Page 1


— 1 —

Willkommen, liebe Sangesbrüder, Ihr Freunde all’ von nah und fern, Wir grüßen Euch und Euere Lieder So hoffnungsfroh, ſo freudig gern ! Willkommen hier in unſerem Orte, Der feſtlich Euch entgegenlacht Mit Liedesſang und treuem Worte Euch kündet von des Liedes Macht ! Die „Eintracht“ heißt zu ihrem Feſte Willkommen Euch aus Herzensgrund, Drum ruft mit uns, Ihr lieben Gäſte : Ein Hoch dem Filder-Sängerbund.


— 2 —

Ausſchuß des Filder-Sänger-Bundes. Gauvorſtand: Fr. Find, Plieningen. Gaudirigent: Muſiklehrer A. Vogger, Stuttgart. Gaukaſſier: G. Stoll zur „Krone“, Kemnat. Gauſchriftführer: W. Hutzel jr. Möhringen.

Lieder-Kommission: Muſiklehrer Eichhorn, Kaltental. Lehrer Martin, Möhringen.

Fest-Ausſchuß des Geſangvereins „Eintracht“ Nellingen. E h r e n-V o r ſ t a n d: Herr Schultheiß Mauz. Dirigent: Ludwig Neff. 1. Vorſtand: L. Fröschle. 2. Vorſtand: Karl Mayer. Kaſſier: Th. Mengeu. Sänger-Kaſſier: G. Dreizler. Schriftführer: Fr. Haug. W e i t e r e A u s ſ c h u ß m i t g l i e d e r:

Fr. Schwarzwälder, Fr. Kober, Chr. Haar, Herm. Bluthardt, A. Krießler, Chr. Neff, A. Schlienz, K. Mauz, W. Stegmaier und Wilh. Mauz.

Preisgericht.  K. Muſikdirektor Alt-Ellwangen. Muſikdirektor W. Paffendorf-Stuttgart. Mittelſchullehrer Gäckle-Stuttgart.


— 3 —

Sonntag, den 5. Juli. Morgens 5 Uhr : Tagwache. Vormi�ags 8 Uhr : Empfang der Feſtgäſte. Vormi�ags 9 Uhr : Aufſtellung der preisſingenden Vereine bei der „Germania“ und Abmarſch auf den Feſtplatz. Nach Ankunft auf dem Feſtplatz: S ä n g e r g r u ß: „Grüß Gott mit hellem Klang“. (Geſangverein „Eintracht“ Nellingen.) Vormi�ags 9 ¼ Uhr : Beginn des Wettgeſangs: a) Volksgeſang, b) höherer Volksgeſang, c) erſchwerter höherer Volksgeſang; anſchließend hieran Maſſenchorprobe und Abgabe der Kontrollkarten. Mi�ags 12 Uhr : Mittageſſen in den Quartieren. Nachmi�ags 1 ½ Uhr : Aufſtellung des Feſtzuges in der Eßlinger-Straße. Nach Ankun� auf dem Fe�pla�: 1. Begrüßungslied des feſtgebenden Vereins. „Ziehet ein“ uſw. 2. Feſtrede. (Herr Schultheiß M a u z). Uebergabe der Fahne und Bücher des alten Geſangvereins Nellingen an die Eintracht. 3. „O Schutzgeiſt alles Schönen“ v. Mozart, Geſang mit Muſikbegleitung, vorgetragen von den Vereinen: Eintracht Nellingen, Liederkranz Denkendorf und Sängerbund Ruit, unter Direktion des Herrn L. Neff, Nellingen. 4. Muſik (Kapelle „Preſto“ Eßlingen). 5. Pflichtchöre für erſchwerten höheren Volksgeſang vom Liederkranz Plieningen.


— 4 —

6. Maſſenchöre: Das deutſche Lied v. Kalliwoda. Die Kapelle v. Kreutzer. 7. Verleihung der Jubiläumsmedaille an Kaltental. 8. Preisverteilung mit Anſprache durch den Gauvorſtand. 9. Einzel-Vorträge der Vereine: a) Gau-Verein (in umſtehender Reihenfolge) b) Vereine außer Gau.

Gesellige Unterhaltung auf dem Festplatz. Nach Dunkelwerden Bankett in der „Germania“. Eintritt für Nichtmitglieder 1 M. NB. Bei ſchlechter Witterung findet der Wettgeſang in der Turnhalle bei e r h ö h t e m E i n t r i t t s g e l d ſtatt. Montag, den 6. Juli: Von mittags 1 Uhr an geſellige Unterhaltung auf dem Feſtplatz.


— 5 —

Reihenfolge der Vereine im Feſtzug. (Nach der Anmeldung eingereiht).

1. Radfahrer. 2. Muſikkapelle Preſto, Eßlingen 3. Feſtjungfrauen. 4. Bürgerliche Kollegien. 5. Ausſchuß des Filder-Sängerbundes, Preisrichter. 6. Feſtausſchuß. 7. Die letzten Vier vom „Liederkranz“ Nellingen. 8. Feſtgebender Verein „Eintracht“ Nellingen. 9. Turnverein Nellingen. 10. Kriegerverein Nellingen. 11. Militärverein Nellingen. 12. Bonlanden, Sängerkranz. 13. Böblingen, Männergeſangverein. 14. Kaltental, Sängerluſt „Frohſinn“ 15. Plieningen, Liederluſt. 16. Scharnhauſen, Sängerluſt. 17. Stetten, Liederkranz. 18. Birkach, Liederkranz. 19. Echterdingen, Liederkranz. 20. Ruit, Sängerbund. 21. Riedenberg, Geſangverein. 22. Plieningen, Liederkranz. 23. Bernhauſen, Sängerbund. 24. Plattenhardt, Liederkranz. 25. Denkendorf, Liederkranz. 26. Sillenbuch, Liederkranz. 27. Kemnat, Liederkranz. 28. Möhringen, Sängerluſt. 29. Wolfſchlugen, Eintracht. 30. Waldenbuch, Liederkranz. 31. Neuhauſen, Eintracht. 32. Eßlingen, Bürgergeſangverein. 33. Berkheim, Aurora. 34. Deizisau, Concordia. 35. Liebersbronn, Liederkranz. 36. Mettingen, Liederkranz. 37. Wolfſchlugen, Concordia. 38. Scharnhauſen, Liederkranz. 39. Köngen, Liederkranz. 40. Altbach, Sängerkranz. 41. Stuttgart, Gambrinus. 42. Neuhauſen, Sängerbund.


— 6 —

Ordnung des Wettgeſangs. 1. Niederer Volksgesang. 1. Sängerluſt Scharnhauſen : Morgenruf.  Wengert. 2. Liederkranz Kemnat : Zum Rhein.  Angerer. 3. Liederkranz Stetten : Müllerliebchen.  Arnold. 4. Sängerkranz Bonlanden : Morgenruf.  Wengert. 5. Liederkranz Denkendorf : Heimkehr.  Kamm. 6. Liederkranz Sillenbuch : Waldgeſang.  Schneeberger.

2. Höherer Volksgesang. 1. Liederluſt Plieningen : Am Rhein.  Attenhofer. 2. Sängerbund Bernhauſen : Scheidegruß ans Vaterland.  Gaugler. 3. Liederkranz Birkach : Mein letzt’ „Gut Nacht“.  Kromer. 4. Sängerbund Ruit : Jägerwerben.  Wengert. 5. Bürgerverein „Eintracht“ Wolfſchlugen : Frühlingszeit.  Köllner. 6. Liederkranz Echterdingen : Es iſt ein Brünnlein gefloſſen.  Decker.

3. Erschwerter höherer Volksgesang. Liederkranz Plieningen : Vineta. C. Döring.


— 7 —

Einzelvorträge der Vereine. (Nach der Entfernung eingereiht.)

Gauvereine:

1. Böblinger Männergeſangverein.  Und drüben sang die Nachtigall  von Wengert. 2. Kaltental, Sängerluſt Frohſinn.  Schön Gretchen, von Eichhorn. 3. Liederkranz Waldenbuch.  Kommt Freunde trinket froh mit  [ mir, von Schneider. 4. Plattenhardt, Liederkranz. 5. Stetten, Liederkranz.  Frohe Wanderſchaft, von Arnold. 6. Echterdingen, Liederkranz.  Zu Vallendar am Rhein,  [ von Schwarz. 7. Möhringen, Sängerluſt.  O wär ich am Neckar, o wär ich am  [ Rhein, von Schwarz. 8. Wolfschlugen, Eintracht.  O ſchöne Roſenzeit, von F. Neuert. 9. Bonlanden, Sängerkranz. Wanderluſt. 10. Sillenbuch, Liederkranz.  Ich hab’ ein’ trauten Liebgeſell,  [ von Winkler. 11. Plieningen, Liederluſt.   Wach auf, du alter Mineſang,  [ von Thr. Fink. 12. Bernhauſen, Sängerbund.  Heimatliebe, von Wengert. 13. Kemnat, Liederkranz.  Das Herz am Rhein, von Wengert. 14. Plieningen, Liederkranz.  Waldesrauſchen, von Löffler. 15. Birkach, Liederkranz.  Heimatliebe, von Wengert. 16. Denkendorf, Liederkranz.  Das erſte Lied. 17. Ruit, Sängerbund.  Roſenfrühling, von Jüngſt. 18. Scharnhauſen, Sängerluſt.  Heimkehr, von Kamm.

Vereine außer Gau:

1. Stuttgart, Gambrinus.  Die ſchwarzen Augen, von Fittig. 2. Liebersbronn, Liederkranz.  Im Maien, von A. Billeter. 3. Neuhauſen, Eintracht.  Lied unbeſtimmt. 4. Köngen, Liederkranz.  Der Frühling wird wach, von Winkler. 5. Neuhauſen, Sängerbund.  Lied unbeſtimmt. 6. Altbach.  Wie die wilde Ros im Wald, von Fr. Mair. 7. Berkheim, Aurora.  Heimat und Vaterland, von Göpfert. 8. Scharnhauſen, Liederkranz.  Lied unbeſtimmt.


— 8 —

Begrüßungslied. (v. Peterſen).

Dirigent L. Neff-Nellingen.

Ziehet ein. Ziehet ein, ihr muntern Sänger, Ziehet ein im Sonnenſchein, Laßt ein fröhlich Lied erſchallen Frühling kommt, bringt Frühling allen, Nach des langen Winters Pein ! Ziehet ein im Sonnenſchein. Ziehet ein, ihr Blütengeiſter Ziehet ein im Sonnenſchein. Sprengt der Knoſpen dunkle Enge Blüte ſich an Blüte dränge In der Blätter grünen Reihn ! Ziehet ein im Sonnenſchein ! Ziehe ein du neues Hoffen, Ziehe ein im Sonnenſchein ! Freud’ und Frieden ſoll auf Erden Allen guten Menſchen werden Alle ſich des Lebens freun ! Holder Frühling ziehe ein! Em. Hentſchel.


— 9 —

Weihe des Gesanges. (von Mozart). Vorgetragen von den Vereinen: Eintracht Nellingen, Liederkranz Denkendorf und Sängerbund Ruit. Mit Muſikbegleitung (Kapelle „Preſto“ Eßlingen). Dirigent: L. Neff.  1. O Schutzgeiſt alles Schönen, ſteig hernieder In ſanftem Weh’n Zu weihen unſre Lieder, Daß ſie ſich freudig auf zum Himmel ſchwingen In heilger Kraft von Herz zu Herzen dringen Von deinem Hauch die Bruſt durchbebt ; Hoch über Welt und Zeit ſich hebt.  2. Vereine alle Menſchen, und verſöhne Was ſich getrennt ; Im Wohllaut deiner Töne. Dem Edlen iſt das Schönſte zur beſchieden In der Gefühle rein verklungnem Frieden. Von wilder Luſt der Erde rein, Rein muß das Herz des Sängers ſein. Denzel.


— 10 —

Preis‌chöre der

we›ſingenden Vereine. 1. Volksgesang.

Sängerlust Scharnhausen. Dirigent Muſikl. Vogger-Stuttgart.  43 Sänger.

Morgenruf. (Else May.)  Wach auf, wach auf, du ſchöne Gotteswelt! Es rauſcht im Wald, die Lerche ſingt im Feld, Es rauſcht im Wald, die Lerche ſingt im Feld! Das Sonnenlicht funkelt herauf wie Gold, Es nicken zum Willkomm die Blumen hold! Wach auf! Wach auf, du ſchöne Gotteswelt! Wache doch auf, o Welt; du ſchöne Welt: Wach auf!  Wach auf, wach auf, du ſchmucker Jägersmann! Schon dampft das Tal und golden glüht der Tann, Schon dampft das Tal und golden glüht der Tann, Und golden glüht der Tann! Es wiehern die Roſſe, die Meute bellt, Bald ſchmettert das Jagdhorn in Wald und Feld! Wach auf! Wach auf, du ſchmucker Jägersmann: Wache doch auf, wach auf; du schmucker Mann! Wach auf!


— 11 —

 Wach auf, wach auf, du blondgelocktes Kind! Dein Liebſter naht und harrt im Morgenwind, Dein Liebſter naht und harrt im Morgenwind, Und harrt im Morgenwind! Die rankenden Roſen am Fenſter dein, Sie winken dir freundlich den Gruß hinein! Wach auf! Wach auf, du blondgelocktes Kind! Wache doch auf, o Kind; du blondes Kind: Wach auf! Julius Wengert.

Liederkranz Kemnat. Dirigent Lehrer Stegmaier-Kemnat. 31 Sänger.

Zum Rhein! (Dr. Fritz Rohrer.)  1. Friſch auf! Friſch auf zum Rheine! Wohlauf, in’s ſchöne Land! Im goldnen Sonnenſcheine Grüßt dich das wunderfeine, Das grüne Rebenband. Am Rhein, am Rhein, am Rhein, am Rhein Muß meine Heimat, muß meine Heimat sein!  2. Friſch auf! Friſch auf zum Rheine! Willkomm, du edler Strom! Wir grüßen deine Weine, Es glänzt der Trank, der reine, Hell leuchtet Stadt und Dom. Am Rhein, am Rhein, am Rhein, am Rhein Muß meine Heimat, muß meine Heimat sein!  3. Friſch auf! Friſch auf zum Rheine! Wo holde Frauen blüh’n! Die eine, die ich meine, Du meine Süße, Feine,


— 12 —

Dir muß mein Herz erglüh’n! Am Rhein, am Rhein, am Rhein, am Rhein Muß meine Heimat, muß meine Heimat sein! Komp. Gottfried Angerer.

Liederkranz Stetten. Dirigent Gottlob Trautwein-Möhringen.  24 Sänger.

Müllerliebchen. (Jul. Gersdorff.) Was iſt das für ein Rauſchen dort an der Mühl vorbei? Ein wenig will ich lauſchen erfahren was das ſei. Das Rauſchen kommt vom Bache der ſucht ſein fernes Ziel Und ſagt den Blumen allen der ſüßen Märchen viel. Was iſt das für ein Kichern dort an dem Mühlenſteg? Dahin mit leiſen Schritten will nehmen ich den Weg. Da ſteht des Müllers Tochter und in der Lenzes‌ pracht Scheint ſie wie eine Roſe erblüht in Maiennacht. Was iſt das für ein Glühen mir doch durch Herz und Sinn? Ich glaube gar ich liebe die ſchöne Müllerin? Rauſch weiter Bächlein, rauſche durchs Herz mir, durch den Sinn. Zur Liebſten mein erkoren hab’ ich die Müllerin? Komp. Richard Arnold.

Sängerkranz Bonlanden. Dirigent G. Trautwein-Möhringen.  24 Sänger.

Morgenruf. (Text ſiehe Seite 9).

Liederkranz Denkendorf. Dirigent L. Neff-Nellingen. 38 Sänger.

Heimkehr. (O. Roquette).  Es war ein Knabe gezogen Wohl in die Welt hinaus,


— 13 —

Und ob ihm ſein Schatz gewogen, Das Glück, das Glück war aus. Er wanderte weit in Sommerzeit, Wenn am Walde die Roſen blüh’n.  Ein Reiter kam geflogen, Seine Locken wehten im Wind: Und biſt du mir noch gewogen, Herzallerliebſtes Kind? Vergiß das Leid’ in Sommerzeit, Wenn am Walde die Roſen blüh’n.  Er hielt ſie in ſeinen Armen Ihre Herz in Wonne ſchlug, Und hatte die Welt nicht Erbarmen, Die Liebe war ſtark genug, Und ſie lachten beid’ wie die Sommerzeit, Wenn am Walde die Roſen blüh’n. Komp. Ferdinand Kamm.

Liederkranz Sillenbuch. Dirigent Muſiklehrer Diemand -Stuttgart.  26 Sänger.

Waldgesang.  1. Im Walde, wenn die Bäume grün, Im Walde, im Walde! Im Walde, wenn die Blumen blühn, im Walde, Und ſeine Bäche luſtig ſpringen, Ach, wie ſo gern mag ich dann ſingen: Im Wald daß froh es wiederhallt, Im Wald, im Wald! Ein freies Lied im freien Wald, im freien Wald!  2. Im Walde, wenn der Morgen glüht, Im Walde, im Walde! Im Walde mit freudigem Gemüt, im Walde,


— 14 —

Da mag ich gern zum Felſen klimmen, Ach, und ſo gern Geſang anſtimmen; Im Wald, daß froh es wiederhallt, Im Wald, im Wald. etc. etc.  3. Im Wald, im hohen Buchenſaal, Im Walde, im Walde! Im Walde bei dem Waldchoral, im Walde, Beim Sang der Vögel auf den Zweigen, Laß’ ich ſo gern zum Himmel ſteigen: Im Wald, daß froh es wiederhallt, Im Wald, im Wald. etc. etc. Komp. Fr. Schneeberger.

2. Höherer Volksgesang.

Liederlust Plieningen. Dirigent Muſiklehrer Eichhorn-Stuttgart.  40 Sänger.

Am Rhein. (O. Hausmann).  Es ſchlagen des Rheines Wellen Melodiſch an den Strand; Aus rebenbekränzter Laube Schau ich Hinaus in das Land. Rings duftende Blütenbäume Im goldigen Sonnenſchein, Und blühend wogen im Herzen Mir ſelige Träumerein.  Vorüber ziehen die Schiffe, Es flattern die Wimpel im Wind. Ich fülle das Glas und trinke dein Wohl, Dein Wohl, du herziges Kind.


— 15 —

 Du haſt in die Bruſt mir Lieder Voll ſonniger Luſt geſtreut, Sie klingen wie Oſtergrüße, Wie fröhlich Glockengeläut. So kann ich jubeln und ſingen, Schlag alles in den Wind. Ich fülle das Glas und trinke Dein Wohl, du herziges Kind! Komp. C. Attenhofer.

Sängerbund Bernhausen. Dirigent G. Trautwein-Möhringen.  31 Sänger.

Scheidegruß an’s Vaterland. (M. Thering.)  1. Mein Vaterland, jetzt gilt’s zu ſcheiden, Zur Abfahrt ſchon das Segel ſchwillt, Leb wohl mit deinen tauſend Freuden, Leb’ wohl du traute Heimatwelt, Du meiner Kindheit Roſenflur, Verklärt von treuer Liebe Spur. Mein Vaterland, ich will dich lieben, Bis mir das Aug’ im Tode bricht; Ob mein Beruf mich fort getrieben; Mein Herz, es läßt dich ewig nicht.  2. Mein Vaterland, jetzt gilt’s zu ſcheiden, Bald führt mich Wind und Welle fort, Und brachte mancher Tag auch Leiden, Ich werf’ ſie alle über Bord, Nur Glück und Freude ſollen blühn In der Erinnrung Immergrün. Mein Vaterland, ich will dich lieben, Bis mir das Aug’ im Tode bricht; Ob mein Beruf mich fort getrieben, Mein Herz, es läßt dich ewig nicht.


— 16 —

 3. Mein Vaterland jetzt gilt’s zu ſcheiden, Ihr Brüder, nehmt den letzten Gruß, Noch Jeden könnt’ ich heut’ beneiden, Den heim vom Strande trägt der Fuß. In meines Herzens tiefſten Schrein Schreib’ ich mit Flammenſchrift hinein: Mein Vaterland, ich will dich lieben, Bis mir das Aug’ im Tode bricht; Ob mein Beruf mich fort getrieben: Mein Herz, es läßt dich ewig nicht. Komp. Theodor Gaugler.

Liederkranz Birkach. Dirigent Lehrer Martin-Möhringen.  25 Sänger.

Mein letzt’ „Gut Nacht.“ (Adolf Grimminger).  Durch die Nacht zieht Frühlingsahnen. Das von dir verſtohlen ſpricht, Und des Himmels Sterne mahnen Mich an deiner Augen Licht. Schlafe, ſchlafe, ſchlafe holde Reine,  Schlafe wohl und wonnig lind, Schlafe wohl Du ſüße Meine, Schlafe wohl mein Herzenskind.  Weißt nicht, wie nach dir ich kranke Nirgends, nirgends find ich Ruh, Denn mein Tag- und Nachtgedanke, Einzig eine, biſt nur du. Schlafe, ſchlafe, etc.  Alles träumt in weiter Runde, Nur mein ſehnend Herz noch wacht,


— 17 —

 Flüſtert, mit der Lieb im Bunde, Leis dir zu ein letzt’ Gut Nacht. Schlafe, ſchlafe, etc. Komp. Carl Kromer.

Sängerbund Ruit. Dirigent: L. Neff-Nellingen.  39 Sänger.

Jägerwerben. (Gerhard Welling).  Der Wald erglänzet in grüner Pracht, zu frohem Leben iſt alles erwacht: O Mägdelein ſieh, die Welt iſt ſo kalt, Drum komm zu mir in den herrlichen Wald! Komm in dern herrlichen Wald! Dort im Waldſchloß umrauſcht von Tannengrün, Soll der jungen Liebe Mai uns blühn! Zur Hochzeit die Maiglocken läuten im Tal, Und die Vöglein ſingen den Waldchoral. In heiliger Andacht der Waldesdom ſteht, Wenn die Wipfel rauſchen ihr ſtill Gebet! Komm in den Wald!  Der Wald erglänzet in grüner Pracht, Und drüber golden die Sonne lacht, Zieh mit, o Maid im goldenen Haar: Grüßt der Tann ja ſein ſeligſtes Paar, Grüßt ſein ſeligſtes Paar! Eine Fürſtin im Walde ſollſt du ſein, Friſches Grün ums Haupt ſei die Krone dein! Und Waldmärchen rauſcht dir der ſilberne Bach, Und der Elfen Flüſtern klingt leiſe nach! Der Ton meines Waldhorns wiegt abends dich ein Nur im Walde ſelig ja ſollſt Du ſein! Komm in den Wald! Komp. Jul. Wengert.


— 18 —

Eintracht Wolfschlugen. Dirigent Lehrer Buchfink-Wolfſchlugen.  39 Sänger.

Die Frühlingszeit. (E. Köllner).  1. Wie ſchön iſt doch die Frühlingszeit, Das Herz wird wohl, das Herz wird weit, Und wonnevoll durchweht die Luft Ein wunderſamer Blütenduft! Frühlingshauch, ſo friſch und rein, Wie dringſt du mir ins Herz hinein, Als ſollt der Lenz beginnen, Da drinnen, da drinnen!  2. Der Himmel iſt ſo hell und klar, So blau gewölbt, ſo wunderbar! Das milde Licht erweckt das Herz, Will lindern allen Harm und Schmerz, O Sonnenſchein, o Sonnenſchein, Wie blickſt du mir ins Herz hinein, Was bringſt du doch für Grüße, So ſüße ſo ſüße!  3. Der Wald iſt ſo herrlich anzuſehn, Wo Buſch und Bäume gründend ſtehn! Von allen Zweigen ſüßer Sang, So fröhlich wie es lang nicht klang, Waldvögelein, Waldvögelein, Wie ſingst du mir ins Herz hinein, Als ſollt mir Freude werden auf Erden! Der Frieden, der Frieden. Komp. E. Köllner.


— 19 —

Liederkranz Echterdingen. Dirigent Lehrer Stütz -Neuhauſen.  30 Sänger.

Es iſt ein Brünnlein gefloſſen. (Anton F. Aug. Naaf.)  1. Es iſt ein Brünnlein gefloſſen Vom Wald zur grünen Au, Das hat zwei Blümlein begoſſen, Sind fröhlich aufgeſproſſen. So rot und blau In Freuden und in Leiden.  2. Es kam ein Knabe geſprungen Vom Wald zur grünen Au, Der hat viel Liedlein geſungen, Das hat gar hell geklungen; Jung Magd, Jung Frau, So lauſchten alle beiden.  3. Es ſind viel Tränen getropfet In Wald und grüner Au, Es haben lange geklopfet Zwei Herzelein und lange gehoffet; Jung Magd, Jung Frau, Auf treue Lieb vergebens. Komp. Wilhelm Decker.

3. Erschwerter höherer Volksgesang.

Liederkranz Plieningen. Dirigent Muſiklehrer Schopf-Stuttgart.  43 Sänger.

Vineta. (Julius Gersdorff.) Es geht eine alte Sage von einer entſchwundenen Stadt, Darinnen nur wahrhafte Liebe in Treue gewaltet hat.


— 20 —

Die Stadt ruht tief im Meere, Lieb’ und Leiden fanden hier Ruh’. Es ſchwellen und rauſchen die Wogen Und decken die Schlummernden zu. Doch wenn mit Donnerbrauſen der Sturm über die Waſſer zieht, Von verlorener Treue und Liebe Singen die Wogen das Lied. Von verlorener Treue und Liebe ſingen die Wogen, Die Wogen das Lied. Komp. C. H. Döring.


— 21 —

Pflichtchöre des in der Abteilung erſchwerter höherer Volksgeſang preisſingenden Vereins

Liederkranz Plieningen. Segenswunſch. (Ambros Meyr.) Heldenheimat, die wir ſchauen Von der Alpen ſteilem Rand, Blaue Berge, grüne Auen, Und der Ströme helles Band; Bis an jenes weit entlegne Dünenfeld am Nordſeeſtrand: O daß Gott, der Herr, dich ſegne, Großes, deutſches Vaterland! Treue Frauen, ſtarke Recken Trug von je dein tiefer Grund, Tauſend blanke Schilde decken Deiner Bruderſtämme Bund. Zitternd ſank ſie, die verwegne, Ländergierge Feindeshand; O daß Gott etc. etc. Hohes Erbteil edler Ahnen: Reine Sitte, ſtrenges Recht, Leite auf des Friedens Bahnen Unbeirrt ein frei Geſchlecht; Ob dir Glück, ob Leid begegne, Jedem Schickſal hältſt du ſtand: O daß Gott etc. etc. Komp. J. Pembaur.


— 22 —

Das Kirchlein. (W. Kilzer.) Ein Kirchlein ſteht im Blauen, Auf ſteiler Bergeshöh’, Und mir wird beim Beſchauen Des Kirchleins wohl und weh. Verödet ſteht es droben, Ein Denkmal frührer Zeit; Vom Morgenrot gewoben Wird ihm ſein Sonntagskleid. Und wenn die Glocken klingen Im friſchen Morgenhauch, Dann regt mit zartem Schwingen Sich dort ein Glöcklein auch! Wohl weckt ſein mildes Schallen Ein ſchlummerndes Gefühl, Zum Kirchlein ſeh’ ich wallen Der frommen Beter viel. Komp. V. E. Becker.


— 23 —

Massen-Chöre vorgetragen

von sämtlichen Vereinen des

Filder-Sänger-Bundes

(Gaudirigent Muſiklehrer Vogger-Stuttgart). Ausgeführt von 700 Sängern.

Die Kapelle. (Hegner.)  Was ſchimmert dort auf dem Berge ſo ſchön, Wenn die Sternlein hoch am Himmel aufgehn? Das iſt die Kapelle, ſtill und klein, Sie ladet den Pilger zum Beten ein.  Was tönet in der Kapelle zur Nacht So feierlich ernſt in ruhiger Pracht? Das iſt der Brüder geweihter Chor. Die Andacht hebt ſie zum Herrn empor.  Was hallt und klinget ſo wunderbar Vom Berge herab, ſo tief und klar? Das iſt das Glöcklein, das in die Gruft Am frühen Morgen den Pilger ruft. Komp. C. Kreutzer.

Das deutsche Lied. (J. W. Kalliwoda.) 1. Wenn ſich der Geiſt auf Andachtsſchwingen zum Himmel hebt, Durch Erdennacht zum Licht zu dringen die Seele ſtrebt, Dann fühlt die Bruſt ein heilig Drängen,


— 24 —

Das Und Das Und Das

aufwärts zieht, das aufwärts zieht; es ertönt, und es ertönt in ernſten Klängen deutſche Lied, und es ertönt, es ertönt in ernſten Klängen deutſche Lied, das deutſche Lied.

2. Erbleichen all die kleinen Sterne der Kindheitnacht, Und kündet Morgenrot von ferne der Sonne Pracht: Dann fühlt die Bruſt ein ſelig Drängen, Das Lied erblüht, das Lied erblüht; Und es ertönt, und es ertönt in inngen Klängen Das deutſche Lied, und es ertönt, Und es ertönt in inngen Klängen Das deutſche Lied, das deutſche Lied. 3. Und lodern auf des Kampfes Flammen in heißem Brand, Wir ſcharren mutig uns zuſammen fürs Vaterland. Dann fühlt die Bruſt ein mächtig Drängen, Die Freiheit glüht, die Freiheit glüht; Und es ertönt, und es ertönt in Feuerklängen Das deutſche Lied, und es ertönt, Und es ertönt in Feuerklängen Das deutſche Lied, das deutſche Lied. 4. Das deutſche Lied aus deutſchen Herzen quillt ſtark und frei, Beſchwingt die Freuden, heilt die Schmerzen, ſchafft Jugend neu. Was nur die deutſche Bruſt mag drängen, Es wird zum Lied, es wird zum Lied; Drum töne fort, drum töne fort mit ewgen Klängen, Du deutſches Lied, drum töne fort, Drum töne fort mit ewgen Klängen, Du deutſches Lied, du deutſches Lied.


— 25 —

Nellingen. Nellingen, am nordöſtlichen Ende der Filderhochebene gelegen, bietet dem Beſucher, mag er von einer Richtung herkommen, von welcher er will, einen überaus freundlichen Anblick, es iſt umgeben von einer fruchtbaren Markung und ſchönen Obſtgärten. Früher hieß der Ort Nallingen und kommt zum erſtenmal in einer Urkunde ums Jahr 1100 vor. Viele Stürme ſind in früheren Jahrhunderten, namentlich in Kriegszeiten darüber hingegangen, mehrmals wurde der Ort völlig zerſtört, aber immer wieder ſiedelten ſich die Bewohner an der alten Stelle wieder an. Die Hauptbeſchäftigung der Einwohner war bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts die Landwirtſchaft, hauptſächlich in früherer Zeit der Anbau von Flachs und Hanf. Doch mit dem Emporkommen der Induſtrie wurden


— 26 —

die Landwirte immer ſeltener und der größte Teil der Einwohner ſucht ſich heute ſeinen Lebensunterhalt in den nahen Induſtriezentren zu verdienen. Nellingen zählt heute ca. 1650 Einwohner. Der ſehnlichſte Wunſch der hieſigen Bevölkerung wäre der, bald eine Bahnverbindung mit Eßlingen zu bekommen, und wurden auch ſchon Schritte in dieſer Hinſicht getan, aber bis jetzt leider ohne Erfolg. Hoffen wir, daß, wenn wieder ein Sängerfeſt hier abgehalten wird, alle unſere Gäſte auf dem Schienenweg nach hier befördert werden können.

Chronik des feſtgebenden Vereins. Wo etwas tief im Herzen glüht Sei’s Freude oder Schmerz So drängt es ſich heraus im Lied Und tönet himmelwärts Und wie ein Bach in wilder Luſt Sein eignes Bett ſich ſchafft So tönt aus deutſcher Männer Bruſt Der Töne Wundermacht.

Zum erſtenmale bietet ſich unſerem Orte und auch unſerem Verein Gelegenheit, frohe Sängerſcharen zu empfangen, um auf dem Liederfeſt des Filder-Sängerbundes in edlem Wettſtreit um die Palme des Siegers zu ringen. Aus dieſem Anlaß geziemt es ſich wohl, einen Rückblick zu halten auf die Entwicklung der Pflege des Männergeſangs in Nellingen im allgemeinen und auf die Geſchichte des nun ins Schwabenalter tretenden Geſangvereins „Eintracht“ im beſonderen. Schon in den erſten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, als ſich in den größeren Städten Württembergs Geſangvereine bildeten, fanden ſich auch in Nellingen Freunde des Männergeſangs zuſammen und gründeten im Jahre 1838 den „Liederkranz“. Es wird wohl einer der älteſten Landvereine Württembergs ſein und auch ſeine Fahne, die dieſer Verein im Jahre 1840 weihen konnte und die heute noch vorhanden iſt, dürfte zu den älteſten zählen. Ein muſikbegabter Schäfer, Jakob Hartmann, dirigierte den Verein, lernte die Lieder durch Vorſpielen auf einer Klarinette. Die Muſikalienbücher, die aus der damaligen Zeit noch vorhanden ſind, und die obengenannter zum großen Teil ſelbſt geſchrieben hat, geben Zeugnis von der muſikaliſchen


— 27 —

Befähigung dieſes Mannes. In ſpäteren Jahren wurde er noch unterſtützt von Chr. Aichele (Trompeter). Im Jahre 1854, als der jetzige Herr Schultheiß Mauz als junger Lehrer in ſeine Heimatgemeinde verſetzt wurde, übernahm dieſer die Leitung des Vereins und beteiligte ſich derſelbe dann im Jahre 1857 am Liederfeſt in Kirchheim. Als im Jahre 1868 jüngere Leute in den Geſangverein „Liederkranz“ eintreten wollten, erklärten ihnen die Alten, ſie ſollen lieber einen neuen Verein gründen, da Alt und Jung nicht zuſammenpaſſe und ſo entſtand im Mai 1868 ein neuer Verein unter dem Namen „Eintracht“, der junge Geſangverein im Gegenſatz zum alten Geſangverein. Dieſer alte Geſangverein ist nun heute bis auf 4 Männer (L. B l u t h a r d t , L. K o b e r , J. H e r m a n n und G. M a u z ) zuſammengeſchmolzen, welche ſich entſchloſſen haben, ihre Fahne und Bücher dem Verein „Eintracht“ anläßlich des Feſtes als Andenken zu übergeben und ſich zum letztenmal an dem Gauſängerfeſt in hieſigem Orte zu beteiligen. Im Jahre der Gründung trat die „Eintracht“ dem Schwäbiſchen Sängerbund bei und beteiligten ſich an dem Schwäbiſchen Liederfeſt in Eßlingen im Jahre 1868, konnte aber damals noch nicht vierſtimmig ſingen. Herr Schullehrer Mauz übernahm nun auch die Direktion des neuen Geſangvereins. Erſter Vorſtand war D. Krießler, der aber im Jahre 1870 zurücktrat und an deſſen Stelle Georg Merk gewählt wurde. Dieſer begleitete die Stelle bis zum Jahre 1901. Anfang der 70er Jahre wurde auch einmal der Verſuch gemacht, noch einen dritten Geſangverein ins Leben zu rufen unter dem Namen „Frohſinn“. Dieſer Verein trug jedoch ſchon bei ſeiner Geburt den Todeskeim in ſich und entſchlief derſelbe nach halbjährigen freudloſem Daſein wieder, um ſeinen Begründern nichts weniger als Freude zu hinterlaſſen. Im Jahre 1873 ging der Geſangverein „Eintracht“ an die Anſchaffung einer Fahne um den Preis von 260 Gulden und im gleichen Jahre konnte die Weihe derſelben vorgenommen werden. Der Feſtplatz war im Bärengarten und nahm das Feſt bei gutem Wetter und unter zahlreichem Besuch (ca. 30 auswärtige Vereine), darunter mehrere aus der Reſidenz, einen ſchönen und würdigen Verlauf. Damals war eine Fahnenweihe noch etwas ſelteneres als heutzutage. In den folgenden Jahren trat der Verein in der Oeffentlichkeit nicht mehr beſonders hervor, er beſchränkte ſeine Tätigkeit auf Geſang bei feſtlichen Anläſſen, Hochzeiten und Grabgeſängen. Der alte Geſangverein widmete ſich in dieſer Zeit hauptſächlich dem Kirchengeſang (gemiſchter Chor) unter Leitung von Her-Schultheiß M a u z. Im Jahre 1879 erklärte die Eintracht ihren Austritt aus dem Schwäb. Sängerbund und in den folgenden Jahren ging die Zahl der Mitglieder bis auf 12 zurück.


— 28 —

Im Jahre 1893 übernahm Lehrer Hornung die Direktion und war der Verein inzwiſchen wieder auf ca. 25 Sänger angewachſen. Als Herr Hornung im Jahre 1896 verſetzt wurde, leitete Herr Lehrer Munz den Verein. Im Jahre 1901 trat der langjährige Vorſtand Merk zurück und wurde an ſeiner Stelle Ludwig Fröschle gewählt, welcher dieſen Poſten bis zum heutigen Tage zu voller Zufriedenheit bekleidet hat und hoffentlich auch in Zukunft bekleiden wird. Durch zahlreichen Beitritt vieler ſangesfreudiger Mitglieder kam neues Leben in den Verein und im Jahre 1900 trat der Verein dem Filder-Sängerbund bei und beſuchte zum erſtenmal ein Gaufeſt desſelben im Jahr 1901 in Bonlanden. Für das im Jahr 1902 in Denkendorf abzuhaltende Gaufeſt mit Wettgeſang entſchloß ſich nach langem Zaudern der Verein, ſich auch einmal im Wettgeſang hören zu laſſen. Da Herr Lehrer Munz gerade in den betr. Monaten nicht ſo viel freie Zeit hatte, empfahl er uns einen jungen Lehrer, der eben erſt vom Seminar aus nach Nellingen gekommen war, Herrn Lehrer Zimmermann, welcher auch freudig akzeptiert wurde und nun ging es mit friſchem Mut an die Einſtudierung des Preis‌ chores. Als ſolcher war das Lied von Kamm gewählt worden: „Es war ein Knabe gezogen“. Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, bis alle Sänger ſich den für den Wettgeſang notwendigen Eifer angeeignet hatten; unſer junger energiſcher Lehrer verließ ſogar einmal die Singſtunde wegen ſchlechten Beſuchs und erſt durch Verſprechen vollzähligen Erſcheinens in Zukunft kam er in der nächſten Singſtunde wieder: Das wirkte. Mit verdoppeltem Eifer wurde nun gearbeitet. Als wir nun auf das Denkendorfer Feſt zogen, waren wir zwar gut vorbereitet, aber als Neulinge im Wettſingen hofften wir doch kaum auf einen Erfolg. Doch ſchon, als wir unſer Lied auf der Tribüne zu Ende geſungen hatten, merkten wir an dem ſtarken Beifall, der uns zu teil wurde, daß wir nicht leer nach Hauſe gehen durften. Um ſo größer war die Freude, als wir bei der Preisverteilung an erſter Stelle genannt wurden und mit einem erſten Preis nach Hauſe ziehen konnten, wo die Sänger mit großem Jubel empfangen wurden. Am 3. Auguſt wurde dann in der „Germania“ bei vollbeſetztem Saale eine Siegesfeier abgehalten, welche einen ſchönen Verlauf nahm. Dem Dirigenten wurde ein ſchönes Geſchenk überreicht. Doch bald nachher mußte Herr Lehrer Zimmermann unſern Ort verlaſſen und der Verein ſah ſich wieder vor der Wahl eines Dirigenten. Diesmal wurde nun ein begabter junger Sänger des Vereins gewählt und die Zukunft zeigte, daß wir eine gute Wahl getroffen hatten. Es war dies Herr Ludwig Neff, der dieſen Poſten bis heute zu unſerer vollen Zufriedenheit bekleidet und uns ſchon zweimal zu Siegen geführt hat.


— 29 —

Da unſere Fahne etwas zerriſſen war und auch etwas abgeſchoſſen ausſah, wurde anfangs 1903 beſchloſſen, eine neue Fahne anzuſchaffen, und im gleichen Jahre eine Fahnenweihe abzuhalten, verbunden mit 35jähr. Stiftungsfeſt. Die Fahne wurde durch die Firma Adam in Stuttgart geliefert. Alle Vorbereitungen waren getroffen, um die Fahnenweihe am 24. Juni 1903 zu einem wahrhaft ſchönen und erhebenden Feſt zu geſtalten, zahlreiche Vereine aus der Umgegend waren unſerem Rufe gefolgt; aber wir hatten unſere Rechnung ohne Jupiter Pluvius gemacht. Morgens am Feſttag war das Wetter leidlich, ſo daß die meiſten angemeldeten Vereine erſchienen; es hielt noch über den Feſtzug; aber als der Zug den Feſtplatz erreichte, brach ein Unwetter los, das jedes Verweilen im Freien unmöglich machte. Die offizielle Fahnenweihe wurde nun im Saal der Germania abgehalten und nahm einen würdigen und ſchönen Verlauf. Anläßlich des damit verbundenen Stiftungsfeſtes wurden verſchiedene Diplome verteilt hauptſächlich an ſolche, die ſeit der Gründung des Vereins Mitglieder waren. Herr Schultheiß Mauz wurde zum Ehrenvorſtand; zu Ehrenmitgliedern die Herren: Muſik-Oberlehrer Nagel-Eßlingen, Schullehrer Munz, Lehrer Zimmermann, Georg Merk, Gottlieb Gräber und Karl Haar ernannt. Am folgenden Montag fand das Feſt bei beſſerem Wetter einen ſchönen Abschluß. An dem Gau-Liederfeſt in Bernhauſen 1904 beteiligte ſich unſer Verein wieder am Wettgeſang, und zwar diesmal im höheren Volksgeſang mit dem Lied: „Nun iſt der Lenz gekommen“ v. Sturm. Mit mehr Mut als das erſtemal zogen die Sänger zum Wettſtreit und wieder lächelte ihnen das Glück. Diesmal errang ſich der Verein wieder einen erſten Preis. Mit um ſo größerer Freude wurde dieſes Reſultat entgegengenommen, als es das erſtemal war, daß unser Dirigent L. Neff ſich mit unſerem Verein einen Preis holte. Bei der am 24. Aug. 1904 im Saal zur Germania abgehaltenen Siegesfeier erhielt unſer Dirigent ein ſchönes Geſchenk; ferner wurden anläßlich ihrer 25 jährigen Mitgliedſchaft Vorſtand L. Fröſchle und Kaſſier Paul Mauz zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im Dezember 1904 trat der Verein wieder dem „Schwäbiſchen Sängerbund“ bei und zwar diesmal mit dem feſten Vorſatz, ſich an dem nächſten 28. Schwäbiſchen Sängerfeſt in Gmünd womöglich am Wettgeſang zu beteiligen. Als Preis‌ chor wurde eine Kompoſition des Herrn Muſikoberlehrers W. Nagel-Eßlingen gewählt: „Im Tal eine Hütte“. Viele Mühe und Zeit wurde darauf verwendet, um wohl vorbereitet mit anderen Vereinen in Konkurrenz treten zu können. Wir merkten gar bald, daß es etwas an-


— 30 —

deres iſt, auf einem Schwäbiſchen Sängerfeſt einen Preis zu holen, als auf einem Gaufeſt. Doch auch hier war unser Verein vom Glück begünſtigt; wenn es auch nicht reichte zu einem erſten Preis, so erhielten wir doch einen zweiten. Mit großem Jubel wurde nach der Preisverteilung die Heimreiſe angetreten, freudig empfangen von der ganzen Einwohnerſchaft, beſonders auch von Herrn Pfarrer S t o r z, sowie Herrn Schultheiß M a u z und noch mehrere Stunden wurde in dem Saal zur Germania der Sieg gefeiert, wobei die obigen Herren ihrer Freude beredten Ausdruck gaben. Eine ſpätere Siegesfeier gab dann nochmals Gelegenheit, den Erinnerungen an Gmünd Ausdruck zu geben und ſich unſerem Dirigenten gegenüber erkenntlich zu zeigen. Bis jetzt war der Verein beim Wettgeſang immer vom Glück begünſtigt und wollen wir hoffen, daß er auch nie leer nach Hauſe zurückkehren möge. Dies wünſchen wir auch allen Vereinen, die ſich am 27. Gaufeſt des Filder-Sängerbundes im Wettgeſang meſſen. Wenn auch von den Gegnern des Preisgeſanges triftige Gründe ins Feld geführt werden gegen denſelben, ſo zeigt uns doch die Entwicklung unſeres Vereins, daß erſt durch Beteiligung am Wettgeſang die in den Vereinen schlummernden Kräfte zur vollen Geltung gelangen und durch Streben nach immer beſſerer Vollkommnung die Geſangvereine ihrem Ziele entgegengeführt werden: „Der Hebung und der treuen Pflege des deutſchen Männergeſangs.“


— 31 —


— 32 —


27. Gausängerfest des Filder-Sänger-Bundes  

40jähriges Stiftungsfest des Gesangvereins „Eintracht“ Nellingen

27. Gausängerfest des Filder-Sänger-Bundes  

40jähriges Stiftungsfest des Gesangvereins „Eintracht“ Nellingen

Advertisement