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FALTER

Wien Modern 13 Die besten Ereignisse. Alle Termine

Nr. 41a/13

WIEN MODERN bittet Wien zum Tanz Hauptkomponist Peter Eötvös erzählt sein aufregendes Leben als Musiker Plus Festivalkalender und Festivallexikon F O TO: A R T U RO F U E N T E S , AU S E I N E R F O TO S E R I E F Ü R D E N K ATA L O G VO N W I E N M O D E R N / W W W. N A F E Z R E R H U F.CO M

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2420/2013


Kapsch Group

Vorreiter der Innovation grüßt Vorreiter der Moderne. Seit mehr als 20 Jahren unterstützen wir Wien Modern – und damit den Anspruch und die Bedeutung von Wien als internationale Stadt der Kultur. Wie das Festival mit seinen Künstlern und interpretationen, war und ist auch Kapsch stets ein „Vorreiter der Moderne“. Mit technischen innovationen für eine bessere Zukunft. www.kapsch.net

always one step ahead


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Vorwort

Fotos: K álmán Gar as, Anja Beutler, Heribert Corn, Samstag in Der Stadt

Liebe Falter-Leser, liebe Wien-Modern-Besucher, mit Mut zum Experiment, dem Ausloten von Grenzen, dem Aufsuchen von Schnittstellen, dem Kreieren neuer Konzertformate und dem Bekenntnis zum Alten lässt Wien Modern #26 vom 24. Oktober bis zum 15. November 2013 einmal mehr die gesamte Stadt Wien zu einem einzigen, massiven Klangkörper für Musik der Gegenwart werden. Geleitet von Impulsen unserer Zeit, auf der stetigen Suche nach Verbindungen zu anderen Kunstformen, werden unter dem Motto „Tanz – Wien Modern bewegt“ im Zuge unterschiedlicher Projekte ganz bewusst Grenzen aufgezeigt, durchbrochen und überschritten. Zeitgenössische Musik und Tanz – ein Paradoxon? Können hochkomplexe musikalische Formen wie Strukturen in der Musik der Gegenwart zu spontanen körperlichen Reaktionen animieren? Ich möchte Sie herzlich einladen, uns bei diesem Experiment zu begleiten. Auch heuer widmet Wien Modern wieder einen seiner Schwerpunkte dem musikalischen Schaffen eines Komponisten. Mit der Uraufführung seines neuesten Musiktheaterwerkes Paradise Reloaded (Lilith) und einer Auswahl an Kompositionen unterschiedlicher zeitlicher und ästhetischer Standpunkte führt Wien Modern 2013 in die musikalische Welt des ungarischen Komponisten und Dirigenten Peter Eötvös ein. Diese Falter-Beilage bietet Ihnen einen Überblick über die zahlreichen Veranstaltungen des Festivals, das heuer an 21 Orten stattfindet. Bedanken möchte ich mich bei allen Künstlerinnen und Künstlern, den zahlreichen Partnern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Stadt Wien als Trägerin des Festivals sowie den Sponsoren Kapsch und Erste Bank, die dieses Festival erst möglich machen. Viele anregende Stunden bei Wien Modern wünscht Ihnen

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Inhalt Engagierte Musik Musiktheoretiker und Kritiker Jürg Stenzl über einen schwierigen Begriff Peter Eötvös Der Schwerpunktkomponist von Wien Modern erzählt von seinem Werdegang Eötvös über die Figur der Lilith Sie steht im Zentrum seiner Oper Paradise Reloaded (Lilith). Was hat es mit ihr auf sich? Wien Modern bittet zum Tanz Ein aufregendes Projekt räumt den Konzerthaussaal frei; zeitgenössische Tanzmusik bewegt die Stadt Lexikon Sämtliche Veranstaltungen im Überblick, chronologisch geordnet Locations Sämtliche Veranstaltungsorte von Wien Modern auf einer übersichtlichen Karte Tanz die Ustwolskaja Wolfgang Kralicek über szenische Tanzprojekte bei Wien Modern Clubnächte Wien Modern macht sich auf in die Welt der Klubs Furrers Fama Das berühmte Hörtheater ist wieder zu hören – diesmal in konzertanter Aufführung Operellen Wien Modern bewegt ein Genre: Acht Kurzopern öffnen Türen zwischen Kulturen Erste Bank-Kompositionspreis Lothar Knessl erklärt, warum heuer Bernd Richard Deutsch den Erste Bank-Kompositionspreis bekam Terminübersicht Ganz Wien Modern auf einen Blick

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Impressum

Matthias Lošek Künstlerischer Leiter Wien Modern

Falter 41a/13 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, F: 01/536 60-912, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Heinz Rögl, Armin Thurnher Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Raphael Moser; Lektorat: Marie Yazdanpanah, Patrick Sabbagh; Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.


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Engagiert Engagierte Musik ist politische Musik – mehr oder weniger?

Ludwig van Beethoven: Herrscherlobend engagiert

zessen beruhte, Prozesse, die dazu beizutragen sollten, Bewusstseinsbildung und politische Solidarisierung ­voranzutreiben: einfache Märsche und „Hymnen“ für Revolutionsfeiern wie die „Marseillaise“, Vorläufer dessen, was heute bei Sportveranstaltungen zu „Nationalhymnen“-Ritualen ­abgesunken ist. Dagegen regte sich in Deutschland, vor allem nach der gescheiterten Revolution von 1848, heftigster Widerstand, dessen Ausläufer bis heute anhalten: Die strikte Trennung einer „reinen Kunst“ von allem „Politischen“. Wo sie nicht geschah, etwa in der „großen Oper“ von Giacomo Meyerbeer in Frankreich, „zerfalle Beides – oder es ist schon zerfallen und die äußere Erscheinung unsittlicher Kunst nur ein Beweis vorangegangener Zerrüttung“, wie Eduard Krüger 1848 in der führenden deutschen ­Allgemeinen musikalischen Zeitung schrieb. Allen voran der Geist einer deutschen Kunst sei, wie Thomas Mann noch 1940 feststellte, „sozial und politisch wesentlich uninteressiert, im Tiefstem ist diese Sphäre ihm fremd“. Wie bereits Brander in Auerbachs Keller in Goethes „Faust“ klarstellte: „Pfui! Ein politisch Lied, ein garstig Lied!“ Der Kampf für die Reinerhaltung der Tonkunst verstärkte sich nach 1918 noch, unterschiedlich in Paris, Berlin oder Wien, durch die Traditionsbrüche, in der Neuen Musik: Mit der Verbalkanone „Musikbolschewismus“ wurde gegen diese Neue Musik nicht anders geschossen, als ab 1933 mit jener einer „entarteten Kunst“, die auszurotten sei. Nach 1945 tobte dieser Kampf mit etwas anderen, scheinbar subtileren Mitteln erneut, besonders heftig angesichts von Werken, deren politische Intention außer Frage stand. In seinem Buch über Neue Musik

Essay: Jürg Stenzl

Der Autor: Jürg Stenzl ist emeritierter Hochschullehrer (Freiburg, Harvard, Graz, Salzburg), Musikwissenschaftler und Kritiker Eröffnungsrede Jürg Stenzl eröffnet mit einer Rede über engagierte Musik das Festival Wien Modern. Sie ist nicht identisch mit diesem Essay. Konzerthaus, 24.10., 19.30 Uhr Eröffnungskonzert: Peter Eötvös: The Gliding of the Eagle in the Skies (2011) EA; Salvatore Sciarrino: Giorno velato presso il lago nero (2013) EA Luigi Nono: Il canto sospeso (1955–1956) 24.10. 19.30 Uhr, Konzerthaus, Großer Saal

seit 1945 schrieb 1972 der deutsche Komponist Hans Vogt über die Oper „Intolleranza“ (1960) von Luigi Nono: „Es ist nicht ersichtlich, ob Nono sich darüber im klaren ist, was er musikalisch auslöst. Offensichtlich möchte er politisch wirken und sieht seine Musik als politische Waffe an. Da er primär Musiker ist, wird ihm die Revolution musikalisches Objekt, der Marxismus Stilproblem. Wenn Nono von den bewusstseinsverändernden, gesellschaftskritischen Erfolgen seiner Werke erzählt, hat es immer etwas Rührendes.“ Nono hat zwar von derartigen „Erfolgen“ nie gesprochen, doch Hans Vogts Vermutungen und Wortwahl erweisen, dass er die alte Lehre suggeriert, wie sie Eduard Krüger 1848 verstanden hatte: „Kunst hat mit allen anderen Geistesarbeiten gemein, ihren eigenen Himmel und ihre eigene Hölle zu besitzen.“

Musik ist mehrdimensional Wer von „engagierter“, von „politischer Mu­ sik“ redet, müsste angesichts der Geschichte dieser Bezeichnungen auch bedenken, was unter Politik, vor allem aber unter ­Musik zu verstehen ist und keineswegs feststeht. Keine Frage, dass Musik im Abendland seit jeher „politisch“ funktionalisiert wurde: Lieder, die zu Kreuzzügen aufriefen, Krönungsmessen, Herrscherlob in ­vielerlei Formen, Beethovens zu seinen Lebzeiten höchst erfolgreiches Schlachtengemälde „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“, op. 91, erst recht die politischen Protestund Hanns Eislers sozialistische Kampf­ lieder und die religiösen „Marseillaisen“: die lutherische „Ein feste Burg ist unser Gott“ und der „Schlachtenpsalm“ (Ps. 68) „Que Dieu se montre seulement“ der Hugenotten. Nicht zu reden von den US-Protestsongs seit den 1960er-Jahren, Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“ und „Masters of

Foto: Wikipedia

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ls „Ein Plädoyer für engagierte Musik“ wurde das Finale von Wien Modern 2012 gelobt. Und „engagiert“ soll Wien Modern auch in diesem Jahr erklingen. Aber was ist denn heute ­unter „engagierter Musik“ zu verstehen? „Engagierte Musik“ ist nur ein Synonym für das, was als „politische Musik“ vor 50 Jahren heftig umstritten war. Gemeint waren (wie es in einem Internet-Musiklexikon heißt) „musikalische Hervorbringungen, die entweder von der Intention des Produzenten her bewusst und gewollt politisch gemeint sind oder in der ­Rezeption eine explizite politische Aufladung erfahren, wobei der Begriff nichts über die Art der vermittelten Inhalte aussagt“ – allerdings auch nichts über die Art der Musik und schon gar nichts über deren Entstehungszeit, über die Kontexte ihrer Aufführung und erst recht nichts über ihre Hörer und Gegner. Doch beginnen wir mit etwas Geschichte: Von „politischer Musik“ war erstmals bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Rede, als eine profane grundsätzlich von der kirchlichen Musik getrennt wurde. Die eine war „auf den Gottesdienst gerichtet“, ihre Dienlichkeit beruhte auf einer kirchlichen Ordnung; die andere, die „weltliche und politische Musik“, wie sie Michael Praetorius nannte, stand im Dienst eines „staatlichen Ordnungsgefüges“. Es war selbstverständlich, dass beide Musikarten zu dienen hatten und keine anderen Intentionen, gar Aussagen des Komponisten selbst, bezweckten. Dass Komponisten mit ihrer Musik „Ich“ sagten, begann erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Eine andere, eine „politische“ Neuerung brachte die Französische Revolution. Damals entstanden erstmals Musiken, deren Legitimation explizit auf politischen Pro-


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te Musik ? Eine Begriffserkundung von Beethoven bis Bob Dylan

F o to: A rc h i v, S c h o t t P ro m o t i o n

Bob Dylan: Das Rebellische stand im Text

War“ (1962/3), dem Politrock der 1970er, der Chansoniers und Liedermacher. Die Rebellion stand im Text; die Musik diente, wie eh und je, als ein allen leicht verständliches und eingängiges Träger- und Verbreitungsmedium. Helmut Rösing hat Musik treffend als ­einen „mehrdimensionalen Zirkulationsprozess“ beschrieben, in dem die Musik zwar eine essenzielle, aber eben nur eine Komponente ist, gegenüber der ein „Rest“, Text wie Aufführung, die Hörer und deren Rezeption, Zeiten und Orte nicht als „außermusikalisch“ fungieren. Von daher Rösings Feststellung: „Eine Wahrnehmung politischer Botschaften in Musik setzt ein weitgehend kongruentes Referenzsystem aller am musikalischen Zirkulationsprozess beteiligten Stationen voraus.“ Das heißt, dass „Eingriffe in den Zirkulationsprozess des Beziehungssystems Musik zur nachhaltigen Änderung musikalischer Botschaften führen können“, zu einer „Politisierung“ einer nicht mit „politischer Intention“ entstandenen Musik zu einem „politischen Signal“. Oder umgekehrt: Ein an sich harmloser Song wie „Dancing in the Streets“ avancierte, nach der Ermordung Martin Luther Kings vor 45 Jahren, zu einem „civil rights anthem“ der schwarzen Gleichberechtigung, wurde durch seine Verwendung „neu beschriftet“ und dadurch politisch wirksam.

Luigi Nono: wi­derständige Inhalte bestimmen Gestaltung und Ausdruck der Musik Nonos „Il canto Neue Musik als „engagierte“ sospeso“ (1955/56) Im Jahre 1975 schuf der US-amerikanische wird beim Eröffnungs­ Komponist und Pianist Frederic Rzewski konzert von Wien (geb. 1938) ein monumentales, höchst vir- Modern ebenso tuoses, fast eine Stunde dauerndes Werk, ge­spielt wie Stücke 36 Variationen über das chilenische politi- von Peter Eötvös und sche Lied „The People United Will Never Be Salvatore Sciarrino. Defeated!“ – seine Solidaritätserklärung an Konzerthaus, die nach dem Sturz von Salvador Allende 24.10., 19.30 Uhr

verfolgten Angehörigen der Unidad Popular. Gleichzeitig verlieh er diesen „Goldbergoder Diabelli-Variationen des späten 20. Jahrhunderts“ eine globale Dimension, in dem er (u.a.) auch Brecht/Eislers „Solidaritätslied“ und das Lied der italienischen Widerstandsbewegung (der Resistenza) „Bandiera rossa“ in sein Werk integrierte. Doch was geschieht mit der Intention des Komponisten, wenn dieses Werk vor einem Publikum gespielt wird, das weder die Kontexte des Variationenthemas noch die weiteren der darin enthaltenen Liedbotschaften erkennt? Wird es dann zu einem „klassischen Stück absoluter, reiner Musik“ wie die großen Variationenwerke von Bach und Beethoven? Mit Sicherheit nicht, aus dem einfachen Grunde, weil dem Werk durch seine innermusikalische Architektur ein „Ton“ eigen ist, der von der Gewalt (Variation 26: „In a militant Manner“) bis zu „Tenderly, with a hopeful expression: cadenza“ reicht. Der Anlass der ­Komposition, ihr Thema und die weiteren verwendeten Bekenntnis-Lieder, sind nicht mehr ­bloße „Beschriftungen“ einer neutralen Musik: Hier entspricht der politischen Intention eine kompositorische. Das politische Bekenntnis wurde ins Musikalische übertragen, ist völlig Musik, beabsichtigt „unreine Musik“ geworden, ein gewaltiges musikalisches Drama, das keiner erläuternden Worte, hingegen einer engagiert neuen Musik bedarf und durch sie glaubwürdig, bezwingend ist und bleiben wird. Das hat kaum etwas mit Stil zu tun, aber Entscheidendes mit dem Engagement. Es lassen sich viele Werke aufzählen, in denen auf solche Weise die Botschaft zur musikalischen Substanz geworden ist: Yannis Xenakis „Nuits“ (Nächte, 1967/8) für zwölf gemischte Stimmen ist vier ­unbekannten politischen Häftlingen der

Jahre 1946–52 und den „tausenden Vergessenen, deren Namen selbst vergessen sind“ zugeeignet. Xenakis hat dafür keine Texte verwendet. Dagegen wählte Luigi Nono für seinen „Canto sospeso“ für Soli, Chor und Orchester (1955/6) aus einer Sammlung von zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern des Zweiten Weltkriegs aus ganz Europa Sätze, die er jedoch in einer Weise vertonte, dass sie kaum zu verstehen sind. Aber deren Inhalte bestimmen die strenge musikalische Gestaltung und deren Ausdruck bis in die feinsten Adern. „A tutti loro“, ihnen allen ist das Werk gewidmet. Pierre Boulez hat geäußert, ein Komponist greife nicht zu einem Text, um diesen mit musikalischer Begleitung zu präsentieren, „die Texte könne man im Programmheft lesen“ – das sollte man denn zuvor auch tun, darf man beifügen. Helmut Lachenmann veroperte Andersens Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ nicht zu einer „Literatur­ oper“, indem er dessen Text singen ließ; vielmehr wurden Texte zu kompositorischem Material einer „Musik mit Bildern“. Der einzige für die Hörer weitgehend verständliche Text ist übrigens von Leonardo da Vinci. Lachenmanns Musik jedoch „spricht“ eindrücklicher als das der kunstvollste (oder schlichteste) Text es vermöchte. Auch Alban Bergs „Lyrischer Suite“ für Streichquartett liegt eine solche Art „verborgenes Programm“ zugrunde, doch es ist eine Instrumentalmusik, die diese Liebespassion in einer Weise zum Ausdruck bringt, die das (erst Jahrzehnte nach der Uraufführung entdeckte) Programm, das der Komponist sogar in ein Exemplar der Partitur eintrug, zur Makulatur macht – weil seine „Lyrische Suite“ umfassend „engagierte Musik“ ist. F


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eter Eötvös, Komponist, Dirigent, einer der Großen der zeitgenössischen Musik, steht im Mittelpunkt von Wien Modern 2013. Gespielt wird neben anderem seine neue Oper Paradise Reloaded (Lilith). Wir besuchten Eötvös in seiner Villa in einem Budapester Vorort und ließen uns erzählen, wie seine erstaunliche Kariere als Dirigent und Komponist verlief und wie man im Ungarn der 1960er-Jahre dazukam, „westlich“ zu komponieren. Peter Eötvös war und ist ein mutiger Mann, im Kommunismus wie heute. Zur ungarischen Regierung findet er klare Worte.

Peter Eötvös fing als Musiker im Budapest der 1960er-Jahre an, mehr als 30 Jahre später kehrte er zurück

Falter: Herr Eötvös, welches Verhältnis haben Sie zu Wien? Peter Eötvös: Als ich noch an der Hochschule war – vor 1966 – hatte ich eigentlich nur zwei „offizielle“ Möglichkeiten, aus Ungarn zu kommen. Eine war Wien, die andere Warschau und der „Warschauer Herbst“. Für uns war Anfang der 60erJahre Polen der wichtigste kulturelle Einfluss. Besonders durch die Filme von Andrzej Wajda und anderen, weil die damals eine ganz neue Ästhetik mit sich brachten. Was damals in Polen erlaubt war, hieß für uns: Wenn man dort darf, dann dürfen wir das auch.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie im Kompositionsunterricht zwar die Stilübungen brav gemacht haben, aber dass Ihnen vorgeworfen wurde, die freien Kompositionen in einem „westlichen“ Stil auszuführen … Eötvös: Das war tatsächlich so.

Das war der sogenannte Gulaschkommunismus? Eötvös: Genau. Der war sehr schlau, dadurch waren wir unter Kontrolle, wir durften in der „Underground-Avantgarde“ machen, was wir wollten, man hat es gesehen und hätte jederzeit einschreiten können. Aber wir wurden darin nicht unterstützt. Wie alt waren Sie damals? Und wie

„Der freundliche Mann in meinem Rücken …“ Peter Eötvös konnte mit vier Jahren Noten schreiben, wurde mit 24 Jahren Assistent Karl-Heinz Stockhausens und dirigierte bald Pierre Boulez vor H a u sbes u c h : he i n z r ö g l , A r m i n T h u r nhe r

Foto: Marco Borggreve

Woher wussten Sie hinter dem Eisernen Vorhang über „westlichen Stil“ Bescheid? Eötvös: Damals gab es in Ungarn eine offizielle kulturpolitische Richtung: Was man der großen Welt und dem Westen anbot, musste höchstes Niveau haben. Auch der Austausch innerhalb der Ostländer war prima: David Oistrach und Swjatoslaw Richter kamen zu uns. Was wir nicht bekommen haben, war die Kultur der Gegenwart. Westliche Gegenwartskultur wurde nicht hereingelassen. So haben wir dafür eigene Methoden erfunden. Wer die Möglichkeit hatte, in den Westen zu fahren, brachte immer etwas mit. Es gab einen wunderbaren Professor an der Hochschule, Rudolf Maros, der jedes Jahr nach Darmstadt fahren konnte. So bekamen wir jedes Jahr das ganze Programm auf Tonband. Dann gab es eine Underground-Avantgarde in Ungarn. Das waren Architekten, Maler, Bildhauer, Philosophen, einige Musiker, also ein kleiner Kreis, der daran interessiert war, einfach zu erfahren, was in Westeuropa und Amerika kulturell läuft. Das war im damaligen Ungarn nicht erlaubt, aber zum Glück auch nicht verboten.


W i e n M o d e r n 1 3    sind Sie mit diesen Kreisen in Kontakt gekommen? Eötvös: Ich war 16, 17. In Kontakt zu kommen war leicht, das geschah jeden Abend in Lokalen oder Wohnungen. Ein Mann veranstaltete in seiner Wohnung nachmittags Schallplattenkonzerte, typisch 60er-Jahre. Vor allem mit westlichen Schallplatten, die man bei uns nicht kaufen konnte. Sehr viele Leute waren daran interessiert, das zu hören. Er hatte einen Schallplattenspieler mit kleinen Lautsprechern, Supraphon oder so, stellte in seinem Zimmer Stühle in Reihen auf, man bezahlt einen Forint für die Eintrittskarte, er sagte „Hören Sie sich das an“ und legte zum Beispiel Beethovens Sechste unter Kubelik auf. In diesen Konzerten spielte er manchmal auch Schönberg oder Berg. Das war wunderbar. Pikanterweise saß einmal die Staatssekretärin für Kultur mit uns da. Sie wollte genau wissen, wer da ist, es war also eben halb verboten, halb erlaubt. Ein Arzt wiederum hatte auch Va-

„Der Gulaschkommunismus war schlau. Man ließ uns machen, hätte aber stets einschreiten können“

F o t o s : W i k i m e d i a , D P A / U r s u l a D ü r e n , Ap a / R o l a n d S c h l a g e r

rèse und andere Komponisten, da hörte ich zum ersten Mal elektronische Musik. In der Sakristei einer Kirche saßen wir, 16 bis 20 Leute, abends zusammen und genossen mit einer Art Weihrauchgefühl diese Musik. Es war irrsinnig spannend zu wissen, dass man etwas Verbotenes tut und doch nicht, etwas ganz Besonderes. In Zeiten des Internets, wo jeder auf Knopfdruck alles kriegt, kann man sich das kaum mehr vorstellen. Wien lag damals doch jenseits des Eisernen Vorhangs. War es einfach, dorthin zu kommen? Eötvös: Als ich 1961 oder 62 das Stück „Gruppen“ von Karlheinz Stockhausen hörte, wollte ich die Partitur haben. Ich musste ein Visum beantragen, bekam es und fuhr mit dem Zug nach Wien, zur Oper, ging ins Geschäft der Universal-Edition und fragte: „Haben Sie ‚Gruppen‘?“– „Hab ich.“ – „Danke“. Und fuhr damit wieder zurück. Am Abend war ich zu Hause. So verlief eine der ersten Reisen nach Wien. Ich musste das haben, ich wollte sehen und lesen, wie das organisiert und geschrieben ist. Freunde und Freundinnen an der Hochschule hatten Beziehungen zu Wien, zu Pia­ nisten wie Alfred Brendel und Paul Badura-Skoda. Ich habe damals Klavier studiert, und wir sind manchmal nach Wien in deren Kreis gefahren. Gab es in Wien eine Neue-Musik-Szene? Eötvös: Vielleicht. Ich wusste nur, dass es das Ensemble „die reihe“ gibt, hatte aber keinen direkten Kontakt. Nach der Wende 1990 hoffte ich, dass zwischen Budapest und Wien ein regelmäßiger Kulturaustausch aufgebaut würde. Leider ist dieser Kontakt weiterhin nicht entstanden. Umso glücklicher bin ich jetzt zu sehen, dass zwischen dem Budapester Palast der Künste

und der Neuen Oper Wien eine Zusammenarbeit entsteht.

Sie konnten schon mit vier Jahren Noten schreiben. Wie kam das? Eötvös: Meine vor zwei Jahren verstorbene Mutter war Pianistin. Mein Großvater war Geiger. Beide waren Lehrer. Wahrscheinlich kommt mein Interesse an der Lehrtätigkeit auch aus der Familie.

Als Notenschreiber begann auch Ihr Kontakt mit Stockhausen … Eötvös: 1965 konnte ich zum ersten Mal selbst nach Darmstadt fahren, mit einem Stipendium für zwei Wochen. Ein halbes Jahr später, 1966 begann ich schon mein Studium in Köln. Etwa im April lernte ich Stockhausen kennen. Er hatte einen Kopisten gesucht, ich wurde dieser Kopist und dadurch bekamen wir regelmäßigen Kontakt. Ich konnte alles sehr schön mit der Hand schreiben. Das waren nicht nur Noten, sondern eine spezielle Notation von elektronischer Musik mit sehr viel grafischer Arbeit und mit der Hand geschriebenen Texten, sehr kleine Buchstaben, Perlenbuchstaben … Wie war Stockhausen? Eötvös: Oh, das war ein ungeheurer Eindruck. Er war sehr freundlich, damals etwas über 40, eine Art popstarartige Erscheinung, mit sehr scharfem Willen und spürbar großer Intelligenz, sehr bestimmt, er wusste haargenau, was er wollte, und nur das, was er wollte. Sehr hilfsbereit. Er wusste, dass ich komponiere, und war überrascht, dass ich so gut über ihn und seine Musik informiert war. „Woher weißt du das alles?“ Ich hatte das alles gesammelt. Nicht nur über ihn. Auch über Pierre Boulez wusste ich einiges, dessen MallarméImprovisationen habe ich damals selbst abgeschrieben, wir konnten keine Noten bekommen, aber in der Bibliothek gab es ein Exemplar. Kopierer gab es Anfang der 60erJahre noch nicht. Ist es wichtig, die Noten selber abzuschreiben? Eötvös: Ja. Wie die Mönche! Da sitzt man ja Stunden …

Eötvös: Ja, aber das ist doch eine wunder-

bare Arbeit. Schade, dass man das heute nicht mehr so macht. Ich sehe nur die Vorteile unserer damaligen Eingeschlossenheit. Ich möchte nicht missverstanden werden, es geht nicht unbedingt darum, dass wir begrenzt sein sollten. Aber diese Begrenzung war damals gut. Es hat sich viel mehr Kraft

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entwickelt, etwas wissen zu wollen. Gerade die Systemgrenze hatte Vorteile. Das haben wir besonders nach der Wende Anfang der 90er-Jahre gespürt. Man hatte plötzlich das Gefühl, jetzt dürfen wir alles, und niemand hat etwas getan. Wenn man früher etwas wollte, hat man es sofort gemacht.

Hatten Sie damals noch eine Pianistenkarriere im Auge? Eötvös: Nein. Schon mit drei, vier Jahren fühlte ich mich als Komponist und bin es geblieben.

Mussten Sie als Kind zum Notenschreiben verführt werden? Eötvös: Nein, das kam automatisch. Das Notenschreiben ist doch die schönste Arbeit, man muss sich vorstellen, wie wunderbar diese Bewegung ist, man sitzt da und dreht und dreht den Bleistift, das ist unbeschreiblich schön.

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Ircam (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musiqu von Pierre Boulez mitbegründetes Institut zur Erforschung neuer Musik, im Pariser Centre Pompidou angesiedelt

Karlheinz Stockhausen (1928-2007) deutscher Komponist, einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts

Pierre Boulez, geb. 1925 französischer Komponist, Dirigent und Theoretiker. Neben Stockhausen und Nono berühmtester Vertreter der musikalischen Avantgarde

Wie ist die politische Situation in Ungarn heute? Eötvös: Lassen Sie mich mit dem Positiven beginnen. Die Regierung meint, dass man durch die berühmte ungarische Musikvergangenheit weiterhin im Ausland positiv erscheinen kann. So wird im Oktober endlich einmal die Liszt-Akademie in der ursprünglichen Form neu eröffnet, die man jahrelang rekonstruiert hat. Das kostet Milliarden und wurde sehr stark von der Regierung unterstützt. Es wird auch eine neue Orgel eingebaut. Wir haben außerdem den sehr gut gelungenen neuen Kulturpalast mit dem Konzerthaus. Das nicht so Positive? Eötvös: Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder steigen Sie in die offizielle Kulturunterstützung ein, dann stehen sie unter Diktat und müssen machen, wofür sie eingeschrieben sind. Aussteigen ist keine Frage. Oder sie machen etwas selbstständig, selbstfinanziert. Gott sei Dank kann ich mir das als Dirigent und Komponist leisten. Mein Freund László Gőz hat sein Budapest Music Center in diesem Jahr eröffnet, ich habe in seinem Haus ein Büro bekommen, das Eötvös-Institut sitzt jetzt in diesem Haus. Was uns beide miteinander verbindet, ist einmal das Interesse an der zeitgenössischen Musik und am Jazz, und dass wir beide das privat betreiben. Unsere Einstellung zum Kulturleben: Was man wirklich will, muss man privat machen. Einige bekannte ungarische Musiker und Künstler haben sich geweigert, derzeit in Ungarn aufzutreten, András Schiff, Adam Fischer … Eötvös: Das finde ich absolut bedauernswert. Ungarn dürfte sich das nicht leisten, den András Schiff so zu behandeln. Seine Weigerung, hier aufzutreten, ist eine Reaktion auf antisemitische Hetzte gegen ihn! Ein bekannter Publizist hat über ihn geschrieben, er als Jude hätte damals auch eingegraben werden sollen. Das hatte für den Journalisten keine Konsequenzen? Eötvös: Nein. So etwas dürfte nicht passieren. Wir sollten doch auf Schiff stolz sein. Es gibt den Filmmacher Béla Tarr, der 2011 in Berlin einen Preis für „Das Turiner Pferd“ erhielt. Der lebt heute nicht mehr hier, ihm wurde gesagt, er sei „kein Ungar“. Entschuldigung, wie bitte? Das hat der verantwortliche Herr, der dafür die Gelder ausgibt, wortwörtlich gesagt. Jetzt unterrichtet Tarr irgendwo anders. Solche Fehler darf man sich nicht erlauben! Es geht nicht nur um die jetzige Regierung, es geht um sie und um einen Teil der Bevölkerung. Wenn dieser Teil der Bevölkerung nicht unterstützen würde, was politisch geschieht, würde es für die Regierung schwieriger. Vor der Fortsetzung nächste Seite


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Fortsetzung von Seite 7

Wende gab es immer die Entschuldigung, dass wir ja von einem fremden Land unterdrückt wurden – den Türken, den Habsburgern, den Russen. Und dann kam 1990 – keine Unterdrückung mehr. Was macht man nun? Man halbiert das Land und die einen unterdrücken die anderen. Sie kommen aus Siebenbürgen, sind eigentlich Teil einer Minderheit, der ungarischen Minderheit in Rumänien? Eötvös: Das betrifft mich nicht. Ich bin dort geboren, aber ich habe nie dort gelebt. Meine Familie kam 1945 gerade an dem Tag in Dresden an, als es bombardiert wurde, sie überlebte und kehrte dann zurück nach Ungarn, seitdem lebe ich hier. 1966 ging ich dann nach Köln, um zu studieren, 1968 und 69 war ich wieder in Budapest, 1970 ging ich mit Stockhausen nach Osaka, blieb danach in Deutschland, offiziell mit Pass aus Ungarn bis in die 80er-Jahre. Dann musste ich um einen deutschen Pass ansuchen, denn ich konnte die Reise von Deutschland nach Frankreich nicht jede Woche mit dem ungarischen Pass realisieren, weil ich damals von Boulez eingeladen war, in Paris zu arbeiten. Da ich schon zehn Jahre in Deutschland war, habe ich den deutschen Pass bekommen. Also offiziell habe ich den deutschen Pass, und nach 30 Jahren Deutschland, Paris und Holland sind meine Frau und ich wieder nach Ungarn gezogen. Wie sind Sie zu Boulez gekommen? Waren Sie so gut, dass Sie überall aufgefallen sind? Eötvös: Es war eine Reihe von Ereignissen. Ab 1966 arbeitete ich mit Stockhausen zusammen. Mitte der 1970er-Jahre wurde ich als Dirigent verschiedener Rundfunkorchester aktiv. Einmal hatte der Dirigent Michael Gielen die „Hymnen“ von Stockhausen und das Oratorium „Requiem für einen jungen Dichter“ von Bernd Alois Zimmermann im Programm. Bei einer Probe sagte Herr Gielen „… das Tonband, ich höre es, aber ich kann die beiden Teile – Tonband und Orchester – nicht verbinden, ha-

Werke von Peter Eötvös bei Wien Modern: The Gliding of the Eagle in the Skies RSO Wien, Dirigent: Cornelius Meister. Konzerthaus, Großer Saal, 24.10., 19.30 zero points SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Dirigent: François-Xavier Roth Konzerthaus, Großer Saal, 4.11., 19.30 Octet Ensemble Kontrapunkte, Dirigent: Peter Keuschnig. Musik­ verein, Brahmssaal Di 5.11., 19.30 Erdenklavier _ Himmelklavier, Psy, Thunder Ensemble die reihe, Dirigent: Christian Muthspiel. Konzerthaus, Beriosaal So 10.11., 19.30 Cello Concerto Grosso RSO Wien, Dirigent: Johannes Kalitzke. Musikverein, Großer Saal Fr 15.11., 19.30 Termine Paradise Reloaded (Lilith) siehe Seite 9

ben Sie jemand, der das kann“. Ich kannte die „Hymnen“ auswendig, weil ich bei diesem Stück lange Jahre Pianist bei Stockhausen war. Nach einer Probe sagte mir Gielen sehr freundlich, ich solle das Konzert machen. In Paris dirigierten wir gemeinsam, ich das Stockhausen-Stück und er das von Zimmermann. In dem Konzert waren die verantwortlichen Leute vom IRCAM anwesend, sofort nach dem Konzert wurde ich eingeladen, das Eröffnungskonzert im IRCAM zu dirigieren. Boulez war einverstanden und saß bei der ersten Probe hinter mir. Sie können sich vorstellen, wie entspannt ich da war! Die Probe ging gut, die zweite und dritte auch – ich gewöhnte mich an den freundlichen Mann in meinem Rücken. Dann hieß es von Boulez, wir brauchen einen Musikdirektor, wenn Sie Lust haben, bitte! Das ging so einfach. Anscheinend konnte er meine Art zu proben akzeptieren. Er sagte, „in zwei Wochen haben wir ein Konzert mit ‚Le Marteau sans maître‘ und ‚Pierrot lunaire‘ … Ich wünsche Ihnen gute Arbeit“. Können Sie sich das vorstellen – in zwei Wochen! Mein Glück war, das Ensemble war neu, die hatten das auch

noch nicht gespielt. Wir haben es zusammen gelernt. Das ist das Beste. Ich muss sagen, in diesen zwei Wochen habe ich gelernt zu dirigieren. Wie haben Sie wirklich dirigieren gelernt? Eötvös: Boulez und ich lernten beide autodidaktisch. Das war, muss ich sagen, mein Glück. In der Hochschule in Köln hatte ich einen sehr netten Professor, von dem ich nur die „alte Schule“ lernte. Nach meinem Diplomkonzert habe ich lange Jahre nicht dirigiert. Als ich Mitte 70-er Jahren wieder begann, ich wollte nur „Neue Musik“ dirigieren. Ich habe dabei einfach kommuniziert, nichts „Gelerntes“ gemacht. Der Vorteil ist bei mir gewesen, dass ich diese Musik gut kenne. Ich konnte diese Musik zeigen, vermitteln. Man kann mit den Händen etwas sagen. Nicht schlagen, sondern sagen. Bruno Maderna sagte einmal einem Wiener Orchester bei einem schwierigen Stück, als auch noch eine Probe ausfiel: Kein Problem. Schauen Sie auf mich, ich kenne das Stück und gebe Ihnen jeden Einsatz …

Peter Eötvös über die Figur der Lilith: Es geht bei diesem Mythos nicht um die ist eine reine Fiktion. Es geht mir nicht um eine Version der Schöpfung, sondern um die Konstruktion eines Spannungsfelds, in dem die Darsteller Adam, Eva, Lilith, Luzifer und der unsichtbare Gott sind. Für besonders interessant halte ich die Rollen von Eva und Lilith. Sie markieren jenen Anfang, der unser heutiges Dasein – mindestens in unserem Bewusstsein – bestimmt. Es gibt über die Figur der Lilith nur Angaben in der apokryphen Literatur, die ich der „Hebräischen Mythologie“ von Robert Graves entnehme. Dieses Buch, eine Sammlung von babylonischen, jüdischen und anderen Quellen, fasst die Themen Schöpfung der Welt, Erschaffung und Geburt von Adam, Eva und Lilith zusammen. Es enthält je nach Herkunft und Zeit verschiedene Auslegungen derselben Thematik, die an verschiedenen Schneidepunkten

immer zusammentreffen. Die Bibel übernimmt einige Elemente aus diesen Quellen in einer gleichsam zensierten Reduktion. Leider kennt das Publikum meist nur die Bibel.

::  Das Libretto zu meiner Oper

Die Figur Lilith war auch für mich eine neue

Robert Graves: Hebrew Myths – die Quelle für Peter Eötvös

Erfahrung. Ich kenne sie seit der Vorbereitung von „Die Tragödie des Teufels“ mit dem Librettisten Albert Ostermaier. Da tauchte die Figur der Lilith auf. „Wer ist das denn?“ –„Die erste Frau von Adam“. Lilith ist das erste Weib, das erste geschaffene feminine Wesen nach Adam. Adam ist nicht der erste Mensch, sagt das Buch, sondern der erste künstlich erschaffene Mensch. Die Erde war schon bevölkert. Lilith ist die erste auf der gleichen Ebene wie Adam erschaffene menschliche Person, ausgestattet mit denselben Rechten wie Adam. Das hätte sie sein sol-

len. Und das ist das Grundproblem aller Emanzipationsbewegungen. Wieso wurde sie nicht gleichberechtigt? Meine „Version“: Adam wurde als Gesprächspartner von Gott, als Repräsentant der Erde geschaffen. Gott gibt Adam die Sprache, damit sie miteinander kommunizieren können. Diese Kommunikation war Adam vorbehalten, und Lilith wurde nur auf Wunsch von Adam geschaffen: So behandle ich diese Geschichte. Dazu kam, dass man den Namen Gottes nicht aussprechen durfte. Lilith tat es trotzdem, wurde verbannt, wurde zur Mutter von Dämonen. Sie musste, so steht es im Buch, in ihrer Verbannung täglich hundert Kinder gebären und alle hundert töten. Ich wusste früher nicht, dass die Mutter der Dämonenkönige (Belial, Azazel, Akabor...) die in meiner Oper „Love and Other Demons“ vorkommen, Lilith ist.


W i e n M o d e r n 1 3    Peter Eötvös: Der Dirigent soll nicht schlagen, er soll mit den Händen etwas sagen

Zur Person

Eötvös: So war ich auch. Etwas mit den

Fotos: Klaus Rudolph

Händen sagen, nicht verbal. Bei den Proben wird so wenig wie möglich gesprochen. In den 70er-Jahren war die Einstellung der Musiker gegenüber Neuer Musik nicht eindeutig positiv. Sie haben es halt gemacht. Die Rundfunkredakteure waren damals sehr progressiv und setzten Aufnahmen, Produktionen zeitgenössischer Werke auf ihr Programm. In den 80er-Jahren kam ich mit Stockhausen an die Scala nach Mailand, wo wir seine erste Oper uraufgeführt haben. Ich war auch in Covent Garden. Ziemlich früh in meiner Pariser Zeit schickte mich Boulez nach London zur BBC, dort war ich drei Jahre lang erster Gastdirigent. Sie haben als Komponist sehr viele Facetten, von Elektronik und Raumklängen bis zur traditionellen Instrumentalbesetzung. Auffällig ist Ihre immer wiederkehrende Beschäftigung mit Bühnendramatik und Musiktheater. Eötvös: Als ich 16 Jahre war, war ich Pianist und konnte gut improvisieren. An der Filmakademie wusste man das. Ich solle kommen, sie hätten ein paar Diplomfilme, ob

ich mal schnell dazu etwas improvisieren könne. Sie zeigten mir einen Film, ich sagte, am Klavier mag ich das nicht, habt ihr eine Hammondorgel? Habe mir den Film einmal angeschaut, beim zweiten Mal gespielt, Aufnahme, in einer halben Stunde waren wir fertig. Ich fand das toll, es war meine erste Begegnung mit der Welt außerhalb der Hochschule. Ich war noch auf dem Gymnasium: Vormittag Gymnasium, nachmittags auf der Hochschule und abends im Filmstudio. Von den Filmaufnahmen behielt ich mein technisches Interesse. Vom Klang her habe ich schon Fünfkanal-Filmmusik komponiert, stellen Sie sich vor, vor 50 Jahren, 1963. In Budapest gab es nur ein Kino, das das abspielen konnte. Produzieren konnte man das nur in Prag, weil es fünf Tonspuren sein mussten. Es war meine Aufgabe, die fünf Tonspuren einzeln zu produzieren, ich konnte sie vor der Aufführung nie zusammen hören, also musste ich alles im Kopf zusammensetzen. Das war die eine Seite, die andere war das Theater. Ich kam sehr schnell als Komponist zu den besten Theatern in Budapest, dort waren Schauspieler mit großen Na-

Peter Eötvös, geboren 1944, im Alter von 14 Jahren von Zoltán Kodály an der Musikakademie Budapest aufgenommen. Studierte dort 1958 bis 1965. 1968 bis 1976 Zusammenarbeit mit dem Ensemble von Karlheinz Stockhausen an. Von 1971 bis 1979 Mitarbeiter am Studio für Elektronische Musik des WDR in Köln. 1978 bis 1991 musikalischer Leiter des von Pierre Boulez gegündeten Ensemble intercontemporain, 1985-88 erster Gastdirigent des BBCSymphony-Orchestra, seit 2003 erster Gastdirigent des Götbeurger Symphonieorchesters. Lehrte an diversen Unis, schrieb bis dato zehn Opern und zahlreiche Instrumentalwerke.

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men tätig, denen ich bei der Probenarbeit zuschauen konnte. Jede Produktion nahm etwa zwei Monate in Anspruch, da wurde ich von Anfang an mit eingebunden, es wurde mir gesagt, wo ich spielen sollte. Diese Arbeit steht bis heute in direkter Verbindung zu der an meinen Opern. Soweit es geht, mache ich das Libretto selbst zusammen mit meiner Frau Mari Mezei, die nichts unmittelbar mit Literatur zu tun hat, aber eine ungeheuer scharfe natürliche Logik besitzt. Wenn sie sagt, das ist logisch, das kannst du machen, dann mach ich das. Als ich durch einen Zufall in den 80er-Jahren von Kent Nagano den ersten Opernauftrag erhalten habe, hatte ich keine Ahnung, wie ich das machen würde. Ich habe fast zehn Jahre gebraucht, um mit den „Drei Schwestern“ dann in Lyon herauszukommen. Danach ging das plötzlich. Dann kamen sehr schnell andere Opern mit einem völlig anderen Klangpanorama … Man erkennt beim ersten Hören vielleicht nicht einmal, dass „Drei Schwestern“, „Le Balcon“ und „Angels in America“ von einund demselben Komponisten sind. Eötvös: Das sind nicht Stücke von Eötvös, das sind Stücke von den Stücken. Jedes hat seine eigene Welt. Das war auch früher so. Wenn Sie die „Zauberflöte“ mit dem „Don Giovanni“ vergleichen, könnte man auch meinen, das sei nicht derselbe Komponist. Erst heute mischt sich das zusammen. Auch jede Puccini-Oper ist anders. Sie sagten einmal, Sie gehörten keinem „Lager“ an, auch nicht dem von Stockhausen oder von Boulez, Sie machten Ihre eigene Musik. Bildet sich nicht so etwas wie ein Eötvös-Stil heraus, sodass man in hundert Jahren sagen wird, „typisch Eötvös“? Eötvös: Ich würde eher von einer Auffassung sprechen. Ich bin jetzt bei der meiner achten, neunten Oper. Meine Opern sind alle Spielopern, musikalische Theaterstücke, Aktionsstücke mit einer Geschichte, mit Konflikten, wo es Dialoge gibt, wo die gesungenen Texte auch so komponiert sind, dass man sie versteht, so wie im Theater. F

Religion, es geht allein um die gesellschaftliche Frage der Emanzipation Soweit die Vorgeschichte. Die Geschichte beginne ich so: Lilith hat genug von ihrem Dämonenmuttersein und möchte zu ihrer menschlichen Gestalt zurückkehren, möchte ein Kind haben und eine Zukunft aufbauen. Der einzige Mann ist Adam. Als sie zurückkommt, steht Eva da. Eva wurde inzwischen erschaffen, was den ersten Konflikt ergibt, jenen zwischen den beiden Frauen, Eva und Lilith. Aber Lilith ist eine erschaffene Frau, Eva ein künstlich erzeugter Klon von Adam. Der riesige Unterschied (und da beginnt das Theater): Lilith ist selbständig, Eva unselbständig, als Anhängsel immer schutzbedürftig, Eva braucht immer Hilfe und Unterstützung von Adam, von Gott und manchmal sogar von Luzifer. Eine andere Konfliktebene besteht zwischen Luzifer und Gott. In unserer Geschichte landet Luzifer auf der Erde mit der Absicht, ihr König zu werden.

Das schafft er nicht, und am Ende kehrt er zu Gott zurück. Dieser Konflikt ist äußerst interessant, er zeigt PARADISE eine völlig andere Auffassung als jene der RELOADED (Lilith) Bibel: Die Erschaffung der Welt ist nicht Einführungsgespräche das Werk eines Gottes. Ein Element allein mit Peter Eötvös ergäbe keine Bewegung, es braucht dazu und Walter Kobera: immer zwei Elemente. Die Welt wurde von 25.10, 29.10., 31.10. Gott und Luzifer erschaffen. Der Konflikt 1.11., jeweils 18.45 zwischen Luzifer und Gott ist so ein Mo- im Museumsquartier mente-Konflikt. Ohne beide würde die Welt Halle E

nicht weiterlaufen. Mein Luzifer ist kein Mephisto, kein Beelzebub, er hat nichts mit der Hölle zu tun. Er ist ein Antigott, der andere Gott, der das Licht gebracht hat. Lilith trifft gleich am Anfang auf Luzifer und erfährt, dass Luzifer einen Konflikt mit Gott hat. Lilith möchte von Adam ein Kind. Sie verabreden, Adam als Mittel zu gebrauchen. Würde Luzifer es schaffen, Adam Gott ge-

Aufführungen am 25.10. , 29.10., 31.10., 1.11. jeweils 19.30 im Museumsquartier Halle E Koproduktion mit Neue Oper Wien

genüber auf seine Seite zu ziehen, hätte er gegen Gott gewonnen. Jetzt steht Adam im Mittelpunkt eines doppelten Konflikts, da er auch zwischen Lilith und Eva steht. Am Schluss bekommt Lilith ein Kind von Adam ohne dessen Wissen. Beide, Lilith und Eva sagen beide zu Adam: „Ich habe ein Kind von dir“. Lilith fordert: „Töte Eva!“, Adam lehnt ab und will Selbstmord begehen. Eva ruft: „Töte dich nicht, ich habe dein Kind.“ Sie beschließen, ein zweites Mal zu fliehen. Ein zweites Mal „Lost Paradise“. Adam als Repräsentant der Menschheit nimmt Eva mit, denn nur so kann er unabhängig sein. Mit Lilith hätte er auf Dauer nicht überlebt. Letztes Fragezeichen: Wessen Generation sind wir? Ich würde sagen, von beiden. Beider Kinder sind geboren worden. Aber es geht in meiner Geschichte nicht um theologische Fragen, sondern um gesellschaftliche. F


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Das ensemble mosaik durchstöbert im Semperdepot tanzbare Klubkultur

Wien Modern bewegt finden Sie zahlreiche Veranstaltungen zum Schwerpunkt Tanz. Hinweisen möchten wir Sie weiters auf folgende Veranstaltungen: ::  Auf den folgenden Seiten

Synthetics Das ensemble mosaik stöbert in tanzbarerer Klubkultur und präsentiert ausgewählte Crossover-Kompositionen, die Elemente der E- und U-Musik miteinander vereinen. Einflüsse aus Free Jazz, New Wave, Popmusik, Hardcore oder Rockmusik stehen neben technischen Möglichkeiten von Computermusik. Es spielen das ensemble mosaik, Marino Pliakas (E-Bass), Wolfgang Mitterer (Live-Elektronik) Daniel Plewe (Klangregie) und Enno Poppe (Dirigent) Semperdepot 2.11., 19.30

Nur tanzende Hörer sind gute

Jukebox

wien modern bittet zum Tanz, und das RSO räumt das Parterre des Großen

Casino Baumgarten 8.11., 19.30,

Das Symposion Wien Modern Das Symposion findet heuer zum 25. Mal statt und steht unter dem Motto „Beweglichkeit – Körperlichkeit – Sinnlichkeit“. Es beleuchtet die vielen mit Bewegung, Gestik, Ballett und Tanz arbeitenden Konzepte der Neuen Musik, aber auch die sich ständig „in Bewegung“ befindliche stilistische Landschaft der zeitgenössischen Musikszene. Auf dem Programm stehen etwa Vorträge über Peter Eötvös, Luigi Nono, „,Sinnlichkeit‘ und neue Musik“ und die Frage „Was, bitte, ist ,tanzbare Klubkultur‘?“ Universität für Musik und Darstellende Kunst, 4. und 5.11. ab 10:00 Uhr

von Wien Modern beschreibt Wolfgang Kralicek auf Seite 16 Die szenischen Tanzprojekte

Die Klubkonzerte schildert Heinz Rögl auf

Seite 18.

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a u ffor d e r u n g : H e i n z R ö g l

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rstmals hat Wien Modern einen Tanzschwerpunkt, und der hat viele Facetten (siehe Kasten). Einen Höhepunkt bildet ein Tanzabend im Konzerthaus. Wien Modern hat die Idee dazu gemeinsam mit dem Orchester ausgeheckt und die Initiative gesetzt, zeitgenössische Komponisten mit Tanzmusik zu beauftragen. In Christian Scheib, dem Intendanten des RSO, fand Wien Modern einen begeisterten Partner. Scheib, früher Musikchef bei Ö1, wo er mit Elke Tschaikner zusammen immer noch die Samstagmittagssendung „Ö1 bis zwei – le week end“ gestaltet, was den beiden senderintern den Spitznamen „Chefpartie“ eingebracht hat, ist seit vier Jahren Intendant des ORF Radio-Symphonieorchesters (RSO) Wien. Damals war die Extremkrise des Orchesters, dessen Weiterbestand gefährdet war, auf ihrem Höhepunkt. Als Scheib Orchesterchef wurde, hätten ihm „die Kollegen bemitleidend auf die Schulter geklopft, auch weil manche glaubten, jetzt könne ich das Orchester sozusagen ‚abwickeln‘“, erzählt er. Statt abzuwickeln, erteilte Scheib anlässlich des 40. Geburtstags des Radio-Symphonieorchesters Aufträge an fast alle österreichischen Komponisten für „Orchesterminiaturen“.

RSO Wien Modern tanzt – Tanzmusik für Fortgeschrittene 7.11., 20.30 Uhr, Großer Konzerthaussaal

Sie wurden ein großer Erfolg. Das Bewusstsein, was die Öffentlichkeit am ORF-Orchester hat, ist seither erheblich gewachsen. Die CD „Mein RSO“ mit sehr guten, teils schon „historischen“ Aufnahmen auch aus den ersten Jahren nach seiner Gründung trug dazu bei. Die Beziehung zwischen Wien Modern und dem RSO Wien besteht seit Anfang des Festivals, das RSO gibt meist drei wichtige Konzerte. Heuer bestreitet das Orchester das Eröffnungskonzert mit Luigi Nonos „Il canto sospeso“, mit einem Violinkonzert von Sciarrino und mit „The Gliding of the Eagle in the Skies“ des Wien-Modern-Schwerpunktkomponisten Peter Eötvös. Auch das Finalkonzert unter Johannes Kalitzke präsentiert Eötvös mit seinem Cello Concerto grosso und Stücken von Bernd Richard Deutsch und Johannes Maria Staud. „Es ist für uns wichtig, bei Wien Modern auch ‚Historisches‘ zu spielen“, erklärt Scheib, „wie im Vorjahr Bruno Madernas Schlagzeugkonzert und das ‚Requiem‘ für Maderna von Pierre Boulez, die Cage Quartets …“ Auch das Nono-Programm bei der Eröffnung müsse man vor diesem Hintergrund sehen. Das Schwierigste bei „Canto sospeso“ war, für die äußerst schwierige Chorpartien einen Chor zu finden (es wurde der Wiener Kammerchor).

F o t o s : D i s t r u k t u r , I s t o c k p h o t o , R o s a F r a n k , A r t u r o F u e n t e s , J o h a n n e s If k o v i t s

Das Groschengrab der Gegenwart wird hier formal genommen. Lange vor sms und Youtube formatierte die Jukebox die Möglichkeit Musik in komprimierter Form zu hören und zu spielen. Inspirierte dadurch und von Popkultur, Rock und Jazz, kreiert das Ensemble Nikel einen neuen formalen und inhaltlichen Quartettbegriff. Das ensemble nikel spielt Werke von Aperghis, Gadenstätter, Dufour, Prins und anderen


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Hörer

Fotos: Georg Lemberg, Cl ar a Zal an, Manu Theobald, Privat (2), K atja Mayer

Christian Scheib, was wird das denn werden? „ Ich habe versucht, immer wieder Projekte des RSO zu erfinden, die nicht dem Typus entsprechen, für den man das Orchester zu kennen glaubt. Das Orchester liebt solche seltsamen Dinge. Wir haben ja schon einmal in Kooperation mit Paul Weninger und anderen Choreografen einen getanzten Abend mit den ‚Orchester-Miniaturen‘ veranstaltet, man denkt auch nicht als Erstes daran, dass wir mit FM4 und einer Band aus Kalifornien etwas unternahmen. Wir hatten einmal schon die verrückte Idee geboren, so etwas wie einen RSOBall zu machen, aber wir haben mit unseren Ressourcen nicht die Mittel, einen Ball zu organisieren. Als Matthias Lošek sagte, er hätte gern einen Schwerpunkt Tanz, sagte ich ihm, da machen wir jetzt Ernst. Wir machen nicht nur irgendeine Reflexion über Tanz und auch nicht vorgeführten Tanz einer Tanzgruppe, sondern wir machen sozusagen eine Hommage an das, was ein Ball ist. Wir tun auch nicht so, als ob es nicht die Wiener Erwartungshaltung dazu gäbe. Im Parterre des Großen Saals wird es keine Sessel geben, höchstens ein paar Tische, bei denen man stehen kann. Man kann herumgehen, man soll tanzen. Vor der Bühne wird eine Tanzfläche sein. An die Kom-

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Von oben: Cornelius Meister, der Dirigent des RSO, und die Komponisten der Tanznacht (nicht im Bild: Johann Strauß): Arturo Fuentes, Johanna Doderer, Gerald Resch, Franz Hautzinger, Zeynep Gedizlioğlu, Gerhard E. Winkler, Patrick Pulsinger, Reinhard Fuchs

Konzerthaus-Saals aus „Wien Modern bittet zum Tanz“

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ponisten haben wir geschrieben: Nur, wenn das Publikum als tanzendes auf der Tanzfläche bleibt, ist das Stück gut.“ Hier wird das „Betriebsgeheimnis“ gelüftet, wie es als schriftliche Aufforderung in den Aufträgen an die Komponisten erging: „Tanzmusik. Also wirklich Musik zum Tanzen. Komponiert von zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten für das RSO Wien und Wien Modern. Mit dem Publikum auf dem Tanzparkett statt in Sesselreihen. Das ist die Herausforderung dieses Abends für das Publikum, für das Orchester und für die Komponist/-innen. Tanzmusik für Fortgeschrittene, aufbereitet im tanzbaren Format von plus/minus drei Minuten, am Abend dramaturgisch fein durchmischt mit manch orchestraler Preziose aus der Tanzhistorie.“

„Alles Walzer!“ Die Prämisse aller folgenden Uraufführungen: Das Parkett bleibt gefüllt. Nur tanzende Hörer sind gute Hörer. Vor Beginn des Tanzens, den die Sektkellerei Szigeti mit einem Glas Sekt für alle Gäste zur Eröffnung sponsert, spielt das RSO zum „Aufwärmen“ eine Hommage an die Wiener Tradition, nämlich die „Straussiana“ von Erich Wolfgang Korngold. Anfangen wird es dann wahrscheinlich mit einem Stück von Johan-

na Doderer, das den simplen Titel „Ein Walzer“ trägt. Damit klar wird: „Bühne frei, alles Walzer!“. Bei der Auswahl der Komponisten ging es um eine heterogene Mischung „zwischen denen, die wir auch sonst in den Konzerten spielen“, und Leuten wie Franz Hautzinger oder Hannes Löschel. Diese Uraufführungen werden im Laufe des Abends unter Stücke von Kurt Schwertsik, HK Gruber und Friedrich Cerha gemischt, von Schwertsik gibt es eine ganze Menge, etwa eine „Wien 1848“-Polka-Reminiszenz, von Cerha einen Galopp plus dessen „Kleine Pizzicato-Polka“. Wolfgang Rihm hat einen Sehnsuchtswalzer geschrieben, und HK Gruber steuert von jenseits des Atlantiks einen „Manhattan Broadcasts“-Foxtrott bei. Neben dem Walzer von Johanna Doderer liefert Reinhard Fuchs einen „wake-up call“, Gerald Resch eine Bossa Nova, Gerhard Winkler eine Polka, auf einen Mambo von Arturo Fuentes folgt ein „Tango für Orchester“ von Astor Piazzolla. Nicht zu vergessen eine neue „Monadologie XXIII“ von Bernhard Lang, Beiträge von Franz Hautzinger und Patrick Pulsinger, „Moderne Zeiten à la Charlie Chaplin“ von Hannes Löschel, es bleiben als Zugaben natürlich auch Johann Strauß’ Donauwalzer und dessen „Delirienwalzer“.  F


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Veranstaltungen Alte Schmiede I Gina Mattiello (Konzeption, Stimme), Maruta Staravoitava (Konzeption, Flöte, Bassflöte, Reinhold Schinwald (Klangregie)+- Werke von Beat Furrer (auf tönernen füssen), Reinhold Schinwald (nICHt, UA), Brian Ferneyhough (Mnemosyne), Olga Neuwirth (Spleen II), Elisabeth Harnik (Solo for Gertrude), Christoph Herndler (hm_mh, UA), Roman Haubenstock-Ramati (Morendo – double/echo) (Bearbeitung Bernhard Lang). Alte Schmiede, Sa 26.10., 16.30 Alte Schmiede II Ensemble Wiener Collage, Semier Insayif (Stimme) Dietmar Hellmich (Kammermusik Nr. 12), Martin Kapeller (Siebenhundertundzweiundsechzig Rosenknospen UA), Charris Efthimiou (Andato al Commando), Violeta Dinescu (Rugá), Norbert Sterk (bidŪn qarār, UA), Tanja Brüggemann-Stepien (Min Deern UA). Alte Schmiede, Sa 2.11., 16.30 Alte Schmiede III: Mivos Quartet Olivia De Prato, Joshua Modney (Violine), Victor Lowrie (Viola), Mariel Roberts (Violoncello) Auf dem Programm des New Yorker Quartetts stehen ein Auftragswerk von Mark Barden (Nocturne UA), ein Schlüsselwerk von Helmut Lachenmann (Streichquartett Nr. 3 „Grido“) und „Pèlerinage Fantastique“ von Ansgar Beste. Alte Schmiede, Sa 9.11., 16.30 Arditti Quartet I Arditti Quartet: Irvine Arditti (Violine), Ashot Sarkissjan (Violine), Ralf Ehlers (Viola), Lucas Fels (Violoncello); Sarah Maria Sun (Sopran) Bernhard Gander: khul, Zeynep Gedizlioğlu: Wenn Du mich hörst, klopf zweimal, Rebecca Saunders: Fletch, Luigi Nono: Fragmente – Stille, An Diotima für Streichquartett (1979–1980). Nonos wichtigstes Werk der vergangenen Jahrzehnte. Zuvor Ganders Comicfigur Hulk, Gedizlioğlus Komposition mit Einsatz der Stimme, und die Saunders-Flugkurve eines Pfeils. Konzerthaus, Mozart-Saal, So 27.10., 19.30 Arditti Quartet II Sarah Maria Sun (Sopran) Luke Bedford: Wonderful Four-Headed Nightingale (Auftragswerk von Wien Modern, UA), Benedict Mason; Streichquartett Nr. 2, Kristian Ireland: clearing (UA), John Zorn: Pandora’s Box (UA). Heute werden angloamerikanische Streichquartettkompositionen gespielt. Konzerthaus, Mozart-Saal, Mo 28.10., 19.30 Camerata Silesia Katowice Anna Szostak, Volodymyr Andrushchak, Wojciech Myrczek (Bariton) Im Konzert im Rahmen der World New Music Days bietet das 1990 gegründete polnische Vokalensemble zeitgenössische Chormusik von Benedikt Burghardt, Paweł Szymański, William Rowe, Yasunoshin Morita, Tapio Nevanlinna, Stefan Thorsson, Ryszard Gabryś. Urania, Mittlerer Saal, Mi 13.11., 17.00 Democracy (work in progress) Tanzprojekt von Maud Le Pladec (Choreografie, Konzept), Musik: Julia Wolfe und Francesco Filidei, K: Alexandra Bertaut, Licht: Sylvie Mélis, D: Gallée-Ferré, Garcia, Giffard, Silva, Tanguy; Ensemble Tactus Die musikalisch-szenische Suche nach Demokratie und Gerechtigkeit ist getragen von der Überzeugung, dass ziviler Widerstand gegen die Mächtigen als Ausdruck demokratischer Erfahrung unverzichtbar ist. Eine Produktion für das Festival Mettre en Scene (Premiere im November 2013), in Koproduktion mit Wien Modern und dem Tanzquartier Wien, mit Unterstützung von modul-dance. Tanzquartier Wien, Halle G, Mi 30.10., 20.30, Do 31.10., 20.30 DINGEN Eine Produktion von Kabinett ad Co. in Koproduktion mit Wien Modern und dem Tanzquartier

Wien. Ch. und R: Paul Wenninger, D: Maia, Michon, Instrumentenbau: Peter Jakober, Walter Krenmayr Peter Jakober: DINGEN (2013, UA). In einer Laborsituation erforschen die Akteure ein Chordophon, das vom Komponisten Peter Jakober und dem Choreografen Paul Wenninger entwickelt wurde. Die Interpretation der Komposition beeinflusst dabei die Performance, die Gegebenheiten des Instruments die Komposition, die Choreographie das akustische Geschehen: Eine Auseinandersetzung verschiedener Medien am und durch den Körper. Tanzquartier Wien, Studios, Fr 1.11., 21.30, Sa 2.11., 21.30, So 3.11., 19.30 die reihe, Christian Muthspiel Auf- und abwärts des Stromes Werke von Komponistinnen und Komponisten aus dem Donauraum (Österreich, Rumänien und Bulgarien): Dragomir Yossifov (... Phrase/Face/Phase ...), Elisabeth Harnik (re-framing I), Violeta Dinescu (Lugar para uma pedra mole), Simeon Pironkoff (skin. double), Joanna Wozny (stairs). Palais Kabelwerk, Studio, Do 14.11., 17.00 Ensemble Kontrapunkte, Peter Keuschnig Martin Winkler (Bariton), Walter Voglmayr (Posaune) Eine Reise durch die zeitgenössische Kammermusik von heute bis hinein ins Italien des 20. Jahrhunderts: Thomas Heinisch (L’oeil du silence), Gerald Resch (Antipoden, UA), Bernd Richard Deutsch (Gelassenheit), Peter Eötvös (Octet), Luigi Nono (Polifonica – Monodia – Ritmica), Luigi Dallapiccola (Preghiere für Bariton und Kammerorchester auf Texte von Murilo Mendes), Bruno Maderna (Giardino religioso). Musikverein, Brahms-Saal, Di 5.11., 19.30 Ensemble Phace Im Konzert im Rahmen der World New Music Days spielt PHACE Neues vom Solo- zum Ensemblewerk von Germán Toro-Pérez (Ordo), Dániel Péter Biró (Kivrot HaTa’avah / (Gräber der Begierde)), Simon Christensen (Towards Nothingness), Yuan Guo (The Acoustics of Trills II), Peter McNamara (Distorted Waters), Bernhard Gander (schlechtecharakterstücke). Konzerthaus, Berio-Saal, Mo 11.11., 17.00 Ensemble Platypus, Jaime Wolfson Veranstaltet von World New Music Days 2013 versucht das Ensemble, musikalisch-globale Vernetzung zu erreichen, und spielt neue Stücke von Carlo Alessandro Landini, Avner Finberg, Ji-Hyang Kim, Ansgar Beste, José M. SánchezVerdú, Marcel Reuter, Julia Purgina. Konzerthaus, Schubert-Saal, Di 12.11., 17.00 ensemble reconsil, Roland Freisitzer Auch an diesem Abend im Rahmen der World New Music Days sind Werke einer weitgehend noch unbekannten jüngeren internat. Komponistengeneration zu hören. Ihre Namen: Aaron Helgeson, Anna Pidgorna, Sang Song, Christina Athinodorou, Silvia Borzelli, Neville Hall, Marcus Karl Maroney, Roberto David Rusconi. Konzerthaus, Berio-Saal, Mo 11.11., 19.30 Eröffnungskonzert Wien Modern ORF Radio-Symphonieorchester Wien Orchester, D: Cornelius Meister, Wiener Kammerchor, Claudia Barainsky (Sopran), Hubert Mayer (Tenor), Sonja Leutwyler (Alt), Carolin Widmann (Violine), Gerti Drassl, Christian Dolezal (Sprecher), Michael Grohotolsky (Choreinstudierung) Peter Eötvös: The Gliding of the Eagle in the Skies (2011), Salvatore Sciarrino: Giorno velato presso il lago nero (2013), Luigi Nono: Il canto sospeso (1955–1956). Konzerthaus, Großer Saal, Do 24.10., 19.30 European Bridges Ensemble Internet Performance (ein World New Music Days Konzert, das gleichzeitig in Wien und Bratislava stattfindet und via Internet

Ernst Kovacic

Luke Bedford

in beide Städte übertragen wird) Ivana Ognjanović: Lonesome Skyscraper (UA), Kai Niggemann: From the Distance there is Harmony (UA), Adám Siska: 2’45” (UA), Johannes Kretz: mining (UA), Andrea Szigetvári: Shadowplace (UA), Georg Hajdu: MindTrip Reloaded (UA). Porgy & Bess, Mo 11.11., 22.30 FAMA Hörtheater von Beat Furrer für ein Klanggebäude, großes Ensemble, acht Stimmen und eine Schauspielerin (2005). Klangforum Wien, Vokalensemble NOVA, D: Beat Furrer, Isabelle Menke (Sprecherin), Eva Furrer (Kontrabassflöte), Olivier Vivarès, Bernhard Zachhuber (Bassklarinette) Ein Jubiläumskonzert der Ernst von Siemens-Musikstiftung ermöglicht die konzertantehalbszenische Aufführung des berühmt gewordenen Raumtheaters Furrers. Inspiriert hat Beat Furrer die Idee eines Ortes, in dem alle Geschehnisse und Klänge der Welt aufeinander treffen, Ovids „Haus der Fama“. Innen und außen, fern und nah lässt sich, vereint mit dem Instrumentalklang, eine menschliche Stimme vernehmen: ein Schrei, ein verzweifeltes Geflüster oder ein atemloses Gestammel eines vom Schicksal gepeinigten Menschen. Konzerthaus, Großer Saal, So 3.11., 19.30 Gates / Klanginstallationen Im Rahmen der World New Music Days 2013 der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik werden im Zeitraum von vier Tagen unterschiedliche Klanginstallationen im Museumsquartier Wien aufgestellt. Georg Nussbaumer: Walküren, reitend, Lars Kristian Røed: Feedbox, Tetsuya Umeda: Project A. Museumsquartier, Mo 11.11., 14.00, Di 12.11., 14.00, Mi 13.11., 14.00, Do 14.11., 14.00 Gates / Kurzopern (I) Ensemble Platypus, D: Descamps R u. Text: Tornquist, B: Jakob Scheid K: Kuscher S: Dlouhy, Habermann, Klein, Leutgeb, Guberov (II) PHACE, D: Pironkoff, R: Pawlik, B: Michlits, K: Scheidl S: Amano, Habermann, Schweinester Kurz wird der Kurzopern-Abend jedenfalls nicht, bei insgesamt vier „Operellen“ über Gastgeber und Gäste und vier weitere Musiktheater-Werke über soziale Durchlässigkeit. Zu sehen und hören wird der erste Teil in der Regie der bewährten Operellen-Regisseurin Kristine Tornquist sein, der zweite in der von Peter Pawlik, auch gute Sängernamen wie Johann Leutgeb oder Paul Schweinester, Theresa Dlouhy und Ingrid Habermann sind aufgeboten. Das Programm: Mirela Ivicevic: Karussell (Libretto: Radek Knapp), Jaime Wolfson: Axi (Libretto: Antonio Fian), Fernando Riederer: Inventur (Libretto: Brigitta Falkner), Bernhard Lang: Monadologie XXIV ... The Stoned Guest; Teil 2 „Gates – Zwischen?Raum“. Jörg Ulrich Krah: Seelentore (Libretto: Susanne Felicitas Wolf), Tamara Friebel: Wärme, ich bin wieder ganz (Video: Nathalie Latham), Oliver Weber: Gate as my asshole (Libretto: Nurkan Erpulat), Jorge Sánchez-Chiong: BILL (Spezial: Thomas Jelinek). Palais Kabelwerk, Saal 1, Do 14.11., 19.30, Fr 15.11., 19.30, Sa 16.11., 19.30, So 17.11., 19.30 Jukebox Ensemble Nikel; Saxofon und E-Gitarre, daneben Schlagzeug und Elektronik kennt man aus dem Bereich der Populärkultur, des Jazz, dem Rock und der Tanzmusik, doch haben sie längst auch in der Neuen Musik reiche Verwendung gefunden – wie das Ensemble an aktuellen Beispielen zu hören bringt: Stefan Prins (Neues Werk #1 & #2, UA), Georges Aperghis (Conversation XX, P.S.), Hugues Dufourt (L’ile sonnante), Raphaël Cendo (Faction), Clemens Gadenstätter (SAD SONGS), Chaya Czernowin (Sahaf). Casino Baumgarten, Fr 8.11., 19.30

Gina Mattiello

Das Kind der Seehundfrau von Sophie Kassies und Jesse Broekman (Musik). Koproduktion makemake produktionen, Dschungel Wien und Wien Modern R: Ostertag B: Neudeck, Schlechter, Kellner M: Poprzan, Osojnik, Riahi D: Rohrbach, Dietersdorfer, Hauf. Ab 8 Jahren Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion vom Vorjahr. Umhüllt von einem flirrenden Klangteppich aus Liedern, Sprechgesängen, Soundelementen und einer knarrenden Eisscholle wird eine Geschichte aus dem hohen Norden über Liebe, Verlust und Identitätskonstruktionen erzählt. Eine Szenerie über das Kindsein, Beziehungen und die zerstörerische und leidenschaftliche Kraft der Sinnlichkeit für Klein und Groß. Dschungel Wien, Saal 1, Sa 2.11., 16.30, So 3.11., 16.30, Mo 4.11., 10.30, 16.30 Klangforum Wien, Emilio Pomárico Georges Aperghis: Situations / Une convivialité musicale für 24 Musiker und Musikerinnen (2013). Das musikalische Material, das zwischen Solos, Duos, Trios, Teilen des Ensembles, dem ganzen Ensemble sowie gesprochenem und gesungenem Text zirkuliert, wird von jedem einzelnen Musiker auf individuelle Weise aufgegriffen. „Diese Skizzen musikalischer Porträts der Interpreten stehen nebeneinander und antworten aufeinander gleich wie in einem großen Gespräch, einem Concerto Grosso. Meine Idee war es von Anfang an, über das Individuum und seinen Platz in der ‚Gruppe’ zu arbeiten“ (Georges Aperghis). Konzerthaus, Großer Saal, Fr 1.11., 19.30 Klangforum Wien, Enno Poppe Präsentiert wrd das diesjährige Preisträgerstück des Erste Bank-Kompositionspreis von Bernd Richard Deutsch, welches mit Werken von Vladimir Gorlinsky, Tomoko Fukui und Ernstalbrecht Stiebler ergänzt wird. Es heißt: „Dr. Futurity“ Weiter zu hören ist von Deutsch „Mad Dog“ (2012), sowie Vladimir Gorlinsky (Bramputapsel #2), Tomoko Fukui (Doublet I), Ernstalbrecht Stiebler (... fast ohne bewegung ...). Im Anschluss lädt die Erste Bank zu einem „Umtrunk“ in den Berio-Saal. Konzerthaus, Mozart-Saal, Di 12.11., 19.30 Kaleidoskop I und II Ernst Kovacic (Violine), Mathilde Hoursiangou (Klavier). Eine Auswahl an Werken von Django Bates, Rainer Bischof, Friedrich Cerha, Karlheinz Essl, Reinhard Fuchs, Clemens Gadenstätter, HK Gruber, Michael Jarrell, Gerd Kühr, Nigel Osborne, Hèctor Parra, Thomas Daniel Schlee, Kurt Schwertsik, Wolfgang Suppan u.a. – alles eigens für den Geiger komponierte Werke an zwei Wien Modern-Terminen. Konzerthaus, Schubert-Saal, Fr 1.11., 18.00, So 3.11., 18.00 Lacroix / Stump / Linshalm, Low Frequency ­Orchestra / Junctions Sylvie Lacroix (Flöte), Petra Stump, Heinz-Peter Linshalm (Klarinetten); Angélica Castelló (Recorders, Devices), Matija Schellander (Kontrabass), Thomas Grill (Digital Sounds), Maja Osojnik (Recorders, Stimme), Anthea Caddy (Violoncello), Berndt Thurner (Schlagzeug) Bei dem Konzert im Rahmen der World New Music Days 2013 dominieren das Programm der drei Bläsersolisten Werke für unterschiedliche Flöten und Klarinetten, kombiniert mit Live-Elektronik, von Yu-Chung Tseng, Cheong Li, Bojana Šaljic-Podešva, Yoly Rojas. Im zweiten Teil demonstriert das Low Frequency Orchestra die Möglichkeiten der Synthese digitaler und traditioneller Klangerzeugung und spielt Musik für „chaotic bands“ von Katharina Klement, „Silently & very fast“ von Jennifer Walshe und anderes, vor allem aber auch

F o t o s : A r c h i v , E r n s t v o n S i e m e n s M u s i k s t i f t u n g / J o n a t h a n I r o n s , Ha n s K l e s t o r fe r

Wien Modern 13


W i e n M o d e r n 1 3   

F A L T E R   4 1 /1 3  

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F o to s: U n i v e r sa l E d i t i o n s/J o n at h a n I ro n s , A rc h i v, F i a m e t ta H o rvat, A rc h i v (2)

Alle Termine, Tag für Tag, vom 24. Oktober bis zum 15. November Besides #0+4) Pierluigi Billone (Blaues Fragment), Michalis Lapidakis (HOWL). Nach dem feierlichen Eröffnungskonzert lädt Wien Modern in die nächtliche, urbane Klubszene. Auslotung der Grenzen zwischen zeitgenössischer Musik und elektronischer Tanzmusik. Tanzen ist erlaubt: Grelle Forelle, Do 24.10., 23.00 Wien Modern Klubnacht II feat. Klangforum Wien, Zirkus Maximus & Tingel Tangel; Das Klangforum taucht gemeinsam mit Circus Maximus und Tingel Tangel ein in die Wanne und spielt Musik von Michalis Lapidakis (HOWL), Slobodan Kajkut (Glue Sniffer), Bernhard Gander (? nona, natürlich: fluc ’n’ flex), Simon Steen-Andersen (Next To Beside Besides #0+4), Olga Neuwirth Spleen III, Christof Dienz JUSCHROA (2013). Fluc Wanne, Di 5.11., 22.00 Wien Modern StudioNACHT I – III Tingel Tangel (Künstlerkollektiv) An drei Abenden bespielt Tingel Tangel die ehrwürdigen Räume des Cafés mit ausgesuchten Beispielen musikalischer Sammlerstücke. Ein etwas anderer nächtlicher Trubel. Aber am 7.11. geht’s natürlich spätestens um 23 Uhr in den Großen Saal des Konzerthauses zur Studionacht II. Café Heumarkt, Do 31.10., 22.00, Fr 15.11., 22.00; Konzerthaus, Großer Saal Do 7.11., 23.00

„Weiß/Weißlich“-Stücke von Peter Ablinger. Porgy & Bess, Mi 13.11., 22.30 Das Märchen vom alten Mann Nach Motiven von Hans Christian Andersen und Georg Büchner von Thomas Wally (UA) R: Cornelia Rainer (Libretto, Konzeption), D: Thomas Wally, S: Guzman (Schauspiel), Kostal (Schauspiel, Gesang), Stanek (Schauspiel, Gesang), Kofler (Schauspiel), ensemble lux (Niki TunkowitschVioline, Stefanie Prenn-Violoncello Ausgangspunkt für das Libretto waren Motive von Hans Christian Andersen und Georg Büchner. Eines Tages taucht in der perfekten Bilderbuchwelt einer jungen Familie ein alter Mann auf. Niemand weiß, wer er ist, noch, woher er kommt. Mit seiner Anwesenheit beginnen sich immer mehr seltsame Dinge zu ereignen. In einer poetischen musikalischen Reise durch die Welt der Fantasie und Wirklichkeit, wie sie sich nur Kinder ausdenken können, wird von den Träumen, Wünschen und Erinnerungen der Figuren erzählt, zugleich den existenziellen Themen von Vergänglichkeit, Verlust und Einsamkeit. Koproduktion Wien Modern, Theater Montagnes Russes (TMR), ensemble Lux, Dschungel Wien. Dschungel Wien, Saal 1, Sa 26.10., 18.00, So 27.10., 10.30, 16.30 Mo 28.10., 10.30, Di 29.10., 10.30, 14.30, Mi 30.10., 10.30, 15.00, Do 31.10., 10.30, 18.00 ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Johannes Kalitzke Sung-Won Yang (Violoncello) Das Finale Wien Modern diesmal im Großen Musikvereinssaal. Johannes Maria Staud: Maniai, Bernd Richard Deutsch: subliminal, Peter Eötvös: Cello Concerto Grosso Musikverein, Großer Saal, Fr 15.11., 19.30 Paradise Reloaded (Lilith) Oper von Peter Eötvös, D: Walter Kobéra, R: Johannes Erath, B: Katrin Connan, Licht: Norbert Chmel, Amadeus Ensemble Wien, S: Moore, Schönmüller, Stoklossa, Nelsen, Francis, Hauf, Sidak, Heinrich, Jankowitsch, Wagner Das der Neuen Oper Wien gewidmete neue Werk von Peter Eötvös beschäftigt sich mit der Figur der Lilith als frühes Beispiel einer selbstbestimmten Frau. Aufgrund ihrer Weigerung, sich Adam zu unterwerfen, ist sie es, die für dessen Vertreibung aus dem Paradies verantwortlich gemacht wird. In manchen Versionen gilt sie auch als kindermordende Dämonenmutter. Die Beziehungen zwischen ihr, Adam, Eva und Lucifer werden in der Oper beleuchtet. MuseumsQuartier, Halle E, Fr 25.10., 19.30, Di 29.10., 19.30, Do 31.10., 19.30, Fr 1.11., 19.30; Koproduktion mit Neue Oper Wien RSO Wien Modern tanzt ORF Radio-Symphonieorchester Wien Orchester. Cornelius Meister „Wien Modern bittet zum Tanz“ Im von den Sesselreihen leergeräumten Parterre des Großen Saals wird ein Tanzabend für Fortgeschrittene mit dem RSO veranstaltet. Auf dem Programm stehen neue Auftragswerke, durchmischt mit älteren Tanzstücken berühmter Komponisten: Die uraufgeführten Piècen sind (nicht nach Reihenfolge) von Franz Hautzinger (Standlicht), Gerhard E. Winkler (Pussy-(r)-Polka), Patrick Pulsinger (Motor Hands), Zeynep Gedizlioglu, Reinhard Fuchs (Wake-up-call), Gerald Resch (Bossa Nova Arabica), Arturo Fuentes (Lyrika Zyklus-Mambo), Johanna Doderer (Ein Walzer), Hannes Löschel (Moderne Zeiten), Bernhard Lang (Monadologie XXIII „... for Stanley K.“). Und anderes. Mit einem Walzer wird das Tanzparkett freigegeben, die Ouvertüre stammt von einem gewissen Erich Wolfgang Korngold. Delirien kommen auch einmal, vorher noch Cerha, HK Gruber, Schwertsik ... Konzerthaus, Großer Saal, Do 7.11., 20.30

die reihe, Christian Muthspiel Kammermusikstücke österreichischer Komponisten und von Peter Eötvös, dazu Werke von Kaija Saariaho und Judit Varga. Auf dem Programm stehen Gerd Kühr (Ohne Antwort), Kaija Saariaho (Mirrors, Oi kuu), Reinhard Fuchs (gereist in feldern durch zeit), Johannes Maria Staud (Portugal), Judit Varga (Neues Werk UA, Auftragswerk Alte Schmiede), Alexander Stankovski (Gegenbilder), Bernd Richard Deutsch (Ictus, UA), Peter Eötvös (Erdenklavier – Himmelklavier, Psy, Thunder). (1993) Konzerthaus, Berio-Saal, So 10.11., 19.30 Shirokuro Tanzkonzert von Nicole Beutler, Tomoko Mukaiyama und Jean Kalman, Mitchell-Lee van Rooij (Tanz, Co-Kreation), Ch: Beutler, B: Kalman, K: Yamamoto, Bergeon Zur Musik der 5. und 6. Klaviersonate von Galina Ustwolskaja und Robert Schumanns Sechs Studien op. 56 kreieren Nicole Beutler, Tomoko Mukaiyama und Jean Kalman eine Performance der radikalen Kontraste. Lyrik betont Kraft, Verspieltheit betont Ernsthaftigkeit und Licht betont Dunkelheit. brut im Künstlerhaus, Sa 26.10., 20.00, So 27.10., 20.00 SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg D: François-Xavier Roth Peter Eötvös: ZeroPoints, Iannis Xenakis: Alax, Philippe Manoury: Sound and Fury. Eötvös haben die ersten Takte ab Ziffer 0 in einem berühmten Werk von Pierre Boulez für sein Werk interessiert, Manoury wurde von William Faulkners gleichnamigem Südstaaten-Epos inspiriert, Xenakis lässt einem Polygon gleich drei Ensembles gleicher Besetzung in einen musikalischen Trialog treten, um Strukturen der erfahrbaren Zeit zu Klang zu machen. Konzerthaus, Großer Saal, Mo 4.11., 19.30 Synthetics ensemble mosaik, Enno Poppe, Marino Pliakas (E-Bass), Wolfgang Mitterer (Live-Elektronik), Daniel Plewe (Klangregie). Crossover: Ausgewählte Kompositionen, die Elemente der E- und U-Musik miteinander vereinen. Alexander Schubert: Point Ones, Stefan Prins: Fremdkörper #1, Klaus Schedl: Selbsthenker II – durch die Wand in das Gehirn, Wolfgang Mitterer: mobile beats 02, Michael Wertmüller: time_involved in processing. Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste (Semperdepot), Sa 2.11., 19.30 Webern Symphonie Orchester, Simeon Pironkoff Das Orchester der Musikuniversität sondiert im IGNMKonzert in alle Himmelsrichtungen und präsentiert Werke von Bart Vanhecke (Danse de la terre), Atli Ingólfsson (Mani), Jana Kmit’ová (Drei Psalmfragmente), Manos Panayiotakis (Echosymplokon), Mihyun Woo (Metarmorphose), Dimitrios Mousouras (Light Passages UA). Radiokulturhaus, Großer Sendesaal, Mi 13.11., 19.30 Die Weber (R: Friedrich Zelnik, Deutschland 1927) Ensemble Modern, Johannes Kalitzke „Die Weber“ (R: Friedrich Zelnik, Deutschland 1927) mit Musik von Johannes Kalitzke (EA). Mit genretypischen Elementen des historischen Films werden in dem expressionistischen Stummfilm „Die Weber“ von Friedrich Zelnik soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen der Weimarer Republik, die schließlich zu einem Exzess von Gewalt führten, in einen bedrückenden Albtraum verwandelt. Kalitzkes Musik will den Ablauf in einer Dialektik des Widerstands mehr als nur illustrieren. Konzerthaus, Großer Saal, Sa 9.11., 19.30 Wien Modern Klubnacht I feat. Klangforum Wien, Zirkus Maximus & Tingel Tangel Das Klangforum Wien spielt Christof Dienz (JUSCHROA), Yan Maresz (Metallics), Simon Steen-Andersen (Next To Beside

Einführungsvortrag zur Klanginstallation „Walküren, reitend“ Georg Weckwerth. Museumsquartier, TONSPUR_passage, Mo 11.11., 14.00 Einführungsvortrag Klanginstallation „Feedbox“ Tobias Nöbaue. Museumsquartier, TONSPUR_ passage, Di 12.11., 14.00 Einführungsvortrag Klanginstallation „Project A“ Bernd Bösel . Museumsquartier, TONSPUR_passage, Mi 13.11., 14.00 Wien Modern: Im Gespräch Hartmut Krones (Mod.), Teilnehmer: Johanna Doderer (Komponistin), Christian Scheib (Künstl. Leiter ORF Radio-Symphonierorchester Wien), Johannes Kalitzke (Komponist, Dirigent), Lothar Knessl (Kurator u.v.a.) Thema: „Reflektiertes Geschichtsbewusstsein durch die Musik der Gegenwart“. Ist es möglich, den Anspruch auf Autonomie eines Werkes mit gesellschaftspolitischer Funktionalität sinnvoll und überzeugend zu vereinen? lautet die Fragestellung. Konzerthaus, Schönberg-Saal, So 27.10., 17.00 Wien Modern: Im Gespräch „Der Komponist als Dirigent“ Peter Eötvös, Beat Furrer, Gerd Kühr, Mike Breneis (Mod.) Drei international renommierte Komponisten erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen, denn alle drei sind bekanntlich auch renommierte Dirigenten. Konzerthaus, WotrubaSalon, Mo 4.11., 17.00 Wien Modern: Im Gespräch Late Night „Enumérations“ (R: Hugo Santiago und Georges Aperghis, 1988), für 6 Schauspieler_innen/Musiker_innen (Film mit der von Georges Aperghis gegründeten Theatergruppe Atelier Théâtre et Musique (ATEM)). Im Anschluss an das Konzert im Konzerthaus laden Wien Modern und das Klangforum Wien zu einem moderierten Filmabend mit dem griechischen Komponisten. Proberaum Klangforum Wien, Fr 1.11., 22.00 Wien Modern: Im Gespräch Spezial „Tanzstunde“ Mit den „Akteuren“ Arturo Fuentes, Johanna Doderer, Patrick Pulsinger, den Vortragenden Reingard Witzmann, Mariella Greil, der Spielleiterin Gina Mattiel-

lo, der Tanzlehrerin Karin Lemberger, dem Tanzlehrer Eddy Franzen & mit Wolfgang Seierl, Doris Weberberger (Konzept) In Kooperation von Wien Modern und dem mica – music austria gibt es eine Spezial-Tanzstunde mit den mitwirkenden Spezialisten für Komposition, Choreografie, Theorie und Tanz, bei freiem Eintritt mit Karten für die nachfolgende Tanzveranstaltung im Großen Saal. Konzerthaus, Schönberg-Saal, Do 7.11., 18.00 IGNM-Symposion Ltg.: Nina Polaschegg (Wien) in Zusammenarbeit mit Christian Utz (Graz). Vortragende: Sandeep Baghwati, Sebastian Kiefer, Jörn Peter Hiekel, Nadja Kayali, Daniel Ender, Kyle Gann, Heekyung Lee Interkulturelle Moderne und zeitgenössische Musik – ein Paradoxon? Ob und wie ist zeitgenössische Kunstmusik in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen heute präsent und wie kann ihr Selbstverständnis im Spannungsfeld der eigenen Kunst- und Musik-Traditionen einerseits und zum Beispiel der abendländischen Musikkultur andererseits bewusst gemacht werden. Konservatorium Wien Privatuniversität, Leonie-Rysanek-Saal, Di 12.11., 9.30, Mi 13.11., 9.30 Jugend gibt junge Musik Klangforum Wien, Ensemble der Musikschule Wien, Ensemble der Johann Sebastian Bach Musikschule, Andreas Lindenbaum (Workshopleitung) Geschlossene Veranstaltung! Gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern erarbeiten Kinder und Jugendliche der Musikschulen anhand des Werkes „phi“ des diesjährigen Erste-Bank-Kompositionspreisträgers Bernd Richard Deutsch, sowie eines Werkes von Cordula Bösze, vielfältige Formen der Interpretation zeitgenössischer Musik. Musikschule Wien, Fr 25.10., 15.00 Künstlergespräch: Das Märchen vom alten Mann Thomas Wally (Komposition), Cornelia Rainer (Regie, Libretto) Dschungel Wien, Saal 1, So 27.10., 17.30 Paradise Reloaded – Lilith (Einführungs­ gespräch) Peter Eötvös (Komposition) , Walter Kobéra (Dirigent) Museumsquartier, Halle E, Fr 25.10., 18.45, Di 29.10., 18.45, Do 31.10., 18.45 Symposion Wien Modern U.a. mit Hartmut Krones, Frank Schneider, Daniel Ender, Frieder Reininghaus, Peter Andraschke; Andrea Amort,Helmut Ploebst, Harald Huber, Elisabeth Haas, Susanne Kogler, Stefan Drees In Bewegung: Das Symposion Wien Modern in Zusammenarbeit mit dem Institut für musikalische Stilforschung beleuchtet einerseits die vielen mit Bewegung, Gestik, Ballett und Tanz arbeitenden Konzepte der Neuen Musik und des Musiktheaters, andererseits aber auch die sich ständig „in Bewegung“ befindliche stilistische Landschaft der zeitgenössischen Musikszene. Universität für Musik und darstellende Kunst/Rennweg, Mo 4.11., 10.00, Di 5.11., 10.00 Tanzworkshop-Vorführung „Ich und die anderen“ Axel Petri-Preis (Konzept, Gesamtleitung, Choreografie), Lilian Genn (Körperarbeit, Choreografie) Vier Klassen des G11 Geringergasse im elften Wiener Gemeindebezirk setzen sich zeitgenössischer Tanzmusik auseinander. Zwei Oberstufenklassen erarbeiteten eigene Tanzstücke, zwei erste Klassen beschäftigten sich im Rahmen des Projekts „Ich und die anderen“ choreografisch mit Fragen des Miteinanders. Heute werden die Ergebnisse dem Publikum vorgestellt. Bildungszentrum Simmering, Fr 8.11., 18.00

Johannes Maria Staud

Carolin Widmann

Das Märchen vom alten Mann

Johannes Kalitzke

Gespräche und Workshops


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W I E N MODE R N 13

Engagierte Klänge: Wien Modern 13 in der Stadt Eine Übersicht über alle Veranstaltungsorte, von Konzerthaus und Musikverein bis zur Grellen Forelle

ILLUSTRATION: BIANCA TSCHAIKNER

1 Wiener Konzerthaus 3., Lothringerstraße 20, www.konzerthaus.at

100 Jahre seines Bestehens feiert das Konzerthaus in dieser Saison. Es ist das „Stammhaus“ von Wien Modern. Im Großen Saal bestreitet am 24.10. das ORF Radio-Symphonieorchester das Eröffnungskonzert mit Musik von Eötvös, Sciarrino und Nonos „Il canto sospeso“, am 7.11. wird es mit Wien Modern auch zum Tanz bitten. Ein Konzert ist im SchubertSaal (12.11.), einige im auch für Experimentelles optimal geeigneten neueren Berio-Saal. Der Mozart-Saal ist der von der Akustik her beste Saal der Stadt für Kammermusik, dort spielt das Arditti Quartet (27., 28.10.)


W I E N MODE R N 13 2 Musikverein

1., Bösendorferstraße 12 www.musikverein.at Seit 1988 veranstaltet gemeinsam mit der Wiener Konzerthausgesellschaft auch der traditionsreiche Musikverein das Festival Wien Modern. Schauplatz des Abschlusskonzertes ist der Große Saal (15.11.), während im Brahms-Saal das Ensemble Kontrapunkte mit einem anspruchsvollen Programm auftritt (5.11.)

3 Alte Schmiede

1., Schönlaterngasse 9 www.alte-schmiede.at

Bei freiem Eintritt gibt es in der Alten Schmiede neben Literatur übers ganze Jahr Veranstaltungen zeitgenössischer Musik erster Güte, bei Wien Modern drei gemeinsam mit Gerald Resch kuratierte Termine, auch mit Urauff ührungen: Kompositionen für Stimme und Raum mit Gina Mattiello (26.10.), das Ensemble Collage (2.11.) und das hervorragende Mivos Quartett (9.11.)

4 brut Künstlerhaus

1., Karlspatz 5 www.brut-wien.at

Die Spielstätte im Künstlerhaus ist heuer dem Schwerpunkt „Tanz-Wien Modern bewegt“ gewidmet. In der Performance SHIROKURO zur Musik der 5. und 6. Klaviersonate von Galina Ustwolskaja und von Robert Schumann kreieren Nicole Beutler, Tomoko Mukaiyama und Jean Kalman radikale Kontraste

5 Dschungel Wien 7., Museumsplatz 1 www.dschungelwien.at

Situiert im Museumsquartier, hat das Theater für junges Publikum schon bei den vergangenen Festivals tolle szenische Musiktheaterauff ührungen (nicht nur) für Kinder gezaubert. Heuer inszeniert dort Cornelia Rainer „Das Märchen vom alten Mann“ mit Musik von Thomas Wally nach Motiven von Hans Christian Andersen und Georg Büchner. Es spielt das Ensemble LUX in der Produktion mit dem Theater Montagnes Russes. Und auch „Das Kind der Seehundfrau“ vom Vorjahr wird wieder aufgenommen

6 MuseumsQuartier Halle E

7., Museumsplatz 1/5 www.mqw.at 1985 nutzten die Wiener Festwochen den Messepalast erstmalig zu kulturellen Zwecken, dessen Hallen sich inzwischen zu wichtigen Auff ührungsorten entwickelt haben. Die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Winterreithalle dient oft als Austragungsort für das Musiktheater, so auch bei Wien Modern: Hier kommt die Oper PARADISE RELOADED (LILITH) des Schwerpunktkomponisten Peter Eötvös in der Umsetzung der Neuen Oper Wien zur Urauff ührung

7 Tanzquartier Wien 7., Museumsquartier 1 www.tqw.at

In seinem mehr als zehnjährigen Bestehen ist Österreichs erstes Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Performance zu einer der führenden Institutionen in Europa geworden. An seiner Spielstätte, der Halle G im MQ, zeigt das Ensemble Tactus „Democracy (work in progress)“, eine musikalisch-szenische Suche nach Gerechtigkeit und zivilem Widerstand gegen die Mächtigen. In den Studios erforschen Peter Jakober, der Komponist des Werkes DINGEN, und Choreograf Paul Wenninger mit den Akteuren ein von ihnen entwickeltes „Chordophon“

8 Semperdepot 6., Lehargasse 6 www.akbild.ac.at

Das jahrzehntelang als Dekorationsdepot der Bundestheater genutzte Gebäude wurde 1996 als „Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien“ wiedereröffnet. Das prachtvolle Haus verfügt mit dem Prospekthof, dem Ausstellungsraum und der Mehrzweckhalle im 2. Obergeschoß über wunderbare Veranstaltungs- und Auff ührungsmöglichkeiten. Hier präsentiert das ensemble mosaik einen Crossoverabend mit Kompositionen, die Elemente von Free Jazz, New Wave, Popmusik, Hardcore, Rockmusik und auch Möglichkeiten der Computermusik miteinander verbinden. Komponist Wolfgang Mitterer besorgt die Live-Elektronik

9 Café Heumarkt 3., Am Heumarkt 15

Das traditionsreiche Café mit seinem Patina-Lokalkolorit war immer schon beliebter Warteund Après-Ort für Komponisten und Musikfreunde in der Nähe des Konzerthauses. Es fungiert als Wien-Modern-Bibliothek mit Noten, Büchern und Zeitschriften. Heuer bespielt es auch wieder das Künstlerkollektiv Tingel Tangel in einer StudioNACHT (31.10.)

10 ORF Radiokulturhaus

4., Argentinierstraße 30a www.radiokulturhaus.orf.at

Der Große Sendesaal in seiner einzigartigen Architektur, bekannt für seine herausragende Akustik und

seine breiten Lederfauteuils, ist einer der bemerkenswertesten Veranstaltungsorte Wiens. Im Sinne des öffentlich-rechtlichen Kulturauftrags des ORF muss er dies auch bleiben! Das Webern Symphonie Orchester der Universität für Musik gastiert dort im Rahmen der World New Music Days mit Kompositionen aus allen Himmelsrichtungen (13.11.)

11 Urania

1., Uraniastraße 1 www.vhs.at/vhs_urania.html Das Wiener Volksbildungsinstitut mit großer Tradition, das sich stets die neuesten Errungenschaften der Technik nutzbar machte – so führte die Urania als Erste in Wien den Projektionsapparat, den Stumm- und den Tonfilm in der Erwachsenenbildung ein –, beherbergt im Rahmen der World New Music Days am 13.11. das polnische Vokalensemble Camerata Silesia Katowice unter der Leitung von Anna Szostak

12 Porgy & Bess 1., Riemergasse 21 www.porgy.at

Der Meeting-Point der Wiener kreativen (Jazz-)Szene versteht sich auch als Experimentierfeld für genreübergreifende Projekte über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg. Dort gibt es ein Internetkonzert mit dem European Bridges Ensemble (11.11.) und am 13.11. etwa ein Programm mit den Flöten und Klarinetten von Sylvie Lacroix, Petra Stump und Heinz Peter Linshalm, weiters das Low Frequency Orchestra

13 Grelle Forelle

9., Spittelauer Lände 12 www.grelleforelle.com Im neuen Hotspot auf Wiens Partymeile Donaukanal, wo der Club auf zwei Ebenen einen Sound zwischen House, Techno und Minimal bietet, lotet das Klangforum Wien nächtens nach dem Eröffnungskonzert gemeinsam mit den experimentierhungrigen Veranstalterkollektiven Zirkus Maximus und Tingel Tangel die Grenzen zwischen zeitgenössischer Musik und elektronischer Tanzmusik aus. Tanzen ist erlaubt!

14 Fluc Wanne 2., Praterstern 5 http://fluc.at

F A L T E R 4 1 /1 3 Als L-förmiges Containerensemble den Abgang einer zum Konzert- und Dancefloor transformierten Fußgängerunterführung flankierend, bildet das Fluc samt der unterirdisch verlaufenden Fluc-Wanne den Austragungsort für Kunst-, Performance-, Sound- und Clubproduktionen. WienModern-KlubNACHT feat. Klangforum Wien, Zirkus Maximus und Tingel Tangel

15 Palais Kabelwerk 12., Oswaldgasse 35a www.palaiskabelwerk.at

Das Meidlinger Kulturzentrum, das auch jungen Gruppen eine Spielstätte bietet und verschiedene theatrale und performative Formate beherbergt, bietet im Studio Kompositionen aus dem „Donauraum“ mit dem Ensemble die reihe (14.11.), vor allem aber einen langen Abend mit insgesamt acht Kurzopern und Operellen in Produktion des sirene Operntheater, progetto semiserio und IGNM. Es treten ausgezeichnete Sängerinnen und Sänger an, Regie führen Kristine Tornquist und Peter Pawlik, die Ensembles Platypus und PHACE spielen (14.–17.11.)

16 Casino Baumgarten 14., Linzer Straße 297 www.casinobaumgarten.at

Die berühmte Akustik im legendären Aufnahmestudio von Friedrich Gulda, Helmut Qualtinger, Fatt y George, Georg Kreisler und Co gibt es für das Preiser-Records-Tonstudio noch immer. Dort spielt am 8.11. das mit Saxofon, E-Gitarre und Schlagwerk arbeitende Ensemble Nikel unter dem Motto „Jukebox“ Kompositionen von Georges Aperghis, Stefan Prins, aber auch „Sad Songs“ von Clemens Gadenstätter

17 Musikschule Wien 8., Skodagasse 20 www.wien.gv.at/bildung/ schulen/musikschule/

Next Generation: Gemeinsam mit Mitgliedern des Klangforum Wien erarbeiten Kinder und Jugendliche der Musikschule Wien und der Johann-Sebastian-BachMusikschule, anhand des Werks „phi“ des diesjährigen Erste-Bank-Kompositionspreisträgers Bernd Richard Deutsch sowie eines Werkes von Cordula Bösze vielfältige

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Formen der Interpretation zeitgenössischer Musik (geschlossene Veranstaltung am 25.10.)

18 Bildungszentrum Simmering

11., Gott schalkgasse 10 www.wien.gv.at/bezirke/simmering/bildung/bildungszentrum. html Das 2011 auf dem Areal des ehemaligen Simmeringer Markts eröffnete Bildungszentrum vereint Volkshochschule, eine Zweigstelle der Büchereien Wien und eine Musikschule. Dort erarbeiteten vier Gymnasialklassen in einem Tanzworkshop von Axel Petri-Preis und Lilian Glenn ein musikalisch-tänzerisches Projekt, das sie am 8.11. vorstellen

19 Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Konzertsaal am Rennweg

3., Rennweg 8 (2. Hof) www.mdw.ac.at Das zur Tradition gewordene Symposion Wien Modern in Kooperation mit dem Institut für musikalische Stilforschung diskutiert am 4. und 5.11. in Vorträgen bei freiem Eintritt die vielen mit Bewegung, Gestik, Ballett und Tanz arbeitenden Konzepte insbesondere des neuen Musiktheaters, aber auch die sich ständig „in Bewegung“ befindliche stilistische Landschaft der zeitgenössischen Musikszene

20 Konservatorium Wien Privatuniversität 1., Johannesgasse 4a www.konservatorium-wien. ac.at In einem weiteren zweitägigen Symposion geht man am 13. und 14.11. der Frage nach, ob und wie zeitgenössische Kunstmusik in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen heute präsent ist. Veranstalter ist neben der Koservatorium Wien Privatuniversität die Österreichische Sektion der IGNM, die heuer als Gastgeberland im Rahmen der World New Music Days für viele Projekte und Konzerte bei Wien Modern verantwortlich zeichnet, etwa für Klanginstallationen im Museumsquartier und im Palais Kabelwerk

21 Proberaum

Klangforum Wien

5., Diehlgasse 51 www.klangforum.at


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D

er zeitgenössische Tanz und die zeit­ genössische Musik sind wie Ver­ wandte: Man ist sich zwar nahe, geht sich aber gern aus dem Weg. Auch deshalb sind Produktionen, in denen Kom­ ponisten und Choreografen zusammen­ arbeiten, bei Wien Modern seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des Programms. Die­ ses Jahr hat das Festival einen „Schwer­ punkt Tanz“ ausgerufen.

Der Wiener Choreograf Paul Wenninger, 47, bringt bei Wien Modern das Projekt Dingen zur Uraufführung. Es ist, nach „Sehnen“ (2011), seine zweite Kooperation mit dem steirischen Komponisten Peter Ja­ kober, 36. „Die Zusammenarbeit mit einem Komponisten ist schwierig, weil das Ver­ hältnis von Tanz und Musik grundsätzlich ein schwieriges ist“, sagt Wenninger. Problematisch findet der Choreograf da­ ran vor allem, dass von der Musik schnell die emotionale Ebene des Zuschauers an­ gesprochen wird. „Im traditionellen Sinn verbindet man mit Musik und Körper ein Funktionsverhältnis, auch dramaturgisch. Dagegen haben sich Leute wie Steve Pax­ ton schon in den 1960er-Jahren vehement aufgelehnt.“

Im Zentrum von dingen steht ein sieben Meter langes, kurioses Saiteninstrument. Wenninger und Jakober haben ihr „Chordo­ phon“ nach Skizzen rekonstruiert, die 1835 bei Ausgrabungen im heutigen Äthiopien gefunden worden waren. „Wir wussten an­ fangs nicht einmal, wie das klingt“, erklärt Wenninger. „Wir mussten uns also beide in absolut unbekanntes Terrain aufmachen.“ Die beiden Künstler bezeichnen ihre Ar­ beit als „Konzert/Performance“. Gemeint ist damit, das es sich bei Dingen weder um ein reines Konzert noch um eine reine Per­ formance handelt. Die beiden Tänzer Raul Maia und Rafael Michon bedienen das In­ strument: Performer als Musiker, Musi­ ker als Performer. Die Gefahr, dass sich der Tanz der Musik unterordnet, besteht bei Dingen insofern nicht, als Bewegung und Klang sich hier wechselseitig bedingen. „Hier ist die Komposition selbst zu einem großen Teil Choreografie, während die Cho­ reografie wiederum zu einer Komposition wird“, erklärt Paul Wenninger. Die in Amsterdam lebende deutsche Choreo­

grafin Nicole Beutler (nicht zu verwech­ seln mit der österreichischen Schauspiele­ rin gleichen Namens) hat zusammen mit

Konzert als Performance, Performance als Konzert: Die drei Choreografen des TanzSchwerpunkts erklären sich R u n dr u f : Wolfgang K ra l i c e k

der japanischen Komponistin und Pianis­ tin Tomoko Mukaiyama und dem französi­ schen Lichtdesigner Jean Kalman das Stück Shirokuro kreiert, das bei Wien Mo­ dern im Brut im Künstlerhaus gezeigt wird. Der japanische Titel bedeutet „SchwarzWeiß“ und steht für die harten Kontraste, um die es in der Arbeit geht: hell und dun­ kel, laut und leise, Himmel und Hölle. Im Zentrum von Shirokuro steht die schroffe Musik der russischen Kompo­ nistin Galina Ustwolskaja (1919–2006), na­ mentlich deren Klaviersonaten Nr. 5 und Nr. 6, die von Mukaiyama live gespielt wer­ den. „Das Starke an dieser Musik ist, dass Tomoko beim Spielen sozusagen bis ans Skelett des Klaviers gehen muss“, erklärt die 44-jährige Choreografin. „In der Nota­ tion steht manchmal fffffff. – siebenfaches Forte, das ist eigentlich unmöglich. Um die­ se Intensität zu erreichen und alle Noten zu spielen, muss Tomoko den Flügel mit den Fäusten und den Unterarmen bespielen.“ Auch hier wird eine Musikerin also zur Performerin. Mit der Pianistin ist der nie­ derländische Tänzer Mitchell-Lee van Rooij auf der Bühne. Beutler: „Tomoko und Mit­ chell geben sich beide dem Universum von Ustwolskaja hin. Der Tanz macht die Musik

Foto: Konstantin Lipatov

Tanz die Galina Ustwolskaja


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Bild links: In „Democracy“ treffen fünf Tänzer auf vier Schlagzeuger Bild oben: In Shirokuro wird eine Sonate von Galina Ustwolskaja getanzt

Fotos: Anja Beutler, Paul Wenninger

Bild rechts: Paul Wenninger und Peter Jakober haben für Dingen ein Instrument gebaut

auf andere Weise sichtbar, in seiner Gleichzeitigkeit. Der Tanz folgt nicht der Musik, die Musik folgt nicht dem Tanz. Sie sind zusammen, was sie eben sind, verstärken einander.“ Shirokuro, uraufgeführt 2012 bei der Tokyo-Dance-Triennale, versteht sich als „dance concert“ – so nannten schon in den Sixties Trisha Brown & Co in der New Yorker Judson Church ihre Aufführungen – und als Gesamtkunstwerk, in dem alles mit allem zu tun hat. Die Klaviersonate fungiert dabei als eine Art Leitfaden. „Wir haben sie analysiert und in alle Aspekte übertragen, formal und inhaltlich“, sagt Beutler. „Das Kompromisslose an Ustwolskajas Proposition ist: Spiritualität ist, wenn man das Unnötige weglässt. Die Klaviersonate Nr. 6 ist äußerst mathematisch als Spiegelkomposition konstruiert, zugleich aber auch ein extremer menschlicher Schrei. Schönheit und Erlösung gibt es nur als Hoffnungsschimmer in der Ferne.“

Shirokuro: 26. und 27.10., 20 Uhr, Brut im Künstlerhaus Democracy (work in progress): 30. und 31.10., 20.30 Uhr, Tanzquartier (Halle G)

Dritter Beitrag zum Tanz-Schwerpunkt bei Wien Dingen: Modern ist „Democracy“ von der französi- 1. und 2.11., 21.30 schen Choreografin Maud Le Pladec, 37, Uhr, sowie 3.11., 19.30 und ihrer Compagnie Léda. Das Stück er- Uhr, Tanzquartier lebt am 7. November beim Festival Mett- (Studios)

re en Scène in Rennes seine Uraufführung und wird in Wien vorab in einer Work-inprogress-Version präsentiert. „Democracy“ ist der Mittelteil einer Trilogie namens „To Bang on a Can“, die sich mit dem 1987 in New York gegründeten Musikkollektiv Bang on a Can beschäftigt. Jedem der drei Gründungsmitglieder ist eine Performance gewidmet, die jeweils in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten und einem Musikerensemble erarbeitet wird: Im Fall von „Democracy“ sind das die US-Komponistin Julia Wolfe und das französische Percussion-Ensemble Tactus. Das pulsierende Herz der Performance ist

Wolfes Komposition „Dark Full Ride“ für vier Schlagzeuge; außerdem hat Le ­Pladec beim italienischen Komponisten Francesco Filidei ein Stück in Auftrag gegeben. „Ich bringe auf der Bühne zwei verschiedene Visionen zeitgenössischer Musik zusammen, die amerikanische und die europäische“, sagt die Choreografin. Die Musik ist für alle Arbeiten von Le Pladec der Ausgangspunkt. In der Vorbereitung recherchiert sie akribisch den historischen Kontext der Werke und die Motive

der Komponisten. Die Ergebnisse versucht sie dann in eine Choreografie zu übersetzen. „Bei ,Democracy‘ waren es die Radikalität und die Kraft von Julia Wolfes Stück, die mich inspiriert haben. ,Dark Full Ride‘ kam mir wie ein Aufschrei vor.“ Die fünf Tänzerinnen und Tänzer, die in „Democracy“ auf der Bühne sind, bilden so etwas wie einen gemeinsamen Körper, der sich nach Regeln bewegt, die ausschließlich von der Musik vorgegeben werden. „Sie werden Teil einer ,Masse‘, wie sie Elias Canetti in ,Masse und Macht‘ beschreibt“, erklärt die Choreografin. Ganz grundsätzlich findet Maude Le Pladec es wenig originell, über das Verhältnis zwischen Choreografie und Komposition, Körper und Musik nachzudenken. „Aber gerade weil dieses Verhältnis so offensichtlich ist, kann es lohnend sein, da noch einmal ganz genau hinzuschauen. Mich immer wieder zu fragen, worin die speziellen Eigenschaften des jeweiligen Mediums bestehen und wie diese ­beiden Kunstformen auf der Bühne zusammenkommen können, hilft mir dabei, mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren: Komponieren und Schreiben, Raum und Zeit.“  F


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Wien Modern  Tipps

Dschungel Wien: Für Kinder ab Sieben

Porgy und Bess: Blasinstrumente mit Live-Elektronik und Low-Frequency Orchestra; Internet-Performance mit Bratislava

Bilderbuch ohne Farben, bis der alte Mann kommt

Forellenfischen und Wannentauchen

eben der Wiederaufnahme des „Kind N der Seehundfrau“-Erfolgs vom Vorjahr dürfen sich Kinder ab sieben auf Das

Wien Modern feiert Klubnächte in der Grellen Forelle und der Fluc-Wanne

eine perfekte Welt einer jungen Familie, in der dennoch etwas fehlt: Die Welt erscheint wie ein Bilderbuch ohne Farben. Bis eines Tages plötzlich ein alter Mann auftaucht, niemand weiß, wer er ist oder woher er kommt, doch mit seiner Anwesenheit ereignen sich immer mehr seltsame Dinge, die alles durcheinanderwirbeln. Schon bald wird klar: Die Reise des alten Mannes hat nicht zufällig an diesen Ort geführt. Die Regisseurin und Librettistin Cornelia Rainer und der Komponist Thomas Wally haben nach Motiven von Hans Christian Andersen und Georg Büchner ein musikalisches Spiel zwischen Fantasie und Wirklichkeit als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse geformt. HR Dschungel Wien von 26. bis 31.10.

Stummfilm mit Musik von Johannes Kalitzke

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ie Filmversion von Gerhart Hauptmanns Theaterstück Die Weber in der Regie von Friedrich Zelnik gilt als eine der besten Hauptmann-Adaptionen der deutschen Filmgeschichte. Als Ausdruck der Spannungen und Gewaltexzesse in der Gesellschaft der Weimarer Republik traf der Film 1927 den Nerv der Zeit. Noch heute wirkt er durch seine durch Eisenstein und Pudowkin beeinflusste Bildsprache, seine stimmige visuelle Gestaltung (in Zusammenarbeit mit Georg Grosz) und durch die Mitwirkung exzellenter Schauspieler wie Paul Wegener, Wilhelm Dieterle oder Arthur Krausneck. Johannes Kalitzkes formte dazu eine Musik, die in einer Dialektik des Widerstands mehr als nur illustrieren will. Es spielt das Ensemble Modern.  HR Konzerthaus, Großer Saal, 9.11., 19.30

kl u bg a s t : H e i n z R ö gl

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o? – Im Donaukanal sind Bachund Regenbogenforellen eher selten anzutreffen, aber eine Grelle Forelle gibt es tatsächlich. 2011 eröffnete an der Spittelauer Lände der Club, der auf zwei Ebenen seine Gäste mit House, Techno, Darkwave, Electro und Minimal – in letzter Zeit gerade etwa mit Djane Helena Hauff, mitbeschallt von Tingel Tangel (das sind Bernhard Tobola, Simon Riegler und Armin Schmelz) – bedient, doch FPÖWähler laut Eigenaussage nicht so gerne bedienen will: „Der Club Grelle ­Forelle hat am Wahlsonntag seinen Unmut gegenüber FPÖ-Wählern in einem Posting ausgedrückt. Der Eintrag hat zu heftigen Reaktionen (positiv wie negativ) auf Facebook und in Foren geführt.“ (Die Presse vom 3.10.2013)

Lücken überbrücken mit neuen Stücken: in der Grelle Forelle und der Fluc Wanne

Tingel Tangel und das DJ-Team Zirkus Maximus

(Patricio Salgado und Patrick Rampelotto) kommen – vielleicht gerade deswegen – ­gerne zu Auftritten hin. Die Veranstalter von Wien Modern hatten es nicht schwer, das Klangforum Wien zu animieren, dort auf Fang zu gehen. Also: Follow the fish! Stolz vermerkt der Club auf seiner Website: „Wien Modern is celebrating the opening of the festival at our club. The party will bridge the gap between club culture and instrumental music as the night will be started by a performance of Klangforum Wien.“ Soll heißen: Auch hier werden Lücken überbrückt, Türen zwischen Klub- und Instrumentalmusik aufgestoßen. Bewerkstelligen soll das Musik von Christof ­Dienz, Yan Maresz, Simon Steen-Andersen, Pierluigi Billone und Michalis Lapidakis – „Howl“. Mal sehen, wer dorthin kommt und wie es ankommt.

Mit ähnlichem Programm, zusätzlich mit Bernhard Ganders „fluc ’n’ flex“, kehrt das Ensemble auch wieder einmal in den Kunstund ­Musikklub Fluc am Praterstern ein. „Fluc“ ist eine Abkürzung von „fluctuated­ rooms“ und beinhaltet im eigentlichen und übertragenen Wortsinn die Veränderbarkeit und Verschiebung räumlicher, sozialer und begrifflicher künstlerischer Praktiken und Wahrnehmungen. In den Proberaum des Klangforum lädt Wien Modern auch einmal nach einem Konzert: Dort steht nächtlich zu Allerheiligen die musikalische Geselligkeit „Situations. Une convivialité musicale“ von Georges Aperghis auf dem Programm. Der Film „Enumérations“ (R: Hugo Santiago und Georges Aperghis, 1988) mit der von Aperghis gegründeten Theater­gruppe Atelier Théâtre et Musique (ATEM) wird bei einem moderierten Gesprächsabend mit dem Komponisten vor­geführt. Zwei andere Late-Night-Events steigen im

Klubnächte und Spättermine Grelle Forelle 24.10., 23 Uhr Proberaum Klangforum Wien 1.11., 22 Uhr Fluc-Wanne 5.11., 22 Uhr Porgy & Bess 11.11., 22.30 und 13.11., 22.30 Uhr

Porgy & Bess, wo Flötistin Sylvie Lacroix und das Klarinettenduo Petra Stump & Heinz Peter Linshalm ihre Instrumente kombiniert mit Live-Elektronik spielen. Im zweiten Teil wird ein Low Frequency Orchestra um Angélica Castelló, Matija Schellander, Thomas Grill und Maja Osojnik in einer Synthese von digitaler und traditioneller Klangerzeugung Musik für „chaotic bands“ von Katharina Klement, „Silently & very fast“ von Jennifer Walshe und vor allem ­einige der „Weiß/Weißlich“-Stücke von Peter Ablinger aufführen. Der zweite Termin im Porgy ist eine Internet-Performance, ein ­Konzert im Rahmen der World New Music Days, das gleichzeitig in Wien und Bratislava stattfindet und via Internet in beide ­Städte übertragen wird.  F

F o to s: F i a m e t ta H o rvat h , A rc h i v, G r e l l e F o r e l l e , F lu c

Märchen vom alten Mann freuen. Es geht um


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Beat Furrers

Tragödie des Hörens das Meer, das aus der Ferne klingt, oder das letzte verhallende Grollen eines Donners. Das habe ich in ,Fama‘ versucht, Gestalt an­ nehmen zu lassen: den Widerhall, die Re­ sonanz von Dingen, die entfernt passieren, aber zu uns herangetragen werden.“ Die Texte aber, die Isabelle Menke sagen, flüstern oder schreien soll, stammen nicht von Ovid, sondern aus Arthur Schnitzlers Erzählung „Fräulein Else“. – „Else, die ich aus Schnitzlers Text quasi ,ausgeschnit­ ten‘ habe, soll, um ihrem Vater zu helfen, ­geopfert werden, soll sich prostituieren“, sagte Furrer in einem der ersten seiner In­ terviews über sein Hörtheater: „Die Schau­ spielerin wird in dieser ersten Szene von ­einem Meer von Klängen bedrängt und fast erdrückt – wie Else von gesellschaftlichen

Wiederaufgeführt bei Wien Modern: Fama, das legendäre Stück Hörtheater nach Schnitzler und Ovid Vorschau: Heinz Rögl

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icht Oper, Melodram oder Mu­ sikdrama nannte der Komponist Beat Furrer sein 2005 in Donau­ eschingen uraufgeführtes, dann in Wien Paris und Moskau nachgespieltes Stück „Fama“. Nein, er nannte es „Hörtheater“. Dennoch wurde „Fama“ berühmt, ja le­ gendär. Aufgeführt wurde das Hörtheater ursprünglich in einer szenischen Einrich­ tung durch Christoph Marthaler, in einem vom Architekten Wolfgang Bürgler (limit architects) eigens errichteten, sehr teuren Raum in Form einer Schachtel mit speziell beschichteten Lamellen, die zu unterschied­ licher Dichte verschließbar waren, gleich­ sam zu einem akustischen Zaun. In diesem „Karton“ saß das Publikum und hörte, was ihm die Fama zutrug.

„Ein Haus, von dem alles gleich weit entfernt ist, und von dem aus man alles sieht und hört“

Foto: Heribert Corn

Die Szene ist Geschichte. Die musikalisch-

szenische Konzeption bleibt. Das Gesche­ hen der Wiederaufführung beim Jubiläums­ konzert „40 Jahre Ernst von Siemens Mu­ sikstiftung“ im Rahmen von Wien Mo­ dern im Konzerthaus wird nur anfänglich auf der Hauptbühne, der Bühne 1, stattfin­ den. Nach und nach werden Musiker ver­ schwinden, auch durch das Publikum wan­ dern und unsichtbar für die Hörenden vom Balkon, der „Hinterbühne“, agieren. Eine „Tragödie des Hörens“ ist „Fama“ auch in der konzertanten Form. Gemeint ist damit, dass die Tätigkeit des Hörens selbst zum theatralischen Thema wird. Der Klang be­ wegt sich, kann abgeschirmt aus einer un­ geklärten Richtung kommen, erzeugt von den Instrumenten, den acht Stimmen ei­ nes Vokalensembles und der Schauspiele­ rin Isabelle Menke, die rezitiert. Ovids Erzählung vom „Haus der Fama“ aus dem zwölften Buch der „Metamorpho­ sen“ hat Beat Furrer immer schon fasziniert. Dieser Ort, der von allen Teilen der Welt – Land, Meer und Himmel – gleich weit ent­ fernt ist und von dem aus man alles sehen und hören kann, dieses Gebäude ganz aus klingendem Erz, das alles Geräusch, das zu ihm dringt, unaufhörlich wiedergibt, war das starke Bild, von dem er ausging, als er an sein Klanggebäude dachte. Beat Furrer: „Ovid sagt: Es ist ein leises Murmeln, wie

Zwängen und Bedrohungen.“ In der zwei­ ten Szene tritt das Orchester mit der Spre­ cherin in einen Dialog ein, die dritte Szene ist dann eine virtuose Sprecharie. Ein rast­ loses Selbstgespräch, Selbstbespiegelung, Pläneschmieden. „Ich will fort …“ Ein atemloser Mono­ log, ausgestoßen in größter Bedrängnis: Existenzielle Bedrohung ist die Ausgangs­ situation – ein Vulkanausbruch, geschildert vom römischen Dichter Lukrez –, pure Zu­ ständlichkeit, die überwältigt, bedrängt und nur noch die Flucht zulässt. „Ich höre das Schreien, das Feuer, den Atem …“: ein Mas­ siv gleißender Klanglichkeit. So charakteri­ siert Marie Luise Maintz das, was sich da später abspielt. Anschaulich und subtil schildert Furrer Be­ „Fama“ – Hörtheater von Beat Furrer für ein Klanggebäude, großes Ensemble, acht Stimmen und eine Schauspielerin Konzerthaus, Großer Saal, 3.11., 19.30 Uhr

dingungen der Wahrnehmung vor allem im extrem Leisen, im Geräuschnahen, in Klangverfärbungen. Kontrabassflöte und Bassklarinetten spielen unter den Solisten eine entscheidende Rolle. Nach Vereinigung von Instrumental- und Vokalklang kommt es schließlich zum Verlust der menschlichen Stimme. In der siebenten Szene umzingeln schneidende Blechkaskaden von oben die Hörer, instrumentales Nachbeben einer Ka­ tastrophe. Dem armen Fräulein Else bleibt in diesem Gesamtkunstwerk nur das bitte­ re Ende.  F


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Acht „wendige Segelschiffe“ Mit neuen Mini-Opern im Rahmen der World New Music Days unterstreicht Wien Modern seine formale Bandbreite T e x t : M a r i e - T h e r e s e R u do l p h

Beginnend mit Konzerten in Košice und Bra-

tislava, gehen die diesjährigen World New Music Days in Wien ins Finale. Als Teil von Wien Modern wurden kleine Musiktheaterstücke in Auftrag gegeben und jeweils vier davon zur Durchführung an die beiden freien Wiener Operngruppen sirene Operntheater und progetto semiserio vergeben. Auch hier steht „Gates“ als verbindende Klammer über den Stücken, allerdings in seiner Auslegung nicht näher definiert. Kristine Torn­ quist und Jury Everhartz, künstlerisches Leitungsteam des sirene Operntheaters, versuchten, für sich und die einzuladenden Librettisten eine konkretere Auffassung von „Gates“ zu erarbeiten. Sie kamen über „Tor“ und „Tür“ zu den dadurch eintretenden „Gästen“ – das Wort ist gleichzeitig auch ein Anagramm des Festivalmottos, also „Gates“/„Gäste“. Suchte die IGNM Österreich bereits die Komponisten Fernando Riederer, Bernhard Lang, Mirela Ivičević und Jaime Wolfson aus, lag es nun an Tornquist und Everhartz, die passenden Librettisten zu finden. Für

den Komponisten Bernhard Lang stand von Anfang an fest, dass er selbst die berühmte Schlussszene mit dem steinernen Gast aus Mozarts „Don Giovanni“ als Ausgangsmaterial verwenden wollte. Für „The Stoned Guest“, Nr. 24 in Langs Monadologie, generierte er aus einer „Ausgangszelle“, basierend auf einem „Stück Mozart-Partitur“, das gesamte musikalische Material. Radek Knapp lieferte für Mirela Ivičević eine Geschichte von Überraschungsgästen, deren Gastgeschenke nicht ohne Folgen für den Besuchten bleiben: „Karussell“. Für die Komponistin war es das erste Mal, dass sie zu einer bereits fertiggestellten Vorlage die Musik schrieb. Es fiel ihr aber nicht allzu schwer, da sie schnell realisierte, dass sie mit dem Autor „die Lust teilte, sich auf die sozialen – in diesem Fall von den Medien pathologisch erzwungenen, konsumfreudigen – Konformitäten und auf deren Auswirkung auf die Lebensqualität des Individuums Schlaglichter zu werfen“. Antonio Fian, Zeitungslesern durch seine Dramolette im Standard bekannt, verband mit „Gäste“ mehr die ungebetenen, unsichtbaren, nämlich die, die mithilfe von Überwachungssystemen an unserem Leben teilhaben können. Jaime Wolfson, selbst als Dirigent und Pianist Gründungsmitglied des Ensembles Platypus, das die vier Operellen des sirene Operntheater interpretiert, baut seine Musikcollage auf „Groteske und Ironie“ auf. Und noch ein weiteres Team hat sich – etwas skurrilen – heimlichen Gästen gewidmet: Brigitta Falkner schrieb eine Geschichte über einen Bücherskorpion und Bücherläuse, deren Schlachten nur durch ein Mikroskop gesehen werden können. Alle vier neuen Mini-Opern verbindet die Regisseurin Kristine Tornquist zu einem Ganzen und hat dafür kurze Intermezzi konzipiert. Die etwa einminütigen Assoziationen stellt sie großteils pantomimisch dar; zwar als „überbrückende“ Verbindungselemente eingesetzt, gelten sie jedoch auch als eigenständige Beiträge. Für das sirene Operntheater ist es nicht das erste Mal, dass es sich der klei-

Gates / Kurzopern Palais Kabelwerk, Saal 1, Do 14.11., Fr 15.11., Sa 16.11., So 17.11., jeweils 19.30 Uhr

Das Ensemble Phace spielt „Gates / Zwischen?Raum“

nen Form widmet. Zuletzt entstanden am Theater an der Wien „Vogel, Herz, Idiot“, drei Mini-Mono-Opern im Jahr 2011. Neben Abwechslung und Tempo im dramaturgischen Ablauf, sieht Tornquist noch viele weitere Vorteile in der kurzen Form: „Immer im Zwiespalt zwischen riskantem Experiment und der hohen Kunst der Reduktion verfügt die Form der Miniatur doch über dramaturgische Regeln und Möglichkeiten, die denen der großen Form so gegenüberstehen wie ein wendiges Segelschiff einem Ozeanriesen.“ Den zweiten Kurzopern-Block „Gates / Zwischen?Raum“ am selben Abend gestaltet die Operngruppe progetto semiserio, geleitet vom Dramaturgen Georg Steker: Das Ensemble Phace bringt ebenfalls vier neue Werke zur Uraufführung – „Seelentore“ von Jörg Ulrich Krah, „Wärme, ich bin wieder ganz“ von Tamara Friebel, „Gate as my asshole“ von Oliver Weber und „Bill“, eine installative Raum-Klang-Oper von Jorge Sánchez-Chiong. Regisseur Pe-

Foto: Oliver Topf

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ahr für Jahr werden die World New Music Days in einem der Mitgliedsländer der International Society for Contemporary Music veranstaltet. Gegründet wurde diese mittlerweile weltweit agierende Institution 1922 in Salzburg, Protagonisten der ersten Stunde waren Anton Webern, Arthur Ho­negger, Béla Bartók, Paul Hindemith, Maurice Ravel, Arnold Schönberg und Igor Strawinski; Richard Strauss übernahm den Vorsitz des Gründungskomitees. Die bis heute gültigen Statuten bestimmten die Förderung zeitgenössischer Musik, ohne Rücksicht auf ästhetische Anschauungen, Nationalität, Rasse, Religion, politische Einstellung. Nachdem diese Richtlinien im Gegensatz zur NS-Ideologie standen, musste die Organisation zwischen 1938 und 1945 aufgelöst werden. 2013 wird das prominente Festival von zwei benachbarten Staaten veranstaltet, die auf eine gemeinsame und später eine – durch unterschiedliche politische Systeme – getrennte Geschichte zurückblicken können: Slowakei und Österreich. Als Motto, das genau dieses Verbindende und Trennende ins Zentrum rückt, wählte man „Gates“ – im Sinne von „Brücken zwischen Ländern, ihrer Geschichte und Gegenwart, zwischen den Künstlern und dem Publikum, zwischen der jugendlichen Welt der musikalischen Lehre und den Professionisten, zwischen dem Bekannten und dem Vergessenen“.


F o tos: Sa m s tag in d e r S ta dt, K r i s t in e To r n qu i s t

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ter Pawlik wird die vier Stücke, die den Begriff „Gates“ als „soziale Durchlässigkeit, also Tore in einer Gesellschaft“ interpretieren, szenisch umsetzen. Den Arbeiten lag ein Diskurs zugrunde, der sich mit der Frage nach Nebeneinander-Gesellschaften auseinandersetzt. Dieser Begriff soll nicht mit den viel zitierten Parallelgesellschaften gleichgesetzt werden, denn er meint – daher im Singular verwendet – diese eine, unsere Gesellschaft. Aus dem Bedürfnis heraus, „die Wirklichkeit zu betrachten und modellhaft Situationen, die soziale und politische Relevanz haben, zu fokussieren“, hat progetto semiserio eine Nische in der freien Wiener Opernszene besetzt, in der es Projekte entwickelt, in denen oft „nicht nur das tragische Moment, die klassische Dramaturgie, oft einer postdramatischen Heterogenität, einer musikalisch und theatralen Sprache weicht“, sondern „die Arbeit genreübergreifend wird und auch Medienkunst, Schauspiel und Tanz als Ausdrucksform mit einbringt“.

Hereinspaziert durch die Tore (Gates)! Gesucht werden Momente sozialer Durchlässigkeit zwischen den Kulturen

Für die World New Music Days 2013, eingebettet in das Festival Wien Modern, entstanden Geschichten über Momente und Orte sozialer Durchlässigkeit zwischen den Kulturen und Generationen, zwischen Lebenshaltungen und Gruppen in unserer Gesellschaft. In „Seelentore“ von Jörg Ulrich Krah, nach einem Libretto von Susanne Felicitas Wolf, schildern die Protagonisten in drei Monologen ihre Sehnsucht nach Heimat, die sich für jeden individuell darstellt. Der deutsch-türkische Erfolgsregisseur und

Gäste – ein Anagramm des Mottos „Gates“

-autor Nurkan Erpulat, u.a. bekannt durch sein Theaterstück „Verrücktes Blut“, schrieb den Text zu Oliver Webers „Gate as my ass­ hole“. Darin wird ein Mann in doppelter Weise in Österreich zur Minderheit erklärt – er ist schwul und Türke. Die Musik splittete Weber in drei Ebenen auf, Elektronik, Sprechen und Singen, jedoch stets in enger Wechselwirkung zueinander stehend. „Wärme, ich bin wieder ganz“ mit Musik von Tamara Friebel und einem Video von

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Natalie Latham, transferiert das Geschehen in den Übergang von immigrationsbedingten Kulturräumen, konkret am Beispiel einer Japanerin in Europa. Der Musiker Jorge Sánchez-Chiong und Thomas Jelinek, der für Konzept, Text und Bühne verantwortlich zeichnet, haben sich mit „Bill“ für eine installative Raum-KlangOper entschieden. Der Titel spielt mit der deutschen Bedeutung des Wortes – „Rechnung“ – und dem Namen „Bill Gates“. Zahlen werden infrage gestellt, elektronische Musik wird durch Binärcodes erzeugt. „Gates“ ermöglicht acht neue Kurzopern, die dem Publikum Einblicke und Höreindrücke in unterschiedliche Kosmen geben sollen. Die Expertin für die kleine Form, Kristine Tornquist, macht Lust auf das Abenteuer „Miniatur“, denn diese „muss nichts beweisen, sie behauptet und schlägt eine Richtung ein, noch ohne ein Ziel anzupeilen. Sie ist der Ort für das Experiment, für die Überraschung und für den Salto aus dem Stand …“ F


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Ein Anflug von Humor: Preisträger Bernd Richard Deutsch (links) und Enno Poppe, der Deutschs Stück „Dr. Futurity“ dirgiert

Warum just D. und nicht F. oder J.? Notizen zum Kompositionspreis der Erste Bank und zu dessen Gewinner Bernd Richard Deutsch LOTHAR KNESSL

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ieser Preis ist kein Lotterieprodukt, kein Zufallsgewinn, kein Geschenk. Wer ihn erhält, hat sich ihn erarbeitet, hat ihn redlich verdient. Aus subjektiver Sicht? Gewiss doch, aber mit dabei ist ein Quäntchen Objektivität. Es entscheidet ein Kurator. Keine Jury. Dieser eine verantwortet die Auswahl. Einiges ist, abgesehen vom Vertrauen, von zu beachtenden Regeln, vorauszusetzen. Zum Beispiel, nennen wir es im Jargon der Wirtschaft, Marktkenntnis. Möglichst viel Erfahrung. Hörerfahrung. Verankert im Feld der Gegenwartsmusik. Überschaubar, weil auf Österreich beschränkt. Eben nicht beschränkt, denn Notlösungen erübrigen sich (noch). Ästhetische Bedenken? Allenfalls im Status Nascendi. Qualitative Erwägungen? Sind ständige Begleiter. Ach ja: Der persönliche Geschmack färbt ab. Ist die Farbe falsch, kriegt man sie alsbald um die Ohren geschmiert. Passt sie, darf sie den Ton angeben. Am Ende zählt das Resultat. Die fertige Partitur, deren Interpretation. Uraufführung. Immer noch ein Abenteuer ohne Garantie. Warum denn jetzt das Werk von D., und nicht eines von F. oder J.? Wurde das emotionell oder kalkulativ entschieden, aus dem Bauch oder dem Kopf, oder von allem etwas? Mit Verlaub: Im Klangraum des musikalisch Unwägbaren verflüchtigt sich die Stringenz der Antwort. D. also (F. und J. dürften ja demnächst folgen): Bernd Richard Deutsch. Wie und wann kommt man auf Deutsch, was macht glauben, hier sei einer am Werk, der über musiksprachliche Originalität verfügt und diese auch umzusetzen versteht? Er entfachte meine Neugier mit der „Distanz-

Komposition“ (2000/01) für ­Bassklarinette solo, Auftrag der Klangspuren Schwaz, ­Interpret Ernesto Molinari, damals Klangforum Wien. Komponisten schätzen das Instrument: klanglich wandlungsfähig, obertonreich, Multiphonics usw. Kaum hat er damit begonnen, spürt Deutsch, das Solo

Lothar Knessl ist Mitbegründer von Wien Modern und kuratiert den Erste-BankKompositionspreis

Bernd Richard Deutsch bei Wien Modern Ensemble Kontrapunkte, Dirigent Peter Keuschnig. Musikverein, Brahmssaal , 5.1., 19.30 Uhr die reihe, Dirigent Christian Muthspiel, Konzerthaus, Beriosaal, 10.11.,19.30 Uhr Klangforum, Dirigent Enno Poppe, Konzerthaus, Mozartsaal, 12.11., 19.30 Uhr RSO, Dirigent Johannes Kalitzke, Konzerthaus, Großer Saal, 15.11., 19.30 Uhr

sei unbefriedigend. Also lässt er einen Sprecher auftreten, der das Stück live kommentiert, der Text darf jeweils von verschiedenen Autoren verfasst werden, muss sich aber auf die Musik beziehen. Daraus wird eine amüsante „Bassklarinettenmusik mit Gastvortrag“. Man fühlt und ahnt, dem jungen Mann, gerade 23, ist der rare musikalische Humor zu eigen. Das will man sich merken – und es bestätigt sich zehn Jahre später. Denn da purzelt, auf dem Boden autonomer Musikformen, sein witziger „mad dog“ durch die Reihen des erheiterten Publikums, aus der Taufe gehoben in Wien vom Ensemble die reihe. Ein der Clownerie entsprungenes Stück bar illustrativer Anbiederung. Damit war entschieden, wer 2013 Träger des Erste-Bank-Preises sein wird. Zudem lieferte Deutsch, jeden Zweifel flugs ausräumend, in zeitlich enger Nachbarschaft überzeugende Untermauerungen der Auswahl. So das streng strukturierte, beim Takemitsu Composition Award preisgekrönte Orchesterwerk „subliminal“, 2012 in Tokio uraufgeführt. Bald danach landete eine CD in Wien. Mein Höreindruck: feine Profile, ­flexible Gestik, keine dicken Klangmassen, aber doch auch kräftige Attacken. Und dann das „eingeschobene“ Zweite ­Streichquartett, im Vorjahr vom Arditti-Quartett bei Wien Modern uraufgeführt. Vorausgegangen war eine kurz terminierte, aufmunternde (?) Anfrage. Coraggio! Für die Komposition blieben sechs Monate, nach heutigem Usus sehr knapp bemessen. Auch hier der Anflug von Humor. Vor allem im Bereich des obligaten Streicherklangs, Charakterfiguren: fröhlich, seufzend, zänkisch, launig. Schließlich entlässt explosiv ein Ventil visualisierte Gestik: Füßegetrampel, Schreie – Deutsch denkt komponierend in Charakteren. Und sie alle agieren ohne Plattitüden. Unverkennbar unterwegs zum Musiktheater. Hoffentlich gelingt es ihm, dort bald zu landen. Samt Text, mit dem er sich identifizieren kann. Denn Oper erfordert viel Zeit, vollen Einsatz, den Verzicht auf anderes. Das hat er schon einmal durchexerziert, und damit führe ich noch ein Argument

ins Treffen. Es zeigt ein ganz anderes Bild von Deutsch, führt wieder zurück in die Jahre 2000/01, verdunkelt durch Depressionen, existenzielle Zweifel. Im Anschluss an das Kompositionsstudium schreibt er ein die Gattung sprengendes Riesenwerk, ganze vier Jahre lang: das neurotische Oratorium „Martyrium oder Die Dinge sind“ für Soli, Chor und Orchester samt Filmzuspielungen. Danach verzögert sich die Uraufführung beim Stuttgarter eclat-Festival um weitere vier Jahre (2009). Eine Weltliteratur-­ Collage, extrem pessimistische, zynische Texte, die Musik emotionell aufgeheizt, zündend, letztlich lyrisch, ein Hoffnungsschimmer. – Wer bitte nimmt das, 24-jährig, auf sich, lässt alles andere stehen und liegen, verzichtet auf praktikable Aufführungen? Ein ebenso seltenes Phänomen wie der Humor. Deutsch hat die Krise längst überwunden.

Nun spaziert er mit „Dr. Futurity“ im Weltraum herum, zwischen Mars und Erde, und unternimmt einen „trip – from Mars to here“. Die lebhaft beginnende Musik ­endet nachdenklich: Keine Rückkehr? Leben auf dem Mars? Für den Impulsgeber, den amerikanischen Science-Fiction-Autor Philip K. Dick, ist der Mars bevölkert. Für Deutsch wohl nicht. Er hat Dicks gleich ­betitelten Roman nicht vertont, sondern ­assoziativ weiter­ gesponnen, textliche Anre­gungen intuitiv in musikalische Charaktere gewandelt. Geräusche wie aus dem All liefern ­Atmosphäre, Altflöte und Oboe d’amore bilden vermutlich den Gegenpol kriegerischer Töne („Chimaera“). Andererseits steht tempestoso die Warnung vor einer Marsianer-Invasion im Raum („Red Alert“). Oder ­haben Irdische davor schon „Replicants“ zur Abwehr ausgeschickt? Das alles weit entfernt von plakativer „Programm“-Musik, sprachlich nahe dem „mad dog“ und dem Zweiten Streichquartett, eine Trias. – Nach der Uraufführung von ­­„Dr. ­Futurity“ am 12. November wissen wir eventuell mehr. Behalten wir jedoch tunlichst das musikalisch Unwägbare im Sinn. F

F o tos: S t e fa n i a A m i sa n o, K a i B i e n e r t, Na fe z R e r hu f

B egr ü nd u ng :


Kalendarium Wien Modern 2013 Do 24.10.  |  19.30

Eröffnungskonzert Wien Modern

Konzerthaus, Großer Saal

Mo 4.11.  |  10.00

Symposion Wien Modern

Universität für Musik und darstellende Kunst/Rennweg

Do 24.10.  |  23.00

Wien Modern KlubNACHT I

Grelle Forelle

Mo 4.11.  |  10.30, 14.30

Das Kind der Seehundfrau

Dschungel Wien, Saal 1

Musikschule Wien

Mo 4.11.  |  17.00

Fr 25.10.  |  15.00

Jugend gibt junge Musik

Fr 25.10.  |  18.45

Paradise Reloaded (Lilith)

Einführungsgespräch

MuseumsQuartier, Halle E

Mo 4.11.  |  19.30

Wien Modern: Im Gespräch (Der Komponist als Dirigent) SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Fr 25.10.  |  19.30

Paradise Reloaded (Lilith)

MuseumsQuartier, Halle E

Di 5.11.  |  10.00

Symposion Wien Modern

Universität für Musik und darstellende Kunst/Rennweg

Sa 26.10.  |  16.30

Alte Schmiede I

Alte Schmiede

Di 5.11.  |  19.30

Ensemble Kontrapunkte, Peter Keuschnig

Musikverein, Brahms-Saal

Sa 26.10.  |  18.00

Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Di 5.11.  |  22.00

Wien Modern Klubnacht II

Fluc Wanne

Sa 26.10.  |  20.00

Shirokuro

brut im Künstlerhaus

Do 7.11.  |  18.00

Wien Modern: Im Gespräch Spezial „Tanzstunde“

Konzerthaus, Schönberg-Saal

So 27.10.  |  10.30, 16.30

Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Do 7.11.  |  20.30

RSO Wien Modern tanzt

Konzerthaus, Großer Saal

Konzerthaus, Wotruba-Salon Konzerthaus, Großer Saal

So 27.10.  |  17.00

Wien Modern: Im Gespräch

Konzerthaus, Schönberg-Saal

Do 7.11.  |  23.00

So 27.10.  |  17.30

Künstlergespräch: Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Fr 8.11.  |  18.00

Wien Modern StudioNACHT II Tanzworkshop-Vorführung „Ich und die anderen“

So 27.10.  |  19.30

Arditti Quartet I

Konzerthaus, Mozart-Saal

Fr 8.11.  |  19.30

Ensemble Nikel: Jukebox

Casino Baumgarten

So 27.10.  |  20.00

Shirokuro

brut im Künstlerhaus

Sa 9.11.  |  16.30

Alte Schmiede III: Mivos Quartet

Alte Schmiede

Mo 28.10.  |  10.30

Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Sa 9.11.  |  19.30

Die Weber (Film und Musik)

Konzerthaus, Großer Saal

Konzerthaus, Großer Saal Bildungszentrum Simmering

Mo 28.10.  |  19.30

Arditti Quartet II

Konzerthaus, Mozart-Saal

So 10.11.  |  19.30

Di 29.10.  |  10.30, 14.30

Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Mo 11.11.  |  14.00

die reihe, Christian Muthspiel Einführungsvortrag zu „Walküren, reitend“

Di 29.10.  |  18.45

Paradise Reloaded (Lilith)

Einführungsgespräch

MuseumsQuartier, Halle E

Mo 11.11.  |  14.00

Gates / Klanginstallationen

MuseumsQuartier

Di 29.10.  |  19.30

Paradise Reloaded (Lilith)

MuseumsQuartier, Halle E

Mo 11.11.  |  17.00

Ensemble Phace

Konzerthaus, Berio-Saal

Mi 30.10.  |  10.30, 15.00

Dschungel Wien, Saal 1

Mo 11.11.  |  19.30

ensemble reconsil, Roland Freisitzer

Konzerthaus, Berio-Saal

Tanzquartier Wien, Halle G

Mo 11.11.  |  22.30

European Bridges Ensemble

Porgy & Bess

Do 31.10.  |  10.30, 18.00

Das Märchen vom alten Mann Democracy (work in progress) Das Märchen vom alten Mann

Dschungel Wien, Saal 1

Di 12.11.  |  9.30

IGNM-Symposion

Konservatorium Wien Privat­ universität, Leonie-Rysanek-Saal

Do 31.10.  |  18.45

Einführungsgespräch

MuseumsQuartier, Halle E

Di 12.11.  |  14.00

Einführungsvortrag Klanginstallation „Feedbox“

MuseumsQuartier, QDK

Do 31.10.  |  19.30

Paradise Reloaded (Lilith)

MuseumsQuartier, Halle E

Di 12.11.  |  14.00

Gates / Klanginstallationen

MuseumsQuartier

Do 31.10.  |  20.30

Tanzquartier Wien, Halle G

Di 12.11.  |  17.00

Do 31.10.  |  22.00

Democracy (work in progress) Wien Modern StudioNACHT I

Café Heumarkt

Di 12.11.  |  19.30

Ensemble Platypus, Jaime Wolfson Klangforum Wien, Enno Poppe

Konzerthaus, Mozart-Saal

Fr 1.11.  |  18.00

Kaleidoskop I

Konzerthaus, Schubert-Saal

Mi 13.11.  |  9.30

IGNM-Symposion

Konservatorium Wien Privat­ universität, Leonie-Rysanek-Saal

Fr 1.11.  |  18.45

Paradise Reloaded (Lilith)

Einführungsgespräch

MuseumsQuartier, Halle E

Mi 13.11.  |  14.00

Einführungsvortrag Klanginstallation „Project A“

MuseumsQuartier, RaumD

Fr 1.11.  |  19.30

Paradise Reloaded (Lilith)

MuseumsQuartier, Halle E

Mi 13.11.  |  14.00

Gates / Klanginstallationen

MuseumsQuartier

Fr 1.11.  |  19.30

Klangforum Wien, Emilio Pomárico

Konzerthaus, Großer Saal

Mi 13.11.  |  17.00

Camerata Silesia Katowice

Urania, Mittlerer Saal Radiokulturhaus, Großer Sendesaal

Mi 30.10.  |  20.30

Paradise Reloaded (Lilith)

Konzerthaus, Berio-Saal MuseumsQuartier, Tonspur

Konzerthaus, Schubert-Saal

Fr 1.11.  |  21.30

DINGEN

Tanzquartier Wien, Studios

Mi 13.11.  |  19.30

Fr 1.11.  |  22.00

Wien Modern: Im Gespräch Late Night

Klangforum Wien

Mi 13.11.  |  22.30

Webern Symphonie Orchester, Simeon Pironkoff Lacroix / Stump / Linshalm, Low Frequency Orchestra

Sa 2.11.  |  16.30

Alte Schmiede II

Alte Schmiede

Do 14.11.  |  14.00

Gates / Klanginstallationen

MuseumsQuartier

Sa 2.11.  |  16.30

Das Kind der Seehundfrau

Dschungel Wien, Saal 1

Do 14.11.  |  17.00

die reihe, Christian Muthspiel

Palais Kabelwerk, Studio

Sa 2.11.  |  19.30

SYNTHETICS

Atelierhaus der Akademie der bild. Künste (Semperdepot)

Do 14.11.  |  19.30

Gates / Kurzopern

Palais Kabelwerk, Saal 1

Sa 2.11.  |  21.30

DINGEN

Tanzquartier Wien, Studios

Fr 15.11.  |  19.30

Gates / Kurzopern

Palais Kabelwerk, Saal 1

So 3.11.  |  16.30

Das Kind der Seehundfrau

Dschungel Wien, Saal 1

Fr 15.11.  |  19.30

Abschlußkonzert

Musikverein, Großer Saal

So 3.11.  |  18.00

Kaleidoskop II

Konzerthaus, Schubert-Saal

Fr 15.11.  |  22.00

Wien Modern StudioNACHT III

Café Heumarkt

So 3.11.  |  19.30

DINGEN

Tanzquartier Wien, Studios

Sa 16.11.  |  19.30

Gates / Kurzopern

Palais Kabelwerk, Saal 1

So 3.11.  |  19.30

FAMA

Konzerthaus, Großer Saal

So 17.11.  |  19.30

Gates / Kurzopern

Palais Kabelwerk, Saal 1

Porgy & Bess

Tel. 01/24 20 02 (Konzerthaus) oder 01/505 81 90 (Musikverein) www.wienmodern.at | Generalpass: € 88,– (ermäßigt: € 59,–)


Wien Modern 13