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GEWINNE: SOMMERLEKTÜRE IM WERT VON 850 EURO

Juni/Juli 4·2013

D 5,90 €

AUT 6,70 € LUX 6,90 € CH 11,50 SFR

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SPEZIAL: KINDER- UND JUGENDBUCH I Kerstin Gier I Dietrich Grönemeyer I Tom Hillenbrand

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PLÜUCS HER*

Das unabhängige Literatur- & Hörbuch-Magazin

50 SHADES OF YOU Besuch in der Erotik-Schreibschule

KRIMIS FÜR FEINSCHMECKER Morde & Delikatessen in Italien, Frankreich und Luxemburg

Romane, Krimis Sach-, Kinder- und Jugendbücher

140 Martin Walker, Ursula Poznanski, Eugen Ruge u. v. a.

Fantastische Mädchenträume

KERSTIN GIER Silber – Der Auftakt zu ihrer neuen All-Age-Serie

www.buecher-magazin.de

Kinder stärken 22 SEITEN RATGEBER

FÜR DEN ALLTAG RÜSTEN: Die besten Mutmacher-Bücher von 3 bis 16 Jahren Dietrich Grönemeyers Körperkunde, Lieblingsmonster & Cybermobbing

HÖRBUCH: 50 Rezensionen I Reise-Sprachführer I Kaminskis Wagner-Livehörspiel


Fürchterlich schön zum Vorlesen. „Mami, kannst du mal kommen, da ist irgendwas im Zimmer.“ In drei schaurig-schön illustrierten Bilderbüchern aus der Reihe Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek, können Eltern und Kinder gemeinsam eigenartige Wesen aus dem Kinderzimmer vertreiben. Mit praktischen Tipps und erfinderischen Tricks werden Spinnen, Drachen und Gespenster für immer die Flucht ergreifen – sehr zur Freude der ganzen Familie.

Für Kinder ab 3 Jahren für je 9,90 €, oder alle drei Bände zum Preis von 21,90 €. Jetzt überall im Handel, unter www.sz-shop.de und im Service Zentrum der Süddeutschen Zeitung, Fürstenfelder Str. 7, 80331 München.


aus der redaktion Liebe Leserinnen, liebe Leser, dies ist eine BÜCHER-Ausgabe voll Fernweh- und Sommerlektüre – mit sinnlichen Bestseller-Kurven (S. 24), einladenden Träumen (S. 16) und Lesestoff für Wagnerianer (S. 68). In unserem Kinder- und Jugendspezial (ab S. 82) finden sich dieses Mal besonders viele Bücher, die es lohnt gemeinsam zu lesen – und so in den Ferien, neben guter Unterhaltung, auch Kraft zu tanken. Und auch der berührende Roman von Andrea Hirata „Die Regenbogentruppe“ (S. 22) handelt von einer Gemeinschaft außergewöhnlicher Kinder, die so manchen Erwachsenen Stärke lehren kann! Viel Spaß beim Durchatmen und Lesen,

www.blanvalet.de

Eine Liebe so

unvergänglich wie die Sterne am

Himmel

Fotos: Jean-Marie Lux; Lucia Fuster

Herzlichst,      Tina Schraml

Auf der zweitägigen Pressereise mit Autor Tom Hillenbrand stand ein Besuch bei seiner guten Freundin Léa Linster (im Foto) im Sterne-Restaurant auf dem Programm, Törtchen schmausen beim Hoflieferanten Pâtisserie Oberweis ebenso wie ein Mittagessen beim „Kniddelkinneg“ (Knödelkönig). Zum Glück liegt Luxemburg auf zwei Ebenen. Am Alzetteufer die Unterstadt und darüber die mondäne Oberstadt, dazwischen ein paar Treppen und Fußwege, um Kalorien wieder loszuwerden. Mit Altstadt, Weinkeller, Festungsgang, Besuch des historischen Museums und der Kunsthalle MUDAM machte die rundum schöne Tour aber auch kulturell satt und glücklich (S. 43).

Deutsch von Veronika Dünninger 480 Seiten | Klappenbroschur € 9,99 [D] ISBN 978-3-442-38121-0 Auch als E-Book erhältlich.

Gewinne in dieser Ausgabe Kerstin Gier „Silber – Das erste Buch der Träume“ (Buch/Hörbuch) (S. 17) P  eter Heller „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ (Buch/Hörbuch) (S. 31) Tom Hillenbrand „Letzte Ernte“ (Buch/Hörbuch) (S. 44) Wiebke van der Scheer & Margré Mijer „Arte in Cucina auf Reisen“ (Buch) (S. 65) Renate von Mangoldt „Autoren“ (Buch) (S. 77) Matthew Quick „Silver Linings“ (Buch/DVD) (S. 105) Die Teilnahme erfolgt mit entsprechendem Titel als Betreff online über: www.buecher-magazin.de/gewinnspiel oder per Post an: falkemedia e. K., Gewinnspiel, An der Halle 400 #1, 24143 Kiel. Einfach Buch- bzw. Filmtitel als Stichwort angeben. Einsendeschluss ist jeweils der 07.08.2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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twitter.com/BlanvaletVerlag 3 facebook.com/blanvalet


Juni/Juli

Inhalt

16 82

Der nächste traumhafte Bestseller? Kerstin Giers neue All-Age-Serie

GRATIS-DOWNLOADS „Eiseskälte“ von Arnaldur Indriðason, gelesen von Walter Kreye S. 57 „Niederlande hören“ von Corinna Hesse, gelesen von Rolf Becker

S. 67

Monsterkunde: Wozu wir sie brauchen und wie man sie fängt

43

Kulinarische Krimireise: Mit Tom Hillenbrand in Luxemburg

Krimis & Thriller

Dossier Bücherwelten

43  Kniddel und König

76 Bücherschaufenster

Ein Tag mit Krimi-Autor Tom Hillenbrand

46 Rezensionen kulinarische Krimis 47 Raffiniertes Luder

Für Bibliophile und Literaturverrückte

79 Rezensionen Bücherwelten 80  In Büchern zu Hause Alberto Manguel im Interview

Das letzte Werk des James M. Cain

Erzählungen & Romane

48 Rezensionen Krimis & Thriller

16  Träum schön!

52 Hörbuchrezensionen

Kerstin Gier im Porträt

22 James Herriots südostasiatischer Erbe Hommage an eine Grundschullehrerin: Andrea Hiratas „Regenbogentruppe“

24 Schreib. Das. Auf. Ein Besuch in der Erotik-Schreibschule

26 Lust auf mehr Aktuelle erotische Romane: Die Tabelle der Ekstase

28 Verhasste Heimat Das Debüt: Harald Darer

30 Ein Mann, ein Hund, ein Flugzeug Peter Heller im Porträt

34 Rezensionen Erzählungen & Romane

39 Hörbuchrezensionen

4

Spezial Kinder & Jugend 82 Liebenswerte Freaks Monster-Bilderbücher für wilde Kinder

Sachbücher 60 Erlesene Zeitreisen Literarische Reiseberichte

62 In 80 Phrasen um die Welt Audio-Sprachführer

63 Fernweh für Schaulustige Blickpunkt Reise

66 Rezensionen Reise 68 Das unsichtbare Theater Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner

71 Ein Mann, ein Ring Stefan Kaminski liest den „Ring des Nibelungen“

74 Rezensionen Sachbuch

85 Kunstwerke für Kleine Bilderbuchtipps

86 Supersize Kids Dietrich Grönemeyer im Interview

88 Ich selbstverständlich Blickpunkt Körper und Ernährung

90 Eine Insel mit zwei Bergen 65 Jahre Augsburger PuppenkisteKlassiker: Ein Hörbuchvergleich

92 Isoliert im (a)sozialen Netz Jugendthriller über Cybermobbing

96 Ich habe selbst noch einiges gelernt Ingo Zamperonis „Starke Kinder“

98 Rezensionen Kinder & Jugend 100 Hörbuchrezensionen 4·2013


Für alle, die es wissen wollen.

Wie trennt man sich von dem, was war?

63 Blickpunkt Reise: Bildbände und Sachbücher, die Fernweh wecken

Bilder & Welten 104 Kino- & DVD-Tipps

standards

106 Aufbruch

03 Aus der Redaktion 06 Literatur Leben 07 Die Bücher-Top-5 10 Jan Brandt: Vergessliche Momente 11 Ins Netz gegangen 12 Wörterwelten 14 Bildeingang 21 Die schönsten Liebesromane 32 Botschaft aus Babel 33 Wiederentdeckte Klassiker 9 5 Überschätzte Bücher 1 11 Index 1 13 Hallo, was lesen Sie gerade? 1 14 Vorschau & Impressum

Graphic Novels zum Abheben und Abstürzen

Hörspiel 108 Hörspiel kompakt

Fotos: Olivier Favre; Dirk Guldner; teNeues/Healing Hotels; Illustration: Elise Gravel

110 Hörspiel-Check

So bewerten Wir

04·13 Grandios buecher-magazin.de

bewertung

Grandios

Sehr gut

Gut

Geht so

Nur für Fans

Zu schwach

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hörbuch Umsetzung (60 %) Inhalt (35 %) Ausstattung (5 %)

Susanna Filbingers Vater wirft einen langen Schatten. Die Vorwürfe über seine Tätigkeit als Marinerichter in der NS-Zeit zwingen den Ministerpräsidenten zum Rücktritt. Was für den Vater das Ende bedeutet, wird für seine Tochter zum Anfang. Sie geht erfolgreich ihren Weg. Dann macht Susanna Filbinger eine Entdeckung: die Tagebücher ihres Vaters. Eine bewegende Aufarbeitung beginnt. 2013. 283 Seiten, gebunden. € 19,99 Auch als E-Book erhältlich

5


Literatur Leben Buchhändler, Überzeugungskünstler und mehr Fährt man ein 85 Kilometer langes „U“ vom oberschwäbischen Bad Waldsee über die Kleinstädte Weingarten, Tettnang und Wangen im Allgäu bis nach Leutkirch, kann man nicht nur das schöne Umland des Bodensees kennenlernen, sondern auch alle fünf Filialen der Stadtbuchhandlung besuchen. So wie die Region für Sonne und Erholung bekannt ist, so stehen die großzügigen Buchhandlungen für Helligkeit und Wohlfühlen. „Bei uns sollen Menschen und Bücher Platz haben, damit sie sich entfalten können“, erklärt Dominik Souard, der 2002 in Weingarten gemeinsam mit Susanne Lorinser die erste Stadtbuchhandlung eröffnete. Das Konzept ging auf. „Wir wollen Kunden nicht beraten, sondern begeistern. Daher verstehen wir uns eher als Unterhaltungskünstler.“ Der wiederkehrende Austausch mit den Kunden ist

Souard und Lorinser besonders wichtig. Daher lassen sie sich immer neue Ideen einfallen. Zum Beispiel kann jeder Käufer sein gelesenes Buch zurückbringen und erhält dafür einen Gutschein. „Wir versuchen, unsere Kunden eben auf immer neue Weise zu überraschen.“ Die nächste Idee schwebt Souard auch schon vor: „Ich kenne eine traditionelle Buchhandlung, die nach dem Umbau fast mehr ein Café ist. Für unser Konzept eine vorstellbare Entwicklung. Ein Gespräch über Bücher in angenehmer Atmosphäre kann kein Online-Handel abbilden.“ Und so werden die Buchhändler und Überzeugungskünstler Lorinser und Souard womöglich bald auch noch Gastronomiebetreiber. Die Stadtbuchhandlung 5 Filialen in Bad Waldsee, Weingarten, Tettnang, Wangen und Leutkirch

www.stadtbuchhandlung.de

In eigener Sache

statt in den Kinosessel mal ins heimische Sofa fläzen. Auf den 256 Seiten wird die Geschichte der Blockbuster umgekrempelt. Wer hätte gedacht, dass es 27 verschiedene „Grafen

von Monte Christo“ gibt oder der Animationsfilm „Rapunzel – Neu verföhnt“ der zweitteuerste Film der Geschichte ist? „Es ist keine Enzyklopädie und auch kein Handbuch, sondern ein Buch zum Schmökern, zum Stöbern, zum immer mal wieder Reinlesen“, sagt Stefan Volk. Daher empfiehlt es sich, das Buch nicht zu tief ins Regal zu stellen, sondern eher neben dem DVD-Player. Bücher-Autor Dr. Stefan Volk lebt als freier

Journalist, Film- und Literaturkritiker in Freiburg im Breisgau. Er hat mehrere film- und literaturdidaktische Arbeiten veröffentlicht, darunter zwei Bände zur Filmanalyse im Unterricht, und schreibt regelmäßig für die Fachzeitschriften Film-Dienst und Filmbulletin sowie die Berner Zeitung.

handlung tipp aus der hörbuch Der schwedische Millionär und Kunstsammler Peer Johannesson geht bei einem Kanuausflug über Bord. Noch am selben Tag lädt sein Rechtsanwalt vier Männer zur Testamentseröffnung ein. Drei davon treffen am nächsten Tag ein, aber der Anwalt ist ermordet und das Testament verschwunden. Die drei stellen fest: Alle haben Johannesson Dinge verkauft, die auf dem Markt nicht zu haben sind. Und das Hörspiel um illegal erworbene Kunstschätze nimmt einen rasanten Verlauf ... SprecherInnen, die hervorragend spielen; Musik und Effekte, die dem Genre alle Ehre machen. Das macht sechs Stunden Hörgenuss! Marco Göllner: Goldagengården Komplett-Box Gelesen von Peter Schiff, Philipp Moog u. v. m. Zaubermond, 360 Min/5 CDs, 39,95 Euro HörbuchHandlung Romeike, Nordstraße 110

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40477 Düsseldorf, www.hoerbuchhandlung.com

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Fotos: Dominik Souard

Was Sie schon immer über Kino wissen wollten … Mit der losen und lustigen Sammlung von Fakten, Anekdoten und Kuriositäten rund um Kino und Film ist das neue Buch von Stefan Volk nicht nur etwas für Cineasten, die sich


www.aufbau-verlag.de

Die BÜCHER-Top-5

Die neue Fred

Die Favoriten der Redaktion

1. Ursula Poznanski:

1. ADAM GIDWITZ: Eine dunkle

Blinde Vögel Wunderlich, siehe S. 51 2. Sam Millar: Die Bestien von Belfast Atrium, siehe S. 50 3. Martin Walker: Femme fatale Diogenes, siehe S. 46 4. Tom Hillenbrand: Letzte Ernte KiWi, siehe S. 43 5. WILEY CASH: Fürchtet euch S. Fischer, siehe S. 48

Sachbücher 1. Meike Winnemuth:

Das große Los Knaus, siehe S. 66 2. Ulrike Draesner: Heimliche Helden Luchterhand, siehe S. 79 3. Navid Kermani: Ausnahmezustand C. H. Beck, siehe S. 74 4. Jenny lawson: Das ist nicht wahr, oder? Metrolit, siehe S. 74 5.Iris Hammelmann: Haltet die Welt an! Gerstenberg, siehe S. 65

[D] 9 ,99

HörBücher

4662937 -7. €

Krimis & Thriller

Rowohlt, siehe S. 38

2. William T. Vollmann:

Jetzt als Taschenbuch

8-3-7

Europe Central Suhrkamp, siehe S. 38 3. James Gordon Farrell: Troubles Matthes & Seitz, siehe S. 36 4. LISA Kränzler: Nachhinein Verbrecher Verlag, siehe S. 34 5. Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte Eichborn, siehe S. 31

Buch der Träume S. Fischer, Alle-Age, siehe S. 16 2. Michael De Cock, Judith Vanistendael (Illustr.): Rosie und Moussa Beltz & Gelberg, ab 9, siehe S. 99 3. Alois Prinz: Jesus von Nazaret Thienemann, ab 14, siehe S. 99 4. Hanna Dietz: Gefährliche Gedanken Arena, ab 12, siehe S. 98 5. Robert M. Sonntag: Die Scanner Fischer, ab 14, siehe S. 98

1. Kerstin Gier: Silber – Das erste

N 97

1. David Wagner: Leben

Vargas

., ISB

Kinder & Jugend

454 S

Erzählungen & Romane

und grimmige Geschichte Audiolino, siehe S. 101 2. Hanna jameson: Kalter Schmerz Der Audio Verlag, siehe S. 52 3. DAVID VANN: Dreck Parlando, siehe S. 41 4. PETER BUWALDA: Bonita Avenue Random House Audio, siehe S. 41 5. LINWOOD BARCLAY: Fenster zum Tod Audiobuch Verlag, siehe S. 54

Vor 20 Jahren Die Spiegel-Bestseller am 7.6.1993* 1. Noah Gordon: Der Schamane Droemer 2. Eva Heller: Der Mann, der‘s wert ist Droemer 3. Rosamunde Pilcher: Die Muschelsucher Wunderlich 4. García Márquez: Zwölf Geschichten aus der Fremde Kiepenheuer & Witsch 5. Barbara Wood: Das Paradies Krüger

Gewinnerin des Europäischen Krimipreises 2012

Trailer zum Buch

* Quelle: www.spiegel.de

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English speakers‘ Corner

Book Notes – on Traveling by Gili Ben-Zvi There seems to be an assumption that travellers want to be thrilled. Reflected clearly in the foreign language book section at major transport hubs. Though the wish to read of human cruelty while trapped in a confined space with complete strangers feels, at best, counterintuitive. I recently traveled from Berlin to Paris, by train, headed for a family vacation in the countryside. An old fashioned slow night train is the perfect opportunity to catch up on some reading and in the spirit of adventure I decided to pick up a fresh book along the way. In each station, in each town, I searched for a literary companion for the 13 hour journey back home. Store after store offered an almost identical selection of best-selling thrillers. As the day of return drew close I realized my only option was suspense, hopefully not too violent. I tried to comfort myself, remembering my fondness for Poe, Christi and the genre‘s turn of the century origin. It was then, in the last shop, in the last french village that my eyes fell on something different; Marina Lewycka‘s latest novel “Various Pets Alive & Dead” a humorous and entertaining family story about mutual expectations and hidden truths. As the train started moving and I began to read, I knew I would sleep better imagining my fellow travellers coming back from similar family reunions, their luggage filled with gifts from loved ones rather then trophies from a killing spree or worse the dismembered body parts of their last train conductor.

Ausstellungen SHE POP. Frauen.macht.Musik Going Gaga: Dieses Ausstellungsprojekt zeigt der männerdominierten Popszene, wo die Musik spielt. Sängerinnen, Produzentinnen, Komponistinnen und Managerinnen -– aber auch die vielen weiblichen Fans stehen in dieser bunten Kompilation aus Fotografien, Bühnenexponaten und Filmsequenzen im Rampenlicht. Im dazugehörigen Katalog wird weibliche Musikgeschichte geschrieben. Bis 8. September 2013, Udo-Lindenberg-Platz 1, Gronau www.rock-popmuseum.de Wortkünstler/ Bildkünstler Gesamtkunstwerke: 150 Gemälde und Arbeiten auf Papier von Schriftstellern wie Victor Hugo, George Sand, Hans Christian Andersen und Herta Müller (im Bild) zeugen von kreativen Doppelbegabungen durch alle Epochen. Durch eine eigens für die Ausstellung konzipierte Audioführung wird die Literatur anhand von Originaltexten und biografischen Verknüpfungen zur Bildsprache gebracht. Bis 7. Juli 2013 (danach in Lübeck) Internationale Tage Ingelheim, www.internationale-tage.de

Tagebuch-Lesebühne Helden und Antihelden, wüste Plots und steile Pointen, Liebesdramen und Happy Ends – ein Jugendtagebuch hat alles, was ein guter Text braucht. Seit Sommer 2011 bieten Nadine Wedel (im Bild) und Ella Carina Werner den Tagebüchern eine Bühne. Im Altonaer Aalhaus lockt jeden letzten Donnerstag im Monat Deutschlands erster Diary Slam unerschrockene Menschen aus ihren Jugendtagebüchern vorzulesen. Ein Best-of aus rund 80 Beiträgen liegt nun in Buch- und Hörbuch-Form vor. Wahrhaftig und lustig, so wie wir alle mal waren. Ella Carina Werner, Nadine Wedel: Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen Scherz, 288 Seiten, 14,99 Euro Hörbuch Gelesen von Mirja Boes, Annette Frier, Carolin Kebekus, Sarah Kuttner und Ralf Schmitz Argon, 145 Min./2 CDs, 14,95 Euro

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4·2013

Fotos: Bernhard Ludewig; Barbara Klemm; Rock‘n Pop-Museum; off

Literatur Leben


Und immer wieder das Meer

Tipp

Großformatige Text-Bildbände, Halbleinen, Fadenheftung 128 Seiten, viele farbige Abb., 25 €

14. Poesiefestival Berlin 7. bis 15. Juni | www.poesiefestival.org Finnen und Deutsche werden Verse schmuggeln, Slam-Poeten vom modernen Nomadendasein und ihrem Gefühl von Heimat berichten und natürlich darf auch der geschätzte Lyrikmarkt nicht fehlen – das 14. Poesiefestival Berlin verspricht wieder zahlreiche Momente des Schmunzelns, Schwelgens und Schmökerns. In Berlin, so heißt es, sei „die Dichte der Dichter am dichtesten“. Und Anfang Juni umso konzentrierter, wenn 180 Poeten aus allen

Himmelsrichtungen ins Künstlermekka kommen, um die Weltlyrik zu feiern. Und die präsentiert sich hier in allen Facetten: Kurzfilm kann sie sein und eine Tanz-Performance, schneller Poetry-Slam und HipHop, Rockballade und halt durchaus auch die klassische Dichtung. Mit dabei sind u. a. Frank Klötgen (Foto rechts), Nikola Madzirov, Christian Bök und Kat Frankie (Foto links). Und wie Jahr für Jahr über 10 000 Besucher beweisen: Die Lyrik lebt!

Anne Goebel An südlichen Gestaden Die italienische Riviera der Künstler und Literaten ISBN 978-3-86915-065-9

WORTREICHE TERMINE

Foto: Veronika Nicklaus, Uwe Lehmann

Juni

JUli

Hamburg: Literatur altonale 2013 31. Mai bis 16. Juni www.altonale.de

Tübingen: 8. Tübinger Bücherfest 7. bis 9. Juni www.tuebinger-buecherfest.de

Klagenfurt (A): 37. Tage der deutschsprachigen Literatur 3. bis 7. Juli www.bachmannpreis.eu

MeiSSen: Literaturfest Meißen 5. bis 9. Juni www.literaturfest-meissen.de

Berlin: 15. Lange Buchnacht 8. Juni www.lange-buchnacht.de

Heidelberg: 19. Heidelberger Literaturtage 5. bis 9. Juni www.heidellittage.de

Düsseldorf: Düsseldorfer Literaturtage 11. bis 23. Juni mit Bücherbummel auf der Kö 13. bis 16. Juni www.duesseldorfer-literaturtage.de

Leukerbad (CH): 18. Internationales Literaturfestival 5. bis 7. Juli www.literaturfestival.ch

Bad Homburg: 4. Bad Homburger Poesie & Literaturfestival 5. bis 12. Juni www.bad-homburger-poesie-undliteraturfestival.com Bremen: Poetry on the Road 6. bis 10. Juni www.poetry-on-the-road.com Köln: Hörspiel-Arena 2013 7./8. Juni www.hsp-gem.de

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Stuttgart: 2. Dragon Days Fantastikfestival 11. bis 14. Juli www.dragondays.de

Hausach: 16. Hausacher LeseLenz 17. bis 24. Juni www.leselenz.de

Leipzig: Literatur-Festival im Rahmen des 4. KAOS-Kultursommers am See 12. bis 14. Juli www.kaos-kultursommer.blogspot.de

Bayreuth: BIGSAS Festival Afrikanischer und AfrikanischDiasporischer Literaturen 20. bis 22. Juni www.bigsas-literaturfestival.de

Cuxhaven: Deichbrand Mikrokosmos – Poetry Slam Festival 18. bis 21. Juli www.deichbrand.de/mikrokosmos Carwitz: 23. Hans-FalladaTage 19. bis 21. Juli www.fallada.de

Kristine von Soden Strandgut Warum das Meer blau ist, der Bikini nie baden ging und alle Möwen Emma heißen ISBN 978-3-86915-048-2

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www.edition-ebersbach.de


Jan Brandt – Vergessliche Momente VIiI

J

ochen Schmidt hat wunderbare Bücher geschrieben mit Titeln, die mir seither nicht mehr aus dem Kopf gehen und zu meinen Sprichwörtern und Redewendungen geworden sind, Triumphgemüse, Müller haut uns raus oder Meine wichtigsten Körperfunktionen. Wenn ich den Platz hätte, würde ich mir jeden Satz, den ich darin unterstrichen habe, rausschreiben und an die Wand hängen, aber es sind einfach zu viele. „Ich kann meine Nachbarn wirklich nur um mich beneiden“, „Du siehst schon wieder so vergeistigt aus“ oder „Manche Menschen gehen nie an ihre Grenzen, sonst würden sie mich dort stehen sehen“. Immer wenn ich ihm begegnete, hatte er ein Notizbuch dabei, und sobald ich etwas sagte, holte er es hervor, nahm einen Stift zur Hand und schrieb etwas hinein. „Was schreibst du da?“, unterbrach ich ihn. „Nichts“, sagte er und hörte auf, zu schreiben. „Hast du etwa mitgeschrieben, was ich eben gesagt habe?“ „Nein“, sagte er schreibend. Zweimal hatte ich das Glück, zu seinem Geburtstag eingeladen worden zu sein. Er wohnt im vierten Stock eines Berliner Gründerzeithauses und kauft, das wusste ich seit der ersten Einladung, stets so wenig Getränke ein, dass ich mein Bier selbst mitbrachte. Kaum hatte ich mir aber eine Flasche aus dem Sechserträger genommen, stürzten die anderen fünf frühen Gäste darauf zu und nahmen sich ebenfalls eine Flasche, weshalb ich, da ich ein zweites trinken wollte, wieder nach unten gehen musste. Diesmal versteckte ich die Flaschen in meinen Jackentaschen. Weil aber immer mehr Gäste eintrafen und sich bald sehr viele Leute in dem einzigen von Jochen für Partyzwecke freigegebenen Zimmer seiner Zweizimmerwohnung drängten, zog ich meine Jacke aus und hängte sie über die Lehne eines der wenigen und darum hart umkämpften Stühle. Dann erhob ich mich und ging aufs Klo. Anders als in anderen Haushalten, in denen ich gewesen war, finden sich in Jochen Schmidts Boudoir

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keine Illustrierten, sondern Hermann Kollers lateinisches Bildlexikon Orbis Pictus Latinus, Fritz Winzers Sachlexikon der Bildenden Künste und Tsunetomo Yamamotos Hagakure – Der Weg des Samurai und vieles andere mehr: eine Badezimmerbibliothek. Als ich zurückkam, war mein Platz vergeben und mein Bier verschwunden, aber ich war um einige Lektüreerfahrungen reicher. Ich machte Jochen auf die Missstände – zu wenig Bier, zu wenig Stühle, zu viele Gäste – aufmerksam und wurde fortan nicht mehr eingeladen. Seitdem haben wir uns nur noch selten gesehen, und wenn wir uns sahen, beklagte er sich darüber, dass seine ersten Bücher bereits vergriffen seien. „Schreib doch mal einen Roman“, sagte ich. „Das kann ich nicht“, sagte er. Und dabei blieb es für lange Zeit. Umso erstaunter war ich, als in der Frühjahrsvorschau des C. H. Beck Verlages der Titel Schneckenmühle angekündigt wurde, ein Roman über eine Ferienlagerjugend in der DDR, Jochen Schmidts großartiger phänomenologischer Roman über das Ende einer Kind-

Jan Brandt, 1974 in Leer in Ostfriesland geboren, stand 2011 mit seinem Debütroman „Gegen die Welt“ auf der Short-List des Deutschen Buchpreises. Für BÜCHER schreibt Jan Brandt regelmäßig über die junge deutsche Literaturszene.

heit. Die Schneckenmühle gibt es wirklich, sie liegt dreißig Kilometer südlich von Dresden, aber natürlich ist der Titel auch eine Allegorie auf den quälend langsamen Untergang Ostdeutschlands. Die Buchpremiere fand im Roten Salon der Berliner Volksbühne statt. Wie auf seinen Partys waren auch hier die Plätze heiß umkämpft. In der zweiten Reihe saßen ausschließlich Kinder, Jochens Tochter und deren Freundinnen und Freunde, und auf dem Sofa unterhalb der Bühne saßen Jochens Eltern und Geschwister und Freundinnen und Freunde. Zuerst wurden als Einstimmung auf den Abend per Beamer Fotos an die Wand geworfen, Bilder von Postkarten, DDR-Produkten und VEBMöbelhäusern. Dann verschwanden die Bilder, es wurde still, und Jochen setzte sich auf den einzigen frei gebliebenen Platz, uns gegenüber. Er sagte, dass er mangels Moderator selbst moderiere, gab ein Heft herum, an dem mit zwei Fäden ein Prittstift und ein Kugelschreiber befestigt waren, und forderte uns auf, Kassenbons oder Bonmots hineinzuschreiben, aber die als Anregung gedachten von ihm selbst hineingeklebten und -geschriebenen Sprüche wie „Willkommen Zuhause – ein Satz, den ein Single nie hören wird“ schüchterten mich derartig ein, dass ich es gleich an meine Nachbarin, seine Agentin, weiterreichte. Dann fing Jochen an, zu lesen. Den ersten Satz, den ich mir, wenn ich das Buch dabei gehabt hätte, unterstrichen hätte, „Seine Mutter habe sich nach seiner Geburt zunähen lassen, behauptet Eike“, konnte ich mir noch merken, aber schon bald waren es so viele, darunter einige, die mir sehr bekannt vorkamen – „Frigide sei mit dir“, „Wenn du denkst, du hast ihn drinne, dann hängt er in der Sofarinne“, „Scheiße an der Sackbehaarung zeugt von einer Männerpaarung“ –, dass ich beschloss, mir hinterher ein weiteres Exemplar zu kaufen, weil ich fand, dass man immer einen Schmidt dabei haben müsse, einen Schmidt für jede Lebenslage. 4·2013

Fotos: Harry Weber; Jan Brandt

Ich überblättere Kassenbons und Bonmots und kaufe einen Schmidt für jede Lebenslage


Literatur im Internet

Ins Netz Gegangen

Liebe ist nicht

immer

das, was man

Maschinenöl und Druckerschwärze

denkt.

In Cornelius Zappencacklers Derange-O-Lab verbringt der Liebhaber Stunden köstlicher Freizeit. Das Design der Seite erweckt den Eindruck, man befinde sich an einem stickigen, schlecht beleuchteten Ort und werde im nächsten Moment von Außerirdischen, Dinosauriern oder Riesenkraken angegriffen. Zappencackler stellt eine Reihe schmieriger Instrumente zur Verfügung, mit denen sich herrliche Schundheftchen generieren lassen, inklusive Titel, Cover und dem Nachgeschmack der Unmoral. thrilling-tales.webomator.com

Nichts als die Welt

Die Seite drei des Internets: Jonas Breng, Tin Fischer und Björn Stephan, drei junge Berliner Journalisten, stellen auf ihrer Kuratorenplattform jede Woche die drei („gefühlt“, so die Verantwortlichen) besten Reportagen aus deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften online. Wer also lesen möchte, was Christoph Zürcher (NZZ) in einem Bordell in Djibouti machte, wie Josh Androsky (Vice) sich mit dem tschetschenischen Präsidenten betrank und Max Küng (Das Magazin) Rihanna nicht traf, findet hier seinen Ausgangspunkt. reportagen.fm

Platz 1

der Bestsellerliste

€ 14,99 (D) / € 15,50 (A) / sFr. 21,90

[Blogroll]

Zur Sache, Sätzchen!

„Als Erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee.“ (Wolfgang Herrndorf, Tschick) Ein Spaziergang durch das Museum der schönen Sätze sei jedem angeraten, der Sprache liebt. Die Ausstellung ist vielfältig und gut organisiert. Erste Sätze, Songzeilen, gesprochene Worte, Fundstücke liegen frei auf weißem Hintergrund und leuchten. Sammler, Kurator und Museumswächter ist Bernhard Blöchl, Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung. Er findet die Sätze, ordnet sie ein und kommentiert sie liebevoll. Seinen Gästen stellt er kluge Fragen. Geöffnet ist das Museum (und das verwundert ja heutzutage auch niemanden mehr) immer. Filzpantoffeln sind überflüssig, aber nicht verboten. lieblingssaetze.wordpress.com

4·2013

Louisa weiß, dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird. Will weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall – und dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird … Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Mehr Infos: www.buch-boutique.de 11


Wörterwelten

Wer heute um die dreißig ist, kennt mit großer Wahrscheinlichkeit ein paar Zeilen von ihm auswendig. Für „Die Sterne“ schrieb Frank Spilker lakonische, kantige Texte. Diese Bücher haben ihn beeinflusst.

1

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

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„Mindboggling“ und bei aller Albernheit eine Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis eines christlich-religiös geprägten Wertesystems im Angesicht der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verhältnisse im Universum, insbesondere der Winzigkeit unseres darin vorkommenden Heimatplaneten. Dass auch der Glaube an Digitaluhren dabei eine Rolle spielt, weist nur darauf hin, wie wenig überheblich dieses atheistische Manifest ist, das sich auf den ersten 20 Seiten abspielt. Übersetzt von Benjamin Schwarz. Heyne, 208 Seiten, 10 Euro

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2

Arkadi und Boris Strugatzki: Picknick am Wegesrand

Besonders durch das Nachwort von Stanislaw Lem so eine Art Lehrstück erzählerischer Logik. Es war auf jeden Fall eine Hilfe, im Kalten Krieg auch die andere Seite zu verstehen. Der Kalte Krieg hat ja hauptsächlich im Science-Fiction-Genre stattgefunden. Übersetzt von Aljonna Möckel. Suhrkamp, 224 Seiten, 8,95 Euro

3

Dashiell Hammett: Rote Ernte

Das ist noch viel roher, radikaler und brutaler als „Der dünne Mann,“ das ja für sich genommen auch zukunftsweisend ist. Dashiell Hammett war der erste Autor der hard-boiled Schule und der Einzige, der eine Detektei von innen gesehen hatte. Dass es bei diesem Job sehr viel häufiger um Politik, als um das Aufklären von Morden ging, spiegelt sich auch in diesem Buch wider. Das Größte an „Rote Ernte“ ist aber die völlige Abwesenheit eines Detektivs, mit dem man sich identifizieren könnte. Dieser Ermittler muss ohne Namen und Charakter auskommen. Übersetzt von Gunnar Ortlepp. Diogenes, 256 Seiten, 10 Euro

Frank Spilker wurde 1966 in Herford geboren und lebt heute in Hamburg. 1987 gründete er die Band „Die Sterne“, deren Sänger er bis heute ist. Mit „Es interessiert mich nicht. Aber das kann ich nicht beweisen“ legt er seinen ersten Roman vor (Rezension auf Seite 34).

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Fjodor M. Dostojewskij: Verbrechen und Strafe

So nah wollte man einem Mörder doch eigentlich niemals kommen. Bei mir für mehr Albträume verantwortlich als jeder Stephen-King-Roman. Mehr Wirklichkeit, als man vertragen kann auf die PsychoTour. Ich habe alles in der Übersetzung von Swetlana Geier noch einmal gelesen. Übersetzt von Swetlana Geier. Fischer Klassik, 784 Seiten, 13 Euro

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Jakob Arjouni: Kismet

Jakob Arjouni ist/war für mich der Held des Genres in Deutschland. Diogenes, 272 Seiten, 10,90 Euro

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Roland Barthes: Das Reich der Zeichen

Wie sehr die Sprache das Denken beeinflusst, hat mich dieses Buch gelehrt. Es ist ein idealer Steigbügelhalter, um den Tellerrand zu erklimmen. Und eine Ermutigung, es nicht mit einer einzigen Kunstform bewenden zu lassen oder diese gegeneinander auszuspielen. Übersetzt von Michael Bischoff. Suhrkamp, 168 Seiten, 10 Euro

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Michael Hamburger: Late

Erst vor Kurzem entdeckt. Die Naturverbundenheit Hamburgers ist überwältigend. Beim Lesen der Gedichte dieses selbst kürzlich verstorbenen alten Mannes fühlt man sich seltsamerweise wieder wie ein Kind. Anvil Press Poetry, 64 Seiten, 10,99 Euro

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Peter Fischli, David WeiSS: Findet mich das Glück?

Eigentlich eine Installation. Ein unverstellter direkter Blick auf Emotionen, die sich in Fragen manifestieren. Toll. Und ein schöner Beweis für Roland Barthes. Verlag der Buchhandlung Walther König, 168 Seiten, 9,95 Euro

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Foto: Juliane Werner

Œ


Der Fußball wurde erfunden für dieses Buch. 50 Jahre Fußball Bundesliga. 50 Spielzeiten großer Sport und unvergessliche Tore. 50 Jahre Dramatik und Emotion, bewegende Ereignisse und große Persönlichkeiten. Auf 430 Seiten und grandiosen Fotostrecken mit über 1.000 Bildern erzählt die SZ-Sportredaktion in Porträts, Interviews, Essays, kuriosen Ranglisten und persönlichen Glossen all diese Geschichten. Ein Lesevergnügen und ein Muss für jeden Fußballkenner. Mit Champions League Special und Meisterporträt der 50. Saison.

Foto: imago/Ferdi Hartung

Für 39,90 € überall im Handel und unter www.sz-shop.de.


Die welt der Karten

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4路2013


A Map of the World Landkarten als Leinwand für illustratives Visual Storytelling. Diese persönlichen Interpretationen der uns umgebenden Wirklichkeit erzählen bezaubernde Geschichten jenseits von GPS oder Google Maps. Gestalten, 224 Seiten, 39,90 Euro

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I Titelporträt

Träum schön!

Die Edelstein-Trilogie aus „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ machte Kerstin Gier zu einer der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Nun kommt ihre neue Saga „Silber – Das erste Buch Von Meike Dannenberg der Träume“.

hre Stärke sind Figuren, die man sich am liebsten ins Ohr stecken möchte, damit sie immer dann soufflieren, wenn eine peinliche Situation entsteht oder ein Missgeschick passiert. Wenn man dringend schlagfertig sein will, dann ist eine Kerstin-Gier-Figur im Ohr Gold wert. Aus ihrem ersten Arbeitszimmer im ersten Stock sind die Engelsfiguren, die noch vor einigen Jahren die Wand zierten, inzwischen verschwunden. Jede war mit dem Kopf eines guten Freundes oder eines anderen unterstützenden Menschen versehen. Hilfreiche Geister, die jede Schriftstellerin braucht, wenn es gerade nicht so gut läuft. Die Figuren sind einer neuen Klarheit gewichen, Grau und Weiß dominieren die lichtdurchfluteten Räume. „Mit dem Erfolg bin ich erwachsener geworden, und das hat mich natürlich verändert. Glücklicherweise“, lacht Kerstin Gier. In ihrem großen gepflegten Garten steht ein Kirschbaum, darunter eine Hängematte, zwei Tigerkatzen dösen im Schatten. Sie möchte aus dem Dorf im Bergischen, wo sie in einem freundlichen Einfamilienhaus lebt, nicht weg. Ihre Familie wohnt ganz in der Nähe, ihr Mann Frank arbeitet dort und ihr dreizehnjähriger Sohn geht hier zur Schule. Von der Schreibstube im Giebel aus blickt sie über Kuhweiden bis zum Waldrand. „Kühe gibt es hier mehr als Einwohner“, lacht sie. In den letzten Jahren hat sich auch verändert, was man unter einem „typischen“ Gier-Roman versteht: Früher war das ein unterhaltsamer Frauenroman mit sympathischen Protagonistinnen und einem guten Schuss Humor. Der Erfolg der Edelstein-Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“ in den letzten Jahren („Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“) sorgte dafür, dass es plötzlich hieß, sie sei doch die Autorin, die vorrangig Jugend-Fantasy schreiben würde. Dabei standen die drei Bücher nahezu dreißig Titeln aus der Erwachsenenliteratur gegenüber. Und jetzt wieder, ein Jugendbuch. Zum Entzücken der Fans, die keineswegs ausschließlich im Teenageralter sind, weshalb der Fischer Verlag auch auf eine explizite Alterskennzeichnung verzichtete. Vor vier Jahren ist Kerstin Gier mit der Zeitreise-Saga ein Spagat gelungen zwischen dem, was ihre Romane für Erwachsene so erfolgreich gemacht hat und dem, was sich auch junge Leserinnen wünschen. Natürlich ist die Heldin witzig. Und schlagfertig. Sie sieht auch gut aus (ohne es zu wissen) und bekommt den tollen Typen. „Rubinrot“, das inzwischen auch verfilmt wurde, lässt Mädchen- wie Frauenherzen höher schlagen und kann sogar Jungs begeistern.

Erfrischend normal und gleichzeitig plietsch

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In „Silber – Das erste Buch der Träume“ ist die Heldin Liv Silber wieder so eine Figur, die einen vom ersten Moment um den Finger wickelt, weil sie so erfrischend normal und gleichzeitig plietsch ist. Schon als der Drogenhund der Londoner Polizei der Fünfzehnjährigen wegen ihres „Entlebucher Biosphärenkäses“ in London Heathrow Scherereien macht („Schmeckt besser als er riecht, ehrlich!“) und das angewiderte Gesicht des Zollbeamten von den Umstehenden auch auf Livs Wäsche gemünzt werden könnte (befürchtet sie), kommt das erste fröhliche Gefühl auf. Wie sie

Fotos: Olivier Favre

Kerstin Gier versteht es, den Alltag zu feiern (Illustrationen aus „Das Mütter-Mafia-Buch“)

4·2013


Erzählungen & Romane

Die Mütter-Mafia Bastei Lübbe, 383 Seiten, 10 Euro Hörbuch Gelesen von Mirja Boes Lübbe Audio, 252 Min./4 CDs, 10 Euro

Silber – Das erste Buch der Träume Fischer Verlag, 416 Seiten, 18,99 Euro Als Ebook erhältlich Hörbuch Gelesen von Simona Pahl Argon, 560 Min./ 8 CDs, 19,95 Euro Erstverkaufstag: 20. Juni

BÜCHER verlost je fünf Bücher und Hörbücher von „Silber – Das erste Buch der Träume“ (S. Fischer/ Argon). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3. 4·2013

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Würde bewahrt, während sie gleichzeitig vor Scham im Boden versinken möchte, macht Liv die ganze Zeit ungeheuer sympathisch. Sie ist unempfänglich gegenüber den Oberflächlichkeiten einiger anderer Schüler, ihrer jüngeren Schwester eine gute Freundin und keineswegs eingebildet. Nach dem Erlebnis bekommt Liv in der neuen Schule von den hübschen Jungs den Spitznamen „Käsemädchen“, am Flughafen wurde sie von einem Mitschüler beobachtet. Dumm gelaufen. Oder auch nicht, denn auch die stinkenden zweieinhalb Kilo Schweizer Rohmilchkäse, die Liv in London Heathrow so peinlich waren, können den smarten Henry nicht abhalten, ihr näher kommen zu wollen. Und dann kommen sich die Jugendlichen, Liv und die vier Jungs, näher, als man sich „erträumen“ könnte. Henry träumt von Liv, oder sie von ihm, ebenso von Grayson, ihrem neuen „Stiefbruder“, und er von ihr. Sie alle begegnen sich im Traum. Denn Liv betritt im Traum durch eine grüne magische Tür einen Korridor, durch den man in die Träume der

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anderen hineinkommt. Als sie das erste Mal in Graysons Traum stolpert, ahnungslos, dass sie das alles gemeinsam mit den anderen Träumern „erlebt“, sind die unbescholtenen Knaben gerade zu einer Art satanischer Messe auf dem Friedhof versammelt. Liv landet direkt in ihrer Mitte und ab diesem Moment entspinnen sich eine Tag- und eine Nachthandlung. Realität und Traum überschneiden sich und dunkle Gefahren, die nachts geweckt werden, treiben auch tags ihr Unwesen.

Realität und Traum überschneiden sich Anders als in der Edelsteintrilogie, die zwar auch (ein wenig) Grusel heraufbeschwor, aber in der Heldin Gwendolyn eher mit ihrem Liebeskummer und einigen finsteren Mantelund-Degen-Schergen zu kämpfen hatte, geht es in „Silber“ düsterer zu – etwas entschärft durch den gewohnt witzigen Gier-Ton und die Erfüllung geheimer Mädchenträume. Aber mordlüsterne Teenager, das teuflisch Böse und die 4·2013


www.rowohlt.de

Erzählungen & Romane

«Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.» Der neue Roman von Eugen Ruge, 2011 ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis

vernichtende Kraft der Geistesgestörtheit dürfen ebenfalls mitspielen. Dem gegenüber stehen romantische und spielerische Ideen, etwa der Tittle Tattle Blog, in dem der neuste Schulklatsch verbreitet wird und ein stilechter viktorianischer Herbstball. „Natürlich hoffe ich, dass auch Erwachsene daran Spaß haben und das Buch spannend finden werden, aber beim Schreiben habe ich mich an jugendliche Leser gerichtet, deshalb auch das tuffige Ballkleid ... Nein, ernsthaft, ich glaube, für manche Dinge ist man nie zu alt!“, sagt Kerstin Gier dazu.

Auch als

E-Book erhältlich

Träume fände sie faszinierend, sagt sie. „Immer schon wollte ich dieses Buch schreiben, ein Buch, in dem Menschen sich gegenseitig in ihren Träumen besuchen können. Und ganz ehrlich: Viele Sachen aus dem Buch habe ich wirklich geträumt.“ Auch dieses Mal geht es um Liebe. Ist der hübsche Henry Liv in ihren Träumen sehr nah, schlägt das 4·2013

© Tobias Bohm

ein buch voller träume

208 Seiten. Gebunden € 19,95 (D) / € 20,60 (A) / sFr. 28,50 (UVP)

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Das Mütter-MafiaBuch – Die Kunst den Alltag zu feiern Bastei Lübbe, 144 Seiten, 15 Euro

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Herz des Lesers doch gleichzeitig auch für den reservierten Grayson. Nur schade, dass das Buch so schnell gelesen ist und man dann so lange auf das nächste warten muss. Denn es wird noch mehr „Bücher der Träume“ geben, das ist gewiss. Drei sind im Moment geplant.

Den Alltag Feiern trotz Abgabefrist Nebenbei kann Kerstin Gier natürlich nicht vollständig aufgeben, auch Frauenliteratur zu schreiben. Parallel zu den „Edelsteinen“ erschien 2011 „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“. Derzeit gibt es noch etwas Neues: einen Ratgeber der Mütter-Mafia, um zu lernen „den Alltag zu feiern“; mit Beiträgen der Figuren aus dem bekannten MütterClub. Normalerweise sind solche Bücher mit Lebenstipps, Rezepten und Bastelanleitungen eher eine Art Resteverwertung aus einer erfolgreichen Serie – und die „MütterMafia“-Serie gehört zu den komischsten und erfolgreichsten Büchern, die Kerstin Gier je geschrieben hat –, aber die acht Frauen sind wie immer höchst unterhaltsam und auch ziemlich erfahren: „Zusammen haben wir zwanzig Kinder (wenn ich mich nicht verzählt habe), fünf Ehemänner, vier Exmänner und vier heimliche Geliebte“, steht im Vorspann. Da kann man schon mal Ratschläge geben. Außerdem glaubt man Kerstin Gier, dass sie in der Lage sei, „den Alltag zu feiern“, auch wenn der Alltag der Autorin inzwischen hauptsächlich von Abgabefristen beherrscht wird. Schriftstellerin zu werden war für Kerstin Gier schon ein Wunsch, als sie noch in die Grundschule ging. „Ich fand es immer so schade, wenn ich ein schönes Buch ausgelesen hatte, dass ich Fortsetzungen dazu schrieb, wenn ich die Personen besonders lieb gewonnen hatte.“ Doch nach einem Studium der Erziehungswissenschaften arbeitete sie zunächst nur in einem Großhandel für Pferdebedarf. „Kein Job, dem ich eine Träne nachweine.“ Fürs Schreiben, sagt sie, brauche sie Zeit und Ruhe. Um ihr Debüt „Männer und andere Katastrophen“ von 1995 zu beenden, nahm sie ein Sabbatical. Sie kündigte ihren Job und zog bei ihrem jetzigen Mann Frank ein, den sie damals erst seit wenigen Monaten kannte. „Meine Schwägerin zwang mich dann, meine rote Mappe beim Pförtner des Verlags abzugeben. Das war so peinlich!“ Zwei Tage darauf erhielt sie einen Anruf vom Lektor: „Wie kommt das hierher? Ist ja egal, wir drucken das!“

Am Anfang schrieb sie unfassbar viel, teilweise unter den Pseudonymen Jule Brand und Sophie Bérard, für jüngere Leser ebenso wie für Erwachsene. Sie veröffentlichte bis zu vier Bücher pro Jahr. „Ich habe zu Beginn Tag und Nacht geschrieben. Damals hatte ich noch kein Kind, da ging das noch.“ So, wie es sich viele Nachwuchsschriftsteller vorstellen, nämlich dass mit dem ersten Buch schon Plätze auf den Bestsellerlisten in greifbarer Nähe sind, ist es nicht. Gemessen an ihrem Potenzial fristete Gier im Verlag zunächst ein Schattendasein. „Männer und andere Katastrophen“ wurde mit Heike Makatsch verfilmt, die Bücher verkauften sich gut und Kerstin Gier erschrieb sich eine treue Fangemeinde – bis 2009 wurden die ersten rund zweieinhalb Millionen Bücher zu einem hohen Anteil über Online-Kanäle verkauft, was eher auf Aktivitäten von Usern in Bücherforen und Mund-zu-Mund-Propaganda als auf hohe Marketingbudgets schließen lässt. Obwohl sie so erfolgreich war, hielt sich ihre Medienpräsenz in Grenzen. Aber auch ohne dass der Name Gier fast jedem versierten Leser durch die SPIEGEL-Bestsellerliste bekannt war, war ihr Roman „Für jede Lösung ein Problem“ schon 2007 der bestverkaufte Belletristik-Titel des größten Online-Versandhauses. Der Roman „In Wahrheit wird vielmehr gelogen“ bekam das Prädikat „Spitzentitel“ und die mediale Aufmerksamkeit an Kerstin Gier stieg rasant an, rund vierzehn Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung. Auf die Frage, ob sich mit dem (noch größeren) Erfolg ihr Leben verändert habe, antwortet Kerstin Gier allerdings bedauernd: „Der Erfolg hat mein Leben nicht verändert, weil ich ja immer noch nur arbeite und gar keine Zeit habe, den Erfolg auch mal zu genießen.“ Trotzdem ist die Autorin, die inzwischen über dreißig Bücher veröffentlicht hat, den Beruf keineswegs leid. „Ich hatte zwischendurch sehr heftige Glücksmomente beim Schreiben, einfach, weil mir meine eigene Geschichte und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sehr viel Spaß gemacht haben. Allerdings hat es ja wieder eine Ewigkeit gedauert, das Buch zu schreiben, weswegen die Deadline mehrmals überschritten wurde, und das steht Glücksmomenten grundsätzlich sehr im Weg. Und man muss täglich gegen Dämonen kämpfen … Trotzdem ist Schreiben immer noch die Erfüllung meiner Träume, das ist verrückt, aber ich glaube, ohne ging es auch nicht!“

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Ein Roman über die Suche nach Glück und Liebe. Zu viel des Guten? Anna Gavalda bekennt im Interview: „Ich habe keine Angst vor Klischees. Alle meine Bücher sind voll davon.“ Einige Leser schreckt das womöglich ab, andere werden darin Trost und Freude finden.

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ie Klischees aus Anna Gavaldas Roman „Alles Glück kommt nie“ sind schnell aufgezählt: ein End-Vierziger in der Midlife-Crisis, eine erkaltete Ehe in einer perfekt dekorierten Wohnung und eine neue Liebe, die alles verändern wird. Es ist die Geschichte eines ausgelaugten Workaholics, der die Freude am Leben wiederentdeckt. Ein Ausflug in eine Romanwelt, die offenlegt, was das „Finden“ von Glück behindern oder ermöglichen kann. Der Unterschied zu anderen deprimierten (Anti-)Helden der Popliteratur mag sein, dass Gavaldas Protagonist zwar in eine Identitätskrise schlittert, sich dabei jedoch nie wirklich unfair, unkontrolliert oder kopflos verhält. Obwohl die Autorin sich den Eigenheiten ihres Helden sehr liebevoll widmet, bleiben tieferliegende Konflikte oder Motivationen unbeleuchtet, wodurch er ein wenig an Profil einbüßt. Dafür leben Gavaldas Charaktere über kurz oder lang einen Optimismus, der den Romanen ihre charmante Unbeschwertheit verleiht. Gavalda ist bekannt für den locker-verspielten Duktus ihrer Texte. In diesem Roman ist sie noch einen Schritt weitergegangen. Figurengedanken und Erinnerungen werden ohne Umschweife in erlebter Rede, witzigen Dialogen oder innerem Zwiegespräch wiedergegeben. Die saloppe Ausdrucksweise gibt dem Text eine Art lebendige „Mündlichkeit“. Es fühlt sich an, als würde man einen abwechslungsreichen Film sehen. Sätze und Szenen sprudeln auf den Leser ein, die „Schnitte“ zwischen den Szenen sind teilweise rasant 4·2013

DIESMAL Anna Gavalda: Alles Glück kommt nie Übersetzt von Ina Kronenberger Fischer TB, 608 Seiten, 9,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Anna Gavalda 1970 in Paris geboren, studierte Literatur und erzielte mit ihrem ersten Erzählband Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet (dt. 1999) – nach zahlreichen Absagen anderer Verlage – einen Bestsellererfolg. Ihr kleiner Pariser Verlag „Le Dilettante“ feierte mit Ich habe sie geliebt (dt. 2003) und Zusammen ist man weniger allein (dt. 2005) weltweite Erfolge. Alles Glück kommt nie erschien 2008.

gesetzt. Fühlen und Denken der Figuren wird so hautnah erlebt. Doch wer erzählt hier eigentlich? Die Geschichte beginnt in medias res, der Leser befindet sich mitten im Gedankenstrom von Charles Balanda, einem 47-jährigen Architekten, der sich für die falsche Frau entschieden hat und fast an seiner selbstzerstöreri-

schen Arbeitsauffassung zugrunde geht. „Alles Glück kommt nie“ wirkt wie eine spontane Erzählung ohne System. Schläft Charles ein, bricht die Erzählung ab, erinnert er sich an vergangene Szenen und Ereignisse, oszilliert das Erzählpronomen zwischen „Ich“ und „Er“. Wenn er selbst nicht weitererzählen kann, übernimmt das eine fremde Stimme, ein anonymer Sprecher, der sich oft als sein „ÜberIch“ entpuppt und sich manchmal sogar direkt an den Leser wendet. Um „Alles Glück kommt nie“ vollends genießen zu können, bedarf es vermutlich dreier Dinge: Man akzeptiert, dass die Erzählweise absolut gewagt und teilweise verwirrend ist, hat nichts gegen gelegentliche Theatralik und schenkt dem Erzähler sein vollstes Vertrauen. Denn alle offenen Fragen werden sich – wenn auch verzögert – erschließen. Die vielen kommunikativen Ebenen des Romans ermöglichen nicht nur die direkte Teilnahme an Charles’ innerem Erleben, sondern scheinen auch ein Fingerzeig auf seine Zerrissenheit zu sein. Wenn andere Figuren dem depressiven Helden etwas erzählen, ist diese „Geschichte in der Geschichte“ im Gegensatz zu seinen galoppierenden Gedanken äußerst geordnet, linear, spannend und kunstvoll aufgebaut. Hier zeigt die Autorin neben ihrem Händchen für gelungene Dialoge auch ihr feines Gespür für die mitreißende Darstellung der Lebensgeschichte ihrer Figuren. So ist es auch im letzten Teil des Romans. Charles trifft auf Kate. Eine Frau, die ihm durch ihre bloße Anwesenheit neuen Lebensmut schenkt. Ihre Liebe wird sein Glück ausmachen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ein Weg, der den Protagonisten lehrt, seinen Tunnelblick aufzugeben, sich von den selbst auferlegten Zwängen und Pflichten zu befreien und der leisen, verschüttgegangenen inneren Stimme zu folgen. Eine Stimme, die so viele zu ignorieren versuchen oder nicht wahrnehmen wollen, die jedoch im Zweifel immer den richtigen Weg weist. Charles dabei „zuzuschauen“, wie er sich für seine große Liebe mühsam von seinem alten Ich verabschiedet, wirkt ansteckend und bereitet Freude. Und davon kann man nie genug haben. Text: Jeanne Wellnitz

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Bestsellerautor Andrea Hirata in Berlin

Roman-Autobiografie

James Herriots südostasiatischer Erbe

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elitung sieht aus wie das Paradies auf Erden. Gibt man den Namen der indonesischen Insel bei Google ein, so springen zuallererst Bilder der schönsten Urlaubs­ fantasien ins Auge: große Felsen an feinem weißem Sand­ strand, türkisblaues Meer, natürlich Palmen und das eine oder andere Fischerboot. Und in der Regel ist es denn auch das, was man wahrnimmt und wahrnehmen möchte, wenn man einmal dort ist, an solchen vom Klima verwöhnten Orten: die pure tropische Idylle. Vom Leben der Einheimi­ schen bekommt man meist wenig mit, und dass das Leben der Fischer, deren Boote so malerisch an den Stränden lie­ gen, schon ziemlich hart sein muss, denkt man sich zwar, aber ganz so genau will man es während des Urlaubs viel­ leicht auch nicht unbedingt wissen. Das Touristenaufkommen auf Belitung sei um ein Vielfa­ ches gestiegen, „um 1800 Prozent“, erklärt Andrea Hirata, seit er 2005 seinen autobiografischen Roman „Die Regen­ bogentruppe“ veröffentlichte. Es liegt schon eine gewisse Ironie darin, dass der Tourismus gerade durch ein Buch

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so angekurbelt wurde, das einen gänzlich untouristischen Blick auf die Insel ermöglicht. Sandstrände und Palmen­ hainidylle kommen in Hiratas Roman nicht vor, statt des­ sen handelt er vom Wert des Wissens, von der Macht der Armut, von Freundschaft und von Idealen, erfüllten und gescheiterten. – Andrea Hirata, geboren und aufgewach­ sen auf Belitung, war Angestellter bei der indonesischen Telekom, als er mit „Die Regenbogentruppe“ sein erstes Buch schrieb. Er hatte niemals vor, Schriftsteller zu werden, erzählt der Mann, der innerhalb von wenigen Jahren zum meistgelesenen Autor Indonesiens wurde. Ein Geschenk für seine ehemalige Lehrerin Bu Mus sollte es sein, der er als Junge einst versprochen hatte, er werde ein Buch über sie schreiben. „Ich habe beim Schreiben überhaupt nicht an irgendwelche Leser gedacht“, beteuert Hirata, wirk­ lich nur für die Lehrerin und die ehemaligen Mitschüler sei das Buch bestimmt gewesen. Ein Bekannter habe es bei einem Verlag eingereicht, er selbst sei von dem Ange­ bot, es zu veröffentlichen, total überrascht gewesen. Mitt­ 4·2013

Foto: Katharina Granzin

Als Kind hatte der Indonesier Andrea Hirata seiner Grundschullehrerin versprochen, er werde einmal ein Buch über sie schreiben. Als er Jahrzehnte später sein Versprechen er­ füllte und „Die Regenbogentruppe“ veröffentlichte, war dies der Beginn einer märchen­ haften Karriere als internationaler Bestsellerautor.  Von Katharina Granzin


Erzählungen & Romane

lerweile ist „Die Regenbogentruppe“ in mindestens „19 Sprachen, glaube ich“, übersetzt (ganz genau weiß es der Autor selbst nicht) und auch verfilmt worden, 2011 wurde der Film auf der Berlinale gezeigt. Derzeit arbeitet man in Indonesien an einer auf dem Buch basierenden Fernsehse­ rie. Andrea Hirata wiederum hat mittlerweile schon sechs weitere Bücher geschrieben und vor zwei Jahren sein Ange­ stelltendasein zugunsten einer Existenz als freier Schrift­ steller aufgegeben. „Die Regenbogentruppe“ handelt von einer Schule. Von der baufälligen, kleinen, islamischen Dorfschule, in die der Autor als Kind ging, von seinen zehn Schulfreunden und –freundinnen und den beiden hingebungsvollen Lehrern, der damals fünfzehnjährigen Junglehrerin Bu Mus und dem würdigen alten Schulleiter. Bereits die Eingangsszene ist ungemein spannungsreich, obwohl nichts weiter geschil­ dert wird als der erste Schultag der Kinder. Doch könnte dieser erste Schultag auch gleich der letzte sein, denn wenn sich weniger als zehn Erstklässler zusammenfinden, soll die Schule geschlossen werden. Für die meisten Eltern bedeutet es Entbehrung und finanzielle Einbußen, Kin­ der zur Schule zu schicken, die anderenfalls zum Familien­ einkommen beitragen könnten. Es sind die Sprösslinge von armen Fischern und Arbeitern, die die kleine Schule Muhammadiyah besuchen. Die Insel Belitung ist reich an Bodenschätzen, und zu der Zeit, da diese Geschichte spielt – Andrea Hirata ist in diesem Punkt etwas unklar, denn er will der Öffentlichkeit sein wahres Alter nicht verraten –, ist die Zinnmine noch in Betrieb, die einst von den hol­ ländischen Kolonialherren aufgebaut wurde. Auch unter den indonesischen Betreibern floriert die Mine und zemen­ tiert eine tiefe soziale Kluft zwischen den Angestellten des Zinnwerks und dem Rest der Bevölkerung. Vor dem Hinter­ grund der Armut, in der die Menschen leben, erscheint die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, wie eine luxuriöse Uto­ pie. Und die verzweifelte Sehnsucht, mit der neun Kinder und ihre Eltern auf einen zehnten Schüler warten, scheint diese Utopie ins nahezu Unerreichbare zu steigern. Als end­ lich doch noch der zehnte kommt, ist mit der farbig ausge­ schmückten Szene des bangen Wartens bereits der Erwar­ tungsrahmen für das gesteckt, was diesen Roman insgesamt ausmacht: die Schule selbst als etwas ganz und gar nicht Selbstverständliches, sondern als eine hoch erwünschte, aufregende Kostbarkeit zu begreifen. Möglicherweise, oder sogar sehr wahrscheinlich, ist diese Eingangsszene in Wirklichkeit nie so passiert, wie der Autor sie beschreibt. Vielleicht kam auch überhaupt gar keiner zu spät an jenem ersten Schultag. Andrea Hirata sagt selbst, das Buch sei ein Roman, weil es zwar von sei­ nen Erinnerungen handle, aber „viele erfundene Elemente“ enthalte. Im Erfinden solcher Elemente zeigt sich der gebo­ rene Geschichtenerzähler. Und um einen solchen handelt es sich bei Andrea Hirata zweifellos. Beim Gespräch in den Räumen seines deutschen Ver­ lags in der Berliner Friedrichstraße wirkt der Autor etwas erschöpft, aber guter Dinge. Soeben kommt er von der lit­ Cologne, ist in Berlin nur kurz auf der Durchreise zur Leip­ ziger Buchmesse. Danach wird er in Ungarn und Spanien 4·2013

Andrea Hirata: Die Regenbogentruppe Übersetzt von Peter Sternagel Hanser, 272 Seiten, 19,90 Euro Hörbuch Gelesen von Sebastian Rudolph Hörbuch Hamburg, 432 Min./6 CDs, 19,99 Euro

erwartet. Sein erster Roman hat sich in Indonesien geschätzt 20 Millionen Mal verkauft (das Gros davon als Raubko­ pien), die Verfilmung wurde zum meistgesehenen indone­ sischen Film aller Zeiten. Eine enorm steile Karriere für einen Mann, der von sich selbst sagt, er sei nie ein großer Leser gewesen und habe auch nie literarisch geschrieben – „Nicht einmal eine Kurzgeschichte!“ –, bevor er beschloss, das Versprechen zu erfüllen, das er seiner Lehrerin gab, und ein Buch über sie zu schreiben. Hirata ist, rein beruf­ lich, ein Mann der Zahlen. Aus einer armen Arbeiterfami­ lie stammend, hat er Wirtschaftswissenschaften studiert, zunächst in Indonesien, dann mit einem Stipendium der EU in Sheffield und Paris. Für Literatur sei da kein Platz gewesen, sagt er. Wenn ihn aber in seinem Leben ein Autor in­spiriert hat, so war es der englische Tierarzt James Herriot, dessen Bücher auch der Ich-Erzähler Ikal in „Die Regen­ bogentruppe“ verschlingt. Ikal bekommt die indonesische Übersetzung von „Der Doktor und das liebe Vieh“ von sei­ ner ersten Jugendliebe geschenkt, als das Mädchen zu sei­ nem großen Kummer von der Insel fortziehen muss, und erfährt die Erzählungen aus dem Dorf Edensor im fernen Devonshire als ultimativen Trost. „Jeder Satz flößte mir neuen Lebensmut ein“, bekennt der Erzähler und erklärt ein wenig pathetisch: „Meine ganze Hoffnungslosigkeit und meine Sehnsucht lösten sich in den Seiten des Buches auf.“ Auf James Herriot angesprochen, lächelt Andrea Hirata und sagt: „Und wissen Sie was? Als ich mich damals um das EU-Stipendium bewarb, bin ich an die Universität von Sheffield gekommen. Und Edensor liegt direkt bei Shef­ field!“ Die Sheffield-Zeit hat er in einem Roman mit dem Titel „Edensor“ verarbeitet, dem dritten Teil einer auto­ biografischen Roman-Tetralogie, deren erster Band „Die Regenbogentruppe“ ist. Seine Bekanntheit als Autor versteht Hirata auch als Ver­ pflichtung, in seinem Heimatdorf auch selbst etwas auf­ zubauen. So hat er dort ein Literaturmuseum gegründet – „Das erste Literaturmuseum in ganz Indonesien!“ –, in dem er Ausgaben der eigenen Werke ausstellt und Bücher, die er selbst gesammelt hat. Er verfüge zum Beispiel über eine Erstausgabe von „Der Name der Rose“, erzählt er stolz. Zudem hat er eine kleine Schule gegründet, in der er auch selbst unterrichtet, wenn er vor Ort ist. Die Touris­ ten, die nach Belitung kommen, sind natürlich vor allem daran interessiert, das Gebäude der Muhammadiyah zu besuchen, das sie aus dem Buch oder dem Film kennen. Das Schulgebäude, das auf Belitung steht, ist allerdings jenes, das erst für die Dreharbeiten neu errichtet wurde. Denn die originale Muhammadiyah, die ja im Roman als äußerst einsturzgefährdet porträtiert wird, sei im Jahr 1990 endgültig in sich zusammengefallen. Und was wurde aus der hochverehrten Lehrerin? „Bu Mus ist letztes Jahr in Rente gegangen, nach 45 Jahren im Schuldienst“, erzählt ihr ehemaliger Schüler. „Sie lebt immer noch in meinem Heimatdorf.“ Dann erwähnt er auch noch, dass Bu Mus eine Auszeichnung des indonesischen Staates verliehen bekam, die besonders verdienten Lehrern zuerkannt wird. So viel kann ein Buch bewirken.

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Erotik Schreibseminar

Schreib. Das. Auf.

Erst kamen die Bücher, jetzt kommen die (Nachwuchs-)Autoren. Die neue Lübbe Academy bietet neben vielen anderen Kursen auch Seminare zum Schreiben von erotischer Lektüre an.  Von Meike Dannenberg

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s ist (noch) ein bisschen aufregender als auf anderen Schreibseminaren: Was werden wir preisgeben müssen? Womöglich vorlesen, wie wann was die Protagonisten in welche Körperöffnungen stecken? Rein praktisch gesprochen!? Die sieben Frauen und der eine Mann, die sich zu dem Seminar „Fifty Shades Of You“ angemeldet haben, geben sich professionell distinguiert. Was nicht schwerfällt: eine Dipl. Ingenieurin, eine Künstlerin, eine Universitäts-Dozentin. Betrachtet man die literarische Qualitätsschublade, in die der namenspendende Roman dieses Seminars gehört, birst der Raum dagegen geradezu vor Intellekt. Und keiner der Anwesenden möchte so schreiben wie E. L. James. Alle wollen es besser machen, schöner, interessanter, aufregender und ohne die albernen Klischees vom helikopterfliegenden Milliardär mit Mutterkomplex und dem jungfräulichen Mauerblümchen. Als Referenzliteratur werden dagegen unter anderem Anaïs Nin oder die „Geschichte der O“ genannt. Das Seminar kommt zwar auf einem Wellenkamm des Erotik-Booms daher, surft aber im Grunde auf einer tieferen Strömung: Denn erotische Literatur hat es ja schon immer gegeben und sie wurde auch schon immer verkauft. Das weiß auch Seminar-Dozentin Sandra Henke, die bei mehreren Verlagen und in verschiedenen Kategorien inzwischen rund 40 Bücher veröffentlicht hat. Im erotischen Roman hat sie sich „allerdings gefunden und fühlt sich wohl damit.“ Die

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Motivation, sich mit diesem Genre intensiv auseinanderzusetzen, ist groß. Bücher wie Otto Kruses „Dirty Writing“ sowie „Fessle mich“ von Arne Hoffmann wurden von einer Teilnehmerin mitgebracht und liegen nun auf einem Konferenztisch des BasteiLübbe Verlages in Köln. Sandra Henke macht den Auftakt mit einer Geschichte, die sie vorliest, um zu zeigen, wie eine Kurzgeschichte funktionieren muss: nicht zu viel Plot, ein lösbarer Konflikt, der schon in den ersten Minuten klar ist. Die Protagonisten sind sympathisch. Und wichtig: Alles geschieht im gegenseitigen Einverständnis. „Für mich ist ,Shades of Grey‘ auch kein erotischer Roman, sondern eine Liebesgeschichte mit erotischen Komponenten, und das ist ein Unterschied“, sagt Sandra Henke. Sie mag das Buch nicht besonders. Frauen zu schlagen oder quälen zu wollen, wegen eines Kindheitstraumas oder Mutterkomplexes, einem Mann zuliebe auch über das Maß des Erträglichen zu gehen und sogar Angst vor ihm zu haben, das gibt es bei ihr nicht. Wenn sie BDSM beschreibt, dann ohne küchenpsychologische Stigmata. Sexuelle Handlungen erwachsener Menschen, die im vollen Einverständnis das tun, was ihnen beiden Spaß macht. Safe, sane and consensual. Und sie fährt gut damit. Anhand mehrerer Beispiele zeigt sie dann auch, wohin die Reise innerhalb dieses Bereiches gehen kann: Die Entjungferung einer Werkatze durch einen Werwolf gehört ebenso 4·2013


Erzählungen & Romane

zu ihrem Portfolio wie „erotic suspense“ (Erotik mit Krimi-Plot), Soft-SM oder der paranormale Roman – Erotik angereichert mit Fantasy. Auf die Frage, ob man als Autorin dieses Genres ein Pseudonym nutzen sollte, hat sie eine klare Meinung: „Wieso? Ich steh zu dem, was ich tue.“ Und die verschämten aktuellen Blümchen-Cover mag sie auch nicht. Kein bisschen verschämt dürfen deshalb auch die Teilnehmer sein, wenn sie alle Wörter aufschreiben sollen, die ihnen für die Geschlechtsteile einfallen. Ziemlich schnell stellt sich heraus: Es gibt eigentlich nur die Kategorien biologisch/klinisch, verniedlichend/verspielt und rüde/pornografisch. Und es ist sehr lustig, von pimpern bis bürsten zu versuchen den Thesaurus zu schlagen. Aber im Großen und Ganzen bewegt sich körperlich das Repertoire des erotisch Schreibenden meist zwischen Obstmetaphern und gynäkologischem Grundwissen. Das ist nicht sexy. Wie also wird daraus eine lustbringende Lektüre? Die Mischung macht es, die möglichst explizite, aber nicht banale Ausgestaltung von Szenen, mit viel Fantasie und Abwechslung. Dazu eine richtig gute Recherche: „Es nützt nichts“, sagt Sandra Henke, „über etwas zu schreiben, das dem Autor nichts sagt und womit er sich nicht auskennt.“ Der Leser würde das sofort merken. Also heißt das im Umkehrschluss: Nur was einen selbst antörnt, funktioniert auch? Nein, sagt Sandra Henke, das sei schließlich Arbeit, auch wenn sie immer wieder von Lesern gefragt werde, ob sie selbst beim Schreiben erregt sei. Was nicht der Fall wäre. Abgestoßen sollte man allerdings auch nicht sein. Atmosphäre und eine Figurenkonstellation mit einem Konflikt, der aufgelöst werden muss, schaffen die nötige Spannung. Eine Kurzgeschichte kommt mit einer Perspektive aus, ist eine Momentaufnahme und spielt nur an einem Ort. Drei Stunden hat jeder Teilnehmer zwischendurch Zeit, sich eine solche Kurzgeschichte auszudenken. Sandra Henke bespricht jede einzeln mit dem Autor in einem separaten Zimmer. Ein bisschen Scham darf also sein. Eine der Nachwuchsautorinnen sagt: „Ich sprühe vor Ideen, aber mir fehlte das Handwerk, sie auszuformulieren.“ Damit nimmt sie den Staffelstab der Academy-Leitung auf, denn wie Jan Wielpütz, einer der beiden Verantwortlichen der Academy, formuliert: „Wir können uns nicht darüber beschweren, dass deutsche Autoren nicht gut ausgebildet sind, ohne etwas dagegen zu tun.“ 4·2013

Wo allerdings in Seminaren ohne Verlagsanbindung gelegentlich die freie Entfaltung als oberstes Gebot gilt und der deutsche Geniegedanke noch hartnäckig seinen Platz findet, geht es hier auch um Genregrenzen, um Forderungen des Marktes, ums Verkaufen und Verdienen im Buchmarkt. Alle Seminaristen sind neben dem Schreiben stark daran interessiert, die Auswahlkriterien der Verlage zu verstehen und wie man sein Manuskript am besten präsentiert. Jan Wielpütz und seine Kollegin Ann-Kathrin Schwarz halten deshalb auf Wunsch aller Beteiligten noch einen Vortrag über ein gutes Exposé, die verlagsinternen Wege, die ein Projekt zu durchlaufen hat, und gehen mit den Teilnehmern in einer Übung auf Titelsuche – mit rasanten und überraschend knackigen Ergebnissen. Euphorie macht sich breit, denn auf die Frage, ob wirklich Nachwuchsautoren gesucht werden würden oder ob es auch darum ginge, Geld mit der Academy selbst zu verdienen, sagt Jan Wielpütz: „Wir suchen Autoren! Immer.“ Historisch ist der Bastei Lübbe Verlag mit den Heftromanen in den sechziger Jahren groß geworden, da ist es nur logisch, die enge Zusammenarbeit mit einem fleißigen Autorenstamm, der auf Bestellung schreibt, durch ein Ausbildungsprogramm zu ergänzen, um neue Talente zu entdecken. Der Heftroman von heute ist die E-Book-Reihe, gerne mit Erotik, hier boomt das Genre geradezu. Es ist also eine Win-win-Situation und alle scheinen hochzufrieden mit dem Seminar. Auf jeden Fall über die Zusicherung der Lektoren, die obendrein selbst BestsellerAutoren sind, Ann-Kathrin Schwarz und Jan Wielpütz: Wer an einem Seminar der Academy teilnimmt, kann sich bei ihnen mit Exposés und Text melden und bekommt persönliches Feedback. Das ist in der heutigen Verlagswelt eine Menge wert. 

Bastei Lübbe Academy Die angebotenen Seminare sind in drei Level aufgeteilt: Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis. Unter anderem gehören zu den Dozenten Andreas Eschbach, Mario Giordano, Eva Völler oder Michael Peinkofer. Für die Seminare für Fortgeschrittene ist ein Eignungsnachweis erforderlich. Die Seminare kosten zwischen 295 und 1499 Euro. Bastei Lübbe Academy: www.bastei-luebbe-academy.de

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Lust auf Mehr

Mit „Shades of Grey“ begann der Boom der sündigen Erotik-Bestseller und plötzlich steht ein ganzes Genre im Rampenlicht. Die BÜCHER-Redaktion hat sich hemmungslos in die Lektüre gestürzt, um die Lustkurven der erotischen Liebesromane zu ergründen.

Sandra Henke: Im Schatten der Lust Heyne TB, 240 Seiten, 7,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Wer mit wem?

der erste Sex

S. 10

Das Beste Zitat

„Die Ansätze ihres Busens waren mit einem dünnen Seil umwickelt, sodass die Brüste wie kleine Türme nach oben ragten und die Spitzen wie Gipfelkreuze anmuteten.“

Abgefahrenste Praktik

Bücken ist out, baumeln ist in, sogar kopfüber. Leider reduzieren sich die Techniken auch hals-über-kopf per se.

Ungewöhnlichster Ort

SM-Party in einer abgelegenen Villa

Vina Jackson: 80 Days. Die Farbe des Verlangens carl's books, 352 Seiten, 12,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Der unersättliche

Die ukrainische Balletttänzerin Luba trifft den mysteriösen Chey. Große Liebe, grandioser Sex, doch dann verschwindet er und sie vögelt sich als Stripperin um die ganze Welt.

Konzernchef Gideon Cross belässt es bei Werbeagentin Eva Tramell nicht bei der Aktio-

närsstellung.

Zu spät

gekommen. Als das Buch beginnt, ist der erste Sex gerade gelaufen.

S. 49

„Ich bringe dich im Handum-drehen zum Orgasmus“, haucht Gideon Cross.“

„Es gibt ein paar eiserne Regeln. Kein Pink, klar! Du zeigst ihnen deine Spalte, das ist alles.‘“

In „Crossfire“ ist eher die Quantität

Analsex im Ponygeschirr aus Lederriemen mit hackenlosen Plateau-Overknees & Nippelklemmen.

bemerkenswert als die Qualität.

Auf einem Rock-Konzert

Sex-Tanzperformances auf diversen Bühnen

Der Höhepunkt

Der Frau-Mann-Mann-Dreier im Weinkeller – mit Naomi als Zuschauerin. Und Sie dürfen raten, wer beim finalen Sandwich in der Mitte war …

Das Crossfire-Building. Wolkenkratzer und Firmensitz von Cross Industries. Und wird es hier auch …? Na logo!

Der Todestanz in Dublin: Luba und Chey tanzen ekstatische Sexszenen vor einem Saal voll russischer Mafiosi.

Lustkurve: Wie oft Sex?

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32

19

Für Lederschürzenjäger, die einen Merlot danach der obligatorischen Zigarette vorziehen.

Eine Anleitung für Firmenbosse, die zu viel Geld für den Escort-Service ausgeben.

Für Masochisten – ständig wird über Sex geredet, aber selten wird er explizit beschrieben!

Fazit – für wen geschrieben?

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Naomi entflieht vor ihrem freudlosen Freund zu Onkel und Tante. Doch in der traditionsreichen Winzerfamilie werden vielmehr liebliche Lusttropfen und halbtrockene Hosenspritzer gefördert.

Sylvia Day: Crossfire. Versuchung, Gelesen von Svantje Wascher, Random House Audio 630 Min./2 MP3-CDs, 14,99 Euro

4·2013


Erzählungen & Romane

Natalie Rabengut: Lauras Liebhaber Ullstein, 272 Seiten, 7,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Landei-Laura zieht nach London in eine WG mit Chloé. Die jobbt als Escort-Girl und will Laura nicht nur mit ihrem Kunstdozenten Robert verkuppeln, sondern auch selbst verführen.

Kathryn Taylor: Colours of Love. Verführt Bastei Lübbe, 320 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Eine 22-jährige amerikanische Studentin (unschuldig und warmherzig) und ein englischer Earl (reich, mächtig, dominant und verschlossen).

Anna Clare: Adele hat den schönsten Mund Anais, 294 Seiten, 9,90 Euro

Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt. Im biblischen Sinne.

Peggy Munson: Die Nacht, als sich die Welt auflöste konkursbuch, 264 Seiten, 12 Euro

Tiffany Reisz: Das Locken der Sirene Mira Verlag, 444 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Daddy-ButcheS mit ihren Girls, Amish-Mädchen mit ihren Cousinen, Fremde im Zug, Alte mit Lolitas, Invaliden mit Freizeit-Huren …

Die exzentrische Schriftstellerin Nora Sutherlin lässt sich beim Sex schlagen und schlägt andere. Die Spielchen erstrecken sich auf ihren Lektor, ihren Ex-Dom, ihren jungfräulichen Mitbewohner und ihre Kunden.

S. 45

S. 71

S. 42

S. 42

S. 54

„Um dich mir vollkommen auszuliefern, werde ich mit meiner Spreizstange (ja, so etwas besitze ich wirklich. Frag bei Gelegenheit doch mal Chloé) deine Beine fixieren.“

Gibt es nicht. Vielleicht: „Ich habe vermisst, wie eng du bist und wie heiß ...“

„Wenn nach einem Atomkrieg nur noch ich, ihr und ein paar Kakerlaken übrig blieben, ich würde die Kakerlaken ficken oder mich zu Tode masturbieren.“

„Ich gleite auf ihn herab wie jemand, der fällt.“

„Einige von uns brauchen diese Strukturen, weil sie die geborenen Submissiven sind. Andere benötigen dieses Strukturen, weil sie die geborenen Subversiven sind.“

Laura als Beobachterin während Chloé ihre Kunden vögelt.

Analsex, ganz vorsichtig.

Geschminkte Schamlippen. Eine schöne Frau mit einem schönen Schwanz.

Fisting, Inzest-Rollenspiele, mittelschmerzhaftes BDSM

Die Hierarchie im Zirkel, einem geheimen SM-Club: Es gibt sieben höchste Doms, einer ist katholischer Priester.

Dreier auf der drehbaren Bett-Bühne auf einem SexMaskenball

Im Park des Herrenhauses

Ein Hauseingang

Eine Steilwand

Laura + Chloé + Robert: „Sie fühlte sich wie berauscht, zwei Menschen gleichzeitig zum Orgasmus gebracht zu haben.“

Als ein Einbrecher nebenan den Safe ausräumen will und sie ihn nur hören, weil sie in der Bibliothek daneben zugange sind.

Adele in einem roten Kleid in einer Sommernacht ohne Unterwäsche auf der Suche nach Sex. Göttlich.

Eine Plastik nach Dürers „Betenden Händen“ als Sexspielzeug zweier religiös erzogener Mädchen. Auch göttlich.

Besuch im Zirkel, einem exklusiven SM-Club: „In dieser nassen roten Hölle bewegte sich Nora voran ..."

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Für Freundinnen, die zum „Sex and the City"Geplapper gern in ausgiebigen Sexszenen schwelgen.

Für Leser, die bei Verlobungen weinen und sich schon immer ein Schloss gewünscht haben.

Jeder und jede sollte dieses Buch lesen. Wegen der Freundlichkeit. Wegen der Kondome.

Für Fortgeschrittene.

Für SM-Interessierte, die vielleicht noch nicht ganz sicher sind, wo sie stehen: Vanilla oder Fetisch!?

4·2013

Das weiSSe Zimmer im Zirkel und in einem Aston Martin

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Das Debüt

Verhasste Heimat

Harald Darers erster Roman ist eine Tirade, deren Zwischentöne nur heraushört, wer sehr gut aufpasst. Sein Protagonist wächst in den Siebzigern in Österreich auf dem Land auf. Das Leben ist grob zu ihm. Darer gibt ihm eine Sprache, die sich einprägt wie der Geruch nach Schweineblut, Maschinenöl und Äpfeln. Von Elisabeth Dietz

J

eden Freitag sitzt der Herr Norbert bei seiner vom Gericht verordneten Therapiesitzung im kleinen Therapieraum der ihm zugewiesenen Männerberatungsstelle und erzählt seinem Lebensberater, der an einem Kugelschreiber kaut, wie er seinem Hund erzählt hat, wie alles so weit gekommen ist. Er spricht von seiner Kindheit in Pichlberg. Vom Leitenbauer, auf dessen Hof er aufgewachsen ist, und seinen tückischen Söhnen. Von seiner Mutter, die ihn, als er zehn Jahre alt war, in seinen Steireranzug steckte, als wäre Sonntag, und ihn nach Wien ins Kinderheim schickte. Von dem polnischen Flüchtlingsjungen, dem der Norbert – dem in den ersten zehn Lebensjahren schon ein großer Teil seiner Empathiefähigkeit ausgetrieben worden ist – jede Nacht ins Bett pinkelte, weil er zu viel jammerte. Von der Rosemarie, mit der er sich freitags heimlich auf dem Prater traf, und der weichen Stelle zwischen ihren Beinen.

„Eigentlich sollte das ein urbaner Roman werden“, erklärt Harald Darer. „Ich habe dann begonnen, die Landkindheit meines Protago-

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Foto: Rainer Börecz

Gott gibt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht auf Harald Darer: Wer mit Hunden schläft Picus, 218 Seiten, 19,90 Euro

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Bücher | Erzählungen & Romane

nisten zu beschreiben und die Charaktere dort wurden immer stärker und haben sich dann in einem Großteil des Buches festgesetzt.“ Allen voran der Leitenbauer, der „Ungustl“, der Hitler nachtrauert, sich auf Konzerten der Mürztaler Lausbuben mit den Männern aus dem Nachbardorf schlägt und sonntags seine Kinder mit dem Rindsledertrachtengürtel verdrischt, während sie weinend Steirischer Brennsterz in sich hineinstopfen. Dessen Söhne Katzen die Schwänze und Kröten die Köpfe abschneiden und den Norbert verspotten. Dem der Norbert unverkennbar ähnlich sieht, „die genau gleiche Fresse, wirklich wahr.“ An seine Mutter, die Magd war auf dem Leitenbauernhof, erinnert sich der Protagonist kaum noch. Kurz nachdem sie ihn weggegeben hat, ist sie gestorben. Im Kopf des Herrn Norbert spricht die Mutter in Großbuchstaben und Binsenweisheiten: „EIN INDIANER KENNT KEINEN SCHMERZ.“ Der Autor driftet ins personale Erzählen hinein und wieder heraus. Auch wenn sein Protagonist gerade nicht „Ich“ sagt, könnte Darer ihm näher nicht sein. „Wenn man einen auktorialen Erzähler hernimmt, fängt man leicht an zu behaupten oder gefühlig zu werden. Der Leser fühlt sich dann gegängelt oder vorgeführt. Ein personaler Erzähler weiß nicht alles, kann nicht alles wissen und trifft einen doch direkter.“ Darer möchte, dass der Leser eine eigene Perspektive findet. Die Weltsicht des Herrn Norbert ist düster, sein Ton zornig, mitunter wehleidig.

Jede Medaille hat zwei Seiten Als „Anti-Heimatliteratur“ ist „Wer mit Hunden schläft“ bezeichnet worden, als „schwarzer Heimatroman“, als „unbarmherzig rural“. Seinen Autor verwundert das ein wenig. Tatsächlich muss der Leser genau hinhören, um die Zwischentöne nicht zu verpassen, die zaghafte Zuneigung des Norbert für den Leitenbauer, wenn dieser aus vollem Herzen den Erzherzog-Johann-Jodler anstimmt, der Burgwart, der den Jungen mit auf den Turm der Pichlberger Burgruine nimmt, die Arbeiter, die ihn sonntags manchmal ins Stahlwerk lassen. Trotzdem sieht man Darer sofort in der Tradition von Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek. Was macht diese Österreicher so zornig? „Ich weiß nicht, ob das in Österreich so anders ist als in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt, wo man in engen Tälern mit hierarchischen Strukturen zu tun hat“, sagt Darer. „Man wird zornig, weil man genau weiß, wie es läuft, aber nichts sagen darf.“ Die Doppelmoral ist ein wichtiges Motiv: 4·2013

Die Dorfkinder, die einander sonst mit Steinen und Kuhmist bewerfen, hopsen für die Touristen einträchtig über die Wiesen. Der katholische Pfarrer organisiert Abtreibungen.

Alles löst sich auf. Nur nicht in Wohlgefallen Harald Darer ist wie sein Protagonist in der Steiermark aufgewachsen. Sein Vater arbeitete in einer Stahlfabrik, seine Mutter als Hausfrau. Darer lernte zunächst Elektrotechniker, legte die Berufsreifeprüfung ab und zog als Mittzwanziger mit einem Freund nach Wien, „eigentlich nur kurz.“ Dort hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, spielte Bass in verschiedenen Bands, textete und schrieb nebenbei. Er veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien. 2009 und 2010 besuchte er die Akademie für Literatur in Leonding. „Mit den Kollegen, die ich dort kennengelernt habe, habe ich mich auch später immer wieder getroffen. Wir haben unsere Texte vorgelesen und jeder hat seine Meinung hinzugegeben. Das hat mir sehr geholfen, auch, weil ich vorher nicht so viele literarisch interessierte Freunde hatte.“ Feilen musste Darer vor allem am Plot. Die Figuren waren von allein entstanden, mächtige, plastische Charaktere, die derbe Sprache des Herrn Norbert gab es von Anfang an. Die Dramaturgie arbeitete der Autor später ein. „Warum sollte das, was ich erzähle, irgendjemanden interessieren? Ein Buch zu schreiben ist eigentlich schon eine Überheblichkeit an sich, aber irgendwie kann ich die Finger nicht davon lassen. Ich hoffe halt, dass irgendjemand doch Freude daran hat oder ein Gefühl dabei. Oder einen anderen Blick auf die Dinge bekommt.“ Das, findet Darer, sei das Schöne am Schreiben, „grundsätzlich“. Noch immer in Wien wohnhaft, arbeitet Darer heute vierzig Stunden pro Woche als technischer Angestellter und schreibt nach Feierabend an seinem zweiten Roman. Seine Tochter ist drei Jahre alt, ein zweites Kind ist unterwegs.

Was wäre, wenn Sie gerade der Liebe Ihres Lebens begegnet wären? Und Sie wüssten es nicht…

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht „Was mich interessiert, ist das Thema Schuld“, sagt Darer. „Mich interessiert, was hinter den Schlagzeilen passiert.“ Was der Herr Norbert getan hat, erfährt man erst auf den letzten Seiten. Darer erzählt es mit bewegenden, skurrilen Bildern und einem eigenartigen Humor. Die Frage, wer Schuld daran hat, beschäftigt den Leser noch lange. Wer mit Hunden schläft, steht mit Flöhen auf.

Auch als Hörbuch und Download bei Random House Audio erhältlich.

Deutsch von Eliane Hagedorn und Bettina Runge Roman ∙ 352 Seiten ∙ € 19,99 (D) ISBN 978-3-7645-0444-1 Auch als E-Book erhältlich

www.blanvalet.de

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Erzählungen & Romane

Ein Mann, ein Hund, ein Flugzeug

Ein Weltbesteller über das Ende der Welt – verfasst von einem amerikanischen OutdoorReporter mit einer Vorliebe für chinesische Dichtung. BÜCHER-Autorin Margarete von Schwarzkopf sprach mit Peter Heller über Grenzerfahrungen, Lagerfeuer-Erzählungen und seine Cessna.  Von Margarete von Schwarzkopf

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as Erste, was an Peter Heller auffällt, ist sein Lachen. Der Mann lacht gerne und viel – nach dem Motto: „Sei dankbar für jeden Atemzug.“ Als passionierter Kajakfahrer und Surfer, als Expeditionsmitglied bei Kampagnen gegen den Walfang und als leidenschaftlicher Flieger war der 55-Jährige schon häufig lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt. Seine erste große Reportage, die er vor elf Jahren für ein renommiertes Outdoor-Magazin verfasste, wollte er gar nicht schreiben, da eines der Mitglieder einer Expedition in einen gefährlichen Strudel geriet und wenig später in Hellers Armen starb. Doch das Magazin drängte Heller, seine Erlebnisse und Erfahrungen bei dieser Reise in eine der tiefsten Schluchten der Welt an der tibetischen Grenze trotzdem aufzuschreiben. Heller ließ sich überreden – und heute gilt der gebürtige New Yorker als einer der weltbesten Reporter über Outdoor-Themen. Seine Erlebnisse in der Tsangpo-Schlucht hat er 2003 in dem Buch „Hell and High Water“ veröffentlicht. Seither sind drei weitere preisgekrönte Sachbücher von ihm erschienen, unter anderem über den Kampf gegen skrupellose Walfänger und über das Abenteuer Surfing. Das Buch mit dem Titel „Kook“ kam auch auf Deutsch heraus. Nun liegt sein erster Roman vor, die wundersame Geschichte eines Überlebenden einer Grippe-Pandemie, der mit seinem Hund Jasper, seiner alten Cessna und einem knorrigen Ex-Soldaten namens Bangley auf einem kleinen

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Flugplatz nicht weit von Denver, wo Peter Heller heute mit seiner Frau Kim wohnt, dem Rest einer gefährlichen Welt trotzt. „Dieser Hig hat viel mit mir gemeinsam“, erzählt Peter Heller – und lacht vergnügt. „Er jagt gerne, tötet aber ungern, er liebt Hunde und fliegt mit seiner Cessna über die Wälder von Colorado. Er fischt mit Leidenschaft, er liebt die Natur und fürchtet die Einsamkeit, ist aber auf der andern Seite gerne alleine. Aber ich bin nicht Big Hig. Wie so viele postapokalyptische Werke in dieser Zeit ist der Roman ein Spiegelbild unserer allgemeinen Unsicherheit und Zukunftsängste, auch meiner Furcht. Aber dieses Buch ist vor allem eine Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und den Willen, auch in lebensfeindlichen Situationen zu überleben. Da jeder Schriftsteller eine sichere Basis braucht, schreibe ich über Schauplätze, die mir vertraut sind und über Dinge, die ich kenne: Fischen, Jagen, Fliegen. Aber alles andere ist Fiktion.“ Die Idee zu dem Roman kam Peter Heller, als er nach zahlreichen anstrengenden Reisen eine längere Ruhephase vor sich hatte. „Neun Monate! So lange habe ich seit Anfang dieses Jahrtausends nicht mehr pausiert. Und plötzlich tauchte dieses Bild von einem Mann mit seinem Hund und einem alten Flugzeug auf, von einer Welt aus den Fugen und einem unverrückbaren Sternenhimmel, den Hig und sein Hund gemeinsam betrachten. Und da fing ich an zu schreiben. Zwei Monate habe ich wie ein Besessener 4·2013


Foto: privat

geschrieben. Ich wusste nur, wie der Roman enden wird, aber nicht, was auf dem Weg zur letzten Zeile geschieht. Doch alles fügte sich wie von selbst.“ „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ überragt die Masse von derzeit populären Büchern zum Thema Ende der Menschheit allein schon durch seine oft lyrische Sprache. Für die hervorragende deutsche Übersetzerin Eva Bonné war es sicherlich eine besondere Herausforderung, Peter Hellers Erzählduktus, der zwischen Poesie und direkter Erzählform pendelt, in adäquates Deutsch zu übertragen. „Big Hig schildert seine Abenteuer, als erzählte er sie bei einem abendlichen Treffen am Lagerfeuer. Das ist meine Verbeugung vor dem Western und vor der uralten Tradition der mündlichen Erzählung“, erklärt Peter Heller, der schon als kleiner Junge am liebsten Westernromane gelesen hat, darunter die in Deutschland weniger bekannten Werke von Louis L’Amour, zu dessen 105 Werken vor allem „Frontier Stories“ gehören. Ihre Schilderung schier grenzenloser Landschaften haben Peter Heller genauso beeindruckt wie später die Klassiker „Moby Dick“ und „Robinson Crusoe“, die Romane von Robert Louis Stevenson, William Faulkner und Virginia Woolf. Peter Hellers eigentliche Leidenschaft aber gehört der Dichtung. „T. S. Elliott ist eines meiner großen Vorbilder, dazu Emily Dickinson, William Butler Yeats, Pablo Neruda, Derek Walcott, um nur einige zu nennen. Vor einigen Jahren habe ich die chinesische Dichtung entdeckt, die ich wegen ihrer knappen und dennoch bildreichen Sprache sehr schätze. Schon als sechsjähriges Kind habe ich erste kleine Gedichte geschrieben, später neben meinen Reportagen und Büchern auch immer wieder Gedichte verfasst, und nun sitze ich an einem größeren lyrischen Werk, ‚The Psalms of Malvine’, das demnächst veröffentlicht wird.“ Zwar treibt es Peter Heller noch immer hinaus in die Natur – er besitzt selbst eine Cessna, mit der er über die Täler und Berge der Rockys fliegt. Doch sein Leben ist ruhiger geworden. Vieles, was er in „freier Wildbahn“ erlebt hat, wird er in den nächsten Jahren in Romanen verarbeiten. „Man kann viele brennende Probleme wie Umweltzerstörung und die Ausrottung so vieler Spezies in Sachbüchern darstellen. Der Vorteil an Romanen ist die Chance, dass ganz andere Leserschichten aufgerüttelt werden, wobei man nicht den moralischen Zeigefinger heben sollte. Denn nichts ist tödlicher für eine Geschichte als missionarisches Sendungsbewusstsein. Romane sind vor allem Unterhaltung. Wenn einer meiner Leser sich allerdings motiviert fühlt, über bestimmte Probleme unserer Zeit nachzudenken – umso besser. Aber das darf nur ein Nebengedanke beim Schreiben sein, niemals das wichtigste Motiv.“ Eine Fortsetzung möchte Peter Heller trotz der vielen Lesermails mit der Bitte um weitere Abenteuer mit dem Träumer Hig und seinem sonderbaren Freund Bangley zwar nicht schreiben: „Aber sag niemals nie“, lautet seine Devise, und einen Hund wie Jasper, der in Peter Hellers wahrem Leben Charlie heißt, wird sicher auch in seinem nächsten Roman dabei sein. Und bis dahin wird es „The Dog Stars“ auch schon als Kinofilm geben.

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Peter Heller

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte Übersetzt von Eva Bonné Big Hig hat alles verloren, was ihm wichtig war. Seine geliebte Frau Melissa ist einer der Grippewellen zum Opfer gefallen. Die Forellen sind verschwunden, „vielleicht auf der Suche nach kälterem Wasser.“ Zusammen mit seinem Hund Jasper und Bangley, einem paranoiden Waffennarren, der jeden tötet, der sich ihm nähert, lebt Hig auf einem verlassenen Flughafen. Jeden Tag fliegt er mit seiner Cessna Patrouille. Die wenigen Menschen, die noch leben, sind hungrig oder krank, also gefährlich. Doch Sehnsucht und Hoffnung haben Hig nicht verlassen, und eines Tages fliegt er über den Point of no Return hinaus. Mit Big Hig hat Peter Heller einen originellen Erzähler erschaffen, auf dessen Kopiloten-Sitz man gern Platz nimmt. Das ist nötig, denn die Dramaturgie des Romans ist eigenartig. Anfangs gleichförmig wie die weite Landschaft Colorados, die Big Hig überfliegt, wird die Handlung erst gegen Ende richtig interessant. Vor dem Hintergrund der Post­ apokalypse, die bei den meisten Kulturschaffenden misanthropische Selbstverteidigungsfantasien auslöst, fragt Heller nach zwischenmenschlicher Wärme: Wie schließt man Freundschaft in einer Welt, in der jeder vor jedem Angst hat? Wofür lohnt es sich zu überleben? (ed) Ein postapokalyptischer Liebesroman mit jeder Menge Waffen und einem unerschöpflichen Vorrat an Flugbenzin.

Eichborn, 320 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Hörbuch Gelesen von Olaf Pressler Lübbe Audio, 467 Min./6 CDs, 19,99 Euro

BÜCHER verlost je fünf Bücher und Hörbücher von „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ (Eichborn/Lübbe Audio). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3.

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Botschaft aus Babel

Übersetzer im O-Ton (Teil 2) Der zweite Teil unserer nichtrepräsentativen Umfrage unter Übersetzern. Nach den ideellen, künstlerischen Fragen geht es hier um Wünsche, Träume, zaghafte Forderungen und ums schnöde Geld. von Ina Pfitzner

Lieblingsübersetzungen Léo Malet: Paris des Verbrechens: Nestor Burmas klassische Fälle Übersetzt von Hans-Joachim Hartstein Zweitausendeins, 1181 Seiten, antiquarisch erhältlich (z. B. zvab.com) Lew Tolstoi: Anna Karenina Übersetzt von Rosemarie Tietze Hanser, 1284 Seiten, 39,90 Euro Tove Jansson: Tales from Moominvalley Translated by Thomas Warburton Square Fish, 192 Seiten, antiquarisch erhältlich (z. B. zvab.com) Paul Celan: Glottal Stop: 101 Poems by Paul Celan Translated by Nikolai Popov and Heather McHugh Wesleyan University Press, 168 Seiten, 14,99 Euro

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A

uf meinen Fragebogen haben acht Frauen und neun Männer geantwortet, Deutsche, Schweizer, aus den USA und Großbritannien. Die meisten übersetzen aus dem Englischen ins Deutsche oder umgekehrt, zwei aus dem Französischen bzw. Spanischen, einige aus mehreren Sprachen; einer mehr Theater, manche nur Belletristik, andere auch Sachbuch. Lieblingsübersetzungsfehler nannte übrigens fast keiner, einer schrieb: „Übersetzungsfehler? Ich mache keine!“ Die übrigen Antworten zitiere ich hier originalgetreu. Was der Leser wissen sollte: „‚Die Autorin hat einen tollen Schreibstil.‘ – In dieses Kompliment sollte der/die Übersetzer/in mit einbezogen werden!“ „Übersetzen ≠ Malen nach Zahlen.“ „Dass es viel Arbeit ist.“ „Andersrum: Wenn die Leser wüssten, wie wir bezahlt werden, hätten sie keine Lust mehr, Übersetzungen zu lesen.“ „Dass auf eine verunglückte Formulierung tausend geglückte kommen. Dass fast jeder Satz auf viele verschiedene Weisen übersetzt werden könnte, die alle zutreffen.“ „Manche Leser wissen nicht mal, dass ein Buch übersetzt wurde und nicht im Original auf Deutsch erschienen ist.“ „Wie anders der Text in einer Sprache unweigerlich wird. Daran musste ich mich ganz schön gewöhnen.“ „Stichwort: Wirkungsäquivalenz!“ „Wir möchten davon die monatlichen Rechnungen bezahlen können!“ „Schlimm genug, dass er schon so viel darüber weiß, was er nicht wissen sollte. (Okay, ich habe keine Lust, diese immer gleichen zweieinhalb Gedanken vom Übersetzer als Schöpfer und Urheber und schlecht bezahlten Schufter im Bergwerk der bösen Verlage zu wiederholen – kennt man alles.)“ „Es gibt keine ,echte‘, keine ,richtige‘. Alles liegt an der Interpretation.“ „Es dauert ewig, und es ist eine unmögliche Aufgabe.“ „Wie jedes Wort immer wieder umgedreht wird, bis es sich zu den anderen gesellt.“ „The Roads Are Narrow, Spooky, Long, And Truly Endless.“

Wünsche/Träume: „Aus meiner anderen Fremdsprache übersetzen.“ „Reich und berühmt werden.“ „Bestseller.“ „Mich stärker aufs Übersetzen konzentrieren können. Mehr Belletristik übersetzen. Aber gute ;-).“ „Bisschen mehr Freizeit zum Lesen.“ „Eine stabile Auftragslage (wie banal!).“ „Regelmäßige Arbeit, Übersetzerlohn, der der Arbeit angemessen ist. Letzteres gehört vermutlich eher in den Bereich Träume.“ „So viele Angebote erhalten, dass ich nicht mehr darauf angewiesen bin, selbst überall anzuklopfen, sondern Texte auswählen zu können.“ „Übersetzungen fürs Theater mit Schauspielern überprüfen und weiterentwickeln.“ „Die saarländischen Ausdrücke Dibbelabbes, Batschkapp und Dauerschreiber am Lektorat vorbeizuschmuggeln. Zu einem Drittel erfüllt!“ „Autor und nicht mehr Übersetzer sein.“ „Keine Übersetzungsfehler zu machen.“ „Dass ich Lesern neue Horizonte eröffne und dass ich sogar hin und wieder ein Lob bekomme.“ Honorarverhandlungen: „Hab ich mich bisher nicht getraut (noch zu grün hinter den Ohren).“ „Ach ja, meistens sinnlos.“ „Meistens weiß man im Voraus, welchen Spielraum man hat, da ist die Solidarität unter Kollegen groß.“ „Honorar‘verhandlungen‘.“ „Fürchterlich. Früher fürchterlicher.“ „Oft schwierig, v. a. bei den Nebenrechtsbeteiligungen.“ „Hab ich bisher meistens vergeigt. Entweder ich mach keine oder ich greife so hoch, dass ich die Auftraggeber verschrecke. Ich sage jetzt immer dazu, dass ich verhandlungsbereit bin.“ „Sind mühselig.“ „Schwierig, aber den Normvertrag habe ich fast immer so oder so ähnlich bekommen. An den Nebenrechten u. a. arbeite ich noch …“ „Seine Grenzen und Wünsche gut kennen.“ „Es wäre gut, einen kompetenten und engagierten Berufsverband im Rücken zu haben. Das ist leider derzeit nicht der Fall.“ „Läuft unterschiedlich, aber meistens habe ich mit Zeitschriften und Verlagen zu tun, die nicht so viel Geld haben.“ „Sind spannend. Mut ist gefragt. Seid stark!“ 4·2013


Erzählungen & Romane

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m Grunde handelt es sich um die Rachefantasie eines „verrissenen“ (der Euphemismus bedeutet), verfolgten und gequälten Schriftstellers, zu dessen Ehrenrettung gleich der Teufel selbst mit pittoreskem Gefolge, darunter Kater Baphomet, ins Land gezogen kommt, um dem zu Unrecht gescholtenen Meister zur Satisfaktion zu verhelfen. Und ihn wieder mit seiner geliebten Margarita zu vereinen. Zu diesem Zweck macht das diabolische Terrorkommando unter Leitung des Leibhaftigen das Moskau der 1930er-Jahre zu einem Tollhaus. Sind die Naturgesetze erst einmal außen vor, lassen sich die komischsten Wendungen ersinnen, und Bulgakow greift tief in die Kiste seiner Möglichkeiten. Weshalb das Buch ganz zu Recht einen Kult-Status erlangt hat und noch Jahrhunderte lang seine Leser finden wird. Immer wieder werden Passagen aus dem diskreditierten Roman des Meisters eingebaut – es handelt sich dabei um eine mehr oder minder humorfreie neutestamentarische Geschichte rund um Pilatus und die Kreuzigung Jesu. Was für eine Konstruktion. Und wie viel Subtext und kryptische Botschaft man in diesen Stoff hineininterpretieren kann! Wahrscheinlich würde man von einigen Bul­gakow-Jüngern gekreuzigt werden, würde man respektlos behaupten, es könnte sich hier um eine recht alberne Angelegenheit handeln, um eine aus dem Ruder gelaufene Schnapsidee, bei deren Verwirklichung der Autor einen Mordsspaß genoss, der sich weitenteils auf den Leser überträgt. Aber was genau wäre so schlimm daran? Es heißt oft, Bulgakow habe die irrsinnige und für Intellektuelle lebensgefährliche Situation in der Sowjetunion über eine Art Karikatur, eine Faust-Parodie, thematisiert, ohne je politisch zu werden und Ross und Reiter beim Namen zu nennen. Denn wenn er das getan hätte, wäre er im Lager gelandet. Entschuldi4·2013

Helmut Krausser wählt für BÜCHER Werke aus, die nicht dem Vergessen anheimfallen sollten. Er selbst ist der Autor von Meisterwerken wie Melodien, Der große Bagarozy oder Die Schmerznovelle. Der große Bagarozy wurde von Bernd Eichinger verfilmt. In seinen Romanen bewegt er sich sprachlich elegant zwischen Gewalt, Sexualität und Hingabe. Die Macht seiner Erzählungen und Geschichten liegt häufig im Extremen. Zuletzt ist von ihm Nicht ganz schlechte Menschen im DuMont Verlag erschienen.

gung, aber für mich ist das eine nicht zwingende Lesart. Man hat Mut oder hat ihn nicht. Niemand muss Mut haben. Aber wenn Kritik nicht klar und konkret ist, sondern allenfalls über drei Ecken erahnbar, bleibt sie im Wischiwaschi-Bereich. Selbst wo im Roman die Geheimpolizei auftaucht, handelt sie nie willkürlich, sondern angesichts der Umstände verständlich. Die Nervenheilanstalt zum Beispiel wirkt wie ein modernes Sanatorium für Privatpatienten. Und so weiter. Allenfalls ein gewisses Lebensgefühl der irrationalen Gefährdung überträgt sich auf den Leser. Ein Dokument des Widerstandes? Bulgakow lässt hier und da seinen Hass auf die Bürokratie aufblitzen, stimmt. Ein dezidierter Gegner Stalins war er nicht.

Die Neuübersetzung von Alexander Nitzberg ist trotz mancher Flüchtigkeitsfehler eine Großtat, auch weil sie den Finger in die Wunden legt. Denn wie man aus den Anmerkungen erfährt, ist der eben erwähnte Kult-Status vor allem in Russland derart rigide, dass der Text quasi sakrosankt geworden ist. Ganz offensichtliche Fehler werden von Nitzberg anscheinend zum ersten Mal thematisiert. Meist handelt es sich nur um Kleinigkeiten, die man einem Genie nachsehen kann, vor allem wenn er, nahezu erblindet, seiner Frau immer neue Versionen diktiert und so nicht nur im übertragenen Sinn den Blick auf sein Werk verloren hat. „Meister und Margarita“ ist dennoch kein perfekter Roman. Gerade das letzte Drittel, nach dem fulminanten Höllenfest, hätte von einem Lektor eingedampft werden müssen – der Text verliert dort stark an Biss, Spannkraft und Notwendigkeit. Und leidet daran, dass dem Autor immer noch etwas einfiel, während das Manuskript zur Stalinzeit herumlag, ohne die geringste Aussicht auf baldige Veröffentlichung. Dies aber auch nur anzudeuten, wagt weder Nitzberg noch das merkwürdig nichtssagende Nachwort von Felicitas Hoppe. Der Kommentar zu den problematischen Stellen wirkt deswegen zu penibel und eitel. Wo Bulgakows Ironieabsicht ohne ernsthaften Grund infrage gestellt wird, möchte man den Autor geradezu in Schutz nehmen. Kurzum, dieser monströse Anmerkungsapparat schießt übers Ziel hinaus, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Korrektoren des Galiani-Verlags wohl ein wenig verliebt gewesen sein müssen, so viele durch einen Suchlauf leicht vermeidbare Fehler finden sich im Satz. Nitzberg kann da nichts für, erwähnen will ich es doch. Man könnte in der nächsten Auflage alles noch ändern. Des Lyrikers Nitzberg literarische Leistung, die mit ihren ausgeklügelten Wortklanggebilden beinahe schon musikalischer Natur ist, soll dadurch nicht geschmälert werden.

Michail bulgakow: Meister und Margarita Übersetzt von Alexander Nitzberg Galiani, 608 Seiten, 29,99 Euro

Foto: Hagen Schnauss

„Meister und Margarita“ ist schon ein abgefahrenes Buch. So aberwitzig und hochkomisch. Alexander Nitzbergs Neuübersetzung von Bulgakows Kultwerk ist eine Großtat mit ausgeklügelten Wortklanggebilden.

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04·13 Grandios buecher-magazin.de

Hannes Stein

Der Komet Deutsche Originalausgabe Was wäre, wenn das Attentat von Sarajewo, das Auslöser für den Ersten Weltkrieg wurde, gescheitert wäre? Der Autor Hannes Stein lässt den Thronprinzen Franz Ferdinand nach einem ersten Anschlagsversuch wieder umdrehen: „I bin doch ned deppat, i fohr wieda z’haus.“ Mit diesem pragmatischen Kniff verändert sich nach 1914 die Weltgeschichte im fiktiven historischen Roman. Weder der Erste noch der Zweite Weltkrieg finden statt, ein gewisser Adolf Hitler stirbt als unbekannter Postkartenmaler und die österreichisch-ungarische Monarchie regiert auf nonchalante Art das heutige Europa. Selten hat man als gelernter Demokrat eine so ironische und zugleich zärtliche Verherrlichung der Monarchie gelesen. Im liberalen Wien sitzen Juden, Katholiken und Freudianer im Kaffeehaus harmonisch beieinander, man fährt moderne Elektroautos und fliegt gelegentlich, dank preußischen Erfindergeists, zum Wochenendurlaub auf den Mond. Und da weder Billy Wilder noch Michael Curtiz oder Ernst Lubitsch ins kulturlose Amerika emigrieren mussten, ist im 21. Jahrhundert nicht Hollywood, sondern Wien das Zen­trum der globalen Filmindustrie. Sogar eine Liebesgeschichte schenkt uns der Autor, sie dient als Rahmenhandlung, um zu zeigen, wie romantisch die beste aller denkbaren Monarchien sein könnte. (mpö)

Lisa Kränzler

Wolfgang Schorlau

Nachhinein

Rebellen

Deutsche Originalausgabe

Deutsche Originalausgabe

Zwei Mädchen wachsen als befreundete Nachbarskinder auf. Die Straße, die zwischen ihren Elternhäusern verläuft, wird, je älter die beiden werden, jedoch zur immer gravierenderen, auch gesellschaftlichen Trennlinie. Hier das behütete Heranwachsen, dort die Albtraumkindheit mit Alkohol, Prügeln und Missbrauch. Was spielerisch beginnt, entwickelt sich zu eifersüchtig-sehnsuchtsvollen Machtkämpfen, die schließlich eskalieren. Bis ins Unerträgliche präzise beleuchtet die Autorin den grausamen Wandel der Kinderfreundschaft. Die Sprache zielt dabei krude und treffsicher unter die Haut, dies jedoch sehr poetisch. Unbedingt empfehlenswert. (jk)

Alexander wohnt in der Unternehmervilla, Paul lebt im Kinderheim gegenüber. Die Jungs werden Freunde, trotz der Klassenschranken, die Anfang der Sechzigerjahre deutlich zu spüren sind. Zusammen werden sie erwachsen, erleben die Liebe und sind vom Kommunismus fasziniert. Bei den großen Freiburger Demonstrationen 1968 werden der Student und der Lehrling politisch aktiv. Doch der Sommer der Anarchie währt nicht ewig, beim „Marsch durch die Institutionen“ entfernen sich Paul und Alexander voneinander. Am Ende stehen Eifersucht und ein Verrat, der nie mehr gut zu machen ist. Wolfgang Schorlau verarbeitet hier seine eigene linke Jugend. (mpö)

Verbrecher, 272 Seiten, 22 Euro, Auch als E-Book erhältlich

Kiepenheuer & Witsch, 332 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Frank Spilker

Miriam Toews

Es interessiert mich nicht, aber ich kann es nicht beweisen

Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Martina Tichy, Christiane Buchner

ner, Mondflieger und Elektropost.

Im Leben des Grafikdesigners Thomas Troppelmann läuft nichts so, wie es soll. Aufträge schwinden, die Freundin ist weg. Eine Flucht scheint die Lösung, mit der Bahn quer durch Deutschland zu Stationen seiner Kindheit – aber gelangt er so auch wieder zu sich selbst? Frank Spilker, bekannt als Sänger der Hamburger Band „Die Sterne“, legt hier mit 47 Jahren sein Erstlingswerk vor. Die ernste Auseinandersetzung des Protagonisten mit dem eigenen Scheitern kann es textlich nicht ganz mit Sterne-Klassikern wie „Was hat dich bloß so ruiniert“ aufnehmen, lädt aber ebenso stark zum Nach- und Weiterdenken ein. (rif)

Kann man als Tochter wissen, wie der Vater wirklich fühlte? Noch dazu, wenn er ein Leben lang manisch-depressiv war, weite Teile seiner Krankheit aber verschwieg? Die Kanadierin Miriam Toews wagt den Versuch – vorsichtig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dieses Buch (kein Roman!) liest sich wie ein Tribut an den Vater, Mel. Dieser war von Selbstzweifeln geplagt und wählte den Freitod im Glauben, nichts erreicht zu haben. Die Autorin rollt sein Leben rückwärts auf: Ein Ich-Erzähler (Mel) beschreibt seine Erlebnisse. Besonders berührend sind die Passagen über die Liebe zu seiner Frau Elvira. Ein sehr feinfühliges Buch. (ew)

Galiani Berlin, 272 Seiten, 18,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Hoffmann und Campe, 160 Seiten, 17,99 Euro; Auch als E-Book erhältlich

Berlin, 256 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Hannes Stein verzichtet im Roman konsequent auf Anglizismen, es gibt Klapprech-

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4·2013


Bücher | Erzählungen & Romane

Taiye Selasi

Yael Hedaya

Diese Dinge geschehen nicht einfach so Übersetzt von Adelheid Zöfel

S. Fischer, 398 Seiten, 21,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Illustration: © Geoff McFetridge

An einem Sonntagmorgen stirbt Kawaku Sai in seinem Haus in Ghana. Diese Nachricht trifft seine Ex-Frau Fola und seine vier Kinder unerwartet, hatte der einst erfolgreiche Chirurg sie doch vor Jahren nach einem Skandal in den USA zurückgelassen. Sein Tod bringt verschüttete Sorgen, Ängste und traumatische Erfahrungen an die Oberfläche und führt die Familie nach Jahren wieder zusammen. Im Jahr 2005 prägte Taiye Selasi in einem Essay den Begriff Afropolitan, mit dem sie junge, gut ausgebildete Afrikaner bezeichnet, die auf der ganzen Welt aufgewachsen sind und keine Heimat im klassischen Sinn haben. In ihrem Roman erzählt sie nun am Beispiel einer Familie, wie die Weltafrikaner eine neue Identität entwickeln. In poetischer, entrückender Sprache entsteht eine Welt, die mit ihren Erwartungen, Ausbildungswegen und Problemen vertraut erscheint, die aber durch die Schwierigkeiten der Kinder, ihre Stellung innerhalb des Verbundes zu finden, den sie im Vergleich mit ihren amerikanischen Freunden nicht als Familie bezeichnen wollen, zugleich fremd ist. Dabei spiegelt sich die Zerrissenheit und Wurzellosigkeit der Charaktere durch kurze Ein großer und moderner Familienroman, Absätze, die oftmals unvermittelt beginnen, der eindringlich von dem kosmopolitischen und die multiperspektivische Erzählweise im Leben in einer globalisierten Welt erzählt. Stil wider. Ein großartiger Roman. (sh)

Grace McCleen

Wo Milch und Honig fließen

160 S., Paperback, € (D) 12.90

Übersetzt von Barbara Heller

DVA, 384 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Witzig, berührend, schonungslos ehrlich: Auf dichtestem Raum entfaltet Yael Hedaya die miteinander verschränkten Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Paaren. 04·13 Grandios buecher-magazin.de

Die Schöpfung vollzieht sich im Kinderzimmer: Aus Filz, Pappmaschee und Cord, aus Perlen, Alufolie, Rinde, Pfeifenputzern und Abfall baut die zehnjährige Judith das „Land der Zierde“; Flüsse, Berge, Sonne, Seen und Menschen. Und sie sieht, dass es gut ist. Judith wächst allein bei ihrem streng religiösen Vater auf, der sie mit seinem Glauben an das Harmagedon und die Bibelstellen, die jeden Abend gelesen werden, von der „Welt fernhalten muss“, dem „Sündenpfuhl“. Judiths Einsamkeit und der Wunsch, etwas gegen das brutale Mobbing ihrer Mitschüler bewirken zu können, treiben das sensible, hochbegabte Mädchen immer weiter in eine Fantasiewelt. Bis sie glaubt, selbst Wunder bewirken zu können. Sie hört sogar die Stimme Gottes in ihrem Zimmer und seine Worte verheißen nicht nur Trost, sondern auch Hybris und Gefahr, die dann erschreckend real wird. Feinfühlig und sprachmächtig taucht McCleen in die Gedanken einer Zehnjährigen ein, die sich neben Püppchen, zwischen Schuld, Regeln und Glaubenswahn eine eigene Wirklichkeit bastelt. Der Leser wird von ihren intensiven Empfindungen und kindlicher Logik einge- Eine zu Tränen rührende, wundervolle Gesaugt und sich sehnsuchtsvoll wünschen, dass schichte über magisches Denken, Einsamjemand ihr zuhört. In der echten Welt. (md) keit und die Liebe eines Kindes.

4·2013

Yael Hedayas Kultroman Liebe pur : Endlich wieder als detebe lieferbar.

detebe 23307, 224 S., € (D) 9.90

Eine gnadenlose Geschichte über die Liebe und das Heiraten um jeden Preis.

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Linn Ullmann

Das Verschwiegene Deutsche Originalausgabe Unglückliche Familien seien auf ihre je eigene Art unglücklich, heißt es in Tolstois „Anna Karenina“. Und so kann man in Linn Ullmanns Roman „Das Verschwiegene“ eine weitere Variante erkennen. In diesem Falle beginnt das Unglück nicht erst mit dem misslungenen Gartenfest zum fünfundsiebzigsten Geburtstag von Jenny Brodal, mit dem die norwegische Schriftstellerin ihren vielschichtigen Roman eröffnet. Jennys Tochter Siri hat es mit viel Aufwand auf die Beine gestellt, doch steht es unter keinem guten Stern. Aufziehender Nebel prophezeit Regen, die Stimmung in dem großen Haus am Meer ist angespannt. Während all der Geschäftigkeit öffnet Jenny nach zwanzig Jahren Abstinenz die erste Flasche Rotwein. Als die Gäste eintreffen, ist sie sturzbetrunken. Die wahre Katastrophe dieser Nacht zeigt sich freilich erst am nächsten Morgen, als das Kindermädchen von Siris Töchtern verschwunden bleibt. Für Linn Ullmann ist dies Ausgangspunkt für die Spurensuche in den Seelen ihrer Protagonisten. Zu Tage treten bei allen alte und neue Verletzungen, irritierende Affekte, unbewältigte Schuld und grenzenlose Trauer. Eindringlich erzählt die Schriftstellerin von den Verstrickungen einer Familie, von Lüge und Betrug und von der Schwierigkeit menschlicher Beziehungen. (sti) In diesem vielschichtigen Familienporträt zeigen sich lange nach der Katastrophe zarte Keime der Hoffnung.

Luchterhand, 352 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

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Alexa von Heyden

Jessica Soffer

Hinter dem Blau

Morgen vielleicht

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von A. Kramer

Sunny reißt einen sofort mit – hinein in ihr Leben und in die Frage nach dem Tod. Denn der Suizid ihres Vaters beschäftigt die 25-jährige Ich-Erzählerin nach lebenslanger Verdrängung, als ein Freund ihrer neuen Liebe von einem Hochhaus springt. Langsam wird die Wut auf ihren Vater zu Neugier auf den Menschen, der ihr fehlt. Im Zuge ihrer Abschlussarbeit zum Thema „Lebenslust und Lebensmüdigkeit – der Selbstmord als Kulturphänomen“ stellt sie sich ihrer Vergangenheit, um ihre Zukunft klarer zu sehen. Alexa von Heyden reißt einen sofort mit – in ihren autobiografischen Roman, so unmittelbar und wahrhaftig, dass man diesen schweren Lebensabschnitt ohne Rast mit ihr durchschreitet. (ts)

Die aufgeweckte 14-jährige Lorca verletzt sich selbst, weil sie es ihrer unnahbaren Mutter einfach nicht recht machen kann. Victoria könnte Lorcas Großmutter sein. Ihr Ehemann Joseph stirbt an Krebs und auch sie droht der Lebensmut zu verlassen. Zwei Menschen, einsam in New York, die über ihre Leidenschaft zum Kochen zueinanderfinden und das Gefühl bekommen, sie könnten verwandt sein. Was hier kitschig klingt, entwickelt im Roman durch Hintergründe und feine Sprache Größe – und wird zu dem außergewöhnlichen Debüt der 28-jährigen Jessica Soffer, die geschickt mit den Irrungen und Wirrungen in menschlichen Gefühlswelten zu spielen vermag. (ole)

Eden Books, 208 Seiten, 12,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Kein & Aber, 384 Seiten, 19,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

James Gordon Farrell

P. Andersen, M. Bach

Troubles

Warte auf mich

Übersetzt von Manfred Allié

Deutsche Originalausgabe

Wie ein Fels reckt sich das Hotel „Majestic“ der Irischen See entgegen, ein Bollwerk der protestantischen Vorherrschaft. Aber als der dem Ersten Weltkrieg entkommene Major Archer seiner Verlobten die Aufwartung machen will, ist es nur noch eine gewaltige Bruchbude, deren betagte weibliche Stammgäste ebenso wunderlich sind wie das meist greisenhafte Personal. Vor dem Hintergrund der „Troubles“, der Unruhen des irischen Unabhängigkeitskampfes, wird das Hotel zu einer Art Zauberberg der grünen Insel: Labyrinthisch, abgründig und voller grotesk-komischer Szenen ist dieser grandiose Roman, der durch den frühen Tod James G. Farrells (1935 – 1979) fast in Vergessenheit geraten schien. (ub)

Es ist eine alte Geschichte, die das Autorenduo erzählt: ein Mann zwischen zwei Frauen. Einer Ehefrau, die er seit Jahrzehnten liebt und nicht verlassen kann, und einer (natürlich) viel jüngeren Frau, nach der er verrückt ist. Nichts Neues also. Und doch gewinnen die beiden Autoren, die auch die Protagonisten sind, dem Sujet ungewohnte Seiten ab. Ehemann und Geliebte treten in einen schriftlichen Dialog, wobei er aus der Ich-Perspektive schreibt, und sie in der dritten Form. Herausgekommen ist ein bisweilen berührendes Hin und Her der Betrachtung, ein Nachdenken über Hoffnung und Enttäuschung, über Verzweiflung und Verrat, über die aufregenden Facetten der Liebe – und über die schmerzlichen. (sti)

Matthes & Seitz, 540 Seiten, 24,90 Euro; Als E-Book erhältlich

Pendo, 318 Seiten, 16,99 Euro

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als E-Book erhältlich

4·2013


Bücher | Erzählungen & Romane

Bonnie Jo Campbell

Stromschnellen Übersetzt von Carina von Enzenberg

Die ruhige 15-jährige Margo Crane wohnt mit ihrem Vater am Stark River in Michigan. Sie schwimmt und fischt gern und will Kunstschützin werden. Dann wird sie von ihrem Onkel vergewaltigt, ihr Vater wird getötet. In bester Huckleberry-Finn-Tradition begibt sie sich mit einem Ruderboot und einem gestohlenen Gewehr auf die Reise. Präzise und schonungslos beschreibt die Autorin die Härten der Natur und des Lebens. „Stromschnellen“ ist keine romantische Flussgeschichte, sondern ein kompromissloser Coming-of-Age-Roman, in dessen Zentrum eine Protagonistin voller Widerhaken versucht, das amerikanische Ideal der Freiheit zu leben. (sh)

Piper, 396 Seiten 23,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

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04·13 Grandios buecher-magazin.de

Hervé Le Tellier

Neun Tage in Lissabon Übersetzt von J. und R. Ritte Der Journalist Vincent Balmer schreibt einen Roman über neun schicksalhafte Tage, die er 1985 mit dem Fotografen Antonio verbrachte. Die Berichterstattung über den Prozess eines Serienmörders ist der Anlass, doch Liebe und Eifersucht dominieren das Geschehen. Antonio, der Frauenheld, schläft mit Vincents Ex-Freundin Irene. Woraufhin der glücklose Softie Vincent beschließt, Antonios erste unglückliche Liebe wiederzufinden. Die Konstruktion scheint abstrus, doch Le Tellier zieht einen gekonnt hinein in die verletzlich-reflexive Gedankenwelt seines Ich-Erzählers und beschreibt Lissabon so plastisch, dass sich die Reise durch Vincents verkorksten Kopf lohnt. (ts)

dtv, 280 Seiten, 14,90 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013

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Nataša Dragni

William T. Vollmann

Immer wieder das Meer

Europe Central Übersetzt von Robin Detje

Deutsche Originalausgabe Es soll ein intensiver Roman über Liebe und Familie sein, aber statt im Ozean treibt der Leser im Pool. Niccólo und Erika Alessi leben mit ihren drei Töchtern, Großmutter und Tante das Leben einer typischen italienischen Großfamilie. Die Bande reißen, als die Töchter die Verantwortung für ihr Leben übernehmen müssen. Auch, weil sich eine nach der anderen in den Dichter Alessandro verliebt. Dragnics offener Erzählstil in drei Ebenen trägt zur Spannung bei, die zunehmende Lethargie ihrer Charaktere weniger. Durch die starke Raffung bleiben die emotionsgeladenen Konflikte schemenhaft. So schwindet der Reiz der Schicksalsgeschichte von Seite zu Seite. (ole)

Die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert ist monströs. Auch für diejenigen, die sie zu fassen versuchen. Wie anders also könnte man über diese Geschichte schreiben als in Form eines Monumentalromans? „Europe Central“ ist genau das, und es gelingt Vollmann auf eindrucksvolle Art und Weise, die Monstrosität in einzelne Metaphern zu zerlegen und damit für den Leser greifbar zu machen. Er vermeidet dabei die allzu simple Gleichsetzung von nationalsozialistischem und stalinistischem Terror. Es gelingt ihm, am zentralen Motiv des Telefons zu zeigen, wie die unheilvoll monströse Verbindung zwischen beiden Ismen menschliche Lebensläufe beeinflusst. (ct)

DVA, 361 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

buecher-magazin.de Suhrkamp, 1028 Seiten, 39,95 Euro, Auch als E-Book erhältlich

CHRISTOPH HEIN

Amélie Nothomb

Vor der Zeit

So etwas wie ein Leben

Deutsche Originalausgabe

04·13 Grandios

Übersetzt von Brigitte Große Heins Erzählband versammelt leicht modifizierte antike Mythen, die „auf das Herz der Gegenwart zielen“. Das geht dann so: As­klepios wird von Hades vors Göttergericht gezerrt, denn der große Arzt verdammt die Sterblichen zu schrecklichem Siechtum in unnatürlich hohem Alter. Laut Hades eine Kompetenzüberschreitung: Die Hölle sei sein Metier und noch dazu gnädiger. Fertig ist die feinsinnige Kritik an der Debatte High-Tech-Medizin contra Sterbehilfe. Wer so etwas mag, kann sich an knapp zwei Dutzend dieser Kleinode erfreuen. Der Rest der Leserschaft verkürze sich die Wartezeit auf Heins nächsten großen Wurf lieber mit einem seiner vielen guten Romane. (jd)

Nothomb ist eine Vielschreiberin, die sich gern in die eigenen Romane hineindichtet. Und sie antwortet auf Leserbriefe. In ihrem neuen Roman verwebt sie diese Eigenschaften auf unnachahmliche Weise mit der Fiktion. Der US-Soldat Melvin Mapple beschreibt Nothomb, wie er im Irak mit seiner Fettsucht kämpft und diese als Taktik des Protests gegen den Wahnsinn des Krieges versteht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, in dem die Schriftstellerin den Soldaten inspiriert, seine Fettsucht als Kunstprojekt zu dokumentieren. Doch dann bricht der Kontakt unvermittelt ab. Nothomb macht sich auf die Suche nach Melvin und der Wahrheit hinter den Wörtern. (ts)

INSEL, 189 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Diogenes, 144 Seiten, 19,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

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04·13 Grandios buecher-magazin.de

David Wagner

Leben Deutsche Originalausgabe David Wagner weiß ganz genau, worüber er schreibt. An der Grenze zum Tod schaut er sich das Leben sorgfältig an und verarbeitet diesen Grenzgang in einem autobiografischen Roman. Eine Lebertransplantation wird zur existenziellen Erfahrung, die Wagner in einer sehr direkten Sprache voller Humor und Melancholie beschreibt. Diese Sprache nimmt den Leser mit in ein Labyrinth aus Lebenslust und Lebensmüdigkeit, das der Ich-Erzähler größtenteils aus dem Krankenhausbett heraus in seinen Gedanken durchwandert. „Und zum Raum wird hier die Zeit. Und alles, ganz gleich, wie lange her und wie weit entfernt, ist auf einmal wieder da, ganz nah, zum Greifen nah, ich müsste es nur fassen.“ Und Wagner fasst zu – nach dem Leben. Distanziert und mit einem tapferen Trotz beschreibt er, wie sein Ich-Erzähler durch den Tod eines anderen sein Leben neu begreift. Gerade weil er die Gefühle und Erinnerungen ebenso wie den banalen Krankenhausalltag so detailliert und ungefiltert protokolliert, trifft der Roman einen Lebensnerv. Wagners Thema geht uns an. Für dieses literarische Stillleben in 277 Abschnitten hat David Wagner im März dieses Jahres den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Er freue sich sehr, doch den eigentlichen Preis habe er schon bekommen, sagte er. Denn am Ende des Buches steht das Leben. (ts) Berührendes Protokoll einer Krankheit, die den Leser mitnimmt auf einen Grenzgang zwischen Leben und Tod.

Rowohlt, 288 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013


Hörbücher | Erzählungen & Romane

»Diesen Roman werden sich Freundinnen

Auch als Buch bei Rütten & Loening erhältlich

mehr als

Auch als Buch bei Bastei Lübbe erhältlich

LENa JohannSon

Luca Di Fulvio

Der Sommer auf Usedom

Das Mädchen, das den Himmel berührte

Gelesen von Nadine Heidenreich

Gelesen von Philipp Schepmann Nach „Dünenmond“, „Rügensommer“, „Himmel über der Hallig“ nun also „Der Sommer auf Usedom“. Wer angesichts dieser Titel mehr als kurzweilig-leichte Urlaubshörkost erwartet, ist selber schuld. Lena Johannsons Rezept ist so einfach wie vorhersehbar: Man vermische Inselreize, etwas Romantik, unkomplizierte Dialoge, füge eine Prise Spannung sowie – in diesem Fall – eine flotte Lesung hinzu – und man erhält einen sommerlichen Cocktail für alle, die für die Entspannung im Strandkorb akustische Untermalung suchen. Nicht mehr, nicht weniger. Die Berlinerin Jasmin besucht auf Usedom ihre Freundin und ist überdies für einen Bilderzyklus auf Motivsuche. Sie wird von einem Mann beobachtet, mit dem sie einen Flirt beginnt. Viel gibt er allerdings nicht von sich preis. Dann erfährt sie, dass ein Kunstdieb die Insel unsicher macht … Der Roman versucht gar nicht erst, mehr als nur leichte Unterhaltung sein zu wollen und bietet in diesem Rahmen tatsächlich vier unterhaltsame Stunden. Vor allem dank Johannsons „Haussprecherin“ Nadine Heidenreich, die locker und mit recht variabler Stimme liest (so berlinert sie gar gekonnt) – sowie in einem Tempo, das zeitweilige Längen des Romans kaschiert. (red)

Über zehn Stunden können mitunter eine Geduldsprobe sein. Nicht so bei diesem Hörbuch. Die Zeit verfliegt, so sehr nimmt einen die Geschichte gefangen. Der junge Mercurio verdingt sich in Rom als Betrüger. Nach einer Messerstecherei flieht er zusammen mit den Straßenkindern Benedetta und Zolfo in Richtung Venedig. Auch der jüdische Überlebenskünstler Isacco, der sich als Arzt ausgibt, und seine Tochter Giuditta sind auf dem Weg dorthin. Ihre Wege kreuzen sich, und Mercurio und Giuditta verlieben sich. Doch Benedetta, ebenfalls in Mercurio verliebt, gönnt den beiden ihr Glück nicht. In Venedig trennen sich die Wege der Freunde. Mercurio schließt sich dem Verbrecherkönig Scarabello an, Zolfo dem fanatischen Mönch Amadeo. Benedetta wird die Geliebte des verrückten Fürsten Contarini und spinnt grausame Intrigen gegen Giuditta, die mit ihrem Vater ins Judenviertel verbannt wird. Faszinierend, wie authentisch Schepmann die vielen verschiedenen Charaktere verkörpert. Die liebliche Giuditta mit der samtweichen Stimme kauft man ihm ebenso ab wie den rabiaten Scarabello mit seinem furchterregenden Grollen. (kek)

Inselambiente + Flirt + gute Freundinnen +

Eine abwechslungsreiche Story und ein

eine Prise Spannung + lockere Interpretati-

ausgezeichneter Sprecher, der den Hörer

on = leichte Sommerhörkost.

tief ins alte Venedig eintauchen lässt.

(2,65)

(3,9)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

RADIOROPA HÖRBUCH, ungekürzte Lesung, 244 Minuten/4 CDs, 12,95 Euro 4·2013

jeden anderen empfehlen.« The Independent

Jojo Moyes Ein ganzes halbes Jahr Gelesen von Luise Helm u. a. Ungekürzte Lesung 2 MP3-CDs (Laufzeit: 14 Stunden, 45 Minuten) € 19,95 ISBN 978-3-8398-1234-1

Lübbe Audio, gekürzte Lesung, 621 Minuten/8 CDs, 19,99 Euro

www.argon-verlag.de 39


Auch als Buch beim dtv erhältlich

Auch als Buch bei Reclam erhältlich

Auch als Buch bei Reclam erhältlich

Jane Austen

Hilary Mantel

Georg Büchner

Northanger Abbey

Falken

Leonce und Lena

Gelesen von Eva Mattes

Gelesen von Frank Stöckle

Mit Lotti Schwab, Thomas Thieme, Ruedi Walter, Michael Weber u. a.

Was passiert: Die 17-jährige Catherine, von der „man nicht angenommen hätte, dass sie zur Romanheldin bestimmt war“, macht Ferien in Bath. Sie geht tanzen und spazieren und lernt andere junge Leute kennen. Manche von ihnen sind angenehmer, andere weniger angenehm, als sie auf den ersten Blick scheinen. Am liebsten ist ihr Henry Tilney, ein kluger und witziger junger Gentleman. Sie ist beglückt, als Tilney und dessen Schwester sie auf den Familiensitz Northanger Abbey einladen, und am Boden zerstört, als der Vater der Geschwister sie ohne Begründung hinauswirft. Was eigentlich passiert: Austen macht sich über Romane lustig, erzählt eine Liebesgeschichte und kritisiert die Oberflächlichkeit der englischen Oberschicht. Der moderne Konsument sei gewarnt: Der feinen, fremdartig anmutenden Umgangsformen des 18. Jahrhunderts wegen ist der Plot so subtil, dass man wichtige Teile der Handlung verpasst, wenn man einen Moment lang nicht hinhört, was Austens mitunter formelhafte Sprache erschwert. Doch die lebhafte, präzise und nuancierte Interpretation von Eva Mattes fesselt die Aufmerksamkeit des Zuhörers derart, dass Witz und Weisheit der Autorin voll zur Geltung kommen. (ed)

Thomas Cromwell ist dank seiner Unterstützung für Anne Boleyn zum unangefochtenen Strippenzieher am Hofe Heinrichs VIII. aufgestiegen. Doch als auch Anne dem König keinen Thronfolger schenken kann und immer mehr in Ungnade fällt, noch dazu der König sich in die zurückhaltende Jane Seymour verliebt, ändert Cromwell seine Taktik. Es geht um das Wohl Englands – und um die eigene Karriere. Frank Stöckle macht aus diesem Roman, für den man viele Vorkenntnisse und Orientierungsfähigkeit benötigt, ein gut hörbares Hörbuch. Er kostet jeden Satz, jede Stimmung aus, ohne sich über den Text zu stellen und lässt sich Zeit, ohne den Hörer zu ermüden. Kurz: Er macht das Beste aus der Vorlage – mit der ich allerdings nicht „warm“ werden konnte, obwohl oder gerade weil ich schon viele Romane über Heinrich VIII. gelesen habe. Das durchgängige Prinzip: Kaum ist man „drin“ und die Geschichte nimmt Fahrt auf, driftet die Autorin ins Sachliche ab, schreibt ellenlange Monooder Dialoge, springt hin und her zwischen den vielen Personen, für die der Verlag fast verheißungsvoll eine dreiseitige Auflistung ins Booklet gepackt hat. Meine Empfehlung gibt es durch den Sprecher. (bw)

Prinz Leonce von Popo ist einer jener jungen Männer, denen man zurufen möchte: „Suchen Sie sich eine Arbeit, Söhnchen!“ Das zukünftige Staatsoberhaupt vergeht vor Ennui und ist überhaupt eine Karikatur des verwöhnten Adligen. Er ist mit Prinzessin Lena von Pipi verlobt, aber der Gedanke an die Ehe widerstrebt ihm. Gemeinsam mit dem Trunkenbold Valerio flieht er Richtung Italien. Prinzessin Lena hat ebenfalls nicht die geringste Lust, einen Prinzen zu heiraten, den sie gar nicht kennt – gemeinsam mit ihrer Gouvernante flieht sie Richtung Italien. Natürlich treffen sich die Ausreißer, natürlich verlieben sie sich ineinander. Eine Satire auf den Adel, eine Parodie des Genres Lustspiel, drei Akte Spott. Der Text ist klug, dicht und poetisch, aber eben nicht ernst gemeint und daher schwierig mit Emotion zu füllen. Das gelingt vor allem Ann Höling als romantisch veranlagter Gouvernante und Thomas Thieme als fauler, versoffener Valerio, der nichts fordert als „Makkaroni, Melonen und Feigen, musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommode Religion!“ Schwabs Lena klingt angenehm vernünftig, Webers Leonce bleibt leider konturlos. Walter aber, der Leonce‘ Vater gibt, ist eine königliche Karikatur. (ed)

Nur dem ersten Eindruck nach zäh und

Sechs CDs voller Intrigen und noch mehr

Eine solide, recht konventionelle Interpre-

spröde. Stellenweise noch heute so tref-

Figuren, oft langatmig erzählt, aber durch

tation eines schwierigen und schönen

fend, dass man laut auflacht.

den guten Sprecher hörenswert.

Stücks.

(4,25)

(2,65)

(3,95)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

ARGON VERLAG, ungekürzte Lesung, 520 Minuten/7 CDs, 34,95 Euro

40

AUDIOBUCH VERLAG, gekürzte Lesung, 454 Minuten/6 CDs, 22,99 Euro

CHRISTOPH MERIAN, Hörspiel, 62 Minuten/1 CD, 13,95 Euro 4·2013


Hörbücher | Erzählungen & Romane

Peter Buwalda

Bonita Avenue

L u s t auf

sommer?

Gelesen von mehreren Sprechern (4,85) Umsetzung Inhalt Ausstattung

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als Buch/ E-Book bei Rowohlt erhältlich

RANDOM HOUSE AUDIO, gekürzte Lesung, 900 Minuten/12 CDs, 29,99 Euro

Die Handlungen krass, die Figuren extrem, eine gewaltige Familientragödie aus drei Perspektiven erzählt von drei guten bis sehr guten Sprechern: Susanne Wolff, Benno Fürmann, Axel Milberg, Letzterer wie immer variabel und äußerst virtuos. Doch passen die männlichen Stimmen zu den Charakteren, die sie verkörpern? Die sich dramatisch zuspitzenden Geschehnisse drehen sich um die Familie des niederländischen Rektors und Mathematikprofessors Siem Sigerius – ein Judokämpfer mit „büffelartigem“ Körper, präsentiert von Milbergs eher feiner Stimme. Das korrespondiert nicht. Der wenig selbstbewusste, labile Freund der Tochter präsentiert von Fürmanns dunkler markanter Stimme. Das verwirrt. Ganz unabhängig von der ausgezeichneten Sprechleistung. Die Geschichte – extraordinär und faszinierend. Die Charaktere – extravagant und überspannt, dennoch mit Charakterzügen, die jeder aus dem Alltag kennt. Der bullige Rektor hat scheinbar alles im Griff. Bis seine Kinder sein Leben zum Einsturz bringen: ein krimineller Sohn aus erster Ehe und eine Tochter auf sexuellen Abwegen, deren Freund am Keine leise Geschichte, dennoch viele Ende psychotisch. Die Explosion einer Feu- Zwischentöne. Ein ausgesprochen gewalerwerksfabrik rüttelt die Patchwork- Fami- tiges Hörvergnügen! lie durcheinander. (sta)

4:24 Stunden

12,95 EUR UVP

David Vann

Dreck Gelesen von Christian Brückner (4,9) 04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als Buch/ E-Book bei Suhrkamp erhältlich

Umsetzung Inhalt Ausstattung

19,95 EUR UVP

PARLANDO, ungekürzte Lesung, 460 Minuten/6 CDs, 24,99 Euro

„‚Dreck‘ von David Vann“ – Christian Brückner hat noch keine Zeile des Romans gelesen und dennoch ist man ihm bereits verfallen, nachdem er diese vier Worte vorgetragen hat. Diese Stimme, dieser Klang, diese Aura, dieses Charisma. Brückner zu hören ist ein Hochamt literarischer Ästhetik. Hier trifft seine Gabe zudem auf einen begnadet verfassten Roman. Die Anordnung der Figuren läuft unweigerlich auf eine Tragödie hinaus: eine demente Großmutter, ihre beiden Töchter Suzie-Q und Helen, die sich das Leben schwer machen, wie es nur Schwestern können, der 22-jährige Galen, ein Mama-Söhnchen, in seinen Begrenzungen, Begierden und Hoffnungen aussichtslos verstrickt, der erotischen Anziehungskraft seiner fünf Jahre jüngeren Cousine Jennifer willenlos verfallen. Brückners Stimme durchschreitet die Täler menschlicher Tragik. Er belässt die Nichtigkeiten der Welt in ihrer Banalität, wütet durch familiäre Beziehungen. Er lässt Erotik prickeln, Angst fühlen, Verachtung schmerzen. Er zieht den Hörer in die zerstörerische Auseinandersetzung von Mutter und Sohn, in ein Kammerspiel der Grausamkeit, aus der es Ein Hochamt literarischer Ästhetik ist das kein Entrinnen gibt. Erst recht nicht für den Ergebnis, wenn „The Voice“ unnachahmHörer. Brückners Greinen, Jammern, Keu- lich einen grandiosen Roman interpretiert. chen, Krächzen ist große Kunst! (kn) 4·2013

23:20 Stunden

12:32 Stunden

19,95 EUR UVP

41 www.hoerbuchnetz.de


04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als Buch/ E-Book bei Diogenes erhältlich

Auch als Buch bei Matthes & Seitz erhältlich

Astrid Rosenfeld

Jean-Henri Fabre

Jens und Joerg Fieback

Elsa ungeheuer

Die schwarzbäuchige Tarantel

Napoleon und die Völkerschlacht

Gelesen von Gert Heidenreich

Gelesen von Torsten Münchow u. a.

Karl ist acht Jahre alt, als sich seine Mutter das Leben nimmt. Die Trauer seines Vaters mündet in eine heftige Alkoholsucht. Karl und sein großer Bruder Lorenz wachsen in der Obhut der uralten katholischen Haushälterin und des Dauergastes Herrn Murmelstein auf – mit dem „armen Herzjesulein“ und pornografischen Gute-Nacht-Geschichten. Dann kommt Elsa, elf Jahre alt, gefährlich und vollkommen. Karl weiß, dass er ihr immer folgen wird. Rosenfeld erzählt die Geschichte eines Mädchens mit einem bedrückenden Geheimnis und eines Künstlers in einer korrupten Welt aus der Perspektive des ewigen kleinen Bruders. Karl ist ein fettes, unscheinbares Kind ohne Selbstbewusstsein. Seine Stärke ist seine unbeirrbare Liebe zu Elsa und seinem Bruder, die auch dann bestehen bleibt, als Lorenz zwischen die Zahnräder der Kunstmaschinerie gerät. Der Ich-Erzähler möchte selbst auf Koks nichts anderes, als dass es den Menschen um ihn herum gut geht, und Stadlober legt diese Sehnsucht in seine raue Stimme. Sein Karl klingt melancholisch und hoffnungsvoll und so bodenständig, wie es sich für jemanden gehört, der in einem Beinahe-Hotel in der Oberpfalz aufwächst, in dessen Erdgeschoss ein Esel wohnt. (ed)

„Kommen wir nun zu meinen recht unterhaltsamen Taranteljagden.“ Wer einen Vernichtungsfeldzug erwartet, wird enttäuscht. Vorsichtig lockt der Entomologe Fabre die Taranteln aus ihren Höhlen, mal mit einem Stöckchen, mal mit einer lebenden Hummel als Köder. Fabre (1823 – 1915) gehörte einer Wissenschaftlergeneration an, die ihre Forschungsobjekte nach menschlichen Maßstäben beurteilte. Das widerspricht heutigen wissenschaftlichen Standards, hört sich aber sehr unterhaltsam, zumal Fabre wunderbar formuliert, wenn er etwa den „Sterbegesang“ der Hummel beschreibt. Die Aufmerksamkeit, die Empathie, gar Bewunderung, die der Entomologe Insekten entgegenbringt, führen unweigerlich zu dem Entschluss, in Zukunft selbst jedem Gegenüber solche Sorgfalt zuteilwerden zu lassen. Heidenreich ist hierfür der beste denkbare Sprecher, auch, weil er nach der Mitarbeit an vielen Dokumentationen weiß, wie man selbst Sachtexte aufregend gestaltet. Das Mitgefühl, das aus den Worten Fabres spricht, liegt auch in Heidenreichs Stimme. Beunruhigend sind die elektroakustischen Untermalungen von Robert Rehnig: Das Krabbeln, Flattern und Zirpen versetzt uns direkt in die Höhle der Spinne. (ed)

Dieses opulent inszenierte Geschichts-Feature versetzt den Zuhörer mitten ins Kampfgeschehen der Leipziger Völkerschlacht 1813 – und die Zeit, in der sie stattfand. Ein intensives Hörerlebnis mit Fakten, Pathos, einem wuchtigen Geräuschteppich und filmreifer Musik. Und das mit Torsten Münchow einen Erzähler hat, dessen Stimme so selbstbewusst klingt, als würde er keinen Widerspruch dulden. Die deutsche Synchronstimme von Brendan Fraser sorgt vom Fleck weg für klare Verhältnisse und brennt die Ereignisse in die Gehörgänge. Doch auch die anderen Sprecher, vor allem Holger Handtke als Napoleon, fügen sich mit ihrer Spielfreude in das durchweg packende Hörerlebnis ein. Jens und Joerg Fieback beschränken sich aber nicht nur auf die Völkerschlacht, sondern gehen auf zwei CDs und in dem 24-seitigen Booklet auf den Aufstieg Napoleons, dessen Debakel des Russlandfeldzugs von 1812, das Mächtespiel in Europa zu jener Zeit sowie Napoleons zweifache Verbannung ein. Dazu jede Menge hochinteressantes Hintergrundwissen. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass in jenen Tagen die deutschen Nationalfarben entstanden sind? (bär)

Ein bewegender, auf sanfte Weise skurriler

So freundlich, komisch und poetisch wie in

Lebendig, spannend und informativ: die

Text, dessen Stimmung der Sprecher wun-

diesem Kleinod sind Spinnen wohl selten

Völkerschlacht zum „Anfassen“ und im

derbar trifft.

beschrieben worden.

geschichtlichen Kontext.

Gelesen von Robert Stadlober

(3,95)

(4,95)

(3,7)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

DIOGENES, ungekürzte Lesung, 386 Minuten/6 CDs, 29,90 Euro

BUCHFUNK, ungekürzte Lesung, 61 Minuten/1 CD, 14,90 Euro

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ZEITBRÜCKE VERLAG, Feature, 135 Minuten/ 2 CDs, 14,95 Euro 4·2013


Krimis & Thriller

K

Kulinarische Krimis

Kniddel und König

Foto: Dirk Guldner

Mit Autor Tom Hillenbrand durch Luxemburg zu streifen, bedeutet am Nachmittag mit fettigen Gromperekichelcher in der Hand auf dem Marktfest zu stehen und am Abend Gänsestopfleber im SterneRestaurant zu kosten. Lecker. Von Meike Dannenberg

och Xavier Kieffer ist nicht gerade das, was man einen typischen Mordermittler nennen könnte. Der Luxemburger aus der Feder Tom Hillenbrands ist einer guten „Bouneschlupp“ nie abgeneigt und auch sonst eher gemütlich. Und dennoch: Leichen pflastern buchstäblich seinen Weg. Es ist der dritte Fall und der dritte tote Mensch, den in Xavier Kieffers Umfeld mit Nachdruck das Zeitliche segnet – nebst einigen Randfiguren während seiner detektivischen Recherchen. Im ersten Band um den Feinschmecker-Detektiv kippt ein Kritiker des bekannten „Guide Gabin“ (eine unverhohlene Anspielung auf den Guide Michelin) in Kieffers Restaurant tot um. Der nächste Tote – Kieffer hätte sich lieber erst einmal von den Ermittlungen erholt, wird aber fast genötigt, seine empfindliche Nase auch in diese Angelegenheit zu stecken – ist ein Sushi-Meister, der, während er ein Menü für seine exklusiven Gäste zubereitet, von einem tödlichen Tintenfischgift gelähmt wird und verbleicht. Und nun wird im dritten Krimi in Luxemburg ein Gast des Schueberfouer, dem luxemburgischen Äquivalent des Oktoberfests, nach dem Besuch an Kieffers Gromperekichelcherstand von der Rouder Bréck gestürzt. Gromperen heißen Kartoffeln auf Luxemburgisch, der Rest ergibt sich durch Lautmalerei. Lëtzebuergesch hat einen an Deutsch und Französisch erinnernden Klang, und ist eine der drei Amtssprachen des Großherzogtums, und weil Hillenbrand selbst Deutscher ist, flicht er die Sprache so ein, dass auch ein Leser, der ihr nicht mächtig ist, versteht, was gemeint ist. Auf Genauigkeit muss er achten, denn bisher stand jeder seiner „Kieffer-Romane“ auf Platz eins der Bestsellerlisten des kleinen Staates mit nur rund einer halben Millionen Einwohner. Warum Luxemburg? „Weil es noch frei war“, lacht Hillenbrand, aber wer in der Stadt unterwegs ist, begreift nicht nur die außergewöhnliche Lage des Großherzogtums zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien und die teils düsteren historischen Hinterlassenschaften der Jahrhunderte währenden Befestigungen, sondern auch die Schönheit der Altstadt im Zusammenspiel mit der Moderne. Die Festungsstadt gehört zum UNESCOWeltkulturerbe, der moderne Bau der Kunsthalle MUDAM von Stararchitekt Ieoh Ming Pei ist ein Kunstwerk für sich. In Luxemburg findet

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man ein hochkonzentriertes, gleichzeitig kleinstädtisches und doch multikulturelles Ambiente – eine Mischung, die auch beim Lesen Spaß macht. Die vielen lokalen Spezereien, für die Koch Kieffer ein besonderes Herz hat, machen Lust auf luxemburgische Küche. In seinem Restaurant, dem „Deux Eglises“, oder „Zwou Kierchen“ wie die Einheimischen sagen, serviert er nahezu ausschließlich lëtzebuergesche Spezialitäten, eine bodenständige Küche mit Bohneneintopf (Bouneschlupp), Rieslingpaschtéit und Quetscheflued, die dem ehemaligen Sternekoch Kieffer mehr mundet als französische Foie gras oder Ortolan. Dieses eigenwillige Mahl, bei dem ein kleiner gemästeter Singvogel, die Fettammer, im Ganzen verzehrt wird, nachdem sie zuvor in Armagnac ertränkt wurde, beschreibt Hillenbrand in „Rotes Gold“ en détail – und auch Kieffers Widerwillen gegen die gruselige Delikatesse. Hillenbrand sagt von sich selbst: „Ich esse alles!“ Zumindest probiert er alles und kennt sich ausgezeichnet in der Gastronomie und mit Lebensmitteln aus. Deshalb sind die Kriminalfälle in den Geschichten auch jedes Mal noch mehr mit dem Essen an sich verbunden, als nur durch einen Koch, der ermittelt und dabei lecker speist: Es geht um Lebensmittelpanschereien, um Sushi-Industrie und nun in „Letzte Ernte“ unter anderem um Termingeschäfte mit Grundnahrungsmitteln.

Koch, kein Börsenhändler Schon in „Teufelsfrucht“, als Xavier Kieffer den Tod des Gastro-Kritikers nach Verzehr der von ihm zubereiteten Vorspeise ein wenig persönlich nimmt, ist Analog-Käse und die bunte Welt der künstlichen Aromen ein gelungener Kontrast

Tom Hillenbrand: Letzte Ernte Xavier Kieffers dritter Fall Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, 8,99 Euro Auch als E-Book erhältlich Hörbuch Gelesen von Gregor Weber audio media, ca. 300 Min./4 CDs, 16,99 Euro Erstverkaufsdatum: 20. Juni

BÜCHER verlost je fünf Bücher und Hörbücher von „Letzte Ernte“ (Kiepenheuer & Witsch/audio media). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3.

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zu der „realen“ Küche des Luxemburger Kochs. Hillenbrand war Wirtschaftsredakteur und Ressortleiter bei SPIEGEL online, bevor er begann, sich mehr auf seine Krimis zu konzentrieren. Er recherchiert gewissenhaft. In „Rotes Gold“ schreckt die Thunfisch-Mafia, die den inzwischen nahezu ausgestorbenen wertvollen Blauflossenthun gerne mit dubiosen Zuchtmethoden herstellen statt fangen will, in Goldgräberstimmung nicht davor zurück, anderen das Wasser abzugraben. Züchtungsversuche mit Hormonfutter und Antibiotikasättigung im Fisch, Sushi-Roboter – Sushi aus einer der zahlreichen Fastfood-Ketten, die mit japanischer Tradition wenig am Hut haben, schmeckt nach dieser Lektüre nach Fischwürfelfabrikabfall aus Fließbandherstellung. Was es wohl auch ist. Und jetzt wird in dem neuen Krimi „Letzte Ernte“ mit Lebensmitteln spekuliert. Dass die Termingeschäfte mit Feldfrüchten sogar seine Gromperekichelcher auf dem Schueberfouer ganz schön teuer machen können, merkt Xavier Kieffer, als seine bevorzugten Gromperen (Bio-„Rose de France“ aus der Auvergne) plötzlich starken Preisschwankungen ausgesetzt sind. „Mensch Wolfgang. Ich bin Koch, kein Börsenhändler“, schnauzt er seinen Lieferanten an. Doch das ist erst der Auftakt zum Thema des neuen Romans, das sich über die Termingeschäfte mit Rindfleisch, wie sie Kieffers Freund, der Fernsehkoch und Scharlatan Esteban betreibt, bis zu der Frage, wie denn eigentlich der ärmere Teil der Weltbevölkerung von Lebensmittel-Spekulanten in den Hunger getrieben wird, fortsetzt. Tatsächlich ist der Tote von der Rouder Bréck selbst bis zum Hals in die Kontrolle und Manipulation dieser Termingeschäfte verwickelt. Und Kieffer taucht bei seinen Ermittlungen ein in die Welt der Finanzmagnaten des Börsenparketts, von denen einige ihren Firmensitz in Luxemburg haben. Er lernt etwas über Hacker und Algorithmen (alles zunächst überhaupt nicht sein Metier) und versucht seine Freundin, die Chefin des Guide Gabin, Valérie, vor finsteren Gestalten zu beschützen. Nicht ohne dabei nicht auch selbst in Gefahr zu geraten. Der Kriminalfall ist, erleichternd bei so viel Essen und Lokalkolorit, in allen drei Romanen auch noch spannend. Es ist keineswegs immer so, wie zunächst vermutet.

Wehrmauern und Glasfassaden Geld und Europa. Die niedrigen Mehrwertund Unternehmenssteuern haben auch Amazon, Google, Dropbox, PayPal und andere New Economy-Ableger in die charmante Stadt verschlagen. Und die Rouder Bréck spannt sich in Luxem4·2013


Krimis & Thriller

Foto: Cathy Giorgetti

4·2013

erhältlich Ü: Christine Blum Dt. Erstausgabe 448 Seiten € 9,95 Auch als

Peter Grant, Zauberer in Ausbildung und Police Constable, hat nichts gegen eine Ablenkung vom Latein-Büffeln. Mit Schwung stürzt er sich in den Fall eines in einem Londoner U-Bahn-Tunnel erstochenen Kunststudenten. Aber neben internationalen Verwicklungen und einer penetranten FBI-Agentin bekommt er es dann noch mit den viktorianischen Abwasserkanälen zu tun …

nd!

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Engla s u a e i r e s t l u D ie K Ben Aaronovitch

Ben Aaronovitch

Ben Aaronovitch

Ben Aaronovitch

burg Stadt zwischen dem älteren Teil der Stadt und den aufragenden Glasfassaden des Kirchbergs, auf dem unter anderem auch der Europäische Gerichtshof und der parlamentarische Dienst des Europaparlaments sitzen. Tom Hillenbrand, der Europapolitik studiert hat, absolvierte deshalb in Luxemburg ein Praktikum, bevor er Journalist wurde. Damals seien die Übersetzungen – jedes Protokoll wird in alle 18 Amtssprachen Europas übersetzt – noch in silbernen Büro-Containern zwischen Brüssel, Straßburg und Luxemburg hin und her gekarrt worden, erzählt er. „Heute ist das hoffentlich alles digital“, grinst er mit einem Blick auf die modernen Gebäude. „Und damals hat das vermutlich auch schon keiner gelesen.“ Auch sinnbildlich passt diese Brücke also zum Krimi, in dem Tradition auf Moderne trifft. Xavier Kieffer hat sein Restaurant in der Unterstadt, die tief im Alzette-Tal liegt, flankiert von einem großen Kloster und hohen Steilhängen, mit Jahrhunderte alten Wehrmauern. In der Oberstadt liegt der Stadtpalast des Großherzogs, ebenso wie das Parlament. Zwischen schmucken Fassaden und in den kleinen Gassen wehen Fetzen von Französisch, das neben Lëtzebuergesch Umgangssprache ist. Die Menschen sitzen zum Essen auf einem der vielen Marktplätze, zum Beispiel bei der Brasserie Guillaume am „Knuedler“, wie die Einheimischen den Place Guillaume II nennen, oder direkt daneben bei der Pâtisserie Kaempff & Kohler, die unter anderem französische Tartes und Madeleines offerieren. „Und überall hängt der Chef“, lacht Tom Hillenbrand und zeigt auf die Konterfeis des Herrscherpaares, die wirklich hinter jedem Tresen, jeder Hotelrezeption und sogar – in moderner Holzschnittvariante im MUDAM die Wand schmücken. An der Mosel wird Wein angebaut. Eine beliebte Rebsorte neben Rivaner und Pinot Gris: Auxerrois. Und Crémant wird hier nach traditioneller Methode, also der Flaschengärung dem Champagner gleich, hergestellt, und überall so selbstverständlich angeboten, wie in Deutschland ein Schoppen. Hier gibt es etliche Restaurants mit Michelin-Stern, zwölf waren es in Luxemburg letztes Jahr, eine höhere Dichte, als sonst irgendwo. Beim großherzoglichen Hoflieferanten Pâtisserie Oberweis liegen Hunderte Pralinen, Macarons in allen Farben von poppig bis pastell und kunstfertige Törtchen neben deftigen Pasteten in den Kühltresen. Franzosen, Italiener, und Portugiesen haben zur Landesküche und Gastronomie beigetragen, deutsche Hausmannskost hat hier ebenfalls Tradition, so sind „Kniddel“, also Klöße, Nationalgericht. Ein Luxemburger Krimi muss vom Essen handeln!

Peter Grant auf magischer Mission im Londoner Untergrund

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Roman

Übersetzung: Karlheinz Dürr Deutsche Erstausgabe 480 Seiten € 9,95 erhältlich Auch als

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Vom Autor des Bestsellers ›Die Flüsse von London‹

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Roman

Übersetzung: Christine Blum Deutsche Erstausgabe 416 Seiten € 9,95 Auch als erhältlich

_ www.dtv.de45


kulinarische Krimis & Thriller

Jean-Luc Bannalec

Bretonische Brandung Deutsche Originalausgabe Der Krimi lädt in die Bretagne ein, wo alles besonders ist: das Licht, vor allem wenn man von der Küste oder von den winzigen vorgelagerten Inseln über den Atlantik Richtung Westen schaut, die Gezeiten, das Wetter und die Menschen, die im Einklang mit dem Meer leben. Es gibt Delfine, die Forscher, Taucher, Segler, Fischer und Schatzsucher begleiten. Und es gibt Kommissar Dupin, den es von Paris hierher verschlagen hat. Nach vier Jahren ist er immer noch der „Neue“ in dieser verwunschenen Gegend, und mit seinen außerbretonischen Augen lernen die Leser das „Ende der Welt“ näher kennen. Vor einem Jahr machte der erste Band um den koffeinsüchtigen Kommissar Furore: „Bretonische Verhältnisse“. Seitdem wird gerätselt, wer sich hinter dem Pseudonym des Autors Jean-Luc Bannalec verbirgt. „Die Welt“ tippte auf Jörg Bong, Chef des S. Fischer Verlags. Bestätigt wurde das bisher aber nicht. Im zweiten Band werden nun die Leichen von drei Männern auf einer der winzigen Inseln angespült, sodass Dupin, der als Küstenkommissar ausgerechnet eine Art Bootphobie hat, dauernd mit irgendwelchen Schiffen unterwegs ist. An Land aber gibt es leckeres Essen und vor allem jede Menge Kaffee, sodass der Kopf des kauzigen Kommissars schließlich doch auf Hochtouren läuft. (sc) Eher atmosphärisch als superspannend oder raffiniert. Ein Urlaubsschmöker, der Lust auf die Bretagne macht.

Als Hörbuch bei DAV erhältlich

Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, 14,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

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Paul Lascaux

Martin Walker

Schokoladenhölle

Femme fatale

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von M. Windgassen

Auch Bern hat einen Sherlock Holmes. Wenn die Kantonspolizei nicht weiterkommt, kommt Detektiv Heinrich Müller zu Hilfe. Wer dabei durch eine Schokoladenhölle gehen muss, bleibt offen. Die süßen Verkostungen eines Confiseurs in Müllers Stammbar kommen gut an. Zwar wird ein Zuckerbäcker tot über seiner Marzipankreation gefunden und auch ein zuvor ermordeter Banker könnte in KakaoWarentermingeschäfte verstrickt sein, aber die Ermittlungen von Müller gehen in ganz andere Richtungen. Lascaux scheint es kulinarisch wie sprachlich opulent zu mögen. Immer wieder sorgen pathetische Lebensweisheiten für einen halbbitteren Geschmack des sonst fluffigen Texts. (ole)

Den schottischen Autor Martin Walker hat es ins schöne Périgord verschlagen. Von dort schreibt er vergnüglich-kluge Krimis über das Lebensgefühl und die interessanten Menschen, die ihm in der schönen Landschaft begegnen. So wie sein Held Bruno, der den Gendarmen seines Heimatstädtchens zum Vorbild hat. Der ausgefuchste Dorfpolizist ist Junggeselle, kocht ausgezeichnet und ist bei den örtlichen Damen sehr begehrt. Im bereits fünften Fall der Reihe treibt eine nackte weibliche Leiche in einem Boot den Fluss herab, daneben ein Hahnenkopf und schwarze Kerzen. Das Opfer einer satanistischen Orgie? Oder hängt ihr Tod mit dem riesigen Tourismusprojekt zusammen, das die Bewohner der Region spaltet? (mpö) Auch als Hörbuch bei Diogenes erhältlich

Gmeiner, 230 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Diogenes, 432 Seiten, 22,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

Donna Leon

Carsten S. Henn

Tierische Profite

Henkersmahlzeit

Übersetzt von W. Schmitz

Gelesen von J. von der Lippe

Der Mann auf dem Obduktionstisch ist nicht nur durch Schläge entstellt, und Commissario Brunetti hat ihn schon einmal gesehen. Nach der Leichenschau aber wird erst einmal gut gegessen: Brioches, Jacobsmuscheln, Grissini und Fischsuppe. Dazu serviert Leon Belehrungen über Fleischverzehr und die Auswirkungen der Rinderzucht auf Umwelt und Verbraucher. Dabei hätte man lieber mehr über diesen traurigen, seltsam deformierten Mann erfahren, der erst sterbend in einem Kanal und dann im Leichenschauhaus gelandet ist. Und muss unbedingt ein Mord her, um die tierischen Profite krimineller Fleischhändler anzuprangern, die uns der Titel unter die Nase reibt? (ub)

Man nehme zwölf kulinarische Kurzkrimis, würze sie mit reichlich rheinländischem Lokalkolorit und schwarzem Humor – fertig ist der Hörgenuss. Es läuft einem zwar nicht das Wasser im Munde zusammen, wenn Leichen im Bärlauch, im Sternerestaurant oder im Weinkeller liegen. Dafür macht Jürgen von der Lippe mit seinen flotten Dialekten, Nuschlern und Lisplern Appetit auf mehr. Der TV-Moderator muss nahezu 30 Charaktere vertonen und löst dies mit Bravour. Nur in seiner „normalen“ Erzählerstimme klingt er gelegentlich gelangweilt. Dennoch vergehen die drei Stunden Hörzeit wie im Schnellkochtopf. (ole)

Als Hörbuch bei Diogenes erhältlich

Diogenes, 352 Seiten, 22,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

Als Buch bei Emons erhältlich

(4,0) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Emons, gekürzte Lesung, 189 Minuten/ 3 CDs, 16,80 Euro 4·2013


Krimis & Thriller

Das letzte Werk des james m. cain

Raffiniertes Luder

Im Berliner Metrolit Verlag ist in deutscher Erstausgabe „Abserviert“ erschienen, der fast vier Jahrzehnte lang verschollene letzte Roman von Kult-Autor James M. Cain. von Katharina Granzin

E

Foto: Hard Case Crime

s ist sehr selten, dass sich das Nachwort zu einem Krimi fast so spannend liest wie der Roman selbst. Aber das späte posthume Erscheinen des letzten Romans des Erfolgsschriftstellers James M. Cain, Autor von „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ und „Doppelte Abfindung“, ist ja auch eine kleine literaturhistorische Sensation. Cain, Genrekollege und Zeitgenosse von Raymond Chandler und Dashiell Hammett, schrieb sein Alterswerk „Abserviert“ – eine raffiniert erzählte Geschichte über eine attraktive junge Frau, deren Männer fatalerweise immer sterben – um das Jahr 1975 herum. 1977 starb der Autor im Alter von 85 Jahren, ohne die Arbeit am Manuskript beendet zu haben. Der notorische Um- und Neuschreiber hinterließ einen beträchtlichen Berg an Papieren, darunter auch zahlreiche Versionen von „Abserviert“ (Originaltitel: „The Cocktail Waitress“). Doch da sich offenbar niemand um eine systematische Sichtung des Nachlasses bemühte, wurde der Roman erst geschlagene 35 Jahre nach dem Tod seines Autors veröffentlicht. Charles Ardai, Jäger des verschwundenen Manuskripts und Herausgeber der Pulp-Reihe „Hard Case Crime“, wo Cains Roman 2012 erschien, schildert in seinem Nachwort plastisch, wie, nachdem alle Recherche nichts gebracht hatte, erst ein glücklicher Zufall das verschollene Textkonvolut zutage förderte, und wie schwierig die Lektoratsarbeit an einem Manuskript war, dessen Autor vor Vollendung des Werks verschieden ist. Denn obzwar der Roman durchaus ein Ende hatte, hielt Cain offenbar keine der bis zu seinem Tod erarbeiteten Versionen schon für veröffentlichungswürdig. Natürlich ist dergleichen reine Spekulation, aber möglicherweise zögerte Cain auch deshalb mit der Publikation, weil er selbst spürte, dass der Roman, den er geschrieben hatte, im Kontext der gesellschaftspolitisch sensiblen Siebzigerjahre reichlich anachronistisch war. Wüsste man nicht um die Entstehungsgeschichte, würde man ohne Weiteres annehmen, dass „Abserviert“ zur ungefähr selben Zeit entstand wie Cains berühmter Noir-Klassiker „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ von 1934, so unbeschadet transportiert der Roman historisch überholte Geschlechterstereotypen. Auf der anderen Seite ist „Abserviert“ ein hervorragendes Beispiel dafür, was die Figur des Luders, oder dessen vornehmere Variante, die Femme fatale, wie sie auch Chandler einzusetzen liebte, für den Kriminalroman zu leisten vermag. Cains Einfall, die Kellnerin Joan den Lesern ihre Geschichte als Ich-Erzählerin selbst aufti-

4·2013

James M. Cain: Abserviert Übersetzt von Simone Salitter und Gunter Blank Metrolit, 351 Seiten, 22,99 Euro

schen zu lassen, macht zu einem raffiniert doppelbödigen Erzählspiel, was im anderen Fall eben nur eine etwas aus der Zeit gefallene Ludergeschichte geworden wäre (Cain hatte die ersten hundert Seiten schon in der dritten Person geschrieben, bevor er sein Konzept änderte). Joan tut selbstverständlich alles, um sich den Lesern als zu Unrecht verdächtigte Unschuld zu präsentieren. Zwar ist es insgesamt recht auffällig, dass alle Männer, mit denen Joan in intimem Kontakt gewesen ist, über kurz oder lang das Zeitliche segnen. Doch da man als Leser stets geneigt ist, sich mit Ich-Erzählern zu identifizieren, und die Geschichte der Kellnerin sehr konsistent ist, ist es eine vollkommen natürliche Reaktion, Joan Glauben zu schenken. Auch nach dem überraschenden Ende aber bleibt ein Restzweifel: Hat sie nicht doch …? Wir selbst müssen entscheiden, ob wir der Dame vertrauen oder nicht. So hat James M. Cain als letztes literarisches Vermächtnis ein Rätsel hinterlassen. Ziemlich cooler Abgang.

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Magnus Montelius

Ein Freund aus alten Tagen Übersetzt von Paul Berf

Piper, 400 Seiten, 19,99 Auch als E-Book erhältlich

Zeitsprünge, unterschiedliche Erzählebenen und Einblicke in die Gedankenwelt des meist geistesgestörten Täters (erkennbar an den kursiv gesetzten Textpassagen) gehören inzwischen fast schon zum guten Krimi-Ton. Insofern kommt Magnus Montelius’ Debütroman zunächst recht altmodisch daher, der auf all das verzichtet und seine Geschichte ruhig und geradlinig erzählt: Kurz nach dem Ende des Kalten Krieges wird in Stockholm ein vermeintlicher albanischer Flüchtling ermordet. Doch der Journalist Tobias Meijtens, ein ziemlich erfolgloser Hänger, der sich mit Aushilfsjobs und schlecht bezahlten Artikeln für „Jagd und Hund“ durchs Leben schlägt, erfährt, dass es sich bei dem Toten in Wirklichkeit um Erik Lindmann handeln soll, einen in den 60er-Jahren enttarnten schwedischen Sowjetspion. Gemeinsam mit seiner Kollegin Natalie macht er sich daran, die Hintergründe dieses Spionagefalls zu enthüllen, was ihn zum einen bis in die oberen Ebenen der schwedischen Politik führt, zum anderen zu den Überbleibseln linksradikaler politischer Bewegungen der 60er- und 70er-Jahre. Kluger, unprätentiöser und gleichzeitig ungemein spannender Polit- Schwedenkrimi einmal anders: Kluger und krimi über die Karrierewege ehemaliger Mit- sehr spannender Spionageroman über das glieder linker Splittergruppen und ihre Ver- Land im Kalten Krieg und danach. flechtungen mit der Macht. (uk)

Wiley Cash

Fürchtet euch Übersetzt von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann

S. Fischer, 345 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Die 81-jährige Adelaide Lyle weiß, was sich in der Kirche mit den verhängten Fenstern in dem kleinen Ort Marshall im Westen von North Carolina abspielt. Deshalb hat sie sich von der Gemeinde zurückgezogen und mit dem charismatischen Prediger Carson Chambliss ausgehandelt, dass Kinder dem Gottesdienst nicht mehr beiwohnen. Der neunjährige Jess Hall wüsste hingegen zu gern, was sich hinter den zugeklebten Scheiben ereignet. Seine gläubige Mutter hat seinen stummen älteren Bruder dorthin mitgenommen – und was er heimlich durch einen Schlitz im Fenster beobachtet hat, macht ihm große Angst. Im Zusammenspiel der wechselnden Perspektiven der moralischen Adelaide, des kindlichen Jess und schließlich des pragmatischen Sheriffs Clem Barefield entwickelt Wiley Cash in seinem Debüt die Handlung ruhig und souverän. Der in North Carolina geborene Autor offenbart den Einfluss des Glaubens, der Armut und der Einsamkeit auf die Mentalität der Figuren. Dadurch schafft er ein wechselvolles Porträt einer ländlichen Region in den Appalachen. Während das eigentliche Verbrechen und dessen Hintergründe schnell zu erahnen Ein stimmungsvoller Country Noir mit sind, entfaltet die Geschichte durch die raue einem spannenden Showdown, der von Atmosphäre sowie die sorgfältigen Charak- den fatalen Folgen des Irrglaubens erzählt. terzeichnungen ihren Reiz. (sh)

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Chase Novak

Breed Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt

Nachdem der reiche New Yorker Anwalt Alex Twisden seine Frau Leslie zu einem dubiosen Arzt nach Slowenien gebracht hat, geht ihr Kinderwunsch mehr als doppelt in Erfüllung. Nach erstaunlich kurzer Schwangerschaft bringt Leslie die Zwillinge Alice und Adam zur Welt – und auch noch etwas anderes, was man in der Klinik beiseiteschafft. Doch nicht die Brut der Twisdens soll hier für Schrecken sorgen, sondern die Entwicklung der Eltern. Nach der Fruchtbarkeitskur bei Doktor Kiš entwickeln sie unheimliche Gelüste und scheinen nicht nur ihre Kinder zum Fressen gern zu haben. Leider zeigt „Breed“ seine Monster zu früh, zu deutlich und zu oft und baut sie mit Motiven aus der Klamottenkiste des Genres auf. Während gute Horror-Romane von der Verkörperung realer und aktueller Ängste leben, zeigt dieses Buch, dass ein Patchwork aus alten Stereotypen noch keine Monster hervorbringt. Unter seinem richtigen Namen Scott Spencer hat Chase Novak erfolgreiche und von der Kritik gelobte Romane wie „Während des Stums“ geschrieben. Als Horror-Autor schreibt er schauderhaft schlecht, denn es reicht nicht, seine Gestalten viel brüllen zu lassen, um starke Gefühle zu vermitteln. (ub) Nach einer dubiosen Fruchtbarkeitskur entwickeln sich nicht die Wunschkinder der Twisdens unheimlich, sondern sie selbst.

Als Hörbuch bei Hoffmann und Campe erhältlich

Hoffmann und Campe, 349 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013


Bücher | Krimis & Thriller

Rainer Wittkamp

Patrícia Melo

Schneckenkönig

Leichendieb

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von B. Mesquita

ENDLICH: DAS UMFASSENDE WERK FÜR IHR SAMSUNG GALAXY Für Einsteiger und Fortgeschrittene

In einem Abwasserkanal nahe dem Berliner Ostbahnhof wird ein Afrikaner ermordet aufgefunden. Die Kommissare Nettelbeck und Täubner, ein ungleiches, aber harmonisches Team, ermitteln in der ghanaischen Community, bei einer millionenschweren evangelikalen Organisation und in der Berliner Neonazi-Szene. Der Drehbuchautor beweist bei seinem ersten Roman ein glückliches Händchen für prägnante Typen- und Milieuzeichnung. Ein leichter Hang zur Übertreibung ist festzustellen, den man aber gern als genrekonform verzeiht. In Form und Materialfülle wirkt das Debüt gelegentlich etwas überambitioniert, ist dabei aber spannend. (kgr)

Ein namenloser Ex-Manager eines Callcenters in São Paulo ist der Ich-Erzähler dieses mitreißenden Thrillers: Wegen des Selbstmords einer Angestellten wird er unfair entlassen und zieht sich ins ländliche Corumbá zurück. Doch der Tod bleibt in seiner Nähe. Als er auf einem Urwaldfluss fischt, kracht ein Flugzeug vom Himmel. Der junge Pilot stirbt in seinen Armen, in seinem Rucksack findet der Erzähler ein Kilo Kokain. Der Helfer beschließt, sich einen Teil der Beute zu nehmen: Die Leiche muss verschwinden. Der brasilianischen Bestsellerautorin ist wieder ein echter Pageturner gelungen: Ein anfangs kleiner Betrug setzt eine Spirale des Bösen in Gang. (mpö)

grafit, 252 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Tropen, 208 Seiten, 18,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Thomas Raab

Derek B. Miller

Der Metzger kommt ins Paradies

Ein seltsamer Ort zum Sterben

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Olaf Roth

Willibald Adrian Metzger liebt es, alte Schränke und Stühle zu bearbeiten, allein mit sich und seinem Werkzeug. Doch dann entführt seine Liebste den Restaurator an die Adria. Der Metzger muss ins Urlaubsparadies und hat dauerhaft schlechte Laune: zu heiß und zu viel Sand. Pauschaltourismus und Dauerbuffet, das ist nicht sein Ding. Aber wenn man da so im Liegestuhl hängt, kann man, ja muss man den Nachbarn zuhören, und so kommt er ein paar ganz üblen Schurken auf die Spur. Am Ende wird die Geschichte sehr engagiert – etwas weniger Emotion hätte genügt. Auch der sechste Band ist aber vom hintergründigen Sprachwitz des Wiener Autors geprägt, und der macht meistens Spaß. (sc)

Ein 82-jähriger Jude, Veteran des Koreakriegs mit beginnender Demenz, und der kleine Sohn einer im Balkankrieg vergewaltigten Serbin ziehen auf der Flucht vor dem Mörder der Mutter durch Norwegen: per Anhalter, mit dem Boot, mit dem Traktor. Eine spannende Geschichte – wenn der Autor nicht der Versuchung erlegen wäre, nebenbei die Identitätsprobleme eines in Norwegen lebenden Juden, die Integrationsprobleme von Kriegsveteranen und nicht zuletzt die Frage zu verhandeln, was im Kopf eines demenzkranken Menschen vor sich geht. Dadurch kommt das Roadmovie immer wieder ins Stocken. Dennoch durchaus lesenswert. (uk)

Droemer, 288 Seiten, 19,99 Euro

Rowohlt Polaris, 416 Seiten, 14,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Auch als E-Book erhältlich 4·2013

180 SEITEN Workshops & Praxis

Als Hörbuch bei Random House Audio erhältlich

Portofrei bestellen unter: www.falkemedia-shop.de/ galaxyhandbuch 49 00 Telefon: (0431) 200 766


Warren Ellis

Gun Machine Übersetzt von Ulrich Thiele

Detective Tallow erhält nicht viel Unterstützung bei der Suche nach einem Serienkiller, der Tatwaffen wie Reliquien sammelt. Nur die herrlich verrückten Spurensucher Bat und Scarly stehen ihm bei. Diese Ermittler machen sich auf, um ein fieses Komplott aus Wirtschaft, Politik und Polizeiapparat aufzudecken. Aber die Handlung ist eigentlich egal. „Gun Machine“ lebt von seinen Typen. Offenbar kann der New Yorker in diesem Moloch von Stadt nur überleben, wenn er den Zynismus zu seinem Freund erklärt. Ellis liefert einen harten Polizei-Krimi mit einer etwas konstruierten Geschichte, aber wunderbar lebendigen Figuren mit viel Witz. (fp)

Heyne, 381 Seiten, 8,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Lisa Jackson

S – Spur der Angst Übersetzt von K. Lake-Zapp

Ein Wasserflugzeug bringt die Schwester der Heldin in die Blue Rock Academy. In diesem Internat für Problemkids lungert ein Serienkiller herum, erotisch fixiert auf junge Schülerinnen. Die ehemalige Liebe der Heldin, ein sexy Rodeo-Cowboy, ermittelt nun verdeckt als Sheriff, zufällig ebenfalls in Blue Rock. Ob die beiden wohl wieder zusammenkommen? Autorin Lisa Jackson schrieb zunächst mit ihrer Schwester Romance Novels, Liebeskitsch. Sie entdeckte ihren Hang zum Thriller und mischt seither die Genreelemente: Romantic Suspense. Wer Sexfantasien in einem langatmigen Plot lesen will, ist hier richtig. (jv)

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Sabine Klewe

Sam Millar

Die weißen Schatten der Nacht

Die Bestien von Belfast Übersetzt von Joachim Körber

Deutsche Originalausgabe Sein Kind tot und missbraucht am Fuß der Treppe des eigenen Hauses zu finden, gehört wohl zu dem Verstörendsten und Brutalsten, was Eltern widerfahren kann. Dennoch wirken Vater und Mutter der toten Antonia seltsam angefasst, wenn es um die Gewohnheiten der Zehnjährigen geht. War vielleicht schon ein längerer Missbrauch im Spiel? Doch dann stellt sich heraus, dass das Mädchen schon tot war, als sich jemand an ihr verging. Gleichzeitig wird in einem weiteren Erzählstrang eine Mutter Opfer gemeiner Anfeindungen – sie soll ihre Tochter vergiftet haben. Und was haben die beiden Fälle miteinander zu tun? Falsche Fährten, unkooperative Zeugen, Lügengespinste und ein Exhibitionist, der in der Umgebung des Hauses schon länger sein Unwesen treibt, wirken wie Nebelbomben auf das Ermittlerduo Lydia Louis und Christopher Salomon aus Düsseldorf, die obendrein auch noch miteinander einiges zu klären haben. So bekommen sie zunächst nicht mit, dass ein weiteres Mädchen ebenfalls in großer Gefahr schwebt. Ein wenig Glück und Hartnäckigkeit verhindern das Schlimmste – und das Ende ist ziemlich unerwartet. Sabine Klewe ist zweifellos eine deutsche Krimiautorin, von der man auch in Zukunft noch viel hören wird. (md)

Von der ersten Seite dieses Pulp-Noir-Krimis an haben zartbesaitete Gemüter ein Problem: Der Realismus der steten Brutalität, kernigen Männersprüche und Obszönität wird durch das Wissen um die Vergangenheit Sam Millars so unterzeichnet, dass Gänsehaut vorprogrammiert ist. Der Autor saß acht Jahre in Belfast im Knast, war anschließend in einen spektakulären Raubüberfall in den USA verwickelt – und unlängst hat man angeblich einen seiner ehemaligen Komplizen ausgebuddelt. Man glaubt ihm also jedes Wort, erfunden oder nicht, vor allem die frotzeligen Dialoge, in denen Fäkalsprache, Drohungen und Dreistigkeit vorherrschen. Der Privatdetektivsermittler Karl Kane ist ein harter Hund mit weichem Kern, der von einem literarischen Debüt träumt. Seine Assistentin ist gut zu ihm. Doch der Rest ist Finsternis. Denn der Hölle Zorn ist nichts gegen die Rache einer missbrauchten Frau. Es beginnt mit einer Vergewaltigung und einem vermeintlichen Mord, Jahre später werden etliche Männer genüsslich zu Tode gequält. Und wer sich das fragt: Ja, Sam Millar kann schreiben. Und das, was er beschreibt, geht unter die Haut und juckt dort noch eine ganze Weile. Er hat den Schlüssel zu einer Welt, der man lieber fernbleiben möchte, die aber zweifellos existiert. Und fasziniert! (md)

Ein ausgewogener Krimi, in dem alles

„Die Straßen waren dunkler und von einer

Platz findet: Nachdenklichkeit, Spannung,

ungreifbaren Aura schleichenden Grauens

Tempo und Atmosphäre.

umflort“ - genau.

Goldmann, 352 Seiten, 8,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Atrium, 288 Seiten, 16,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Als Hörbuch bei Lübbe Audio erhältlich

Knaur, 591 Seiten, 14,99 Euro

Auch als E-Book erhältlich

50

4·2013


Bücher | Krimis & Thriller

Chelsea Cain

Daniel Depp

Sterbensschön

Tanz mit dem Teufel

Übersetzt von Fred Kinzel

Übersetzt von R. Rawlinson

Wenn es nicht Masochismus ist, muss es Liebe sein, die Detective Sheridan an die Serienmörderin Gretchen Lowell fesselt. Gretchen selbst hat ihn zwar mit dem Skalpell bearbeitet, doch am Leben gelassen. Nun aber sitzt sie in der Psychiatrie und scheint durch Medikamente ruhiggestellt. Gleichwohl weiß sie Archie mit Informationen über einen Mörder zu locken, der seine Opfer an exponierten Orten zur Schau stellt. Im fünften Band ihrer Gretchen-Serie lüftet Chelsea Cain auch ein wenig von dem Geheimnis, das die Herkunft ihres blonden Biests umgibt. Psychologisch stimmiger wird diese Kunstfigur so nicht – aber, wie Sheridan feststellt, auch nicht harmloser. (ub)

Das Showbusiness ist ein Sumpf aus Selbstsucht, Geldgier und Gemeinheit, Drogen und Sex, also alles ganz böse. Daniel Depp malt in seinen Thrillern um den Privatdetektiv David Spandau schwarz – und schaut auf witzige Weise hinter die Kulissen. Er ist Drehbuchautor, kennt Hollywood bestens, und es hat ihm nicht geschadet, dass sein Bruder Johnny Depp sich lobend über seine Bücher geäußert hat. Im dritten Band der Reihe fühlt Spandau nun einem Regisseur auf den Zahn, dabei geht es aber allzu derbe zu und vor allem moralinsauer. Wer den sarkastischen Detektiv kennenlernen und sich über Hollywood amüsieren will, sollte die ersten beiden Bände lesen. (sc)

Blanvalet, 416 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

carl‘s books, 352 Seiten, 14,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Ursula Poznanski

Sophie McKenzie

Blinde Vögel

Seit du tot bist

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Ursula Pesch, Friedrich Pflüger

04·13 Grandios buecher-magazin.de

„Blinde Vögel“ ist der Name eines Gedichts und nicht etwa eine Schelte gegen die beiden Kommissare – auch wenn ihnen nach zwei Leichenfunden lange der Durchblick fehlt. Opfer und (Selbst-)Mörder kannten sich aus einer Facebook-Gruppe von Lyrikfreunden. Als Beatrice Kaspary sich verdeckt einschleust, merkt sie schnell, dass hier nicht nur Gedichte ausgetauscht werden, sondern auch verschlüsselte Botschaften um Tod und Freitod. Und das nächste Gruppenmitglied wird nicht mehr lange zu leben haben. Poznanski hat den Nachfolger von „Fünf“ hervorragend konstruiert und zeigt, dass hinter einer virtuellen Fassade grausame Realität stecken kann. (ole)

Obwohl es bereits acht Jahre her ist, dass Gens Kind tot zur Welt kam, trauert sie noch immer. Zumal sie trotz weiterer Versuche nicht wieder schwanger wird. Als plötzlich eine Frau vor ihrer Tür steht und behauptet, ihr Kind hätte bei der Geburt gelebt, hofft sie wieder. Kurz darauf wird die Frau von einem Auto überfahren. Gens Mann Art versucht, sie zu beruhigen und von ihren Nachforschungen abzubringen. Und er beteuert, er habe die Leiche der gemeinsamen Tochter gesehen. Die Psychospielchen mit der trauernden Mutter zerren an den Nerven des Lesers. Solider Urlaubsschmöker mit Spannung, Gefühl und Verrat. (md) Als Hörbuch bei Random House Audio erhältlich

Als Hörbuch bei Argon erhältlich

Wunderlich, 480 Seiten, 16,95 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013

Heyne, 480 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

51


Hanna Jameson

Kalter Schmerz Gelesen von David Nathan (4,9) Umsetzung Inhalt Ausstattung

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als Buch/ E-Book bei Ullstein erhältlich

Auch als Buch bei Suhrkamp erhältlich

John le Carré

Der Spion, der aus der Kälte kam Gelesen von Matthias Brandt Ein Bestseller, der längst Weltliteratur ist und das Genre des Spionageromans geprägt hat wie kaum ein anderes Buch. Zum Inhalt des Agententhrillers, in dem der britische Spion Alec Leamas zwischen die Fronten des Kalten Krieges gerät und vor der Kulisse der Berliner Mauer um seine Liebe kämpft, ist fast alles schon gesagt und geschrieben worden. Auch, dass der 1963 erschienene Roman aus heutiger Sicht bisweilen verstaubt, verkitscht und klischeehaft klingt. Wenn man allerdings Matthias Brandt in dem zum 50. Jubiläum veröffentlichten Hörbuch zuhört, fällt das kaum noch auf. Brandt versucht nicht, den neu übersetzten Roman stimmlich aufzupolieren oder ihm gar seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Sondern er tut das, was sich nur ein großer Erzähler traut: Er ordnet sich dem Text unter, schlüpft in ihn hinein, nimmt ihn ernst und erweckt ihn so von innen heraus zu neuem Leben. In den Erzählpassagen klingt das bisweilen schwermütig, gedämpft. Ansatzlos passt sich Brandt in den Dialogen dann aber dem Temperament der jeweiligen Figuren an. Man spürt die Kälte geradezu durch die Zeilen wehen. Und dass man Nebel hören kann, weiß man hinterher auch. (smv) Kongenial, leise und lebendig zugleich: Brandt setzt dem Agentenklassiker zum 50. Jahrestag ein stimmliches Denkmal.

(3,6) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Hörbuch Hamburg, ungekürzte Lesung, 525 Minuten/6 CDs, 19,99 Euro

52

Der Audio Verlag, gekürzte Lesung, 401 Minuten/5 CDs, 19,99 Euro

David Nathan ist der perfekte Erzähler für diesen Thriller. Die Spielarten seiner Stimme erfassen alle Facetten des Charakters der Schlüsselfigur: Nic Caruana, ein Auftragskiller, abgebrüht und empfindlich, entschieden und zerrissen, verroht und sympathisch. Nathans Stimme: distanziert und gleichzeitig vertrauenerweckend, emotionslos und doch sensibel. Nathan fängt alle Charaktere ein, vom gewissenlosen Waffenhändler bis zum kleinmütigen Junkie. Es ist der erste Roman der jungen britischen Autorin Hanna Jameson (22). Bemerkenswert, denn diese spannende Geschichte über die Varianten des Schmerzes zeugt an vielen Stellen von tiefer menschlicher Erfahrung. Jameson und Nathan führen uns in die düstersten Ecken Londons, wo Sucht, Gewalt und Hoffnungslosigkeit herrschen. Nic Caruana wird vom Gangsterboss Pat Dyer engagiert, um dessen Tochter zu rächen. Auge um Auge – die Sprache der Londoner Unterwelt. Caruana, der Hartgesottene, gerät in den Sog seiner eigenen Gefühle, sodass er, der eigentlich immer alles im Griff hat, am Ende die Kon­trolle verliert. Schockierende Szenen, zu barbarisch, um wahr Ein Krimi mit aufwühlender Handlung, zu sein, denkt man beim Hören und hat den- fesselnder Dramaturgie und menschlichem noch das Gefühl, als sei alles direkt aus dem Tiefgang. alltäglichen Leben entnommen. (sta)

Michael Lister

Glutopfer Gelesen von Bernd Hölscher (2,95) Umsetzung Inhalt Ausstattung Auch als Buch/ E-Book bei Hoca erhältlich

Radioropa, ungekürzte Lesung, 544 Minuten/ 1 Daisy-MP3-CD, 19,95 Euro

Die Stimme passt zum Thema mit ihrem rauen, rußigen Unterton. Es geht um Feuer, tödliche Flammen, verkohlte Leichen und einen Serienmörder, der seine Opfer lebendig verbrennt. Ausgerechnet Religionswissenschaftler Daniel Davis findet die Überreste eines der Toten, und erneut berät er die Polizei. Mit Feuer kennt er sich aus, auch aus eigener traumatischer Erfahrung. Aber war es Zufall, dass gerade er die erste Leiche entdeckte? Ermittlerin Samantha Michaels ist sich da nicht sicher. Bernd Hölscher hat nicht nur das passende Timbre für diesen brenzligen Fall, sondern auch das nötige Gespür für den Sprachrhythmus. Souverän führt er seine Zuhörer im wechselnden Tempo von einem Schrecken zum nächsten. Dabei verleiht er seiner Stimme einen reizvollen melancholischen Einschlag. Trotzdem kann er nicht verhindern, dass der Funke der pyromanischen Faszination nicht so recht überspringt. Don Winslow hat „Die Sprache des Feuers“ zuletzt eindringlicher beschrieben als Lister das gelingt. Vielleicht um das wettzumachen, packt Hölscher etwas zu Mörderische Flammen und Hölschers viel Pathos in seinen Vortrag. Die literarischen feuriger Vortrag schaffen ein – zumeist – Untiefen des kurzweiligen Hörbuches akzen- packendes Hörerlebnis. tuiert das eher, als dass es sie kaschiert. (smv) 4·2013


Hörbücher | Krimis & Thriller

04·13 Grandios

Top 10 Hörbuch Downloads 1

Er ist wieder da von Timur Vermes

2

Der Nachtwandler von Sebastian Fitzek

3

Unter Verschluss von Greg Iles

4

Das Mädchen, das den Himmel berührte von Luca Di Fulvio

5

Voll Speed von Moritz Matthies

6

Herzblut

buecher-magazin.de

Auch als Buch/ E-Book bei Bastei Lübbe erhältlich

Auch als Buch/ E-Book bei Manhattan erhältlich

Glenn Meade

Ian Rankin

Operation Romanow

Mädchengrab

Gelesen von Detlef Bierstedt

Gelesen von Gottfried John

Lenin schrieb einst an seine Nichte: „Jede Geschichte hat drei Seiten. Es gibt ihre Seite, es gibt meine Seite und es gibt die Wahrheit.“ Die forensische Archäologin Laura Pawlow findet bei Ausgrabungen in der Nähe der Stadt Jekaterinburg eine mumifizierte Frauenleiche. Die Leiche liegt genau in dem Wald, in dem die letzten Zaren von Russland angeblich erschossen und begraben wurden. Und Laura Pawlow, die das Medaillon, das die Leiche in der Hand hielt, untersucht, kommt auf eine unglaubliche Spur. Der Hörer begibt sich auf eine Reise ins russische Zarenreich. Ein tiefgründiges Hörbuch mit einer Schwere, die nichts für schwache Nerven ist. Glenn Meade, internationaler Bestsellerautor („Die Achse des Bösen“), schuf eine tragische, gleichermaßen rührende wie brutale Geschichte. Die Umsetzung gelingt Sprecher Detlef Bierstedt, der auch George Clooney seine Stimme leiht, sehr gut. Seine Erzählweise gleicht dem beruhigenden Rauschen eines Flusses. Seine charakterstarke Stimme klingt klar, in zügigem Tempo, mit dunklem Timbre lässt er den Hörer kaum verschnaufen. Das stört in diesem Fall gar nicht, da Bierstedt mit einer Sensibilität daherkommt, die einen völlig gefangen nimmt. Empfehlenswert. (tm)

Malcolm Fox trifft auf John Rebus – der Saubermann auf, na ja: Schimanski. Zwei Rankin-Protagonisten in einem Roman, das hat was, wenngleich Fox in der Geschichte etwas knapp wegkommt. Gleiches gilt leider auch für den Mörder, dessen Figur letztlich recht blutleer bleibt und die Story sehr konstruiert auslaufen lässt. Ein ähnliches Gefühl bleibt auch hinsichtlich der Sprecherleistung zurück: Gottfried Johns raue Stimme passt sehr gut zu Rebus; leider jedoch verlässt sich der Schauspieler etwas zu sehr auf sein Markenzeichen. In der Folge sind seine Figuren mitunter kaum zu unterscheiden. Auch „überliest“ der Schauspieler deutliche Szenenwechsel oder wählt den falschen Tonfall. Seine Frauen etwa wirken oft sehr gehaucht – ganz gleich, ob sie um Hilfe bitten oder einen Kaffee ordern. Ärgerlich jedoch ist die Tatsache, dass Gottfried John bisweilen so arg nuschelt, dass man kaum verstehen kann, was er sagt – und statt eines „die Medien reagierten prompt“, ein „die Mädchen reagierten prompt“ rüberkommt. Schade, liebe Regie. Oh, und falls jemand die Stelle findet, in der Robertson, wie in der Auflösung behauptet, das „flache Grab“ erwähnt: herzlichen Glückwunsch! (tan)

Tragisch, rührend und brutal: Glenn Meade

Alles in allem ganz nett. Leider würgt der

und Sprecher Detlef Bierstedt nehmen den

deutsche Titel (Original: Standing in Ano-

Hörer gefangen.

ther Man‘s Grave) den Schlussgag ab.

(4,55)

(2,4)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Lübbe Audio, gekürzte Lesung, 428 Minuten/6 CDs, 10,99 Euro 4·2013

(Kommissar Kluftinger 7)

von Volker Klüpfel, Michael Kobr 7

Shades of Grey 1: Geheimes Verlangen von E.L. James

8

Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahneman

9

Höllental von Andreas Winkelmann

10

Totenkünstler von Chris Carter

Der Hörverlag, gekürzte Lesung, 417 Minuten/6 CDs, 19,99 Euro

53


Linwood Barclay

Fenster zum Tod Gelesen von Frank Arnold (4,8) 04·13 Grandios buecher-magazin.de

Auch als E-Book bei Lübbe Digital erhältlich

Auch als Buch bei Knaur erhältlich

Diverse Autoren

Cotton reloaded Gelesen von Tobias Kluckert Ja, ja, ich gebe es zu, ich bin mit niedrigen Erwartungen an diese Geschichtensammlung gegangen. Jerry Cotton? Dieser Trivialroman-Cop des NYPD, der weltweit schon in 850 Millionen Heften und Büchern seine „coolen“ Sprüche verbreiten durfte? Doch im Titel steht „reloaded“, und genau das ist die Überraschung. Bekannte Autoren wie Mario Giordano, Peter Mennigen u. a. tragen mit sechs modernen, packenden Storys zu einem „Remake“ bei, das Thrillerfreunde als Hörbuch kaufen sollten. So erinnert etwa die zweite Geschichte um Terroristen, die sich in die Bordsysteme eines Flugzeugs gehackt haben und nun drohen, es abzustürzen zu lassen, zwar sehr an die TV-Serie „24“ mit Kiefer Sutherland, entwickelt aber schnell ihren eigenen Charme. Weitere Themen sind u. a. ein Anschlag auf die George-Washington-Brücke, eine geheime Abteilung des FBI sowie ein Toter im Hafenbecken von New York, der aber schon vor sechs Jahren ertrunken ist. Wie Cottons Faust auf das Auge jedes Bösewichts passt die Interpretation von Tobias Kluckert, der nur längere Beschreibungen etwas monoton rüberbringt, ansonsten aber kraftvoll-lässig zu fesseln weiß. Und, ja, klar, natürlich auch mal richtig cool. (rw) Zeitgemäße Spannung mit viel Action, coolem Sprecher, packenden Storys und unschlagbarer Kombi aus Laufzeit und Preis.

(3,6) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Lübbe Audio, gekürzte Lesung, 1026 Minuten/4 MP3-CDs, 14,99 Euro

54

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Audiobuch Verlag, gekürzte Lesung, 437 Minuten/6 CDs, 19,95 Euro

Ja, es gibt sie noch, die großen Geschichten, die einfach mal funktionieren, ohne bemüht zu wirken. Die für Verblüffung – und ich meine: für mehr als ein ungläubiges „Wie bitte?“ – sorgen und dabei Spaß machen bis zur letzten Minute. Und wenn eine solche Geschichte auf einen guten Sprecher trifft, kann wirklich nichts mehr schiefgehen. Es sei denn, Sie wüssten nicht, wie Google Earth funktioniert. Im Ernst: Die Story um den schizophrenen Thomas, der im Internet einen Mord entdeckt, wird zu Recht als Barclays „bislang bestes Buch“ gehandelt. Und auch die Stimme, die Arnold für Thomas findet, ist nahezu perfekt. Zudem hält Arnold jederzeit mit dem Tempo der Story Schritt und treibt die Spannung durch seine Interpretation weiter voran. Nur wenn man wirklich pingelig sein wollte, könnte man den einen oder anderen Namen in extrem quäkendem Amerikanisch bemängeln oder sich daran festbeißen, dass Thomas‘ Tonfall mitunter ganz leicht auf die anderen Figuren abfärbt. Doch Schwamm drüber! Die einzigen Punktabzüge resultieren hier und jetzt aus einem fehlenden Booklet und In 80 Tagen um die Welt? Das geht doch einer billigen Multibox, die unglücklicher- längst viel schneller! Manchmal ist man weise bereits beim ersten Auspacken ausein- eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort. andergefallen ist. (tan)

Nora Roberts

Die letzte Zeugin Gelesen von Martin Armknecht (3,25) Umsetzung Inhalt Ausstattung Auch als Buch/ E-Book bei Blanvalet erhältlich

Random House Audio, gekürzte Lesung, 335 Minuten/5 CDs, 19,99 Euro

Was als spannender Krimi beginnt, wandelt sich zum Kitschroman. Schade, so bleibt trotz der sehr gelungenen Umsetzung Enttäuschung zurück. Die 16-jährige Elizabeth wird Zeugin zweier Mafiamorde. Bis zum Prozess steht sie unter Polizeischutz. Doch es gibt ein Informationsleck, und das Mädchen muss fliehen. Zwölf Jahre später: Elizabeth lebt unter dem Namen Abigail in einer Kleinstadt im Süden der USA. Mit einem ausgeklügelten Sicherheitssystem hat sie sich in ihr Haus zurückgezogen, ist Besitzerin mehrerer Schusswaffen und eines Wachhundes. Brooks, der Polizeichef der Stadt, ist fasziniert von der jungen Frau. Er versucht herauszufinden, wovor sie so große Angst hat. Dabei kommen sich die beiden näher. Nach dem packenden Einstieg erwartet man, dass Elizabeth von ihrer Vergangenheit eingeholt und die Idylle der Kleinstadt ordentlich aufgewirbelt wird. Aber der Fokus liegt nun auf der Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und Brooks, samt kitschigem Ende. Martin Armknecht liest großartig – vom russischen Akzent bis zum betrunkenen Lallen. Nichts für Krimi-Fans. Wer auf Romantik Die unbedarfte 16-jährige Elizabeth interpre- und Klischees in Verbindung mit einem tiert er genauso überzeugend wie die abge- tollen Sprecher steht, liegt richtig. klärte erwachsene Abigail. (kek) 4·2013


Hörbücher | Krimis & Thriller

L u s t auf

Gänsehaut Auch als Buch/ E-Book bei Fischer erhältlich

Auch als Buch/ E-Book bei Droemer erhältlich

Klaus-Peter Wolf

P. D. James

Ostfriesenmoor

Der Tod kommt nach Pemberley

Gelesen von Klaus-Peter Wolf

Gelesen von Eva Michaelis Die Autorenlesungen von Klaus-Peter Wolf haben laut GoyaLit eine große Fangemeinde, gerade nach Live-Auftritten steige die Nachfrage nach seinen Hörbüchern. Das erklärt, warum Wolf schon seit sieben Krimis selbst liest. Vermutlich muss man ihn tatsächlich erlebt haben, um wertzuschätzen, warum sein Ostfriesenkrimi statt mit norddeutschbreitem Akzent mit Pommesbuden-Ruhrpottslang vorgetragen wird. Wolf kommt aus der Heimatstadt von Schalke 04. Doch nicht nur der Dialekt lenkt von Möwengeschrei und Meeresbrise ab – Wolf verzichtet überdies darauf, seinem Hörkrimi durch Tempowechsel und Betonung die richtige Würze zu verleihen. Da könnte auch der Plot des Bestsellers noch so gut sein. Doch auch der hat seine Mängel: Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, die wie Wolf aus Gelsenkirchen stammt, hat es mit einer außergewöhnlichen Moorleiche zu tun: ein Mädchenkörper, der aus Draht nachgeformt und mit menschlicher Haut überzogen wurde. Verlauf und Handlungsebenen wirken sehr konstruiert, die Motive vieler Verdächtiger beruhen auf losen Hinweisen, dafür scheinen Klaasen & Kollegen die Perversitäten des Serientäters über Jahre ignoriert zu haben. (ole)

James entschuldigt sich beim Geist Jane Austens dafür, dass sie „ihre geliebte Elizabeth in das Grauen einer Mordermittlung hineingezogen habe“, denn „wäre ihr daran gelegen gewesen, sich länger bei solch abscheulichen Themen aufzuhalten“, hätte Austen die Geschichte selbst geschrieben, „und zwar besser“. Das ist charmant und ehrlich und leider der einzige Absatz im Text, auf den diese beiden Adjektive zutreffen. Sechs Jahre nach der Hochzeit von Darcy und Elizabeth Bennet platzt Lydia Wickham, die ungeliebte jüngste Bennet-Schwester, in die Idylle. Ihr Gatte sei ermordet worden. Man findet ihn lebend und blutverschmiert neben einer Leiche. Die Fortsetzung von „Stolz und Vorurteil“ als Krimi – eine gute Gelegenheit, eine neue Sichtweise auszuprobieren. James lässt sie verstreichen. Wickham ist derselbe windige Egoist, Lydia ordinär und gierig, Jane vernünftig und sanft. Nur Miss Lizzie hat, weil James eben nicht Austen ist, Witz, Schlagfertigkeit und Sarkasmus eingebüßt. Dafür zeichnet sie nun eine aufdringliche Rechtschaffenheit aus. Michaelis‘ distanzierte Vortragsweise und makellose Artikulation verstärken den Eindruck von Arroganz, der den Roman beherrscht. (ed)

Willkommen bei den Ruhrpott-Ostfriesen.

Eine witzige Idee. Die Sprecherin trifft den

Fans mögen es wohl so. Ein echter „Fisch-

Ton des Texts genau, der aber ist fürchter-

kopp“ am Mikro wäre aber stimmiger.

lich unangenehm.

(1,45)

(1,7)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

GOYALIT, gekürzte Lesung, 340 Minuten/ 4 CDs, 19,99 Euro 4·2013

9:04 Stunden

19,95 EUR UVP

8:12 Stunden

19,95 EUR UVP

12:55 Stunden

22,95 EUR UVP

ARGON VERLAG, ungekürzte Lesung, 577 Minuten/8 CDs, 29,95 Euro

55 www.hoerbuchnetz.de

?


Christine Drews

Schattenfreundin Gelesen von Cathrin Bürger (2,05) Umsetzung Inhalt Ausstattung Auf Deutsch („Das Komplott“) ab 12. August erhältlich

Auch als Buch/ E-Book bei Bastei Lübbe erhältlich

John Grisham

The Racketeer Gelesen von J. D. Jackson John Grisham hätte es sich leicht machen und seine Thriller durchnummerieren können: „Pageturner“, „Pageturner 1“ bis zum neuen „Pageturner 21“. Seine Romane mögen in Güte und Spannung variieren, sie sind aber allesamt nur schwer aus der Hand zu legen – oder von den Ohren zu nehmen. „The Racketeer“ macht keine Ausnahme und in der Originalfassung viel Hörfreude. Der dunkelhäutige Anwalt Bannister sitzt zu Unrecht im Gefängnis. Als ein Bundesrichter und seine Geliebte ermordet aufgefunden werden, kann er seine Zeit im Knast verkürzen. Denn Bannister kennt die Identität des Mörders. Er tauscht sein Wissen gegen eine neue Identität und ein neues Gesicht innerhalb des Zeugenschutzprogramms. Denn die Freiheit kommt mit der Angst, dennoch gefunden zu werden … Der Thriller führt zwar nicht zum Nägelbeißen oder zu beanspruchten Gehirnzellen, ist aber clever konstruiert und so unterhaltsam, dass man ihn gut in einem Rutsch durchhören könnte. Jackson liest angenehm literarisch, mit dem für dunkelhäutige Amerikaner typischen Tonfall und klingt dabei teilweise wie Denzel Washington. Am 22. Oktober erscheint in den USA übrigens die Fortsetzung von „Die Jury“ („Sycamore Row“). Oder: „Pageturner 22“. (bär) Leichte Grisham-Kost, unterhaltsam und überraschend. Vor allem aber hörenswert von J. D. Jackson interpretiert.

(3,0) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Audible/Random House Audio, gekürzte Lesung, 389 Minuten/Download, 19,95 Euro

56

Radioropa, ungekürzte Lesung, 492 Minuten/ 1 Daisy-MP3-CD, 19,95 Euro

Tja. Mehr war an Resonanz im ersten Moment nicht drin. Tja, ganz nett gelesen. Tja, ganz nette Story: Ein Junge ist verschwunden; eine Kommissarin kämpft mit ihren persönlichen Dämonen. Gut und schön. Doch wenn eine Geschichte Spannung letztlich nur aus bemühten Cliffhangern zieht, die Protagonisten trotz aller Analysen konturlos bleiben, wenn einen der Stil der Autorin also insgesamt nicht gerade umhaut, dann nennt man das wohl Mittelmaß. Seit wann etwa funktionieren SMS ohne Absender? Wie viele Jahre kann man eine nicht vorhandene Kleiderkammer eigentlich geheim halten? Und: Christine Drews hätte sich vorab entscheiden sollen, ob ihre Dreijährigen nun ganze Sätze beherrschen oder nicht. Bürger gibt angesichts derlei konstruierter Ungereimtheiten wirklich eine ganze Menge; da wird kauend gesprochen, geweint oder betrunken gelallt. Und dennoch: Alles in allem ist sie in ihrem Vortrag stets so akkurat, stets so steif, dass es letztlich immer beim simplen „Vorlesen“ bleibt; zum „Erleben“ kommt es nie. Kaum zu ertragen sind zudem die durch- Deutlich gestrafft und etwas lebendiger weg nörgelig, ja dumm wirkenden Kinderstim- interpretiert hätte die Geschichte vielleicht men. Tja. (tan) funktioniert. Vielleicht.

Harlan Coben

Wer einmal lügt Gelesen von Detlef Bierstedt (4,2) Umsetzung Inhalt Ausstattung Auch als Buch/ E-Book bei Page & Turner erhältlich

DER HÖRVERLAG, gekürzte Lesung, 727 Minuten/ 2 MP3-CDs, 14,99 Euro

Es gibt sie, die Sprecher, deren Besetzung fast immer ungehört schon den Kauf rechtfertigt. Detlef Bierstedt ist einer davon, eine sichere Bank, da die deutsche Stimme von George Clooney es (meistens) versteht nicht nur sein nuancenreiches Vertonungsspektrum gekonnt in den Dienst der Vorlage zu stellen, sondern den Text des Autors auf ein neues Level zu heben. Auch in Cobens Thriller verleiht Bierstedts Stimmorchester jeder Person Aussehen und Gefühlskostüm – sei es grimmiger Cop, zwielichtiger Stripclub-Betreiber oder verängstigte Demenzkranke. Und ebenfalls dank Bierstedt bleibt man die zwölf Stunden bei der Sache, denn es dauert eine ganze Zeit, bis endlich Spannung aufkommt und der Thriller ist klar nach dem Schema Coben. Ausgangspunkt sind einmal mehr die Keller-Leichen von früher. Die zweifache Mutter Megan hat einst in einem Stripclub gearbeitet. Weil sie ihren Geliebten ermordet auffand, floh sie in ein neues Leben. 17 Jahre später holt sie die Vergangenheit wieder ein: Erst soll der Ermordete wieder quicklebendig gesehen worden sein, dafür verschwindet ein anderer Einmal mehr die Bestnote für Detlef BierGast des Rotlicht-Clubs. Und Detective Broome stedt, Autor Harlan Coben muss sich allerhat bei der Klärung der Fälle am meisten mit dings mit einem „Gut“ abfinden. den Wendungen des Autors zu kämpfen. (ole) 4·2013


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Eiseskälte

Hochspannung pur

Gelesen von Walter Kreye Ohne Abschied zu nehmen, ist Kommissar Erlendur in die Ostfjorde gereist – dorthin, wo er seine Kindheit verbracht und seinen kleinen Bruder im Schneesturm verloren hat. Jahrzehnte zuvor hatten sich in dieser Gegend dramatische Szenen abgespielt: Ein Trupp englischer Soldaten geriet auf einem Höhenpfad in ein tödliches Unwetter. In derselben Nacht verschwand eine junge Frau, deren Leiche aber nie gefunden wurde. Das Schicksal dieser Frau zieht Erlendur in seinen Bann: Er will unbedingt herausfinden, was sich damals zugetragen hat, so schmerzlich es für ihn auch sein mag, Ereignisse aus dieser Zeit ans Licht zu bringen ...

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Der letzte seiner Art

Der Autor Arnaldur Indriðason wurde 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und arbeitete zunächst als Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunblaðið. Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavík und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten.

Der Sprecher Walter Kreye wurde 1942 in Oldenburg geboren. Er studierte an der Schauspielschule Bochum. Erste Engagements führten ihn nach Hamburg an das Thalia Theater, darauf folgten Auftritte an der Schaubühne Berlin sowie den Staatstheatern Hannover und Stuttgart. Seit Ende der 80er-Jahre spielte Walter Kreye in einer Vielzahl deutscher Fernsehproduktionen, z. B. in Polizeiruf 110, Der Alte, Das Traumschiff und im Tatort. Außerdem ist Walter Kreye ein begnadeter Hörbuchsprecher.

Die Nadel

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4·2013

Er ist wieder da

Der Todeskünstler

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Großwildjagd eines frühen Globetrotters: Franz Ferdinand von Österreich-Este

Literarische REiseberichte

Erlesene Zeitreisen

Schon im 19. Jahrhundert war der aufblühende Tourismus weltumspannend, wie die Berichte der Journalistin Nellie Bly und des Thronfolgers Franz Ferdinand belegen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkundeten legendäre Schriftsteller wie Steinbeck, Isherwood und Dos Passos die entlegensten Winkel der Erde. Von Ulrich Baron

S

ie habe noch nie so dicke Chinesen gesehen, notierte Nellie Bly (1864 – 1922) im Dezember 1889 im südostasiatischen Penang. Zu Hause in den USA kannte sie Chinesen nur als ausgemergelte Kulis, und nicht nur der rasenden Reporterin bot die Welt noch manche, nicht immer erfreuliche Überraschung. Immerhin hatte sie den „Hitzefluch“ des Roten Meeres schon hinter sich, der drei Jahre später einen anderen Reisenden beim Schmücken des Weihnachtsbaums treffen sollte: Die „Lichter und Gegenstände, die uns meine Mutter“ dafür mitgegeben habe, seien in der tropischen Hitze „ganz weich“ geworden, notierte Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863–1914) am 24. Dezember 1892. Während die amerikanische Journalistin das Rote Meer mit leichtem Gepäck auf einem Dampfer der offenbar auf schlechten Bordservice spezialisierten P&O-Linie durchquerte, reiste Franz Ferdinand mit großer Entourage auf dem „ruhmvollen“ Torpedo-Rammkreuzer „SMS Kaiserin

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Elisabeth“ – war er doch Neffe und designierter Thronfolger des Kaisers Franz Joseph. Und während Nellie Bly im Auftrag der New Yorker Zeitung „The World“ reiste, um den in Jules Vernes Roman „Reise um die Erde in achtzig Tagen“ markierten Rekord um acht Tage zu unterbieten, betrachtete Franz Ferdinand die Welt als sein künftiges Tätigkeitsfeld. Bei allen Standesunterschieden aber reisten die bürgerliche Karrierejournalistin und der österreichische Thronfolger auf Routen, für die es längst feste Fahrpläne gab. Doch wenn sie sich erstaunt, verärgert, angewidert oder abfällig über andere Länder und deren Eingeborene äußerten, zeigten sie, dass auch die Konventionen, an denen sie die Welt maßen, noch sehr fest gefügt amerikanisch oder eben europäisch waren. Das spektakulärste Ereignis auf Nellie Blys Rekordtour war eine in den USA gehörig vermarktete Begegnung mit Jules Verne, dem sie offenbar sympathisch war – wohl als 4·2013


Sachbücher

junge, weibliche Inkarnation all jener forschen, naiven und rekordsüchtigen Amerikaner, die er in seinen Werken so ironisch porträtiert hatte. Einen weniger günstigen Eindruck machten Nellies forsche Landsleute auf Franz Ferdinand, der sich in den USA von „böswilligen Unwahrheiten“ respektloser Journalisten verfolgt überhaupt von aller Kultur abgeschnitten sah: „Eine andere Mehlspeise als der ewige Pudding scheint überhaupt nicht bekannt zu sein.“ Auf bisweilen unfreiwillig komische Weise zeigen beide Weltreisende, dass die Welt Ende des 19. Jahrhunderts im Großen und Ganzen entdeckt war und dass der aufblühende Tourismus für privilegierte Perspektiven kaum noch Raum und immer weniger Zeit ließ. Nellie Blys kurzlebiger Rekord war das Ergebnis einer Reihe fahrplanmäßiger Schiffspassagen und Eisenbahntransfers, und erst ihr triumphaler Endspurt quer durch die USA per Sonderzug erreichte ein rekordverdächtiges Tempo. Man musste, das hatte ihr Landsmann Mark Twain schon 1869 in seinem Reisebuch „The Innocents Abroad“ gezeigt, als Tourist ziemlich arglos sein, um im Ausland noch Unbekanntes zu entdecken. Oder man musste ein Schriftsteller sein, der das Privileg hatte, sich für längere Zeit in noch immer schwer zugänglichen Regionen umzusehen. So reiste John Dos Passos (1896 – 1970), der mit „Manhattan Transfer“ zum Pionier des modernen Großstadtromans wurde, 1921 durch den Nahen Osten. Der spätere Literaturnobelpreisträger John Steinbeck (1902 – 1968) besuchte 1947 zusammen mit dem berühmten Kriegsfotografen Robert Capa die Sowjetunion. Und im selben Jahr reiste Christopher Isherwood (1904 – 1986), dessen Erinnerungen an das Vorkriegs-Berlin die Vorlage des Welterfolgs „Cabaret“ liefern sollte, für sechs Monate durch Lateinamerika. Der britische Wahlamerikaner Isherwood wies auch gleich darauf hin, dass der Autor selbst zum wichtigsten Inventar einer literarischen Reisebeschreibung zählt: „Wir haben natürlich unseren festen Platz im System der Reisewerte“, schrieb er ironisch über seine Rolle an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, das ihn nach Süden brachte: „Wir gehören zu jener notwendigen Kategorie ,interessanter Leute, die wir auf dem Schiff kennengelernt haben‘.“ Ob sich John Steinbeck seiner Rolle in Stalins Sowjetunion immer ebenso klar bewusst war, erscheint eher zweifelhaft, doch zusammen mit Capas Fotos liefern seine Beschreibungen eindrucksvolle Impressionen aus dem im Zweiten Weltkrieg verheerten Land, etwa aus der Trümmerwüste Stalingrads, dessen Bewohner noch immer in den Kellern ihrer zerstörten Häuser lebten. Surreal erscheint auf einem Foto Capas vor einer Kulisse von Kriegsruinen ein von dicken Fröschen bewachter Brunnen, in dem eine helle, steinerne Kinderschar einen munteren Ringelreihen tanzt. Manchmal konkurrierten so Schriftsteller und Fotograf, wenn es etwa galt, einen Mann und seine beiden Kinder zu porträtieren, die ein Album betrachteten – den einzigen Besitz, den sie aus den Trümmern gerettet hatten. Worte sagen hier mehr als Bilder, wenn Steinbeck schreibt: „Und sein Familienalbum glich allen Familienalben der Welt.“ So gibt es auf Reisen dann 4·2013

Nellie Bly: Around the World in 72 Days Übersetzt von Josefine Haubold, Aviva, 317 Seiten, 19,90 Euro

John Dos Passos: Orient-Express Übersetzt von Matthias Fienbork, Nagel & Kimche, 207 Seiten, 18,90 Euro Als E-Book erhältlich

Christopher Isherwood: Kondor und Kühe Übersetzt von Matthias Müller, Liebeskind, 366 Seiten, 22 Euro

doch immer noch etwas zu entdecken, und das immer wieder – nämlich, wie ähnlich wir Menschen uns sind. Allein die Zeitläufte lassen das immer wieder in Vergessenheit geraten. Wo Isherwood 1947 „Kondor und Kühe“ beobachtete, herrschen heute Drogenkartelle. Im Orient, den John Dos Passos bereiste, war 1921 der Erste Weltkrieg noch nicht zu Ende. Der Nahe Osten war von den Geburtswehen der modernen Türkei und der Sowjetunion, vom Zerfall alter und von Aufstieg neuer Reiche geprägt. Dos Passos reiste in Regionen, in denen die Berge karger und steiniger wurden und der Zug immer langsamer – und in der die Stationsvorsteher „immer längere Schnauzbärte und immer ungepflegtere Uniformen“ hatten. Vom Schiff über den Zug und das Auto bis zum Kamel wechselten die Verkehrsmittel des Schriftstellers und kehrten so den Prozess der Modernisierung um. Eine ähnliche, zunächst für romantisch gehaltene Umkehr erlebte auch Isherwood, als er eines frühen Morgens aus einem entlegenen Hotel aufbrach, um mithilfe eines Bootes und einiger einheimischer Träger einen Bahnhof zu erreichen. Zwar war das Boot über Nacht halb voll Wasser gelaufen und die Ufer waren schlammig, aber dann brachten ihn ein paar stämmige Indios doch noch samt Gepäck zur Station. Aber leider zur falschen. Doch so schlecht und falsch manche Wege Lateinamerikas auch sein mochten, zeigte Isherwood sich immer wieder positiv beeindruckt. Vor allem vom Besuch in einem Gefängnis, in dem eine Reihe von Männern teils mit Arbeit, teils mit Singen und Spielen beschäftigt waren: „Jeder dieser Häftlinge hatte einen oder mehrere Menschen getötet“, notierte der verblüffte Besucher. „Vielleicht tat es einigen leid, anderen vielleicht nicht. Aber alle sahen aus wie intakte Individuen, nicht wie Verbrecher, nicht erniedrigt.“ Sicher sei dieses Gefängnis elend ausgestattet, doch wohl auch an seine Wahlheimat adressiert, fuhr er fort: „Aber ich fürchte, es gibt viel sauberere, angenehmere, unendlich schrecklichere Orte, an denen Menschen ein Viertel ihres Lebens zubringen können.“

Franz Ferdinand von Österreich-Este: „Die Eingeborenen machten keinen besonders günstigen Eindruck“. Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892–1893 Kremayr & Scheriau, 288 Seiten, 24 Euro Auch als E-Book erhältlich

John Steinbeck, Robert Capa: Russische Reise Übersetzt von Susann Urban, Unionsverlag, 298 Seiten, 14,95 Euro

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Sachbücher

Audio-Sprachführer

In 80 Phrasen um die Welt

Wer sich vor der Reise ins Ausland oder auf dem Weg dorthin mit der Sprache des Gastlandes etwas vertraut machen möchte, hat die Audio-Qual der Wahl. Wir haben einige Sprachführer, auch solche für Kinder, ausprobiert Von Christian Bärmann Audio-Sprachführer Englisch „Für alle wichtigen Situationen auf der Reise“ verspricht das Cover, und der Inhalt löst das Versprechen ein. Wer sich vor der Reise in ein englischsprachiges Land wichtige Wörter und Phrasen aneignen möchte, ist bestens bedient. Gleich ob Sie mit dem Auto oder Flieger anreisen, eine Ferienwohnung oder einen Campingplatz gebucht, Fragen nach dem Weg oder einen Notfall haben oder Shoppen gehen wollen. Auch für den Urlaubsflirt oder Beschwerden ist gesorgt. Ein touristisches Rundumpaket, das es auch in den Sprachen Französisch, Italienisch und Spanisch gibt.

Sprachurlaub in New York Zwischen East Village und Central Park – dieses Sprachhörbuch führt in ausschließlich englischer Sprache (American English) zu vielen Sehenswürdigkeiten in Manhattan, auch abseits der Touristenwege. O-Töne von Einheimischen und Geräusche lassen in den Big Apple eintauchen. Maxwell spricht deutlich und in angenehm normalem Tempo. Wer mitlesen möchte, hat im Booklet die Gelegenheit dazu, da der komplette Text dort abgedruckt ist, eingeleitet von einer kurzen Zusammenfassung in deutscher Sprache. Der „Sprachurlaub“ ist mehr Stimmungsmacher vor einer anstehenden Reise oder schöner Nachbereiter als ein Lern-Hörbuch. Top für alle, die der englischen Sprache schon etwas mächtig sind, New York mögen oder noch kennenlernen wollen.

Langenscheidt, Download, 7,99 Euro

Sofort FranZÖSIsCH SpRechen Solider und günstiger Sprachkurs für Anfänger, der auf eine Mischung aus Zuhören, Nachsprechen und Nachlesen (im umfangreichen Begleitbuch) setzt. „Sofort sprechen“ mag etwas übertrieben sein, aber um ein Gespür für die Sprache zu bekommen und sich die gebräuchlichsten Wörter und Phrasen für den Urlaub anzueignen – beim Einkaufen, im Restaurant, Fragen nach dem Weg –, reicht es allemal. Auch für England-, Spanien- und Italienurlauber erhältlich.

GEOPHON, 1 CD, 16,90 Euro

100 % Französisch inkl. App Praktischer Reisedolmetscher für die Handytasche. Im kleinen Booklet sind alle 400 Sätze und Redewendungen gelistet, die durch den beiliegenden Downloadcode als App ganz unkompliziert aufs Smartphone geladen werden können. Kategorien wie Basics, Auf der Reise, Fun & Flirt sind übersichtlich strukturiert und durch die Vorsprechfunktion kann man auch schon mal sein Handy für sich sprechen lassen. Praktisch: Speisekarten mit lokalen Gerichten, Abbildungen, falls die Wörter fehlen, und die Möglichkeit, Wortfavoriten zum schnellen Abruf zu markieren. Auch erhältlich in den Sprachen Englisch, Italienisch, Portugiesisch und Türkisch.

Compact Verlag, 1 CD, 6,99 Euro

Junior: Spanisch für die Ferien Begleitet wird die junge Spanierin Marta, die in Deutschland lebt und mit ihrer Familie in die Ferien nach Spanien fährt. Nette Handlung, aber das Nachsprechen kann zu Frust führen, da zuweilen Raten angesagt ist, ob das jeweilige Wort richtig verstanden wurde. Da hilft auch die Wiederholung am Ende jedes Kapitels nur wenig. Ein Booklet mit Vokabeln und Aussprachehilfen wäre hilfreich gewesen.

Mo Media, 128 Seiten, 6,99 Euro

Spanisch lernen mit The Grooves Chillen und dabei lernen. Je nach Aufmerksamkeitsgrad des Hörers kann man entweder der coolen, spanisch angehauchten Musik lauschen und hoffen, dass sich die in vielen Wiederholungen und lässig vorgetragenen Vokabeln, Sätze und Smalltalk-Floskeln über die Rhythmen ins Unterbewusstsein schleichen. Oder man spricht nach und lässt sich von den groovigen Melodien in einen entspannten Zustand versetzen. Im Booklet sind alle Sätze mit Lautschrift aufgeführt, gewürzt mit kurzen Einführungen in grammatikalische „Geheimnisse“. Ungewöhnliche Idee, deren Erfolg sich nach mehreren Hördurchgängen tatsächlich einstellt. digital publishing, 1 CD/Download, 16,90/14,99 Euro

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digital publishing, 1 CD/Download, 12,99/10,98 Euro

Altersempfehlung

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English mit Ritter Rost – The Rusty Movie Die englischen Songs sind tanzbare und rhythmisch abwechslungsreiche Ohrenschmeichler, die Kinder gerne immer wieder hören, was den Lerneffekt spielerisch macht. Die Geschichte um ein Hollywood-Filmteam, das sich die Burg von Ritter Rost als Location aussucht, ist amüsant, auch das teilweise „Denglisch” und der Satzbau des englischsprachigen Regisseurs, wenn er Deutsch spricht. Im Begleitbuch sind neben Illustrationen und allen Songs samt Noten auch die Übersetzungen sowie ein Wörterverzeichnis zu finden. Terzio/Langenscheidt, 1 CD, 21 Euro

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Altersempfehlung

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Sachbücher

Blickpunkt Reise

Fernweh für Schaulustige

Außergewöhnliche Urlaubsziele, kunstvolle Köstlichkeiten, literarische Streifzüge, globale Modesafaris und ein Knigge gegen Kulturschocks – willkommen auf unserer BÜCHER-Weltreise durch den Blätterwald der Novitäten des Sommers.

Auf dem Wasser, im Wasser, unter Wasser

„Am Anfang sieht man nur Dschungelbrokkoli, am Ende ahnt man, was Globalisierung bedeutet.“ Ein erwähnenswertes Zitat von vielen aus den Abenteuern, die die Merian-Autoren auf den Wassern dieser Erde erlebt haben. Mal auf einem Deck eines Kreuzfahrtschiffs oder eben in einem Kanu auf den Flüssen im ecuadorianischen Regenwald. 100 Abenteuer zum Nachmachen, Hinträumen und Wegtauchen.

Foto: Merian/SailingIsland.de

Einmal im Leben – 100 Abenteuer zu Wasser Merian Books, 240 Seiten, 24,99 Euro

4·2013

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Modejagd um den Globus

Die Metropolen der Welt sind ein einziger Laufsteg. Nicht nur Paris, Berlin oder Tokio – auch Beirut, Kiew und Istanbul haben einen ganz eigenen Streetstyle. Als erfolgreichster Fashion-Blogger der Welt ist Yvan Rodic, alias Facehunter, weltweit auf der Jagd, um dem Stil der Menschen auf den Straßen ein Gesicht zu geben. Yvan Rodic: Facehunter – Die Welt als Catwalk: Von Stockholm bis Melbourne Prestel, 320 Seiten, 19,95 Euro

Vom Hörensagen zum Besserwisser

ABC der kulturHygiene

Andere Länder, andere Sitten: Herausgeber Moritz Freiherr Knigge übersetzt die unterschiedlichen Höflichkeitsformen und -formeln in ein Reise-Register des Respekts vor anderen Kulturen. In acht Essays vom kulturellen Überlebenstraining für Besucher in Bayern des Krimiautors Jörg Steinleitner bis zur Annäherung des Schriftstellers Maximilian Dorner an die Konversationskunst der Franzosen ist der Themenvielfalt keine Grenzen gesetzt. Moritz Freiherr Knigge, Jörg Steinleitner: Die Kunst des höflichen Reisens mvg Verlag, 224 Seiten, 16,99 Euro

Man kann nicht an jedem Ort gewesen sein. Was aber tun, wenn man trotzdem mitreden möchte? Vorbilder gibt es seit Karl May oder Marco Polo genug. Und auch Literaturprofessor Pierre Bayard weiß, wie man dennoch über Orte sprechen kann, die man nicht oder vom Hörensagen kennt, man vergessen oder überflogen hat. Eine leichte Urlaubslektüre derer, die über Kalifornien parlieren, aber auf Balkonien kampieren. Pierre Bayard: Wie man über Orte spricht, an denen man nie gewesen ist Kunstmann, 224 Seiten, 18,95 Euro

Lesereise in die Kulturhauptstadt

Marseille, das seien hundertelf Dörfer, die sich weigern zusammen eine Stadt zu bilden, sagt Autor Cédric Fabre. Es gäbe keine Marseiller Küche, dort würde das gegessen, was mitgebracht wird, meint Journalist Philippe Farget. Und Romancier Jean Echenoz weiß, dass Marseille bebt. Diese Sammlung von vielen erstmals übersetzten Texten lädt ein zum Streifzug durch Europas Kulturhauptstadt 2013. Daniel Winkler (Hrsg.): Marseille und die Provence. Eine literarische Einladung Wagenbach, 144 Seiten, 15,90 Euro

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Sachbücher

Kehrtwende auf der Reise durch das Leben

Was suchen Aussteiger? Und vor allem: Finden sie auch immer, was sie suchen? Schon seit dem 3. Jahrhundert sind Geschichten überliefert, wie Menschen aus den Strukturen ihres Lebens ausbrechen, um es auf den Kopf zu stellen und gewohnte Muster zu durchbrechen. Iris Hammelmann blickt in die Kulturgeschichte und zeigt die vielfältigen Ansätze der Weltbürger, um dem Alltag zu entfliehen. Iris Hammelmann: Haltet die Welt an! Von Aussteigern und Einsiedlern Gerstenberg, 192 Seiten, 24,95 Euro

Der Fluch der Karibik

Was bringt uns im Urlaub auf die Palme – und wie kommen wir wieder runter? Diese Frage ergründet Martin Hecht in seinem Urlaubschocker-Buch, indem er erst alles zum Thema Reisefrust auspackt, um dann mit viel Humor die Reiselust wieder zu wecken. Den eines sollte man als Erstes loslassen, um endlich in der Entspannung anzukommen – den Traum vom perfekten Urlaub! Martin Hecht: Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt – Der Traum vom perfekten Urlaub Eichborn, 272 Seiten, 14,99 Euro

Zwischen Sonne, Meer und Zitronenbäumen

Virginia Woolf nannte die Gegend „pink pyjama country“, das Land der rosa Schlafanzüge. Die britische Schriftstellerin steht für eine ganze Reihe gut betuchter Freigeister und Exzentriker, die seit den Anfängen des Tourismus an der italienischen Riviera ihren Urlaub verbrachten. Eine literarische Annäherung an den Mythos der Riviera-Sehnsucht. Anne Goebel: An südlichen Gestaden – Die italienische Riviera der Künstler und Literaten Edition Ebersbach, 128 Seiten, 25 Euro

Kaleidoskop an Köstlichkeiten

Kunstwerke zum Anknabbern und leckere Rezepte aus der internationalen Küche – im dritten Kunstkochbuch der Reihe „Arte in Cucina“ geht es auf eine kulinarische Reise in alle Ecken der Welt. Und so haben die Künstler der Amsterdamer Galerie ARTACASA für dieses Buch Bilder und Keramikobjekte zum Thema Fernweh und Gaumenfreuden angefertigt. Denn das Auge isst ja bekanntlich mit.

Spielplätze für Erwachsene

Das Essen wird per Achterbahn an den Tisch geliefert. In einer Hotellobby fischt eine „fliegende“ junge Dame die Flasche eines kräftigen Roten aus dem 13 Meter hohen Weinturm. Oder in der Bar im Inneren des Stamms eines Affenbrotbaums ein kühles Bier genießen. Dieser bunte Band inspiriert für den nächsten Trip und der wird alles außer 3-Sterne-plus und Halbpension, sondern abgefahren, ungewöhnlich, verrückt … Birgit Krols: Crazy Places – Eine Reise durch die verrücktesten Hotels, Bars, Restaurants und Locations der Welt Brandstätter, 192 Seiten, 22,50 Euro

Wiebke van der Scheer, Margré Mijer: Arte in Cucina auf Reisen Gerstenberg, 176 Seiten, 19,95 Euro

Fotos: teNeues/Healing Hotels of the World; Gerstenberg/Haltet die Welt an!

BÜCHER verlost je fünf Bücher „Arte in Cucina auf Reisen“ (Gerstenberg). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3.

Refugien für erfüllte Momente

Ein Strand wie im Traum, die letzten Sonnenstrahlen streicheln die Palmblätter und im Schatten des Tropengewächses massieren die Hände einer Masseurin die Schultern einer vollkommen in Entspannung versunkenen Urlauberin. Fallenlassen, tiefenentspannen und die Ruhe auf sich wirken lassen – wenn schon nicht in einem der rund 80 luxuriösen Häuser der Healing Hotels of the World, dann zumindest in diesem Bildband. Healing Hotels of the World teNeues, 272 Seiten, 49,90 Euro

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Bücher | Sachbücher

Eugen Ruge

Dan Kieran

Meike Winnemuth

Cabo de Gata

Slow Travel

Das große Los

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Y. von Rauch

Deutsche Originalausgabe

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Das Cabo de Gata im Südosten Spaniens ist eine der trockensten Regionen Europas, geprägt von vulkanischem Gestein. Es ist das ideale Setting für die Flucht, die Buchpreisträger Eugen Ruge seinen Ich-Erzähler antreten lässt. Bei Ruge konkretisiert sich die Region in einem Fischerdorf, dessen Abgelegenheit und Ödnis zunächst nicht an ein Paradies für den Flüchtling denken lässt. Doch schon bald zeigt sich, dass erst hier in der Abgeschiedenheit und in der gekappten Verbindung zum alten Leben ein Zu-Sich-Kommen möglich ist. Ruges Erzähler hat das Glück, zu spüren, dass, wer flieht, manchmal auch ankommt. Und das ist auch für den Leser durchaus tröstlich. (ct)

Adler angucken auf der Insel Mull. Von London nach Malaga zum Businesstreffen. Beides ist Slow Travelling. Dan Kieran erklärt dieses Reisekonzept in seinen nachdenklichen Berichten. Die sich nicht auf Destinationen stürzen, sondern die Zeit der Bewegung zelebrieren, die Aufmerksamkeit für das Fremde. Wozu eine Wanderung durch das Wäldchen gehört, an dem man sonst bloß vorübersaust. Kieran ist ehrlich, auch, was Missgeschicke und Enttäuschungen angeht. Sein Tipp: Statt mit Travel Guides mit passenden Romanen reisen. Etwa Forsyths „Schakal“ auf dem Weg nach Paris. Oder mit John le Carré im Nachtzug durch Deutschland. (jv)

Orte sind ansteckend, schreibt Meike Winnemuth. 12 Städte in einem Jahr erleben – das ist ihr Plan. Anstelle von Hotels mietet die Journalistin monatlich Wohnungen, taucht ein in den Alltag, den Kiez, das Lebensgefühl der Metropolen. Allein unterwegs lernt sie sich neu kennen, trainiert ihren „Mutmuskel“ und schreibt darüber in ihrem Reise-Blog. Ihre Betrachtungen erreichen den Leser in Briefform. Winnemuth erzählt frei Schnauze nicht nur wohin sie sich, sondern auch, was sie dabei im Innersten bewegt. Metzgerkurs in Sydney, Tango-Dilemma in Buenos Aires, Faulenzen auf Hawaii, Kulturschock in Mumbai und Abtauchen in Tel Aviv – diese Weltreise ist eine Inspiration, einfach loszufahren. (ts) Auch als Hörbuch beim Hörverlag erhältlich

Rowohlt, 208 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Rogner & Bernhard, 223 Seiten, 19,95 Euro, Auch als E-Book erhältlich

Knaus, 336 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Ernst Horst

Sergi Doria

Tina Uebel

Die Nackten und die Tobenden

Das Barcelona von Carlos Ruiz Zafón

Nordwestpassage für dreizehn …

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Peter Schwaar

Deutsche Originalausgabe

Schon auf Seite 12 wird die Leserin gewarnt: Wenn sie keine Professorin für Volkskunde sei, habe sie keinen Grund, das Buch in die Hand zu nehmen. Männer hingegen würden sich an den Nacktbildern erfreuen. Und es stimmt: Horsts Buch hat wenig zu bieten – außer langweiligen Details zu Freikörperkultur und FKK-Magazinen, die bis in die Achtzigerjahre hinein florierten. Ernst Horst verzettelt sich in Namen, Daten oder juristischen Interpretationsstreitigkeiten. Mal will er nachdenklich, mal ironisch sein. Es gelingt ihm aber nicht, die FKK als gesellschaftliches Phänomen zu erklären und deren Einfluss oder Entwicklung fundiert nachzuzeichnen. (clb)

Ein Buch über Bücher, die oft vom Bücherschreiben handeln. Dorias Spaziergänge durch eine erzählte Stadt führen den Leser an die Schauplätze der Romane „Marina“, „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“. Aber keine Sorge: Über deren Handlung verrät das Werk jeweils nur so viel, wie für das Verständnis der Zusammenhänge wichtig ist. Übersichtlich in Routen gegliedert bietet es zudem Karten und einige Fotos. Dadurch erscheinen die Schauplätze Barcelonas noch lebendiger als in Zafóns Romanen. Eine Hommage an den spanischen Autor und eine Einladung, diese faszinierende Stadt für sich zu entdecken. (mel)

Hinter dem lustigen Titel verbirgt sich Gemecker. Über die Sicherheitskontrolle in Hamburg, die Zwischenlandung in Kopenhagen, das Ersatzflugzeug nach Kangerlussuaq, den von Air Greenland verschusselten Seesack. Auch die Landgänge während des Törns mit den zwölf Mitseglern geben der Autorin Anlass für Beschwerden. Statt Regionalgerichte wie Moschusochsenburger zu genießen, berichtet sie von ihren beschwerlichen Einkäufen. Dabei befindet sie sich auf der jahrhundertealten Nordwestpassage durch die Arktis, jener einst riskanten Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik. So segeln auch Polarforscherlegenden mit, als „Schemen aus der Historie“, und werden zitiert. Wenigstens das. (jv)

Blessing, 320 Seiten, 22,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

S. Fischer, 288 Seiten, 19,99 Euro

C. H. Beck, 400 Seiten, 19,95 Euro

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Auch als E-Book erhältlich

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downloads | Sachbücher

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Niederlande hören

GRATIS download über 2 Stunden Hörerlebnis pur!

Gelesen von Rolf Becker

Worauf basieren die mutmaßlich „niederländischen“ Eigenschaften Toleranz und Erfindergeist, Weltoffenheit und Wirklichkeitssinn? Die Autorin Corinna Hesse erkundet die kulturellen Hintergründe für die erstaunlichen Leistungen der Niederländer. Wie kommt es zum Beispiel, dass mitten im absolutistischen Europa eine Republik entstehen konnte, in der kein König, kein Klerus und kein Adel die Macht ausübte, sondern aufsässige Bürger? Der Schauspieler Rolf Becker führt die Hörer durch die zentralen Ereignisse der niederländischen Kulturgeschichte. Er erzählt Geschichten über listige Händler, strenge Moralisten und fliegende Geisterschiffe, über die Angst vor der Apokalypse und das Lob der Torheit in der Philosophie, über das „Goldene Jahrhundert“ der Malerei und die fließenden Städte der Zukunft. Musik lässt die Atmosphäre aller Stationen dieser Entdeckungsreise lebendig werden: vom betörenden Schönklang der frühen Vokalpolyphonie bis zu den pulsierenden Rhythmen der Gegenwart.

die autorin Die Musikwissenschaftlerin und Rundfunkjournalistin Corinna Hesse ist bekannt für ihre akustischen Länderporträts. Neben den Niederlanden erkundet die 45-Jährige unter anderem die kulturellen Hintergründe von Deutschland, Israel, Italien und Japan.

Der Sprecher Rolf Becker, renommierter Film- und Theaterschauspieler, gibt vielen preisgekrönten Hörbüchern aus dem Silberfuchs-Verlag seine sonore und wandelbare Stimme. In Hamburg spielte er im Ensemble des Deutschen Schauspielhauses und Thalia Theaters und wurde als „Hamburger Jedermann“ in der Speicherstadt des Hafens gefeiert.

Und so funktioniert’s

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Wagner-Jubiläum

Das unsichtbare Theater

Phantasmagorie und wahre Musik – neue Literatur zum 200. Geburtstag von Richard Wagner. Von Björn Vedder

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luthunde hetzen einen jungen Mann durch den Wald. Es ist Siegmund, der von Hundings Meute gejagt wird, weil beide Sippen miteinander im Clinch liegen. Wir sind im Vorspiel der Oper „Die Walküre“, dem zweiten Teil von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. In einer traditionellen Oper würde Siegmund diesen Umstand wohl in einem Rezitativ mitteilen, an den Bühnenrand treten und singen: „Ich renne hier um mein Leben von Hundings Hunden gehetzt“ – was eine gewisse Komik hätte, weil er, um singen zu können, eben nicht flüchten, sondern dastehen müsste. In Wagners Oper ist das nicht nötig. Die Bühne bleibt dunkel, erst im folgenden ersten Akt sieht der Zuschauer einen jungen Mann sich in ein Haus retten. Dass dieser zuvor in großer Angst geflüchtet war, weiß er schon, weil die Musik es ihm gesagt hat. Er hat die tiefe Linie der Celli und Kontrabässe gehört, die wie schnelle, rastlose Schritte vorwärtsdrängt, und das Tremolo der darüberliegenden Violinen und Violen, das den Eindruck von großer Angst erweckt. Dabei war die Musik mal leiser und mal lauter geworden – so, als ob sich jemand nähert und entfernt. Auf diese Art entsteht der Eindruck einer Person, die um ihr Leben rennt und wie ein Hase Haken schlägt. Diese malerische Kunst der Musik entfaltet zu haben, ist eines der vielen Verdienste, das sich Wagner um die Oper erworben hat. Wagner nennt dieses Verfahren, dem Zuhörer ein Geschehen durch Töne vor Augen zu stellen, „das unsichtbare Theater“. Heutige Ohren kennen das aus jedem Mickey-Mouse-Film, Mitte des 19. Jahrhunderts aber war das erst in Ansätzen entwickelt worden. Nun drängt der 200. Geburtstag des Komponisten, der am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren wurde, zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Mann und dem Werk. Viele Autoren sind diesem Drängen gefolgt und beschenken mit Biografien und Einführungen Wagner-Fans und solche, die es werden wollen.

Affektspektakel und Reflexion Vor allem Letztere haben es dabei jedoch recht schwer. Denn abgesehen von den rein biografischen Titeln setzen die Bücher in ihren Werkbeschreibungen und Interpretationen immer schon eine mehr oder weniger breite eigene Erfahrung des Lesers mit Wagners Opern voraus. Die Studien reflektieren und bewerten Wagners Werk aufgrund dieser Erfahrung, vermitteln sie ihren Lesern aber nicht. Zugleich entziehen sich Wagners Werke jedoch einem uninformierten Publikum, zumindest dann, wenn es um mehr gehen soll als um ein großes „Rauschen“ oder „akustische Halluzinationen“, in denen sich die von der Musik erregten Leidenschaften verlieren. Zwar

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Sachbücher

wollte Wagner einen solchen Affektrausch beim Zuschauer erregen, verband das aber immer auch mit einer ethischen Dimension, die sich aus dem Wechselspiel von Musik, Text, Schauspiel und Bühnenbild ergibt, also aus dem, was zusammen Wagners Gesamtkunstwerk ausmacht. Diese ethische Dimension droht jedoch in der bloßen Erfahrung der Oper als Spektakel, die sich in deutschen Opernhäusern gut beobachten lässt, verloren zu gehen, wie Martin Geck in seiner Wagner-Biografie schreibt. Der Leser sitzt damit in einer Zwickmühle: Er muss hören, lesen, wieder hören, wieder lesen usw. Eine Ausnahme bildet Loriots humoristische Erzählung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, die nun als Hörbuch wiederaufgelegt wird und auch Hörbeispiele bietet. Loriot gibt allerdings nur einen allerersten Überblick, der sich vor allem auf den Inhalt konzentriert. Eine Kombination von Analyse und Hörbeispiel wäre auch für andere Titel wünschenswert gewesen. Weniger dringlich ist die eigene musikalische Erfahrung bei eher kulturgeschichtlichen Betrachtungen wie denen von Dieter Borchmeyer oder Jens Malte Fischer, weil diese ihre Analysen vor allem am Text und an philosophischen Zusammenhängen begründen, jedoch kaum am musikalischen Material. Für eine fruchtbare Lektüre von Gecks großer Studie, Joachim Kaisers „Leben mit Wagner“ oder Christian Thielemanns „Mein Leben mit Wagner“ ist eine solide Werkskenntnis jedoch Voraussetzung. Dabei bezeichnet der kleine Unterschied im Titel der beiden letzten Bücher zugleich einen großen Unterschied im Vorgehen. Während der Musikkritiker Kaiser sich nämlich auf eine einführende Analyse von Wagners Werk konzentriert und seine eigene Person und individuelle Wertung möglichst hinter Argumente zurückstellt (und von sich auch nur in Klammern spricht), putzt der berühmte Dirigent Thielemann die eigene Person heraus. Seine Leser sollten sich für Thielemann ebenso interessieren wie für Wagner, um an diesem Buch Freude zu haben.

Andreas Völlinger, Flavia Scuderi: Wagner Knesebeck, 48 Seiten, 19,95 Euro Erscheint Mitte Juni

Ausrucksvolle Zeichensprache: Wagners Lebensgeschichte als Graphic Novel in Buchform und als interaktive Wagnerwahn-App mit 240 animierten Zeichnungen

„Garstiger Gauch“ Die Person Wagners scheint, abgesehen von seinem großen Humor, von dem manche Anekdoten zeugen, eher unangenehm gewesen zu sein. Das lag weniger daran, dass Wagner ständig pleite war, aber auf großem Fuß lebte, weshalb er jeden penetrant um Geld anging. Im Leben auf Pump war Wagner ein fast noch größerer Künstler als in der Musik. Und das lag auch nicht daran, dass er meinte, die Welt schulde ihm ein gutes Auskommen, damit er „bei guter Laune schaffen“ könne, wie er einmal an seinen Schwiegervater, den Komponisten Franz Liszt schrieb. Beides war im 4·2013

Dieter Borchmeyer: Richard Wagner. Leben – Werk – Zeit Reclam, 404 Seiten, 22,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Jens Malte Fischer: Richard Wagner und seine Wirkung Zsolnay, 320 Seiten, 19,90 Euro Martin Geck: Wagner. Biographie Siedler, 416 Seiten, 24,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Eckhard Henscheid: Götter, Menschen und sieben Tiere Reclam, 222 Seiten, 24,95 Euro Elfriede Jelinek: rein GOLD. Ein Bühnenessay Rowohlt, 242 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Joachim Kaiser: Leben mit Wagner Siedler, 240 Seiten, 16,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

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19. Jahrhundert weder ungewöhnlich noch eine Schande. Eine Schande ist aber sein Antisemitismus, den er in „Das Judenthum in der Musik“ (1850 und 1869 in verschärfter Fassung) in eine Kunstphilosophie münzte und damit zum Vorreiter eines kulturellen Antisemitismus wurde, den die Nationalsozialisten fortführten. Persönlich rieb sich Wagners Antisemitismus insbesondere am Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, den Wagner für all das hasste, was dieser ihm voraushatte (eine gute Familie, Anerkennung, Eleganz, Ruhm und Reichtum), dem er diese Aversion aber verhehlte, solange er von ihm zu profitieren versuchte. Und den er dann zum Kronzeugen einer jüdischen Unmusikalität und kulturellen Unterlegenheit machte, als er von ihm nichts mehr zu erwarten hatte, weil Mendelssohn gestorben war und sich weder wehren noch Wagner irgendwie weiter nützen konnte. Musikalische Ideen von Mendelssohn hat Wagner freilich weiterhin benutzt. Wie wirkungsreich dieses Menetekel für die deutsche Beziehung zu Wagner war und ist, zeigt neben Fischer auch Sven Oliver Müller in seiner Untersuchung über „Wagner und die Deutschen. Eine Geschichte von Hass und Hingabe“. Dabei hat die Begeisterung für das Werk meist die Antipathie gegen die Person vergessen lassen. Schon Gustav Mahler hatte persönlich unter einem aggressiven Antisemitismus zu leiden, wollte aber dennoch Wagners „unsichtbares Theater“ in seinen eigenen Kompositionen fortführen.

Musikalische Überwältigung Dabei war Wagner, anders als Mahler, die Musik zunächst nur Mittel zum Zweck und sollte die von

Text und Schauspiel getragene Bedeutung unterstützen. Erst später wurde sie zum selbständigen Ausdruck von dem, was Text und Schauspiel nur exemplarisch zeigen, der Idee. Die Musik spricht nicht eine individuelle Liebe oder Leidenschaft aus, sagt Wagner, sondern die Liebe oder Leidenschaft selbst. Damit steht Wagner einerseits fest im Kontext der romantischen Kunstphilosophie und nimmt doch eine Sonderstellung ein, wie insbesondere der Vergleich zu den Opern des gleichalten Verdi zeigt, den Holger Noltze zieht. Während Verdis am Markt orientierten Opern ihr Publikum zwar verführen, nie aber beherrschen wollen, ist genau das Wagners erklärte Absicht. Die Suggestivkraft der visuellen Musik und der Stabreime im Libretto, der mächtigen immer wiederkehrenden Leitmotive und der imposanten Bühnentechnik, der erstmals verdunkelte Zuschauerraum und das unter dem „mythischen Abgrund“ (einer Haube) versteckte Orchester in Bayreuth, das die Musik erleben lässt, als quelle sie aus den Sitzen, die großen Gefühle und großen Konflikte der mythischen Stoffe – all das soll den Zuschauer überwältigen und seine Belehrung durch die Moral der Oper erzwingen. Wagnerianer zu sein, ist deshalb mehr als eine musikalische Leidenschaft. Es ist eine Art Weltanschauung. Wie produktiv die Auseinandersetzung damit sein kann, zeigt Elfriede Jelineks Bühnenessay „rein GOLD“. In einem fiktiven Gespräch zwischen dem Göttervater Wotan und der Walküre Brünnhilde schreibt sie das Drama um die Gier vom „Ring des Nibelungen“ fort bis in die zeitgenössische Wirtschaftskrise. Damit legt sie die kapitalismuskritische Dimension von Wagners Oper offen und aktualisiert sie als ein Spiegel der eigenen Gefühle.

Hörbuch-Tipp Live in Bayreuth

Donnerstag, 15. August 2013 Matinee Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner. Sein Leben. Sein Werk. Sein Jahrhundert Lesung: Ulrich Noethen, Gespräch: Heinz-Dieter Sommer und Hans Sarkowicz (Hessischer Rundfunk)

Ort: Bayreuther Festspiele, Bistro des Festspielhauses, Im Festspielhügel 1–2, 95445 Bayreuth

Martin Gregor-Dellins Biografie ist ein Klassiker, der Wagners Lebensdrama in einer fesselnden Sprache erzählt – kombiniert mit enorm fundierter Kenntnis der Originalquellen. Die Hörbuchfassung, eingerichtet von Heinz-Dieter Sommer, unterstreicht die gelungene Verbindung von Lebens- mit allgemeiner Zeitgeschichte. Und auch Ulrich Noethen hält gekonnt die Balance: Er erzählt und berichtet, er taucht ein und wahrt Distanz. Osterwold Audio, ca. 900 Min./15 CDs, 49,99 Euro

Loriot erzählt Richard Wagners Ring des Nibelungen Deutsche Grammophon Literatur, ca. 150 Min./ 2 CDs, 21,99 Euro Sven Oliver Müller: Richard Wagner und die Deutschen. Eine Geschichte von Hass und Hingabe C. H. Beck, 351 Seiten, 22,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Holger Noltze: Liebestod. Wagner, Verdi, Wir Hoffmann und Campe, 448 Seiten, 24,99 Euro Christian Thielemann: Mein Leben mit Wagner C. H. Beck, 319 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Hörbuch Gelesen von Ulrich Tukur DAV, 349 Min./5 CDs, 24,99 Euro

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Live-Hörspiel | Sachbücher

Ein Mann, Ein Ring Richard Wagners kompletter „Ring des Nibelungen“ aus dem Hals von nur einer Person? Stefan Kaminski macht es mit seinem Hörspieltheater möglich. Im BÜCHER-Interview erzählt der „Stimmenmorpher“, was ihn dabei geritten hat. Interview: Christian Bärmann

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err Kaminski, wie sind Sie darauf gekommen, dem „Ring“ von Wagner ein komplett neues Gewand zu verpassen? Ich habe durch die Lektüre des „Rheingold“-Librettos und das Hören der Oper Gefallen an der Geschichte gefunden, an den starken Figuren, die darin vorkommen. Mit ihren spannenden Biografien transportieren sie ganz große Kosmen, die viele Parallelen zur heutigen Zeit aufweisen. Der „Ring“ ist ein Weltepos, eine mythologisch verwurzelte Geschichte, die absolut in die Neuzeit hineinsticht. Es geht um das Versagen von Politik, unerfüllte Träume, gelebte Ängste, Naturzerstörungen, Neid, Missgunst, Verrat, Liebe … Dinge, die heute auch junge Menschen und sogar bereits Kinder kennen. 4·2013

Haben Sie sich angesichts der Opulenz des Originals dennoch mal gefragt, worauf Sie sich da eingelassen haben? Diese Gedanken gab es tatsächlich, denn im Nachhinein musste ich feststellen, welche Größe dieses Werk hat – musikalisch ohnehin, aber auch inhaltlich. Im „Rheingold“ ist der Inhalt noch überschaubar. Aber ab „Walküre“ kommen deutlich mehr Figuren ins Spiel. Wotan beginnt, zu bröckeln, Liebe spielt eine Rolle, und es gibt tiefe geschichtliche Rückblicke. Es war schon eine Herausforderung, etwa die „Götterdämmerung“, die Wagner in sechs Stunden erzählt, auf 80 bis 90 Minuten zu verknappen. Ich wollte das knackig, sehr filmisch erzählen – und da wurde mir bewusst, auf was ich mich da eingelassen hatte. Aber ich habe mich reingebissen,

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umgestellt und umgeschrieben, bis meine Erzählform die adäquate war. Oft wird Wagner ja belächelt für seine Reime, aber ich habe mir die Dinge herausgesucht, die bestechend sind. Er hat eine große Genauigkeit, einen großen Witz und auch Schlüpfrigkeit in seinen Stabreimen und Alliterationen – das habe ich mir gegriffen und versucht, die Figuren sehr plastisch zu zeichnen. Haben Sie die Umsetzung sofort im Kopf gehabt? Ja, diese Geschichte hat mich angestochen, ich konnte mir sofort vorstellen, wie bestimmte Passagen klingen, welche Atmosphäre gewisse Szenen haben müssen und welche Stimmen die Figuren. Wir haben es tatsächlich geschafft, alle vier Teile mit ganz unterschiedlichen Atmosphären auszustatten: „Rheingold“ ist ein Urmythos, die „Walküre“ eine zarte Liebesgeschichte und Tragödie, „Siegfried“ ist eine Slapstick-Explosion, ein Märchen, von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen, und die „Götterdämmerung“ ist der Abgrund, ein bestialischer Krimi von großer Kälte – in dem wir auch musikalische Zerstörung stattfinden lassen. Dazu kommt, dass gerade das zu hörende Wort in der Oper ja kaum stattfindet. Es gibt wunderbare Gesänge und musikdramaturgisch verbundene Librettophrasen, aber wenn man den Inhalt nicht kennt, versteht man den Text meistens nicht. Und wenn man sich mit den Ober- und Untertiteln befasst, verpasst man Handlung auf der Bühne … Sie bieten also die erste Oper, die man auch versteht? Nein, um Gottes willen. Die Oper ist ein tolles Medium, aber ich freue mich, mit meinen Musikern etwas Neues geschaffen zu haben, das ich Hörspieltheater nenne – eine Mischung aus Theater, Hörspiel und Bühnenwerkstatt. Ich bin gestisch und mimisch aktiv,

spiele den Text frei und habe mich auch des Librettos sehr stark bedient. Ich habe Figuren die heutige Sprache verliehen, zeitgenössische Momente geschaffen oder bin dem Libretto von Richard Wagner besonders treu geblieben. Ein Rezensent befand, Sie böten Wagner für Anfänger. War das auch Ihre Motivation? Nein, das war zunächst eine ganz persönliche Angelegenheit. Ich hatte nicht das Ziel, Wagner für Anfänger zu machen – es kann sein, dass dieser Aspekt nun die Folge meiner Bearbeitung ist. Bei „Siegfried“ sehe ich oft Eltern mit ihren Kindern, bei der „Götterdämmerung“ eine Mischung aus Studenten, Punks, Wagnerianern und normalen Opernfreunden – von acht bis 80 sind auch wegen des Unterhaltungswertes alle Schattierungen vertreten. Die einen freuen sich, weil sie die Tiefe des Werkes wiederfinden. Und diejenigen, die andere Aufführungen wie „Kong“ oder „Es kam von oben“ von uns kennen, stoßen auf eine ganz andere Art von Sprache und Tiefe in der Geschichte – das führt sie in den Stoff hinein. Auch ich war ein Anfänger, als ich mich mit Wagner beschäftigt habe. Ich wollte mich mit dem Geist, dem Gefühl und dem Witz, den ich in mir habe, und als Mensch unserer heutigen Zeit daransetzen, diese Geschichte loyal zu erzählen, aber eben mit meinen Mitteln und absolut frei. Sie sprechen von Hörspieltheater – wirkt Ihr „Ring“ auch abseits der Bühne? Auf jeden Fall. Beim Hörspieltheater kann man natürlich sehen, wie das Ganze entsteht, durch sehr skurrile Instrumente und eine Vielfalt an Geräuschen. Das alles ergibt eine klangliche Dampfsauna, die die Zuschauer audiophil in den Bann zieht. Mit der theatralen Tiefe und

Nach Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen, Mit Stefan Kaminski, GoyaLiT, Hörspiel, 306 Min./4 CDs, 29,99 Euro

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Fotos: Iko Freese, Alexej Sauer

Wagners „Götterdämmerung“ als Hörspieltheater von Kaminski On Air im Deutschen Theater Berlin


Sachbücher

dem klanglich völlig neuen Bild kommt das Ganze einem Rockkonzertbesuch sehr nahe. Aber auch als Hörspiel funktioniert unser „Ring“. … wobei man sich trotz Ihrer sagenhaften Stimmenvielfalt beim Hören der CDs ziemlich konzentrieren beziehungsweise bereit sein muss, sich auf diese neue Form einzulassen. Ja, man muss schließlich erst mal die Aufgabe bewältigen, dieses Format an sich zu begreifen. Was passiert da überhaupt? Das funktioniert nun einmal nicht so wie ein im Studio aufgenommenes Hörspiel – bei dem man klare Figuren und einen Erzähler hat, der einen durch die Handlung führt. In diesem Fall ist das verwobener, man muss genau hören, wann welche Figur gemeint ist, denn die Stimmen kommen ja nur von mir. Dazu kommt diese seltsame Musik – diese Verbindung aus E-Cello, Gartenschlauch mit Tubamundstück und Glasharfe hat man ja auch noch nicht so gehört. Das ist eine fremde akustische Landschaft, die einen in diese Welt hineinsaugen soll. Erst wenn man das verstanden hat, kann man sich so richtig der Geschichte hingeben und sie dann auch noch einmal hören. Auf der Bühne erhält der Zuschauer die komplette Packung, die eindeutig ist. Aber auch die Hörspielfassung lässt der Handlung folgen, weil man sich der Illusion hingeben kann, dass die Stimmen nicht nur aus einem Hals kommen. Sie haben als Jugendlicher vor allem Heavy Metal gehört und bauen nun im „Ring“ auch Schlager- und Rap-Musik ein. Haben Sie durch Wagner eine neue Vielfalt entdeckt? In meiner Jugend habe ich Heavy Metal sehr stark gelebt. Mittlerweile interessiert mich Musik generell, da gehört auch Country, Elektronik und Pink Floyd dazu – mich begeistert Musik, die Geschichten erzählt. Deswegen ist es wichtig für meine Musiker und mich, dass unsere Abende eine musikalische Landschaft erzählen, die ich mit der Sprache als zusätzliches Instrument zu einer theatralen Oper verschmelzen lassen kann. Deswegen habe ich mich bemüht, den Figuren, die im „Ring“ als Sonderlinge auftreten, eine eigene klangliche Umwelt zu schaffen. Deswegen singt Siegfried auch den Schmachtfetzen? Ja, denn Siegfried ist die zweite Generation nach Wotan, hört deswegen auch andere Musik und hat andere Werte – deshalb fand ich ein frisches und freies Liebeslied, das aber aus Originalmotiven besteht, angemessen. Das zeigt im Grunde auch den Überschwang dieser beiden liebenden Menschen, es geht mit Siegfried durch, und kann ruhig nach Karel Gott klingen. Kein musikalischer Stil ist romantischer und eindeutiger als der Schlager. Der Halbgott Loge im „Rheingold“ fährt hingegen einen ganz anderen Takt, weil er einen anderen Background hat, der von den Göttern weg und eigentlich nur ins Feuer zurück will. Er hat die Nase voll – und hat bei mir deswegen diesen Rap bekommen, weil es ein krasser Gegensatz zur WagnerMusik ist und diese Street-Credibility hat, den Geist von den Fantastischen Vier und das Rotzige von Sido.

Ein ziemlich perfektes Leben. Bis die Vergangenheit anklopft. Der neue Roman von Doris Knecht

Auch als E-Book

© Pamela Rußmann

Sie treten im August im Begleitprogramm der Bayreuther Festspiele auf. Ist das der Ritterschlag? Es ist eine große Ehre, dort zu sein. Wir treten zu der Zeit auf, wenn der „Ring“ im Festspielhaus läuft und die ganze Welt zu Gast in Bayreuth ist. Wir werden vor etwa 400 Leuten im schönen Europasaal auftreten und freuen uns schon wahnsinnig darauf. 288 Seiten. Gebunden € 19,95 (D) / € 20,60 (A) / sFr. 28,50 (UVP)

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Jenny Lawson

Das ist nicht wahr, oder? Übersetzt von Wolfram Ströle „Nennt mich Ismael. Ich reagiere zwar nicht darauf, weil ich nicht so heiße, aber es klingt viel besser als die meisten anderen Dinge, die man mich nennt.“ Jenny Lawson – wenn Sie nicht wissen, wer sie ist, sehen Sie auf theblogess.com nach, es lohnt sich auf jeden Fall – legt mit „Das ist nicht wahr, oder?“ ihre Autobiografie vor. Aufgewachsen ist sie in einem winzigen Nest in Texas in einer Familie, die so arm war, dass die Kinder selbst gemachte Winterschuhe aus Brotbeuteln trugen. Dafür überraschte der Vater, ein Tierpräparator, seine Töchter mit Geschenken, etwa einer Badewanne voll Waschbären oder einer Handpuppe aus einem Eichhörnchenkadaver, von dem noch das Blut tropfte. Ob eine kausale Verbindung besteht, ist unklar, aber Jenny Lawson entwickelte eine schwere Angststörung. Die Nervosität im Umgang mit Menschen, mit der sie bis heute kämpft, verursacht witzige, entlarvende Geschichten. Mit dem klaren Blick der Außenseiter und dem schwarzen Humor der Unberechenbaren beobachtet sie ihre Umgebung und die Menschen darin aus einer einzigartigen Perspektive. Was sie sieht, ist skurril, ihre Schilderungen sind tragikomisch und geistreich. Aber dieses ganze Buch wäre unendlich viel cooler, wenn die Autorin nicht selbst ständig betonen würde, wie „durchgeknallt“, „verrückt“ und „total wahnsinnig“ alles sei. (ed)

Navid Kermani

Allen Frances

Ausnahmezustand

Normal

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von B. Schaden

Erzählen und gleichzeitig erklären, dies aber unaufdringlich: Das ist die hohe Kunst der Reportage, die Kermani hervorragend beherrscht. Auf einer Reise zu pakistanischen Sufis lernt der Leser die vielen Facetten des Islams kennen. Der Besuch in einem syrischen Krankenhaus sagt mehr über Gewalt, Propaganda und die Absurdität der Welt als tausend Fernsehbilder. Einige Berichte sind veraltet, sodass man sich fragt, ob die Publikation einiger journalistischer Beiträge in Buchform wirklich klug war. Der Titel ist außerdem nicht besonders gut gewählt, denn Kermanis Hinweise auf einen vermeintlichen „Ausnahmezustand“ bleiben vage. Gleichwohl erweitert die Lektüre den Horizont. (clb)

Seit Jahrzehnten gilt das „Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen“ (DSM) als ein bewährtes Instrument der Fachleute, um zwischen geistiger Gesundheit und Krankheit zu unterscheiden. Frances war Vorsitzender der Kommission für die vierte Version des DSM. Am neuen, stark umgearbeiteten und erweiterten DSM-5 übt er scharfe Kritik: „Aus einer nuancierten Psychiatrie ist eine Checklisten-Psychiatrie geworden. Sie ebnet individuelle Unterschiede ein und vereinheitlicht maßgeschneiderte Therapien.“ Zur Last des Patienten, wie Frances anhand Individualfälle darlegt. Das lesenswerte Buch zeigt ebenfalls, wie fließend die Übergänge zwischen krank und gesund sind. (ang)

C. H. Beck, 253 Seiten, 19,95 Euro

Auch als E-Book erhältlich

Dumont, 320 Seiten, 22 Euro Auch als E-Book erhältlich

Fulvio Ervas

Richard L. Brandt

Wenn ich dich umarme …

Ein Klick Übersetzt von S. Schilasky

Übersetzt von Maja Pflug

schön und umwerfend komisch.

Autisten brauchen Routine. Genau das Gegenteil erlebt der 18-jährige Andrea. Sein Vater unternimmt trotz ärztlicher Warnungen mit dem autistischen Teenager einen Roadtrip per Motorrad. Gemeinsam reisen sie fast 40 000 Kilometer über den amerikanischen Kontinent. 123 Tage, die die Beziehung von Vater und Sohn verändern werden. Es ist eine Erzählung voller Leidenschaft, Freiheit, Mut und Verwirklichung. Andrea lernt das Leben in praller Vielfalt kennen, statt in stumpfen Stereotypien. Eine bewegende Geschichte in schöner Sprache und voller abenteuerreicher Episoden, die noch mehr berühren könnte, würde über Emotionen nicht so schnell gebügelt wie über die Straßen Amerikas. (ole)

Wer in Jeff Bezos einen weiteren Visionär à la Steve Jobs erwartet hat, wird enttäuscht. Brandt stellt die Triebfeder hinter dem Internetgiganten eher als einen ideenreichen Geschäftsmann dar. Dass sich der clevere Bezos ausgerechnet den Buchmarkt für seinen großen Aufstieg aussuchte, ist eher ein Resultat wirtschaftlichen Kalküls denn Leidenschaft für das Thema. Wenn sich der heute 49-Jährige einst etwas auf die Fahnen geschrieben hatte, war es den Kunden perfekten Service zu liefern. Brandt hat für die Biografie über „Mr. Amazon“, für die er journalistische Artikel sorgfältig ausgewertet hat, ganze Arbeit geleistet und schildert dessen Werdegang detailreich mit allen Höhen und Tiefen. (ole)

Metrolit, 368 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Diogenes, 319 Seiten, 16,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

Redline, 192 Seiten, 14,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Dies ist Amerika, wie Sie es noch nie gesehen haben. Unheimlich blutig, schäbig

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Bücher | Sachbücher

eter Jentschura 30 Jahre Verlag P

Robert und Edward Skidelsky

Wie viel ist genug? Übersetzt von Thomas Pfeiffer, Ursel Schäfer Angesichts wachsender Produktivität glaubte John Keynes, dass die wöchentliche Arbeitszeit 2030 nur noch 15 Stunden betragen werde. Warum es vielen nicht zum guten Leben reicht, während wenige Milliarden zusammenraffen, ergründen der Ökonom Robert und der Philosoph Edward Skidelsky. „Gefühlter“ Wohlstand sei relativ. Manche Leute fühlten sich nicht gut, solange es anderen besser zu gehen scheine. Bei ihrer Suche nach Auswegen gelingt den Autoren eine auch für Laien gut nachvollziehbare Analyse des vom Wachstumswahn befeuerten Kapitalismus. Ihr Gegenentwurf mit Grundeinkommen und Konsumsteuern aber klingt ein wenig nach fürsorglicher Bevormundung. (ub)

Antje Kunstmann, 280 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Olaf Fritsche

Die neue Schöpfung Deutsche Originalausgabe

Gentechnik polarisiert. Himmel oder Hölle und wenig dazwischen. Laut Fritsche ist aber eines gewiss: Die Welt wird sich grundlegend ändern, egal was wir davon halten. Er widmet sich dem Stand der Forschung von der Krebsheilung bis zur Schaffung künstlichen Lebens oder zur bakteriellen Herstellung von Öl. Einiges wirkt skurril, vieles hoffnungsvoll, aber auch bedrohlich. Fritsche betont, dass „gut“ und „böse“ hier nicht weiterhelfen – wir müssen (neu) lernen, vor allem die Schulen seien gefordert. Sein Fokus ist die Welt von 2050. Die „Laborbuchseiten“, die wissenschaftliche Grundlagen vermitteln sollen, greifen zu kurz. Insgesamt ein gut geschriebener, aber oft sehr spekulativer Diskussionsbeitrag. (jd)

Julian Assange, Jacob Appelbaum, Andy Müller-Maguhn, Jérémie Zimmermann

Cypherpunks Übersetzt von Andreas Simon dos Santos Gipfeltreffen der Cypherpunk-Großhirne in der ecuadorianischen Botschaft in London. Der Australier Assange diskutiert mit dem Amerikaner Appelbaum, dem Deutschen Müller-Maguhn und dem Franzosen Zimmermann über die Zukunft des Internets. An zahlreichen konkreten Beispielen schildern die Netzaktivisten, wie das Internet zu einer Spionagemaschine geworden ist, die von Regierungen und globalen Konzernen kontrolliert wird. Da hilft nur die digitale Revolution – und wie die aussehen könnte, ist das kontroverse Thema dieses Buches. Privatsphäre durch Chiffrierung der persönlichen Daten, daran arbeiten seit den 1980er-Jahren die Cypherpunks, weil die Netz-Architektur eben auch die politische Situation definiert. Und so läuft alles darauf hinaus, weg von den zentralistischen Strukturen, politischen und wirtschaftlichen wie Google, Facebook & Co. zu kommen. Statt „die vier Reiter der ‚Infokalypse‘: Kinderpornografie, Terrorismus, Geldwäsche und der Krieg gegen Drogen“ als Rechfertigung für die totale Überwachung zu akzeptieren, ist der Tenor die Besinnung auf die Selbstbestimmung. Oder wie Andy Müller-Maguhn es formuliert: „Im Endgerät des Endnutzers, das ist dieses Ding zwischen deinen Ohren – das ist der Ort, wo du filtern solltest.“ (ts) Insider-Informationen zur globalen NetzKontrolle und provokante Visionen von

19.ge

Aufla 210.000 Stück verkauft

Eine saubere Zelle wird nicht krank! Seit mehr als 30 Jahren erforscht Dr. h. c. Peter Jentschura den menschlichen Stoffwechsel! Das von ihm entwickelte dreistufige Entschlakkungssystem ist einfach und für jedermann zu Hause leicht durchzuführen: Schlackenlösung, Neutralisierung und Ausleitung der gelösten Säuren und Gifte aus dem Organismus über die Haut und über die Nieren.

Unser Körper macht nichts falsch! Die Autoren betrachten die Entstehung von Krankheit aus einer ganz neuen Perspektive. Sie zeigen auf, wie wir die Sprache unseres Körpers besser verstehen, und ihm durch kluge Ernährung und richtige Körperpflege helfen, dauerhaft gesund zu bleiben. Egal, wie alt Sie sind: Fangen Sie an! Ihr Körper wird es Ihnen danken!

der Cypherpunk-Elite.

Dr. h. c. Peter Jentschura · Josef Lohkämper ISBN 978-3-933874-33-7 · 260 Seiten · € 24,50

Leseproben: www.verlag-jentschura.de Rowohlt, 288 Seiten, 19,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Campus, 200 Seiten, 16,99 Euro, Inklusive E-Book

Verlag Peter Jentschura 4·2013

Telefon +49 (0) 25 36 -75 34 29 90


BÜCHERSCHAUFENSTER

Bild- und wortreicher Lesestoff für alle Bibliophilen und Literaturverrückten, die sich auch für die Geschichten hinter den Büchern interessieren.

Im Gedächtnis der Worte

In den Satzspiegel schauen

Bibliophile lesen und lieben auch die textlosen Botschaften der Bücher. Wulf D. von Lucius widmet diesen kostbaren und besonderen Büchern sein Sammlerleben und reflektiert in diesem Buch für Bibliophile die Geschichte von Buchästhetik und Buchkunst beispielhaft an Buchgestaltern und Autoren und dem Sammeln selbst.

„Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, lautet ein zentraler Satz aus Max Frischs Roman „Mein Name sei Gantenbein“. Das Lesen von Geschichten gleiche einer intellektuellen Kleiderprobe, erklärt Stefan Bollmann, der Leselust in ihrer geschichtlichen Bedeutung nachgeht, um das Glück in der Literatur durch den jeweiligen Zeitgeist aufzulesen. Stefan Bollmann: Warum Lesen glücklich macht Insel Verlag, 144 Seiten, 9,95 Euro

Wulf D. von Lucius: Das Glück der Bücher Berlin University Press, 240 Seiten, 39,90 Euro

In ausgewählter Gesellschaft

In Bücherwelten leben

In diesem wortreichen Bildband öffnen 20 Bücher-Menschen wie die Verleger Gerhard Steidl und Florian Langenscheidt, die Autoren Ildiko von Kürthy oder Wolfram Siebeck (im Bild) und die Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg ihre Wohnungen, zeigen ihre bildschönen Buchschätze und erzählen Stefanie von Wietersheim aus ihren Lesebiografien – inklusive der Bücher, die sie gerettet und verändert haben.

Ob „Berlin Alexanderplatz“ oder „Die Buddenbrooks“, ob Cervantes, Chandler oder Coetzee – dieser ziegelsteindicke Wälzer versammelt die Meilensteine und Bestseller der Literaturgeschichte von den Märchen aus „1001 Nacht“ bis hin zu Jonathan Franzens „Freiheit“ – ausgewählt und vorgestellt von 157 internationalen Rezensenten. Peter Boxall: 1001 Bücher, die sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist 5. aktualisierte, Olms, 960 Seiten, 29,95 Euro

Fotos: Renate von Mangoldt, Claudia von Boch

Stefanie von Wietersheim, Claudia von Boch: Vom Glück mit Büchern zu leben Callwey, 192 Seiten, 29,95

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Dossier bücherWelten Im Auge behalten

Schwarzweißaufnahmen aus 50 Jahren Literaturgeschichte in einem einzigartigen Autoren-Bilderbuch: Als Hausfotografin des Literarischen Colloquium Berlin zog Renate von Mangoldt 1964 nach Berlin und von dort dann auch hinaus in die Welt, um Schriftsteller zu fotografieren. „Ich sehe mich als Begleiterin und Bewahrerin der vielen Momente, die als Bilder nur die Fotografie festhalten kann. Aus den Fluss der Zeit herausgefischte Augenblicke.“ Renate von Mangoldt: Autoren. Fotografien 1963 – 2012 Steidl, 544 Seiten, 38 Euro

Verlosung

BÜCHER verlost je drei Bildbände von „Autoren“ (Steidl). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3.

In den Wörtern hausen

Der Bibliothekar Matthew Battles erzählt von der untergegangenen Bibliothek in Alexandria, von der British Library, von mittelalterlichen Klosterbibliotheken oder der Privatbibliothek Jonathan Swifts und von seinem Arbeitsplatz, der „Widener Library“ in Harvard. Eine kenntnisreiche Lesereise zu den entscheidenden Wendepunkten in der über dreitausendjährigen Geschichte des Büchersammelns als kulturelles Gedächtnis der Menschheit. Matthew Battles: Die Welt der Bücher. Eine Geschichte der Bibliothek Übersetzt von Sophia Simon Artemis & Winkler, 255 Seiten, 19,99 Euro

In die Weltgeschichte eingeschrieben

Von der Erfindung der Schrift durch die Sumerer bis zum heutigen E-Book zeichnet Martyn Lyons die Evolution der Schreib- und Lesekultur kenntnisreich nach. Eine illustrierte Geschichte der Alphabete, Satzzeichen und Wortabstände von den Schriftrollen über den Buchdruck mit beweglichen Lettern bis hin zu unseren heutigen digitalen Lesewelten. Martyn Lyons: Das Buch. Eine illustrierte Geschichte Übersetzt von Birgit Fricke und Jutta Orth Gerstenberg, 224 Seiten, 29,95

Im buchstäblichen Sinn

„Große Literatur ist einfach Sprache, die bis zur Grenze des Möglichen mit Sinn geladen ist“, zitiert sich Ezra Pound selbst und weiß als einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts, wovon er redet. In seinem Alphabet des Lesens lieferte er 1934 seinen Lesern ein zuverlässiges Gerüst der Bewertung von literarischen Werken aller Zeiten und Breitengrade – und erweist sich dabei als subversiver Humorist, der beherzt die Spreu vom Weizen trennt.

InFrage gestellt

Wann beginnt die deutsche Literatur und mit welchem Werk? Warum musste Emilia Galotti sterben? Was sollen die Gespenster im Realismus? Sind Sportnachrichten Literatur? Kenntnisreich und unterhaltsam führt Oliver Jahraus seine Leser vom Mittelalter bis zur unmittelbare Gegenwart und erklärt in den Antworten auf ungewöhnliche Fragen die wichtigsten literarischen Werke deutscher Literatur. Oliver Jahraus: Die 101 wichtigsten Fragen: Deutsche Literatur, C. H. Beck, 192 Seiten, 10,95 Euro

Ezra Pound: ABC des Lesens Übersetzt und mit einem Nachwort von Eva Hesse Arche, 144 Seiten, 14,95 Euro

Im erlesenen Minutentakt

Ein kurzweiliger Spaziergang durch die deutschsprachige Literatur voller Seitenwege. Thomas Zirnbauer eröffnet neue, überraschende Blickwinkel, indem er SchriftstellerInnen in thematischen Kombinationen quer durch alle Genres und Epochen vorstellt, etwa in neun Paragrafen über Recht und Unrecht von der Wilderei (Schillers Räuber) bis hin zur Anstiftung zum Mord (Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“). Thomas Zirnbauer: Deutsche Literatur in 60 Minuten Thiele, 120 Seiten, 8 Euro

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Im Buchwesen lesen

Eine Reise hinter die Kulissen der Bücher, die von den Geschichten hinter den Geschichten erzählt: Experten aus der Branche, Drucker, Kritiker und Buchhändler, berichten von ihrer Leidenschaft für Literatur. Vom Autor, der von der Ideenfindung erzählt, bis zur Buchbinderin kommen alle zu Wort, die den Worten ein Zuhause schaffen. Aufbaustudiengang Münchner Buchwissenschaft 2011: Bücher machen Menschen Allitera, 240 Seiten, 14,90 Euro

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Dossier bücherWelten

Ausstellungen Unter vier Augen Porträts sehen, lesen, hören

Ins Bild gerückte Auslese

Eine visuelle Zeitreise, die den Kanon der Buchgestaltung in der westlichen Welt aus mehr als fünfhundert Jahren illustriert. Der bildschöne Einblick in die technische und künstlerische Entwicklung des Buchdrucks seit seiner Erfindung zeigt, wie sehr sich nicht nur unser Blick auf die Welt, sondern auch das Bild der Welt im Medium Buch wandelt: von den frühen Atlanten oder fantastischen Tierbüchern des 16. Jahrhunderts bis zu konstruktivistischer Kühle aus den 1950er-Jahren. Mathieu Lommen, Cees W. de Jong (Hg.): Das Buch der schönsten Bücher DuMont, 458 Seiten, 49,95 Euro

Wovon Porträts erzählen: Dieses einzigartige Ausstellungsprojekt bringt die Bildnisse aus sechs Jahrhunderten zu Sprache. Namhafte deutsche SchriftstellerInnen wie Herta Müller, Martin Walser, Wilhelm Genazino und Juli Zeh nähern sich den Porträts von Malern wie Rubens, Rembrandt, Renoir und Kirchner durch sprachliche Erkundungen in Form von Geschichten, Essays, Charakterskizzen und Gedichten. Durch die Vertonung aller Texte als Audioguide trifft die Literatur unmittelbar auf die Kunst und eröffnet so ganz neue Perspektiven. 13. Juli – 20. Oktober 2013, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Hans-Thoma-Str. 2-6, www.kunsthalle-karlsruhe.de Ausstellung-Katalog: Kerber Verlag, 396 Seiten, 29,90 Euro kostenlose App mit Auswahl der Hörtexte ab 13. Juli

Bambi und die Relativitätstheorie: Bücher auf dem Scheiterhaufen der Nazis

Am 10. Mai vor achtzig Jahren inszenierte die Deutsche Studentenschaft Bücherverbrennungen als Höhepunkte großangelegter „Aktion(en) wider den undeutschen Geist“. Jüdische, marxistische und pazifistische Autoren traf das Verdikt des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. 2012 vermachte George Warburg die 400 Werke seiner Sammlung verfemter Literatur von Belletristik bis Wissenschaft dem Jüdischen Museum Berlin. Die Kabinettausstellung zur Warburg-Sammlung läuft bis zum 15. September 2013. Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14 www.jmberlin.de Erich Kästner ist doppelter Kronzeuge der Schandtat des Bücherverbrennens: In vier erstmals gesammelten Texten erzählt Kästner, was 1933 und danach wieder geschah, wie es geschah und warum es geschah. Ein erschütterndes Zeugnis und eine Warnung für alle Zeit.

In der Buchwelt überleben

Spezialagentin Thursday Next ist die geniale Kopfgeburt des Briten Jasper Fforde, die zwischen den Welten wandert und mit Jane Eyre und Hamlet die Literaturgeschichte neu schreibt. Sie jagt die Schurken in der Realität und BuchWelt bereits durch fünf Bände und jeder Literaturverrückte sollte diesen intelligenten Irrsinn chronologisch folgen bis zum Krieg der Genres im aktuellsten Fall, in dem die Metaphern knapp werden und ein E-Book-Absturz für Chaos sorgt.

Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern Atrium, 56 Seiten, 10 Euro

Jasper Fforde: Wo ist Thursday Next? Übersetzt von Joachim Stern dtv, 400 Seiten, 9,95 Euro, Erstverkaufstag: 1. Juli Alle 5 Bände auch als E-Book erhältlich

Jubiläum LCB S-Bahn nach Arkadien. 50 Jahre Literarisches Colloquium Berlin

Zum Geburtstag des LCB ist ein Wörterbuch des literarischen Lebens in Deutschland entstanden, geschrieben von den Literaten selbst. Über hundert Autorinnen und Autoren schenkten ihre Erinnerungen, Anekdoten, Gedanken dieser funkelnden Stichwortsammlung zu Ehren des Ortes, an dem seit einem halben Jahrhundert die Literatur gefördert und gefeiert wird. Von A wie „Absturz“ (Marcel Beyer) bis Z wie „Zigaretten“ (Judith Hermann) – ein Lesevergnügen in Szene gesetzt von den Hausfotografen Renate von Mangoldt und Tobias Bohm sowie der Buchgestalterin Judith Schalansky. Matthes & Seitz Berlin, 256 Seiten, 19,90 Euro Infos zum öffentlichen Festprogramm zum Jubiläum des LCB unter www.lcb.de

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Bücher | Dossier bücherWelten

Enrique Vila-Matas

Ulrike Draesner

Dublinesk

Heimliche Helden

Übersetzt von Petra Strien

Deutsche Originalausgabe

Was tut ein Verleger, wenn er in Rente geht? Er reist nach Irland, auf den Spuren von James Joyce. Das zumindest macht Samuel Riba, der Protagonist in „Dublinesk.“ Der spanische Autor Enrique Vila-Matas schickt seine Hauptfigur nach Dublin, um „dort ein Requiem für die Gutenberg-Galaxie zu veranstalten.“ Wie zuvor andere von VilaMatas’ Charakteren hadert Riba mit dem allseits beschworenen Ende des gedruckten Buches und der Gutenberg-Ära. Auch Riba versucht, mit den rasanten Veränderungen des digitalen Zeitalters und seinen kulturellen Folgen fertig zu werden. Und mit dem eigenen Scheitern. Trotz der wehmütigen Thematik liest sich „Dublinesk“ überraschend beschwingt. (ang)

Wie schafft man es, so unterschiedliche Autoren wie Kleist, Joyce, Mann, Benn oder die unbekannten Verfasser des Nibelungenliedes in einem gemeinsamen Buch abzuhandeln? Ulrike Draesner schafft das, indem sie sich auf die Suche nach dem Heldenhaften in der Literatur begibt. Ist der Autor ein Held? Sind seine Figuren Helden? Wie heldenhaft geht es in den Texten der Autoren zu? Und was für ein unterschiedliches Bild vom Heldentum erwächst aus den sehr verschiedenen Kriegserfahrungen der Autoren? Diesen und anderen Fragen geht die Autorin in sehr intensiven Essays nach und findet dabei manch unerwartete Antwort. Genauso unerwartet, aber auch einleuchtend ist dieses ganze Buch. (ct)

Die Andere Bibliothek,

Luchterhand, 366 Seiten, 19,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

300 Seiten, 36 Euro

04·13 Grandios

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Hans Christoph Buch

J. D’Agata, J. Fingal

Baron Samstag oder das Leben …

Das kurze Leben der Fakten

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von A. Wirthensohn

Die Erinnerungen des Reisenden der fiktiven Autobiografie scheinen Gegenwart, Vergangenheit und fantastische Szenarien spiralförmig miteinander zu verknüpfen. Mitten in der Geschichte stirbt die Kunstfigur H. C. Buch, erzählt aber trotzdem weiter. Die Figuren der zersplitterten Erzählung können dadurch einen satirischsurrealen Blick auf die verschiedenen Länder und Ereignisse werfen, die den realen Autoren, Kriegsreporter und Haiti-Experten seit Langem beschäftigen. Die Sprachkunst und erzählerische Experimentierfreude dieses Romans ist beeindruckend, doch die verwirrende und ausschweifende Erzählweise überfrachtet teilweise die Konstruktion der Geschichte. (jw)

Faktenfreak trifft Freigeist – wer den Streit zwischen dem Factchecker Jim Fingal und dem Essayisten John D’Agata so versteht, versteht ihn falsch. In diesem Buch geht es um weit mehr als einen streitbaren Wortwechsel. Hier kämpfen zwei um ihre journalistischen Glaubensbekenntnisse, hier liegt das Paradigma der Faktizität mit dem Paradigma der gut erzählten Story im Clinch. D’Agata erzählt das Drama eines jugendlichen Selbstmörders, Fingal zählt dem Autor seine Fehler und Ungenauigkeiten auf, im Buch durch rote und schwarze Textpassagen kenntlich gemacht. Es entspinnt sich ein verbales Gezerre um die Frage, wie weit ein Autor den Fakten verpflichtet ist, was mehr wiegt: Wahrheit oder Wahrhaftigkeit. (jr)

Frankfurter Verlagsanstalt, 256 Seiten, 19,90 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013

Hanser, 176 Seiten, 19,90 Euro

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Ein Lieblings-Leseort von Alberto Manguel: die Bibliothek im Warburg-Haus in der Heilwigstraße 116 in Hamburg

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eit frühester Kindheit liebt Alberto Manguel das Lesen, besitzt eine umfangreiche Privatbibliothek in Frankreich und hat der „Geschichte des Lesens“ ein komplexes Buch gewidmet, das in 36 Sprachen übersetzt wurde. Raffiniert durchkomponiert, ausgehend von persönlichen Erlebnissen, erzählt Manguel darin über die Kulturgeschichte des Lesens, des Schreibens, der Bücher und Bibliotheken. Señor Manguel, Sie besitzen eine beachtliche, rund 35 000 Bücher umfassende Bibliothek in einem alten Pfarrhaus in dem kleinen französischen Ort Mondion. Warum gerade dort und nicht in Kanada, wo Sie leben? Der Zufall ist der beste Bibliothekar. Ich war auf der Suche nach einem geeigneten Ort für meine Bibliothek. In Kanada ging es leider nicht, denn da sind die Immobilienpreise in den Städten sehr hoch, und auf dem Land gibt es dort keine guten Zugverbindungen, ich fahre ja kein Auto. Also fing ich an, in Frankreich zu suchen, wo ich mal gelebt habe. Zufällig lud mich eine Buchhandlung in Poitiers zu einer Signierstunde ein und ich entdeckte diese bezaubernde Gegend. Und so fand ich mein Haus – in einem alten Pfarrhaus in einem kleinen Dorf im Poitou.

Der argentinische Schriftsteller Alberto Manguel ist Universalgelehrter und Bibliomane. In einem Gespräch verrät Manguel, wie er als Jugendlicher Vorleser des berühmten Jorge Luis Borges wurde und warum das Bett ein bevorzugter Ort des Lesens ist. Von Nicole Trötzer

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Sie sind viel auf Reisen, welche Lieblingsbücher begleiten Sie, wenn Sie unterwegs sind? Seit sechs Jahren begleitet mich stets Dante. Einen Band der „Göttlichen Komödie“ habe ich immer bei mir, ich lese jeden Morgen einen Gesang, das ist wie eine Meditationsübung. Ich habe auch immer einen Kriminalroman dabei, dazu einen erbaulichen Klassiker: Dickens, George Eliot, Zola. 4·2013

Fotos: Thies Ibold; Philippe MATSAS/OpaleOpale/StudioX

In Büchern zu hause

Sie sind in Buenos Aires geboren, in Israel aufgewachsen, hatten ein deutsches Kindermädchen und haben nun die kanadische Staatsbürgerschaft. Wo fühlen Sie sich zu Hause? Als Kind fühlte ich mich in den Häusern, die meine Eltern mieteten, nie richtig zu Hause. Aber nachts im Bett hatte ich immer meine vertrauten Bücher zur Hand. Ich nahm eines meiner Bücher, schlug eine Seite auf und empfand große Erleichterung beim Anblick der vertrauten Geschichte mit den gewohnten Illustrationen. Dadurch fühlte ich mich sicher. Dieses Gefühl, in meinen Büchern zu Hause zu sein, ist nie verschwunden.


Dossier bücherWelten

Sie stöbern bekanntlich gern in Bibliotheken und haben der Bibliothek von Aby Warburg in Hamburg ein ganzes Kapitel in Ihrem Buch „Die Bibliothek bei Nacht“ gewidmet. Was fasziniert Sie an diesem Ort? Aby Warburg ist für mich der ideale Leser, er war jemand, der mit absoluter Freiheit interpretierte. So wie er dachte, baute er auch seine Bibliothek: ohne Ecken und Kanten, mit der Freiheit, sich täglich neu zu organisieren. Als junger Mann begannen Sie ein Studium der Literaturwissenschaften in Buenos Aires, verließen die Uni aber sehr rasch wieder. Was lief an der Uni schief, waren die Professoren schlecht? Ich hatte das Glück, eine exzellente Ausbildung am Gymnasium „Colegio Nacional de Buenos Aires“ zu erhalten, wo Professoren ihre Fächer mit Leidenschaft unterrichteten. Als ich dann an der Fakultät für Literatur anfing zu studieren, langweilten mich die Theoriekurse und nach einem Jahr verließ ich die Uni wieder. Ich weiß nicht, wie man anders Literatur lehren sollte als mit echter Leidenschaft. Junge Menschen entdecken immer die Unaufrichtigkeit eines Lehrers. Als Jugendlicher waren Sie 1964 bis 1968 in Buenos Aires Vorleser des damals langsam erblindenden Autors Jorge Luis Borges. Hat Borges in Ihnen den Wunsch geweckt, einmal selbst Bücher zu schreiben? Nein, ich wusste, ich wollte umgeben von Büchern leben, Leser sein, nicht Schriftsteller. Borges sagte „der Schriftsteller schreibt, was er kann, der Leser liest, was er will“. Das Schreiben kam für mich erst später als Folge meiner Lektüren. In Ihrem Nachwort zu dem BorgesErzählband „Die unendliche Bibliothek“ erklären Sie, dass für Borges das Universum eine gigantische Bibliothek war, und dass jeder, der ein Buch schreibt oder liest, an dem universellen Dialog teilnimmt, der vor mehr als 1000 Jahren begonnen hat ... So ist es, aber Borges wusste, dass Literatur nicht die reale Welt ist, so hat er es in „Dreamtigers“ erklärt, da sagt er, dass ein Traum, literarisch oder nicht, die Realität nicht reproduzieren kann. So besagt es auch seine Erzählung „Der Kongress“: Die Realität genügt sich selbst, um erzählt zu werden.

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Sie zitieren in „Eine Geschichte des Lesens“ Kafkas Worte „Das Buch kann die Welt nicht ersetzen“, Sie schreiben aber auch, die ersten Erfahrungen der Welt kamen für Sie aus Büchern, frühe Lektüreerlebnisse haben spätere Erfahrungen scheinbar bereits angekündigt? Bücher können die Welt nicht ersetzen, aber in Worte fassen, damit wir sie besser infrage stellen können. Unsere Vorstellungskraft kann Situationen erschaffen, um etwas von der Welt zu erfahren, bevor wir es leibhaftig erleben.

Die stille Lektüre ist entstanden, als es nicht mehr notwendig war, laut zu lesen, um einen Text zu verstehen. Natürlich war vorher kein wirklich lautes Lesen üblich, es war eher eine Art Murmeln, wie in einer Talmud-Schule. Das war in der Antike erforderlich, weil römische und altgriechische Schriften in Großbuchstaben ohne Leerzeichen zwischen den einzelnen Wörtern und mit nur wenigen Satzzeichen geschrieben waren. Erst viel später wurde das stille Lesen zur Norm und im 19. Jahrhundert begann die Ära des intimen Lesens.

In Ihrem Buch beschreiben Sie das Bett als einen bereits in der römischen Antike bevorzugten Ort des Lesens, auch Autoren wie Colette und Proust haben gern im Bett gelesen und geschrieben. Warum passen Bücher und Betten so gut zusammen? Die Schriftstellerin Edith Wharton berief sich auf ihr Bett als einzigen Ort der Freiheit und des Privatlebens. Das Bett ist eine Art „room of your own“, wie Virginia Woolf es ausdrücken würde. Für andere Autoren ist das Bett vielleicht wie ein Wagon zum Reisen. Die Fantasie wählt ihre Zufluchtsstätte aus, ohne Erklärungen zu geben.

In einem aktuellen Vorwort zur „Geschichte des Lesens“ kritisieren Sie die „bulimische Konsumhaltung“ der Menschen im Internetzeitalter. Sie lieben die traditionelle Art des Lesens von gedruckten Büchern auf Papier? Ja, aber ich bin kein Exklusionist. Manchmal ist das Lesen elektronischer Texte die beste Wahl. Aber ich bin Nostalgiker, ich ziehe das Lesen auf Papier vor ...

Interessant ist auch der historische Aspekt, dass das „stille Lesen“ sich erst seit dem Mittelalter in unserer Kultur etabliert hat. Vorher war es üblich, laut zu lesen, auch wenn man allein las oder in einer Bibliothek saß?

Heutzutage ist es in modernen Gesellschaften fast undenkbar, ohne Computer und Internet zu leben. Schreiben Sie Ihre Bücher nicht am PC? Ich nutze meinen Computer als Schreibmaschine, aber ich nutze kein Internet und habe auch kein Mobiltelefon. Wenn ich es bräuchte, würde ich es ja nutzen, aber ich brauche es nicht. Die meisten Menschen halten sich für unentbehrlich und meinen, 24 Stunden am Tag erreichbar sein zu müssen. Ich nicht. Die Jorge Luis Borges: unendliche Bibliothek erto Herausgegeben von Alb Manguel ichte Erzählungen, Essays, Ged Fischer TB, 384 Seiten, 12,99 Euro o Bücher von Albert Manguel: Eine Geschichte des Lesens e Übersetzt von Chris Hirt Fischer TB, 480 Seiten, 14,99 Euro

cht Die Bibliothek bei Na Allié Übersetzt von Manfred llié und Gabriele Kempf-A Fischer TB, 400 Seiten, 12,95 Euro

Tagebuch eines Lesers e Übersetzt von Chris Hirt Fischer TB, 240 Seiten, 9,95 Euro

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Altersempfehlung

4

Élise Gravel: Monster. Kauf uns, wenn du dich traust Arena, 40 Seiten, 12,99 Euro

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4·2013


Spezial Kinder & Jugend Monsterkunde

Liebenswerte Freaks

Manche sind borstig, andere schleimig, viele mit Warzen bedeckt. Manche haben zu viele Arme mit Gelenken an unmöglichen Stellen, andere bewegen sich rollend oder flatternd fort. Besonders häufig lauern sie unter dem Bett. Jedes Kind kennt Monster. Und jedes Kind ist eines. Von Elisabeth Dietz

M

aurice Sendaks Klassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ handelt von einem Wutausbruch. Weil er im Wolfskostüm nur Unsinn macht, wird Max ohne Essen ins Bett geschickt. In seinem Zimmer wächst ein Wald. Mit einem Boot, das plötzlich da ist, reist er zu den wilden Kerlen. Sie machen ihn zu ihrem König. Doch mitten im Augenrollen, Zähnefletschen und Krachmachen sehnt sich Max nach jemandem, der ihn „am allerliebsten“ hat. Er schickt die wilden Kerle ohne Essen ins Bett. Als er zurück nach Hause kommt, ist sein Abendessen noch warm. „Furcht gehört zum Leben jedes Kindes. Kinder versuchen ständig, mit Frustration umzugehen, so gut sie eben können“, sagte Sendak. „Und ihre Fantasie ist das beste Mittel, das sie haben, um wilde Kerle zu zähmen.“ Kindliche Trennungs- und Verlustängste können sich als Monster manifestieren. Monster repräsentieren aber auch die Sehnsucht nach Wildheit. Sie essen nicht mit Messer und Gabel, sagen weder „Bitte!“ noch „Danke!“, sie brüllen und trampeln, wenn sie wütend sind. Sie sind destruktiv. Sie waschen sich nicht und putzen sich höchst unregelmäßig die Zähne. Kinder lernen, sich an Regeln zu halten. Monster machen, was sie wollen. Für immer.

Dinge, die wir nicht verstehen Monster sind Figuren, von denen wir uns erzählen, um Wut oder Angst besser zu bewältigen. Sie machen Dinge sichtbar, die wir nicht verstehen. Erdmute von Mosch stellt in „Mamas Monster“ die Depression der Mutter als kleines, dunkles Wesen dar, „das Gefühle klaut“. So begreift die fünfjährige Rike, dass ihre Mutter sie noch immer lieb hat, auch wenn ihr die Kraft fehlt, es zu zeigen. Und dass nicht sie Schuld daran hat, dass die Mutter manchmal zu traurig ist, um morgens aufzustehen. Die Depression wird zu etwas Konkretem, das man besprechen, malen und letztlich bekämpfen kann. „Als Kind fand ich Käfer nicht eklig, sondern faszinierend“, erzählt die kanadische Illustratorin Élise Gravel, deren drittes Monster-Bilderbuch gerade auf Deutsch erschienen ist. „Ich mag selt4·2013

same Dinge. Außerdem möchte ich Kindern, die aus dem Rahmen fallen, meine Solidarität zeigen: Jeder Mensch ist interessant und liebenswert.“ Ihr jüngstes Buch „Monster. Kauf uns, wenn du dich traust“ ist eine Art Katalog. Im Monsterladen gibt es zum Beispiel „Krawallis“, anhängliche und chaotische Wesen, die so klein sind, dass sie sich in einem Federmäppchen verstecken können. Oder den „Occulus Globulis“, einen dreibeinigen Kopffüßler mit einer unüberschaubaren Anzahl von Augen, der Bücher frisst und bei jeder Gelegenheit „Warum?“ fragt. Das Buch ist eine Karikaturensammlung für Vierjährige. „Ich habe mich von Leuten inspirieren lassen, die ich kenne“, erklärt Gravel. „Ich beobachte die Kinder in meinem Leben. Jedes von ihnen hat monströse Eigenschaften, die es süß oder lustig oder interessant machen.“ Und was macht ein Monster zu einem Monster? „Die Mischung aus menschlichen und tierischen oder pflanzlichen Merkmalen“, antwortet die Zeichnerin. „Ein Monster ist eine Kreatur, die uns sehr ähnlich und zugleich extrem verschieden von uns ist. Aber man erkennt sie auch an ihrem schlechten Geruch.“ Sie liebe es, Monster zu zeichnen, „weil man zeichnen kann, was immer man will! Meistens lasse ich meinen Stift die Arbeit machen. Das Monster wird von ganz allein lebendig.“

Die hässlichen Enkelkinder von „Brehms Tierleben“ Für Zeichner und Illustratoren sind Monster ein gefundenes Fressen. (Nachts gilt das weniger metaphorisch auch umgekehrt.) Die grotesken Illustrationen der Künstler Per Dybvig und Taylor White in „Doktor Proktors Sammelsurium der Tiere, denen du nie begegnen möchtest“ von Jo Nesbø wirken realistisch, die Beschreibungen der monströsen Lebewesen abgefahren, aber in sich logisch. Jeder Chihuahua könnte ein Nepalesischer Vogelhund sein, der Trøndersche Springschädel bringt es auf der Oddvars-Skala (der international anerkannten Maßeinheit für Kopfstöße) auf 160 („schrecklich schlimm“) und wenn man in einer Schüssel Soljanka einen Goldzahn findet, hat

Altersempfehlung

Maurice Sendak

5

Diogenes

Maurice Sendak: Wo die wilden Kerle wohnen Diogenes, 40 Seiten, 17,90 Euro

Altersempfehlung

4

Erdmute von Mosch: Mamas Monster. Was ist nur mit Mama los? Balance, 40 Seiten, 12,95 Euro

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der Nachtpilz, eine beliebte Soljanka-Zutat, wahrscheinlich einmal einen Menschen gefressen. Wir leben in einer doppelbödigen Welt. Dieser Tatsache wird auch im Pop-up-Bilderbuch „Monsterbuch der Monster“ Rechnung getragen. Jonny Duddle, Aleksei Bitskoff und Libby Hamilton decken auf, dass Monster hinter vielen unangenehmen Alltagsphänomenen stecken. „Du hasst Rosenkohl? Na ja, er dich auch!“ Aus dem „Monsterbuch“ erfährt der interessierte Leser, wie man Monster anhand ihres Kots identifiziert, wo im Haus sich welches Monster befindet und wie man ihre Bisse am besten behandelt.

„Du brauchst doch keine Angst zu haben!“

Altersempfehlung

8

Jo Nesbø: Doktor Proktors Sammelsurium der Tiere, denen du nie begegnen möchtest Arena, 56 Seiten, 7,99 Euro

Altersempfehlung

6

Moni Port: Das mutige Buch Klett Kinderbuch, 112 Seiten, 13,95 Euro Altersempfehlung

5

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Jonny Duddle/ Aleksei Bitskoff/ Libby Hamilton: Das Monsterbuch der Monster Dorling Kindersley, 20 Seiten, 14,95 Euro

Als Moni Port mit der Arbeit am „Mutigen Buch“ begann, hatte sie die Monster, denen sie als Kind begegnet war, schon vergessen. Ihre Mutter erzählte ihr von den Fratzen, die aus den marmorierten Fliesen des Badezimmerbodens hervortraten. „Das mutige Buch“ ist ein Sachbuch über Angst für Menschen ab fünf. Der damals sechsjährige Sohn der Autorin hat wichtige Ideen beigesteuert: „,Haben Erwachsene keine Angst? Warum weinen Erwachsene nicht, wenn sie Angst haben?‘ Das war eine Frage, über die ich lange nachdenken musste.“ „Jeder hat manchmal Angst“, steht gleich auf der ersten Seite. Und auf den übrigen 111 erfährt man alles, was man über Angst wissen muss: dass sie überlebenswichtig ist. Woher sie kommt. Was gegen sie hilft. „Was nämlich nicht hilft, ist der Satz ,Du brauchst doch keine Angst zu haben!‘, die Angst ist nun mal da.“ Das Wichtigste sei, die Angst ernst zu nehmen. „Wenn mir jemand sagt: ,Ich kann verstehen, dass du im Flugzeug Angst hast, es ist ja verrückt, dass so ein schweres Ding am Himmel fliegt!‘, fühle ich mich gleich sicherer.“ Das gilt auch für die Angst vor Monstern. „Der erste Impuls ist ja, zu sagen: ,Es gibt keine Monster!‘ Aber das hilft nicht.“ In einem Buch des australischen Sozialarbeiters und Therapeuten Dr. Michael White fand Moni Port eine Anleitung zur Monster-Zähmung: Man versieht eine Schachtel oder einen Karton (für kleine Monster reicht eine Streichholzschachtel, für richtig große Monster braucht man einen Waschmaschinenkarton) mit ein paar Luftlöchern und legt etwas Leckeres zum Anlocken hinein. Dann stellt man die Falle in die Nähe des Ortes, an dem das Monster sich gern aufhält. Wenn das Monster hineingekrabbelt ist, macht man die Schachtel schnell (!) zu und stellt sie samt Monster raus in den Garten oder auf den Balkon.

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Eine Auswahl der Redaktion

kunstwerke für kleine

BÜCHER-Redakteurin Meike Dannenberg stellt aus den Neuerscheinungen vor, was sie berührt, fasziniert oder schmunzeln lässt. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter Merle (4).

Altersempfehlung

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Altersempfehlung

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BEFLÜGELTE WORTE „Morris Lessmore liebte Worte. Er liebte Geschichten. Er liebte Bücher.“ So beginnt dieses poetische Bilderbuch über die Liebe zu den Büchern, die Lessmore erst richtig entfalten kann, nachdem er von einer schwebenden Dame und einem Buch (über Humpty Dumpty) zum Haus der fliegenden Bücher gebracht wird. Es ist unwahrscheinlich, dass Kinder verstehen, was genau mit der Parabel gemeint ist, das können auch noch Erwachsene verschieden interpretieren. Aber der Gedanke an sich ist wunderschön. Für ein Leben voller Bücher!

WOLFSANGST Dass der Hase tot ist, wird spät bemerkt. Schließlich traute sich der ängstliche Typ nicht mehr aus dem Haus – und von seinem Gold runter. Sein Testament ist eindeutig: Der größte Angsthase bekommt den Schatz. „Ich, ich, ich ...“ Die Tiere können sich nicht einigen. Durch eine List gelingt es dem Wolf sie zu überzeugen, dass ausgerechnet er (wegen Rotkäppchen, Jägern, Geißlein ...) das Erbe antreten sollte. Doch dann überkommt ihn ein komisches Gefühl. Kann er die Schatztruhe alleine lassen, um etwas zu essen? Mmh, darüber lohnt es sich nachzudenken.

WILLIAM JOYCE: Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore Boje, 56 Seiten, 14,99 Euro

MARTIN BALTSCHEIT/CHRISTINE SCHWARZ: Das Gold des Hasen Beltz, 48 Seiten, 14,95 Euro

Altersempfehlung

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Altersempfehlung

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HAPS UND SCHLUCKAUF SCHLUCK! Da war Sarahs kleiner Bruder Louis verspeist. Zum Glück verschlingen Schluckser ihre Beute in einem Stück. Ebenso wie der Grabscherix (GRABSCH, GURGEL), der den Schluckser frisst, der Wasserschnapper (SCHNAPP), der den Grabscherix verschluckt, der Dornrückenschlürfer, der den Wasserschnapper ... usw. Bis endlich der Säbelzahn-Schlinger es zu seiner Höhle schafft, und Sarah aus den Schachtel-Mäulern mithilfe des Schluckauf-Frosches ihren Bruder holen kann. Eine lustige Lektüre mit Erfindungsgeist, für Mut und Gelassenheit! JOHN FARDELL: Der Tag, an dem Louis gefressen wurde Moritz Verlag, 32 Seiten, 12,95 Euro

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WENDEBUCH Es ist laut, wenn es im Schwimmbad richtig voll ist, wenn Applaus tobt und jemand laut rülpst. Es ist leise, wenn man nachts Auto fährt, wenn man verstecken spielt und wenn man nach einer guten Ausrede sucht, warum man die Tapete angemalt hat. Das Buch lässt sich wenden und von zwei Seiten (laut/leise) lesen und anschauen und dazu neue Situationen erfinden. Laut ist auf Glanzpapier, leise auf mattem Papier gedruckt. Und die Illustrationen sind absolut bezaubernd. DEBORAH UNDERWOOD/RENATA LIWSKA (ILLUSTR.): Das laute Buch/Das leise Buch Gerstenberg, 64 Seiten, 12,95 Euro

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Interview

Supersize Kids Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer richtet sich mit seinem neuesten Werk, dem Kinderbuch „Mein großes Buch vom Körper“, an die Jüngsten. Gesundheit ist etwas, das von klein auf gelernt werden muss, meint er – auch in der Schule.

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rof. Grönemeyer, wie schlimm steht es um die Gesundheit unserer Kinder? Es ist auffällig, dass Krankheiten, die früher erst im Alter auftraten, auch immer mehr zu Kinderkrankheiten werden. 70 Prozent der 10- bis 17-Jährigen leiden unter Rückenschmerzen, wir verzeichnen eine explodierende Zunahme an Altersdiabetes bei Jugendlichen und Kindern. Teilweise gibt es Erstklässler, die mit Tabletten gegen Altersdiabetes behandelt werden müssen. Die Veränderungen des Alltags unserer Kinder haben Folgen. Konkret sind das ein Mangel an Bewegung und eine ungesunde Ernährung? Fangen wir bei der Ernährung an: Kinder nehmen heute sehr viel Zucker zu sich. Damit meine ich nicht, dass Süßes als Belohnung und auf Kindergeburtstagen verteilt wird, das gab es ja früher schon. Aber eine Studie hat belegt, dass heute über 30 Prozent der Grundschüler morgens ohne Frühstück in die Schule gehen. Der Zuckerspiegel ist dann zu niedrig, sie werden unkonzentriert und der Mangel wird häufig in der Pause durch einen schnellen Schokoriegel ausgeglichen.

von Meike Dannenberg

Warum essen Kinder so gerne Süßigkeiten? Auch Obst beinhaltet ja Zucker … Ein bisschen „süß“ schadet ja nicht. Und ich glaube, ich bin diesem Grundbedürfnis auf der Spur: Immerhin sind wir ja mit Süßem zur Welt gekommen. Schon im Mutterleib schluckt der Fötus Fruchtwasser. Das enthält Zuckerbestandteile und auch die Eiweiße sind süß. Die Muttermilch nach der Geburt ist ebenfalls süß. Aber im Verlaufe des Älterwerdens lernt das Kind durch sein soziales Umfeld, seine Ernährung zu verändern – da sind natürlich die Eltern gefordert. Was raten Sie Eltern, die das Ernährungsbewusstsein ihrer Kinder stärken wollen? Angebote machen. Ich erlebe selbst immer wieder, dass Kinder sehr wohl gerne zur Gurken- oder Tomatenscheibe greifen, vor allen Dingen, wenn Sie schön zurechtgemacht sind. Einfach mal die Gurkenscheiben mit der Stern-Plätzchenform ausstechen. Ich glaube, dass man über Form, Farbe, Geruch und gemeinschaftliche Aktionen wie dem

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Altersempfehlung

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Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer Mein großes Buch vom Körper mit Erwin und Rosi Carlsen Verlag, 16 Seiten, 12,90 Euro Wir Besser-Esser – Gesunde Ernährung macht Spaß S. Fischer, 280 Seiten, 19,99 Euro

BÜCHER verlost fünf Bücher von „Wir Besser-Esser“ (S. Fischer). Einfach mitmachen und mit ein bisschen Glück gewinnen. Teilnahmebedingungen auf S. 3.

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Spezial Kinder & Jugend

Tischdecken Kinder sehr gut für eine bestimmte Form von Ernährung begeistern kann. Und wenn man unter der Woche keine Zeit zum gemeinsamen Kochen findet, dann am Wochenende. Ich hab mit acht Jahren meine ersten Koch- und Backerfahrungen erlebt, was riesig Spaß gemacht hat. Wenn zu viel Süßes auf den Tisch kommt, dann sollte man versuchen das auszuschleichen und zum Beispiel ins Knuspermüsli immer mehr Haferflocken untermischen. Schrittweise und in kleinen Portionen – als Vater von drei Kindern habe ich damit gute Erfahrungen gemacht. Stichwort Optik: Da gibt es ja noch diese verlockenden Joghurtprodukte mit den hübsch-leuchtenden Kindermotiven drauf, die allerdings alles andere als ernährungsbewusste Stoffe beinhalten … Ich glaube nicht, dass man Kinder von solchen verführenden Produkten fernhalten kann. Aber ich als Elternteil kann auch mit anderen Produkten immer wieder dagegenhalten, die mindestens genauso gut schmecken. Ich hab noch gelernt, einen Joghurt selbst zu machen. Naturjoghurt, Obst reinschneiden, wenn überhaupt mit Honig süßen – fertig. Und geschmeckt hat es genauso gut.

Foto: Public Address/Hannemann; Illustration: Carlsen

Aber Fertigprodukte alleine verursachen noch keine Rückenschmerzen und Altersdiabetes … Hier kommt der Mangel an Bewegung ins Spiel. Etwa 70 Prozent zwischen 10 und 17 Jahren leiden unter Rückenschmerzen, weil sie unter anderem vier bis fünf Stunden nach der Schule ebenfalls sitzen, meist am Computer. Der Körper will aber den Zucker, der vom Körper in Fett umgewandelt wird, gleich wieder verbrennen. Wenn die Bewegung nicht stattfindet, nehmen sie zu und werden auch noch hyperaktiv und zappelig. Der Körper nimmt eine Abwehrhaltung gegenüber dem überschüssigen Fett an. Die Zunahme der als hyperaktiv diagnostizierten Kinder basiert Ihrer Meinung nach also auch auf der Ernährung? Wie viele andere Krankheiten und Probleme der heutigen Kindergeneration. In einer Studie wurde herausgefunden, dass inzwischen rund 80 Prozent der Kinder zwischen 3 und 17 Jahren nicht eine Minute lang mit einem Bein auf einem Balken stehen können, also ihr Gleichgewicht nicht halten können. Jetzt haben wir eine Studie mit dem Kultusministerium in Hessen an 8000 Kindern durchgeführt, die ergab, dass Kinder deren Gleichgewichtssinn gestört ist – hierzu gehört stehen, sehen, hören, der Muskelturnus insgesamt –, signifikant schlechter in Deutsch, Mathe und der ersten Fremdsprache sind. Und umgekehrt Kinder, die ihren Gleichgewichtssinn trainieren, aufmerksamer, konzentrierter, und sozial aktiver sind – und damit auch anderen Kindern helfen. Es ist also sinnvoll, Kinder in Bewegung zu bringen. Seit Jahren plädiere ich für eine Stunde Bewegung täglich in den Schulen, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren und der fatalen Entwicklung entgegenzuwirken, in der wir uns befinden. Oder bewegten Unterricht. Wie soll der aussehen? Früher haben wir „gehümpelt“: also Kästchen auf den Schulhof gemalt und dann sagte man eins plus drei und dann wurde auf die Vier gehüpft. Das kann man super in den Unterricht einbauen und schon hat man bewegten Unterricht. Die Kinder können sich sogar die Ergebnisse besser merken, auch das ist belegt. Andere Möglichkeit: Bei geraden Ergebnissen rechts rum springen, bei ungeraden Zahlen links rum 4·2013

springen. Da gibt es viele Ideen, die ich in „Wir Besser-Esser“ auch aufgeschrieben habe. Ich habe mich mit Grundschülern hingesetzt und wollte wissen, was für sie wichtig ist, welche Elemente vom Körper sie kennenlernen wollen. Dann habe ich ihnen Hausaufgaben gegeben und daraus ein Buch gemacht, das in Schulstunden eingeteilt ist, damit die Lehrer das übernehmen können. Wie sehen die aktuellen Angebote Ihrer Dietrich Grönemeyer Stiftung aus? Wir setzen uns für den flächendeckenden „Gesundheitsunterricht“ an Schulen ein und für eine tägliche Sportstunde in der Schule. Seit 2009 laden wir deshalb unter anderem jedes Jahr rund 150 Schüler aus Hessen, in Zusammenarbeit mit dem hessischen Kultusministerium, nach Witten ein und bilden sie als „Gesundheitsbotschafter“ für ihre Schulen aus. Ziel ist es, dieses Programm auch auf weitere Bundesländer auszuweiten. Die Schüler können dann die Informationen, die sie über Stoffwechsel, Gleichgewicht und Ernährung von verschiedenen Ärzten, Pädagogen und Fachleuten bekommen haben, in vielfältige Angebote umwandeln und auch Lehrern und Eltern dazu etwas erzählen. Außerdem kooperieren wir zum Beispiel mit Sportvereinen, um regionale „Gesundheitstage“ auf die Beine zu stellen. Und an denen rund 1300 Kinder und Jugendliche teilnehmen können, um sich mit dem Thema spielerisch auseinanderzusetzen. Die Schulen unterstützen Ihrer Ansicht nach die Kinder im Alltag zu wenig? Bei meinen Veranstaltungen in der Schule sind die Lehrer oft überrascht, wie viele Kinder aufzeigen, wenn ich frage, wer morgens nicht gefrühstückt hat. Also müsste man in der Schule zunächst einmal gesund frühstücken. Die Lehrpläne von heute sind teilweise vor 20 Jahren entwickelt worden. Die Schule mit ihrem Curriculum ist ein riesiger unbeweglicher Apparat und der Frontalunterricht entspricht dem heutigen Bedarf nicht mehr. Kinder lernen das meiste durch spielerisches und fröhliches Lernen. Das Schulbuchangebot ist in dieser Richtung gar nicht entwickelt. Ich war früher selbst ein großer Zappelphilipp. Heute habe ich gelernt, dass es Kindern wie mir im Unterricht zu langweilig ist oder teilweise neue Gehirnzellen gebildet werden. Auch dann bewegen sich Kinder. Wobei man natürlich beobachten muss, ob die Bewegung aus Übererregtheit entsteht, also ständigem Stören, oder Unkonzentriertheit. Dann sollte man sich natürlich Gedanken machen. Das medizinische Syndrom ADS oder Zappelphilipp gibt es. Aber man sollte die Bewegungslust der Kinder nicht generell unterdrücken und sich dann wundern, wenn sie überdrehen.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer geboren am 12. November 1952, ist studierter Mediziner und Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke. Als Arzt, Wissenschaftler und Autor zählt der Bruder von Sänger Herbert Grönemeyer zu den entschiedenen Verfechtern einer Medizin zwischen Hightech und traditionellen Heilweisen. In seinen Büchern stellt der 60-Jährige schwierige medizinische Zusammenhänge verständlich dar. Mensch bleiben, Mein Rückenbuch, Dein Herz, Lebe mit Herz und Seele und Der kleine Medicus wurden Bestseller. Dietrich Grönemeyer ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Körperkunde für Kinder

Ich selbstverständlich

Was ein Bein und ein Arm sind, das wissen Kinder schnell. Was sich aber alles im eigenen Körper verbirgt, gehört für sie zu den großen Geheimnissen des Lebens.

Wimmlige Werksbesichtigung Es wimmelt gehörig in diesem Buch und in unserem Körper. Das zeigt „Wunderfabrik Körper“ mit aufwendigen Illustrationen. Hunderte Arbeiter erledigen in Hirn, Herz & Co. lebenswichtige Aufgaben. Auf einer 48-seitigen Werksbesichtigung wird ihnen über die Schulter geblickt. Tipp: Das große Ausklappposter am Ende des Buches bei jeder Station noch mal anschauen, um den Überblick der Riesenfabrik zu behalten.

Altersempfehlung

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Dan Green: Wunderfabrik Körper Gerstenberg, 48 Seiten, 14,95 Euro

Ärztliche Anordnung Auf diesen 105 Seiten wird mitgefiebert, dass es ansteckend ist – ohne zu schmerzen. Dr. Mohsen Radjai aus der Fernsehreihe „Wissen macht Ah!“, besser bekannt als Dr. Mo, erklärt, dass wir eine Blase im und am Körper haben bzw. haben können, was Medikamente sind und ob durch manche Lebewesen tatsächlich blaues Blut fließt. Dazu gibt’s jede Menge „Klugscheißer-Infos“ rund um den menschlichen Körper.

Altersempfehlung

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Doris Mendlewitsch, Christine Gerber, Dr. Mo: Ah!-SAGEN – Der menschliche Körper Loewe, 105 Seiten, 14,95 Euro

Gründliche Gedächtnisstütze Schaltzentrale, Gedächtnisapparat, Mustererkennungsmaschine und noch vieles, vieles mehr. Unser Gehirn leistet Beachtliches Tag für Tag. Und das meiste völlig ungewollt. In 29 kurzen Kapiteln bringen die Autoren das Wichtigste über Wahrnehmung, Bewegung, Sprache, Liebe, Schlaf, Erinnerung und den freien Willen auf den Punkt. Besonders Spaß machen die vielen Selbsttests.

Altersempfehlung

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Alexander Rösler, Philipp Sterzer, Kai Pannen: 29 Fenster zum Gehirn Arena, 219 Seiten, 12,99 Euro

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Spezial Kinder & Jugend

Altersempfehlung

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Pubertierende Profilseiten Warum kann man nicht immer Kind bleiben? Hach, das wäre schön! Doch schon nach wenigen Jahren tut sich in unserem Köper einiges. Was genau die Pubertät in und mit uns anstellt, veranschaulicht „Kriegen das eigentlich alle?“. Offen, informativ und mit humorvollen Bildern wird bewiesen, dass nicht nur wir alle das kriegen, sondern auch alle das hinkriegen. Jan von Holleben, Antje Helms: Kriegen das eigentlich alle? Gabriel Verlag, 160 Seiten, 16,95 Euro

Kinderspielplatz Küche

Altersempfehlung

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Manschen, kneten, rühren, schnibbeln – in jedem Alter gibt es für kleine Köche eine passende Aufgabe in der Küche. Doch das Schönste ist das Gekochte an sich. Und das will erstmals erkundet werden. „Entdecke, was dir schmeckt“ ist als kleine Geschmacksschule ein echtes Erfolgsrezept. Viele Hintergründe, tolle Bilder und leckere Rezepte – guten Appetit, Kids! Anke M. Leitzgen, Lisa Rienermann: Entdecke, was dir schmeckt Beltz & Gelberg, 160 Seiten, 16,95 Euro

Veggie und Vegan

Fotos: Thekla Ehling, Edmond Davis (Illus.)

„Das ess ich nicht, das hatte mal Augen!“ (oder so ähnlich) wird in fast jedem fleischverzehrenden Haushalt irgendwann vom Nachwuchs protestiert. Hilflose Eltern, hungrige Kinder!? Dieses Buch enthält vegetarische und teils vegane Lieblingsgerichte von Jugendlichen von Pizza bis Sauerkraut mit (Soja-)würstchen. Auf Recyclingmaterial gedruckt und klimaneutral produziert. Irmela Erckenbrecht: Teenager auf Veggiekurs Beltz & Gelberg, 160 Seiten, 16,95 Euro

Altersempfehlung

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Augsburger Puppenkiste

Eine Insel mit zwei Bergen

65 Jahre Puppenkiste – ein schräges Jubiläum für eine schräge Theatertruppe. Anlass für BÜCHER-Redakteur Jörn Radtke, die Helden seiner Kindheit wiederzutreffen, in Lesungen wie Hörspielen. Von Jörn Radtke

Fred Steinbach (Hrsg.)

Das große Buch der Augsburger Puppenkiste (1) (4)

Boje, 176 Seiten, 24,99 Euro

Michael Ende

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (2) (4)

Der Audio Verlag, Hörspiel, 247 Minuten/3 CDs, 14,99 Euro

Otfried PreuSSler

Die große RäuberHotzenplotz-Box (3) (3,4)

Der Audio Verlag, Hörspiel, 333 Minuten/6 CDs, 24,99 Euro

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ie gehören zu einer jeden westdeutschen Kindheit wie Professor Brinkmann zur Schwarzwaldklinik oder J. R. auf die South­fork Ranch: die Figuren der Augsburger Puppenkiste. Was in der DDR Pittiplatsch und Schnatterinchen, das waren in der BRD der kleine König Kalle Wirsch, das Urmel, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer sowie all die anderen hölzernen Gesellen aus Oehmichens Marionettentheater. Die immer etwas schrägen Melodien, die ertönten, wenn die Türen der braunen Kiste sich öffneten und der rote Vorhang auseinanderschob, haben sich tief im kollektiven Bewusstsein der kleinen Puppenkisten-Zuschauer eingenistet. Und so hat jede TV-Generation „ihre“ AugsburgerPuppenkiste-Helden, untrennbar verbunden mit „ihrem“ Augsburger-Puppenkiste-Lied. Denn „nur die Tagesschau ist älter“ im bundesdeutschen Fernsehen, wie „Das große Buch der Augsburger Puppenkiste“ (1) zu berichten weiß. Liebevoll und reich illustriert widmet sich das Buch der Geschichte und den Geschichten der Augsburger Puppenkiste. Wir erfahren, dass Walter Oehmichen, der „Herr der Fäden“ und Vater der Puppenkiste, erstmals am 26. Februar 1948 zur Premiere lud und mit dem Kater der Brüder Grimm die erste Marionette über die kleine Augsburger Holzbühne stiefeln ließ. Seitdem hat sich der Vorhang 21 095 Mal hinter den verschiedensten hölzernen Mimen geschlossen (Stand 31.12.12). Neben bekannten Märchengestalten, fliegenden Löwen und Katzen mit Hut

brachte Oehmichen, der ein großer Brecht-Verehrer war, auch Theaterstücke wie „Die Dreigroschenoper“ zur Aufführung. „Das große Buch der Augsburger Puppenkiste“ ist eine gelungene Hommage an die Menschen hinter und die Marionetten auf der Bühne und wartet mit vielem auf, das selbst eingefleischten Puppenkisten-Fans nicht geläufig sein dürfte. Die ersten Fernsehdarsteller der Augsburger Puppenkiste waren Peter und der Wolf. Nur vier Wochen, nachdem das Fernsehen mit der Tagesschau am 25. Dezember 1952 auf Sendung ging, ging Peter in Schwarz-Weiß in den Wald, um den Wolf zu fangen. 1960 schnauften dann drei über Plastikwellen und durch Sandhaufen und vorbei an feuerspeienden Vulkanen, die zu Augsburger-Evergreens und Kinderbuch-Klassikern wurden: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (2) und seine Lokomotive Emma. Fast ebenso berühmt wie die Protagonisten selbst ist das LummerlandLied („Eine Insel mit zwei Bergen …“). In ihrer Hörspiel­umsetzung für den WDR von 2009 verzichtet Regisseurin Petra Feldhoff auf diese berühmte und eingängige Erkennungsmelodie und setzt auf moderne Klänge. Ein gelungener Verzicht. So gelingt es den Hörspielmachern, die Hörer – ein wenig – von den Bildern der Augsburger Puppenkiste zu lösen. Wenngleich die völlige Loslösung unmöglich ist. Zu tief sitzen die Erinnerungen, zu stark drängen sich die Fernsehbilder vor das innere Auge. Aber die neue, frische Musik, die Geräusche, die von einem „echten“ Geräuschemacher stam4·2013


Foto: Augsburger Puppenkiste

Spezial Kinder & Jugend

men, sowie die hervorragende Besetzung der Rollen macht dieses Hörspiel zu einem eigenständigen, hörenswerten Stück. Ebenfalls vom WDR produziert, wenngleich weniger mitreißend, sind die Hotzenplotz-Hörspiele (3). Hausmannskost im Vergleich zur Jim-Knopf-Vertonung. Alle Zutaten stimmen, ebenso die Zubereitung. Gute Stimmen, gute Geräusche und Musik, ein Stück nah an Preußlers großartiger Vorlage – und doch. Etwas fehlt. Vielleicht weil Alexander Wipprecht als Kasperl und Dustin Semmelrogge als Seppel zu glatt klingen, vielleicht weil Michael Mendl als Hotzenplotz zwar grimmig, aber nicht so richtig „hotzenplotzig“ klingt. Die Hörspiele für sich genommen sind gut, keine Frage. Aber mit dem Jim Knopf und vor allem mit der gelesenen Hotzenplotz-Fassung von Armin Rohde (4) kann dieser HörspielDreiteiler einfach nicht mithalten. Wenn Hotzenplotz, dann Rohde. Ohne Einschränkung. Wie er dem berühmten Räuber, dem Kasperl und dem Seppl, aber auch deren Großmutter und nicht zuletzt dem großen und bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann Stimme und Charakter verleiht, ist – Achtung, Superlativ – grandios. Grandios auch, weil Rohde als Leser (noch) nicht inflationär in diesem Hörbuch und jenem Hörspiel zu vernehmen ist. Grandios aber vor allem, weil Rohde es gelingt, den Kinderbuchklassiker „Hotzenplotz“ so frisch zu interpretieren, als hätte Preußler ihn erst jüngst geschrieben. Hut ab, Rohde. Hut ab, Hotzenplotz. Und danke, Otfried Preußler, für die vielen, schönen Kinderbücher, die Sie uns zu Ihren Lebzeiten geschenkt haben. Zwei andere Große der deutschsprachigen Kinderliteratur, die der Augsburger Puppenkiste gleich mehrfach unvergessene Figuren und Geschichten ins TV-Repertoire schrieben, sind Paul Maar und Max Kruse. Eine tiefe Verbeugung vor dem Vierteiler, den die ARD 1969 in ihrem Vorweihnachtsprogramm ausstrahlte, und eine wahre Ohren-Augsburger-Puppenkiste ist Dirk Bachs Lesung von „Urmel aus dem Eis“ (5). Augen zu, Vorhang auf. Dirk Bach liest mit viel Gefühl, Witz und Puppenkisten-Tonfall. Zwischen den Kapiteln erklingt das Urmel-Lied in einer modernen Instrumentalfassung. Erdacht hat das Urmel exklusiv für die Augsburger Puppenkiste Max Kruse. Ein keckes Dinosaurierkind ohne Arg, das der etwas tumbe König Pumponell für den Zoo seines Landes einfangen will. Wie Professor Habakuk Tibatong, Tim Tintenklecks und die sprechenden Tiere der Insel Titiwu dem Pumponell an der (Holz-)Nase herumführen und das Urmel retten, ist vielleicht der klas4·2013

sischste Klassiker der Augsburger Puppenkiste. Ähnlich populär wie das Urmel ist das Sams, dessen Bildschirmkarriere 1977 bei der Augsburger Puppenkiste begann, und das es seitdem sogar auf die Kinoleinwand geschafft hat. Noch vor seiner TV-Premiere beglückte das Sams die Kinder bereits im Hörspiel. 1973 vertonte Regisseur Kurt Vethake Paul Maars Buch „Eine Woche voller Samstage“. Ein Hörspiel, das im Gegensatz zu anderen VethakeHörspielen, die heute verstaubt klingen, immer noch durch Frische und Qualität überzeugt. Die weiteren Folgen des Sams inszenierte Michael Orth. Und auch für sie gilt: Es ist ein Spaß, sie zu hören (6). Mitreißend spricht Stefan Kaminski „Die Opodeldoks“ (7), von Paul Maar und Sepp Strubel verfasst, wiederum speziell für die Puppenkiste. Sepp Strubel brachte das Stück zudem als Regisseur 1980 ins Fernsehen. Auch wenn man sich an Kaminski und seine Art (das lebende, vielstimmige Ein-Mann-Hörspiel) mittlerweile über-hört hat, so gilt „seinen“ Opodeldoks doch das Prädikat besser geht’s nicht, höchstens anders. Dass man Kaminski mittlerweile so oft zu hören bekommt, dass es einem bisweilen zu oft vorkommt, liegt an seiner immer wieder beeindruckenden Vielfältigkeit. Ein Fluch seines einmaligen Talents: ein Mann, ein Hörspiel. Es wäre unfair, an dieser Stelle dem „Stimmmorpher“ ein grandios zu verwehren, nur weil sein Talent inflationär zum Einsatz kommt. Bei den Opodeldoks zeigt sich Kaminski in Höchstform. Und – Klischee hin, Klischee her – er bietet Kino für die Ohren. Die 153 Minuten Lesung vergehen wie im Fluge, ein kurzweiliges Vergnügen für Hörer aller Altersgruppen. Der Fluch des Vergleichs ereilt Wolfgang Völz‘ Lesung des „Kleiner König Kalle Wirsch“ (8). Im Konzert mit Dirk Bach, Stefan Kaminski und Armin Rohde klingt sein Vorlesen schwach. Ja, er ist ein toller, brummiger Kalle Wirsch. Schließlich brummt er auch als Käpt‘n Blaubär sehr überzeugend. Aber die Wandlungsfähigkeit der genannten Kollegen besitzt er nicht. Und so fällt „Kleiner König Kalle Wirsch“ schwächer aus als die Lesungen der drei anderen Augsburger-Puppenkisten-Klassiker. 1970 machte sich der kleine König der Erdmännchen gemeinsam mit der klugen Fledermaus Tutulla und den Menschenkindern Max und Jenny auf die gefahrvolle Reise, seinen Thron zu retten und den hinterhältigen Zoppo Trump zu besiegen. Kalle Wirsch hat viele Fans seit jener Zeit. Wie die Augsburger Puppenkiste überhaupt.

Otfried PreuSSler

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Die Räuber-Hotzenplotz-Edition (4) (4,6)

Der Audio Verlag, ungekürzte Lesung, 384 Minuten/6 CDs, 29,99 Euro

Max Kruse

Urmel aus dem Eis (5) (3,95)

Patmos, ungekürzte Lesung, 151 Minuten/2 CDs, 14,95 Euro

Paul Maar

Die große Sams Hörspielbox (6) (3,95)

Oetinger Audio, Hörspiel, 314 Minuten/6 CDs, 19,95 Euro

Paul Maar/Sepp Strubel

Die Opodeldoks (7)

04·13 Grandios buecher-magazin.de

(4,55)

Oetinger Audio, ungekürzte Lesung, 153 Minuten/2 CDs, 13,95 Euro

Tilde Michels

Kleiner König Kalle Wirsch (8) (3,35)

Hörcompany, ungekürzte Lesung, 191 Minuten/3 CDs, 10,00 Euro

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Jugendthriller über Cybermobbing

Isoliert im (a)sozialen Netz

Pöbeln, hetzen, drangsalieren – die als sozial titulierten Netzwerke im Internet sind häufig das genaue Gegenteil. Neben zahlreichen Sachbüchern nähert sich auch eine Reihe von Jugendthrillern der Schulhofdresche der Generation 2.0. von Olaf Ernst

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as Video auf der Internetplattform Youtube dauert 8 Minuten und 55 Sekunden. Nacheinander werden Karteikarten von einem jungen Mädchen in die Kamera gehalten. Der Bildausschnitt zeigt den Oberkörper bis zum Kinn, nicht das Gesicht. „Ich habe mich entschieden, euch von meiner niemals endenden Geschichte zu erzählen“, steht auf dem ersten Zettel. In der siebten Klasse fing sie aus Spaß an, im Netz zu chatten. Sie bekommt Komplimente, auch von Männern. Einer bittet sie um ein Foto ihrer nackten Brüste. Sie mailt es ihm. Er lädt es bei Facebook hoch. Ein gefundenes Fressen für ihre Mitschüler. Immer gewissenlosere Attacken folgen. Ein Schulwechsel hilft nicht. Es folgen Alkohol, Drogen und Selbstmordversuche. Der zweite Ende Oktober 2012 gelingt. Ihr Youtube-Video machte die 15-jährige Amanda Todd aus dem kanadischen Vancouver zur Märtyrerin gegen Cybermobbing. Gelästert und gestänkert wurde schon immer, auch im Internet, da mittlerweile aber auch Jugendliche virtuell mindestens so viel kommunizieren wie in der Realität, nehmen die Fälle mit Kindern und vor allem die Sorgen der Eltern zu. Nicht nur Sozialverbände und Schulen haben sich der Prävention von Cybermobbing angenommen, auch der Buchmarkt bietet eine ganze Bandbreite an Ratgebern zum Phänomen. Unmittelbar an die Teens richten sich die Jugendthriller. Die spannungsgeladenen Bücher führen vor Augen, wie Attacken ablaufen, welche Folgen daraus resultieren können und was die Täter zu ihren Pöbeleien

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Spezial Kinder & Jugend

„Ich mach Dich fertig“ Ela aus „Ich blogg dich weg!“

im Netz bewegt. Unterhaltung ohne mahnenden Zeigefinger, aber mit Identifikationspotenzial mit den Opfern. Mobbing und Cybermobbing lassen sich dabei oft nicht trennen. Morgens wird auf dem Schulhof fertiggemacht, abends im Netz. Das erfährt Svea Andersson in „Dunkles Geheimnis“ (ab 12 Jahre) am eigenen Leib. Im sechsten Teil der Krimis um die aufgeweckte Schülerin von Ritta Jacobsson soll die 14-Jährige aus der HockeyMannschaft gedrängt werden – weil sie ein Mädchen ist. Erst gründet ein Unbekannter namens Gustav die Facebook-Gruppe „Alle, die gemischte Mannschaften hassen“. Dann geht die Hetze auch im realen Leben los. Schubser beim Lauftraining, Fouls im Spiel, obwohl Svea doch der Star der Mannschaft ist – oder vielmehr gerade weil. Die Jungs wollen sie aus dem Team haben und mit einem Nacktfoto aus der Dusche, auf dem sie obendrein dem Anschein nach den Trainer Ted umarmt, gelingt es ihnen auch. Der Skandal um die vermeintliche Schülerin-Trainer-Liaison ist eine ausgemachte Sache und Svea das Mobbingopfer Nummer eins der Schule. Der Fall von Svea ist – so traurig das klingt – geradezu Routine heutzutage. Unter dem Deckmantel der Anonymität lässt es sich im Netz noch einfacher mobben als auf dem Schulhof. Dabei trifft es nicht nur Schwächere. Auch Kinder, die im „echten Leben“ beliebt sind. So wie Julie in „Ich blogg dich weg“ (ab 12 Jahre). Als Sängerin der Band „Jase Noju“ wird sie für ihre grandiose Stimme bewundert, lebt in einem stabilen Freundeskreis. „Für das Face-to-Face-Mobbing eignet sich Julie tatsächlich weniger. Das würde sich bei ihrem sozialen Status keiner trauen“, sagt die Autorin Agnes Hammer. Und so wird sie online attackiert. Zunächst liegen nur Drohmails im virtuellen Postfach. Dann zeigt ein gefälschtes Facebook-Profil die zickige Seite von Julie. Ein Auslöser ist für Julie nicht ersichtlich. „Neid, Langeweile und Rache sind die Hauptmotive beim Cyber­mobbing. Vor allem Neid kann viel leichter ausgelebt werden. Daher gibt es beim Mobbing im Netz auch nicht die ,typischen‘ Opfer“, weiß Autorin Hammer.

Täglich in der Online-Community Gedankenlosigkeit. Ein weiterer Aspekt, der mit Cybermobbing immer häufiger einhergeht. Wer sich abreagieren will, findet schon ein Opfer, das 4·2013

Altersempfehlung

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Ritta Jacobsson: Dunkles Geheimnis Übersetzt von Brigitta Kicherer Kosmos, 238 Seiten, 10,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Agnes Hammer: Ich blogg dich weg! Loewe, 160 Seiten, 5,95 Euro Janet Clark: Sei lieb und büße Loewe, 333 Seiten, 12 Euro Alice Gabathuler: Matchbox Boy Thienemann, 288 Seiten, 12,95 Euro Auch als E-Book erhältlich Julie Anne Peters: By the time you’ll read this, I’ll be dead Übersetzt von Anja Herre Kosmos, 251 Seiten, 12,95 Euro

muss man dazu noch nicht mal kennen. Dabei kann sich Cybermobbing auf unzählige Nutzer ausbreiten. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest fand in einer Studie im Jahr 2010 heraus, dass jeder Zweite zwischen 12 und 19 Jahren sich täglich in seiner Online-Community einloggt, bei den 6- bis 13-Jährigen waren es bereits 43 Prozent. Wie rasant und rücksichtslos Cybermobbing verlaufen und welche Dynamik entstehen kann, beschreibt Alice Gabathuler in dem Roman „Matchbox Boy“ (ab 14 Jahre). Die Sommerferien sind für die drei Freundinnen Jori, Dany und Leonie bislang zu öde. Der neue Gärtner scheint genau das richtige Opfer für ihre Späße zu sein. Eines Tages verschwindet der junge Mann und das Blatt wendet sich: Auf einer Internetseite droht der Matchbox Boy, schmutzige Geheimnisse der drei Mädels auszuplaudern. Die Community darf entscheiden. Knapp 5500 User brennen darauf zu erfahren, mit wem Dany das erste Mal geschlafen hat. Während auch delikate Details über Leonie und Jori veröffentlicht werden, steigt die Zahl auf über 30 000, die lechzend entscheiden, wie es der Matchbox Boy den Mädels heimzahlen soll. „Im Sog einer Gruppendynamik tut man Dinge, die man sonst vielleicht nicht tun würde. Allein die Tatsache, dass man die Dinge nicht alleine macht, dient als Rechtfertigung. Und im Netz ist es noch einfacher, weil man nicht persönlich mit der Reaktion der Betroffenen konfrontiert wird und es immer Leute gibt, die einem für giftige Worte mit einem ,gefällt mir‘ eine Legitimation für das eigene Handeln geben“, erklärt Autorin Gabathuler das skrupellose Verhalten der Community. Die erfolgreiche Thrillerautorin Janet Clark hatte nach einem Surferlebnis die Idee zu ihrem neuen Jugendbuch „Sei lieb und büße“ (ab 14 Jahre). „Ein junges Mädchen stellte sich in einem Video vor und fragte, ob sie die Viewer hübsch oder hässlich fanden. Eine sechsstellige Zahl an Nutzern hatte das Video gesehen und dementsprechend hoch war die Anzahl der Kommentare. Sie erhielt aufmunternde Worte, aber auch zahlreiche Kritiken, die teils weit unter der Gürtellinie waren. Ich war fassungslos.“ Das Ausliefern an die anonyme Community der Teenager gibt dem Mobbing den meisten Zunder. In „Sei lieb und büße“ beleuchtet Clark gleich zwei

„Weil Du ein Opfer bist, und Opfer sind peinlich!“ Cruella aus „Sei lieb und büße“

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„Wetten, dass du dich morgen nicht in die Schule traust?“

Kinder im richtigen Alter sind, kann man diese zunächst im Internet begleiten. Bei Facebook und Co. bin ich mit meinen Söhnen ,befreundet‘, das war Bedingung und beide hatten damit kein Problem. Wenn ich einen bedenklichen Beitrag gesehen habe, haben wir darüber geredet. Ich habe meine Gründe erklärt und sie gebeten, das Bild oder den Beitrag zu löschen.“

Fälle von Cybermobbing. Aus ihrem Tagebuch erfährt der Leser, warum Mia sich für den Freitod entschied. Anonym wurde sie auf Facebook von „Cruella“ bepöbelt. Später taucht auf Youtube ein Video auf, das Mia nackt in der Dusche zeigt. Schulkameraden verspotten sie, ihr Freund Rik trennt sich, selbst ihr Vater sagt, Mias Leben sei versaut. Etwas, das junge Menschen schneller bereit sind zu glauben. Die 16-Jährige sieht keinen Ausweg mehr. Ein Jahr später ist Sina frisch mit Rik zusammen, als der verunglückt und ins Koma fällt. Sina glaubt nicht an einen Unfall und plötzlich wird auch sie im Netz gemobbt. Erst von einem gewissen „BabyG“, dann kommentieren Mitschüler, letztlich nimmt die Hetzjagd online ihren Lauf. Doch wie verhält man sich als Opfer richtig? Cybermobbing als solches wird vom Gesetzgeber noch nicht als Straftat angesehen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Tatbestände, die durchaus in Deutschen Gesetzen geregelt sind, wie Rufmord oder das Recht am eigenen Bild. In sozialen Netzwerken lassen sich unerwünschte Nutzer auf eigenen Profilen problemlos sperren, doch was tun, wenn sich die Mobbingattacke bereits im Netz ausgebreitet hat? In „Ich blogg dich weg“ geht Sängerin Julie offen ins Duell mit den Mobbern. Eine Reaktion, die Autorin Agnes Hammer nicht empfiehlt: „Ich würde jedem raten, nicht zu antworten. Durch eine Antwort gibt Julie bereits preis, dass sie die Attacken getroffen haben. Das befeuert die Spirale des Cybermobbings nur. Alle Mails, Kommentare oder sonstigen Angriffe unbedingt sammeln. Und dabei vor allem nicht alleine sein, sondern sich Freunde, Eltern, Sozialarbeiter oder Vertrauenspersonen dazuholen, damit die Wirkung der Mails durch Menschen, die man mag, relativiert wird.“ Sich anderen anzuvertrauen. Diese scheinbar simple Maßnahme geschieht häufig zu spät oder gar nicht. Kinder schämen sich, haben Angst vor einem Internetverbot und glauben, sie müssten mit der Hetzjagd alleine klarkommen. Dafür entscheidet sich auch Janet Clarks Protagonistin Sina, obwohl die Autorin nicht dazu rät. „Für Eltern ist es wichtig, in jedem Fall ihrem Kind das Gefühl zu geben, dass es nichts falsch gemacht hat und man auf seiner Seite steht. Und vorherige Aufklärung ist am sinnvollsten. Sofern die

Ist mein Kind geschützt?

Corinne aus „Matchbox Boy“

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In „By the time you read this, I’ll be dead“ (ab 12 Jahre) sind im Anhang Beratungsstellen für junge Menschen in Krisen aufgeführt. Denn haben die Mobbingattacken ein Opfer in soziale Abschottung, zermürbende Einsamkeit, krankhafte Hoffnungslosigkeit getrieben, sehen sie häufig keinen Ausweg mehr. Perfiderweise gibt auch hier das Internet Auskunft. In dem aufwühlenden Buch will Daelyn nach jahrelangem Mobbing nur noch sterben. Selbst ihre Eltern sind machtlos. Die Teenagerin hat schon einige gescheiterte Anläufe hinter sich, kann nicht mehr sprechen, seit sie sich mit einem Säurecocktail vergiften wollte. Und so meldet sich Daelyn auf der Suizidwebsite Durch-das-licht.com an – binnen 23 Tagen zum Freitod. Autorin Julie Anne Peters dringt unglaublich realistisch in die Gedanken und Gefühlswelten der lebensmüden Ich-Erzählerin ein. Einerseits sind da die Erinnerungen an die unzähligen peinigenden Erlebnisse, andererseits das Hier und Jetzt mit dieser gnadenlos ins Detail eingehenden Internetseite, die aber neben Bewertungen zu Selbsttötungsvarianten und Diskussionsforum die Teenagerin auch mit kryptischen Selbstfragen zum Nachdenken über sich selbst anregt. Keine leichte Materie, die zudem noch lange danach beschäftigt. Autorin Peters stellt sogar im Anhang zahlreiche Fragen zu Daelyns Gedanken, Leben und Handlungen. Letztlich sind die Jugendthriller über Cyber­ mobbing auch für Eltern eine aufrüttelnde Lektüre. Als Mutter oder Vater fragt man sich automatisch: Sehe ich richtig hin? Ist mein Kind geschützt? Oder: Ist mein Kind ein Täter? Viele Mobber waren früher Mobbingopfer. Zweifel werden geschürt, ob das Kind einem wirklich alles erzählt. Auch die Protagonisten in den Büchern halten ihre Erlebnisse geheim. Eine allgemeingültige Verhaltensempfehlung hat dennoch keines der Bücher parat. Es gilt also, genau hinzuschauen und im Falle Unterstützung zu geben und anzunehmen. „Sehr offen mit den Geschehnissen umzugehen und einen Experten hinzuzuziehen sind gute Möglichkeiten. Jeder Fall ist anders und da ist Fachwissen gefragt, um nicht die eigenen Emotionen in den Fokus zu stellen, sondern besonnen zu reagieren“, erklärt Autorin Alice Hammer. 4·2013


Spezial Kinder & Jugend

Bastian Bielendorfer hat einem Millionenpublikum bewiesen, wie schlagfertig, amüsant und herrlich selbstironisch er sein kann. In „Lehrerkind“ aber wollte er unbedingt noch einen draufsetzen. Offenbar kann man sich selbst als Comedian noch zum Streber entwickeln.

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anchmal schreibt das Leben eben doch die besten Geschichten. Gemeint ist damit jetzt allerdings nicht die vom Lehrerkind Bastian Bielendorfer, sondern die vom Bestsellerautor. Im Oktober 2010 schafft es Bielendorfer in der Quizsendung „Wer wird Millionär?“ auf den begehrten Kandidatenstuhl gegenüber von Günther Jauch. Der 26-Jährige präsentiert sich sympathisch, locker, schlagfertig. Als er bei der 8000-Euro-Frage seinen Vater als Telefonjoker ziehen muss, flachst er, der werde „nie wieder ein Wort mit mir wechseln, wenn ich das nicht allein hinkriege.“ Und als hätte der Vater das gehört, geht er erst mal gar nicht an den Apparat. (Vielleicht haben sich die RTL-Mitarbeiter auch einfach verwählt, aber das wäre ja nicht ganz so lustig.) Ziemlich mürrisch gibt Bielendorfers Vater beim zweiten Versuch dann die richtige Antwort. Die „Renaissance“ gilt natürlich als Wiedergeburt der Antike und nicht etwa, wie sein Sprössling mutmaßte, des Barock. „Bist du dir sicher?“, fragt der Kandidat noch einmal nach. „Ja, Mensch. Antike!“ Grußlos beendet der Vater das Gespräch. Und sein Sohnemann darf anschließend noch ein bisschen darüber lamentieren, wie hart das Leben als Kind eines Lehrerpaares ist. Bastian Bielendorfer macht das mit so viel Humor, furztrocken und ironisch, dass sich die beiden Sendungen mit ihm zu einem Highlight in der langen Geschichte von „Wer wird Millionär?“ entwickeln, obwohl er am Ende „nur“ 32 000 Euro gewinnt. Die Pointen sitzen, und die Episoden aus dem Lehrerkindalltag sind so unfassbar witzig und absurd, dass 4·2013

DIESMAL Bastian Bielendorfer: Lehrerkind – lebenslänglich Pausenhof Piper, 304 Seiten, 9,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

Bastian Bielendorfer Bastian Bielendorfer, geb. am 24. Mai 1984 in Gelsenkirchen, studierte zunächst Geschichte und Psychologie auf Lehramt, wechselte später aber zu einem reinen Psychologiestudium. Nach seinem Auftritt in der Quizsendung „Wer wird Millionär?“ veröffentlichte er im Oktober 2011 die humoristischen Lebenserinnerungen Lehrerkind – Lebenslänglich Pausenhof. Das Buch avancierte zum Bestseller. Die Fortsetzung Lebenslänglich Klassenfahrt – Mehr vom Lehrerkind erschien vor Kurzem.

man beim Piper-Verlag hellhörig wird, als Bielendorfer von seinem Plan erzählt, ein Buch darüber zu schreiben. Eine Lektorin kontaktiert ihn. Ein Jahr später erscheint dieses Buch dann tatsächlich und entwickelt sich zum Verkaufsschlager. Doch so märchenhaft schön diese Geschichte klingt, sie hat auch einen Haken. Und zwar das Buch selbst. Bielendorfer mag als Quizshow-

kandidat Schwung in die Bude bringen und als Poetry-Slammer den Saal rocken, aber als Autobiograf müsste man ihm wohl das längst sprichwörtliche „stets bemüht“ ins Zeugnis schreiben, so gewollt lustig, frisch und frech kommen die Lebenserinnerungen des Lehrerkindes daher. Bielendorfer schreibt im Grunde, wie er spricht. Und das ist selten eine gute Idee. Selbst dann nicht, wenn man so rotzfrech-witzig parliert wie Bielendorfer. Zwischen den Buchdeckeln nutzt sich der Lausbubencharme nämlich recht schnell ab. Egal, wo man die autobiografisch inspirierte Anekdotensammlung aufschlägt: Fast immer muss man schmunzeln. Jedenfalls so lange, bis man genug davon hat, sich von einem kalkulierten Kalauer zum nächsten schubsen zu lassen. Stets aufs Neue kokettiert Bielendorfer mit dem Loser-Image des dicklichen Lehrersohnes irgendwo zwischen „Knabenbusen und Herrentorte“. Es ist, als wolle er sich mit jedem neuen Scherz selbst übertreffen. Als hielte er seinen Lesern ständig ein noch größeres „Bitte lachen!“-Schild vor die Nase, als habe er sicherheitshalber aber gleich noch ein paar Lacher vom Band mit eingebaut. Die Gagmuster wiederholen sich derart oft, dass sich der Eindruck aufdrängt, die geheime Comedy-Mission des Buches sei es, möglichst viele absurde sprachliche Vergleiche auf 300 Seiten unterzubringen. Scrabble wird dann zum Beispiel zu einem „Spiel, das den meisten Menschen weniger Freude macht als eine Wurzelbehandlung mit der Kettensäge“. Die „kleine Prinzessin Jessica“ war in Bielendorfers Erinnerung „so klug wie ein Kasten Brause“, Sören Malte „so spannend wie das Wort zum Sonntag auf Albanisch“ und er selbst musste schwitzen „wie Reiner Calmund beim Sonntagsbrunch“. Das ist zwar in etwa so originell, wie wenn einem jemand zum hundertsten Mal links auf die Schulter tippt und dann von rechts hämisch angrinst, aber wenn es funktioniert, warum nicht? In diesem Sinne ist Bielendorfers Bestseller auf Dauer ungefähr so komisch wie ein Wartebänkchen an einer Bushaltestelle, so überraschend wie ein Hundehaufen auf einem städtischen Grünstreifen und so abwechslungsreich wie der Pfeifton bei einem Tinnitus. Text: Stefan volk

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Ingo Zamperoni

Ich habe selbst noch einiges Gelernt

Er moderiert das „Nachtmagazin“ der ARD, gehört zum Moderationsteam der „Tagesthemen“ – und ist dreifacher Vater. Mit der Reihe „Starke Kinder“ präsentiert Ingo Zamperoni nun seine erste Hörspielproduktion, die den internen Familientest schon bestanden hat. Interview: Christian Bärmann

H

err Zamperoni, was hat Sie bewogen, die Hörspielreihe „Starke Kinder“ zu präsentieren? Zunächst einmal bin ich neugierig auf neue Kommunikationsformen. Mich hat seit jeher am Radio gereizt, Informationen nur mit der Stimme zu transportieren und so Bildwelten und Ereignisse zu erschaffen. Da ich das durch meine Arbeit beim Fernsehen lange nicht mehr gemacht habe, hatte ich schon lange den Wunsch, auch mal ein Hörbuch zu machen. Als Random House Audio mit diesem Projekt auf mich zugekommen ist, haben sie bei mir offene Türen eingerannt. Waren Sie an der Konzeption beteiligt? Nein, das Konzept war schon fertig, aber ich stehe schon als dreifacher Vater (er hat Zwillinge im Alter von 4 Jahren und eine einjährige Tochter, die Red.) natürlich voll hinter dem Inhalt und habe sofort zugesagt. Eltern müssen doch jeden Tag einen Spagat machen: Einerseits ist da das Beschützen vor Gefahren, Verletzungen und Risiken. Andererseits das Loslassen, damit Kinder eigene Schritte und Erfahrungen machen können, um Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu bekommen. Diese Hörspiele helfen dabei, das Meistern des Spagates etwas zu unterstützen. Warum sind Hörspiele dafür besonders geeignet? Ich glaube, dass gerade Kinder bei Hörspielen besonders gut bei der Sache sind. Vor allem die Zielgruppe ab fünf Jahren kann noch nicht so gut lesen und sich Inhalte noch nicht so gut selbst erarbeiten. Dazu kommen die Emotionen des gesprochenen Wortes ­– nehmen Sie nur die Fußball-Bundesliga-Konferenz im Radio: Das Zuhören ist doch viel spannender, als die Spiele im Fernsehen zu sehen, weil man sich die Situationen im eigenen Kopf vorstellen kann. Haben die Hörspiele schon den heimischen Test bestanden? Ja, wir sind über Ostern eine lange Strecke mit dem Auto gefahren und hatten die vier CDs dabei. Unsere Zwillinge wollten die Hörspiele immer wieder hören und waren total gebannt, weil so viel passiert. Wenn man alles, was nur schiefgehen kann, innerhalb von zwanzig Minuten hört, ist das richtig atemberaubend, wie ein Actionfilm im Kopf. Das macht das Zuhören sehr spannend, auch für uns als Eltern.

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Zumal ja auch die Erwachsenen in den Situationen ihr Fett abbekommen … Absolut, denn nicht nur das Verhalten der Kinder, sondern auch die Fehler der Erwachsenen werden dargestellt. Ich habe selbst einiges dazugelernt – zum Beispiel werden wir jetzt einen kleinen Pflasterschrank in Kniehöhe anbringen, damit sich unsere Kinder im Zweifelsfall auch selbst „verarzten“ können, ohne dafür auf den Badewannenrand oder die Waschmaschine steigen zu müssen. Ein anderes Geheimnis der Serie ist auch, dass sie nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger arbeitet. Ich denke da zum Beispiel an die Folge mit dem Feuer, in der der Vater sein Fett abbekommt, weil er so viel verbietet und enorm streng ist – und damit die Kinder geradezu einlädt, heimlich mit dem Feuer zu spielen. 4·2013


Spezial Kinder & Jugend

Sollten die kleinen Hörer auch ein wenig abgeschreckt werden? Na ja, so schockierend sind die Situationen nun auch wieder nicht. Denn vieles, was auf den CDs beschrieben wird, passiert tatsächlich häufig im Alltag, wir reden ja nicht von einem Flugzeugabsturz. Dass die Badewanne vollläuft, auf dem Herd etwas anbrennt, der CD-Spieler kaputt ist oder eine Sicherung herausspringt, hat doch jeder schon mal so oder so ähnlich erlebt. Oder könnte es erleben. Dadurch ist viel Bezug zum echten Leben da, aber durch die geballte Form der Ereignisse wird bei Kindern noch mehr das Interesse geschürt. Natürlich sollte man auch von Elternseite vor möglichen Gefahren warnen – und die Eltern werden durch die CDs auch nicht von ihrer Entziehungspflicht entbunden. Aber es hilft zuweilen umso mehr, wenn die Kinder es auch noch einmal von außen hören, am besten durch eine spielerische und spannende Art der Aufklärung.

Sturm

im Elfenwald!

a 14,95 D | ISBN 978-3-407-82017-4 durchgehend vierfarbig bebildert von Joëlle Tourlonias

Ingo Zamperoni (Hrsg.), Oliver Versch, Martin Nusch

Starke Kinder – Sicher unterwegs

Foto: Oliver Wia

Gelesen von Katharina Gast, Martin Baltscheit u. a. Schon das Cover macht Lust aufs Reinhören: Beladen mit vielen alltäglichen Gefahrensituationen sieht es aus wie ein Wimmelbild, das zum Entdecken auffordert. Beim Hören werden die geweckten Erwartungen durchaus erfüllt, denn statt mit dem Hammer werden die kleinen Hörer durch flott aufbereitete Hörspielsituationen auf Gefahren des Alltags aufmerksam gemacht. In geballter Form wird vorgeführt, was man alles falsch oder richtig machen kann. Im zweiten Teil werden einige Szenen nochmals aufgegriffen und anhand praktischer Tipps erklärt, wie man sich in brenzligen Situationen zu helfen weiß. Ohne pädagogischen Zeigefinger, mit Unterhaltungswert und Mehrwert durchaus auch für Eltern. Im Booklet kann in Quizform der „EntdeckerFührerschein“ gemacht werden. Eine runde Sache – auch, weil neben pfiffigen Jung-Sprechern und „Tigerentenclub“Moderatorin Katharina Gast mit Martin Baltscheit ein echter Könner an Bord genommen wurde. Herausgeber Ingo Zamperoni spricht jeweils die Einleitung. Neben „Sicher unterwegs“ sind auch „Messer, Schere, Licht“, „Feuer und Flamme“ und „Wie ein Fisch im Wasser“ am Start, Fortsetzung nicht ausgeschlossen. (bär)

Seit Jannis, der Elfenjunge, aus Versehen Wendel, den Schrat geweckt hat, weicht der nicht mehr von seiner Seite. Was für ein Pech! Elfen glauben nämlich, Schrate brächten Unglück – doch dann kommt alles ganz anders…

Oha...

Reinlesen!

cbj audio, Hörspiele, je 45 Minuten/je 1 CD, 6,99 Euro

4·2013

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Robert M. Sonntag

Nadia Budde

Die Scanner

Großstadttiere

Deutsche Originalausgabe

Deutsche Originalausgabe Altersempfehlung

Altersempfehlung

14

Altersempfehlung

Alwara Borg (11) besucht die 6. Klasse, liest leidenschaftlich gern und schreibt auch selbst außergewöhnlich schöne Geschichten.

11

Helen Phillips

Paradiesvoll & geheimnisgrün

9

Im Jahr 2035 gibt es keine gedruckten Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften mehr. Rob, 25, arbeitet als Buchagent für die Scan AG, ein Unternehmen des Weltkonzerns Ultranetz. Er macht Bücher kostenlos für alle verfügbar. Ein alter Mann lockt Rob zum Treffpunkt einer Untergrundorganisation, der Büchergilde. Hier lernt Rob eine alte, andere Welt kennen. Ein spannender Science-Fiction-Roman mit dystopischen Elementen. Viele weitergedachte technische Entwicklungen und Visionen über die Macht der globalen Netzwerke sind leider gar nicht so weit von der Gegenwart entfernt und hinterlassen ein nachdenkliches, mulmiges Gefühl. (hoß)

Raus aufs Land, um etwas über Tiere zu lernen? Quatsch, da geht man besser in die Stadt! Budde eröffnet ungewöhnliche Sichtweisen auf die urbane Fauna und erzählt von Waschbär, Fuchs oder Wolf, aber auch von gängigeren Spezies wie Spatz und Taube. Die Themenherleitungen und Zeichnungen sind überaus witzig. Doch man lernt auch was: zum Beispiel, dass die Paarung von Raben- und Nebelkrähen zu Mischkrähen führt oder Stare im lärmenden Rom neue Verständigungsarten entwickeln. Einzig das Rätsel um die Existenz von weißen Alligatoren in der New Yorker Kanalisation kann auch Budde nicht gänzlich lösen. (sk)

Fischer KJB, 192 Seiten, 12,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Jacoby & Stuart, 140 Seiten, 18 Euro

Eva Völler

Hanna Dietz

Zeitenzauber. Die goldene Brücke

Gefährliche Gedanken

Übersetzt von Ilse Rothfuss Ein Familienvater, von Beruf Vogelforscher, fliegt von einem tollen Angebot gelockt in den Urwald. Seitdem er nicht mehr zu Hause ist, fühlt sich die Familie beobachtet und belauscht. Als der Vater nach sieben Monaten noch nicht zurückgekehrt ist, beschließt die Familie, ihn zu suchen: der Beginn eines gefährlichen Abenteuers. Helen Phillips hat in ihr Buch viele Überraschungen eingebaut. Daher wächst die Leselust auch mit jedem Kapitel und nach einer Weile möchte man das Buch schon gar nicht mehr aus der Hand legen. Eine kleine Liebesgeschichte macht „Paradiesvoll und geheimnisgrün“ zu einem richtigen Mädchenbuch. Es ist recht anspruchsvoll geschrieben, mit langen Kapiteln, englischen Namen und Bezeichnungen, aber schon bald hat man die handelnden Personen kennengelernt und fiebert mit ihnen mit, da vieles sehr anschaulich erklärt wird und das Ende ist sehr überraschend. (ab)

Deutsche Originalausgabe

Altersempfehlung

14

Anna steckt gerade mitten im Abitur, als sie erfährt, dass ihr Freund Sebastiano in Paris verschwunden ist. Doch damit nicht genug: Er befindet sich im 17. Jahrhundert, hat jegliche Erinnerung verloren und hält sich für einen Musketier. Nun ist es an Anna, die sich nach ihrem ersten, unfreiwilligen Zeitsprung dem Geheimbund der Zeitwächter angeschlossen hat, in die Vergangenheit zu reisen. Schafft sie es, das Schlimmste zu verhindern? Helden, Schurken, Liebe und Verschwörungen – auch der zweite Band ist fesselnd und die gut recherchierten historischen Details lassen dieses Buch zu einem wahren Lesegenuss werden. Gerne mehr davon! (lin)

Auch als Hörbuch bei Silberfisch erhältlich

Chicken house, 384 Seiten, 17,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

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Deutsche Originalausgabe

Altersempfehlung

12

Nach einem Schulverweis frisch auf dem Mädchengymnasium angekommen, muss sich die 17-jährige Natascha nicht nur mit ihren zickigen Klassenkameradinnen rumschlagen. Mitschülerin Laura wird tot aus dem Rhein geborgen. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Natascha entdeckt Hinweise auf einen Mord. Hat der strenge Vater Laura umgebracht? Oder war es der Musiklehrer, der die Beziehung zu seiner Schülerin vertuschen wollte? Dietz’ Jugendkrimidebüt hat die perfekte Mischung: eine freche Hobbydetektivin, mit der man sich nach den ersten Buchstaben identifiziert, einen bis zum Schluss wendungsreichen Plot und jede Menge Humor. (ole) 04·13 Grandios buecher-magazin.de

Baumhaus, 318 Seiten, 14,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Arena, 360 Seiten, 12,99 Euro Auch als E-Book erhältlich 4·2013


bücher | Spezial Kinder & Jugend

Rena Dumont

Michael De Cock

Paradiessucher

Rosie und Moussa

Deutsche Originalausgabe

Übersetzt von Rolf Erdorf Altersempfehlung

Altersempfehlung

14

1986, in einer tschechoslowakischen Kleinstadt: Lenka hat nur einen Traum: dem Ostblock zu entfliehen. Denn ihr Wunsch nach Freiheit hat in der spießbürgerlichen Gesellschaft keinen Platz. So verlässt sie mit ihrer Mutter Heimat, Familie und Freunde, um in Deutschland die Rettung zu suchen. Im vermeintlichen Paradies angekommen, lernt sie jedoch, dass man aufpassen soll, was man sich wünscht. In ihrem semi-autobiografischen Debüt erzählt Dumont packend, witzig und stellenweise erschütternd von Verlust, Erkenntnis und Hoffnung. Ihr authentischer Sprachstil führt den Leser sicher durch Lenkas Gefühlswelt. (vs)

Rosie zieht nach der Trennung ihrer Eltern mit Mama ans andere Ende der Stadt. Was für ein Glück, dass Moussa direkt über ihr wohnt. Als die Kinder aufs Dach des Hochhauses gehen, obwohl dort KEIN ZUTRITT FÜR UNBEFUGTE steht, erleben sie Unerahntes. Verspielt, federleicht und klug ist sie, die Geschichte von Michael De Cock. Der wiederum kommt vom Theater. Das merkt man seinen Figuren, der spannenden Handlung und den lebendigen Dialogen an. In Nebensätzen fängt er Angst, Nähe oder Hoffnung ein. Die zahlreichen SchwarzWeiß-Zeichnungen Judith Vanistendaels machen das Kinderbuch perfekt. (ae) 04·13 Grandios buecher-magazin.de

Carl Hanser, 304 Seiten, 14,90 Euro Auch als E-Book erhältlich

Beltz & Gelberg, 104 Seiten, 9,95 Euro

Dagmar Geisler

Helga Gutowski

Wandas erster Schulausflug

Sandersommer

Deutsche Originalausgabe

Deutsche Originalausgabe Altersempfehlung

6

Der erste Ausflug führt die Klasse von Wanda und ihrer Freundin Katti in den Wildpark. Ein Vater, Wandas Mutter und die Lehrerin haben alle Mühe, die Erstklässler zwischen Hängebauchschweinen und Luchsen zusammenzuhalten: Sophie traut sich nicht wieder vom Klettergerüst, Katti ist jedes Mal wie hypnotisiert, wenn sie ein Pferd sieht, Otto sucht das Bärenjunge und Bernie und Yakup meinen, sich vor einem Wolf verstecken zu müssen. Ein Esel erstickt beinahe, ein Zicklein hat sich unter dem Bus versteckt. Das Chaos reißt nicht ab. Trotzdem ist es ein gelungener Ausflug – und ein gelungenes lustiges Erstlesebuch, absolut authentisch! (md)

Altersempfehlung

9

Altersempfehlung

6

Jettes Tante und ihre Partnerin erwarten ein Baby – „Sandersommer“ erzählt vom Warten, vom Leben und vom Tod. Denn Sander, der Cousin, auf den Jette sich so sehr freut, wird nur wenige Wochen alt. Dennoch ist dies kein trauriges Buch. Das Baby wird in seinem kurzen Leben sehr geliebt. Sprachlich und emotional spiegelt die Helga Gutowski die kindliche Fähigkeit, intensiv traurig sein zu können und doch im nächsten Moment voll ungeduldiger Vorfreude in die Zukunft zu laufen. Unverbrauchte Sprachbilder, der kindliche Blick und eine eigensinnige Katze machen dieses Kinderbuch-Debüt absolut (vor-) lesenswert. (ivo)

14

Alois Prinz

Jesus von Nazaret Deutsche Originalausgabe Jesus sei für jede Generation „ein Wagnis“, schreibt Alois Prinz im Vorwort seiner Jesusbiografie. Gerade seine „innere Freiheit“ könne ihn zu einem echten Vorbild für Jugendliche werden lassen – jenseits von Leistung, Geld oder Erfolg. Der Autor kennt die historisch-kritische Jesusforschung und erzählt von der politisch aufgeheizten Zeit, in der der Mann aus Nazareth lebte. Aber zusätzlich lässt er Philosophie, Literatur, Kunst und Film sprechen, um das Phänomen Jesus zu erklären. Ein Beispiel unter vielen: Friedrich Nietzsche nannte das Verhalten des zwölfjährigen Jesus im Tempel die „große Loslösung“ – notwendig für jeden, der ein „freier Geist“ werden wolle: Nachdem seine besorgten Eltern tagelang nach ihrem Sohn gesucht hatten, erklärte er ihnen knallhart, er habe im Haus seines himmlischen Vaters sein müssen. Am Interessantesten ist der Autor aber da, wo er die Evangelien selbst deutet. Etwa die „wunderbare“ Brotvermehrung: Als es unmöglich scheint, dass Brot und Fisch für alle reichen, blickt Jesus zum Himmel und fordert die Menschen auf, zu teilen. Wer zum Himmel blicke, erklärt Prinz, werde sich bewusst, wie beschenkt er schon immer sei und werde deshalb großzügig. Diese innere Wandlung im Vertrauen auf die Güte Gottes sei das eigentliche Wunder. (svs) Ein faszinierender Zugang zum „Menschensohn“: klug, kenntnisreich und bestechend einfach geschrieben.

04·13 Grandios buecher-magazin.de

dtv junior, 112 Seiten, 9,95 Euro

4·2013

Rowohlt, 128 Seiten, 9,99 Euro Auch als E-Book erhältlich

Gabriel, 240 Seiten, 16,95 Euro Auch als E-Book erhältlich

99


Dave Shelton

Bär im Boot

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Altersempfehlung

Altersempfehlung

4

8

Gelesen von Rufus Beck (4,55) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Auch als Buch bei Kunstmann erhältlich

DIVERSE AUTOREN

Kamfu mir helfen? Gelesen von Stefan Kaminski, Cathlen Gawlich und Joachim Knaps „Ich bin gefolpert, hingeflogen und hab den Rüffel mir verbogen. Deffegen komme ich fu dir. Kamfu vielleicht helfen mir?“ Dumm gelaufen für den Elefanten, der in der ersten Geschichte bei anderen Tieren Hilfe sucht, um den Rüssel wieder zu entbiegen und normal sprechen zu können. Auch der „Gingpuin“ in der zweiten Geschichte hat einen Sprachfehler. Seine Sätze mit verdrehten Worten haben den Pinguin zum ausgelachten Außenseiter gemacht hat. Er sei doch auch „warz und schweiß“ und wolle ebenfalls mit zur „Scheißolle“. Also geht er auf große Reise, um festzustellen, dass er doch lieber wieder „hach Nause“ möchte, wo die anderen Pinguine ihn schon vermissen. In der dritten Geschichte wird ein Stöckchen zum Streitobjekt der Bauernhoftiere, die den kleinen Stock alle bestens gebrauchen könnten … Wenn die Stimmkünstler Stefan Kaminski und Cathlen Gawlich vor das Mikrofon treten, kommt meistens ein Hörspiel dabei heraus. Kaminski gibt einen köstlichen Elefanten, Gawlich liest den kleinen Gingpuin total niedlich, doch auch die anderen Tiere bekommen eigene Stimmen spendiert. Joachim Knaps kann da nicht ganz mithalten, liest aber mit Elan und Witz auf den Stimmbändern. Lustige Geräusche und muntere Musik runden das Spaßpaket ab. (bär) Was ergeben drei niedliche Geschichten, die von drei Könnern gelesen werden? Ein komisches Immer-wieder-hören-Hörbuch.

(3,6) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Oetinger audio, ungekürzte Lesung, 25 Minuten/1 CD, 9,95 Euro

100

Silberfisch, gekürzte Lesung, 170 Minuten/ 2 CDs, 12,99 Euro

Auch als Buch bei Carlsen erhältlich

Ein Bär und ein Junge sitzen zusammen im Boot. Nur diese beiden Figuren und die Erzähler-Passagen spricht Rufus Beck. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, wie der passionierte Stimmkünstler beispielhaft zeigt. Er charakterisiert die Figuren nicht nur stimmlich, sondern macht auch hörbar, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickeln und verändern: der brummige Bär, der erst wütend und dann niedergeschlagen klingt. Der Junge, dessen Stimme an Zuversicht und Selbstbewusstsein gewinnt. „Bär im Boot“ ist eine Geschichte mit minimalistischer Handlung. Zuerst will man sich langweilen, wie der Junge im Boot. Und dessen Versuch, sich die Zeit mit „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu vertreiben, ist mitten im Blau von Meer und Himmel nicht eben von Erfolg gekrönt. Doch nach und nach lässt man sich auf die Langsamkeit der Handlung ein und lauscht auf die Zwischentöne. Denn selbst wenn ein Untier oder ein Geisterschiff auftaucht, geschieht das hier mit einer gewissen Beiläufigkeit. Im Wesentlichen erzählt der Engländer Dave Shelton von Freundschaft, Vertrauen und der Wer sich Zeit für diese Geschichte nimmt, Kunst, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. wird Vergnügen daran finden – egal ob er Das klingt bei ihm witzig und kontemplativ acht oder 80 Jahre alt ist. zugleich. (akm)

Mary Pope Osborne

Die Feder der Macht Altersempfehlung

5

Gelesen von Frank-Lorenz Engel (3,00) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Auch als Buch bei Loewe erhältlich

Jumbo Verlag, ungekürzte Lesung, 88 Minuten/ 1 CD, 10,99 Euro

Mary Pope Osborne kennt in den USA jedes Kind – im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Reihe „Das magische Baumhaus“ gehört seit Jahren zu den beliebtesten Kinderbuchreihen und hat sich (weltweit) bereits über 110 Millionen Mal verkauft. Mit dem magischen Baumhaus reisen die Geschwister Philipp und Anne wie in einer Zeitmaschine durch die Weltgeschichte. Diesmal geht‘s nach Washington D.C. ins Jahr 1861, wo sie dem US-Präsident Abraham Lincoln im Weißen Haus eine Nachricht überbringen sollen. Um an den vielbeschäftigten Präsidenten heranzukommen, hoffen Philipp und Anne auf Lincolns Söhne – die das Baumhaus für sich beanspruchen wollen, schließlich sei es ja in „ihrem“ Garten gelandet. Oder sollten die Geschwister doch besser auf Magie setzen? Schade, dass sich die magischen Momente der Vorlage nicht durchgehend in der prinzipiell lebendigen Interpretation von Sprecher Frank-Lorenz Engel widerspiegeln. Der Schauspieler liest engagiert, aber sein hörbares Bemühen, der jungen Zielgruppe gerecht werden zu wollen, führt zu einigen unglücklichen Überbetonungen. Auch das Verstellen seiner ange- Die lebendige Interpretation der erfolgnehmen Erzählerstimme gelingt ihm bei den reichen Kinderbuchreihe wird durch einen Kinderstimmen nicht immer. Weniger wäre teils zu eifrigen Vortrag etwas getrübt. mehr gewesen. (bär) 4·2013


Hörbücher | Spezial Kinder & Jugend

Altersempfehlung

Altersempfehlung

10

Auch als Buch/ E-Book bei arsEdition erhältlich

8

Auch als Buch/ E-Book beim dtv erhältlich

Die en 7 Best i n im Ju 140 Seiten durchgehend farbig € [D] 18,00 | € [A] 18,50| SFr 25,90 ISBN 978-3-941087-85-9

Adam Gidwitz

John Green

Eine dunkle & grimmige Geschichte

Margos Spuren Gelesen von Robert Stadlober

Gelesen von Peter Kaempfe Sie finden, Märchen seien gewalttätig und wenig kindgerecht? Tja, dann haben Sie noch nichts von der wirklich wahrhaftigen Wahrheit von Hänsel und Gretel gehört. USAutor Gidwitz erzählt den Klassiker neu, und das von Peter Kaempfe interpretierte Resultat ist eine Hörperle. Wie Gidwitz das über 150 Jahre alte Original ins 21. Jahrhundert transportiert hat, ist bemerkenswert: einerseits modern und noch grausamer, andererseits mit unverwechselbarem Märchencharme und sehr humorvoll. Peter Kaempfe vergoldet die Textpracht, indem er mit Herzblut in die Rolle des sympathischen Märchenonkels schlüpft. Dieser erzählt hier nicht etwa nur in „Es war einmal …“-Manier aus dem abenteuerreichen Leben der Geschwister, Kaempfe spricht mit seinen Hörern auch direkt à la „Sind auch wirklich keine Kinder mehr im Raum? Jetzt wird’s nämlich blutig!“. Am stärksten ist der Schauspieler aber in der Interpretation einzelner Randfiguren wie dem Teufel oder dessen Mutter. Auch hier trifft er die perfekte Mischung aus Grausamkeit und Humor. Zu guter Letzt hat Gidwitz noch ein märchenreifes Ende verfasst – und auch hier gilt für Hänsel und Gretel: Wenn Sie nicht gestorben sind … (ole)

Eine Anmerkung zur Übersetzung: Niemand unter sechzig nennt ein Mädchen, das er begehrt, „Zuckerpuppe“. Das Wort irritiert, bis man herausgefunden hat, dass in der Vorlage „candy-coated honeybunny“ steht. Warum Green einen heutigen Pubertierenden sprechen lässt wie einen Schlagerstar der Fünfziger, bleibt ein Rätsel. Davon abgesehen ist „Margos Spuren“ recht nett, auch wenn die Verdammung der Oberflächlichkeit der Vorstädte selbst längst Konvention ist. Margo, das glamouröseste Mädchen der Schule, steht eines Nachts in Quentins Zimmer und verlangt: „Weil ich heute Nacht elf Sachen zu erledigen habe, und bei fünf davon brauche ich einen, der den Fluchtwagen fährt.“ Nach dieser seltsamen Nacht verschwindet sie. Quentin, seine Nerd-Kumpels und Margos hübsche Freundin Lacey setzen alles daran, sie zu finden. Robert Stadlober trifft den Ich-Erzähler, einen vorsichtigen, unscheinbaren Jungen, so genau, dass man bald vergisst, dass er Schauspieler ist. Trotzdem verleiht er den Figuren – vor allem in den Dialogen – Kontur und Persönlichkeit. Dafür, dass die Geschichte, die er liest, schon in „Donnie Darko“, „American Beauty“ und jeder einzelnen Folge der Serie „Desperate Housewives“ erzählt worden ist, kann er nichts. (ed)

Hänsel & Gretel reloaded: eine meister-

Oberflächlichkeit ist schlecht, Nachdenken

hafte Märchennostalgie mit modernem

ist gut und auch coole Kids haben Pro-

Kick. Ein Muss für jede Hörbuchmediathek.

bleme. Aha.

(4,95)

(3,25)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Audiolino, gekürzte Lesung, 238 Minuten/3 CDs, 16,90 Euro 4·2013

Hörbuch Hamburg, ungekürzte Lesung, 266 Minuten/4 CDs, 19,99 Euro

101


12

9

8

Auch als Buch bei Arena erhältlich

Altersempfehlung

Altersempfehlung

Altersempfehlung

Auch als Buch/ E-Book bei Beck erhältlich

Auch als Buch/ E-Book beim dtv erhältlich

Glenn Murphy

Heiko Wolz

Udo Sautter

Warum ist Schnodder grün?

Allein unter Superhelden

Gelesen von Simon Jäger und Leon Seibel

Gelesen von Patrick Mölleken

Die 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte Gelesen von E. Schütz und G. Merlau

Warum sterben nicht alle Fische, wenn ein Blitz im Meer einschlägt? Haben Spinnen Ohren? Wie schmeckt ein Mensch für einen Tiger? Warum ist Schnodder grün? Fragen über Fragen, alle interessant – zumal die Antworten gerade bei kleinen Menschen neue Fragen aufwerfen. Ein tolles Prinzip, das Glenn Murphy vom Science Museum in London zu Papier gebracht hat. Unser heimisches Test-Zielpublikum hat allerdings erst bei der Frage „Was passiert, wenn man in einem Weltraumanzug pupst?“ so richtig die Ohren gespitzt. Ein Weckruf quasi, nachdem die ersten Minuten dieses Hörbuchs eher in einem Ohr rein- und zum anderen Ohr rausgeflutscht sind. Das liegt vor allem an der Fülle der Informationen, die beim ersten Hördurchgang in akustischer Form etwas schwer zu verarbeiten sind. Teilweise werden zu viele Fakten in zu langen Sätzen untergebracht, und Zurückblättern geht ja nicht. Dazu kommt, dass Simon Jäger ein recht zügiges Lesetempo an den Tag legt, mit seiner angenehmen Stimme aber routinierter Höranker dieser Produktion ist – da die teils heisere Stimme des jungen Leon Seibel auf Dauer leicht anstrengt. Dennoch: klasse Idee. Ein Hörbuch, bei dem man mit jedem Durchgang etwas Neues erfährt. (bär)

Welcher Junge träumt nicht davon, mal ein Superheld zu sein? Leon lebt in einer Welt voller übernatürlicher Kräfte. Mutter „Icemadam“ herrscht über Eis und Schnee, Vater „The Ray“ zerschießt mit seinem Laserblick Dinge und seine Schwester „Die unfassbare Laura“ springt mit einem „Plopp!“ von Ort zu Ort. Der Traum vom Superhelden bleibt für Leon allerdings unerfüllt, denn er ist völlig normal. Ihn stört das jedoch nicht weiter, trotzdem soll der Zehnjährige auf die neue Superhelden-Schule von Dr. Schröder. Und das hat böse Folgen … Allerdings gepaart mit vielen Lachern. Papa Superheld verwüstet beim Versuch, Fahrrad zu fahren das ganze Haus, Leon wird permanent übel, wenn er mit seiner SuperSchwester fliegt, und Sprecher Patrick Mölleken greift die Tonalität dankbar auf. Der Schauspieler überzeugt mit einer Vielzahl von Stimmlagen, baut Nuscheln und Lispeln ein und quetscht fiese Lacher heraus. Diese sind allerdings ebenso an der Nervgrenze wie die Soundeffekte, die wie von einem Keyboard aus den 1990ern klingen. Insgesamt ist „Allein unter Superhelden“ eher was für Jungs. Und für die gibt es sogar noch eine Moral: Auch ohne übernatürliche Kräfte kann man mit Mut und Cleverness zum Helden werden. (ole)

Der Titel klingt nach einem Husarenritt – die 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte in 247 Minuten. 2,45 Minuten pro Persönlichkeit. Und tatsächlich handelt es sich bei dieser Auflistung um pure und sachliche Wissensvermittlung binnen kurzer Zeit. Die chronologische Abfolge beginnt mit dem babylonischen König Hammurapi und endet bei dem letzten Staatspräsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow. Man könnte aber auch mit Martin Luther, George Washington oder Karl Marx starten, da jede der 101 Kurzbiografien ein abgeschlossenes Kapitel in sich ist. Beim Drücken der „Shuffle“-Taste würde höchstens das gleichberechtigte Abwechseln der Erzählanteile von Elga Schütz und Günter Merlau über den Haufen geworfen. Beide Sprecher tragen in Nachrichtensprecher-Manier frei von Emotionen die kurzen Biografien vor. Passend dazu werden mal kühle elektronische, mal warme Pianoklänge eingespielt. Das ist fraglos informativ, unterhaltend eher weniger – konzentriertes Zuhören ist auf jeden Fall angesagt. Ein Glück, dass im Anschluss nicht der Lehrer kommt und das frisch erfahrene (aber zum knackigen Preis erhältliche) Wissen abklopft. (ole)

Ein pfiffiges Hörbuch für wissensdurstige

Slapstick für junge Möchtegern-Super-

Pragmatischer Frontalunterricht statt Wis-

junge Menschen, dessen Informationsdich-

helden, der bei den einen Lachanfälle, bei

sensvermittlung mit Unterhaltungswert –

te zum Mehrfachhören „nötigt“.

den anderen Nervzucken auslösen dürfte.

ein Hörfest für Bildungspolitiker.

(3,35)

(3,0)

(2,5)

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Umsetzung Inhalt Ausstattung

Oetinger audio, gekürzte Lesung, 60 Minuten/1 CD, 9,95 Euro

102

Der Audio Verlag, gekürzte Lesung, 148 Minuten/2 CDs, 12,99 Euro

Lausch, ungekürzte Lesung, 247 Minuten/ Download, 8,95 Euro 4·2013


Hörbücher | Spezial Kinder & Jugend

»So müssen DIE ELFEN klingen.« Bernhard Hennen

Wieland Freund

Wecke niemals einen Schrat! Altersempfehlung

7

Gelesen von Jodie Ahlborn (4,55) Umsetzung Inhalt Ausstattung

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Hörcompany, ungekürzte Lesung, 280 Minuten/4 CDs, 16,95 Euro

Auch als Buch bei Beltz erhältlich

„Die wundervollen Zeichnungen und kleinen Auszüge aus ,Amsel Salamanders Buch über Alles‘, auf Baumblättern notiert, machen das Buch auch zu einem ästhetischen Genuss“, lobte die Rezensentin in BÜCHER-Ausgabe 02/2013 die Vorlage. Den Verlust dieser Ästhetik, den das Medium Hörbuch zwangsläufig mit sich bringt, macht Jodie Ahlborns wunderbare und sympathische Lesung aber locker wett. Vom Fleck erobert die 32-jährige Schauspielerin den Hörer und ist mit ihrer wandelbaren Stimme eine der Sprecherentdeckungen 2013. Mit scheinbarer Leichtigkeit und vor Spielfreude sprühend springt Ahlborn zwischen ihrer warmen Erzählerstimme und den vielen Charakteren aus Freunds Welt hin und her, denen sie höchst unterhaltsam und stimmig Seele einhaucht. Von kindlich süß bis bösartig (großartig: „ihr“ böser, grollender und fauchender Zauberer Holunder), von mürrisch, ängstlich bis erregt – das Repertoire der Hamburgerin ist vielseitig und wie geschaffen für diese fantasievolle und spannende Geschichte aus dem Elfenwald. Nur gut für den Hörer, dass der Elf Jannis den Schrat Wendel weckt („Bringt allen Unglück, Wie aus einer großartigen Vorlage ein höchster Grad, drum wecke niemals einen grandioses Hörbuch wird, beweist die Schrat!“), zunächst verbannt und dann zum wandelbare Jodie Ahlborn. Hoffnungsträger des Elfenwaldes wird. (bär)

Daniela Wakonigg

Von Sherlock Holmes zu CSI Mit Norman Matt, Edda Fischer u. a. Altersempfehlung

8

(3,55) Umsetzung Inhalt Ausstattung

Headroom, Wissen-Feature, 78 Minuten/1 CD, 12,90 Euro

Wenn es darum geht, auf möglichst verständliche Art hinter die Kulissen der Aufklärungsarbeit der Polizei zu blicken, ist der Kriminalbiologe Mark Benecke derzeit meist erste Wahl. Besonders für ein junges Publikum sind Beneckes lockere und populärwissenschaftliche Erklärungen wie geschaffen. Er doziert nicht, er begeistert, outet sich als Fan des fiktiven Meisterdetektivs Sherlock Holmes – und bereichert damit dieses Hörbuch, das auf clevere Weise den Kriminalistik-Bogen von Sherlock Holmes bis zu CSI spannt. Da wäre zum einen der Ausflug in die Geschichte. Wie ist der Name Scotland Yard entstanden, und warum sind die englischen Polizisten gemeinhin als „Bobby“ bekannt? Wie haben sich die Ermittlungsmethoden in den Jahrhunderten verändert? Weitere Einblicke, die auch Erwachsene erhellen dürften, sind die Antworten auf Fragen wie: „Seit wann werden Fingerabdrücke zum Aufklären von Verbrechen eingesetzt?“, „Was ist ein genetischer Fingerabdruck?“ und „Wieso kann man mit Fliegenmaden einen Mord aufklären?“ Neben den O-Tönen von Benecke, runden Hörspielszenen und passende Musikunterma- So unterhaltsam und populärwissenschaftlung dieses hörenswerte Feature ab, das mit lich kann Kriminalistik sein. Hörenswertes Norman Matt und Edda Fischer zwei souve- Feature für Wissbegierige von 8 bis 88. räne Erzähler hat. (bär) 4·2013

Erlebe »Die Elfen« als atemberaubende und einzigartige Hörspieladaption. Start der 2. Hörspielstaffel

»Elfenlicht«

mit Folge 6 ab 31.05. 2013

NEU e6 Folg

Hörproben auf www.folgenreich.de

103


Bilder & Welten Literaturverfilmungen

Bewegte Bilder

Kinostart

13. Juni

Ein Neuanfang in Zeeland

A

Gerbrand Bakker: Oben ist es still Suhrkamp, 315 Seiten, 9,99 Euro

104

m Anfang des Films ist es still. Bilder vom Schilf sind zu sehen, nur der Wind ist zu hören. Ein ruhiger Vorspann stimmt auf eine Geschichte ein, in der nur wenig passieren wird. Stille und Einsamkeit bestimmen das Leben des Mittfünfzigers Helmer van Wonderen (Jeroen Willems) auf dem familieneigenen Bauernhof in Zeeland. Insgeheim sehnt er sich nach einem neuen Anfang, deshalb verfrachtet er seinen bettlägerigen Vater (Henri Garcin), der einfach nicht sterben will, ins Obergeschoss des Bauernhauses und renoviert die unteren Räume, die er fortan bewohnen will. Es ist eine erste Abwechslung in seiner Routine, die aus der Pflege der Tiere und den Gesprächen mit dem Milchfah-

rer (Wim Opbrouck) besteht. Als er zudem einen Knecht einstellt, bricht etwas Neues in sein Leben, das ihm erstmals eine Ahnung von seiner möglichen Zukunft vermittelt. Aber solange sein Vater lebt, kann er die Vergangenheit nicht abschließen. In ihrer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gerbrand Bakker hat Regisseurin und Drehbuchautorin Nanouk Leopold den sprachlich bereits minimalistischen Roman weiter reduziert und an vielen Stellen Eindurch Mehrdeutigkeiten ersetzt. Handelt es sich beispielsweise in Bakkers Roman bei dem Knecht um den Sohn von Riet, der Verlobten von Helmers verstorbenem Zwillingsbruder, ist er im Film ein Fremder. Dadurch ist in dem Film die Vergangenheit als Ursa-

che für Helmers Verhalten im Hintergrund zu spüren, im Mittelpunkt stehen indes seine Gegenwart und seine Versuche, etwas Glück zu finden. Dabei gelingt es ihr insbesondere dank der Bilder von Frank van den Eeden und der Nähe der Kamera zu dem Protagonisten, die spröde Atmosphäre des Romans auf die Leinwand zu transponieren. „Oben ist es still“ ist ein sehr ruhiger und konzentrierter Film, der häufig nur eine Ahnung vermittelt. Aber es ist dieses Unausgesprochene, das fasziniert. Allein die Bilder des nebelverhangenen Hollands und die schauspielerische Leistung des Ende letzten Jahres verstorbenen Jeroen Willems machen den Film zu einem eindrucksvollen Erlebnis. (sh) 4·2013

Fotos: Concorde, Pandastorm, Salzgeber & Co. Medien, Senator Filmverleih, Senator Home Entertainment, Universal

Nanouk Leopolds poetisch-karge Verfilmung von Gerbrand Bakkers Debüt „Oben ist es still“.


Im Kino verpasst ?

DVD -Tipp

Kinostart

13. Juni

DVD-Start

31. Mai

seelen Der fünfte und letzte Teil der Twilight-Saga ist gerade aus den Kinos, schon flimmert die nächste Verfilmung von Bestsellerautorin Stephenie Meyer über die Leinwand. In „Seelen“ gibt es die Liebesgeschichte nicht im blutsaugenden Fantasy-Flanell, sondern im düsteren Science-Fiction-Umhang. Melanie Stryder (Saoirse Ronan) ist einer der letzten echten Menschen auf Erden. Zuvor hatten Außerirdische, sogenannte „Seelen“, erst unseren Planeten und dann unsere Körper erobert. Auf der Flucht begegnet Melanie Jared (Max Irons), der ebenfalls zu den noch freien Menschen gehört. Schon bald verliebt sie sich in ihn, doch das junge Glück findet ein jähes Ende: Melanie fällt in die Hände einer sogenannten Sucherin (Diane Kruger) und die Seele namens Wanderer wird in sie implantiert. Die Seele muss schockiert feststellen, dass ihr Körper nicht nur ihr gehört, denn auch die menschliche Seele lebt noch. Zusammen müssen sie die restlichen Menschen finden, aber beide aus verschiedenen Gründen. Melanies Geist kämpft – animiert durch die Liebe zu Jared – um ihre Existenz und der Kampf beider Seelen in Melanies Körper beginnt …  Stephenie Meyer: Seelen, Ullstein, 912 Seiten, 9,99 Euro

Silver Linings Schon jetzt einer der schönsten Filme des Jahres. Tiffany (Jennifer Lawrence) hält ihn für irre, Pat (Bradley Cooper) sie für eine Schlampe. Um bei einem Turnier mittanzen zu können, brauchen beide allerdings einen Partner … DVD-Start

Matthew Quick: Silver Linings Kindler, 352 Seiten, 16,95 Euro DVD Senator Home Entertainment, 117 Minuten/1 DVD

BÜCHER verlost 5 Pakete zu „Silver Linings“ bestehend aus DVD und Buch (Senator Home Entertainment/Kindler). Einfach mitmachen und gewinnen! Teilnahmebedingungen auf S. 3.

Weitere Literaturverfilmungen

Kinostart

20. Juni

Kinostart

11. Juli

Kinostart

18. Juli

Confession Die 1830er-Jahre in Paris: Octave (Pete Doherty) wird von seiner großen Liebe Elise betrogen. Aus Verzweiflung wird Hochmut, der ihn zum dekadenten Verführer wandelt. Seine Orgien enden erst, als die junge Witwe Brigitte (Charlotte Gainsbourg) in sein Leben tritt. Doch aus Liebe wird schnell wieder Misstrauen: Betrügt nicht jede Frau früher oder später ihren Geliebten? Das Drama um Liebe, Hoffnung und Verzweiflung ist die Verfilmung des autobiografischen Romans von Schriftsteller Alfred de Musset.

Das Glück der groSSen Dinge Die Scheidung der einstigen Rock-Ikone Susanna (Julianne Moore) und Beale (Steve Coogan) geschieht nicht gerade im Einvernehmen. Leidtragende ist Töchterchen Maisie, die künftig immer abwechselnd ein halbes Jahr bei jedem Elternteil lebt. In dem ganzen Durcheinander erkennt Maisie, dass sie sich nicht auf das Leben der Erwachsenen verlassen kann. Nur in Erzieherin Mrs. Wix findet sie eine vertrauensvolle Bezugsperson. Bei ihr findet Maisie bedingungslose Warmherzigkeit, auf die sie aufbauen kann.

Mr. Morgans last love Monsieur Armand aus der literarischen Vorlage heißt in der Verfilmung Matthew Morgan (Michael Caine). Der Witwer lebt einsam in Paris, bis sein Gehstock ihm zu neuem Lebensmut verhilft. Im Bus umgefallen, hebt ihn die junge und impulsive Französin Pauline (Clémence Poésy) auf. Aus der oberflächlichen Begegnung wird wahre Freundschaft, bis Matthews Sohn Miles (Justin Kirk) auftaucht. Das Verhältnis zwischen Vater und Stammhalter ist seit Jahren eingefroren. Dafür kommen sich Pauline und Miles näher …

Alfred de Musset: Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen, Manesse, 408 Seiten, 19,90 Euro

Henry James: Maisie, Ullstein, 292 Seiten, antiquarisch erhältlich (z. B. zvab.com)

Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand, Diogenes, 144 Seiten, 7,90 Euro

4·2013

105


Abstürzen John, Paul, George und Ringo. The Beatles. Zurückspulen. John, Paul, George und Stu. The Silver Beatles. Zurückspulen. John, Paul, George, Colin und John. The Quarrymen. Und hier fängt die Geschichte an. Ende der Fünfzigerjahre eröffnete Allan Williams, ein gelernter Klempner, der keine Lust hatte, sein Leben mit den Händen in andererleuts Kloschüsseln zu verbringen, in Liverpool das Jacaranda – eine Musikkneipe, die auch von Stuart Sutcliffe, einem begabten jungen Maler und Musiker, und seinem Kumpel John Lennon frequentiert wurde. Die beiden waren ständig pleite, aber gern bereit, gegen Bier den Boden zu fegen. Williams veranstaltete auch Konzerte. Die Jungs beknieten ihn, ihre gerade gegründete Band im Jacaranda auftreten zu lassen. Aber er besorgte ihnen lieber Gigs in anderen Kneipen. Allan Williams war der erste Manager der Beatles. Er vermittelte ihnen Auftritte mit Größen wie Johnny Gentle, an die sich heute niemand mehr erinnert, engagierte sie einmal als Begleitband für eine Stripperin und schickte sie schließlich nach Hamburg – der Rest ist Legende. Irgendwann benötigen die Beatles seine Dienste nicht mehr, sein Liverpooler Club brennt ab, er wird bitter. Verarmt und erfolglos streift er schließlich durch die Touristenfallen Liverpools und erzählt für ein paar Pfund die Geschichte seines Versagens. Die französischen Künstler Gihef und Damien Vanders überlassen das Erzählen Williams selbst, einem abgehalfterten Alkoholiker, der sich durch eine feindliche Gegenwart voller Karikaturen kämpft. Nur die Glanzpunkte und die traurigsten Passagen bleiben unverzerrt, entsprechend der Stimmung des traurigen Ich-Erzählers.

Danielle de Picciotto hat 1989 zusammen mit Dr. Motte die Loveparade initiiert, aber darum geht es hier nicht. Allan Williams hat in den Fünfzigerjahren eine Kneipe in Liverpool eröffnet, aber auch das ist nur der Anfang des Anfangs. von Elisabeth Dietz

Gihef & Damien Vanders: Liverfool Edition 52, 116 Seiten, 18 Euro

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4·2013


Bilder & Welten

Abheben „Hast du dich jemals wie eine Schachfigur gefühlt, eingeschränkt durch Regeln und Begrenzungen?“, fragt Danielle de Picciotto. „Ausgeschlossen von den Hoffnungen und Träumen, die du mal hattest, dein Leben sinnvoll zu gestalten?“ Als der Künstlerin und ihrem Mann Alexander Hacke (dem Bassisten der Einstürzenden Neubauten) auffiel, dass sie bis zur Erschöpfung arbeiteten, um ein Haus mit Garten zu unterhalten, das sie kaum zu sehen bekamen, weil sie ständig arbeiteten, brachen sie auf: Sie verkauften das Haus, lagerten ihre wichtigsten Besitztümer ein und reisten um die Welt, von Job zu Job, von Wohnung zu Wohnung, um einen Ort zu finden, „der all unsere Bedürfnisse erfüllt“. „We Are Gypsies Now“ ist das Tagebuch, in dem de Picciotto das Experiment dokumentiert hat. In ihren holzschnittartigen, mit Blumen, Sternen und Totenköpfen verzierten Zeichnungen, in Tagebucheinträgen, Infografiken und schlichten Listen erzählt sie von Auftritten in London, Prag und Paris, von Finnen und Schneestürmen, von einem Drummer, der sich, wenn er trinkt, in einen Werwolf verwandelt, von fremden Zimmern voller Sexspielzeug, feuchten Strandhäusern, demütigenden Kontrollen durch das U.S. Departement of Homeland Security, von Stromausfällen, Süßigkeiten, alten Freunden, Arztbesuchen in der Fremde und überhaupt fast allem, worauf man im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Heimatsuche gefasst sein muss. Sie ist subjektiv und ehrlich. Gleichzeitig beweist sie einen inspirierenden Sinn fürs Praktische und entwickelt eine realistische Vision vom Unterwegssein als Lebensform.

04·13 Grandios buecher-magazin.de

Danielle de Picciotto: We Are Gypsies Now. Der Weg ins Ungewisse Walde + Graf, 208 Seiten, 22,99 Euro

4·2013

107


Hörspiele kompakt präsentiert von

Oliver Wenzlaff

Nach Arthur Conan Doyle

Peer Meter

Alina Fox (4): Das Geheimnis der Uräus-Schlange

Grusel-Kabinett (73): Das Grauen im Blue-John-Stollen

Die Verhöre der Gesche Gottfried

Mit M. Tietz, O. Rohrbeck u. a.

Mit M. Schulze, H. Naumann u. a.

Mit A. Seeger, D. Nathan u. a.

In der vierten Folge soll Alina Fox einen alten Kopfschmuck für ihren Auftraggeber wiederfinden. Eigentlich ein simpler Auftrag: in eine abgelegene Villa einbrechen und das gute Stück herausholen. Aber weit gefehlt, denn auch ein alter Bekannter ist hinter der Uräus-Schlange her. Auch diesmal hat Hörspielmacher Oliver Wenzlaff aus der Comic-Vorlage ein kurzweiliges und atmosphärisches Hörspiel gezaubert – mit guten Stimmen, passender Musikuntermalung und Geräuscheffekten. Wie immer ist Alina eine gekonnte Mischung aus Action und einem Schuss Mystery à la Indiana Jones. Ein Hör-Abenteuer, das man nicht versäumen sollte! (Monika Röth, audiobooks.at)

Marc Gruppe hat sich diesmal einer Geschichte von Arthur Conan Doyle angenommen: Der kranke James Hardcastle erholt sich auf einer Farm und erfährt dort von den unheimlichen Blue-John-Stollen, die jetzt für alle gesperrt sind. Hardcastles Neugier ist geweckt, er wagt sich in die Stollen vor – und entdeckt eine schauerliche Kreatur, die es nun zu jagen gilt. Gekonnt führt James Hardcastle, gesprochen von Marc Oliver Schulze, als Ich-Erzähler durch das Hörspiel. Passende Musik und eine atmosphärische Soundkulisse runden das Ganze zu einem spannenden Hörspiel ab. Subtiler Grusel der feinsten Art macht dieses Hörspiel zu einem wahren Ohrenschmaus! (Monika Röth, audiobooks.at)

Ungewöhnliches Thema, eindringliches Theaterstück: Neben Stimmen aus dem Volk hören historisch Interessierte vor allem die Original-Protokolle „des Criminalgerichts in Untersuchungssache Gottfried im Jahre des Herrn 1828“, eines wahren Falles, der sogar weltweit Aufsehen erregte. Die zwanghaft handelnde Gesche Gottfried vergiftete von 1813 bis 1827 fünfzehn Menschen, darunter ihre Familie, und wurde nach dreijähriger Gefangenschaft öffentlich durch das Schwert hingerichtet. Doch die Gesellschaft trug eine unleugbare Mitschuld: Statt den Menschen zu therapieren, wurde an ihm ein Exempel statuiert. Wenn auch etwas lang geraten, lebt das mutig inszenierte Hörspiel durch die Kraft der Worte. (rw)

Comic Culture, 52 Minuten/ 1 CD, 7,95 Euro

Titania Medien, 78 Minuten/ 1 CD, 8,99 Euro

(3,6)

(3,95)

A.S. Theater & Film, 110 Minuten/2 CDs, 15 Euro (3,95)

Simeon Hrissomallis

Hans Gruhl

S. Lindner & J. Wittermann

Faith van Helsing (38) – Geistersamurai: Genesis (1)

Die letzte Visite

Humanemy (1) – Das Chamäleon

Mit N. Spier, T. Geke, B. Tessmann u. a.

Mit M. Hirthe, A. Marquis, G. Fritsch u. a.

Mit dem Geistersamurai betritt eine neue Figur die Serie. Die erste Folge des Zweiteilers erzählt die Geschichte des David Russel sowie den Weg, den er nehmen musste, um zum Geistersamurai zu werden. Hauptdarstellerin Faith wird dabei eigentlich nur am Rande gestreift. Eine spannende Folge in typischer R&B-Manier, die viele – vielleicht etwas zu viele – Erzählpassagen des Protagonisten enthält, die allerdings andererseits eine umfassende Charakterisierung ermöglicht. Der zweite Teil wird wohl wieder mehr Fahrt aufnehmen und vor Action strotzen, ich bin jedenfalls schon sehr auf die direkte Fortsetzung gespannt ... (HeinzPeter Göldner, hoerspiel-box.de)

Der vierte und letzte Radiokrimi nach Hans Gruhl: Das an heutige, effektvolle Inszenierungen gewohnte Ohr wird mit der kurzweiligen Geschichte in die reduzierte Radio-Klangwelt Ende der 1960er-Jahre zurückversetzt. Dass dieser Krimi trotz seines hohen Alters auch kein bisschen an Unterhaltungswert vermissen lässt, liegt in erster Linie am humorvollen Skript. Hinzu kommen großartige Darsteller wie Martin Hirthe, der in seiner Rolle als charmanter, trinkender und rauchender Röntgenarzt Dr. Bold nahezu im Alleingang durch diesen wendungsreichen Krimi im idyllischen Waldsanatorium führt. Ein echter Hörspielschatz aus dem Radioarchiv, für Krimifans ein Muss. (Martin Stelzle, Knallbunt/OhrCast)

R&B Company, 59 Minuten/ 1 CD, 6,99 Euro

Pidax, 182 Minuten/ 1 MP3-CD, 13,90 Euro

(3,35)

108

(3,95)

Mit T. Lindner, P. Borlé, S. Lindner u. a. Mit der neuen Dark-Future-Serie liefert Lindenblatt-Records ein sehr ordentliches Debüt. Im Stile eines Dr. Kimble wird der fallengelassene Agent Lennart u. a. von ehemaligen Kollegen durch die erste Folge der auf vier Teile angelegten Miniserie gejagt. Schwere Gitarrensounds begleiten die von Hardboiled-Action bestimmte Handlung, deren reizvolles Genre noch mehr zur Entfaltung kommen könnte. Man erfährt leider (noch) wenig über die dystopische Welt, durch die „Chamäleon“ Lennart irrt. Auch die Trennung von Off-Erzähler und Dialogen wirkt manchmal etwas holprig. Das schmälert aber nur geringfügig die über weite Strecken unterhaltsame Jagd. (Martin Stelzle, Knallbunt/OhrCast) Lindenblatt-Records, 65 Minuten/1 CD, 11,95 Euro (3,0)

4·2013


Nikolai von Michalewsky

Sebastian Weber

Mark Brandis (24) – Blindflug zur Schlange

Amadeus (4) – Faustus

Mit M. Lott, D. Wunder, M. Krogull u. a.

Mit Tim Knauer, Kim Hasper, Luisa Wietzorek, Jürgen Kluckert, Michael Pan u. a.

Tiefgreifende Veränderungen kündigen sich an, nachdem Mark Brandis seinen Job bei der Vega hingeschmissen hat. Doch zuerst muss er noch seinen Freund aus den Tagen der Kolibri-Erprobung –„Grischa“ Romen – aus der Gewalt des Piratenkapitäns Achmed „Die Schlange“ Khan befreien. Ohne offizielle Unterstützung der Vega, aber mithilfe seiner ehemaligen Crew, macht er sich auf den „Blindflug zur Schlange“. Den Machern gelingt es wieder einmal, die Sorgen und Nöte des Mark Brandis nachvollziehbar darzustellen – aber auch seinen Mut und seine Visionen. Eine schöne Einzelfolge, geradezu ideal, um den Mark-Brandis-Kosmos kennenzulernen ... (Heinz-Peter Göldner, hoerspiel-box.de)

Mit „Amadeus“ gelingt Hörplanet seine bis dato beste Serie. Eine reizvolle Mischung aus Grusel, Mystery und Krimidrama versetzt den Hörer ins Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die äußerst lebendigen, mit viel Humor unterfütterten Dialoge, allen voran zwischen Mozart und seinem Freund Resch, entfalten in jeder Folge einen ungemeinen Sog. So auch bei „Faustus“, der bislang besten Folge der Serie. Die dramatischen Erlebnisse der Protagonisten drängen dem Hörer eine emotionale Nähe zu den Figuren auf, die ich in dieser Form beim Hörplanet selten erlebt habe. Hut ab für diese innovative Serie und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. (Martin Stelzle, Knallbunt/OhrCast)

Folgenreich, 64 Minuten/ 1 CD, 8,99 Euro

Hörplanet, 72 Minuten/ 1 CD, 8,99 Euro

(4,3)

(3,95)

Nach Timothy Zahn

Jan Gaspard

Star Wars – Die dunkle Seite der Macht (1)

MindNapping (13) – Beyond the Chinese Theatre

Mit H.-G. Panczak, Wolfgang Pampel u. a.

Mit Alexander Turrek, Till Hagen u. a.

Nach dem bombastischen Ende des 1. Teils der „Thrawn Trilogie“ geht es rasant weiter. Nach der Schlacht um die Werften von Sluis Van setzen Luke, Leia und Han alles daran, die tödlichen Pläne von Großadmiral Thrawn zu vereiteln und die Unschuld von Admiral Ackbar zu beweisen – das imposante Hörspiel knüpft nahtlos an die vorangegangene Story an. Satter ScienceFiction-Sound, intelligente Story und altbekannte Sprecher in Topform garantieren ein Hollywood-Feeling à la George Lucas. Die noch lange Wartezeit auf die geplanten neuen Star-Wars-Filme (ab 2015) lässt sich mit solchen Meisterwerken der Hörspielkunst leicht überbrücken. (Marco Reuter, rezinator.de)

Verschwörungen, Hacker und Geheimdienste! Das sind die Hauptzutaten für einen „Original-Gaspard“. Diese MindNapping-Folge stellt ein Prequel zu Jan Gaspards Serie „Offenbarung 23“ dar, in der der junge Georg(e) Brand alias „T-Rex“ durch seine Trimester-Arbeit für jede Menge Action sorgt. Verschwörungen und Geheimdienstaktivitäten dürfen da natürlich nicht fehlen. Die spannende und actionreiche Story gehört zu den besseren aus Gaspards Feder und erinnert oft an die ersten Staffeln der Ursprungsserie. Die tolle Hintergrundmusik, die Effekte und die Wendungen in der Story machen das Hörspiel zu einem Hörvergnügen über 71 niemals langweilige Minuten. (Marco Reuter, rezinator.de)

WortArt, 69 Minuten/ 1 CD, 9,95 Euro

Audionarchie, 71 Minuten/ 1 CD, 7,99 Euro

(4,95)

4·2013

04·13 Grandios buecher-magazin.de

(4,0)

109


Hörspiele

Ohrkanus 2013

Das verflixte siebte Jahr? Nicht für den Hörspiel- und Hörbuchpreis „Ohrkanus“, der am 27. April bereits zum siebten Mal verliehen wurde – erstmals allerdings im Berlin-Neuköllner „Heimathafen“. Als beste Sprecherin wurde Anna Julia Kapfelsperger (Foto oben) für ihre Rolle als Ailis in „Loreley“ (Zaubermond Audio) ausgezeichnet, Andreas Fröhlich wurde bester Sprecher als Dr. Jekyll und Mr. Hyde in „Meister der Angst“ (Mediabühne und Random House Audio). Zum besten Hörbuch Kinder/ Jugend wurde „Achtung, Milchpiraten“ (DAV) gekürt, bei den Erwachsenen „1Q84“ (Lübbe Audio). Bestes Hörspiel Kinder/Jugendliche wurde „Moldin“ (LOEVerlag), bestes Hör-

spiel Erwachsene „Loreley“ (vom „besten Label“, Zaubermond Audio), der Preis für die beste Serie ging an „Dorian Hunter“ (Folgenreich). Johanna Steiner erhielt den „Ohrkanus“ für ihre Regiearbeit des Hörspiels „Das Kind“ (Audible), der Preis für das beste Sachhörbuch ging an „1913“ (DAV), über die Auszeichnung als beste Nachwuchssprecherin freute sich Lilli Martha König (Bild unten mit Hörspielregisseur Marco Göllner) als Echo in „Loreley“. Den Ehrenpreis für das Lebenswerk erhielten die Schauspieler Wolfgang Draeger und Eckart Dux. www.ohrkanus.de

Fotos: Uwe Tölle

Zaubermond – der groSSe Gewinner

HörspielCheck Hörspiel-Experten bewerten aktuelle Produktionen Stephanie Pelzer-Bartosch hoerspatz.de Peter Göldner hoerspiel-box.de Ralf Pappers www.lese-und-hoercafe.de Martin Stelzle ohrcast.wordpress.com

Daniel Merk www.hoerspiel3.de Thomas Rippert lukes-meinung.de Michael Girbes Hoerspiel-Gemeinschaft e.V., www.hoerspieltalk.de Christoph Morgenroth www.hoerspiele.de

DurchschnittsWertung

110

Humanemy (1) – Das Chamäleon

Team Undercover (7) – Doppeltes Spiel

John Sinclair (80) – Sieben Siegel der Magie

Mark Brandis (24) – Blindflug zur Schlange

Das vierte Skalpell

Die Schläfer

(4,04)

(4,20)

(3,92)

(4,82)

(3,98)

(4,87)

(3,95)

(3,35)

(3,90)

(4,30)

(3,55)

(4,65)

(3,95)

(2,35)

(3,55)

(4,55)

(4,85)

(4,65)

(3,00)

(3,00)

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(3,70)

(3,35)

(2,88)

(3,35)

(5,00)

(3,38)

(3,40)

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(4,60)

(3,65)

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(4,00)

(3,87)

(3,56)

(3,68)

(4,55)

(3,64)

(4,37)

4·2013


Index Autoren Adams, Douglas 11 Andersen, Philip 36 Appelbaum, Jacob 75 11 Arjouni, Jakob Assange, Julian 75 Austen, Jane 40 Bach, Miriam 36 Baltscheit, Martin 85 46 Bannalec, Jean-Luc Barclay, Linwood 54 Barthes, Roland 11 Battles, Matthew 77 Bayard, Pierre 64 60 Bly, Nellie Bernhard, Thomas 29 Bielendorfer, Bastian 95 Bitskoff, Aleksei 84 Boch, Claudia von 76 76 Bollmann, Stefan Bonné, Eva 31 Borchmeyer, Dieter 69 Borges, Jorge Luis 80 78 Boxall, Peter Brandt, Jan 10 74 Brandt, Richard Buch, H. C. 79 Budde, Nadia 98 40 Büchner, Georg Bulgakow, Michail 33 41 Buwalda, Peter 51 Cain, Chelsea 47 Cain, James, M. 37 Campbell, Bonnie Jo Cash, Wiley 48 52 Carré, John le Celan, Paul 32 Clare, Anna 27 93 Clark, Janet Coben, Harlan 56 Cock, Michael De D‘Agata, John 79 Darer, Harald 28 f. 26 Day, Sylvia Depp, Daniel 51 98 Dietz, Hanna Dickinson, Emily 31 Doria, Sergi 66 Dostojewski, Fjodor 11 61 Dos Passos, John 108 Doyle, Arthur C.

Sprecher Ahlborn, Jodie 103 Arnold, Frank 54 54 Armknecht, Martin Bach, Dirk 91 17 Boes, Mirja Beck, Rufus 100 Becker, Rolf 67 Bierstedt, Detlef 53, 56 Brandt, Matthias 52 Brückner, Christian 41 Bürger, Cathrin 56 Engel, Frank-Lorenz 100 4·2013

Draesner, Ulrike 79 Dragni , Nataša 38 Drews, Christine 56 Duddle, Jonny 84 99 Dumont, Rena Elliott, T. S. 31 Ellis, Warren 50 Erckenbrecht, Irmela 89 Ervas, Fulvio 74 42 Fabre, Jean-Henri Fardell, John 85 Farrell, J. G. 36 Faulkner, William 31 Fforde, Jasper 78 42 Fieback, Jens Fieback, Jörg 42 Fingal, Jim 79 Fischer, Jens Malte 69 Fischli, Peter 11 Frances, Allen 74 Freund, Wieland 103 Fritsche, Olaf 75 Fulvio, Luca di 39 Gabathuler, Alice 93 109 Gaspard, Jan 21 Gavalda, Anna 69 Geck, Martin Gerber, Christine 88 99 Geisler, Dagmar Gidwitz, Adam 101 16 ff. Gier, Kerstin Goebel, Anne 65 Gravel, Élise 82 f. 88 Green, Dan Green, John 101 56 Grisham, John Grönemeyer, Dietrich 86 f. Gruhl, Hans 108 99 Gutowski, Helga Hamburger, Michael 11 84 Hamilton, Libby Hammett, Dashiell 11 65 Hammelmann, Iris 93 Hammer, Agnes Hecht, Martin 65 Hein, Christoph 38 Heller, Peter 30 f. Helms, Antje 89 Henke, Sandra 24 f., 26 46 Henn, Carsten S. Henscheid, Eckart 69 Herriot, James 21

Herrndorf, Wolfgang 12 Hesse, Corinna 67 Heyden, Alexa von 36 Hillenbrand, Tom 43 ff. Hirata, Andrea 21 24 Hoffmann, Arne Holleben, Jan von 89 Horst, Ernst 66 Hrissomallis, Simeon 108 Indriðason, Arnaldur 57 Isherwood, C. 61 Jacobsson, Ritta 93 Jahraus, Oliver 77 50 Jackson, Lisa Jackson, Vina 26 James, E. L. 24 James, P. D. 55 Jameson, Hanna 52 32 Jansson, Tove Jelinek, Elfriede 29, 69 Johannson, Lena 39 Joyce, William 85 Kafka, Franz 81 78 Kästner, Erich Kaiser, Joachim 69 Kermani, Navid 74 Kieran, Dan 66 50 Klewe, Sabine Knigge, Moritz 64 Freiherr von Kränzler, Lisa 34 Krausser, Helmut 33 65 Krols, Birgit Kruse, Max 91 24 Kruse, Otto L‘Amour, Louis 31 Lawson, Jenny 74 46 Lascaux, Paul Leitzgen, Anke M. 89 46 Leon, Donna Lindner, S. 108 Lister, Michael 52 78 Lommen, Mathieu Loriot70 Lucius, Wulf von 76 Lyons, Martyn 77 Maar, Paul 91 32 Malet, Léo Mangoldt, R. von 77 Manguel, Alberto 80 f. 40 Mantel, Hilary McCleen, Grace 35

McKenzie, Sophie Meade, Glenn Melo, Patrícia Mendlewitsch, Doris Meter, Peer Michalewsky, M. von Mijer, Margré Millar, Sam Miller, Derek B. Montelius, Magnus Mosch, E. von Müller, Sven Oliver Müller-Maguhn, A. Munson, Peggy Murphy, Glenn Neruda, Pablo Nesbø, Jo Nin, Anaïs Nitzberg, Alexander Noltze, Holger Nothomb, Amélie Novak, Chase Österreich-Este, Franz Ferdinand von Pannen, Kai Peters, Julie Anne Phillips, Helen Picciotto, Danielle de Port, Moni Pound, Ezra Poznanski, Ursula Prinz, Alois Preußler, Otfried Raab, Thomas Rabengut, Natalie Rankin, Ian Reisz, Tiffany Rienermann, Lisa Roberts, Nora Rodic, Yvan Rösler, Alexander Rosenfeld, Astrid Ruge, Eugen Scheer, Wibke v. d. Schmidt, Jochen Schorlau, Wolfgang Schwarz, Christine Scuderi, Flavia Selasi, Taiye Sendak, Maurice Shelton, Dave Skidelsky, Robert

103 108 41 100 108 109 109 42 39 108 52 56 102 53

Kaempfe, Peter 101 Kaminski, Stefan 71 ff., 91, 100 109 Kluckert, Jürgen Kluckert, Tobias 54 100 Knaps, Joachim 57 Kreye, Walter Lippe, Jürgen v. d. 46 Marquis, Arnold Matt, Norman 103 40 Mattes, Eva Mendl, Michael 91 Merlau, Günter 102 55 Michaelis, Eva

Milberg, Axel 41 102 Mölleken, Patrick 52, 108 Nathan, David 108 Naumann, H. Noethen, Ulrich 70 17 Pahl, Simona Pan, Michael 109 109 Pampel, Wolfgang Pressler, Olaf 31 Rohde, Armin 91 108 Rohrbeck, Oliver 39 Schepmann, Philipp Schulze, M. 108 Seeger, A. 108

Fischer, Edda Fritsch, Gisela Fürmann, Benno Gawlich, Cathlen Geke, Tanja Hagen, Till Hasper, Kim Heidenreich, Gert Heidenreich, Nadine Hirthe, Martin Hölscher, Bernd Jackson, J. D. Jäger, Simon John, Gottfried

51 53 49 88 108 109 65 50 49 48 83 70 75 27 102 31 84 24 33 70 38 48 60 88 93 98 107 84 77 51 99 91 49 27 53 27 54 64 88 42 66 65 10 34 85 69 35 83 100 75

Skidelsky, Edward 75 36 Soffer, Jessica Sonntag, Robert M. 98 Spilker, Frank 11, 34 34 Stein, Hannes Steinbeck, John 61 64 Steinleitner, Jörg Sterzer, Philipp 88 Stevenson, Robert L. 31 91 Strubel, Sepp Strugatzki, Arkadi 11 11 Strugatzki, Boris 27 Taylor, Kathryn Tellier, Hervé Le 37 Thielemann, C. 70 Toews, Miriam 34 32 Tolstoi, Lew Twain, Mark 61 66 Uebel, Tina Ullmann, Linn 36 Underwood, Deborah 85 106 Vanders, Damien 106 Vanders, Gihef 41 Vann, David Verne, Jules 60 79 Vila-Matas, Enrique Völler, Eva 98 69 Völlinger, Andreas 36 Vollmann, William Volk, Stefan 6, 95 38 Wagner, David Wagner, Richard 68 ff. 103 Wakonig, Daniele 31 Walcott, Derek Walker, Martin 46 109 Weber, Sebastian 11 Weiss, David 108 Wenzlaff, Oliver 81 Wharton, Edith Wietersheim, S. von 76 Winkler, Daniel 64 Winnemuth, Meike 66 108 Wittermann, J. 49 Wittkamp, Rainer Wolf, Klaus-Peter 55 102 Wolz, Heiko Woolf, Virginia 31, 81 Zahn, Timothy 109 Zamperoni, Ingo 96 f. Zimmermann, J. 75 Zirnbauer, Thomas 77

Seibel, Leon Semmelrogge, Dustin Spier, Nana Stadlober, Robert Tessmann, Boris Tukur, Ulrich Völz, Wolfgang Wascher, Svantje Weber, Gregor Wipprecht, A. Wolf, Klaus-Peter Wolff, Susanne Wunder, Dietmar

102 91 108 42 108 70 91 26 44 91 55 41 109

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Hallo, was lesen Sie gerade?

In einem Zug durchs Buch: BÜCHER-Autor Sven Jachmann interviewt Menschen, die lesend unterwegs sind und interessiert sich für die Geschichten hinter den Büchern. Nicole Hiekel liest „Trauma-Heilung“ von Peter A. Levine

Benjamin Böhringer liest „Dunkler

Wie kommt es, dass Sie so ein ernstes Buch in einem Café lesen? Ich mache eine Ausbildung und muss es lesen. Ich kann mich hier einfach besser konzentrieren, zu Hause wartet der Abwasch und hier kann ich mich besser entspannen. Deshalb auch meine Ohrstöpsel. Sie lesen mit Ohrstöpsel? Mir hilft das total. Ich bin dann mehr bei mir und bei meinem Buch. Worum geht es? Ich habe das Buch eben erst gekauft. Es geht darum, wie man ein Trauma erkennt. Traumata sind heilbar, aber eben nicht nur mit Medikamenten. Und welche Ausbildung machen Sie? Das nennt sich praxisorientierte Psychotherapie. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Ich bin eigentlich Bankerin, mache das seit 22 Jahren. Vielleicht wechsle ich ganz oder kehre zur Bank zurück. Eine luxuriöse Situation … Mein Chef unterstützt mich sehr.

Bei dem Cover kann es sich nur um einen Thriller handeln … Stimmt. Ich lese überwiegend Krimis. Nicht nur, wenn ich unterwegs bin. Wie sind Sie auf das Buch gekommen? Über meine Mutter, die auch viel liest und mir ihre Bücher leiht. Vor Kurzem haben wir wieder einen großen Büchertausch gemacht. Ungewöhnlich, nicht viele lesen die gleichen Bücher wie Muttern … Wir haben den gleichen Geschmack. Und bevor wir uns Bücher zweimal kaufen, tauschen wir lieber. Ich weiß aber nicht, wie lange das noch so geht. Warum, was ist mit Ihrer Mutter? Sie ist auf Kindle umgestiegen.

Evsem Demir

liest „Office Affären“ von Lucy Kellaway

Sie sitzen hier im Bistro und lesen beim Essen … Ich lese gern beim Essen. Wenn ich allein bin im Restaurant oder bei schönem Wetter auch im Park. Liebe im Büro – viele Paare lernen sich wirklich im Job kennen, wie ist es in Ihrer Firma? Da sehe ich einige Parallelen. Sind Sie auch in einen Kollegen verliebt? Ja, und ich bin immer noch glücklich, wir sind seit drei Jahren zusammen und wollen auch heiraten, aber erst in zwei Jahren. Allerdings arbeitet er in meiner Heimat in der Türkei und ich bin noch bis Oktober in Hamburg. Und bis dahin? Wir besuchen uns zweimal im Monat. Wie gefällt es Ihnen denn in Hamburg? Die Leute sind sehr nett und nicht so kalt wie immer alle sagen. 4·2013

Wahn“ von Wulf Dorn

Andrea Eckert liest „Die

Erben der Götter“ von Sara Douglass

Fantasy-Romane sind ja immer umfangreich, wie weit sind Sie? Auf Seite 18. Ich bin Fantasy-Fan und schreibe auch selbst. Seit wann? Seit zehn Jahren und ich bin auch Mitglied einer Schreibgruppe. Wollen Sie auch veröffentlichen? Ich schreibe seit drei Jahren an einem Fantasystück à la „Herr der Ringe“, ein Kampf zwischen Gut und Böse. Elfen sind mir zu süß. Verarbeiten Sie auch Charaktere aus Ihrem Umfeld? Ich habe einen Ex-Kollegen in die Rolle des Bösen gesteckt. Es könnte sogar sein, dass er sich wiedererkennt. Aber das wäre mir egal. Heidi Pipirs liest „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins Sie leihen sich Bücher aus? Ja, ich bin einfach zu geizig, mir die Bücher zu kaufen. Lesen Sie immer in der Bahn? Bei einem Arbeitsweg von täglich zwei Stunden hält man das ohne Buch nicht aus. Wie finden Sie es? Weiß ich noch nicht. Aber meine Freunde waren begeistert, also kann es nicht verkehrt sein. Ich tauche gern in fremde Welten ein, mich interessieren aber auch Jugendbücher. Warum? Ich habe zwei Kinder. Einer ist 12 der andere 8. Dem Älteren lese ich viel vor, der hat keine Lust, zu lesen. Ich möchte das gern, deswegen interessiere ich mich auch für Jugendliteratur.

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VORSCHAU

Die nächstE am 7. August

erscheint Impressum BÜCHER ist eine Publikation aus dem Hause falkemedia.

Verlag: falkemedia e.K., An der Halle 400 #1, 24143 Kiel, Tel. +49 (0)431 200 766-0, Fax +49 (0)431 200 766-50, E-Mail: info@falkemedia.de, www.buecher-magazin.de Herausgeber: Kassian Alexander Goukassian (v. i. S. d. P.) Chefredakteurin: Tina Schraml (ts)

Fotos: Marco Grob; Prestel/Courtesy of Missoni

Redaktion: Christian Bärmann/Ressortleitung Hörbuch (bär), Meike Dannenberg/Ressortleitung Krimi & Jugendbuch (md), Elisabeth Dietz/Content Management, Social Media (ed), Olaf Ernst (ole)

Krimi Spezial

Redaktionelle Mitarbeiter dieser Ausgabe: Alwara Borg, Ulrich Baron (ub), Claire-Lise Buis (clb), Jens Dannenberg (jd), Antje Ehmann (ae), Bettina Emmerich (be), Rika Finck (rif), Anna Gielas (ang), Katharina Granzin (kgr), Sonja Hartl (sh), Manuela Haselberger (has), Andreas Heineke (hein), Sabine Heines, Sabine Hoß (hoß), Alexandra Jabs (aj), Sven Jachmann, Sabine Kelp (sk), Kerstin Klostermann (kek), Michael Knoll (kn), Ulrike Köppchen (uk), Jana Kühn (jk), Tanja Lindauer (lin), Alexandra Link (al), Ann-Kathrin Marr (akm), Tina Muffert (tm), Ina Pfitzner, Michael Pöppl (mpö), Falco Pyck (fp), Jörn Radtke (jr), Esther Sambale (sam), Melanie Schippling (mel), Sabine Schmidt (sc), Martin Maria Schwarz (mms), Vera Schumacher (vs), Margarete von Schwarzkopf (mvs), Stephanie von Selchow (svs), Martina Schwerdtfeger (ms), Dirk Speckmann (ds), Sabine Stamer (sta), Jeanette Stickler (sti), Carsten Tergast (ct), Nicole Trötzer (nt), Jutta Vahrson (jv), Björn Vedder (bv), Imke Voigtländer, Stefan Volk (smv), Britta Wagner (bw), René Wagner (rw), Emily Walton (ew), Tanja Weimer (tan), Jeanne Wellnitz (jw) Weitere Autoren dieser AusgABE:  Jan Brandt, Helmut Krausser

Feature „Bella Italia“! Bei Giancarlo De Cataldo (Richter), Gianrico Carofiglio (u. a. Senator) sowie Andrea Camilleri gibt es neben den Figuren auch immer noch einen weiteren Protagonisten: das wunderschöne, aber auch korrumpierte Italien. BÜCHER trifft Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt, die Schöpfer von Polizeipsychologe Sebastian Bergmann, in Stockholm. Außerdem: Reports über reale Verbrechen, toughe Privatermittlerinnen und Dan Browns Deutschland-Visite.

Korrektorat: Tanja Lindauer Coverillustration: Finna Leibenguth/eaudecollage Art Direction: Notburga Reisener Grafik und Bildbearbeitung: Angelika Schwarz, Heike Reinke, Marleen Osbahr Anschrift der Redaktion: falkemedia e.K., Redaktion BÜCHER, An der Halle 400 #1, 24143 Kiel, Tel. +49 (0)431 200 766-46, E-Mail: t.schraml@buecher-magazin.de

Alex Capus Hörbuch Themen:  Zwei Gratis-Downloads   Rund 50 Hörbuch-Rezensionen  10 Jahre „Tintenherz“: Inter view mit Rainer Strecker MP3: Setzt sich das Format  durch?

Abobetreuung: abo@buecher-magazin.de, Tel. 02225 7085-331, falkemedia Aboservice, Postfach 1331, 53335 Meckenheim

Der Schweizer Literat erzählt in seinem neuen Roman „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ wieder von Hoffnungen, von normalen Menschen, die außergewöhnliche Dinge tun. BÜCHER fragt nach der Kluft zwischen Wünschen und Wirklichkeit.

Leserkontakt: leserbriefe@buecher-magazin.de Anzeigenpreise: nach Preisliste Nr.3, gültig ab 1.1.2013 Marketing Magazin & Anzeigenberatung: Roswitha Pinnau, r.pinnau@falkemedia.de, Tel. 49 (0)431 200 766-72 Vertrieb: Axel Springer Vertriebsservice GmbH press Media, www.as-vertriebservice.de Vertriebsleitung: Niels Kleimann, Impress Media, Telefon +49 (0)2161 29 998-82 Bezugsmöglichkeiten: Abonnement, Zeitschriftenhandel, Buchhandel, Bahnhöfe, Flughäfen Preise: Einzelpreis: 5,90 Euro, Jahresabonnement: 29,90 Euro, Europäisches Ausland zzgl. 10 Euro, Luftpost zzgl. 25 Euro. In den Preisen sind die Mehrwertsteuer und Zustellung enthalten. Bezogen auf 6 Ausgaben im Jahr. Der Verlag behält sich die Erhöhung der Erscheinungsfrequenz vor.

Mode Blickpunkt Modegeschichte und Modegeschichten: ein Blick in die neuen Bücher-Kollektionen.

Dossier Kreativität Die neue Schöpfung: Kreativität im Spiegel der Gesellschaft. Von „Innovation Stuntmen“ bis hin zum Trend zur Eigenproduktion – eine Sachbuch-Auslese für den kreativen Durchbruch.

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Manuskripteinsendung: Manuskripte jeder Art werden gerne entgegengenommen. Sie müssen frei von Rechten Dritter sein. Mit der Einsendung gibt der Verfasser die Zustimmung zum Abdruck des Manuskriptes auf Datenträgern der Firma falkemedia. Ein Einsenden garantiert keine Veröffentlichung. Honorare nach Vereinbarung oder unseren AGB. Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Urheberrecht: Alle hier veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktionen jeglicher Art sind nur mit Genehmigung des Verlages gestattet. Veröffentlichungen: Sämtliche Veröffentlichungen in dieser Fachzeitschrift erfolgen ohne Berücksichtigung eines eventuellen Patentschutzes. Warennamen werden ohne Gewährleistung einer freien Verwendung benutzt. Haftungsausschluss: Für Fehler in Text, in Schaltbildern, Aufbauskizzen usw., die zum Nichtfunktionieren oder evtl. Schäden von Bauelementen führen, wird keine Haftung übernommen. Bei falkemedia erscheinen auSSerdem: LandGenuss, So is(s)t Italien, sweet paul, Mac Life, DigitalPHOTO, iPad Life, iPhone Life, DigitalPHOTO, Photoshop, BEAT und KIELerLEBEN. 

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