Page 1

DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

SCHON SCHÖN Von attraktiven Lebensräumen, ästhetischen Äußerlichkeiten und inneren Werten.

Ausgabe Nr. 11 | Oktober 2020 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00

WARE SCHÖNHEIT. Der Wert der Optik KRISENGEWINNER. Börsenfaktor Schönheit VORSORGE. Ganz schön gesund

OSTT

IRO

L: EINAUSB UND LICK E, P PERS LÄNE, PEKT IVEN



© MARIAN KRÖLL

eco.edit

Christoph Loreck und Mag. Sandra Nardin, eco.nova-Herausgeber

SCHEIN UND SEIN Ein schönes Drumherum kann anfangs ganz gut über mangelnde Inhalte hinwegtäuschen. Doch das funktioniert nur begrenzt. Das gilt für die Wirtschaft und das gilt für den Menschen an sich.

E

Bleiben Sie, wer Sie sind, rät Ihre Redaktion der eco.nova.

3

feiern mit weitblick und rücksicht. weihnachten & silvester auf den punkt.

das grander +43 (0) 52 24 52 6 26 info@das-grander.at das-grander.at

ine hübsche Optik oder schön verpackte Worte sagen nichts über die Qualität des Inhalts aus. Fragen Sie Eva, als sie – angestiftet von der zischelnden Zunge der Schlange – zum knackig roten Apfel griff. Sich am Aussehen zu orientieren, ging im Paradies schon schief. Letztlich ist es doch so: Wir haben uns alle schon einmal blenden lassen. Das kann passieren. Deshalb lohnt in den meisten Fällen ein zweiter Blick, einer hinter die Fassade. Wenn sich hinter dem schönen Schein tatsächlich auch schönes Sein verbirgt, freuen Sie sich. Wenn nicht, lernen Sie daraus. Wir haben uns in dieser Ausgabe ganz unterschiedlichen Facetten von Schönheit gewidmet und beginnen mit Osttirol. Für alle, die noch nie dort waren: Es ist echt schön da. In mancherlei Hinsicht ticken die Uhren in Osttirol etwas anders als in S C H Ö N H E I T R E I C H T, Nordtirol, dennoch U M I N S A U G E Z U FA L L E N . s te c k t d e r g e r n übersehene Bezirk ABER ES BRAUCHT CHARAK TER, voller Tatendrang. UM IM GEDÄCHTNIS ZU BLEIBEN. Wir haben mit vielen verschiedenen Protagonisten gesprochen und unsere Erkenntnisse auf stattlichen 46 Seiten zu Papier gebracht. Deshalb unser Rat: Unterschätzen Sie die Osttiroler nicht! Ganz klassisch ums Thema Schönheit geht‘s in unserem Wirtschaftsteil, der sich mit der „Ware Schönheit“ beschäftigt, damit, wie man sich selbst gut findet, wer vom Schönheitsboom profitiert oder ob man es als schöner Mensch leichter hat im Leben. Achtung Spoiler: Ja, irgendwie schon. Die Sache hat nur einen Haken: Wir Menschen bestehen aus mehr als lediglich unserem Sehsinn. Wenn das Äußere nicht zum Inneren passt, führt das fast unweigerlich zu Irritationen. Ist ein Mensch ein Ungustl, bleibt er ein Ungustl – vielleicht ein hübscher, aber dennoch. Und spricht ein Unternehmen nach außen über seine wertvollen Mitarbeiter, gibt ihnen intern aber das Gefühl, höchstens geduldet zu sein, führt das ebenso zu Konfusionen ... und die sind selten schön.


eco.inhalt

12 42

82

68

4

102

136

FOTOS: TOM BAUSE, MARIAN KRÖLL, TIROL WEBRUNG, ADOBE STOCK

148


eco.inhalt

ECO.OSTTIROL 12 DAS GROSSE GANZE

Richard Piock ist Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesell­ schaft INNOS und nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Defizite zu benennen. Bei allem Aufholbedarf hat Osttirol jedoch auch viele Stärken. 20 WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTTIROL Im Bezirk Lienz herrscht seit einigen Jahren Aufbruchsstimmung. Das hat nicht nur mit einem neuen Leitbildprozess zu tun. 26 UNTERNEHMEN IM PORTRÄT Die Biobäckerei Joast und das Modelabel Mühlmann stehen stellvertretend für das unternehmerische Miteinander von Tradition und Innovation. 30 DIE REGION SEHEN Der DolomitenBank ist gelungen, was auch viele andere Regionalbanken aus dem Volksbankensektor wollten: Selbständigkeit. Direktor Hansjörg Mattersberger im Interview. 34 OSTTIROL INNOVATIV Jakob Eder betreibt Innovationsforschung und kennt Osttirol und seine Verhältnisse. Warum es dort viel Potenzial gibt, worin sich Innovation am Land von der urbanen Version unterscheidet und warum Osttirol eine neue, differenziertere Erzählung braucht. 42 KOMMT ZEIT, KOMMT RAD Warum das Fahrrad das Vehikel schlechthin ist, um Tirols Tourismus zusätzlichen Schwung zu verleihen. 48 DEM FLUSS ENTGEGEN Der Weg ist das Ziel. Das ist kaum irgendwo unmittelbarer erfahrbar als am neuen Iseltrail.

HER AUSGEBER

&

MEDIENINHABER:

eco.nova

52

KULTURELLES OSTTIROL

Vom Tiroler Photoarchiv über das Museum Aguntum bis zur Burg Heinfels: Osttirols Kulturlandschaft floriert.

E C O .W I R T S C H A F T 68 WARE SCHÖNHEIT

Wie sich das Feld der Schönheit von der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Medizin emanzipierte. 82 SCHÖNHEIT UND DIE PSYCHE Dass es ganz schön schwer ist, sich selbst schön zu finden, ist kein Geheimnis. Aber woran liegt das? Der Gesundheitspsychologe und Glücksforscher Dr. Stefan Höfer im Interview. 88 ERSCANNE DICH SELBST Wer will nicht eine bessere und schönere Version von sich selbst sein? Doch was heißt es, wenn man quasi sein gesamtes Leben mit Trackern, Fitnessarmbändern und Smartwatches misst? 92 SCHÖNHEIT MACHT SICH BEZAHLT Es kann sich beruflich auszahlen, überdurchschnittlich schön zu sein. Für Männer gilt das uneingeschränkt, für Frauen nur bedingt. 96 BÖRSENFAKTOR SCHÖNHEIT Selbst wenn Covid-19 das milliardenschwere Geschäft mit der Schönheit kurzfristig schwächt – aus der Mode kommt es trotz Pandemie nie. 102 GANZ SCHÖN MUTIG Beat The Street ist in der Musikund Eventbranche ein Begriff. Das Unternehmen aus Fritzens bewegt in seinen edel ausgestatteten Bussen weltweit die großen Stars. Dann kam Corona.

Verlags

GmbH,

Hunoldstraße

20,

6020

Innsbruck,

ECO.MOTOR 126 65 JAHRE AUTOGESCHICHTE

Im Mai dieses Jahres wurde aus der VOWA Porsche Innsbruck Haller Straße. Begonnen hat die Geschichte vor 65 Jahren. 130 VON RATIO UND EMOTION Ein Autokauf ist für AutoparkVerkaufsleiter Micha-Emanuel Hauser nach wie vor ein emotionales Thema. Aber auch ein bisserl rational. 136 EIN PANZER AUF RÄDERN Dieser Satz spiegelt in etwa den ersten Gedanken wider, der einem beim Anblick dieses kolossalen Gefährts durch den Kopf schwirrt: Der Range Rover Defender im Test. 140 FAMILIENBANDE Vereint im Look, getrennt im Feel. Die BMW F 900 XR und die S 1000 XR treten im Doppeltest an. 144 WIEDER SCHÖN Felgenreparatur24 macht abgenutzte Felgen wieder flott.

ECO.LIFE 148 DER TATTOO-MANN

Sein erstes Tattoo ließ sich Alexander Pletzenauer mit 16 Jahren stechen. Das Motiv: Flammen und Schneeflocken. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Dafür ganz schön viel anderes. 154 SCHÖNER LIFESTYLE Von wunderbaren Weinen, weit entfernten Sehnsuchtsgebieten und Seelebaumel-Orten.

0512/290088,

03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 11¾ FRAGEN 62 KLARTEXT 112 ECO.STEUERN 118 ECO.RECHT 160 IM GESPRÄCH

redaktion@econova.at,

www.econova.at

GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft:

Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Elisabeth Plattner, Marion Witting, MSc. // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi // Sonderteil Osttirol: Marian Kröll, Andrea Zanier ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Mag. Claudia Elzenbaumer, Matteo Loreck, Hanne­lore Weissbacher L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH COVER: Bretterwandspitze, Matrei i. O., COVERFOTO : TVB Osttirol/Elias Bachmann Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

FACEBOOK.COM/ECO.NOVA.AT


eco.mmentar

DIE GROSSEN UND DIE KLEINEN DINGE Corona ist mit Einschränkungen verbunden, keine Frage: Maskenpflicht, Sperrstunde, Social Distancing. Das alles ist lästig – aber nichts dagegen, wenn wir dem Virus freien Lauf lassen und unsere Wirtschaft ruinieren.

6

D

er Cocktail an toxischen Nachrichten, die täglich auf uns einprasseln, erreicht mitunter die Schmerzgrenze. Die Corona-Fallzahlen schnellen explosiv nach oben, die Arbeitslosenzahlen gehen durch die Decke, überall herrscht Unsicherheit. Und das Tag für Tag am Bildschirm auftauchende irre Gesicht Donald Trumps bildet die Garnierung dieses unverdaulichen Mix an Grausamkeiten. Es scheint, dass der Blick dafür verloren gegangen ist, was wirklich zählt und worauf wir derzeit verzichten können. Einige echauffieren sich darüber, dass ihnen die Lust am Einkaufen vergeht, wenn sie eine Maske aufsetzen müssen. Andere wiederum sehen das Ende ihrer persönlichen Freiheit gekommen, wenn sie mit einer aus guten Gründen vorverlegten Sperrstunde zurechtkommen müssen. Wieder andere entdecken den Wutbürger in sich und sind sich nicht zu schade, Schulter an Schulter mit Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern demonstrieren zu gehen. Sei schreien lauthals nach ihrer „Freiheit“ und tun so, als ob sie in einem sowjetischen Gulag sitzen würden, nur weil sie im Bus einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, sich nicht aneinanderdrängen sollen wie die Sardinen und für einige Zeit das Händeschütteln unterlassen sollen. Das alles sind kleine Dinge, die große Wirkung haben können – welche aber mit zehn Atü zu scheinbar existenziellen Sorgen aufgeblasen werden. Der Tourismus ist sowieso der Buhmann, denn viele haben ihre Vor-Urteile gegenüber den Seilbahnkaisern, den Betonierern, den Ausverkäufern ohnehin schon längst gefällt. Gut, es mag manche dieser Zunft geben, die in den letzten Jahren nicht besonders feinfühlig agiert haben. Aber eines wird gerne übersehen: Wenn wir in Tirol vom Tourismus reden, lässt sich das nicht von anderen Branchen trennen. Nicht vom Bäcker, der Hunderte Semmeln für die Hotels der Region bäckt, nicht vom regionalen Tischler, der in der Zwischensaison Zimmer renoviert, nicht vom Sportartikelhänd-

V O N K L A U S S C H E B E S TA

ler, der seine Ski vorwiegend an Touristen verkauft. In einem Land, in dem jeder dritte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Tourismus abhängt, ist es sehr wohl angebracht, sich um die Wintersaison ernste Sorgen zu machen. Es ist eine Tatsache, dass die Reisewarnungen einen enormen Schaden anrichten und keinerlei europäische Linie erkennbar ist. Der aktuelle Minimalkonsens, der die Mitgliedsstaaten lediglich dazu verpflichten soll, in grünen Regionen keine Reiseeinschränkungen zu erlassen, ist blanke Theorie, da der Level so tief angesetzt ist (25 Neuinfektionen im Sieben-Tage-Schnitt bei 100.000 Einwohnern), dass er ohnehin kaum wo erreicht wird. In Tirol liegen wir mit aktuell 80 Fällen weit jenseits dieser utopischen Grenze und kämpfen mit allen Mitteln dafür, dass wir es irgendwie schaffen, unter 50 zu kommen – die Schwelle für die deutsche Reisewarnung. Folglich gibt es derzeit ein vordringliches Problem, das wir in den Griff bekommen müssen: Der Winter kommt – und wenn die gegenwärtigen Reisewarnungen bleiben, dann eben ohne Saison, dafür aber mit massiven Auswirkungen für Betriebe und Arbeitsplätze. Unsere Politiker müssen an beiden Enden ansetzen, um einerseits in bilateralen und europäischen Gesprächen das Reisewarnungs-Wirrwarr halbwegs in den Griff zu bekommen und andererseits die Fallzahlen runterzudrücken, auch wenn dafür restriktive Maßnahmen nötig sind. Das ist das große Ding, mit dem wir uns ernsthaft beschäftigen sollten, über alle Parteigrenzen hinweg. Wir haben (noch) die Wahl, mit relativ bescheidenen persönlichen Einschränkungen die Lage zu stabilisieren und damit einen riesigen Effekt auszulösen: die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, die Arbeitslosigkeit zu senken und das geradezu beängstigende Verteilen von Steuergeld einzubremsen. Wir können aber auch weiter über die unerhörte Einschränkung von Grundrechten jammern, kruden Verschwörungstheorien huldigen, ohne Rücksicht auf Verluste feiern gehen – und zusehen, wie wir damit unsere Grundlage ruinieren. Wir haben die Wahl. Noch.


E-LEARNING ANGEBOT der Oesterreichischen Nationalbank Im Rahmen des kostenlosen, interaktiven Programms Euro­Aktiv online werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern aktuelle Themen rund ums Geld erarbeitet. Bei allen Fragestellungen können die Kinder und Jugendlichen ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen und per Videokonferenz teilnehmen.

Dauer: 1 bis 2 Unterrichts­ einheiten Zielgruppe: 9. bis 13. Schulstufe

Themen: Bargeld & Zahlungsverkehr, Preisstabilität, Umgang mit Geld

oesterreichische_nationalbank

Weitere Informationen unter www.eurologisch.at Anmeldung unter regionwest@oenb.at oder finanzbildung@oenb.at

OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM


© MARTIN LUGGER

eco.porträt

8


eco.porträt

11¾ FRAGEN AN

MICHAEL LANG ZUR PERSON

Wer sind Sie? Mein Name ist Michael Lang, ich bin Bildhauer. Meine Ausbildung habe ich mit 14 Jahren begonnen, seit dem 18. Lebensjahr bin ich selbstständig als Bildhauer tätig.

1.

Der Künstler Michael Lang wurde 1982 in Lienz geboren und betreibt in Virgen mit Gleichgesinnten sommers eine luftige Steinwerkstätte an der Isel und ein Atelier in der Lienzer Messinggasse. Er liebt die Freiheit, die seine Berufung mit sich bringt, und versucht sich eklektisch an verschiedenen Techniken und Materialien, in der zwei- und dreidimensionalen Darstellung, ganz gleich ob sakral, profan, modern oder traditionell, abstrakt, in Stein, Bronze, Holz, Keramik oder Airbrush. Sein Atelier ist ihm ein Platz der Ruhe und zugleich des Lärms, der Entspannung wie der Anspannung, der Konzentration und Ausgelassenheit.

Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Keine Ahnung, aber anscheinend bin ich interessant genug. ;-) 2.

3. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Nütze den Tag, denn du wirst nicht ewig leben. Und: Stay Metal!

4. Was macht Sie stolz? Meine Familie, meine Frau und meine zwei Kinder. 5. Was bedeutet für Sie Luxus?

Zuhause arbeiten zu können und gemeinsam mit meiner Frau unsere Kids täglich zu erleben und aufwachsen zu sehen. Das ist vielen Menschen nicht vergönnt und ist mit Geld nicht aufzuwiegen!

6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie

gerne einen Abend verbringen – warum? Mit Leonardo da Vinci, Michelangelo und dazu noch Lemmy Kilmister (der 2015 verstorbene, legendäre Motörhead-Frontman, Anm. d. Red.). Ich glaube, das wäre wohl ein Megaabend, denn wir könnten uns über gleiche Interessen in verschiedenen Jahrhunderten unterhalten. Und wahrscheinlich würden wir dabei draufkommen, dass sich der Mensch in seinem Wesen an und für sich nie ändert. Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass Themen, über die ich etwas weiß, auf mich nicht wirklich ungewöhnlich wirken.

7.

Ihr Leben in Musikstücken: Na gut: Da ich ein Verehrer der härteren Gangart bin, würde ich mit dem Song „WALK“ VON PANTERA beginnen, der mir die Jugend wieder etwas näherbringt. Als Nächstes würde wohl SLAYER zum Begriff werden, und zwar die ganze Palette, da ich ja noch nicht soooo alt bin, also mitten in der Blüte sozusagen. Außerdem verbinde ich „CLOUD CONNECTED“ VON IN FLAMES mit der Unbeschwertheit meiner Jugend.

9 tige ich mich mit Holzskulpturen, Keramikmodellen für den Bronzeguss und mit Ölgemälden. Ich habe also kein bestimmtes Lieblingsmaterial, sondern nur das richtige Material für die passende Jahreszeit.

Von welchem Menschen haben Sie am meisten gelernt? Ich lerne gerne von jedem, von dem ich etwas lernen kann. Das gilt sowohl für das Technische als auch das Menschliche. 10.

11. Was inspiriert Ihre Kunstwerke?

schichte und die Natur.

11¾ :

Der Alltag, die Ge-

W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N

I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?

8.

9. Mit welchem Material arbeiten Sie am liebsten und

wieso? Ich arbeite mit den Jahreszeiten. Das heißt, im Sommer viel mit Stein im Sommeratelier, wo ich mich auch mit dem Bronzeguss beschäftige. Im Herbst und im Winter zieht es mich ins warme Winteratelier. Dort beschäf-

Willst du ein monumentales Bronzedenkmal für mich gestalten? O.k., mach’ ich!

LANG:

„Die größte Kunst ist es, die Vision, diesen kurzen, flüchtigen Moment, festzuhalten. Die Umsetzung ist dann nur noch Handwerk.“ MICHAEL LANG


BEZIRK, WIRTSCHAFT UND MEHR

OSTTIROL IN ZAHLEN 2020

QUADRATKILOMETER FLÄCHE

0,0

Dauersiedlungsraum: 8,7 % (Gesamttirol: 12,4 %) Naturschutzgebiete: 30,5 % (Tirol: 25,9 %)

17

10

HAUBEN ZÄHLT OSTTIROLS TOP-GASTRONOMIE

AUTOBAHNUND SCHNELLSTRASSENKILOMETER

277,77

2.824

QUADRATKILOMETER

hat die flächenmäßig größte Gemeinde MATREI. Sie ist nach Sölden die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde Tirols.

UNTERNEHMEN davon 1.626 bzw. 57,6 % EPU

48.738

EINWOHNER PER 1. JÄNNER 2020 Untertilliach: 223 Lienz: 11.905

Bevölkerungsentwicklung 1961 – 2018: Osttirol: 41.123 – 48.753 Gesamttirol: 462.899 – 754.705 Index: 1961 = 100 / Lienz: 119, Tirol: 163

24

EINWOHNER/KM2 BEVÖLKERUNGSDICHTE IM SCHNITT St. Jakob im Defereggental: 4,5 EW/km2 Lienz: 747 EW/km2

33

GEMEINDEN

166

SELBSTÄNDIGE DREITAUSENDERHAUPTGIPFEL


TIWAG

Philipp Schulter

Energiebera

ter

Gemeinsam für eine sichere Energiezukunft

„Als Energieberater weiß ich: Erneuerbare Energieträger sind der Schlüssel zur Energieversorgung von morgen. Neben Wasserkraft ist das in Tirol auch Sonnenenergie, die die TIWAG mit eigenen Anlagen nutzt. Es ist aber nicht genug, Strom zu erzeugen – wir müssen ihn auch effizient einsetzen. Da bietet die TIWAG mit ihren Förderpaketen seit Jahren wichtige Anreize. So machen wir Tirol fit für die Energiezukunft.“

TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG

Saubere Energie für Tirol www.tiwag.at


eco.osttirol

„ EINE SCHÖNE NATUR ALLEIN REICHT NICHT“ 12

„MAN TR AUT SICH IN OST TIROL Z U M T E I L Z U W E N I G Z U.“ RICHARD PIOCK


eco.osttirol

Richard Piock ist Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft INNOS und nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Defizite zu benennen. Aus den Osttirolern will Piock selbstbewusste Bürger machen, die in Innsbruck nicht zu Bittstellern verkommen sollen. Bei allem Aufholbedarf hat Osttirol auch viele Stärken, die stärker ausgespielt werden wollen. INTERVIEW UND FOTOS: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Können Sie sich noch an den ersten Eindruck erinnern, den die Osttiroler bei Ihnen hinterlassen haben? RICHARD PIOCK: Da gibt es zwei Erlebnisse. Als ich 1979/80 Geschäftsführer der Euroclima in Bruneck war, hatten wir Schwierigkeiten, Personal zu finden. Deshalb sind wir herausgegangen nach Osttirol, wo die Arbeitslosenrate bei über zehn Prozent lag. Wir haben dann an der Drautalstraße ein Werk gebaut. Personal konnte man sich aussuchen, die Leute waren arbeitsam. Als ich später Generaldirektor von Durst war, hatten wir in Südtirol wieder mit Personalmangel zu kämpfen, weil wir mit der Digitalisierung stark gewachsen sind. Ich habe mich daran erinnert, dass es in Osttirol genügend Personal gibt. Wir haben geplant, hier ein Werk zu eröffnen. Ursprünglich in Nußdorf-Debant, dort gab es aber Schwierigkeiten mit dem Bürgermeister. Also wollten wir nach Vicenza gehen. Als die damalige Lienzer Bürgermeisterin Helga Machne davon erfahren hat, ist sie sofort auf uns zugekommen und hat uns versprochen, ein entsprechendes Grundstück zu organisieren. Wir haben in Lienz gebaut, wieder gutes Personal gefunden und auch mit der Bürokratie kaum Schwierigkeiten gehabt. Das hat sich nach meiner Einschätzung jetzt verändert. Die Bürokratie ist das Einzige, was in Österreich in den letzten Jahren gesteigert wurde. Sie hat sich an das Niveau in Südtirol angepasst.

Die politischen Absichtserklärungen der vergangenen Jahre weisen aber in Richtung Bürokratieabbau. Das Gegenteil davon ist passiert. Günstiger ist in Osttirol sicher noch Grund und Boden, der in Südtirol in etwa fünfmal so teuer ist. Was immer noch wesentlich besser ist, ist der Zugang zu Geldern für Forschung und Entwicklung, doch selbst dieser ist leider intransparenter geworden. Bei wesentlichen Standortfaktoren ist eine Verschlechterung eingetreten, man kann sie im Standortmarketing nicht länger als Vorteile verkaufen.

13


eco.osttirol

„MAN MUSS DIE UNI NEU POSITIONIEREN, UND DAS GEHT NUN EINMAL NICHT MIT EINEM BACHELORSTUDIUM ALLEIN. ES BR AUCHT EIN MASTERSTUDIUM MIT EINER G A N Z S P E Z I F I S C H E N A U S R I C H T U N G .“ RICHARD PIOCK

14

Wie ist es heute um das Fachkräftepotenzial bestellt? Da wird es langsam auch kritisch und es wird immer schwieriger, gut ausgebildete Kräfte zu finden. Aus Sicht des Standortmarketings muss ich sagen, dass ich fast nicht mehr weiß, was man Interessenten anbieten könnte. Früher gab es gegenüber Italien auch noch steuerliche Vorteile. Als Standortvorteil ist eigentlich nur mehr verhältnismäßig günstiger Grund und Boden übrig, und selbst das ist nicht mehr so einfach, weil die Grundstücke in privater Hand sind. Der große Vorteil des Standorts Österreich ist nicht mehr da.

Sie haben also sowohl mit Euroclima als auch Durst einen relativ guten Standort vorgefunden. Das ist die wirtschaftliche Perspektive. Wie war Ihr erster Eindruck von der vorherrschenden Mentalität und hat sich dieser im Laufe der Zeit bestätigt? Der erste Eindruck ist sehr positiv, die Leute sind sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Wenn man länger mit den Leuten zu tun hat, ändert sich der Eindruck eher zum Nachteil. Der Neid spielt hier eine ziemlich große Rolle. Man versucht sehr häufig, den von außerhalb Kommenden ein wenig zu übervorteilen, sich Dinge herauszuholen, die so nicht ganz gerechtfertigt sind. Gab es in Osttirol aus Ihrer Sicht ein Gefühl des Abgehängt-, des Vergessen-worden-Seins? Dieses Gefühl des Benachteiligt-Werdens oder von der Geschichte Gestraft-Seins ist immer noch stark verwurzelt, zumindest bei den älteren Gene-

rationen. Die jüngeren Generationen spüren das wahrscheinlich nicht mehr so. Bei den Älteren fehlt ein gewisses Selbstbewusstsein, es gibt eine Untertänigkeit gegenüber Vorgesetzten, Behörden. Das stelle ich bei den Jungen nicht im selben Ausmaß fest. Ich behaupte sogar, dass die Nordtiroler die Osttiroler lange Zeit wie eine Art Kolonie behandelt haben. Diese Mentalität behindert im Übrigen auch viele Unternehmen. Es gibt zu wenige Macher und zu viele Ausführende. Viele Firmen haben unheimlich gute Ideen und sind innovativ, aber im Projektgeschäft oder als Zulieferer für größere Unternehmen tätig. Dort bekommen sie fixe Vorgaben und Ziele, produzieren nicht für einen anonymen Markt und sind sicher, dass sie ihr Geld bekommen. Sie müssen also nichts verkaufen.

Heißt das, dass eine vermeintliche Sicherheit dem Risiko vorgezogen wird? Richtig. Man traut sich zum Teil zu wenig zu. Und ein Zweites kommt dazu: Hat man einmal einen gewissen Status erreicht, ist man mit dem Erreichten zufrieden. Also strebt man ab einem gewissen Level von Einkommen, Wohlstand, Umsatz nicht mehr nach Wachstum, obwohl die Chancen da wären, internationaler, größer zu werden.

Das kann man unterschiedlich interpretieren, als Selbstzufriedenheit und Saturiertheit oder als Bescheidenheit. Das ist nicht Bescheidenheit, sondern Angst vor Risiken. Wer in etwas Unbekanntes hineinwandert, geht ein Risiko ein. Das erzeugt Angst.

Wie kann der Bezirk zu einem neuen Selbstbewusstsein finden? Man muss sich zum einen seiner Wurzeln besinnen. Wir haben ein Buch mit dem Titel „Innovatoren am Land“ herausgegeben, um die Region so darzustellen, wie sie wirklich ist. Darin werden 37 Unternehmen präsentiert, die alle etwas Besonderes gemacht haben, von dem man nicht auf den ersten Blick vermuten würde, dass es hier entstanden ist. Zum Beispiel ein riesiges Shisha-Zelt für 200 Personen, das in Erbil steht, oder autonome Werkzeugwechsler für Gesenkschmieden aus Matrei. Das Böhler-Werk in Kapfenberg ist voll davon. Oder die Sicherheitseinrichtungen im Gotthardtunnel, die aus Osttirol stammen. Das sind Geschichten, die zeigen, was sich hier – oft im Verborgenen – tut.

Sie verantworten mit INNOS das Standortmarketing im Bezirk und haben festgehalten, dass die Standortvorteile abnehmen. Kommt nun ein Unternehmer zu Ihnen und interessiert sich für eine Ansiedelung, was „verkaufen“ Sie diesem als USP von Osttirol? Ich glaube schon, dass es noch Vorteile gibt, die aber ganz spezifisch sind. Man sagt, dass rund 2.000 Personen als Wochenpendler auspendeln. Diese könnte man zurückholen, wenn man gute Arbeitsplätze bieten kann. Das ist auch die Stoßrichtung der Jobmesse „Zruck Hoam“. Man hat gut ausgebildete Leute im Bereich Mechatronik vor Ort, die HTL ist sehr gut und zudem gibt es jetzt eine Universität mit Bachelorstudium. Dieses Zusammenspiel bietet sicher einen Vorteil. Die Work-Life-Balance


eco.osttirol

15

funktioniert auch, es gibt intakte Natur, ich bin in zwei Stunden in Venedig, in Salzburg und in zweieinhalb Stunden in München, also ziemlich zentral. Das Wohnen hier ist im Gegensatz zu München oder Innsbruck noch leistbar. Diese Punkte sind sicher als positiv zu bewerten und spielen eine Rolle, wenn es um Ansiedelungen geht.

Der Campus Technik Lienz soll gut sein, was den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft betrifft. Bei den Studierendenzahlen sieht das Projekt aber derzeit nicht nach einem Erfolg aus. Woran liegt das? Es gibt zu wenige Studenten aus dem Ausland. In Landeck beispielsweise ist das anders. Ganz nüchtern betrachtet sieht es so aus: Aus der HTL kommen jährlich etwa 90 Maturanten, von denen die Hälfte weiter studiert und die andere Hälfte in den Beruf einsteigt. Jene, die studieren, wollen weg von zu Hause, in eine Großstadt, frei sein und nicht wieder am Kittel der Mutter hängen. Also bleiben nur

„ICH BEHAUP TE SOGAR, DASS DIE NORDTIROLER DIE OST TIROLER L ANGE ZEIT WIE E I N E A R T KO L O N I E B E H A N D E LT H A B E N .“ RICHARD PIOCK

jene hier, die Beruf und Studium verbinden möchten. Warum soll jemand gerade nach Lienz kommen, um hier das Bachelorstudium Mechatronik zu machen? Der einzige Grund ist, dass man eine optimale Betreuung bekommt, mit einem Betreuungsverhältnis wie auf einer Privatuni in Amerika, und die Lebenshaltungskosten sehr günstig sind. Sonst gibt es keine Argumente. Man muss die Uni neu positionieren, und das geht nun einmal nicht mit einem Bachelorstudium

allein. Es braucht ein Masterstudium mit einer ganz spezifischen Ausrichtung. Additive Fertigung oder – was wir forcieren möchten – Industrial Internet, also die Verbindung aus Sensorik, Mechatronik und Informatik. Erst wenn man ein solches Studium kreiert, werden die Studenten von auswärts nach Lienz kommen. Es braucht eine USP, und diese will erst geschaffen werden.

In welchen wirtschaftlichen Bereichen sehen Sie im Bezirk die größten Wachstumschancen? Ich sage Ihnen zunächst, wo ich die größten Defizite sehe. Das wären zwei Bereiche, nämlich der Tourismus und die Landwirtschaft. Der Tourismus ist zu arm, bringt zu wenig Wertschöpfung, weil er auf relativ niedrigem Preisniveau ist. Den Tourismus muss man qualitativ stärken, um eine höhere Wertschöpfung erzielen zu können.

Liegt es wirklich an der Qualität, dass die Wertschöpfung nicht stimmt? Ich glaube schon, ja. Denken Sie daran, wie hoch der


eco.osttirol

Anteil an Fremdenzimmern versus Hotelbetten in Osttirol im Vergleich mit Nordtirol ist. Dort ist das Verhältnis eins zu vier, hier liegt es eher bei eins zu eineinhalb. Man muss in Qualität investieren. Und diese Investitionen rechnen sich meist nur dann, wenn auch quantitativ etwas passiert. Die Abschaffung der 7,5-Prozent-Förderung aus dem Impulspaket ist tödlich für die Osttiroler Hotellerie. Welche Probleme sehen Sie in der Landwirtschaft? Dort sind immer noch viel zu viele Leute beschäftigt und die Wertschöpfung ist extrem niedrig. Ungefähr zwölf Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft, deren Beitrag zum Bruttoregionalprodukt liegt aber nur bei 0,5 Prozent. Das ist erschreckend. Das liegt daran, dass man kaum etwas weiterverarbeitet. Es gibt effektiv nur die Produktion. Nach dem Wachsen der Kartoffeln bleibt man stehen. Es wurde nie eine Lebensmittelproduktion aufgebaut, sogar der Verkauf der Kartoffeln wird aus der Hand gegeben.

16

Halten Sie dieses Verhalten in der Landwirtschaft in gewisser Weise für anerzogen, in dem Sinne, dass von der Standesvertretung suggeriert wurde, das Denken hauptsächlich selbiger zu überlassen? Ganz sicher. Keimen mittlerweile Initiativen, um die eigenen Produkte vermehrt in Wert zu setzen und zu veredeln? Ja, es gibt einige Junge, die mit der Selbstvermarktung begonnen haben und damit ganz gut fahren. In Summe sind es allerdings noch viel zu wenige.

Die Beziehung zwischen Tourismus und Landwirtschaft sollte idealerweise eine symbiotische sein. Ist das in Osttirol so? Diese Beziehung ist nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Es gibt ein ziemlich gutes Mineralwasser aus dem Defereggental. Wenn man in die dortigen Hotels fährt, wird man es nicht finden. Das regionale Denken ist nicht ausgeprägt, wegen ein paar Cent Ersparnis greift man lieber zum burgenländischen Mineralwasser. Aber wenn ich stolz auf mein Land bin, muss ich Regionalität und die Verwendung regionaler Produkte viel stärker in den Vordergrund rücken. Dann kann ich vielleicht auch etwas mehr verlangen, weil ich ein besseres Produkt habe.

Es entsteht bisweilen der Eindruck, dass nicht alle touristischen Stakeholder am selben Strang ziehen. Gibt es konkrete Projekte, um die Player in Tourismus und Landwirtschaft stärker zusammenzuspannen? Die Gemengelage ist schwierig. Ich glaube, die

DIE INNOS GMBH Innos, gewissermaßen das Osttirol-Pendant zur Standortagentur Tirol, sieht sich gemäß Selbstdefinition als Moderator, Ideengeber, Coach, Mutmacher und Begleiter für einen langfristigen gesellschaftlichen Erneuerungsprozess. Die Region Osttirol soll Innovation und Attraktivität als alpiner Lebens- und Wirkungsraum ausstrahlen und somit zur Vorzeigeregion werden. Als Geschäftsführer fungiert Richard Piock. Anlässlich der Coronakrise hat die Innos GmbH das Programm „Fitness Diagnostic & Reset – Osttirol Power Start“ aufgesetzt. Damit soll jedem Unternehmen in Osttirol ein Instrument an die Hand gegeben werden, um die wirtschaftliche Situation des Betriebes konkret zu analysieren und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Eine qualifizierte individuelle Diagnose, aufbauend auf dem Business Model Canvas, unterstützt bei mutigen Entscheidungen auf dem Weg aus der Krise.

INKUBATOR S 3 – RAUM FÜR INNOVATION

Der Inkubator S³ ist das Gründerzentrum in Osttirol, um Start-ups mit der Wirtschaft und der Wissenschaft zusammenzuführen und zu fördern. Hier finden Jungunternehmer ein Großraumbüro als Arbeitsplatz, das Networking und gegenseitigen Impuls unterstützt, sowie hochwertige technologische Infrastruktur, um aus innovativen Ideen erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Start-ups werden dabei von einem Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft begleitet, das Entrepreneurship durch Coaching und Mentoring fördert und die Jungunternehmer mit Investoren zusammenführt. Darüber hinaus ist der Inkubator Forschungsstätte und Labor für Studenten und Schüler als auch Raum zur Entwicklung Osttiroler Wirtschaftsbetriebe, Visionäre und Innovatoren.


eco.osttirol

Landwirtschaft ist nicht offen genug für diese Dinge und hat nicht verstanden, nach neuen Regeln zu spielen. Die Verlässlichkeit als Lieferant für die Hotellerie ist nicht da. Auch kleinere Geschäfte, die gerne vermehrt regionale Produkte verkaufen würden, tun sich schwer. Es fehlt an der Verlässlichkeit, Strategie und einer ordnenden Hand. Auch in der Kammer werden die Bauern zu wenig strategisch beraten, so dass statt konstanten eher den kurzfristigen Gewinnen hinterhergelaufen wird.

In Osttirol ist der Tourismus ein sanfterer als in Nord- und Südtirol. Ist ein Tourismus, der eine passable Wertschöpfung erzielt, für Sie mit Intensivtourismus gleichzusetzen? Nein. Die Unberührtheit der Natur muss aber bewusst verkauft werden. Das ist eine USP, welche die anderen gar nicht mehr nachmachen können. Eine kaputte Natur kann man nicht wiederherstellen. Ich kann viel hochpreisigeren Tourismus machen, wenn er mit Konzept und Strategie unterlegt ist. Dafür braucht es Infrastrukturen, die zum Teil erst geschaffen werden müssen. Eine schöne Natur allein reicht nicht. Das hat aber nichts mit Massentourismus zu tun. Im Prinzip fehlt eine langfristige touristische Vermarktungsstrategie. Es gibt zu viele Querelen innerhalb des Tourismusverbandes. Und es gibt viel zu viel tote Zeit zwischen den Hauptsaisonen. Im Rahmen der Klimaerwärmung ist die höhere Lage von Vorteil, weil man diese Frische verkaufen kann. Sind, was den Willen zur Zusammenarbeit betrifft, Industrie und das Gewerbe weiter als Tourismus und Landwirtschaft? Ja.

Woran liegt das? Der Kooperationswille ist in Osttirol nicht allzu ausgeprägt, weil jeder auf das Eigene geschaut hat. In den letzten Jahren hat sich das stark gebessert, zumindest in der Industrie. Sonst gäbe es die gemeinsame Innovationswerkstatt von sieben Firmen aus dem Mechatronikbereich nicht. Es gibt zudem viel Austausch im Club der Innovatoren. Seit 2013 gibt es den Prozess „Vordenken für Osttirol“, der von der Wirtschaftskammer mitinitiiert wurde und aus dem indirekt auch INNOS hervorgegangen ist. Das ist falsch. Verursacht haben das in erster Linie Reinhard Lobenwein und ich. Die Wirtschaftskammer war beteiligt, weil Reinhard Lobenwein Bezirksstellenleiter ist.

ZUR PERSON Dr. Richard Piock, geboren in Meran, studierte an der Hochschule für Welthandel in Wien, promovierte 1971 zum Doktor der Handelswissenschaften mit der Dissertation „Social Costs und Welfare Economics“. 1972 Geschäftsführer der Euroclima AG, Bruneck, 1982 Gründung der Fabrikationsstätte der Euroclima in Sillian, 1984 Eintritt bei Durst Phototechnik AG in Brixen als Vize-Generaldirektor, ab 1986 Generaldirektor. 1999 Bau der Durst Phototechnik Digital Technology GmbH in Lienz. Ab 1. Mai 2013 Präsident des Verwaltungsrates der Durst Gruppe. Von 1994 bis 2000 Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, seit 2011 Obmann des Tiroler Archivs für photografische Kunst und Dokumentation mit Sitz in Lienz und Bruneck. Seit 2016 ist Richard Piock Geschäftsführer der INNOS GmbH.

Das war unpräzise von mir. Aber worauf ich hinauswollte: Was war in diesem Zusammenhang Ihr positivstes Erlebnis, welches Ihr negativstes? Am positivsten für mich, als Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg stimmt, war diese Studie – ein Zukunftsranking der österreichischen Bezirke, in dem Lienz von Platz 68 auf Platz zehn gesprungen ist. Hinsichtlich Innovationstätigkeit sind wir sogar auf Platz eins. Das zeigt uns, dass man langsam den Bezirk auch von außen mit anderen Augen betrachtet und nicht mehr als Armenhaus. Das schlimmste Ergebnis kommt aus dem Bereich Landwirtschaft. Dort wollten wir Veränderung anstoßen. Wenn man jedoch stundenlang über Möglichkeiten wie eine Kreislaufwirtschaft etwa vom Getreide- und Kartoffelanbau bis zum fertigen Schlipfkrapfen und dessen Vermarktung oder von der Schaffung von Kooperativen spricht und dann von einem hohen Funktionär hört, dass das alles ein Blödsinn sei und es lediglich mehr Subventionen brauche, ist das für mich ein schrecklicher Moment. Es ist kein Verständnis, kein Wille zur Veränderung da. Man möchte reiner Subventionsempfänger bleiben. Das ist enttäuschend. Allerdings bemerkt man bei den Jungen mehr unternehmerische Aktivitäten und Spezialisierung: Es werden Weidegänse gezüchtet, aus der Schafzucht kommen Joghurt und Käse, manche bauen vermehrt Gemüse an, auch „Exotisches“ wie „Carciofi“. Das gibt Hoffnung. Geografische Peripherie ist durch die Möglichkeiten der Digitalisierung keine

„OS T TIROL IS T WEGEN DER KLEINSTRUK TURIERTHEIT UND DER SEHR DIFFERENZIERTEN WIRTSCHAF TSSTRUK TUR S E H R G U T D U R C H D I E K R I S E G E KO M M E N ; D E R T O U R I S M U S H AT I M S O M M E R E N O R M D U R C H D E N T R E N D P R O F I T I E R T, K L E I N E H O T E L S UND FERIENWOHNUNGEN ZU BE VORZUGEN U N D D I E N AT U R U N D B E R G E R L E B N I S S E Z U GENIESSEN, DIE GEWERBLICHE WIRTSCHAF T H AT G U T E A U F T R A G S B E S TÄ N D E , D I E Ü B E R DEN WINTER REICHEN, DIE ‚GROS SEN‘ IN DER INDUSTRIE PROFITIEREN VON DEN GESELL SCHAF TLICHEN VERÄNDERUNGEN D U R C H C O R O N A .“ RICHARD PIOCK

17


eco.osttirol

„U N G E FÄ H R 12 P R O Z E N T D E R BESCHÄF TIGTEN ARBEITEN IN DER L A N D W I R T S C H A F T, D E R E N B E I T R A G Z U M BRUT TOREGIONALPRODUK T LIEGT ABER NUR B E I 0 , 5 P R O Z E N T. D A S L I E G T D A R A N , D A S S M A N K A U M E T WA S W E I T E R V E R A R B E I T E T.“ RICHARD PIOCK

18

Ausrede mehr. Wie sind die heimischen Unternehmen diesbezüglich aufgestellt? Relativ wenige sind gut aufgestellt, aber das Interesse und die Bereitschaft, etwas zu tun, ist vor allem bei den kleineren und mittleren Unternehmen enorm hoch. Mit der Digitalisierung müssen auch neue Strategien ausgearbeitet und organisatorische Abläufe verändert werden. Wir sehen, dass die kleinen Unternehmen in dieser Hinsicht offener sind als die größeren. Wir versuchen, generell für die Unternehmen neue Märkte zu erschließen. Im Vertrieb hapert es teilweise noch stark. Eine Homepage zu haben, reicht nicht aus. Es braucht Vertriebsstrukturen und Netzwerke. Wir versuchen gerade, dass Osttiroler Manufakturen miteinander neue Produkte entwickeln und gemeinsame Verkaufsstrukturen aufbauen.

Eine Pandemie hat die Welt kürzlich teilweise aus den Angeln gehoben. Was bedeutet diese für den Standort Osttirol? Osttirol ist wegen der Kleinstrukturiertheit und der sehr differenzierten Wirtschaftsstruktur sehr gut durch die Krise gekommen; der Tourismus hat im Sommer enorm durch den Trend profitiert, kleine Hotels und Ferienwohnungen zu bevorzugen und die Natur und Bergerlebnisse zu genießen, die gewerbliche Wirtschaft hat gute Auftragsbestände, die über den Winter reichen, die „Großen“ in der Industrie profitieren von den gesellschaftlichen Veränderungen durch Corona: Die Vorratshaltung sucht nach Eiskästen und Gefriertruhen, man belohnt sich in der Quarantäne mit Schokogebäck, Balkonien braucht Schatten über Markisen, das Daheimbleiben bringt den Wunsch nach neuen Möbeln und der Klimanotstand fördert Wärmepumpen und Klimageräte. Hier bietet Osttirol eine Pa-

lette von Lieferanten, die gut positioniert sind. Auch die Anstrengungen der Planungsverbände, Osttirol mit einem Glasfasernetz zu versehen – was weitgehend abgeschlossen ist –, haben mit sich gebracht, dass Home-Office oder Home-Schooling in Osttirol nie ein Problem war.

Sehen Sie dadurch auch neue Chancen? Ja, sowohl im Tourismus als auch in der gewerblichen Wirtschaft, der Industrie. Ganz generell werden die extraurbanen Regionen aus der Pandemie einen Vorteil ziehen: Gesundheit durch eine natürlichere Lebensweise, die Möglichkeit, sich zu bewegen, ohne etwaige Quarantäneregeln zu brechen, die Versorgungssicherheit und das erhöhte, natürlich gewachsene Solidaritätsverhalten der Bevölkerung, die geringeren Wohnkosten und die größere Sicherheit – all das bringt Menschen dazu, eher wieder aufs Land zu ziehen, besonders dann, wenn dort Betriebe stehen, die einen adäquaten Arbeitsplatz bieten. Osttirol bietet das: adäquate, anspruchsvolle Arbeitsplätze mit einer ausgezeichneten Work-Life-Balance. Der Tourismus wird dank des Trends, Urlaub als sinnstiftende Zeit zu genießen, Neues zu entdecken und zu lernen, Natur pur zu erleben, einen Aufschwung erleben, wenn wir nicht in Disneyland-ähnlichen Massentourismus verfallen, sondern authentisch bleiben. Sie haben einen Prozess namens „Fitness Diagnostic & Reset – Osttirol Power Start“ aufgesetzt. Worum geht es dabei und wie wird das Angebot angenommen? Diese Initiative haben die Wirtschaftskammer und Innos gemeinsam mit einem Schweizer Unternehmensberater erarbeitet. Es geht darum, dass Unternehmen – ob EPU oder KMU – über rund 15 Fragen die aktuelle Si-

tuation (Kundenrückgang, Produktfamilie, Kommunikation mit Kunden, Finanzstatus) mitteilen und darauf eine Analyse erhalten mit Vorschlägen, wie man aus der aktuellen Situation am besten herauskommt. Im Hintergrund dieses Fragebogens steht das Business-Canvas-Model von Osterwalder, mit dem man innovative Geschäftsmodell-Ideen entwickelt. Hintergrund für diese Initiative ist die Überlegung, dass man aus der Krise durch Covid-19 – die meiner Meinung nach erst nach Auslaufen der Stundungen durch Staat und ÖGK und Banken im Frühjahr 2021 massiv zuschlägt – nur durch neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle herauskommt und nicht durch das Bessermachen des Alten, nicht durch Effizienzerhöhung und Kostensparen, sondern dadurch, Effektivität zu steigern, Neues anzubieten und gänzlich neue Wege zu gehen. Bis dato haben sich acht Betriebe gemeldet, vom Einzelhandelsgeschäft mit zwei Angestellten bis zum Klein-Mittelbetrieb mit 50 Mitarbeitern. Bei zumindest einem Betrieb haben wir durch unsere Analyse dazu verholfen, einen neuen Schritt zu machen, den er sich vorher nicht getraut hätte. Auch zwei Startups sind in dieser Zeit entstanden. Sie nehmen sich in Sachfragen kein Blatt vor den Mund. Würden Sie gerne mit den Osttirolern etwas mehr konstruktiv streiten? Ich würde liebend gerne um ein gemeinsames Ziel streiten, auf das sich alle verständigen können und an dessen Erreichung alle zielstrebig mitarbeiten. Ich möchte die Osttiroler zu selbstbewussten Bürgern machen, die in Innsbruck nicht zu Bittstellern verkommen, sondern ihre Ansprüche einfordern. Wenn mich der Landeshauptmann fragt, wie es mir in Osttirol geht, sage ich gerne: In Osttirol muss man den Hund zur Jagd tragen.


KOLLNIG WOHNDESIGN

MASSGESCHNEIDERT Neben Planung, Design und Montage kümmert sich das Team von Kollnig Wohndesign mit viel Know-how um die gesamte Koordination von Einrichtungsprojekten. © RAMONA WALDER

Perfekte Planung, individuelles Design und hohes Tischlerhandwerk ziehen sich durch alle Räume – bis ins Badezimmer.

Nach zehn Jahren Erfahrung in Küchenplanung und -bau erweitert Stefanie Kollnig das Spektrum auf den gesamten Interieurbereich und gründet Kollnig Wohndesign.

S

tefanie Kollnig verwirklicht sich mit ihrem neu gegründeten Unternehmen Kollnig Wohndesign und kann dabei auf ihre langjährige Erfahrung sowie ein bewährtes Team setzen. Vor fast 20 Jahren gründeten ihre Eltern die olina-Küchen-Niederlassung in Lienz, der sie nach HAK-Matura und Tischlerlehre beitrat. Nach zehn Jahren, davon fünf als Inhaberin und Geschäftsführerin, erfindet Stefanie Kollnig das Unternehmen 2020 neu. Das Know-how des Teams wird auf den gesamten Wohnbereich erweitert und nicht mehr auf die Küche und den Essbereich beschränkt. „Wir waren schon vorher für viele unserer Kunden Ansprechpartner für die Gestaltung verschiedenster Räume, Lösungen und Projekte. Das will ich nun mit Kollnig Wohndesign klar definieren.“ Designanspruch und Stil tragen Stefanie Kollnigs Handschrift.

NEUES DESIGN – PROJEKTLEITUNG INKLUSIVE

In den Bereichen Planung, Küchenbau und Möbeltischlerei werden individuelle

19 Küchenplanung und Küchenbau – das Herzstück jeder Wohnung und Ursprung von Kollnig Wohndesign.

Kundenwünsche verwirklicht. Durch die Projektleitung wird das gesamte Einrichtungskonzept koordiniert. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden vor einer Neu- oder Umgestaltung ihrer Einrichtung zurückschrecken, da sie mit viel organisatorischem Aufwand mit unterschiedlichsten Handwerksbetrieben verbunden ist. Durch unsere Erfahrung und unser Netzwerk sparen wir in der Projektkoordination Kunden viel Mühe, Zeit und Geld.“ Bei der Projektleitung laufen bei Kollnig Wohndesign die Fäden aller beteiligten Gewerke wie Elektronik, Tischlerei, Malerei und Raumausstattung zusammen und werden aufeinander abgestimmt. Die optimierten Prozesse sparen Zeit, durch die Feinabstimmung der Gewerke wird bis ins kleinste Detail auf Funktionalität und Design geachtet. Das Team von Kollnig Wohndesign greift bevorzugt auf einen Pool an bewährten, herausragenden Handwerksbetrieben der Region zurück. Gemeinsam mit diesen Partnerbetrieben wurden bereits

herausforderndste Lösungen für individuelle Einrichtungen entwickelt, koordiniert und umgesetzt. PR Oberflächen und Materialien ergeben ein harmonisches Gesamtkonzept, wenn alle Gewerke professionell koordiniert werden.

KOLLNIG WOHNDESIGN Kärntner Straße 62 9900 Lienz Tel.: 04852/70 330 office@kollnig-wohndesign.at

www.kollnig-wohndesign.at


eco.osttirol

20

GEISTIGÖKONOMISCHES TAUWETTER Im Bezirk Lienz herrscht seit einigen Jahren so etwas wie Aufbruchstimmung. Das hat auch, aber nicht nur mit einem neuen Leitbildprozess zu tun. Wir haben die Osttirol-Rückkehrer WirtschaftskammerBezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger, Junge-WirtschaftBezirksvorsitzende Barbara Schusteritsch und Christian Steininger, der den Standortentwicklungsausschuss in der Bezirkshauptstadt führt, zum gemeinsamen Austausch über den Stand der Dinge gebeten. INTERVIEW UND FOTOS: MARIAN KRÖLL


eco.osttirol

ECO.NOVA: Sie alle eint der Umstand, dass Sie eine Zeit lang auswärts studiert, gelernt, gelebt und gearbeitet haben. Wie haben Sie alle Osttirol und die Entwicklung, die der Bezirk genommen hat, nach Ihrer Rückkehr erlebt? BARBARA SCHUSTERITSCH: Ich war zehn Jahre in Salzburg Stadt und bin wieder nach Hause gekommen, weil ich die Menschen hier als offen und freundlich empfinde. Salzburg habe ich als sehr oberflächlich erlebt und es war schwierig, Kontakte zu knüpfen. Hier hat sich einiges verändert, modernisiert und ich habe vor zwölf Jahren die Chance gesehen, mich selbständig zu machen. Bis auf die Wirtschaftskammer habe ich aber von den öffentlichen Stellen und Entscheidungsträgern nicht viel Unterstützung bekommen. Ich weiß selbst, wie schwierig der Anfang in der Selbständigkeit ist, deshalb bin ich heute in der Jungen Wirtschaft, um zu helfen und unseren Anliegen Gehör zu verschaffen. MICHAELA HYSEK-UNTERWEGER: Ich war zehn Jahre weg – in Italien und in Wien – und nur punktuell zu Hause. In der Zeit habe ich Osttirol vor allem als Tourismusdestination wahrgenommen und den Wirtschaftsstandort als recht verträumt und verschlafen empfunden. Dieses Bild hat sich gewandelt, seitdem ich die bewusste Entscheidung zur Rückkehr gefasst und den Familienbetrieb übernommen habe. Mir war klar, dass ich meine Kinder nicht in Wien aufwachsen lassen wollte. Es hat sich mittlerweile viel getan, es ist eine neue Dynamik entstanden, auch durch den Leitbildprozess „Vordenken für Osttirol“. Es ist aber nach wie vor nicht einfach, wenn jemand zurückkommen möchte, eine adäquate Beschäftigung zu finden. CHRISTIAN STEININGER: Bei mir war es ähnlich. Ich war ungefähr zehn Jahre ausbildungsbedingt in Innsbruck und habe danach dort gearbeitet. Es war eine halbbewusste Entscheidung, zurück nach Hause zu kommen. Anfangs war es für mich schwierig, auch weil meine Frau damals in Innsbruck geblieben ist und ich in Lienz faktisch wieder in meinem Kinderzimmer gesessen bin. Das war eine harte Landung. Bis ich mich wieder zurechtgefunden habe, hat es einige Zeit gebraucht. Für mich war dieses Vordenken auch ein Prozess, der einen Ruck gebracht und viele motivierte Leute dazu bewogen hat, an einem Strang zu ziehen, positive Kräfte zu bündeln und aus eigener Stärke heraus zu agieren. Und nicht über die vermeintliche geografische Randlage zu jammern.

„ D I E S TÄ R K E D E S B E Z I R K S L I E G T I N D E R V I E L FA LT. W I R H Ä N G E N N I C H T NUR VOM TOURISMUS ODER NUR VON DER INDUSTRIE AB. DIENSTLEISTUNG, HANDWERK UND INDUSTRIE SIND FA S T G L E I C H S TA R K .“ MICHAEL A H YSEK- UNTERWEGER

„DURCH DIE TECHNISCHEN MÖGLICHKEITEN HABEN DIE ENTFERNUNGEN ABGENOMMEN. DURCH DIE ONLINEMEE TINGS, DIE ‚DANK‘ CORONA PLÖT ZLICH ÜBER ALL MÖGLICH SIND, WERDEN DIE WEGE K Ü R Z E R , A U C H I M B E W U S S T S E I N .“ CHRISTIAN STEININGER

Ich höre heraus, dass der 2013 begonnene Leitbildprozess „Vordenken für Osttirol“ der Beginn eines Auslüftens gewesen ist, bei dem Dinge hinterfragt, entstaubt wurden? Mitunter wird den Osttirolern von Außenstehenden ein gewisser Defätismus attestiert. Trifft das zu? HYSEK-UNTERWEGER: Wir hören regelmäßig, dass uns das in Nordtirol nachgesagt wird. Wir haben, das ist zumindest mein Eindruck, aber mittlerweile ein anderes Selbstverständnis entwickelt. Wir nehmen unser Schicksal stärker selbst in die Hand. Natürlich gibt es auch Förderungen, vom Land, von der EU. Das Mindset ist aber ein anderes geworden. Wir sind tatsächlich disloziert, und das haben wir in der Coronakrise ganz stark gespürt. Für uns bedeutete der tirolweite Lockdown, dass die Südtiroler Arbeitskräfte nicht mehr zu uns gelangen konnten und die Kärntner ebenso wenig. Es ist etwas anderes, ob ich in der Inntalfurche wirtschafte oder in Osttirol. Das Bewusstsein, dass wir an zwei andere Gebiete angrenzen, ist in Nordtirol nicht besonders ausgeprägt. Osttiroler fahren für Termine ganz selbstverständlich nach Innsbruck, beraumt man aber einmal eine Sitzung oder einen Termin hier an, schwindet die Teilnehmerzahl.

Im Außerfern hat man wohl mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen. Alles, was nach dem Fernpass kommt, interessiert in Innsbruck eher peripher, so der Eindruck. HYSEK-UNTERWEGER: So sieht es aus. SCHUSTERITSCH: Es ist gut, dass es heutzutage vermehrt Onlineangebote und Möglichkeiten zum Austausch gibt. STEININGER: Ich glaube, durch die technischen Möglichkeiten haben die Entfernungen abgenommen. Durch die Onlinemeetings, die „dank“ Corona plötzlich überall möglich sind, werden die Wege kürzer, auch im Bewusstsein. Wir wollen – auch durch den Vordenken-Prozess – von diesem Jammererimage wegkommen und auf Basis wohlüberlegter Pläne Dinge einfordern. Damit sind wir nach meinem Eindruck in Innsbruck auch immer auf offene Ohren gestoßen. Das Bündeln der Kräfte hat in Osttirol gefehlt, dass nicht mehr jede Marktgemeinde, jede Talschaft alleine nach Innsbruck fährt und dort jammert, sondern dass es eine Gesamtperspektive für den Bezirk gibt. Man sieht das aktuell auch an den Pöchhacker-Zukunftsrankings, wo Lienz österreichweit auf Platz drei gereiht wurde. In den letzten zehn Jahren hat sich doch eine beachtliche Dynamik entwickelt, auf die wir durchaus stolz sein können.

21


eco.osttirol

hängen nicht nur vom Tourismus oder nur der Industrie ab. Dienstleistung, Handwerk und Industrie sind fast gleich stark und das ist gerade in Zeiten wie diesen ein Vorteil. Der Branchenmix stimmt, auch wenn sich fast alles auf den Zentralraum Lienz und das Pustertal fokussiert. Da haben wir mittlerweile auch ein Arbeitskräfteproblem. Es wird zunehmend schwierig, passende Arbeitskräfte zu finden. In den Seitentälern müssen wir sehr aufpassen, dass uns nicht alles wegbricht. Touristisch ist Osttirol klein strukturiert, da bräuchten wir noch einen deutlichen Schub zur Stärkung der Täler. Davon hängt letztlich auch das Handwerk ab.

„W I R M Ü S S E N I D E E N G E M E I N S A M ENT WICKELN UND MITEINANDER UMSE TZEN. IDEEN, BEI DENEN ES KEINE WECHSEL SEITIGEN PROFILIERUNGSNOT WENDIG K E I T E N G I B T.“ BARBARA SCHUSTERITSCH

22 Hat das Kirchturmdenken insgesamt abgenommen oder gibt es Bereiche, in denen die Kooperation besser funktioniert als in anderen? STEININGER: Im Talboden, den man jedenfalls gesamthaft betrachten muss, gibt es vielfach Initiativen der Stadt, die Nachbargemeinden einzubinden. Die Gesamtperspektive kann nicht an der Gemeindegrenze aufhören. Das fängt bei recht pionierhaften Themen in der Raumordnung an, etwa die gemeinsame Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen mit Aufteilung der Kommunalsteuer unter den teilnehmenden Gemeinden und damit einhergehend der Schaffung sinnvoller Gewerbe- und Industriecluster. Die kommunale Abstimmung ist recht schwierig, aber erfolgversprechend. Es ist wichtig, die Planungsverbände endlich als Gestaltungsebene zu sehen.

Sind Planungsverbände also nicht länger ein lästiges Gremium, das von Rechts wegen einzurichten ist? STEININGER: Die Kraft, die der Planungsverband entfaltet, ist von zwei Leuten im Hintergrund getragen, die sich stark in der Vorbereitung einbringen und die ich namentlich erwähnen möchte, und zwar von Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein und vonseiten der Stadtverwaltung Oskar Januschke, die auf der Verwaltungsebene den politisch Verantwortlichen die Dinge so vorbereiten, dass diese auch die Visionen sehen und sich an die Umsetzung trauen. Wo sehen Sie die Stärken, Schwächen, Herausforderungen und Gefahren für den Bezirk? HYSEK-UNTERWEGER: Die Stärke des Bezirks liegt in der Vielfalt. Wir

Gibt es für Sie einen ähnlichen Raum, der in dieser Hinsicht Vorbildfunktion hat? HYSEK-UNTERWEGER: Sieht man sich die touristisch starken Nordtiroler Regionen an, wird deutlich, dass wir noch viel Luft nach oben haben, ohne gleich zum Massentourismus-Hotspot zu werden. Wir brauchen in den Tälern definitiv größere Strukturen und Infrastrukturen. Wir wissen, dass es aber heute gerade im Tourismus viel mehr in Richtung Nachhaltigkeit geht. Dann war bzw. ist dieser Coronaschock auch eine Chance für den Tourismus im Bezirk? STEININGER: Das glaube ich schon. Wir haben viele Fehler, die in intensivtouristischen Regionen gemacht wurden, nicht gemacht. Wir können von diesen Erfahrungen profitieren und uns nachhaltig positionieren. Es braucht aber auch dazu Investitionsbereitschaft. Die Lienzer Bergbahnen sind das letzte unabhängige Seilbahnunternehmen im Bezirk, das nicht in der Hand eines einzigen Unternehmens ist. Das ist durchaus eine Herausforderung für die Eigentümer Stadt und Tourismusverband. Es hat sich in den letzten Jahren zwar einiges getan, aber wir brauchen mehr davon.

Grundsätzlich darf man sich schon die Frage stellen, ob es zu den Kernaufgaben eines Tourismusverbands gehört, Seilbahninfrastruktur zu besitzen und zu betreiben. Andererseits wäre ein Liftmonopol im Bezirk wohl auch nicht unproblematisch. Wie sehen Sie das? STEININGER: Es ist historisch gewachsen, dass die Stadt und der Tourismusverband bei den Lienzer Bergbahnen die Protagonisten sind und Investitionen getragen haben. Es gab einen umfassenden Prozess zur Wiederbelebung des Hochstein und Fokus auf den Sommertourismus. Ein modernes, zeitgemäßes Projekt, das uns wirtschaftlich in die Lage versetzen soll, den Winterbetrieb zu erhalten. Dass ein Privater immer ein besserer Unternehmer ist als eine öffentliche Körperschaft, bleibt unbestritten. Man sollte aber nicht nur um der Privatisierung willen privatisieren, sondern es braucht einen großen Plan. Als Erholungsraum ist es relativ ruhig in Osttirol, verkehrsinfrastrukturell nicht unproblematisch. Wie stellt sich das aus Sicht eines produzierenden Betriebs dar? HYSEK-UNTERWEGER: Die Erreichbarkeit und Mobilität sind große Themen, hängen aber von


eco.osttirol

der Perspektive ab. Wir mögen zwar weit entfernt sein von Wien und Innsbruck, von Venedig und Bozen aber nicht so sehr. Wir sind in alle Richtungen weit vom nächsten Flughafen entfernt, also gibt es derzeit keine Alternative zur Straße, auch wenn es immer heißt, die Bahn wird ausgebaut. Wo sind die nächstgelegenen Terminals zur Be- und Entladung? Außerdem haben wir beim Pendlerverkehr durchaus eine Herausforderung. Lienz ist ein Nadelöhr. Für eine Umfahrung scheint der Zug längst abgefahren. STEININGER: Das halte ich für eine Ausrede. Das Verkehrsproblem der Stadt ist in Wirklichkeit ein Verkehrsproblem des Talbodens, das man der Stadt in die Schuhe schiebt. Es gibt Initiativen, den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren, etwa mit einem Stadtbussystem, das aber überhaupt nicht funktioniert. Da stehen die leeren Busse noch zusätzlich im Stau. Die Wirtschaftlichkeit dieses Systems wird man früher oder später überprüfen müssen. Den Verkehr in den Griff zu bekommen, wird jedenfalls einer gemeinsamen Kraftanstrengung der Talbodengemeinden bedürfen. Wenn es möglich ist, im sehr viel teureren und flächenmäßig noch begrenzteren Kitzbühel eine Umfahrung zu bauen, muss das auch in Lienz möglich sein. Auf der Datenautobahn ist dagegen uneingeschränkt mehr und schnellerer Verkehr erwünscht. Wie ist denn Osttirol in Sachen Breitband aufgestellt? HYSEK-UNTERWEGER: Die Planungsverbände haben in dieser Hinsicht in den letzten Jahren sehr viel gemacht, wir sind auf einem guten Weg. Die Kooperation der Gemeinden funktioniert sehr gut, die meisten Gemeinden werden an das Breitbandnetz angeschlossen. Das ist für Osttirol eine Chance, weil

„V I E L E M E N S C H E N W O L L E N V I E L F R E I Z E I T, G U T V E R D I E N E N U N D A M BESTEN NICHT VIEL DAFÜR TUN. D A S F U N K T I O N I E R T N I C H T.“ BARBARA SCHUSTERITSCH

es über digitale Wege möglich ist, auch von zu Hause aus zu arbeiten. STEININGER: Ich würde da sogar noch eins draufsetzen und behaupten, dass wir bei der Breitbandversorgung wirklich unter den Allerbesten sind. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie der Bezirk im Moment funktioniert. Die großen Anbieter hatten kein Interesse am Ausbau, deshalb hat der Zukunftsraum Lienzer Talboden diesen Ausbau selbst vorangetrieben. Wir glauben, Breitband ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern für jeden Haushalt ein Muss, die Infrastruktur der Zukunft. Beim Abrufen der Förderungen haben wir mittlerweile so viel Expertise, dass wir es geschafft haben, überdurchschnittlich viele Mittel zu lukrieren. Breitbandversorgung reicht über den Talboden weit hinaus, es wird auch das Pustertal und Iseltal entlang der Felbertauernstraße versorgt.

Leider kann ein Gespräch über die Wirtschaft im Jahr 2020 nicht ohne das alles überschattende Thema Corona auskommen. Wie nehmen Sie die Stimmung in der Wirtschaft ein paar Monate nach dem Lockdown wahr? SCHUSTERITSCH: In der Jungen Wirtschaft haben wir heuer in Tirol den 1. Virtuellen Sommercocktail ins Leben gerufen. Es gab überregional einen guten Zusammenhalt. Zusammenhalt ist ein Thema, das mir hier in Osttirol aber noch abgeht. Sämtliche Strukturen halten zu wenig zusammen. Deshalb reagieren wir

MIT HERZ UND KOMPETENZ ZUR NR. 1 IN DER KUNDENPARTNERSCHAFT. www.dolomitenbank.at

Der Region verbunden.

23


eco.osttirol

manchmal ziemlich langsam, weil es immer Akteure gibt, die mehr gegen- als miteinander arbeiten.

24

Geht es dabei um Befindlichkeiten oder um legitime Interessensunterschiede? SCHUSTERITSCH: Ich weiß nicht, wo das Problem mancher Entscheidungsträger liegt. Manchmal geht es darum, das letzte Wort zu behalten oder Ideen für sich allein zu reklamieren. Davon müssen wir wegkommen. Wir müssen Ideen gemeinsam entwickeln und miteinander umsetzen. Ideen, bei denen es keine wechselseitigen Profilierungsnotwendigkeiten gibt. Das funktioniert aus meiner Sicht noch nicht. In der Jungen Wirtschaft passt die Zusammenarbeit und wir machen uns Gedanken, wie die jungen Unternehmer im Bezirk bestmöglich unterstützt werden können. In der Coronazeit haben wir gesehen, dass sich Junge leichter damit tun, über alle Social-Media-Kanäle hinweg ihre Produkte zu vermarkten. Onlineshops sind wichtig, gerade deshalb, weil wir geografisch vielleicht etwas abgelegen sind. Diese kosten Geld, Zeit und Kraft, aber die Investition lohnt sich. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ohne funktionierenden Onlineshop hätte ich selbst geschäftlich in den letzten Monaten ganz schlecht ausgesehen. HYSEK-UNTERWEGER: In den letzten 15 Jahren wurde die Achse Südtirol-Osttirol-Oberkärnten aufgebaut und gefördert. Mit dem Lockdown war plötzlich alles anders. Als Wirtschaftskammer hatten wir einen enormen Beratungsaufwand. In dieser Zeit sind viele sehr kreativ geworden, es wurden Zustellservices eingerichtet und es sind nachhaltige Kooperationen entstanden.

eine besonders hohe Arbeitslosigkeit gibt und man andererseits Stellen nicht besetzen kann, weil man keine geeigneten Leute findet.

Braucht es mehr Druck und veränderte Zumutbarkeitsbestimmungen? SCHUSTERITSCH: Ich glaube, dass sich in letzter Zeit die Einstellung vieler Menschen krass geändert hat. Ich suche derzeit auch Mitarbeiter, finde aber niemanden und kenne viele Jungunternehmer, denen es genauso geht. Viele Menschen wollen viel Freizeit, gut verdienen und am besten nicht viel dafür tun. Das funktioniert nicht. Dann ist wohl die Kurzarbeit mittelfristig kein ideales Modell. HYSEK-UNTERWEGER: Natürlich hat uns die Kurzarbeit in der Akutphase sehr geholfen und die Unternehmen davor bewahrt, massenhaft Leute freisetzen zu müssen. Es sollte aber überlegt werden, wie wir wieder zu einer Normalität zurückfinden können und wie Arbeit gesellschaftlich verteilt werden soll. Eine Generation, für die Work-Life-Balance das höchste Gut ist, ist da nicht besonders hilfreich.

Die Unterschiede zwischen Erwerbseinkommen und arbeitslosem Einkommen sind in vielen Fällen relativ gering. Braucht es mehr Anreize? STEININGER: Wenn das Damoklesschwert Corona nicht mehr über uns schwebt, wird man zum Alltag zurückkehren müssen, der nicht aus Kurzarbeit und Transferleistungen bestehen kann. Einen Alltag, wo die Leute froh sind, Arbeit zu haben und sich etwas leisten zu können. Mit

Wie sieht es in Osttirol für die nähere wirtschaftliche Zukunft aus? HYSEK-UNTERWEGER: Derzeit ist in vielen Bereichen – auch in der Bauwirtschaft und im Baunebengewerbe – die Auftragslage noch sehr gut. Es handelt sich großteils um Projekte, die vor Corona begonnen haben. Wie sich das entwickeln wird, ist ein großes Fragezeichen. Es ist nicht absehbar, wie die nähere Zukunft wird, wie es mit dem Wintertourismus aussehen wird, und vieles mehr ist derzeit in Schwebe. Kleinstrukturiertheit schadet uns da sicher nicht. Es war auch schon im heurigen Sommer eine Chance, dass Auslandsdestinationen ausgefallen sind und viele Menschen erstmals nach Osttirol gekommen sind.

Ginge sich ein weiterer Lockdown wirtschaftlich aus? HYSEK-UNTERWEGER: Nein. Das wäre das Ende, viele Unternehmen würden das nicht überleben. SCHUSTERITSCH: Dafür fehlt auch die breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Da macht doch keiner mehr mit.

Wir haben krisenbedingt eine grundlegend veränderte Arbeitsmarktsituation. Es herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Mangelt es dennoch weiterhin an Fachkräften? HYSEK-UNTERWEGER: Ja, aber nicht nur an Fachkräften, sondern auch an Lehrlingen. Für Unternehmer ist es schwierig zu sehen, dass es einerseits

„SIEHT MAN SICH DIE TOURIS TISCH S TA R K E N N O R D T I R O L E R R E G I O N E N AN, WIRD DEUTLICH, DAS S WIR NOCH VIEL LUF T NACH OBEN HABEN, OHNE GLEICH ZUM MASSENTOURISMUS H O T S P O T Z U W E R D E N .“ MICHAEL A H YSEK- UNTERWEGER


eco.osttirol

Wegfall der Ausnahmesituation wird auch der Wegfall der diversen Unterstützungen einhergehen müssen.

Unabhängig vom jeweils vertretenen Familienbild muss es Ziel sein, möglichst viele Frauen in Beschäftigung zu bringen. Dafür braucht es Kinderbetreuungseinrichtungen. Wie ist der Bezirk dahingehend aufgestellt? HYSEK-UNTERWEGER: Im Zentralraum Lienz gibt es ein breites Angebot, in den Seitentälern dagegen kaum. Solche Angebote sind das Um und Auf. Denn wo ziehen junge alleinstehende Mütter heute hin, deren Eltern noch im Erwerbsleben stehen? Wieder in die Ballungsräume. In den Tälern kommt es dadurch zur Überalterung. Kinderbetreuungsangebote fallen generell in die Zuständigkeit der Gemeinden und gerade kleinere Gemeinden tun sich diesbezüglich finanziell und infrastrukturell sehr schwer. Wie soll eine Teilzeitstelle aussehen, wenn zum Beispiel der Kindergarten um 12:30 Uhr schließt? Ich wünsche mir darüber eine breite, sachliche und unideologische Diskussion, was wir an Kinderbetreuungseinrichtungen brauchen, wie flexibel sie sein sollten und wer die Kosten trägt. STEININGER: In der Stadt gibt es einen Ganzjahreskindergarten. Der ist aber auf das Stadtgebiet reduziert, weil es sich um eine kommunale Einrichtung handelt. Es geht gar nicht so sehr ums Wollen, sondern ums Dürfen. Wir können aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen nicht so flexibel sein, wie wir das gerne möchten. Das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum hat mittlerweile mit allen 33 Gemeinden Kooperationsverträge geschlossen und ist in dieser Hinsicht vorbildlich. Von der notwendigen Infrastruktur für die Kleinsten zur Hochschulbildungseinrichtung: Wie könnte man Lienz zur Studentenstadt machen? STEI-

„W I R H A B E N V I E L E F E H L E R , D I E IN INTENSIV TOURISTISCHEN REGIONEN GEMACHT WURDEN, N I C H T G E M A C H T. W I R KÖ N N E N V O N D I E S E N E R FA H R U N G E N PROFITIEREN UND UNS N A C H H A LT I G P O S I T I O N I E R E N .“ CHRISTIAN STEININGER

NINGER: In Lienz gibt es keine Uni für die Osttiroler, sondern eine Universität in Osttirol. Mechatronik ist sicher herausfordernd, aber die Voraussetzungen sind gut, das Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden sagenhaft. Und auch der Zugang und die Unterstützung, die man bei der lokalen Industrie hat, ist sehr gut. Man darf jetzt nicht die Nerven wegwerfen, nur weil das Universitätsprojekt in den ersten Jahren nicht hunderte Studierende angezogen hat. Auch die Fachhochschule Kufstein hat klein begonnen. Wir müssen den Universitätsstandort stärker nach außen tragen und besser vermarkten und es wäre klug, sich stärker in den Südtiroler und Oberkärntner Raum zu orientieren. Das Projekt verdient es, fortgeführt und unterstützt zu werden, und ich glaube auch, dass das letztlich ein Erfolgsprojekt wird. HYSEK-UNTERWEGER: Derzeit wird stark darüber nachgedacht, was die USP dieser Universität sein könnte und in welche Richtung es gehen könnte. Das Studienangebot muss noch spezialisierter werden, dann werden auch Studierende von auswärts kommen. Was bereits heute sehr gut funktioniert, ist die gemeinsame Forschungstätigkeit von lokalen Unternehmen und Universität.

25


eco.osttirol

Bäckermeister Ernst Joast hat sich schon vor 20 Jahren mit biologischen Rohstoffen auseinandergesetzt und wurde so zum Motor für den Biogetreideanbau in Osttirol.

WIE SAGT MAN VINSCHGERL AUF JAPANISCH?

26

Ernst Joast ist Biobäcker mit Horizont: Er lehrte Brotbacken schon in Japan und Südamerika. Seine Spezialbrote vertreibt er auch via Onlineshop. TEXT: ANDREA ZANIER

W

enn Ernst Joast über die Herstellung von Brot spricht, kommt er ins Schwärmen. „Backen ist Handwerk, ein Prozess, der nicht immer zu einem 100-prozentig identen Ergebnis führt. Manchmal sieht das Brot eben anders aus, das ist doch das Spannende an händisch hergestellten, ursprünglichen Lebensmitteln. Für mich ist das natürlich und kein Argument für industrielle Rohstoffe.“ Der Bäckermeister hat sich bereits vor 20 Jahren mit biologischen Rohstoffen auseinandergesetzt und wurde so zum Motor für den Biogetreideanbau in Osttirol. Schon zur Jahrtausendwende motivierte Joast die regionale Landwirtschaft in Osttirol zum Anbau von

Biogetreide. Gemeinsam mit der ARGE Biobauern Osttirol unter Obmann Georg Meindl war nach anfänglichen Schwierigkeiten das Projekt auf Schiene. Das Bäckereiunternehmen und auch die ARGE sind als Biobetriebe zertifiziert. Das Konzept ging auf: Der Umsatzanteil des Joast-Biosegments ist kontinuierlich gewachsen. Das spricht für regionales Bewusstsein. Durch die Kooperation mit den Biobauern wurde der regionale Getreideanbau in Osttirol wieder in Wert gesetzt. Die ARGE Biobauern Osttirol baut neben Biodinkel auch den sogenannten Bio Chrysanth Hanser Roggen an – reaktiviertes Saatgut aus Nikolsdorf in Osttirol, das schon seit 1956 im Zuchtbuch zugelassen und in den 1990er-Jahren schlicht vergessen wurde.

Diese Roggensorte ist robust und winterfest und in alpinen, schneereichen Lagen sehr ertragreich. Echt osttirolerisch. Über 80 Mitarbeiter beschäftigt Ernst Joast in seiner Backstube, Geschäften und Cafés. Joast beliefert außerdem Märkte, die Gastronomie, Heime und die abgelegensten Talschaften Osttirols. Das tat er auch im Lockdown und reagierte mit zusätzlichen Gemeindetouren, um Osttirol mit frischem Brot und Grundnahrungsmitteln zu versorgen. In der Backstube wird für das Biosegment das Vollkorngetreide in der hauseigenen Mühle verarbeitet. Die Handhabung des Biomehls unterscheidet sich völlig von jener herkömmlichen Mehls. Die Hightech-Mühle von Joast mahlt


das volle Korn besonders fein, das Mehl wird sofort weiterverarbeitet. Gebacken wird ausschließlich mit Natursauerteig in Drei-Stufen-Führung und ohne Backtriebmittel. Dabei ruht der Teig 24 bis 48 Stunden, bevor er zu Biobrot gebacken wird. Gebacken wird an 365 Tagen im Jahr und insgesamt mit über 340 Tonnen Mehl.

© PROFER & PARTNER

eco.osttirol

AM HOLZBROTOFEN IN JAPAN

Auf internationalen Betriebsbesichtigungen und Fortbildungen holt sich der Bäckermeister Inspiration und Know-how. Seine Expertise profitiert also von seiner persönlichen Reiselust, die ihn schon rund um den Globus geführt hat. Die Kunst des Backens ist international gefragt. 2008 verbrachte Ernst Joast mit seiner Frau Brigitte einen Monat in Japan und unterrichtete dort ein Team im Backen an einem originalen Osttiroler Holzbackofen, den der Ofensetzer Josef Steinringer aus Lienz dort gebaut hatte. Initiatorin dieses Projektes war Eiko Funada, Ethnologin im Fachgebiet Nahrungskultur. Sie betrieb weltweit Brotforschung und bescheinigt dem Lesachtal das weltbeste Bauernbrot, das auch von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Sie veröffentlichte ihre Ergebnisse

Durch die Kooperation mit den Biobauern wurde der regionale Getreideanbau in Osttirol wieder in Wert gesetzt.

in dem Buch „Brot – Teil des Lebens“. Der Titel stammt – nachzulesen im Buch – von Ernst Joast. Bei der Arbeit unweit von Tokio eröffneten sich der Ethnologin Funada trotz des Schnellkurses Kulturunterschiede. „Mit Angaben wie ‚eine Prise Zimt‘ wollten sich meine Schüler nicht zufriedengeben, auch diese Angaben sollten genau und akribisch niedergeschrieben werden. Aber ich liebe

es, am Holzofen zu backen – das Brot gelang immer“, meint Joast. Und das, obwohl Ernst Joast in Japan auf sein wertvolles Osttiroler Mehl verzichten musste, da es vom Zoll nicht freigegeben wurde. Den Natursauerteig hat er aber Gott sei Dank im Gepäck nach Japan geschmuggelt. Wie man Vinschgerl auf japanisch sagt, konnte er uns aber nicht mehr sagen.

Das „Hideaway“ direkt am See Das 4* Superior Parkhotel am Tristachersee Das kleine Paradies – umrahmt von Bergen, Wald und vor allem von See – lädt ein zum Rundum-Wohlfühlen, Genießen, Aktivsein und Man-selbst-sein. Das Hotel am malerischen Tristachersee liegt nur vier Kilometer von der Sonnenstadt Lienz entfernt. Gäste können hier die romantische Umgebung erkunden, den smaragdgrünen See genießen sowie gemütliche Plätze zum Verweilen am Wasser entdecken. Zu allen Wellnesseinrichtungen und Entspannungsmöglichkeiten genießen Sie die herzliche Aufmerksamkeit und Betreuung durch Familie Kreuzer und Team, umrahmt von kulinarischen Highlights der

Parkhotel-Küche, sowie einem gut sortierten Weinkeller mit Spezialitäten aus aller Welt. Erkunden Sie die einzigartige Bergwelt Osttirols oder genießen Sie Ihre Urlaubstage beim Golfen, Biken oder beim „dolce far niente“. Eine Besonderheit ist das hauseigene Quellwasser, zudem gibt es auch Forellen, Saiblinge und Huchen aus den eigenen Quellteichen. Tristachersee 1 | 9908 Amlach bei Lienz | 04852 67666 parkhotel@tristachersee.at | www.parkhotel-tristachersee.at

27


eco.osttirol Andrea und Bernd Mühlmann im Atelier in Außervillgraten

HANDMADE IN THE ALPS Das Villgratental in Osttirol ist guter Boden – sowohl für traditionelles Handwerk als auch Innovation. Das Fashionlabel Mühlmann ist beides. Hier, wo die Uhren anders ticken, hat das Label seinen eigenen Rhythmus gefunden – abseits der kommerziellen Modemaschinerie. TEXT: ANDREA ZANIER

28

M

ode, die für sich selbst spricht. „Wir handeln sehr authentisch, transparent und auf unsere Werte konzentriert. Wir müssen unseren Kunden nicht viel erklären, da unsere Markenphilosophie nachvollziehbar ist“, so die Erfahrung von Andrea Mühlmann. Die Werte der Marke sind bei den Kunden angekommen, nicht erst jetzt in Zeiten der Covid-bedingten allgemeinen Besinnung auf regionale Produktion. Mühlmann ist mehr, ist Zeitgeist. „Zentrum von Mühlmann ist das Schneiderhandwerk. Da wir ausschließlich selbst produzieren, können wir flexibel und intuitiv arbeiten. Auch unsere Wertschöpfungskette ist flexibel. Wir verwenden Rohmaterialien aus Mitteleuropa, die nur kurze Distanzen zurücklegen und schon allein durch ihre Langlebigkeit nachhaltig sind.“ Aus diesen beiden Faktoren wird durch Bernd Mühlmanns ästhetisches Gespür zeitlose, saisonunabhängige Mode in klarem Design. Urbaner Stil aus dem Villgratental, der sich entspannt in jede internationale Garderobe einfügt.

UNDERSTATEMENT MIT GESCHICHTE

Geschäftsführer Bernd Mühlmann gründete die Marke Mühlmann 2008 gemeinsam mit seinen Schwestern Andrea und Katharina. Er transferierte mit viel Know-how einen

„W I R H A B E N D I E M A R K E V O N A N FA N G A N A U F U N S E R E N W E R T E N A U F G E B A U T, A N S TAT T A U S E I N E R I D E E E I N E K Ü N S T L I C H E I D E N T I TÄT Z U E N T W I C K E L N . WIR SEHEN UNS NICHT AL S KL ASSISCHES FA S H I O N L A B E L , S O N D E R N A L S HANDWERKSBE TRIEB, DER SINNVOLLE, L A N G L E B I G E M O D E H E R S T E L LT.“ ANDREA MÜHLMANN

Handwerksbetrieb mit Geschichte in die Gegenwart. Er ist aber auch Allround-Kreativer, der „arty Typ“, wie Andrea sagt – Designer und Schneidermeister, spielt Klavier und fotografiert. Schon früh nach der Schneiderlehre begann er, selbst entworfene und genähte Modelle im Geschäft der Eltern in Außervillgraten zu verkaufen. Sein Stil hatte Erfolg. In der Firmengeschichte spielte Bernd die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in die Hände. Die Schneiderwerkstätte des Vaters Hermann, gegründet 1964 und mit in Spitzenzeiten bis zu 80 Näherinnen, war auf Konfektion österreichischer Toplabels spezialisiert. Bernd Mühlmann hatte aber seine eigene Vision für Arbeit und Leben, ist nicht zum Konfektionsschneider bestimmt.

Als auch in den 1990ern im Villgratental die Abwanderung der Textilproduktion in Billiglohnländer spürbar wurde, orientierten sich Vater und Sohn neu und Bernd übernahm 2000 den Betrieb und gründete das hauseigene Label.

WIDER DIE WEGWERFMODE

„Warum Kunden unsere Produkte verstehen, liegt sicher an der Authentizität, die sie spüren. Wir haben die Marke von Anfang an auf unseren Werten aufgebaut, anstatt aus einer Idee eine künstliche Identität zu entwickeln. Wir sehen uns nicht als klassisches Fashionlabel, sondern als Handwerksbetrieb, der sinnvolle, langlebige Mode herstellt. Den Erfolg nehmen wir

FOTOS: © W9 STUDIO MARIO WEBHOFER, CLEMENS ASCHER, MARWANE PALLAS, LUKAS SCHALLER


eco.osttirol

Zeitlose, komfortable Streetfashion von Mühlmann

erfreut als Bestätigung für unseren konsequenten Weg“, sagt Andrea Mühlmann. Dieser Erfolg ermöglicht es dem Unternehmen, sich nicht dem Rhythmus der Modeindustrie beugen zu müssen. Viele Modelle sind zeitlose Klassiker und müssen nicht jede Saison neu erfunden werden. „Uns persönlich ist Work-Life-Balance unglaublich wichtig. Dazu gehört auch, sich von Schnelllebigkeit und Wegwerfmode zu distanzieren.“ Diese Philosophie spielgelt der relaxte Look von Mühlmann wider.

DIREKT AN DEN KUNDEN

Bernd Mühlmanns Design ist schon auf Distanz augenscheinlich. Die Materialien erschließen sich Modebegeisterten durch die Haptik und im Tragen. Tatsächlich geben die hochwertigen Wollstoffe ein wichtiges Feature der Kollektion vor – Komfort. Für Andrea Mühlmann ist Wolle nicht gleich Wolle, sie investiert viel Zeit in das Sourcing der Materialien: „Wir verwenden nur High-End-Materialien mit natürlichen, temperaturregulierenden Eigenschaften – hauptsächlich Merino, Cashmere, Schafwolle und Leinen. Das spürt man bereits im Griff. Passform, Silhouetten und Schnitte unserer Mode unterstützen die natürliche Funktionalität dieser Stoffe. Wir haben den Anspruch, dass auch urbane Mode funktionell sein und Bewegungsfreiheit geben muss, nicht nur Sportmode.“ Die Kompetenzfelder bei Mühlmann sind gut verteilt. In der Kollektionsentwicklung bündeln sich Bernds Kreativität und seine Managementkompetenz für den aufwändigen Produktionsprozess mit Andreas Know-how über Materialien und Silhouetten und mit Katharinas Feedback aus dem Verkauf. Die rund zehn Schneiderinnen in Außervillgraten verstehen sich auf die hohe

Die Mühlmann-Boutique in der Seilergasse, Innsbruck

Schneiderkunst. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich direkt: Im Mühlmann-Directstore im Villgratental, im Onlineshop und dem Flagshipstore Innsbruck. „Wir kalkulieren knapp und fair, bei uns passen eigentlich keine Zwischenhändler dazwischen.“ So wie im Stammhaus in Osttirol taucht man auch in der Seilergasse in Innsbruck ein in die unverkennbare, stilvolle Mühlmann-Sphäre. Das Interieur des Flagshipstores, das tatsächlich wie ein weiß lackierter Schiffsbug anmutet, trägt die Handschrift der Mühlmanns und der Architekten Rainer Köberl und Daniela Kröss.

„U N S P E R S Ö N L I C H I S T W O R KLIFE-BAL ANCE UNGL AUBLICH WICHTIG. DAZU GEHÖRT AUCH, SICH VON S CHNELLLEBIGKEIT UND WEGWERFMODE ZU D I S TA N Z I E R E N .“ ANDREA MÜHLMANN

Marwane Pallas für Mühlmann

29


eco.osttirol

DIE REGION SEHEN Der DolomitenBank ist gelungen, was auch viele andere Regionalbanken aus dem Volksbankensektor wollten: Selbständigkeit. Direktor Hansjörg Mattersberger über den Wert von gemeinsamen Werten, das schwierige Ausscheiden aus dem Sektor, den steinigen Weg in die Selbständigkeit und die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Die ÖVAG, das ehemalige Spit-

30

zeninstitut der österreichischen Volksbanken, musste 2012 vom Steuerzahler gerettet und drohte in der Folge sogar abgewickelt zu werden. Es folgten Fusionen im Volksbankensektor, die große Regionalbanken entstehen lassen sollten. Am 10. November 2014 um 12:25 Uhr verkündete die Volksbanken AG via APA-Aussendung die Fusion auf acht große Regionalbanken. Die Volksbank Osttirol-Westkärnten wurde dabei der Regionalbank Volksbank Kärnten mit Sitz in Klagenfurt zugeschlagen. Um 16:38 erging auf demselben Weg eine Richtigstellung von Ihnen, in der der Fusion eine Absage erteilt wurde. Was ist an diesem Tag geschehen? HANSJÖRG MATTERSBERGER: An diesen Tag kann ich mich genau erinnern. Der Hintergrund war, dass die ÖVAG in wirtschaftliche Schieflage geraten war und man in der Folge das erfolgreiche Konzept der 63 regionalen Volksbanken zerschlagen und auf neun Länderbanken plus drei Spezialinstitute unter dem totalen Einfluss der Volksbank Wien als neuem Zentralinstitut reduzieren wollte. Die Selbständigkeit dieser regionalen Banken hätte verschwinden sollen. Unser Weg war immer, die jeweilige Region zu betrachten und dieser eine passende Bank an die Seite zu stellen. Damit sind wir auf Überzeugungsreise gegangen, die jedoch vorerst nicht gefruchtet hat, weil man einen extremen Schritt machen wollte. Die ÖVAG hat sich deshalb entschlossen, an die Medien zu gehen. Man wollte Fakten schaffen. Für uns war aber klar, dass wir das so nicht stehen lassen können. Unsere Selbständigkeit war in Stein gemeißelt. Wir würden sie aus guten Gründen keinesfalls aufgeben.

Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen klar, dass die damalige Volksbank Osttirol den vorgegebenen Weg unter keinen Umständen mitgehen würde? Es war von Anfang an klar, dass wir unser Erfolgsrezept verteidigen würden. Bereits Anfang 2014 haben wir damit begonnen, in allen Gremien des Sektors Überzeugungsarbeit zu leisten und für ein anderes Modell zu werben. Eines, das die Region sieht und in den Mittelpunkt stellt. Sie haben die ÖVAG-Pläne medial als „ineffizient“ bezeichnet, obwohl dadurch doch sicherlich beträchtliche Synergieeffekte entstanden wären. Wie haben Sie das gemeint? Es ist eine verkürzte Sichtweise, zu sagen, dass größere Einheiten automatisch effizienter und erfolgreicher wären. Das vernachlässigt die Grundhaltung der Mitarbeiter, die Einstellung zum Unternehmen und die Motivation.

Diese Faktoren sind schwer messbar. Das mag sein, aber dennoch ist man gerade als Bank auf die unternehmenskulturelle Ausstattung, das Werteinventar, angewiesen, wenn man Erträge erwirtschaften möchte. Wenn ich aus 63 Banken neun mache, gewinne ich zwar etwas, verliere aber – und das ist ganz wesentlich – an Identifikation, an Motivation, an Einsatz und Leistungsbereitschaft. Das schlägt direkt auf die Erträge durch. Selbst aufwandsseitig lässt sich anhand vieler Beispiele zeigen, dass größer nicht unbedingt günstiger ist, weil die Komplexität steigt und zu Ineffizienzen führt. Die richtige, das heißt die ideale Unternehmensgröße ist im Übrigen in der Betriebswirtschaft seit jeher ein Streitthema.

Sie sind jedenfalls mit Ihrem Konzept bei der ÖVAG auf taube Ohren gestoßen. Da muss sich doch ein massiver Druck nicht nur vonseiten der ÖVAG aufgebaut haben. Wer ist in dieser Zeit auf Ihrer Seite gestanden, wer hat Stimmung gegen Sie gemacht? Gerade für einen relativ abgelegenen Raum wie Osttirol und Oberkärnten sind selbständige Regionalbanken besonders wichtig. Es geht auch um die regionale Versorgung, einen volkswirtschaftlichen Auftrag der Banken. Es gibt viele internationale und nationale Player in der Bankenwelt. Die braucht es genauso wie die regional verwurzelten Banken, die den unmittelbaren regionalen Wirtschaftskreislauf stärken und in Schwung halten. Die regionale Bank ist näher an den Menschen dran. Das Bankengeschäft ist und bleibt grundsätzlich ein People Business? Ja, und zwar auf allen Ebenen. Wechselseitiges Vertrauen zwischen Kunde und Bank ist maßgeblich. Vertrauen ist das Kernelement. Das Bankgeschäft ist extrem persönlich geprägt – und letzten Endes lediglich durch Technologien unterstützt.

Ich habe Sie zuvor unterbrochen. Sie wollten ausführen, wer die maßgeblichen Player waren? Ja, aber zunächst eines noch zur Region. Osttirol zeichnet sich zwar durch eine hohe Lebensqualität aus, steht aber demografisch vor großen Herausforderungen. Da ist es immens wichtig, hochqualifizierte Arbeitsplätze anbieten zu können. Wir hätten bei der geplanten Fusionierung die Hälfte unserer 90 Arbeitsplätze verloren und alles konzentriert sich nur noch auf die Ballungszentren. Wohnen, leben und arbeiten in der Region ist unsere Devise.


eco.osttirol

31

„ES IST EINE VERKÜRZ TE SICHT WEISE, ZU SAGEN, DASS G R Ö S S E R E E I N H E I T E N A U T O M AT I S C H E F F I Z I E N T E R U N D E R F O L G R E I C H E R WÄ R E N . D A S V E R N A C H L Ä S S I G T D I E G R U N D H A LT U N G D E R M I TA R B E I T E R , D I E E I N S T E L L U N G Z U M U N T E R N E H M E N U N D D I E M O T I VAT I O N .“ H A N S JÖR G M AT T ER S B ER GER


eco.osttirol

„ D A S T H E M A R E G I O N A L I TÄT H AT D U R C H D I E S E PA N D E M I E I M W E R T E V E R S TÄ N D N I S D E R M E N S C H E N E I N E E N O R M E S T E I G E R U N G E R FA H R E N . D A S M A C H T U N S I N D I E S E R S I T U AT I O N N O C H E I N M A L S TÄ R K E R .“ H A N S JÖR G M AT T ER S B ER GER

32

Wäre das für Sie – lassen Sie mich ein bisschen pathetisch werden – in gewisser Weise ein „Verrat am Kernauftrag“ der Bank gewesen, die Verantwortung nach Wien abzugeben und zur reinen Vertriebsstelle abgewertet zu werden? Absolut. In unserer Grundhaltung sind die Region und die dort lebenden Menschen das Wichtigste. Unsere und meine Überzeugung ist es, dass man das nicht aufgeben darf, sondern dafür kämpfen muss. Und die Geschichte hat uns Recht gegeben. Zur Konstellation ist zu sagen, dass es für uns innerhalb des Volksbankensektors sehr schwierig war. Es gab unter den Banken im Sektor viele, die sich schnell selbst aufgegeben haben, und viele, die zwar die gleiche Grundhaltung hatten, aber beim ersten Sturm umgefallen sind. Wir haben unseren Weg zur Verwirklichung unserer Vision konsequent weiterverfolgt. Das hat uns immer mehr Schwierigkeiten und immer größere Gegnerschaft gebracht. Es gab auch große Widerstände vonseiten der Bankenaufsicht, die unsere angestrebte Lösung erst auch nicht haben wollte. Die Politik war gespalten. Das Finanzministerium hat eine Volksbanken-Gesamtlösung forciert und der Minister war von unserem Alleingang nicht begeistert, weil er womöglich eine Kettenreaktion befürchtet hat. Wertvolle Unterstützung haben wir dagegen vom Land Tirol bekommen. Landeshauptmann Günther Platter hat die Bedeutung der Thematik erfasst und uns nach Kräften politisch unterstützt und beim Finanzminister für unsere Lösung Überzeugungsarbeit geleistet. Sein Einsatz war politisch maßgeblich. Auch der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser war für unsere Lösung. Ab wann hat die werdende DolomitenBank Osttirol-Westkärnten Gestalt angenommen? Wir haben uns bereits ab Herbst 2014 intensiv mit dem Ausscheiden aus dem Volksbankensektor befasst. Wir wollten nicht herumlamentieren, sondern aus eigener Kraft unsere Vision – eine überschaubare Region, eine Regionalbank in gesunder Größe – in einen konkreten Plan gießen, der alle überzeugt. Der Name war damals noch nicht klar.

Wir haben erst noch ausgelotet, ob es eine weitere Zusammenarbeit mit dem Volksbankensektor geben konnte, und es wurde rasch klar, dass es auf eine vollständige Trennung hinauslaufen wird müssen. Selbständig zu werden, ist für eine Bank ein sehr komplexer Prozess. Da geht es um die Regulatorik, um die technischen Fragen und um das Knowhow im Haus. Das Zeitfenster, um das alles auf die Beine zu stellen, war sehr knapp. Wir hatten kaum mehr als ein halbes Jahr, nämlich bis zum 30. Juni 2015. Hätten wir bis dahin unsere Hausaufgaben nicht geschafft, hätten wir im Volksbankensektor bleiben und uns dieser Fusion fügen müssen.

Sie haben als neuen Kooperationspartner die Hypo Tirol gefunden. War das eine logische Entscheidung oder gab es noch andere Varianten? Das war insofern ein pragmatischer Zugang, weil Volksbanken und die Hypo-Banken ihre IT im selben Rechenzentrum, dem ARZ, gebündelt haben. Uns war klar, dass wir binnen kurzer Zeit einen Wechsel des Rechenzentrums nicht bewerkstelligen können. Deshalb haben wir eine regionale Kooperation zwischen DolomitenBank und Hypo Tirol aufgebaut, ein erfolgreiches Tiroler Modell. Da ging es um den Zahlungsverkehr, die Wertpapierabwicklung und die Refinanzierung. Dieses Modell war in der Bankenwelt etwas komplett Neues und wurde relativ rasch umgesetzt. Entstand dadurch für die DolomitenBank eine angemessene Kostenstruktur? Oder anders gefragt: Hat die Bank jetzt eine aus Ihrer Sicht ideale Größe oder wäre weiteres Wachstum besser? Schon vor fünf Jahren war es klar, dass wir durch die Selbständigkeit im Vergleich zum Verbleib im Sektor sogar Kosten einsparen würden. Wir stehen natürlich wie alle Banken vor der Herausforderung des niedrigen Zinsniveaus und der extrem engen Zinsmarge. Wir mussten aber auch neue Abteilungen schaffen und bestehende aufstocken, etwa die Rechtsabteilung. Es brauchte zusätzliches Personal und neue Kooperationspartner. Durch die zunehmende Regulatorik sind uns natür-

lich zusätzliche Kosten entstanden, die aber verkraftbar sind. Der Mehrwert ist größer.

Der Bankensektor ist, besonders was die Eigenmittelausstattung betrifft, sicher gestärkt aus der Finanzkrise 2008 hervorgegangen und insgesamt robuster als damals. Wir sind derzeit in einer neuen Krise. Wie wird sich diese auf den Bankensektor und auf Ihre Bank auswirken? Die erste Phase in dieser Krise diente der Versorgung der Unternehmen mit Liquidität. Der entscheidende Punkt ist jetzt, inwieweit die Unternehmen in einer Extremsituation wie dieser mit Direktzuschüssen bedient werden, um den bereits eingetretenen wirtschaftlichen Schaden zu minimieren. Bei diesen berühmten 38 Milliarden Euro der Bundesregierung handelt es sich ja zum Großteil um Haftungen, die auf drei oder fünf Jahre beschränkt sind. Danach ist der Kunde mit der Bank wieder allein und man muss schauen, wie die Rückzahlung der Kredite zu bewerkstelligen ist. Nüchtern betrachtet, werden das viele Unternehmen nicht schaffen können, vor allem jene nicht, die vor der Pandemie wirtschaftlich schon im Grenzbereich waren. Es wird Insolvenzen geben, und das schlägt natürlich auf den Bankensektor durch und wird Geld kosten. Könnte dadurch die Gefahr entstehen, dass die regulatorischen Erfordernisse, etwa was die Eigenkapitalausstattung betrifft, verfehlt werden? Das denke ich nicht. Bezüglich der Kreditstundungen wird derzeit nicht das strikte Basel-Regime angewendet. Es gibt ein gesetzliches Moratorium, ergänzt durch ein privatwirtschaftliches. Mit Ende September sind diese Moratorien ausgelaufen. Man wird abwarten müssen, wie sich die Pandemie entwickelt. Die Banken haben seit 2008 Eigenkapital aufgebaut und sollten das selbst stemmen können, natürlich immer in Abhängigkeit davon, wie das Kundenportfolio der jeweiligen Bank aussieht. Wir haben 50 Prozent unseres Kreditvolumens auf der privaten Seite und 50 Prozent bei Unternehmen und sind damit sehr gesund aufgestellt.


eco.osttirol

Der Bund kann bei KMU unter bestimmten Umständen bis zu 100 Prozent haften. Banken dürften an und für sich einem Unternehmen, das nicht kreditwürdig ist, selbst dann keinen Kredit gewähren, wenn für diesen zur Gänze der Staat haftet. Wie gehen Sie damit um? Diese Krise ist für alle Beteiligten Neuland. Es war gleich zu Beginn der Krise klar, dass unter normalen Bedingungen ein sehr großer Teil der Unternehmen keine Kredite bekommen können wird. Deshalb wurden die Kriterien sukzessive dahingehend gelockert, dass Kredite an Unternehmen vergeben werden konnten, bei denen es mit Stichtag 31. Dezember 2019 keine Anzeichen einer Insolvenz gab. Das hat diese schwierige Situation rund um notwendige Überbrückungsfinanzierungen entspannt. Für die Volkswirtschaft war es immens wichtig, die Vergabekriterien zu lockern. Die Wirtschaft kann nicht unbegrenzt am staatlichen Tropf hängen. Wann wird man wieder zu einer Normalität zurückkehren müssen – wenn diese Pandemie vorüber ist? So muss man das sehen. Für die Wirtschaft und letzten Endes für die Staaten wird diese Pandemie in jedem Fall eine riesige Herausforderung.

Die DolomitenBank ist zwar eine große Regionalbank, auf nationaler oder internationaler Ebene aber sehr klein. Ist das ein Vor- oder Nachteil? Das Thema Regionalität hat durch diese Pandemie im Werteverständnis der Menschen eine enorme Steigerung erfahren. Das macht uns in dieser Situation noch einmal stärker. Wir wollen nicht internationaler Player und damit bloß einer von vielen sein. Dafür gibt es andere Institute. Bei den Konditionen müssen wir mit den Großen mithalten, um ein Haus finanzieren und Unternehmen begleiten zu können. Es kommt auf die Konditionen an, aber vor allem auf ein gemeinsames Wertefundament, das wir mit unseren Kunden teilen. Unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit unserem Modell und das zeigt sich durch noch größere Nähe zu den Kunden und damit verbundener Lösungskompetenz. Wie ist die Namensfindung für die DolomitenBank abgelaufen? Rechtlich gesehen sind wir eine Genossenschaft geblieben, die derzeit rund 6.700 Mitglieder hat. Durch die Trennung vom Volksbankensektor brauchten wir aber klarerweise einen neuen Namen, der mittransportieren sollte,

„ICH WÜRDE MIR WÜNSCHEN, DASS DIE OST TIROLER EINE POSITIVERE UND VON S TÄ R K E R E M S E L B S T W E R T G E T R A G E N E G R U N D H A LT U N G E N T W I C K E L N U N D D I E S E S J A M M E R N , D A S W I R K U LT I V I E R T H A B E N , H I N T E R U N S L A S S E N .“ H A N S JÖR G M AT T ER S B ER GER

33 was uns ausmacht. Die Berge vor Augen, fiel die Wahl rasch auf den Namen DolomitenBank. Auf unserem Weg in die Selbständigkeit hatten wir viele Hürden zu überwinden und es gab Phasen, in denen wir das Gefühl hatten, gegen Windmühlen zu kämpfen. In einem Zeitungsinterview sind wir das erste Mal mit dem Namen DolomitenBank an die Öffentlichkeit gegangen. Das hat ein Beben verursacht, war aber wichtig, um mit neuer Bewegung wieder Richtung Ziel voranzukommen. Dem Berg wird außerdem in ganz Österreich mit Grundsympathie begegnet. Das haben wir uns auch in der Wort-BildMarke zunutze gemacht. Die Ergänzung Osttirol-Westkärnten dient dazu, unser Marktgebiet zu definieren.

Wo wollen Sie mittelfristig mit der DolomitenBank hin? Die Optimierung unserer Geschäftsprozesse ist eine kontinuierliche Herausforderung. Als eigenständige Bank zeichnen wir uns durch ein gemeinsames Wertefundament und eine gemeinsame Überzeugung aus, die von Mitarbeitern und Eigentümern – wir sind als Genossenschaft organisiert – vollumfänglich mitgetragen werden. Die DolomitenBank ist unsere Bank in unserer Region. Unser Marktgebiet ist damit abgesteckt und umfasst Osttirol, einen

kleinen Teil Südtirols und den Westen von Kärnten bis nach Spittal an der Drau. In der weiteren Entwicklung sehen wir mittelfristig Potenzial für zwei zusätzliche Geschäftsstellen, die noch sinnvoll wären. Davon abgesehen wollen wir uns weiter festigen. Zusätzlich zum Prozess des Selbständigwerdens haben wir zwei kleinere Banken durch Fusionen aufgenommen. Mit einer Bilanzsumme von etwa 550 Millionen Euro sind wir groß genug, um kosteneffizient arbeiten und die Regulatorik bewältigen zu können. Sie sind viel unterwegs und gut vernetzt. Wie nehmen Sie die Entwicklung des Bezirks in den vergangenen Jahren wahr? Ich würde mir wünschen, dass die Osttiroler eine positivere und von stärkerem Selbstwert getragene Grundhaltung entwickeln und dieses Jammern, das wir kultiviert haben, hinter uns lassen. Damit schaden wir uns selbst. Wenn wir von etwas überzeugt sind – und da ziehe ich die Parallele zur DolomitenBank – müssen wir die nächsten Schritte selber gehen. Wir brauchen eine klare Vision, ein gemeinsames Ziel. Wir haben so viel Lebensqualität und Potenzial und es liegt an uns selbst, uns weiterzuentwickeln. Niemand sonst wird diesen Weg an unserer Stelle gehen können.


eco.osttirol

INNOVATION AM LAND LÄUFT ANDERS ALS IN DER STADT Jakob Eder betreibt Innovationsforschung und kennt Osttirol und seine Verhältnisse. Warum es dort viel Potenzial gibt, worin sich Innovation am Land von der urbanen Version unterscheidet und warum Osttirol eine neue, differenziertere Erzählung braucht, erläutert der Wissenschaftler im Interview. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

34

ECO.NOVA: Ländlicher Raum ist nicht gleich ländlicher Raum. Wie würden Sie Osttirol charakterisieren? JAKOB EDER: Osttirol ist ein sehr spannender Bezirk. Einerseits gibt es ungünstige Entwicklungen wie Abwanderung und demographische Alterung. Auch die schlechte Erreichbarkeit und fehlende Urbanität sind ein Problem. Andererseits verfügt der Bezirk über einige innovative Unternehmen, die durch professionelle Einrichtungen wie die Standortagentur INNOS unterstützt werden. Zusätzlich gibt es einige Personen, die sich sehr für eine positive Entwicklung einsetzen. Osttirol ist also eine ländliche Region mit den gängigen Herausforderungen, verfügt aber auch über viel Potenzial.

Was braucht es an Hardware, sprich Infrastruktur, um als abgelegenerer Wirtschaftsstandort mithalten zu können? Eine schnelle Internetverbindung allein führt noch nicht zu Innovation oder einer positiven Beschäftigungsentwicklung – sie ist heutzutage aber Grundbedingung dafür. Das hat nicht zuletzt der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie gezeigt. Betriebsgebiete und günstige Büroflächen können eine Rolle spielen, wenn es in der Region beispielsweise Start-ups gibt, die darauf angewiesen sind. Ebenso sind Unterstützungseinrichtungen wie die genannte Standortagentur INNOS eine Hilfe für junge Unternehmen und KMU, wenn es darum geht, Zugang zu Förderungen, spezialisierten Dienstleistungen, möglichen Kooperationspartnern oder zu neuen Technologien zu erhalten. Was ein Unternehmen aber schlussendlich konkret benötigt, hängt stark von der Branche, der Arbeitsweise und der Größe ab.


Inwiefern unterscheiden sich die Innovationsstrategien in den Zentralräumen von jenen der peripheren Räume? Die Unterschiede sind erstaunlicherweise gering. Innovation wurde in der Forschung und in der Öffentlichkeit bis vor kurzem als weitgehend urbanes Phänomen verstanden. Folglich hat man lange versucht, erfolgreiche Konzepte aus Städten in ländliche Regionen zu exportieren. Ein Beispiel ist der Cluster, also eine hohe Konzentration von thematisch spezialisierten Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern. Ein solcher Cluster lässt sich kaum politisch planen, vor allem in peripheren Lagen siedeln sich oft zu wenige Betriebe und Dienstleister an. Viele Forschungs- oder Gründungszentren am Land bleiben daher hinter den Erwartungen zurück. Neuere Studien zeigen, dass Innovation in ländlichen Regionen anders abläuft als in der Stadt. Die Akteurinnen und Akteure sind sehr divers. Von Start-ups bis zu Großunternehmen, die in den verschiedensten Branchen und Nischen tätig sind, ist alles dabei. Eine thematische Spezialisierung im Sinne eines Clusters ist da oft kontraproduktiv. Ein Schwerpunkt könnte sein, die Betriebe bei der Professionalisierung und der Etablierung überregionaler Kooperationen zu unterstützen.

Wie wichtig sind Innovationen generell für eine positive Regionalentwicklung? Die Schwierigkeit besteht darin, dass Innovation nicht automatisch lokalen Wohlstand bedeutet. Eine neue Entwicklung in der Stadt kann zum Beispiel dazu führen, dass Arbeitsplätze in peripheren Regionen verloren gehen. Zusätzlich sind bei der Verwertung von Innovationen spezialisierte Dienstleister notwendig, die im ländlichen Raum nicht vorhanden sind. Und weil Unternehmen folglich diese Dienstleistungen aus anderen Regionen zukaufen, stärken Innovationen in der Peripherie oft paradoxerweise wieder die Städte. Manche Unternehmen wandern in der Expansionsphase ab oder werden aufgekauft. Es geht also einerseits darum, die Betriebe dabei zu unterstützen, Innovationen hervorzubringen. Andererseits sollte man versuchen, auch den Großteil der Wertschöpfung am ländlichen Standort zu realisieren, um mehr Arbeitsplätze in der Region zu halten. Allerorts sprießen Coworkingspaces, Inkubatoren und dergleichen aus dem Boden. Sind diese Rezepte, die vorwiegend

© D. DUTKOWSKI

eco.osttirol

„ G U T M Ö G L I C H , D A S S D I E PA N D E M I E E I N E E N T W I C K L U N G B E S C H L E U N I G T H AT U N D E S E I N FA C H E R W I R D , D E N W O H N O R T UNABHÄNGIG VON EINEM RÄUMLICH F E S T G E L E G T E N A R B E I T S P L AT Z Z U WÄ H L E N .“ JAKOB EDER

aus den Ballungsräumen stammen, für periphere Räume überhaupt geeignet? Das kommt sehr stark auf die lokalen Unternehmen und ihre Bedürfnisse an. Habe ich einige Start-ups, die günstige Büroflächen oder organisatorische Unterstützung brauchen, kann ein Coworkingspace eine Option sein. Einige ländliche Regionen vermarkten ihre Einrichtungen bewusst als temporären Arbeitsplatz für urbane Unternehmer, die fokussiert arbeiten wollen – ohne städtische Ablenkungen. Dafür gibt es durchaus eine Zielgruppe. Solche Ansätze können in Einzelfällen funktionieren, wenn sie an die ländlichen Gegebenheiten angepasst und geschickt vermarktet sind – es gibt aber keine Garantie dafür. Wie versucht man in Osttirol Innovationsnachteile zu kompensieren? Osttirol baut stark auf vorhandenen Potenzialen auf und versucht diese weiterzuentwickeln. So arbeiten Politik und Unternehmen häufig zusammen, beispielweise beim Campus Lienz, mit dem eine universitäre Mechatro-

nikausbildung in den Bezirk geholt wurde. Auch Breitbandinternet steht den meisten Betrieben zur Verfügung. Viele Unternehmen beschäftigen sich intern damit, wie sie überregionale Kooperationen sicherstellen und ihren zukünftigen Arbeitskräftebedarf decken können. Ländliche Regionen bieten durchaus Vorteile für Innovationen, die Unternehmen nutzen können. Dazu zählen beispielsweise die hohe Loyalität der Belegschaft, ein gewisser Schutz vor Konkurrenz und vor allem für Großunternehmen ein höherer institutioneller Spielraum. Manche Innovationen – beispielsweise in der Landwirtschaft – brauchen das Land gewissermaßen. Eine reine Defizitsichtweise greift hier sicher zu kurz.

Ist in Zeiten verhältnismäßig günstiger Transportkosten und Echtzeit-Kommunikationsinfrastruktur die Bedeutung von Ballungsräumen überhaupt noch so groß wie früher? Das ist in der Tat umstritten. Einige schreiben dem spontanen Austausch, der Diversität und der offenen Kultur in den

35


eco.osttirol

Städten nach wie vor eine wichtige Rolle im Innovationsprozess zu. Allerdings gibt es neuere Untersuchungen, die zeigen, dass Unternehmen sowohl in der Stadt als auch am Land sehr überlegt vorgehen, wenn sie ihre Kooperationspartner auswählen. Vermutlich entstehen viel weniger Innovationen quasi zufällig im urbanen Milieu als angenommen. Die meisten sind das Resultat akribischer und strategischer Planung. Und dafür ist ein ländlicher Standort grundsätzlich kein Nachteil.

36

Welche Rolle spielen die weichen Standortfaktoren? Studien belegen, dass diese Faktoren vor allem jungen Menschen immer wichtiger werden. Manche Unternehmen bewerben folglich die hohe Lebensqualität, die niedrigeren Lebenshaltungskosten, die Freizeitmöglichkeiten und eine staufreie Anreise zum Arbeitsplatz aktiv im Recruiting. Andere setzen etwa auf das Image ihres Standorts und verwenden Werte wie Tradition und Qualität im Marketing, um sich bewusst von Mitbewerbern abzugrenzen.

Wie groß oder klein ist der politische Handlungsspielraum – sowohl bundes-, landes- und lokalpolitisch –, wenn es darum geht, ein günstiges Klima für Innovation zu schaffen? Jede Ebene hat ihre Möglichkeiten. Auf nationaler Ebene geht es häufig um die Rahmenbedingungen und um Ziele, die erreicht werden sollen. Ein verbindlicher Ausbauplan bei der Elektromobilität oder erneuerbaren Energien begünstigt beispielsweise Innovationen in diesen Sektoren, da Unternehmen mit einer steigenden Nachfrage rechnen können. Auf regionaler Ebene geht es meist um individuelle Lösungen. Hier sollte die Politik ein offenes Ohr haben und unter Einbeziehung aller regionalen Stakeholder an einer Lösung arbeiten. Oft geht es aber auch um banale Dinge: IT-Start-ups fühlen sich in ländlichen Regionen, in denen Landwirtschaft und Tourismus die öffentliche Wahrnehmung dominieren, von der Lokalpolitik nicht vertreten. Hier gilt es im Sinne einer diversifizierten Wirtschaft für neue Branchen offen zu sein und diese zu unterstützen. Welche Akteure sind am effektivsten darin, Innovationen anzustoßen? Innovationen sind vielfältig und brauchen das Zusammenspiel von Wirtschaft, Forschung, Zivilgesellschaft und Politik. Unternehmen

„DIE SCHWIERIGKEIT BESTEHT D A R I N , D A S S I N N O VAT I O N N I C H T A U T O M AT I S C H L O K A L E N W O H L S TA N D B E D E U T E T.“ JAKOB EDER

ZUR PERSON Dr. Jakob Eder ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR). Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der räumlichen Innovationsforschung und der Bevölkerungsgeographie. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Fragen der Raumplanung und Raumforschung.

haben natürlich eine besondere Motivation dafür, Innovationen voranzutreiben – schließlich hängt ihr langfristiger Erfolg von der Wettbewerbsfähigkeit der Produkte und Dienstleistungen ab. Sie gehen dabei sehr strategisch vor und arbeiten mit Forschungseinrichtungen zusammen, wenn es notwendig ist. Gewisse Innovationen erfordern aber die universitäre Grundlagenforschung, wie beispielsweise die Entwicklung neuer Medikamente. Soziale Innovationen entstehen oft durch ein spezifisches Problem in einer Region, das gelöst werden muss. Und auch die Politik kann auf neue Rahmenbedingungen mit innovativen Lösungen reagieren. Gibt es eine gesellschaftliche Grundhaltung, die Innovation erleichtert, etwa eine zunehmende Erosion tradierter


GUGGANIG IMMOBILIEN

„V O R A L L E M F Ü R JUNGE FRAUEN IST DAS TR ADITIONELLE ROLLENBILD A M L A N D P R O B L E M AT I S C H , S I E WA N D E R N I N G R Ö S S E R E R Z A H L A B A L S M Ä N N E R .“

IMMOBILIENVERKAUF INNOVATIV, MODERN & DIGITAL

Rollenverständnisse und Familienbilder – Stichwort Kinderbetreuung und Frauenbeschäftigung? Die Forschung zeigt recht eindeutig, dass Diversität und Offenheit Innovationen begünstigen – hier haben Städte einen Vorteil. Vor allem für junge Frauen ist das traditionelle Rollenbild am Land problematisch, sie wandern in größerer Zahl ab als Männer. Unternehmen in ländlichen Regionen müssen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also etwas stärker in diese Richtung motivieren, um eine moderne Innovationskultur im Betrieb aufzubauen, die auch Gleichberechtigung und Diversität berücksichtigt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland können zum Beispiel dabei helfen, sich auf internationalen Märkten zu etablieren. In diesen Punkten haben viele ländliche Regionen in Österreich noch Aufholbedarf. Spielt eine positive Selbstwahrnehmung und damit verbunden auch Außendarstellung eine nennenswerte Rolle? Der ländliche Raum braucht durchaus ein differenzierteres Narrativ, das auch nach außen kommuniziert wird – die rein negative Sichtweise ist überholt. Menschen dort sind genauso kreativ, ihre Innovationen sind jedoch außerhalb der Region oft nur wenig bekannt. Und einige würden gerne einen attraktiven Arbeitsplatz mit der hohen Lebensqualität verbinden, halten aber Landwirtschaft und Tourismus nach wie vor für die einzigen Arbeitgeber. Eine solche Imagekorrektur ist definitiv ein Anknüpfungspunkt.

Lange Jahre war von der Landflucht die Rede. Ist es denkbar, dass auch durch die Coronakrise diese Entwicklungen gebremst werden oder gar zum Erliegen kommen könnten und das Land an Attraktivität gewinnt? Vor allem für junge Menschen sind Städte mit ihren Ausbildungs- und Freizeiteinrichtungen ungebrochen attraktiv. Vieles wird davon abhängen, wie sich die Pandemie langfristig auswirkt und ab wann ein uneingeschränktes urbanes Leben wieder möglich sein wird. Andererseits haben viele während des Lockdowns die Vorzüge des Landlebens erneut kennen und schätzen gelernt und in den Unternehmen gab es durch den Lockdown einen Innovationsschub. Neue Technologien wurden genutzt, um flächendeckendes Homeoffice zu ermöglichen – vor allem im Dienstleistungsbereich. Gut möglich, dass die Pandemie hier eine Entwicklung beschleunigt hat und es einfacher wird, den Wohnort unabhängig von einem räumlich festgelegten Arbeitsplatz zu wählen.

© MARTIN LUGGER

JAKOB EDER

„Ein Zuhause ist mehr als nur ein Ort, es ist ein Gefühl.“

Q

ualität ist besser als Quantität. Das ist die Philosophie von uns. Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt. „Mein Herz brennt für Immobilien. Ich sehe es als meine Aufgabe, für Menschen ein neues und passendes Zuhause zu finden. Denn Häuser sind wie Menschen, sie haben eine Seele und diese gilt es zu finden“, so Gaby Gugganig, Inhaberin von Gugganig Immobilien e. U. Wir nehmen uns die Zeit, zuzuhören, die Essenz dessen zu finden, was der Kunde sucht. Eine sehr angenehme Wohlfühlatmosphäre, eine kompetent-persönliche Beratung und digitale Präsentationslösungen bilden den Rahmen für dieses in Osttirol und Oberkärnten einzigartige Konzept. So sind bei Objekten virtuelle Rundgänge möglich, die bereits einen ersten realistischen Eindruck der Immobilie vermitteln. Zusätzlich können natürlich Besichtigungen vor Ort oder per Videotelefonie gemacht werden. „Gleich ob Sie eine Immobilie kaufen oder verkaufen wollen, unsere Kompetenzen und unsere Leistungen haben uns zu dem Immobilienprofi in Osttirol und Oberkärnten gemacht. Niemand kennt den Immobilienmarkt in der Region Lienz besser als wir. Das gelingt nur durch Vertrauen, Zuverlässigkeit und jahrzehntelange Erfahrung“, betont Gaby Gugganig. PR

GUGGANIG IMMOBILIEN E. U.

Inhaberin: Gaby Gugganig, akad. IM Franchisepartnerin von s REAL Immobilien Johannesplatz 6, 9900 Lienz E-Mail: gaby.gugganig@sreal.at

www.sreal.at | www.immobilien-lienz.com

37


eco.osttirol

WO DIE NATUR IDEEN LIEFERT Michael Eder ist Erfinder in Lienz und verkörpert mit seiner Brainflash Patententwicklungs GmbH das Paradebeispiel für Innovation im peripheren Wirtschaftsraum. Seine Leidenschaft und zweites Standbein: die Falknerei. TEXT: ANDREA ZANIER

M 38

ichael Eder ist Erfinder und Naturmensch. Tatsächlich ist er durch seine Tätigkeit als Falkner und Jagdpächter die meiste Zeit in der Bergwelt Osttirols zu finden. Dass ihm die Natur genügend Impulse liefert, zeigt sich in seinen Patenten, die in der internationalen Lackierindustrie seit über 20 Jahren Anwendung finden. Eders Unternehmen ist auf Lösungen für diese Branche spezialisiert. Schon in den frühen 1990er-Jahren entwickelte Eder gemeinsam mit einem Tischlereibetrieb die Lackrückgewinnungsanlage Relac®, die noch heute in der Fenster- und Möbelindustrie im Einsatz ist und zur Gründung der Brainflash Patententwicklungs GmbH führte. Die Anwendungen in der Lackierindustrie sind komplex, vielfältig und … umweltbelastend. Die Herausforderung der Branche ist unter anderem Lacknebel, der im Lackierprozess unweigerlich am Lackiergut – etwa einem Autoteil oder einer Brille – vorbeisprüht und aufgefangen werden muss. Dieser sogenannte Overspray wurde in Anlagen mit hohem Lackverbrauch hauptsächlich durch Nassauswaschung in Wasserwänden und -becken aufgefangen. Nicht nur ein energieintensiver, sondern durch den Einsatz von Chemikalien auch umweltschädlicher Prozess. 2003 leitet schließlich Eders wichtigstes Patent, das edrizzi®-System, die Disruption dieser Nassauswaschung ein. Die Basis des Systems sind unscheinbare Boxen aus wiederverwertetem Papier, deren Geniestreich sich im Inneren verbirgt: ein ausgeklügeltes, patentiertes Leitsystem. Der Lacknebel wird bei edrizzi® in diesen zu einer Abscheidefläche montierten Kartonboxen aufgenommen. Eine Umstellung der Farbnebelabscheidung von nass auf trocken, von umweltschädlich auf ökologisch(er), von kostenintensiv auf sparsam. Mit edrizzi® ist Lackabfall nicht mehr Sondermüll, sondern in den meisten Fällen als regulärer Hausmüll in der Verbrennungsanlage entsorgbar.

Basis des edrizzi®-Systems sind unscheinbare Boxen aus wiederverwertetem Papier. Lacknebel, der beim Lackieren am Lackiergut vorbeigesprüht wird, wird in diesen Boxen aufgenommen und kann durch ein ausgeklügeltes System in den meisten Fällen als regulärer Hausmüll entsorgt werden.

Mittlerweile unterstützt das edrizzi®-System weltweit zahlreiche oberflächenverarbeitende Betriebe bei der Reduzierung und Vermeidung schadstoffreicher Lackabfälle. Dazu zählen die meisten internationalen Automobilkonzerne wie Rover und Jaguar, McLaren, Daimler, VW, Fiat, BMW und Baumaschinenhersteller wie Liebherr. In 90 Prozent der geplanten Neuanlagen kommt dieses System ebenfalls zum Einsatz. edrizzi® wurde nicht nur zum Synonym, sondern zum Deonym – ein vom Eigennamen abgeleitetes Wort – für Trockenabscheidung in der Lackierindustrie. Brainflash lässt sich aber nicht auf Lösungen für die Lackierindustrie reduzieren,

Michael Eder hat laufend Ideen. Aktuell etwa arbeitet das Team in einem Kooperationsprojekt mit der HTL am Campus Technik Lienz an der Serienreife eines Halsbandes für Weidevieh zur Wolfabwehr. Die Erfolge seiner Patente geben Eder Raum, seine große Leidenschaft auszuleben: die Falknerei. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch seine Falkenzucht mittlerweile internationale Maßstäbe setzt.

VON OSTTIROL IN DIE WELT

Bereits als Jugendlicher hat Eder sich intensiv mit der heimischen Vogel- und Tierwelt auseinandergesetzt und sogar in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum


eco.osttirol

in Wien Kleinsäuger wie Fledermäuse in Tirol und ganz Österreich nachgewiesen. Die Falknerei ist in unseren Breitengraden eine beinahe exzentrische Beschäftigung. Die Jagd mit Greifvögeln, Beizjagd genannt, ist die Leidenschaft des ausgebildeten Falkners und führte ihn zur Zucht. Mit Dolomite Falcons hat sich Eder einen Kindheitstraum erfüllt. Am Rand von Lienz betreibt er seine lizenzierte Aufzucht- und Pflegestation für Greifvögel aus dem gesamten Bezirk. In der Anlage mit besonders artgerechten Volieren befinden sich zwischen 60 und 70 Tiere, darunter edle Zuchtfalken, Adler und Habichte. Für die Zucht der Dolomite Falcons setzt Eder hauptsächlich Wanderund Gerfalken aus der eigenen Zucht ein. Die Falknerei ist eine zeitintensive Beschäftigung. Neben der Betreuung der Jungvögel werden die Falken täglich für die Beizjagd auf einem Feld mit Federspiel trainiert. Diese Dolomite Falcons sind mittlerweile weltweit begehrt und in der Falknerszene bekannt. Die Abnehmer der mehrfach prämierten Greifvögel befinden sich hauptsächlich im arabischen Raum, wo die Beizjagd jahrhundertealte Tradition ist und Falkenrennen sehr populär sind. So gehen, wie die edrizzi®-Boxen, auch die Dolomite Falcons von Lienz aus in alle Welt.

„ M E I N E I N S P I R AT I O N I S T D I E N AT U R . M E I N B E R U F I S T E S , Ü B E R TECHNOLOGISCHE PROBLEMLÖSUNGEN NACHZUDENKEN, UND NACHDENKEN K ANN I C H Ü B E R A L L . E S WA R N I E M E I N A N S AT Z , D A S A M S C H R E I B T I S C H Z U T U N .“ MICHAEL EDER, FALKNER UND ERFINDER

Michael Eder ist nicht nur Erfinder, sondern frönt einer weiteren Leidenschaft: der Falknerei.

39

MÜNCHEN Salzburg Kufstein Innsbruck

Kitzbühel

Lienz KÄRNTEN

SÜDTIROL ADRIA


eco.osttirol

KURZ & BÜNDIG FEINES AUS OSTTIROL

A U S D E R N AT U R Wunderbar sanfte Haarpflege mit natürlichen Inhaltsstoffen: Die Shampoobars von Wurzelstock werden mit viel Liebe in Österreich handgefertigt und bieten für jeden Haar- und Hauttyp die richtige Pflege. Sie sind frei von Parabenen, Silikonen und Plastik und dadurch schonend für uns und die Umwelt. Viele weitere Pflegeprodukte, Wohnaccessoires und Bekleidung aus Naturmaterialien gibt’s im Wurzelstock-Store in der Messinggasse in Lienz und im Onlineshop. www.wurzelstock.com © MARTIN LUGGER

40

MÖBEL WIE GUTER WEIN Diogenes entwirft und fertigt einzigartige Möbelstücke aus originalen Holzfässern. Vom Abbau des alten Weinfasses bis hin zum fertigen Möbelstück begleitet Diogenes die Entwicklung jedes einzelnen Objektes. Sorgfältig ausgewähltes Fassholz erzählt die Geschichte seiner Herkunft und wird in der eigenen Werkstätte zu einzigartigen Einrichtungsobjekten für Weinkeller, individuelle Privaträume und Betriebsund Hoteleinrichtungen. In ihrem Geschäft im weithin sichtbaren Fassl, einer Landmark in Nussdorf-Debant, präsentieren Helmut und Andrea Pramstaller das Besondere an Dekorations- und Einrichtungsobjekten.

www.helmut-pramstaller.at

C R A Z Y, M U LT I F U N K T I O N A L , U N I Q U E Barbara „bobs“ Schusteritsch fertigt in ihrem Modeatelier in Lienz individuelle High Fashion. Die Designerin mixt gekonnt sportliche und urbane Elemente zum mittlerweile wiedererkennbaren bobs-Lifestyle. Neben individuellen Anfertigungen und Innenausstattungen ist das Herz von bobs ihr Eigenlabel, das als limitierte Leisure- und Lifestyle-Kollektion für Damen und Herren im Onlineshop international verfügbar ist. Jedes It-Piece ist handmade in Austria mit Rohstoffen aus Europa und sprüht vor Lebensfreude! shop.bobs.at


© JULIA STALLER

eco.osttirol

HALALI

© JAGDHUND, SWAROVSKI OPTIC

© PROFER&PARTNER, ANDREA ZANIER

Jäger … mehr für die Jagd ist Spezialist für die Komplettausrüstung von Jagd- und Naturerlebnissen. Im stationären Geschäft in der atmosphärischen Messinggasse der oberen Altstadt in Lienz und im Onlineshop listet Jäger rund 5.000 Artikel. Neben einem umfangreichen Optiksortiment (Fernglas, Spektiv, Zieloptik) und Waffen finden sich Waffenersatzteile und Waffenzubehör, Jagdausrüstung und Jagdbekleidung für Naturenthusiasten und Outfits, Ausrüstung, Accessoires und Geschenkartikel in funktionellem, alpinem Lifestyle. www.waffen-jaeger.at

41

ALPINER LIFESTYLE Voll im Trend und zugleich herrlich gemütlich präsentieren sich die vielen verschiedenen Wohnaccessoires von Villgrater Natur. Decken, Kissen und vieles mehr kreieren ein perfektes Wohlfühlklima in Ihrem Zuhause. Gesehen in den Villgrater-Natur-Shops in Lienz, Schwaz, Wien und Innervillgraten.

www.villgraternatur.at

ITALIEN IN LIENZ

Zur Ruhe kommen, entspannen, den Fokus neu ausrichten: Gerade in der momentanen Situation ist es wichtig, auf sich selbst zu achten. Die zu 100 Prozent natürlichen Yogamatten aus Kokos und Schafwolle werden handgefertigt und sind die ideale Unterstützung.

Die Weinphilo ist weit mehr als ein Lokal und Delikatessengeschäft. Alexandra Urso-Tabernig und ihr Mann Mario verbinden hier besondere Genüsse mit inspirierenden Begegnungen. In jedem Detail ist Italien, Geburtsort und zweite Heimat der Besitzer, zu spüren. Gäste schätzen diese Italianità – und die Expertise, mit der die Weinphilo zur ersten Adresse für kompetente Weinberatung in Lienz wurde. Hier finden sich exzellente Weine, Schaumweine, Destillate und italienische Delikatessen, bevorzugt von individuellen, kleinstrukturierten Herstellern – und immer inspirierende Begegnungen.

www.weinphilo.com


KOMMT ZEIT, KOMMT RAD Radfahren ist ein globaler Megatrend. Ex-Radprofi Thomas Rohregger, die Teammanager Thomas Pupp und Gerhard Kapeller (TIROL KTM CYCLING TEAM), Lebensraum-TirolHolding-Geschäftsführer Josef Margreiter und TVB-OsttirolObmann Franz Theurl eint nicht nur die Leidenschaft für den Radsport, sondern auch die tiefe Überzeugung, dass das Fahrrad das Vehikel schlechthin ist, um Tirols Tourismus zusätzlichen Schwung zu verleihen. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

42

Mit seiner Bergwelt ist Tirol ein Paradies für Mountainbiker, der Rennradsport jedoch gilt als Formel 1 des Radfahrens und prägt das Image Tirols als Bikeland stark mit. Schon seit vielen Jahren finden in Osttirol zahlreiche Radsportgroßereignisse statt, die mit ihren Bildern weit über die Grenzen hinausstrahlen.


eco.osttirol

43


eco.osttirol

W

ir sind zu Gast beim TIROL KTM CYCLING TEAM in Innsbruck. Dort, im Zentrum des professionellen Radsports in Tirol, soll über das Radfahren nicht nur als Sport, sondern auch als touristischer Megatrend und dessen Nutzung gesprochen werden. In Osttirol, wo Franz Theurl seit vielen Jahren an der Spitze des Tourismusverbands steht, wurde das schon recht früh erkannt, jedoch nicht immer konsequent umgesetzt. Zur ultimativen Fahrraddestination in und weit über Tirol hinaus zu werden, ist aber naturgemäß kein Sprint, sondern ein Marathon.

44

ECO.NOVA: Was vermag der professionelle Radsport, wie er hier beim TIROL KTM CYCLING TEAM betrieben wird, in einem ausgewiesenen Sportland wie Tirol für den Breitensport und die touristische Außenwirkung zu leisten? JOSEF MARGREITER: Das Image des Sportlandes Tirol wird vom Spitzensport geprägt. Im Winter kennen wir das von Weltcups und Weltmeisterschaften. Beim Skisport ist dieser Zusammenhang allen sehr klar. Der Rennradsport ist die Formel 1 des Radfahrens und prägt am stärksten das Image, auch wenn wir in Tirol aufgrund unseres Wegeangebots und unserer Bergwelt ein Paradies für Mountainbiker sind und in diesem Bereich starke Aushängeschilder haben. THOMAS PUPP: Neben dem Sportlichen sehen wir unsere Aufgabe darin, dieses Radland Tirol als Metapher für das touristische Radangebot im Land international zu transportieren. Wir sind mit unserem Team normalerweise – heuer ist ein Ausnahmejahr – sehr viel international unterwegs, vor allem in den touristischen Kernmärkten Tirols, Deutschland, Italien, Frankreich, Niederlande und so weiter. Der Radsport wird global betrieben und mit dem Tirol-Logo auf der Brust sind wir gute Botschafter. Die Verbindung Spitzensport und Tourismus erkennt man beispielsweise gut bei der Tour of the Alps, die von Tirol, Südtirol und dem Trentino getragen und international im Fernsehen ausgestrahlt wird. FRANZ THEURL: Es muss uns allen – auch in unserem ureigenen Interesse als Touristiker – ein Anliegen sein, dass sich der Spitzensport mit dem TIROL KTM CYCLING TEAM als Kaderschmiede, die über Tirol hinausstrahlt, entsprechend weiterentwickeln kann. Es braucht den Spitzensport,

um zu zeigen, was möglich ist, und den Breitensport, um bei entsprechendem Angebot touristische Wertschöpfung zu generieren.

„DAS IMAGE DES SPORTL ANDES TIROL WIRD VOM SPITZENSPORT G E P R Ä G T.“ JOSEF MARGREITER

„W IR W U R D E N F Ü R VERRÜCKT ERK L Ä R T, A L S W IR D IE S E R A D - W M N A C H T IR O L G E H O LT H A B E N . DER POSITIVE E F F E K T D A R AU S I S T JEDOCH ABSOLUT S P Ü R B A R .“ THOMAS ROHREGGER

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie einen Konnex zwischen dem Thema Fahrrad und der Region Osttirol herstellen müssten? THOMAS PUPP UND THOMAS ROHREGGER: Franz Theurl. MARGREITER: Lienz ist gewissermaßen die geheime Radhauptstadt Österreichs. Mit Franz Theurl verbindet mich sehr viel, darunter die erfolgreiche Umsetzung einer Radstrategie für Osttirol und das gesamte Bundesland. Osttirol war hier Vorreiter.

Radsportgroßereignisse gibt es in Osttirol schon seit vielen Jahren. Wie hat das angefangen und was bringt es in touristischer Hinsicht? THEURL: Angefangen hat das mit der Österreich-Radrundfahrt, die wir seit Anbeginn beherbergen. Die erste Großglockner-Etappe 1949 startete von Lienz aus. Ich selbst habe 30 Etappen aus dem Tourismus heraus begleiten dürfen. Der österreichische Markt ist der zweitstärkste für Osttirols Tourismus und wir haben gesehen, dass wir mit der Radrundfahrt unheimlich viel Aufmerksamkeit erzielen. Mit dem Giro del Trentino und dem Giro d’Italia haben wir zudem die Möglichkeit bekommen, über den Radsport unsere Destination wiederholt im Fernsehen in unseren Zielmärkten zu präsentieren. Das ist, wenn man es genau rechnet, nach wie vor der beste, effektivste und günstigste Weg, Werbewirkung zu erzielen. Allein bei einer Giro-Etappe ist die Destination stundenlang im Fernsehen und die Italiener sehen, dass Osttirol nur einen Steinwurf von Cortina entfernt liegt. So bekommen die italienischen Gäste einen geografischen Zugang. Seit wir bei den Giros dabei waren, ist der Italiener-Anteil im Osttiroler Tourismus von vier Prozent auf immerhin 18 Prozent angewachsen. Der Radsport ist ein sehr gutes Instrument, um Aufmerksamkeit für eine Urlaubsdestination zu erzielen. Der Spitzensport spricht für die Kompetenz eines Sportlandes und ist die beste Kommunikationsschiene. Thomas Rohregger ist dafür als ehemaliger Profi und jetziger Botschafter des Tiroler Radsports und ORF-Experte ein gutes Beispiel und auch Thomas Pupp und Gerhard Kapeller, die sich große Verdienste um den Radsport in Tirol erworben haben und mit viel Leidenschaft arbeiten. In Osttirol haben wir drei Jahre FOTOS: © TIROL WERBUNG / MANFRED JARISCH


eco.osttirol

lang das BORA-Team zu günstigsten Konditionen – ein Bruchteil davon, was das Ötztal jetzt bezahlt – beherbergen können. Dabei haben wir großartige Zugriffszahlen in den sozialen Medien, viel Publicity erzielt und viel Aufmerksamkeit auf unsere Region lenken können. Dennoch wurde das in Osttirol von einigen Touristikern kritisiert. Jetzt haben leider die Ötztaler das Rennen gemacht, und die wissen sicher, was sie tun. MARGREITER: Unsere Strategie, Tirol international als Sommersportland zu positionieren und das über starke Bilder zu vermitteln, ist bereits in vielen Radsportereignissen aufgegangen. Und spätestens mit der WM 2018 – Thomas Pupp war hier der Mann, der diese Bewerbung vorangetrieben hat – hat das jeder verstanden. Ähnlich wie im Wintersport dürfte es klar geworden sein, dass wir in den Spitzensport investieren müssen, um in der Breite erfolgreiche Tourismuswirtschaft betreiben zu können. Da hapert es gerade im Radsport noch sehr, es wird viel zu wenig investiert. ROHREGGER: Wir wurden für verrückt erklärt, als wir diese Rad-WM nach Tirol geholt haben. Der positive Effekt daraus ist absolut spürbar, auch wenn es in Sachen Nachhaltigkeit sicher noch Nachholbedarf gibt. Man sieht täglich auf den Straßen und Wegen im Land, wie viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, und ein Blick auf die Absatzzahlen bei Fahrrädern aller Art zeigt dasselbe Bild. Vor zehn, 15 Jahren war man mit dem Rennrad ein Exot, heute ist es hip. Das ist ein riesiger, international interessanter Markt mit großer Kaufkraft geworden, der von Fahrrädern über Mode bis hin zu Accessoires reicht. Der Radsportler gibt viel Geld aus und generiert viel Wertschöpfung. Touristisch ist es eine Kombination aus Sport und Genuss. Volkswirtschaftlich betrachtet hat die Bewegung auf dem Rad auch positive gesundheitliche Auswirkungen. THEURL: Der Radsport ist in Osttirol notwendig, damit wir uns auch in infrastruktureller Hinsicht weiterentwickeln können. Im Winter haben wir im Vergleich zu Nordtirol in den Skigebieten relativ geringe Frequenzen. Seit es in Lienz die Trails am Hochstein gibt, konnte die Frequenz im Sommer verdreifacht werden. Früher haben wir im Sommer dazugezahlt, jetzt verdienen wir Geld. Das Radwandernetz mit dem Radweg von Italien nach Lienz platzt aus allen Nähten. Wir haben am Tag 5.000 Fahrradfahrer auf der Strecke. Und jetzt kommt die E-Bike-Welle, bestehend aus Einheimischen

und Gästen gleichermaßen, die eine unvorstellbare Dimension eingenommen hat. Den Raum brauchen wir zukünftig vermehrt für die Gäste, die in Osttirol nächtigen, und weniger für die 5.000 Leute, die von Südtirol herunterfahren und wenig mehr zurücklassen als täglich containerweise Müll. Das muss und wird zukünftig anders geregelt werden.

„DER RADSPORT IS T IN OS T TIROL NOT WENDIG, DAMIT WIR UNS AUCH IN INFR AS TRUK TURELLER HINSICHT W E I T E R E N TW I C K E L N KÖ N N E N .“ FRANZ THEURL

„ES GIBT NICHT NUR E-BIKES, MIT DENEN DIE LEUTE IN DEN BERGEN UNTERWEGS SIND, SONDERN AUCH E RENNRÄDER. DAS WIRD DER NÄCHSTE B O O M .“ GERHARD KAPELLER

Inwiefern? THEURL: Wir planen in Osttirol drei Radsportverteilerzentren, jeweils eines in Sillian, Matrei und Lienz. Mit diesen Zentren wollen wir in Zukunft teilweise auch die „last mile“ für unsere Gäste – speziell am Bahnhof Lienz – abdecken. Umgekehrt wollen wir, dass die Hotelbetriebe ihre Gäste zu diesen Verteilerzentren bringen. Von dort aus sollen organisierte und begleitete Tagestouren zu den schönsten Plätzen Osttirols und darüber hinaus angeboten werden. Der Gast muss nicht sein ganzes Equipment mit in den Urlaub nehmen, sondern bekommt ein Fahrrad, wahlweise ein E-Bike, gestellt. Diese Wertschöpfung müssen wir künftig verstärkt auch in Osttirol lukrieren. Derzeit kommen aus Südtirol täglich Tausende Radfahrer mit Leihrädern nach Lienz. Da bleibt nicht allzu viel Wertschöpfung in Osttirol und die Belastungen in den Anrainergemeinden und für die Radwegerhaltung steigen stetig an. Hier gilt es künftig entsprechende Lenkungsmaßnahmen zu ergreifen und den Drauradweg verstärkt auch für Osttiroler Gäste zu nutzen.

Was halten Sie vom E-Bike-Boom und der Entwicklung der Radindustrie, Herr Pupp? PUPP: Wir arbeiten seit 13 Jahren mit KTM zusammen. KTM verkauft mittlerweile 300.000 bis 330.000 Räder pro Jahr. Vor zehn Jahren hat man uns gefragt, was wir vom E-Bike halten, und wir haben zu dieser Zeit diese Entwicklung noch eher belächelt. Damals hat der Hersteller ungefähr 200 E-Bikes verkauft, mittlerweile ist die Produktion bei 180.000 Stück pro Jahr. Mehr als 50 Prozent gehen mittlerweile in die E-Bike-Produktion, und das ist bei anderen Herstellern nicht anders. Für uns in Tirol wird in dem Zusammenhang ein anderer Trend interessant: Die Industrie hat sich für geländegängige Rennräder einen Begriff einfallen lassen, nämlich den des Gravel Bike. Die gab es in der einen oder anderen Form auch schon früher. Tirol liegt auf mehreren Transitachsen. Daher ist es für uns touristisch sehr interessant, dass

45


eco.osttirol

46

immer mehr vor allem junge Menschen mit ihrem Rad verreisen. Folglich ist es sinnvoll, in Radinfrastrukur – vor allem in den Missing Link von Innsbruck bis zum Brenner – zu investieren und die Kombination Zug – Rad zu forcieren, wie es der Franz in Osttirol macht. GERHARD KAPELLER: Grundsätzlich ist es verständlich, dass derart rasante Trends auch irgendwie eingefangen werden müssen. Daher ist es sicher sinnvoll, teilweise stärker auf Qualität und nicht nur auf Quantität zu setzen. Es gibt nicht mehr nur E-Bikes, mit denen die Leute in den Bergen unterwegs sind, sondern auch E-Rennräder. Das wird der nächste Boom. Diese neuen Fahrradtypen brauchen mehr Raum, weil sie teilweise nicht mehr zusammenpassen. Es braucht bessere Infrastruktur, denn es nützt nichts, wenn die ganze Welt Rad fährt, aber die Strukturen dafür nicht vorhanden sind. Gibt es ein Bewusstsein dafür, dass es andere – bessere – Infrastruktur brauchen wird? THEURL: Ja, natürlich. In Osttirol hatten wir bereits 2005 700 Kilometer Wege nach dem Mountainbikemodell Tirol 2.0 verhandelt und für das Bikezentrum Lienz alle Pläne inklusive Finanzierung unter Dach und Fach. Das hat uns die Stadt Lienz damals abgedreht. Dadurch haben wir zwischenzeitlich wertvolle Zeit verloren und dennoch mittlerweile 1.800 Kilometer verhandelte Strecken vorzuweisen. Darüber hinaus wurden Biketrails in Lienz am Hochstein und in Kals am Großglockner errichtet und das Radwegenetz im gesamten Bezirk er-

weitert. PUPP: Was das Radfahren betrifft, waren wir, so wie wir hier sitzen, der Zeit immer einige Jahre voraus. Josef hat immer von einer Großveranstaltung geträumt und wurde dafür auch im Tourismus belächelt, weil niemand das Potenzial des Radsports und vor allem jenes der wirkmächtigen Bilder, die dieser Sport transportieren kann, erkannt hat. Ähnlich verhält es sich beim Ausbau der Infrastruktur für Fahrräder, auch für die Alltagsverkehre. Wenn man sieht, was andere Städte mit dem Fahrrad bewegen – Utrecht ist ein sehr gutes Beispiel –, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Aber das ist ein hochpolitisches Thema und eine Richtungsentscheidung, wohin wir im Verkehr wollen. ROHREGGER: Das ist fast schon ein leidiges Thema. Beim Angebot müssen wir definitiv in Tirol noch unsere Hausaufgaben machen. Radweg ist eben nicht gleich Radweg. Osttirol ist gegenüber Nordtirol ein absoluter Vorreiter, wenn ich mir die Infrastruktur ansehe.

Bei der Infrastruktur geht es nicht nur um Radwege, Bikestrecken, Trails und Verteilerzentren? PUPP: Osttirol hat vieles gut gemacht in der Vergangenheit, aber zur Infrastruktur gehören auch die Hotels. Für viele ist es kein Thema, den geilsten Skikeller zu errichten, doch wenn man dasselbe für einen Fahrradkeller verlangt, spießt es sich. Der Gast hätte für sein teures Fahrrad sicher auch gerne einen sicheren, sauberen und trockenen Platz und möchte es nicht unbedingt in den Heizkeller stellen müssen.

Da braucht es ein anderes Mindset, weil es sich bei dieser Gästeklientel um Menschen handelt, die für ihren Sport viel Geld ausgeben und die es sich in den Hotels gut gehen lassen. THEURL: Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. KAPELLER: Wer das erkennt, wird vom überwiegenden Winteranbieter zu einem Betrieb, der auch im Sommer profitieren kann. In Nordtirol macht man sich über den Sommer immer noch zu wenig Gedanken. Vielleicht ist diese heurige Corona-Situation ein wenig die Initialzündung, dass noch mehr Touristiker die Augen aufmachen und merken, dass es einen Sommer auch gibt und dass dort das Angebot ebenso stimmen muss. THEURL: Die Hoteliers in Osttirol sehen derzeit, dass sich mit den Radfahrern gutes Geld verdienen lässt. Nun liegt es an uns, die entsprechenden Angebote zu machen und Anreize zu setzen. Ich glaube, dass die junge Generation an Hoteliers, die in Osttirol am Ruder ist, das schon gut erkannt hat. MARGREITER: Laut unseren Statistiken nutzen bereits ein Drittel aller Gäste in Tirol das Rad und elf Prozent der Gäste machen expliziten Radurlaub. Das hat sich in den vergangenen Jahren enorm gesteigert. Der touristische E-Bike-Boom beginnt gerade erst. ROHREGGER: Der E-Biker entspricht dem Wanderer. Viele Menschen, die lange nicht Rad gefahren sind, entdecken das Radfahren durch die Motorunterstützung wieder für sich. KAPELLER: Interessant wird auch der mit dem Fahrrad transitierende Gast, der Radwanderer. Diese Leute schlafen erfahrungsgemäß nicht im Zelt. THEURL: Vor zwölf Jahren haben wir in Lienz am Hauptplatz ein Interreg-Projekt Radwandern Toblach – Marburg ausgerufen. Seither fahren täglich 500 Radwanderer durch Lienz, die irgendwo an der Strecke im Lienzer Talboden nächtigen. Durch die E-Bikes wird da noch einmal ein ganz starker Impuls kommen. MARGREITER: Wir haben selbst 2009 erstmals eine Fernfahrt gemacht, und zwar von Tirol nach Venedig. Und dann jedes Jahr wieder eine Radwanderung. Wir haben dabei geschaut, dass wir nicht nur fesch daherkommen und gut radeln, sondern auch gut übernachten und essen. Im Zuge dieser Reisen trifft man auf viele Radlergruppen und alle lassen es sich gut gehen. Wir haben aber insofern mit dem Radfahren ein positives Problem, als dass es enormes Wachstum gibt, das für manche zur Schwierigkeit wird. Es braucht daher Lenkungsmaßnahmen. Die sind aber mach-


eco.osttirol

bar. Dazu fällt mir ein Positivbeispiel ein: In der Gemeinde Brixlegg hat sich der gesamte Gemeinderat aufs Rad gesetzt und ist die Gemeinde abgefahren, um sie einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben und zu erheben, wo es Handlungsbedarf gibt. In Tirol beschäftigen wir uns seit Jahrzehnten fast nur mit dem Auto, mit Straßen, Parkplätzen und Garagen. Dafür wird sehr viel Geld investiert. Mit der gleichen Intensität müssen wir für den Fußgänger und den Radfahrer arbeiten. PUPP: Für den Bau einer Straße ist es, sofern im öffentlichen Interesse gelegen, überhaupt kein Problem, einen Grund zu enteignen. Es braucht eine neue Denke in der Mobilität, bei der das Auto nicht mehr allein an oberster Stelle steht. Die Ballungsräume, die auf neue Formen der Mobilität setzen, haben den Fußgänger und Radfahrer an die erste Stelle gesetzt. KAPELLER: In Innsbruck sind wir diesbezüg-

„ES BR AUCHT EINE NEUE DENKE IN DER M O B I L I TÄT, B E I D E R DAS AUTO NICHT MEHR ALLEIN AN OBERSTER STELLE S T E H T.“ THOMAS PUPP

lich bei der Stunde null angekommen. Das Radfahren ist gefährlich. Das Rad hat mittlerweile einen Stellenwert bekommen, dem die Infrastruktur nicht mehr gerecht wird. ROHREGGER: Rein in Bezug auf die „Hardware“ hat Tirol alles: Berge, eine wunderschöne Landschaft, die Hotelinfrastruktur, die natürlich da und dort adaptiert gehört. Man muss nur dranbleiben und ständig und richtig investieren, so wie man es in Mallorca gemacht hat, das eigentlich früher keine Fahrraddestination war. THEURL: Da fehlt es teils an der politischen Energie, und zwar nicht an der Spitze, sondern in den Orten. Momentan haben wir die Möglichkeit, bis beinahe 100 Prozent der Radwegkosten gefördert zu bekommen. Da ist ein gewaltiges Fenster aufgegangen, das wir nützen müssen. Die Mittel sind da, wir müssen sie gemeinsam mit aktiven Gemeinden, die das als Chance erkennen, abholen.

47

RAUMAUSSTATTUNG GASSLER

SAUBERKEIT MIT SYSTEM Nicht nur zur Langlebigkeit der hochwertigen Stoffe für Vorhänge, Polsterungen, Matratzen und Teppiche seiner Kunden ist Raumausstatter Gassler von der Reinigung mit dem HYLA EST Wasserstaubsauger überzeugt. Er vertreibt das innovative Reinigungssystem österreichweit.

D

FRISCHE LUFT ZUM ATMEN – AUCH FÜR ALLERGIKER

Eine unabhängige Studie bestätigt, dass Raumluft, die durch den HYLA EST strömt, zu 99,9 Prozent von Feinstaub, Gasen, Allergenen, Milben, Bakterien und teilweise Viren gereinigt wird. Ein weiteres Novum beim Reinigungsvorgang: Während des Sau-

HYLA EST hebt Sauberkeit im öffentlichen, gewerblichen und privaten Bereich auf einen völlig neuen, zeitgemäßen Level.

© ADOBE STOCK, HYLA GERMANY GMBH

ie Technologie von HYLA EST basiert auf einem innovativen Wasserfiltersystem. Beim Saugen von Fußböden und textilen Oberflächen werden selbst feinste Staubpartikel, Allergene, Milben und Bakterien aufgenommen und im Wasser absorbiert. Im Gegensatz zur Reinigung mit herkömmlichen Staubsaugern wird der Feinstaub nicht wieder an die Raumluft abgegeben. Das umfangreiche Zubehör ermöglicht professionelle Matratzenreinigung, Abflussreinigung, Polieren und Desinfektion.

gens sorgt das Wasserfiltersystem nicht nur für saubere Luft, sondern auch angenehmen Geruch. HYLA EST aromatisiert die Raumluft mit gewünschten Zusätzen, durch die Zugabe des HYLA Sanitizers wird die Luft zudem desinfiziert.

ROBUSTE LÖSUNG OHNE FOLGEKOSTEN

Beim HYLA-System landet der Schmutz im Wassertank anstatt in Beuteln und Filtern und wird nach jeder Reinigung praktisch im Abfluss entsorgt. Der Kauf von Staubsaugerbeuteln und Filtern entfällt. Durch die hochwertige Verarbeitung in Europa sind alle HYLA-Komponenten langlebig und robust. PR

RAUMAUSSTATTER GASSLER Rechter Iselweg 2a, 9900 Lienz Tel.: 04852/62923 raumausstatter@gassler.at


eco.osttirol

48


eco.osttirol

DEM FLUSS ENTGEGENGEHEN Der Weg ist das Ziel. Das ist kaum irgendwo unmittelbarer erfahrbar als am neu geschaffenen und heuer eröffneten Iseltrail, einem Weitwanderweg, auf dem man dem Lauf eines der letzten frei fließenden Gletscherflüsse der Alpen von der Mündung bis zum Ursprung folgen kann. So erlebt man eine einzigartige Flusslandschaft in all ihren Facetten zwischen Menschenwelt und Wildnis. TEXT: MARIAN KRÖLL

H

erzfluss, Puls des Ursprungs, Lebens- und Hauptschlagader wurde sie schon mit üppigem Pathos geheißen. Weniger pathetisch, aber längst noch nicht nüchtern auch als Erlebnis- und Erholungsfluss bezeichnet: Die Isel, einer der letzten Gletscherflüsse der Alpen, deren natürlicher oder ehrlicher gesagt naturnaher Charakter weitestgehend erhalten geblieben ist. Selbst wenn in der Tourismuswerbung ohnehin der Superlativ die Stammform jeglicher Zustandsbeschreibung ist, so taugt er durchaus, um die Isel zu charakterisieren. Sie prägt die Landschaft und ist als Gletscherfluss jeden Tag eine andere, abhängig von der Tageszeit, dem Wetter und der Jahreszeit. Schön ist sie aber immer. Und urtümlich. Ihre Ufer säumen Örtlichkeiten, die man heutzutage wohl als Kraftplätze bezeichnen würde. Es ist wahr, die Isel lädt einmal zum Nachdenken ein, dann wieder zum Verweilen, und ein Stück weiter zum ehrfurchtsvollen Staunen ob der gewaltigen Kraft des Wassers. Sie ist Faszinosum, Naturschauspiel und Kontemplationshintergrund in einem. Ohne die Isel wäre nichts in der Gegend so, wie es ist. Bislang war die Isel in der Öffentlichkeit eher den Eingeweihten und Naturschützern ein Begriff, um deren Erhaltung als ursprünglicher, fast unverbauter Gletscherfluss lange gerungen wurde. Sinnbildlich für dieses Ringen steht die Deutsche Tamariske. Das Engagement des Naturschutzes hat mit Blick auf den jahrelangen Prozess der Ausweisung als Natura-2000-Schutzgebiet in der Bevölkerung eine Zeit lang durchaus polarisiert. Doch mittlerweile hat man sich damit angefreundet, dieses Flussjuwel nicht länger zu verstecken, ganz im Gegenteil: Mit dem Iseltrail erfolgte der Auftakt, um den FOTOS: © RAMONA WALLNER, MARIAN KRÖLL

Fluss vor den Vorhang zu holen und (Weit-) Wanderern die Gelegenheit zu geben, das Naturschauspiel aus nächster Nähe verfolgen zu können.

PARTNERSCHAFTLICHE ANSTRENGUNG

DER ISELTRAIL Die durchgehend markierte Wanderroute beginnt in Lienz und endet an der Gletscherzunge am Umbalkees im Nationalpark Hohe Tauern. Der Weitwanderweg mit zahlreichen Blickpunkten auf magische Plätze wurde im Sommer 2020 eröffnet. Er nutzt dabei überwiegend bestehende Wege. Alle baulichen Maßnahmen erfolgten behutsam, um die Natur zu schonen. Mit einer Gesamtlänge von 74,19 Kilometern und insgesamt 2.169 Höhenmeter bergauf gliedert sich der Iseltrail in zwölf individuell wählbare Teilstücke, die in fünf Tagesetappen erwandert werden können. Der Iseltrail ist selbst im ständigen Fluss und wird in den kommenden Jahren sukzessive weiterentwickelt. Die Mittel dafür wurden dem TVB Osttirol bereits vom Land Tirol in Aussicht gestellt.

Die Initiative zur Schaffung eines Iseltrails ging vom Tourismusverband Osttirol aus. Bis zur Realisierung wurde mehr als drei Jahre lang an der Umsetzung des Projekts gearbeitet, für das es viele Stakeholder ins Boot zu holen galt. „Es ist in diesem Zusammenhang sicher als Glücksfall zu bezeichnen, dass wir von Anbeginn ideale Partner für unser Ansinnen vorgefunden haben“, lobt TVB-Obmann Franz Theurl die Zusammenarbeit. So stammte das erste Umsetzungskonzept aus der Feder des in Osttirol ansässigen Unternehmens Revital, dessen Steckenpferd die Integrative Naturraumplanung ist. Das Revital-Konzept legte zum einen die Wegeführung fest, zum anderen die Gestaltung besonderer Plätze entlang der Isel. Im Zuge dessen begutachteten die Experten des Unternehmens auch diverse Problemstellungen hinsichtlich der Geologie, Naturgefahren, Naturschutz und Bautechnik vor Ort und lieferten so Grundlagen für die Genehmigungen. Zudem hat Revital Landmarks wie die Zielpyramide am Umbalkees geplant. Mit an Bord waren auch Walter Hopfgartner als Leiter des Fachbereichs Wasserwirtschaft im Baubezirksamt Lienz sowie Wolfgang Retter, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Isel verdient gemacht hat und unter anderem Träger des Konrad-Lorenz-Preises ist. Retter ist außerdem der Spiritus Rector des bereits 1976 verwirklichten Wasserschaupfads Umbalfälle, der nunmehr Bestandteil des Iseltrails ist. Im Zuge der Er-

49


eco.osttirol

durchgehend frei fließender Fluss mit einem besonderen Charakter ist. Das gibt es fast nirgendwo mehr in den Alpen.“ Matthias Schickhofer hat zwar schon viel von der Welt gesehen, gerät aber ob der vielfältigen Landschaften am Iseltrail dennoch ins Schwärmen, wenn er einige Highlights aufzählt: „Die Iselauen und Insellandschaften bei Oberlienz, die brüllenden Feldner Katarakte, die versteckte Waldschlucht bei Virgen, der grandiose ‚Grand Canyon‘ zwischen Welzelach und Bobojach, der ‚Regenbogenwasserfall‘ in der Gloschlucht bei Prägraten, natürlich die Umbalfälle und die weite Hochgebirgstundra im Vorfeld des Umbalgletschers im Nationalpark.“

EMOTIONALE BEZIEHUNGEN

50

„W E R D E N I S E LT R A I L B E G E H T, K A N N DIESE NIEMAL S GEBROCHENE FLUSS P E R S Ö N L I C H K E I T E R FA H R E N U N D INTENSIV MIT ALLEN SINNEN AUFNEHMEN. E S IS T SCHON SEHR BEEINDRUCKEND, F Ü N F TA G E A N E I N E M U N G E B Ä N D I G T E N G E B I R G S F L U S S E N T L A N G Z U WA N D E R N .“ M AT T HI A S S C HIC K HOF ER

öffnung des Weitwanderwegs bezeichnete Retter den Iseltrail als „letzten großen Stein in der Schutzmauer um die Isel“. Naturgemäß, möchte man fast sagen, stieß das Projekt auch beim Nationalpark Hohe Tauern auf positive Resonanz und Unterstützung. Das Umsetzungskonzept von Revital fußte wiederum auf einer Idee des Landschaftsfotografen, Journalisten, Umweltaktivisten und -strategen Matthias Schickhofer, der die Strecke erwandert, eindrücklich erlebt und fotografiert hat.

FLUSS MIT PERSÖNLICHKEIT

Matthias Schickhofer zeigte sich von der Unterstützung, die dem Projekt zuteilwurde, durchwegs positiv überrascht und hofft nun im Interesse der Region, dass man an einem gemeinsamen Strang zieht. „Die Isel ist meist nicht weit weg von besiedelten Gebieten und intensiv genutzter Landschaft. Der wilde Fluss ist aber eine andere Welt. Ein schmales Band mit einer mitunter sehr wilden Flusslandschaft, wo wir Menschen kaum präsent sind und die wir oft kaum kennen. Ich bin im Zuge meiner Erkundungen für

den Iseltrail oft einfach ohne Weg am wilden Fluss entlanggegangen und bin in weglose Schluchten geklettert. Da gibt es wirklich sehr eindrucksvolle Naturlandschaften, die sogar bei vielen Einheimischen unbekannt sind: nicht einsehbare Wasserfälle, moosige Schluchtwälder, weite Schotterbänke, wuchtige Felsformationen. Da wir diese wilden Orte so wenig wie möglich stören wollen, werden nur einige wenige Stichwege und Holzplattformen einen beschränkten Zugang bieten“, so Schickhofer über seinen persönlichen Zugang zur Isel. Und der Experte sieht durchaus Alleinstellungsmerkmale für den Iseltrail: „Die Isel darf von der Quelle im Nationalpark Hohe Tauern bis zur Mündung in Lienz frei fließen. Wer den Iseltrail begeht, kann diese niemals gebrochene Flusspersönlichkeit erfahren und intensiv mit allen Sinnen aufnehmen. Es ist schon sehr beeindruckend, fünf Tage an einem ungebändigten Gebirgsfluss entlangzuwandern. Die tosende, angeschwollene Isel an einem Sommerabend zu erleben, ist sehr speziell – egal, ob bei den Umbalfällen oder beim Grand Hotel im Zentrum von Lienz. Die Isel fasziniert so sehr, weil sie ein

Die Isel in ihrem abwechslungsreichen Lauf ist nicht nur für Gäste sehens- und erfahrenswert, auch viele Einheimische haben eine emotionale Beziehung zu ihr, die teils ambivalent ist. „Sie ist einfach da, hörbar, sichtbar“, sagt Schickhofer. Einerseits sei sie die Lebensader des Landes, andererseits eine Gefahrenquelle, etwa bei Hochwasser. „Ich habe aber auch gespürt, dass viele Menschen durchaus eine sentimentale Beziehung zum Fluss haben, selbst wenn sie nicht oft darüber sprechen. Ein Bürgermeister etwa hat mir erzählt, dass er in seiner Kindheit viel in den wilden Iselauen herumgestreift ist. Diese Auen gibt es alle nicht mehr, wegen der Hochwasserschutzmaßnahmen. Die heutigen – sekundären – Auen wären nur ein Abklatsch der damaligen Wildnis, sagte er zu mir“, erzählt der Umweltstratege. Wenn bereits der „Abklatsch“ so schön ist, wie wildromantisch muss dann erst das Original gewesen sein? Nun ist die Isel ein Naturschutzgebiet, das auf dem Iseltrail unmittelbar erfahren werden kann. Das entspricht eindeutig dem Zeitgeist, wie auch Schickhofer weiß: „Osttirol hat mit seiner Naturnähe und der vergleichsweise unberührten Landschaft eindeutig einen Vorsprung gegenüber stärker verbauten Gebieten. Weil: immer mehr Menschen sehnen sich nach Entspannung, Schönheit und Ursprünglichkeit, Sicherheit und Gesundheit, Individualität. Und: Osttirol und der Iseltrail bieten all das.“ Die Isel ist, so viel steht fest, jedenfalls ein Urquell der Freude, und mit der Schaffung des Iseltrails auch für immer mehr Menschen der Inspiration und Kontemplation und nicht zuletzt – banaler, aber gerade für Einheimische mindestens gleich wertvoll – ein wunderbarer Naherholungsraum.


VILLGRATER NATUR

51

DAS BESTE AUS SCHAFWOLLE Villgrater Natur Produkte aus Innervillgraten steht seit über 30 Jahren für die nachhaltige Verarbeitung von heimischer Schafwolle. TEXT: ANDREA ZANIER

D

urch die wohlige Haptik, die feuchtigkeits- und temperaturregulierenden Eigenschaften der Schafwolle und ihre ausgezeichneten Isolierwerte bietet sich der Rohstoff geradezu an, in Bettwaren und Dämmstoffen veredelt zu werden. Die Produktpalette von Villgrater Natur reicht dabei von Isolationsmaterialien für den Hausbau über Wohn- und Dekorationsaccessoires bis hin zu hochwertigsten Bettwaren inklusive orthopädischer Schlafsysteme, Naturmatratzen und Zubehör. Die alpine Tradition wird so zum zeitgeistigen Lebensstil. Villgrater Natur verarbeitet dafür nicht nur die Wolle der eigenen Tiroler Bergschafe am Biobauernhof hoch über Innervillgraten, sondern die Wolle von 75.000 Schafen aus ganz Österreich. Gesunde, authentische Produkte können nur in einem ebensolchen Umfeld entstehen.

Die Grundeinstellung von Villgrater Natur ist in jedem einzelnen Produkt spürbar und bringt natürliches, sinnliches Wohlgefühl und Entspannung in jeden Wohnraum. Das Sortiment für gesunden Schlaf und natürliches Wohnen wird ausschließlich aus regionalen und natürlichen Rohstoffen in sorgfältiger Handarbeit hergestellt: Schafschurwollfilz, Naturkautschuk, Kokos, Lavendel, Kräuterzugaben und Zirbenholz. Sogar Lanolin wird zu Seifen und Kosmetikprodukten veredelt. Bei aller Tradition ist der Familienbetrieb innovativen Impulsen, die sich in die Firmenphilosophie einfügen, stets aufgeschlossen: Aktuell entwickelte Betriebsnachfolgerin Rebecca Schett eine Yoga-Kollektion und die nächsten Produkte stehen bereits in den Startlöchern. Neben dem Stammhaus in Innervillgraten betreibt Villgrater Natur mittlerweile

drei Conceptstores in Lienz, Schwaz und Wien. Diese präsentieren sich modern, zugleich aber mit heimeliger Atmosphäre und herrlichem Dufterlebnis. Das Team von Villgrater Natur berät Sie hinsichtlich Ihrer Wünsche und Bedürfnisse und hilft Ihnen das perfekte Produkt für ein perfektes Schlaf- und Wohlfühlklima zu finden. PR

VILLGRATER NATUR PRODUKTE Innervillgraten 116 9932 Innervillgraten Tel.: 04843/55 20 office@villgraternatur.at

www.villgraternatur.at

Weitere Stores in Lienz, Wien und Schwaz!


eco.osttirol

KULTURSCHATZKAMMER Das Tiroler Photoarchiv – kurz TAP – ist ein Ort der kollektiven visuellen Erinnerung, ein kleines, feines, stetig wachsendes historisch-kulturelles Gedächtnis. Zu verdanken ist das dem Lichtbild, das seit bald 200 Jahren kleine Ausschnitte der Welt für die Nachwelt festhält. TEXT: MARIAN KRÖLL

52

Historiker Martin Kofler leitet das in Lienz und Bruneck angesiedelte Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP), das 2011 aus einem EU-Interreg-IV-Projekt hervorgegangen ist.

M

it dem Umstieg von analog auf digital und den sozialen Medien ist die Bilderflut exponentiell angewachsen. Für Selfies und die Myriaden an Fotos, die in den sozialen Medien grassieren, ist das TAP einstweilen nicht zuständig. Davor gilt es noch, sorgsam komponierte Aufnahmen und vermeintlich weniger wertvolle Schnappschüsse aus vielen Jahrzehnten zu digitalisieren und – keine ganz einfache Aufgabe – mit passenden Schlagworten zu versehen, sodass sie in der digitalen Datenbank des TAP leicht wiedergefunden werden können. Dabei verlässt man sich nicht etwa auf die

schwer greifbare „Cloud“, die Hardware, die Serverstruktur ist physisch in Lienz redundant vorhanden.

SEITENWECHSEL

Mittlerweile hat sich ein beachtlicher Bestand von jenseits der 600.000 Fotos angehäuft, von denen bislang rund 120.000 digitalisiert wurden. Das Archiv in Lienz ist in einer umgenutzten Wohnung aus den 1950er-Jahren untergebracht, was den nostalgischen Charme der alten Fotografien noch einmal würdig rahmt. An Martin Koflers erstem Arbeitstag im TAP gab es bis auf das Projektgeld … nichts. „Keine

Hardware, keine Software, keine Website, kein Personal“, so Kofler. Das hat sich durch die Mithilfe der Stadt Lienz und der Firma Durst, in deren Gebäude Kofler anfangs sofort ein Büro zur Verfügung gestellt wurde, rasch geändert. Der Historiker kannte gängige Fotoarchive aus der Nutzerperspektive und hat quasi die Seiten gewechselt und selbst ein Archiv aufgesetzt, das nicht nur kontinuierlich befüllt, sondern auch weiterentwickelt wird. „Ausschlaggebend für die Gründung des TAP war, dass es noch kein gemeinsames Fotoarchiv für Tirol und Südtirol gegeben hat“, sagt Kofler. Das Tiroler Landesmuseum mit


eco.osttirol

Pionierartige Aufnahme: Bergsteigergruppe vor dem Großglockner, um 1880; Fotograf: Johann Unterrainer; Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP

seinen riesigen Fotobeständen vergleicht er mit einem großen Tanker, das TAP mit einem Schnellboot, das anfangs „den überschaubaren Raum Osttirol und das Südtiroler Pustertal intensivst besammelt und die Funde präsentiert hat“. Konkurrenz ist das TAP nicht, sondern ein Zusatzangebot bzw. mittlerweile ein Kompetenzzentrum für historische Fotografie. Die Funde werden bei Ausstellungen, im Netz und über diverse Publikationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nachdem das Archiv in den ersten Bestandsjahren mit seinen Strukturen stand, ging man im TAP dazu über, sich auch intensiv der Entwicklung von Leitlinien für den Umgang mit historischen Fotos zu widmen. Vom angesammelten und unter anderem in Buchform komprimierten und im Rahmen von Workshops sowie einem E-Learning-Kurs weitergereichten Wissen – innerhalb des EU-Interreg-V-Projekts „Lichtbild“ 2017 bis 2019, mit Partner(archive)n in Bruneck, Bozen und Innsbruck – dürften nicht nur Dorfchronisten im Wirkungskreis des TAP profitieren. Somit werden die unzähligen zum Lichtbild geronnenen Momente der Vergangenheit nicht verloren gehen. Wie man sich denken kann, ist ein Fotoarchiv kein schlechter Platz für einen Historiker, denn in der Geschichtswissenschaft wurde die Fotografie vor einigen Jahrzehnten als zentrale Quelle erkannt. „Visual History“ heißt der dazugehörige Fachbegriff und Forschungszweig. „Man spricht nicht zu Unrecht vom Kulturschatz Fotografie“,

Wo heute Seilbahn und „Osttirodler“ sind: Schispringen anno dazumal am Lienzer Hochstein, um 1955 Fotograf: Alois Baptist; Sammlung Foto Baptist – TAP

D A S TA P I S T E I N ( B I L D -) GEDÄCHTNISSPEICHER UND FOTOKO M P E T E N Z Z E N T R U M M I T WEITERBILDUNGSMASSNAHMEN, BEI DEM D I E L Ü C K E N G A N Z I M G E G E N S AT Z Z U M MENSCHEN MIT FORTSCHREITENDEM A LT E R I M M E R K L E I N E R W E R D E N . F Ü R A H A ERLEBNISSE UND EINEN FRISCHEN BLICK AUF DIE VERGANGENHEIT IST DURCH DIESE I N S T I T U T I O N A U C H I N Z U K U N F T G E S O R G T.

sagt Kofler und weist auf das Nebeneinander von Schrift- und Bildgedächtnis hin. Tatsächlich gibt es gewissermaßen „ikonographische“ Aufnahmen, die fast jeder kennt und die sich im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verstetigt haben: Che Guevara, Tank Man am Tiananmen-Platz, die brennenden Türme des 9/11. „Das sind unglaublich eindringliche Fotos. Und solche gibt es für Tirol und Südtirol durchaus auch“, sagt der Historiker. Nur vom Bekanntheitsgrad her eben eine Nummer kleiner. Kofler appelliert zudem eindringlich an die Menschen, alte Fotos nicht etwa wegzuwerfen, sondern sie dem TAP (bzw. dem Archiv vor Ort) zur Verfügung zu stellen, damit sich erstens ein nicht notwendiger Bildgedächtnisverlust vermeiden lässt und zweitens aus vielen einzelnen Bildern ein vollständigeres Bild

der geschichtlichen Wirklichkeit ergeben kann. Im Archiv befinden sich auch Fotos, die man dort eigentlich nicht vermuten würde. Zum Beispiel aus den Fotobeständen der Alpinen Gesellschaft Alpenraute Lienz, die in ihrer langen Geschichte viele starke Alpinisten hervorgebracht hat. „Da haben wir unter anderem beeindruckende Fotos von diversen Himalaya-Expeditionen.“

TIPP Wer nach einem bestimmten Foto oder Motiv sucht, kann übrigens eine konkrete Anfrage an das TAP richten (m.kofler@tiroler-photoarchiv.at), das danach akribisch die Bestände durchforstet. Die Resultate können bei Bedarf als Scan gegen ein geringes Entgelt erworben werden.

53


eco.osttirol

54

ÜBERHOLEN AUF DER KULTURSPUR Manfred Hainzl leitet das Museum Aguntum und das Osttiroler Kulturnetzwerk Kulturspur. Was dem Neo-Osttiroler zur hiesigen Kulturlandschaft einfällt, verrät er im Interview. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Was hat die kulturelle Landschaft im Bezirk Lienz zu bieten? MANFRED HAINZL: Ein Urteil dazu steht mir nicht ganz zu, denn ich lebe erst seit zwei Jahren in Osttirol. Was einem aber rasch auffällt, ist das vielfältige und bunte Angebot in der Stadt Lienz, ob es in den anderen Gemeinden auch so ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Was mir persönlich etwas abgeht, das sind zeitgenössische Kunsteinrichtungen oder ein modernes Musikfestival, wie es fast überall in Österreich zu finden ist. Dies täte der Region auf jeden Fall gut und das Publikum ist sicherlich vorhanden. Warum hat es bereits den alten Römern augenscheinlich hier gefallen? Den Römern hat es meiner Meinung nach im Li-

enzer Talboden vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ganz gut gefallen: Zunächst ist der Lienzer Talboden ein guter Ort für alle möglichen Verkehrsverbindungen in den Süden, Osten und Norden. Aguntum war ein guter Standort, um Handelsbeziehungen in alle Richtungen aufbauen zu können – nicht nur für die Römer. Ein sehr wichtiges Handelsgut war das weithin bekannte norische Eisen – ferrum noricum – mit seinem hohen Gehalt an Mangan. Das benötigte man für die Fertigung der Waffen. Was sind die Ziele des 2017 geschaffenen Kulturnetzwerks Kulturspur? Der Verein „Osttiroler Kulturspur – Kulturnetzwerk“ ist eine Interessengemeinschaft und Serviceeinrichtung, Bildungs- und Veranstaltungs-

plattform für Osttiroler Kultureinrichtungen mit Ausstellungscharakter wie Museen, Freilichtmuseen, Ausstellungshäuser, Schauräume, Kulturdenkmäler, Burgen und Schlösser. Das Kulturnetzwerk bietet Mitgliedern Basisberatung bei Neu- oder Umgestaltungen von Ausstellungen und Museen, Unterstützung im Bereich der Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Betreuung von Weiterbildungsmaßnahmen und wir präsentieren die Osttiroler Museumslandschaft im Internet. Unsere Ziele sind, den vielfältigen kulturellen Reichtum von Osttirol, der besonders in seinen Museen gesammelt, erforscht, bewahrt, ausgestellt und vermittelt wird, zu erhalten und die Mitarbeiter auf allen Arbeitsfeldern der Museums- und Kulturarbeit zu unterstützen, um die wissenschaftlichen,


eco.osttirol

künstlerischen und kulturellen Qualitäten der Einrichtungen zu stärken. Wenn es darum geht, Osttirol touristisch zu vermarkten, dominiert in der Außendarstellung die Natur. Gibt es bei der Bewerbung kultureller Angebote in der Tourismuswerbung noch Luft nach oben? Es gibt immer Luft nach oben, gerade in dynamischen und herausfordernden Zeiten sind Wissenschaft und Kultur mehr denn je nötig, aber es benötigt natürlich alles seine Zeit, um Programme zu entwickeln, Mitarbeiter auszubilden, Marketingmaßnahmen zu setzen. Und wie gesagt: Ein zeitgenössischer Schwerpunkt in Richtung Musik, bildender und darstellender Kunst täte Osttirol, den Einwohnern und seinen Besuchern sicherlich gut und wäre für alle ein Gewinn. Was hat sich durch die Coronakrise in der Kulturvermittlung geändert und wie reagieren Sie darauf? Die Kulturvermittlung ist wie alles Geschehen in der Öffentlichkeit den Vorgaben der Behörden und Politik ausgesetzt. Selbstverständlich müssen auch Museen alle Hygienevorschriften einhalten, abgesehen davon, dass weniger Besucher zu verzeichnen sind. Am Rück-

„GER ADE IN DYNAMIS CHEN UND HER AUSFORDERNDEN ZEITEN SIND W I S S E N S C H A F T U N D K U LT U R M E H R D E N N J E N Ö T I G .“ MANFRED HAINZL

gang des Tourismus leiden besonders die Kulturbetriebe. In welchen Kultureinrichtungen sehen Sie das größte Potenzial für die Zukunft? Ein großes Potential sehe ich in der Entwicklung eines völlig neuen und modernen „Museums der Berge“, das sich mit der alpinen Bergwelt in seiner Ganzheit auseinandersetzt: Von der Auffaltung der Alpen in prähistorischen Zeiten, der Besiedelung dieses Raumes, der

Herausbildung der traditionellen Alpenlandschaft im Mittelalter, der Geschichte des Alpinismus, der Technik des Bergsteigens und des Hüttenwesens, den sozialen und kulturellen Bräuchen der Bevölkerung bis zu Gegenwart und Zukunft der Alpen, dem Klimawandel, der Ökologie, neuen Formen des Tourismus und des Lebens in diesem Raum. Ein solches Museum gibt es noch nicht, es wäre ein Ort von den Bewohnern und für die Bewohner der Berge und alle, die sie besuchen.

making places protecting you

mg

interior

einrichten in der a l t e n f a b r ik möbel

licht

küchen

planung

usm.com Haller Straße 43 | 6020 Innsbruck | Tel +43(0)512/206068 | office@mg-interior.com | www.mg-interior.com

tischlerei

mg-interior_distinctive_180x122_08.10.2020.indd mg-interior_protecting_180x122_08.10.2020.indd 1

08.10.2020 17:38:34

55


eco.osttirol

DIE KÖNIGIN IST WIEDERERWACHT Einst stolze Burg, dann Ruine. Nun erstrahlt die Burg Heinfels in neuem Glanz und soll zum Mittelpunkt des öffentlichen, touristischen und kulturellen Lebens im Hochpustertal werden.

W 56

eithin sichtbar auf einem Felsen im Hochpustertal wurde 1210 der höchste Turm der Burg Heinfels erbaut. Sie war im Besitz der Grafen Görz, des späteren Kaisers Maximilian I. von Habsburg und wurde in den Bauernkriegen von den eigenen Untertanen erstürmt und besetzt. Zu Fall brachte den herrschaftlichen Bau jedoch nicht der äußere Feind, sondern Zwecklosigkeit und Leerstand der ehrwürdigen Mauern. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stürzte die Kernburg ein und Heinfels verkam zur Ruine. Durch sorgfältige Renovierung von 2016 bis 2020 steht sie nun in neuer Pracht der Öffentlichkeit zur Verfügung. Revitalisiert wurde sie von Familie Loacker, die beim Kauf der Burg 2007 ihrer Unternehmensphilosophie mehr als kommerziellen Interessen folgte. Zu den Werten des Waffelherstellers Loacker gehört, „etwas zurückzugeben“, in der Region verwurzelt sein, sich einbringen und etwas zu erhalten. Nachhaltigkeit nicht nur als Floskel leben. Die Burg soll folglich zum Mittelpunkt des öffentlichen, touristischen und vor allem kulturellen Lebens im Hochpustertal werden. Loacker erwarb die Burg in Abstimmung mit den Gemeinden Heinfels und Sillian. Der erste, dringende Schritt war die nachhaltige Grundsanierung, um einen weiteren Verfall zu verhindern. Verantwortlich für die Arbeiten von 2016 bis 2020 waren das Unternehmen Loacker und der Museumsverein Burg Heinfels gemeinsam. Ziel war und ist eine gemischte öffentliche und gastronomische Nutzung. Dieser Verein betreibt über einen achtzigjährigen Nutzungsvertrag den musealen Teil. Loacker selbst verantwortet die Gastronomie, von der die bereits aktive Burgschenke einen ersten Schritt darstellt.

WEITHIN SICHTBAR UND MIT LEBEN ERFÜLLT

Der Burg wird stufenweise und behutsam mehr Leben eingehaucht. Bei der Renovie-

© MUSEUMSVEREIN/PETER LEITER & ALEXANDER ZEIDLER

TEXT: ANDREA ZANIER

Die 1280 erbaute Kapelle mit Fresken von Leonhard von Brixen, Lehrer von Simon von Taisten, erhielt im Rahmen der Sanierung eine außergewöhnliche Gestalt nach Entwurf und Planung von Architekt Gerhard Mitterberger.

rung steht immer der Respekt vor dem Bauwerk und seiner Geschichte im Vordergrund. In Zukunft sollen auch der Westtrakt mit Gewölbekeller und der Rittersaal gastronomisch genutzt und die beiden Stockwerke darüber zu einmaligen Nächtigungsmöglichkeiten in historischem Gemäuer werden. Infrastrukturen, die zum Betrieb der Gastronomie nötig sind, werden zum Schutz des historischen Bestands im Neubau an der Nordseite der Burg angesiedelt sein. Auch der museale Teil wird sich weiterentwickeln, im stetigen Wandel Geschichte und Geschichten erzählen.

IMPULS FÜR DIE GESAMTE REGION Auch der Museumsverein ist in Veränderung. Aktuell bestehend aus den Gemeinden Heinfels, Sillian, Außervillgraten, Innervillgraten, Kartitsch, Untertilliach, Obertilliach, Abfaltersbach und Strassen sowie der Firma Loacker, soll eine möglichst breite überregionale Mitgliederbasis aus Kultur, Wirtschaft und Tourismus, Politik und öffentlichen Körperschaften als Mitglieder gewonnen werden. Die Tätigkeit des Vereines ist gemeinnützig auf ideelle Zwecke ausgerichtet. Die Burg verleiht der Region neue kulturelle, wirtschaftliche und soziale Dynamik.


WINKLER HOTELS

STADT UND LAND © MARTIN LUGGER

Im Moarhof mit vier Sternen und im Dolomitenhof mit drei Sternen werden alpine Gemütlichkeit, persönlicher Service und ausgezeichnete Küche mit regionalem Genuss großgeschrieben. Beide persönlich und familiengeführten Häuser legen viel Wert darauf, Gästen bleibende Momente in der wertvollsten Zeit im Jahr zu schenken.

57

D

ie Region Lienzer Dolomiten vereint die Reize der charmanten, lebhaften Stadt Lienz mit der unberührten Natur- und Kulturlandschaft sowie der Möglichkeit zu unzähligen Outdoor-Aktivitäten. Der Moarhof der Familie Winkler verfügt dabei über eine einzigartige Lage: Ein Stadthotel mitten in der Lienzer Dolomitenregion, unweit zahlreicher Sportmöglichkeiten wie den beiden Skigebieten der Sonnenstadt Lienz. Viel Platz finden die Gäste im weitläufigen Garten, der Terrasse mit Schwimmbad und dem „Alpinarium“, dem Wellnessbereich des Hauses. Somit bietet der Moarhof alle Annehmlichkeiten eines Top-Stadthotels – Bergpanorama und viel Platz inklusive. Feinschmecker kommen im „Stüberl“ – dem Restaurant des Hauses – und der eleganten und legendären Bar „Pepo’s“ von Hotelier Pepo Winkler auf ihre Kosten. Der Dolomitenhof im ruhigen Tristach, nur drei Kilometer von Lienz entfernt, indes ist der optimale Ausgangspunkt für sportliche Aktivitäten in der Naturarena Osttirol. Das atmosphärische Landhotel wurde 2018 stilvoll renoviert. Neben neuen Zimmern und dem gemütlichen Restaurant über mehrere Stuben bauten Romana und Thomas Wink-

ler einen völlig neuen Wellnessbereich im dritten Stock mit atemberaubendem Blick auf die Lienzer Dolomiten. Sie nennen das Spa liebevoll „Wohnzimmerwellness“, denn Gäste sollen sich darin fühlen wie in ihrem privaten Wellnessbereich. Egal ob nach einer Wanderung in der wunderbaren Natur oder an einem Regentag: Im Spa finden Gäste in der finnischen Sauna, der Dampf-Aroma-Sauna oder in der Infrarotkabine die nötige Regeneration. Vom großzügigen Balkon, der Terrasse oder dem weitläufigen Garten mit Kinderspielplatz eröffnet sich Gästen in den Abendstunden das umwerfende „Dolomitenkino“ – der spektakuläre Sonnenuntergang im Laserz-Massiv der Dolomiten. Familie Winkler verwöhnt Gäste auf Wunsch in beiden Hotels mit Urlaubstipps und Aktivprogramm und das 365 Tage im Jahr. Denn Osttirol ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Nach der Wintersaison starten im April bereits die Golfer im Golfclub Dolomitengolf und die Radler am Drauradweg in ihr Element, im Sommer zeigen Helga und Thomas Winkler ihren Hotelgästen als ausgebildete Wanderführer die schönsten Plätze und Hütten der Osttiroler Bergwelt und des Nationalparks Hohe Tauern. Als Part-

nerhotels des nahe gelegenen Golfclubs Lienzer Dolomiten erhalten Gäste 30 Prozent Ermäßigung auf das Greenfee sowie tolle Golfpakete. Im Winter sind wöchentliche Schneeschuhwanderungen und Transfer zu den nahen Skigebieten inkludiert und garantieren einen entspannten Urlaub. Das i-Tüpfelchen bildet der Herbst. Der goldene Herbst in Osttirol ist die schönste Zeit für Wanderungen und Gipfelstürmer. PR

FERIENHOTEL MOARHOF Moarfeldweg 19 9900 Lienz Tel.: 04852/67 067 info@hotel-moarhof.at

www.hotel-moarhof.at

DER DOLOMITENHOF TRISTACH Dorfstraße 34 9907 Tristach Tel.: 04852/63455 info@dolomitenhof-tristach.at

www.dolomitenhof-tristach.at Attraktive Herbst- und Winterpauschalen als Long- & Shortstay finden sich auf den Webseiten der Hotels.


© MCI PLANLICHT/SPIESS

WIRTSCHAF

58

wirtschaft & unternehmen BUCHTIPPS

SCHLUSS MIT DER ÖKOMORAL Michael Kopatz, oekom Verlag 240 Seiten, EUR 20,00

Gerald Kohler, Felicitas Kohler, PLANLICHT, Ronald Stärz und Harald Schöbel, MCI, mit dem Prototypen des „seTUBE Gondola“

Rettung naht COVID-19 und der Tourismus ist wohl eine never ending Feindschaft. Viel wurde in den letzten Tagen und Wochen darüber geschrieben, Petitionen an die Regierung gerichtet, langfristige ökonomische Folgen prognostiziert (Zusammenfassung: Es schaut schlecht aus), Studien verfasst, gerechtfertigt, verurteilt, schöngeredet, Untergänge prophezeit und daran geforscht, wie ein sicherer Wintertourismus möglich gemacht werden kann. Wir haben fleißig Unterlagen gesammelt ... und sie dann im letzten Moment verworfen. Denn: Nichts Genaues weiß man nicht. Und als nichttagesaktuelles Medium tut man sich derzeit schwer, irgendetwas Seriöses dazu zu schreiben. Deshalb haben wir uns eine Positivmeldung zum Thema herausgepickt. Schon vor ein paar Wochen hat Planlicht mit seinem „SeCube“ aufhorchen lassen – einer Box, die Einkaufswägen energieeffizient und umweltschonend desinfiziert. Statt Chemie kommt energiereiches UV-C-Licht zum Einsatz, das bis zu 99 Prozent der Keime und Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze ...) eliminiert. Nun kommt mit „seTube“ die Weiterentwicklung. Die Funktionsweise ist ähnlich, das Einsatzgebiet: Gondeln und Beförderungskabinen. Die mobil einsetzbare „seTube“Leuchtkonsole mit eingebautem Akku ist hocheffizient, zuverlässig wirksam und lässt sich kabellos transportieren und anwenden. Sie entfernt berührungslos und rückstandsfrei und innerhalb kurzer Zeit an Oberflächen haftende Krankheitserreger. Die technische Desinfektion von Liftgondeln mittels UV-C-Lichts ist dabei eine von mehreren Lösungen, mit denen die CARE BY LIGHT GmbH, ein Joint Venture von MCI und Planlicht, die Beförderung in Bergbahnen gesundheitlich sicher machen will. Mit „seCube Card“ können beispielsweise Skitickets – wie sie heutzutage als wiederverwendbare Plastikkarten genutzt werden – keimfrei gemacht werden, die UV-Tischleuchte „seTube Mini“ desinfiziert Mützen, Skibrillen oder -helme.

Politisches Engagement ist wichtiger als privater Konsumverzicht, findet Michael Kopatz. Man muss nicht unbedingt seiner Meinung sein, um sein Buch zu lesen und seine Ansätze zumindest in Teilen dennoch gut zu finden. Denn dass es neue äußere Umstände braucht, damit die richtige Entscheidung leichter wird – damit hat er sicher recht.

ZIEHT EUCH WARM AN, ES WIRD HEISS! Sven Plöger, Westend Verlag 320 Seiten, EUR 19,95 Der Klimawandel ist definitiv eine der großen Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Sven Plöger sagt seit 1999 im Deutschen Fernsehen das Wetter voraus und weiß deshalb, wovon er spricht, wenn er sagt: Das Klima verändert sich immer schneller. In diesem Buch lässt er an seinem Wissen um den Klimawandel teilhaben.

„ M E I N E WA H R E S C H Ö N H E I T L I E G T D A R I N , D A S S I C H S T E I N R E I C H B I N .“ DONALD TRUMP


eco.wirtschaft

HAUSER – ONE BUSINESS SOLUTION

EINE RICHTIGE BUSINESS-FAMILY Die Familie Hauser ist auf den ersten Blick eine völlig normale Familie. Auf den zweiten Blick erkennt man eine für die heutige Zeit ungewöhnliche Eigenschaft. Die Hausers sind Unternehmer mit Herzblut und tragen ihre Begeisterung für ihr Business auch nach außen. Man spürt die positive und zukunftsgerichtete Einstellung.

D

SOZIALE VERANTWORTUNG Nicht erst seit der Coronakrise ist Corporate Social Responsibility − kurz CSR – in vielen Tiroler Betrieben gelebter Alltag. Um die Wichtigkeit der sozialen Verantwortung von Unternehmen hervorzuheben, hat die Tiroler Wirtschaftskammer gemeinsam mit dem Land Tirol heuer bereits zum 7. Mal den TRIGOS für die hervorragendsten Initiativen ausgelobt. Der TRIGOS ist Österreichs Auszeichnung für Corporate Social Responsibility. Bewertet wird die unternehmerische Verantwortung im Kerngeschäft, darüber hinaus liegt der Fokus auf der Innovationskraft, Wirkung und Zukunftsfähigkeit der jeweiligen Projekte. Im Rahmen eines Galaabends in der Innsbrucker Villa Blanka wurden kürzlich die diesjährigen TRIGOS-Tirol-Sieger gekürt. Gewählt wurden diese von einer Jury bestehend aus Vertretern von Caritas, Rotem Kreuz, Umweltdachverband, Global 2000, RespACT, Industriellenvereinigung, Land Tirol und der Tiroler Wirtschaftskammer. Für die Gewinner gab es neben der Auszeichnung jeweils ein Meisterwerk des 2013 verstorbenen Altbischofs Reinhold Stecher. DIE SIEGERPROJEKTE • Kategorie „Vorbildliche Projekte“: Pirktl Holiday GmbH & Co KG, Mieming • Kategorie „Regionale Wertschaffung“: Raiffeisenbank Vorderes Ötztal eGen, Oetz • Kategorie „Klimaschutz“: Familien-Landhotel Stern, Obsteig

as Hauser Business ist ein Dienstleistungs-Crossselling, in dem die Leistungen von fünf verschiedenen Familienunternehmen ineinandergreifen.

HAUSER UND HAUSER ist die am längsten am Markt bestehende Firma. Seit 2004 bieten Bmstr. DI (FH)Wolfgang Hauser M.Sc. und Ing. Martin Hauser professionelles Baumanagement, von der Projektentwicklung über die Ausschreibung bis hin zur Bauleitung. Zu den Kunden zählen zahlreiche bekannte und am Markt etablierte Bauträger wie EGLO Immobilien, UBM oder Horicon. Seit 2019 ist Mag. iur. Peter Hauser in der administrativen Geschäftsführung mit im Boot. Letzterer hat 2018 die HAUSER XB gegründet, die Tiroler Klein- und Mittelbetriebe in allen betriebswirtschaftlichen Bereichen unterstützt und begleitet. Kunden wie Ledermair Verkehrsbetriebe, Spiegeltec, Leckotech, Schwaiger Tools oder NOBUGS nutzen die Erfahrung und das Knowhow und lagern bestimmten Bereiche wie Personalsuche, Controlling, Förderungsabwicklung, Finanzen, Prozessoptimierung oder Digitalisierungsprojekte an Hauser xb aus. Die PMW-IMMOBILIEN – ebenfalls geführt von Wolfgang, Martin und Peter Hauser – ergänzt das Portfolio als Nischenbauträger, der sich auf Gewerbebau und Gemeindewohnbauprojekte spezialisiert hat. Die KOMMPART indes ist das jüngste Familienunternehmen. Es bündelt die Leistungen der ersten drei Unternehmen und bietet Gemeinden eine Komplettlösung für deren Bauprojekte und Immobilienportfolio. Das Team kümmert sich um die Projektsteuerung, den Finanzplan und die Finanzierungen, die Förderungsabwicklung und die vergaberechtlich saubere Abwicklung. Aktuell werden drei Projekte in den Bezirken Innsbruck-Land und Schwaz betreut. Zu guter Letzt bietet die von Wolfgang Hauser, Karin Hauser-Ablinger und Peter Hauser geführte SCHRÄGLAGE für alle Motorsportbegeisterten Adrenalin pur. Das fünfte Unternehmen im Familienreigen organisiert Motorradtrainings auf Rennstrecken in Österreich, Italien, Tschechien, Ungarn, Spanien und Kroatien und bietet Motorradbegeisterten eine perfekte Möglichkeit, ihre Fahrweise durch organisierte Trainings zu verbessern. PR

HAUSER – ONE BUSINESS SOLUTION Mit unseren Unternehmen optimieren und überwachen wir Wohn- und Gewerbebauten sowie öffentliche Bauprojekte, verbessern Abläufe in und rund um Unternehmen und Gemeinden und sorgen für eine gesicherte und nachhaltige Finanzstruktur. Wir kümmern uns um alles – bis hin zu Motorsportfreunden.

59


© STANDORTAGENTUR TIROL

eco.wirtschaft

© JULIA TÜRTSCHER

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

Sorgenvoll In a world where you can be anything be kind.

Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

Josef Margreiter (Lebensraumtirol Holding), Wirtschaftslandesrätin Patrizia ZollerFrischauf, Carsten Sommer und Gaby Sommer (NOX Cycles) und Marcus Hofer (Standortagentur Tirol)

UNTERNEHMEN DER AUSGABE Die NOX Cycles Austria GmbH hat vor drei Jahren den Betrieb in Zell am Ziller aufgenommen, mit dem Ziel, hochwertige und alpintaugliche E-Mountainbikes zu fertigen. Geschäftsführer und Inhaber Carsten Sommer: „2017 fasste man im fernen Berlin den Beschluss, aus der seit 2004 bestehenden Marke NOX Cycles die eigene E-Mountainbike-Manufaktur ,NOX Cycles Austria‘ zu gründen. Und dieses Unternehmen sollte dort angesiedelt sein, wo Mountainbikes hingehören – in die Berge.“ Der internationale E-Bike-Boom habe ihn nicht überrascht, meint Sommer, sehr wohl aber, dass NOX Cycles so rasch an seine räumlichen Grenzen gestoßen ist. Drei Jahre nach dem Start sind die anfänglich riesigen Räumlichkeiten bereits viel zu klein. Deshalb wird nun wieder gebaut. In Schlitters entsteht auf einer Fläche von 3.500 Quadratmetern ein neues Verwaltungs- und Produktionsgebäude, das laut Plan Ende 2021 in Betrieb gehen soll. NOX Cycles investiert rund drei Millionen Euro in den Bau. © EKZ WEST

60

Müsste ich mich selbst beschreiben, würde ich mich als ziemlich pragmatischen Menschen bezeichnen, realistisch mit leichtem Hang zum Optimismus. Bevor ich eine Sache schwer nehme, nehme ich sie lieber mit Humor. Manch einer sagt mir auch Sarkasmus nach. Damit kann ich ganz gut leben. Doch es gibt Situationen, da hilft nicht mal der weiter. Es gibt nur wenige Dinge, die mir wirklich Sorgen bereiten. Das ist eigentlich ganz schön. Doch Corona ist so ein Thema. Nicht das Virus an sich, damit werden wir ohnehin klarkommen müssen. Vielmehr bekümmert mich, wie diese Pandemie unsere ohnehin schon gespaltene Gesellschaft immer noch mehr spaltet. Und wie wenig dagegen getan wird. Im Gegenteil. Man gießt rhetorisch immer noch mehr Öl ins Feuer. Es erschreckt mich, wie sicher sich viele sind, die absolut wahre Wahrheit zu kennen. Wie viele finden, ihre Meinung sei die einzig richtige, und wer anderer Meinung ist, sei gekauft, beeinflusst, habe unlautere Motive oder ist einfach generell nix. Es ist doch so: Man findet im Internet immer (in Worten IMMER) eine Bestätigung für seine Meinung – und sei sie noch so krude – und macht sie folglich zur Tatsache. Man fände jedoch mindestens ebenso viele gegenteilige Meinungen, wenn man sich die Mühe machte, und sie entgegen sämtlicher Algorithmen suchte. Schwarz-Weiß-Denken ist gefährlich. Und das macht mir wirklich Sorge. Wenn man keine anderen Ansichten mehr gelten lässt, wenn man nicht mehr hinterfragt (und wenn doch, dann immer nur die anderen), wenn der Ton immer noch rauer wird und man aus Prinzip quasi reflexhaft gegen alles „andere“ ist. Es gibt eine Art Gesellschaftsvertrag, der uns alle aneinander­ bindet. Wir können als Gesellschaft nicht ohne den anderen, deshalb lasst es uns miteinander versuchen. Mit Respekt und Anstand. Ich erinnere mich noch gut an einen Satz von Wolf Lotter in einem vergangenen „Brand Eins“: Wer Liebe will, muss freundlich sein! Recht hat er.

DAS ERSTE JAHRZEHNT VOLL Im Oktober 2010 wurde das Einkaufszentrum (EKZ) west in der Höttinger Au eröffnet – heute bietet es mit rund 16.200 Quadratmetern Gesamtnutzfläche und 420 Parkplätzen die größte Einkaufsmöglichkeit im Westen Innsbrucks. Zum zehnjährigen Jubiläum blickt das EKZ west auf einen erweiterten Branchenmix, kontinuierlich steigende Besucher- und Umsatzzahlen sowie eine zunehmende Verankerung im Stadtteil zurück. Seit März 2014 steht das west im Alleineigentum der Raiffeisen-Leasing, seitdem konnte die Kundenfrequenz um über 30 Prozent auf aktuell 2,65 Millionen Besucher pro Jahr gesteigert werden. Der Vermietungsgrad liegt derzeit bei fast 99 Prozent.


© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

SCHÖNE WIRTSCHAFT Schönheit ist als Wirtschaftsfaktor schon lange präsent. Unter der Herrschaft von Hatschepsut, der ersten ägyptischen Pharaonin, wurden nicht nur etliche Innovationen wie die ersten Niederschriften auf Papyrus getätigt, sondern es wurden auch die ersten monumental dekorierten Tempelanlagen in Theben-West gebaut und ein neues Keramikrepertoire geschaffen.

S

chönheit liegt im Auge der Betrachterin, sagt man. Das ist insofern richtig, als dass wir von Kindesbeinen an mit schönen und nicht schönen Objekten konfrontiert werden und deren Bewertung von unserem Umfeld übernehmen. Erst mit zunehmendem Alter entwickeln wir unseren eigenen Geschmack, der wiederum von unserem sozialen Umfeld geprägt wird.

VON ALEXANDER M. SCHMID

SCHÖNHEITSIDEAL

Die Diskussion über das Schönheitsideal ist so alt wie die Definition von Schönheit selbst und dauert immer noch an. Vor ein paar Jahren brachte Mattel eine anders proportionierte Barbiepuppe heraus, da der gesellschaftliche Druck wegen der bis dahin völlig realitätsfremden Puppe zu groß wurde. Daran erkennt man, dass was als schön gilt, einer stetigen Weiterentwicklung unterworfen ist und immer wieder adaptiert werden muss. Analog zu unserer körperlichen Schönheit wird auch bei Objekten des täglichen Gebrauchs gerne von Schönheit gesprochen und bewertet. Autos, Computer, Smartphones, Uhren, Schmuck oder unsere eigenen vier Wände, alles wird mit Schönheitsbegriffen überhäuft oder verachtet. Wie in der Modewelt haben auch hier Trends und gesellschaftliche Strömungen einen wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung. War es früher der Wohnzimmerverbau Eiche rustikal, ist es heute der Minimalismus mit wenigen ausgesuchten Möbeln. Flachbildfernseher wirken wie Bilder an der Wand und raumfüllender Klang kommt aus Würfeln, die nicht größer sind als eine Cola-Dose.

zunehmend den Gefahren aus, die eindeutig Folge menschlicher Eingriffe sind. Lange Trockenperioden dürren den Boden aus und dieser kann bei abrupten Niederschlägen die enormen Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Bodenversiegelung trägt das ihre dazu bei, dass in Gebieten Überschwemmungen und Vermurungen auftreten, die bis dato als sicher galten. Wenigstens hat man erkannt, dass die Rückbauung von regulierten Bach- und Flussläufen diese Situation etwas entschärfen hilft. Es muss die Frage gestellt werden, ob die Natur an letzter Stelle der Betrachtung bei neuen Bauvorhaben die richtige Stelle ist.

SCHÖN SCHONEND

Kaum ein Unternehmen kommt inzwischen um den Begriff Nachhaltigkeit herum. Schonend wäre eine gute Alternative dafür. Schonend für die Umwelt, schonend für Ressourcen jeglicher Art, schonend für die Mitarbeiter der Unternehmen und letztendlich schonend für die Konsumenten – sei es für den Geldbeutel oder fürs Gemüt. Zu oft wird versucht, das wirtschaftliche Überleben gegen schonende Maßnahmen in der Natur und auch beim Menschen auszuspielen. Doch wer sagt, dass es hier ein Entweder-oder geben muss? Unser Gehirn und unser Verstand sind wohl das Einzige, das wir nicht schonen sollten. Ideen und Konzepte sind dazu da, um verschwenderisch erarbeitet, verworfen und neu erschaffen zu werden. Erfolgreiche Unternehmen praktizieren das bereits. Es sollten viel mehr deren Beispiel folgen. Das wäre schön und wirtschaftlich.

NATURSCHÖNHEIT

ZUR PERSON

Wenn es um die Naturschönheit geht, sieht das mit den gestalterischen Eingriffen durch den Menschen schon etwas anders aus. Die Bodenversiegelung nimmt stetig zu und gemeinsam mit der Klimaveränderung setzen wir uns

Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unter­­nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at

61


eco.wirtschaft

MAN SPRICHT DEUTSH

S KL ERIE AR : TE XT

Deutsch geschrieben heißt noch lange nicht verständlich. Ob Recht, Politik, Verwaltung, Technik oder Werbung – der wahre Sinn vieler Aussagen versteckt sich oft hinter barocken Satzgebilden. Ziemlich leichte Sprache nimmt die Luft aus aufgeblasenen Formulierungen und legt den Blick auf die meist bescheidene Substanz frei. Klartext geht einen Schritt weiter und ergründet die wahren Absichten des Verfassers. Es gilt die Unschuldsvermutung.

ORIGINAL: WEBSITE DES AUSSENMINISTERIUMS, AKTUELLE HINWEISE ZU DEUTSCHLAND

62

Deutschland hat eine Reisewarnung für die Bundesländer Wien, Vorarlberg und Tirol ausgesprochen. Reisende aus den Bundesländern Wien, Vorarlberg und Tirol müssen bei der Einreise nach Deutschland einen negativen COVID-19-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, um nicht eine verpflichtende 14-tägige Quarantäne anzutreten. Die Regelung zur Quarantänepflicht wird von den deutschen Bundesländern in eigener Zuständigkeit erlassen. So verlangt das Bundesland Schleswig-Holstein einen zweiten negativen molekularbiologischen Test nach frühestens fünf Tagen nach Einreise, um vorzeitig die Quarantäne zu beenden. Bitte erkundigen Sie sich daher auf der Internetseite des Bundeslandes, in das Sie einreisen oder Ihren Wohnsitz haben bzw. untergebracht sein werden, wie die Quarantäneregelung dort konkret aussieht. Über die Rechtslage in den einzelnen Bundesländern wird auf dieser Seite der Deutschen Bundesregierung (Anm.: hier befindet sich im Original ein weiterführender Link) verwiesen.

ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Deutschland hat für Tirol eine Reisewarnung ausgesprochen. Aber nicht seitens aller deutschen Bundesländer in gleicher Weise. Aber nicht für den Transit. Aber nicht für berufliche Reisen, was wiederum nicht in allen Bundesländern gleich gilt. Aber nicht für Reisen Deutscher, die weniger als 48 Stunden in Tirol sind. Das wiederum ist ebenfalls nicht in allen Bundesländern einheitlich geregelt. Die angegebene Seite der Deutschen Bundesregierung weist übrigens den Stand „19. Juni 2020“ auf – ist also so aktuell wie ein seit drei Monaten abgelaufenes Joghurt.

KLARTEXT:

Das Coronavirus hat die bürokratischen Systeme aller europäischen Länder infiziert. Es führt in den Ministerialbüros und Amtstuben zu grenzenloser Verwirrung. Die EU ignorierte lange Zeit dieses Problem hartnäckig, um selbst Covid-immun zu bleiben. Inzwischen liegt ein Minimalkompromiss (ausgerechnet) der deutschen Ratspräsidentschaft am Tisch, der einen riesigen Bogen um heikle Fragen macht und eher zur Verwirrung beiträgt, als diese zu beenden. Liebe Nobelpreisträger dieser Erde, schenkt uns eine Impfung! Anders hört das nicht auf.

O R I G I N A L : R U N D F U N K W E R B U N G F Ü R E I N E N P I C K- U P

„Wissen Sie, warum der XX L200 über eine derart große Ladefläche verfügt? Damit der ganze Neid Ihrer Nachbarn, Freunde und Verwandten Platz hat.“

ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Sie brauchen eine Ladefläche zum Transport von Waren? Dann kaufen Sie sich ein anderes Auto. Unserer stylishe Ladefläche dient ausschließlich dazu, Ihren Nachbarn und anderen Ungustln eins auszuwischen. Daher nennen wir unseren neuen Pick-up mit Stolz auch „Neid-Rider“ (sic!).

KLARTEXT: Man könnte sich als Kaufargument auf die Qualität stützen. Oder auf konkurrenzlos günstigen Preis. Oder auf die technischen Vorzüge eines Produkts. Man kann aber auch ganz tief in die psychologische Mottenkiste greifen und die verwirrte Herde ahnungsloser Konsumenten bei ihren niederen Instinkten packen. Dass Neid die kleine Schwester von Hass ist und einer Gesellschaft nicht guttut, darüber schaut die Marketingabteilung dieses Großkonzerns offenbar lässig hinweg.


GENUSS BOX

„GENUSS BOX“ RETTET LEBENSMITTEL Auch wenn das Essen im Restaurant noch so gut war: Manchmal ist die Portion einfach größer als der Hunger. Damit die Reste nicht im Abfalleimer landen, setzen immer mehr Betriebe und Gäste auf die „Genuss Box“ als umweltfreundliche Verpackung zum Mitnehmen. © GENUSS BOX

ZEICHEN DER WERTSCHÄTZUNG

ATM-Geschäftsführer Dr. Alfred Egger (li.), Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Ingrid Felipe und Alois Rainer, Fachgruppenobmann Gastronomie, bei der Einführung der „Genuss Box“ in Tirol

M

it der „Genuss Box“ haben Land Tirol, die Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol und die Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM) eine praktische, elegante und zugleich umweltschonende Resteverpackung in Tirol eingeführt, um die Menge an Lebensmittelabfällen zu reduzieren und Bewusstsein für die Thematik zu schaffen. „Rund 13.500 Tonnen an Lebensmitteln landen jährlich allein im Tiroler Restmüll. Diese Verschwendung mit ihren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen ist eine große gesellschaftliche Herausforderung“, sagt Dr. Alfred Egger, Geschäftsführer der ATM.

KARTON STATT PLASTIK UND CO.

Wenn am Teller etwas übrigbleibt, sollen sowohl Gäste als auch Servicepersonal ganz selbstverständlich an die „Genuss Box“ denken und die Reste einpacken – das ist der Grundgedanke hinter der innovativen Alternative zu herkömmlichen Behältnissen

aus Plastik, Styropor oder Alu. Sie besteht zu 100 Prozent aus recycelbarem Karton und Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Dabei ist sie lebensmittelecht, wärme- und kälteisolierend und sowohl für Mikrowelle als auch Backofen geeignet. Der praktische Henkel sorgt dafür, dass man ohne zusätzliche Tragetasche auskommt. Entsorgt bzw. verwertet werden kann die leere „Genuss Box“ einfach wie jede andere Kartonverpackung. Sie bleibt somit im Recyclingkreislauf. Als „Doggybag“, wie herkömmliche Resteverpackungen oftmals genannt werden, will sich die „Genuss Box“ nicht bezeichnen lassen. Um Reste mit nach Hause zu nehmen, muss man kein hungriges Haustier vorschieben. Stattdessen steht sie – wie der Name sagt – für Genuss, und zwar bis zum letzten Bissen. Wer sich die restliche Mahlzeit einpacken lässt, beweist damit einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln und zeigt Wertschätzung gegenüber dem Lokal und dessen Küche.

Für Gastwirtinnen und -wirte ist die „Genuss Box“ ein praktisches Instrument, um Gäste bis nach Hause mit ihren kulinarischen Kreationen zu begleiten. Außerdem leisten sie damit einen wertvollen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. „Gäste wissen es zu schätzen, wenn sich ein Restaurant seiner ökologischen Verantwortung bewusst ist und Lebensmittel angemessen behandelt. Für uns Gastronomen ist es wiederum ein Lob, wenn Gäste die zubereiteten und servierten Speisen zuhause fertig essen wollen“, sagt Alois Rainer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie. Seit der Einführung in Tirol Ende 2019 wurden bereits über 60.000 Stück der „Genuss Box“ an rund 140 Tiroler Betriebe geliefert. Trotz der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gastronomiebranche kommen laufend neue Abnehmer dazu. Für die Projektpartner ein starkes Zeichen, dass nachhaltige Lösungen selbst in Krisenzeiten gefragt sind. PR

„GENUSS BOX“ AUF EINEN BLICK • 100 % recycelbarer Karton und Papier • Wärme- und kälteisolierend • Für Mikrowelle, Backofen (max. 30 Min. bis 220 °C) und Kühlschrank geeignet

Eine Landkarte mit allen teilnehmenden Lokalen sowie die Bestellmöglichkeit für Gastronomiebetriebe findet sich online unter www.genussbox.at .

63


INFOWERK

PLUG-AND-PLAYMEDIENSYSTEME infoWERK steht seit über 20 Jahren für Hardware- und SoftwareLösungen, die das Präsentieren, das Lernen, und – ganz allgemein – das Kommunizieren schneller, angenehmer, eleganter und effizienter gestalten. Geschäftsführer Roland Gatt erklärt, was es damit auf sich hat. Wie geht es Ihnen in diesem verrückten Jahr? ROLAND GATT: Verrückt trifft es gut. Die letzten Monate haben mir wieder einmal gezeigt, welch unsagbares Glück es ist, in diesem Land geboren zu sein. In der Firma waren wir vom Lockdown im März natürlich genauso überrascht und betroffen wie alle anderen. Inzwischen hat sich das Geschäft insgesamt bei uns wieder auf Vorjahresniveau eingependelt. Allerdings mit etwas anderen Schwerpunkten. ECO.NOVA:

64

Welche neuen Schwerpunkte sind das? Was hat sich für Sie durch Corona geändert? Wir sind in zwei Bereichen aktiv. Zum einen erstellen wir E-Learning-Systeme und Online-Kurse vor allem für Berufspiloten und Flugzeugtechniker. Bei unseren Luftfahrtkunden befürchteten wir anfangs einen massiven Rückgang. Das Gegenteil ist der Fall! Wir haben jetzt zahlreiche Neukunden, die von den Vorteilen von E-Learning bislang nicht zu überzeugen waren. Und zum Zweiten rüsten wir Seminar- und Konferenzräume mit Medientechnik aus. Hier zeigt sich ein starker Trend weg von großen Konferenzräumen mit komplexer Medientechnik hin zu vielen kleinen Besprechungsräumen. Die sind dafür für hybride Meetings – einige Teilnehmer im Besprechungsraum, andere im Home-Office und weitere Partner in ihren Büros – ausgestattet. Wie gehen Sie mit diesem Wandel um? Im E-Learning werden wir unser Portfolio auch in andere Branchen erweitern. Das wollten wir sowieso machen. Um die Abhängigkeit von der Luftfahrt zu reduzieren, machen wir das jetzt aber deutlich schneller. In der Medientechnik haben wir schon letztes Jahr mit unserer neuen infoWERK Technik Manufaktur begonnen, ein tolles Sortiment an Plug-and-play-Konferenzsystemen für solche kleinen „Huddle-Rooms“ zu entwickeln. Natürlich haben wir uns gewünscht, dass der

Wandel stetig voranschreitet, wir weiterhin große Konferenzsäle ausrüsten können und die Manufaktur parallel dazu ausbauen. Aber aktuell erfahren wir bei unseren kleinen Mediensystemen eine solche Nachfrage, dass das die ausbleibenden Großprojekte bereits ausgleicht.

Sie sind im Süden Deutschlands schon einige Jahre stark engagiert und mit einer eigenen Niederlassung in Stuttgart vertreten. Wie kommen Sie als Tiroler dort an? Persönlich fühle ich mich mit der sachlichen schwäbischen Direktheit sehr wohl und ich glaube, das spüren unsere Partner auch. Beruflich hab ich mir viel abgeschaut. Ich hab inzwischen keine Hemmungen mehr, meinen Perfektionismus in unseren Produkten auszuleben. „Passt schon“ passt eben nicht! Ich möchte, dass unsere Kunden das in unseren Lösungen spüren.

Zurück zum Wandel der Geschäftskommunikation durch Corona: Webkonferenzen, E-Learning, hybride Meetings, Huddle-Rooms – das klingt alles cool. Viele Leute frustrieren hier aber leider allzu oft die technischen Probleme: Schlechte Verständlichkeit, mieses Bild und von den berüchtigten Webkonferenz-Hoppalas will ich gar nicht erst sprechen. Ich habe noch kaum eine Webkonferenz erlebt, die mir rundum ein gutes Gefühl gab. Ja. Das kann ich nachvollziehen und das treibt uns an! Schlechte Audioqualität ist der Killer jeder Webkonferenz. Wer hier spart, hat verloren. Der Nachteil, dass die Kamera nicht dort ist, wo das Gesicht des Gegenüber am Bildschirm ist, führt dazu, dass unserem Gesprächspartner vorkommt, wir schauen ihm nie in die Augen. Ein Kapitalfehler in jeder Kommunikation. Schlechte Beleuchtung, griesiges Bild, ungünstige Kameraperspek-

&

Functionality you need. Aesthetics

you love.


INFOWERK

infoWERK-Geschäftsführer Roland Gatt hat Plug-and-play-Konferenzsysteme für alle Ansprüche im Sortiment.

tive, unüberlegte Hintergründe, all das sind Fehler, die ein unbefriedigendes Erlebnis garantieren. Webconferencing wird auch nach Corona ein Teil der professionellen Kommunikation bleiben. Besprechungsräume, bei denen wir die Ausstattung komplett verantworten, sind daher eher kleine Webstudios. Besprechungsräume als Webstudios? Das klingt interessant. Wie kann man sich das vorstellen? Wir optimieren Besprechungsräume ganzheitlich für hybride Meetings und entwickeln und liefern selbst die Konferenztechnik dafür. Und wenn die Funktion auch noch dauerhaft gewährt werden soll, übernehmen wir die Wartung und Pflege

inklusive Funktionsgarantie. Die Technik ist dabei das Herz des Webstudios. Klar. Es geht aber um mehr. Viel mehr. Es geht um die Abstimmung von Raumakustik, Mikrofonie, Lautsprecher, um Echos, Licht, Farben, um Reflexionen, Wahl der Kamera. Welchen Hintergrund zeige ich meinem Gegenüber? Wie kann ich mein Corporate Design durch das Kamerabild rüberbringen? Unser Anspruch ist, dass sich die lokalen Teilnehmer am Tisch genauso wohlfühlen sollen wie die Online-Teilnehmer. Der Online-Teilnehmer, der Kunde am anderen Ende der Leitung, soll das Gefühl haben, wirklich Teil des Gesprächs am Tisch zu sein. Unser Kunde soll sich darauf konzentrieren können, seine Kompetenzen an seine Partner und seine Kunden zu vermitteln. Wir sorgen für einfach zu bedienende Konferenztechnik, zuverlässige Funktion, klare Verständlichkeit und ein gutes Bild. Dafür haben wir Plug-and-play-Webkonferenzsysteme entwickelt und dafür arbeiten wir mit den Inneneinrichtern unserer Kunden zusammen und koordinieren die Leistungen. Bieten Sie auch Lösungen für kleine Unternehmen, die sich kein eigenes Webstudio leisten können? Oje. So sollte das nicht rüberkommen. Ganz im Gegenteil! Wenn man sich vorher überlegt, was man will und tut, wird’s doch nicht teurer. Ob die Wand vom Maler jetzt glanzweiß oder in einer gedeckten, reflexionsarmen Farbe

gestrichen wird, macht preislich keinen Unterschied. Auch die Akustik kann man mit einfachen Mitteln verbessern. Und wenn ein Raum mikrofon- und kameragerecht ausgestattet ist, kann ich günstigere Konferenztechnik verwenden. Ganzheitlich an die Sache herangehen spart Kosten. Gerade KMUs, die nicht Unsummen für Audio- und Videotechnik ausgeben wollen, um ungünstige Raumverhältnisse zu kompensieren, profitieren von unseren Lösungen. Vielen Dank für das Gespräch!

infoWERK TECHNIK MANUFAKTUR Modulare Kommunikationsmöbel. Ästhetisch. Plug-and-play. Zuverlässig. Kommunikation ist immer eine Form der Interaktion, die nur dann erfolgreich läuft, wenn sie neben der eigentlichen Botschaft auch ein Image vermittelt, das der Partner erwartet und bestätigt. Die Werkstücke aus dem Medien- und Technikhaus infoWERK sind die perfekten Tools für überzeugende Kommunikation: USMHaller-Designklassiker, ausgestattet mit aktuellster Plug- & play Technologie. Sie sind schön. Und funktionieren ortsunabhängig, schnell, und intuitiv. Auf Basis des ikonischen USM-Haller-Möbelsystems. USM-Haller-Möbel machen in jedem Raum gute Figur. In ihrer Zeitlosigkeit, Geradlinigkeit und ästhetischen Perfektion stehen sie für sich und passen zum repräsentativen Konferenzraum ebenso wie in eine Tiroler Zirbenstube, in barockes Ambiente, eine loftige Suite, eine weite Hotellobby oder auf eine chillige Terrasse. Von infoWERK. USM-Haller-Kommunikationsmöbel von infoWERK sind praxisgerecht E-medientauglich konfiguriert. Sie erleichtern und verschönern das Präsentieren, Verstauen und Kommunizieren. Flexibel, praktisch, routiniert. Wählen Sie aus der Standardkollektion oder lassen Sie Ihren gewünschten Medienbutler maßschneidern, exakt für Ihren individuellen Einsatzbereich.

www.infowerk-manufaktur.com info@infowerk-manufaktur.com

Plug-and-Play Mediensysteme

FOTOS: © DIETER KÜHL / WWW.DK-FOTO.AT

PR

infoWERK MEDIEN & TECHNIK GMBH Egger-Lienz-Straße 130 6020 Innsbruck E-Mail: info@infowerk.systems Telefon: +43/5238/52099-0 Web: www.infowerk.systems

65


WIR SCHAFFEN DIE TOURISMUSABGABE AB ! ie Haben S ben rei h c S s e s e di n? e t l a h r e s ebenfall

Dominik Oberhofer Klubobmann NEOS Tirol 0664 888 720 40 dominik.oberhofer@neos.eu dominik-oberhofer.eu


Die Tourismusabgabe verursacht jährlich 4,8 Millionen Euro Verwaltungsaufwand: 72.000 Bescheide 22.000 Mahn- und Erinnerungsschreiben sowie 4.400 Exekutionen - ein bürokratisches Monster! Die Landesregierung profitiert durch die Mehreinnahmen aus dem Tiroler Tourismus massiv. Die Bewerbung bezahlen sich die Unternehmen aber selbst - die Landesregierung leistet null Beitrag!

Bestattungsunternehmen, Apotheken, Fahrschulen oder Vermessungstechniker zahlen in Tirol jährlich verpflichtend über 130 Millionen Euro an Tourismusabgabe – ob sie vom Tourismus profitieren oder nicht. Hauptnutznießer wie etwa „airbnb“ oder „booking.com“ erzielen Millionen an Kommissionszahlungen aus dem Tourismus und zahlen keinen einzigen Cent! Das ist ungerecht und wettbewerbsverzerrend und muss ein Ende haben!

Impressum: NEOS Landtagsklub, Eduard-Wallnöfer-Platz 3, 2. Stock, A-6020 Innsbruck, 0512 508 3120, neos.landtagsklub@tirol.gv.at


eco.wirtschaft


eco.wirtschaft

WARE SCHÖNHEIT KOMMT VON AUSSEN

P

lastische Chirurgie als solche zu beschreiben, ist schwierig. Die Disziplin behandelt kein konkretes Organ wie die Augenheilkunde oder die Herzchirurgie. Die Sicht auf die Dinge ist eine funktionelle. Das macht die Aufgabe vielfältig, stellt aber auch vor Herausforderungen. Grundsätzlich meint die „plastische Chirurgie“ im allgemeinen Sprachgebrauch Ärzte mit der Ausbildung im Fach „Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie“. Die Ausbildung umfasst das Teilgebiet der Wiederherstellungschirurgie, zum Beispiel nach Unfällen mit Gewebsdefekten die Hand- und Verbrennungschirurgie. In der entsprechenden Abteilung der Innsbrucker Universitätsklinik sind rund ein Fünftel der behandelten Patienten Notfälle – hauptsächlich handelt es sich dabei um Weichteilverletzungen und -infekte, Verbrennungen oder Amputationsverletzungen. Behandelt werden quasi alle Formen von körperlichen Defekten. Ob angeboren oder zugezogen. Die plastische Chirurgie im Klinikumfeld ist eine interdisziplinäre Stelle und weil man dort in erster Linie rekonstruktiv tätig ist, werden viele Patienten von anderen Stationen zur Weiterbehandlung überwiesen; auch am Ende der Kette in der Wundbehandlung. Es ist ein breites Feld und eines, das in seiner Gesamtheit in der Außenwirkung kaum erfasst wird. Aber Enormes leistet. Vor allem die Handchirurgie hat an der Plastischen Chirurgie in Innsbruck eine lange Tradition und ist weltweit führendes Zentrum für hochkomplexe Eingriffe. Vor einigen Jahren konnten etwa einem 55-jährigen Patienten in einer 15-stündigen Operation erfolgreich zwei Unterarme transplantiert werden.

Das Wort „plastisch“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet formend oder bildend. Für das Gebiet der Chirurgie in diesem Bereich ist es jedoch zu wenig beschreibend, weil es derart umfangreich ist, dass man es mit einem Wort kaum ausdrücken kann. Deshalb wurde die „plastische Chirurgie“ um rekonstruktiv, also wiederherstellend, und ästhetisch erweitert. Dennoch haben die Menschen meist nur diffuse Vorstellungen davon und bringen sie großteils mit der Schönheitschirurgie in Verbindung. Dabei ist die tatsächlich nur ein sehr kleiner Teil des großen Ganzen. TEXT: MARINA BERNARDI

DIE EMANZIPATION DER ÄSTHETIK Die ästhetische Chirurgie hat sich weitestgehend aus der wiederherstellenden Chirurgie entwickelt und sich dann davon emanzipiert. Der ästhetische Bereich wurde vielfach von niedergelassenen Ärzten übernommen und hat sich in der Folge fast völlig separiert von der klassischen Medizin entwickelt. Dieses Loslösen der ästhetischen Chirurgie aus dem klinischen Umfeld – auch wenn es immer häufiger dorthin zurückkehrt, vor allem zur Querfinanzierung, um defizitäre, aber höchst notwendige Bereiche wie die Intensiv- oder Kindermedizin auszugleichen – hat außerdem dazu geführt, dass niedergelassene plastische Chirurgen nicht immer den besten Ruf haben. Man wirft ihnen gerne vor, mit den Operationen ihren Unterhalt zu verdienen und dadurch unkritischer zu sein. Geld als treibende Kraft tut nicht gut. Kaum irgendwo übrigens, jedenfalls kann die Schlussfolgerung nicht sein, per se die Motivation plastischer Chirurgen zu hinterfragen und abzuwerten. Es empfiehlt sich dennoch ein kritischer Blick.

69


eco.wirtschaft

Das Spezialgebiet der ästhetischen Chirurgie ist nur ein sehr kleines innerhalb des Fachs. Um die nötigen Fertigkeiten zu erwerben, ist es normalerweise erforderlich, sich nach der Facharztprüfung zum Plastischen Chirurgen entsprechendes Wissen in Privatkliniken oder bei niedergelassenen Kollegen anzueignen. Als Patient vorab Infos über seinen behandelnden Arzt, seinen Werdegang und Referenzen einzuholen, ist generell ratsam – so auch bei Schönheitschirurgen.

SCHON SCHÖN

70

Ästhetische Chirurgie und ästhetische Behandlungen haben in den letzten 25 bis 30 Jahren einen großen Aufschwung erlebt. Wie so vieles begann der Boom im Westen, in Südamerika und den USA. Mittlerweile spielt auch Asien und insbesondere Korea eine große Rolle am Ästhetikmarkt. Schon lange sind ästhetische Eingriffe welcher Art auch immer nicht mehr nur der wohlhabenden Gesellschaft vorbehalten. Die ästhetische Chirurgie hat heute eine Breitenwirkung, die vor 15 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Folglich werden auch die Angebote immer umfangreicher, die Methoden haben sich enorm entwickelt. Neben den offenen Operationen bietet der Markt risikoärmere minimalinvasive Techniken, die mittels winziger Schnitte funktionieren und kaum sichtbare Narben hinterlassen. Das sorgt für kleine Wundflächen sowie kürzere Heilungs- und Ausfallzeiten. Ungeachtet dessen darf man aber nicht vergessen: Ein Eingriff bleibt ein Eingriff. Mit all seinen Risiken. Streng genommen ist ein rein ästhetischer Eingriff eine Form der Körperverletzung, die nur durch penible Aufklärung und eine explizite Einverständniserklärung ihren Tatrechtsbestand verliert. Man muss sich bewusst sein: Es handelt sich um eine Operation an einem gesunden Menschen, ohne medizinische Indikation. Deshalb werden die Kosten nur in sehr ausgewählten Fällen von der Krankenkasse übernommen. Weltweit wurden im Jahr 2018 laut ISAPS (International Society of Aesthetic Plastic Surgery) 23,3 Millionen ästhetische Operationen durchgeführt. Und die Zahl nimmt stetig zu. Die häufigste Schönheitsoperation ist die Brustvergrößerung mit Silikonimplantaten, gefolgt von der Fettabsaugung und der Oberlidstraffung. Rund 85 Prozent aller Schönheitsoperationen werden wenig überraschend an Frauen durchgeführt. Der österreichische Gesetzestext zur „Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen“ ist auffälligerweise einer, der in hauptsächlich weiblicher Form verfasst ist.

VOM KENNENLERNEN BIS ZUR NACHSORGE

Grundlage für eine ästhetische Operation ist immer eine Erstuntersuchung bzw. ein Erstgespräch, bei dem sich Patient und Arzt kennenlernen. „Sympathie und eine Vertrauensbasis sind das Um und Auf“, sagt Julia Cordin, niedergelassene Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Innsbruck und Wörgl. „Neben der körperlichen Untersuchung und dem Besprechen des Anliegens des Patienten erfolgt im

Fall auch die Festlegung des gewünschten und möglichen Eingriffs mit einer ausführlichen Aufklärung über Risiken, Komplikationen und den prä- und postoperativen Verlauf.“ Entscheidet sich der Patient für eine ästhetisch-medizinische Behandlung zum Beispiel mit Botox oder Fillern oder zu einem Fadenlifting, kann diese auf ausdrücklichen Patientenwunsch noch am selben Tag und vor Ort durchgeführt werden. Fällt die Entscheidung auf einen operativen Eingriff, muss dieser in Ruhe geplant und vorbereitet werden. Außerdem müssen zwischen Aufklärung bzw. Erstgespräch und dem Eingriff mindestens 14 Tage liegen. So verlangt es das Ästhetikgesetz. Der Patient muss also genügend Zeit haben, sich das Vorhaben durch den Kopf gehen zu lassen. „Nie darf ein Patient sich zu einer Operation gedrängt oder gar verpflichtet fühlen. Die besprochenen Vor- und Nachteile des Eingriffs, das prä- und postoperative Prozedere und der Kostenaspekt müssen wohl überlegt sein“, so Cordin. Ebenfalls verpflichtend ist eine Fotodokumentation über den Status vor dem geplanten Eingriff und das Ergebnis des durchgeführten Eingriffs. Auch das will das Gesetz so.


eco.wirtschaft

EINE FRAGE DER EHRE Die ästhetische Medizin bzw. Chirurgie umfasst ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten. „Das Endergebnis soll immer ein natürliches sein“, ist Cordin überzeugt. „Man weiß, dass ästhetische Behandlungen – in einem vernünftigen Ausmaß – den Selbstwert der Patienten steigern. Ein Beispiel dafür ist die Brustvergrößerung. Oft leiden Frauen über Jahre oder gar Jahrzehnte an einem aus ihrer Sicht körperlichen Defizit. Eine schlussendlich operative Korrektur verleiht fast allen Frauen ein neues Lebensgefühl mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.“ Vielfach liegt das nicht an der neuen Brust an sich, sondern daran, dass der Alltag nicht mehr von den ständigen Gedanken an den gefühlten Makel dominiert wird. Das kann das eigene Leben tatsächlich nachhaltig zum Positiven ver-

BEGRIFFE ÄSTHETISCHE OPERATION (ästhetische Chirurgie,

ästhetisch-chirurgischer Eingriff, kosmetische Chirurgie, kosmetische Operation, Schönheitschirurgie, Schönheitsoperation): eine operativ-chirurgische Behandlung zur Herbeiführung einer subjektiv wahrgenommenen Verbesserung des optischen Aussehens oder der Verschönerung des menschlichen Körpers oder der ästhetischen Veränderung des körperlichen Aussehens einschließlich der Behandlung altersbedingter äußerlicher Veränderungen des Körpers ohne medizinische Indikation; Beispiele: Bauchstraffung (Abdominoplastik), Brustvergrößerung/-verkleinerung (Mammaaugmentation/-reduktion), Fettabsaugung (Liposuction); Körperstraffung (Bodylift), Nasenkorrektur (Rhinoplastik), Korrektur abstehender Ohren (Otoplastik), Oberschenkelstraffung, Gesäßmodellierung, Liftings.

„ENTSTEHT IM RAHMEN DER ÄRZ TLICHEN A U F K L Ä R U N G D E R V E R D A C H T, D A S S B E I D E R PAT I E N T I N ( D E M PAT I E N T E N ) EINE KRANKHEITSWERTIGE P S Y C H I S C H E S T Ö R U N G V O R L I E G T, DEREN FOLGE DER WUNSCH NACH DER Ä S T H E T I S C H E N O P E R AT I O N I S T, S O IST VON DER BEHANDELNDEN ÄRZ TIN (DEM BEHANDELNDEN ARZT) VOR DURCHFÜHRUNG DES EINGRIFFS EINE A B K L Ä R U N G … Z U V E R A N L A S S E N .“ BUNDESGESETZ

ändern. Forscher haben zudem herausgefunden, dass Frauen, die mit ihren Brüsten unzufrieden sind, sich selbst weniger auf Brustkrebs abtasten. Letztlich braucht es ein hohes Maß an Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Die Optimierung des Äußeren kann keine tieferliegenden Probleme lösen. Aufklärung, Beratung und das Aufzeigen von Alternativen sind in der Ästhetischen Chirurgie deshalb besonders wichtig. Übertriebene Brustvergrößerungen sorgen selten für mehr

ÄSTHETISCHE BEHANDLUNG: Eine Behandlung mit

anderen als operativ-chirurgischen Methoden wie insbesondere mittels Arzneimitteln und minimalinvasiver Methoden. Beispiele: Botoxbehandlungen, Laserpeelings, Faltenlaserung, Thermage.

EINGRIFF: eine ästhetische Operation

MEDIZINISCHE INDIKATION: Ein auf aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhender Grund, eine ästhetische Behandlung oder Operation durchzuführen. Sie liegt vor, wenn die ästhetische Behandlung oder Operation unter Berücksichtigung der Lebensverhältnisse der Patientin (des Patienten) nach objektiven Kriterien notwendig ist, um Lebensgefahr oder die Gefahr einer Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der Patientin (des Patienten) abzuwenden oder einen anatomischen oder funktionellen Krankheitszustand zu beseitigen und die Gefahr oder der Krankheitszustand nicht auf eine gelindere für die Patientin (den Patienten) zumutbare Weise abgewendet oder beseitigt werden kann.

Die Tätigkeiten des PIERCENS oder TÄTOWIERENS fallen nicht unter die Begriffe „ästhetische Operation“, „ästhetische Behandlung“ und „Eingriff“.

Quelle: Bundesgesetz zur Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen sowie Änderung des Ärztegesetzes 1998, Jahrgang 2012

DR. MANFRED STUFFER Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie Ästhetische Chirurgie (Gesicht, Nase, Brust, Fettabsaugung, Filler, Botox, Laser), Venenchirurgie, Handchirurgie, Hautkrebs-OP Ordination Adamgasse 17, 6020 Innsbruck Tel. (0512) 561540 info@stuffer.at, www.stuffer.at

Belegbetten Sanatorium d. Kreuzschwestern Hochrum Tel. (0512) 2340 www.privatklinik-hochrum.com

71


eco.wirtschaft

72

Selbstwert. Eher zu Irritationen des Umfelds – wenn das Außen eines Menschen nicht mehr mit seinem Inneren zusammenpasst. Schönheitsoperationen sind keine Seelentröster, Fettabsaugungen kein Diätersatz und (retuschierte) Models in Magazinen keine Schönheitsvorlage. Abgesehen davon, dass sich Schönheitsideale im Laufe der Zeit immer wieder verändern. Selbstdarstellung ist die falsche Motivation. Ein seriöser Chirurg ist sich seiner ethischen Verantwortung bewusst. „Für jeden Ästhetischen Chirurgen heißt es, aufmerksam und achtsam zu sein, jeden einzelnen Patienten zu erahnen und die Beweggründe für sein Aufsuchen zu erörtern“, findet Cordin. Hat der Patient eine realistische Erwartungshaltung? Kommt er aus eigenem Antrieb? Liegt eine Körperwahrnehmungsstörung vor? „Das Selbstbild vieler Patienten ist nicht realistisch. Das muss nicht unbedingt pathologisch sein, getriggert wird dieses oft durch falsche oder unnatürliche Schönheitsideale, die über Werbung und Social Media suggeriert werden“, warnt Cordin und rät nicht nur Patienten bei der Wahl des Chirurgen genau hinzusehen, sondern auch Ärzten in Bezug auf ihre Patienten achtsam zu sein. Und auch Nein zu einer Behandlung zu sagen. Dieser Beitrag soll kein Plädoyer für einen ästhetischen Eingriff oder eine chirurgische Veränderung sein, Fakt ist: Das Geschäft mit der Schönheit boomt. In Österreich lassen sich geschätzt jährlich rund 50.000 Menschen

zum Zwecke der Schönheit operieren. Geht man von einem durchschnittlichen Kostenpunkt von 4.000 Euro pro Operation aus, ergibt sich daraus ein Umsatz von rund 200 Millionen Euro. Den meisten Patienten sieht man einen Eingriff kaum an. Fälle, in denen Menschen die Kontrolle über ihren Körper verlieren und ein Suchtverhalten entwickeln, sind selten. Body Dysmorphic Disorder nennt sich diese Krankheit. Letzten Endes geht es darum, sich mit sich und seinem Körper wohl zu fühlen. Wie man dieses Ziel erreicht, soll und muss in der Freiheit jedes Einzelnen liegen.

„ E I N E Ä S T H E T I S C H E O P E R AT I O N DARF NUR DURCHGEFÜHRT WERDEN, W E N N D I E PAT I E N T I N ( D E R PAT I E N T ) N A C H U M FA S S E N D E R Ä R Z T L I C H E R AUFKL ÄRUNG IHRE (SEINE) EINWILLIGUNG NACHWEISLICH DA ZU E R T E I LT H AT. B E I E I N E R Ä S T H E T I S C H E N O P E R AT I O N I S T Ü B E R D I E S E I N E F R I S T VON ZUMINDEST ZWEI WOCHEN ZWISCHEN DER ABGESCHLOSSENEN ÄRZ TLICHEN AUFKL ÄRUNG UND DER E I N W I L L I G U N G E I N Z U H A LT E N .“ BUNDESGESETZ


BESTMÖGLICHES AUS SEHEN IN JEDEM ALTER

W

S PÄ

T E R .. .S I

E

IR

CH?

WERDE

N

AU

W

G

.K

OS

IS

A

WW

E.

AT

A LT ? M E T I K-V

DER LASER GEGEN DAS ALTERN Der Venus Viva aus den USA ist das neueste Laser-Gerät am Markt, welches mit fraktionierter Radiofrequenz die Haut massiv verjüngt, Aknenarben, Knitterfältchen und sogar Schwangerschaftsstreifen verbessert.

NADELN FÜR DIE SCHÖNHEIT – MICRO-NEEDLING Duch das Piksen mit den feinen Nadeln werden Signale an bestimmte Rezeptoren der Haut gesendet und so die körpereigene Kollagensynthese hochfahren. Gleichzeitig werden Wirkstoffe wie z.B. Hyaluron eingeschleust.

FETT ABSAUGEN WAR GESTERN – KRYOLIPOLYSE Hartnäckige Fettdepots verschwinden oft trotz Sport nicht. Mit kontrollierter Kälteeinwirkung – ganz sanft, effizient und sicher –

zerstören wir die einzelnen Fett-Lipide von innen. Das frei werdende Fett wird ganz einfach aus dem Körper transportiert bzw. verstoffwechselt.

ALL-IN-ONE JET PEEL Druckluft wird durch ein patentiertes Jet-Handstück beschleunigt. Mikrotropfen mit unterschiedlichen Wirkstoffen werden mit 720 km/h bis 4,5 mm in die Haut eingeschleust. Wirkungsvollste Methode bei Hautunreinheiten, Couperose und Hyperpigmentierung.

LONG-TIME-LINER CONTOUR MAKE-UP Ein strahlender Ausdruck am Morgen und kein Abschminken am Abend? Mit dem Long-Time-Liner Contour Make-up wird es möglich. Unsere 25-jährige Erfahrung und die Möglichkeit einer extrem feinen Pigmentation sichern ein perfektes Ergebnis, ohne pigmentiert auszusehen.

IHR 1. DERMAKOSMETISCHES FACHINSTITUT IN TIROL

INNSBRUCK, Richard-Wagner-Straße 6 +43 512 294370 INSTITUT

EBBS, Kaiserbergerstraße 4 +43 5373 42 039

GUTSCHEIN: 40,00 € EINZULÖSEN AUF EINE DIESER 5 SPEZIALBEHANDLUNGEN


eco.wirtschaft

74

ZWISCHEN LUXUS UND NOTWENDIGKEIT Julia Cordin ist Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie mit Praxen in Innsbruck und Wörgl und hilft ihren Patienten dabei, sich selbst ein bisschen besser zu fühlen. Sie weiß aber auch um die ethische Dimension ihrer Arbeit und dass es ab und an sein muss, Nein zu sagen.

ECO.NOVA: Laut WHO ist die psychische Gesundheit ebenso wichtig wie die körperliche. Welche Rolle spielt die Psyche, wenn man mit dem Gedanken spielt, einen ästhetischen Eingriff vornehmen zu lassen? Und wann sind im Zuge dessen ästhetische Eingriffe für Sie gerechtfertigt? JULIA CORDIN: Für mich als ästhetische Chirurgin ist eine stabile

Psyche Grundvoraussetzung, um an einem Patienten eine Behandlung durchzuführen. Ein labiler seelischer Zustand, ein geringer Selbstwert oder Unsicherheit die eigene Person betreffend stellen eine absolute Kontraindikation für Behandlungen dar. Würde ich so einen Patienten sozusagen ins offene Messer rennen lassen, wäre das grob fahrlässig.

Die meisten ästhetischen Eingriffe werden nicht von der Krankenkasse oder Versicherung übernommen. Sind Schönheitsoperationen ein Privileg der Reichen? Ästhetische Behandlungen sind in unseren Breiten Luxus und zählen nicht zu den Grundbedürfnissen. Deshalb werden sie auch nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse übernommen. Natürlich könnte


man argumentieren, dass ästhetische Behandlungen depressive Verstimmungen bessern und manchen Menschen wieder zu neuer Lebensfreude verhelfen können. Diese Einschätzung ist aber sehr subjektiv. Behandlungen auf diesem Sektor sind zudem sehr kostenintensiv, deshalb finden diese Begründungen keinen Nährboden. Viele ästhetische Eingriffe werden im Ausland viel günstiger vorgenommen. Wie kann es zu diesen teils wirklich horrenden finanziellen Differenzen kommen? Auch mir stellte sich zu Beginn meiner Tätigkeit als ästhetische Chirurgin die Frage, wie es sein kann, dass zum Beispiel im Osten Brustoperationen deutlich kostengünstiger sind als in Österreich. Die Erklärung ist relativ simpel. Ästhetische Operationen umfassen hierzulande ein Package aus Eingriff und Service, also Betreuung, Kontrollen oder eventuelle Korrektureingriffe. Anderswo zahlen Patienten den Eingriff, der mag vielleicht ob verschiedener Rahmenbedingungen tatsächlich etwas kostengünstiger sein als bei uns, das Rundherum, also die Nachbetreuung, fällt jedoch komplett weg. Diese muss von einem heimischen Chirurgen übernommen werden, genauso wie das Management möglicherweise anfallender Komplikationen wie Hämatome, Infektionen, Wundheilungsstörungen oder der schlichten Unzufriedenheit mit dem Operationsergebnis. Von den Patienten wird vorausgesetzt, dass diese Weiterbehandlung quasi kostenlos ist, weil sie die Operation ja bereits bezahlt haben. Nebenbei kann man als nachfolgender Chirurg nicht viel gewinnen: Der Patient kommt verärgert oder unzufrieden in die Praxis, was generell nie eine gute Voraussetzung ist, und ist zudem oft nicht bereit, für die anschließende Leistung zu bezahlen. Außerdem steigt man mehr oder weniger in die Arbeit eines Fremden ein und weiß nicht genau, was einen erwartet. Was macht für Sie einen guten ästhetischen Chirurgen aus? Die Basis ist eine fundierte chirurgische Ausbildung und die nicht nur im Fachgebiet der plastischen Chirurgie. Auch grundlegende allgemein-chirurgische Skills sind gefragt. Man sollte das Pferd von vorne aufzäumen und nicht mit der Spezialisierung beginnen. Wichtig ist Empathie, Menschlichkeit, viel Verständnis und vor allem darf man die Probleme, Anliegen oder Bedürfnisse des Patienten nicht persönlich bewerten. Auch gesellschaftliche Normen dürfen nicht der Maßstab sein. Es ist wichtig, das Gegenüber vorbehaltlos zu erkennen und wahrzunehmen. Als ästhetischer Chirurg muss man seine Patienten dort abholen, wo sie sich befinden, und jeden Einzelnen individuell behandeln. Schönheitsoperationen haben oft keine medizinische Indikation. Meist geht es darum, aus einem „guten“ Menschen einen noch „besseren“ zu machen. Wie lässt sich dies mit der Ethik des Arztseins vereinbaren, die eigentlich vorgibt, kranke Menschen zu heilen und nicht Eingriffe an gesunden Menschen vorzunehmen? Da mir Veränderung ohne große Veränderung wichtig ist, strebe ich bei meinen Patienten immer ein natürliches Aussehen an. Die individuelle Schönheit soll unterstrichen werden. Da ich so denke und handle, kann ich sehr gut hinter mei-

KONZEPTE. PLANUNG. PRODUKTE.

JA G E N AU – WIR M AC H E INNE N N A RC HITE K TUR

Haller Strasse 133 AT-6020 Innsbruck

Oberanger 32 DE-80331 München

T +43 512 / 31 93 84 E info @ agape30.at W agape30.at

T +49 89 / 72 63 79 40 E info @ agape32.de W agape32.de


eco.wirtschaft

76

ner Arbeit stehen. Auch Kritikern gegenüber empfinde ich keine Scheu. Ich nehme meine Rolle als Ärztin allgemein ernst, handle verantwortlich und missbrauche meinen Status nicht. Ich gehe mit dem Vertrauen, das mir meine Patienten entgegenbringen, behutsam um. Gibt es Trends in der ästhetischen Chirurgie? Es geht definitiv weg von großen, offenen und hin zu minimalinvasiven Operationen sowie zu ästhetisch-medizinischen Behandlungen. Und: Die Patienten werden jünger. Sie sehen Behandlungen etwa mit Botox oder Fillern eher als Prophylaxe, um Alterserscheinungen vorzubeugen oder sie hinauszuzögern. Auch die Anzahl der männlichen Patienten steigt. Männer haben in den letzten Jahren mehr Sinn für ihr Äußeres entwickelt.

Für einen ästhetischen Eingriff entscheidet sich ein Patient in der Regel sehr bewusst und wohl überlegt. Wann würden Sie einen Eingriff dennoch ablehnen und passiert es, dass plastische Chirurgen in diesem Punkt nicht auch manchmal über ihre eigenen Füße stolpern und Operationen vornehmen, die eigentlich an der Grenze des Vertretbaren liegen, eben weil es ihre Einnahmequelle und ihr Beruf ist – vermutlich wissend, dass sich immer ein Chirurg finden wird, der den

„ PAT I E N T E N H A B E N H Ä U F I G D E N WUNSCH, JUNG AUSZUSEHEN, SIE MÖCHTEN SICH PFLEGEN UND AUF IHR ÄUSSERES ACHTEN – LIEBER F R Ü H E R A L S S PÄT E R .“ JULIA CORDIN

Eingriff vornimmt, wenn man es selbst nicht macht. Prinzipiell muss der Patient den Eingriff wollen und das mir gegenüber auch klar äußern. Es darf nicht sein, dass er möchte, dass ich ihm die Entscheidung abnehme. „Was würden Sie tun?“, höre ich äußerst ungern. Ich kann die Pros und Contras darlegen und auch gerne meine Sichtweise bezüglich einer Operation und meine Erfahrung teilen, aber ich kann und darf die Entscheidung keinem Patienten abnehmen. Ich persönlich lehne Eingriffe ab, wenn ich das Gefühl habe, der Patient ist fremdgesteuert und wird zum Beispiel vom Partner oder von Freunden dahingehend beeinflusst oder sogar gedrängt. Schwierig ist es für mich auch dann, wenn es sich um einen Patienten handelt, der schon mehrere Male voroperiert wurde und zum x-ten Mal bei mir oder einem Kollegen vorstellig wird. Diesen Ärztehoppern ist mit Vorsicht zu begegnen, weil sie grundsätzlich fast immer unzufrieden sind mit den Behandlungsergebnissen und auf

(kostenlose) Folgeeingriffe bestehen. Werden Schönheitsoperationen zu einer Art Sucht, ist diesem Problem psychisch zu begegnen und nicht mit immer weiteren Eingriffen. Ich lehne auch Eingriffe ab, die zu einem unnatürlichen Ergebnis führen oder einem, das nicht zum Patienten passt. Und Eingriffe an Jugendlichen halte ich für ein absolutes NoGo, es sei denn, es handelt sich um angeborene Deformitäten oder bei Mädels zum Beispiel um große und schwere Brüste, die belastend für den Bewegungsapparat sind.

Die medizinischen Möglichkeiten erweitern sich laufend. Viele Eingriffe können heute minimalinvasiv vorgenommen werden. Nimmt das ein Stück weit die Angst oder Hemmung vor einer Operation? Ja, absolut. Patienten muss aber auch klar kommuniziert werden, dass minimalinvasive Eingriffe nicht gleich effektiv sind wie offene Operationen. Oft ist der Langzeiteffekt geringer.


FEUERSTEIN RESORT

ZEIT FÜR DIE BESONDEREN MOMENTE

Während draußen die Wasserfälle durch das Gestein der Berge rauschen und der Schnee von den Baumwipfeln rieselt, knistert drinnen das Kaminfeuer. Hier in den Südtiroler Bergen finden alle Elemente der Natur zusammen. Und auch dem für unser Leben wichtigsten Element, der Familie, wird an diesem Ort die Möglichkeit gegeben, noch fester zusammenzufinden. Denn das Feuerstein Nature Family Resort verspricht, sich um Groß und Klein zu kümmern, um eine Auszeit mit Mehrwert inmitten der Natur.

M

it einer Lage unweit des Brenners ist das Südtiroler Naturresort Feuerstein einfach zu erreichen und liegt doch fernab von allem Trubel. Eingebettet zwischen den hohen Bergen, nur von Wald und Wiesen umgeben, bietet sich das Familienhotel als ein Rückzugsort an, um dem Stress des Alltags zu entfliehen. Im Winter fällt hier mehr als genug Schnee, um sich beim Rodeln, Skifahren oder Eislaufen einmal so richtig austoben zu können. Doch auch der Sommer bietet ausreichend Gelegenheiten, um beim Wandern, Biken oder Schwimmen der Natur wieder einen Schritt näher zu kommen. Auch in der Architektur selbst spiegelt sich die Natur wider, mit vielen natürlichen Stoffen aus dem eigenen Tal, etwa Holz oder Silberquarzitstein, und durch die großflächigen Fenster, die einen Ausblick auf die umliegende Landschaft gewähren. In der Ausstattung wurde neben einem zeitlosen Design zugleich auf eine kindgerechte Funktionalität geachtet.

Kinder stehen hier im Fokus und können auch abseits der Skipisten neue Erfahrungen und bleibende Erinnerungen sammeln. So wird in der Holzwerkstatt fleißig gehobelt, geschnitzt und gelötet, während im Malatelier ein ganzer Raum als Leinwand bereitsteht, an dem die Kleinen ihre künstlerische Ader entdecken können. Etwas mehr Bewegung und ein Gefühl von ländlichem Leben verspricht die Spielscheune mit eigenem Heuboden. Und während die Jugend ein Abenteuer nach dem nächsten erlebt, bleibt dank der angebotenen Kinderbetreuung für die Eltern die Möglichkeit einer Verschnaufpause. So bleibt noch ausreichend Zeit für traute Zweisamkeit, um den Urlaub auch wieder einmal als Paar zu genießen. In der Adults-only-Saunawelt kann man es sich in aller Ruhe gut gehen lassen und gemeinsam Kraft tanken. Und ist man rundum erholt, kann man wieder als ganze Familie gemeinsam besondere Momente im Feuerstein Nature Family Resort oder in der Umgebung erleben.

WEISSE WOCHE 9. BIS 20. JÄNNER 2021 7 Nächte, ¾-Pension ab 1.164 Euro pro Person • 1 Nacht geschenkt • Erfrischungsgetränk beim Check-in • ¾-Verwöhnpension • 70 Stunden/Woche Kinderbetreuung für Kinder von 0 bis 16 Jahren • 3.000 m² Mountain Spa mit 4 Pools und Wasserrutschen • Family Sauna & For-Adultsonly-Sauna

www.feuerstein.info

77


eco.wirtschaft

SANFTE SCHÖNHEIT Neben Umweltfaktoren und dem Lebensstil sind für den Alterungsprozess vorwiegend genetische Faktoren verantwortlich. Im Zuge des Anti-Aging-Trends möchte man genau diesem Prozess ein Schnippchen schlagen. Neben operativen Techniken wie Lidstraffungen, Face- oder Halslifting kommen heute immer mehr sanfte Methoden zur Anwendung.

78

D

ie moderne Medizin bietet heute viele Möglichkeiten, alterungsbedingte und unerwünschte Veränderungen zu verbessern. Der Begriff des Anti-Aging ist aus dem heutigen Leben kaum mehr wegzudenken. Vor allem im Gesicht lässt sich der Alterungsprozess nach außen am besten wahrnehmen. Die Veränderungen des Gesichtes im Verlauf des Älterwerdens sind ein natürlicher Vorgang. Der Alterungsprozess der Haut führt zu einem Verlust an kollagenen und elastischen Fasern. Dies bedingt ein Absinken bestimmter Gesichtspartien, durch individuelle Faktoren und Umwelteinflüsse, vor allem zu viel Sonneneinwirkung im Lauf der Jahre, können diese Vorgänge verstärkt werden. Die Struktur der Haut wird verändert, es entstehen Falten, Pigmentflecken, geplatzte Äderchen und

Rauigkeiten. Ein weiteres Kennzeichen des Alterns ist der Volumenverlust des Unterhautfettgewebes, der sich in bestimmten Partien des Gesichtes, vor allem um den Mund und die Augen, besonders auswirkt. Wenn die Falten im Gesicht und am Hals zunehmen, entschließen sich immer mehr Menschen, auch Männer, zur Verbesserung des Aussehens mit verschiedenen Verfahren nachzuhelfen. War früher meist die Operation das Mittel der Wahl, stehen der Ästhetischen Medizin heute zahlreiche sanftere minimalinvasive Methoden zur Verfügung.

INJEKTIONSTECHNIKEN

BOTOX ist heute weit verbreitet und in erster Linie geeignet, mimisch aktivierte Falten zu reduzieren und das Eingraben in die Hautstruktur zu vermeiden, vor allem um die

Augenpartie. Dabei muss darauf geachtet werden, keine Überbehandlung durchzuführen, um einen mimisch starren Ausdruck zu vermeiden.

HYALURONSÄUREFILLER werden dazu ver-

wendet, den Volumsverlust zu ersetzen. Die Filler können im gesamten Gesicht verwendet werden, sehr häufig werden sie im Nasolabial-, Mundwinkel- und Marionettfaltenbereich angewandt, aber auch um die Augenpartie. Die Filler werden je nach Region in unterschiedlichem Ausmaß langsam wieder resorbiert. Um das Ergebnis zu erhalten, sind daher wie bei Botox von Zeit zu Zeit Nachinjektionen notwendig. Gerne werden auch schmale Lippen mit Hyaluronsäurefillern verschönert, in größeren Mengen eventuell durch Eigenfettinjektionen (Lipofilling).


eco.wirtschaft

GUTES AUSSEHEN, JUGENDLICHKEIT UND EIN DYNAMISCHES ERSCHEINUNGSBILD WERDEN HEUTE IMMER WICHTIGER FÜR DAS EIGENE SELBST WERTGEFÜHL UND HÄUFIG AL S E N T S C H E I D E N D E KO M P O N E N T E N F Ü R E R F O L G I N B E R U F U N D P R I VAT L E B E N A N G E S E H E N . EIGENFETTINJEKTIONEN stellen eine gute

Alternative dar, vor allem dann, wenn größere Volumina benötigt werden. Ein Teil des transplantierten Fetts wird zwar wieder resorbiert, aber der Rest wird dauerhaft eingebaut, damit ist ein langfristiges Ergebnis möglich. In transplantiertem Fett ist außerdem ein relativ hoher Gehalt an sogenannten Stammzellen gegeben, sodass oft zusätzlich zum Volumsaufbau eine verjüngende Wirkung auf die Haut selbst zu beobachten ist.

Unter MESOTHERAPIE versteht man das Einbringen verschiedenster Substanzen (in erster Linie native unvernetzte Hyaluronsäure) mit vielen kleinen Injektionen in die Haut, um sie biologisch zu verjüngen. In weiterer Hinsicht zählt dazu auch die Injektion von PRP (Platelet Rich Plasma), das aus dem eigenen Blut gewonnen wird. Die darin angereicherten Wachstums- und andere Faktoren sollen einen Verjüngungseffekt der Haut bewirken. Die Methode wird manchmal auch als PRP-Facelift oder marktschreierisch als Vampir-Facelift bezeichnet.

Beim FADENLIFTING soll eine Anhebung erschlaffter Gesichtspartien bewirkt werden. Mit feinen Kanülen werden spezielle Fäden unter die Haut eingezogen. Diese werden innerhalb ein paar Monaten vom Körper wieder resorbiert. Durch die netzartige Platzierung oder die Zugrichtung von mit Widerhäkchen armierten Fäden kommt es durch die unter der Haut ablaufende Vernarbung zu einem Volumsaufbau bzw. zu einer Gewebestraffung und Verlagerung. Besonders geeignet ist die Methode für Erschlaffungen der Wangenpartie, bei sogenannten Hängebäckchen, im Augenbrauen- und Halsbereich, sie wird aber auch an Dekolleté und Oberarmen angewendet. Ein Fadenlifting kann ambulant und ohne oder nur mit minimaler Lokalanästhesie durchgeführt werden. Die Haltbarkeit beträgt zwei bis drei Jahre.

LASERBEHANDLUNGEN

Ein umfassendes Verjüngungskonzept muss auch die Oberflächenstruktur der Haut um-

fassen. Neben genetischen Faktoren ist hier vor allem die übermäßige UV-Einstrahlung durch Sonnenlicht verantwortlich für Faltenbildung, Pigmentverschiebungen oder Gefäßeinsprossungen (Couperose). Die moderne Medizin kann die Folgen übermäßigen Sonnengenusses in vielen Fällen bessern. Bei vielen störenden Veränderungen stehen dabei Laserbehandlungen an vorderster Stelle. Durch gezielte Anwendung hochenergetischer Lichtpulse verschiedener Wellenlängen können diverse Sonnenschäden repariert oder zumindest deutlich gebessert werden. Überpigmentierungen können mit Rubinlasern entfernt, erweiterte Gefäßchen mit KTP-Lasern verödet und Falten durch eine Stimulierung der biologischen Hautregeneration reduziert werden. Dabei setzen sich immer mehr sogenannte fraktionale Lasersysteme durch. Die Behandlungen finden in der Regel ambulant statt. Sogenannte Laserresurfacing-Behandlungen zur Verbesserung und biologischen Verjüngung der Haut wurden bereits seit Mitte der 1990er-Jahre mit gutem Erfolg durchgeführt, hatten aber relativ gravierende Begleiterscheinungen, eine sehr mühsame Abheilphase und eine monatelang anhaltende Hautrötung zur Folge. Hier hat die Technik der fraktionalen Laserbehandlung einen wesentlichen Fortschritt gebracht. Der Laser schießt unsichtbare winzige Löcher in die Haut, die nach wenigen Stunden bereits wieder abgeheilt sind, es entsteht keine offene Wunde. Der Heilungsprozess regt die Neubildung und Neustrukturierung von kollagenen und elastischen Fasern an, die kontrollierte thermische Energie des Lasers bewirkt auch eine Faserschrumpfung, wodurch es insgesamt zu einem straffenden und glättenden Effekt kommt. In vielen Fällen können mit diesen nicht oder wenig invasiven Methoden deutliche Verbesserungen erzielt werden. Die klassischen chirurgischen Methoden haben aber nach wie vor ihren Stellenwert. Eine kompetente Beratung durch Fachleute, die beides beherrschen, ist daher in jedem Fall anzuraten.

DER FRAKTIONIERTE CO2- LASER

Die moderne medizinische Lasertechnologie hat in den letzten Jahren in der Plastisch-Ästhetischen Medizin große Fortschritte gemacht und einen wahren Boom erlebt. Seit einigen Jahren hat sich der fraktionierte CO2-Laser im Behandlungsspektrum für eine Vielzahl von Indikationen etabliert. Wurde mit früheren Techniken die gesamte obere Hautschicht abgetragen, setzt der fraktionierte Laser nur mikroskopisch feine Kanäle in die Haut. Die unbehandelten Hautareale bleiben intakt, wodurch sich die Haut sehr rasch regeneriert. Gleichzeitig stimuliert die Wärmeeinwirkung in den tieferen Schichten die Neubildung von hautstraffendem Kollagen. Mit dieser Technologie können zum Beispiel verschiedenste Hautprobleme schonend behandelt werden. Sie stellt aufgrund der geringen Invasivität eine ideale Verjüngungstherapie für Gesicht, Hals und Dekolleté dar. Falten werden deutlich gemildert und vor allem werden grobporige Hautbereiche verfeinert. Besonders die sonnengeschädigte Haut kann dadurch auch gut biologisch regeneriert werden, Sonnenflecken verblassen und der Teint wird ebenmäßiger. Die Haut erhält wieder mehr Spannkraft, eine gleichmäßigere Struktur und wirkt insgesamt jünger. Weitere Anwendungsgebiete sind hypertrophe (überschießende) Narben, Aknenarben und mit eingeschränkten Erfolgen atrophische Narben wie Dehnungsstreifen der Haut. Bei unterschiedlich pigmentierter Haut ist ein deutlich regelmäßigerer Hautteint erzielbar. Dies gilt auch für das sogenannte Melasma, das sind hormonell oder phototoxisch (Parfüm und Sonne) entstandene Überpigmentierungen, die sich oft an der Stirn, den Unterlidern und an der Oberlippe finden.

WEITERE INFOS: Dr. Manfred Stuffer Adamgasse 17, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/56 15 40

www.stuffer.at

79


eco.wirtschaft

FRAUENSACHE Das soziale und psychische Wohlbefinden (junger) Frauen hängt stark vom Erscheinungsbild ihrer Brust ab. Deshalb zählen Eingriffe in diesem Bereich zu den häufigsten in der Ästhetischen Chirurgie. Brustoperationen werden – wenn auch in geringer Anzahl – indes auch bei Männern vorgenommen.

W 80

ir leben in einer Gesellschaft, in der es unterschiedlichste Möglichkeiten gibt, das eigene Erscheinungsbild zu verbessern. Für Frauen ist es oftmals die Brust, die als „Problemzone“ gesehen wird – mit negativen Auswirkungen auf die psychische und/oder die körperliche Gesundheit. Eingriffe an der Brust sind in der Regel mit einer Operation verbunden. „Um die Anliegen der Patientin richtig zu verstehen, ist eine ausführliche Beratung im Vorfeld nötig“, sagt Dr. Elisabeth Zanon, Fachärztin Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie mit Praxis im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck. „Grundvoraussetzung für die Behandlung ist die Kompetenz des behandelnden Arztes sowohl dahingehend, die richtige Methode auszuwählen und diese in der Folge auch umzusetzen. Es kann und soll aus meiner Sicht nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Sollte eine Patientin eine ihrem gesamten Körperbild entsprechend unverhältnismäßig große Brust wollen, liegt es in der Verantwortung von uns Ärzten, die Konsequenzen aufzuzeigen. Wir müssen in diesem Fall auch Operationen ablehnen, wissend, dass die Patientin wohl einen Chirurgen für den Eingriff finden wird. In diesem Fall kann ich nur an das Bewusstsein meiner Kollegen appellieren – und letztlich auch an die Gesellschaft.“ Brustoperationen sind dennoch nicht per se abzulehnen, das Ergebnis sollte aber ein angemessenes sein. Eine Vergrößerung der Brust kann folglich sowohl mittels Implantat als auch durch Eigengewebe erfolgen. Welche Methode letztlich gewählt wird, hängt unter anderem von der Konstitution der Patientin ab. Eigenfettvergrößerungen der Brust können unter Umständen ein mehrzeitiges Vorgehen notwendig machen.

BRUSTKORREKTUREN

„Frauen müssen sich heute nicht mehr mit ihrer angeborenen oder im Laufe des Lebens erworbenen Form der Brust abfinden“, sagt Zanon. Es gibt verschiedene Methoden zur

„DAS VERANT WORTUNGSBEWUSSTSEIN DER BEHANDELNDEN ÄRZTE IST GRUNDVORAUSSE TZUNG FÜR EINE SERIÖSE BEHANDLUNG UND LE TZ TLICH AUCH FÜR DEN ERFOLG, D E R D I E PAT I E N T I N Z U F R I E D E N M A C H T.“ DR. ELISABETH ZANON

Korrektur. Neben der Brustvergrößerung das Äquivalent – die Brustverkleinerung – oder die Straffung, die gegebenenfalls mit einem Implantat unterstützt werden kann. Die Hauterschlaffung der weiblichen Brust kann unterschiedliche Ursachen haben – zum Beispiel einen ausgeprägten Gewichtsverlust, Schwangerschaft oder ein schwaches Bindegewebe. Die Wahl der Straffungsmethode ist folglich sehr individuell: „Es kann ein Schnitt rund um den Warzenhof sein, ein T-Schnitt oder ein Ankerschnitt. Der Eingriff muss auf jeden Fall immer in Relation zum erwartbaren Ergebnis stehen.“ Selbiges gilt für die Brustverkleinerung, die zum Beispiel den Verlust der Stillfähigkeit zur Folge hat. „Daher gilt für mich eine sehr strenge Indikation in Zusammenhang mit dem Alter der Patientin. Es muss gemeinsam beraten werden, ob die Belastung durch das Gewicht der Brust einen solchen Schritt rechtfertigt.“ Dennoch: Je größer die Brust in Relation zu Körpergröße und -gewicht ist, umso eher besteht eine Indikation zur Verkleinerung. Es muss aber nicht gleich die gesamte Brust sein, auch die Brustwarzen können operativ verändert werden. Verkürzte

Milchgänge führen oft zur „Inverted-nippleDeformität“, also eingezogenen Brustwarzen. Auch zu große Warzenhöfe können relativ einfach korrigiert werden, ohne die Funktion der Brustwarze zu beeinträchtigen.

�������������������������� www.elisabeth-zanon.at

BRUSTOPERATIONEN BEI MÄNNERN Bei Männern kann es zu einem Brustdrüsenwachstum kommen, der so genannten Gynäkomastie. Diese ist oftmals hormonell bedingt. Daneben gibt es die so genannte Pseudogynäkomastie, bei der sich Fettzellen im Bereich der Brust vermehren. Diese geht manchmal auch mit einer „echten“ Gynäkomastie einher. Um welche Art es sich handelt und damit auch die Wahl der Operationsart (Entfernung des Drüsenkörpers mit oder ohne Fettabsaugung bzw. alleinige Abstufung von Fettgewebe) wird nach einer radiologischen und urologischen Abklärung bestimmt. Auch ein massiver Hautüberschuss nach einer hohen Gewichtsabnahme kann unter Umständen einen Eingriff an der Brust(haut) nötig machen.


SONNENTOR

ENDLICH EINE SINNVOLLE SCHMUTZKÜBEL-KAMPAGNE Ein Punkt, den Kundinnen und Kunden auch im Bereich Verpackung immer mehr einfordern, ist Transparenz. „Wir sprechen mit unseren Fans offen über alle Materialien, die wir verwenden, sowie deren richtige Entsorgung“, betont SONNENTOR Gründer Johannes Gutmann.

81

A

nfang des Jahres enthüllte SONNENTOR seine neue Teeverpackung. Dass die verwendeten Materialien auch auf den zweiten Blick nachhaltig sind, zeigt ein aktueller CO2-Check. Satte 20 Prozent weniger CO2 werden gegenüber der vorigen Lösung eingespart. Ein Ergebnis, das auch die Umwelt freut.

ÄNDERUNGEN, DIE INS GEWICHT FALLEN

Die massive Einsparung ist dank mehrerer Optimierungen im Verpackungsprozess möglich. In den alten Aufgussbeutelhüllen der Doppelkammerbeutel von SONNENTOR war ein Aromaschutz aus Polypropylen eingearbeitet. Dieser wurde durch eine verbesserte Barriere ersetzt, die aus Holzfolie besteht. Durch den verstärkten Aromaschutz ist bei den Teeschachteln außen keine zusätzliche Verpackung mehr notwendig. Eine Enthüllung, die ins Gewicht fällt: So werden jährlich 20.000 Kilogramm Verpackungsmaterial eingespart.

Doch nicht nur bei diesem Schritt war die Reduktion erfolgreich. Der Umwelt zuliebe spart der Bio-Pionier an allen Ecken und Enden. Dank einem Papier für die Aufgussbeutelhüllen, das um ein Drittel dünner ist, wurde auch der Papierverbrauch massiv reduziert. Einsparungspotentiale wurden ebenfalls bei den Transportverpackungen genutzt. Durch eine effizientere Schlichtung entstehen keine unnötigen Leerräume mehr.

BIO - PIONIER AUF DEM HOLZWEG

Bereits 2008 hat SONNENTOR die Umstellung von konventionellen auf nachhaltige Materialien eingeleitet. Rund 70 Prozent sind aus nachwachsenden Rohstoffen. Dazu zählen Folien aus Holzfaser, Teebeutel aus Bananenfaser, Papier und Karton. Was nicht kompostiert wird – zum Beispiel Glas und Metall –, kann wiederverwertet werden. Insgesamt können bereits 91 Prozent der Verpackungen einem Rohstoffkreislauf zugeführt werden. PR

JETZT GEHT’S ANS EINGEPACKTE Orientierung ist beim Thema Verpackung ein wichtiges Stichwort, das bis zur Entsorgung mitgedacht werden muss. Auch die innovativste Hülle muss letztendlich den vorgesehenen Weg weitergehen, also recycelt oder kompostiert werden bzw. im richtigen Mülleimer landen. Aus diesem Grund hat SONNENTOR eine eigene Website mit einem Leitfaden zur richtigen Entsorgung erstellt:

www.sonnentor.com/verpackung


eco.wirtschaft

ZUR PERSON

82

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Stefan Höfer (45) ist Gesundheitspsychologe an der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und erforscht überdies, was uns glücklich und zufrieden macht und wie das gesunde Verhalten von Menschen gefördert werden kann. Seine Forschungen zur Lebensqualität haben auch international Beachtung gefunden: Der gebürtige Oberösterreicher wurde 2015 zum Leiter des Standing Comitee Psychology and Health der Europäischen PsychologinnenVereinigung gewählt, einer Organisation, die rund 300.000 Psychologinnen vertritt.


eco.wirtschaft

ECO.NOVA: Sinnsprüche über Schönheit gibt es wie Sand am Meer: Aber steckt in Weisheiten wie „Die wahre Schönheit kommt von innen“ oder „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ aus psychologischer Sicht auch ein Funken Wahrheit? STEFAN HÖFER: Ja, durchaus. Denn was jemand wirklich als schön empfindet – sei es nun eine Person oder ein Objekt – ist tatsächlich subjektiv. Somit liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Dazu kommt, dass Schönheit immer als Bestandteil des Ganzen gesehen werden kann: Sie wohnt dem Menschen oder dem Gegenstand also inne.

Gibt es objektive Kriterien, nach denen man Schönheit definieren kann? Es gibt dem Zeitgeist entsprechend immer wieder Äußerlichkeiten, die von der Allgemeinheit bzw. der Mehrheit als schön bezeichnet werden. Schönheitsideale haben sich im Laufe der Jahrhunderte allerdings stetig verändert: Galt es früher als schön, füllig zu sein, gilt heute ein schlanker Körper als erstrebenswert. Solche Trends spiegeln sich auch in der Architektur wider: Anstelle des Ausladenden und Verzierenden ist das Funktionale und Geradlinige gerückt. Solche Ideale sind schlichtweg der Zeit, in der man lebt, geschuldet. Selbstbewusste Menschen wirken selbst dann schön, wenn sie nicht irgendwelchen vermeintlichen Idealen entsprechen. Wie lernt man es, sich gut und schön zu finden? Das hat viel mit Selbstakzeptanz zu tun. Und ausschlaggebend dafür sind die Menschen, die einen umgeben: Wenn man in der Kindheit permanent kritisiert oder gehänselt wird, fällt es einem klarerweise schwer, sich zu akzeptieren. Wer also von seinen Eltern und dem erzieherischen Umfeld nicht vermittelt bekommt, gut zu sein, so wie man ist, der tut sich als Erwachsener mit der Selbstliebe dementsprechend schwer.

Täuscht es oder sind es vor allem Frauen, die mit ihrem Äußeren nur in den seltensten Fällen zufrieden sind und ständig einem – von Medien geprägten – Ideal hinterherlaufen? In der Psychologie spricht man hier von Ursachenattribuierung, die FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE

WER SCHÖN SEIN WILL, MUSS LERNEN, SICH ZU MÖGEN Dass es ganz schön schwer ist, sich selbst schön zu finden, ist kein Geheimnis. Aber woran liegt das? Der Gesundheitspsychologe und Glücksforscher Dr. Stefan Höfer spricht im Interview über Schönheit, die von innen kommt, den im Menschen verankerten Wunsch nach Zuneigung, das Problem von klischeehaften Rollenbildern und den oft steinigen Weg, sich selbst liebevoll wahrzunehmen. I N T E R V I E W : C H R I S T I A N E FA S C H I N G

83 sich ganz gut anhand eines Beispiels aus dem Sport erklären lässt. Wenn etwa Tennisspielerinnen ein Match verlieren, dann sind sie eher dazu geneigt, den Fehler bei sich zu suchen – und die Niederlage beispielsweise auf einen selbst verschuldeten Mangel an Kondition zurückzuführen. Verliert ein Mann ein Tennismatch, wird die Ursache zunächst einmal beim Gegner gesucht. Sprich: Frauen suchen und finden Ursachen für bestimmte Erlebnisse eher bei sich, Männer beim Gegenüber. Deshalb ist die Selbstkritik bei Frauen auch nachweisbar eine höhere – und das ist nicht nur bei der eigenen Wahrnehmung der Fall, sondern in vielen Lebenslagen. Auch im Job führen Frauen etwaige Probleme eher auf eigene Unzulänglichkeiten zurück. Dieses Verhalten ist nicht genetisch bedingt, sondern in meinen Augen sozialisiert.

Apropos Sozialisation: Haben derlei Verhaltensmuster auch damit zu tun, dass kleine Mädchen oft mit dem Satz „Mei, bist du hübsch“ begrüßt werden, während Buben nach wie vor viel öfter das Kompliment „Du bist aber ein wilder Kerl“ hören? Mit Sicherheit. Diese Prägung findet früh statt in vielen sozialen Systemen, unter anderem im Kindergarten, wo der-

lei Rollenbilder auch transportiert werden können. Manchmal sogar unbewusst. Ich will das mit einem Beispiel erklären, das gar nichts mit Schönheit zu tun hat: Wenn etwa der Vatertag im Kalender steht, basteln die Kinder unter Anleitung nach wie vor meist stereotype Vatertagsgeschenke. Das ist mit einer liebevollen und wertschätzenden Idee verknüpft, aber es trägt damit auch dazu bei, dass sich so ein Rollenbildsystem erhält. Gibt es Wege, sich von diesen Klischees zu trennen? Eigentlich müsste man schon in früher Kindheit versuchen, das stereotype Verhalten gegenüber Mädchen und Burschen aufzulösen. Aber es ist natürlich wahnsinnig schwierig, gewisse Muster zu durchbrechen, weil man selber in diesen Rollenbildern steckt und damit groß geworden ist. Trotzdem wäre es wichtig, geschlechtsneutrale Muster zu fördern und bestehende Rollenbilder so früh als möglich aufzuweichen. Auf Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook präsentieren sich Menschen gern von ihrer aufgehübschten Schokoladenseite, die gar nicht mehr viel mit der Realität zu tun hat. Trotz-


eco.wirtschaft

„AUS DER GLÜCKSFORSCHUNG WEISS MAN: WENN ICH AN EINEM PUNK T KRITIK AUSÜBE, MUSS ICH IN DER F O L G E M I N D E S T E N S D R E I M A L E T WA S P O S I T I V E S SAGEN, DAMIT WIEDER EIN GLEICHGEWICHT H E R G E S T E L LT W I R D .“ STEFAN HÖFER

84

dem gibt’s für scheinbar perfekte Fotos viele Likes. Hat unsere Gesellschaft es verlernt, ihr wahres Gesicht zu zeigen? Ich glaube gar nicht wirklich, dass diese Selbstdarstellung ein Zeichen unserer Zeit ist: Der Mensch versucht ja seit jeher, sich im zwischenmenschlichen Kontakt optimal zu präsentieren. Früher flanierte man eben – frisch frisiert oder geschminkt – in seinem Sonntagsanzug oder dem Feiertagskostüm durch die Stadt und hoffte dabei auf positive Resonanz. Tatsächlich neu ist die Plattform, auf der diese Selbstdarstellung stattfindet. Reduzierte sich früher dieses Heischen nach Aufmerksamkeit auf Sonn- oder Feiertage, an denen man flanieren ging, ist heutzutage eigentlich rund um die Uhr Sonntag.

Gerade junge Menschen orientieren sich häufig an dieser Social-Media-Parallelwelt und stehen damit auch unter Druck. Wie kann man dem entgegensteuern? Menschen sind soziale Wesen und können sich deshalb nicht komplett aus dem sozialen Geschehen, das heutzutage eben auch im Internet stattfindet, rausnehmen. Wobei mein Eindruck ist, dass das Bedürfnis, sich im Netz auszustellen, etwas zurückgeht. Aber das Prinzip, dass man die Anerkennung von anderen Menschen braucht und sucht, ist etwas Menschliches. Schon als Kind gieren wir nach der Aufmerksamkeit unserer Eltern – entweder indem wir lieb und nett sind oder indem wir etwas anstellen. Wir sind nun einmal bedürftig

nach der Zuneigung unserer Umwelt. Jeder Mensch will gemocht werden. Das war schon immer so und muss auch nicht abtrainiert werden.

Wer mit einem durchschnittlichen Äußeren durchs Leben geht, glaubt oft, dass es schöne Menschen im Alltag leichter haben? Ist da etwas dran? Wenn man gemocht wird, heißt das, dass einem Menschen wohlgesonnen sind – und dadurch gehen natürlich auch eher Türen auf. Das ist ein Fakt. Nur kann man die Kriterien dafür schwer benennen, weil sich das, was als schön empfunden wird, bedingt durch den Zeitgeist immer wieder ändert. Schöne Menschen haben allerdings auch mit dem Vorurteil der Oberflächlichkeit bzw. Dummheit zu kämpfen. Hat das mit dem Glauben daran zu tun, dass schöne Menschen aufgrund ihrer Optik eh schon so weit kommen, dass sie ihr Gehirn gar nicht mehr einschalten müssen? Wissenschaftliche Belege für dieses Vorurteil gibt es natürlich keine: Dem Zeitgeist entsprechende Menschen haben mit Sicherheit keine intellektuelle Minderung. Aber diese Zuschreibung gibt es. Menschen greifen gerne auf Mental Shortcuts, sprich Abkürzungen, zurück und schließen von einer Eigenschaft auf eine andere, damit sie sich in bestimmten Situationen rasch zurechtfinden können. Dadurch erspart man sich die Mühe, jeden Sachverhalt in

seiner ganzen Komplexität zu analysieren. Dass beim genannten Vorurteil auch eine Form von Neid mitspielen kann, ist aber auch nicht von der Hand zu weisen.

Die Werbeindustrie profitiert von dem Drang nach optischer Perfektion enorm: Supermarktregale sind voll von Diätprodukten jeglicher Natur, Fitnessgeräte für den Hausgebrauch gehören längst auch bei Discountern zur Standardware. Werden wir manipuliert oder ist das eine reine Bedarf-und-Nachfrage-Konstellation? Das ist schwierig zu beantworten und hat meiner Meinung nach mit Trends zu tun. Und da der derzeitige Trend besagt, dass schlank schön ist, wird natürlich alles Wirtschaftliche in Bewegung gesetzt, um aus diesem Trend Geld zu machen. Dass der Mensch grundsätzlich ein sehr geschäftstüchtiges Wesen ist, kann man nicht leugnen. Wo mit Sicherheit manipuliert wird, ist bei der Präsentation der Produkte, die in ein spezielles Licht gerückt oder an bestimmten Stellen positioniert werden, wo sie dem potentiellen Käufer ins Auge springen. Vor einigen Wochen war zu lesen, dass Sängerin Adele durch die Sirtfoot-Diät, bei der Sirtuin-hältige Lebensmittel wie Brokkoli, Auberginen, Artischocken, Beeren, Datteln und Nüsse auf dem Speiseplan stehen, in wenigen Monaten 45 Kilo abgenommen hat. Ihr neues schlankes Ich wurde medial gefeiert und hat den Ein-


eco.wirtschaft

85 druck vermittelt, als hätte die Gewichtsreduktion aus einem dicklichen Entlein nun einen Schwan gemacht. Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen, die nicht Kleidergröße 36 tragen. Natürlich. Dazu kommt, dass Stars wie Adele den großen Vorteil haben, sich voll und ganz auf ihr Äußeres konzentrieren zu können. Stars haben nicht nur eher Zeit, ihren Körper zu optimieren, sie können sich auch Unterstützung von Profis nehmen, die sie begleiten, motivieren und ihnen beim Erreichen ihres Ziels helfen. Prinzipiell funktionieren kann eine Diät ohnedies nur dann, wenn sie mit einer langfristigen Änderung des Lebensstils verknüpft ist. Wenn man sich vornimmt, für den Sommer zehn Kilo abzunehmen, und sich deshalb auf welche Diät auch immer einlässt, schafft man dieses Ziel vielleicht auch. Fällt man dann aber wieder zurück in sein altes Verhalten, das ja zum ursprünglichen Gewicht geführt hat, hat die Diät nichts geholfen. Nachhaltige Erfolge können, wie gesagt, nur mit der Änderung des eigenen Lebensstils erzielt werden. Natürlich kann ich mich 14 Tage lang kasteien, aber ein Leben lang wird das nicht funktionieren. Wichtig ist hier, dass man eine Ernährungsform findet, die sich in den Alltag einbauen lässt: Wer innerhalb eines

„MAN K ANN DARAN ARBEITEN, SICH Z U M Ö G E N , U N D I M B E S T E N FA L L Z U R E R K E N N T N I S KO M M E N , D A S S M A N B E R E I T S E I N S C H Ö N E R M E N S C H I S T.“ STEFAN HÖFER

Familienkonstrukts plötzlich beschließt, nur mehr Beeren und Nüsse zu essen, der wird Probleme mit seinem Partner und seinen Kindern bekommen – weil man sich damit aus seinem sozialen Kontext ausschließt.

Ebnen derlei Meldungen über etwaige Diäterfolge bei Menschen mit Gewichtsproblemen den Weg in eine Essstörung? Betrachtet man diese Nachricht von Adeles Gewichtsabnahme ganz nüchtern, kann man sagen, dass sie in erster Linie Aufmerksamkeit schafft. Und diese Form der Aufmerksamkeit kann wiederum zu mehr Zuneigung führen, die sich in diesem Fall noch dazu gut finanziell verwerten lässt. Dem Platten- oder Tourneeticketverkauf war diese Geschichte wahrscheinlich eher zuträglich. Auch Menschen mit Essstörungen geht es darum, Aufmerksamkeit zu bekommen und gesehen werden zu wollen. Mit einer Bulimie

oder Anorexie kann zudem eine Körperbildschemastörung verknüpft sein: Man nimmt sich als dick wahr, obwohl man eigentlich nur noch Haut und Knochen ist. Aber bei diesem Thema muss man auch sehr aufpassen: Ab wann kann man von einer Essstörung sprechen? Jemand, der abnehmen will, weil er mit seinem Körperbild unzufrieden ist, leidet nicht automatisch unter einer Essstörung. Da muss man schon die Kirche im Dorf lassen. Aber bei Menschen, die gefährdet sind, können solche Meldungen auch Essstörungen triggern.

Es heißt „Wer schön sein will, muss leiden“. Wie schafft man es, diese Weisheit in „Wer sich mag, ist schön“ umzumünzen? Denn wer diesen Punkt erreicht, der hat auch einen Moment des Glücks erreicht. Das hat viel mit Eigenwahrnehmung zu tun: Jeder Mensch kann für sich


eco.wirtschaft

86

„ICH GL AUBE NICHT WIRKLICH, DASS DIESE SELBSTDARSTELLUNG EIN ZEICHEN UNSERER ZEIT I S T: D E R M E N S C H V E R S U C H T S E I T J E H E R , S I C H I M Z W I S C H E N M E N S C H L I C H E N KO N TA K T O P T I M A L Z U P R Ä S E N T I E R E N . TAT S Ä C H L I C H N E U I S T D I E P L AT T F O R M , A U F D E R D I E S E S E L B S T D A R S T E L L U N G S TAT T F I N D E T.“ STEFAN HÖFER

lernen, zu erkennen, wie viel Gutes in ihm steckt, und sich selbst liebevoll wahrzunehmen. Man kann sich bewusst machen, was in seinem Leben prinzipiell gut läuft bzw. was man schon alles geschafft hat – nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben. Hier spielen wieder die Erfahrungen aus der Kindheit mit hinein. Wenn meine Eltern, Großeltern, Geschwister oder Erziehungspersonen immer nur streng mit mir waren und mich fast ausschließlich kritisiert haben, kann sich in mir eine negative Stimme verinnerlicht haben. Das Gefühl, defizitär zu sein, trägt man dann auch als Erwachsener mit sich herum. Schnell und leicht umdrehen lässt sich diese innere Stimme nicht.

Wie lange kann das dauern? Mindestens so lange, wie es gedauert hat, bis sich dieses defizitäre Gefühl verinnerlicht hat. Zu lernen, sich selbst zu mögen und akzeptieren, ist in solchen Fällen ein langer Prozess, der über Jahre gehen kann. Aus der Glücksforschung weiß man Folgendes: Wenn ich an einem Punkt Kritik ausübe, dann muss ich in der Folge mindestens drei Mal etwas Positives sagen, damit wieder ein Gleichgewicht hergestellt wird. Deshalb muss man sich schon genau überlegen, ob tatsächlich jede Kritik wichtig und auch richtig ist. Und ob es nicht besser wäre, einem Kind zu erklären, was gut bei ihm läuft. Die frühe Kindheit ist nämlich prägend für das restliche Leben. Deshalb sollte man hier als Elternteil den Mut zu Lob haben.

Wie schafft man es als Erwachsener, etwaige negative innere Stimmen zum Verstummen zu bringen? In erster Linie ist es wichtig, herauszufinden, was einem selber gut tut, und auch anzuerkennen, was man gut macht. Es schadet auch nicht, sich bei diesem Prozess professionell begleiten zu lassen – oft helfen hier schon zwei, drei Gespräche mit einem Gesundheitspsychologen. Innerhalb der Psychologie gibt es seit knapp 20 Jahren das Feld der positiven Psychologie, das sich mit dem Thema Wohlbefinden und Glück auseinandersetzt. Man kann also daran arbeiten, sich zu mögen, und im besten Fall zur Erkenntnis kommen, dass man bereits ein schöner Mensch ist.


UNICREDIT BANK AUSTRIA

INVESTITIONEN ANKURBELN Die UniCredit Bank Austria ist die erste Anlaufstelle für ihre Kundinnen und Kunden, wenn sie sich einen Überblick über die aktuellen Fördermöglichkeiten verschaffen wollen, und bietet umfassende Beratung. In Tirol gibt es – wie für jede Region – einen eigenen Experten für regionale Förderungen. Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol, im Interview.

© T. STEINLECHNER

ECO.NOVA: Die UniCredit Bank Austria ist

die führende Unternehmerbank1) in Österreich. Welche Bedeutung haben geförderte Finanzierungen? MARKUS SAPPL: Gerade in der jetzigen Coronakrise ist ein aktives Liquiditätsmanagement besonders wichtig. Wir unterstützen Unternehmen, die Liquidität zu sichern und den Zugang zu möglichen Förderungen zu ebnen. Bereits seit Beginn der Coronakrise stehen wir in einem regelmäßigen und intensiven Austausch mit unseren Kunden und informieren die Unternehmen laufend über die aktuellen Fördermöglichkeiten.

Haben Sie auch Förderungen auf europäischer Ebene? Wie können Tiroler Unternehmen davon profitieren? Wir sind die einzige Geschäftsbank in Österreich, die ihre Kundinnen und Kunden bei Krediten mit einer Garantie des European Investment Fund (EIF) unterstützen kann. Wir konnten Ende 2019 unser Garantieabkommen mit dem EIF deutlich aufstocken. Damit können wir den großen Erfolg unserer InnovFin-KMU-Vereinbarung fortsetzen. Die InnovFin-Initiative ermöglicht es uns, innovations- und forschungsorientierten Klein- und Mittelbetrieben in Österreich Kredite in der Höhe von weiteren 300 Millionen Euro zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen. KMU haben damit zwei große Vorteile: Sie erhalten durch den EIF eine preisgünstige zusätzliche Besicherung und zweitens noch attraktive Konditionen, da wir die Kostenvorteile aus der Garantie eins zu eins an unsere Kunden weitergeben.

Wir beobachten, dass die Unternehmen nun wiederum langsam zu investieren 1) Nach Unternehmenskredit- und Einlagenvolumen in Österreich auf Einzelbasis (Quelle: OeNB 2019)

BEZAHLTE ANZEIGE

Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol der UniCredit Bank Austria

beginnen. Welche Förderinstrumente sind hier aktuell möglich? Hervorheben möchte ich die aws und die OeKB. Beide können Unternehmen, die vor dem nächsten großen Wachstumsschritt im In- oder Ausland stehen, gemeinsam mit der UniCredit Bank Austria unterstützen. Die aws und die OeKB als Beauftragte der Republik Österreich und die UniCredit Bank Austria teilen sich dabei das Risiko und stellen den Kredit

über die gewünschte Laufzeit zu attraktiven Konditionen bereit. Aktuell gibt die aws-Investitionsprämie einen zusätzlichen interessanten Impuls. Unternehmen erhalten von der aws einen Zuschuss für Neuinvestitionen in der Höhe von 7 Prozent. Wenn in Ökologisierung, Digitalisierung oder Gesundheit investiert wird, verdoppelt sich der Zuschuss auf 14 Prozent. Das Thema „nachhaltige Finanzierung“ wird generell immer wichtiger, da vermitteln wir unter anderem die „Exportinvest Green“-Garantie der OeKB für nachhaltig agierende Tiroler Exporteure.

Wie bekommt man am besten einen Überblick über die breite Palette an geförderten Finanzierungen? Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Förderstellen mit unterschiedlichsten Förderungen. Mit unserem Online-Förderfinder (foerderfinder.bankaustria.at) finden Unternehmen auf Knopfdruck die wichtigsten Förderungen, die zu ihrem Vorhaben passen könnten. Das Ergebnis dient dann als Grundlage für die persönliche Beratung: Wie die in Frage kommenden Förderungen optimal für das geplante Vorhaben kombiniert werden können, darüber informieren wir gerne in einem umfassenden Beratungsgespräch.

NÄHERE INFORMATIONEN Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol Tel.: +43 (0)5 05 05-95182

www.unternehmerbank.at foerderfinder.bankaustria.at

87


eco.wirtschaft

88

ERSCANNE DICH SELBST Wer will nicht eine bessere und schönere Version von sich selbst sein? Doch was heißt es, wenn man quasi sein gesamtes Leben mit Trackern, Fitnessarmbändern und Smartwatches misst? TEXT: MARINA BERNARDI


eco.wirtschaft

„ D I G I TA L E B E L O H N U N G S S Y S T E M E S I N D NUR IN EINEM EINGESCHR ÄNK TEN MASS SINNVOLL. AUS DER V E R H A LT E N S P S Y C H O L O G I E W I S S E N WIR, DASS BESTIMMTE BELOHNUNGEN A U C H V O R Ü B E R G E H E N D A U S G E S PA R T WERDEN MÜSSEN, UM SIE DANN G E N I E S S E N Z U KÖ N N E N .“ MARTIN KOPP

ie so genannte Quantified-Self-Bewegung kommt– man mag’s fast erahnen – aus den USA. Ursprünglich wurde die Methode für den Sport entwickelt, um die eigenen Körperfunktionen mittels technischer Geräte zu messen. Mittlerweile messen wir faktisch alles, was sich irgendwie messen lässt, von den zurückgelegten Schritten über das Stresslevel bis dahin, wie gut wir geschlafen haben. Und wir teilen das Ganze munter via Social Media mit der ganzen Welt. Ganz abgesehen davon, dass man sich die Frage stellen muss, was mit all diesen Daten passiert, hat unser

Vermessungswahn auch negative Auswirkungen auf unser Körperbewusstsein. Es scheint paradox: Je mehr wir von uns messen, desto weniger kennen wir uns selbst. Nun könnte man sagen: Alles, was man über sich selbst weiß, ist doch irgendwie subjektiv. Wie soll man sich verstehen, wenn man nur die Informationen nutzt, die einem seine eigenen Sinne über sich selbst liefern. Zur echten Selbsterkenntnis brauche es folglich objektive Mittel. „Für die Anhänger der Quantified-Self-Bewegung steht die Selbsterkenntnis oder das Wissen über sich selbst durch Zahlen ausgedrückt im Vordergrund und dient vor allem als Grundlage für die Verbesserung der eigenen Lebensqualität. Hauptanliegen ist es, sich selbst in Zahlen und Daten zu erfassen“, schreibt die Psychologin Vivien Suchert in ihrem Buch „Das vermessene Ich“ (siehe Tipp). Das ist so weit nicht verwerflich. Schwierig wird es, wenn man den vermeintlich objektiven Zahlen mehr Beachtung schenkt als dem subjektiven Empfinden. Wenn einem beim Joggen das Herz bis zum Hals klopft und man mit dem Atmen nicht mehr hinterherkommt, könnte man annehmen, man hat sich überanstrengt. Wenn man sich dessen allerdings erst dann sicher ist, wenn man es Schwarz auf Weiß auf einem Display stehen hat, wird’s kritisch. Natürlich ist nicht alles schlecht an Fitnesstrackern und Messgerätschaften. Wir

Menschen sind wahre Meister darin, uns selbst zu beschummeln. Vor gemessenen Zahlen lassen sich die Augen nicht so leicht verschließen. Wenn man abends noch ein paar Runden um den Block dreht, weil man sich untertags zu wenig bewegt hat, ist das durchaus positiv. „Indem ich bestimmte Sachen messe und aktive Selbstvermessung betreibe, werden mir auch meine Entscheidungen bewusster. Denn auf die Dinge, die man misst, lenkt man mehr Aufmerksamkeit“, formuliert es Schuchter. Wir dürfen dabei jedoch nicht vergessen, dass wir mehr sind als die Summe unserer Daten. Wir haben zum Thema mit dem Sportund Gesundheitspsychologen Dr. Martin Kopp telefoniert. Er ist Leiter des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Innsbruck und steht der übertriebenen Selbstbeobachtung skeptisch gegenüber, kann der Messung als Unterstützung aber durchaus etwas abgewinnen.

ECO.NOVA: Moderne Technologien und Apps ermöglichen es uns, quasi jeden Schritt, den wir tun, zu vermessen. Warum brauchen wir diese externe Bewertung über uns selbst? MARTIN KOPP: Die sozialen Netzwerke haben nicht nur zu einer teils übertriebenen Selbstdarstellung geführt, sondern auch dazu, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen (können). Wir tun also vieles nicht mehr aus intrinsi-

89


eco.wirtschaft

ben. Man könnte also – positiv gesehen – auch viel über sich lernen. Zu einem gewissen Grad liegen bestimmte Dinge nicht umsonst im Verborgenen. Wenn bestimmte Messgeräte und Technologien dabei helfen, ein besseres Körpergefühl zu entwickeln, dann bin ich ein Unterstützer davon. Wenn man aber das Empfinden darüber, wie gut man geschlafen hat, an Algorithmen abgibt, bin ich skeptisch, weil wir damit beginnen, Dinge, die wir eigentlich spüren sollten, an Geräte zu delegieren.

Auch in der Psychologie oder Wissenschaft wird mit der Methode des Biofeedbacks gearbeitet. Was ist der Unterschied? Biofeedback ist ein wissenschaftliches Verfahren, das uns unbewusste Körperfunktionen rückmeldet und wird nie als einziges Verfahren angewandt. Es ist immer eingebettet in einen therapeutischen Prozess, die Ergebnisse müssen entsprechend analysiert, interpretiert und im Kontext gesehen werden. Man kann daraus lernen, sich besser zu spüren, innere Prozesse besser wahrzunehmen oder besser auf Stress zu reagieren. Wir gehen aber nie so weit, dass man ein Gerät fragt, ob es einem selbst gut geht.

90

„W E N N M A N M I T S E I N E M A R B E I T S KO L L E G E N N E B E N E I N A N D E R A M L A U F B A N D S T E H T, N I M M T M A N A U C H D I E L E I S T U N G S FÄ H I G K E I T D E R A N D E R E N P E R S O N WA H R . D E S H A L B G E H E N J E N E M I T KO N D I T I O N E L L E N D E F I Z I T E N O F T G A R N I C H T E R S T H I N .“ MARTIN KOPP

scher Motivation, also aus einem inneren Antrieb, sondern aus einer kompetitiven. Natürlich spielt es hier eine Rolle, gelobt zu werden und zu gefallen. Wenn jemand dazu bestimmte Wearables verwenden möchte, dann ist das nichts Verkehrtes, es sollte aber nicht das primäre Ziel sein, sein Leben ausschließlich darauf auszurichten, ständig seine Herzfunktionen abzurufen, ein Gerät zu fragen, wie gut man heute geschlafen oder wie viele Schritte man gemacht hat. Wir sehen, dass derartige Geräte im

Bewegungsaufbau helfen können, um seinen Körper ein bisschen besser kennenzulernen, eine Überkontrolle ist aber nicht sinnvoll. Auch eine Art Prämiensystem im Gesundheitswesen, wie es bereits mancherorts im Einsatz ist, ist vom jetzigen Forschungsstandpunkt aus betrachtet wenig erstrebenswert. All diese Vermessungen erlauben uns Einblicke in Prozesse unseres Körpers, die uns sonst vielleicht verborgen blie-

Verlernen wir durch all diese Tools ein Stück weit, die Signale unseres Körpers zu deuten bzw. glauben wir den Zahlen mehr als unserem persönlichen Gefühl? Verlieren wir das Vertrauen in uns selbst? Das ist derzeit eindeutig so. Durch die Möglichkeiten der direkten Rückmeldung sind viele verunsichert und betreiben zum Beispiel keinen Sport mehr ohne Pulsuhr, weil sie etwas „falsch“ machen könnten. Sie hören nicht mehr auf ihren eigenen Körper, den Atem, den Herzschlag, sondern orientieren sich ausschließlich danach, was das Gerät am Handgelenk ihnen vorgibt. Selbst wenn sie das Gefühl haben, sie sollten eigentlich eine Pause machen, laufen sie weiter. Das Ziel aus sportwissenschaftlicher Sicht muss sein, seinen Körper kennenzulernen und ihn richtig zu verstehen. Wenn man dafür anfangs eine Pulsuhr als Orientierung verwenden möchte, kann man das selbstverständlich gerne machen. Irgendwann sollte man sie aber nicht mehr brauchen. Ab einem gewissen Punkt ist es nicht mehr notwendig, sich selbst weiter zu optimieren, das macht übrigens auch für die Fitness keinen Unterschied. Es gibt den Zustand, an dem man sein optimales Level gefunden hat. Geräte, die einen dann zu immer mehr und immer


eco.wirtschaft

„W E N N W I R D I E S I G N A L E D E S KÖ R P E R S MONITOREN UND FREMDBESTIMMEN L ASSEN, W I R D E S G E FÄ H R L I C H . W I R M Ü S S E N S E L B S T E R K E N N E N KÖ N N E N , W E N N W I R M Ü D E S I N D O D E R E I N E PA U S E B R A U C H E N .“ MARTIN KOPP

weiter antreiben, sind sogar kontraproduktiv. Wenn wir die Signale des Körpers monitoren und fremdbestimmen lassen, wird es gefährlich. Wir müssen selbst erkennen können, wenn wir müde sind oder eine Pause brauchen. Kurzum: Auf dem Weg des Lernens macht technische Unterstützung Sinn, zur Selbstkontrolle und -bestimmung aus meiner Sicht nicht.

Viele dieser Fitnesserfolge lassen sich auf den Social-Media-Kanälen teilen. Von dieser Möglichkeit machen auch viele Gebrauch. Machen wir Sport nicht mehr für uns selbst, unser Wohlbefinden und den Spaß, sondern für unser Umfeld und weil wir damit mit Anerkennung „belohnt“ werden? Das ist ein wichtiger Punkt. Unsere Zielgruppe ist vor allem jene, die sich aus einem gesundheitsfördernden Aspekt heraus bewegen sollte, also jene, die sich bis dato noch kaum oder zu wenig bewegt hat. Diese Menschen verlieren allerdings den Spaß an der Bewegung oder fangen erst gar nicht damit an, weil sie auf Social Media mit Ergebnissen anderer konfrontiert werden, von denen sie selbst oft noch weit entfernt sind. Auf der anderen Seite teilen fast ausschließlich bereits leistungsfähige Menschen ihre Laufstrecken, Trainingsintensitäten und Frequenzen. Das kann Anfänger durchaus irritieren. Ihr Maßstab liegt jedoch ganz woanders. Das ist übrigens auch ein Problem bei Betriebssportangeboten: Sie werden häufig von jenen in Anspruch genommen, die sowieso schon sportaffin sind. Auch hier geht es wieder um Vergleich. Wenn man mit seinem Arbeitskollegen nebeneinander am Laufband steht, nimmt man auch die Leistungsfähigkeit der anderen Person wahr. Deshalb gehen jene mit konditionellen Defiziten oft gar nicht erst hin, weil man sich nicht die Blöße geben möchte, „schlechter“ zu sein. Dieses Gefallen-Wollen hat es immer schon gegeben. Ist dieses Gefühl durch die Technik noch einmal verstärkt wor-

den, weil es nun eben unmittelbare Vergleichsmöglichkeiten gibt, oder hat sich auch der Mensch an sich verändert? Einerseits ist es mit Sicherheit die technische Verfügbarkeit der Social Media, die wir in diesem Ausmaß bis dato noch nicht gekannt haben, auf der anderen Seite gibt es eine Wertediffusion. Das heißt, die Gesellschaft ist nicht mehr so klar strukturiert, wie sie es noch vor einigen Jahrzehnten war. Damals hat jemand, der ein Unternehmen geführt oder ein bestimmtes Einkommen erzielt hat, reichlich Ansehen genossen. Heute gibt es viele soziale Subgruppen mit unterschiedlichen Wertevorstellungen, die vielfach über Social Media festgelegt und definiert werden. Wenn ich in der Gruppe der Snowboarder anerkannt bin, heißt das nicht zwangsläufig, dass mich auch die Studienkollegen oder Mountainbiker akzeptieren würden. Das ist für uns Menschen nicht ganz einfach.

Glauben Sie, dass sich Menschen aus einem gesundheitlichen Aspekt heraus bewegen oder tatsächlich, um „schöner“ zu werden. Die langfristige Motivation der Gesundheit ist sicher nicht der Treiber für Alltagssport, auch wenn dies gerne in Befragungen angegeben wird. Die Komponente des Aussehens ist erfahrungsgemäß wichtiger. Unser Bestreben ist es letztlich, dass Bewegung zu etwas Selbstverständlichem wird, dass sie Freude und Spaß macht und sich als Verhaltensmuster automatisiert. Schönheit wird außerdem oft mit Gewichtsverlust gleichgesetzt, im Regelfall funktioniert dieser nur mit Disziplin und kombiniert damit, weniger und ausgewogener zu essen. Was in den sozialen Netzwerken zu einem Zwiespalt führt, weil es auch zum guten Ton gehört, seine opulenten Mahlzeiten zu präsentieren. Unterm Strich muss es darum gehen, in erster Linie auf sich zu schauen und sich selbst wohl zu fühlen – unabhängig davon, was einem ein Gerät sagt oder wie viele Likes man auf Facebook bekommt.

FUCK THE FALTEN Uli Heppel & Sabine Fuchs GU Verlag, 192 Seiten, EUR 16,99 Die 40-Plus-Lifestyle-Bloggerinnen Uli Heppel und Sabine Fuchs gehen das Älterwerden mit einem Augenzwinkern an, sie fragen sich, wie es zu ihrem Selbstoptimierungswahn in ihren 30ern kam und auch sonst noch allerhand und kamen zum Schluss: Sei, wie du bist. Es kommt sowieso raus. Ein Buch voller Humor, das alle Lebenslagen so zeigt, wie sie sind: meistens schön, aber halt nicht immer. Und das ist gut so. Ein Buch, mit dem man viel zu lachen hat und das trotzdem ernst ist.

DAS VERMESSENE ICH Vivien Suchert, ecowin Verlag, 280 Seiten, EUR 13,99 Fitness-Armband, Smartwatch oder Activity Tracker – wir messen Kalorien- und Schrittzahl, Schlafphasen, Blut- und sogar Stimmungswerte. Unser digitaler Fußabdruck verrät viel mehr über uns, als wir ahnen. Wie können wir moderne Technologien sinnvoll nutzen, ohne unsere Datensicherheit zu gefährden? Psychologin Vivien Suchert stellt sich genau diese Frage. Fundiert und unterhaltsam zeigt die Autorin, was die permanente Vermessung unseres Körpers und Lebens mit uns macht.

91


eco.wirtschaft

92

SCHÖNHEIT MACHT SICH MEIST BEZAHLT Es kann sich beruflich auszahlen, überdurchschnittlich schön zu sein. Für Männer gilt das uneingeschränkt, für Frauen nur bedingt. Was es mit der Schönheit in der Arbeitswelt auf sich hat, erläutert Petra Eggenhofer-Rehart vom Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

Wie lassen sich die Begriffe Schönheit und Attraktivität definieren? PETRA EGGENHOFER-REHART: Es gibt das Sprichwort, wonach die Schönheit im Auge des Betrachters liege. Aus der Wissenschaft weiß man aber relativ gut, dass es so etwas wie universelle Schönheitskriterien gibt, auf welche die meisten Leute ansprechen. Individuen, bei denen diese Kriterien in überdurchschnittlicher Häufung zusammentreffen, werden als schöner bzw. attraktiver empfunden als andere.

ECO.NOVA:

Sind diese Merkmale denn kulturunabhängig? Die sind tatsächlich relativ kulturunabhängig. Ein Gesicht, das nicht durch besondere Merkmale hervorsticht, wird – das ist auch evolutionspsychologisch bedingt – als vertraut angesehen, und wir ziehen Bekanntes dem Unbekannten vor. Symmetrische Gesichter erscheinen uns grundsätzlich als attraktiver als weniger ebenmäßige. Damit hängt zusammen, dass attraktive Personen als gesünder wahrgenommen werden. Und gesünderen Personen wird bes-

seres Genmaterial zugeschrieben. Das ist die evolutionspsychologische Erklärung. Etwas größere Augen als der Durchschnitt werden ebenso als schön empfunden wie markantere Wangenknochen. Auch der Body-Mass-Index spielt eine Rolle in unserem Schönheitsempfinden. Menschen, die stärker gebaut sind, werden dadurch eher benachteiligt. Findet diese Gleichung „Schöner ist gleich gesünder ist gleich produktiver“ auch in


eco.wirtschaft

93

der Arbeitswelt ihre Fortsetzung? Personen, die als attraktiv gelten, werden gewisse Attribute in höherem Maß zugeschrieben als weniger attraktiven. Beispielsweise werden soziale Wärme, Kompetenz und Intelligenz tendenziell stärker schöneren Menschen zugeschrieben. Und das allein auf der Basis des Erscheinungsbilds. Das setzt sich darin fort, dass solche Personen in der Interaktion anders behandelt werden.

Intelligenz korreliert aber doch nachweislich nicht mit dem Aussehen? Nein. Es wird bisweilen zwar angenommen, aber diese Annahme hat keinerlei wissenschaftliche Substanz.

Haben es schöne bzw. als attraktiv wahrgenommene Menschen in der Arbeitswelt leichter? Man muss differenziert hinschauen und relativieren. Es gibt Studien, die das zeigen, und Studien, die dies nicht gefunden haben. Allerdings zeigt die Mehrheit der Studien eine Tendenz, die darauf hindeutet, dass grundsätzlich als attraktiv wahrgenommene Personen in der Arbeitswelt besser behandelt werden. Das fängt schon in der Schule an. Attraktive Schüler und Studierende bekommen

bessere Noten. Bei Bewerbungen werden sie weniger attraktiven Personen vorgezogen. Es gibt außerdem eine sogenannte Obesity Penalty, die sich für stärker gebaute Menschen nachteilig auswirkt. Die Leistungen attraktiverer Menschen werden tendenziell in der Arbeitswelt besser beurteilt und kommen auch bei Kunden besser an. Beispielsweise beurteilen Friseurkunden die Servicequalität von attraktiveren Friseuren höher. Universitätsprofessoren, die attraktiv sind, werden von den Studenten als kompetenter wahrgenommen. Man agiert lieber und häufiger mit Personen, die als attraktiv gelten. Sie werden am Arbeitsplatz von den Vorgesetzten sichtbarer gemacht. Das heißt, dass sie in der Folge auch die besseren Karrierechancen haben und damit verbunden Einkommens-

vorteile. Attraktivere Menschen verdienen deshalb tendenziell mehr. Zudem werden sie bei schlechter Performance auch weniger leicht entlassen. Das alles ist gut belegt.

Gibt es tatsächlich eine Art Schönheitsprämie und lässt sich dieser Einkommensvorteil konkret beziffern? Ja, die gibt es. Es gibt das Beauty Premium, aber auch ein Height Premium, das Menschen bevorzugt, die überdurchschnittlich groß sind. Es gibt Studien, die zeigen, dass die attraktivsten dreißig Prozent der Menschen durchschnittlich fünf Prozent mehr verdienen als der Durchschnitt. Dazu kommt erschwerend, dass als unattraktiv wahrgenommene Menschen sogar um fünf bis zehn Prozent weniger verdienen als der Durchschnitt.

„ES GIBT STUDIEN, DIE ZEIGEN,DASS D I E AT T R A K T I V S T E N D R E I S S I G P R O Z E N T DER MENSCHEN DURCHSCHNIT TLICH FÜNF PROZENT MEHR VERDIENEN AL S D E R D U R C H S C H N I T T.“ PETRA EGGENHOFER-REHART


eco.wirtschaft

Spricht aus Ihrer Sicht etwas dafür, bei Bewerbungen das beinahe obligatorische Foto wegzulassen? Bei uns ist das Bewerbungsfoto relativ üblich, in anderen Ländern nicht mehr so. In den USA beispielsweise werden Bewerbungen ohne Bild viel eher akzeptiert. Dort spielt wahrscheinlich auch die Rassendiskriminierung mit hinein? Die ist sicherlich auch ein Faktor. Führt man sich vor Augen, dass Kunden attraktivere Menschen besser bewerten, würde das den Personalverantwortlichen Recht geben, die für den Kundenkontakt die schöneren Menschen bevorzugen. Es sollte aber um die Leistung gehen. Aus Fairnessgründen spricht einiges dafür, keine Bewerbungsfotos heranzuziehen, sondern die Bestqualifizierten einzustellen.

94

Werden denn in Österreich Bewerbungen ohne Fotos üblicher? Da tut man sich recht schwer, weil es eine lange gewachsene Tradition ist, ein Foto beizulegen. Größere, international tätige Unternehmen sind diesbezüglich vielleicht sensibler. Bei uns ist es meist aber noch so, dass es Fragen aufwirft, wenn jemand kein Foto mitschickt.

Liegt das Kassieren der vorhin angesprochenen Schönheitsprämie allein an der objektiven Schönheit einer Person oder auch einem damit verbundenen höheren Selbstwertgefühl, das sich entwickelt, wenn man für schön gehalten wird oder sich selbst dafür hält? Es gibt durchaus Hinweise darauf, dass das eine sichselbsterfüllende Prophezeiung ist. Als schön empfundene Menschen erfahren von Kindheit an mehr Aufmerksamkeit und werden besser behandelt. Dadurch entwi-

„ D I E L E I S T U N G E N AT T R A K T I V E R E R MENSCHEN WERDEN TENDENZIELL I N D E R A R B E I T S W E LT B E S S E R B E U R T E I LT U N D KO M M E N A U C H B E I K U N D E N B E S S E R A N .“ PETRA EGGENHOFER-REHART

ckeln sie einen höheren Selbstwert, eine höhere Kontrollüberzeugung, größere emotionale Stabilität und eine höhere generalisierte Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Das ist eine ganze Kausalkette: Attraktivere Menschen erreichen tendenziell höhere Ausbildungsniveaus, bekommen dadurch bessere Jobs und erreichen ein höheres Durchschnittseinkommen. Auch das ist in der Forschung gut belegt. Besteht ein Unterschied zwischen schönen Frauen und schönen Männern? Grundsätzlich spielt die wahrgenommene Rollenkongruenz eine große Rolle. Wird eine Person als übereinstimmend mit ihrer traditionellen Geschlechterrolle wahrgenommen, hat sie letztendlich immer Vorteile. Als attraktiver angesehene Frauen werden im Hinblick auf als typisch geltende feminine Eigenschaf-

ten – Teamfähigkeit, Fürsorglichkeit und so weiter – positiver bewertet. Attraktiveren Männern schreibt man dagegen verstärkt typisch männliche Eigenschaften zu, etwa das Agentische, also Durchsetzungsfähigkeit, Führungs- und Entscheidungsstärke, proaktives Handeln und dergleichen. Es gibt aber nicht nur einen Beauty-is-good-Effekt, sondern auch einen gegenteiligen Beauty-is-beastly-Effekt. Der betrifft besonders attraktive Frauen, die sich für einen stark männlich konnotierten Job bewerben oder in eine Männerdomäne eindringen. Diese sehr attraktive Frau wird bestraft, ihr werden negative, unfeminine Eigenschaften zugeschrieben und sie hat berufliche Nachteile.

Könnte man das etwas polemisch so zusammenfassen, dass man als Mann in der Arbeitswelt gar nicht schön genug sein kann, als Frau aber sehr wohl? Ja, da gibt es tatsächlich Geschlechterunterschiede und es zeigt sich, dass Männer deutlich weniger betroffen sind als Frauen. Es hängt aber immer auch davon ab, wer der Recruiter ist, der die Leistung beurteilt. Ist es eine Person desselben oder des anderen Geschlechts? Gleichgeschlechtliche Konstellationen können vor allem für attraktive Frauen problematisch sein. Wird eine attraktive Frau von einem Mann beurteilt, hat sie dadurch fast immer einen Vorteil. Wird sie von einer Frau – womöglich mit geringem Selbstbewusstsein – beurteilt, kann unter Umständen eine Konkurrenzsituation entstehen, die sich nachteilig für die Karriere der als attraktiv wahrgenommenen Frau auswirkt.


IMMOBILIEN JENEWEIN

IMMOBILIENPROFIS MIT POWER © MARKUS KRAPF

Der Geschäftsführer der Firma Immobilienmanagement Jenewein GmbH, Peter Jenewein, legt großen Wert auf die professionelle und zielorientierte Arbeit durch sein bestens ausgebildetes Team mit geballter Frauenpower.

95

E

s ist die Mischung aus langjähriger Erfahrung, einem sehr guten Netzwerk und engagierter, effizienter und professioneller Arbeit und der Anspruch auf höchste Qualität, die den Erfolg von Peter Jenewein mit seinem Team ausmacht. Bereits seit Jahrzehnten ist der Firmeninhaber von Immobilienmanagement Jenewein ein kompetenter Ansprechpartner in allen Belangen der Immobilienbranche. Gemeinsam mit seinem Team ist er für eine professionelle, zielorientierte und seriöse Abwicklung bekannt.

KOMPETENZ & VERANTWORTUNG

Die Erfahrung eines erfolgreichen Teams schafft Vertrauen. Beim Immobilienmanagement Jenewein liegt dieser Erfolg zum einen am ehrlichen Interesse an den Geschäftspartnern und zum anderen an der zielorientierten, professionellen und erfolgreichen Abwicklung von Immobilientransaktionen im privaten und gewerblichen Bereich. Die selbst auferlegten Qualitätskriterien reichen vom ersten Kontakt mit dem Kunden

über Immobilienbewertung als Sachverständige, Erstellen von exklusiven Hochglanzexposés bis hin zur finalen Vertragsbesprechung, Unterfertigung sowie persönlichen Übergabe der Immobilie.

an der Begegnung mit vielen wunderbaren Menschen, die uns erfolgreich macht. Und für diesen Erfolg bin ich sehr dankbar“, weiß Peter Jenewein dies auch zu schätzen. PR

DIREKTER KONTAKT

„Das gegenseitige Vertrauen ist die Grundlage für eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit“, erklärt Peter Jenewein. Das Portfolio bietet dabei neben klassischen Immobilien jeder Größe und Preislage auch außergewöhnliche, luxuriöse Objekte, die vom Firmeninhaber selbst betreut werden. Gastronomie und Beherbergungsobjekte hat das Immobilienmanagement Jenewein genauso im Repertoire. Für eine umfangreiche und persönliche Betreuung sorgt das hoch qualifizierte Team, das – abgesehen von Geschäftsführer Peter Jenewein – aus Frauen besteht. Dass diese geballte Frauenpower direkt zum Erfolg führt, zeigt sich beim Immobilienmanagement Jenewein ganz offensichtlich. „Es ist die Freude

IMMOBILIEN MANAGEMENT JENEWEIN GMBH Eduard-Bodem-Gasse 8 6020 Innsbruck Tel.: 0512/26 82 82 office@immobilien-jenewein.at

www.immobilien-jenewein.at Ihre Ansprechpartnerin für Ihren Immobilienverkauf: Michaela Déal Mobil: 0676/97 047 33


eco.wirtschaft

96


eco.wirtschaft

BÖRSENFAKTOR SCHÖNHEIT Selbst wenn Covid-19 das milliardenschwere Geschäft mit der Schönheit kurzfristig schwächt – aus der Mode kommt es trotz Pandemie nie. Es gibt hier sogar jede Menge Krisengewinner. T E X T : M I C H A E L K O R D O V S K Y, J U L I A K I S T N E R

S

chon seit einigen Jahren boomt das Milliardengeschäft mit der Schönheit. Und auch die unschönen, Pandemie-bedingten Umsatzeinbrüche und Kursrücksetzer können dem langfristigen Megatrend nichts anhaben. Befeuert wird er einerseits von den aktiven Senioren in Spe, den 50- und 60-Jährigen, die mit Anti-Aging-Produkten und ausgiebigem Sport alles unternehmen, um nicht alt auszusehen. Zum anderen sind es die Millennials, die sich mehr als frühere Generationen um sich und ein gepflegtes Äußeres kümmern.

FITNESS IN HÖCHSTFORM

Zu einem gepflegten Äußeren gehört ein gut geformter Körper, um den sich vor allem viele Amerikaner während des Lockdowns in der Corona-Pandemie offensichtlich große Sorgen machten. Der Börsenwert des US-Fitnessgeräteherstellers Peloton (US70614W1009) hat sich in der ersten Coronawelle verdreifacht und sprintet weiter. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal um 172 Prozent auf 600 Millionen US-Dollar, 100 Millionen über den Analystenschätzungen und das nach einem Verlust von 55,6 Millionen. Ein Quartal zuvor schrieb man einen Nettogewinn von 89,1 Millionen US-Dollar. Peloton verkauft nicht nur hochwertige Ergometer und Laufbänder, sondern auch dazugehörige Online-Trainings-Abos, die schon ein Fünftel der Erlöse ausmachen. Aktienexperte Wolfgang Matejka von Matejka & Partner Asset Management GmbH zählt Peleton jedoch zu den für Jungaktionäre hippen Aktien, deren Bewertungen schon viel zu hochgelaufen sind. Er würde auf den Fitnessstudioausstatter und Heimtrainerspezialisten jetzt nicht mehr aufsteigen: „Peleton ist mit mehr

als 27 Milliarden US-Dollar bewertet und damit bereits größer als der deutsche Energieriese RWE. China schläft auch hier nicht.“ Fit will man sich auch mit Nahrungsergänzungsmitteln halten, speziell mit hochdosierten Vitaminpräparaten oder diätischen Nahrungsergänzungen. Ein neuer Börsen-Highflyer in diesem boomenden Markt ist Laired Superfood (US50736T1025), der an seinem ersten Handelstag im September gleich um 100 Prozent zulegte. Das Unternehmen stellt vegane Nahrungsergänzungsmittel her wie Kaffeeweißer aus Kokosnussmilch, Kokosnusswasser oder pulverisierte Powerpilze. Reißenden Absatz im Fitnesssegment finden außerdem so genannte Wearables, also Fitnessbänder und Smartwatches. Hier hat der chinesische SmartphoneHersteller Xiaomi (KYG9830T1067) einen höheren Marktanteil als Google mit Fitbit und nagt selbst an den Umsätzen von Apple. Und sollte einmal, wovon man nicht so schnell ausgehen kann, der Fitnessbranche der Atem stocken, kann Xiaomi noch mit Smartphones, PCs, Taxidrohnen, Staubsaugerrobotern und smarter Beleuchtung punkten. Wer Sport betreibt, braucht natürlich auch ein sportliches Outfit, und das kauft man während der Pandemie verstärkt im Internet. Davon profitierte nach einer ersten Schockstarre wegen des Lockdowns des stationären

BRU S T - UND P O - OP ER AT IONEN, B O T OX , GEBIS S KORREK T UREN ODER DA S W EGL A S ERN VON L Ä S T IGEN TAT T OO S WA REN HOC H IM K UR S . BIS C OR ON A . S OC I A L DIS TA NC ING, L OC K DOW NS UND ENGPÄ S S E IN DEN L IEF ERK E T T EN L IE S S EN DA S GE S C H Ä F T MI T DER S C HÖNHEI T AUC H HIER W EGBREC HEN. S EI T DEM DRI T T EN QUA R TA L 2 02 0 ERHOLT S IC H DER W ELT W EI T E M A RK T F ÜR Ä S T HE T IS C HE MEDIZIN A BER W IEDER DEU T L IC H.

97


eco.wirtschaft

F ÜR KO S ME T IK UND M A K E - UP W URDEN 2 019 W ELT W EI T RUND 7 0,5 MIL L I A RDEN U S - DOL L A R AU S GEGEBEN. F ÜR 2 02 0 P R O GNO S T IZIER T S TAT IS TA F ÜR H AU T P F L EGEP R ODUK T E EINEN W ELT M A RK T VON 14 8 MIL L I A RDEN U S D OL L A R , T ENDENZ S TA RK S T EIGEND.

Handels der Sportartikelriese Nike (US6541061031), dessen Digitalumsätze von Ende Mai bis Ende August um 82 Prozent stiegen. Im Windschatten von Nike legte auch der Börsenkurs des zweitgrößten Sporthändlers der Welt, Adidas (DE000A1EWWW0) und von Puma (DE0006969603) zu. Commerzbank-Analysten sehen bei den Aktien aufgrund der Bekleidungs- und Digitalisierungstrends ein Aufwärtspotenzial von 16 beziehungsweise 17 Prozent.

ONLINE IN MODE

98

Apropos: Modeaktien werden gerne als die großen Verlierer der Corona-Pandemie gesehen. Das gilt aber nicht allgemein. Nicht für nachhaltige Modelabels und nicht für digitale Modeangebote nämlich. Einer der großen Profiteure der Covid-19-Krise ist beispielsweise der deutsche Modehändler Zalando (DE000ZAL1111), dessen Börsewert in den ersten neun Monaten dieses Jahres um mehr als 70 Prozent zulegte. Der im MDAX notierte größte Online-Modehändler Europas startet mit einer Plattform für neuwertige gebrauchte Mode. Gefragt waren ebenso die Aktien des US-Online-Shop-Betreibers Global Fashion Group (LU2010095458). Und weil der Onlinehandel so gut läuft, geht es auch Shopify (CA82509L1076) gut, ein E-Commerce-Software-Anbieter, mit dem auch KMU Onlineshops erstellen und die Logistik outsourcen können. Stärker erwischt hat die Pandemie die Luxuslabels, die ihr starkes Standbein traditionell im stationären Handel haben. Pleite ist die Deutsche Designer-Modemarke Strenesse. Ebenso ein Coronaopfer ist der deutsche Modekonzern Escada, der schon 2009 insolvent wurde und zuletzt dem US-Investor Regent gehörte. Auch der Konzern Louis Vuitton Moet Hennessy, kurz LVMH (FR0000121014), hat mit Corona zu kämpfen. Eigentlich wollte LVMH den US-Juwelier Tiffanys und seine Shops übernehmen, doch dann kam Corona. Jetzt trifft man sich vor Gericht, ob der 16,2 Milliarden teure Deal zustande gekommen ist oder nicht. LVMH jammert allerdings auf hohem Niveau. Das Unternehmen setzte zuletzt 53,7 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 7,17 Milliarden Euro. Analysten sehen für die Aktie weiterhin Potenzial. Coronabedingt tiefrote Zahlen schreibt der schwäbische Modekonzern Hugo Boss (DE000A1PHFF7) mit einem operativen Minus im zweiten Quartal von 250 Millionen Euro. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs rechnet mit Verlusten auch im Gesamtjahr und nur mit

einer mittelfristig langsamen Erholung der Profitabilität. Weiter abwärts in der Pandemie ging es auch mit dem Aktienkurs und Eigenkapital der US-Modekette GAP (US3647601083). Das Unternehmen wird zwar im bis Jänner 2021 dauernden Geschäftsjahr in die roten Zahlen rutschen, dann könnte es dank der starken GAP-Marke Athleta aber wieder aufwärts gehen. Krisengebeutelt ist indes der schwedische Textilkonzern H&M (SE0000106270). Doch auf ein sehr schwaches zweites Quartal soll dank strikter Kostenkontrolle ein überraschend gutes drittes Quartal bis Ende August mit einem Vorsteuergewinn von umgerechnet 192 Millionen Euro folgen. Bis Ende August wurde das H&M-Filialnetz um 200 Shop ausgedünnt. Der spanische Modekonzern Inditex (ES0148396007), bekannt für die Marken Zara, Pull&Bear und Bershka, musste zu Beginn der Pandemie vorübergehend weltweit 6.000 Läden schließen. Die ersten vier Monate des Jahres brachen die Erlöse des spanischen Textilriesen um 44 Prozent ein. Inditex machte im zweiten Quartal von Mai bis Ende Juli 2020 jedoch wieder einen, wenn auch für seine Verhältnisse bescheidenen Gewinn von 214 Millionen Euro. Gerade in der Modebranche werden ohnehin starke Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, rechnen Analysten.

LIPPENSTIFT- INDEX ÄCHZT UNTER DER MASKE

„Der Lippenstift ist ein Stück Luxus, das man sich leisten kann“, begründete Leonard Lauder, Spross der Gründerin des US-Kosmetikkonzerns Estée Lauder, warum sich der Absatz von Lippenstiften nach dem New Yorker Terroranschlag am 11. September so stark erhöhte und dekorative Kosmetik so krisensicher und ein Konjunkturindikator sei. Nach dem Ausbruch der Corona-Pan-


eco.wirtschaft

demie wurde Mascara allerdings nicht mehr so stark nachgefragt. Nicht einmal vermehrte Videokonferenzen konnten in Zeiten des Homeoffice die Make-up-Branche bisher beflügeln. Mag der Lippenstift-Index von Estée Lauder auch umstritten sein, unbestritten ist, dass die Selfie-Generation egal welchen Geschlechts deutlich mehr Wert auf Körperpflege legt. Für Kosmetik und Make-up wurden 2019 weltweit rund 70,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Für 2020 prognostiziert Statista für Hauptpflegeprodukte einen Weltmarkt von 148 Milliarden US-Dollar, Tendenz ebenfalls stark steigend. Man sollte daher das niedrige Kursniveau vieler Kosmetikkonzerne mit breitgefächerten Markenportfolios und hoher Markenbekanntheit als Einstiegschance im Auge behalten, meint Wolfgang Matejka: „Genauso wie Onlineshoppen ist der Wunsch zum kleinen Vergnügen ausgeprägt vorhanden. Der Zug zur Hautpflege setzt auch im Homeoffice ein.“ Auch Friedrich Strasser, Börsenstratege und Vorstand der Bank Gutmann, ist der Meinung, dass „Corona bei diesen Unternehmen Chancen bietet, wenn man davon ausgeht, dass die Welt in ein oder zwei Jahren wieder so ist wie zuvor. Ob das allerdings so sein wird, ist ungewiss.“ Tatsächlich tummeln sich gerade auf dem Markt der dekorativen Kosmetik viele Influencer und Popsternchen, die mit ihren eigenen jungen Beautylinien den alten Platzhirschen die Kunden streitig machen. Die Kosmetikkonzerne wissen längst, dass an den Instagramstars kein Weg vorbeiführt, und heuern sie als Testimonials an oder kaufen sich bei ihnen ein. So erwarb der weltgrößte US-Beautykonzern Coty Inc. (US2220702037) im Sommer um 200 Millionen US-Dollar einen 20-Prozent-Anteil an Kim Kardashians Marke KKW Beauty. Bereits im Jänner verkaufte Kardashians 22-jährige Halbschwester Kylie Jenner für 600 Millionen Dollar 51 Prozent ihrer Beautylinie „Kylie Cosmetics“ an den Kosmetikgiganten Coty. Vor vier Jahren kaufte sich Coty noch bei den traditionellen Mitbewerbern ein und für umgerechnet 12,5 Milliarden Euro Procter & Gamble die Beautysparte ab. „Traditionell starke Unternehmen im Kosmetikbereich wie L’ Oréal handeln derzeit auch zu keinen Schnäppchenpreisen und sind auf neue Allzeit-Höchststände gestiegen. Das gleiche gilt für Luxusgüteraktien wie Hermes“, gibt Strasser zu bedenken. Allerdings können Klassiker wie Beiersdorf (DE0005200000) mit der Marke Nivea oder Henkel (DE0006048408) mehr als „nur“ junge Erwachsene mit stylischem Make-up versorgen. Sie haben in ihrem großen Bauchladen zahlreiche krisensichere Produkte wie Hautcremen, Deos, Klebstoffe oder Waschmittel. Beide rittern aktuell um die Pflegemarken Clearasil und Scholl Fußpflege von Reckitt Benckiser. Ein

GER A DE IN DER MODEBR A NC HE W ERDEN OHNEHIN S TA RK E UN T ERNEHMEN GE S TÄ RK T AU S DER K RIS E HERVOR GEHEN, REC HNEN A N A LY S T EN.

Klassiker im breiteren Kosmetiksegment ist Johnson & Johnson (US4781601046) und bekanntlich nicht nur dort. Der Dividendenkaiser vertreibt medizinische Produkte und Diagnostikgeräte. Selbst einen Corona-Impfstoff hat Johnson & Johnson in der letzten Phase der klinischen Tests, der Anfang 2021 auf den Markt kommen soll. Im Schönheitssegment ist man mit dem Brustvergrößerungsspezialisten Mentor vertreten. Big in Japan ist Shiseido (JP3351600006). Die Aktie ist während der Pandemie so stark abgestürzt, dass der Kosmetikkonzern, der über 60 Prozent seiner Umsätze im eigenen Land generiert, wieder zum Kauf empfohlen wird, auch weil der Heimmarkt so dynamisch ist. Shiseido hat auch Bare Escentuals übernommen und will damit stärker nach Nordamerika expandieren. Unter der Kosmetikbranche im Umbruch litten auch die Aktien von Revlon, Avon oder Sisley nicht erst seit Corona. Ein Megamarkt für Kosmetik indes ist Südkorea. Marktführer ist hier Amorepacific Corp. (KR7090430000). Sein größter Konkurrent ist LG Household & Health Care (KR7051900009). Beide Aktien werden auch an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Sie profitieren vor allem von der wachsenden Kaufkraft der jungen Chinesen, die den Look südkoreanischer Popstars gerne kopieren. Wieder erholen sollte sich die US-amerikanische Einzelhandelskette ULTA Beauty, die zuletzt mit mehr als 20.000 Produkten von über 500 Beautymarken 7,4 Milliarden US-Dollar umsetzte und trotz des Lockdowns einen Jahresüberschuss von 706 Millionen US-Dollar erwirtschaftete.

ÄSTHETEN LANGFRISTIG IM AUFWIND

Brust- und Po-Operationen, Botox, Gebisskorrekturen oder das Weglasern von lästigen Tattoos waren hoch

99


eco.wirtschaft

100

im Kurs. Bis Corona. Social Distancing, Lockdowns und Engpässe in den Lieferketten ließen das Geschäft mit der Schönheit auch hier wegbrechen. Seit dem dritten Quartal 2020 erholt sich der weltweite Markt für ästhetische Medizin aber wieder deutlich. Marktführer im boomenden Botoxmarkt ist Allergan PLC (IE00BY9D5467). Beim Healthcare-Konzern läuft es auch mit Augen- und Hautcremen wie geschmiert. Auch mit Brustvergrößerungen kennt er sich aus. Bei der Entfaltung kräftig mitmischen kann das kalifornische Unternehmen Evolus (US30052C1071) mit seinem Produkt Jeuveau. Die beiden Falten-Bekämpfer liefern sich eine erbitterte Schlacht vor Gericht, ob das in Korea hergestellte Produkt Jeuveau in die USA in den nächsten zehn Jahren noch importiert werden kann oder nicht. Es schaut derzeit gut aus für Evolus, im November wird eine Entscheidung erwartet. Natürlich kann man auch direkt auf die Schönheitsfarmen setzen, etwa auf Mediclinic International (US00809M1045) oder den Berliner Schönheitsoperateur M1 Beauty (GB00B8HX8Z88), der seit Juli mit Haemato einen neuen Großaktionär hat. Imode Ltd. (IL0011595993) produziert und vertreibt indessen medizinische Geräte für minimalinvasive Behandlungen, die hauptsächlich in der ästhetischen Medizin eingesetzt werden. In diese Kategorie fällt auch Lumenis (IL0011312597), der mit einer neuen Technologie der personalisierten Körperformungen ein Durchbruch gelingen könnte. Professionell lasern können auch Geräte von Syneron Medical (IL0010909351). Börsenprofi Wolfgang Matejka kann sich jedenfalls durchaus vorstellen, in solche Nischenplayer des Beautymarktes zu investieren: „Ich würde mich aber mehr in Richtung der therapeutischen Unternehmen mit teil- oder stärkerem medizinischen Inhalt, also durchaus medizintechnischen Unternehmen zuwenden. Die sind es dann, die auch länger laufende Zyklen in sich tragen.“ Hendrik Leber, Gründer der Value-Investmentgesellschaft Acatis, gefallen „moderne Langweiler, die man etwa im Segment Zahnimplantate findet.“ Schönheitsspezialisten haben häufig nur eine geringe Marktkapitalisierung, sind damit schwankungsanfälliger, oftmals illiquide und auch stark konjunkturabhängig. Man sollte sie daher nur in kleinen Portionen in das persönliche Portfolio packen.

„DER L IP P ENS T IF T IS T EIN S T ÜC K L U X U S , DA S M A N S IC H L EIS T EN K A NN“, BEGRÜNDE T E L EON A RD L AUDER , S P R O S S DER GRÜNDERIN DE S U S KO S ME T IK KONZERNS E S T ÉE L AUDER , WA RUM S IC H DER A B S AT Z VON L IP P ENS T IF T EN N AC H DEM NE W YORK ER T ERR OR A NS C HL AG A M 11. S EP T EMBER S O S TA RK ERHÖH T E UND DEKOR AT I V E KO S ME T IK F OL GL IC H K RIS ENS IC HER UND EIN KON JUNK T URINDIK AT OR S EI.

THE TREND IS YOUR FRIEND Auf den Börsenfaktor Schönheit zu setzen, der Aufruf also zum Herdenverhalten, ist schön und gut. Allerdings empfiehlt Matejka „die so genannten Megatrends den gleichen Fragen zu unterstellen wie alle anderen Investments: Womit soll man hier mehr verdienen? Woran sind die Parameter, dies zu erreichen, gebunden? Wie wahrscheinlich werden diese Parameter auch mittelfristig unterstützt? Klingt das Ganze logisch? Wie hoch ist der Marketingeffekt darin? Wer profitiert von diesen Trends am meisten? Wer hat bestimmt, es sei ein Megatrend?“ Dem kann sich Bank-Gutmann-Vorstand Friedrich Strasser nur anschließen: „Megatrends können ein langfristiger Rückenwind sein – man denke nur an die Digitalisierung. Allerdings spiegeln sich offensichtliche Trends auch in den Bewertungen wider, sind teuer. Daher ist es hier umso wichtiger, die fundamentalen und charttechnischen Kriterien im Auge zu behalten.“ Gutmann setzt langfristig auf sechs strategische Themen: Digitalisierung, Konsum im Wandel, demographischer Wandel, Motoren der Wirtschaft, stabile Dividende und Opportunitäten. „Alleine die drei Themenbereiche Digitalisierung, demographischer Wandel und Konsum im Wandel machen mehr als die Hälfte der Gutmann-Aktienstrategie aus“, sagt Strasser.


IHR VORTEIL:

AUSZEICHNUNG ZUM 4. MAL IN FOLGE:

PRIX DE FONDS* FÜR DIE VOLKSBANK TIROL

JETZT ZUR VOLKSBANK WECHSELN ZAHLT SICH AUS.

KEINE DEPOTGEBÜHREN IM 1. JAHR

JUBILÄUMS-BONUS Investieren Sie in Fonds unseres Partners Union Investment und erhalten Sie einen ermäßigten Ausgabeaufschlag von 50 %. Bedingungen für den Jubiläums-Bonus: Aktionszeitraum: 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2020 Gültig für die Eröffnung eines neuen Wertpapier-Depots und/oder für den Abschluss eines neuen Fondssparplanes bei der Volksbank Tirol AG. Bei Abschluss eines Fondssparplanes gilt der ermäßigte Ausgabeaufschlag von 50 % bis 31. Dezember 2021, wobei die monatliche Sparrate mind. 50 Euro betragen muss. Der ermäßigte Ausgabeaufschlag von 50 % gilt nur für von der Volksbank Tirol AG angebotene Fonds von Union Investment Austria GmbH mit Ausnahme des immofonds 1 und UniImmo: Wohnen ZBI.

VERTRAUEN, REGIONALITÄT, KUNDENFOKUS

ALL DAS MACHT UNS ZUR

HAUSBANK

Disclaimer: Das Angebot richtet sich ausschließlich an natürliche Personen, die noch kein Wertpapierdepot bei der Volksbank Tirol AG besitzen. Bis 31. Dezember 2021 werden keine Depotgebühren (0,27 % p. a. zzgl. Ust. vom Depotwert) und keine Gebühren (EUR 25,– p. a.) für das Wertpapierverrechnungskonto in Rechnung gestellt. Ab 1. Jänner 2022 gelten der reguläre Ausgabeaufschlag gem. dem jeweiligen Verkaufsprospekt und die regulären Depot- und Kontoführungsgebühren. Die Inhalte dieser Marketingmitteilung stellen weder ein Angebot bzw. eine Einladung zur Stellung eines Anbots zum Kauf/Verkauf von Finanzinstrumenten noch eine Empfehlung zum Kauf/Verkauf, oder eine sonstige vermögensbezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar und dienen überdies nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung bzw. individuelle, fachgerechte Beratung. Die Volksbank Tirol AG und die Union Investment Austria GmbH übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der Angaben und Inhalte. Fehler oder Irrtümer vorbehalten. Union Investment-Fondssparen umfasst keine Spareinlagen gemäß Bankwesengesetz (BWG). Der Wert der Fondsanteilscheine kann gegenüber dem Kaufpreis steigen oder fallen. Änderungen des Markt- und Zinsniveaus können sowohl zu einer positiven als auch negativen Kursentwicklung des Investmentfonds beitragen. An den Kapitalmärkten insgesamt und bei einzelnen Anlageklassen sind wiederholt Kurskorrekturen möglich und können den Depotwert mindern. Die Verkaufsunterlagen zu den Fonds (Verkaufsprospekte, Anlagebedingungen, aktuelle Jahres- und Halbjahresberichte und wesentliche Anlegerinformationen) finden Sie in deutscher Sprache auf www.union-investment.at bzw. stehen in allen Filialen der Volksbank Tirol AG zur Verfügung. Werbung. Impressum: Medieninhaber und Hersteller: Volksbank Tirol AG, Meinhardstraße 1, 6020 Innsbruck; Verlag und Herstellungsort: Innsbruck; Stand: 1. Oktober 2020 * Für die herausragende kundenorientierte Fondsberatung erhielt die Volksbank Tirol 2020 zum vierten Mal in Folge die Auszeichnung „Prix de Fonds“ in Gold von Union Investment.

Tel. 050 566 www.volksbank.tirol/jubilaeum

VOLKSBANK. Vertrauen verbindet.


eco.wirtschaft

102

FOR THOSE ABOUT TO ROCK … … we salute you. Beat The Street ist in der Musik- und Eventbranche ein Begriff. Das Unternehmen aus Fritzens bewegt in seinen edel ausgestatteten Bussen weltweit die großen Stars. Den jähen Stillstand der Event-Welt lässt Geschäftsführer Jörg Philipp nicht ungenutzt verstreichen und will mit einer neuen Immobilie und neuem Elan nach der Coronakrise sofort wieder durchstarten. TEXT & FOTOS: MARIAN KRÖLL


eco.wirtschaft

örg Philipp sitzt in seinem geräumigen Büro mit angeschlossenem Besprechungsraum. Die Wände sind voll mit Rock-Memorabilia, nicht wenige davon mit persönlicher Widmung der Stars. Die Welt des erfolgreichen Tiroler Unternehmers ist zumindest vorübergehend eine völlig andere geworden als noch sieben Monate zuvor. Anfang März, bei unserem ersten Besuch, herrscht noch geschäftiges Treiben im funktional-feschen schwarz-silbernen Büro-Werkstatt-Garagenkomplex in Fritzens, dem Hauptsitz von Beat The Street. Der große Busparkplatz am Gelände ist damals fast leer. Die meisten der 115 Starbusse des Unternehmens sind unterwegs. „On the Road“, so wie es sich gehört. Beat The Street ist die Unternehmen gewordene Vision von Jörg Philipp, der nach eigenen Angaben weder handwerklich besonders begabt noch ein „Excel-Tabellen-Optimierer“ ist, der bloß zahlengetrieben operiert. Beat The Street ist ein Busunternehmen der etwas anderen Art, das herkömmliche Reisebusse – meist Setra und Van Hool – zu mit allen nur erdenklichen Annehmlichkeiten ausgestatteten Tourbussen für (Rock-)Stars und deren Crews umbaut und dann inklusive höchst diskreter Chauffeure an selbige vermietet. Die derart modifizierten Busse aus Fritzens spielen weltweit in einer eigenen Liga. Das ist auch der Anspruch des Unternehmens, dessen Kunden in der Regel zu über 90 Prozent aus den USA kommen. Vor zehn Jahren hat Jörg Phillip eine englische Firma übernommen und wollte heuer mit einem neuen Standort im Epizentrum des Showbusiness, den USA, durchstarten. Wollte. Daraus ist nämlich pandemiebedingt vorerst nichts geworden. Die globale Eventbranche liegt auf Eis, Konzerte, Tourneen, Festivals. Abgesagt. Verschoben. Am Busparkplatz in Fritzens stehen deshalb um die 35 Busse im typischen schwarz-silbernen Beat-TheStreet-Outfit, die vorübergehend stillgelegt wurden und derzeit nur sehr sporadisch bewegt werden, damit sie durch die langen Stehzeiten nicht kaputtgehen. In England und den USA zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Die Veranstaltungswelt steht still. Und dieser Zustand wird sich zumindest so lange

103 Derzeit steht alles. Der über 115 Fahrzeuge, meist Busse, umfassende Fuhrpark ist vorübergehend fast vollständig stillgelegt.

nicht ändern, bis es eine wirksame Impfung gibt, gibt sich Jörg Philipp keinen Illusionen hin. An diesem Septembertag herrscht Stille im Bürokomplex des Unternehmens. Bis auf den Firmengründer ist niemand da. Wo normalerweise Tourenpläne gerockt werden, ist es gespenstisch still. Jörg Philipp könnte aufgrund der beispiellos herausfordernden Situation resignieren. Tut er aber nicht.

VERANTWORTUNG FÜR DIE GROSSFAMILIE

„Wir haben die Schweinepest überlebt, die Vogelgrippe und sämtliche Katastrophen wie 9/11 und die Finanzkrise 2008, die bei uns in der Firma gar nicht bemerkbar war“, erinnert sich Philipp. Deshalb habe er im Jänner, als es erste Berichte aus China über ein neuartiges Virus gab, auch noch den „berühmten Sack Reis“ herangezogen. Eine Fehleinschätzung, wie wir heute wissen. Die Coronakrise ist nämlich von ihrer ökonomischen Tragweite her ein ganz anderes Kaliber als die zuvor genannten Krisen. „Davor hatten wir wirtschaftlich sehr gute Jahre, eines besser als das andere. Unser ge-

samter Fuhrpark war weltweit ausgebucht“, so der Unternehmer. Von diesen wirtschaftlich guten Jahren zehrt das Unternehmen heute. Anfang März ging alles plötzlich ganz schnell. Binnen weniger Tage wurden laufende Tourneen abgebrochen und auch zukünftige Tourneen gecancelt. Ein erster Schock. „Das hat es überhaupt noch nie gegeben“, erinnert sich Philipp, der aber selbst zu diesem Zeitpunkt noch geglaubt hatte, es werde schon im Sommer wieder weitergehen. Als absehbar war, dass sich das nicht ausgehen würde, hat der Unternehmer mit seinem Team viel Zeit und Kraft investiert, die Zahlen zu analysieren und Szenarien durchzuspielen. Die unangenehme Frage lautete: „Wie lange können wir mit null Umsatz aus eigener Kraft überleben?“ Beat The Street ist nicht nur die Wirklichkeit gewordene Vision Jörg Philipps, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, eine große Familie. „Wir haben mit unseren Fahrern an vorderster Front alles langjährige Mitarbeiter. Wir haben das Unternehmen gemeinsam zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt der Unternehmer, der dafür


eco.wirtschaft

„ICH SEHE DIE M O M E N TA N E S I T U AT I O N AL S DELLE IN DER AUTOTÜR UND NICHT A L S T O TA L S C H A D E N .“ JÖRG PHILIPP

104

kämpfen wird, seine verdienten Mitstreiter auch in der Krise halten zu können. Soziale Verantwortung ist ihm besonders wichtig: „Mittlerweile hat fast jeder Mitarbeiter selbst eine Familie. Deshalb habe ich ja nicht nur die unmittelbare Verantwortung für meine 250 Mitarbeiter.“ Nachsatz: „Es ist, war und wird mir immer wichtig sein, dass meine langjährigen Mitstreiter nicht plötzlich im Regen stehen. Das geht nicht. Und das werden wir auch schaffen. Davon bin ich überzeugt.“ So klingt Kampfgeist. Mittlerweile sind längst diverse länderspezifische Corona-Hilfsregime angelaufen, die meist auf eine Form der Kurzarbeit hinauslaufen. Als schnelles und unbürokratisches Best-Practice-Beispiel hebt Jörg Philipp überraschenderweise die Hilfen im Vereinigten Königreich hervor.

DIE BRANCHE BRAUCHT DIE IMPFUNG

Ob ein zweiter Lockdown kommen könnte, ist für Jörg Philipp im Grunde genommen unerheblich, der maximale Schaden in der Eventbranche ist bereits eingetreten, weniger als null geht nicht. Der springende Punkt ist, ob und wann eine Impfung kommt und ob sie akzeptiert wird. „Wir brauchen die Impfung, die zu hundert Prozent akzeptiert wird und nicht das Image eines überhasteten Schnellschusses hat. Erst dann werden wieder die Rahmenbedingungen herrschen, um weltweit Veranstaltungen in der Größenordnung durchführen zu können, wie wir sie für unser Business brauchen“, so der Unternehmer. „Ich bin Optimist, vielleicht manchmal auch unrealistischer Optimist“, sagt Jörg Philipp über sich. Ohne diesen Wesenszug wäre er heute wohl kaum dort, wo er ist. Er, der als Stagehand – als Bühnenaufbauhelfer – begonnen hatte, als Konzertveranstalter in jungen Jahren gescheitert war und sich um kleines Geld einen quasi schrottreifen, ausgemusterten Postbus gekauft und diesen fürs Touren aufgemöbelt hatte. Und das, obwohl diese Idee nicht wenige Leute damals gelinde gesagt für verrückt hielten. Doch Jörg Philipp ist Optimist,

BEAT THE STREET 2 In der Austraße 49 in Fritzens entsteht derzeit ein innovatives und außergewöhnliches Büround Geschäftshaus, das nicht nur durch seine besondere Qualität, sondern auch durch sein ästhetisches Äußeres auffällt. Durch seine zentrale Lage im Großraum von Innsbruck in unmittelbarer Nähe der A12 und des Bahnhofs Fritzens/Wattens bietet es optimale Erreichbarkeit sowohl für den Individual- als auch den öffentlichen Verkehr. Im Gebäude lassen sich frei gestaltbare Büroeinheiten zwischen 40 und 800 Quadratmetern verwirklichen, die im Sommer 2021 provisionsfrei bezugsfertig sein werden. Das Gebäude wird als innovativer Holzbau ausgeführt, der von außen im typischen Schwarz-Silber gehalten ist.

kein Träumer: „Du musst dich als Optimist nur mit genügend Pessimisten umgeben, dann passt es irgendwie wieder.“ Sobald die Impfung da ist und Veranstaltungen in jeder Größenordnung wieder möglich sind, will Jörg Philipp mit seinem Unternehmen wieder voll durchstarten.

BEAT THE STREET 2

Obwohl die Busse und damit das Kerngeschäft von Beat The Street derzeit stillstehen, waren Jörg Philipp und sein Team in den letzten Monaten alles andere als untätig. Man hat im Unternehmen an gewissen organisatorischen Stellschrauben gedreht, die allesamt das Ziel verfolgen, „noch mehr Service, Service, Service“ zu bieten, sagt Philipp. Außerdem will man in Zukunft bei Beat The

Street nicht mehr exklusiv die eigenen Busse ausbauen, sondern die Werkstattleistungen auch privaten Fahrzeugbesitzern anbieten, die sich ihren persönlichen Campingtraum erfüllen und wie kleine Rockstars durch die Lande touren wollen. Oder diverse andere Fahrzeuge zu Event- oder Messefahrzeugen umbauen. „Einen Bedarf dafür gibt es sicher“, weiß Jörg Philipp aus Erfahrung. Doch damit nicht genug. Das größte neue Projekt, das Jörg Philipp derzeit umsetzt, spielt im Immobilienbereich. Am Betriebsgrundstück, das Beat The Street seinerzeit von den ÖBB gekauft hatte, entsteht auf rund 5.000 Quadratmetern der Gebäudekomplex Beat The Street 2, ein ganz besonderes Büro- und Geschäftshaus. Wie schon beim Unternehmenssitz wurde das Architekturbüro DIN A4 mit der Planung des Gebäudes betraut. Einen Teil des neuen Bauwerks nützt Beat The Street als Bushalle. Dort sollen zukünftig die Busse nach ihrem Einsatz gereinigt und gewartet werden. Der Spatenstich für das neue zweite Standbein des Unternehmens erfolgte Mitte September, auf der Baustelle herrscht emsiges Treiben. Das Projekt lag allerdings bereits vor Beginn der Krise fix fertig in Jörg Philipps Schublade. Über eine coronabedingte Verschiebung hat er nie ernsthaft nachgedacht: „Wie gesagt, ich sehe die momentane Situation als Delle in der Autotür und nicht als Totalschaden. Und ein langfristiges Immobilienprojekt lasse ich mir davon nicht kaputtmachen.“ That’s the spirit. Das Einzige, was sich geändert hat, ist der Fremdfinanzierungsanteil. Der ist durch die Krise etwas höher ausgefallen als geplant. Wenn die Ampel für die weltweite Eventbranche wieder auf Grün steht, wird man in Fritzens ready sein. Ready to rock, ready to roll.


Die Elektro-Modelle von Volkswagen

Jetzt bis zu € 5.000,– netto E-Bonus sichern! E-Mobilitätsbonus: € 2.000,– netto bei Kauf und Zulassung eines neuen E-Modells bis 31. 12. 2020 (Datum Kaufvertrag). Für Privat- und Firmenkunden. Staatliche Prämie/Förderung v. BMLFUW u. bmvit für alle E-Modelle (€ 3.000,–). Nähere Infos zu den Voraussetzungen für den Bezug und weitere Details unter www.umweltfoerderung.at. e-up!: Stromverbrauch: 12,7 – 12,9 kWh/100 km. CO2-Emission: 0 g/km. e-Golf: Stromverbrauch: 13,2 – 14,1 kWh/100 km. CO2-Emission: 0 g/km. ID.3: Fahrzeug wird in Kürze zum Verkauf angeboten. Symbolfoto. Stand 07/2020.

6020 Innsbruck Haller Straße 165 Tel. +43 512 2423-0 www.porscheinnsbruck.at/hallerstrasse

6020 Innsbruck 6020 Innsbruck Mitterweg 26 Telefon +43 51226 22755 Mitterweg www.porscheinnsbruck.at

Tel. +43 512 22755 www.porscheinnsbruck.at

Unbenannt-55 1

05.01.17 14:24


eco.wirtschaft

DIE TIROLER WIRTSCHAFT STEUERT GUT DURCH DIE KRISE Die Corona-Pandemie ist das derzeit alles beherrschende Thema. Wir haben mit Mag. (FH) Mario Zangerl, Leiter Firmenkunden in der Hypo Tirol Bank, über (mögliche) Auswirkungen gesprochen. TEXTE: MARINA BERNARDI

Die Corona-Pandemie hat sämtliche Branchen hart getroffen. Wo lagen die größten Herausforderungen für die Hypo Tirol Bank und wie sind Sie damit umgegangen? MARIO ZANGERL: Die größte Herausforderung lag sicher in der allgemeinen Verunsicherung. Auch wir sind mit dem Start des Lockdowns großteils ins Homeoffice gewechselt und niemand wusste, wie lange dieser Zustand andauern wird. Für Kreditkunden war der 16. März zudem ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Zum einen, weil zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar war, wie lange die Unternehmensschließungen andauern würden. Und zum anderen, weil Ende März die Quartalsraten fällig wurden. Eine vorausschauende Liquiditätsplanung war kaum möglich. Wir haben alle unsere Kunden innerhalb weniger Tage kontaktiert und mit ihnen abgesprochen, wie wir helfen können – etwa mit Ratenstundungen oder Überbrückungsfinanzierungen. Unsere Aufgabe war in erster Linie, in dieser schwierigen Zeit für unsere Kunden da zu sein. Und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.

ECO.NOVA:

106

Erwarten Sie längerfristige Auswirkungen der Krise für die Bankenbranche im Allgemeinen? Ich glaube, es ist noch zu früh für eine seriöse Prognose. Was ich aus meiner Perspektive aber sagen kann ist, dass die Krise für die Tiroler Wirtschaft bis jetzt besser verlaufen ist, als man im März und April befürchten musste. Jetzt hängt es vor allem davon ab, wie lange die Pandemie noch andauert, und wie es mit dem Wintertourismus läuft. Die Krise wird auf jeden Fall die Digitalisierung beschleunigen. Auch im Bankensektor. Dennoch denke ich, dass gerade im klassischen Firmenkundengeschäft die persönliche Zusammenarbeit auch in Zukunft wichtig sein wird. Gerade in der Krise haben unsere Kundinnen und Kunden das persönliche Gespräch mit ihrem Berater sehr geschätzt. Vieles lässt sich einfach besser besprechen als digital abhandeln.

Unsichere Zeiten sorgen auch für Irritationen in der Wirtschaft. Wie gehen Ihre Kunden damit um bzw. was waren die drängendsten Fragen? Richtung Bank ging es vorrangig um Fragen der Finanzierung und Liquidität sowie das Ausschöpfen von Fördermöglichkeiten. Gleichzeitig haben viele Unternehmen die Zeit genutzt,


eco.wirtschaft

ERF GES OLGSCHI CHT E

VOM MUT, ES ANDERS ZU MACHEN

Sie haben eine – laut Selbstdefinition – Bretterbude übernommen und daraus das erste Massivholzhotel Österreichs gemacht. Irene und Edmund Auer zeigen mit ihrer Waldklause in Längenfeld, wie Ganzjahreshotellerie in Tirol funktionieren kann. Und das sehr erfolgreich.

ihre internen Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Einige Unternehmer sind in der Krise sehr kreativ und haben zum Beispiel neue Geschäftsfelder erschlossen. Produktionen und Dienstleistungen wurden an die Ausnahmesituation angepasst. Ich bin beeindruckt vom Mut und dem unbedingten Willen, den unsere Unternehmerinnen und Unternehmer beweisen und vorleben.

107

Trotz Krise muss das (Wirtschafts-)Leben weitergehen. Wie schaut es bei Ihren Kunden hinsichtlich Investitionsvorhaben und Umsetzung von Projekten aus? In der Hochphase der Krise, im Lockdown, sind diese naturgemäß komplett eingebrochen. Hier waren vor allem Überbrückungsfinanzierungen gefragt. Nach dem Lockdown ist die Nachfrage auch für mich überraschend stark angestiegen. Die von der Regierung ins Leben gerufene Covid-19-Invstitionsprämie hat hier zusätzlichen Schub gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ist unser Finanzierungsvolumen trotz Shutdown insgesamt gesehen fast gleich geblieben. Welche Auswirkungen wird der Konjunktureinbruch Ihrer Meinung nach kurz- bis mittelfristig auf die (Tiroler) Wirtschaft haben? Rechnen Sie mit vermehrten Firmenpleiten im Herbst und damit einhergehend auch mit Kreditausfällen? Aus den Medien hören wir aktuell wenig Positives. Ich persönlich glaube, dass Unternehmen, die vor der Krise gesund waren, sehr wahrscheinlich auch nach der Krise erfolgreich sein werden. Und ich finde es extrem wichtig, diese Unternehmen zu unterstützen, weil wir sie nach der Krise dringend brauchen werden. Wir brauchen Arbeitsplätze und regionale Angebote. Darauf haben auch die Förderungen des Staates abgezielt. Mit zunehmenden Kreditausfällen im Herbst rechne ich weniger. Was die Zukunft bringt, wird man abwarten müssen. Alles hängt davon ab, wie sich die Krise weiter entwickelt, und wie lange es dauert, bis wir wieder zu einem halbwegs normalen Wirtschaften zurückfinden. FOTOS: ANDREAS FRIEDLE, MARIAN KRÖLL

D

ort, wo sich heute das Naturhotel Waldklause befindet, war ursprünglich ein Campingplatz – fast naturgemäß nur im Sommer betrieben von Edmund Auers Eltern. Als diese ins Pensionsalter kamen, fragten sie Sohn und Schwiegertochter, ob sie diesen übernehmen wollten. „Eigentlich wollten wir beide nicht im Tal bleiben“, blickt Irene Auer zurück, „doch dann haben wir uns gedacht: Auch aus einer Bretterbude lässt sich etwas Ansehnliches machen.“ Dachten’s, und haben es gemacht.


eco.wirtschaft

108

Schnell und ebenso schnell erfolgreich haben die beiden einen Restaurationsbetrieb aufgebaut und von Beginn an alles ein wenig anders gedacht. Die „Waldklause“ war die erste Pizzeria und damit das erste Spezialitätenrestaurant im Ort, schon damals hat man auf einen Architekten vertraut, der das Haus behutsam quasi mitten in den Wald hineinentworfen hat. 1994 wurde durch eine Brandserie alles zerstört. Wo andere in eine Schockstarre verfallen, haben die Auers ihr Haus rasch wieder aufgebaut. 2002 keimte der Traum eines eigenen Hotels. Aus Holz sollte es sein, passend zur Umgebung des Waldgrundstücks. „Das war eine verwegene Idee, denn zu dieser Zeit waren Holzhäuser in diesen Dimensionen absolutes Neuland“, sagt Irene Auer. Die Visionärin in ihr setzte sich durch, 2004 wurde das Haus als erstes Massivholzhotel Österreichs eröffnet. Nachbarn haben den Kopf geschüttelt, Hotelierskollegen auch. „Man hat uns den Vogel gezeigt“, sagt Edmund Auer. Es war nicht nur der für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Baustoff, es war das gesamte Design, das für Aufruhr sorgte, die großen Zimmer und weitläufigen Allgemeinflächen. Und der Standort. In einer Tourismushochburg ein Hotel in absoluter Ruhelage weit weg von Skipisten und Rambazamba zu stellen, war ungewöhnlich. Es als Ganzjahreshotel führen zu wollen nicht minder. Die Mitarbeiter kamen von Anfang an aus der Umgebung. „Von unseren aktuell 75 Mitarbeitern gehen 72 abends nach Hause. Sie haben ihren Lebensmittelpunkt im Tal, diese Verwurzelung ist uns wichtig. Wir haben mehrere Mitarbeiter im Haus, die den Weg schon mehr als 15 Jahre mit uns gemeinsam gehen“, erzählt Irene Auer. Mehrfache Auszeichnungen sind ein Lob

„ I C H H AT T E I M M E R VERWEGENE IDEEN, DENN ERFOLGREICH K ANN MAN NUR SEIN, WENN MAN ANDERS IST AL S DIE A N D E R E N .“ IRENE AUER

dafür und die Belohnung für den Mut, es auch gegen Widerstände anders zu machen.

DER WERT DER ERHOLUNG

Irene und Edmund Auer haben von Beginn ihres Unternehmertums an intuitiv umgesetzt, was heute im Trend scheint: Nachhaltigkeit, die Anerkennung des Mitarbeiters (auch monetär) als wertvollen Bestandteil des Erfolges, den Respekt vor den Menschen und die Achtsamkeit vor der Natur. 2011 wurde das Haus um ein Naturspa erweitert, dessen Körper Baumstämmen nachempfunden und um bestehende Bäume herum gebaut wurde, um sie nicht zu zerstören. 2017 folgten Spa-Suiten, also Räume mit eigenen Pools, die vor allem in Zeiten wie diesen besonders nachgefragt werden, muss man sein Zimmer für individuelle Wohlfühlstunden doch gar nicht mehr verlassen. Die hauseigene Kosmetiklinie ist zu 100 Prozent biologisch und natürlich, die Lebensmittel kommen, wo immer es möglich ist, aus der Umgebung. Das alles ist für Familie Auer – die zwei Söhne arbeiten aktiv im Betrieb mit – selbstver-

„W I R H A B E N I M M E R N U R G E M A C H T, W O V O N W I R S E L B S T Ü B E R Z E U G T WA R E N . WIR LEBEN UNSERE WERTE VOR – UNSEREN KINDERN U N D D E N M I TA R B E I T E R N .“ EDMUND AUER

ständlich, hat in den vergangenen Monaten jedoch eine enorme Aufwertung erfahren. In den vergangenen Jahren wurde stets in die Qualität investiert, quantitatives Zimmerwachstum sei vorerst nicht vorgesehen. Edmund Auer: „Es ist nicht unser Ansinnen, das Hotel künstlich aufzublähen. Es geht um Qualität, die uns unter anderem den fünften Stern gebracht hat und auf die sich unsere Gäste verlassen können. Das ist in Zeiten, wie wir sie gerade erleben, noch viel wichtiger als sonst.“ Die Krise hat aber auch das Naturhotel Waldklause eingeholt. Die Auslastung bis zum Lockdown war hoch, von diesem Erfolg kann man nun zehren. „Wir haben keine Existenzsorgen, sondern konnten uns Rücklagen erarbeiten, die uns durch diese Zeit tragen. Wir haben auch ein gutes Einvernehmen mit unseren Geschäftspartnern und unserer Bank, die Waldklause wird es auf jeden Fall weiterhin geben“, ist Edmund Auer überzeugt. „Wir haben viel gearbeitet und waren überzeugt, wenn wir das gut machen, dann wird auch alles gut. Natürlich gibt es zwischendurch Rückschläge, aber man darf sich nicht entmutigen lassen“, ergänzt seine Frau. Die beiden kennen nur eine Richtung: nach vorne. Der hohe Anteil an Stammgästen hilft durch die schwere Zeit und auch, dass man sich nie unter Wert verkauft hat. „Qualität hat ihren Preis und wir sehen, dass unsere Gäste sehr wohl dazu bereit sind, für diesen hohen Standard zu bezahlen. Das ermöglicht es uns, unsere Mitarbeiter fair zu entlohnen und laufend zu investieren, ohne uns ständig am finanziellen Minimum zu bewegen“, resümiert der Hausherr. Seine Frau indes träumt schon vom neuen Badehaus. Mitten im Wald und auch wieder ganz besonders. Wie sollte es anders sein?


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

bmf.gv.at/terminvereinbarungen

Sie sparen sich Zeit, wir nehmen uns Zeit Vereinbaren Sie einen Termin in Ihrem Finanzamt. Nutzen Sie auch weiterhin ortsunabhängig und schnell unsere diversen Onlineservices wie finanzonline.at. Viele Anliegen lassen sich so am einfachsten erledigen. Sollten Sie dennoch den persönlichen Kontakt wünschen, empfehlen wir vorher einen Termin im Finanzamt zu vereinbaren: • •

Online über bmf.gv.at/terminvereinbarungen oder Telefonisch unter der Nummer 050 233 700

Dadurch können wir Wartezeiten vermeiden, die Besuche gemeinsam mit Ihnen gut vorbereiten und Ihr Anliegen rasch klären.


eco.wirtschaft

ECO.NOVA: Was wird in der Immobilienoffensive Tirol geboten? Wer kann diesen Service nutzen? GERT KÖSSLER: Das Angebot richtet sich an alle Personen, die an Immobilienerwerb, -weitergabe oder auch Fragen rund ums Thema Miete interessiert sind. Geboten wird alles, was das Notariat zu Immobilien im Angebot hat, also sämtliche Informationen im Zusammenhang mit Kauf und Verkauf von Immobilien und Immobilienübergabe sowie die Behandlung der damit in Zusammenhang stehenden erbrechtlichen Fragen.

110

Worauf liegt der Schwerpunkt der Beratungen? Das wird einerseits vom Thema der Beratung und andererseits von der jeweiligen Immobilie abhängen. Während bei familiären Übergaben erbrechtliche Überlegungen üblicherweise eine große Rolle spielen, steht bei einem anstehenden Kauf oder Verkauf eher das Objekt selbst im Mittelpunkt, also etwa die Widmung, die Nutzbarkeit, die Lastenfreiheit des Objekts und übernommene oder eben nicht übernommene Gewährleistung. Bei Klienten, die an einem Ankauf einer Immobilie interessiert sind, ist außerdem von erheblicher Bedeutung, ob der Erwerb der Befriedigung des eigenen Wohnbedürfnisses dienen soll oder ob die Geldanlage im Vordergrund steht. Bei Immobilientransaktionen stets von Interesse sind nach meiner Erfahrung die damit zwangsläufig verbundenen Steuern, Gebühren und sonstigen Nebenkosten, weshalb auch diese Fragen beantwortet werden. Warum sind Notare ideale Ansprechpartner bei Immobilienangelegenheiten? Wir haben sehr große Routine in diesem Bereich. Wir unterstützen unsere Klienten regelmäßig bei Schenkungen und Übergaben im Familienkreis und beachten und regeln in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen auf Erb- und Pflichtteilsrecht. Hier ist es besonders wichtig, eine gute und fundierte Auskunft aus allen Blickwinkeln zu geben. Wir sehen uns als allparteiliche Vertragserrichter – es liegt in unserer Genetik, ausgewogene Verträge zu erstellen. Bei der Abwicklung von Kaufverträgen fungieren wir als Vertragserrichter und Treuhänder. Zentrale Aufgabe dabei ist ein größtmögliches Maß an Seriosität in der Abwicklung und Sicherheit für die beteiligten Parteien. Über laufende Fortbildung, strenge Vorgaben und deren stetige Kontrolle gelingt es uns, einen sehr hohen Standard zu setzen und zu halten.

Für viele junge Tiroler ist das Eigenheim ein großes Thema – sei es durch Kauf oder Erbschaft. Ab welchem Zeitpunkt ist es nötig und sinnvoll, einen Notar zu Rate zu ziehen? Sobald sich eine erste rechtliche Frage stellt, ist

„ ES IST NIE ZU FRÜH, SICH RAT ZU HOLEN“ Jedem, der eine Frage zu Immobilien hat, etwa über einen Erwerb nachdenkt, oder Personen, bei denen eine Übergabe innerhalb der Familie bevorsteht, rät Mag. Gert Kössler, öffentlicher Notar in Innsbruck, im Zuge der Immobilienoffensive Tirol bei einem Notar vorbeizuschauen. Im Interview klärt er die wichtigsten Fragen.


eco.wirtschaft

es sinnvoll, sich an einen Notar zu wenden. Gerade in Tirol ist das Eigenheim oftmals die größte und in dieser Größenordnung einmalige Investition im Leben. Es lohnt sich, sich darauf rechtlich vorzubereiten. Bereits wenn man an dem Kauf eines Eigenheims interessiert ist, kann man sich rechtlich informieren. Wenn man ein konkretes Objekt im Auge hat, lohnt es sich in jedem Fall, eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Das Einholen von rechtlichem Rat kann keinesfalls zu früh sein. Welche Motive sind bei Tirolern vorrangig für den Erwerb von Haus, Wohnung oder Grundstück? Die Mietpreise sind in Tirol hoch und nach meiner Wahrnehmung geht es einem großen Teil der Tiroler darum, Vermögen zu schaffen. Wohnraum wird immer benötigt, weshalb diese Kosten ohnedies nicht einsparbar sind, und langfristig schafft man sich mit dem Eigenheim einen hohen Vermögenswert, der in Tirol einen großen Stellenwert hat. Was bedeutet das eigene Zuhause für die Tiroler? Bei vielen Einheimischen ist die Bindung zur Heimat nach wie vor groß, sodass sich viele Tiroler wünschen, langfristig

„SOBALD SICH EINE ERSTE RECHTLICHE F R A G E S T E L LT, I S T E S S I N N V O L L , S I C H A N E I N E N N O TA R Z U W E N D E N . G E R A D E I N T I R O L IST DAS EIGENHEIM OF TMAL S DIE GRÖSSTE UND IN DIESER GRÖSSENORDNUNG EINMALIGE INVESTITION IM LEBEN. ES LOHNT SICH, SICH D A R A U F R E C H T L I C H V O R Z U B E R E I T E N .“ MAG. GERT KÖSSLER

hier zu bleiben. Wenn, egal ob aus beruflichen oder familiären Gründen, dieser Entschluss gefasst wird, ist dies für viele der richtige Zeitpunkt, um in ein Eigenheim zu investieren. Die Miete wird langfristig als verlorenes Geld gesehen, während ein Eigenheim eine langfristige Wertanlage darstellt.

Wie wirkte sich die Coronakrise mit Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen auf diese Einstellung aus? Ich kann in diesem Bereich bislang keine große Änderung feststellen. Das Eigenheim ist ein fundamentales Thema, das die Krise überdauert. Die Kaufpreise von Immobilien sind unverändert hoch und momentan sogar leicht stei-

gend. Wahrnehmbar ist, dass der gewaltige Einschnitt die Leute nachdenklich gestimmt hat. Die Überlegungen zu den Themen Übergabe und Nachlassregelung sind bei einigen Klienten in Bewegung gekommen. Jedenfalls spürbar ist, dass die Coronakrise die Digitalisierung antreibt. In Zeiten, in denen persönliche Begegnung zum Problem wird, gibt es natürlich Bemühungen, Alternativen anzubieten. Diesen Schritt geht auch das Notariat mit, sodass beinahe das gesamte Dienstleistungsangebot des Notariats vorerst bis Ende des Jahres 2020 mit größtem Bemühen um Wahrung der gewohnten Qualitäts- und Sicherheitsstandards digital zur Verfügung steht.

BER 2020 M E V O N . 3 1 2 . BIS R IAT E N O L E R N O TA IN A L L E N T IR

Immobilienwochen Tiroler Notare Alles zum Thema Immobilien und viel mehr

Erstes Beratungsgespräch und Grundbuchauszug sind kostenlos. Wir freuen uns auf Sie und beantworten gerne Ihre Fragen.

Zur Covid-19-Prävention ersuchen wir um Ihre Voranmeldung im Notariat Ihrer Wahl.

111


eco.steuern

112

ES IST, WAS ES IST … UND DAS WEISS NUR DER ARZT Schönheit und Umsatzsteuer auf ärztliche Leistungen. TEXT: DIE ÄRZTESPEZIALISTEN VOM TEAM JÜNGER


W

er schön sein will, muss leiden. Was die Umsatzsteuer anbelangt, hat dieses Sprichwort eine eigene Bedeutung. Laut Umsatzsteuerrichtlinien sind rein ästhetische Maßnahmen ohne medizinische Indikation der Umsatzsteuer (20 %) zu unterwerfen. Auch ästhetisch-plastische Leistungen eines Chirurgen gelten aus umsatzsteuerlicher Sicht nur dann als umsatzsteuerbefreite medizinische Heilbehandlung, wenn ein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht. Im Hinblick auf die Abgrenzungskriterien zwischen reiner Ästhetik und medizinischer Indikation zeigt die Gangart der Finanzverwaltung einen „Zickzackkurs“. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die aktuelle Lage.

© HOFER

eco.steuern

Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller

WER IST BETROFFEN?

Kosmetische Eingriffe und Behandlungen ohne medizinische Indikation von Ärzten sind bei genauerem Hinsehen eher selten. Selbst Plastiker haben einen sehr hohen Anteil an rein medizinisch indizierten Eingriffen. Prinzipiell können aber auch Augenärzte, Dermatologen, Gynäkologen, Orthopäden sowie Allgemein- und Zahnmediziner umsatzsteuerpflichtige ästhetische Leistungen erbringen.

WANN STEHEN THERAPEUTISCHE ZIELE IM VORDERGRUND?

Dies kann nur die behandelnde Ärztin bzw. der zuständige Arzt beurteilen. Nach den Umsatzsteuerrichtlinien ist die Finanz an diese Beurteilung gebunden, nicht jedoch die Gerichtsbarkeit, sodass eine wirklich unumstrittene Regelung fehlt. In Zweifelsfällen sollte die medizinische Indikation daher jedenfalls eindeutig dokumentiert werden. Der Nachweispflicht der ÄrztInnen sind dabei Grenzen gesetzt. Die Vorlage der Patientenkartei kann auf Grund der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht jedenfalls nicht verlangt werden. Vor einiger Zeit gab es dazu leider auch ein gegenläufiges Judikat des Bundesfinanzgerichtes. Hier hat eine Schönheitschirurgin alle Leistungen als medizinisch indiziert eingestuft. Das war dem Betriebsprüfer zu viel. Er differenzierte daher selbst und bejahte ein therapeutisches Ziel zum Beispiel bei einer Nasenkorrektur nach einem Verkehrsunfall, einer Nävusentfernung, einer Brustverkleinerung, einer Narbenbehandlung und -korrektur, einer Lippenkorrektur, einer Schweißdrüsenabsaugung, einer Behandlung der Gynäkomastie und Knotenexstirpation oder einer Schlupfwarzenkorrektur. Alle Leistungen, bei denen ein therapeutisches Ziel

dem Finanzler nicht vordergründig erschien (Definition gemäß www.Lifeline.de), wurden teils zu 80 Prozent und teils zur Gänze umsatzsteuerpflichtig behandelt. Zur letzten Gruppe zählten zum Beispiel Faltenbehandlung, Brauenlifting, Brustvergrößerung oder Bruststraffung. Glücklicherweise folgte etwas später dazu ein Judikat des Verwaltungsgerichtshofes, wonach der medizinische Laie nicht feststellen kann, ob eine ästhetisch anmutende Leistung medizinisch indiziert und damit umsatzsteuerfrei ist oder nicht. Dank diesem jüngsten Judikat sind wir wohl wieder bei der ursprünglichen Gangart, wonach es alleine der Ärztin/dem Arzt obliegt, darüber zu befinden, ob eine ärztliche Leistung medizinisch indiziert ist. Jedenfalls ist es nunmehr undenkbar, dass bei einer Steuerprüfung die Finanzmittels im Internet erworbenen Wissens selbst eine dahingehende Beurteilung vornehmen kann.

UNSERE AKTUELLE EMPFEHLUNG: Dokumentation ist alles. Differenzieren Sie sorgfältig zwischen reiner Ästhetik und einer vordergründigen medizinischen Indikation und sorgen Sie für eine klare Dokumentation der jeweiligen Beurteilung.

WAS IST BEI DER TÄGLICHEN BUCHFÜHRUNG ZU BEACHTEN?

In der Buchhaltung sind die umsatzsteuerpflichtigen Leistungen auf separaten Konten zu erfassen und in die monatliche Umsatzsteuervoranmeldung aufzunehmen. Dazu empfiehlt es sich, auf den Bankbelegen die betreffenden Honorareingänge zu markieren bzw. in der Registrierkassensoftware eine eigene Position zu definieren.

DIE GUTE NACHRICHT: Vorsteuern auf korre-

spondierende Vorleistungen (Ärztebedarf, medizinisch-technische Geräte etc.) können von der geschuldeten Umsatzsteuer in Abzug gebracht werden. Wenn ein Zusammenhang nur zum Teil (z. B. EDV-Ausstattung) gegeben ist, steht ein anteilsmäßiger Vorsteuerabzug zu. Wird etwa ein kostspieliger Laser nur für rein ästhetische Behandlungen eingesetzt, so kann sich daraus ein vorteilhafter Finanzierungseffekt in Höhe von 20 Prozent der Nettoanschaffungskosten ergeben.

DIE BESTE NACHRICHT: Es geht mitunter

trotzdem auch ganz ohne Umsatzsteuer, weil eine Umsatzsteuerpflicht nur dann entsteht, wenn die Gesamtsumme der steuerpflichtigen Umsätze (das heißt der rein ästhetischen Behandlungen plus eventueller Produktverkäufe, Vermietungseinkünfte und dergleichen) jährlich eine bestimmte Grenze (netto 35.000 Euro, brutto somit 38.500 bis 42.000 Euro) überschreitet.

RESÜMEE Fehlt eine medizinische Indikation, so sind ästhetische Maßnahmen umsatzsteuerpflichtig. Stehen jedoch therapeutische Ziele im Vordergrund, so ist nach wie vor von einer umsatzsteuerfreien ärztlichen Tätigkeit auszugehen. Die Beurteilung, inwieweit therapeutische Ziele im Vordergrund stehen, obliegt der Ärztin/ dem Arzt. Die beste Empfehlung ist daher aktuell weiterhin eine astreine Dokumentation zur Differenzierung und Abgrenzung zwischen reiner Ästhetik auf der einen und einer vordergründigen medizinischen Indikation auf der anderen Seite.

113


eco.steuern

LIQUIDITÄTSSICHERUNG IN DER KRISE Eine der aktuell größten Herausforderungen für Unternehmen ist es, die Liquidität zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs oder zur Finanzierung des Wiederanlaufs zu sichern. Darüber hinaus gilt es, mögliche Auswirkungen von COVID-19 im Rahmen von Szenarien zu simulieren und die Auswirkungen auf die finanzielle Situation des eigenen Unternehmens einzuschätzen.

114

T E X T : M A R T I N W O L F, B . A . & M A G . G U N N A R F R E I

A

lle Stakeholder, wie zum Beispiel Gesellschafter, Finanzierer, wesentliche Lieferanten und Kunden, haben neben den eigenen Mitarbeitern ein besonderes Informationsbedürfnis hinsichtlich der Liquiditätslage. Darüber hinaus ist es gerade in unsicheren Zeiten wichtig, die persönliche Haftung der vertretenden Organe auszuschließen oder zumindest weitestgehend zu minimieren. Ein nachhaltiges Vertrauen unter allen Stakeholdern hilft dabei, gemeinsam mit der aktuellen Situation umzugehen. Es ist ratsam, entsprechende Prozesse, Methoden und Modelle im Unternehmen zu etablieren oder bestehende Funktionen zu optimieren, um die Fähigkeit, fällige Verbindlichkeiten zu jedem Zeitpunkt bedienen zu können, aufrechtzuerhalten. Was können Unternehmen in der aktuellen Situation machen, um – neben der Nutzung der COVID-19-Maßnahmenpakete der Regierung wie staatlich garantierte Überbrückungsfinanzierungen, Fixkosten-

zuschuss I und II, Stundungen der Abgaben bei Sozialversicherungen und Finanzbehörden etc. – ihre Zahlungsfähigkeit zu erhalten und zu sichern?

KURZFRISTIGE LIQUIDITÄTS PLANUNG

Der erste Schritt für Unternehmer, die proaktiv Liquiditätssicherung betreiben wollen, ist die Analyse der Ist-Situation. Ausgehend vom aktuellen Bankstand empfiehlt es sich, eine kurzfristige Liquiditätsplanung zu erstellen. Diese soll sämtliche erwarteten Ein- und Auszahlungen berücksichtigen und möglichst realitätsnah sein. Für die nächste Woche sollte die Planung auf Tagesbasis, für die nächsten vier bis sechs Wochen auf Wochenbasis und für einen darüber hinausgehenden Zeitraum auf Wochen- oder Monatsbasis erstellt werden. Dabei gilt: Je besser die Datenbasis, desto verlässlicher ist die Aussage der Planung. Eine solide Liquiditätsplanung zeigt einem Unternehmer sehr rasch auf, ob in der nahen Zukunft eine

Liquiditätslücke zu erwarten ist, wie groß diese Lücke sein wird und wie rasch dafür eine Lösung gefunden werden muss.

REDUKTION DER KAPITALBINDUNG

Ein erstes Instrument für die nachhaltige Verbesserung der Zahlungsfähigkeit ist die verbesserte und bewusstere Steuerung des Nettoumlaufvermögens (Working Capital Management). Jedes Mal, wenn ein Unternehmer eine Rechnung legt und hierbei ein Zahlungsziel (z. B. 30 oder mehr Tage) gewährt, ist das nichts anderes als ein Kredit, der an die Kunden vergeben wird. Dies führt dazu, dass dringend benötigte Liquidität gebunden ist. Dieses gebundene Kapital kann freigesetzt werden, indem die Dauer zwischen Leistungserbringung und Rechnungslegung reduziert wird und folglich rasch Rechnungen gelegt werden. Zudem können die gewährten Zahlungsziele verkürzt und bei verspäteten Zahlungen rascher der Mahnprozess gestartet werden. In diesem Zusammenhang sollten Unternehmer die ihnen eingeräumten Zah-


lungsziele möglichst ausreizen oder sogar um eine Verlängerung ansuchen. Schließlich kann der Geldbestand optimiert werden, indem weniger Vorräte auf Lager gehalten oder, so es möglich ist, gänzlich auf Just-in-time-Lieferungen umgestellt werden.

© DIE FOTOGRAFEN

eco.steuern

KURZFRISTIGE LIQUIDITÄTS SICHERUNGSMASSNAHMEN

Während die bewusste Steuerung des Nettoumlaufvermögens einen nachhaltig positiven Effekt auf den Kapitalbestand hat, führt der Verkauf von Umlauf- oder Anlagevermögen zu einem kurzfristigen, positiven Einmaleffekt auf den Geldbestand. Im Zusammenhang mit dem Umlaufvermögen könnten zum Beispiel nicht mehr benötigte Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe verkauft werden. Zudem können Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die zum Beispiel ein langes Zahlungsziel aufweisen, gegen einen kleinen Abschlag auf die Forderungshöhe an eine Factorbank bzw. eine Factoringgesellschaft abgetreten bzw. verkauft werden (Factoring). Dadurch fließt der geschuldete Geldbetrag sofort ins Unternehmen und das Eintreten des Zahlungsziels muss nicht mehr abgewartet werden. Zudem kann ein stilles Factoring vereinbart werden, bei dem der Schuldner nicht über den Verkauf der Forderung informiert wird. Der Schuldner bekommt damit die vermeintlichen Zahlungsengpässe des Unternehmers nicht mit. Zusätzlich kann Liquidität durch den Verkauf von Anlagevermögen freigesetzt werden. Am einfachsten und unproblematischsten ist der Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen, also Vermögensgegenstände, die nicht für die eigene Leistungserstellung benötigt werden. Etwas komplizierter ist der Verkauf von betriebsnotwendigem Vermögen. Hierzu bieten sich Sale-and-Lease-back-konstruktionen an, die zu einem kurzfristigen Liquiditätsanstieg führen. Dabei wird in einem ersten Schritt (sale) ein Vermögensgegenstand aus dem Eigentum des Unternehmens (z. B. ein Bürogebäude oder eine Produktionsmaschine) an eine Leasinggesellschaft verkauft, wodurch sofort der Kaufpreis als zusätzliche Liquidität ins Unternehmen fließt. In einem zweiten Schritt (lease back) vermietet die Leasinggesellschaft den Vermögensgegenstand an das Unternehmen zurück. Zu beachten ist, dass in der Folge regelmäßige Zahlungen für den Vermögensgegenstand fällig werden (Leasingraten), die ohne Sale-and-Lease-back nicht anfallen würden.

Martin Wolf, B.A., Manager Financial Advisory bei Deloitte

IDENTIFIKATION UND REDUKTION VON FIXKOSTEN Klarerweise kann die Liquiditätssituation auch über die Reduktion von Kosten verbessert werden. Dabei sollten Unternehmen alle Ausgaben senken, aufschieben oder stoppen, die nicht unmittelbar der Weiterführung des Betriebes dienen. Beispiele hierfür sind die Reduktion von nicht unmittelbar notwendigen Reise- oder Marketingausgaben, die Verschiebung von Investitionen oder die Einbehaltung von Gewinnausschüttungen und Gesellschafterauszahlungen. Ergänzend dazu kann auch die Stundung von fälligen Zahlungen wie Kredittilgungen oder Steuerzahlungen zu einer vorübergehenden Verbesserung der Liquiditätssituation beitragen. Bei Stundungen ist zu beachten, dass diese nur einen vorübergehend positiven Effekt auf die Zahlungsfähigkeit haben, da diese lediglich aufgeschoben sind und zu einem späteren Zeitpunkt sehr wohl zu bezahlen sind.

ÜBERBRÜCKUNGSFINANZIERUNG UND UMSCHULDUNGEN

Des Weiteren kann die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens auch durch die Kapitalzufuhr von außen erhöht werden. Hierbei kann sowohl auf Instrumente der Fremdals auch Eigenfinanzierung zurückgegriffen werden. Neben der Erhöhung von bereits bestehenden Kreditlinien haben Unternehmen die Möglichkeit, einen Überbrückungskredit bei einer Bank zu beantragen. In der Regel handelt es sich dabei um eine äußerst kurzfristige Form der Kapitalüberlassung (in der Regel wenige Monate). Wie bei vielen anderen Krediten auch verlangen Banken

dafür häufig Sicherheiten in Form von Hypotheken oder Pfandrechten an Immobilien, Grundstücken, Forderungen oder Fahrzeugen. Sind im Unternehmen keine Sicherheiten mehr vorhanden, werden häufig Sicherheiten durch die Gesellschafter oder Dritte verlangt. Häufig verlangen Banken für die Gewährung von Krediten eine solide Liquiditätsplanung und eine plausible integrierte Planungsrechnung bestehend aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Cashflow-Rechnung für die nächsten ein bis drei Jahre. Darüber hinaus können die Eigentümer des Unternehmens auch Einlagen leisten oder ein Gesellschafterdarlehen geben. Alternativ kann ein neuer Partner mit an Bord geholt werden, der im Rahmen einer Kapitalerhöhung liquide Mittel zuschießt. Ihr Berater und wir von Deloitte Tirol erarbeiten gerne zusammen mit dem Unternehmen ganzheitliche Konzepte, individuelle Ansätze und konstruktive Lösungen für zum Beispiel Cash Forecasts, Liquiditätspläne, Working Capital Management, Zahlungsverkehr und Adaptierung bestehender Liquiditätsplanungen und unterstützen bei der Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten durch Abwicklung eines kompetitiven Bieterprozesses zwischen Kreditgebern. Ein Engpass bei den liquiden Mitteln kann bei jedem Unternehmen rasch zur Zahlungsunfähigkeit und damit potentiell auch in eine Insolvenz führen, daher sollten Unternehmen proaktiv mögliche existenzbedrohende Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten und das Unternehmen sicher durch stürmische Zeiten zu navigieren. www.deloitte.at/tirol

115


eco.steuern

E-AUTO 2020 – EH KLAR Wenn nicht jetzt, wann dann? TEXT: HUBERT VOGELSBERGER

116


eco.steuern

S

teuerliche Begünstigungen, Förderungen, eine deftige Investitionsprämie – das alles sind Gründe, sich ab sofort näher mit der E-Mobilität zu beschäftigen. Vorausgesetzt, man ist Unternehmer und nutzt es selbst oder hat Dienstnehmer, die man mit den Vorzügen eines E-Autos belohnen will.

FÖRDERPROGRAMM KLIMASCHUTZ

Für E-PKW mit reinem Elektroantrieb steht bis 31. Dezember 2020 eine Bundesförderung von 5.000 Euro zu. Diese teilt sich auf wie folgt: 2.000 Euro, die der Händler als seine Förderung zusätzlich in Abzug bringen „darf“ und 3.000 Euro, die dem Käufer überwiesen werden. Darüber hinaus gewähren die Länder Tirol und Salzburg eine weitere Landesförderung in Höhe von 30 Prozent der Bundesförderung. Wir stehen also bei 5.900 Euro, ohne noch einen Meter gefahren zu sein. Deutlich höher sind die Förderungen bei E-Kleinbussen oder leichten E-Nutzfahrzeugen. Dort werden sie nämlich richtig massiv. Bis zu 22.000 Euro beträgt die Förderung für Elektrokleinbusse mit mehr als neun Personen – aber wollen wir uns nicht mit den Exoten beschäftigen, sondern mit den normalen Elektro-PKW und deren Umfeld: Gefördert wird zudem die Ladeinfrastruktur. Für normales Laden an der Wall Box bis 22 kW gibt es 300 Euro und gleich 3.000 Euro für beschleunigtes Laden mit mehr als 22 kW – auch hier gilt es, sich im Einzelfall zu informieren. All diese Förderungen stellen einen nicht rückzahlbaren Investitionszuschuss dar – sie werden also ausbezahlt und bleiben dem Unternehmen.

STEUERLICHE FÖRDERUNGEN

Mag. Hubert Vogelsberger, pro:west-Gesellschafter

14 Prozent Investitionsprämie – anstelle der generellen 7-prozentigen Prämie – muss der Unternehmer nachweisen, dass der Strom für die Beladung des Autos aus erneuerbaren Energieträgern stammt. Außerdem gibt es eine Obergrenze für die Anschaffungskosten von 60.000 Euro.

UMSATZSTEUER

Bis zu Bruttoanschaffungskosten von 40.000 Euro steht der volle Vorsteuerabzug zu. Darüber hinaus und bis 80.000 Euro steht ebenfalls der volle Vorsteuerabzug zu, jedoch ist für den 40.000 Euro übersteigenden Wert eine Eigenverbrauchsbesteuerung vorzunehmen. Klingt kompliziert, ist es auch – aber der Steuerberater Ihres Vertrauens kann weiterhelfen. Nur zur Erinnerung – für PKW mit Verbrennungsmotoren gibt es grundsätzlich keinen Vorsteuerabzug. SACHBEZUG

INVESTITIONSPRÄMIE

Bis (derzeit) 28. Feber 2021 bestellte E-Fahrzeuge bekommen eine zusätzliche Investitionsprämie in Höhe von 14 Prozent der Anschaffungskosten. Diese Investitionsprämie ist steuerfrei und reduziert nicht einmal die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung (!). Selbstverständlich gibt es – wie immer im Steuerrecht – kleine Fallstricke. Für die

Überlässt man Mitarbeitern einen Verbrenner, so ist dafür monatlich ein Sachbezugswert zur Sozialversicherung und Lohnsteuer zu berechnen und abzuführen. Dieser entfällt bei Elektroautos zur Gänze. DEGRESSIVE ABSCHREIBUNG

Ein Zauberwort für Schnellabschreiber. Dabei können erstmalig jährlich 30 Prozent

vom jeweiligen Restbuchwert abgeschrieben werden. Der Unternehmer kauft sich also ein Elektromobil um 40.000 Euro und zieht sich gleich die Vorsteuer ab. Verbleiben 33.333 Euro. Zieht man davon die pauschale Umweltförderung in Höhe von 3.000 Euro und die Landesförderung in Höhe von 900 Euro ab, bleiben 29.433 Euro als Abschreibungsbasis bestehen. Die 14-prozentige Investitionsprämie – also nochmals 4.667 Euro – werden nicht in Abzug gebracht. Sie vermindern nur die Anschaffungskosten, nicht jedoch die Abschreibungsbasis. Da das Auto im zweiten Halbjahr 2020 angeschafft wird – es gibt ja erst jetzt diese hohen Förderungen – kann in diesem Jahr nur die halbe Jahresabschreibung mit 15 Prozent geltend gemacht werden. Immerhin 4.415 Euro. Im nächsten Jahr sind es bereits 7.505 Euro. Im Vergleich dazu muss der Verbrenner immer auf acht Jahre abgeschrieben werden. N O VA

Ganz einfach: Die gibt’s bei E-Autos nicht. Und die motorbezogene Versicherungssteuer auch nicht.

FAZIT Nach Berücksichtigung von Vorsteuerabzug sowie Bundesund Landesförderung verbleiben für das ursprünglich 40.000 Euro teure E-Mobil nur mehr tatsächlich aufzuwendende Kosten von rund 24.700 Euro. Rechnet man noch den Steuervorteil durch die degressive AfA mit und berücksichtigt bei einem Dienstnehmerfahrzeug, dass es keinen Sachbezug gibt, versteht man, dass es „eh klar“ ist, wenn man sich im heurigen Jahr ein E-Mobil anlacht. Eines muss man jedenfalls beachten: Alle Fördertöpfe sind gut gefüllt … aber auch irgendwann leer. Also stimmt die Darstellung nur für Schnellentschlossene und sollte jedenfalls noch vor dem Kauf hinterfragt werden. Was Ihnen keineswegs erspart bleibt, ist die ewige und unsägliche Diskussion, ob E-Autos umweltfreundlicher oder umweltschädlicher sind als Autos mit Verbrennungsmotoren. Aber das ist eine andere Geschichte …

117


eco.recht

HASS IM NETZ Nach 30 Jahren Internet in Österreich ist dieses Teil unseres Lebens geworden. Die Vorteile und Fortschritte sind offensichtlich, aber es haben sich auch Nachteile und Probleme gezeigt. Diesen zu begegnen, ohne die Freiheit der Meinungsäußerung und die Netzneutralität zu gefährden, ist eine Herausforderung. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

H 118

ass im Netz kann nicht nur krank machen, sondern ist zumeist auch gesetzwidrig und hat sich in den letzten Jahren zu einem veritablen Problem des Internets entwickelt. Scheinbar ungehemmt oder auch zielgerichtet lassen Personen oft hinter Pseudonymen ihrem Hass und ihren Aggressionen in Postings freien Lauf und kommen damit nicht selten auch mit dem Gesetz in Konflikt. Zwar gibt es im Internet Mittel und Wege, die Personen auszuforschen und zu verfolgen, das ist aber insbesondere bei grenzüberschreitenden Sachverhalten oft mühsam und schwierig. Exekutive und Gerichtsbarkeit stoßen dabei regelmäßig an ihre Grenzen. Seit geraumer Zeit wurden daher die Rufe nach entsprechenden gesetzlichen Regelungen lauter. Zuletzt ließ eine österreichische Gesetzesinitiative für ein Gesetz über Maßnahmen zum Schutz der Nutzer auf Kommunikationsplattformen aufhorchen. Da die hochladenden Nutzer oft schwer oder gar nicht greifbar sind, sollen nach dem Gesetzesentwurf die großen Kommunikationsplattformen Anknüpfungspunkt sein, nämlich jene, die im Durchschnitt mehr als 100.000 Personen und einen Umsatz von mehr als 500.000 Euro pro Jahr in Österreich erzielen. Diese sollen verpflichtet werden, ein wirksames und transparentes Verfahren für den Umgang und die Erledigung von Meldungen rechtswidriger Inhalte einzurichten. Dieses Verfahren muss leicht auffindbar und klar kommuniziert werden. Das Meldesystem soll so ausgestaltet werden, dass Inhalte, deren Rechtswidrigkeit bereits für einen juristischen Laien ohne jede weitere Nachforschung offenkundig ist, binnen 24 Stunden, andere nach einer detaillierten Prüfung, spätestens aber binnen sieben Ta-

Dr. Ivo Rungg

gen zu entfernen oder zu sperren sind. Um eine unberechtigte Zensur zu verhindern, sind sowohl der meldende Nutzer als auch jener, der den Inhalt hochgeladen hat, darüber zu informieren. Über ein wirksames und transparentes Verfahren muss die Entscheidung über die Sperre oder Löschung eines gemeldeten Inhaltes überprüft werden können. Je nachdem ob gesperrt oder gelöscht wurde, kann der jeweils betroffene Nutzer den Antrag stellen. Die Überprüfung durch die Plattform muss innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Darüber hinaus hat der Plattformbetreiber auch eine regelmäßige Berichtspflicht an die Aufsichtsbehörde. Rechtswidrige Inhalte sind in erster Linie strafrechtliche Delikte, insbesondere Nötigung, gefährliche Drohung, beharrliche Verfolgung, Beleidigung, unbefugte Bildaufnahme und Ähnliches, nicht jedoch Verletzung von immateriellen Marken- oder Urheberrechten oder Kreditschädigung. Nach den Vorstellungen der österreichischen Regierung soll dieses Gesetz die Haftungsfreistellung von Hostprovidern durch die E-Com-

merce-Richtlinie ergänzen. Nach dieser Freistellung ist ein Diensteanbieter für die im Nutzerauftrag gespeicherte Information nur dann verantwortlich, wenn er tatsächliche Kenntnis von der rechtswidrigen Tätigkeit der Information hat. Es werden jedoch keine allgemeinen Überwachungspflichten geschaffen. Einen praktisch bedeutenden Vorstoß hat der Ministerialentwurf insofern gewagt, als er die zumeist internationalen Kommunikationsplattformen verpflichtet, zur Sicherstellung der Erreichbarkeit eine Person zu bestellen, die für die Einhaltung des Meldeund Überprüfungsverfahrens verantwortlich ist, Deutsch spricht und für die Nutzer ständig, leicht und unmittelbar auffindbar zur Verfügung steht. Damit sollen mögliche internationale Telefonate oder E-Mails ins Nirwana verhindert werden. Um die Kommunikationsplattformen zur Einhaltung dieser Bestimmungen zu zwingen, sieht der Gesetzesentwurf Geldbußen von bis zu 10 Millionen Euro vor. Unlängst hatte auch der Europäische Gerichtshof im Verfahren Glawischnig/Facebook einen wesentlichen Schritt gemacht und festgehalten, dass Kommunikationsplattformen verpflichtet werden können, nicht nur konkrete Postings, sondern auch „sinngleiche Äußerungen“ zu löschen, sofern dies automatisiert und ohne Einzelfallprüfung möglich ist. Damit hat er (halb)automatisierte Systeme zur Beseitigung von rechtsverletzenden Postings angesprochen. Das Dilemma zwischen Zensur und Unerträglichkeit der Postings bleibt. Österreich setzt eine wichtige Initiative, auch wenn dieses Thema wohl kaum durch ein fragmentiertes nationales Vorgehen alleine gelöst werden kann.


UNTERSTÜTZUNG BEI DAS REZEPT FÜR IHRE IHRER PRAXISGRÜNDUNG FINANZIELLE GESUNDHEIT! Wir beraten ausschließlich Ärztinnen und Ärzte - und das seit über 40 Jahren. Mit uns sind alleJahren. Fragen rund umVorsprung Ihre Praxisgründung bestens gewappnet. und seitSie 40für Jahren. Das schafft durch Wissen - und das das seit über 40 Das schafft Vorsprung durch Wissen - und daszuzuIhrem IhremVorteil! Vorteil! Ergebnis ist ein ausgefeilter aufmaximalen den Sie sichKlientennutzen. verlassen können. Unser ressourcenreiches TeamPraxisgründungsplan, steht für bestes Service und

Erwarten Sie von uns ruhig mehr, denn wir sind die Spezialisten! v. li. Raimund Eller, Karin Fankhauser, Dr. Verena Maria Erian, Mag. Johannes Nikolaus Erian

Wir haben neue Räumlichkeiten Platz für Sie und für uns. Wer kommt,mit willmehr bleiben. Kostenlose Parkplätze direkt vor unserer Haustüre. Unser Team freut sich auf Sie.

TEAM JÜNGER STEUERBERATER OG Die Ärztespezialisten Kaiserjägerstraße 24 · 6020 Innsbruck Tel.: +43 512 59 8 59-0 · Fax: DW-25 info@aerztekanzlei.at www.aerztekanzlei.at Unsere Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.00 Uhr - 12.00 Uhr und 13.00 Uhr - 17.00 Uhr Freitag 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr


MOBILITÄ

auto & motor

120

Echt schön Während des Lockdowns haben sich wohl so einige unter uns auf die verschiedensten Serienstarts gefreut. Meist ging es dabei um Netflix und nicht um Autos, aber wer will schon kleinlich sein?! Mitte des Jahres jedenfalls ging ein weiteres Objekt der Begierde in Serie: das wunderbare 4er-Coupé von BMW. Mit einem Einstiegspreis von 48.950 Euro (die Topvariante gibt‘s ab 73.450 Euro) ist der Bayer zwar nicht ganz so erschwinglich wie ein Streamingabo, dafür ist er wirklich wahnsinnig schön. Die jüngste Generation des sportlichen Premium-Zweitürers setzt die von legendären Modellen geprägte Coupé-Tradition der Marke fort und ist dabei charakterlich gänzlich eigenständig. Eingestiegen wird mit dem 420i Coupé mit 184 PS, hinauf geht‘s bis zum extrem sportlichen M440i xDrive Coupé mit 374 PS. Insgesamt stehen fünf Modellvarianten zur Wahl, auch in Kombination mit einer Mild-Hybrid-Technologie. Ein Hochleistungsdiesel soll im März folgen. Erstmals kommen alle Varianten serienmäßig mit 8-Gang-Steptronic-Getriebe, wer es sich leisten will, wählt die optionale Sprint-Funktion dazu.


eco.mobil

SCHÖN SCHNELL

© OFP KOMMUNIKATION

Mit dem neuen Porsche Panamera wagen die Deutschen die Verbindung zwischen einem sportlichen Porsche und einer eleganten, komfortablen Limousine. Spannend wird das allemal, war der Panamera bis dato doch eher mehr rasanter Sportwagen als luxuriöse Limousine. Fest steht, dass Porsche die Uhr bei den Leistungsdaten und den verschiedenen Fahrwerkskomponenten nach vorne geschraubt hat, denn das neue Topmodell – der Turbo S – bringt ganze 630 PS mit. Ob da noch viel Spielraum für elegante Limousine bleibt, wird sich zeigen. Der neue Panamera rollt bereits zu den Händlern, die Preise beginnen bei rund 115.000 Euro, der Turbo S startet bei wohlfeilen 238.000 Euro.

SINNLICH

E M O T I O N T R I F F T R AT I O Technisch anspruchsvoll, aber im Alltag funktional und praktisch: Mit rund 500 Kilometern Reichweite, kurzen Tankzeiten und null schädlichen Emissionen zeigt der Toyota Mirai seit 2015, wie eine saubere und nachhaltige Mobilität in einer auf Wasserstoffnutzung basierenden Gesellschaft der Zukunft aussehen kann. Nun macht der japanische Automobilhersteller den nächsten Schritt. Im Herbst 2020 startet die Produktion der zweiten Modellgeneration.

Mit der neuen S-Klasse vollzieht Mercedes seinen Generationenwechsel bei der meistverkauften Limousine der Welt. Sehen, fühlen, hören, riechen – schon immer hat die Marke mit dem Stern quasi alle Sinne angesprochen und tut es jetzt noch mehr. Neben aller Emotion wurden auch ganz rationelle Parameter aufgewertet. Nachgerüstet wurde in Sachen Fahrerunterstützung, Schutz und Interaktion. Optisches Highlight im Innenraum ist das große Zentraldisplay im Hochformat, das Sinne wie Verstand gleichermaßen anspricht, ist es nämlich ebenso schön wie praktisch. Gestartet wird bei rund 95.000 Euro, die Aufpreisliste ist innovativ und lang. Ab Dezember.

G E G E N D E N R O S T D E R W E LT Im Unterberger Park in Kufstein wurde in den letzten Monaten eine bestehende Halle komplett ausgehöhlt, unterkellert und mit modernsten Technologien ausgestattet. Das neue Gebäude bietet nebst einer Werkstatt und Büroräumlichkeiten auch Platz für gleich zwei neue Unternehmen der Unterberger Gruppe. Im Karosseriezentrum Inntal werden Rostbehandlungen, Glas- und Hagelschadenreparaturen sowie Unfallinstandsetzungen und weitere Leistungen für alle Automarken durchgeführt. Darüber hinaus ist der Standort ab sofort auch eine Anlaufstelle für Oldtimer-Fans. Für Restaurationsarbeiten von klassischen Automobilen hat die Unterberger Gruppe Jensen Classics gekauft und den europaweit renommierten Betrieb von Oberbayern in die Festungsstadt verlagert. Am neuen Standort werden aktuell 15 Mitarbeiter beschäftigt. Gerald Unterberger (vorne li.), Fritz Unterberger (vorne re.), Dieter Unterberger (hinten li.) und Helge Jensen

FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER

121


© AUTOPARK/RENDERWERK

eco.mobil

Schwedenbombe Mitte September fiel im Autopark Innsbruck der offizielle Spatenstich zum Neubauprojekt „Volvo Cube“, in das rund vier Millionen Euro investiert werden. Ebenerdig entsteht ein weitläufiger Schauraum mit direktem Zugang zum Werkstattbereich, unterirdisch wird ein modernes Reifenlager errichtet, das bis unter den bestehenden Baukomplex hineinragen wird, samt separaten Tiefgaragenplätzen. In den ersten Stock kommen zwei Schulungsräume und am Dach wird ein Auslieferungszentrum für Nutzfahrzeuge integriert. Geschäftsführer Mag. Michael Mayr rechnet mit rund einem Jahr Bauzeit. Zwischenzeitlich hat der Autopark im Zuge seines Sport-Sponsoring-Konzeptes unter anderem die Kooperation mit dem Damenteam des Volleyballclubs Tirol verlängert. Es gibt also auch zu Coronazeiten reichlich zu tun.

„W I E B E I D E R K L E I D U N G G I B T E S N I C H T S V E R F Ü H R E R I S C H E S A L S E I N A U T O , D A S Z U R P E R S Ö N L I C H K E I T D E S FA H R E R S PA S S T.“ GIORGIO ARMANI

SPORTLICHER ROBUSTLING Seit seinem Marktstart im Sommer 2015 gehört der Mazda CX-3 zu den Stars im wachstumsstarken B-Cross­ over-Segment. Nun steht das Modelljahr 2021 in den Startlöchern und das wurde noch einmal umfassend aufgewertet. Nebst neuen Ausstattungsmerkmalen für mehr Komfort und Sicherheit wurde vor allem der Serienumfang erweitert, was wir ganz besonders schön finden. Insgesamt wirkt der Neue lebendiger, kräftiger und agiler – optisch, wie unter der Haube. Der Einstieg für den 121-PS-Benziner liegt bei rund 20.000 Euro, das ist sehr o.k.

122

HOCH DEN HINTERN Der Arteon ist der Gran Turismo von Volkswagen – Avantgardemodell und Allrounder, energiegeladen und effizient. Jetzt erweitert VW das Spektrum der Baureihe in einer Weltpremiere um eine zweite Version: einen Shooting Brake nämlich und damit einen sportlichen, progressiven Fünftürer mit erhobener Hinterseite. Als Shooting Brakes bezeichnet man generell eine Karosserievariante, die es irgendwie schafft, die Eleganz eines Coupés mit einem Steilheck zu kombinieren, das für ordentlich Platz sorgt. „Im Arteon Shooting Brake fusioniert die progressive Dynamik eines Gran Turismo mit dem multivariablen Konzept eines Variant – neu interpretiert und betont expressiv“, nennt es Klaus Zyciora, Leiter des Volkswagen-Konzern-Designs. Zu haben ist der Neue ab sofort ab 48.300 Euro.

ZWISCHENZEIT Suzuki hat über die Zeit seine komplette Modellpalette bis hinunter zum kleinen Swift hybridisiert. Mit dem Across bringt die Marke nun ein gänzlich neues Plug-in-Hybrid-SUV auf den Markt und bedient sich dabei am Toyota RAV4, dem er auch optisch verdammt ähnlich sieht. Insgesamt leisten Verbrenner und Elektromotor 222 PS, rein elektrisch soll er 75 Kilometer weit kommen. Und falls Ihnen der Name bekannt vorkommt: Es gab mal ein kleines Motorrad, das gleich hieß.


Zwischenlager gesucht? Bei Umzug / Umbau bieten wir Lösungen! Schon ab 1 Monat Mietdauer Lagerbox-Größen von 2 – 20 m2 Trocken, hell, sauber, video-überwacht, gebührenfreie und überdachte PKW-Ladezone

zufriedene Mieter Insgesamt bereits 5.000 folg. sprechen für unseren Er

DeineLagerBox GmbH

Trientlgasse 77 · A-6020 Innsbruck Telefon: 0512 / 36 10 70 · office@deinelagerbox.at · www.DeineLagerBox.at


DOSENBERGER

SO GÜNSTIG WAR ELEKTROMOBILITÄT NOCH NIE! Ab sofort sparen Tiroler Unternehmer bis zu 50 Prozent beim Kauf eines Elektroautos.

M

it dem neuen E-Mobilitätsbonus wurde ein dringend notwendiger Kaufanreiz für Elektroautos und deren Ladeinfrastruktur geschaffen. Um diesen Schwung noch weiter aufzuladen, bieten wir bei Renault zusätzliche Rabatte auf Elektroautos und unterstützen mit diesem Impuls heimische Betriebe“, so Mag. Emanuel Jahn, Geschäftsführung Kraftfahrzeuge Dosenberger Gruppe.

124

POSITIVE ÖKOBILANZ & ENORME KOSTENERSPARNIS

Nachhaltigkeit ist heute kein Nischenthema. Im Tourismus wird schon seit vielen Jahren

an nachhaltigen Konzepten gearbeitet. Der Einstieg in die E-Mobilität bietet Tiroler Betrieben nicht nur die Möglichkeit, sich besonders nachhaltig aufzustellen, sondern auch Lärm und Abgase zu reduzieren und Kosten zu sparen. Darüber hinaus sind E-Autos von der NoVA befreit, die motorbezogene Versicherungssteuer entfällt, vorsteuerabzugsberechtigt und vom Sachbezug befreit.

MITARBEITERMOTIVATION ZU SPITZENKONDITIONEN

Renault ermöglicht allen Tiroler Betrieben den Einstieg in die E-Mobilität zu Spitzenkonditionen. Aktuell sparen Betriebe bis zu

50 Prozent auf den tatsächlichen Kaufpreis und Mitarbeiter erhalten durch die Nutzung oder Ausstattung mit einem Elektroauto einen wertvollen Benefit zum Gehalt.

FAKTENCHECK

Die Reichweite bei E-Autos liegt im Schnitt zwischen 190 und 395 Kilometern und ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie Fahrweise, Witterung und Beladung. Bei den meisten Fahrten ist es nicht notwendig, zwischenzeitlich aufzuladen. Die Ladestationen in Tirol und in Österreich steigen beständig und können über eigene Apps gefunden werden. E-Mobilität setzt ein klares Signal

Exklusiv für Tiroler Unternehmer!

Bis zu 50 % Rabatt auf alle E-Autos. Und für Tiroler KMU‘s

zusätzlich 30 % zur E-Mobilitätsförderung.4) ICH FAHR’ ELEKTRISIERT FÜR

ZOE Life R110 ZE 50 Preis: ab € 9.150,–

1,2,5)

KANGOO Z.E. Preis: ab € 7.300,–

1,2,5)


DOSENBERGER

PARISER CHIC UND AUSGEREIFTE TECHNOLOGIE:

für den Klimaschutz, ist ressourcenschonend und nachhaltig. Die Batterie erhält ein Second Life und kann als stationärer Zwischenspeicher in einem Gebäude eingesetzt werden, um Strom aus erneuerbaren Energien zu puffern. PR

Der neue Renault Twingo Electric ist an Eleganz im Kleinwagensegment kaum zu übertreffen und zählt zu den günstigsten Elektroautos am Markt. Ab 7.450 Euro erhalten Sie den neuen Twingo Electric im Autohaus Dosenberger Innsbruck NeuRum und Zams.

KRAFTFAHRZEUGE DOSENBERGER | NEU - RUM Daniel Kuhnke, Renault PRO+ Tel.: 0512/261130-5052 d.kuhnke@dosenberger.com

AUTOHAUS PLASELLER – DOSENBERGER | ZAMS Holger Sattler, Renault Tel.: 05442/64060 h.sattler@dosenberger.com

125

• 100 % Vorsteuerabzugsberechtigt • Entfall der motorbezogenen Versicherungssteuer • Kein Sachbezug für rein elektrische Fahrzeuge • NoVA befreit TWINGO Electric

ZOE

KANGOO Z.E.

MASTER Z.E.

€ 13.197,68

€ 15.174,42

€ 16.802,32

€ 42.034,88

- € 3.000,–

- € 3.000,–

- € 5.500,–

- € 10.500,–

- € 1.847,68

- € 2.124,42

- € 2.352,32

- € -5.884,88

- € 900,–

- € 900,–

- € 1.650,–

- € 3.150,–

€ 7.450,–

€ 9.150,–

€ 7.300,–

€ 22.500,–

1, 3, 5)

Angebotspreis inkl. E-Mobilitätsbonus Importeur und Rabatte MINUS E-Mobilitätsförderung 2020 (Bund) MINUS COVID-19 Investitionsprämie iHv 14 % MINUS Tiroler Wirtschaftsförderung (30 % der Bundesförderung) 4) = Angebotspreis abzgl. aller Förderungen exkl. MwSt.

1, 2, 5)

1, 2, 5)

1, 2, 5)

1) Die angeführten Preise richten sich ausschließlich an Unternehmer. Bei der angeführten Investitionsprämie handelt es sich um eine Covid-19 Förderung (Details unter www.aws.at). Die angeführten Preise sind inkl. aller rechnerisch verfügbaren Rabatte von Seiten des Herstellers (Modellbonus, Flottenbonus, Businessbonus, Finanzierungsbonus) und staatlichen Förderungen (Investitionsprämie, E- Mobilitätsbonus, Tiroler Wirtschaftsförderprogramm) gerechnet. Die Einreichung und das Risiko der Genehmigung der Förderungen (Investitionsprämie, E-Mobilitätsbonus, Tiroler Wirtschaftsförderprogramm) liegen beim Käufer. Der Käufer kann bei Nichtgewährung oder verminderter Gewährung der angeführten Förderungen gegenüber dem Verkäufer keine Ansprüche stellen. 2) Der angeführte Preis ist exkl. monatlicher Batteriemiete. 3) Der angeführte Preis ist inkl. Batterie, keine monatliche Batteriemiete notwendig. 4) Das Tiroler Wirtschaftsförderprogramm zur Förderung von Energiesparmaßnahmen unterstützt gewerbliche Unternehmen (Klein- und Mittelbetriebe) mit zusätzlichen, nicht rückzahlbaren Investitionszuschüssen von bis zu 30% der gewährten Bundesförderung (Details unter www.tirol.gv.at/arbeit-wirtschaft/wirtschaftsfoerderung). 5) Finanzierungsbonus (Kreditfinanzierung mit Mindestlaufzeit 24 Monate, Mindest-Finanzierungsbetrag 50 % vom Kaufpreis), einem Versicherungs- und Servicebonus bei Abschluss eines Servicevetrages. Gültig bei Finanzierung über Renault Finance und bei Abschluss von Vollkasko- und Haftpflichtversicherung bei carplus / Wr. Städtische mit Mindestlaufzeit von 36 Monaten. Es gelten die Annahmerichtlinien der Versicherung. Änderungen, Satz- und Druckfehler vorbehalten. Diese Angebote sind bis auf Widerruf beim Autohaus Dosenberger in den Filialen Rum und Zams gültig, maximal jedoch bis zum 31.12.2020. Symbolfotos.

ZOE: Stromverbrauch: 17,3–19,1 kWh/100km, homologiert nach WLTP. Kangoo: Stromverbrauch: 18,03–18,8 kWh/100km, homologiert nach WLTP.


eco.mobil

Der Käfer führte lange Jahre die Hitliste der Verkaufszahlen an.

126

65 JAHRE AUTOGESCHICHTE Im Mai dieses Jahres wurde aus der VOWA im Osten der Landeshauptstadt Porsche Innsbruck Haller Straße. In den Köpfen wird der traditionsreiche Name wohl noch eine Weile bestehen bleiben, auch als Hommage an jene Marke, mit der vor 65 Jahren an diesem Standort alles begann: Volkswagen. TEXT: MARINA BERNARDI

I

n der Nachkriegszeit beherrschten Um- und Aufbrüche das Land. Anfang der 1950er-Jahre erfasste dieser Tatendrang auch Hans Klocker und Helmut Retter. Ein Autohaus war die Idee. 1951 riefen die beiden sodann ihr „Autohaus VOWA“ ins Leben. Angesiedelt war der Handel mit Volkswagen und Porsche-Fahrzeugen sowie der zugehörige Kundendienst in der Fischerstraße 8. Beschäftigte: fünf. Es war kein einfacher Start. Als 1954 die große Wende im Automobilgeschäft eintrat und die Einfuhr ausländischer Kraftfahrzeuge nach Österreich liberalisiert wurde, fing

auch das Geschäft an zu laufen. Während sich KR Ing. Helmut Retter in der Folge auf Mercedes fokussierte und sein Retterwerk gründete, fand die VOWA unter KR Dr. Hans Klocker ihre Fortsetzung und ihren neuen Bestimmungsort an der Innsbrucker Haller Straße. Auf einem Areal von 6.000 Quadratmetern und praktisch auf der grünen Wiese entstand innerhalb kürzester Zeit und nach den Richtlinien des Volkswagenwerkes ein Gebäude mit Schauraum und modernster Kundendienstanlage. Die Inbetriebnahme erfolgte am 11. Juli 1955, Anfang August waren bereits 80 Mitarbeiter samt Lehrlin-

gen am Standort beschäftigt. Gleichzeitig konnten gemeinsam mit der Porsche KG Salzburg, dem VW-Generalimporteur, in Tirol 14 Volkswagen-Werkstätten für den Kundendienst aufgestellt werden, die vom Händler in Innsbruck aus betreut wurden. Seitdem hat sich vieles getan. Von Beginn an wurden Flächen, Gebäude und der Mitarbeiterstand laufend erweitert. Vor allem die Lehrlingsausbildung war es, die es KR Dr. Hans Klocker angetan hatte. Schon früh erkannte er, dass ohne gute Mitarbeiter gar nichts geht. „Er war ein Fan davon, sich seine Mitarbeiter selbst auszubilden, und hat


eco.mobil

In rund 120 Tagen Bauzeit entstand 1955 das Gebäude der VOWA an der Innsbrucker Haller Straße, die damals noch zweispurig geführt war. Heute werden bis zu 10.000 Fahrzeuge täglich an der Kreuzung gezählt. Auch die 4er-Linie der Straßenbahn, damals liebevoll „Haller Raffl“ genannt, rumpelte in regelmäßigen Abständen vorbei. Kurze Zeit nach der Gründung wurde das Gebäude bereits zu klein, sodass 1957 die zweite Werkshalle eröffnet wurde.

auch viel dafür getan“, resümiert der aktuelle Betriebsleiter Manfred Hofmann. Vieles davon wurde bis heute beibehalten.

STETE VERÄNDERUNG

Lange war die VOWA Innsbruck in Privatbesitz, mit dem Tod Hans Klockers im Jahr 1981 gingen die Mehrheitsanteile an die Porsche Inter Auto KG über. 1993 übernahm das Unternehmen auch die letzten Anteile aus der Stiftung der Familie Klocker. Zwei Jahre darauf erfolgte ein weiterer Meilenstein: der Neubau zu jenem Gebäude, das es heute noch großteils ist, konzeptioniert vom Architektentrio Heinz, Mathoi, Streli. Nach eineinhalbjähriger Umbauzeit hat das Autohaus ein gänzlich neues Gesicht bekommen. Rund 114 Millionen Schilling wurden dafür investiert. 1995 sind bei der VOWA 150 Mitarbeiter beschäftigt, der Betrieb erreicht ein Umsatzvolumen von 450 Millionen Schilling und verkauft jährlich ca. 2.300 Fahrzeuge. Das ist nicht nichts. Die Reparaturfrequenz liegt bei 150 Fahrzeugen. Täglich! Betriebsleiter Manfred Hofmann hat selbst sein Handwerk von der Pike auf im Autohaus erlernt und nicht nur die Veränderungen des Gebäudes miterlebt, sondern auch jene des Marktes und der Autos: „Wurden früher 150 Autos täglich repariert, so sind es heute – 25 Jahre später – etwa 130. Das liegt nicht an unserer Werkstätte, sondern daran, dass die Fahrzeuge immer besser werden. Die sind zu gut.“ So hat die Menge an verkauften Autos naturgemäß fast exponentiell zugenommen – die vier Konzernmarken Audi, VW, Seat und Škoda kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von fast 35 Prozent in Tirol –, das Reparaturaufkommen jedoch ist wesentlich zurückgegangen. „Autos von heute haben nicht mehr den hohen Pflegeaufwand von früher. Als ich noch Lehrling war, brauchte ein Auto rund alle 2.500 Kilometer einen Service. Ich erinnere mich, als der erste Golf auf den Markt kam, hielten die Bremsklötze maximal 10.000 Kilometer, dann brauchte man neue. Das ist

PORSCHE INNSBRUCK HALLER STRASSE ZEITEN UND ZAHLEN: • 1955 wurde das VOWA-Gebäude an der Haller Straße auf einem Areal von rund 6.000 m2 errichtet. Die Eröffnung war am 11. Juli. Kurze Zeit darauf waren bereits 80 Mitarbeiter beschäftigt. • 1957 wurde schon die zweite Werkshalle angebaut. • 1960 folgte der Zubau für Express- und Testarbeiten. • 1972 wurden zwei weitere Kundendienstbetriebe mit insgesamt 30 Arbeitsplätzen geschaffen. • 1974 wurde die dritte Werkshalle fertiggestellt. • 1981 gingen mit dem Tod von Gründer KR Dr. Hans Klocker die Mehrheitsanteile sowie die Geschäftsführung an die Porsche Inter Auto KG über. • ANFANG 1990 übernahm die Porsche Inter Auto KG die VOWA Innsbruck zur Gänze. • 1995 wurde das Autohaus komplett umgebaut und am 5. Mai wiedereröffnet. • 1996 wurde die Marke Škoda aufgenommen. Bereits im ersten Jahr wurden 500 Fahrzeuge verkauft. • 2020 im Mai wurde die VOWA Innsbruck in Porsche Innsbruck Haller Straße umbenannt.

114 MIO.

SCHILLING investierte das Autohaus VOWA 1995 in seinen großen Umbau.

86 MIO.

EURO UMSATZ im Kalenderjahr 2019 Umsatz 1995: rund 450 Mio. Schilling (ca. 33 Mio. Euro)

3.270

AUTOS wurden 2019 verkauft davon 1.805 Neuwagen und 1.465 Gebrauchte Verkaufte Fahrzeuge 1995: ca. 2.300 Verkaufte Fahrzeuge 1980: ca. 2.100 Verkaufte Fahrzeuge 1955–1980: 26.268

545

NEUWAGEN DER MARKE SEAT wurden 2019 verkauft 491 Škoda / 410 VW / 185 Audi / 174 Nutzfahrzeuge

125

AUTOS werden heute täglich in der WERKSTATT repariert Reparaturfrequenz 1995: 150 Fahrzeuge pro Tag

160

MITARBEITER beschäftigt Porsche Innsbrucker Haller Straße aktuell, davon 23 Lehrlinge

127


eco.mobil

Der erste VOWA-Schauraum befand sich in der Innsbrucker Fischerstraße und damit mitten in der Stadt.

128

Praktisch: Anfangs konnte noch direkt am Gelände getankt werden.

seit fast 50 Jahren als absoluter Marktführer genen Jahr war hinter Seat übrigens Škoda. über alle Marken hinweg – und Audi spricht „Die Aufnahme von Škoda ins Portfolio im sowohl Business- als auch Privatkunden an. Jahr 1996 war ein echter Glücksgriff“, findet Auch der Nutzfahrzeugbereich boomt, der Hofmann. Im ersten Jahr wurden gleich 500 VW California gilt als Ikone. Die Nachfrage Stück davon verkauft, 2019 waren es ähnlich lässt sich kaum decken. viele. „Ich möchte Škovielen elektrifizierda nicht missen, in Be„ E I N A U T O I S T N U R Mit ten Modellen geht’s zuzug auf das Preis-LeisSO GUT WIE SEIN dem innovativ in die Zutungs-Verhältnis und kunft. „Elektromobilität die Qualität bekommt K U N D E N D I E N S T.“ ist ein großes Thema“, man ein Topprodukt“, P R O F. H E I N R I C H N O R D H O F F, sagt Hofmann. „Die sagt Hofmann. GeneVON 1948 BIS ENDE DER 1960ER-JAHRE CHEF Nachfrage wird immer rell findet er: „Wir haDES WOLFSBURGER größer, man mag gar ben die beliebtesten VOLKS WAGENWERKE S nicht meinen, wie vieMarken, die es gibt. Und le Elektroautos schon das sage ich im Brustton unterwegs sind.“ Mit dem id3 hat VW gerader Überzeugung.“ Seat erfreut sich mit seide das erste konzerneigene Großserienauto ner Modellvielfalt großer Beliebtheit, VW lanciert, das ausschließlich für die Elektrifibedient mit seinem breiten Portfolio gleichzierung gebaut wurde. Beim e-up! und dem sam viele Kundenwünsche, der Golf hält sich e-Golf (oder auch dem Seat e-mii) wurden die bestehenden Modelle adaptiert, der id3 ist komplett eigenständig. Einerseits geht ein Trend hin Richtung höher gestellter (urban) SUV, andererseits gewinnen Kleinwagen immer mehr an Bedeutung. In der Elektrovariante sind sie die perfekten Stadtautos. Und der Bedarf ist da: „Als der e-Golf mit einer Reichweite von 300 Kilometern herausgekommen ist, konnten wir die Nachfrage kaum decken. Auch der id3 war quasi ausverkauft, noch bevor er bei uns im Schauraum war“, erzählt Hofmann. Porsche Innsbruck Haller Straße ist im Westen Österreichs außerdem der einzige Elektroauto-Stützpunkt, der auch Akkumulatoren (Batterien) reparieren darf. Schon früh wurde VW zum Partner des Sports. Zu den Olympischen Winterspielen 1956 in Im Betrieb sind zwei Hochvoltexperten mit Cortina d’Ampezzo war das Skiteam mit einem Bully unterwegs: Toni Sailer, Josef Rieder, höchster Ausbildungsstufe beschäftigt. Die Andreas Molterer, Ernst Hinterseer und Walter Schuster. heute unvorstellbar.“ Hofmann hat in der Autowerkstatt begonnen zu lernen: „Wenn man 120 Fehlerdiagnosen kannte, konnte man fast alles reparieren. Die Technik war einfacher, überschaubarer. Mit dem Wissen von damals käme man heute vermutlich nicht mehr weit“, sagt er. Durch die zahlreichen Onboard-Diagnosen und vernetzten Systeme funktioniere ohne Laptop nichts mehr. Die Werkstatt von heute ist völlig neu aufgestellt, es sind neue Berufsfelder entstanden und auch die Kundenbedürfnisse haben sich verändert. Das Leben bleibt nicht stehen, das Autohaus auch nicht. Im letzten Jahr verkaufte Porsche Innsbruck Haller Straße insgesamt 3.270 Autos und erwirtschaftete 86 Millionen Euro Umsatz. Im Verbund mit Porsche Innsbruck Mitterweg waren es zusammen 4.300 Fahrzeuge. Die meistverkaufte Marke im vergan-


eco.mobil

Porsche Innsbruck Haller Straße heute: Nach 65 Jahren hat sich viel getan am Gelände.

Arbeit an der Batterie ist besonders heikel. An der Haller Straße gibt es ein eigenes Labor, in dem unter Einhaltung strenger Schutzbestimmungen bis zur Zellebene repariert wird.

DER ERFOLG HAT VIELE VÄTER

Kundenzufriedenheit stehe für das gesamte Unternehmen an oberster Stelle. Und für zufriedene Kunden brauche es auch zufriedene Mitarbeiter. Die Fluktuation ist gering, etliche Mitarbeiter beginnen als Lehrlinge und gehen hier in Pension. Allein heuer gibt es 20 Jubilare zwischen zehn und 45 Dienstjahren. „Mir ist es als Mitarbeiter immer sehr gut gegangen“, bestätigt auch Manfred Hofmann. „Ob es um die persönliche Weiterentwicklung oder die soziale Sicherheit geht.“ Ein Teil des Erfolgs ist für Hofmann auch, dass Know-how und technische Einrichtungen immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. „Wir fangen jedes Jahr neu an und schauen immer wieder aufs Neue,

dass es das beste Jahr wird. Man darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen“, ist er überzeugt. Auch in Zukunft. Die nächste Umbauphase indes ist schon wieder in Planung. Zu den derzeit acht Ladestationen am Betriebsgelände kommen weitere hinzu, die Vertriebsräumlichkeiten werden ausgebaut und generell in Sachen Elektromobilität weiter aufgerüstet. Der Schritt soll in den nächsten zwei Jahren erfolgen. Fad wird es also auch nach 65 Jahren nicht.

VERBUND PORSCHE INNSBRUCK HALLER STRASSE UND MITTERWEG Porsche Innsbruck Haller Straße und Porsche Innsbruck Mitterweg sind zwei wirtschaftlich eigenständige Betriebe – verbunden durch die gemeinsame Mutter und seit Mai durch einen gemeinsamen Namen, um den Konzern strategisch zu vereinheitlichen. Im Verbund arbeiten insgesamt 260 Mitarbeiter, im Jahr 2019 wurden zusammen 4.300 Fahrzeuge verkauft und ein Umsatz von 132,5 Mio. Euro erwirtschaftet. VerbundGeschäftsführer ist Erwin Cassar.

129

WEBDESIGN ONLINE MARKETING

Komplette Webkompetenz. Aus einer Hand.

PROGRAMMIERUNG

Wir lieben die Herausforderung und haben für (fast) jedes Problem die passende Lösung.

HOSTING & SERVER DOMAINMANAGEMENT

Kontaktieren Sie uns! + 43 512 20 65 67 info@web-crossing.com www.web-crossing.com


eco.mobil

VON RATIO UND EMOTION Ein Autokauf ist für Autopark-Verkaufsleiter Micha-Emanuel Hauser nach wie vor ein emotionales Thema. Warum ein Suzuki auch rational Sinn macht, erklärt er nebst anderem im Interview. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

D 130

ie Autopark GmbH ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Auf Aus- und Umbauten sowie Übernahmen folgten exzellente Ergebnisse. Was 1923 mit dem ersten Ford-Vertrag Österreichs begann, ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Mittlerweile ist der Autopark mit fünf Standorten in Tirol weitläufig vertreten, exklusiver Volvo-Händler im Bundesland und volumsmäßig größter Suzuki-Händler Österreichs. Die Vertriebsmannschaft ist mit 25 Verkäufern groß, letztes Jahr wurden über 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Der wird sich heuer coronabedingt wohl nicht ausgehen, Autopark-Gesamtverkaufsleiter Micha-Emanuel Hauser zeigt sich den Umständen entsprechend für heuer derzeit trotzdem zufrieden. „Durch den Lockdown haben wir rund 13 Millionen Euro verloren, ein paar davon konnten wir wieder aufholen. Das Ergebnis des vergangenen Jahres zu erreichen, wird jedoch nicht möglich. Die allgemeine Verunsicherung am Markt spielt uns derzeit nicht gerade in die Hände“, sagt er

ECO.NOVA: Das Thema Corona schwebt derzeit über allem. Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die Branche aus? Autos stehen als Luxusgüter vermutlich nicht an erster Stelle der Investitionen? MICHA-EMANUEL HAUSER: Wir haben mit dem Autopark in den vergangenen Jahren immer gut performt. Die Umsätze des Vorjahres zu erreichen, scheint derzeit nicht wirklich realistisch. Dennoch stellen wir fest, dass die individuelle Mobilität wieder mehr zum Thema wird. Natürlich werden öffentliche Verkehrsmittel oder Trends wie Scooter ihre Rolle spielen und das ist auch gut so, doch das Auto hat in dieser Phase eine neue Bedeutung bekommen. Man ist flexibel, alleine, sicher und kann sich seinen eigenen Raum schaffen. Plötzlich kommen Kunden zu uns,

„W I R S I N D EIN ÄUSSERST GLÜCKLICHER S U Z U K I - H Ä N D L E R .“ MICHA-EMANUEL HAUSER

die bis dato noch nie an ein eigenes Auto gedacht haben.

Vor allem in der jüngeren Generation verliert das (eigene) Auto zusehends an Stellenwert. Hat Corona auch bei ihnen ein Umdenken ausgelöst? Ich sehe bei den jungen Leuten generell zwei Entwicklungen. Für die einen hat das Auto gar keine Bedeutung mehr. Sie machen vielleicht noch den Führerschein, weil es irgendwie dazugehört, aber ein Auto zu besitzen, ist sekundär. Daran wird auch Corona nicht viel ändern. Für andere wiederum ist das Auto immer noch äußerst wichtig. Wir haben seit langem eine Kooperation mit der Fahrschule Peter in Innsbruck, die aktuell von einem wahren Boom berichtet. Es gibt extrem viele Führerscheinanfänger. Man kann die Generation noch nicht richtig fassen, aber ich denke, die individuelle Mobilität wird immer ihre Bedeutung haben. Die Autopark GmbH hat in den letzten Jahren ausgebaut und Standorte dazugenommen – in einer Zeit, in der sich vieles ins Digitale verlagert. Warum? Wir merken natürlich, dass sich gewisse Handelsmarken ausdünnen. Standorte, die nicht profitabel sind, werden heute sicher rascher liquidiert als früher. Das merkt man in allen Bereichen, auch bei den Autoherstellern. Klar ist auch, dass die Digitalisierung zu einer Veränderung im Kaufverhalten führt, und wir müssen uns online gut aufstellen, um unsere Kunden zu erreichen. Das war

vor fünf Jahren schon wichtig, das Thema wird jedoch immer sensibler. Dennoch bin ich der Meinung, dass es regionale Händler braucht, die den Markt und die Leute kennen. Sie halten die Kaufkraft in der Region und es braucht diese kurzen Wege. Deshalb sind wir Fans von Satellitenbetrieben. Vor allem mit der Marke Suzuki arbeiten wir mit acht Agenturen in ganz Tirol zusammen, die wir mit Autos beliefern. In dieser Großhändlerfunktion ist es mir wichtig, dass die Betriebe in den einzelnen Regionen erfolgreich sind. Der dort ansässige Konsument möchte seinen Händler vor Ort, sie möchten ihr Auto in der Nähe kaufen und vor allem servicieren lassen. Gibt es diese Händler nicht mehr, stirbt die gesamte Marke in der Region. Sie selbst führen Suzuki an vier von fünf Standorten. Wofür steht die Marke? Suzuki produziert Autos, zu denen sie voll und ganz stehen. Sie haben über die Jahre eine eigene Identität entwickelt, die sie vollinhaltlich verfolgen. Die Marke steht für Kleinwagen, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Allrad. Suzuki ist der größte Kleinwa-

AUTOPARK GMBH • 5 STANDORTE Headquarter in Innsbruck, Betriebe in Vomp, Wörgl, Kirchdorf, Telfs-Pfaffenhofen

• MARKEN Ford: an allen Standorten vertreten Suzuki: Innsbruck, Wörgl, Vomp, und Telfs-Pfaffenhofen Volvo: Innsbruck, Wörgl Kia: Kirchdorf Mazda-Service: Innsbruck UMSATZ 2019: über 100 Mio. Euro MITARBEITER: über 200 VERKAUFTE AUTOS pro Jahr (neu und gebraucht): ca. 5.000


eco.mobil

© ANDREAS FRIEDLE

131

„ A U T O B A U E R B R A U C H E N F O R M AT U N D D A S R Ü C KG R AT, D A S S E I N A U T O N I C H T J E D E M G E FA L L E N M U S S .“ MICHA-EMANUEL HAUSER, AU TOPARK- GE S AMT VERK AUF SLEITER


© WWW.NORBERT-FREUDENTHALER.COM

eco.mobil

ALPENVEREIN FÄHRT SUZUKI Mitte August wurden insgesamt fünf Hybridfahrzeuge (ein Suzuki Ignis 1,2 Hybrid 2WD shine sowie vier Vitara 1,4 Hybrid Allgrip flash) von Suzuki Austria an den Österreichischen Alpenverein übergeben und die langjährige Kooperation somit fortgeführt. Für die entsprechende Mobilität und Wartung der Fahrzeuge sorgt weiterhin der Autopark mit seinen vier Suzuki-Standorten in Innsbruck, Vomp, Wörgl und Telfs-Pfaffenhofen.

Dr. Andreas Ermacora (Präsident des Österreichischen Alpenvereins), Micha-Emanuel Hauser, Matthias Garbe (Assistant Sales Manager Suzuki Austria), Roland Pfeiffenberger, MBA (Managing Director & Sales Manager Suzuki Austria), Astrid Pillinger (Assistant Manager Management & Press/PR Suzuki Austria) und Robert Puttinger (Autopark-Markenleiter für Suzuki)

132

genhersteller und einer der profitabelsten Hersteller der Welt. Suzuki ist global einer der zwölf größten Autohersteller und nach wie vor komplett familiengeführt. Und ihre Allradkompetenz ist für Tirol ein Goldgriff. Jedes Modell ist als Allradvariante zu haben – selbst der kleine Swift. Das findet man bei keiner anderen Marke. Angefangen hat Suzuki übrigens mit der Herstellung von Webstühlen im Jahr 1905, ehe sie zum Auto kamen. Und die Marke hat ein unglaubliches Volumen an tollen Motorrädern. Sie haben ihre Technologie in allen Bereichen perfekt umgesetzt. Was schätzen Sie selbst an Suzuki? Etwas, das dem Konsumenten an sich verborgen bleibt: Die Zusammenarbeit als Händler mit der Marke hat einfach Stil. Suzuki verfügt über eine wunderbare Unternehmenskultur, die Menschen sind freundlich, der Importeur in Salzburg ist hervorragend. Wir arbeiten mit all unseren Markenpartnern gut zusammen, Suzuki aber ist sehr speziell und extrem lösungsorientiert – für uns Händler und den Kunden. Die Marke scheint neben den „großen“ Herstellern der Branche offensichtlich total unterbewertet zu sein. Für so manchen ist Suzuki tatsächlich eine fast unbekannte Marke. Leider. Das liegt zu einem großen

Teil sicher daran, dass das Unternehmen nicht die finanziellen Mittel hat, um dauerhaft und überall präsent zu sein. Aber was immer die Marke anpackt, das macht sie sehr charmant und kundenorientiert. Bei einem Auto geht es um Design, die Technologie, den Wiederverkaufswert, die Lifecycle-Kosten … das alles ist wichtig, aber hier tanzt kein Hersteller wirklich aus der Reihe. Heute baut fast jeder vernünftige Autos. Die dauerhafte Kundenzufriedenheit hängt davon ab, wie der Händler nach dem Kauf mit dem Kunden umgeht, wie er bei Problemen agiert, wie lösungsorientiert er ist. Da trennt sich die Spreu vom Weizen und hier ist Suzuki unglaublich aufmerksam. Suzuki hat sein gesamtes Produktportfolio hybridisiert. Wohin geht für Sie die automobile Zukunft? Es gibt bei Suzuki vom Swift über den Ignis bis zum SX4 S-Cross und dem Vitara auch eine Hybridversion. Im November führt Suzuki den neuen A-Cross ein mit einem Plug-in-Hybrid und 305 PS sowie über 70 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Das ist super, dennoch denke ich, dass es in Zukunft viele verschiedene Antriebstechnologien brauchen wird. Ein moderner Benziner oder hochtechnologischer Diesel werden auch in vielen Jahren noch ihre Berechtigung haben. Ein Mildoder Plug-in-Hybrid bietet viele Vorteile

und passt dennoch nicht zu jedem Bedürfnis – das gilt auch für Erdgas und reine Elektrofahrzeuge. Es ist als Autopark nicht unsere Haltung, uns nur auf einen Aspekt zu fokussieren. Jeder soll das Angebot finden, das zu seinen Bedürfnissen passt. So wie es verschiedenen Kunden gibt, gibt es verschiedene Konzepte und nicht den einen einzig wahren und „richtigen“ Lösungsansatz. Auch nicht für die Umwelt. Man muss breit aufgestellt sein und Suzuki macht das meiner Meinung nach genau richtig: Sie übertreiben nicht, aber sie untertreiben auch nicht. Sie sprechen die Sprache der Menschen und produzieren für deren Ansprüche.

Die Umweltthematik spielt beim Autokauf dennoch eine immer wichtigere Rolle. Zählt beim Kauf Ihrer Meinung nach eher Technologie oder Design – Ratio oder Emotion? Ich glaube, dass das Auto nach wie vor ein emotionales Thema ist, wobei man hier tatsächlich zwischen Frauen und Männern unterscheiden kann. Beim Autokauf ist die Frau meistens rationaler. Für uns im Automobilgeschäft ist die Frau unterm Strich fast wichtiger als der Mann. Der Mann geht mit Emotion heran, die Frau mit dem Rechenstift und den Fakten. Letztlich wird die Entscheidung von ihr kreiert. Eine Geringschätzung der Frau im Autobereich ist total falsch!


Liquidität und Budget auf einen Blick Mit der web basierten Dashboard Lösung von Deloitte hat auch Ihr Unternehmen ein aktuelles Reporting.

www.deloitte.at/tirol Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“), dessen globales Netzwerk von Mitgliedsunternehmen und deren verbundene Unternehmen innerhalb der „Deloitte Organisation“. DTTL („Deloitte Global“), jedes ihrer Mitgliedsunternehmen und die mit ihnen verbundenen Unternehmen sind rechtlich selbstständige, unabhängige Unternehmen, die sich gegenüber Dritten nicht gegenseitig verpflichten oder binden können. DTTL, jedes DTTL Mitgliedsunternehmen und die mit ihnen verbundenen Unternehmen haften nur für ihre eigenen Handlungen und Unterlassungen. DTTL erbringt keine Dienstleistungen für Kundinnen und Kunden. Weitere Informationen finden Sie unter www.deloitte.com/about. © 2020 Deloitte Tirol Wirtschaftsprüfungs GmbH


eco.mobil

EIN HÖFLICHES DU

Mit seinem Markenportfolio kann das Autoland einen breiten Kundenkreis ansprechen. Mit dem Peugeot 208 hat man auch das „Auto des Jahres 2020“ im Angebot. Die Augen sind klar auf die Zukunft gerichtet. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

D

avid Stecher und Willi Bacher jr. sind die neuen, jungen Geschäftsführer von Autoland mit Standorten in Innsbruck und Schwaz. Mit den Marken Peugeot, Citroën, Subaru, SsangYong und Mercedes-Benz ist die Produktpalette eine breite. Wohin die Reise gehen soll, darüber haben wir mit David Stecher gesprochen – und sind der Autoland-Firmenphilosophie entsprechend und entgegen unserer herkömmlichen Blattlinie per du.

Willi und du, ihr seid beide selbst noch jung, auf eurer Homepage mit den Menschen per du und habt euch mit der Übernahme den Claim „Bewegend anders“ auf die Fahnen geheftet. Braucht die Autobranche eine Verjüngung? DAVID: Ich persönlich sehe in einem höflichen Du überhaupt kein Problem. Es ist eines der vielen kleinen Dinge, mit denen wir unseren neuen Claim spürbar machen wollen. Wir nehmen im Autoland die traditionellen, familiären Werte, die die zwei Mutterbetriebe Autohaus Fuchs und Bacher seit vielen Jahren mitbringen – Freundlichkeit, Verlässlichkeit, Autokauf auf Augenhöhe, Handschlagmentalität – und geben ihnen insgesamt einen jugendlichen Charme und eine neue Dynamik. ECO.NOVA:

134

Eure Wertebasis wird euch von den Stammhäusern mitgegeben. Worin soll man eure Handschrift erkennen? Im Sinne der Kundenbegeisterung möchten wir im Autoland einige neue Leuchtturmprojekte umsetzen. Dazu gehören Digitalisierung und die Zuhilfenahme neuer moderner Hilfsmittel. Das beginnt bei einem internen ERP- und CRM-System, geht über digitales Arbeiten bis hin zu einem völlig neuen Workflow. Diese Investitionen kommen letztlich auch dem Kunden zugute. Wir möchten zum Beispiel im Zuge eines Projektes Boutique Shopping in den Fokus rücken. Das bedeutet, dass wir den Kunden unter anderem mit Hilfe von Virtual Reality auf eine virtuelle Reise mitnehmen, bei dem er sein Auto in vielen ver-

Die Autoland-Geschäftsführer David Stecher (Innsbruck, li.) und Willi Bacher jr. (Schwaz)

schiedenen Varianten kennenlernen kann. Das wäre ob der Menge an verschiedenen Modellvarianten in einem klassischen Schauraum überhaupt nicht möglich. Bei Mercedes zum Beispiel gibt es jedes Auto in seiner spezifischen Form nur eineinhalb Mal, der Individualisierungsfaktor ist also extrem hoch. Kein Auto ist wie das andere. Diese Unterschiede möchten wir gemeinsam mit dem Kunden herausarbeiten und ihn mitnehmen auf seine ganz persönliche Customer Journey – von dem Punkt, an dem er sich ins Auto setzt, sich mit seinem Auto verbindet und letztlich per Smartphone unkompliziert Servicetermine vereinbaren kann oder individuelle Zusatzprodukte erwirbt. Das letzte Jahr stand ganz im Zeichen der Übernahme, einem Sich-Zurechtfinden und darin, Strategien zu entwickeln. Dann kam Corona. Hat die Pandemie euch in eurem Bestreben verändert? Man muss nichts beschönigen: Corona war kein Geschenk, nichtsdestotrotz läuft es o.k. Die Leute sind verunsichert – auch in Bezug auf die viel zitierte Mobilitätswende. Hier können wir nur mit transparenten

Fakten arbeiten und mit dem Kunden gemeinsam nach der besten Mobilitätsstrategie für seine Bedürfnisse suchen. Daran hat auch Corona nichts geändert. Ich bin auch nicht der Meinung, wie viele andere, dass der Individualverkehr durch Corona profitiert; eventuell kurzfristig, aber das wird sich an den Zulassungszahlen nicht messen lassen. Gibt es Modelle, auf die du dich besonders freust? Neben den vielen Neuerungen, die Peugeot bereits auf den Markt gebracht hat – den e-208, den neuen 2008, 308 und 3008 haben ein Facelift bekommen –, wird nun auch der 5008 überarbeitet, zum Jahresende werden außerdem die E-Nutzfahrzeuge bestellbar sein. Bei Mercedes fokussieren wir uns auf Junge Sterne. E- und S-Klasse sind gerade neu auf den Markt gekommen, darauf freuen wir uns sehr. Wir sind in der glücklichen Position, dass unsere Marken viele neue Modelle auf den Markt gebracht haben. Viele Hersteller haben ihre Präsentationen verschoben. Peugeot und Mercedes sind sofort in die Onlineschiene gewechselt, das spielt uns sehr in die Hände.


eco.mobil

STATTLICHE REICHWEITE Der Hyundai Kona Elektro ist keine Neuerfindung. Bereits 2018 kam das Elektro-B-SUV auf den Markt. Doch 2020 steht ganz im Zeichen der technischen Weiterentwicklung. TEXT: FELIX KASSEROLER

M

© TOM BAUSE

it dem Modelljahr 2020 gaben die Koreaner dem Hyundai Kona Elektro ein technikintensives Update. Während die bereits bekannten Leistungsvarianten 100 kW/ 136 PS oder 150 kW/ 204 PS beim neuen Modell wie bei der ersten Generation sind, trumpft diese besonders mit technischen Spielereien auf. Neben dem neuen mit dem Navigationssystem vernetzten Telematiksystem „Hyundai Blue Link“, mit dem man zum Beispiel den Ladestatus der Batterie per Smartphone-App abfragen kann, wurden zahlreiche Assistenzsysteme im Kona Elektro verbaut, die einem das Leben auf den Straßen noch einfacher machen sollen. Ganz allgemein lässt das B-SUV wenig zu wünschen übrig. Die Batteriekapazität von 39,2 bzw. stattlichen 64 kwH in Kombination mit dem effizienten Elektroantrieb macht

eine Reichweite von 305 bzw. 484 Kilometern nach WLTP möglich. Diese Werte laden auf alle Fälle zum gemütlichen Wochenendausflug ein, ohne sich über Ladesäulen und Restkilometer Gedanken machen zu müssen. Auch hinsichtlich der Laderaumkapazität brilliert der Hyundai Kona Elektro: Nach VDA-Norm hat der Koreaner ein Lastenabteilvolumen von 332 Litern, nach Umklappen SZENTRUM

der zweiten Sitzreihe sogar 1.114 Liter. Bei unserem Test der 150-kW-Variante überzeugte vor allem die stattliche Reichweite. 250 Kilometer Autobahn forderten nur 54 Prozent der Akkuleistung – ein sehr gutes Ergebnis. Letzte Hürde ist der Anschaffungspreis: Das B-SUV startet bei knapp 40.000 Euro, unser Testmodell lag nach allen Abzügen bei 48.540 Euro.

MIT ABSTAND UND SICHER TAGEN

M

it gezielten Maßnahmen wie einem Besucherleitsystem, einem Sichtschutz im Kassabereich und einer Temperaturmesssäule gewährleistet das SZentrum einen sicheren Ablauf. Zudem wurden weitere Hygienemaßnahmen ergriffen. Dazu zählen unter anderem Desinfektionsspender in allen wesentlichen Bereichen des Hauses, Sonderreinigungen und Flächendesinfektion der Räumlichkeiten. Durch die großzügig und wandelbar gestalteten Räume kann die Einhaltung des Mindestabstandes garantiert werden. Das SZentrum-Team berät Sie gerne, um auch für Ihre Veranstaltung eine maßgeschneiderte Lösung zu finden. Die Gesundheit des Veranstalters und der Gäste steht dabei im Vordergrund. Gemeinsam mit einem hauseigenen Covid-Beauftragten erarbeitet das SZentrum die Möglich-

© STADTMARKETING SCHWAZ/ICHMACHEFOTOS.COM

Sie sind auf der Suche nach einer Location für Ihre Veranstaltung? Das SZentrum bietet die idealen Voraussetzungen, um Veranstaltungen sicher unter Einhaltung aller Covid-19-Bestimmungen durchzuführen. keiten unter Einhaltung der derzeitigen Anforderungen. Das Veranstaltungshaus unterstützt zusätzlich bei der Erstellung und Umsetzung eines Präventionskonzeptes, um den bestmöglichen Schutz für alle zu garantieren. Zudem sind laufende Entwicklungen für Seminare und Kongresse geplant. Ein Event, das live im SZentrum stattfindet, kann mittels Livestream übertragen werden, um eine größere Besucheranzahl einzubinden. Das SZentrum unterstützt die Veranstalter gerne bei der Umsetzung und übernimmt die Betreuung der virtuellen Veranstaltung. PR

SZENTRUM SCHWAZ Tel.: 05242/6960-101 event@SZentrum.at

www.SZentrum.at

135


eco.mobil

136

EIN PANZER AUF RÄDERN

Dieser Satz spiegelt in etwa den ersten Gedanken wider, der einem beim Anblick dieses kolossalen Gefährts durch den Kopf schwirrt. TEXT: FELIX KASSEROLER


eco.mobil

DER DEFENDER IST UND B L E I B T E I N G E L Ä N D E WA G E N UND SOLL AUCH DANACH AUSSEHEN.

N

achdem die Produktion des Land Rover Defender 2016 eingestellt worden war, kündigte der britische Autohersteller Land Rover im Jahr 2019 die Rückkehr des Defender aus dem Ruhestand an. Im Juni 2020 war es so weit: ein neuer Defender, mit sportlichem Design und auf den neuesten Stand gebrachter Technik. Doch eines bleibt: das unverkennbare – und doch nagelneue – Design, die altbekannte Robustheit und die anspruchsbeglückende Leistungsfähigkeit. Wahrlich das klassische Image eines Defender.

© TOM BAUSE

NINETY / ONE TEN

Auch der neue Defender kommt wieder in zwei Karosserievarianten, dem kurzen Ninety (90) und dem längeren One Ten (110), deren Zahlen sich jeweils aus den in Zoll gemessenen Radständen ergeben. Wiedererkennungspotential hat der Neue viel: die charakteristische Silhouette mit kurzen Überhängen sowohl an der Front als auch am Heck, die runden LED-Lichter, die für den unverwechselbaren Blick des Defenders sorgen, sowie die im Dach platzierten Alpine-Fenster, die bereits beim Original Stilelement waren. Auch die seitlich angeschlagene Hecktür samt angebrachtem Reserverad erinnert an den Defender von damals. Doch DAS Erkennungsmerkmal eines Original-Defender fehlt, hat der Neue doch keine Heckleiter mehr. Kaum wiederzuerkennen ist der neue Defender allerdings im Innenraum. Hier setzt der britische Autohersteller ganz auf Minimalismus und schlichtes Design, kombiniert mit modernster Technik. Besonderes Augenmerkmal: Das robust und strapazierfähig wirkende Material im Cockpit wurde mit sichtbaren Nietenelementen fixiert. Es ist und bleibt eben doch ein Geländewagen und soll auch danach aussehen.

137


Erhältlich ist der Land Rover Defender 110 ab 66.580 Euro. In der nahezu voll ausgestatteten First Edition werden laut Herstellerangabe 90.326 Euro fällig, die Topvariante X schlägt mit satten 122.626 Euro zu Buche. Dafür erhält man ein voll ausgestattetes, topmodernes Auto inklusive des Sechszylinder-Benziners mit 400 PS. Die kürzere Variante startet bei 59.066 Euro.

PURE FAHRFREUDE

138

Als erstes Modell von Land Rover hat der Defender das neu entwickelte, einfach zu bedienende Infotainmentsystem Pivi Pro an Bord. Damit sind für alltäglich vorkommende Bedienvorgänge nur mehr wenige Schritte am zentriert verbauten Touchscreen notwendig. Auch bei unserem Test erwies sich das Pivi Pro als außerordentlich bedienungsfreundlich. Direkt unterhalb des Touchscreens befindet sich leicht erhöht der Automatik-Schalthebel, innerhalb der Land-Rover-Familie liebevoll „die Pistole“ genannt. Daneben liegt die Bedieneinheit für die Klimaanlage. Hinter dem Vierspeichen-Multifunktionslenkrad findet sich im neuen Defender ein gut ablesbares Volldigital-Cockpit, das ganz nach Geschmack des Fahrers individuell eingerichtet werden kann. Auf Wunsch gibt es in der Mittelkonsole induktives Laden fürs Smartphone obendrauf. Mitverbaut ist die im Hause Land Rover entwickelte ClearSight-Ground-View-Technologie. Damit wird die hohe Motorhaube praktisch durchsichtig. Außen angebrachte Kameras übertragen Bilder vom Untergrund vor dem Fahrzeug direkt auf das zentriert verbaute Touchscreen.

PLATZ GENUG

Wie beim Vorgänger gibt es den neuen One Ten mit fünf, fünf plus zwei oder sechs Sitzplätzen. Das Ladevolumen beträgt dabei laut Hersteller hinter der zweiten Reihe maximal 1.075 Liter. Durch Umklappen der zweiten Reihe erreicht der Defender 110 ein Lastenabteil mit sage und schreibe 2.380 Litern. Die kleinere Variante – der Ninety – ist mit

bis zu sechs Sitzplätzen erhältlich und auch bei dieser Radstandvariante kann man über ein zu kleines Ladeabteil nicht jammern: Hinter der zweiten Reihe weist der Kleine immerhin noch ein Laderaumvolumen von 397 Liter, nach deren Umklappen 1.563 Liter laut Hersteller auf. Auch mit der kleinen Variante kann man also als Familie ganz entspannt in den Urlaub fahren, ohne besonders platzsparend sein zu müssen. Beide Karosserievarianten können mit den Ausstattungspaketen Defender, S, SE, HSE, First Edition und X kombiniert werden. Darüber hinaus gibt es weitere Individualisierungsmöglichkeiten, die den Preis natürlich dementsprechend nach oben schrauben. Auch hinsichtlich der Triebwerke setzen die Briten auf Altbewährtes. Derzeit stehen zwei Benzin- und zwei Dieselmodelle – teilweise inklusive Mild-Hybrid-Technologie – zur Verfügung, ein Plug-in-Hybrid soll voraussichtlich im ersten Quartal 2021 folgen. Aufseiten der Benziner gibt es einen Vierzylinderturbo P300 (300 PS) und den Sechszylinder P400 (400 PS). Bei den Dieseln stehen die beiden Varianten D200 (200 PS) und D240 (240 PS) zur Verfügung. Die Kraftübertragung auf die vier Räder erfolgt jeweils über eine Acht-Gang-Automatik. Damit kann man den Defender – nicht zuletzt aufgrund des satten Drehmoments von 430 Nm – nicht nur über Felsen bewegen, sondern auch ganz gemütlich und entspannt über die Autobahn. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei unserem Testmodell, dem Defender 100 D240 S, bei 9,2 Liter auf 100 Kilometer.

Bei unserem Test erwies sich das Auto als hervorragendes Allroundauto. Weder lange Autofahrten noch – zugegeben wenig überraschend – unsanftes Terrain konnten den Defender aus der Fassung bringen. Ganz im Gegenteil: Der Defender fuhr sich in allen Bereichen einwandfrei, wir hatten richtig Freude. Durch die robuste und solide Bauweise und das hohe Untergestell mit einer maximalen Bodenfreiheit von 291 Millimetern und einer maximalen Watttiefe von 900 Millimetern kann man problemlos auch in unebenem Gelände zügig unterwegs sein, ohne Angst haben zu müssen, dass man sich den Unterboden zerkratzt. Die Kurzfassung: ein fabelhafter „Panzer“.

LAND ROVER DEFENDER 110 D240 S Antrieb: Vierrad Leistung: 177 kW/240 PS Drehmoment: 430 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,1 sec Spitze: 188 km/h Testverbrauch: 9,2 Liter/100 km Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 81.890 Euro (inkl. Extras)


Schaut gut aus und schaut auf Sie. Der neue Hyundai i20.

In einer Welt, in der danach gestrebt wird, perfekt zu sein, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass Perfektion nicht immer möglich ist. Der neue i20, voll ausgestattet mit intelligenten Technologien, ist immer für Sie da: Dank innovativer Sicherheitsausstattung und erstklassiger Konnektivität gelangen Sie sicher und bequem an Ihr Ziel. Einfach smart. Und für Sie gemacht.

Jetzt schon ab € 13.990,–. Gleich informieren und testen: www.hyundai.at/i20

Autowelt Innsbruck Denzel-Unterberger Griesauweg 28, 6020 Innsbruck T.: +43 512 33 23-0 E.: info@denzel-unterberger.cc

Autowelt Strass Bundesstraße 109, 6261 Strass im Zillertal T.: +43 5244 6100-0 E.: info.strass@unterberger.cc

Autowelt Telfs Wildauweg 1, 6410 Telfs T.: +43 05262 66766-0 E.: info.telfs@unterberger.cc

Autowelt Kufstein Haspingerstraße 12, 6330 Kufstein T: +43 5372 61060-0 E: autohaus@unterberger.cc

Preis/Aktion gültig solange der Vorrat reicht bzw. bis auf Widerruf bei allen teilnehmenden Hyundai-Partnern, inkl. Hersteller- und Händlerbeteiligung. Symbolabbildung. Satz- und Druckfehler vorbehalten.

CO2: 117 - 131 g/km, Verbrauch: 5,1 l - 5,8 l Benzin/100 km.


eco.mobil

DO

FAMILIENBANDE

PP TE ELST

Vereint im Look, getrennt im Feel. Die BMW F 900 XR und die S 1000 XR treten nach außen im Doppelpack auf. Die inneren Werte richten sich an komplett unterschiedliche Käuferschichten. T E S T E R : K L A U S S C H E B E S TA

140

D

ie Designverwandtschaft ist unübersehbar: Die BMW F 900 XR und die S 1000 XR stammen aus einer Familie. Auch die geringe Differenz von 100 Kubikzentimetern suggeriert: Da ist nicht viel um. Doch es wird schnell deutlich, dass es sich um zwei völlig verschiedene Bikes handelt, die nur weitläufig verwandt sind. Die 900 XR sieht nicht nur gut aus, sondern bringt auch Pfeffer in die Mittelklasse. Und das zum ver-

hältnismäßig günstigen Preis. Und die 1000 XR setzt eine neue Benchmark bei sportlichen Tourenbikes. Für schwache Nerven ist sie nichts.

DIE NEUE KRAFT DER MITTE

BMW hat eine Reihe aufsehenerregender Motorräder. Inzwischen auch ganz „unten“ die 310er als Naked Bike und in der GS-Version. Ganz „oben“ sowieso, etwa mit der GS 1250 oder dem Sechszylinder-Dampfer K 1600 in

verschiedensten Versionen. Und natürlich mit der brandneuen Retro-Ikone R18, die den Boxer zum Monument weiterentwickelt. In der Mitte, dort wo etwa die Yamaha Tracer 900 oder die Ducati Multistrada 950 schon seit geraumer Zeit ihre Kunden abholen, gibt es zwar einige ausgesprochene Enduros bei BMW, aber bei sportlichen Touringbikes war bis vor kurzem ein blinder Fleck. War. Denn BMW bringt jetzt in seine Mittelklasse mit der F 900 XR neuen Schwung.


eco.mobil

BMW S 1000 XR Motor: 4 Zylinder mit 999 ccm, 165 PS bei 11.000 Umdrehungen, max. Drehmoment: 114 Nm Fahrwerk: Flex Frame mit mittragendem Motor Ausstattung: Dynamic ESA, Fahrmodi Pro, ABS Pro & DTC, Hillstart Control Pro, 6,5“-TFT-Display inkl. Connectivity und LED-Licht serienmäßig Zielgruppe: Fortgeschrittene Piloten mit Lust auf Racefeeling bei tourentauglicher Sitzposition Preis: ab 19.950 Euro

Das beginnt schon bei der Optik. Die Verwandtschaft zur stylishen und scharfen S 1000 XR mit ihren brachialen 165 PS ist unübersehbar. „Mittelklasse“ mag ein bisschen nach Biedermeier, nach langweiligem Mittelmaß klingen. So sieht die 900 XR aber gar nicht aus: scharfe Front, elegante Seitenlinie, schmales Heck. Die Erscheinung verspricht einiges – was die inneren Werte auch halten. Der Zweizylinder der 850er GS wurde auf 900 ccm aufgebohrt und leistet nun 105 PS und das auch noch sehr beständig: Zwischen 4.500 und 8.500 Umdrehungen liegen immer mindestens 87 Newtonmeter an. Das heißt auf gut Deutsch: Die 900 XR kann Mitte und liefert genau dort, wo man die Power braucht, souveräne Leistung. Das zeigt sich auch beim Fahrverhalten: Der Motor verzeiht schaltfaules Fahren und liefert genug Punch, um auch aus dem Drehzahlkeller heraus zu beschleunigen, was sich etwa auf Passstraßen angenehm bemerkbar macht. Dort passt die 900er übrigens perfekt hin. Sie fühlt sich sehr leicht und wendig an, reagiert auf jeden Lenkimpuls, ohne nervös zu wirken, und verfügt über ein recht sportlich ausgelegtes Fahrwerk. Die Gabel ist zwar nicht einstellbar, aber bringt ein sehr ausgewogenes Grundsetting mit. Die Bremsen sind im besten Sinne des Wortes unauffällig – sie greifen beherzt zu und lassen sich wunderbar dosieren. Die Sitzposition ist moderat sportlich, erlaubt aber auch Touringetappen. Was man, um die Kritik gleich loszuwerden, vom knallharten Sitz und dem winzigen Windschild nicht behaupten kann. Das mag für Sportler kein Problem sein, ist für Tourenfahrer jedoch suboptimal. Zum Glück lassen sich diese beiden Langstrecken-Schwächen mit relativ geringem finanziellem Aufwand beheben.

BMW MIT KAMPFPREIS

Weil wir gerade beim Geld sind: Die BMW F 900 XR kommt speziell für BMW-Ver-

hältnisse mit einem Kampfpreis, der bei 12.750 Euro beginnt. Die Grundausstattung der 900er ist nicht übermäßig üppig, aber enthält immerhin das auch in teuren Modellen verbaute 6,5-Zoll-Farb-Display mit Connectivity. Zwei Fahrmodi – Rain und Road – sind ebenso an Bord wie ABS, ASC und LED-Scheinwerfer. Natürlich bietet BMW wie gewohnt auch in der Mittelklasse jede Menge Sonderausstattung. Man muss nicht alles haben, nicht einmal unbedingt Dynamic ESA, da sich dieses ohnehin nur auf den hinteren Dämpfer bezieht und die Fahrwerkseinstellung auch im Basismodell ausgesprochen gelungen ist. Was mit 397 Euro hingegen ein „Must“ darstellt, ist der Schaltassistent, auf den man nicht mehr verzichten will, wenn man ihn erst einmal ausprobiert hat. Die Neue bringt definitiv frischen Wind in die oft unterschätzte Mittelklasse. BMW beweist mit der F 900 XR, dass man auch um moderates Geld verdammt viel Fahrspaß haben kann.

EIN LITER PURES ADRENALIN Touren- und Sportmaschinen gehören zwei getrennten Universen an. Die Frage lautet: Lässt sich der Raum krümmen und ein gemeinsamer Schnittpunkt finden? Ja, lässt sich. Die Koordinaten lauten: S 1000 XR. Denn die neue Vierzylinder-BMW kann beides. Sie kann touren und sie kann sprinten, als ob es kein Morgen gäbe. Aber: Hatten wird das nicht schon alles bei der „alten“ XR? Die sah ähnlich aus, hatte ebenfalls 165 PS und 114 Newtonmeter Drehmoment. Also nur ein leises Facelift? Definitiv nicht. Die Überarbeitung der XR ist tiefgreifend und betrifft das gesamte Motorrad. Die sportliche DNA hat die XR des Jahres 2020 von der RR, die mit 207 PS eigentlich auf der Straße nichts mehr verloren hat. Dazu verschiebt sich die Ergonometrie mit einem etwas schmaleren und leicht nach vorne geneigten Lenker mehr in Richtung Sportlichkeit, ohne dabei an Tourentauglichkeit einzubüßen. Der durch den neuen Rahmen © TOM BAUSE

DIE 900 XR KANN MITTE

TOUREN- UND SPORTMASCHINEN GEHÖREN ZWEI GE TRENNTEN U N I V E R S E N A N . D I E F R A G E L A U T E T: L ÄSST SICH DER RAUM KRÜMMEN UND EIN GEMEINSAMER SCHNIT TPUNK T FINDEN? JA, L ÄSST SICH!

141


eco.mobil

BMW F 900 XR Motor: 2 Zylinder mit 895 ccm, 105 PS bei 8.500 Umdrehungen, max. Drehmoment: 92 Nm Fahrwerk: Stahlbrückenrahmen Ausstattung: Fahrmodi Rain und Road, ABS, ASC, 6,5“-TFT-Display inkl. Connectivity und LED-Licht serienmäßig Zielgruppe: Ambitionierte Fahrer auf der Suche nach einem Allroundtalent in der gehobenen Mittelklasse Preis: ab 12.750 Euro

ermöglichte schmale Knieschluss trägt dazu bei, nicht auf, sondern in der Maschine zu sitzen. Eine ganze Reihe weiterer technischer Kunstgriffe vervollständigt das Finetuning und eliminiert sämtliche Kritikpunkte der alten XR.

RACEFEELING MIT MANIEREN

142

BMW selbst reiht die S 1000 XR auf seiner Homepage übrigens nicht in der Kategorie „Sport“ ein, sondern unter der Rubrik „Adventure“. Man sollte sich aber davon nicht täuschen lassen. Die XR hat mehr als genug Sport in sich, ohne dass man sich wie bei anderen Bikes dieses Kalibers gebückt auf den Tank legen muss. Für den Fahrer sind all diese Weiterentwicklungen deutlich spürbar – und damit sind wir schon bei der zentralen Frage: Wie fährt sich die XR? Im Vergleich zur Vorgängerin: mit sanftem Punch von unten und verminderten Vibrationen; einer genialen Sitzposition; einem Windschutz, der tatsächlich diesen Namen verdient. Und sie ist leiser: Mit 94 Dezibel im Stand darf man mit ihr gerade noch über das per Tiroler Lärmverordnung limitierte Hahntennjoch, während die alte XR mit ihren 98 Dezibel diese beliebte Route aussparen muss. Trotz allem ist die XR des Jahres 2020 kein weichgespülter Reisedampfer, sondern eine hochdynamische Fahrmaschine. Sie bietet Racefeeling pur und bringt auch noch Manieren mit.

KRAFT UND FAHRSPASS OHNE ENDE

Die XR entwickelt ab 3.000 Touren seidigen Schub, bis der Fahrer bei knapp unter 7.000 Umdrehungen die Schallmauer erreicht: Wer in diese eintaucht und bis 11.000 hochdreht, erlebt eine Beschleunigung, die geradezu beängstigend ist. Und einen Sound, der überholte Fahrzeuglenker dazu bringt, einen verschreckten Haken zu schlagen, was sich genüsslich im Rückspiegel beobachten lässt. In diesem Drehzahlbereich hat die XR

Kraft im Überfluss, die sich für Alltagspiloten nur aufgrund der zahlreichen elektronischen Systeme bewältigen lässt. Wer’s in der Früh zum Wachwerden braucht, katapultiert sich von 3,1 Sekunden von null auf 100. Zum Glück hilft ihm der butterweiche Schaltassistent dabei, schnell genug einen höheren Gang einzulegen. Im Kurvengewühl präsentiert sich die S 1000 XR enorm handlich. Das für eine Tausender relativ geringe Leergewicht von gerade einmal 226 Kilogramm führt zu einem geradezu spielerischen Handling und das elektronisch perfekt unterstützte Fahrwerk bleibt spurtreu bis in Geschwindigkeiten weit jenseits der Straßenverkehrsordnung. Für verspielte Naturen lässt sich wie auch bei der 900er auf den Sporttacho umschalten, auf dem unter anderem Neigungswinkel, Bremsverzögerung und Inanspruchnahme der digitalen Traktionskontrolle abzulesen sind, was dazu führt, dass man versucht ist, die Werte bei der nächsten Kurvenfolge zu toppen. Das ist auch schon der einzige Nachteil der XR: Man braucht für dieses Geschoß einiges an Contenance, um dauerhaft den Führerschein zu behalten.

SOLIDE MITGIFT

Die Neue hat eine umfassende Grundausstattung an Bord, die bisher zum Teil aufpreispflichtig war – von den Fahrmodi Pro mit vier Einstellungen über Dynamic ESA bis hin zu ABS Pro sowie dynamischer Traktionskontrolle DTC. Das 6,5 Zoll große Farb-TFT-Display mit verschiedenen Anzeigemöglichkeiten und Connectivity sowie LED-Beleuchtung rundum runden die solide Mitgift ab. Das ist schon eine ganze Menge und wer will, kann sich seine XR noch weiter hochrüsten. Eine der sinnvollsten Optionen stellt wie bei der 900er der Schaltassistent Pro dar. Die XR startet bei knapp 20.000 Euro und lässt sich ohne große Schwierigkeiten deutlich jenseits 25.000 Euro veredeln.

FAZIT Man kann nicht sagen, dass eine der beiden zwangsläufig „besser“ als die andere ist. Es kommt ganz darauf an, was der jeweilige Fahrer sucht. Will er Kraft ohne Ende und Dynamik zum Abwinken, greift er zur 1000er. Will er ein spritziges Mittelklasse-Bike, spart er sich ein paar Tausender und unterschreibt den Kaufvertrag bei der 900er. Die finale Entscheidungshilfe kann nur eine ausgiebige Probefahrt bieten. Wie auch immer: Beide Bikes sind eine Bereicherung der BMW-Palette und spielen auf ihren Terrains auf hohem Niveau. Auch wenn’s jetzt erst einmal frostig wird. Der nächste Glühling, pardon Frühling kommt bestimmt.


7 X

Freude am Fahren

Unterberger Denzel Innsbruck Griesauweg 32, 6020 Innsbruck Telefon 0512/33435 info@unterberger-denzel.bmw.at

Unterberger St.Johann Anichweg 1, 6380 St. Johann/T. Telefon 05352/62389 office.stj@unterberger.bmw.at

Unterberger Kufstein Endach 32, 6330 Kufstein Telefon 05372/6945 info@unterberger.cc

www.unterberger.cc www.unterberger-denzel.bmw.at

BMW X7: von 195 kW (265 PS) bis 390 kW (530 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 7,8 l bis 12,6 l/100 km, CO2-Emissionen von 204 g bis 286 g CO2 /km. Angegebene Verbrauchs- und CO2-Emissionswerte ermittelt nach WLTP.

Symbolfoto

THE


eco.mobil

144

WIEDER SCHÖN Fast jeder von uns kennt das: Eine kurze Unachtsamkeit und schon streift die Felge am Randstein entlang. Das sieht nicht nur unschön aus, es kann unter Umständen auch die Sicherheit gefährden. Die gute Nachricht: Es muss nicht unbedingt eine neue Felge her.

F

ür viele Autofahrer gehören schöne Alufelgen einfach dazu. Große Räder beeinflussen wesentlich das Erscheinungsbild eines Fahrzeuges und lassen es auf Wunsch sportlicher, dynamischer oder eleganter erscheinen. Doch was, wenn diese beschädigt werden – unabhängig davon, ob der Fahrer durch Unachtsamkeit den Randstein gestreift oder Korrosion die Felgen in Mitleidenschaft gezogen hat? Neben der optischen Beeinträchtigung ist ein beschädigtes Rad immer auch eine

Frage der Sicherheit. Denn oberflächliche Schäden an Alufelgen können im schlimmsten Fall zu Haarrissen führen. Das wiederum beeinträchtigt die Stabilität des Fahrzeuges. Aber auch beim Fahrzeugverkauf können Beschädigungen an Felgen zu preislichen Abzügen führen.

REPARATUR STATT NEUKAUF

Anstelle von einem teuren Neukauf können Alufelgen professionell aufbereitet werden. Die Firma „Felgenreparatur24“ in Hall hat

sich darauf spezialisiert und ist ein TÜV-Austria -ISO-9001-zertifizierter Felgeninstandsetzungsbetrieb. Das bedeutet, dass nach modernsten Maßstäben, höchster Qualität und Sicherheit von bestqualifizierten Mitarbeitern gearbeitet wird. „Kundenzufriedenheit steht für uns an erster Stelle. Deshalb wurden wir von ProvenExpert als Topunternehmen 2019 ausgezeichnet. Mit zahlreichen Bewertungen auf Google, Herold und Facebook konnten wir sehr viel positives Feedback von unseren Kunden erzielen. Besonders stolz sind BEZAHLTE ANZEIGE


eco.mobil

„KUNDENZUFRIEDENHEIT STEHT FÜR UNS AN E R S T E R S T E L L E .“ M A X IM IL I A N M AY E R

wir auf unsere Kundenzufriedenheit von 96 Prozent“, berichtet Felgenreparatur24-Geschäftsführer Maximilian Mayer. Modernste Geräte und jahrelange Erfahrung garantieren nicht nur höchste Qualität, sondern ebenso eine schnelle Erledigung der Kundenaufträge. Von der professionellen Reparatur der Felgen über Glanzdrehen, Lackieren oder auch Pulverbeschichten wird rund um die Felge alles angeboten. Die Preise ergeben sich vor allem aus Art und Umfang der Beschädigung. Bei jeder Felge werden die Kosten individuell berechnet, abhängig vom Aufwand. Zu weiteren Faktoren, die sich auf die Kalkulation auswirken, gehört die Zollgröße. Pauschalpreise können deshalb nicht genannt werden, ohne dass ein Blick auf die beschädigte Felge geworfen wurde.

ABHOL - UND ZUSTELLSERVICE

Neben der eigenen Anlieferung der Felgen in Hall bietet Felgenreparatur24 auch einen nationalen und internationalen Abhol- und Zustellservice an. „Kunden, die nicht aus unserer Region kommen, bieten wir einen exklusiven Service über unseren Partner DPD. Damit können wir Felgen direkt beim Kunden abholen lassen und schnellstmöglich wieder zustellen“, erklärt Mayer. Die überarbeiteten Räder glänzen wieder wie neu am Volvo XC90.

FELGENREPARATUR24 Löfflerweg 22 6060 Hall in Tirol office@felgenreparatur24.at Tel.: 0664/34 50 272

www.felgenreparatur24.at

Die beschädigte Felge vor der Bearbeitung.

Die Felge wurde entlackt, grundiert und anschließend neu lackiert.

Nach der Reparatur werden die Felgen glanzgedreht.

145

Aus der Felge sind sämtliche Kratzer entfernt, sie ist fertig aufbereitet und klarlackversiegelt.


LIFESTYL

genuss & trends

146

Brand aus

Feuerlöscher sind einfach Dinger, die man von Gesetzes wegen in der Ecke stehen haben muss? Weit gefehlt. Die können nämlich auch zu Designobjekten werden. Das junge Designunternehmen FARA hat im Sommer 2019 seine Pforten geöffnet und entwirft Feuerlöscher in individuellen Designs, die sich als Interiorelement und vor allem als Werbebotschafter für Unternehmen verstehen. Begonnen mit einem Einzelstück, entwirft das Wiener Unternehmen nunmehr gemeinsam mit einem renommierten Wiener Traditionsbetrieb unverwechselbare Modelle als Schaustücke in Geschäftsauslagen, edle Kundenpräsente oder als unikale Kunstobjekte für jedermann. Mit einer Tirolerin als kreativem Kopf darf FARA neben etlichen Wiener Betrieben bereits auch einige heimische Unternehmen zu den Kunden zählen. „Wir wollten ein Designobjekt schaffen, das nebenbei sogar noch einen Nutzen hat. Nämlich im Fall der Fälle einen Brand zu löschen“, so das Label. www.fara-extinguisher.com


eco.life

FEH LUN G D RED ER AKT ION

TIME TO SHINE

© FANETTE GUI

So schnell kann man gar nicht schauen, und schon ist Weihnachten und somit quasi auch Silvester. Wer ein besonders edles Tröpfchen sucht, der wird in der Weinkellerei Meraner in Innsbruck fündig. Champagner von Gosset ist ja prinzipiell immer eine gute Idee, „Celebris“ aber ist wohl eine der besten. Die ultimative Cuvée wurde 1995 ins Leben gerufen und seitdem in sieben Jahrgängen zu einer weißen und in drei Jahren zu einer Rosé-Variante gekeltert. Der Jahrgang 2007 kommt um 127,50 Euro in neuer Austattung daher, dazu sind ausgewählte ältere Jahrgänge erhältlich.

© YVES BACHMANN

EMP

BUCHTIPP OHNE FRAGE Wir mögen die Taschen des Labels Qwstion ja sehr, weil die nicht nur chic, sondern zudem umweltfreundlich sind. Auch die neuen und vielseitigen Flap Totes werden aus 100 Prozent biologischem Bananatex-Material hergestellt und mit wasserfestem Naturwachs beschichtet. Sie sind absolut plastikfrei und biologisch abbaubar – aber wer will die schon loswerden? Zuhause ist das Label in Reith bei Seefeld, die Taschen gibt‘s in den Größen small und medium (fein sind die große Öffnung und die flexiblen Trageoptionen) sowie in drei Farb­ varianten entweder im Onlineshop oder im Resort in der Innsbrucker Erlerstraße. Ab 295 Euro. www.qwstion.com

ANDERE LÄNDER, ANDERE BÄRTE Miguel Gutierrez Polyglott Verlag 224 Seiten, EUR 16,99 Polyglott ist bekannt für seine Reiseführer. Das hier ist auch einer, nur eben ein ganz spezieller, hat Barbier Miguel Gutierrez darin doch zwei seiner Leidenschaften verbunden: die Haarpflege und das Reisen. Sein Weg führte ihn dabei durch 30 Länder rund um den Globus. Nicht nur für Bartträger spannend.

T H E R E S E S N A C H H A LT I G E C H A L L E N G E Mit den Öffis fahren, regionale Lebensmittel kaufen, Jutebeutel verwenden – es gibt viele Ideen, nachhaltig zu leben. Mit einer Challenge ruft Therese Mölk im Oktober dazu auf, einen nachhaltigen Beitrag aus dem eigenen Alltag zu teilen. Und für jedes Posting mit dem Hashtag #THERESEUNDDU auf Instagram pflanzt Therese Mölk in Kooperation mit BIO vom BERG einen Baum. Zudem wird unter allen Teilnehmern ein Wochenende in einem Biohotel verlost. Die Aktion läuft noch bis 31. Oktober 2020. Weitere Infos unter www.therese-moelk.at/morgen

Aus eins mach zwei Sonnenclips für Brillen sind ein heikles Thema, weil die manchmal echt nach nix ausschauen. Die Variante von Andy Wolf mögen wir jedoch sehr, weil sie die Optik der Brille kein bisschen verändern. Die Clips werden in der hauseigenen Manufaktur hergestellt, sind federleicht und für die meistverkauften Metallmodelle zu haben. Außerdem lassen sie sich wirklich kinderleicht anbringen und wieder herunternehmen. Vor allem im Herbst oder Winter, wenn die Sonne beim Heimfahren nach der Arbeit manchmal recht tief steht, ist es ganz praktisch, so ein Teil im Auto liegen zu haben. Wir sprechen aus Erfahrung. Verschiedene Varianten ab 120 Euro. Andy Wolf (Brillen und Clips) erhältlich in Tanja Schaffenraths „Sehenswert“ in Wattens.

REDEWENDUNG DER AUSGABE: ALLES ÜBER EINEN KAMM SCHEREN sich nicht um Unterschiede zwischen zwei Dingen kümmern, zwei verschiedene Dinge gleich behandeln, nicht differenzieren Herkunft: Diese Redewendung kommt aus dem altgermanischen Strafrecht. Zur Bestrafung wurde Verbrechern der Kopf geschoren. Diese schlimme Strafe und Entehrung machte für jedermann deutlich, dass es sich hier sehr wahrscheinlich um einen Verbrecher handelt. Für die Menschen waren alle mit kahlem Schädel automatisch Verbrecher, auch wenn dem manchmal gar nicht so war. Mancherorts gibt es noch heute den abfälligen Ausdruck „Gscherter“.

147


eco.life

PIERCINGS? NEIN, DANKE. Sein erstes Tattoo ließ sich Alexander Pletzenauer mit 16 Jahren stechen. Das Motiv: Flammen und Schneeflocken. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Auch von dem Menschen, der er damals war, ist nicht mehr viel übrig. TEXT: MARINA BERNARDI

148

A

ufmerksam geworden sind wir auf Alexander Pletzenauer im Zuge eines Berichts über die Internationale Tattoo Convention in Innsbruck vergangenen Dezember. Was treibt jemanden an, sich den Kopf zu tätowieren – und das, obwohl die Beine noch unberührt sind? Auch Zahnfleisch, Zunge und selbst die Augen sind schwarz gefärbt, das Ohr und die Zunge modifziert. Die Eingriffe an Augen, Ohren und Zunge wurden in der Schweiz vorgenommen, weil Derartiges bei uns (noch) nicht erlaubt ist. Unter der Lippe sitzt ein so genannter Plug, eine Sonderform des Piercings. Wenn er ihn rausnimmt, blitzen die Zähne hindurch. Von herkömmlichen Piercings hält Alexander einstweilen nichts. Wäre wohl zu banal, dafür sind weitere Bodymodifications geplant – Silikonrippen unter der Kopfhaut zum Beispiel. Zuvor geht es ihm jedoch darum, den Oberkörper komplett mit Farbe zu bedecken. Kein Fleckchen Haut soll mehr zu sehen sein. Bevor er zu uns in die Redaktion kam, war er beim Tätowierer. Gerade war der Arm dran, deshalb steckte er noch in einer Folie. Alexander Pletzenauer gefällt sein Körper, für die meisten ist er wohl zumindest gewöhnungsbedürftig. „Ich will meine Haut nicht mehr sehen“, ist seine Erklärung für all die Tattoos. Nach Flammen und Schneeflocken folgte mit 17 Jahren das erste Tribal am Rücken, ein Drachen auf der Brust, das erste Tattoo im Gesicht ließ er sich 2014 stechen. Mitten in der Zeit des Bundesheers. Beigeistert waren seine Ausbilder nicht darüber.

EXZESSIV Betrachtet man ein Foto aus dem Jahr 2011, so ist von jenem Alexander Pletzenauer heute nichts mehr über. Ein eher schmächtiger Junge versucht ein Lächeln in die Kamera. Schüchtern, zurückhaltend. „Ich wurde als Schüler gemobbt“, erzählt er. „Ich kam mir minderwertig vor. Also habe ich mit Bodybuilding begonnen und bald hat sich keiner mehr an mich rangetraut.“ Die ersten körperlichen Erfolge waren schnell zu sehen, und doch ging es ihm zu langsam. „Ich hab Anabolika genommen. Ungefährlich war das nicht“, sagt Alexander. Als er 20 Jahre alt war, stand sogar die Polizei vor seinem Haus, weil sie ihn für einen Dealer hielten. Danach war Schluss damit. Heute betreibt der Fieberbrunner gar keinen Sport mehr. Überhaupt ist die Bewegung im Freien schwierig – vor allem, wenn die Sonne scheint. Die Tattoos sind UV-empfindlich. Wenn die Temperaturen steigen, fängt es an zu brennen auf der Haut. Außerdem trägt er draußen quasi immer eine Sonnenbrille. Sehbeeinträchtigungen habe er aber keine durch die Farbe im Auge, sagt Alexander. Auch die Farbe auf der Zunge wirke sich nicht negativ auf seinen Geschmackssinn aus. Im Gegenteil, findet er. ECO.NOVA: Du bist optisch extrem auffällig. Sind die Tätowierungen in erster Linie für dich selbst oder möchtest du gefallen? ALEXANDER PLETZENAUER: Ich mach das schon vor allem für mich. Totenköpfe, Dämonen … das alles mag ich, das gefällt mir. Natürlich freue ich mich aber auch über die Aufmerksamkeit. Ich möchte schon aus der Menge herausstechen. Ich war früher sehr schüchtern, die Tattoos geben mir Selbstbewusstsein.

„Wenn man unter Leute geht, weiß man ja nie, was die von einem wollen: Mögen sie einen wirklich oder wollen sie nur ein Foto machen?“


eco.life

eco.life

149


eco.life

„Bei den Augen hatte ich anfangs schon etwas Sorge, doch derjenige, der das gemacht hat, hat Erfahrung.“

lang. Außer bei den Augen: Da hab ich mich schon gefragt, was wohl die Mama dazu sagen wird.

Viele Menschen sind heute tätowiert. Wann ist es bei dir so exzessiv geworden? Eigentlich ging es bei mir mit dem ersten Tattoo im Gesicht richtig los. Ich war bei verschiedenen Tätowierern, bin aber seit rund zwei Jahren fix bei INN the CITY INK und gehe jedes Monat hin. Dragomir weiß, was mir gefällt, und kennt meinen Stil. Mein Ziel ist es, heuer den Oberkörper komplett zu bedecken und nächstes Jahr dann mit den Beinen zu beginnen. Ich bin 24 Jahre alt, ich habe noch Zeit. Andere fangen oft erst mit 30 an. In dem Alter bin ich wahrscheinlich schon komplett zutätowiert.

© MARIAN KRÖLL

150

Wenn du nach einem gestochenen Tattoo in den Spiegel schaust, bist du dann zufrieden? Eigentlich bin ich unzufrieden, weil noch so viel frei ist. Es ist wie früher beim Bodybuilding: Ein bisschen was geht immer noch. Natürlich kann man alles übertreiben. Das ist wie beim Sport: Man will immer gewinnen, koste es, was es wolle. Man will nicht Zweiter sein.

Wie haben deine Eltern auf deine Tätowierungen reagiert? Ich wohne noch bei meinen Eltern und anfangs war es für sie schon schwierig. Sie hatten Sorge, was wohl die Leute denken könnten. Mittlerweile sagen sie gar nichts mehr. Außerdem: Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann mach ich das. Da überlege ich nicht

Welche Stellen sind die schmerzhaftesten? Definitiv der Achselbereich. Wenn der Tätowierer dorthin kommt, ist das nicht schön. Aber darüber denke ich nicht nach, weil ich immer gespannt bin auf das Ergebnis. Ich glaube, dass man sich an den Schmerz gewöhnt. Ich brauche das. Das ist ein bisschen wie ein Sucht.

Kannst du abschätzen, wie viel Zeit du bereits beim Tätowierer verbracht hast? Ich habe bis jetzt ca. 20.000 Euro dafür ausgegeben, wenn man ca. 100 Euro pro Stunde rechnet, sind das rund 200 Stunden.

„Was ich mir in den Kopf gesetzt hab, mache ich auch. Da überlege ich nicht lang.“ ALEXANDER PLETZENAUER

Wirst du oft angesprochen? Eher weniger. Wenn, dann vor allem, wenn die Leute betrunken sind. Dann möchten sie Fotos machen und werden dabei oft ziemlich unhöflich. Offensichtlich meinen sie, ich sei ob meines Aussehens ein aggressiver Kerl, und versuchen, mich zu provozieren. Aber das bin ich nicht. Ich mag nicht streiten. Ich bin ein ganz Netter. Du warst früher Kaminkehrer. Was machst du heute beruflich? Ich war Kaminkehrer, dann Liftangestellter. Es kam das Bundesheer und danach hab ich beim Maschinenring


eco.life

gearbeitet, anschließend bei Sinnesberger und seit gut eineinhalb Jahren arbeite ich bei Egger im Schichtbetrieb. Ich hatte bei der Einstellung schon viele Tattoos und die schwarzen Augen. Das war o.k. Ich arbeite auch mal 12-Stunden-Schichten. Das Geld ist es mir wert und wichtiger als die Freizeit. Ich bin untertags gern in der Halle. Beruflich hatte ich noch nie ein Problem, bei Frauen ist es da schon schwieriger. Wenn man unter Leute geht, weiß man ja nie, was die von einem wollen: Mögen sie einen wirklich oder wollen sie nur ein Foto machen? Aber jeder findet die richtige Frau, ich hab keinen Stress.

Neben den Tattoos fallen sofort deine schwarz gefärbten Augen auf. Wie wird das gemacht? Dafür wird eine spezielle Farbe unter Betäubung mit einer Spritze direkt in den Augapfel eingebracht – oben, unten, links, rechts, zwei, drei Punkte, die sich mit der Zeit verteilen. Ich musste dafür extra in die Schweiz und war der erste Österreicher, der dort behandelt wurde. Dort wurde auch die Zunge gefärbt und gespalten.

Hattest du jemals Angst, dass bei den Eingriffen etwas schiefgehen könnte? Bei den

„Ich finde mich heute attraktiver als früher. Natürlich fand ich mich auch gut, als ich Bodybuilding betrieben habe, aber jetzt finde ich mich schön.“ ALEXANDER PLETZENAUER

Augen hatte ich anfangs schon etwas Sorge, doch derjenige, der das gemacht hat, hat Erfahrung. Rund 40 Augen hat er bereits auf diese Art behandelt, also hab ich ihm vertraut. Bei den Ohren hatte ich überhaupt keine Angst: Man schneidet ein Stück weg und näht wieder zu. Auch die Wundheilung war kein Problem. Einzig beim Plug war es etwas mühsam, weil er anfangs eingewachsen ist. Doch jetzt ist alles gut.

Hast du jemals darüber nachgedacht, was passiert, wenn du älter bist und die Tattoos nicht mehr so toll findest? Nein, so lange nach vorn denke ich nicht. Ich kann aktuell nicht ohne Farbe leben. Ich habe damit angefangen und ziehe das jetzt durch. Was wäre auch die Alternative? Weglasern

geht schlecht. Ich muss damit leben, egal, was passiert.

Wenn du dich selbst betrachtest: Hast du eine Vorstellung davon, wie du ohne all die Tätowierungen aussehen würdest? Nein. Wenn ich mir alte Fotos ansehe, denke ich mir oft: Meine Güte, wie schaust du denn da aus. Ich finde mich heute attraktiver als früher. Natürlich fand ich mich auch gut, als ich Bodybuilding betrieben habe, aber jetzt finde ich mich schön, auch wenn es manchen nicht gefällt. Das könnte ich umgekehrt genauso sagen: Mir gefällt auch nicht jede Frisur. Für mich wäre das Schlimmste, wenn alle gleich ausschauen würden. Jeder soll machen, was er für richtig hält. Der eine kauft sich einen Ferrari, ich lass mich tätowieren.

WWW.JULIA-CORDIN.AT

WEITERE ANGEBOTE Fettabsaugung · Eigenfett- Transfer · Bauchdeckenstraffung · Oberarmstraffung · Oberschenkelstraffung · Intimchirurgie · Lidchirurgie PRAXIS INNSBRUCK | Franz-Fischer-Straße 7, 6020 Innsbruck telefonische Terminvereinbarung unter 0512/312 305 PRAXIS WÖRGL | Innsbrucker Straße 4, 6400 Wörgl telefonische Terminvereinbarung unter 0676/4973490 ordination@julia-cordin.at

DR.MED.UNIV. JULIA CORDIN Fachärztin für Plastische-, Rekonstruktive- und Ästhetische Chirurgie Spezialistin für Brustchirurgie

151


KONDITOREI PEINTNER

erster lebkuchenop onlinesh

WER KANN DA SCHON WIDERSTEHEN?

152

Während andere noch dem Sommer nachweinen, blicken wir mit Vorfreude auf die kommenden Tage und Monate. Denn mit dem Beginn der Herbstzeit bricht auch langsam wieder die Lebkuchenzeit an. Die Konditorei der Familie Peintner ist dafür wie jedes Jahr bestens gerüstet und bietet den Klassiker in der kommenden Saison wieder in vielfältigen Kreationen und als individuelles Geschenk an. T E X T : E L I S A B E T H P L AT T N E R

D

ieser Winter wird wohl anders als gewohnt ablaufen. Doch lassen sich gewisse Traditionen wie das alljährliche Lebkuchenschnabulieren davon nicht beeindrucken. Gott sei Dank, denn was kann schon ein Stück handgemachten Lebkuchen ersetzen? Diesem vielseitigen Weihnachtsgebäck können nur wenige widerstehen, besonders wenn es nach einem altbewährten, innerhalb der Familie weitergegebenen Rezept hergestellt wurde. Das macht auch den Lebkuchen der Innsbrucker Konditorei Peintner so besonders. Dieser wird immer noch der geheimen Familienrezeptur des Großvaters Viktor Peintner nachempfunden. Für den Tiroler Traditionsbetrieb ist die Lebzelterei eine seit langem bestehende Leidenschaft. Seit mehr

als 60 Jahren kreiert er alljährlich seine eigenen Lebkuchen in Handarbeit, die sich nicht nur unter den Tirolern einen Namen gemacht haben. Denn neben den Hauptstandorten in Innsbruck und Seefeld kann der Klassiker auch in Wien, München, Hamburg, Mailand und selbst im weit entfernten Tokio genascht werden. Dieses Gebäck kommt überall gut an.

DAS ERFOLGSREZEPT

Durch die nie verlorengegangene Rückbesinnung auf traditionell Bewährtes und zugleich den Wunsch, zeitgemäß zu bleiben, wird das Bestehende stets mit Bedacht weiterentwickelt und an den Geschmack der Zeit angepasst. So können die Kunden darauf vertrauen, dass jedes Jahr der altbekannte Leb-

kuchen nach Opas Rezept angeboten wird, doch immer mit kleinen Twists versehen, wodurch das Ergebnis nie langweilig wird. Eine weitere Hauptzutat, die neben Tradition und Innovation nicht fehlen darf, ist der große Wert, den der Betrieb auf Handwerk und Regionalität legt. Während viele der Grundzutaten aus der Region stammen, wird allerlei auch in der Konditorei selbst hergestellt. Egal ob Füllungen für die Lebkuchen, Marmeladen und Saucen als Grundbestandteil – alles wird wird hier von eigener Hand gemacht. Dieser große Aufwand lohnt sich, denn so wissen die Konditoren genau, was in den Produkten steckt, und haben daher die Möglichkeit, das Endprodukt exakt nach ihren eigenen Vorstellungen zu perfektionieren.


Lebkuchen-Expertise in der 3. Generation

KONDITOREI PEINTNER

EINE SÜSSE ÜBERRASCHUNG MIT INDIVIDUELLEM TOUCH Peintners Lebkuchen sind nicht nur zum Selberessen gut, sondern bieten sich auch hervorragend zum Verschenken an. Und das nicht nur zu Weihnachten. Zu jedem möglichen Anlass findet sich die gerechte Verpackung. Für Familienmitglieder oder Freunde eignet sich die traditionelle Peintner Verpackung, der man eine liebe Nachricht anhängen lassen kann, damit dem Ganzen eine persönliche Note gegeben wird. Um Mitarbeiter, Kunden oder Gäste zu überraschen, kann man das Design der Verpackung nach Wunsch anpassen und ganz individuell mit dem eigenen Branding designen. So erhält Ihr Geschenk ohne großen Aufwand Individualität und Sie bleiben Ihren Kunden auf ganz besondere Weise in Erinnerung. Für Unentschlossene gibt es mit der „Peintners Köstlichkeiten Box“ die Möglichkeit, neben Lebkuchen hausgemachte Pralinen, Schokoladen und Kekse zu verschenken. Oder Sie lassen sich vor Ort von den Experten beraten, inspirier und mit den Köstlichkeiten verführen.

U M M I T A R B E I T E R, K U N D E N O D E R G Ä S T E Z U Ü B E R R A S C H E N, K A N N M A N DA S D E S I G N D E R V E R PA C K U N G N A C H W U N S C H A N PA S S E N. S O E R H Ä LT I H R G E S C H E N K O H N E G R O S S E N A U F WA N D I N D I V I D U A L I T Ä T, Q U A L I T Ä T U N D T R A D I T I O N.

153

LEB(KUCH)EN AUF DISTANZ

Ab sofort gibt es für Nicht-Innsbrucker und Nicht-Seefelder sowie für all jene, die in den kälteren Monaten nicht gern außer Haus gehen, eine erfreuliche Nachricht. Denn die Peintner-Lebkuchen lassen sich ab sofort online bestellen und direkt vor die Haustür liefern. Andere Haushalte kann man auf diesem Weg ebenfalls erreichen. Hat man also mal keine Zeit oder lebt zu weit weg, um jemanden persönlich zu beschenken, so wird auch das durch den Onlineshop erleichtert. Noch ist die Auswahl auf Lebkuchen beschränkt, in Zukunft lassen sich dort noch andere kleine Geschenke erstehen. Somit bleibt nur noch eine schwierige Aufgabe: sich für die richtige Sorte Lebkuchen zu entscheiden. Heuer kann man zwischen zehn verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen, wobei Orange-Marzipan, Marille und Eierlikör zu den Top-Favoriten der Peintners für den Winter gehören. Für Fruchtliebhaber sind die Sorten Apfel, Pflaume, Himbeere und Früchte sehr zu empfehlen. Doch auch Mandel Marzipan, Baileys und Nougat sind durchaus einen Versuch wert. Am besten, Sie probieren einfach alle und verschenken die persönlichen Lieblingssorten dann weiter. www.konditorei-peintner.at

PR

FOTOS: © TANJA CAMMERLANDER, STEPHAN ELSLER


eco.life

OHNE VIEL GESCHWEFEL Für einen voreingenommenen Kritiker mögen Bio- oder Naturweine nach einer unvergorenen Sache klingen, wer sich hingegen näher damit befasst, weiß, welches Potential dahintersteckt. T E X T : E L I S A B E T H P L AT T N E R

154


E

s ist tatsächlich nicht ganz ohne, seinen Weinbau nach Bio-Richtlinien auszurichten. Um naturverbunden zu arbeiten und doch einen guten Tropfen herstellen zu können, braucht es eine Kombination aus professioneller Erfahrung und Innovation mit einem kräftigen Schuss harter Arbeit. Und wohl auch ein paar Tropfen Glück. Sozusagen eine Cuvée. Der Familienbetrieb RENNER & rennersistas hat den Schritt zu mehr Nachhaltigkeit schon vor langem gewagt und zeigt, dass es durchaus möglich ist, auf diese Weise Erfolg zu haben. Familie Renner besteht aus Birgit und Helmuth, die den Weinbetrieb 1988 übernahmen, deren Töchtern Susanne und Stefanie – die rennersistas –, die seit 2015 den Betrieb mit neuen Ideen auffrischen, und dem jüngsten Bruder Georg, seit Kurzem mit von der Partie. Bereits in dritter Generation wird der Familienbetrieb in Gols geführt, mit seinen zwölfeinhalb Hektar Rebstöcken auf der Parndorfer Platte und dem Heideboden.

DIE NATUR IM MITTELPUNKT

Der bewusste Umgang mit der Natur steht bei den Weinmachern an oberster Stelle. Schon Birgit und Helmuth hatten sich entschieden, den gesamten Betrieb auf organisch-biologische Bewirtschaftung umzustellen, und sind davon überzeugt, dass ihre Weine dadurch nur profitieren können. Die Töchter denken ebenso. Sie gehen, um die Gesundheit der Böden noch mehr zu fördern, einen Schritt weiter. „Wir haben in den letzten Jahren noch mehr mit vielfältigen Begrünungen, Kompost und biodynamischen Präparaten gearbeitet. Ich finde es großartig, zu sehen, wie viel ausgeglichener und gesünder unsere Weingärten auf mich heute wirken“, erzählt Stefanie. Der gesamte Betrieb folgt seit 2018 biodynamischen Richtlinien nach Rudolf Steiner. Dies wird durch den Bio-Verband Demeter zertifiziert. Der Betrieb gehört zudem zu den Gründungsmitgliedern der Winzervereinigung Pannobile, die daran arbeitet, den Ausdruck der Heimat in die Flasche zu bringen.

WE ARE FAMILY

Schon Helmuth orientierte sich bei seinen Weinen am Minimalismus im Keller, ließ alle spontanvergären und gab ihnen die nötige Zeit, um sich entfalten zu können. Susanne und Stefanie tragen dies, seitdem sie die Verantwortung über die gesamte Vinifikation übernommen haben, weiter.

© INGO PERTRAMER

eco.life

Familienbande: Mit den Sistas Susanne und Stefanie Renner und Bruder Georg wird in Gols bereits in dritter Generation Wein gemacht.

Zugleich ergänzen sie das Weinsortiment mit ihrer ganz eigenen Linie: rennersistas. Hierbei vergären sie ihre Weißweine ebenfalls spontan, also mit wilden Hefen. Gerade die Produktion mit teils unkonventionellen Herangehensweisen bereitet den Sistas viel Vergnügen: Durch das Arbeiten mit der Schwerkraft und den weitgehenden Verzicht auf Schwefel und Filtration entstehen außergewöhnliche Weine, die nichts von ihrem Geschmack einbüßen und gleichzeitig die Wertschätzung der Winzerinnen für das Natürliche widerspiegeln. „Wir haben dieses Jahr doch etwas mehr Regen gehabt als in einigen der Jahre zuvor und das Aroma ist so unglaublich gut. Da fällt es leicht, im Keller ohne jegliche Zusätze zu arbeiten.“ Mit Georgs Einstieg in den Betrieb ist die Familie wieder komplett. Nach der landwirtschaftlichen Fachschule hatte er sich für ein Wirtschaftsinformatikstudium entschieden und arbeitete in der Logistikbranche. Doch die Arbeit in der Natur fehlte ihm, weshalb er mit Ende des letzten Jahres seinen Bürojob an den Nagel hängte. Dieser Sommer war seine erste Ernte. Ein schwieriger Jahrgang. Der Winter war trocken, es gab leichten Spätfrost und auch Hagel, zudem mussten alle Events und Messen abgesagt werden. Doch dadurch blieb mehr Zeit für die Arbeit zuhause und die Qualität der Trauben stimmt. Wie es mit der Zukunft des Familienbetriebs aussieht, fragen wir Georg. „Wir haben nach wie vor viele Pläne, um unseren

Betrieb noch weiterzuentwickeln – jedoch nicht im Sinne vom Größerwerden. Wir sind sehr glücklich mit den 12,5 Hektar Weingärten, die alle maximal drei Kilometer von unserem Betrieb entfernt liegen. Es gibt noch so viele Ideen, zum Beispiel endlich mal Hühner am Hof zu haben. Wir haben auch noch vieles in der Biodynamie zu lernen, wie wir Pflanzen noch besser einsetzen können – als Begrünung, aber auch als Tees und Auszüge für unsere Weingärten“, sagt er. Es wird also optimistisch in die Zukunft geblickt. Die Ambition bleibt dabei klar auf den bewussten Umgang mit der Natur gerichtet, mit dem Ziel, weiterhin nuancenreiche Weine mit gebietstypischem Charakter zu keltern.

UNSER TIPP für die kommenden Tage: der würzig-feingliedrige Rotwein Waiting for Tom, Jahrgang 2018 – leicht, aber dennoch mit Charakter und Kraft und perfekt für den Herbst. Er duftet herrlich nach einem Mix aus Beeren, bringt viel Würze und herbale Noten mit. Serviert werden sollte er am besten gekühlt (14 bis 16 Grad).

WEINGUT RENNER & RENNERSISTAS

Obere Hauptstraße 97 7122 Gols Tel.: 02173/22 59 office@rennerundsistas.at

www.rennerundsistas.at

155


eco.life

DIE SCHÖNHEIT AFRIKAS Aby liebt ihren Job. Vor allem darum, weil sie Tiere liebt. Aby, deren richtiger Name eigentlich Abygal ist, ist Rangerin. „Tiere gehören in die Natur und nicht in einen Käfig“, betont sie mehrmals. Es ist sechs Uhr früh am Morgen. Nach einem schnellen Tee klettern wir in einen grünen Safarijeep. Es ist kühl, der Jeep hat kein Dach, aber Aby hat zur Sicherheit Ponchos für uns vier dabei. „Ready?“, fragt Aby – und schon geht die ruppelige Fahrt los. TEXT: SANDRA NARDIN

B 156

ettina und Luke Evans sind echte Afrika-Kenner. Bei unserem ersten Treffen erzählten sie ihre Geschichte und steckten mich mehr und mehr mit ihrer echten Begeisterung für diesen extrem vielfältigen Kontinent an. Luke kam in einem kleinen Missionsspital im Herzen von Sambia zur Welt. Als Sohn irischer Einwanderer wuchs er inmitten der unberührten Natur Afrikas auf, lernte die Sprache der Einheimischen, den Busch und dessen Tiere kennen. Während eines Europaaufenthaltes traf er seine Frau Bettina, die ihr Herz nicht nur an ihn, sondern bald auch an seine Heimat verlor. 2009 wanderten die zwei nach Afrika aus, arbeiteten für ein großes Safariunternehmen in Malawi und Sambia und leiteten eine Lodge. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes zog es die beiden zurück nach Tirol. 2016 erfüllen sie sich mit der Gründung des exklusiven Reiseunternehmens Pinto Africa ihren Lebenstraum und haben sich auf individuell zugeschnittene Afrikareisen abseits der frequentierten Touristenrouten spezialisiert. Schon bald buchten wir und starteten mit unseren elfjährigen Zwillingen Luis und Greta in das erste gemeinsame Afrika-Abenteuer.

BRAVE KINDER, WILDE TIERE

Unsere Reise startete in „Mothercity“ Kapstadt, die pulsierende Stadt unter dem Tafelberg vor dem rauen Ozean hat uns sofort begeistert. Nach vier Tagen wissen wir ganz sicher: Wir müssen unbedingt wiederkommen, denn in und um diese Stadt gibt es unzählige Ausflugsziele, die wir noch erkunden, Restaurants, in denen wir noch speisen, und Museen, die wir noch besuchen möchten. Nach einer vierstündigen Fahrt in Richtung Port Elizabeth sind wir im Gondwa-

na Game Reserve angekommen. Luke und Bettina haben uns für drei Nächte dort einquartiert. Gleich nach der Ankunft sind nicht nur die Kids völlig begeistert: Unsere „Red rocks-Villa“ ist unglaublich großzügig – mit drei Schlafzimmern, drei Bädern, Waschmaschine und einer vollausgestatteten Küche bietet das Urlaubsdomizil alles, was man sich nur wünschen kann. Frühstück, Lunch und Abendessen werden in einem der zwei Haupthäuser serviert. Mit dem Auto fahren wir an Zebras, Gnus und Springböcken vorbei, die sich im 12.000 Hektar großen Freiluftzoo sichtlich wohl fühlen. 5.15 Uhr – der Wecker läutet. Draußen ist es stockdunkel. Irgendwie fühlt es sich wie mitten in der Nacht an, aber als um 5.30 Uhr Aby gut gelaunt ins Telefon „Good morning“ ruft, bin ich hellwach. Unsere erste Safari führt uns quer durch das Reservat – Strauße, exotische Vögel und verschiedenste hirschähnliche Wesen kreuzen unseren Weg. Wir aber fahren weiter, immerhin suchen wir ja die „Big 5“. Sie liebt den Busch. Johannesburg, ihre Heimatstadt, war ihr als Kind schon zu groß, zu laut und zu bevölkert. Die Ausbildung zur Rangerin ist hart, aber für Aby genau das Richtige. Das bedeutet fast ein Jahr in einfachen Zeltlagern, ohne Badezimmer, Türen, Internet. Dafür aber mit Zebras, Erdferkeln und Elefanten. Fährtenlesen, Schießübungen, Überlebenstraining – all das stand für sie am Stundenplan. Ganz plötzlich verlangsamt Aby die rasante Fahrt. Ihr Blick verschärft sich. Wir sehen nichts. Sie ist auf der Suche nach dem Löwen, der gerne zu dieser Zeit durch die Büsche streift. Plötzlich bewegt sich das hohe Gras und nur rund fünf Meter vor uns taucht er auf – unglaublich majestätisch, sich seiner Kraft und Ausstrahlung bewusst steht er

da: der König der Tiere. Wir sind fasziniert von diesem Anblick, unsere Kinder strahlen um die Wette und machen unzählige Fotos. Langsam geht die Fahrt weiter, wieder sehen wir Zebras und Gnus und haben immer wieder einen wunderbaren Blick über das weitläufige Reservat. Als wir beim Frühstück sitzen, können wir es kaum glauben, dass wir inmitten von wilden Tieren sind und schon um 16.30 Uhr die nächste Ausfahrt mit Aby stattfindet.

AFRIKAVORBEREITUNGSTIPPS • Restaurants unbedingt vorreservieren. Sehr empfehlenswert: The Pot Luck Club, Fynn, Longtable-Restaurant im Weingut Haskell, CW Beau Constantia • „Uber“ anstelle von Taxis verwenden • ein entsperrtes Mobiltelefon mitnehmen und am Flughafen gleich eine Prepaid-SIM-Karte erwerben • Maps.me für Südafrika laden Nähere Infos für eine individuelle Reise: Pinto Africa Tel.: 05672/930 80 10

www.pintoafrica.com


eco.life

The Longtable Restaurant/ Haskell Vineyards, Stellenbosch

Restaurant „The Noisy Oyster“ in Paternoster

The Shortmarket Club, Kapstadt

Chefs Warehouse and Canteen, Kapstadt


eco.life

158

KÜRBISKERNÖL UND WEIN – VOM ARZT EMPFOHLEN! Die letzten Monate waren für viele von uns nicht gerade ein Zuckerschlecken. Höchste Zeit, raus aus den eigenen vier Wänden zu kommen und sich zu erholen.


eco.life

in Großstadttrip oder ein Abstecher außerhalb des Landes erscheinen wohl noch für längere Zeit nicht als die besten Ideen. Doch das heißt noch lange nicht, dass man deshalb auf Urlaubsflair und wohlverdiente Entspannung verzichten muss. Denn unser Land hat, was Reiseziele angeht, so einiges zu bieten. Die Winzervilla im steirischen Klöch zeigt, wie einfach Urlaub gehen kann.

WENIGER UND DOCH MEHR

Dort im Süden des einstigen Vulkanlandes bietet die Winzervilla der Familie Arzt Zuflucht und Erholung. Von Tirol aus gesehen auf der anderen Seite des Landes, erweist sich die Region als optimales Urlaubsziel: Weit genug weg, um für den nötigen Tapetenwechsel zu sorgen, und doch noch so nahe gelegen, dass eine unkomplizierte Anreise garantiert ist. Es locken ein mildes Klima, sprudelnde Thermalquellen, gute Weine und steirische Spezialitäten und sollte es einen doch noch ins Ausland ziehen, so ist die Region nur einen Steinwurf von der österreichisch-slowenischen Grenze entfernt, was sich für einen spontanen Tagesausflug anbietet. Und wer braucht schon lärmende Großstädte und überlaufene Hotels, wenn man hier in der ländlichen Peripherie eine ganze Villa zur Verfügung hat? Diese eignet sich hervorragend, um Aussicht und Stille zu genießen und dabei zur Ruhe zu kommen. Mitten in den steirischen Weinbergen garantiert sie eine private Auszeit, ohne dass

man dabei auf die Urlaubsessentials verzichten muss, denn für Wellness, Fitness und Unterhaltung ist bestens gesorgt. Mit einem Besuch in einer der zahlreichen Buschenschanken wird auch das leibliche Wohl nicht vernachlässigt. Zudem ist stets ein guter Tropfen Wein aus eigenem Anbau im Weinkeller der Villa eingelagert.

KEINE LANGEWEILE

Egal, ob man ein Rückzugsgebiet von der Außenwelt braucht oder die ländliche Gegend mit ihren Vorzügen erkunden möchte: Die rund 3.000 Quadratmeter große Anlage bietet ausreichend Platz und Annehmlichkeiten, um die Seele getrost baumeln zu lassen. Im Sommer locken ein hauseigener Pool und der nahegelegene Golfplatz. Außerdem bietet die Region eine Vielzahl von Laufstrecken, Rad- und Wanderwegen für Sportbegeisterte und Naturfreunde. In den kälteren Jahreszeiten erfreut man sich am offenen Kamin, der Sauna und Infrarotkabine. Für zusätzliche Unterhaltung und Zerstreuung kann man sich zwischen einer Runde Billard oder Tischfußball entscheiden. Die vielen Sitzgelegenheiten innen und außen laden zum Verweilen ein – mit einem guten Buch und einem herrlichen Glas Wein in der Hand.

PLATZ FÜR ALLE(S)

Im Urlaub sollte man sich vor allem mit seinen Liebsten umgeben. Die vier Schlafzimmer mit jeweils einem anliegenden Bad

können selbst eine Großfamilie problemlos unterbringen und bieten zugleich ein hohes Maß an Privatsphäre. Auch Hunde sind hier ausdrücklich erlaubt. Und da in der Garage bis zu drei Fahrzeuge Platz haben, kann man sich die Winzervilla auch mit seinen Freunden teilen. So kann man problemlos unter sich bleiben – egal ob zum Feiern, Entspannen oder einfach nur Beisammensein.

NICHT IRGENDWO IM NIRGENDWO

Die Lage der Winzervilla mag auf den ersten Anblick versteckt wirken, doch liegt sie inmitten des Ortskernes von Klöch, das nicht umsonst als die „Perle der Region“ bezeichnet wird. In nur wenigen Minuten erreicht man den Dorfplatz und auch der Golfplatz ist nicht weit entfernt, für den es ein ermäßigtes Greenfee gibt. Auch der Thermenort Bad Radkersburg ist nicht viel länger als zehn Minuten Autofahrt entfernt und lohnt allemal einen Ausflug. Die Umgebung ist voller Gaststätten, die Weinverkostungen und steirische Schmankerln anbieten. Und sollte man einmal keine Lust auf ein Essen auswärts haben, lädt die modern eingerichtete Küche zum gemeinsamen Kochen ein. „Unsere gute Fee sorgt auf Wunsch für einen vollgedeckten Frühstückstisch oder andere Annehmlichkeiten“, empfiehlt Inhaber- und Winzerfamilie Arzt. Sie bieten außerdem bei der Ankunft eine kostenlose Weinverkostung, um die Besucher auf ihren Aufenthalt gebührend einzustimmen. www.vomarztempfohlen.at

159


Kuratorin Silvia Hackl (li.) und Organisatorin Bettina Kantner mit Schirmherr Peter Trost

Clemens Vogler, Emanuel und Elise Jahn, Katrin Vogler (Dosenberger)

PERFEKTE REDE

BÜROERÖFFNUNG Im August sind die Hauser und Hauser, Hauser xb und die Kommpart in ihr neues Büro im Ärztehaus in Schwaz eingezogen. Die Eröffnung wurde coronabedingt in mehreren Etappen gefeiert. Mit dabei waren unter anderem: der Schwazer Bürgermeister Hans Lintner, Martin Hubmann (KAMA), Daniel Kostenzer (Eglo Immobilien), Martin Ledermair (Ledermair), die Bürgermeister Klaus Lindner (Kolsass) und Michael Huber (Stans), Peter Pfleger (Wirtschaftstreuhand Tirol), Anton Ruech (Immorealitäten) und Notar Peppo Reitter.

Der Innsbrucker Norbert Waldnig nahm erfolgreich beim ersten internationalen Speaker-Slam in Berlin teil. Beim Rednerwettbewerb wurde mit 73 Teilnehmern aus sieben Nationen ein neuer Weltrekord aufgestellt. Jeder Teilnehmer hatte dabei vier Minuten Zeit, Publikum und Jury in einem Kurzvortrag von seiner Botschaft zu überzeugen. In seiner Rede zeigte Waldnig aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen als Sommelier-Weltmeisterschaftsfinalist wie man Lampenfieber leicht lösen kann. Zwei Tage zuvor gewann Waldnig mit einem anderen Vortragsthema in einem „Silent Speaker Battle“ gegen drei parallel auf der Bühne sprechende Konkurrenten.

Anke und Ernst Waldhart mit dem Künstler Anton Christian

GUTES TUN Kürzlich organisierten Bettina Kantner und Silvia Hackl ein besonderes Charityprojekt im Zuge einer Kunstausstellung im Innsbrucker Kesselhaus. Unter dem Titel #herzensART fand ein dreitägiger Event statt, dessen Reinerlös – unter Patronanz der Bruderschaft St. Christoph – dem 13-jährigen Simon aus dem Tiroler Unterland zugutekommt. Wir durften für den Losverkauf den Hauptpreis sponsern und freuen uns, einen Teil zum Erlös beitragen zu können.

LANDESPREIS FÜR WISSENSCHAFT Die mit 14.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 1984 als Würdigung außergewöhnlicher Leistungen im Bereich der Wissenschaften verliehen. Heuer ging der Preis an den Geologen Christoph Spötl. Die Verleihung fand dieses Jahr aufgrund von Corona nur im kleinen Kreis im Parissaal im Landhaus statt.

I N N O VAT I V Der Ausnahme-Gastronom Roland Trettl ist seit Oktober 2020 das Gesicht für die Best.Friend App von Eurogast und wird den Launch des neuen Online-Bestellsystems tatkräftig unterstützen. Somit setzt das Unternehmen mit Sitz in Zams ein optimistisches Zeichen für eine Branche in der Krise und beweist erneut seinen Innovationsgeist. Im Bild: Franz Sinnesberger, Peter Krug und Roland Trettl

© EUROGAST ÖSTERREICH

IM GESPRÄC

160

news & events


eco.life

Geometrisch Abstraktes und ganz real Greifbares

Barbara Höller, vibration research, Siebdruck-Papier

Christine Ulm, Naturalezas Muertas (Zwiebel)

In der aktuellen Ausstellung der Galerie Nothburga in Innsbruck stehen bzw. liegen von Beton oder Gips ummantelte und dadurch hermetisch eingeschlossene Naturmaterialien von Christine Ulm den streng geometrischen Bildern von Barbara Höller gegenüber.

CHRISTINE ULM

BARBARA HÖLLER Barbara Höller thematisiert in ihren Arbeiten die gerade Linie, Linienüberlagerungen und die dadurch umrahmten Flächen und macht damit ihr Verständnis für Mathematik unmittelbar sichtbar. Die Künstlerin ist Absolventin der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, war Lehrbeauftragte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, an der Hochschule für angewandte Kunst sowie an der Kunstschule Wien (Malerei, Zeichnung, Direktion) und ist als Kuratorin bzw. Co-Kuratorin tätig. Sie lebt und arbeitet in Wien, Krems und im ungarischen Bazsi. „Ein Faktor, der immer wieder in ihren Werken eine Rolle spielt, ist die gerade Linie, sei es als Rinnspur oder etwa als Strich auf dem Papier, die damit die Struktur vorgibt. Barbara Höller lotet in ihren Werken die Möglichkeiten von Farbe auf dem Bildträger aus und schafft, gerade mit dem Wissen um ihre konzeptuellen Experimente, eine Faszination für die Ästhetik und Wirkung“, beschreibt Gabriele Baumgartner vom ip-forum Wien.

Auch Christine Ulm studierte Bildhauerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien sowie an der Facultad de Bellas Artes in Barcelona, Spanien. Auch heute noch lebt und arbeitet sie in Wien und Barcelona. Sie stellt den streng geometrisch wirkenden Bildern von Barbara Höller ihre Objektkunst gegenüber. Gewachsene Materialien wie Fruchtund Samenstände, Blätter, aber auch Haare werden von ihr ummantelt und von glatten kühlen Materialien hermetisch eingeschlossen oder bedeckt. Sie umhüllt sie mit Gips oder Zement oder fertigt aus Marmor schützende Behältnisse. Und dann braucht es vor allem Zeit. Ulm lässt die floralen Protagonisten vertrocknen, schrumpeln, sich in sich zurückziehen und vergehen. Sie spielt mit dem Sujet memento mori und führt uns so auf künstlerische Weise das Altern und Erinnern vor Augen.

GALERIE NOTHBURGA Innrain 41, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/56 37 61

www.galerienothburga.at Aktuelle Ausstellung

Barbara Höller: geometrisch Abstraktes Christine Ulm: Objekte Dauer: bis 7. November 2020

Premierentage 5. bis 7. November 2020

Zur Ausstellungsfinissage am 7. November um 11 Uhr interpretiert Helmut Sprenger (Bassklarinette) die Arbeiten der beiden Künstlerinnen.

161


AU S G E Z E I C H N E T Mit dem Wissenschaftspreis der Tiroler Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sollen exzellente wissenschaftliche Arbeiten gefördert und die Vernetzung von Wirtschaft und Universitäten vorangetrieben werden. Klaus Hilber, Landespräsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, lud anlässlich der diesjährigen Preisverleihung kürzlich in die Räumlichkeiten der Kammer in Innsbruck. Der Preis ging an Markus Lusser und dessen Masterarbeit „Auswirkungen der Liebhabereibeurteilung bei Vermietung und Verpachtung“. Klaus Hilber (KSW-Landespräsident), Gewinner Markus Lusser und Mario Happ (Sponsor Allianz Elementar Versicherung)

162

© DGERHARD BERGER

im.gespräch

Wolfgang Simmer (STIHL Tirol, li.) und Jörg Schmidt, Leiter des SOS-Kinderdorfs Imst

Gerhard Narr, Gründer- und Fördercenter der Tiroler Sparkasse, mit den Stipendiaten Theresa HautzNeunteufel und Florian Ausserer

UNTERSTÜTZT STIHL Tirol setzt auch in diesem Jahr seine Sponsorpartnerschaft mit dem SOS-Kinderdorf mit einem Betrag in Höhe von 5.000 Euro fort. Wurden in den letzten Jahren immer wieder auch internationale Projekte unterstützt, hat man sich 2020 für ein Engagement beim weltweit ersten SOS-Kinderdorf in Imst entschieden. Imst ist der Ort, wo die 1949 in Innsbruck von engagierten Frauen und Männern gegründete humanitäre Idee noch im selben Jahr konkret verwirklicht und später weltweit ein Tiroler Exporterfolg wurde.

STIPENDIUM Auch 2020 vergab die Tiroler Sparkasse zwei Stipendien für die I.E.C.T. – Summer School on Entrepreneurship. Die ausgewählten Teilnehmer Theresa Hautz-Neunteufel und Florian Ausserer überzeugten mit höchst innovativen wissenschaftlichen Projekten und Leistungen in den Bereichen Medizin und Technik. HÖPPERGER

ERFAHRUNG UND ESPRIT

S

eit dem Gründungsjahr 1966 entwickelte sich Höpperger Umweltschutz kontinuierlich zu einem der innovativsten Entsorgungsfachbetriebe in Tirol. In hochtechnologisierten Anlagen in Pfaffenhofen bearbeitet das Unternehmen einen Großteil der jährlich angelieferten Entsorgungsmenge von rund 100.000 Tonnen. Aktuell arbeiten mehr als 160 Mitarbeiter aus der Region für den Familienbetrieb. Über all die Jahre stand Firmengründer Klaus Höpperger an der Spitze des Unternehmens, das er gemeinsam mit Harald Höpperger bis zum heurigen Juli leitete. Nun ging Klaus Höpperger in Pension, auch wenn er seinem Unternehmen nach wie vor als Gesellschafter treu bleibt. Nahezu gleichzeitig trat Prokurist Fritz Praxmarer in den Ruhestand, der seit 1987 zum Höpperger-Team gehörte. In seiner be-

ruflichen Laufbahn durchlief er verschiedenste Positionen in der Disposition und verantwortete viele Jahre die Marketingabteilung. Den natürlichen Generationswechsel nutzt Höpperger Umweltschutz, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Mit einer Mischung aus langjähriger Erfahrung und junger Innovationskraft werden Thomas und Stefan Höpperger Firmenchef Harald Höpperger als Geschäftsführer zur Seite stehen. Zudem baut der Oberländer Entsorger weiterhin auf das Expertenwissen der drei Prokuristen Jürgen Meinschad (Finanzen), Oliver Bauer (Qualitätsmanagement) und Hermann Mayr (Stoffstrommanager). www.hoepperger.at PR Harald (li.), Stefan und Thomas verabschiedeten Klaus Höpperger (sitzend) in die wohlverdiente Pension.

© HÖPPERGER

Mehr als 50 Jahre führte Klaus Höpperger mit seinem Cousin Harald Höpperger das gleichnamige Entsorgungsunternehmen mit Standorten in Rietz und Pfaffenhofen. Ende Juli verabschiedete die Belegschaft den „Herrn über tausende PS“ in den Ruhestand.


Cornelia Plank Myzelia Pilzwelt Tiroler Bio Pilze

Unser Land braucht UnternehmerInnen, die an sich glauben. #glaubandich

sparkasse.at


NEUBAUPROJEKTE IN GANZ TIROL IHR VERMÖGEN SICHER ANLEGEN ANNAHOF, KIRCHDORF IN TIROL

Nicole Moser - Verkauf nicole.moser@zima.at | +43 512 348178 242

WOHNHAUS AM PIRCHANGER, SCHWAZ

TSCHIRGANTBLICK, RIETZ

Dominik Riedmann - Verkauf dominik.riedmann@zima.at | +43 512 348178 225

AN DER SEEACHE, ACHENKIRCH

Stephanie Mark - Verkauf stephanie.mark@zima.at | +43 512 348178 241

DAS LUTZENBERG, KITZBÜHEL

Nicole Obenauer - Verkauf nicole.obenauer@zima.at | +43 512 348178 243

REITLLIFTWEG, FIEBERBRUNN

JETZT VORMERKEN LASSEN: HOPFGARTEN | SÖLL | VÖLS

ZIMA Wohn- und Projektmanagement GmbH | +43 512 348178 | innsbruck@zima.at | www.zima.at


Millions discover their favorite reads on issuu every month.

Give your content the digital home it deserves. Get it to any device in seconds.