspektive anzuerkennen. Das gilt sogar für die Liebesgeschichten, die die Filme oft nur nebenbei erzählen: In Cat People muss sich ein Mann zwischen zwei Frauen entscheiden, in Experiment Perilous eine Frau zwischen zwei Männern, andere Filme wie Canyon Passage oder I Walked With a Zombie entwerfen ein komplexes Geflecht des Begehrens. Interessanterweise läuft das fast nie auf blossen Eifersuchtskrawall heraus. Es geht nicht so sehr darum, sein Liebesobjekt zu erobern, als darum, die eigenen Gefühle zu reflektieren. Ein Kino der Ambivalenz und der Zwischentöne und gleichzeitig eines der gestalterischen Präzision und der erzählerischen Ökonomie. Tourneur ist ein Meister der kinematographischen Verdichtung, ein Regisseur, der genau weiss, dass ein kurz im Hintergrund vorbeihuschender Schatten manchmal effektiver ist als eine ausgewalzte Monsterszene. Out of the Past ist mit 96 Minuten Laufzeit sein längster Film. Dessen undurchdringliches Intrigendickicht würde heute wohl für ganze Serienstaffeln reichen. Anders als die meisten anderen europäischen Regisseure, die in den 1930er-Jahren in Hollywood Fuss zu fassen versuchen, hat Tourneur ein enges biografisches Verhältnis zu seiner Wahlheimat: Schon als Zehnjähriger zog er in die USA, weil sein Vater Maurice dort Arbeit als Filmregisseur gefunden hatte. Tatsächlich gehörte Maurice Tourneur zu den Pionieren des Hollywoodkinos; genau wie später sein Sohn erwarb er sich einen Ruf als exzellenter Stilist. 1925 kehrte er allerdings, nachdem seine Karriere in eine Krise geraten war, mit seiner Familie nach Europa zurück. Und so beginnt Jacques Tourneurs Filmlaufbahn in Frankreich, zunächst als Schnittassistent bei den Filmen seines Vaters, ab 1931 folgen eigene Regiearbeiten. Die vier Filme, die bis 1934 entstehen, sind alle leichtfüssige Komödien. Und obwohl Tourneur später kaum noch in diesem Genre arbeiten wird, steckt in dem Frühwerk doch schon viel vom visuellen Erfindungsreichtum der späteren Meisterwerke. Toto (1933) zum Beispiel begeistert mit einer flüssigen, dynamischen Kameraführung, die immer wieder den Gegensatz von Freiheitsdrang und Eingeschlossensein nachvollzieht, der im Film zentral ist. Die Kunst des Flüsterns Toto sollte seine Eintrittskarte für Hollywood sein, aber nach seiner abermaligen Übersiedelung in die USA muss Tourneur 1935 wieder ganz unten anfangen: als Regieassistent und Kurzfilmregisseur. Erst 1939 hat er wieder die

Möglichkeit, Langfilme zu drehen, wenn auch zunächst nur klein budgetierte B-Filme. Der (wie sich bald zeigt, nur vermeintliche) Durchbruch erfolgt 1942: Sein für den legendären Produzenten Val Lewton gedrehter Cat People wird zu einem Kassenerfolg und in der Folge zu einem Klassiker des fantastischen Kinos. Was auf dem Papier nach kruder Gruselfilmdutzendware um Gestaltwandlung und Sexualneurosen ausschaut, entpuppt sich als ein abgründiges, atmosphärisches Horrordrama über die verführerisch flackernden Schattenseiten der menschlichen Psyche. Nach zwei weiteren Meisterwerken für Lewton – I Walked With a Zombie und The Leopard Man – wird Tourneur von seinem Studio RKO zum A-Film-Regisseur befördert. Er kann einige etwas aufwändigere Filme realisieren, in der ersten Riege Hollywoods kommt er trotzdem nie an. Mit Stars darf er höchstens dann zusammenarbeiten, wenn sie noch am Beginn ihrer Karriere stehen – wie zum Beispiel bei Out of the Past, einem vom Zweifel regelrecht zerfressenen Film noir, in dem ein junger Robert Mitchum von einem ebenso jungen Kirk Douglas heimgesucht wird. Das heisst freilich auch: Tourneur muss nicht auf die Eitelkeit der Stars Rücksicht nehmen, kann mit unverbrauchten Gesichtern arbeiten, kann seine Akteure nach seinem eigenen Willen formen. Am Set hat er ihnen, das wird immer wieder erzählt, vor allem eine andere Art des Sprechens beigebracht: leiser, natürlicher, zurückhaltender. Und in der Tat wird nicht nur in Tourneurs Horrorfilmen die Kunst des Flüsterns zelebriert – selbst in seinen Western herrscht ein nachdenklicher, fast introvertierter Tonfall vor. Anfang der 1950er-Jahre, Tourneur arbeitet inzwischen als Freelancer für verschiedene Studios, werden seine Budgets wieder kleiner, im Laufe des Jahrzehnts wendet er sich vermehrt dem Fernsehen zu. In den 1960er-Jahren verläuft seine Karriere zwischen unglücklichen und unrealisierten Projekten im Sand. Als er 1971 nach Frankreich zurückkehrt, ist sein Werk fast komplett vergessen – nur um seither in regelmässigen Abständen wiederentdeckt zu werden. Dass Tourneur heute immer noch eher ein ewiger Geheimtipp als ein kanonisierter Meisterregisseur ist, passt zu seinen Filmen: Auch die wollen nicht mit Glamour und Action überwältigen, sondern schlagen ihr Publikum langsam, dafür umso nachhaltiger in Bann. Lukas Foerster

Lukas Foerster lebt in Zürich. Er arbeitet als Medienwissenschaftler, schreibt Filmkritiken und organisiert Filmreihen.

Das Filmpodium dankt den Kuratoren der Retrospektive Jacques Tourneur am Locarno Festival 2017, Ricardo Turigliatto und Rinaldo Censi, und ihrem Team für die gute Zusammenarbeit.


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Jacques Tourneur

TOTO Frankreich 1933

> Toto.

Toto und sein Freund Carotte klauen Hunde und bringen sie den Besitzerinnen und Besitzern gegen Finderlohn zurück. Auf der Flucht vor der Polizei springt Toto ins Bett der arbeitslosen Tippse Ginette, und die beiden verstehen sich auf Anhieb. Toto muss aber kurz in den Knast, wo er dem verknackten windigen Financier Bruno ein Brötchen spendiert und damit seine ewige Freundschaft verdient; kaum entlassen, will Bruno aber nichts mehr von ihm wissen. Toto schickt Ginette in den Schönheitswettbewerb «Miss Occasion» und ­mogelt, damit sie gewinnt. Das geht schief, aber Ginette triumphiert dennoch und wird nun von Bruno umgarnt. «Toto greift die Stummfilmära auf und erweist ihr von der Eröffnungsszene an seine Reverenz: Zwei Ganoven begehen einen Diebstahl und werden vom üblichen Polizisten verfolgt. Das ­ ­geschieht ohne ein Wort, der Film wird mit blosser Gestik erzählt: Die Action geht auf Chaplin zurück – seine Kunst des Slapsticks zeigt sich auch beim Putzen eines Gefängnisses, dem Vorwand für ein Schlittschuhballett. Als Tourneur sein Glück in Hollywood versuchte, war Toto seine Visitenkarte.» (Pierre Jailloux in: Jacques Tourneur, Capricci 2017) 80 Min / sw / 35 mm / F // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Henry Koster (als Hermann Kosterlitz), René Pujol, Curt Alexander // KAMERA Raymond Agnel, René Colas // MUSIK Jane Bos // MIT Albert Préjean (Toto), Renée SaintCyr (Ginette), Robert Goupil (Carotte), Félix Oudart (Polizist), Jim Gérald (Bruno).

> I Walked with a Zombie.

CAT PEOPLE USA 1942 Die Grafikerin Irena stammt aus Serbien und fürchtet, einer sagenumwobenen Gattung von Menschen anzugehören, die sich bei sexueller Erregung oder rasender Eifersucht in Panther verwandeln. Ihr Gatte Oliver hat lange Geduld mit Irenas sexueller Abstinenz, doch dann beginnt er sich für seine Kollegin Alice zu interessieren. Das weckt Irenas Eifersucht, mit tödlichen Folgen. «Cat People wurde fast vollständig aus Angst konstruiert. Viel anderes lag bei dem Budget nicht drin. (...) Und doch wurde dieser für 135 000 Dollar gemachte B-Film, der 4 Millionen einspielte, zu RKOs grösstem Kassenschlager von 1942; Citizen Kane hatte 1941 500 000 Dollar eingebracht. Der Film bedeutete einen Neustart für die Karrieren seines Produzenten Val Lewton, seines Regis> Berlin Express.

seurs Jacques Tourneur und seines französischen Stars Simone Simon; er inspirierte Lewtons Produktionsteam zu zehn weiteren makabren Titeln und wurde in ganz Hollywood kopiert – weil er gruselig und zugleich billig war. Schwieriger zu kopieren war das künstlerischesGeschick des Films. (...) Es liegt etwas subtil Verstörendes im seltsam manierierten, braven Auftreten von ­Simone Simon, in der überirdischen Abgeklärtheit von Kent Smith in der Rolle ihres Gatten Oliver und in den Räumen und Strassen, die nicht wie Orte aussehen, sondern wie Vorstellungen von Orten.» (Roger Ebert, rogerebert.com, 2006) 73 Min / sw / Digital HD / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH DeWitt Bodeen // KAMERA Nicholas Musuraca // MUSIK Roy Webb // SCHNITT Mark Robson // MIT Simone ­Simon (Irena Dubrovna Reed), Kent Smith (Oliver Reed), Tom Conway (Psychiater), Jane Randolph (Alice Moore), Jack Holt (Commodore), Dynamite (der Leopard, ungenannt).

I WALKED WITH A ZOMBIE USA 1943 Eine kanadische Krankenschwester gerät auf den Westindischen Inseln in Ausübung ihres Berufes mit dem Voodoo-Kult in Berührung und erkennt, dass ihr Pflegling ein Opfer dieser Rituale ist. Dieser zeitlose, subtile Zombieklassiker ist «eine fantasievolle Aktualisierung von Charlotte Brontës ‹Jane Eyre›. Das Drehbuch webt ein feines, kompliziertes Netz aus einheimischem Aberglauben um eine Kette von indirekten Hinweisen auf die Bedingtheit von Gut und Böse und zaubert eine vieldeutig beunruhigende Atmosphäre herbei. Aber es ist Tourneurs zärtliche, anspielungsreiche Regie, welche die unheimliche Reise der Angst mit Voodoo-Trommeln, schimmerndem Mondlicht, schlafwandelnden Damen in wehendem Weiss und düsteren, stillschweigenden, untoten Wachen zu schierer Magie macht.» (Tom Milne, Time Out Film Guide) «Zwischen Victor Halperins White Zombie und Kenji Mizoguchis Ugetsu monogatari liegt Tourneurs Meisterwerk, ein einzelner Schrei inmitten von Geflüster und Singsang und dem Rascheln des Laubs im Wind. Der Zombie ist hier kein gefrässiges Ungeheuer, sondern ... der hilflose Schlafwandler, der nicht blutet, wenn er vom Säbel eines Voodoo-Priesters durchbohrt wird, der riesige Wächter, der mit leerem Blick über ein Labyrinth aus Zuckerrohr hinwegstarrt.» (Fer­ nando F. Croce, cinepassion.org) 71 Min / sw / 35 mm / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Curt Siodmak, Ardel Wray, nach einer Erzählung von Inez Wallace // KAMERA J. Roy Hunt // MUSIK Roy Webb // SCHNITT Mark Robson // MIT James Ellison (Wesley


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Jacques Tourneur Rand), Frances Dee (Betsy Connell), Tom Conway (Paul Holland), Christine Gordon (Jessica Holland), Edith Barrett (Mrs. Rand), James Bell (Dr. Maxwell), Theresa Harris (Alma).

THE LEOPARD MAN USA 1943

> Stars in My Crown.

> Experiment Perilous.

> The Fearmakers.

Presseagent Jerry will die laue Nachtclub-Nummer der Tingeltangel-Dame Kiki mit einem schwarzen Panther aufpeppen, doch Kikis Rivalin Clo-Clo klappert mit den Kastagnetten und die Raubkatze reisst aus. In der gleichen Nacht wird die junge Teresa zerfleischt. Jerry und Kiki fühlen sich schuldig und versuchen den Panther zu fangen. Zoologischen Rat suchen sie beim Museumskurator Galbraith. Doch dann werden zwei weitere Frauen umgebracht, und es scheint, als gingen diese bestialischen Morde nicht auf das Konto eines Tieres. In seinem letzten Werk für Val Lewton kleidet Tourneur einen Krimi ins Gewand eines Gruselfilms und erkundet die unergründlichen Triebe, die den Menschen zu Gewalt und Grausamkeit ­bewegen. Das Schweben zwischen den Genres erzeugt die Unschlüssigkeit der Todorov’schen Fantastik; die episodische Inszenierung der drei Morde nimmt spätere Serienmörder-Thriller vorweg, aber Tourneur setzt nicht auf explizite Gewaltdarstellung, sondern auf die Vorstellungskraft des Publikums. (mb) 66 Min / sw / 35 mm / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Ardel Wray, Edward Dein, nach dem Roman «Black Alibi» von C ­ ornell Woolrich // KAMERA Robert De Grasse // MUSIK Roy Webb // SCHNITT Mark Robson // MIT Dennis O’Keefe (Jerry M ­ anning), Margo (Clo-Clo), Jean Brooks (Kiki Walker), Isabel Jewell (Maria, die Wahrsagerin), James Bell (Dr. Galbraith), Margaret Landry (Teresa Delgado), Abner ­Biberman (Charlie How-Come).

EXPERIMENT PERILOUS USA 1944 Auf einer Zugreise lernt Dr. Bailey die alternde Jungfer Cissie Bederaux kennen, die in New York ihren Bruder Nick und dessen Frau besuchen will. Durch Zufall erfährt Bailey kurz darauf, dass Cissie plötzlich verstorben ist, und wird misstrauisch. Er sucht die Bederaux auf und ist bald fasziniert von dem ungleichen Paar: Nick gibt sich besorgt um den Geisteszustand seiner bildschönen jungen Gattin Allida, während diese vor ihrem Mann panische Angst zu haben scheint. Bailey verliebt sich in Allida und versucht, das Geheimnis der Familie Bederaux zu lüften. «Später hat Tourneur von einer Kindheitserinnerung erzählt, die viel über seine Art des Filme> Circle of Danger.

machens verrät. Als er vier war, lebte seine Familie mit dem französischen Maler Pierre Puvis de Chavannes zusammen: ‹Sein Atelier war ein grosser, geheimnisvoller Raum, der mich mit Angst erfüllte. Dorthin legten meine Eltern an Heiligabend meine Geschenke. ... Da war ein ganz langer Flur, stockfinster, und in der Ferne konnte ich die weissen Punkte ausmachen, die meine Geschenke waren. Ich ging mausalleine los, hin und her gerissen zwischen dem Verlangen nach den Spielsachen und der Furcht, die mich fast ohnmächtig werden liess, besonders weil die Spielsachen in ihren Verpackungen allmählich eine gespenstische Erscheinung annahmen.› Experiment Perilous zählt zu Tourneurs besten Werken, denn er zehrt geschickt von dieser Spannung zwischen Furcht und Verlangen bei unserer Annäherung an das Unbekannte.» (J. R. Jones, chicagoreader.com 9.9.2010) 91 Min / sw / 35 mm / E // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Warren Duff, nach dem Roman von Margaret Carpenter // KAMERA Tony Gaudio // MUSIK Roy Webb // SCHNITT Ralph Dawson // MIT Hedy Lamarr (Allida Bederaux), George Brent (Dr. Huntington Bailey), Paul Lukas (Nick Bederaux), Albert Dekker (Clag), Carl Esmond (Maitland), Olive Blakeney (Cissie Bederaux), George N. Neise (Alec).

CANYON PASSAGE USA 1946 1856, in den Bergen von Oregon. Logan, der im Goldgräberkaff Jacksonville Maultiertransporte betreibt, will nicht glauben, dass sein Freund, der Bankier George, seine Kunden bestiehlt. Doch dann wird ein Goldgräber, dem George Geld schuldet, ermordet. Neben dieser Krimihandlung kommt es zu allerhand erotischen Wirrungen, und ein brutaler Psychopath und aufmüpfige Indianer sorgen für zusätzliche Spannung. Hoagy Carmichael als Tagedieb mit Mandoline amtet quasi als griechischer Chor und steuert einen oscarnominierten Song bei. «Atypischerweise handelt Canyon Passage von all den Themen, die dem ganzen Western-Genre zugrunde liegen und in Western zumeist als selbstverständlich erachtet werden: der Zusammenhalt der Gemeinschaft; der Konflikt zwischen ihren Werten und denjenigen des Individuums; die Mängel des Rechtssystems im Grenzland; die psychologische und gesellschaftliche Bedeutung der Migration nach Westen.» (Chris Fujiwara: Jacques Tourneur – The Cinema of Nightfall, McFarland 1998) 92 Min / Farbe / Digital HD / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Ernest Pascal, nach einer Erzählung von ­Ernest Haycox // KAMERA Edward Cronjager // MUSIK Frank


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Jacques Tourneur Skinner // SCHNITT Milton Carruth // MIT Dana Andrews (Logan Stuart), Brian Donlevy (George Camrose), Susan ­ Hayward (Lucy Overmire), Hoagy Carmichael (Hi Linnet), ­ Andy Devine (Ben Dance), Ward Bond (Honey Bragg), Patricia Roc (Caroline Marsh), Rose Hobart (Marita Lestrade).

OUT OF THE PAST USA 1947

> Way of a Gaucho.

> Great Day in the Morning.

Der brave Garagist Jeff Bailey hat eine bewegte Vergangenheit: Als Privatdetektiv Markham sollte er einst für den Gangster Whit Sterling dessen durchgebrannte Mätresse Kathie aufspüren. Doch Markham verliebte sich in Kathie und zog mit ihr heimlich nach San Francisco, bis ihr Spiel aufflog und Kathie verschwand. Nun taucht Whit wieder auf und will, dass Bailey als Wiedergutmachung für seine einstige Treulosigkeit einen heiklen Auftrag erledigt. Zu Baileys Verblüffung ist Kathie wieder bei Whit, gibt Bailey aber zu verstehen, dass sie nach wie vor ihn liebt. Bis der ExSchnüffler erkennt, welch teuflisches Spiel Whit und Kathie mit ihm treiben, sind schon mehrere Menschen über die Klinge gesprungen. «Out of the Past ist einer der grössten Films noirs überhaupt, die Geschichte eines Mannes, der versucht, mit seiner Vergangenheit zu brechen und in einer Kleinstadt neu anzufangen, mit einem neuen Beruf und einem neuen Mädchen. Der Star des Films ist Robert Mitchum, der mit seinem müden Blick und seiner lakonischen Stimme, seiner schieren Präsenz eines gewalttätigen Mannes, der sich in Gleichgültigkeit hüllt, ein archetypischer Noir-Darsteller war.» (Roger Ebert, rogerebert.com, 18.7.2004) 96 Min / sw / 35 mm / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Geoffrey Homes (= Daniel Mainwaring), James M. Cain, Frank Fenton, nach dem Roman «Build My Gallows High» von Geoffrey Homes // KAMERA Nicholas Musuraca // MUSIK Roy Webb // SCHNITT Samuel E. Beetley // MIT Robert Mitchum (Jeff Bailey), Jane Greer (Kathie Moffat), Kirk Douglas (Whit Sterling), Rhonda Fleming (Meta Carson), Richard Webb (Jim), Steve Brodie (Jack Fisher), Virginia Huston (Ann Miller), Dickie Moore (der Junge), Ken Niles (Eels).

BERLIN EXPRESS USA 1948 Europa, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Sonderzug bringt Diplomaten, Vertriebene und amerikanisches Militärpersonal von Paris nach Frankfurt und Berlin. Einer der Fahrgäste, Dr. Bernhardt, war eine wichtige Figur des Widerstands gegen Hitler und soll nun in Berlin > Canyon Passage.

seine Pläne für ein friedlich vereintes Deutschland vorstellen. Alt-Nazis wollen dies jedoch ­verhindern, und der Brite Sterling, der Amerikaner Lindley, der Franzose Perrot und der Russe Maxim sind bald gefordert, um Bernhardts Assistentin zu helfen, den guten Deutschen und seine Vision zu retten. «Ein (...) Werk, das immer wieder zu glänzen vermag, wegen seiner unerschütterlich optimistischen Perspektive bei aller Ambivalenz der Protagonisten, wegen der faszinierend realistischen Aufnahmen an Originalschauplätzen, der spannenden Sequenzen auf dem Zug, der düsteren Atmosphäre, die es beim Thema deutsche Wiedervereinigung erzeugt, und der Hinweise auf den drohenden Kalten Krieg.» (Dennis Schwartz, Ozus’ World Movie Reviews, 17.10.2004) 87 Min / sw / 35 mm / OV/f // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Harold Medford, nach einer Idee von Curt ­Siodmak // KAMERA Lucien Ballard // MUSIK Constantin ­Bakaleinikoff // SCHNITT Sherman Todd // MIT Merle Oberon (Lucienne), Robert Ryan (Robert Lindley), Charles Korvin (Perrot), Paul Lukas (Dr. Bernhardt), Robert Coote (Sterling), Reinhold Schünzel (Walther), Roman Toporow (Lt. Maxim ­Kiroshilov), Peter Von Zerneck (Hans Schmidt), Otto Waldis (Kessler), Fritz Kortner (Franzen).

STARS IN MY CROWN USA 1950 John Kenyon erzählt die Geschichte seines Adoptivvaters: Der Pfarrer Josiah Gray tritt gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Südstaaten-Städtchen Walesburg sein Amt an. Seine Revolver legt er zwar zu Beginn vielsagend auf den Tresen des Saloons, aber verwenden wird er sie nie; Gray setzt auf das Wort Gottes und die Nächstenliebe, um Konflikte zu lösen. Als eine Typhusepidemie Walesburg heimsucht, bekommt der Pfarrer Ärger mit dem jungen Arzt Harris, der Gray für den Krankheitsträger hält. Und als ein habgieriger Unternehmer dem betagten Schwarzen Uncle Famous eine Horde von Kapuzenmännern auf den Hals hetzt, um ihm sein Grundstück abzujagen, tritt Gray der lynchwütigen Menge unbewaffnet in den Weg. Tourneur nahm Lohneinbussen und einen Karriereknick in Kauf, um den Heimatfilm Stars in My Crown zu realisieren, und bezeichnete diesen später als seinen Lieblingsfilm. Das Ringen zwischen zwischen Religion und Wissenschaft, Glauben und Vernunft wird in subtilen Kompositionen und stimmungsvollen Bildern in Szene gesetzt. Tourneurs Kommentar zum historischen Rassenhass der Amerikaner war 1950 kühn und pointiert – und ist heute wieder aktuell. (mb)


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Jacques Tourneur 89 Min / sw / 35 mm / E/f // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Margaret Fitts, Joe David Brown, nach dem Roman von Joe David Brown // KAMERA Charles Edgar Schoenbaum // MUSIK Adolph Deutsch // SCHNITT Gene Ruggiero // MIT Joel McCrea (Josiah Doziah Gray), Ellen Drew (Harriet Gray), Dean Stockwell (John Kenyon), Alan Hale (Jed Isbell), Lewis Stone (Dr. Harris sen.), James Mitchell (Dr. Harris jun.), Juano Hernandez (Uncle Famous Prill), Ed Begley (Lon Backett), Amanda Blake (Faith).

CIRCLE OF DANGER GB 1951 Der Amerikaner Clay Douglas reist nach England, um herauszufinden, wie sein jüngerer Bruder im Krieg ums Leben gekommen ist. Die offizielle Version, dass dieser bei einem britischen Kommandounternehmen als Einziger gefallen sei, wirkt für Clay suspekt. Seine Suche nach Hanks überlebenden Kameraden führt ihn quer durch Grossbritannien und zu Begegnungen mit aufrechten Soldaten und zwielichtigen Gestalten, die alle etwas zu verbergen haben. Auch dass Clay sich im Laufe seiner Ermittlungen in die Freundin von Hanks ehemaligem militärischen Vorgesetzten verliebt, trägt dazu bei, dass er bald um sein eigenes Leben fürchten muss. «Wenn dieser Nachkriegs-Militärverschwörungs-Thriller einem Film von Hitchcock ähnelt, dann wohl, weil dessen Stammproduzentin Joan Harrison auch für diesen verschlungenen Schwarzweissfilm zeichnete. (...) Tourneur hält die Spannung aufrecht, obwohl das Tempo getragen ist. Die Anfangstitel teilen uns mit, dass die Handlung auf Tatsachen beruht, aber die Figuren sind fiktionalisiert.» (Dennis Schwartz, Ozus’ World Movie Reviews, 12.4.2013) 86 Min / sw / 35 mm / E // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Philip MacDonald, nach seinem Roman // KAMERA ­Oswald Morris, Gilbert Taylor // MUSIK Robert Farnon // SCHNITT Alan Osbiston // MIT Ray Milland (Clay Douglas), Patricia Roc (Elspeth Graham), Marius Goring (Sholto Lewis), Hugh Sinclair (Hamish McArran), Naunton Wayne (Reggie Sinclair), Edward Rigby (Idwal Llewellyn), Marjorie Fielding (Margaret McArran).

WAY OF A GAUCHO USA 1952

Indios. Später wird er unter neuem Namen zum Anführer einer Gaucho-Widerstandsbewegung: Seine Geliebte Teresa sucht sein Bergversteck, gefolgt von Martíns alten Widersachern. Western-Passage, verpflanzt in die südamerikanische Steppe: ein Technicolor-Traum vom Preis der Freiheit, durchsetzt von extremer Dunkelheit. Nicht nur darin einer von Jacques Tourneurs schönsten Filmen.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, Februar 2016) 87 Min / Farbe / Digital HD / OV/f // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Philip Dunne, nach einem Roman von Herbert Childs // KAMERA Harry Jackson // MUSIK Sol Kaplan // SCHNITT Robert Fritch // MIT Rory Calhoun (Martin P ­ enalosa), Gene Tierney (Teresa Chavez), Richard Boone (Major Salinas), Hugh Marlowe (Don Miguel Aleondo), Everett Sloane (Falcon), Enrique Chaico (Pater Fernández), Jorge Villoldo (Valverde), Ronald Dumas (Julio), Hugo Mancini (Leutnant).

GREAT DAY IN THE MORNING USA 1956 «Ein guter Western, der kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs spielt. Ein Spieler und Revolverheld aus den Südstaaten ist gegen Bezahlung bereit, für den Transport einer Ladung Gold zu sorgen, die dringend benötigt wird, um Waffen für die Sache der Rebellen zu kaufen. Diese Bestsellerverfilmung ... kann ein bemerkenswert literarisches Drehbuch von Lesser Samuels für sich beanspruchen, das einen klaren Pfad durch das Dickicht widersprüchlicher Interessen schlägt: nicht nur zwischen Nord- und Südstaaten, sondern auch zwischen öffentlichem Bedürfnis und privaten Gelüsten nach Gold, zwischen den Realitäten der Liebe und den Illusionen des Verlangens. Im Brennpunkt der diversen Nebengefechte zwischen Eigeninteresse und selbstlosem Engagement steht der Antiheld, der schliesslich nicht nur dazu getrieben wird, dem Süden seine Dienste gratis zur Verfügung zu stellen, sondern auch anzuerkennen, dass er das abgegriffene Mädel aus dem Saloon mehr liebt als die propere Dame. Das tut er allerdings erst – das Drehbuch gibt seinen schneidenden Zynismus nie ganz auf –, als es zu spät ist. (...) Tourneur setzt das alles tadellos in Szene, mit herausragenden schauspielerischen Leistungen von Robert Stack und Ruth Roman.» (Tom Milne, Time Out Film Guide) 92 Min / Farbe / 16 mm / E // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Lesser Samuels, nach dem Roman von Robert

«Argentinien, 1875: Gaucho Martín tötet einen Mann im Duell. Statt der Haftstrafe erhält er die Chance, sich im Militärdienst zu bewähren, doch in den Kampfeswirren desertiert er und befreit unterwegs die schöne Teresa aus den Händen von

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Jacques Tourneur

Hardy Andrews // KAMERA William E. Snyder // MUSIK Leith Stevens // SCHNITT Harry Marker // MIT Virginia Mayo (Ann Merry Alaine), Robert Stack (Owen Pentecost), Ruth Roman (Boston Grant), Alex Nicol (Captain Stephen Kirby), Raymond Burr (Jumbo Means), Leo Gordon (Zeff Masterson).

NIGHTFALL USA 1957 «In dieser hervorragenden Verfilmung des Romans von David Goodis freundet sich in Kalifornien ein Mann, der offensichtlich auf der Flucht ist, in einer Bar mit einer Frau an, meint dann aber (zu Unrecht), dass sie ihn für zwei Männer, die ihn suchen, in eine Falle gelockt hat. Seit einigen Monaten folgt ihm auch ein Versicherungsinspektor, der den Fall müde mit seiner Frau bespricht: Der Mann wird in Chicago wegen Mordes gesucht, aber ‹er wächst einem ans Herz; er wirkt fast so, als bräuchte er Schutz.› Eine Folge von Rückblenden, ebenso schön platziert und getaktet wie in Out of the Past, zeigt, wie treffend diese Beschreibung auf den typischen Goodis-Helden passt, den Aldo Ray perfekt verkörpert als grossen, freundlichen Hund, der bei Bedrohung die Zähne zeigt. Wie wir erfahren, war er ein unbeteiligter ­Dritter, dem zwei Bankräuber ... einen Mord anhängten, weil sie meinten, er wisse, was aus den 350 000 Dollar geworden ist, die in den Bergen von Wyoming verschollen sind. Mit schön unaufdringlicher Symbolik ... weichen die dunklen Strassen der Stadt allmählich weit offenen Schneelandschaften, als der Mann die verzweifelte Suche nach seiner verlorenen Unschuld antritt.» (Tom Milne, Time Out Film Guide) 78 Min / sw / 35 mm / OV/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Stirling Silliphant, nach dem Roman von David Goodis // KAMERA Burnett Guffey // MUSIK George Duning // SCHNITT William A. Lyon // MIT Aldo Ray (James Vanning), Brian Keith (John), Anne Bancroft (Marie Gardner), Jocelyn Brando (Laura Fraser), James Gregory (Inspektor Ben Fraser), Frank Albertson (Dr. Edward Gurston), Rudy Bond (Red).

THE FEARMAKERS USA 1958 Captain Eaton hat im Koreakrieg Folter und Hirnwäsche durch die Chinesen nur knapp überlebt. Von Albträumen und Migräneanfällen geplagt, kehrt er heim nach Washington D. C., um wieder in seiner PR-Firma zu arbeiten. Während Eatons langer Abwesenheit ist sein Partner Baker bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und ­ die Agentur wird nun von Jim McGinnis geleitet. Dieser bietet Eaton an, als Mitarbeiter wieder einzusteigen, aber nur, um als Aushängeschild zu dienen. McGinnis hat die Firma nämlich umfunktioniert: Sie soll nicht mehr die Meinung der Öffentlichkeit zuhanden der Politik ermitteln, sondern sie manipulieren. Als Eaton dahinterkommt, versucht er den Propagandisten das Handwerk zu legen.

Für Tourneur war «die Macht von Menschen, die Gedanken beherrschen können, ein bewundernswertes Thema». ... Die Paranoia in The Fearmakers stammt aus den Anfängen des Kalten Krieges, doch die albtraumhaften Erlebnisse des Protagonisten in Washington könnten durchaus auch dessen traumatisierter Psyche entspringen. Die skizzierte Manipulation der öffentlichen Meinung hingegen wirkt in unserer Ära von Fake News und der Beeinflussung der US-Wahlen durch Russen überraschend aktuell. (mb) 85 Min / sw / Digital SD / E // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Elliot West, Chris Appley, nach dem Roman von Darwin L. Teilhet // KAMERA Sam Leavitt // MUSIK Irving Gertz // SCHNITT Paul Laune, J.R. Whittredge // MIT Dana Andrews (Alan Eaton), Dick Foran (Jim McGinnis), Marilee Earle (Lorraine Dennis), Veda Ann Borg (Vivian Loder), Kelly Thordsen (Harold «Hal» Loder), Roy Gordon (Sen. Walder) Oliver Blake (Dr. Gregory Jessop), Mel Tormé (Barney Bond).

NIGHT OF THE DEMON GB 1958 «Tourneur nahm M. R.  James’ Kurzgeschichte ‹Casting the Runes› als Ausgangspunkt für einen wunderbaren filmischen Dialog zwischen Glauben und Skeptizismus, Einbildung und Realität. Sein furchtloser, vernünftiger Held ist ein moderner Wissenschaftler, der allmählich zur Überzeugung kommt, dass sein Leben von einem Schwarzmagier bedroht ist. Der Regisseur setzt eine Vielzahl höchst raffinierter Kniffe ein, um dafür zu sorgen, dass das Publikum die Entwicklung des Helden von selbstsicherem Skeptizismus zu Panik nachfühlt, und dieser Prozess wird so subtil beobachtet, dass die Interpretation der Handlung offengelassen wurde. ... Der Produzent entschied, dass es dem Film an Substanz mangele ..., und fügte schon kurz nach dem Anfang Spezialeffekte des ‹Dämons› ein, was natürlich Tourneurs Absichten völlig zuwiderlief. Trotzdem ist der Rest so gut, dass der Film unheimlich packend bleibt, und gewisse Sequenzen (wie jene, in der Dana Andrews’ Figur durch den Wald gehetzt wird) erreichen das Niveau von Poesie.» (David Pirie, Time Out Film Guide) 95 Min / sw / Digital HD / E/d // REGIE Jacques Tourneur // DREHBUCH Charles Bennett, Hal E. Chester, nach der Erzählung «Casting the Runes» von M. R. James // KAMERA Ted Scaife, Kenneth Peach // MUSIK Clifton Parker // SCHNITT Michael Gordon // MIT Dana Andrews (John Holden), Peggy Cummins (Joanna Harrington), Niall MacGinnis (Dr. Karswell), Maurice Denham (Professor Harrington), Athene Seyler (Mrs. Karswell).


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Das erste Jahrhundert des Films: 1987

Das erste Jahrhundert des Films

1987 Mit Wall Street und RoboCop gelangen den Regisseuren Oliver Stone und Paul Verhoeven entlarvende Zeitdokumente der achtziger Jahre, der YuppieKultur und des politischen Klimas gegen Ende des Kalten Krieges. So gut sie damals als zynische Satiren auf die USA ihrer Entstehungszeit funktionierten, so aktuell sind sie im Spiegel der gegenwärtigen US-Regierung. Gordon Gekkos überhebliches Siegerlachen aus Wall Street lässt sich leicht auf die Strategen im Weissen Haus übertragen, und wenn in RoboCop Ronald ­Reagans Ost-West-Politik ironisch kommentiert wird, kommen einem unweigerlich die Drohgebärden Donald Trumps gegen Nordkorea in den Sinn. Ob die politische Realität die Karikaturen dabei ein- oder gar überholt hat, ist eine schmerzliche Frage, die sich nun im Kino stellen lässt. Während der niederländische Regisseur Paul Verhoeven erstmals in den USA reüssierte, kehrte Louis Malle Hollywood nach zehn Jahren den Rücken und konnte mit dem autobiografischen Au revoir les enfants seinen grössten Erfolg seit den Anfängen der Nouvelle Vague feiern. Ein Erfolg, zu dem nicht zuletzt die intime Kameraarbeit des Schweizers Renato Berta beitrug, dem es gelingt, die fragile Kinderwelt der zwei Protagonisten zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges einzufangen. Überhaupt ein erstes Mal wurde 1987 ein breites europäisches Publikum auf die Regisseure Souleymane Cissé und Zhang Yimou aufmerksam. Die überwältigenden Bilderbögen Yeelen und Das rote Kornfeld gewannen Preise in Cannes, respektive an der Berlinale, und halfen entscheidend mit, das afrikanische Kino und die sogenannte 5.  Generation chinesischer Filmemacher in Europa zu etablieren. Marius Kuhn Das erste Jahrhundert des Films In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 ­wegweisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahrgängen, woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. ­Referenzzahl ist jeweils der aktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2017 sind Filme von 1917, 1927, 1937 usw. zu sehen. Weitere wichtige Filme von 1987 Cobra Verde Werner Herzog, BRD/Ghana Daughter of the Nile (Ni luo he nu er) Hou Hsiao-Hsien, Taiwan Der Himmel über Berlin Wim Wenders, BRD Der Zufall möglicherweise (Przypadek) Krzysztof Kieślowski, Polen Dirty Dancing Emile Ardolino, USA Full Metal Jacket Stanley Kubrick, USA La ley del deseo Pedro Almodóvar, Spanien Lethal Weapon Richard Donner, USA

Moonstruck Norman Jewison, USA Pelle erobreren Bille August, Schweden The Belly of an Architect Peter Greenaway, GB The Last Emperor Bernardo Bertolucci, GB The Untouchables Brian De Palma, USA Une flamme dans mon cœur Alain Tanner, CH Withnail and I Bruce Robinson, GB Wo ist das Haus des Freundes? (Khane-ye doust kodjast?) Abbas Kiarostami, Iran

WALL STREET USA 1987 Bud Fox ist einer der zahlreichen aufstrebenden Börsenmakler an der New Yorker Wall Street. Verzweifelt versucht er einen Termin bei seinem Idol Gordon Gekko zu erhalten. Als er endlich zum bekannten Finanzhai gelangt, lässt er sich von diesem für dessen Machenschaften einspannen und verwickelt sich aus Gier immer stärker in illegale Geschäfte. Mit Michael Douglas als Personifizierung des Yuppies in seiner vielleicht besten Rolle blickt Regisseur Oliver Stone in gewohnt konfrontativer Weise in die dunklen Abgründe des Finanzmarktes. Bekannt als «schlechtes Gewissen Amerikas», hat Stone nicht zuletzt die Absicht, anhand des naiven Bud Fox und seines Niedergangs die Kehrseite des amerikanischen Traums zu entlarven. Wie aktuell der Film und seine Thematik noch heute sind, zeigen jüngere Filme wie Martin Scorseses The Wolf of Wall Street oder Adam McKays The Big Short: Nicht alleine in der Darstellung der undurchsichtigen Finanzmärkte finden sich Parallelen; schaut man in die Gesichter der Protagonisten, glaubt man Gordon Gekkos Fratze und Bud Fox’ hilflosen Blick wiederzuer-

kennen. Michael Douglas’ Worte im Film wirken zeitlos: «The point is, ladies and gentlemen, that greed, for lack of a better word, is good.» «Die Faszination des Geldes, von Erfolg und Macht, wird in Stones Bildern sinnlich spürbar. Es ist ein erotischer Film. (…) Stones Regie ist der in Platoon vergleichbar, effektiv und präzis. Das Tempo des Schnitts, die fast immer in Bewegung befindliche Kamera lassen die Börse zur Actionbühne werden. (…) Wall Street ist keine Absage an den Kapitalismus. Stone ging es nur, wie er betonte, um die ‹Auswüchse›. (…) Wall Street ist ein spannendes Stück ‹Insider-Information›, das jetzt – ganz legal mit 120 Kopien – unter die ­Bundesbürger gebracht wird, und aus dem sich durchaus aufklärerisches Kapital schlagen lässt.» (Detlef Kühn, epd Film, März 1988) 126 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Oliver Stone // DREHBUCH Oliver Stone, Stanley Weiser // KAMERA Robert Richardson // MUSIK Stewart Copeland // SCHNITT Claire Simpson // MIT Charlie Sheen (Bud Fox), Michael Douglas (Gordon Gekko), Martin Sheen (Carl Fox), Daryl Hannah ­(Darien Taylor), Terence Stamp (Sir Larry Wildman), Chuck Pfeiffer (Chuckie), John C. McGinley (Marvin), Sylvia Miles (Dolores, die Maklerin), Tamara Tunie (Carolyn), Hal Holbrook (Lou Mannheim).

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Das erste Jahrhundert des Films: 1987

ROBOCOP USA 1987 In der nahen Zukunft wird in Detroit der Polizist Alex Murphy von einer Strassengang brutal ermordet. Der übermächtige Multikonzern OCP, der grosse Teile der insolventen Stadt kontrolliert, wählt ihn daraufhin ohne seine Zustimmung als Probanden für einen neuen Polizeiroboter aus. Seines Gedächtnisses beraubt, geht er als Synthese von Mensch und Maschine kompromisslos auf Verbrecherjagd. Doch allmählich kehren Bruchstücke seiner Erinnerung zurück, und Murphy macht sich auf die Jagd nach seinen eigenen Mördern. Mit der satirischen Zukunftsvision RoboCop wagte sich der niederländische Regisseur Paul Verhoeven erstmals nach Hollywood und lieferte sogleich eine kritische Bestandsaufnahme der USA zu Zeiten Ronald Reagans ab. Oftmals zu Unrecht auf die anhaltende Kontroverse über seine extreme Gewaltdarstellung reduziert, zeigt der Film vielmehr eine – heute mitunter nicht mehr allzu fern scheinende – Dystopie, welche die fortschreitende Privatisierung staatlicher Betriebe und die Sensationsgier der Medien reflektiert. Die Gewalt bedient dabei in ambivalenter Form die Schaulust und demaskiert sie zugleich in ihrem

Exzess – ein Stilmittel, das zum Markenzeichen von Verhoeven werden sollte, wie auch seine späteren Science-Fiction-Filme Total Recall und Starship Troopers zeigen. «RoboCop ist kein gewöhnlicher Thriller. Paul Verhoevens Filme lassen sich nicht leicht kate­ gorisieren. Der Film zeigt Humor, sogar Slapstick. Es ist Romantik drin. Gleichzeitig stellt der Film die philosophische Frage, was einen Menschen ausmacht, und ist darüber hinaus eine pointierte politische Satire. (…) Die meisten Thriller und Special-Effects-Filme kommen vom Fliessband. Man kann jede Wendung der Handlung voraussagen. RoboCop hingegen unterscheidet sich von der üblichen Massenware.» (Roger Ebert, Chicago Sun-Times, 17.7.1987) 103 Min / Farbe / DCP / E // REGIE Paul Verhoeven // DREHBUCH Edward Neumeier, Michael Miner // KAMERA Jost Vacano // MUSIK Basil Poledouris // SCHNITT Frank J. Urioste // MIT Peter Weller (Alex J. Murphy/RoboCop), Nancy ­Allen (Anne Lewis), Ronny Cox (Dick Jones), Kurtwood Smith ­(Clarence J. Boddicker), Miguel Ferrer (Bob Morton), Dan O’Herlihy (der «Alte»), Ray Wise (Leon C. Nash), Felton Perry (Johnson), Paul McCrane (Emil M. Antonowsky).

Das erste Jahrhundert des Films: 1987

AU REVOIR LES ENFANTS Frankreich 1987 Frankreich im Winter 1944: In einem katholischen Internat scheint der Zweite Weltkrieg noch weit entfernt. Einzig gelegentliche Stromausfälle künden von den Kriegsgeschehnissen. Der zwölfjährige Julien Quentin freundet sich hier mit seinem neuen Mitschüler Jean Bonnet an. Allmählich findet Julien heraus, dass sein neuer Freund eigentlich Jean Kippelstein heisst und sich mit Hilfe des Internatsleiters vor der Gestapo versteckt. Basierend auf wahren Begebenheiten aus Louis Malles Kindheit, war der Film Anlass für den Regisseur, nach zehn Jahren in den USA nach Frankreich zurückzukehren. Die Rückkehr wurde zum grossen Erfolg: Neben dem Goldenen Löwen am Filmfestival von Venedig errang der Film unter anderem den César in den Kategorien bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch. «Mit feinem Gespür setzt Louis Malle in der ersten Stunde die Tupfer, die das Bedrohliche, den düsteren Verlauf, den die Dinge nehmen werden, erahnen lassen, bei aller Alltäglichkeit, den sie zum Schein wahren. Es geschieht nichts, wie man so sagt, in dieser ersten Stunde, doch hat jede Einzelheit ihre Bedeutung; jedes Gesicht, jeder Blick, jeder Name ist eine mögliche Fährte.

(…) Diese Balance einzuhalten zwischen ‹Da stimmt doch etwas nicht› und dann wieder: ‹Nein, es steckt doch nichts dahinter›, das ist Malles erzählerisches Meisterstück in diesem Film. ‹Wie ist das alles bloss gekommen?›, fragt man sich am Schluss. Das ist der Moment, wo Form und Inhalt zusammenfallen.» (Pierre Lachat, filmbulletin, Dezember 1987) «Louis Malle erzählt diese prägende Jugenderinnerung als einen Reifungsprozess in schwieriger Zeit, in dem sich Emotionen und Authen­ tizität eindrucksvoll die Waage halten. Eine bewegende Schilderung menschlichen Verhaltens im Spannungsfeld von Rassismus, Verrat, Schuld und Solidarität.» (Lexikon des int. Films) 104 Min / Farbe / 35 mm / F/d // DREHBUCH UND REGIE Louis Malle // KAMERA Renato Berta // MUSIK Franz Schubert, ­Camille Saint-Saëns // SCHNITT Emmanuelle Castro // MIT Gaspard Manesse (Julien Quentin), Raphael Fejtö (Jean ­Bonnet), Francine Racette (Madame Quentin), Philippe Morier-Genoud (Pater Jean), François Négret (Joseph), Stanislas Carré de Malberg (François Quentin), Peter Fitz (Muller), Pascal Rivet (Boulanger), Benoît Henriet (Ciron).

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Das erste Jahrhundert des Films: 1987

Das erste Jahrhundert des Films: 1987

DAS ROTE KORNFELD (Hong Gaoliang) China 1987

YEELEN Mali/Frankreich 1987 «Der junge Nianankoro steht am Übergang zum Erwachsensein. Er sollte mit den Fähigkeiten vertraut gemacht werden, die es ihm erlauben, die ihn umgebenden Kräfte zu beherrschen. Sein machtbesessener Vater möchte allerdings verhindern, dass sein Sohn ihm ebenbürtig wird. Er will ihn töten, aber Nianankoro wird von seiner Mutter gerettet und auf eine Reise geschickt. Auf seinem Weg erwirbt Nianankoro das notwendige Wissen für die letzte Konfrontation mit dem Vater. In einer präkolonialen Zeit angesetzt, führt Yeelen durch eine unendlich weite, in ihrer Schönheit einmalige Landschaft und ist tief verwurzelt in der Kultur der Bamana, der grössten Volksgruppe Malis.» (Programm CinemAfrica/Film­ podium, November 2001) «Yeelen ist ein visionärer Film über den Weg des Erwachsenwerdens, ein Film von einer inneren Schönheit, die sich nicht einfach mit Worten beschreiben lässt, voller Tiefe, Innigkeit und sanftem Humor. Yeelen ist auch einer der wichtigsten und nachhaltigsten Filme des afrikanischen Kinos. Er hatte schon bei seiner ersten Präsentation in den 1980er-Jahren in Cannes Aufsehen erregt und dem schwarzafrikanischen Filmschaffen zu besserer Wahrnehmung im Nor-

den verholfen. Yeelen begeistert noch heute beim Entdecken wie beim Wiedersehen, noch immer bestechen die Bilder Cissés, taucht man ein in die archaisch anmutende Geschichte, in der es nicht zuletzt um die Wahrnehmung geht und um das Sehen.» (Walter Ruggle, trigon-film.org) 106 Min / Farbe / 35 mm / OV/d/f // DREHBUCH UND REGIE Souleymane Cissé // KAMERA Jean Noël Ferragut, Jean Michel Humeau // MUSIK Michel Portal // SCHNITT Dounamba Coulibaly, Andrée Davanture // MIT Issiaka Kané (Nianankoro, der Sohn), Aoua Sangaré (die Peul-Frau), Niamanto Sanogo (Soma, der Vater), Balla Moussa Keïta (der Peul-König), Soumba Traoré (die Mutter).

Nach Kurzgeschichten des 2012 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Schriftstellers Mo Yan erzählt der Film am Beispiel einer verschacherten jungen Frau, die ihr Liebesglück in die eigenen Hände nimmt, vom Leben, der Vitalität und dem Leiden der ländlichen Bevölkerung Nordchinas in den zwanziger und dreissiger Jahren. Erfolge als Kameramann ebneten dem an der Filmakademie Peking ausgebildeten Zhang Yimou den Weg zu seiner ersten Regiearbeit, die in Berlin 1988 den Goldenen Bären gewann und dem chinesischen Spielfilm international einen neuen Stellenwert verschaffte. «Während sich die Geschichte entfaltet, weichen die hellen Tönen den dunklen und der Humor den Schrecken, die mit der japanischen Okku­ pation verbunden sind. Zhang füllt die ScopeLeinwand mit üppigen, sinnlichen Bildern, die leuchten und das bäuerliche Leben feiern. (...) Schauspieler, Musik und Farben werden in zutiefst expressionistischem Stil eingesetzt.» (Wally Hammond, Time Out Film Guide) «Farbe ist in diesem Film wie ein liquides ­Etwas, das alle Filmkörper durchdringen zu vermögen scheint, sogar das Zelluloid selbst. Das saftige Grün des Sorghumhirsefeldes, in dem Gong Li von ihrem Verehrer und zukünftigen zweiten Ehemann ent- und verführt wird, flirrt und schwimmt, hebt und senkt sich in Slow Motion oder zerfasert zur grünen Fläche, an der die Kamera vorbeirauscht, um Gong Li in Rot zu verfolgen. Überhaupt: Nicht nur Gong Lis Anzug ist rot, ganze Kadrierungen von Nahaufnahmen ihres Gesichts tauchen sich immer wieder ins sonnengefärbte Gegenlicht. Farbe wird aber auch nahezu synästhetisch erfahrbar gemacht, wenn das Spiel einer chinesischen Flöte sich zum roten Schleier, zum roten Sonnenuntergang hinzugesellt. Farbe entflieht der Materialität des Filmbildes, verwischt die Grenze zur Lichttonspur. Durchdringt und überwindet.» (Julian Bauer, schnitt.de)

POINTPROD, EPISODE 4 und DR JACK PROD präsentieren

DOCTOR JACK EIN MANN EIN LEBEN EIN ZIEL

EIN FILM VON BENOIT L ANGE

92 Min / Farbe / 35 mm / OV/d/f // REGIE Zhang Yimou // DREHBUCH Chen Jianyu, Zhu Wei, Mo Yan, nach Kurz­ geschichten von Mo Yan // KAMERA Gu Changwei // MUSIK Zhao Jiping // SCHNITT Du Yuan // MIT Gong Li (Nine, Grossmutter), Jiang Wen (Yu, Grossvater), Teng Rujun (Luohan), Cui Cun-Hua (Huer), Liu Ji (Douguan), Qian Ming (Nines Va-

AB 12. OKTOBER IM KINO REALISATION BENOIT LANGE et PIERRE-ANTOINE HIROZ SCENARIO CLAUDE MUREt et BENOIT LANGE IMAGE CAMILLE COTTAGNOUD MONTAGE IMAGE MIKE FROMENTIN et THOMAS QUEILLE SON KEVIN PINTO et ERIC GHERSINU MUSIQUE ORIGINALE FRANCOIS BERNHEIM et KEVIN QUEILLE MONTAGE SON ELEONORA POLATO MIXAGE SON DENIS SECHAUD ETALONNAGE RODNEY MUSSO PRODUCTION DAVID RIHS, BENOIT LANGE et FREDERIC ANSART DE LESSAN EN COPRODUCTION AVEC RTS RADIO TELEVISION SUISSE AVEC LA PARTICIPATION de L’OFFICE FEDERAL DE LA CULTURE (DFI), CINEFOROM et le soutien de la LOTERIE ROMANDE, SUISSIMAGE, Succès passage antenne, SSR SRG DISTRIBUTION SUISSE ADOK FILMS

ter), Zhai Cun-Hua (Bandit Sampao).

WWW.DRJACK.WORLD/HOME-DE

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35 IOIC-SOIREEN:

FR, 13. OKT | 20.45 UHR FR, 10. NOV | 20.45 UHR

DIE REVOLUTION IM STUMMFILM

STREIK / UdSSR 1925 Montage der Attraktionen

Einzelschicksale vom wirklichen Ziel abgelenkt werden: der politischen Bewusstwerdung der proletarischen Massen. Vertont wird dieses durch den überragenden Erfolg von

In seinem ersten längeren Film setzt Eisenstein sein am

Panzerkreuzer Potemkin etwas zu Unrecht in den Schatten

Thea­ter entwickeltes Konzept einer Montage der Attraktionen

gestellte Meisterwerk vom avantgardistischen Noise-

erstmals im Kino um. Der didaktische, bewusstseinsbildende

Grind-Metal-Duo Azeotrop mit Dominik Blum an der Ham-

Das IOIC – Institute of Incoherent Cinema-

die USA emigrierten. Zeitgenössisches Lob erhielt die Gross­

Ansatz wird von der avantgardistischen Ästhetik einer dyna-

mond-Orgel und Peter Conradin Zumthor am Schlagzeug.

tography – macht mit neuen und neuartigen

produktion mit über 1000 Statisten insbesondere auch für die

mischen Bildmontage getragen. Ein Paradebeispiel dieser Art

Man darf gefasst sein auf Radikalität, Virtuosität, musikali-

Live-Vertonungen die frühe Stummfilm-

Orchestrierung der Massenszenen, die als die aufsehener-

des Schnitts ist die Darstellung der Zerschlagung des Streiks

sche Aggressivität und unbändige Spielfreude, die ihres-

regendsten Special Effects der frühen Stummfilmzeit gelten.

der ausgebeuteten Arbeiter. In einer rasanten Engführung

gleichen suchen.

Vertont wird das zuerst noch humorvolle und dann im-

werden Bilder vom Massaker an den Streikenden mit Aufnah-

mer tragischere Kostümdrama von der aufstrebenden Jazz-

men aus einem Schlachthaus konfrontiert. In enger Zusam-

Formation District Five Quartet. Die vier jungen Zürcher, die

menarbeit mit seinem Kameramann Eduard Tissé, einem

Dominik Blum (Hammond-Orgel) & Peter Conradin

das IOIC wiederum mit sechs Aufführungen

sich hiermit zum ersten Mal einen Stummfilm vornehmen,

Meister exzentrischer Perspektiven, führt Eisenstein sein Pu-

­Zumthor (Schlagzeug)

im Filmpodium zu Gast, diesmal zum Thema

gehören einer neuen Generation von Musikern an, die be-

blikum vom rein affektiven Erfassen des Gezeigten hin zum in-

der grossen politischen Revolutionen.

wusst die Jazz-Tradition mit moderner Komposition kombi-

tellektuellen Verständnis der dargestellten Zusammen-

82 Min / sw / Digital HD / stumm, engl. Zw’titel // REGIE UND

nieren.

hänge. Auf keinen Fall soll der Zuschauer durch Einfühlung in

SCHNITT Sergej M. Eisenstein // DREHBUCH Sergej M. Eisen-

kunst nicht zuletzt auch einem jungen Pub­ likum zugänglich. In der Saison 2017/18 ist

Vertonung: Azeotrop

stein, Walerian Pletnjow, Ilja Krawtschunowski, Grigori

MADAME DUBARRY / Deutschland 1919 Liebe in Zeiten der Revolution

Vertonung: District Five Quartet

­Alexandrow, // KAMERA Eduard Tissé, Wassili Chwatow,

Tapiwa Svosve (Altsaxophon), Vojko Hutter (Gitarre),

­Wladimir Popow // MIT Maxim Schtrauch (Geheimpolizist),

Xaver Rüegg (Bass) & Paul Amereller (Schlagzeug)

­Grigori Alexandrow (Meister), Michail Gomorow (Arbeiter), Igor

www.districtfivequartet.com

Iwanow (Chef der Geheimpolizei), Alexander Antonow (Mitglied des Streikausschusses), Ivan Kljuwkin (Revolutionär), Judith

Die Geschichte der jungen Pariser Arbeiterin Jeanne, die sich von einer Anstellung im Hutladen bis hin zur Liebhabe-

100 Min / tinted / DCP / stumm, dt. Zw’titel // REGIE Ernst

rin des Königs kokettiert, spielt unmittelbar vor dem Aus-

­Lubitsch // DREHBUCH Hanns Kräly, // KAMERA Theodor Spar-

bruch der Französischen Revolution und wurde mitten in

kuhl // MIT Pola Negri (Jeanne Vaubemier/Mme Dubarry), Emil

­einer deutschen Umbruchszeit produziert. Während die Ver-

­Jannings (Louis XV.), Reinhold Schünzel (Herzog von Choiseul),

sailler Szenen aus Madame Dubarry im Schloss Sanssouci in

Eduard von Winterstein (Graf Jean Dubarry), Harry Liedtke

Potsdam gedreht wurden, besetzten die Franzosen das

­(Armand de Foix), Else Berna (Gräfin Garmont), Fred Immler

Rheinland, nahmen das deutsche Militär auseinander und

(Richelieu), Gustav Czimeg (Aiguillon), Karl Platen (Guillaume

forderten gnadenlos Reparaturzahlungen ein.

Dubarry), Bernhard Goetzke (Revolutionär).

Gliser (Königin der Diebe).

Freitag, 10. November, 20.45 Uhr Weitere Informationen zum IOIC: www.ioic.ch

ZÜRCHER FILMBUFF-QUIZ 2017

FR, 27. OKT. | 20.30 UHR

Nicht zuletzt aufgrund dieses Filmes wurde Hollywood aufmerksam auf den Star Pola Negri und den Regisseur

Freitag, 13. Oktober, 20.45 Uhr

Ernst Lubitsch, die dann auch am Anfang der 20er-Jahre in

> Slumdog Millionaire.

Ende Oktober lädt das Filmpodium wieder Kinokenner und Filmfreundinnen ein, mental die Klingen zu kreuzen und abseits des Internets mit echtem Filmwissen zu brillieren. Für die Profis im Publikum gibt es Handicaps, damit engagierte Amateure gleiche Chancen ­haben, die attraktiven Preise zu gewinnen. Wie bei den TV-Vorbildern muss man beim Filmbuff-Quiz aber nicht selber mitspielen, um Spass zu haben. Man kann auch nur seine Lieblingskandidatinnen anfeuern – oder einfach die eingespielten Clips geniessen und ­Höhepunkte (und Peinlichkeiten) der Filmgeschichte Revue passieren lassen. Aufgrund der grossen Nachfrage empfehlen wir allen, die einen Sitzplatz auf Nummer ­sicher wollen, den Vorverkauf oder die frühzeitige Reservation. 

Corinne Siegrist-Oboussier & Michel Bodmer


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Der Lorax – in 3D Die Verfilmung des berühmten Kinderbuchs von Dr. Seuss ist ein kunterbunter Animationsfilm zum Spasshaben und Nachdenken.

IMPRESSUM

DAS FILMPODIUM IST EIN ANGEBOT DES PRÄSIDIALDEPARTEMENTS

in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse, Lausanne/Zürich LEITUNG Corinne Siegrist-Oboussier (cs), STV. LEITUNG Michel Bodmer (mb) WISSENSCHAFTLICHE MITARBEIT Tanja Hanhart (th), Marius Kuhn (mk), Primo Mazzoni (pm), Laura Walde PRAKTIKUM Alicia Schümperli // SEKRETARIAT Claudia Brändle BÜRO Postfach, 8022 Zürich, Telefon 044 412 31 28, Fax 044 212 13 77 WWW.FILMPODIUM.CH // E-MAIL info@filmpodium.ch // KINO Nüschelerstr. 11, 8001 Zürich, Tel. 044 211 66 66 UNSER DANK FÜR DAS ZUSTANDEKOMMEN DIESES PROGRAMMS GILT: Classic Films Distribución, Barcelona; Deutsches Filminstitut – DIF, Wiesbaden; Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin; Diogenes Verlag, Zürich; The Festival Agency, Paris; Gaumont, Neuilly sur Seine; Intramovies, Rom; Kinemathek Le Bon Film, Basel; Library of Congress, Culpeper; Locarno Festival; Motion Picture Licensing Corporation (MPLC), Zürich; Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden; Park Circus, Glasgow; Rai Cinema, Rom; Roissy Films, Paris; Studiocanal, Berlin; Tamasa Distribution, Paris; trigon-film, Ennetbaden; Warner Bros. UK, London. DATABASE PUBLISHING BitBee Solutions GmbH, Zürich // KONZEPTIONELLE BERATUNG Esther Schmid, Zürich GESTALTUNG TBS & Partner, Zürich // KORREKTORAT N. Haueter, D. Kohn // DRUCK Ropress, Zürich // AUFLAGE 6500 ABONNEMENTE Filmpodium-Generalabonnement : CHF 400.– (freier Eintritt zu allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Filmpodium-Halbtaxabonnement: CHF 80.– / U25: CHF 40.– (halber Eintrittspreis bei allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Abonnement Programmheft: CHF 20.– // Anmeldung an der Kinokasse, über www.filmpodium.ch oder Tel. 044 412 31 28

VORSCHAU DER LORAX (The Lorax) / USA/Frankreich 2012 86 Min / Farbe / 3D / Digital HD / D / 6 J // REGIE Chris Renaud, Kyle Balda // DREHBUCH Cinco Paul, Ken Daurio, nach dem

Robert Mitchum

Gus Van Sant

Heuer wäre er 100 Jahre alt geworden: Ro-

Gegen Ende der achtziger Jahre war er

STIMMEN VON Danny DeVito (der Lorax), Jannik Schümann (Ted), Yvonne Greitzke (Audrey), Barbara Adolph (Norma), Florian

bert Mitchum, für die einen eine desinteres-

dank Filmen wie Mala Noche (1986) und

Halm (Once-ler), Tom Luca (Once-ler, Singstimme), Olaf Reichmann (O’Hare).

sierte Schlafmütze, für die andern der In­

Drugstore Cowboy (1989) für viele der Inbe-

KINDERFILM-WORKSHOP

begriff von «cool». Dieser Anti-Star, dem

griff des Independentfilmers; 1991 etab-

Im Anschluss an die beiden Vorstellungen von Der Lorax bietet die Filmwissenschaftlerin Julia Breddermann (www.fifoco.

stets etwas Gebrochenes anhaftete, spielte

lierte er Keanu Reeves und River Phoenix in

einzelne Szenen und Themen des Films herangeführt.

vorzugsweise Figuren, die eine schwierige,

My Own Private Idaho als Ikonen einer neuen

Dauer des Workshops: ca. 1 Stunde. Dieses Zusatzangebot ist gratis. Keine Voranmeldung nötig.

wenn nicht gar verbrecherische Vergangen-

«lost generation». Gus Van Sant hat aber im

heit mit sich schleppten. Von frühen Wes-

Laufe der Jahrzehnte noch ganz andere Re-

tern über beklemmende Films noirs und

gister gezogen: Neben dem Filmemachen

nüchterne Kriegsfilme bis hin zu histori-

auch als Fotograf und Maler tätig, liess der

schen Epen und mitunter sogar Komödien

amerikanische Cineast in Werke wie Gerry

reicht das Repertoire von Mitchums rund

(2002) und Elephant (2003) Elemente mo-

130 Filmen. Das Filmpodium zeigt neben

derner Kunst einfliessen und schuf zwi-

unabdingbaren Klassikern wie River of No

schendurch zugängliche Erfolgsfilme wie

Return, Night of the Hunter und El Dorado

To Die For (1995) und die Oscar-Preisträger

auch einige Entdeckungen.

Good Will Hunting (1997) und Milk (2008).

Buch von Dr. Seuss // MUSIK John Powell // SCHNITT Claire Dodgson, Steven Liu, Ken Schretzmann // MIT DEN DEUTSCHEN

ch) einen Film-Workshop an. Die Kinder erleben eine Entdeckungsreise durch die Welt der Filmsprache und werden an

«In Thneedville leben die Bewohner sorgen- und vor allem keimfrei ein angenehmes Leben. Die frische Luft kommt aus der Flasche, denn Bäume gibt es schon lange nicht mehr. Dabei braucht Ted gerade dringend einen Baum, um seiner Angebeteten Audrey zu imponieren. Seine Grossmutter schickt ihn zu dem Once-ler, einem Eigenbrötler ausserhalb der Stadt, der Schuld daran hat, dass die Bäume verschwunden sind. Und mit ihnen auch der Lorax, Wächter des Waldes und Beschützer der Natur. Kann Ted die Bäume zurück nach ­Thneedville holen?» (Deutsche Film- und Medienbewertung FBW, 2012)


von Alain Gomis, Kongo

«Félicité singt für ihre Würde, für das Leben und für ihren Sohn.» TAGESS P IEGEL

AB 19. OKTOBER IM KINO

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Filmpodium Programmheft 9. Okt. - 15. Nov. 2017  

Federico Fellini | Jacques Tourneur| Best of 1987 | Der Lorax | Filmbuff Quiz

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