LOOP 2 2025

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Schauspieler

Simon Schwarz über nachhaltigen Aktivismus

In Wien werden die ersten Reparaturprofis ausgebildet.

Beim kreislauffähigen Bauen kommt es nicht nur auf die Materialien an.

Ungewöhnliche Geschenkideen, die über bloßen Konsum hinausgehen.

TELE Haase

Steuergeräte

Vorarlberger Allee 38, 1230 Wien

DER SCHILD DES TEAMS

Was moderne Organisationen von Sparta-Kriegern lernen können

Manchmal zeigt ein Blick in die Geschichte, wie zeitlos die Grundlagen menschlicher Zusammenarbeit sind. Auch wenn moderne Unternehmen in Meetingräumen statt auf Schlachtfeldern agieren, bleiben die Mechanismen, die Menschen zu leistungsfähigen Gemeinschaften machen, erstaunlich ähnlich. Sparta bietet dafür ein eindrucksvolles Beispiel, nicht wegen des Mythos, sondern wegen der klaren, strukturierten Prinzipien, die ihre Krieger trugen.

Die spartanischen Krieger stehen sinnbildlich für eine besondere Form der Motivation: eine Kraft, die nicht aus individuellen Ambitionen entsteht, sondern aus Disziplin, gegenseitigem Vertrauen und einer fast ritualhaften Klarheit im Handeln. Steven Pressfield beschreibt in Gates of Fire, wie die Krieger selbst im Schmerz Humor finden, weil geteilte Anstrengung Bindung schafft. Dieser Mechanismus wirkt erstaunlich modern. Die Arbeitspsychologie zeigt, dass Teams, die gemeinsam Belastung erleben, stärker zusammenwachsen und höhere intrinsische Motivation entwickeln. Wo Menschen gemeinsam durch Herausforderungen gehen, entsteht psychologische Sicherheit, ein zentraler Wert heutiger demokratischer Organisationsformen.

Das symbolisch stärkste Element Spartas ist der Schild. Er schützt nicht nur seinen Träger, sondern vor allem den Kämpfer an seiner Seite. Dieses Bild übersetzt sich in die moderne Arbeitswelt als Haltung: Verantwortung endet nicht an den eigenen Aufgaben, sondern erstreckt sich auf das gesamte Team. In meinen eigenen Forschungsarbeiten zur Mitarbeitendenmotivation zeigt sich immer wieder, wie stark Elemente wie Mitbestimmung, Transparenz und partizipative Entscheidungsfindung diese gemeinsame Haltung prägen. Der Schildwall einer Organisation entsteht dort, wo Menschen wissen: „Ich verlasse mich auf dich, und du auf mich.“

Auch Disziplin spielt eine Rolle, doch in anderer Form. Während Sparta Härte und körperliche Strafe kannte, ersetzen wir dies heute durch klare Kommunikation, Feedback und transparente Prozesse. Das moderne Pendant zur spartanischen Korrektur ist nicht Schmerz, sondern Reflexion. Es geht darum, zu erkennen, wie das eigene Verhalten das Team stärkt oder schwächt. Wissenschaftlich entspricht dies dem Prinzip der sozialen Interdependenz: Motivation steigt, wenn sichtbar wird, wie sehr der eigene Beitrag das Ganze beeinflusst.

Ein weiteres Motiv aus Gates of Fire ist die Kraft der Erzählung. Die Spartaner erzählten sich vor Schlachten Geschichten, um Mut zu sammeln und mentale Ordnung herzustellen. In Unternehmen übernehmen Narrative heute dieselbe Funktion: Sie strukturieren Gedanken, schaffen Orientierung und verbinden individuelle Arbeit mit einem gemeinsamen Sinn. Ob in Meetings, Reviews oder informellen Gesprächen, gemeinsame Geschichten erzeugen Fokus und Zusammenhalt.

Am Ende kämpften die Spartaner nie allein. Ihre Stärke lag im Zusammenspiel, in der Formation, in der Fähigkeit, das eigene Können in den Dienst der Gruppe zu stellen. Genau hier treffen sich antike Krieger und moderne demokratische Organisationen: Motivation entsteht, wenn Menschen spüren, dass ihr Einsatz Bedeutung hat, für sich selbst, für andere und für das Ganze. Wer so arbeitet, steht, wie einst die 300, nicht allein im Wind.

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IMPRESSUM

Chefredaktion

Arndt Müller

Grafik

Anika Reissner

Bildbearbeitung

Philipp Tomsich Fotos

Stiegl (S. 6); SunHydrogen (S. 7); Werner Mertz (S. 7); Bosch (S. 8); Kaldewei (S. 9); Wirl Photos (S. 10); Shutterstock/great19 (S. 10); privat (S. 12); Daniel Huber (S. 16); Happylab (S.17); BFAxKLK (S. 20); Climate Lab (S. 21); Salzburg WohnbauWedenig (S. 22); Fahrradfilet

Maria Noisternigg (S. 24); Die Stadtgärtner (S. 25); Aarke Carbonator (S. 25); Repeat (S. 25); Otto Reiter (S. 26) Lektorat

Iris Erber

Redaktionsanschrift

Egger & Lerch Corporate Publishing, velcom GmbH, Vordere Zollamtsstraße 13, 1030 Wien, T +43 1 524 89 00, www.egger-lerch.at Anzeigen- und Promotionskontakt velcom GmbH, Liza Temme, T +43 664 88382325, Liza.temme@velcom.at Druck

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER!

Der Wandel hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft ist längst kein Zukunftsprojekt mehr – er passiert genau jetzt. Überall dort, wo Menschen neue Wege suchen, Ressourcen bewusst nutzen und mutig experimentieren, entsteht ein anderes Verständnis von Fortschritt. Ob KI im Gebäudebestand, Upcycling im Hotelbad, Reparaturpioniere in Wien oder grüne Hightech-Materialien aus Leoben: Die Beispiele in dieser Ausgabe zeigen, wie viel Dynamik im System steckt, wenn Innovation und Verantwortung zusammenspielen.

Sichtbar wird auch: Nachhaltigkeit ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn. Für Unternehmen, die unabhängiger werden. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die bessere Produkte erhalten. Und für eine Gesellschaft, die lernt, Wert statt Abfall zu schaffen.

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht die Redaktion von LOOP

Inhalt

Seite 6 kurz

UND BÜNDIG

Von sauber bis sonnig –die spannendsten Meldungen zur Kreislaufwirtschaft.

Seite 8 Unter der Loope

Bohrmaschinen aus RecyclingKunststoff und aufgehübschte Bäder im Hotelbusiness.

Seite 10

„Natur macht uns gesund“

Der Schauspieler Simon Schwarz über Aktivismus, Fleischverzicht und ein besseres Leben.

Seite 16 Aus alt wird besser

Wie der Einstieg in die Circular Economy auch den kleinen und mittleren Unternehmen gelingen kann.

Seite 17

ReparaturRevolution

In Wien wird Reparieren zum Ausbildungsberuf.

Seite 20 Bauen mit Lehm, sanieren mit AI

In Österreich arbeiten Forschende an der Bauwirtschaft von morgen.

Seite 24 GRÜNE Bescherung!

Nachhaltiges für den Gabentisch.

Seite 26 Kommentar

Ob Produkte kreislauffähig sind, entscheidet sich schon beim Design, weiß Expertin Julia Rubin Ast.

Vom Putzen bis zum

Städtebau: Die Kreislaufwirtschaft gewinnt zunehmend an Fahrt.

Von Arndt Müller

REGIONALITÄTSPREIS AN STIEGL

Die Salzburger Privatbrauerei Stiegl hat den Regionalitätspreis 2025 in der Kategorie „Umweltschutz & Ressourcenmanagement“ gewonnen (im Bild Stiegl-Nachhaltigkeitsmanagerin Victoria Seidl). Stiegl forscht gemeinsam mit der Höheren Landwirtschaftsschule Ursprung seit 2015 zum Thema „Brauerei-Kieselgur“. Aus diesem Filtermittel wird nach seinem Einsatz im Brauprozess ein wertvoller Boden-Hilfsstoff, inklusive offizieller Zulassung durch die Behörden. So wandern bei Stiegl 450 Tonnen dieses Materials zurück in den Boden und verbessern dort die Gesundheit der Braugerste.

kurzUND BÜNDIG

Saubere Sache

Das Salzburger Start-up CleanLoop macht Reinigungsbedarf wiederverwendbar: Über eine App handeln Unternehmen gewerblich genutzte Reinigungsgeräte und Putzmittel aus zweiter Hand. So werden Ressourcen geschont, Abfälle vermieden und Kosten um 50 bis 70 Prozent gesenkt. Gründer Roman Hörantner betont: „Wir schenken Maschinen und Chemie ein zweites Leben.“ Unterstützt wird das Re-Use-Modell von FC Red Bull-Torwart Alexander Schlager. Hotels, Caterer und Gebäudereinigungen nutzen bereits die Plattform. CleanLoop will den digitalen Marktplatz österreichweit ausbauen und die Kreislaufwirtschaft in allen Branchen stärken.

Rohre aus einem Guss

Bei Wasser- und Abwasserrohren in Gebäuden ersetzen

Kunststoffrohre zunehmend solche aus Guss, also Metall. Aus Kreislaufsicht ist das fatal, so eine neue Studie des Informationszentrums Entwässerungstechnik (IZEG). Gussrohre schneiden bei der ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung nämlich deutlich besser ab als Kunststoffrohre, da sie leichter recycelt werden können und auch schon werden. Bei Rohren aus einem Kunststoffgemisch ist das kompliziert, diese wandern daher in die Müllverbrennung.

IN WIEN GEHT’S RUND

Wien hat seine neue Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache“ vorgestellt. Ziel ist es, Ressourcenverbrauch und Verschwendung deutlich zu reduzieren. 33 Maßnahmen – von der Wiederverwendung gebrauchter Güter über zirkuläres Bauen bis zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen – sollen Wien zur „Großstadt ohne Verschwendung“ machen und Wirtschaft wie Umwelt gleichermaßen stärken.

Wasserstoff aus Sonnenlicht

Forschende des US-Unternehmens SunHydrogen haben einen bedeutenden Fortschritt erzielt, indem sie Solarzellen mit der Produktion von Wasserstoff kombiniert haben. Dieses neuartige System nutzt Sonnenenergie, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. „Wir könnten ein ähnlich gutes Preisniveau wie beim konventionellen Wasserstoff erreichen“, so Hans-Peter Klein, aus der Steiermark stammender Director of Business Operations des Startups aus Iowa. Testreihen mit einem großen Panel sind erfolgreich abgeschlossen, derzeit basteln Klein und seine Leute an einer Pilotanlage in Austin, Texas. Der erzeugte Wasserstoff kann als umweltfreundlicher und unbegrenzt lagerfähiger Energieträger in verschiedenen Anwendungen, etwa als Treibstoff für Verkehrsmittel, eingesetzt werden. Damit könnte diese Technologie einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂Emissionen leisten.

Frosch im Abfall-Kleid

Der deutsche Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz, bekannt für die Marke Frosch, setzt ein starkes Zeichen für die Kreislaufwirtschaft: Künftig bestehen alle Verpackungen ausschließlich aus recyceltem Kunststoff aus dem Gelben Sack. Damit zeigt das Familienunternehmen aus Mainz, dass 100 Prozent Recycling schon jetzt technisch und wirtschaftlich machbar sind. Seit 2012 investiert Werner & Mertz zweistellige Millionenbeträge in Rezyklat-Innovationen und hat bereits über eine Milliarde Flaschen aus Altplastik produziert – ein Rekord in der Branche. Durch Kooperationen mit Recyclingpartnern werden gebrauchte Kunststoffe sortiert, aufbereitet und vom österreichischen Hersteller Alpla zu neuen Verpackungen verarbeitet. So entsteht ein geschlossener Materialkreislauf, der Rohstoffe spart und Abfall reduziert.

NACHHALTIG BOHREN

Werkzeug im Kreislauf

Bosch zeigt, wie Elektrowerkzeuge ressourcenschonend hergestellt werden

können: In einem Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft wurde die Schlagbohrmaschine UniversalImpact 800 als Closed-Loop Edition produziert –78 Prozent des Gehäuses bestehen aus recycelten Kunststoffen. Qualität, Optik und Langlebigkeit bleiben unverändert, das Material ist TÜVzertifiziert. Das Projekt kombiniert innovative Recyclingprozesse, datenbasierte Vorsortierung und enge Partnerkooperationen. Bosch liefert damit einen praxisnahen Leitfaden für die Branche, reduziert den CO₂-Fußabdruck und macht Recycling auch für Privatanwender zu greifbarer Realität.

Unter der Loope

Upcycling im Bad

Der Sanitärhersteller KALDEWEI zeigt im 25hours Hotel Bikini Berlin, wie Kreislaufwirtschaft im Projektgeschäft funktioniert: Ausgediente Badewannen und Duschflächen wurden zurückgeführt, umfassend aufbereitet und mit einer rutschhemmenden Emaillierung versehen. Mehrstufige Kontrollen im Upcycling-Prozess sorgen für bestmögliche Qualität der ehemaligen Altkeramik. Rund 65 Prozent CO₂ werden im Vergleich zu neuen Sanitärprodukten eingespart. Das Pilotprojekt macht Cradle-to-Cradle erlebbar, zeigt die Chancen von Upcycling im Bauwesen, verbessert den Komfort für Hotelgäste und eröffnet Hotellerie und Bauwirtschaft völlig neue Perspektiven für wirklich nachhaltige Objektgestaltung.

HÜHNER

ENTSORGEN MÜLL

Seit 2015 verschenkt die französische Gemeinde Colmar Hühner an Haushalte. Die Tiere sollen den ­Biomüll fressen und so die Müllabfuhr entlasten. Das Konzept funktioniert: Die Hühner sind als „lebendige Kompostierer“ beliebt, sensibilisieren für gesunde Lebensmittel –und liefern frische Eier. Ein Huhn kann täglich rund

Bioabfall „wegputzen“!

„Natur macht uns gesund.“

Simon Schwarz im Gespräch über Aktivismus, veganes Essen, Käsekrainerexzesse – und seine Liebe zum Wort „Verheckung“.

Wolfgang Knabl

„Dann gibt es bald Geschöpfe, die ham’ kein Hirn, dafür 2 Köpfe“. Mit diesem Slogan haben Sie als Kind demonstriert. Was ist aus diesen Geschöpfen geworden?

Felder auf gewaltigen Flächen. Dazwischen gibt es kleine Bachläufe. Die meisten sind begradigt worden, damit sie möglichst wenig von den Maisfeldern wegnehmen. Bei der Fahrt zum Filmset sehe ich jeden Tag einen kleinen Bachlauf, den die Gemeinde oder der Bauer mäandern lassen, wie er eben von Natur aus verläuft. Streckenweise haben sie ihn renaturiert und auf beiden Uferseiten Verheckungen entstehen lassen: Wilder Pflanzenwuchs, da können Tiere kurz durchschnaufen. Dieses kleine Stück Natur gibt mir, wenn ich daran vorbeifahre, viel Freude. Und dann sehe ich kilometerlang nichts als Maisfelder.

Das ist dann deprimierend?

Simon Schwarz, geboren 1971 in Wien. Größere Bekanntheit erlangte der Schauspieler mit der Hauptrolle in „Die Siebtelbauern“ (1998), 2000 folgte „Komm, süßer Tod“ mit Josef Hader. Seit 2013 spielt er eine Hauptrolle in den Verfilmungen der „Franz Eberhofer“Krimis. Gemeinsam mit Manuel Rubey ist er als Podcaster und Kabarettist erfolgreich.

SIMON SCHWARZ: Damals ging es um Atomkraft und Radioaktivität. Heute sind wir mit Monstern konfrontiert, die keine zwei Köpfe haben, aber unsere Demokratie und unsere Umwelt kaputt machen. Dann gibt es die große Masse, zu der auch ich zähle, die einfach nur ihren Wohlstand genießen und diesen Wohlstand weiter nach oben schrauben will. Das schafft leider gewisse Probleme. Wir sollten verstärkt darüber nachdenken, welche Auswirkungen unser Tun hat. Es muss jedem bewusst werden: Dein Verhalten auf dieser extrem globalisierten Welt beeinflusst, wie es mit uns allen weitergeht.

Was kann bei diesem Bewusst-Werden helfen?

Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Ich drehe gerade in Niederbayern, dort gibt es viele landwirtschaftliche Monokulturen: Riesige

Ja. Weil man deutlich sieht, wie die Erosion von den Feldern, ohne die schützende Verheckung, auf der Straße landet. Und diese Erosion –Staub bei Wind, Schlamm bei Regen, immer Dreck am Auto – das ist ja eigentlich fruchtbare Erde. Diese wertvolle Ressource landet in den Bächen, die keine Verheckung haben, die Bäche münden in die Donau, die wertvolle Erde aus Bayern landet im Schwarzen Meer, wo niemand etwas davon hat. Verheckungen verhindern das. Gleichzeitig gibt es eine riesige Lobby gegen Verheckungen, das kann ich nicht nachvollziehen. Dabei hilft Verheckung den Bauern, weil sie die angrenzenden Felder resistenter gegen Extremwetterereignisse macht. Auch das kann Verheckung.

GARTELN: SEELENPFLEGE IM GRÜNEN?

Dunkle Erde berühren. Pflanzen pflegen, sie beim Gedeihen unterstützen: Arbeit im Garten hebt die Laune – aber wie sehr stärkt sie die Psyche? Forschende der Universität York haben herausgefunden, dass Gartenarbeit sogar bei Ängsten und mittelschweren Depressionen hilft. Und zwar ähnlich effektiv wie eine kurzfristige kognitive Verhaltenstherapie.

Ich habe noch niemanden so beglückt das Wort „Verheckung“ sagen hören. (lacht) Natur macht uns gesund. Ich liebe die Stadt und ein globales Umfeld. Aber ohne eine intakte Natur geht es nicht. Studien zeigen: Menschen, die im Garten mit Erde und Pflanzen arbeiten, sind resilienter gegen Depressionen. Als Jäger und Sammler wussten wir: In einer intakten Natur finden wir etwas zu essen. Hören wir Vogelgezwitscher, ist wahrscheinlich alles friedlich. Das steckt immer noch in uns drinnen. Deshalb machen uns Monokulturen nicht glücklich. Auch wirtschaftlich machen Monokulturen nur ganz wenige glücklich. Die können es sich dann leisten, dort Urlaub zu machen, wo es Verheckungen gibt.

Ihre Mutter war Umweltaktivistin. Was hat sie richtig gemacht, damit Sie nicht das Gegenteil gemacht haben und – zum Beispiel - Direktor eines Kohlekraftwerks geworden sind?

Als Direktor eines Kohlekraftwerks würde ich wahrscheinlich auch gut leben (lacht). Meine Mutter hat mir Liebe zur und Engagement für die Natur vorgelebt. Da konnte ich mir etwas abschauen – musste aber nicht. Diese Zwanglosigkeit war richtig und wichtig. Heute wird Aktivismus oft als Kampf Gut gegen Böse verstanden. Deshalb sind viele heutige Aktivismus-Gruppierungen ethisch und sozial universe Blasen.

Ihre Mutter hat die „Mütter gegen Atomkraft“ gegründet. Da waren auch Väter und Nicht-Mütter dabei?

Genau. Es war eine Bürgerinitiative mit

Simon Schwarz war schon als Kind gern im Grünen unterwegs.

unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Schichten, die alle das Gefühl hatten: Wir müssen etwas tun! Diese Menschen haben in ihrem jeweiligen Umfeld weitere Menschen mitgenommen und nicht nur in der eigenen Blase gepunktet. Das ist heute oft anders. Wobei das Engagement mancher junger Leute natürlich toll ist! Als Jugendlicher war mir das alles wurscht. Mit der Geburt meines ersten Kindes – ich bin mit Anfang 20 Vater geworden – ist mir bewusst geworden: Ich muss mehr Verantwortung übernehmen. Da waren die Ideen meiner Mutter plötzlich interessant.

Ihre Tochter macht ihren Master in Umweltwissenschaften. Ist sie konsequenter als Sie? Auf jeden Fall. Sie wird viel mehr CO2 einsparen als ich. Aber auch sie ist eher in einer Blase

unterwegs. Die Frage ist: Wie kann eine Bewegung richtig viele Leute außerhalb der eigenen Blase mitnehmen?

Eine Idee aus Ihrem Buch: Ein Bürgermeister in Frankreich hat jedem Haushalt zwei Hühner geschenkt, die den Restmüll reduzierten. Wären Hühner eine Lösung?

Das ist eine schöne und erfolgreiche Mikroinitiative. Mit dieser Idee hat der Bürgermeister das Müllproblem gelöst und das Dorf renaturiert. Wir Menschen haben manchmal eine interessante Lernkurve. Ausgangspunkt: Ein Zivilisationsproblem: Unser Müll wird nicht geholt, es stinkt. Die Lösung: Hühner, die den Müll fressen – und nebenbei die Menschen für ihre Umwelt und Lebensmittel sensibilisieren. Viele haben wegen ihren Hühnern begonnen, Gemüse anzubauen.

Haben Sie angeregt, Hühner für die Müllentsorgung ans Filmset mitzunehmen?

Aktuell drehe ich einen Eberhofer-Film in einem alten Bauernhof. Da laufen Hühner frei herum, beim Catering werden sie tatsächlich mit gefüttert. Sind Hühner vor Ort, funktioniert es also wirklich gut. Sonst wäre es logistisch schwierig. Generell ist mein Beruf ja sehr umweltschädlich. Wir sind viel unterwegs. Vor allem braucht man für einen Film sehr viel Energie, um Aufnahmen zu speichern, zu verschicken, zu bearbeiten und zu streamen. Mit Green Production wird viel verbessert. Aber es gibt noch viel Luft nach oben - wie überall.

An welchen Hebeln können wir alle ansetzen?

Simple Sachen helfen viel. Etwa, das Kaufverhalten zu hinterfragen: Wo kommen Produkte her, welche Lieferketten und Produktionsweisen stehen dahinter? Das Leben wird dadurch oft sogar besser. Wer zum Beispiel mehr Regionales, Saisonales und Pflanzliches isst, tut der eigenen Gesundheit und dem Planeten viel Gutes. Das muss nicht teuer sein! Und schmeckt gut. Total Polen Italien Spanien

FLEISCHKONSUM ADE: VEGETARISCH UND VEGAN BOOMEN Still und heimlich hat in Österreich eine Trendwende eingesetzt: Im Zehnjahresvergleich konsumieren Menschen hierzulande deutlich weniger Fleisch. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die sich vegetarisch mit oder ohne Fisch ernähren. In Europa hat Österreich den höchsten Anteil an sich vegan ernährenden Menschen.

Omnivor

Flexitarier:innen

Pescetarier:inne

Vegetarier:innen

Veganer:innen

In seinem ersten Buch blickt Simon Schwarz auf seine Kindheit und Jugend zurück. Und erzählt, warum er sich für Umwelt- und Klimaschutz engagiert.

Ernährungstechnisch haben Sie auch eine frühe Prägung erfahren: Sie hatten immer die uncoolste, weil gesündeste Jause … Ja. Meine Jause war Schwarzbrot. Die anderen hatten Wurst.

Haben Sie rebelliert?

Mit Käsekrainerexzessen?

Oh ja! Käsekrainerexzesse hatte ich viele! Ich hab ja lange im Ausland gelebt. Immer, wenn ich zurückgekommen bin, habe ich am Würstelstand zwei bis drei Käsekrainer gegessen. Also schon gewaltig (ballt die Faust und lacht)!

Und jetzt?

Ich esse seit Jahren kein Fleisch mehr. Vorübergehend habe ich sogar vegan gelebt. Aber wenn man nicht in der Großstadt wohnt oder jeden Tag kochen kann, ist das extrem mühsam. Unlängst war ich in einem Landgasthaus, da gab es sieben Schnitzelarten. Sieben! Und

kein einziges vegetarisches Gericht, sogar beim Salat waren Hühnerstreifen oder Speck dabei. Wenn man sich verbildlicht, wie viele tausend Schweine jeden Tag in unseren Schlachthöfen umkommen, dann sieht man, wie absurd unser Fleischkonsum ist. Leistbar macht das eine industrielle Fleischerzeugung: Sehr, sehr viele Tiere auf sehr, sehr engem Raum, gefüttert mit Silofutter, das weltweit verschifft wird. Früher war Fleisch zu teuer, um es jeden Tag zu essen. Das war richtig so.

Warum?

Wegen unserer Gesundheit. Und weil für diesen enormen Fleischkonsum Flächen verbraucht werden, die wir eigentlich nicht haben. Das Gleiche passiert an den Ortsrändern: Überall entstehen die immer gleichen Shoppingflächen mit gewaltigen, zubetonierten Parkplätzen. In den Orten veröden die Zentren, die Bäcker und Fleischer mit ihren regionalen Spezialitäten verschwinden. Und mit ihnen viele Arbeitsplätze! Viel mehr Arbeitsplätze, als es bei den Discountern, die ja nichts produzieren, gibt. Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung ein Fortschritt ist.

Der Markt reagiert auf die Nachfrage ... Und wenn der Markt mehr herausholen kann, wird er mehr herausholen. Das macht unsere Welt aber nicht besser. Es ist ein Irrglaube, dass uns ewiges Wachstum immer mehr Wohlstand bringt. In Wirklichkeit entsteht eine immer größere Kluft zwischen Arm und Reich. Eigentlich sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen. Und vergessen, wie gut uns die Natur tut.

Mit 15 war Ihr Plan, in Alaska allein im Wald zu leben. Warum?

Hinter dieser Idee stand die Sehnsucht, weit weg zu sein. Irgendwo, wo es viel Natur und keine Menschen gibt. Ein Aussteiger-Traum. Konkret konnte ich mir Alaska damals gar nicht vorstellen. Ich war noch nie in Alaska, immer noch nicht.

Vielleicht eines Tages?

Na ja. Es ist bei uns auch sehr schön.

Das Managementteam von bio-ART:

Katharina Resch-Fauster (Projektleitung, wissenschaftliche Leitung), Michael Feuchter (wissenschaftliche Leitung), Thomas Griesser (wissenschaftliche Leitung)

REVOLUTION AUS LEOBEN

Grünes Hightech-Harz soll Europas Industrie verändern

Leoben – Es klingt nach einem Durchbruch, der die Zukunft der europäischen Industrie prägen könnte: Forschende an der Montanuniversität Leoben arbeiten im Rahmen des neuen COMET-Projekts bio-ART an nichts Geringerem als einer Revolution in der Kunststoffwelt. Ihr Ziel: Epoxidharze, die nicht nur leistungsstark, sondern auch umweltfreundlich, biobasiert und recycelbar sind – eine kleine Sensation in einem Markt, der bislang stark von Erdöl und giftigen Rohstoffen abhängig ist.

Epoxidharze sind wahre Alleskönner. Ob in der E-Mobilität, Windkraft, Batterietechnik oder nachhaltigen Bauweise – kaum eine Zukunftstechnologie kommt ohne sie aus. Doch der ökologische Preis war bisher hoch. Die meisten Harze basieren auf fossilen Rohstoffen und lassen sich kaum wiederverwerten. Das Leobener Team unter der Projektleitung

von Katharina Resch-Fauster möchte das ändern – und damit einen zentralen Beitrag zur Erfüllung des EU-Green Deal leisten.

„Wir wollen zeigen, dass Hochleistung und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein müssen“, betont Resch-Fauster. Gemeinsam mit dem bio-ART Managementteam – Michael Feuchter, Thomas Griesser und Katharina Resch-Fauster – sowie erfahrenen Technolog:innen und visionären Industriepartnern wird an neuen Rezepturen getüftelt, die aus nachwachsenden Rohstoffen stammen und stofflich wiederverwertbar sind.

Das Besondere an bio-ART: Das Projekt ist interdisziplinär aufgebaut – von der chemischen Entwicklung über Werkstofftechnik bis hin zur industriellen Umsetzung. Unterstützt wird es im Rahmen des COMET-Programms – Competence Centers for Excellent Technologies, gefördert durch das BMIMI, das BMWET, das Land Steiermark sowie die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. Die FFG sorgt für die administrative Abwicklung.

Wenn die Forschung gelingt, könnten die Ergebnisse weit über Österreich hinaus Wirkung zeigen. Leoben würde damit erneut beweisen, dass Innovation und Nachhaltigkeit „Made in Austria“ international Standards setzen können – und dass selbst Kunststoffe das Potenzial haben, grün zu werden.

Projektpartner:

Andritz Hydro GmbH, Bruno Bock GmbH, bto-epoxy GmbH, Capita MFG GmbH, Design Composite GmbH, Isovolta AG, Luxinergy GmbH, Politecnico di Torino, Department of Applied Science and Technology, Polymer Competence Center Leoben GmbH, Poschacher Kompost GmbH, Wood KPlus –Kompetenzzentrum Holz GmbH

Aus alt wird besser

Wie werden KMU kreislauffähig?

Der Kompass Kreislaufwirtschaft zeigt praxisnah, wo sie stehen – und wie sie Schritt für Schritt nachhaltiger werden können.

Recycling ist nur das Ende der Geschichte. Kreislaufwirtschaft beginnt viel früher – bei der Planung, beim Design, in der Beschaffung. Genau dort setzt der Kompass Kreislaufwirtschaft (kompasskreislaufwirtschaft.at) an, ein kostenloses Online-Tool, das kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung bietet. Entwickelt wurde es, um Betriebe auf ihrem Weg in eine ressourcenschonende Zukunft zu begleiten.

Lernen, über den Tellerrand zu schauen

Das Besondere: Der Kompass bewertet nicht, er inspiriert. „Er zeigt, dass Kreislaufwirtschaft viele Handlungsfelder im Betrieb hat und ein ständiger Lernprozess ist“, sagt Van-Hametner. Statt nur den Status quo zu messen, vermittelt das Tool Ideen und Potenziale – etwa, wo Prozesse effizienter, Produkte langlebiger oder Materialien nachhaltiger werden könnten. Viele Best-Practice-Beispiele von Unternehmen helfen beim Blick über den eigenen Tellerrand.

Damit verschiebt sich auch der Fokus: Weg vom reinen Recycling, hin zu Strategien wie Refuse, Rethink oder Repair. „Man beginnt nicht erst beim Abfall, sondern beim Produktdesign“, betont Van­Hametner. Erfolgreiche Beispiele finden sich bereits: In der Automobilbranche ist Remanufacturing Standard, selbst in der bislang notorisch umweltschädlichen Textilindustrie gibt es erste Kreislauf-Projekte.

Andreas

Kompass Kreislaufwirtschaft

„Der Kompass ist ein Selbstanalysetool für KMU, die sich noch nicht viel mit Kreislaufwirtschaft beschäftigt haben“, erklärt Geschäftsführer Andreas Van-Hametner. Rund 50 Fragen decken alle Handlungsfelder eines Unternehmens ab – von Strategie und Vision über Services bis zu Partnern entlang der Wertschöpfungskette. Am Ende steht eine Kennzahl, die zeigt, wie weit ein Betrieb in Sachen Kreislaufwirtschaft bereits ist.

Kreislaufwirtschaft muss auch den Unternehmen etwas bringen.

Nachwachsende statt endliche Rohstoffe einsetzen Intelligente Herstellung mit reduziertem Ressourceneinsatz

Im Kreis führen von Materialien

Lebensdauer verlängern von Produkten, Komponenten und Infrastruktur

Mehrere hundert Unternehmen haben den Kompass bereits genutzt. Nun wird das Tool weiterentwickelt – auch für Dienstleistungs- und Tourismusbetriebe. Van-Hametner: „Am Ende muss Kreislaufwirtschaft beiden Seiten etwas bringen: der Umwelt und dem Unternehmen selbst.“

Die ersten Reparaturprofis starten ihre ausbildung im Wiener Happylab.

Die ReparaturRevolution startet in Wien

Erstmals können

sich Technikbegeisterte zum Reparaturprofi ausbilden lassen und sich damit nachhaltig selbstständig machen.

Seit September läuft in Wien ein Pilotprojekt, das die Kreislaufwirtschaft auf ein neues Level heben könnte: die Reparatur Akademie. Sechs Teilnehmende absolvieren derzeit die erste Ausgabe dieser österreichweit einzigartigen Ausbildung. Ihr Ziel: eigene Reparaturbetriebe gründen und dem Berg an Elektroschrott etwas entgegensetzen.

Theorie trifft Praxis „Wirtschaftlich gesehen machen Reparaturen manchmal keinen Sinn“, gibt Roland Stelzer vom Happylab offen zu. „Aber es geht eben nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern um die Schonung von Ressourcen, darum, weniger Sondermüll zu produzieren.“ Gemeinsam mit Karim Jafarmadar hat er das Happylab gegründet, das nun als Partner die Ausbildung anbietet.

Die sechsmonatige Schulung kombiniert Theorie und Praxis: Zweimal die Woche drücken die Teilnehmenden die Schulbank im Demontageund Recycling-Zentrum sowie im Happylab.

Dort lernen sie klassische Elektroreparatur und moderne digitale Fertigungstechniken. Mit 3D-Druck und Lasercutting können fehlende Ersatzteile selbst hergestellt werden. Parallel sammeln die angehenden Reparaturprofis Erfahrung in Repair Cafés und absolvieren ein 40-stündiges Praktikum in etablierten Reparaturbetrieben.

Pioniere für die Kreislaufwirtschaft Alle aktuell Teilnehmenden bringen technische Vorkenntnisse mit. Das hat einen pragmatischen Grund: „Nach der etwas starren Gewerbeordnung dürfen Menschen ohne Vorkenntnisse solche Betriebe eben nicht gründen“, so Stelzer. Die Akademie will Pionierarbeit leisten und hofft, dass das Reparaturhandwerk künftig als anerkannter Ausbildungsberuf etabliert wird. „Es geht auch darum, zu lernen, sich selbst etwas zuzutrauen“, betont Jafarmadar. „Man kann ja nichts falsch machen, das Gerät ist bereits kaputt.“ Diese Selbstwirksamkeit, gepaart mit dem Kampf gegen Fachkräftemangel und der Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten, macht die Initiative zu einem wichtigen Baustein der Kreislaufwirtschaft.

Der Gesetzgeber unterstützt den Trend: Zwar heißt der Reparaturbonus inzwischen „Geräte-Retter-Prämie“ und kann nicht mehr für Handy- oder Fahrradreparaturen eingesetzt werden, aber für Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Kühlschrank lassen sich immer noch bis zu 200 Euro staatliche Unterstützung beantragen.

Halt den Kreislauf in Schwung

Wien versteht Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für eine Stadt ohne Verschwendung – mit hoher Lebensqualität, mit Klimaschutz und mit sozialer Gerechtigkeit. Viele Hebel der Ressourcenschonung liegen in städtischer Hand und stärken die Umwelt und die Versorgungssicherheit.

In einem zentralen Punkt unterscheidet sich Wien von vielen europäischen Großstädten: Ein großer Teil der notwendigen Stadt-Infrastruktur befindet sich in ihrem Eigentum. Die Stadt, ihre Unternehmungen und Unternehmen nutzen ihren Einflussbereich auf Ressourcenschonung in allen Lebensbereichen, indem sie die Versorgung mit Trinkwasser, Wohnraum, Energie und Mobilität sowie die Müllentsorgung sicherstellen. Der Gesundheits- und Pflegebereich bedarf einer besonders sorgsamen Beachtung. Vor allem medizinische sowie nicht-klinische Produkte der Verpflegung und Ernährung sind relevante Güter. Die Stadt setzt viele Hebel an und schafft Angebote, Infrastrukturen, Flächen, Räume, Rahmenbedingungen betreffend Einkauf, Reparatur, Rückgabe, Sammlung und Entsorgung.

„Unser Verbrauch an Produkten und Gütern hängt untrennbar mit dem Klima zusammen, daher setzen wir auf die Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für eine Stadt ohne Verschwendung!“

ANDREAS JANUSKOVECZ

Bereichsleiter für Klimaangelegenheiten der Stadt Wien

Gesunde Lebensmittel

Es werden in Wien aber auch biologische Lebensmittel produziert, die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert und die Ernährungskompetenz der Menschen erhöht. Die Stadt fokussiert auf die

Entdecke die Tipps und die Kreislaufwirtschafts-Strategie auf: wien.gv.at/kreislaufwirtschaft

großen Potenziale entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. Diese liegen zum Teil in ihrem direkten Einflussbereich. So kommen auf kurzen Transportwegen saisonale und frische Lebensmittel auf die Teller in Schulen und Spitälern. Zusätzlich schafft Wien Bewusstsein für ressourcenschonenden privaten Konsum, entlang maßgeblicher Eckpunkte, die die Informationsdrehscheibe Wiener Lebensmittelaktionsplan „Wien isst G.U.T“ (Gesund und genussvoll – Umwelt und klimafreundlich – Tierfair) definiert.

Abfall als Ressource

Als Zwei-Millionen-Stadt ist Wien auch im Bereich Abfallwirtschaft einzigartig. Sie be-

seitigt das gesamte Müllaufkommen aus den Haushalten selbst und hat die dazu nötigen Anlagen. Die Stadt setzt auf ein vorausschauendes Kapazitätsmanagement, aber auch auf eine erfolgreiche Abfallvermeidung, denn Abfall wird zunehmend als Ressource verstanden. Der beste Abfall ist der, der erst gar nicht entsteht. Verleihen statt besitzen, tauschen statt kaufen, reparieren statt wegwerfen sind Prämissen, die dieses Ziel unterstützen. Beispiele dafür sind Leihläden in den Grätzln, Tauschmärkte sowie Reparatur- und Re-Use-Angebote, die Abfallvermeidung und Wiederverwendung am Bau oder die ökologische Beschaffung der Stadt Wien.

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Ziele bis 2050

Mit der Klimaneutralität bis 2040 hat sich Wien das ambitionierte Ziel gesetzt, produktionsbasierte TreibhausgasEmissionen auf Netto-Null zu verringern. Das betrifft vor allem unseren direkten Verbrauch von Gas und Kraftstoffen. Doch die Auswirkungen durch den Konsum an Produkten gehen darüber hinaus. Daher verfolgt Wien auch das Ziel, bis 2050 den Materialfußabdruck um die Hälfte zu reduzieren. Dazu gehört zum Beispiel, nachhaltig zu wirtschaften und den Wirtschaftsstandort Wien innovativ und zirkulär zu gestalten. Wien stärkt daher regionale und lokale Strukturen. So macht sich die Stadt unabhängiger von globalen Lieferketten und erhöht ihre Resilienz. Wiederverwendung sorgt für neue Formen der Arbeit und eine Renaissance des Handwerks. Für Wiener Unternehmen bringt die zirkuläre Transformation mit innovativen Geschäftsmodellen Wettbewerbsvorteile.

Wien baut auf Wien

Das Konzept des kreislauforientierten Bauens stellt sicher, dass Flächen, Rohstoffe und Baumaterialien so genutzt

werden, dass Abfälle möglichst vermieden und Ressourcen erhalten bleiben. Dabei spielt die Frage, wie die Zukunft des leistbaren Wohnens und des Bauens aussieht, eine enorm große Rolle. Vorzeigebeispiel ist das Stadtquartier am Nordwestbahnhof, das kreislauffähiges Bauen erstmals in den Mittelpunkt rückt. Bereits in der Herstellung wird darauf geachtet, dass die Erzeugnisse langlebig,

reparierbar, wiederverwendbar und recyclingfähig sind. Am Ende der Lebensdauer sollen die enthaltenen Rohstoffe und Materialien möglichst vollständig in die Kreisläufe zurückgeführt werden.

Die Kreislaufwirtschafts-Strategie „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ soll dazu beitragen, Wiens Wandel voranzutreiben, gemeinsam mit Betrieben und der Bevölkerung.

Praktische Tipps für den Alltag

• DIY – Selbstschneidern und basteln

Erfahre mehr in der Broschüre „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“.

EineZirkuläresWien: rundeSache undDerWienerWegderRessourcenschonung Kreislaufwirtschaft

Die Jeans ist zu kurz geworden oder hat Gebrauchsspuren – schneidere dir eine Short daraus oder mach eine Stofftasche. Und aus dem ausgewaschenen T-Shirt geht sich immer noch ein Haarband aus.

„Dein Handgriff zählt: trenn, tausch, reparier.“

• Auf Verpackungen verzichten Ein Baumwollbeutel oder Obst- und Gemüsenetze sollten beim Einkauf nie fehlen. Und bald gibt’s wieder den Wiener Weihnachtssack als Verpackungsalternative.

• Lebensmittel bewusst kaufen

Die Wiener Märkte bieten kleinere Mengen und Wiener Gusto Produkte aus der Stadt an.

• Reparieren statt wegwerfen

Föhn, Staubsauger oder Laptop – nicht immer muss gleich etwas Neues her, wenn das alte Gerät nicht mehr so gut funktioniert wie am ersten Tag. Im Reparaturnetzwerk reparieren die Fachleute Geräte und haben Tipps zur Wartung.

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Foto: Stadt Wien/Martin Votava

Bauen mit Lehm, sanieren mit AI

Kreislauffähige Baustoffe und neue

Methoden für eine zirkuläre Bauwirtschaft:

Heimische Forscher:innen entwickeln und erproben vielversprechende Lösungen.

Text: Wolfgang Knabl

Ressourcenknappheit und Klimaschutz zwingen die Bauwirtschaft zum Umdenken. Die Lösung liegt im Kreislauf: Statt Deponie setzen heimische Pioniere auf Wiederverwertung. Ob KI-gestützte Bestandserfassung, innovative Lehm­Konzepte oder Recycling­Baustoffe –Österreich forscht intensiv an der grünen Bauwende.

AI analysiert Punktwolken

Wer ein in die Jahre gekommenes Bestandsgebäude – etwa ein 120 Jahre altes Gründerzeithaus – umbauen, sanieren oder abreißen möchte, ist mit vielen Unbekannten konfrontiert: Welche Materialien stecken in den Gemäuern, wie sind ihre genauen Maße und ihr Zustand? Antworten bringen LiDAR (Light Detection And Ranging)-Scans in Form einer sogenannten „Punktwolke“, die bei einem mehrgeschoßigen Gebäude Milliarden Daten beinhalten kann. Eine menschliche Fachkraft braucht Wochen für die Analyse und

Auswertung. Das Wiener Start-up cloud NYNE entwickelt im Rahmen des Projekts KRAISBAU ihre AI-Anwendung weiter, damit diese Arbeit in wenigen Minuten erledigt ist.

„So kann viel schneller entschieden werden, ob Sanieren, Erweitern oder Rückbauen die bessere Lösung ist“, berichtet Anna-Vera Deinhammer, Projektmanagerin von KRAISBAU. Die AI-Anwendung wird bei Demoprojekten wie der Pioniergarage Salzburg erprobt, durch interdisziplinäre Kooperation sollen skalierbare Lösungen für den Umgang mit Gebäudebestand entwickelt werden. Ein entscheidender Vorteil der Technologie liegt in

KRAISBAU bündelt das Know-how von 32 Unternehmen und Forschungseinrichtungen für die Wende zu einer zirkulären Baubranche. Das „AI“ im Namen steht für die Nutzung von künstlicher Intelligenz, also ­Artificial ­Intelligence. KRAISBAU ist ein Projekt des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.

der Schnittstelle zu modernen BIM-Modellen (Building Information Modeling): Die AI verwandelt rohe Scandaten in digitale Zwillinge, die Architekten sofort weiterverarbeiten können. Dabei arbeiten unter anderem AI-Expert:innen von cloud NYNE mit Bautechniker:innen des Innovationslabors RENOWAVE zusammen. Die Grundlagenforscher:innen im Konsortium helfen bei der Materialbewertung, indem sie etwa die künftige Belastbarkeit in die Jahre gekommener Bauteile berechnen. Das Wissen, welche Materialien in welcher Masse und Qualität in Bestandsgebäuden stecken, soll auch die Kreislaufwirtschaft auf ein neues Level bringen und das Prinzip des „Urban Mining“ realisieren. Die Vision: „Ein Rückbau wird vor Beginn der Abbrucharbeiten gemeldet und der Markt weiß schon vorher ganz genau, welche Materialien geerntet und zur Verfügung stehen werden.“

Lehm: Alter Baustoff für zirkuläre Zukunft

Bei kreislauffähigen Gebäuden könnte einer der ältesten Baustoffe der Welt eine wichtige Rolle spielen: Lehm. Die natürliche Mischung aus Sand, Schluff und Ton entsteht meist aus Gesteinsverwitterungen und scheint wie gemacht für die Kreislaufwirtschaft. Lehm ist in großen Mengen verfügbar, kann – ungebrannt und ohne Zusätze – zum Bauen verwendet und danach wieder in die Natur eingegliedert werden. Oft fällt Lehm direkt auf Baustellen als Aushubmaterial an, wird in der Regel aber deponiert. Was der natürliche Baustoff tatsächlich kann und wie man ihn effizient nutzen könnte, hat das Climate Lab in einer Studie über CO2-reduzierte, kreislauffähige Baustoffe untersucht.

„Das Potenzial des Lehms ist groß“, betont Studienautorin Marion Schulz, Innovation Lead im Climate Lab. Als Baustoff für nicht-tragende Zwischenwände, zur Schalldämmung oder als

Lehmputz könne Lehm in nahezu jedem Bauwerk genutzt werden. Ein oft unterschätzter Vorteil liegt in der Wohngesundheit: Lehmwände sind diffusionsoffen und wirken feuchtigkeitsregulierend, was das Raumklima auf natürliche Weise stabilisiert und Schimmelbildung vorbeugt. Auch Fertigteile aus Lehm seien denkbar. Eine Herausforderung bleibt jedoch die Inhomogenität des Aushubmaterials, da die Zusammensetzung je nach Standort stark variiert. Was für eine verstärkte Lehm-Nutzung spricht: „Die Bedeutung lokaler Baustoffe wächst, bei anderen Rohstoffen zeichnet sich Knappheit ab“, betont Marion Schulz. Auch als tragender Baustoff hat Lehm, etwa in Kombination mit Holz oder in der modernen Stampflehm­Technik, großes Potenzial; es gibt

Lehm ist ein Naturmaterial, in großen Mengen verfügbar und hat im Bau vielfältige Einsatzgebiete.
Marion Schulz vom Climate Lab untersucht Lehm als Baustoff.

Der „ future Bloc S“ vereint Zement, recycliertes Abbruchmaterial und regional hergestellte Dämmstoffe.

spannende Vorzeigeprojekte und Produkte am Markt. Der Einsatz beschränkt sich dabei nicht nur auf kleinere Gebäude. Auch mehrstöckige Gebäude können in Lehmbauweise errichtet werden. „Wenn die Umwelt- und Klimaverträglichkeit von Baustoffen zunehmend eingepreist wird, würde das die Nutzung von Lehm als Baustoff pushen“, so Marion Schulz.

Hausbau ohne Lieferketten

Die Coronakrise mit ihrer Lieferkettenproblematik war auch für die Baubranche eine Challenge – und für Roland Wernik eine Initialzündung. Es müsste doch möglich sein, dachte der damalige Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau, unabhängig von globalen Lieferketten zu bauen: Und zwar mit Baustoffen und Materialien aus rückgebauten Gebäuden sowie mit nachhaltigen, regionalen Alternativen für Dämm­ und Klebstoffe. An der Verwirklichung dieser Vision arbeiten seit 2021 sechs Salzburger Betriebe sowie das Department Design and Green Engineering der Fachhochschule Salzburg. Zusammen haben sie den futureBloc S entwickelt: „Einen zementgebundenen Mantelbaustein mit hohem Anteil an recycliertem

Abbruchmaterial, regional hergestellten Dämmstoffen und Bio­Klebstoffen, basierend auf Tanninschaum“, erklärt Hermann Huber, der das Projekt am Campus Kuchl der FH Salzburg leitet. Neben der Regionalität punktet der innovative Tanninschaum auch durch seine Sicherheit: Er ist schwer entflammbar und kommt ohne bedenkliche chemische Brandschutzmittel aus.

Der mehrschalige Wandaufbau wird bereits im Wohnbau eingesetzt, zuletzt wurden im April in Golling 26 mit futureBloc-S-Elementen errichtete Wohnungen übergeben. Rohstoffquellen sind nicht nur Bestandsimmobilien: Beim Ausbau der Volksschule Adnet kam Betonrecyclat aus dem Fahrbahnbelag der Tauernautobahn zum Einsatz. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern reduziert drastisch die sogenannte „Graue Energie“, die sonst für die Herstellung neuer Primärrohstoffe anfallen würde. Allerdings sind bei der aktuellen futureBloc-SVariante noch nicht alle Schichten aus Recyclat. „Die Ö-Norm lässt bei Recyclingbeton nur eine Austauschrate von 38 Prozent zu. Eigenversuche zeigen, dass bei guter Fragmentierung und einer intelligenten Betonrezeptur 100 Prozent Recyclat möglich sind“, berichtet Roland Wernik. Weiterentwickelt wird aktuell auch der innenliegende Holzdämmstoff: Er soll künftig aus Sekundärrohstoffen, etwa aus dem Grünschnitt der Stadt Salzburg, erzeugt werden.

Mit einer intelligenten Rezeptur lässt sich Beton aus 100 Prozent Rezyklat realisieren.

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STEIRISCHER LEITBETRIEB MIT GRÜNER VISION

Nachhaltigkeit trifft Innovation: Wie der Köflacher Traditionsbetrieb den Weg in die Zukunft weist

Über 500 Beschäftigte fertigen am Standort Köflach nachhaltige Glasverpackungen für Kunden weltweit.

Bis zu 600 Fläschchen werden pro Minute gefertigt.

Glas ist eines der nachhaltigsten Verpackungsmaterialien: Es besteht zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen, ist beliebig oft recycelbar – ohne Qualitätsverlust. Die Herstellung ist jedoch energieintensiv. Daher setzt Stoelzle auf neue Technologien, alternative Energieträger und konsequente Effizienzsteigerung in allen Bereichen.

Mehr Altglas, weniger Energieaufwand

Jedes Kilogramm Recyclingglas, das erneut eingeschmolzen wird, senkt den Energiebedarf. Werden Rohstoffe mit Abwärme aus der Schmelzwanne vorgewärmt und getrocknet, reduziert sich der Bedarf beim Schmelzen um über 8 Prozent. So spart Stoelzle Oberglas jährlich über 4.000 MWh Energie. Verbleibende Abwärme fließt ins örtliche Fernwärmenetz und heizt rund 1.800 Haushalte.

Digital Twin: Virtuelle Optimierung für ­reale Einsparungen

Ein „Digital Twin“ bildet die Produktion virtuell ab und lässt unterschiedliche Szenarien zur Energieeffizienz in der Glasproduktion simulieren. Entwickelt im Rahmen einer Masterarbeit am Institut für Wärmetechnik der TU Graz, zeigt das Modell, wie stark

Altglasanteil, Sauerstoffanreicherung oder elektrisches Schmelzen die Effizienz beeinflussen. Deutlich wird: Je höher der Altglasanteil, desto geringer sind Erdgasverbrauch, CO₂-Ausstoß und Betriebskosten. Mit dem digitalen Zwilling kann Stoelzle Maßnahmen realistisch bewerten, bevor sie in der Produktion umgesetzt werden.

EcoVadis Gold: Nachhaltigkeit auf Top-Niveau Stoelzle erhielt heuer zum vierten Mal in Folge die EcoVadis Goldmedaille. Damit zählen die sechs Produktionsstandorte weiterhin zu den Top 2 Prozent der Glashersteller weltweit.

Besonders positiv wurden die Fortschritte im Bereich nachhaltige Beschaffung bewertet: ESG-Risikoprüfungen entlang der Lieferkette, verpflichtende Schulungen und klare Ziele. Ergänzend bestehen gruppenweite Richtlinien zu Menschenrechten und Compliance sowie eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung.

„Die vierte Gold-Auszeichnung belegt den Erfolg unseres Einsatzes für nachhaltiges Wirtschaften“, betont Nachhaltigkeitsmanagerin Birgit Schalk. „Wir sehen uns als Innovationstreiber und als verantwortungsbewusster Partner für unsere Kunden weltweit.“

Erleuchtung für Fahrradfans um € 150,fahrradfilet.at

Weniger Wegwerf, mehr Wow: Unsere Geschenkideen vereinen Design, Funktion und Nachhaltigkeit.

Von Arndt Müller

Helles Köpfchen aus Die Lampe M von Fahrradfilet kombiniert Upcycling mit smartem Design. Aus alten Fahrradteilen hergestellt, liefert sie warmes, angenehmes Licht für Wohnzimmer, Büro oder Leseecke. Nachhaltigkeit trifft Stil: Jede Lampe ist ein Unikat. Keine Pedale nötig, nur aufstellen und einschalten –ein echter Hingucker für alle, die Design und Umwelt lieben.

GRÜNBescherung! E

Schön sprudeln mit dem Carbonator für € 210,-

Sprudelalarm ohne Plastik Der Aarke Carbonator 3 verwandelt fades Leitungswasser in prickelnde Erfrischung –ganz ohne Einwegplastik. Das schlanke Edelstahl-Design sieht nicht nur schick aus, sondern ist extrem langlebig.

Einfach Wasser einfüllen, Hebel drücken, Sprudel genießen. Erhältlich sind außerdem Flaschen aus PET, die sich auseinandernehmen und so besser recyceln lassen.

Oder welche aus Edelstahl, die für immer halten.

Nachhaltiger Sound kostet je nach Ausstattung zwischen € 119,- und € 269,repeat.audio

Oh Tannenbaum. Das klassische Weihnachtslied passt hier nicht, denn beim „Weihnachtsbaum 2030“ handelt es sich nicht um eine Tanne, sondern eine Fichte. Das Anzuchtset enthält einen Pflanzbecher, Saatgut und eine Quelltablette. Die Idee des DIY-Baums ist charmant – und auch sozial nachhaltig, da sie in Werkstätten für Menschen mit Behinderung gefertigt wird.

Sound, der bleibt. Die RepeatKopfhörer setzen auf Langlebigkeit, Recycling-Materialien und austauschbare Bauteile. Hochwertiger Sound für Musikliebhaber:innen, die keinen Müll produzieren wollen. Der Akku hält lange, Teile lassen sich ersetzen, nicht wegwerfen. Und wer will, fügt schon beim Kauf das lebenslang nutzbare Reparaturpaket hinzu. So werden die Repeats nicht die nächsten, sondern die letzten Kopfhörer, die man braucht.

Kommentar

Julia Rubin Ast, Themenleitung Green

Transition & Nachhaltigkeit, Pöchhacker Innovation Consulting

GmbH

Design als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

KJulia Rubin Ast leitet bei Pöchhacker Innovation Consulting GmbH (P-IC) den Themenbereich Green Transition und Nachhaltigkeit. Sie bringt einen Master in Sustainable Textile Design sowie das Studium Umwelt- und Bioressourcenmanagement mit. Im Auftrag des Klimaministeriums hat sie bei P-IC bereits an mehreren Studien zur Kreislaufwirtschaft mitgewirkt.

reislaufwirtschaft wird häufig auf das Recycling reduziert. Dabei beginnt die Zirkularität bereits bei der Produktentwicklung. Design spielt hier eine entscheidende Rolle: In der Gestaltungsphase werden die Weichen für einen Großteil der späteren Umweltwirkungen gestellt – Studien zufolge werden hier bereits 80 Prozent des ökologischen Fußabdrucks eines Produkts determiniert – und damit die Chance auf einen echten systemischen Wandel geschaffen. Welche Designprinzipien machen den Unterschied?

Auf Materialebene geht es um geschlossene Kreisläufe (z. B. Design for Recycling/with Recycled Materials) und Ressourceneffizienz. Die NATEC­Batterie von AccuPower zeigt, wie das funktioniert: Die Batterie basiert auf dem weitgehend verfügbaren Natriumsalz

Dieser QR-Code bringt Sie direkt zur ganz aktuellen Studie "Zirkuläres Design Anwendungsfelder in der Wirtschaft": Alle weiteren Studien finden Sie unter:

und kann Lithium-Ionen-Batterien mit ihren kritischen Rohstoffen ersetzen. Dies verringert nicht nur geopolitische Abhängigkeiten, sondern minimiert auch die ökologischen Schäden des Rohstoffabbaus.

Bei Komponenten steht die Lebensdauerverlängerung im Mittelpunkt –durch modulare Gestaltung und einfache Austauschbarkeit (z. B. Design for Disassembly/Repair). Die B_WAVE-Sitzmöbel von Bene sind ein gutes Beispiel: Ihre Verbindungselemente mit Schlaufen oder Magneten lassen sich leicht lösen, sodass Austausch, Reparatur und Anpassung problemlos möglich sind. Erst diese zerstörungsfreie Demontage garantiert, dass Materialien am Lebensende sortenrein getrennt und hochwertig recycelt werden können.

Auf Systemebene werden ganze Produktions-, Nutzungs- und Rückführungsprozesse neu gedacht (Design for Production Efficiencies/Take­backSystems). Das automatisierte Anlagenkonzept von Livin Farms zeigt das Potenzial: Nebenprodukte der Lebensmittel- und Agrarindustrie werden durch schwarze Soldatenfliegen in hochwertige Proteine umgewandelt, wodurch industrielle Reststoffe als wertvolle Ressource im lokalen Wirtschaftskreislauf verbleiben.

RESSOURCEN SCHÜTZEN

Zukunft gestalten –mit smarter Kreislaufwirtschaft.

Recycling ist gut für die Umwelt – das ist bekannt. Doch wie groß ist der tatsächliche Hebel? Eine aktuelle Untersuchung von Interzero und Fraunhofer UMSICHT zeigt erstmals schwarz auf weiß, welchen konkreten Beitrag Kreislaufwirtschaft heute schon leistet. Laut der Studie resources SAVED by recycling führte Interzero allein im Jahr 2024 rund 1,94 Millionen Tonnen Wertstoffe wieder in den Kreislauf zurück. Dadurch wurden 8,09 Millionen Tonnen Primärressourcen eingespart – so viel wie das Gewicht von mehr als vier Millionen SUVs*. Zugleich wurden 1,04 Millionen Tonnen CO₂Emissionen vermieden. Das entspricht rund 3,2 Millionen Autofahrten zwischen Warschau und Valencia.**

Besonders wirksam ist das Recycling von Kunststoffen: Fast die Hälfte aller recycelten Materialien entfällt auf Kunststoff- und Leichtverpackungen – und sie sind für mehr als 60 Prozent der gesamten CO₂-Einsparungen verantwortlich. Die Studie zeigt deutlich: Wo hochwertige Verwertung gelingt, entstehen messbare ökologische Vorteile. Das bestätigt auch das Global Footprint Network:

Gemeinsam mit Kunden und Partnern verschob Interzero den Earth Overshoot Day 2025 um 10:28 Minuten nach hinten. Ein kleiner Schritt –mit großer Bedeutung für unseren Planeten. Damit dieser Fortschritt in Österreich noch schneller Wirkung zeigt, unterstützt Interzero Unternehmen dabei, Ressourcen effizienter zu nutzen und Kosten zu senken. Die Integrated Environmental Solutions (IES) bündeln alle Leistungen für eine moderne Kreislaufwirtschaft aus einer Hand.

Was bietet Interzero in Österreich?

• Verpackungsanalyse und -bewertung zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit.

• Umweltfreundliche Verpackungsentwicklung und Verpackungslizenzierung.

• Waste Management für effiziente Abfalltrennung und Kostensenkung.

• Maschinen und Pressen zur ressourcenschonenden Abfallverdichtung.

• Maßgeschneiderte Lösungen für den lokalen Markt.

„Unsere integrierten Umweltlösungen schaffen echten wirtschaftlichen Mehrwert – durch geringeren Ressourceneinsatz werden nicht nur CO₂­Emissionen reduziert, sondern Unternehmen sparen auch massiv Kosten“, erklärt Thomas Glatz, Managing Director von Interzero Österreich.

Wer heute Verantwortung übernimmt, gestaltet die Zukunft aktiv mit. Interzero Zero Waste Solutions zeigt, wie Kreislaufwirtschaft praktisch, wirtschaftlich und klimafreundlich funktioniert – und wie Österreich Schritt für Schritt unabhängiger von Primärrohstoffen wird.

www.interzero.at

FÜR EINE NACHHALTIG GEBAUTE ZUKUNFT

Holcim Österreich Zementwerke weltweit bestbewertet bei CSC Nachhaltigkeits-Zertifizierung

Profitieren auch Sie: Die CSC-Punkte werden direkt in Ihr Gebäudezertifizierungssystem wie beispielsweise DGNB, BREEAM oder LEED übernommen und verschaffen Ihnen Vorteile bei nachhaltigen Bauprojekten.

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