GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN: Migration schafft Wertschöpfung.
RÜCKENWIND FÜR ANLEGER*INNEN: Chancen auf ein ertragreiches Jahr.
Die Ärztespezialisten
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Wir beraten ausschließlich Ärztinnen und Ärzte - und das seit über 50 Jahren. Mit uns sind Sie für alle Fragen rund um Ihre Praxisgründung bestens gewappnet
Wir beraten ausschließlich Ärztinnen und Ärzteund das seit 40 Jahren Das schafft Vorsprung durch Wissen - und das zu Ihrem Vor teil!
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v. li. Mag. Johannes Nikolaus Erian, Raimund Eller, Mag Dr Verena Maria Erian, Karin Fankhauser
Wer kommt, will bleiben.
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eco.nova-Herausgeber Sandra Nardin (re.) und Christoph Loreck mit Chefredakteurin
MUT
ZUR ZUKUNFT
Auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten: Das neue Jahr hat begonnen, wie das alte sein Ende gefunden hat. Und vielleicht sogar noch schlimmer. Trotzdem möchten wir mit der ersten Ausgabe positiv starten – zumindest ein kleines bisschen.
Es sind keine einfachen Zeiten und es schaut so aus, als würde dieser Zustand noch eine Weile anhalten. Die Schlagzeilen sind rauer geworden, die Gewissheiten weniger. 2.500 verlorene Arbeitsplätze allein in Tirols Industrie, steigende Kosten, schwindende Wettbewerbsfähigkeit: Die Diagnose, die Max Kloger, Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, beim Neujahrsempfang gestellt hat, ist nüchtern und unmissverständlich, auch wenn die Tiroler Wirtschaft sich im Allgemeinen endlich zu erholen scheint. Dennoch hilft es niemandem, sich die Lage schönzureden. Die Herausforderungen für die Wirtschaft und die Gesellschaft sind real, strukturell und treffen mitten ins Herz des Standortes. Und doch wäre es zu kurz gegriffen, bei einer reinen Bestandsaufnahme stehen zu bleiben. Denn während viel über „die Industrie“ gesprochen wird, kommen jene, die sie künftig tragen sollen, oft zu selten zu Wort. In der Titelgeschichte geben wir deshalb der jungen Industrie ihre Bühne und im Gespräch hat sich deutlich gezeigt: Es ist eine Generation, die Verantwortung übernehmen will, in einer Zeit, in der Abwarten und Abwandern die bequemere Option wäre. Sie investiert, bildet aus, denkt weiter, trotz hoher Energiepreise, bürokratischer Hürden und enger Planungshorizonte. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Gestaltungswillen und Überzeugung, dass im Land nicht alles schlecht ist, sondern der Standort Potenzial hat. Letztlich entsteht Wachstum dort, wo Mut auf Qualität trifft. Beides ist vorhanden. Dass 2026 durchaus gute Nachrichten parat hält, zeigt sich auch in unserem Finanzausblick. Trotz geopolitischer Spannungen, hoher Staatsverschuldungen und politischer Unwägbarkeiten bieten die Finanzmärkte gute Chancen. Sachwerte, Technologie, Produktivität und neue Märkte bleiben die entscheidenden Hebel.
Die Zukunft wird anspruchsvoll. Doch sie ist gestaltbar.
Optimismus ist in diesen Zeiten kein Realitätsverlust, sondern eine bewusste Entscheidung. Eine, die Klarheit und Realismus voraussetzt. Und Verantwortung. Wenn es gelingt, Rahmenbedingungen zu modernisieren, Bürokratie abzubauen und unternehmerische Initiative nicht zu bremsen, sondern zu ermöglichen, dann ist noch viel Substanz da. Dieses Potenzial gilt es zu entfalten. Wir müssen aufstehen und weitermachen, Chancen erkennen und (neue) Wege finden. Nicht weil es einfach ist, sondern notwendig. Vielleicht ist „trotzdem“ genau das Wort, das dieses Jahr braucht.
Haben Sie ein erfolgreiches 2026! Ihre Redaktion der eco.nova
Marina Bernardi
GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN.
FOTOS: DINO BOSSNINI, MARIAN KRÖLL, TOM BAUSE, CAROLINE WINDEL, TOM HERBOTS
ECO.TITEL
16 GENERATION VERANTWORTUNG
Über die Industrie wird viel gesprochen – doch nur selten mit jenen, die sie in die Zukunft tragen sollen. Vier junge Unternehmer*innen haben in den vergangenen Jahren Verantwortung übernommen, und reden darüber, wie sich in einer Phase multipler Krisen, wachsender Unsicherheit und sinkender Wettbewerbsfähigkeit Zukunft aktiv gestalten lässt.
ECO.WIRTSCHAFT
32 KLARE HALTUNG
Ralph Schmid ist neuer STIHL-Geschäftsführer. Ein Gespräch über Verantwortung, Vertrauen und den Mut, zu entscheiden.
36 GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN
Das Thema Migration ist wohl eines der meistdiskutierten und zugleich missverständlichsten unserer Zeit. Dabei lohnt es sich gerade aus wirtschaftlicher Perspektive, genauer hinzusehen.
44 KULTURELLES SELBSTVERSTÄNDNIS
Karl Janovsky, Präsident des Tiroler Skiverbandes, spricht im Interview über den Stellenwert des Skisports, Ehrenamt als Rückgrat und warum Tirols Identität am Schnee hängt.
ECO.ZUKUNFT
52 GOLDSTANDARD?
Patente gelten als Königsweg der Innovation, als Schutzschild, Werttreiber und Standortindikator zugleich. Doch stimmt das so?
56 DIE MACHT DER MARKE
In der Markenbildung geht es nicht um Logos und Design, sondern um das Verständnis dafür, wer man ist.
60 KNOW - HOW - SCHUTZ UND MEHR
Auch in Europa entstehen immer mehr hochautomatisierte „Smart-Factory-Werkstätten“. Rechtsanwalt Stefan Warbek über Chancen und Risiken.
62 WIR WISSEN, WER ’ S WEISS
Digitale Räume wachsen schneller, als Eltern, Schulen und Politik reagieren können. Zwischen Social Media, Algorithmen und einem strukturell veralteten Bildungssystem stellt
Pädagogin und Autorin Silke Müller die Frage nach Verantwortung neu.
ECO.GELD
70 RÜCKENWIND FÜR ANLEGER*INNEN
Finanzausblick 2026: Chancen auf ein ertragreiches Jahr.
ECO.MOBIL
80 LUXURIÖSES KRAFTPAKET
Überlegenheit, Qualität und hoher Fahrkomfort: Der Hyundai Ionic 9 im Praxistest.
ECO.LIFE
84 DIE SCHÖNHEIT DER VIELFALT
Seit fast vier Jahrzehnten ist das Osterfestival mehr als ein bloßes Kulturereignis. Es wurde zum Denk- und Erfahrungsraum.
HERAUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄFTS LEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin ASSISTENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAKTION: Marina Bernardi REDAKTION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, DI Caterina Molzer-Sauper // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Michael Kordovsky // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERKAUF: Ing. Christian Senn, Yvonne Knoll, BA LAYOUT: Tom Binder LEKTORAT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH COVER: Dino Bossnini
UNTERNEHMENSGEGENSTAND: Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHTUNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life style beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRESABO: EUR 29,00 (13 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BEZAHLTE ANZEIGEN bzw. KOOPERATIONEN!
ZWISCHEN REIZ UND REALITÄT
Die aktuelle Studie von Marketagent verdeutlicht: Marketing im Allgemeinen wird als unverzichtbarer Bestandteil der Wirtschaft wahrgenommen, Werbung im Speziellen bleibt ein Balanceakt: Sie wird gerne gesehen, wenn sie kreativ, humorvoll oder überraschend ist, aber abgelehnt, sobald sie manipulativ, aufdringlich oder beliebig wirkt. Trotz aller Kritik zeigt sich jedoch ein klarer Befund: Werbung erfüllt für Konsument*innen eine wichtige Funktion: sie informiert, orientiert und macht Neues sichtbar.
48 %
DER BEFRAGTEN STEHEN DEM MARKETING*) GANZ ALLGEMEIN POSITIV GEGENÜBER.
44 % NEUTRAL, 8 % NEGATIV. VOR ALLEM DIE GENERATION Z SIEHT MARKETING MIT 60 % VERMEHRT POSITIV.
40 % NEHMEN WERBUNG**) POSITIV WAHR.
38 % NEUTRAL, 22 % NEGATIV. AUCH HIER IST DIE GENERATION Z MIT 47 % AM POSITIVSTEN.
73 % SEHEN EHER ODER DEUTLICHE VORTEILE IM MARKETING.
53 %
SCHÄTZEN DIE INFORMATIONSFUNKTION.
• 51 % SEHEN ALS MÖGLICHKEIT, RABATTE UND AKTIONEN ZU ENTDECKEN.
• 42 % SAGEN, SIE KÖNNEN NEUE LÖSUNGEN ODER PRODUKTE ENTDECKEN, AUF DIE SIE SONST NICHT GEKOMMEN WÄREN, UND PRODUKTE BESSER VERGLEICHEN.
• 28 % GLAUBEN, SIE PROFITIEREN VON EINER GRÖSSEREN AUSWAHL UND VIELFALT.
NACH-
TEILE
48 % FÜHLEN SICH DADURCH ÜBERREIZT ODER ABGELENKT.
39 % EMPFINDEN WERBUNG ALS BEEINFLUSSEND ODER MANIPULATIV IN IHREM KAUFVERHALTEN.
• 35 % SAGEN, WERBUNG WECKE BEI IHNEN MANCHMAL FALSCHE ERWARTUNGEN.
• 30 % HABEN BEDENKEN BEZÜGLICH DATENSCHUTZ (Z. B. BEI PERSONALISIERTER ONLINE-WERBUNG)
WERBETYPEN
WIE ANSPRECHEND FINDEN SIE WERBUNGEN …
80 % ... mit Überraschungselementen oder ungewöhnlichen Ideen
80 % ... mit regionalem Bezug
70 % ... die eine Geschichte erzählen (Storytelling)
63 % ... mit Tieren
59 % ... mit minimalistischer Gestaltung
54 % ... mit Erfahrungen von Kund*innen
46 % ... mit Kindern
45 % ... mit Comicfiguren / Animationen
41 % ... mit Prominenten
20 % ... mit Influencer*innen
91 %
DER BEFRAGTEN SIND DER ÜBERZEUGUNG, DASS MARKETING EINEN GROSSEN BEITRAG ZUM UNTERNEHMENSERFOLG LEISTET.
78 % DENKEN, DASS UNTERNEHMEN OHNE MARKETING KAUM BESTEHEN KÖNNEN. MIT FAST 90 % IST DIE BABYBOOMERGENERATION AM DEUTLICHSTEN DIESER MEINUNG, DIE GENERATION Z MIT 67 % AM WENIGSTEN.
47 %
SIND DER MEINUNG, NACHHALTIGER KONSUM UND FAIRER HANDEL SOLLTEN IN DER WERBUNG MEHR BEACHTUNG FINDEN.
59 %
GEHEN DAVON AUS, DASS MARKETING KÜNFTIG WEITER AN BEDEUTUNG GEWINNEN WIRD.
UNTER DEN JÜNGEREN (GENERATION Z) IST DIESE ÜBERZEUGUNG MIT 66 % NOCH STÄRKER AUSGEPRÄGT. FÜR 37 % WIRD SIE GLEICHBLEIBEN, FÜR 4 % AN BEDEUTUNG VERLIEREN.
FINDEN, DASS MARKETING VOR ALLEM IN ZEITEN EINER REZESSION WICHTIG IST.
65 %
HALTEN ZU HÄUFIGE WIEDERHOLUNGEN EINER WERBUNG FÜR DAS GRÖSSTE NO-GO.
AUCH IRREFÜHRENDE ODER ÜBERTRIEBENE PRODUKTVERSPRECHUNGEN, GREENWASHING, STÖRENDE BZW. UNANGENEHME LAUTSTÄRKE/ STIMMEN/MUSIK SOWIE SEXISMUS ODER KLISCHEEHAFTE DARSTELLUNGEN WOLLEN VIELE NICHT MEHR SEHEN. EBENSO WIE WERBUNG, DIE NICHT ALS SOLCHE ERKENNBAR IST.
68 %
DER BEFRAGTEN GLAUBEN, WERBUNGEN HÄTTEN EINEN (SEHR) GERINGEN EINFLUSS AUF IHRE KAUFENTSCHEIDUNGEN.
DAZU THOMAS SCHWABL, GRÜNDER UND GESCHÄFTSFÜHRER VON MARKETAGENT: „MENSCHEN UNTERSCHÄTZEN HÄUFIG, WIE STARK WERBUNG UNTERBEWUSST WIRKT. WÄHREND WIR BEWUSST DAS GEFÜHL HABEN, UNS NICHT BEEINFLUSSEN ZU LASSEN, PASSIERT DIE EIGENTLICHE WIRKUNG IM HINTERGRUND: MARKEN, DIE WIR ÖFTER SEHEN, ERSCHEINEN UNS VERTRAUTER, GLAUBWÜRDIGER UND GREIFBARER. WERBUNG PRÄGT ALSO WENIGER DEN EINZELNEN KAUFMOMENT, SONDERN DEN MENTALEN MARKENVORRAT, AUS DEM WIR SPÄTER INTUITIV ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN.“
23 %
STEHEN PERSONALISIERTER WERBUNG POSITIV GEGENÜBER.
43 % NEUTRAL, 34 % NEGATIV. DIE GENERATION DER BABYBOOMER IST MIT NUR 13 % ZUSTIMMUNG BESONDERS SKEPTISCH.
29 %
FINDEN DEN EINSATZ VON KI ZUR ERSTELLUNG VON MARKETINGTEXTEN O.K.
MODERATER WACHSTUMSKURS
Die Tiroler Wirtschaft zeigt insgesamt eine deutliche Erholung, entwickelt sich jedoch je nach Branche sehr unterschiedlich. Diese sogenannte „divergierende Erholung“ beschreibt eine Situation, in der sich zwar die Gesamtwirtschaft verbessert, einzelne Sektoren aber weiterhin unter Druck stehen. Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler fasst die Lage bei der Präsentation des Konjunkturbarometers im Jänner treffend zusammen: „Die Lage ist besser, aber sie ist noch nicht gut.“ Positiv entwickelt sich vor allem der Tourismus, der beim Geschäftsklimawert (dem Mittelwert zwischen der aktuellen Lage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate) an der Spitze liegt. Trotz Inflation bleibt die Nachfrage besonders im gehobenen Segment stabil. Auch die Industrie erholt sich schrittweise und verzeichnet einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, begünstigt durch stabilere Energiepreise und normalisierte Lieferketten. Allerdings belasten hohe Arbeitskosten weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit, wie auch unsere jungen Industriellen in der Titelgeschichte bestätigen. Ebenfalls robust zeigt sich die Branche Information & Consulting, getragen von Digitalisierung und steigendem Beratungsbedarf. Der Handel sendet erste positive Signale, was auf eine vorsichtige Erholung des privaten Konsums hindeutet. Deutlich schwieriger ist die Lage im Gewerbe, im Verkehr und vor allem in der Bauwirtschaft, die trotz Verbesserungen weiterhin einen negativen Geschäftsklimawert aufweist. Bei der aktuellen Auftragslage liegen Tourismus und Information & Consulting klar vorn, während die Bauwirtschaft leicht im Minus bleibt. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind generell verhalten: Viele Unternehmen sind angesichts globaler Unsicherheiten skeptisch, obwohl die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt sind. Nur die technologie- und wissensbasierten Dienstleistungen und der Verkehr zeigen ein positives Momentum. Als größte Belastungen nennen die Unternehmen wenig überraschend neben den hohen Arbeitskosten auch Bürokratie, Steuern und Abgaben sowie Energiekosten. Der Fachkräftemangel bleibt ebenfalls ein zentrales Problem, während Lieferkettenstörungen kaum noch relevant sind. Im Allgemeinen hellt sich die Stimmung für 2026 jedoch auf: Der Anteil der Pessimisten sinkt von über 40 Prozent auf rund 25 deutlich, die Zahl der Optimisten erreicht mit 17 Prozent den höchsten Stand seit Beginn der Energiekrise. Bei stabilen geopolitischen Rahmenbedingungen erwartet die Wirtschaftskammer Tirol ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent.
Konjunkturbarometer
IMMER WEITERGEHEN
Das Innsbrucker Einkaufszentrum DEZ konnte 2025 ein wirtschaftlich sehr gutes Jahr abschließen. Im 55. Jahr seines Bestehens besuchten mehr als sieben Millionen Menschen das Center und damit um rund sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Parallel dazu entwickelte sich auch der Gesamtumsatz etwa im gleichen Ausmaß positiv, der Verkauf von Gutscheinen stieg um acht Prozent. Sämtliche Shopflächen waren durchgehend vollständig vermietet, insgesamt sind rund 1.300 Arbeitsplätze am Standort angesiedelt. Zugleich wurde in die Weiterentwicklung des Centers investiert: 2,5 Millionen Euro flossen in Modernisierungsmaßnahmen und Verbesserungen der Aufenthaltsqualität, darunter in einen neuen Gastgarten sowie neue Shop- und Pop-up-Konzepte. 2026 soll der Kurs mit weiteren Modernisierungen und Sortimentserweiterungen fortgesetzt werden.
KURZER PROZESS
„Es muss nicht zwangsläufig wegen aller Probleme vor Gericht gestritten werden“, ist der Innsbrucker Rechtsanwalt Dr. Ivo Greiter überzeugt. In seinem Buch hat er 229 Fallbeispiele gesammelt, die als praxisnaher Leitfaden für den Umgang mit Herausforderungen im Berufsalltag und im täglichen Leben dienen. Greiter plädiert darin für kreatives Denken und befindet, originelle Lösungsansätze und neue Ideen entstünden oft dort, wo klassische Verhandlungswege an ihre Grenzen stoßen. Das Werk richtet sich in erster Linie an Rechtsanwält*innen, Wirtschaftstreuhänder*innen, Mediator*innen, Richter*innen und Politiker*innen, bietet jedoch weit darüber hinaus wertvolle Impulse für alle, die Konflikte konstruktiv lösen möchten. Die dritte Auflage des Buches wurde Ende vergangenen Jahres vorgestellt. Kreativität bei Verhandlungen und im Alltag, MANZ Verlag, 372 Seiten, EUR 39,–
Vertrauen in der Krise
Vertrauen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens. Wer es systematisch zerstört, gefährdet weit mehr als nur die gute Stimmung.
Vertrauen ist so etwas wie das Betriebssystem unseres Alltags. Wir denken selten darüber nach, aber ohne es würde nichts laufen. Wir steigen morgens ins Auto, klicken auf „Kaufen“, unterschreiben Verträge, arbeiten mit Menschen zusammen, die wir nicht permanent kontrollieren können – und wollen. Vertrauen spart Energie. Es macht das Leben überhaupt erst lebbar.
Auch unsere Wirtschaft basiert darauf. Märkte funktionieren nur, wenn wir darauf vertrauen können, dass Regeln gelten, Zahlen stimmen und Zusagen etwas wert sind. Unternehmen wachsen, weil Mitarbeiter*innen Verantwortung übernehmen dürfen. Innovation entsteht dort, wo Menschen sich trauen, Risiken einzugehen, im Vertrauen darauf, nicht sofort abgestraft zu werden. Kontrolle ersetzt das nicht. Sie macht alles langsamer, teurer und am Ende ärmer.
Genau deshalb ist die aktuelle Lage so gefährlich. Die Trumps dieser Welt leben davon, Vertrauen systematisch zu zerstören: in Institutionen, in Medien, in Wissenschaft, in demokratische Prozesse. Sie säen Zweifel, wo es Fakten braucht, und versprechen einfache Wahrheiten in einer komplexen Welt. Kurzfristig bringt das Applaus, langfristig hinterlässt es verbrannte Erde. Denn ohne Vertrauen ziehen wir uns zurück, sichern uns ab, denken nur noch an uns. Gesellschaft wird dann zum Nullsummenspiel. Vertrauen ist kein naiver Luxus. Es ist eine harte, ökonomische und politische Notwendigkeit. Und vielleicht gerade deshalb etwas, das wir bewusster verteidigen müssen.
Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at
DEZ Center Manager Florian Prodinger
Marina Bernardi, Chefredaktion
Landeshauptmann Anton Mattle (li.) mit Rechtsanwalt und Autor Ivo Greiter und dessen Frau Ute
Internationalität fördern
Innsbruck Tourismus und die Stadt Innsbruck setzen 2026 ihre gemeinsame Kongressoffensive fort, stärken damit gezielt den Standort und die Wirtschaft und fördern die Internationalität der Landeshauptstadt. Der Fördertopf für Kongresse ist erneut mit 100.000 Euro dotiert und soll internationale, wertschöpfende Tagungen in die Region holen. Ziel ist es, Innsbruck weiter als Drehscheibe für Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation zu positionieren – mit positiven Effekten für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung, auch abseits der Hauptsaison. Die Bilanz 2025 unterstreicht den Erfolg der Strategie: Über 30 Förderanträge wurden eingereicht, darunter acht Großkongresse mit jeweils mehr als 800 Teilnehmer*innen. Damit wurde der Födertopf im vergangenen Jahr zur Gänze ausgeschöpft. Internationale Leitveranstaltungen wie die International Mountain Conference (rund 1.000 Teilnehmer*innen) oder das Internationale Forum Holzbau (ca. 2.900 Teilnehmer*innen) brachten dabei Gäste aus über 75 Ländern nach Innsbruck. Auch 2026 liegt der Fokus auf mehrtägigen, nachhaltigen Kongressen, die gezielt unterstützt werden. Über die Vergabe der Förderung entscheidet ein Beirat anhand eines klar definierten Kriterienkatalogs. So muss eine geförderte Veranstaltung beispielsweise mindestens drei Tage dauern und zwei Übernachtungen in der Region beinhalten.
DIGITALE KOMPETENZ TRIFFT BERGEXPERTISE
Seit über 30 Jahren verschafft Outdooractive mit seinen Web- und App-Features sowie einer einzigartigen Routingtechnologie Outdoorsportler*innen sichere Erlebnisse in der Natur, vernetzt eine weltweite Community und arbeitet dafür mit mehr als 8.500 Branchenexperten zusammen. Künftig ist auch der Tiroler Bergsportführerverband mit dabei, um die Qualität in der Tourenplanung weiter zu erhöhen. Diese ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Tiroler Bergsportführer*innen und auch wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Das neue Tool wird hier künftig zum Einsatz kommen, gleichzeitig können alle Outdoor-Interessierten dort auf das Wissen professionell ausgebildeter Bergsportführer*innen zugreifen. www.corthea.com
GBV-Obmann Edgar Gmeiner mit Stellvertreter Alexander Zlotek
1.170 NEUE WOHNUNGEN
Der Wohnbau in Österreich befindet sich weiter in einer Krise: 2025 wurden bundesweit weniger als 30.000 neue Wohnungen errichtet – ein historischer Tiefstand. Während der gewerbliche Wohnbau stark eingebrochen ist und auch der gemeinnützige Sektor in Teilen Österreichs erstmals Rückgänge verzeichnete, zeigt sich Tirol als positive Ausnahme. Dank stabiler Rahmenbedingungen und einer konstanten Wohnbauförderung des Landes konnten sich die Tiroler Gemeinnützigen behaupten und heben sich im Bundesländervergleich deutlich ab. So wurden im Jahr 2025 in Tirol 1.170 neue gemeinnützige Wohnungen fertiggestellt, womit man über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Jede zweite Neubauwohnung wurde dabei von einem gemeinnützigen Bauträger errichtet. Für die kommenden Jahre ist eine weitere Steigerung geplant: 2026 sollen bereits 1.230 Wohnungen fertiggestellt werden. Grundlage dafür sind jährlich 360 Millionen Euro Wohnbauförderung, die das Land Tirol auch in den nächsten Jahren bereitstellt. Ein zentraler Vorteil des gemeinnützigen Wohnbaus ist seine preisdämpfende Wirkung. Laut einer WIFO-Studie liegen die Mieten in Tirol bei gemeinnützigen Wohnungen im Schnitt um 33 Prozent unter jenen anderer Anbieter*innen – der höchste Unterschied bundesweit. Neben dem Neubau gewinnt dabei auch die Sanierung und Modernisierung des Bestands zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz und soziale Verträglichkeit. Zusätzlich bleibt das Modell Mietkauf ein wichtiger Weg ins Eigentum: 2025 wurden 610 Wohnungen in Eigentum übertragen. Um den Zugang zu leistbarem Wohnen weiter zu gewährleisten, fordern die Gemeinnützigen Bauträger Tirols (GBV) vor allem Anpassungen bei der Wohnbauförderung für kleinere Projekte sowie eine unbefristete Verlängerung der Gebührenbefreiung beim Eigentumserwerb bis 500.000 Euro.
STABILISIERUNG
Tirols Arbeitsmarkt zeigt im Jänner 2026 erste klare Stabilisierungssignale. Mit 19.418 vorgemerkten Arbeitslosen ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um 1,8 Prozent gestiegen, wenngleich die regionalen Unterscheide dabei groß sind. Während in Landeck, Kitzbühel, Schwaz und Imst die Quote teils deutlich zurückging, ist in Reutte, Innsbruck Stadt/Land, Kufstein und Lienz ein – teils fast ebenso deutlicher – Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Generell profitieren aktuell eher Männer vom allgemeinen Aufwärtstrend: deren Arbeitslosigkeit sank – wenn auch minimal – auf 6,5 Prozent, während sie bei Frauen auf 3,3 Prozent leicht anstieg. Die Gesamtarbeitslosenquote bleibt mit 4,9 Prozent erstmals seit über zwei Jahren konstant und bedeutet den niedrigsten Wert im Bundesländervergleich. Treiber des Arbeitsmarkts sind vor allem der Tourismus und eine erstaunlich robuste Bauwirtschaft. Die Baubranche verzeichnet trotz schwieriger Rahmenbedingungen steigende Beschäftigung, die saisonale Arbeitslosigkeit geht zurück. Auch im Tourismus sorgen erweiterte Saisonkontingente für zusätzliche Jobs, vor allem in Beherbergung und Gastronomie. Gleichzeitig steigt allerdings die Langzeitarbeitslosigkeit um fast 16 Prozent auf 2.249 Personen, häufig aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, niedriger Qualifikation oder ihres Alters. Rund zwei Drittel der Arbeitslosen sind jedoch weniger als drei Monate ohne Job, ein Drittel verfügt bereits über eine Einstellzusage. Die Zahl sofort verfügbarer offener Stellen liegt mit 6.166 indes leicht unter dem Vorjahresniveau. Seitens des AMS Tirol ist man jedenfalls positiv: „Auch wenn die Arbeitslosigkeit noch immer leicht ansteigt, erkennen wir klare Signale einer Stabilisierung. Diese Entwicklung stimmt uns optimistisch für die kommenden Monate“, sagt Landesgeschäftsführerin Sabine Platzer-Werlberger.
GRÜNDUNGSREKORD
Während vielerorts über die wirtschaftliche Lage geklagt wird, packen Tirols Unternehmer*innen an. Mit 3.285 Neugründungen im Jahr 2025 wurde ein neuer Rekord erzielt – deutlich mehr als in den beiden Jahren davor. Tirol bestätigt damit seine Rolle als dynamischer Wirtschaftsstandort, getragen von Mut, Innovationsgeist und Tatkraft. Auffällig ist der anhaltende Trend zu immer jüngeren Gründer*innen: Das Durchschnittsalter sank auf 36,5 Jahre, fast die Hälfte der Einzelunternehmen wird von Frauen geführt. Auch die Bestandsdauer der Neugründungen ist hoch: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sind nach fünf Jahren noch erfolgreich am Markt und liegen damit über dem Österreichschnitt. Besonders stark vertreten sind Gewerbe und Handwerk, gefolgt von Handel sowie Information und Consulting. Die breite Branchenstreuung unterstreicht die wirtschaftliche Vielfalt Tirols, zugleich sorgen Neugründungen für spürbare volkswirtschaftliche Effekte und setzen spürbare Impulse für Wertschöpfung und Beschäftigung im Land.
NEUZUGANG
Stefanie Sparber verstärkt ab sofort das PrivateBanking-Team des Bankhaus Spängler in der Niederlassung in Innsbruck. Die Finanzexpertin zeichnet künftig für die Beratung und Betreuung von Kund*innen im Privat- und Unternehmensbereich in Tirol und Südtirol verantwortlich. Die gebürtige Sterzingerin wechselte 2013 aus der Industrie in die Finanzbranche und arbeitete als Anlageberaterin in einer Regionalbank. Mit Sparber streckt die älteste Privatbank Österreichs nun ihre Fühler auch über den Brenner Richtung Süden aus. Insgesamt verwaltet das Bankhaus Spängler mit mehr als 300 Mitarbeiter*innen an neun Standorten ein Vermögen von mehr als zwölf Milliarden Euro.
Tirols modernes Krankenhaus und Ärztezentrum
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Freundliche, helle Zimmer am sonnigen Plateau über Innsbruck Vorzüglich speisen, Wahlmenüs und Diätküche, frisch zubereitet
SANATORIUM DER KREUZSCHWESTERN GMBH A-6063 Rum · Lärchenstr. 41 · Tel. 0043 512 234-0
Wir befinden uns im dritten Jahr der Rezession – erste Aufhellungen ändern nichts daran, dass wir noch lange nicht über den Berg sind. Eigentlich müssten sämtliche Alarmglocken schrillen. Doch nicht alle Politiker scheinen den Ernst der Lage zu erkennen. Versuchen wir es daher umgekehrt: Hier sieben todsichere Regeln, die den Standort endgültig ruinieren.
VON KLAUS SCHEBESTA
INFLATION? BLOSS KEINE PANIK
In den letzten fünf Jahren 25 Prozent Inflation? Na und? Die Türkei hatte allein im Vorjahr 30 Prozent, Kuba 70 Prozent. Dort tanzen sie immer noch Salsa und rauchen fette Zigarren. Das bisschen Inflation bei uns kann man also einfach laufen lassen, dann sind wir zumindest in irgendwas Nummer 1 in Europa. Niedrige Gehaltsabschlüsse bedrohen diesen Spitzenplatz – aber zum Glück gibt es den Staat: Seit 2025 plus 23 Prozent bei Gerichtsgebühren, plus 28 Prozent beim Klimaticket, plus 50 Prozent für Reisepässe und Führerscheine. Das wirkt.
GROSSER STAAT, GROSSER ERFOLG
Die österreichische Staatsquote – also das Verhältnis von Staatsausgaben zur Wirtschaftsleistung – liegt bei 56 Prozent, deutlich über dem verträglichen Maß. Überzogene Staatsausgaben haben uns das EU-Defizitverfahren eingebrockt und würgen die Wirtschaft ab. Schließlich muss der ganze Staatsapparat mit Steuereinnahmen betrieben werden. Also nur weiter so: Das Budget gehört ausgabenseitig ruiniert. Hat bisher bestens funktioniert.
RECHTSUNSICHERHEIT ALS STANDORTVORTEIL Planbarkeit wird überschätzt. Wer weiß schon gerne heute, was morgen gilt? Rückwirkende Regelungen, ständig neue Auslegungen und widersprüchliche Vollzugspraktiken halten Unternehmer geistig beweglich. Stabilität ist etwas für Museen. Daher unbedingt draufbleiben auf diesem Thema, besonders bei Großprojekten. Dass die Genehmigung von dringend benötigten Wasserkraftwerken 20 Jahre dauert, hat schon seine Richtigkeit.
BÜROKRATIE SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE
Nicht in der Wirtschaft, aber irgendwo muss ja Beschäftigung entstehen. Jede neue Meldepflicht schafft Sinn, Struktur und zumindest ein gutes Gefühl – selbst wenn sonst nichts wächst. Auch für die Betriebe fallen wertvolle Impulse und nützliche Tätigkeitsfelder ab –vom Datenschutzbeauftragten über den Compliance-Beauftragten bis hin zum Nachhaltigkeitsbeauftragten, dem Immissionsschutzbe-
auftragten und dem Suchtbeauftragten. Die guten Betriebe halten’s aus, und die anderen …
UMVERTEILEN – DA GEHT NOCH WAS
Wer sagt, dass noch mehr Umverteilen nicht geht? Wer sagt, dass sich Leistung lohnen muss? Wo es doch ohne Leistung, ohne krummen Rücken, ohne Kopfweh auch geht. Österreich leistet sich den teuersten Sozialstaat der Welt – fast ein Drittel des BIP fließt in Transferleistungen, Tendenz steigend. Das benötigt jede Menge Steuergeld – momentan sind wir bei der Abgabenquote Platz 3 in der OECD. Mit ein bisschen Anstrengung muss doch auch Platz 1 drinnen sein. Noch nie waren die Chancen so gut wie jetzt – ein Finanzminister mit Hang zum Marxismus wird das wohl hinkriegen. Also, im Sinne der Volksgesundheit: Weiter rauf mit den Steuern!
BINNENMARKT REICHT VÖLLIG
Warum sich mit internationalen Märkten, Fremdwährungen und Wettbewerb herumschlagen? Österreich ist groß genug – zumindest mental. Globalisierung war ohnehin nur ein vorübergehender Trend. Gut – vier von zehn Euro werden über den Export verdient. Aber es bleiben immer noch sechs Euro übrig, wenn wir uns abschotten. Also: Runter mit den Grenzbalken. Handelsabkommen? Sicher nicht! Österreich zuerst. Und dann nichts mehr.
DRILL, BABY, DRILL
Diesen wunderbaren Satz hat der amerikanische Präsident mit der hübschen Frisur gesagt. Geht runter wie Öl. Gilt aber nicht nur für Öl, sondern lässt sich auch als fossile Geisteshaltung verinnerlichen: Bleiben wir bei Altbewährtem. Reformen sind riskant. Neue Ideen sind heikel. Besser zuerst reflektieren, regulieren, kontrollieren und evaluieren – danach kann man immer noch entscheiden, ob man Innovation verhindert. Das schützt verlässlich vor Überraschungen.
Freilich können diese sieben Regeln nicht alles auf einmal ruinieren. Aber sie sind ein solider Anfang. Vieles davon ist ohnehin schon weit fortgeschritten. Also, liebe Regierenden: Weiter so!
RENAULT AUSTRAL
€ 32.990,– 1)
bei Finanzierung und Versicherung
1) Alle Preise und Aktionen gelten als unverb. empf. inkl USt, NoVA und Boni iHv € 2.000,–, gültig für Privatkunden bei Kaufvertragsabschluss bis 31.10.2025. Preis ist gültig mit einem im Aktionszeitraum eingereichten und bei Auslieferung des ausgelobten Fahrzeugs abgeschlossenen Finanzierungs- und Versicherungsvertrages bei Mobilize Financial Services (eine Marke für RCI Banque SA Niederlassung Österreich) und beinhaltet Boni iHv € 500,– mit folgenden Konditionen: Finanzierungsbonus (Mindestlaufzeit 24 Monate, Mindest-Finanzierungsbetrag 50% vom Kaufpreis) & Versicherungsbonus (gültig bei Finanzierung über Mobilize Financial Services und bei Abschluss von Vollkasko- und Haftpflichtversicherung bei carplus (Wr. Städtische) – Mindestlaufzeit 36 Monate. Es gelten die Annahmerichtlinien der Versicherung. Änderungen, Satz- und Druckfehler vorbehalten. Symbolfoto. Kombinierter Verbrauch von 6,3–4,6 l/100 km, CO2-Emission von 143–105 g/km, homologiert gemäß WLTP.
Weg vom Feed, hin zu echten Erlebnissen: Marken müssen wieder raus ins echte Leben, um ihre Zielgruppen nachhaltig zu erreichen.
RETURN TO REAL LIFE MARKETING
Scrollen, liken, weiter. Während Marken online um Sekundenbruchteile kämpfen, findet echte Aufmerksamkeit längst wieder woanders statt: im realen Leben. Warum Out of Home, Events und Guerilla-Marketing kein Retrotrend, sondern die logische Antwort auf digitale Reizüberflutung sind – und was Tirols Unternehmen daraus lernen sollten.
VON PETER EINKEMMER & DOMINIQUE PFURTSCHELLER (NORTHLIGHT)
Ob „Stranger Things“ den 80ern neues Leben einhaucht oder die „Backstreet Boys“ wieder ganze Hallen füllen – erfolgreiche Revivals entstehen nicht durch Kopieren, sondern durch Weiterdenken. Sie funktionieren, weil sie Erinnerungen und Emotionen aktivieren, die im digitalen Dauerrauschen oft verloren gehen. Genau dieses Prinzip zeigt sich jetzt auch in der Markenkommunikation. Real Life Marketing feiert sein Comeback – nicht nostalgisch, sondern zeitgemäß. Nicht als schlechter Remix, sondern als echtes Erlebnis: Out of Home, Guerilla-Aktionen, Events und Markenauftritte, die man nicht wegwischt, sondern erlebt. Nicht, weil digital tot wäre – sondern weil digital allein nicht mehr reicht
DIGITAL IST SMART
Aber nicht mehr berührend! Es ermöglicht zielgerichtete Ausspielung, cleveres Retargeting, datenbasierte Optimierung –alles, was sich Marketingverantwortliche und Werbetreibende früher erträumt haben. Für Launches, Performancekampagnen oder Employer Branding nach wie vor unverzichtbar. Aber: sinkende organische Reichweiten, steigende Kosten, Content-Überdruss. Scrollen ist zur Reflexbewegung gegen Informationsüberflutung geworden – nicht zur bewussten Wahrnehmung. Oder anders gesagt: Sichtbarkeit ja, Erinnerung nein.
MARKEN ENTSTEHEN NICHT IM FEED
Sondern im echten Leben! Menschen verlieben sich nicht in Ads – sie verlieben sich in Erlebnisse. In Momente, in denen Marken Teil ihres Lebens werden. Dort, wo sie lachen, feiern, diskutieren – und Entscheidungen treffen. In Cafés, auf Skipisten, bei Veranstaltungen. Ein gutes Plakat an der richtigen Stelle. Eine überraschende Ambient-Media-Aktion. Ein Event,
das nicht „Verkaufen!“ schreit, sondern Haltung beweist. Das sind Touchpoints, die Gespräche auslösen – und genau dort beginnt Markenstärke: offline, im Dialog, im Hier und Jetzt.
OFFLINE IST NICHT RETRO
Sondern extrem präsent! Real Life Marketing ist kein Rückschritt – es ist eine Reaktion. Eine Antwort auf digitale Übersättigung. Während online alles messbar ist, aber wenig hängen bleibt, ist offline das Gegenteil: weniger Klicks, dafür mehr Bedeutung. Wer es schafft, Menschen real zu berühren, gewinnt etwas, das kein Algorithmus liefern kann: echte Erinnerung. Und ja: das ist vielleicht aufwändiger und schwerer zu skalieren. Aber authentischer und nachhaltiger.
DER PUNKT IST NICHT „ENTWEDER – ODER“
Sondern „endlich wieder beides“! Es geht nicht darum, Social Media den Stecker zu ziehen. Aber viele Unternehmen – auch in Tirol – haben ihren Marketingmix stillschweigend zu einer Digital-Monokultur gemacht. Weil es einfach ist. Weil es messbar ist. Weil es alle machen. Die entscheidende Frage lautet aber heute nicht mehr: Sind wir online sichtbar? Sondern: Erleben Menschen unsere Marke auch außerhalb ihres Smartphones? Marken, die relevant bleiben wollen, müssen wieder raus. Auf die Straße. Zu den Menschen. Ins echte Leben. Denn am Ende gilt wie bei guter Musik: Man kann sie streamen – aber live spürt man sie erst richtig.
Wie viel „Real Life“ steckt in Ihrem Marketingmix? Wir freuen uns auf Ihre Impulse!
FÜR ALLE, DIE DAS BESONDERE SUCHEN
ROLEX – DATEJUST 41
Unsere Datejust 41 mit traumhaft schönem silbernem Zifferblatt und Gelbgold-Rolesor befindet sich in einem sehr guten, nahezu neuen Zustand.
Komplett wie bei Auslieferung durch den Konzessionär: Box, Überkarton, Schuber, Etui mit originaler Garantiekarte, Booklet und Rolex-Siegel.
BAUME & MERCIER – GENÈVE
Sehr elegante, superflache Uhr aus 18-karätigem Gelbgold mit schwarzem Krokodillederband.
Die Uhr wurde von unserem Uhrmacher überprüft und befindet sich in einem hervorragenden Zustand mit kaum sichtbaren Gebrauchsspuren. Geliefert in der originalen Box mit Überkarton, Baume-&Mercier-Siegel und Garantiekarte.
CHOPARD – IMPERIALE
Diese Kollektion bezaubert durch die Fülle und Feinheit ihrer Details. Sie zollt modernen Kaiserinnen Tribut, deren majestätische Schönheit mit ihrem Eroberungsgeist konkurriert.
Unsere Imperiale besticht durch ein traumhaft schönes Perlmutt-Zifferblatt in Kombination mit römischen Ziffern, die dem Modell eine klassische Ausstrahlung verleihen. Die Uhr ist absolut neu, ungetragen und mit der originalen Schutzfolie auf dem Gehäuseboden versehen.
CARTIER – PANTHÈRE DE CARTIER
Unsere Panthère de Cartier im mittleren Modell ist mit einem hochwertigen Quarzwerk ausgestattet.
Gehäuse aus 750er Gelbgold. Krone mit blauem Saphir, wunderschönes hellbraunes Zifferblatt mit römischen Ziffern und schwertförmigen Zeigern aus gebläutem Stahl. Armband ebenfalls aus 750er Gelbgold.
ROLEX – DATEJUST 36
Unsere Datejust 36 mit ChampagnerZifferblatt, Brillantindizes und GelbgoldRolesor befindet sich in einem sehr guten, nahezu neuen Zustand. Das Modell vereint klassische Rolex-Ästhetik mit hochwertiger Verarbeitung.
Der Lieferumfang umfasst die originale Box, das Booklet, die Garantiekarte sowie das Rolex-Siegel.
JAEGER-LECOULTRE – REVERSO
Die Reverso wurde 1931 für britische Offiziere in Indien entwickelt, die einen robusten Zeitmesser für Poloturniere suchten. Ihr ikonisches Wendegehäuse mit über 50 Einzelteilen gilt bis heute als technische Ikone. Die ungravierte Rückseite bietet Platz für eine individuelle Personalisierung (z. B. Initialen). Die Uhr befindet sich in Topzustand und wird mit einem zusätzlichen neutralen Lederband geliefert.
Lieferumfang: Box, Überkarton und originales Garantiezertifikat.
BY ALEXANDER SCHREINER
BREITLING – MONTBRILLANT
Der Name Montbrillant leitet sich von der Rue Montbrillant in La Chaux-de-Fonds ab, wo Léon Breitling 1892 nach seinem Umzug aus Saint-Imier seine Uhrenfabrik eröffnete. Absolutes Full-Set mit hervorragend erhaltener Bakelit-Box, Überkarton, sämtlichen Papieren, Garantiezertifikat sowie zusätzlichem dunkelblauen Krokodillederband.
CARTIER – SANTOS GALBÉE
Unsere Santos Galbée besticht durch ihr wunderschön gealtertes Zifferblatt, das sich über die Zeit leicht braun verfärbt hat – unter Insidern auch als Tropical Dial bekannt.
Die Uhr wurde von unserem Uhrmacher vollständig serviciert und befindet sich in einem sehr guten Zustand mit kaum sichtbaren Gebrauchsspuren.
ROLEX – DAY-DATE BICOLOR
Unsere hier angebotene Day-Date Bicolor, unter Kennern auch Tridor genannt, zählt zu den seltensten Modellen der Day-DateReihe. Das silberne Zifferblatt mit fein gefassten Brillant- und Baguette-Indizes sowie Zeigern aus Weißgold verleiht der Uhr eine besonders elegante Präsenz.
Uhr und Armband befinden sich in einem nahezu neuwertigen Originalzustand mit kaum sichtbaren Gebrauchsspuren (unpoliert).
Komplett mit Box und Papieren.
CHOPARD – TWENTY~4
Die Twenty~4 ist bis heute der Inbegriff zeitloser, femininer Eleganz. Diese prestigeträchtige Damenuhr wurde als stilvoller Begleiter für jeden Anlass konzipiert. Mit diamantenbesetzten Ausführungen in Stahl ist sie die perfekte Ergänzung sowohl zu modischer Business- oder Freizeitkleidung als auch zum eleganten Abendkleid.
ROLEX – OYSTERQUARTZ DATEJUST
Ein sehr schönes Sammlerstück, bei dem in den kommenden Jahren von einem stetigen Wertzuwachs auszugehen ist, da diese Modelle in Sammlerkreisen wieder zunehmende Beliebtheit genießen.
Lieferumfang: originale Rolex-Box, Etui mit Garantiezertifikat und Übersetzungsheftchen, Rolex-Siegel sowie ein zusätzliches Bandglied.
PATEK PHILIPPE – CALATRAVA
Benannt nach dem Calatrava-Kreuz ist dieses Modell das Flaggschiff von Patek Philippe und zugleich die meistgebaute Uhr der Manufaktur. Die Calatrava verkörpert wie kaum ein anderes Modell klassische Eleganz und zeitloses Design. Die Uhr wird vollständig im Original-Lieferumfang angeboten, wie bei Auslieferung durch den Konzessionär.
Lieferumfang: originale Box, Überkarton, sämtliche Unterlagen sowie originales Zertifikat.
GENE RATION VERANT WORT UNG
Über die Industrie wird viel gesprochen – doch nur selten mit jenen, die sie in die Zukunft tragen sollen. Vier junge Unternehmer*innen aus Tiroler Familienbetrieben haben in den vergangenen Jahren Verantwortung übernommen, in einer Phase multipler Krisen, wachsender Unsicherheit und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Warum sie dennoch investieren, ausbilden und produzieren, wie sie über Arbeit, Wachstum und soziale Verantwortung denken – und was es bräuchte, um unter diesen Bedingungen überhaupt noch Zukunft zu gestalten.
TEXT: MARIAN KRÖLL // FOTOS: DINO BOSSNINI
Silberquelle-Geschäftsführerin Daniela Gruber (li.) und Juwel-Geschäftsführerin Irene Wüster mit (Bau-)Unternehmer Eduard Fröschl jr. (2. v. li.) und Patrick Huter, Geschäftsführer der Otto Kapferer GmbH
WIR BRAUCHEN ECHTE ENTLASTUNGEN UND MÜSSEN WEG VOM
ETIKETTENSCHWINDEL.
DER
DIE ENTWICKLUNG
KOLLEKTIV-
VERTRAGSLÖHNE
EXTREM
GEWESEN.
IST
DENNOCH BLEIBT ARBEITNEHMER*INNEN IM HOCHSTEUERLAND ÖSTERREICH NICHT
VIEL
MEHR
ie junge Industrie. Nur wenig ist über sie bekannt. Man kennt zwar die fast gebetsmühlenartig wiederholten Forderungen der Industriellenvereinigung – der Österreichischen wie der Tiroler –, die Sorgen um den Wirtschaftsstandort, die lange in den Wind geschlagenen Warnungen vor einer schleichenden Deindustrialisierung, die inzwischen eingesetzt hat, wie ein Blick auf die Beschäftigungszahlen zeigt. Wir haben uns mit vier Vertreter*innen der jungen Industrie zusammen- und auseinandergesetzt. Es sind vier Unternehmer*innen aus Tiroler Familienbetrieben, die in einer Zeit Verantwortung übernommen haben, in der das Weggehen, die Abwanderung, oft naheliegender schien als das Bleiben. Von ihnen wollen wir erfahren, wie sie die gegenwärtige – und zukünftige –ökonomische und soziale Situation sehen, und was sie bewegt und motiviert, unter nicht einfacher werdenden Rahmenbedingungen unternehmerisch zu handeln und dem Standort die Treue zu halten. Das ist gerade angesichts der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiepreise und im Vergleich zu den umliegenden Staaten unverhältnismäßig gestiegenen Lohnstückkosten keine Selbstverständlichkeit. Es wäre jedenfalls billiger, anderswo zu produzieren, und angesichts der Bürokratie in Österreich wohl auch einfacher. Nach einem Bekenntnis zum Standort haben wir nicht gefragt. Es zeigt sich ohnehin – im täglichen unternehmerischen Handeln.
GEPRÄGT UND GEWACHSEN
NETTO VOM
BRUTTO. DAS IST FÜR
DIE ARBEITNEHMER
DEMOTIVIEREND.
EDUARD FRÖSCHL JR.
Eduard Fröschl junior ist sein Werdegang in die Wiege gelegt. „Für mich war es normal, dass mich am Montag um sechs Uhr – also noch vor der Schule – mein Opa abgeholt hat und
EDUARD FRÖSCHL JUNIOR (32) hat in Innsbruck und Linz Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet seit acht Jahren im Familienunternehmen mit. Dabei hat er unterschiedliche Stationen durchlaufen, vom Tourismus (Axamer Lizum) über den Handel, Beton und Rohstoffgewinnung bis hin in die Geschäftsführung des Unternehmens.
ich mit ihm die Morgenrunde am Bauhof gemacht, Baustellen besichtigt oder Geräte inspiziert habe“, erinnert er sich. Druck habe er dabei nie gespürt, wie er betont: „Ich habe nie etwas müssen.“ Deshalb hat er sich auch für ein humanistisches Gymnasium entschieden. „Das ist sicher untypisch für jemanden, der in einem Bauunternehmen arbeitet. Ich bin weder Bauingenieur noch Baumeister.“ Verantwortung hat Fröschl dennoch übernommen. Oder gerade deshalb. „Man muss es jungen, motivierten Leuten auch ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe immer Teilbereiche autonom verantworten dürfen. Dabei sind auch Fehler erlaubt gewesen.“ Fröschl genießt den vollen Rückhalt der Unternehmerfamilie und darf im Unternehmen zur Führungskraft heranreifen. Denn als Führungskraft wird man nicht geboren. Irene Wüster spricht von „Prägung“, wenn sie an ihre Kindheit und Jugend denkt, von der Weitergabe eines „unternehmerischen Gens“: „Es wird einem ganz viel vorgelebt.“ Zu dieser Vorprägung kommt eine ausgeprägte Lust am Gestalten. Wüster will ihre eigenen Ideen umsetzen und beweisen, dass man als in Tirol produzierendes Unternehmen auch international erfolgreich sein kann. Dazu sucht sie gezielt nach Mitarbeiter*innen, die unternehmerisch denken und das größere Ganze, das „Big Picture“, im Auge behalten. „Das Familienunternehmen ist wie die große Schwester, die immer da ist. Man wächst mit ihr auf, bekommt unterbewusst so viel mit“, vergleicht sie. Und auch Patrick Huter ist der Meinung, dass „man in die Situation hineinwächst“. Sein Vater ist erst im Laufe seines Berufslebens durch ein Management-Buy-out zum Unternehmer geworden. Auch auf Huter wurde kein Druck ausgeübt, das Unternehmen zu übernehmen, irgendwann hat sich allerdings herauskristallisiert, dass ein Vater-Sohn-Gespann gut funktionieren würde. „Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, diesen unternehmerischen Weg gemeinsam als Familie zu gehen“, sagt Huter. Auch er durfte von Anfang an Verantwortung übernehmen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn vielen Unternehmer*innen fällt die Übergabe der Agenden an die nächste Generation keinesfalls leicht. Manchen gelingt sie überhaupt nicht.
„Man bekommt in einem Familienunternehmen gewisse Werte vorgelebt“, nimmt Daniela Gruber Irene Wüsters Gedankengang wieder auf. Das Unternehmen sei im familiären Alltag immer präsent gewesen. Rückblickend ist Gruber ihren Eltern dankbar dafür, dass sie die Unterstützung bekommen hat, im In- und Ausland zu studieren und sich selbstständig
beruflich zu entwickeln und über den Tellerrand zu blicken. Davon profitiert sie heute: „Ich habe mich damals ganz bewusst dafür entschieden, wieder nach Tirol zurückzukehren und im eigenen Unternehmen Verantwortung zu übernehmen. Den gewissen Weitblick muss man sich dabei immer behalten.“ Ausschlaggebend dafür sei unter anderem ihr ausgeprägter Gestaltungswille gewesen. Doch das genügt nicht: „Man muss auch mit Risiken leben und umgehen können, sonst ist das Unternehmertum reiner Stress. Wenn man aber gestalten will – und kann –, dann gibt es kaum etwas Schöneres, als das im eigenen Unternehmen zu tun.“ Was alle vier eint: Unternehmertum ist für sie kein Erbe, sondern ein Prozess – und Verantwortung etwas, das man sich erarbeitet.
MOTIVATIONEN
DAS
FAMILIEN-
UNTERNEHMEN IST WIE DIE GROSSE SCHWESTER , DIE IMMER DA IST. MAN WÄCHST MIT IHR AUF, BEKOMMT UNTERBEWUSST SO VIEL MIT.
IRENE WÜSTER
Was diese Generation antreibt, ist weniger Pflichtgefühl als Lust – Lust am Gestalten, am Entscheiden, am Verantworten. Doch das ist längst nicht alles. „Ich bin ein Mensch, der gerne mit Menschen arbeitet. Ich darf Führungskraft vieler Führungskräfte sein“, beschreibt Eduard Fröschl seinen Zugang. Da scheint der Humanist durch. Als Führungskraft jedenfalls ist der junge Industrielle einer, der den persönlichen Austausch sucht, den es nach draußen zieht, zu den Menschen. „Ich verbringe selten mehr als zwei Stunden am Stück in meinem Büro.“
„Unsere Arbeit ist immer eine Arbeit mit Menschen“, bestätigt Irene Wüster. „Ich merke jeden Tag: Alleine erreicht man gar nichts. Unternehmertum ist für mich Teamarbeit.“ Führung wird von den Unternehmer*innen nicht als Durchregieren verstanden, sondern als echte Beziehungsarbeit. Die Industrielle bezeichnet sich zudem als erfolgsgetrieben, „aber Erfolg heißt für mich nicht nur Umsatz, sondern Qualität und Anerkennung“. Natürlich muss die betriebswirtschaftliche Dimension passen, Irene Wüster freut sich jedoch ganz besonders, wenn Juwel-Produkte mit Designpreisen ausgezeichnet werden. Das geschieht im Übrigen gar nicht selten. „Wir stehen im internationalen Wettbewerb und es freut und motiviert mich, wenn wir uns als kleines Unternehmen aus Imst mit 80 Mitarbeiter*innen die Bühne mit Größen wie Apple, Samsung oder Mercedes teilen dürfen“, erzählt sie.
FÜHRUNG VERBINDET
Auf die Frage, was die junge Industrie heute anders macht als die Vorgängergeneration, überlegt Irene Wüster nur kurz: „Mein Vater ist 1946 geboren, ich 1990. Natürlich machen wir viele Dinge anders.“ Dabei geht es unter anderem um den Führungsstil, um die Freiheiten, die man Mitarbeiter*innen lässt. „Zwischen den Generationen hat sich in der Kultur etwas verändert, wahrscheinlich nicht so sehr in der Vision“, konkretisiert sie. Das hängt nicht zuletzt mit dem Zeitgeist zusammen, der heute ein anderer ist als vor dem Internetzeitalter. Daniela Gruber betont dabei die Schnelllebigkeit
der heutigen Wirtschaftswelt. Die Zyklen sind kürzer, stakkatoartiger, den Langsamsten, den Letzten beißen im harten Wettbewerb die Hunde. „Es gibt heute viele Themen, bei denen man viel stärker bereichsübergreifend kooperieren muss als früher. Nur wenn alle Räder ineinandergreifen, läuft das Unternehmen. Man muss schneller am Markt und am Kunden sein.“ Diese Schnelllebigkeit fordert auch ihren Tribut: Ständige Erreichbarkeit, 24/7, fast 365 Tage im Jahr. „Das erwarten sich die Kunden heutzutage. Wir sind in einem Justin-time-Geschäft. Wer nicht erreichbar ist, verliert Aufträge“, so Huter. Deshalb kann es sein, dass besonders dringende Arbeiten auch einmal am Wochenende erledigt werden. „Über Reaktionsgeschwindigkeit und Qualität können wir uns noch am ehesten vom Wettbewerb abheben“, sagt er. So unterschiedlich die jungen Industriellen sind, so verbindet sie ihr partizipativer Führungsstil und dass sie ihren Mitarbeiter*innen Verantwortung übertragen, „wenn sie Verantwortung tragen wollen und können“, präzisiert Patrick Huter. Das sorgt nicht zuletzt dafür, dass man nicht in Gefahr gerät, Micromanagement zu betreiben. Es gibt Mitarbeiter*innen, die aufblühen, wenn sie selbst Dinge verantworten und in ihrem Bereich gestalten dürfen. „Es bewährt sich gerade in schwierigen Situationen, wenn die Verantwortung auf mehreren Schultern lastet“, weiß Huter.
In Sachen intergenerationaler Unterschiede bringt Irene Wüster das Wesentliche auf die kurze Formel: „Wir brauchen den Mut zum Neuen und die Beständigkeit des Alten.“ Das gilt nicht nur für ihr Unternehmen und alle anderen, sondern auch für das Individuum. „Unsere Welt verändert sich momentan so unglaublich schnell – Veränderung braucht aber ein Gegengewicht. Wenn alles gleichzeitig wackelt, verliert man die Menschen.“ In einer beschleunigten und rastlosen Welt wird Beständigkeit selbst zu einem Wettbewerbsfaktor. Man dürfe die Mitarbeiter*innen bei allem Mut zur Veränderung nicht überfordern, meint Wüster. Denn: „Am Ende sind wir alle Gewohnheitstiere. Manches muss auch einmal bleiben können, wie es ist.“ Daniela Gruber nickt zustimmend. Gewisse Werte seien zeitlos, Mitarbeiter*innen gestern wie heute würden Stabilität und Handschlagqualität schätzen. Stabilität, die gerade die Familienunternehmen auszeichnet, die nicht von Bilanz zu Bilanz, sondern tatsächlich in Generationen denken. „Was motiviert Mitarbeiter?“, fragt Gruber und gibt sogleich die Antwort: „Stabilität, Vertrauen,
IRENE WÜSTER (35) ist seit 2023 Geschäftsführerin der in Imst ansässigen Juwel H. Wüster GmbH. Sie hat in Innsbruck Wirtschaftswissenschaften und -recht studiert und unterschiedliche Auslandsstationen – darunter Hilti France – durchlaufen, ehe sie das Familienunternehmen übernommen hat.
WIR BRAUCHEN DEN MUT ZUM NEUEN UND DIE BESTÄNDIGKEIT DES ALTEN.
ES BEWÄHRT
SICH, WENN DIE VERANT WORTUNG AUF MEHREREN
SCHULTERN LASTET.
PATRICK HUTER (34)
ist seit zehn Jahren in der Kapferer GmbH in Fulpmes tätig und leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater. Er hat die HTL für Maschinenbau in Fulpmes und einen Management-Lehrgang am MCI in Innsbruck absolviert. Vorher war Huter unter anderem bei Swarovski im Bereich Produktentwicklung tätig.
Wertschätzung und eine Tätigkeit, die Sinn stiftet. Die Zeiten mögen sich geändert haben, manche Werte bleiben.“ Auch Eduard Fröschl ist nicht in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten, um gegen deren Vermächtnis aufzubegehren und alles fundamental umzukrempeln. „Es sind eigentlich Kleinigkeiten, die ich anders mache als mein Vater“, sagt er. Der kommuniziert mit seinen Mitarbeiter*innen sehr viel über E-Mail. So ist jedem Adressaten klar, wer gemeint ist und welche Aufgaben bis zu welchem Zeitpunkt zu erledigen sind. Der Junior macht das anders. „Ich versuche, möglichst unmittelbar zu führen. Dazu telefoniere ich viel mehr und muss mich darauf verlassen können, dass sich meine Gesprächspartner*innen auch an das Vereinbarte halten“, sagt er. Das entspricht seinem Zugang, holt ihn aber manchmal im Alltag ein. Eduard Fröschl junior ist der Chef, aber dennoch mit jedem seiner Mitarbeiter*innen per Du. In Sachen Technologieaffinität steht die ältere Generation entgegen oft landläufiger Meinung den Jungen übrigens um nichts nach. „Nach anfänglicher Skepsis gibt es meinen Vater heute ohne Handy nicht mehr. Er schreibt um fünf Uhr
früh die erste und um Mitternacht seine letzte Mail“, erzählt Fröschl. Es gibt auch in der „alten Industrie“ ein Bewusstsein für die Umbrüche, die mit dem Voranschreiten der KI kommen könnten. Dennoch hat es mit dem Eintritt der Digital Natives in die Arbeitswelt eine Veränderung gegeben. „Erstmals kann der junge Mitarbeiter, der mit der Digitalisierung aufgewachsen ist, etwas besser als der alte. Das hat es früher so nicht gegeben und hat gerade bei älteren Mitarbeitern zu einem Umdenken geführt.“
DIE KRISE ALS NORMALZUSTAND
Die jungen Unternehmer*innen sind in einer Zeit in unternehmerische Verantwortung eingetreten, in der man mit einer Gleichzeitigkeit der Krisen konfrontiert war und ist, die es vorher in dieser Vehemenz und Quantität nicht gegeben hat. Die Nachkriegszeit war hart, doch zwischendurch gab es – mit Ausnahme der Ölkrise – Wachstum und Stabilität. Wer gut gewirtschaftet hat, durfte auf stetiges Wachstum vertrauen. Das ist heute anders geworden. Die Welt gerät zunehmend aus den Fugen, Gewissheiten von gestern gelten nicht mehr. „Krisen hat es immer gegeben, aber die Trendlinie ist nach dem Zweiten Weltkrieg eine andere gewesen als heute. Sie hat ständig aufwärts gewiesen“, sagt Patrick Huter, der bereits in der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 eine Bruchlinie sieht. Und trocken ergänzt: „Auch die Coronakrise ist alles andere als normal gewesen.“
Huter fragt sich, ob es denn für seine Generation noch kontinuierlich aufwärts gehen kann. Und ob es das über-
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haupt muss. Die Krisenerfahrungen dieser Kohorte hat sie dafür sensibilisiert, dass Wachstum und Prosperität keine Selbstläufer sind. Stetiges Wachstum ist für diese Generation keine Erfahrung, sondern eine Erzählung. „Ich bin froh, wenn ich das halten kann, was meine Vorgängergeneration geschaffen hat“, sagt Huter. Irene Wüster schlägt in der Einordnung einen weiteren Bogen: „Ich glaube, dass man Geschichte immer erst im Rückspiegel beurteilen und einordnen kann. Unsere Vorgänger*innen sind wohl auch nicht davon ausgegangen, dass es immer aufwärts gehen würde. In der Wirtschaft gibt es immer einen Unsicherheitsfaktor – und im Nachhinein ist man immer gescheiter.“ Eine bedeutende Abweichung im Vergleich zu früher benennt die Juwel-Geschäftsführerin dennoch: „Früher konnte man fünf oder zehn Jahre vorausplanen. Heute ändern sich Gesetze schneller, als man investieren kann. Ich kann keine Generationenentscheidungen treffen, wenn die Spielregeln jährlich wechseln.“ Das sei gerade für Familienunternehmen zunehmend ein Handicap, denn: „Wir denken – und investieren – in Generationen.“
GESELLSCHAFTLICHE BRÜCHE
„Wir sind wieder an einem Punkt angelangt, an dem ein Krieg am europäischen Festland wütet“, zeichnet Eduard Fröschl historische Parallelen nach. Die transatlantische Partnerschaft steht in Frage, die US-Zölle sind für die exportorientierten Industriebetriebe ein riesiges Problem. Fröschl ortet aktuell so etwas wie einen kollektiven Selbstbetrug – „Ich glaube, dass wir uns derzeit noch vieles schönreden.“ – und verweist zudem auf die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, die besonders seit der Pandemie massiv zugenommen habe. Mit Sorge beobachtet er, dass sich in der Gesellschaft der Eindruck einer zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit festsetzt. „Dem kann man nur wirksam begegnen, wenn man die arbeitenden Menschen entlastet. Das halte ich für ein ganz zentrales Anliegen.“
DANIELA GRUBER (34) führt seit 2025 in dritter Generation mit ihrem Onkel die Silberquelle GmbH in Brixlegg. Sie hat Studien der Lebensmitteltechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien und der Wageningen University in den Niederlanden sowie Studienaufenthalte in den USA und der Schweiz (Management für KMU & Familienunternehmen, HSG St. Gallen) absolviert. Nach beruflichen Stationen im In- und Ausland, unter anderem in einem internationalen Getränkekonzern, kehrte sie 2020 ins Familienunternehmen zurück.
JEDES JAHR, IN DEM ZU WENIG GESCHIEHT, KOSTET
der Menschen wieder stärker an einem Strang zu ziehen. Tatsächlich, die Turbokapitalisten wird man unter Tirols Unternehmer*innen nicht finden. Hier geht es geerdet zu. Bodenhaftung ist angesagt und ein Gespür für soziale Verantwortung. Gleichzeitig verweist Fröschl auf den in den vergangenen Jahren gravierenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. „Die Entwicklung der Kollektivvertragslöhne ist extrem gewesen.“ Den Arbeitnehmer*innen bleibt im Hochsteuerland Österreich dennoch nicht viel mehr Netto vom Brutto, die Progression schlage gnadenlos zu. „Das ist für die Arbeitnehmer demotivierend“, sagt Fröschl. Ebenso wie die aktuelle Reduktion der steuerbegünstigten Überstunden und die Debatte um die Wiedereinführung der kalten Progression. Irene Wüster und Eduard Fröschl orten darin so etwas wie ein „Arbeitnehmer-Demotivationsprogramm“ quer durch alle Gehalts- und Lohnstufen. Für (exportorientierte) Industriebetriebe ist sozialer Zusammenhalt jedoch kein moralisches Goodie, sondern ein Standortfaktor.
WETTBEWERBSFÄHIGKEIT. STILLSTAND IST
TEUER . ES BRAUCHT
ENDLICH KLARE ZIELE. SIND SOLCHE ERST
GESETZT, SIND WIR TIROLER UND ÖSTERREICHER SEHR STARK
Eine Gesellschaft, in der soziale Spannungen zunehmen, ist ein Pulverfass. Fröschl, der auch stellvertretender Vorsitzender der Jungen Industrie Österreich ist, engagiert sich auf Bundesebene deshalb bewusst für eine zeitgemäße junge Sozialpartnerschaft. Diese zählt zu den großen Erfolgsgeschichten der Zweiten Republik und ist ein Modell, von dem sich auch die junge Industrie ausdrücklich nicht verabschieden will. Anhand einer Anekdote schildet Fröschl jedoch, dass bei den Vertreter*innen der Arbeitnehmerseite – etwa in der ÖGJ oder der Jungen AK – häufig noch ein karikaturhaftes Zerrbild eines Industriellen vorherrsche. Dieses will er zurechtrücken, um im Interesse des Wirtschaftsstandortes und damit letztlich
DARIN, SIE AUCH UMZUSETZEN.
DANIELA
GRUBER
RESIGNATION UND FEHLANREIZE
Die hohen steuerlichen Belastungen, unter denen Arbeitgeber*innen wie Arbeitnehmer*innen ächzen, sehen den jungen Industriellen auch indirekt mit der florierenden Teilzeitbeschäftigung verknüpft. Irgendwer, so geht die Rechnung, muss die öffentlichen Haushalte schließlich finanzieren. Und dabei kommen wenig überraschend die Vollzeit-Arbeitnehmer*innen überproportional zum Handkuss. „Alleinstehende Männer zwischen 30 und 35 arbeiten häufiger in Teilzeit als Familienväter“, illustriert Patrick Huter die Lage anhand eines konkreten Beispiels. Das dürfte nicht allein den Verlockungen der ausgewogenen „Work-Life-Balance“ geschuldet, sondern vor allem Symptom einer gewissen Resignation sein. Wer sich mit Arbeit kein Eigentum mehr schaffen kann, kann gleich die Freizeit genießen – und weniger arbeiten. Es geht dabei nicht um Moral oder gar um faule Arbeitnehmer*innen, sondern um systemische Fehlanreize, die nicht gerecht sind. Huters
MAN MUSS AUCH MIT
RISIKEN
LEBEN UND UMGEHEN KÖNNEN, SONST IST DAS UNTERNEHMERTUM REINER STRESS.
Kapferer GmbH musste vergangenes Jahr wegen des Ausfalls ihres Hauptkunden vorübergehend die Arbeitszeit reduzieren. „Schwieriger, als die Mitarbeiter*innen von der Voll- in die Teilzeit zu bekommen, ist es, sie wieder zurückzuholen“, weiß er. Das ist das Resultat einer verfehlten Lohnpolitik. Wer mehr arbeitet, dem sollte mehr im Börserl bleiben. Das wäre nur gerecht. „Weniger zu tun, wird in Österreich belohnt. Das muss sich endlich ändern“, sagt Huter.
Daniela Gruber bleibt dennoch eine Optimistin, deren Glas stets halbvoll ist, denn sie ist überzeugt: „Junge Menschen brauchen positive Zukunftsaussichten.“ Das sieht auch Irene Wüster so, die dafür plädiert, trotz schwieriger Rahmenbedingungen – Klimakrise, Zerfall der globalen Nachkriegsordnung usw. – positiv zu bleiben. Wer glaubt, er könne nichts bewegen, bleibt passiv. Dabei braucht es gerade das genaue Gegenteil: Eine junge Generation, die sich einbringt, engagiert, aktiv wird. „Natürlich gibt es Probleme. Die Menschheit hat aber die Voraussetzungen und Instrumente, diese beherrschen zu können“, sagt Wüster und appelliert: „Wenn wir uns die Freude am Gestalten nehmen lassen, haben wir schon verloren!“
SCHWIERIGER, ALS DIE MITARBEITER*INNEN VON DER
VOLL- IN DIE TEILZEIT ZU BEKOMMEN, IST ES, SIE WIEDER ZURÜCKZUHOLEN.
WENIGER ZU TUN, WIRD IN ÖSTER -
REICH BELOHNT . DAS MUSS SICH ENDLICH ÄNDERN.
PATRICK HUTER
Eduard Fröschl legt beim Blick in die Zukunft indes die Stirn in Falten. Ihn treibt die Frage der Generationengerechtigkeit um. „Die Hauptwählerklientel unserer drei größten Parteien ist jenseits der 60 Jahre“, sagt er. Damit besteht die reale Gefahr einer politischen Zukunftsvergessenheit. „Man weiß seit den 1970er-Jahren, dass sich die Geburtenrate nicht mehr mit den Versprechungen des Generationenvertrags vereinbaren lässt“, gibt Wüster zu bedenken. Das hat bei vielen jungen Menschen zur Resignation geführt, auch zur politischen Apathie, die sich im Fernbleiben von den Wahlurnen äußert. Wer bei politischen Entscheidungen nicht mit am Tisch sitzt, der steht auf der Speisekarte. Die jungen Industriellen sehen sich gewissermaßen auch als Anwälte ihrer Generation und mahnen Politik mit Weitblick ein, die Wohlstand sichert, Entwicklung ermöglicht, dabei aber nicht auf den sozialen Zusammenhalt vergisst. Resignation ist kein individuelles Charakterproblem, sondern das Ergebnis politischer Rahmenbedingungen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, zu zeigen, was hinter der Industrie steckt, wie die Zusammenarbeit von Menschen in den Betrieben funktioniert, um gemeinsam Wertschöpfung in Tirol zu erzeugen“, sagt Daniela Gruber, die gerne Schulklassen einlädt, damit sie sich ein Bild von ihrem Unternehmen machen können. Nicht zuletzt wünscht sie sich, dass auch in den Lehrplänen und Schulbüchern ein modernes Bild der Wirtschaft gezeichnet wird.
EIN LAND AM INDUSTRIELLEN WENDEPUNKT
Dass am Wirtschaftsstandort Österreich nicht alles eitel Wonne ist, braucht man nicht zu diskutieren. Es gibt einiges zu tun,
der Standort muss produktiver werden. In dieser Hinsicht geben sich auch die vier jungen Unternehmer*innen keinen Illusionen hin. Patentrezepte allerdings sind rar. Digitalisierung und Automatisierung gelten als Hoffnungsträger. Irene Wüster winkt ab: „Hätten unsere Vorgänger nicht bereits intensiv automatisiert, gäbe es hier heute nicht mehr viel zu besprechen. Die Automatisierung als Gegenmittel gegen zu hohe Lohnstückkosten zu sehen – das ist passé. Sie ist heute nicht mehr der große Hebel, den man gerne hätte.“ Daniela Gruber führt unter anderem die hohen Energiekosten ins Treffen, die dem Standort zu schaffen machen würden, und merkt an, dass in den Nachbarländern die Lohnstückkosten weit weniger stark gestiegen seien als in Österreich, weil man sich dort getraut habe, politisch in die Energiekosten einzugreifen. Sie bringt außerdem noch einen zweiten Evergreen aufs Tapet: Bürokratie. Seit Jahrzehnten heftet sich die Politik deren Abbau auf die Fahnen. Passiert ist nichts, ganz im Gegenteil. Die Bürokratie nimmt zu und hat ein Ausmaß erreicht, das es vielen Unternehmen schwer macht, vom Verwalten überhaupt noch ins Gestalten zu kommen. „Wir müssen uns immer mehr mit Tätigkeiten befassen, die keine Wertschöpfung erzeugen“, kritisiert Gruber. „Da müssen wir massiv gegensteuern. Sonst gehen wichtige Ressourcen für Innovationen, Entwicklung und Produktivitätsfortschritt verloren. Der Kampf gegen bürokratische Windmühlen demotiviert die jungen Menschen, die etwas bewegen wollen.“ Die Silberquelle-Geschäftsführerin betrachtet dementsprechend einen ernst gemeinten und nachhaltigen Bürokratieabbau als „echten Hebel“. Das sieht auch Eduard Fröschl so, der mehr als eine Anekdote auf Lager hat, um das muntere Wiehern des Amtsschimmels in Österreich zu illustrieren. Während in Österreich die Privatwirtschaft, die Wertschöpfung erzeugt und Steuern abführt, schrumpft, wird der Staat fetter. Und hat mehr Zeit und Personal, um mehr Bürokratie zu erzeugen. Sie ist möglicherweise sogar ein Stück weit zum Selbstzweck geworden. Bürokratie um der Bürokratie willen. Eine verwaltete Welt. „In der Industrie sind in den letzten Jahren 70.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, im öffentlichen Dienst sind 60.000 dazugekommen“, sagt Fröschl. Zudem konkurriere der Staat als Arbeitgeber mit der Industrie. Der Unternehmer wirft zudem einen kritischen Blick auf Österreichs verschlungene Förderlandschaft. „Es gibt niemanden, der mehr fördert als Österreich – aber wenig zielgerichtet“, und er findet: „Weniger Belastung, weniger Förderung.“ In der Verwaltung brauche es außerdem einen One-Stop-Shop statt des bisherigen langwierigen bürokratischen Hürdenlaufs. Der kostet viel Zeit und Geld und schwächt die Konkurrenzfähigkeit des Standorts. „Das ist auch eine Frage des Mindsets. Wir wollen alle gemeinsam
weiterkommen. Das ist im Interesse des Landes und seiner Menschen. Da kann man nicht von vornherein gegen jede wirtschaftliche Weiterentwicklung sein“, so Irene Wüster. Kollege Patrick Huter regt im Zuge dessen für Verordnungen und Gesetze ein Ablaufdatum an, eine Art Sunset Clause. Was sich bewährt hat, soll verlängert werden, alles andere automatisch ablaufen. Wenn das Verwalten mehr Zeit frisst als das Gestalten, verliert ein Standort seine Zukunft. Bei allen angesprochenen Standortnachteilen gibt es jedoch auch Vorteile. Tirol ist nach wie vor ein starker Bildungsstandort, der sehr gut qualifizierte Fachkräfte quer durchs ganze Spektrum hervorbringt. Patrick Huter bringt bei den Vorteilen ein bekanntes Motiv ins Spiel, das auch der Tourismus bewirtschaftet: Lebensqualität. Tirol hat viel davon, nicht nur, aber vor allem dank seiner intakten Natur. Tirol muss aber zugleich ein attraktiver Raum zum Wirtschaften bleiben, der Jobchancen und Perspektive bietet. „Bildung, Sicherheit, Gesundheitswesen, ... die Menschen wollen dort arbeiten, wo sie auch leben wollen“, zählt Gruber Standortvorteile auf. „Wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, hat Tirol sehr großes Potenzial.“ Dazu braucht es auch Netzwerke. Die Junge Industrie will sich bewusst öffnen, den Austausch suchen, diskutieren, auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Denn es mangelt der heutigen Gesellschaft auch daran, dass es keine gemeinsame Erzählung mehr gibt, keine gemeinsame Vision. „Es braucht positive Beispiele, und die wollen wir geben, im größeren und kleineren Kreis. Eine ehrliche und authenti-
sche Erzählung“, sagt Gruber. Es braucht gemeinsame Ziele, um das ganze Potenzial, das Tirol hat, heben zu können. Die jungen Industriellen sind bereit dafür. „Jedes Jahr, in dem zu wenig geschieht, kostet Wettbewerbsfähigkeit. Stillstand ist teuer. Es braucht endlich klare Ziele. Sind solche erst gesetzt, sind wir Tiroler und Österreicher sehr stark darin, sie auch umzusetzen“, schlägt Daniela Gruber optimistische Töne an. Auch Eduard Fröschl ist zweckoptimistisch und fordert von der Politik „endlich mutige Entscheidungen“. Er sagt: „Wir brauchen echte Entlastungen und müssen weg vom Etikettenschwindel.“ Dann ist es möglich, bleibende Werte zu schaffen. Ihm ist klar: „Die Schlagzahl der Probleme wird größer – aber sie bleiben lösbar. Gemeinsam kann die Generation ihre Zukunft gestalten, nicht nur erdulden.“
Bei allen vier Tiroler Unternehmer*innen, so viel ist klar geworden, handelt es sich um reflektierte junge Menschen, die Führung als Beziehungsarbeit begreifen und keinem rein monetär definierten Erfolgsbegriff anhängen. Ihre Werte sind nicht nostalgisch, sondern zeitlos funktionell. Sie tragen Verantwortung ohne Pathos, äußern Zweifel, ohne larmoyant zu werden. Sie verschließen auch ihre Augen nicht vor den gesellschaftlichen Herausforderungen und sind sich dessen bewusst, dass im Miteinander aller maßgeblichen gesellschaftlichen Kräfte mehr erreicht werden kann als einzeln. Diese Unternehmergeneration will sich nicht zurücklehnen und auf dem Lorbeer der Vorgängergeneration ausruhen. Sie will Verantwortung tragen und Zukunft gestalten. Man sollte ihr die Möglichkeiten dazu geben.
INDUSTRIESTANDORT TIROL
Zahlen, Daten Fakten.
INDUSTRIEBETRIEBE IN TIROL
DAVON 36 GROSSUNTERNEHMEN MIT MEHR ALS 250 BESCHÄFTIGTEN.
13,5 MRD. EURO
REGIONALE BRUTTOWERTSCHÖPFUNG (DIREKT, INDIREKT UND INDUZIERT)
35,2 % ANTEIL AN DER GESAMTWERTSCHÖPFUNG TIROLS
450 MIO. EURO
WERDEN IN FORSCHUNG & ENTWICKLUNG INVESTIERT.
7,6 MRD. EURO
WURDEN 2022 AN STEUERN UND ABGABEN BEZAHLT.
21 %
DER INDUSTRIEBETRIEBE SIND FÜR 2026 IN BEZUG AUF DIE WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG OPTIMISTISCH.
39.950 MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER
65.000 EURO
DURCHSCHNITTLICHES JAHRESBRUTTOEINKOMMEN
1.300 LEHRLINGE WERDEN
52 %
DER INDUSTRIEUNTERNEHMEN GEHEN IM AKTUELLEN TOP-TIROLKONJUNKTURBAROMETER VON EINER GLEICHBLEIBENDEN ANZAHL AN MITARBEITER*INNEN AUS. 17
BEREIT FÜR DIE WENDE
Die Tiroler Industrie startet mit überraschendem Optimismus in das Jahr 2026. Doch die Zuversicht ist keine Entwarnung, sondern eine Vorleistung. Denn die Antwort der Politik – die neue „Industriestrategie 2035“ – liefert zwar das richtige Zielbild, droht aber am Zeitplan der Realität zu scheitern.
Nach einer Phase der Stagnation sendet der Geschäftsklimaindex der Industriellenvereinigung (IV) Tirol zum Jahresauftakt ein kräftiges Lebenszeichen: Das Barometer klettert von 12,5 auf 29,5 Punkte. Doch IV-Tirol-Präsident Max Kloger warnt vor einem Trugschluss: „Wer glaubt, dass die starke Verbesserung der Stimmung bereits volle Auftragsbücher bedeutet, irrt.“ Eine Tiefenanalyse offenbart, dass Stimmung und Fakten auseinanderklaffen. Während sich die Stimmung merklich aufhellt, kämpfen die Betriebe real noch immer mit den Nachwehen der Rezession: Die Auftragsbestände stagnieren, die Ertragslage ist angespannt. Dass der Geschäftsklimaindex dennoch ausschlägt, ist für Kloger „kein Abbild der Gegenwart, sondern ein massiver Vertrauensvorschuss in die Zukunft“. Industrie wechselt mental vom Verteidigungs- in den Gestaltungsmodus und setzt voll auf die Karte 2026. Es ist eine Rallye der Erwartungen, noch keine der Fakten“, analysiert Kloger. „Wir gehen mit diesem Optimismus in Vorleistung. Wird dieser Vertrauensvorschuss nicht durch konkrete Maßnahmen und Reformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit flankiert, kippt die fragile Zuversicht schnell wieder.“
DAS SPÄTE EINGESTÄNDNIS
Passend zum Stimmungsumbruch zum Start des neuen Jahres präsentierte die Bundesregierung Mitte Jänner die „Industriestrategie 2035“. Für Max Kloger ist das Papier in erster Linie ein verspätetes Eingeständnis der Wirklichkeit. Die Diagnose der Bundesregierung deckt sich endlich mit dem, was die Betriebe täglich spüren: Wir sind zu teuer, unsere Bürokratie ist zu kompliziert und unsere Verfahren zu langsam. „Dass die Politik schwarz auf weiß anerkennt, dass wir uns mit den dritthöchsten Arbeitskosten der EU und einem massiven Energiepreisnachteil selbst aus dem Markt gepreist haben, ist ein wichtiger erster Schritt“, so Kloger. Das
Ziel, Österreich wieder unter die Top-10-Industrienationen zu führen, sei deshalb keine Eitelkeit, sondern Notwendigkeit: „Ohne die Wertschöpfung einer wettbewerbsfähigen Industrie fehlt schlicht das Steueraufkommen, das unseren Sozialstaat finanziert.“ Doch Kloger ortet eine gefährliche Lücke zwischen Diagnose und Therapie: „Die Analyse ist richtig, aber der Zeitplan ignoriert den Druck in den Betrieben. Viele Maßnahmen sollen erst 2027 greifen. Wir befinden uns aber 2026 in einem Jahr der Entscheidung.“
DER DOPPELTE ZANGENGRIFF
Warum dieser Zeitplan gefährlich ist, zeigt die Wettbewerbssituation. Die heimische Industrie befindet sich laut Kloger in einem doppelten Zangengriff. Einerseits droht die Abwanderung. „Wenn ein Tiroler Betrieb heute entscheidet, wo er baut, fällt der Blick oft nicht mehr auf das Inntal, sondern nach Tschechien oder in die Slowakei“, warnt der IV-Präsident. „Dort sind die Lohnkosten signifikant niedriger und die Verfahren oft schneller. Eine Strategie, die Entlastungen erst für 2027 verspricht, könne diesen Kapitalabfluss nicht stoppen. „Wir verlieren Wertschöpfung an die direkte Nachbarschaft“, so Kloger weiter. Andererseits steht der Druck aus Deutschland. Berlin schafft Fakten und mobilisiert 2026 rund 29,5 Milliarden Euro. Der Nachbar setzt auf einen Systemwechsel: Zentrale Kostenblöcke wie Ökostrom-Förderung und Netzentgelte werden direkt aus dem Budget beglichen. Österreich antwortet mit einem begrenzten 250-Millionen-Euro-Topf ab 2027. Kloger wird deutlich: „Deutschland ändert das System, wir verteilen Pflaster. Diese Asymmetrie bei den Energiekosten verzerrt den Wettbewerb massiv.“
DER UNGEDECKTE SCHECK
Ein massiver Nachteil sind zudem die Lohnnebenkosten. Die Strategie sieht zwar eine Senkung um 3,7 Prozentpunk-
„OHNE DIE WERTSCHÖPFUNG EINER WETTBEWERBSFÄHIGEN
INDUSTRIE FEHLT SCHLICHT DAS STEUERAUFKOMMEN, DAS UNSEREN SOZIALSTAAT FINANZIERT.“
IV-Tirol-Präsident Max Kloger
te vor, bleibt die Gegenfinanzierung aber schuldig. „Viele Maßnahmen stehen unter Budgetvorbehalt“, kritisiert Kloger die „Achillesferse“ des Papiers. „Es wird Entlastung versprochen, ohne Strukturreformen anzugehen. Solange wir uns den Luxus leisten, Verwaltung doppelt zu finanzieren, bleiben Steuersenkungen ein ungedeckter Scheck.“ Positiv bewertet der IV-Präsident hingegen das Bekenntnis zu Spitzentechnologie. Die Strategie sieht bis 2029 rund 2,6 Milliarden Euro für definierte Stärkefelder vor. Das spielt Tirol direkt in die Hände: Ob in der Quantenphysik, der Pharmaindustrie oder den Life-Sciences – hier verfügt der Standort über Exzellenz von Weltrang. Doch diese PS kommen nur auf die Straße, wenn der „Flaschenhals Bürokratie“ beseitigt wird. Kloger warnt: „Die Forderung nach schnelleren Genehmigungsverfahren steht zwar im Text, aber in der Praxis kämpfen Betriebe mit jahrelangen Verfahren. Wir brauchen einen Kulturwandel in den Amtsstuben –vom Verhindern zum Ermöglichen.“
DEN AUFBRUCH ERMÖGLICHEN
Das Jahr 2026 entscheidet also, ob aus dem statistischen Hoffnungsschimmer ein realer Aufschwung wird. Für Max Kloger ist die Marschrichtung klar: „Die Industriestrategie liefert den richtigen Kompass, aber den falschen Fahrplan. Wir können nicht bis 2027 warten.“ Sein Appell an die Politik ist unmissverständlich: „Die Industrie hat ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Wir haben unsere Betriebe und Mitarbeitenden sicher durch die Krise gebracht. Jetzt ist die Aufbruchsstimmung da. Damit daraus Wachstum wird, muss die Politik die Rahmenbedingungen – vor allem bei den Kosten – sofort verbessern. Das Prinzip Hoffnung reicht nicht mehr.“
REALITÄTSCHECK INDUSTRIESTRATEGIE 2035:
E NERGIE & KOSTEN
• Plan: Industriestrompreis ab 2027 (5 Cent/kWh für 50 Prozent Verbrauch, 250 Millionen Euro) sowie Verlängerung der Strompreiskompensation.
• Reality-Check: Richtung stimmt, Volumen nicht. Deutschland entlastet 2026 mit fast 30 Milliarden Euro durch Systemwechsel. Österreich muss den Start auf 2026 vorverlegen.
A RBEIT & LEISTUNG
• Plan: Senkung der Lohnnebenkosten um 3,7 Prozentpunkte, steuerfreie Zuschläge, Anreize für längeres Arbeiten.
• Reality-Check: Österreich hat die dritthöchsten Arbeitskosten der EU. Senkung ist überfällig, im Papier aber nur vage angekündigt.
I NVESTITION & INNOVATION
• Plan: Investitionsfreibetrag (Digitalisierung/Ökologisierung), 2,6 Milliarden Euro für Schlüsseltechnologien.
• Reality-Check: Tirol spielt hier Stärken aus. Doch PS kommen nur auf die Straße, wenn Genehmigungsverfahren radikal beschleunigt werden.
B ÜROKRATIE
• Plan: „One-Stop-Shop“, Bearbeitungsfristen, kein „Gold-Plating“.
• Reality-Check: Papier ist geduldig. Betriebe brauchen spürbaren Kulturwandel: vom Verwalten zum Ermöglichen.
KLARE HALTUNG
Ralph Schmid ist seit Anfang des Jahres neuer Geschäftsführer des Langkampfener Gartengeräteherstellers STIHL Tirol und bewegt sich in dieser Rolle zwischen Transformation, Technologie und Team. Ein Gespräch über Verantwortung, Vertrauen und den Mut, zu entscheiden.
INTERVIEW: MARINA BERNARDI
Mit 1. Jänner 2026 übernahm Ralph Schmid die Geschäftsführung von STIHL Tirol. Er folgt damit auf Richard Felix, der in seine Rolle als Technischer Leiter zurückkehrt, während Jan Grigor Schubert, dessen Agenden Felix interimistisch übernommen hatte, neue Aufgaben innerhalb der STIHL Gruppe übernimmt. Im Interview erklärt er, welches Führungsverständnis er mitbringt und wie er STIHL Tirol durch Zeiten des Wandels führen will.
ECO.NOVA: Welches Führungsverständnis bringen Sie zu STIHL Tirol mit? Wie unterscheiden sich – wenn überhaupt – Ihre Prioritäten in den berühmten ersten 100 Tagen von langfristigen Führungsprinzipien?
RALPH SCHMID: Ich bringe ein Führungsverständnis mit, das Leistung, Verlässlichkeit und Menschen konsequent verbindet. Führung bedeutet für mich: klare Orientierung zu geben, Verantwortung dort zu verankern, wo Kompetenz sitzt, und Ergebnisse konsequent einzufordern. In den ersten 100 Tagen liegt mein Fokus darauf, den Standort, seine Produkte, Technologien und die gewachsene Kultur in Tirol tief zu verstehen. Gleichzeitig geht es darum, Stabilität zu sichern, Vertrauen aufzubauen und Transparenz
über Ziele, Prioritäten und Entscheidungswege zu schaffen. Langfristig verstehe ich Führung als End-to-End-Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfung –von der Produktidee über Entwicklung und Industrialisierung bis zur Serienproduktion – mit dem Anspruch, den Standort kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu stärken. Dies alles wissend, dass wir uns in einem Transformationsprozess befinden, der auch für den STIHL-Standort Tirol Veränderungen bringen wird.
ZUR PERSON
Ralph Schmid wurde in Reutlingen, Deutschland geboren und hat einen Abschluss als Diplomingenieur Maschinenbau der Universität Karlsruhe. Während seiner Laufbahn hatte der 45-Jährige verschiedene Managementpositionen bei der TesatSpacecom GmbH & Co. KG inne. Zuletzt war er für das Tochterunternehmen des Airbus-Konzerns als Chief Procurement Officer und Chief Operations Officer Mitglied der Geschäftsleitung und trug interimsweise die Gesamtverantwortung als Chief Executive Officer. Mit 1. Jänner 2026 folgte er als neuer Geschäftsführer beim Gartengerätehersteller STIHL Tirol in Langkampfen auf Richard Felix, der diese Funktion kommissarisch von Jan Grigor Schubert übernommen hatte.
„Mein Ziel ist es, am Standort schnell und zuverlässig auf volatile Märkte und neue Anforderungen von Kundinnen und Kunden reagieren zu können.“
Wie definieren Sie persönlich Erfolg und woran würden Sie in fünf Jahren messen, ob Ihre Arbeit bei STIHL Tirol erfolgreich war? Wir stehen – wie viele andere Unternehmen im Industriebereich – in einem Transformationsprozess. Unsere Prozesse müssen an mehreren Stellen schneller, schlanker und effizienter werden. Gegebenheiten ändern sich, auch bei uns am Standort. STIHL Tirol ist – eingebunden im internationalen STIHL-Fertigungsverbund – einer von acht produzierenden Standorten der STIHL Gruppe. Auch abseits der geopolitischen Spannungen kommen Herausforderungen auf uns zu, die unseren Standort verändern und fordern werden. Wenn wir diesen Wandel als Chance sehen, den Transformationsprozess erfolgreich in die Wege leiten und gehen, waren auch wir erfolgreich. In fünf Jahren wäre meine Arbeit erfolgreich, wenn STIHL Tirol als klar positionierter Standort innerhalb der STIHL Gruppe besteht, schnell auf Marktveränderungen reagieren kann und Mitarbeitende den Standort weiterhin als attraktiven, verlässlichen und modernen Arbeitgeber erleben.
Wie kann man in einer Phase zunehmender Veränderungen in der Wirtschaft im Allgemeinen und der Industrie im Speziellen für Mitarbeiter*innen und Kund*innen Stabilität schaffen, ohne an Innovationskraft zu verlieren? Gerade in einer industriellen Umgebung wie bei STIHL Tirol entsteht Stabilität durch klare Strukturen, verlässliche Prozesse und nachvollziehbare Entscheidungen. Diese Stabilität ist die Voraussetzung für Innovation. Innovationskraft sichern wir, indem wir Freiräume für neue Technologien, Produkte und Fertigungskonzepte schaffen, damit wir schnell auf Marktveränderungen reagieren können, ohne operative Exzellenz zu gefährden. Ziel ist ein Umfeld, in dem unsere Kundinnen und Kunden Verlässlichkeit erleben und Mitarbeitende Sicherheit haben – und gleichzeitig kontinuierliche Weiterentwicklung möglich bleibt.
STIHL TIROL
Die STIHL Gruppe ist heute ein international tätiger Weltmarktund Technologieführer und entwickelt, fertigt und vertreibt akku-, elektro- und benzinbetriebene Geräte für die Forstund Landwirtschaft sowie für die Landschaftspflege, die Bauwirtschaft und private Gartenbesitzerinnen und -besitzer. Ergänzt wird das Sortiment durch digitale Lösungen und Serviceleistungen. Begonnen hat die Geschichte 1926 in einer Stuttgarter Werkstatt als Einmannbetrieb, das Unternehmen feiert heuer also sein 100-jähriges Bestehen. „Wer 100 Jahre alt wird, lebt nicht von Tradition allein. Ein Unternehmen bleibt nur dann über ein Jahrhundert erfolgreich, wenn es seine Wurzeln kennt und zugleich erkennt, wann ein neues Kapitel beginnt“, sagt Aufsichtsratsund Beiratsvorsitzender Nikolas Stihl. Er war von 1993 bis 2011 auch Geschäftsführer am Tiroler Produktions- und Entwicklungsstandort der STIHL Gruppe. STIHL Tirol mit Sitz in Langkampfen hat seinen Fokus auf Gartengeräten und wurde 1992 ein 100-Prozent-Tochterunternehmen von STIHL, damals noch unter dem Namen VIKING. STIHL Tirol fertigt akkubetriebene Produkte und ist außerdem Kompetenzzentrum für bodengeführte Gartengeräte, die in Langkampfen produziert und entwickelt werden. 2024 beschäftigte das Unternehmen 927 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. www.stihl-tirol.at
Welche strategische Rolle soll STIHL Tirol langfristig innerhalb der internationalen STIHL Gruppe einnehmen? Langfristig sehe ich STIHL Tirol als Technologie- und Kompetenzzentrum für – wir nennen sie – bodengeführte Gartengeräte, also beispielsweise Rasenmäher, Aufsitzmäher oder Gartenhäcksler, als industrielle Benchmark für Qualität, Effizienz und Time-to-Market sowie als aktiven Impulsgeber für bodengeführte Gartengeräte innerhalb der STIHL Gruppe.
Wie möchten Sie sicherstellen, dass Produktentwicklung und Produktion in Tirol flexibel genug bleiben, um auf volatile Marktbedingungen oder neue Kundenbedürfnisse schnell zu reagieren? Extrem wichtig sind kurze Entscheidungswege und der Mut, Entscheidungen zu treffen. Flexibilität entsteht zudem durch modulare Produkt- und Prozessarchitekturen. Auch eine weitere Erhöhung der Fertigungstiefe kann uns am Standort behilflich sein.
Welche kulturellen oder organisatorischen Voraussetzungen halten Sie für notwendig, damit STIHL Tirol auch in Zukunft attraktiv für Fachkräfte und junge Talente bleibt? Ich bin überzeugt, dass die Kombination aus Technologie, Innovation, regionaler Verwurzelung und internationaler Perspektive ein wesentlicher Beitrag ist, warum wir attraktiv als Arbeitgeber sind. Natürlich hat auch die starke, weltweit bekannte Marke STIHL einen besonderen Reiz. Viele schätzen auch die Vorzüge eines Familienunternehmens.
STIHL Tirol ist ein zentraler Arbeitgeber in der Region. Welche Rolle soll der Standort in Zukunft spielen – wirtschaftlich, sozial und ökologisch? STIHL Tirol soll auch künftig verantwortungsvoller Arbeitgeber und ökologisch zukunftsorientierter Industriestandort sein. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, wirtschaftlichen Erfolg, soziale Verantwortung und ökologische Wirkung langfristig in Einklang zu bringen.
Gekommen, um zu bleiben.
Das Thema Migration ist wohl eines der meistdiskutierten und zugleich missverständlichsten unserer Zeit. Kaum ein gesellschaftliches Feld ist so stark emotionalisiert, politisiert und vereinfacht worden. Das geht vielfach auf Kosten einer sachlichen Auseinandersetzung. Dabei lohnt es sich gerade aus wirtschaftlicher Perspektive, genauer hinzusehen. Denn jenseits von Schlagzeilen und Ressentiments ist Migration längst zu einem zentralen Faktor für Wohlstand, Wachstum und gesellschaftliche Stabilität geworden. Migration ist eine Chance für den Wirtschaftsstandort, vor allem aber ist sie Realität. Gekommen, um zu bleiben. Wie die vielen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Österreich und Tirol ihre (neue) Heimat gefunden haben.
TEXT: MARINA BERNARDI
sterreich – und mit ihm Tirol – ist längst ein Einwanderungsland. Nicht ideologisch, nicht aus moralischer Großzügigkeit, sondern aus ökonomischer Realität. Die demografische Entwicklung spricht eine klare Sprache: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Pension, nachrückende Kohorten sind deutlich kleiner. Bereits heute fehlen Arbeitskräfte in zahlreichen Branchen, von Industrie und Handwerk über Pflege und Tourismus bis hin zu technologiegetriebenen Bereichen. Ohne Zuwanderung würde sich diese Lücke weiter vergrößern, mit spürbaren Folgen für Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und letztlich den Sozialstaat.
In Tirol zeigt sich diese Realität besonders deutlich. Mehr als ein Viertel der Beschäftigten stammt aus dem Ausland, im Tourismus sind es fast zwei Drittel. Ganze Branchen würden ohne Arbeitsmigration schlicht nicht funktionieren. Diese Zahlen sind kein politisches Statement, sondern eine betriebswirtschaftliche Tatsache. Migration ist kein Randthema, sondern Teil der wirtschaftlichen Grundversorgung.
MIGRATION SCHAFFT
WERTSCHÖPFUNG
Dass Migration volkswirtschaftlich wirkt, ist belegt.
„Ein Prozentpunkt mehr Migration sorgt langfristig für eine um zwei Prozentpunkte höhere Wertschöpfung“, rechnet Stefan Garbislander, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik, Innovation und Nachhaltigkeit
VIELFÄLTIGES TIROL
Tirol ist international: Menschen mit 159 unterschiedlichen Staatszugehörigkeiten leben im Land – das entspricht rund 81,5 Prozent der 195 von den Vereinten Nationen anerkannten Staaten. Die Wege nach Tirol sind dabei ebenso vielfältig wie die Menschen selbst: Der eingewanderte Teil der Bevölkerung stammt aus insgesamt 176 verschiedenen Geburtsländern. Während im Jahr 2000 noch rund 60.000 Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Tirol lebten, sind es mittlerweile mehr als 145.000. Migration ist damit längst zu einem zentralen Faktor der demografischen Entwicklung geworden, denn ohne Zuwanderung würde die Tiroler Bevölkerung schrumpfen: Die Geburtenbilanz der österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ist seit 1991 tendenziell rückläufig und fiel im Jahr 2020 erstmals ins Negative.
Migration wirkt nicht automatisch positiv. Sie ist kein Selbstläufer und kein Garant für Wohlstand. Sie entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn sie gestaltet wird –politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
in der Wirtschaftskammer Tirol, vor. Das hat mehrere Gründe. Zuwandernde Menschen übernehmen Tätigkeiten, die andernfalls nicht oder nur schwer besetzt werden könnten, und ermöglichen es damit heimischen Arbeitskräften, ihr Beschäftigungsausmaß zu erhöhen oder überhaupt erst wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. „Man spricht dabei vom sogenannten Nanny-Effekt“, erklärt Garbislander. „Obwohl viele Zuwanderer formal nicht hochqualifiziert sind, steigt durch ihren Eintritt in den Arbeitsmarkt und den damit verbundenen Substitutionseffekt die Produktivität.“ Zugleich bringt Migration unternehmerische Dynamik. Menschen mit Migrationshintergrund gründen überdurchschnittlich häufig Unternehmen – teils aus Notwendigkeit, teils aus ausgeprägtem Unternehmergeist. Zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung hatten 7.800 Tiroler Unternehmer keinen österreichischen Pass. Das sind immerhin 21 Prozent der Einzelunternehmen. Diese Betriebe schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern, bilden Lehrlinge aus und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Die Vorstellung, Migration beschränke sich auf niedrig qualifizierte Tätigkeiten, hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand.
WIDERSPRÜCHLICHE REALITÄT
Migration wirkt allerdings nicht automatisch positiv. Sie ist kein Selbstläufer und kein Garant für Wohlstand. Sie entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn sie gestaltet wird – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Und so sehr die Wirtschaft auf Zuwanderung angewiesen ist, so schwer tut sich die Gesellschaft mit ihr. Österreich gilt vielen als verschlossen, bürokratisch und wenig einladend. Verfahren zur Integration in den Arbeitsmarkt sind komplex, die Anerkennung von Qualifikationen oft langwierig und die öffentliche Debatte häufig von Misstrauen geprägt. Migration wird dabei regelmäßig mit dem Asylwesen vermengt. Das mag ein politisch wirksames Narrativ
Österreich war nie so homogen, wie es rückblickend oft dargestellt wird. Vielfalt ist keine neue Erscheinung, sondern Teil der historischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Sie kann verunsichern, doch sie birgt auch Potenzial für Innovation, Resilienz und neue Perspektiven.
sein, ist sachlich jedoch problematisch, denn diese Gleichsetzung verhindert eine differenzierte Diskussion. Arbeitsmigration folgt anderen Logiken als Fluchtmigration, sie stellt andere Anforderungen an Steuerung, Integration und Infrastruktur. Beides unter einem Begriff zu verhandeln, führt zu Überforderung auf allen Seiten und letztlich zu politischen Blockaden.
Gleichzeitig wäre es naiv, Migration ausschließlich als Gewinn zu betrachten. Integration verursacht Kosten, erfordert Zeit und bringt Konflikte. Sprachbarrieren, unterschiedliche Bildungshintergründe, kulturelle Missverständnisse und soziale Spannungen sind reale Herausforderungen. Werden sie ignoriert oder verdrängt, fördert dies die Entstehung von Parallelgesellschaften. Samt all den negativen Folgen für Zusammenhalt und Vertrauen. Migration braucht klare Rahmenbedingungen, ein gemeinsames Wertefundament und funktionierende Institutionen in Bildung, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik.
Ein häufiges Missverständnis liegt außerdem in der Vorstellung, Integration sei allein die Aufgabe der Zugewanderten. Diese Sicht greift zu kurz. In einer Gesellschaft, in der bereits ein erheblicher Teil der Bevölkerung Migrationshintergrund hat, kann Integration nur als wechselseitiger Prozess funktionieren. Anpassung bedeutet nicht Assimilation, sondern das Aushandeln eines gemeinsamen Rahmens: rechtlich verbindlich, kulturell offen, wirtschaftlich sinnvoll. Für die so genannte Mehrheitsgesellschaft bedeutet das auch, gewohnte Selbstbilder zu hinterfragen. Österreich war nie so homogen, wie es rückblickend gerne dargestellt wird. Vielfalt ist keine neue Erscheinung, sondern Teil der historischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Sie kann verunsichern, doch sie birgt auch Potenzial für Innovation, Resilienz und neue Perspektiven.
Aus wirtschaftlicher Sicht führt kein Weg an Migration vorbei. Wer Wohlstand sichern will, muss Arbeitskräfte sichern. Wer Innovation will, braucht Vielfalt an Erfahrungen und Kompetenzen. Wer den Sozialstaat erhalten möchte, ist auf eine
stabile Erwerbsbevölkerung angewiesen. Migration ist damit kein moralisches Projekt, sondern Teil einer nüchternen Standortstrategie. Das bedeutet nicht, alles gutzuheißen oder Probleme kleinzureden. Es bedeutet, Migration als gestaltbare Realität ernst zu nehmen. Dazu gehört eine effizientere Steuerung der Arbeitsmigration, weniger Bürokratie, eine raschere Anerkennung von Qualifikationen und ein klares Signal an jene, die hier arbeiten, gründen und leben wollen. Ebenso gehört dazu eine ehrliche Integrationspolitik, die fordert und fördert, Chancen eröffnet und Verantwortung einfordert.
GESCHICHTEN SICHTBAR MACHEN
Zahlen und Statistiken zeigen die Dimension, Geschichten zeigen die Wirkung. Hinter jeder Kennzahl stehen Menschen, Biografien, Entscheidungen und Leistungen. Viele von ihnen tragen seit Jahren, oft Generationen, als Fachkräfte, Unternehmer*innen, Führungskräfte oder Lehrlinge zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes bei. Diesen Menschen Sichtbarkeit und Anerkennung zu geben, ist mehr als Symbolik. Es ist ein Beitrag zu einem realistischeren Bild von Migration und zu einem besseren gegenseitigen Verständnis. Migration ist kein abstraktes Phänomen, sondern gelebte Realität in Unternehmen, Büros, auf der Baustelle und im Gastraum. Im heurigen Jahr möchten wir Ihnen die unterschiedlichsten Menschen vorstellen, die stellvertretend für die Vielfalt in unserem Land stehen und mithelfen, Zukunft zu bauen. Wir erzählen von Menschen, die Chancen erkennen, die Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag leisten wollen. Von jenen, die wissen, dass Fortschritt nur gelingt, wenn wir ihn gemeinsam tragen.
Die Auseinandersetzung mit Migration muss weder romantisch noch angstgetrieben sein. Sie sollte pragmatisch, offen und lösungsorientiert geführt werden. Denn eines ist klar: Die Frage ist nicht, ob wir Migration wollen, sondern wie wir mit ihr umgehen. Für einen Wirtschaftsstandort, der zukunftsfähig bleiben will, ist diese Frage entscheidend.
775.970
PERSONEN LEBTEN MIT STICHTAG 1. JÄNNER 2024 IN TIROL.
18,7 %
DER GESAMTBEVÖLKERUNG SIND AUSLÄNDISCHE STAATSANGEHÖRIGE.
63 %
DER AUSLÄNDISCHEN STAATSANGEHÖRIGEN KOMMEN AUS EU-STAATEN.
20,8 %
DER TIROLER WOHNBEVÖLKERUNG WURDEN IM AUSLAND GEBOREN.
54,4 %
DER IM AUSLAND GEBORENEN PERSONEN KAMEN IN EINEM ANDEREN EUMITGLIEDSSTAAT ZUR WELT.
31,4 %
DER EINWOHNER*INNEN VON INNSBRUCK SIND AUSLÄNDISCHE STAATSBÜRGER*INNEN.
DEMOGRAFISCHES TIROL
Die Bevölkerungsentwicklung eines Landes ist der unsichtbare Faden, der unter anderem politische Entscheidungen mit der Realität verknüpft. Ob es um die Planung neuer Schulen, die Gestaltung von Gesundheitsangeboten oder die Förderung kultureller Projekte geht – fundierte demografische Erkenntnisse sind die Grundlage für nachhaltige und zukunftsweisende Maßnahmen. Sie ermöglichen es, nicht nur auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, sondern proaktiv die Weichen für ein lebenswertes Tirol von morgen zu stellen.
16.749
MENSCHEN SIND 2023 AUS DEM AUSLAND NACH TIROL ZUGEZOGEN.
11.849
MENSCHEN SIND 2023 VON TIROL INS AUSLAND WEGGEZOGEN.
913
EINBÜRGERUNGEN 2023
6.766
GEBURTEN IM JAHR 2023. DIE BELIEBTESTEN BABYNAMEN WAREN SOPHIA UND ELIAS.
5.607
DER NEUGEBORENEN (= 82,8 %) HABEN DIE ÖSTERREICHISCHE STAATSBÜRGERSCHAFT.
1.159
DER NEUGEBORENEN (= 17,2 %) HABEN EINE AUSLÄNDISCHE STAATSBÜRGERSCHAFT.
4.121
VERSCHIEDENGESCHLECHTLICHE EHESCHLIESSUNGEN IN TIROL 2023
Heimat als Ort und Prozess
Vom Kind aus der Gaswerkstraße zum Primar: Hüseyin Evren hat seinen Platz gefunden – zwischen Tirol und der Türkei, zwischen Tradition und Moderne. Evren erklärt, warum echte Integration nur gelingt, wenn Vielfalt als Stärke verstanden wird.
TEXT
& FOTOS: MARIAN
KRÖLL
üseyin Evren ist gebürtiger Pradler. Er wuchs mit acht Geschwistern und seinen Eltern in der Innsbrucker Gaswerkstraße auf, nur einen Steinwurf vom Rapoldipark entfernt. Schon in der Volksschule fiel seine Begabung auf. Die Lehrerin riet den Eltern, ihn auf eine höhere Schule zu schicken. „Niemand wusste genau, was ein Gymnasium ist“, sagt er. Dennoch wird auf den Rat der Lehrerin gehört, und ab 1983 besucht Evren das Reithmanngymnasium in der Reichenau. Dort fühlt er sich wie ein Fremdkörper. Zu dieser Zeit gibt es dort noch kaum türkischstämmige Schüler*innen. Weil er eine höhere Schule besucht, gilt er auch daheim in der Gaswerkstraße als Außenseiter. „Ich habe mich überall – sowohl im Hof als Gymnasiast als auch in der Schule als migrantisches Kind – fremd gefühlt“, erinnert er sich an seine Kindheit. In der Schule wird er gemobbt. „Ich musste mir immer wieder Sprüche anhören wie: ‚Du sprechen schon deutsch?‘ Der Direktor hat mich zudem als ‚Türke in Tirol‘ bezeichnet.“ Das hinterließ Spuren beim sensiblen Kind. Evren bricht die Schule ab und jobbt fortan bei McDonald’s.
Heute, viele Jahre später, ist der 1973 geborene Innsbrucker medizinischer Direktor und Primar im Krankenhaus Laas im Kärntner Gailtal. Schon bald wird er nach Hochzirl wechseln und dort denselben Posten bekleiden. „Eine Bilderbuchbiografie habe ich nicht vorzuweisen“, sagt Evren. Er ist der zweitjüngste Spross einer Gastarbeiterfamilie mit acht Kindern. Sechs Geschwister sind noch in der Türkei geboren, Hüseyin Evren und eine jüngere Schwester bereits in Tirol. „Ich bin wahrscheinlich eines der ersten Kinder, die in den 1970er-Jahren in einer Gastarbeiterfamilie geboren wurden. Anfangs kamen ja nur die Männer, die Familien blieben meist in der Türkei“, erzählt er. Sein Vater kam 1970 nach Tirol, 1972 folgte die Familie. In der Gaswerkstraße hätten damals fast ausschließlich Gastarbeiterfami-
„Die Türkei ist für meine Generation mittlerweile der Ursprung unserer Familien, aber nicht mehr Heimat.“
HÜSEYIN EVREN
„Ich habe mich überall – sowohl im Hof als Gymnasiast als auch in der Schule als migrantisches Kind – fremd gefühlt.“
HÜSEYIN EVREN
lien gelebt. „Jugoslawen, Türken, Italiener –es gab nur eine österreichische Familie. Das waren die Hausmeister“, erinnert er sich.
MCDONALD’S UND MATURA
Nach einigen Jahren bei McDonald’s heiratet Hüseyin Evren und gründet eine Familie. Zwischenzeitlich holt er in der Abendschule die Matura nach. „Ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagt er. 1994 beginnt er ein Studium der Humanmedizin an der Universität Innsbruck. Allerdings nicht, weil ihn die Medizin besonders fasziniert hätte. „In meiner Community kannte und schätzte man damals nur zwei Studienrichtungen: Medizin und Rechtswissenschaften.“ Ein Stipendium gab es nicht, also bestand der Alltag aus „Arbeit, Studium, Familie“ – wobei Letztere immer an erster Stelle stand. „Ich wollte als junger Mensch Kinder. Mein Vater war über 40, als ich geboren wurde. Deshalb hatte ich zu ihm nie eine Vater-Sohn-Beziehung, sondern eher eine wie zwischen Großvater und Enkel“, sagt er. Seinen eigenen Kindern wollte Evren ein junger, vitaler Vater sein. Die Mehrfachbelastung zog das Studium naturgemäß in die Länge. Mehrmals pausierte er, weil er Geld für seine junge Familie verdienen musste. „Ich war sogar mehrmals knapp dran aufzuhören“, meint er rückblickend. Das Gastgewerbe – und dazu gehört McDonald’s – wäre allerdings eine berufliche Sackgasse gewesen.
Seine Beharrlichkeit zahlte sich aus: Er beendete das Studium mit dem Doktortitel in der Tasche. Um das Medizinstudium neben Familie und Arbeit zu bewältigen, brauchte es Biss und Durchhaltevermögen. „Von mir selbst, aber noch mehr von meiner Frau, die sich um die Kinder gekümmert hat, während ich gearbeitet und studiert habe. Ohne ihre bedingungslose Unterstützung wäre das völlig undenkbar gewesen“, sagt er dankbar. „Meine Frau hat in dieser Zeit keine Wünsche geäußert und maximal zurückgesteckt. Während andere sich mehr leisten konnten, hat sie sich mit dem Notwendigsten begnügt.“
HEIMATEN
Als Evren 2011 seinen Turnus begann, war er einer der Älteren. Die Konkurrenz war groß, es gab eine Ärzteschwemme. Eine Karenzstelle in Hochzirl erwies sich als Glücksfall: Das Haus kannte er bereits, die befristete Anstellung wurde zur fixen Ausbildungsstelle. Evren wurde Internist, später Stationsleiter. Als sich das Team in Hochzirl neu formierte, zog es ihn nach Laas, in ein kleines Krankenhaus, das Hochzirl in vielem ähnelt. „Das war eine neue berufliche Herausforderung, verbunden mit Managementaufgaben. Das Haus musste ich zunächst einmal auf der Karte suchen“, sagt er. Evrens Familie blieb in Innsbruck, also pendelt der Primar wöchentlich über den Felbertauern hin und zurück. Mit sei-
ner Arbeit ist er sehr zufrieden: „Es ist ein toll geführtes Haus.“
Doch den Familienmenschen zieht es zurück in die Heimat. „Seit über einem Jahr bin ich Opa“, erzählt er. Wie es der Zufall will, wird an seiner früheren Wirkungsstätte in Hochzirl ein Primariat ausgeschrieben. Evren bewirbt sich und bekommt den Job. Mit März 2026 zieht er wieder nach Hause. „Hochzirl war immer meine berufliche Heimat. Ich bin dort gern gewesen, hätte mir aber auch vorstellen können, mit meiner Frau hier in Laas zu leben“, sagt er. Daheim ist es aber doch am schönsten. „Ich bin gebürtiger Innsbrucker, habe meine Kindheit dort verbracht, mein ganzes Umfeld ist dort. Es zieht mich stark zurück nach Tirol.“ Von seinen Eltern konnte man das indes nicht behaupten. „Meine Eltern sind nach ihrer Pensionierung zwar noch lange in Tirol geblieben, aber dann doch irgendwann zurück in die Türkei gezogen. Sie haben sich wahrscheinlich nie so ganz heimisch gefühlt, weil sie von vornherein nie mit dem Gedanken gespielt haben, dass auch hier Heimat sein könnte“, erzählt er. Als der Vater vor einigen Jahren hochbetagt verstarb, holte die Familie die Mutter zurück nach Tirol, um sie gut betreuen zu können. „Die Türkei ist für meine Generation mittlerweile der Ursprung unserer Familien, aber nicht mehr Heimat. Ein Ort, zu dem wir gerne reisen und wo wir gerne Zeit verbringen. Ich glaube aber kaum, dass sich jemand, der hier in Tirol aufgewachsen ist, dauerhaft dort wohl fühlt. Die Mentalität ist einfach eine andere“, sagt Evren. „Mit einem Bein ist man in unserer Generation noch dort, weil dort noch Menschen – Eltern, Großeltern oder Geschwister – leben, zu denen man einen direkten Bezug hat.“
ZWISCHEN DEN KULTUREN
Wer wie Hüseyin Evren zwischen zwei Kulturen lebt, kennt ihre Stärken und Spannungen aus erster Hand. „Die türkische Community hält zusammen“, sagt er. Das hat Vor- und Nachteile. „Die sogenannte Integration –was immer das auch heißen mag – leidet darunter.“
Viel Zeit ist vergangen, seit die ersten türkischen Gastarbeiter in den 1970ern nach Tirol gekommen sind. „Und trotzdem kennt man sich kaum“, meint er nachdenklich. „Ich bin vielleicht einer der wenigen, der beide Kulturen gleich gut kennt.“ Trotzdem würden ihn manche Menschen nicht als ausreichend integriert betrachten. „Ich lebe meine Kultur, mit der ich aufgewachsen bin.“ Evren ist gläubiger Muslim. Das große Miss-
verständnis, das der Integration zugrunde liegt, ist für ihn, dass damit in der Mehrheitsgesellschaft oft Assimilation gemeint ist. Schweinsbraten, Lederhose und Jodeln, könnte man überspitzt sagen. Eine völlige Angleichung ist jedoch weder wünschenswert noch realistisch. Kulturelle Eigenheiten machen eine Gesellschaft vielfältiger – und widerstandsfähiger. Diesen Prozess nennt man Akkulturation. „Man entwickelt gemeinsam eine eigene Kultur, die sich ergänzt und voneinander lernt“, formuliert Evren seine Idealvorstellung. Wenn man einander den nötigen Platz gibt, entwickelt sich die Gesellschaft von selbst weiter und findet zueinander. Ein offeneres gesellschaftliches Klima könnte die Entstehung von Parallelgesellschaften verhindern. „Das ist schade, man könnte so viel voneinander lernen“, sagt Evren, der sich schon allein von Berufs wegen in beiden Welten bewegt. Er ist skeptisch, ob sich die Gegensätze so einfach abbauen lassen. „Dazu müssten Wohlstand und Bildung gerechter verteilt sein.“
Gerade Bildung wird in Österreich stark vererbt. Die Herausforderungen seien mit der Flüchtlingswelle 2015 nicht kleiner geworden, meint der Primar. „Ich sehe mehrere Parallelgesellschaften entstehen.“ Das Zueinanderfinden werde dadurch zusätzlich erschwert. Evren erinnert an etwas, das die Mehrheitsgesellschaft oft negiert: „Der religiöse Hintergrund ist immer ganz wichtig.“ Wer miteinander etwas unternehmen wolle, müsse sich auf kulturelle und religiöse
DAS GROSSE MISSVERSTÄNDNIS, DAS DER
INTEGRATION ZUGRUNDE LIEGT, IST, DASS DAMIT IN DER MEHRHEITSGESELLSCHAFT OFT ASSIMILATION GEMEINT IST. EINE VÖLLIGE ANGLEICHUNG IST JEDOCH WEDER WÜNSCHENSWERT NOCH REALISTISCH. KULTURELLE EIGENHEITEN MACHEN EINE GESELLSCHAFT VIELFÄLTIGER –UND WIDERSTANDSFÄHIGER.
Einschränkungen einlassen. „Deshalb gehen Türken auch selten zu Nicht-Türken essen – weil die Auswahl für uns gering ist, weil es etwa kein Speisenangebot gibt, das halal ist.“ Als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt oft nur ein vegetarisches Restaurant, das keinen Alkohol ausschenkt. Da wird die Auswahl schon eng. Gerade gemeinsames Essen könnte jedoch verbindend wirken, sofern man sich im Rahmen des kulturell und religiös Vertretbaren aufeinander einlässt. Evren weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das sein kann. „Familie, Ehre, Respekt“, zählt er die wichtigsten Eckpunkte im türkischen Wertekosmos auf. Dementsprechend würden Beleidigungen zu „massiver Konflikteskalation“ führen. „Deshalb lassen sich Türken sehr schnell provozieren, wenn es um die Familie oder die Religion
geht“, räumt er ein. Der Mehrheitsgesellschaft fehle dafür oft die Sensibilität. Hier könnte die Goldene Regel Abhilfe schaffen: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Evren plädiert dafür, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Er geht davon aus, dass es noch einige Generationen dauern wird, bis sich eine tiefere Akkulturation vollzieht und Gegensätze abflauen. „Dann wird sich eine gemeinsame Kultur herausentwickeln – wie immer sie auch aussehen mag“, sagt er.
Hüseyin Evren hat sich seit seiner Kindheit in der Gaswerkstraße viele Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, fremd und heimisch zu sein. Früher fühlte er sich fremd. Heute setzt er sich dafür ein, dass alle Menschen, die hier in Tirol leben, auch hier Heimat finden können.
„OHNE BREITE SKIBEGEISTERUNG VERLIERT TIROL MEHR ALS NUR MEDAILLEN“
Karl Janovsky ist Präsident des Tiroler Skiverbandes und spricht im Interview über den Stellenwert des Skisports, Ehrenamt als Rückgrat und warum Tirols Identität am Schnee hängt.
INTERVIEW: MARINA BERNARDI
Skisport ist für Tirol weit mehr als Freizeitvergnügen oder Spitzensport. Er ist Identität, Wirtschaftsfaktor und gesellschaftlicher Kitt. Doch Klimawandel, steigende Preise und veränderte Lebensrealitäten stellen das System zunehmend unter Druck. Wir haben mit Karl Janovsky über strukturelle Veränderungen, mediale Wahrnehmung, Nachhaltigkeit und Nachwuchsarbeit gesprochen und die Frage, warum Skifahren auch in Zukunft für möglichst viele Tiroler*innen leistbar bleiben muss.
ECO.NOVA: Beginnen wir ganz grundsätzlich: Was ist der Kernauftrag des Tiroler Skiverbands? KARL
JANOVSKY: Der Tiroler Skiverband ist der Fachverband für alle Skivereine im Land. So wie jeder Fußballverein im Fußballverband organisiert ist, sind bei uns alle Skivereine vereint. Wer unsere Aufnahmekriterien erfüllt, ist Mitglied beim TSV und automatisch auch beim Österreichischen Skiverband (ÖSV). Unser Kernauftrag ist es, Interessenvertretung für den Skisport und alle Skisporttreibenden zu sein. Wir organisieren
„Skifahren ist in Tirol identitätsstiftend. Nicht nur als Sportart, sondern als kulturelles Selbstverständnis.“
dabei den gesamten Überbau: von der Ausbildung der Trainer*innen und Kampfrichter*innen, Rennorganisation, wir kümmern uns um Versicherungsfragen bis hin zur Durchführung aller Tiroler Skirennen gemeinsam mit den jeweiligen Verbänden vor Ort.
Der Skisport hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Wo sehen Sie die größten strukturellen Umbrüche? Sehr klar in der Ausrichtung. Früher – und das gilt sowohl für den TSV als auch den ÖSV – lag der Fokus extrem stark auf dem Rennsport. Dieser hat Aufmerksamkeit, Anerkennung und mediale
„Die Klimakrise trifft den Skisport enorm, wahrscheinlich stärker als viele andere Bereiche.“
Präsenz gebracht. Das hat sich verändert. Heute wissen wir: Wir brauchen eine breite, skisportaffine Bevölkerung. Wenn Kinder nicht mehr selbst Ski fahren, schauen sie sich später auch keine Rennen mehr an. Wenn niemand zuschaut, kommen keine Kameras. Wenn keine Kameras kommen, gibt es keine Werbewerte. Und dann fehlt irgendwann das Geld, auch ganz oben. Strukturell hat sich auch die Arbeitsteilung mit dem ÖSV verändert. Der ÖSV konzentriert sich zunehmend auf die älteren Jahrgänge, auf den FIS-Bereich. Wir als Landesverband haben dadurch mehr Kapazitäten für die vier Schülerjahrgänge S13 bis S16 sowie für die letzten Kinderjahre. Genau dort entscheidet sich, ob jemand dem Skisport langfristig erhalten bleibt. Wenn der Nachwuchs fehlt und die mediale Aufmerksamkeit nachlässt, kriegen wir im Skisport ein Problem.
Wie eng ist Tirol heute tatsächlich noch mit dem Skisport verbunden? Ich be-
haupte: Skifahren ist in Tirol identitätsstiftend. Nicht nur als Sportart, sondern als kulturelles Selbstverständnis. Egal, wo du auf der Welt bist, wenn jemand „Tirol“ hört, denkt er an Berge, Skifahren, Wintersport. Wenn aber Gäste aus aller Welt unsere Berge und Skipisten besser kennen als wir selbst, dann verlieren wir etwas Wesentliches. Und das bekommen wir nicht nur emotional zu spüren, sondern auch als Tourismus- und Wirtschaftsstandort.
Trotzdem wird der Stellenwert des Skisports zunehmend infrage gestellt. Zu Recht? Es ist ambivalent. Außerhalb Tirols gilt unser Land nach wie vor als DAS Skiland schlechthin. Beste Rennen, beste Trainingsstrecken, große Vereine. Der Kitzbühler Skiclub KSC ist mit über 10.000 Mitgliedern der größte Sportverein Österreichs. In der Skicommunity und innerhalb dieser Skisportblase sind wir top. Im Land selbst schaut es differenzierter aus. Vom „offiziellen“ Tirol, der Politik, Wirtschaft
und den regionalen Medien, wird der Sport als extrem wichtig bezeichnet. Wenn man aber tiefer nachfragt, merkt man oft: Da ist viel Lippenbekenntnis dabei. Es fehlt manchmal an echter Durchdringung und langfristigem Denken.
Ist Skifahren in Tirol trotz steigender Preise noch ein Breitensport? Ja, eindeutig. Und zwar breiter, als viele glauben. Skisport ist ja nicht nur alpines Skifahren. Auch Langlauf, Skibergsteigen oder Tourengehen gehört dazu. Die Skifamilie ist vielfältig. Es geht also nicht nur um eine kleine Elite an Rennsportbegeisterten. Natürlich fahren nicht mehr 90 Prozent der Tiroler Ski, aber im Vergleich zu anderen Regionen ist Skisport nach wie vor tief verankert. Die Herausforderung ist, diesen Zugang gerade für Kinder und Familien offen zu halten.
Früher waren Skikurse und Schulskitage selbstverständlich. Heute sind sie die Ausnahme. Was ist passiert? Das ist ein ganzes Bündel an Faktoren. Ein Punkt ist die Migration, die uns im Skisport überhaupt nicht hilft. Fußball wäre ohne Migration nicht möglich, auch Kampfsportarten wie Taekwondo oder Karate wären ohne Menschen mit Migrationshintergrund hierzulande kaum wahrnehmbar. Im Skisport ist das anders. In unseren Trainingsgruppen gibt es zum Beispiel praktisch keine Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Wenn in einer Schule also 20 oder 30 Prozent der Kinder nicht Ski fahren können und keine Ausrüstung haben, wird schon ein Skitag und eine Skiwoche noch viel mehr organisatorisch extrem schwierig. Dazu kommen Haftungsfragen. Lehrer*innen trauen sich oft nicht mehr, Skilager zu begleiten. Externe Betreuung kostet Geld und viele Schulen haben dafür schlicht kein Budget. Dann lässt man es eben bleiben.
Viele Kinder können heute generell nicht mehr Ski fahren. Warum? Das ist eine Frage des gesellschaftlichen Wandels und der Infrastruktur, im Zuge derer die Klimakrise den Skisport extrem trifft, wahrscheinlich stärker als viele andere Bereiche. Schneeärmere Winter sind längst Realität. Ohne leistungsfähige Beschneiung ist Skifahren heute in vielen Regionen kaum mehr möglich. Die Folge ist, dass vor allem kleine Skilifte verschwinden. Früher bist du einfach Ski fahren gegangen. Ich bin im Innsbrucker Saggen aufgewach-
TIROLER SKIVERBAND
Der Tiroler Skiverband (TSV) ist die Dachorganisation von rund 240 Skivereinen und damit der größte der neun Landesskiverbände Österreichs. Er ist Mitglied des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) und betreut Breiten- wie Leistungssport. Rund 30 Prozent der ÖSV-Mitglieder kommen aus Tirol.
Der TSV wird überwiegend von ehrenamtlichen Funktionär*innen getragen. Bezahlte Stellen gibt es vor allem im Trainer- und Verwaltungsbereich. Finanziert wird der TSV über Mitgliedsbeiträge, Sportförderung des Landes, Sponsoren und Zahlungen des ÖSV für Veranstaltungsleistungen. Sponsoring wird allerdings zunehmend schwieriger. www.tirolerskiverband.at
sen. Wir sind von der Schillerstraße zur Hungerburgbahn, rauf auf die Hungerburg und weiter auf die Seegrube. Wir waren Rodeln, sind zu Fuß unterwegs gewesen, haben alles Mögliche angestellt. Dafür hat es kein Auto gebraucht. In vielen Dörfern gab es Dorflifte, die man mit den Skiern auf der Schulter direkt von zu Hause oder von der Schule erreicht hat. Wenn diese Lifte wegfallen, ändert sich alles. Kinder können nicht mehr einfach losziehen, sie brauchen ein Elterntaxi. Und zwar nicht nur einmal im Winter, sondern regelmäßig, gerade dann, wenn sie ambitionierter Ski fahren oder Rennsport betreiben und zwei- bis dreimal pro Woche trainieren wollen. Gleichzeitig haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen massiv verändert: Die klassische Rollenverteilung gibt es nicht mehr, meist arbeiten beide Elternteile. Großeltern, die Zeit haben und sich regelmäßig um die Hobbys der Enkel kümmern, sind ebenfalls seltener geworden. All das macht den Zugang zum Skisport komplizierter.
Kann man also sagen, die Probleme des Skisports sind ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Natur? Absolut. Das ist ein Zusammenspiel. Solange Schnee vom Himmel fällt, ist alles einfach. Doch wir brauchen immer mehr Beschneiung und Schneemachen ist teuer. Energie, die immer rigorosere Sicherung der Pisten, Infrastruktur – all das kostet. Gleichzeitig erwarten Gäste Topangebote und günstige Kartenpreise. Das passt irgendwann nicht mehr zusammen.
Stichwort Nachhaltigkeit: Wie kann der Skisport glaubwürdig nachhaltiger werden? Der Skisport ist schon jetzt nachhaltiger als oft dargestellt. Rund 90 Prozent der Energie für die Beschneiung stammen aus erneuerbaren Quellen. Der gesamte Wintersport in Österreich macht weniger als drei Prozent des Stromverbrauchs aus. Das ist sachlich betrachtet kein großes Thema, emotional und in der öffentlichen Wahrnehmung
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aber sehr wohl. Das tatsächliche Problem ist viel eher der Individualverkehr. Wenn wir wirklich über Nachhaltigkeit reden wollen, müssen wir über öffentliche Anreise, Zubringer und leistbaren öffentlichen Verkehr sprechen. Dort liegt der größere Hebel.
Ist die Debatte rund um Nachhaltigkeit im Skisport also eher emotional als faktenbasiert? Ja, schon. Skifahren hat einen schlechten ökologischen Ruf, der so nicht gerechtfertigt ist. Vielmehr geht es um Emotion und Leidenschaft, dabei profitiert Tirol stark davon. Ein Beispiel dafür sind die Speicherseen. Die werden in der Diskussion oft sehr negativ gesehen, dabei sind sie aus meiner Sicht ein echter Gewinn. Diese Seen sichern nicht nur die Beschneiung, sondern sind längst multifunktionale Räume geworden: Naherholungsgebiete, Ausgangspunkte für Wanderungen, Treffpunkte für Familien. Davon profitieren wir enorm, vor allem auch im Sommer. Der Skisport ist längst kein reines Winterthema mehr. Lifte, Infrastruktur und eben auch Speicherseen machen es möglich, dass Menschen im Sommer auf den Berg fahren, einkehren, den Blick ins Tal genießen und sagen: Da komme ich wieder her. Das stärkt den Sommertourismus und damit den Standort Tirol insgesamt. Man muss aber auch ehrlich sein: Nachhaltigkeit ist nicht kostenlos. Glaubwürdig nachhaltiger Skisport ist möglich, wird aber nie mehr billig sein können. Die Grenzen des Machbaren liegen dort, wo man hohe Qualität, ökologische Verantwortung und leistbare Preise gleichzeitig erwartet. Das geht sich auf Dauer nicht aus.
Im Spitzensport wird Nachhaltigkeit ebenfalls diskutiert – etwa bei Übersee-Trainings. Wie sehen Sie das? Wir sind klar dagegen, unnötig zu fliegen, aber es ist ein Dilemma. Wenn hierzulande die Gletscher zurückgehen und Sommertrainings dort nicht mehr möglich sind, müssen wir auf andere Regionen ausweichen. Wenn andere Nationen in Übersee trainieren und wir nicht, fehlen uns im Vergleich Schneetage. Wenn du dann im ersten Rennen zurückliegst, ist der Aufschrei wieder groß und es interessiert sich niemand dafür, dass du aus ökologischen Gründen auf Trainingsmöglichkeiten verzichtet hast. Das ist die bittere Realität.
Auch der Österreichische Skiverband hat seinen Sitz in Innsbruck. Verschwindet
„Wenn wir wirklich über Nachhaltigkeit reden wollen, müssen wir über öffentliche Anreise, Zubringer und leistbaren öffentlichen Verkehr sprechen. Dort liegt der größere Hebel.“
damit der regionale Landesverband ein Stück weit unter dem Radar? Der Tiroler Skiverband hat in der öffentlichen Wahrnehmung in der Tat ein sehr spezifisches Problem und das gibt es so eigentlich nur in Tirol. Skifahren ist hier extrem stark mit dem Österreichischen Skiverband verwoben. Für viele gilt: ÖSV ist gleich Skisport und damit automatisch auch gleich Tirol. Das zeigt sich auch ganz konkret. Die Tirol Werbung ist der einzige Landeswerbeträger in Österreich, der den eigenen Landes-Skiverband nicht sponsert. Wir bekommen von dort nichts, schlicht deshalb, weil es einen millionenschweren Vertrag mit dem ÖSV gibt. Der ÖSV deckt auch medial und kommunikativ enorm viel ab. Wenn man sich die Tageszeitung anschaut, die ja durchaus widerspiegelt, was die Menschen im Land interessiert, wird sehr breit über Skisport berichtet – über Weltcup, Großereignisse wie WM und olympische Spiele, aber auch über große Namen von nationalen und internationalen Stars. Was aber auf regionaler Ebene passiert, was der Tiroler Skiverband leistet, bleibt vielfach unter der Wahrneh-
mungsgrenze. Dabei kommen viele der heutigen Weltklasseathlet*innen direkt aus unserem System. Ein Joshua Sturm und eine Lisa Hörhager ebenso wie eine Natalie Falch oder unsere Weltmeister*innen Stephie Venier und Raphael Haaser – sie alle sind von uns ausgebildet worden, haben bei Schülerrennen Tiroler und österreichische Meistertitel geholt. Damals hat kaum jemand über sie berichtet, heute fahren sie im Weltcup und sind Weltmeister, stehen kurz vor Olympia und sind ein Beweis dafür, wie gut die Nachwuchsarbeit in Tirol funktioniert. In anderen Sportarten ist das anders, dort ist die Berichterstattung viel regionaler. Vielleicht ist das auch eine Chance. Der Tiroler Skiverband arbeitet seit jeher sehr nah an den Vereinen und am Nachwuchs. Wir produzieren eben keine Schlagzeilen, sondern Strukturen. Und am Ende des Tages sind es genau diese Strukturen – die vielen Ehrenamtlichen, die Trainer*innen, die Vereine vor Ort –, auf denen der Skisport in Tirol aufbaut. Wenn man das mitdenkt, dann muss man sich um die Zukunft des Skisports in Tirol nicht fürchten.
LOUDER THAN EVER
Feel the Beat of the Alps: Am 20. und 21. März 2026 geht das Alpicon House Music Festival in die vierte Runde und verwandelt das Skigebiet Hochzillertal –Kaltenbach und Fügen erneut zum absoluten Festivalhotspot der Alpen.
Internationale DJs und Liveacts, neun Locations und eine beeindruckende Bergkulisse sorgen beim Alpicon House Music Festival Vol. 4 wieder für zwei Tage voller Beats, Pisten und bester Vibes. Und on Top: free Entry! Das Erfolgsrezept bleibt einzigartig: Tagsüber treffen perfekt präparierte Pisten auf feinste elektronische Sounds, abends wechseln Ski und Snowboard gegen Dancefloor und Clubbing im Tal. Gespielt wird House, Discohouse, Deephouse, Clubhouse und Techhouse von mehr als 30 TopDJs & -Liveacts.
COOLE ACTS, COOLE LOCATIONS Neben den bewährten Locations – Kristallhütte, Albergo, Mountain View, PlatzlAlm, Wedelhütte, Postalm, Bawa und sChic – feiert mit dem KABOOOM in Kaltenbach
eine neue Venue Premiere. Jede Location bringt ihren eigenen Charakter mit – und macht jeden Auftritt zum Erlebnis. Der Festivaleintritt ist völlig kostenlos. Für
die Nutzung der Bergbahnen tagsüber ist lediglich ein Skipass erforderlich. Alle Infos zum Festival und Line-up unter www.alpicon.at
07.03.2026
OLYMPIAHALLE
Der “Freestyle Firestorm” zieht auf – denn die spektakulärste Freestyle Show Masters of Dirt kehrt zurück! Die weltbesten Freestyle Athleten bieten Actionsport-Family-Entertainment vom Feinsten und verwandeln die Olympiahalle in eine Welt des Unfassbaren! Das Publikum erwartet eine mitreißende Show mit spektakulären Tricks.
04.04.2026 HANS ZIMMER
OLYMPIAHALLE
Mit der Konzertreihe „The World of Hans Zimmer“ hat der mehrfache Academy Award® - und Grammy-Gewinner Hans Zimmer Live-Erlebnisse geschaffen, die Fans weltweit auf individuelle und beeindruckende Weise durch seine Filmmusik führen. Fans haben im Frühjahr 2026 die einmalige Gelegenheit, in diese facettenreiche und magische Welt einzutauchen.
11.04.2026 PENTATONIX TOUR 2026
OLYMPIAHALLE
Die mit drei Grammys ausgezeichnete Gesangsgruppe wird durch Städte in Großbritannien und Europa touren und ihre üppigen Harmonien, umwerfenden A-cappella-Arrangements und unvergessliche Bühnenpräsenz präsentieren. Die Tour bringt ihre preisgekrönten A-cappella-Harmonien erstmals seit 2023 wieder live auf den Kontinent.
FORSCHUNG & INNOVATION
DIE QUANTEN - ERKLÄRERIN
Nicht dass es schon zu Genüge publiziert worden wäre (völlig zu Recht!), dennoch möchten auch wir uns den Glückwünschen an Quantenphysikerin Francesca Ferlaino anschließen, die vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist*innen zur Wissenschaftlerin des Jahres gekürt wurde. Die gebürtige Italienerin forscht seit 2006 am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und ist seit 2014 wissenschaftliche Direktorin am Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), in der sie auch Mitglied ist. Ferlaino ist es im Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft – zu dem 2025 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, um das 100-jährige Jubiläum der Formulierung der Quantenmechanik zu feiern und die Bedeutung der Quantenphysik für Wissenschaft und Technologie zu würdigen – gelungen, ihr Forschungsgebiet einem breiten Publikum näherzubringen. Und das mit Erfolg. Eine Leistung, die ob der Komplexität der Materie nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. 2025 hielt die Wissenschaftlerin öffentliche Vorträge, nahm an niederschwelligen Veranstaltungen wie „Willkommen Quantenwelt“ im Wiener Rathaus mit Hunderten Besucher*innen teil und suchte aktiv den Austausch mit Schüler*innen, etwa im Rahmen des Schulprogramms „Quantastisch! Was geht in der Quantenwelt?“. Nicht zuletzt, um auch bei einem jüngeren Publikum Interesse an dem so faszinierenden und zukunftsträchtigen Feld der Quantenforschung zu wecken. Darüber hinaus ist Ferlaino in zahlreichen Forschungsnetzwerken aktiv und gründete 2024 die Plattform Atom*innen als internationales Netzwerk für Frauen in den Quantenwissenschaften. Ziel ist es, einen zentralen Raum zu schaffen, in dem Genderthemen in der Physik diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht, Rat eingeholt und Forschung vorangetrieben werden.
SO ÖKO IST TIROL
Mitte Dezember wurden
15 Tiroler
Unternehmen
im Rahmen einer Gala gefeiert, die 2025 nach dem ÖKOPROFIT-Standard erstzertifiziert wurden. Das Ökologische Projekt für integrierte Umwelttechnik / ÖKOPROFIT unterstützt Tiroler Unternehmen dabei, Umwelt- und Klimaschutz systematisch in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Ziel ist es, ökologische Verbesserungen mit wirtschaftlichem Nutzen zu verbinden und so die regionale Wertschöpfung sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Tirol nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen jene Unternehmen, die sich in diesem Jahr intensiv mit der Optimierung ihrer betrieblichen Abläufe auseinandergesetzt haben – von Energieeffizienz über Ressourcenschonung bis hin zu nachhaltigen Organisationsstrukturen.
Folgende Tiroler Betriebe wurden 2025 ÖKOPROFITerstzertifiziert: Alois Mayr Bauwaren GmbH • ASW –Asphaltmischanlage Innsbruck GmbH & Co KG • Axamer Lizum GmbH & Co KG • B-Transport GmbH • Bauwaren Canal GmbH & Co. KG • Holzhof Tinzl Nfg GmbH • Katzenberger GmbH • Leonhard Lang GmbH • Lichthaus Haid Gesellschaft m.b.H. • P&R Verwaltungs GmbH • Realbau GmbH • ROWA-Moser Handels-GmbH • Stahlbau Fritz GmbH • Transport Logistica GmbH • Wirtschaftskammer Tirol
ORIENTIERUNG MIT WEITBLICK
Mit der neuen Loischkopfbahn in Bürsenberg macht das Brandnertal einen weiteren Schritt in Richtung Ganzjahresdestination. Passend dazu wurde die Gästeinformation an Tal-, Mittel- und Bergstation neu gedacht. Moderne Panoramainfoanlagen und digitale Screens sorgen für klare Orientierung, aktuelle Betriebsinfos und mehr Sicherheit. Pisten- und Liftstatus sowie Hinweise werden in Echtzeit ausgespielt und flexibel ergänzt. So entsteht ein zeitgemäßes Informations- und Leitsystem, das Gästen den Aufenthalt erleichtert und gleichzeitig den Betrieb effizient unterstützt. Planung und Umsetzung dazu stammen von sitour und feratel.
Gleichstellung wirkt!
Gleichstellung im Unternehmen ist längst mehr als ein gesellschaftliches Bekenntnis – sie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Innovation, Motivation und nachhaltige Entwicklung. Wer Vielfalt fördert, schafft bessere Rahmenbedingungen für Talente, bricht eingefahrene Strukturen auf und bleibt langfristig wettbewerbsfähig. Wie das gelingen kann, zeigt die synedra information technologies GmbH mit Sitz in Innsbruck. Für das Unternehmen mit Fokus auf innovativen IT-Lösungen für den Gesundheitsbereich ist Gleichstellung kein Randthema, sondern Teil der strategischen Weiterentwicklung. Mit flexiblen Arbeitsmodellen, einem konsequenten New-Work-Ansatz und der bewussten Auseinandersetzung mit Rollenbildern schafft synedra Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe. Ein wichtiger Schritt dafür war die erneute Teilnahme am Förderprogramm „100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus“. Der externe Blick half dabei, bestehende HR-Maßnahmen zu strukturieren und weiterzuentwickeln. Ergebnis ist ein transparentes Fachkarrieremodell, das allen Mitarbeiter*innen – unabhängig von Geschlecht, Arbeitszeit oder Funktion – klare Entwicklungsperspektiven bietet. So wird Gleichstellung konkret gelebt und zur Grundlage für eine moderne, faire und zukunftsfähige Arbeitswelt.
INFO: „100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus“ begleitet österreichische Unternehmen und deren Beschäftigte entlang der Themen Einkommen und Karriere auf ihrem Weg zu mehr Geschlechtergleichstellung. Das Beratungsangebot ist für Unternehmen kostenfrei und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) finanziert. www.100-prozent.at
NACHHALTIG NACHHALTIG
Ende letzten Jahres wurde die INNIO Group in Düsseldorf als Sieger der Kategorie „Motoren und Turbinen“ im Bereich „Maschinen und Anlagen“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen 2026 ausgezeichnet. Der Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für unternehmerische Verantwortung in Europa und orientiert sich an den Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und damit an den zentralen Transformationsfeldern wie Klima, Biodiversität, Ressourcen, Lieferkette und Gesellschaft. INNIO ist in der Vergangenheit bereits mehrfach für sein nachhaltiges Engagement ausgezeichnet worden. So erhielt das Unternehmen zum vierten Mal in Folge die Platinmedaille von EcoVadis und zählt damit zu den besten ein Prozent aller bewerteten Unternehmen. Darüber hinaus wurde INNIO von Sustainalytics Morningstar als „ESG Industry Top Rated“ sowie mit dem Zertifikat „H2 Readiness“ des TÜV SÜD ausgezeichnet.
KEIN PATENTREZEPT mit Patenten
Patente gelten als Königsweg der Innovation, als Schutzschild, Werttreiber und Standortindikator zugleich. Doch stimmt das so?
Der Wirtschaftswissenschafter und Praktiker Bernd Litzka hat sich die Patentrealität österreichischer Technologie-Start-ups genau angesehen. Sein Befund fällt überraschend aus: Patente lösen nicht alle wirtschaftlichen Probleme nach einem einfachen Rezept. Schutzrechte sind oft teuer und liefern nicht automatisch den regelmäßigen Erfolg, wie es gemeinhin geglaubt wird.
TEXT: MARIAN KRÖLL
er ausgebildete Chemieingenieur und Wirtschaftswissenschafter Bernd Litzka kennt das Patentwesen aus Theorie und Praxis. Litzka ist Universitätslektor und hat selbst mehrere Erfindungen in Europa und den USA patentiert und erfolgreich kommerzialisiert. Im Rahmen seiner Dissertation an der Johannes Kepler Universität Linz analysierte er zahlreiche österreichische Technologiegründungen. Seine zentrale Erkenntnis: Patente sind kein universelles Erfolgsrezept – insbesondere nicht für Start-ups.
PATENTE ALS GOLDSTANDARD?
Der Schutz geistigen Eigentums gilt als zentraler Pfeiler der Wissensökonomie. Patente gewähren ein zeitlich begrenztes Monopol und sollen es ermöglichen, hohe Forschungsund Entwicklungskosten über Monopolgewinne zu amortisieren. In der betrieblichen Realität junger Unternehmen zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Der vielfach
ZUR PERSON
Dr. Bernd Litzka, Jahrgang 1974, ist Wirtschaftswissenschaftler, Universitätslektor und ausgebildeter Chemieingenieur. Er verfügt über langjährige praktische Erfahrung als Erfinder mit international patentierten und kommerzialisierten Entwicklungen. In seiner Dissertation an der Johannes Kepler Universität Linz analysierte er kritisch die Rolle von Patenten bei TechnologieStart-ups und will dazu beitragen, die öffentliche Sicht auf Patente zu entmystifizieren sowie Forscher*innen und Unternehmer*innen dazu motivieren, sich in diesem Bereich weiterzubilden.
angenommene direkte Zusammenhang zwischen Patenten und wirtschaftlichem Erfolg ist empirisch nicht haltbar.
ÖFFENTLICHE FETISCHISIERUNG
Patenten kommt eine hohe symbolische Bedeutung zu. Ihre Anzahl gilt als leicht messbarer Innovationsindikator für Standorte und Volkswirtschaften. Steigende Anmeldezahlen werden gerne als Erfolgsausweis diverser Standortstrategien interpretiert. Doch genau diese Gleichsetzung ist problematisch. „Die ständig steigende Anzahl der Patentanmeldungen ist keineswegs automatisch Ausdruck gestiegener Forschungs- und Entwicklungsaktivität“, schreibt Litzka in seiner Dissertation. Vielmehr zeige sie oft ein wachsendes Bewusstsein, dass möglichst viele Patente angemeldet werden sollen –und zwar unabhängig von deren wirtschaftlicher Relevanz.
Eine hohe Patentdichte spiegelt daher nicht zwingend technologischen Fortschritt wider, sondern häufig einen Bewusstseinswandel darüber, was alles patentiert werden kann. „Der Schutz von Wissen vor Nachahmern ist dabei das zentrale Motiv“, sagt
ALLE AKTEUR*INNEN DES WIRTSCHAFTLICHEN ÖKOSYSTEMS STEHEN AUF PATENTE.
SIE GELTEN ZUNÄCHST ALS INNOVATIONSINDIKATOR FÜR WIRTSCHAFTSSTANDORTE.
EINE PATENTANMELDUNG IST IMMER GUT, ALSO MÜSSEN VIELE PATENTE NOCH VIEL
BESSER SEIN. DIE STÄNDIG STEIGENDE ANZAHL DER PATENTANMELDUNGEN IST ABER
KEINESWEGS AUTOMATISCH EIN AUSDRUCK EINER GESTIEGENEN FORSCHUNGSUND ENTWICKLUNGSAKTIVITÄT.
Litzka. Die Neigung, auch marginale Weiterentwicklungen zu schützen, entfernt sich zunehmend vom ursprünglichen Zweck des Patentsystems, Innovation zu schützen und wirtschaftlich zu fördern. Bereits in den 1990er-Jahren schätzte Norbert Haugg, ehemaliger Präsident des Deutschen Patent- und Markenamts, dass rund 95 Prozent aller Patente weltweit nie wirtschaftlich verwertet wurden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht gilt daher für viele die bekannte Losung: Außer Spesen nichts gewesen. In der Erfolgsfaktorenforschung werden Patente daher oft als „Lotterielose“ bezeichnet. Nur wenige sind wertvolle Blockbuster, die große Mehrheit bleibt ökonomisch bedeutungslos. Gerade Start-ups setzen dennoch häufig alles auf den vermeintlichen Volltreffer. Die internationale Forschung zeigt jedoch seit Jahrzehnten: Nur Ausnahmen können mit Patenten tatsächlich Monopolgewinne erzielen. Ist ein Produkt für den Markt nutzlos, helfen Patente überhaupt nicht.
PATENTE ALS SIGNAL
Für junge Unternehmen mit begrenzten Ressourcen sind Patentanmeldungen eine heikle Investition. Ihre Kosten müssen sorgfältig abgewogen werden. Liegt tat-
sächlich eine bahnbrechende Neuheit vor – oder wird lediglich alter Wein in neue Schläuche abgefüllt? Gleichzeitig erfüllen Patente bei Finanzierungsrunden oft eine andere Funktion: Sie dienen als Signal. Start-ups mit Patenten tun sich bedeutend leichter, Risikokapital einzuwerben. Investor*innen interpretieren Patente nämlich als Hinweis darauf, dass eine technische Neuheit zumindest formal geprüft wurde. Die betriebswirtschaftliche Aussagekraft einer sauber formulierten Patentschrift ist jedoch gering. Patente werden ausschließlich technisch und rechtlich geprüft – nicht hinsichtlich ihrer Marktfähigkeit. Häufig ist unklar, wie verteidigungsfähig sie gegenüber Wettbewerbern tatsächlich sind. Nicht selten ist das spätere Marktprodukt durch die ursprünglichen Patentansprüche gar nicht mehr geschützt, weil es im Zuge der marktorientierten Weiterentwicklung zum fertigen Produkt ganz anders beschaffen ist als lange zuvor in der Patentschrift beschrieben.
ERFOLG ≠ ERFOLG
Ein zentrales Missverständnis liegt außerdem im Erfolgsbegriff. „Erfolg bemisst sich für den Wagniskapitalgeber nicht daran, ob ein Unternehmen in der Zukunft betriebs-
SOLIDE BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE PLANUNG IST IN DEN MEISTEN FÄLLEN WICHTIGER FÜR DEN BETRIEBLICHEN ERFOLG ALS AUSSCHLIESSLICH TECHNISCHE EXZELLENZ UND NEIGUNG ZUR PERFEKTION. PROFITABILITÄT ENTSCHEIDET LETZTLICH DARÜBER, OB SICH EIN START-UP MIT EINER NEUEN TECHNOLOGIE ALS ÜBERLEBENSFÄHIGES UNTERNEHMEN ETABLIEREN UND LÄNGERFRISTIG VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN NUTZEN STIFTEN KANN.
wirtschaftlich erfolgreich sein wird, sondern ob jetzt eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen werden kann“, erklärt Litzka. Exits von jungen Unternehmen, die noch nie organisch profitabel waren, gelten dennoch als große Erfolge. Die Finanzierung selbst – nicht das Unternehmertum – ist das eigentliche Geschäft vieler Investor*innen. So zerschellen regelmäßig Start-ups, die zuvor außergewöhnlich erfolgreich finanziert wurden, an den betriebswirtschaftlichen Realitäten.
Patente spielen dabei eine ambivalente Rolle: Sie fließen als immaterielle Vermögenswerte in Bewertungen ein – und zwar unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich genutzt werden. Da es in Europa noch keinen liquiden Patentmarkt gibt, fehlt jedoch eine objektive Preisbildung. Prognostizierte, geldwerte Vorteile aus Patenten sind höchst unsicher. Für Start-ups sind Patente daher eher als Kostenfaktor denn als verlässliches Asset zu betrachten. Davon können Insolvenzverwalter ein Lied singen, die oft umfangreiche Patentportfolios gescheiterter Hightech-Start-ups zu verwerten versuchen.
Litzka beobachtet außerdem einen zunehmenden Anteil sogenannter inkrementeller Weiterentwicklungen, die als Marginal- bzw. Trivialpatente angemeldet werden. Diese offenbaren häufig keine echte technische Neuheit und halten einem tieferen Vergleich mit dem Stand der Technik kaum stand. Dennoch werden sie mit beträchtlichem argumentativen Aufwand durch das Patentsystem gedrückt. Solche schwachen Patente lassen sich von internationalen Wettbewerbern meist leicht umschiffen und schaden dem Innovationssystem insgesamt. Tatsächlich bahnbrechende Erfindungen sollten hingegen konsequent geschützt werden. Voraussetzung dafür ist eine reale technische Problemstellung, die durch intensive Forschung, Entwicklung und Kreativität – oder durch einen produktionstechnischen Zufall – überwunden wurde. Ob eine solche
Neuheit vorliegt, muss letztlich der Unternehmer selbst beurteilen, denn selbst der beste Patentanwalt kann mangelnde Substanz nicht ersetzen.
STATISCHER SCHUTZ, DYNAMISCHER MARKT
Patente bescheinigen prinzipiell zwar erfinderische Höhe und technische Neuheit, sagen aber nichts über deren ökonomische Relevanz aus. Ihre Monetarisierung erfordert erhebliche Investitionen in Produktion, Logistik, Marketing und Vertrieb. Jeder Euro, der in schwache Patente fließt, fehlt beim Aufbau des operativen Geschäfts. Patente sind statisch, Märkte hingegen hochdynamisch. Neue Technologien oder aggressive Wettbewerber*innen können eine patentierte Lösung daher rasch entwerten. Litzkas Forschung zeigt: Die Patentierungsaktivität selbst hat keinen messbaren Einfluss auf die Profitabilität von Start-ups. Auffällig ist jedoch, dass patentstarke Gründungen langsamer in den Markt eintreten als jene, die auf Geheimhaltung setzen. Ein trügerisches Sicherheitsgefühl führt mitunter zu Verzögerungen. Die Wirkung von Patenten bei Großkonzernen wird dabei fälschlich auf Start-ups übertragen. Bei multinationalen Konzernen und mittelständischen Unternehmen, die sich im internationalen Preiswettkampf um Kund*innen befinden, können Patente tatsächlich massive ökonomische Wirkung entfalten. Sichtbar ist das etwa in der Pharmaindustrie oder Deep-Tech-Unternehmen sowie beispielsweise im Spezialmaschinenbau, der Energie- und Elektrotechnik. Während globale Unternehmen über Ressourcen verfügen, ihre Schutzrechte durchzusetzen, ist diese Annahme für junge Firmen meist unrealistisch. „Wenn’s bei den Großen gut ist, muss es bei den Kleinen noch wichtiger sein“ –diese Annahme klingt zunächst plausibel,
DER GROSSTEIL DER PATENTE WIRD WELTWEIT NIE
WIRTSCHAFTLICH VERWERTET. PATENTE WERDEN IN DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHEN ERFOLGSFAKTORENFORSCHUNG AUFGRUND
DER SCHIEFEN VERTEILUNG IHRES WERTS – IN DER FACHSPRACHE „SKEWNESS“ GENANNT – IN KRITISCHEN PUBLIKATIONEN ALS „LOTTERIELOSE“ BEZEICHNET. NUR SEHR WENIGE SIND
„BLOCKBUSTER“, DIE BREITE MASSE IST JEDOCH WERTLOS. UND IST EIN PRODUKT FÜR DEN MARKT
NUTZLOS, HELFEN AUCH PATENTE NICHT.
verkennt aber, dass Wirtschaft wesentlich komplexer ist.
DIE ERFINDERFALLE
Viele Gründer*innen mit starkem Erfindergeist neigen darüber hinaus zu technischem Perfektionismus, statt marktfähige Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Komplexe Lösungen werden ersonnen und gebaut, bevor allerdings ein tatsächliches Kundenproblem identifiziert ist. In Litzkas Untersuchung erwies sich folglich nicht die Anzahl der Patente, sondern das Vorhandensein eines tragfähigen Businessplans als signifikanter Faktor für das wirtschaftliche Überleben eines Start-ups. Langfristig entscheidet Profitabilität darüber, ob neue Technologien volkswirtschaftlichen Nutzen stiften.
PATENTRECHERCHE STATT
BLINDEM VERTRAUEN
Wer sich nicht auf das Prinzip Hoffnung verlassen will, kommt um eine gründliche Patentrecherche nicht herum. Sie zeigt, ob eine
Erfindung nicht nur patentfähig, sondern auch patentwürdig ist. Patentdatenbanken sind öffentlich zugänglich und bieten enormes, oft ungenutztes Wissen. „Know your enemy“ rät Bernd Litzka Forscher*innen und angehenden Unternehmer*innen. Patentrecherche selbst zu machen sei „Open Innovation“ in Reinkultur. Patentdatenbanken sind öffentlich zugänglich und eine „fantastische Welt“, die in Österreich von Forscher*innen wie Unternehmer*innen noch viel zu wenig genutzt werde. „Eigene Recherche führt zu einem unglaublichen Erkenntnisgewinn – der noch dazu gratis ist.“ Eine vollständige Delegation der Recherche an Dritte birgt Risiken, fehlendes Verständnis über bestehende Schutzrechte erschwert tragfähige Entscheidungen.
Bernd Litzka versteht seine Arbeit als Beitrag zur Entmystifizierung von Patenten. Er will Forscher und Unternehmer dazu ermutigen, den betriebswirtschaftlichen Wert ihres geistigen Eigentums realistisch einzuschätzen. Denn nur wenn neue Technologien auch marktfähig sind, entsteht langfristiger wirtschaftlicher Nutzen.
HINTER EINER PATENTANMELDUNG MUSS EINE WIRKLICHE TECHNISCHE NEUHEIT
STEHEN, EINE REALE PROBLEMSTELLUNG, DIE MAN MIT VIEL HIRNSCHMALZ, INTENSIVER FORSCHUNG, KONSEQUENTER ENTWICKLUNG ODER GELEGENTLICH AUCH DURCH PRODUKTIONSTECHNISCHEN ZUFALL ERKANNT UND ÜBERWUNDEN HAT. DAS ZU BEURTEILEN OBLIEGT PRIMÄR DEM UNTERNEHMER SELBST, DENN AUCH EIN ERFAHRENER PATENTANWALT KANN KEINE WUNDER VOLLBRINGEN. ER KANN NICHT UND DARF KEINESWEGS DIE ERFINDUNG DES UNTERNEHMERS ALS PATENTANWALT WEITERERFORSCHEN ODER SELBST ZUM CO-ERFINDER WERDEN.
DIE MACHT der Marke
In der Markenbildung geht es nicht um Logos und Design, es geht um das tiefe Verständnis dafür, wer man ist. Marken entstehen im Kopf, Gefühl statt Grafik. Ihr Wert lässt sich dennoch messen, wenngleich die Aussagekraft klassischer Kennzahlen meist dort endet, wo langfristige Markenwirkung beginnt.
INTERVIEW: MARINA BERNARDI
ZUR PERSON
Maximilian Markschläger, BA, verantwortet Marketing, Werbung und Sponsoring der Wiener Städtische Versicherung in Tirol. Parallel dazu führt er mit URBAN AGENCY eine bewusst klein gehaltene Agentur, die sich auf strategische Markenentwicklung und Umsetzung spezialisiert hat. Mit seinem vierköpfigen Team nimmt er sich die Freiheit, Anfragen abzulehnen –und Aufträge auch einmal auszureden, wenn sie nur kurzfristige Effekte versprechen.
„Marke entsteht erst dort, wo Identität, Verhalten und Kommunikation deckungsgleich sind. Jeder Kontaktpunkt muss dasselbe Gefühl vermitteln.“
aximilian Markschläger bewegt sich in seiner Tätigkeit als Marketingverantwortlicher der Wiener Städtische Versicherung in Tirol und Inhaber seiner eigenen Agentur täglich zwischen Konzernlogik und unternehmerischer Freiheit. Im Gespräch erklärt er, warum Marke mehr ist als Design, weshalb KPIs*) allein in die Irre führen – und warum es heute gefährlicher ist denn je, durchschnittlich zu sein.
ECO.NOVA: Zum Grundverständnis: Was ist eine Marke wirklich? Wenn Sie „Marke“ jemandem erklären müssten, der glaubt, es gehe vor allem um Logo und Design, womit würden Sie beginnen?
MAXIMILIAN MARKSCHLÄGER: Das ist der häufigste und teuerste Denkfehler in Unternehmen: Eine Marke ist kein Gestaltungselement, sondern ein mentales Ordnungssystem. Sie existiert nicht im Unternehmen, sondern im Kopf der Menschen. Logo, Design oder Claims sind lediglich Ausdrucksformen. Der eigentliche Markenkern ist die klare Vorstellung, wofür ein Unternehmen steht, was man von ihm erwarten darf – und was nicht. Kurz gesagt: Marke sind die Assoziationen, Gefühle und Erlebnisse, die eine Zielgruppe mit einem Unternehmen verbindet. Ein einfaches Selbstexperiment zeigt das sehr schnell: Denken wir an unsere Lieblingsschokoladenmarke. Welche Bilder, Erinnerungen, Gefühle tauchen auf? Und jetzt an eine Discounter-Schokolade. Der Unterschied ist selten der Geschmack – sondern die emotionale
*) KPI – Key Performance Indicator: Leistungskennzahlen, mit denen Unternehmen überprüfen, ob strategische Ziele erreicht werden – z. B. Umsatzentwicklung, Marktanteil oder Kundenzufriedenheit – und damit versuchen, Erfolg messbar zu machen.
Fülle. Starke Marken sind emotional aufgeladen. Schwache hinterlassen Leere. Genau dort beginnt Markenarbeit: nicht im Designprozess, sondern im Kopf der Menschen.
Welche Rolle spielen interne Faktoren wie Kultur, Führung und Mitarbeiter*innen im Vergleich zu externen Faktoren wie Kampagnen oder Design? Interne Faktoren sind nicht ein Teil der Marke – sie sind die Marke. Marke entsteht erst dort, wo Identität, Verhalten und Kommunikation deckungsgleich sind. Jeder Kontaktpunkt muss dasselbe Gefühl vermitteln. Wenn mir die Homepage eines Wellnesshotels „Ruhe“ und „Erholung“ verspricht und ich vor Ort an der Rezeption hektischem Betrieb begegne, dann ist das ein Bruch des Markenversprechens. Negative Erlebnisse wirken dabei besonders stark: Menschen erinnern sich an schlechte Erfahrungen deutlich lebhafter und nachhaltiger als an positive – und berichten darüber intensiver als über gute Erlebnisse. Eine Kampagne kann Aufmerksamkeit erzeugen, aber Vertrauen entsteht nur dann, wenn Führung, Kultur und tägliches Handeln diese Versprechen einlösen. Gerade im Dienstleistungssektor sind Mitarbeiter*innen neben Prozessen und physischen Eindrücken der entscheidende Treiber für Markenstärke. Sie sind die glaubwürdigsten Markenbotschafter – oder die härtesten Markenprüfer.
Kann man starke Marken strategisch bauen oder entstehen sie eher als „Nebenprodukt“ konsequenter Entscheidungen? Marken muss man strategisch entwickeln. Der Ausgangspunkt liegt immer beim inneren Need der Zielgruppe, bei einem tiefen, oft unausgesprochenen Bedürfnis. Ein gutes Beispiel ist Nike. „Just do it“ ist kein sportlicher Claim. Es ist eine Antwort auf inneres Zögern. Der größte Schmerz des modernen Menschen ist nicht körperliches Leiden, sondern das Wissen,
Die wichtigste Regel der Markenführung lautet: Mittelmaß verhindern.“
hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben. Nike spricht genau diesen inneren Konflikt an. Nicht mit Moral. Nicht mit Anweisungen. Sondern mit einer Einladung zur Handlung – in maximaler Kürze. Kein „Be healthy“. Kein „Try harder“. Sondern: Just do it! Sobald dieses innere Bedürfnis verstanden ist, beginnt konsequente Markenarbeit: Positionierung, Tonalität, Produkte, Verhalten und Kommunikation müssen auf dieses Gefühl einzahlen. Und diese Klarheit wird nicht einmalig behauptet, sondern über Jahre wiederholt, überprüft und weiterentwickelt.
Wie lässt sich der Markenwert seriös berechnen und was lässt sich daraus für die Zukunft ableiten? Markenwert ist das Ergebnis verschiedener Faktoren. Genau deshalb kommen unterschiedliche Modelle oft zu sehr unterschiedlichen Zahlen. Das macht das Thema für Unternehmer schwer greifbar. Wir haben deshalb ein eigenes, vielschichtiges Modell entwickelt, das bewusst an den etablierten Ansätzen ansetzt, deren Stärken bündelt und bekannte Schwächen eliminiert. Der Kern dieses Modells ist die Verknüpfung von verhaltenswissenschaftlichen Daten mit ökonomischen Kennzahlen, denn der
Erfolg einer Marke muss sich in Umsatz, Marge und Marktanteil widerspiegeln. Dass Markenwert dabei über echte Prognosekraft verfügt, ist gut belegt: Veränderungen in der Markenwahrnehmung sind häufig ein bis mehrere Jahre früher sichtbar als klassische Finanzkennzahlen. Markenwert ist damit kein Rückblick, sondern ein strategischer Frühindikator und ein zentrales Instrument für zukunftsfähige unternehmerische Entscheidungen.
Eine Marke setzt stark auf Emotion. Wo liegen die größten Gefahren, wenn Unternehmen sie nur über KPIs steuern wollen? Die größte Gefahr liegt weniger in den KPIs selbst, sondern in den Anreizsystemen dahinter. Führungskräfte – insbesondere im Marketing – sind oft nur wenige Jahre in ihrer Position. Das begünstigt kurzfristige Maßnahmen: Verkaufsaktionen, Kampagnen mit schnellem Effekt, prestigeträchtige Projekte für den nächsten Karriereschritt. Marken wirken jedoch anders. Ihr Ziel ist es, Gedächtnisstrukturen im Kopf der Konsument*innen aufzubauen. Und diese entstehen nicht im Kampagnenzeitraum, nicht im Quartal und nicht innerhalb eines Geschäftsjahres. Markenentwicklung braucht Zeit, Konsequenz
und Wiederholung. Wie bei einer guten Anlage gilt auch hier: Langfristigkeit schlägt kurzfristige Rendite.
Wird künstliche Intelligenz Marken austauschbarer machen oder ihnen helfen, klarer zu werden? Beides ist richtig, entscheidend ist der Einsatz. Künstliche Intelligenz wirkt wie ein Beschleuniger. Sie demokratisiert Möglichkeiten, senkt Kosten und erhöht den Wettbewerb – besonders für kleinere Unternehmen. Gleichzeitig verkürzt sie Entwicklungszyklen massiv. Das wird die Lebensdauer von Geschäftsmodellen verändern und die Auslese im Markt beschleunigen. Austauschbar wird, wer generisch bleibt. Fragt man ChatGPT nach einem guten Claim für Iglo, bekommt man etwas wie: „Einfach gut.“ Korrekt. Sauber. Und völlig austauschbar. Wie viel stärker ist dagegen die entwickelte Sellingline „Iss was Gscheit’s“. Sie hat Haltung, sie spricht Alltagssprache, sie trifft ein kulturelles Gefühl – und sie bleibt im Kopf. KI liefert Mittel. Eigenheit entsteht woanders. Falsch eingesetzt produziert sie perfekte Durchschnittlichkeit. Die wichtigste Regel der Markenführung lautet: Mittelmaß verhindern. Wer „stuck in the middle“ ist, verschwindet.
WEITERBILDUNG
ALS WETTBEWERBSVORTEIL
Die heutige Arbeitswelt ist geprägt von stetigem Wandel und technologischen Innovationen. Daher wird die Weiterbildung von Mitarbeiter*innen zur zentralen strategischen Aufgabe. Doch warum ist es für Unternehmen so wichtig, kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung ihres Teams zu investieren?
Regelmäßige Weiterbildung sorgt dafür, dass Mitarbeiter*innen auf dem neuesten Stand bleiben – sei es bei branchenspezifischen Entwicklungen, neuen Technologien oder geänderten gesetzlichen Anforderungen. Unternehmen, die frühzeitig in die Qualifikation ihrer Belegschaft investieren, schaffen nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern sichern langfristig auch ihre Innovationskraft.
MOTIVATION UND BINDUNG DER BELEGSCHAFT
Mitarbeiter*innen, die sich durch Weiterbildungsangebote gefördert fühlen, erleben Wertschätzung und bleiben ihrem Unternehmen häufiger treu. Dies reduziert nicht nur Fluktuation und die damit verbundenen Kosten, sondern stärkt auch das Betriebsklima. Weiterbildung fördert die persönliche Entwicklung und steigert die Motivation, da sich Mitarbeiter*innen kompetenter und selbstbewusster fühlen.
ANPASSUNGSFÄHIGKEIT UND FLEXIBILITÄT
Unternehmen müssen heute agiler denn je
sein. Eine gut ausgebildete Belegschaft kann schneller auf Marktveränderungen reagieren und neue Herausforderungen meistern. Besonders in Zeiten von Digitalisierung und globalen Veränderungen ist dies ein entscheidender Erfolgsfaktor.
POSITIVES IMAGE UND
ARBEITGEBERATTRAKTIVITÄT
Unternehmen, die in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter*innen investieren, werden nicht nur von ihren bestehenden Teams geschätzt, sondern ziehen auch neue Talente an. In einem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt ist dies ein wesentlicher Vorteil, um die besten Köpfe zu gewinnen.
MASSGESCHNEIDERTE
INHOUSE - SCHULUNGEN
In persönlichen Gesprächen ermittelt das BFI Tirol Ihre individuellen Anforderungen, gestaltet mit Ihnen die relevanten Inhalte sowie die eingesetzte Methodik und übernimmt auf Wunsch die komplette Organisation des Trainings. Mit unserer langjährigen Erfahrung verfügen wir über ein großes Netzwerk an erfahrenen Trainer*innen. PR
WEITERBILDUNG STÄRKT UNTERNEHMEN, SICHERT ERFOLG UND BINDET
MOTIVIERTE MITARBEITER*INNEN.
Othmar Tamerl, BFI Tirol Geschäftsführer
AKTUELLE SEMINARE
• Data Science und Business Analytics
Blended Learning ab 2. März 2026
• Eigene GPTs und Projekte aufbauen
Start am 12. März 2026
• Einführung in Microsoft 365
Copilot
Start am 4. März 2026
• Ausbildung zum/zur Buchhalter/in
Start am 6. März 2026
• Lehre PLUS Matura –Infoveranstaltung
Live online am 27. Februar 2026
• Digitaler Stress im beruflichen Alltag und zu Hause
In Europa entstehen immer mehr hochautomatisierte Smart-FactoryWerkstätten, in denen Roboter, Sensorik und vernetzte Anlagen große Teile der Wertschöpfung übernehmen – betreut von wenigen hochqualifizierten Mitarbeiter*innen. Mit der Digitalisierung steigen die rechtlichen Anforderungen deutlich: Jeder zusätzliche Datenstrom, Algorithmus und ITDienstleister erhöht die Komplexität. Ein Generationenwechsel ist daher ein idealer Zeitpunkt, die rechtliche Governance zu modernisieren.
TEXT: STEFAN WARBEK
In jeder Schicht fallen enorme Datenmengen an – Maschinendaten, Qualitätskennzahlen, Energie- und Stillstandsanalysen, Echtzeit-Dashboards und Service-Logfiles. Diese Daten sind ein eigener Produktionsfaktor: Ohne gesicherten Zugriff lassen sich weder OEE noch Predictive Maintenance oder datenbasierte Geschäftsmodelle sinnvoll betreiben. Ein klares Eigentumsrecht an Daten kennt das österreichische Recht nicht. Nutzungs- und Verwertungsrechte ergeben sich vor allem aus Verträgen mit Maschinen- und Anlagenbauern, Cloud- und Plattformanbietern, Systemintegratoren und Dienstleistern sowie aus der DSGVO, wenn personenbezogene Daten betroffen sind. Hinzu kommt das europäische Data-Act-Regime mit spezifischen Zugangs- und Nutzungsregeln für Nutzungs- und IoT-Daten.
Beim Führungswechsel sollte daher eine Dateninventur erfolgen: Welche Systeme existieren, welche Daten fallen an, wer sind die Provider, wie lange laufen die Verträge? In AGB und Schlüsselverträgen wäre festzuhalten, dass alle für Betrieb, Fehlerdiagnose und Optimierung relevanten Produktionsund Maschinendaten dem Unternehmen zustehen und beim Dienstleisterwechsel in einem standardisierten, herstellerunabhängigen Format herauszugeben sind. Neue IT-, Cloud- und Serviceverträge sollten klare Datennutzungs- und Zugriffsrechte sowie Portabilität (Exportschnittstellen, APIs) vorsehen, um Lock-in-Effekte zu vermeiden.
IP UND KNOW - HOW - SCHUTZ
BEIM GENERATIONENWECHSEL
Der Wettbewerbsvorsprung vieler Unternehmen liegt in einem Paket aus Patenten,
Gebrauchsmustern, Software, Marken und über Jahrzehnte aufgebautem Erfahrungswissen. Beim Generationenwechsel droht dieser Vorsprung zu erodieren, wenn Schutzrechte ungeordnet sind, Erfinderrechte unklar bleiben oder kritische Verfahrensparameter nur „im Kopf“ einzelner Personen existieren.
Auf der Ebene des Immaterialgüterrechts braucht es eine saubere Zuordnung von Dienstnehmererfindungen zum Unternehmen, klare Dienstverträge samt Erfindervergütung sowie – wo sinnvoll – Registereintragungen. Geschäftsgeheimnisse im Sinn des UWG (Prozessparameter, Algorithmen, Rezepturen, Fertigungs-Workflows) sind nur geschützt, wenn sie geheim, wirtschaftlich wertvoll und durch angemessene Maßnahmen abgesichert sind. Dazu zählen abgestufte Zugriffsrechte, NDAs, Logging,
Kennzeichnung vertraulicher Dokumente und regelmäßige Schulungen.
Wo (patentfähiges) Know-how in Kooperationen oder mit Lohnfertigern geteilt wird, sollten Know-how-Lizenz- und Geheimhaltungsverträge den Nutzungsumfang, Weitergabeverbote, Rückgabepflichten und Vertragsstrafen präzise regeln. Ergänzend empfiehlt sich ein strukturiertes Know-how-Transferprogramm mit dokumentierten Standard-Arbeitsanweisungen, internen Wissensplattformen und Tandemmodellen zwischen älteren und jüngeren Expert*innen, um personenbezogenes Erfahrungswissen in ein dauerhaft verfügbares Unternehmensasset zu überführen.
KI - GESTÜTZTE PRODUKTION
UND EU - AI - ACT
Viele Smart-Factory-Werkstätten nutzen KI-gestützte Systeme für Bild- und Qualitätskontrolle, Reihenfolgenplanung, Predictive Maintenance oder Energieoptimierung. Der EU-AI-Act schafft hierfür einen verbindlichen Rahmen, insbesondere bei Hochrisiko-KI, die sicherheitsrelevante Funktionen oder wichtige Qualitätsentscheidungen übernimmt.
Unternehmen müssen zunächst ihre Rolle klären: Wer KI-Systeme selbst entwickelt oder wesentlich anpasst, kann als „Anbieter“ gelten und unterliegt Pflichten zu Risikomanagement, Daten- und Modell-Governance, Dokumentation, Konformitätsbewertung und laufender Überwachung. Wer KI lediglich einsetzt, ist „Einsatzverantwortlicher“ und muss für korrekten Einsatz, Schulung der Nutzer*innen sowie technische und organisatorische Umsetzung der Herstellervorgaben sorgen. Zentral sind Transparenz darüber, wo KI im Betrieb Entscheidungen beeinflusst, klar definierte Human-on-the-Loop-Prozesse inklusive Dokumentation von Eingriffen sowie eine Vertragsgestaltung, die Dokumentations-, Update- und Supportpflichten möglichst weit auf Lieferant*innen überträgt und Audit- und Informationsrechte sichert.
CYBERSICHERHEIT, NIS - 2 UND ISMS
Mit der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie durch das NISG 2026 wird ein großer Teil des verarbeitenden Gewerbes – und damit viele Smart-Factory-Betreiber – direkt von erweiterten Sicherheits- und Meldepflichten erfasst. Gefordert wird ein umfassendes Risikomanagement mit Netzwerksicherheit, Identitäts- und Zugriffsmanagement, Pro-
DATEN SIND EIN EIGENER
PRODUKTIONSFAKTOR. EIN KLARES EIGENTUMSRECHT AN DATEN KENNT DAS ÖSTERREICHISCHE RECHT JEDOCH NICHT.
AUSBLICK
Data Ownership, IP- und Geheimnisschutz, KI-Regulierung, Cybersicherheit und Arbeitsrecht lassen sich nicht mehr isoliert bearbeiten. Gefragt ist eine integrierte Governance mit interdisziplinärem Steering-Team, klaren Rollen (Data-Steward, IPVerantwortlicher, KI- und Security-Officer), schlanken Richtlinien (Data-Governance, Geheimnisschutz, KI-Guidelines, ISMS/Incident-Response) und kontinuierlicher Schulung. Wer diese Struktur im Rahmen des Generationenwechsels etabliert, macht die Smart-Factory-Werkstatt nicht zur Haftungsfalle, sondern zum eigenen Wettbewerbsvorteil.
WARBEK RECHTSANWÄLTE
ist eine auf die Innovations- und Kreativwirtschaft spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei. www.warbek.at
tokollierung, Notfallvorsorge, Lieferketten-Security und fristgerechter Meldung schwerwiegender Vorfälle. Die Geschäftsleitung trägt ausdrücklich Verantwortung, muss Maßnahmen überwachen und sich fortbilden.
Für hochautomatisierte Werkstätten empfiehlt sich ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS), idealerweise nach ISO 27001 zertifiziert, das Cybersecurity, Geschäftsgeheimnisschutz, Datenrecht und KI-Compliance in einem konsistenten Rahmen bündelt.
ARBEITSRECHTLICHE ASPEKTE
Automatisierte Schichtplanung, digitale Leistungsmessung und vernetzte Anlagen berühren die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats, sobald Systeme objektiv zur Verhaltens- oder Leistungskontrolle geeignet sind. In der Praxis sollten MES, Monitoring-Plattformen oder KI-Planungstools über Betriebsvereinbarungen eingeführt werden, die Zweck, Datenkategorien, Zugriffsrechte, Auswertungslogik, Speicherdauer und die Trennung von Prozessoptimierung und Leistungsbewertung klar regeln.
Dr. Stefan Warbek
WER SCHÜTZT UNSERE KINDER? Und wovor eigentlich?
Digitale Räume wachsen schneller, als Eltern, Schulen und Politik reagieren können. Zwischen Social Media, Algorithmen, sexualisierter Gewalt, Radikalisierung und einem Bildungssystem, das strukturell in der Vergangenheit feststeckt, stellt Pädagogin und Autorin Silke Müller die Frage nach Verantwortung neu: Was brauchen Kinder, um sich in einer potenziell toxischen digitalen Umgebung sicher zu bewegen – und warum scheitern wir Erwachsenen daran, ihnen echte Orientierung zu geben?
INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
„Wir bräuchten in Sachen Medienkompetenz einen großen Allianzverbund, in dem Expert*innen aus der IT, aus der Pädagogik, aus Social Media und idealerweise aus Big Tech zusammen ein Konzept erarbeiten, wie gesellschaftliche Aufklärung denn überhaupt aussehen muss.“
ECO.NOVA: Sie haben ein Buch mit dem Titel „Wer schützt unsere Kinder?“ verfasst. Wer schützt eigentlich unsere Kinder? Und wovor müssen sie heute konkret geschützt werden? SILKE MÜLLER: Das ist die große Frage, die im Moment keiner so richtig beantwortet. Wer schützt unsere Kinder? Jeder von uns Erwachsenen in einer verantwortlichen Gesellschaft ist für Kinderschutz mitverantwortlich. Das ist ein verbrieftes Recht. Kinder müssen vor der Entwicklung im digitalen Raum geschützt werden. Sie sind immer früher digital unterwegs, auch in sozialen Netzwerken. Diese haben einen kreativen, kommunikativen, unterhaltsamen und informierenden Charakter – aber es gibt auch ganz tiefe Abgründe. Durch die Entwicklung der KI werden diese noch einmal potenziert.
Was meinen Sie damit konkret? Ich spreche von Angriffen durch pädokriminelle Menschen im Netz, von manipulativen und manipulierten Inhalten, Cybermobbing, ganz viel Pornografie, brutalsten Inhalten, nach denen Kinder nicht mehr schlafen können. Ich könnte noch viel mehr aufzählen. Vor der Begegnung und dem Alleinsein mit solchen Inhalten müssen Kinder geschützt werden.
Wie können Eltern ein Vorbild sein, wenn sie selbst viel zu viel Zeit vor den Bildschirmen verbringen? Das trifft den Nagel auf den Kopf. Der Pädagoge Friedrich Fröbel hat immer davon gesprochen, dass es „Beispiel und Liebe“ für Erziehung braucht. Sonst nichts. In unserer Generation sind wir aber das allerschlechteste Beispiel. Egal, wo Kinder heute hinkommen – von der Supermarktkasse über das Restaurant bis zum Bahnhof –, egal wo in der Freizeit, sehen sie Erwachsene auf ihre Smartphones starren. Unsere Bildschirmzeiten sind viel zu hoch, und wir sind zudem noch am Doomscrollen.* Kinder bekommen das zu sehen, was Erwachsene
ZUR PERSON
Silke Müller ist Bildungsexpertin, langjährige Schulleiterin und Bestsellerautorin. Als erste Digitalbotschafterin Niedersachsens setzt sie sich für digitale Mündigkeit, ethische Bildung und einen wertebasierten Umgang mit Medien ein – auf Bühnen, in Klassenzimmern und bundesweiten Gremien. Im heurigen September hätte sie bei einem Workshop beim leider abgesagten MUTopia Festival der Pädagogischen Hochschule Tirol das Thema ihres Buches „Wer schützt unsere Kinder?“ verhandeln sollen. Wir hoffen, das Festival wird nachgeholt!
ins Netz stellen. Sie sind es, die den meisten Content produzieren. Allein deshalb sind wir schon schlechte Vorbilder. Es wird immer davon gesprochen, dass es mehr Medienkompetenz braucht. Da frage ich mich, wer die eigentlich vermitteln soll.
Und wer soll diese wie auch immer geartete Medienkompetenz vermitteln? Bei Lehrern ist es so, dass Medienkompetenzbildung im Studium ein Randgebiet ist. Die Gesellschaft hat keine Medienkompetenz, aber überall wird danach gerufen. Es ist auch nicht definiert, wie diese Medienkompetenz konkret aussehen muss und wie man sich damit gegen Algorithmen von Big Tech wehren können soll. Es wird viel darüber geredet und davon geschrieben, es bleibt aber alles oberflächlich – und es passiert
* Doomscrolling ist das zwanghafte Konsumieren negativer Nachrichten im Internet, bei dem Nutzer endlos durch Inhalte scrollen, die Krisen und negative Ereignisse darstellen. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „doom“ (Untergang) und „scrolling“ (scrollen) zusammen und kann zu Stress, Angst und schlechter Laune führen.
so gut wie nichts. Das ist mehr als problematisch.
Haben Sie ein Konzept parat, wie sich praxistaugliche Medienkompetenz vermitteln ließe? In Deutschland gab es im Sommer ein Diskussionspapier der Leopoldia, das ist die älteste wissenschaftliche Akademie der Welt. Da wurde eine Bestandsaufnahme gemacht, bei der sich gezeigt hat, dass im Hinblick auf den langfristigen Einfluss von Social Media und Smartphones auf die Kinder die Studienlage noch dünn ist. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich eine Menge verändert hat. Die Leopoldina fordert dementsprechend eine Aufklärungskampagne für die ganze Gesellschaft. Wir bräuchten einen großen Allianzverbund, in dem Expert*innen aus der IT, aus der Pädagogik, aus Social Media und idealerweise aus Big Tech zusammen ein Konzept erarbeiten, wie gesellschaftliche Aufklärung denn überhaupt aussehen muss. Für den pädagogischen Bereich bräuchte es eine radikale Schulreform. Wir müssen komplett anders arbeiten, das darf kein Add-on sein. Ein Unterrichtsfach reicht nicht aus, es bräuchte ab der ersten Klasse einen ganzen Tag, in dem Digital Literacy – Informatik, KI; Digitale Ethik – unterrichtet wird. Dazu braucht es nicht nur Lehrkräfte. Mir schwebt ein Corporate Volunteering vor, bei dem Expert*innen aus der Wirtschaft – von ihren Arbeitgebern freigestellt – an die Schulen kommen oder in den Unterricht zugeschaltet werden. Arbeitgeber*innen könnten Vortragsabende für ihre Belegschaft organisieren.
Warum gelingt es dem Schulsystem kaum, digitale Kompetenzen zu vermitteln? Die Schule hinkt der Lebensrealität gefühlt um Jahrzehnte nach. Die Kompetenz ist nicht da. Bei vielen ist auch das Grundverständnis nicht da, dass sich die Bildung komplett verändert. Zudem gibt es Ängste, vor allem
rund um KI. Gibt es meinen Beruf noch? Was bin ich denn noch als Lehrer? Im Moment verlieren wir eine Reputation. Wissensvermittler*innen sind wir nicht mehr, pädagogische Begleiter irgendwie auch nicht, weil wir’s nicht so richtig können. Das hieße nämlich Beziehungsarbeit. Man ist nicht bereit, sehr schnell einmal ins Chaos zu gehen und das komplette System umzustellen, damit es wieder zukunftsfähig wird. Stattdessen sind wir – in Deutschland wie in Österreich – in föderalen Strukturen gebunden, in dem es jedes Bundesland ein bisschen anders macht. Außerdem gibt es im Bildungsbereich ein großes Problem mit der politischen Legislatur.
Inwiefern halten Sie die Gesetzgebung für problematisch? Jeder trägt nur für eine bestimmte Zeit Verantwortung. Die ersten 100 Tage im Amt gibt es eine Schonfrist, dann braucht es ein Jahr zur Orientierung, dann wird zwei Jahre ein bisschen Reformund Schulpolitik gemacht und dann beginnt wieder der Wahlkampf. Kommt dann eine neue Partei mit neuen Vorstellungen an die Macht, beginnt das Spiel von vorne. Das kann nicht funktionieren. Gleichzeitig wird an alten Strukturen festgehalten. Keiner sagt: Dieses System ist beendet. Es funktioniert nicht mehr. Wir brauchen etwas Neues. Es wird vielmehr palliativ am bestehenden System herumgedoktert. Es geht nicht an die Wurzel. Deshalb scheitern wir gerade.
Man müsste folglich Tabula rasa machen und die Schule und das Bildungssystem völlig neu denken und neu aufsetzen? Ja. Man müsste es dazu aber aus dem politischen Tagesgeschäft herausnehmen. Wir brauchen viel mehr Partizipation. Junge Leute Anfang 20 sehen heute ganz genau, was da auf sie zurollt. Ich halte es für katastrophal, die jungen Leute nicht mitreden und -gestalten zu lassen. Die Gen Z will nicht nur Work-Life-Balance, sondern hat Bock auf Entwicklung.
Ist der Umgang mit der Digitalisierung primär eine der technischen Kompetenz oder auch eine Frage der Haltung? Ich hätte gerne, dass es eine Frage der Haltung wäre. Ehrlicherweise sind wir in Deutschland über den Bereich der Technisierung noch nicht hinausgekommen. Man will das alles langsam vorbereiten. Wir haben aber keine Zeit für langsame Vorbereitung, weil uns alles überholt. Trotzdem geht es meistens noch um die Geräte: um das WLAN, die Administration und so weiter. Das ist lächerlich. In die Infrastruktur müsste selbstverständlich
„Bei vielen ist das Grundverständnis nicht da, dass sich die Bildung komplett verändert.“
sehr viel Geld hineinfließen, dann könnten wir uns endlich der Haltungsfrage – wie sich Methodik, Kommunikation, Prüfungsformate ändern – widmen. Das steht noch kaum zur Debatte. 2010 war ich auf einer Fortbildung „Das Tablet im Deutschunterricht“, und jetzt, 15 Jahre später, habe ich dasselbe Thema beim Programm einer Universität wiederentdeckt. Daran sieht man, dass sich nichts verändert hat.
Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran, die menschliche und gesellschaftliche dafür umso langsamer. Können Sie sich das erklären? Wir Menschen sind manchmal ganz schön borniert. Das gilt besonders für Lehrkräfte, die aus dem Studium kommen und denken, sie sind die Wissensvermittler. Zugleich klammern sie sich an bekannte Strukturen.
Wie sollten Schulen mit Smartphones und Social Media umgehen? Sind Sie für Verbote, mehr pädagogische Begleitung – oder eine Mischform? Die Diskussion um das Handyverbot ist gerade sehr laut. Ich glaube, dass uns diese Entweder-oder-Debatten – entweder Verbot oder Medienkompetenz –nicht weiterbringen. Das Wort „Verbot“ haben wir verbrannt. Für mich sind das Regulierungen. So etwas wie ein Smartphone-Eingangsalter, ob es nun bei 13, 14 oder 16 Jahren liegt, wäre eine solche Regulierung. Das wäre eine
Orientierung für die Gesellschaft und auch für die Kinder. Unabhängig davon müssen Social Media und Smartphone-Nutzung in der Schule Themen werden, weil man die Kinder vorbereiten muss. Die Handys sollten gezielt pädagogische Relevanz bekommen, wenn der Lehrer sagt: Bringt morgen eure Smartphones mit, wir machen einen LiveTest. In der unterrichtsfreien Zeit, in den Pausen, haben Smartphones aus meiner Sicht nichts in der Schule zu suchen. Kinder sollen lernen, miteinander zu interagieren. Sie sollen lernen, sich zu streiten, miteinander lachen, Entscheidungen – Kiosk oder Pausenhof – treffen, rutschen, Langeweile aushalten, kreativ sein – menschliche Fähigkeiten lernen. Wenn man das in der Schule nicht mehr lernt, wo denn dann? Außerhalb der Schule sind die Kinder meistens nur noch am Handy. Ein Smartphone-Verbot in der Schule löst sicherlich nicht die Probleme der Kindheit, gibt aber Raum, anders zu agieren und anders soziale Kompetenzen aufzubauen.
Unterschätzen wir als Gesellschaft die Sprengkraft von Social Media und Künstlicher Intelligenz? Ja, vor allem bei Radikalisierung, Manipulierung und sexualisierter Gewalt durch digitale Technologien. Durch KI potenziert sich die sexualisierte Gewalt gerade, etwa was mittels Deepfake erzeugten Revenge Porn und dergleichen betrifft. Was gerade an politischer und Rollenbild-Radika-
„Es heißt immer, man sollte seinen Kindern vertrauen. Dabei ist es viel wichtiger, dass die Kinder uns vertrauen.“
lisierung abläuft, hat absolute gesellschaftliche Sprengkraft. Das unterschätzen wir alles komplett.
Welche Netzwerke halten Sie für besonders gefährlich? Wie sollen Eltern damit umgehen? Ich würde gerne alle über einen Kamm scheren und sagen: Jedes Netzwerk hat positives Potenzial, aber eben auch Potenzial, sich sehr übel auszuwirken. TikTok ist der Klassiker, der gerne genannt wird, wenn es um Gefahren geht. Es bringt aber nichts, nur ein Netzwerk zu verbieten, weil die Netzwerke und der Content in den Netzwerken miteinander interagieren. Viele Eltern wissen das nicht. Was es bei TikTok gibt, gibt es auch bei YouTube Shorts. Am Ende des Tages kommen die Kinder irgendwie an die Inhalte. Es geht darum, die Eltern zu sensibilisieren, die dann ihre Kinder sensibilisieren können. Ein Mediennutzungsvertrag, in dem Eltern und Kinder Art und Umfang ihrer Mediennutzung festlegen, ist hilfreich. Freitags wird die Fotogalerie gemeinsam aufgeräumt, sonntags hat keiner in der Familie ein Handy in der Hand. Eltern sollten wissen: Jede technische Nutzungsbeschränkung kann ausgehebelt werden. Es geht darum, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Kinder reden vielfach lieber mit ChatGPT über ihre Probleme als mit uns. Sie trauen sich nicht, uns zu sagen, was los ist, weil sie permanent Angst davor haben, dass ihnen das Handy weggenommen wird. Wenn man den Eltern einen Tipp geben sollte, dann wäre es dieser: Bleibt gelassen und entdramatisiert das Netz und die Smartphone-Nutzung. Egal was passiert, ich nehme dir dein Smartphone nicht weg. Dann vertrauen euch eure Kinder eher und kommen zu euch, wenn ihnen irgendein Vollidiot ein Penisbild oder Ähnliches schickt. Die Urangst, dass man ihnen die Geräte abnimmt, sorgt dafür, dass sie gerade dann nicht zu einem Erwachsenen gehen, wenn es wichtig wäre.
Es braucht in der Alltagsnutzung also die richtige Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle? Es heißt immer, man
sollte seinen Kindern vertrauen. Dabei ist es viel wichtiger, dass die Kinder uns vertrauen. Kinder probieren Dinge aus, testen ihre Grenzen aus. Das schlimmste Gefühl für Kinder ist es, ihre Eltern zu enttäuschen. Daher wäre es wichtiger als permanente Lobhudelei auf das eigene Kind, ihm zu sagen: Es ist egal, wie du bist, du bist mein Kind und damit das beste der Welt. Es ist zwar schön, wenn wir unseren Kindern vertrauen. Andersherum ist es aber viel wichtiger.
Wie könnte ein zeitgemäßer digitaler Unterricht heute aussehen? Man kann Kindern viel zutrauen, weil sie sehr experimentierfreudig sind. Man könnte Kindern im Unterricht erlauben, mit KI zu kommunizieren, sie müssen aber die Prompts offenlegen. Man könnte Kinder vor Herausforderungen stellen, die sie lösen müssen – auch mit Hilfe von ChatGPT und Co. Kinder haben mehr Lust darauf, als wenn man ihnen sagen würde: Lies Seite 13 bis 25. Man sollte diese neuen Werkzeuge im Unterricht gamifizieren, Aufgaben als Herausforderungen formulieren und vor allem nichts verteufeln. Dann macht die Schule plötzlich wieder allen Spaß.
Was macht der Short-Form-Content, mit dem wir via TikTok, YouTube-Shorts etc. zugeballert werden, mit unserer Aufmerksamkeitsspanne? Konsumiert man nur noch solchen Content, dann macht das etwas mit der Aufmerksamkeit. Man merkt sich das Zeug nur kurzfristig, die Konzentrationsfähigkeit und Merkfähigkeit leidet. Das ist bei Kindern auch so. Deshalb halte ich es für durchaus sinnvoll, wenn hin und wieder ein Gedicht auswendig gelernt wird.
Gibt es so etwas wie eine optimale Bildschirmzeit? Das ist die Frage unserer Zeit. Es gibt diese Maßgabe vom Kinderärzte- und Jugendverband, die heißt: Bildschirmfrei bis drei. Es ist sehr schwierig, ein Kind bis drei vom Bildschirm fernzuhalten. Meine Eltern haben das nicht geschafft. Es ist ein Unterschied, ob man eine halbe Stunde lang ei-
nen Trickfilm schaut oder nur Kurzvideos. Wenn mich Eltern fragen, ob sie ihre Kinder eine Serie anschauen lassen dürfen, rate ich ihnen dazu. Serien haben Cliffhanger, man muss sich konzentrieren, die Geschichten sind vielschichtig. Wenn die Kinder das vier Stunden schaffen: Super! Es gibt auch die Empfehlung, wonach 15- bis 16-Jährige maximal ein bis zwei Stunden Bildschirmzeit täglich haben sollten. Aus Sicht der Hirnentwicklung wäre das gesund. Es ist aber heute unrealistisch. Wichtiger ist es, dem Gehirn genügend analoge Zeit zu gönnen. Dann ist es auch kein Problem, wenn Kinder manchmal mehrere Stunden vor dem Bildschirm verbringen, wenn sie genügend Erholungszeit haben. Dazu gehört, dass man den Kindern auch analoge Angebote machen muss. Es reicht nicht zu sagen, legt euer Handy weg. Wir haben heute ein Problem damit, noch spannende analoge Angebote machen zu können. Was früher selbstverständlich war, muss heute wieder erlernt werden. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass man mit den Kindern nach draußen geht und ihnen die Schönheit der Natur näherbringt. Ideen gäbe es genug, man muss es nur tun wollen.
Was wäre Ihr Call to Action an Lehrer, Eltern und nicht zuletzt die Politik? Was muss getan werden, um die Kinder besser zu schützen? Man muss Kinder in ihrer Welt ernst nehmen. Wir werden weder die sozialen Netzwerke abschalten noch dafür sorgen können, dass Digitales keine Rolle mehr spielt. Wir müssen zu Experten in dieser digitalen Welt werden, damit wir Vorbild sein können. Es bräuchte verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte, aber auch für Politiker*innen. Für die Eltern lautet mein Call to Action: Nehmt eure Kinder öfter in den Arm und sagt ihnen: Scheißegal, was alles schiefläuft, du bist das beste Kind der Welt!
HINWEIS
Im Mai 2024 haben wir mit Gerlinde Schwabl, Dozierende am Institut für Berufspädagogik der Pädagogischen Hochschule Tirol, und ihrem Kollegen Patrick Pallhuber über die digitalen Kompetenzen (zukünftiger) Lehrpersonen gesprochen. Zum Hineinlesen scannen Sie einfach den QR-Code.
oder unseren anderen Plattformen:
Finanzen
VERANLAGEN & VERSICHERN
NEUER MARKTVORSTAND
Nachdem es im Vorstand der Hypo Tirol Bank im vergangenen Jahr etwas turbulent geworden ist, wurde dieser in einem externen Auswahlprozess im August 2025 neu besetzt. Andreas Stadler, der bereits dem vorigen Dreiervorstand angehörte und als Digitalisierungsexperte die digitale Transformation der Bank gestalten soll, hat mit Claudia Höller als Vorständin für Finanzen und Marktfolge (und zugleich Sprecherin) und Markus Hildmann zwei Kolleg*innen mit starkem Tirol-Bezug zur Seite bekommen. Markus Hildmann nahm nun mit Jänner 2026 die Arbeit im Vorstandsressort Vertrieb & Treasury auf. Sein Ziel ist klar: „Ich kenne den Wirtschafts- und Lebensraum Tirol bestens und werde an einer starken Marktpräsenz der Tiroler Landesbank arbeiten. Im Mittelpunkt stehen die Finanzierungen von Wohnraum, Unternehmen und öffentlichen Institutionen sowie maßgeschneiderte Angebote im Private Banking und Investments für den langfristigen Vermögensaufbau.“
Zur Person: Markus Hildmann ist seit 36 Jahren im Bankensektor tätig und verfügt über internationale Erfahrung. Zuletzt war er stellvertretendes Vorstandsmitglied (Firmenkunden) sowie Geschäftsführer der S-Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Den Tiroler Markt kennt er aus vier Jahren bei der Tiroler Sparkasse sowie seiner achtjährigen Tätigkeit als Firmenkunden-Leiter der Hypo Tirol. Die Ausbildung am Management Center Innsbruck unterstreicht seinen Tirol-Bezug.
DEN IMMOBILIENMARKT IM BLICK
Der österreichische Immobilienmarkt spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität des Finanzsystems. Wohn- und Gewerbeimmobilienkredite machen einen bedeutenden Teil der Kreditportfolios heimischer Banken aus, während dafür teils nur geringe Eigenkapitalpuffer erforderlich sind. Umso wichtiger ist es, dass diese Finanzierungen auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten robust bleiben. Vor diesem Hintergrund beobachtet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) die Entwicklungen am Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt besonders eng. Ziel ist es, potenzielle Risiken für die Finanzmarktstabilität frühzeitig zu erkennen und – falls nötig – mit gezielten Maßnahmen gegenzusteuern. Ein zentrales Instrument dafür ist das Wohnimmobilien-Dashboard der OeNB. Es bündelt Daten aus unterschiedlichen Quellen, bereitet sie übersichtlich auf und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Analyse gliedert sich dabei in die vier Themenfelder Angebot, Nachfrage, Marktgeschehen und makroprudenzielle Bewertung. Ein ergänzendes Dashboard für den Gewerbeimmobilienmarkt ist bereits in Arbeit und soll im ersten Quartal 2026 veröffentlicht werden. QR-Code scannen und klüger werden.
VERTRAUENSSACHE
Beim Bezahlen wird besonders deutlich, wie sehr die Digitalisierung den Alltag erleichtert und von den Österreicher*innen angenommen wird. So befinden sich laut dem Visa Payment Monitor, einer Umfrage unter rund 1.000 Österreicher*innen, digitale Zahlverfahren auf dem Vormarsch. Der Anteil jener, die schon einmal mit dem Smartphone oder Wearable im Geschäft bezahlt haben, erreicht mit 30 Prozent einen neuen Höchststand. Bei den 18- bis 35-Jährigen ist die Variante besonders stark verankert. Unter ihnen zahlt bereits jeder Zweite mobil, gleichzeitig sinkt die Zahl derer, die Bargeld nur aus Vorsicht mitnehmen, falls Zahlungen mit Karte oder Mobiltelefon nicht möglich sind. Bei neuen Angeboten wie Echtzeitüberweisungen oder Online-Identifikation sind die Bedenken allerdings noch groß. Entscheidend für deren Erfolg sind daher vor allem die Aspekte Sicherheit und Vertrauen, denn jeder Dritte war laut Befragung bereits von Onlinebetrug betroffen.
Rückenwind für Anleger
FINANZAUSBLICK 2026: CHANCEN AUF EIN
ERTRAGREICHES JAHR.
TEXT: MICHAEL KORDOVSKY
Der Wohnimmobilienmarkt in Österreich hat sich weitgehend stabilisiert, nachdem die Europäische Zentralbank/EZB ihren wichtigsten Leitzins, den Einlagezins, im Jahr 2025 in vier Schritten auf 2,00 Prozent senkte. Die Aktienmärkte florieren: Der MSCI-WorldIndex stieg auf US-Dollar-Basis über das Jahr 2025 gerechnet um 21,60 Prozent. US-Aktien stiegen, getrieben vom KI-Boom im Technologiesektor, und die Börsen Wien (ATX) und Südkorea (KOSPI) brachten es sogar auf ein Plus von jeweils 45,4 bzw. 75,6 Prozent. Doch die großen Shootingstars des Jahres 2025 und zum Jahresauftakt 2026 sind und bleiben Gold und Silber. Per 23. Jänner liegt
deren 12-Monats-Plus auf Dollarbasis bei je 77 bzw. 214 Prozent. Gold nähert sich immer mehr an die Marke von 5.000 USD an und Silber überschritt mittlerweile 100 US-Dollar. Der NYSE Arca Gold BUGS Index (Goldminenaktien) liegt auf Jahressicht um 194 Prozent im Plus. Wie geht es nun weiter? Und wie steht es um den Immobiliensektor?
KONJUNKTUR UND ZINSUMFELD BLEIBEN UNTERSTÜTZEND
Die RE/MAX-Studie Immobilienmarkt 2026 klingt durchaus optimistisch. Im PREFIX, dem RE/MAX Real Estate Future Index, sammelt RE/MAX Austria die Einschätzungen von 650 Immobilienexpert*in-
nen. Das Ergebnis: „Bei allen Immobilientypen steigen Nachfrage und Angebot wieder. Die Preise ziehen bei allen Immobilientypen moderat – im Rahmen der Inflationsrate –an.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt die jüngste Publikation des Infina-Kredit-Index (IKI): Trotz tendenziell wieder steigender Wohnbaukreditzinsen bis 2027 drehen die Wohnimmobilienpreise nach oben. Im Detail: „Für das Jahr 2026 sind im Neubau abhängig von Lage und Projekt mittlere bis teils höhere einstellige Preissteigerungen möglich, oft begleitet von weiter steigenden Mieten. Bei gebrauchten Wohnungen erscheint eine Preisentwicklung von zwei bis vier Prozent als realistisches Szenario.“ Die Wohnbau-Finanzexpert*innen der Infina begründen dies mit einer schwachen Fertigstellungsquote, die durch die zurückhaltende Finanzierung neuer Projekte gebremst wird.
Das Konjunktur- und Zinsumfeld ist jedenfalls weiter unterstützend für Sachwerte aller Art: Aktien und Immobilien sowie Edelmetalle bleiben weiterhin ein Thema, denn die Federal Reserve/Fed, das Zentralbank-System und die Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika, ist dabei, die Geldmenge eventuell erneut nachhaltig auszuweiten: Sie hat per 12. Dezember 2025 wieder mit Anleihenkäufen begonnen – vorläufig monatlich 40 Milliarden USD, um die Liquiditätsversorgung stabil zu halten.
Hier könnte bereits Krisenvorbeugung dahinterstecken, für den Fall, dass der KIBoom abflaut und es zu massiven Korrekturen am US-Aktienmarkt kommt. In puncto Staatsverschuldung sind die USA mit 124 Prozent des BIP (Fiskaljahr 2025) bereits in einem sehr kritischen Bereich, während die Eurozone derzeit sowohl in punkto Staatshaushalte als auch Aktienbewertungen die solidere Alternative ist. „Die Eurozone befindet sich 2026 in einer Phase geldpolitischer Stabilität. Da die Inflation im Zielkorridor von zwei Prozent liegt, werden keine Zinsänderungen erwartet. In den USA reagiert die Federal Reserve hingegen auf einen schwächeren Arbeitsmarkt und eine daraus resultierende mögliche Konjunkturabkühlung. Der Markt preist daher für die USA zwei Zinssenkungen im laufenden Jahr ein“, kommentiert Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, die Lage und ergänzt: „Vorsicht ist bei Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten dies- und jenseits des Atlantiks geboten: Steigende Staatsverschuldung führt zu höheren Renditen, da Investoren für das wachsende Kreditrisiko und das größere Anleiheangebot eine zusätzliche Risikoprämie verlangen. Deshalb sollten
„WÄHREND TEILE DES US-MARKTES
GEMESSEN AN KENNZAHLEN WIE KURS GEWINN-VERHÄLTNIS ODER KURS-UMSATZVERHÄLTNIS HOCH BEWERTET ERSCHEINEN, BIETEN EUROPA UND AUSGEWÄHLTE QUALITÄTS- UND VALUE-SEGMENTE AUS UNSERER SICHT EIN ATTRAKTIVERES BEWERTUNGSNIVEAU BEI VERGLEICHBAREN ERTRAGSPERSPEKTIVEN.“
Helmut Siegler, Schoellerbank
aktuell eher kurze bis mittlere Laufzeiten gewählt werden, um Zinsrisiken zu begrenzen“. Ähnlich sieht das Karin Svoboda, Vorstandsmitglied der Tiroler Sparkasse: „Für Europa erwarten wir im Jahr 2026 stabile Leitzinsen. Der Einlagenzinssatz der EZB liegt seit Mitte 2025 bei zwei Prozent und dürfte auf diesem Niveau bleiben, da sich die Inflation weiter in Richtung des Preisstabilitätsziels von zwei Prozent bewegt. Die verbesserte Konjunkturlage und fiskalische Impulse, beispielsweise durch Investitionen in Verteidigung und Digitalisierung, sprechen jedoch für leicht steigende Renditen am langen Ende. Treiber hierfür sind ein höheres Neuemissionsvolumen sowie moderat steigende Inflationsprämien.“
Komplexer ist die Situation in den USA, die die Expert*innen von Erste Group Research wie folgt skizzieren: „Nach der jüngsten Zinssenkung der US-Notenbank Fed erwarten wir zu Jahresbeginn zwei weitere moderate Schritte nach unten, um sich dem neutralen Zinsniveau von rund drei Prozent anzunähern. Allerdings dürfte die Inflation mit knapp drei Prozent hartnäckiger blei-
ben als von der Fed prognostiziert. Dies könnte im späteren Jahresverlauf erneute Zinserhöhungen ins Gespräch bringen. Langfristig rechnen wir daher mit steigenden Renditen, da Inflationsrisiken und ein höheres Anleiheangebot zunehmend eingepreist werden.“
Allein 2026 laufen US-Staatsanleihen im Volumen von neun Billionen USD aus – das sind 28,3 Prozent des für 2026 geschätzten BIP. Zusätzlich müssen noch die tendenziell steigenden öffentlichen Defizite finanziert werden. Laut Schätzung von Moody’s sollte das Haushaltsdefizit der USA von 2024 bis 2035 von 6,4 Prozent auf knapp 9 Prozent des BIP steigen. Niedrigere Zinsen und Staatsanleihenkäufe sollen in so einem Umfeld steigenden Staatsanleihenrenditen und höheren Finanzierungskosten des Staates entgegenwirken, denn die Nettozinsen sind im laufenden Fiskaljahr bereits der zweitgrößte Ausgabeposten der US-Regierung. Zwischenzeitlich könnten sich die Zinsdifferenzen zwischen den USA und der Eurozone weiter verringern. Die Folge wäre ein tendenziell schwächerer US-Dollar.
„DIE GRÖSSTEN RISIKEN FÜR DAS JAHR
2026 SEHEN WIR VOR ALLEM IN DEN USA: HOHE BEWERTUNGEN AN DEN AKTIENMÄRKTEN, POLITISCHE UNSICHERHEITEN IM UMFELD DER MIDTERM-WAHLEN SOWIE MÖGLICHE ZINSSCHWANKUNGEN BEI ANHALTENDER INFLATION KÖNNTEN DIE MÄRKTE BELASTEN.“
Karin Svoboda, Tiroler Sparkasse
Positives Umfeld: Zumindest kurzfristig noch relativ niedrige Dollarzinsen, bei schwächelndem Dollar könnten Lokalwährungsanleihen diverser Schwellenländer profitieren. Generell sind diverse Schwellenländeranleihen wegen höherer Renditen attraktiv, zumal es weder Überhitzung noch stärkere Krisentendenzen in den Emerging Markets gibt. Je nach Benchmark und Portfolio liegen die Renditen von Schwellenländeranleihen derzeit zwischen 5,5 und über 7 Prozent. Ebenfalls positiv könnten sich europäische Corporate Bonds entwickeln, während bei Staatsanleihen gewisse Vorsicht geboten ist, was die Analyst*innen von Erste Group Research wie folgt auf den Punkt bringen: „Wir erwarten eine positive Performance bei Euro-Unternehmensanleihen. Für Euro-Staatsanleihen rechnen wir hingegen mit einer schwächeren Entwicklung. US-Treasuries könnten sogar negativ performen, da wir mit steigenden Renditen und einem schwächeren Dollar rechnen.“
Das aktuelle Konjunktur- und Zinsumfeld legt auch der Fortsetzung des bisherigen Aufschwungs an den Aktienmärkten keine
Prügel in den Weg. Die Unternehmensgewinne sollten 2026 entsprechend wachsen: Laut FactSet Analystenkonsens vom 23. Jänner 2026 sollten heuer die Gewinne der S&P-500-Unternehmen bei einem Umsatzwachstum von 7,3 Prozent um 14,7 Prozent steigen. Am stärksten ist das erwartete Gewinnwachstum im Technologiesektor, gefolgt von den Grundstoffen, während die Gewinne im Energiesektor wohl eher stagnieren.
Und wie sieht es in Europa aus? Laut STOXX 600 Earnings Outlook von LSEG (Stichtag 22. Jänner 2026) sollte sich das Gewinnwachstum der STOXX-600-Unternehmen von Q1 2026 bis Q1 2027 von 1,4 kontinuierlich auf 14,9 Prozent beschleunigen. 800 Milliarden Euro bis 2030 für das EU-weite Rüstungsprogramm RearmEurope und die Aufstockung der NATO-Verteidigungs-Etats auf bis zu fünf Prozent des BIP im Jahr 2035 sollten neben hohen Infrastrukturinvestitionen und einem sich abzeichnenden Wiederaufbau der Ukraine (geschätztes Investitionsvolumen von 524 Milliarden USD über zehn Jahre) längerfris-
tig die Konjunktur in Europa stützen, was insbesondere zahlreiche Aktien der Wiener Börse attraktiv erscheinen lässt.
DIE GRÖSSTEN CHANCEN
„Die größten Chancen sehen wir 2026 in qualitätsorientierten Aktien sowie in Anleihen mit attraktiven laufenden Renditen. Auf der Aktienseite bevorzugen wir Unternehmen mit soliden Bilanzen, stabilem Cashflow und Preisfestsetzungsmacht. Auch eine stabile und wachsende Dividende ist interessant. Während Teile des US-Marktes gemessen an Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Umsatz-Verhältnis hoch bewertet erscheinen, bieten Europa und ausgewählte Qualitäts- und Value-Segmente aus unserer Sicht ein attraktiveres Bewertungsniveau bei vergleichbaren Ertragsperspektiven“, so Helmut Siegler. Nach Einschätzung des Autors findet sich viel Value generell im Bereich Biotechnologie/Pharma und bei europäischen Konsumgüterherstellern. Telekomtitel und Versorger mit hohen Dividendenrenditen könnten – je nach genauer Auswahl –ebenfalls interessant sein. Karina Svoboda ist vor allem für europäische Aktien positiv gestimmt: „Europa bietet attraktive Perspektiven. Die Bewertungen sind im Vergleich zu den USA günstiger und die Dividendenrenditen hoch. Zusätzliche Impulse kommen durch Investitionen in die Bereiche Energie, Infrastruktur und Verteidigung. Besonders interessant sind europäische Small Caps, die von der konjunkturellen Erholung profitieren.“ Auch in den USA bieten sich laut Svoboda mögliche Chancen. „In den USA bleiben Qualitätswerte im Fokus, ebenso wie Unternehmen, die indirekt vom Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz profitieren. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Energie und Infrastruktur sowie aus den Sektoren Technologie und Finanzen. Darüber hinaus sehen wir Chancen in Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika, wo strukturelles Wachstum und attraktive Bewertungen locken.“ In Bezug auf Rohstoffe gibt Patrick Götz, Vorstandsmitglied der Tiroler Sparkasse, folgenden Hinweis: „Industriemetalle wie Kupfer profitieren strukturell von der Energiewende und der Digitalisierung. Gold kann als diversifizierender Bestandteil in Portfolios genutzt werden. Die Entwicklung der Nachfrage wird unter anderem durch geopolitische Faktoren sowie Käufe von Zentralbanken beeinflusst.“
In Bezug auf die Wertentwicklung von diversen KI-Aktien, wie NVIDIA, deren Markt-
kapitalisierung 2025 die Fünf-Billionen-Dollar-Marke knackte, wird indes häufig schon von einer spekulativen Blase gesprochen. Auch bei Gold und Silber fragen sich immer mehr Anleger*innen, ob wir uns nicht ebenfalls in einer Blase befinden. Helmut Siegler ist diesbezüglich entspannt: „Derzeit gibt es keine Anzeichen für eine breit angelegte spekulative Übertreibung an den Finanzmärkten. Gerade im KI- und Technologiesektor sehen wir keinen neuen Dotcom-Moment, sondern eine klare Differenzierung: Einzelne Titel sind ambitioniert bewertet, der strukturelle KI-Trend ist jedoch fundamental unterlegt und mit realen Investitionen, Produktivitätsgewinnen und steigenden Erträgen verbunden. Bei Gold und Silber sehen wir eine Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten, hohe Staatsverschuldung und geldpolitische Risiken. Insbesondere die Nachfrage von Notenbanken und institutionellen Investoren sorgt für steigende Preise. Blasenrisiken entstehen vor allem selektiv dort, wo Bewertungen den realistischen Ertragsperspektiven deutlich vorausgelaufen sind. Genau deshalb bleibt eine disziplinierte, breit diversifizierte und qualitätsorientierte Veranlagung zentral.“
Auch Svoboda sieht keine breite KI-Blase: „Zwar sind die Bewertungen bei Technologie- und KI-Aktien teilweise ambitioniert, doch handelt es sich bei Künstlicher Intelligenz um einen strukturellen Trend mit langfristigem Wachstumspotenzial. Typische Zyklen aus Euphorie und Konsolidierung sind dabei normal. Eine breite ‚KI-Blase‘ ist aus unserer Sicht jedoch nicht gegeben.“ Zur Goldpreisentwicklung ergänzt Patrick Götz: „Auch beim Goldpreis erkennen wir keine Blasenmerkmale. Die Nachfrage bleibt stark, insbesondere durch Zentralbanken und private Investoren. Zusätzlich stützen geopolitische Risiken, die hohe US-Staatsverschuldung sowie die Aussicht auf weitere Zinssenkungen in den USA den Goldpreis. Silber zeigt sich traditionell volatiler, jedoch ohne klare Überhitzungstendenzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir aktuell keine Anlageklasse erkennen, die eindeutig eine spekulative Blase aufweist. Vielmehr spiegeln die Preisentwicklungen fundamentale Faktoren wie geopolitische Unsicherheiten, geldpolitische Erwartungen und strukturelle Trends wider.“
RISIKOFAKTOREN
„Die größten Risiken sehen wir 2026 in überhöhten Bewertungen einzelner Marktsegmente sowie in politischen und geldpoli-
tischen Unsicherheiten. Auf der Aktienseite betrifft das vor allem Teile des US-Technologiesektors, wo hohe Erwartungen bereits eingepreist sind und weitere hohe Kurszuwächse wie in den vergangenen Jahren aus heutiger Sicht weniger wahrscheinlich erscheinen“, so Siegler, der auch im Bondmarkt Risiken identifiziert hat: „Im Anleihesegment liegen die Risiken vor allem bei langen Laufzeiten und schwächerer Bonität. Zusätzlich würde eine Infragestellung der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed die Risikoprämien erhöhen, Inflationserwartungen destabilisieren und sowohl Aktien- als auch Anleihemärkte belasten.“ Die Analysten von Erste Group Research skizzieren die Risiken dazu wie folgt: „Übergeordnet bleiben geopolitische Risiken prägend: Zuspitzungen bestehender Konflikte, neue Spannungen, handelspolitische Risiken sowie Fragen der Energiesicherheit und Rohstoffabhängigkeit können jederzeit für Volatilität sorgen“, Svoboda
weist auf US-spezifische Risiken hin: „Die größten Risiken für das Jahr 2026 sehen wir vor allem in den USA: Hohe Bewertungen an den Aktienmärkten, politische Unsicherheiten im Umfeld der Midterm-Wahlen sowie mögliche Zinsschwankungen bei anhaltender Inflation könnten die Märkte belasten. „Und sie zeigt noch einen weiteren Risikobereich: „Auch China bleibt ein Un - sicherheitsfaktor, insbesondere aufgrund des schwachen Immobilienmarktes, der hohen Verschuldung und der geopolitischen Spannungen. Bei Anlei- hen liegt das Hauptrisiko in steigenden langfristigen US-Renditen, die zu Kursverlusten führen können.“ Götz ergänzt: „Zusätzlich sorgt der bevorstehende Wechsel an der Spitze der US-Notenbank für erhöhte Aufmerksamkeit, da die Amtszeit des aktuellen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im Mai 2026 endet und die Entscheidung über eine Nachfolge Auswirkungen auf die zukünftige geldpolitische Ausrichtung haben könnte.“
„BLASENRISIKEN ENTSTEHEN VOR ALLEM
SELEKTIV, DORT WO BEWERTUNGEN DEN REALISTISCHEN ERTRAGSPERSPEKTIVEN DEUTLICH VORAUSGELAUFEN SIND. GENAU DESHALB BLEIBT EINE DISZIPLINIERTE, BREIT DIVERSIFIZIERTE UND QUALITÄTSORIENTIERTE VERANLAGUNG ZENTRAL.“
Patrick Götz, Tiroler Sparkasse
RECHTZEITIG WEG VON HIER!
EIN PLATZ IM STEUERPARADIES?
TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER
Wie nur kann ich meine Gewinne in ein Steuerparadies verlagern? So wie die Frage meist gestellt und gemeint ist, leider überhaupt nicht. Aufgrund scharfer Missbrauchsbestimmungen ist von illegaler Verlagerungsakrobatik dringend abzuraten. Unter welchen Voraussetzungen die Ampeln hier steuerlich dennoch auf Grün stehen können, erfahren Sie hier.
GEWINNE IN DER STEUEROASE
ENTSTEHEN LASSEN
Entstehen Gewinne in einer ausländischen Gesellschaft, die mit einer Kapitalgesellschaft nach österreichischem Recht (z. B. GmbH) vergleichbar ist, so ist diese Gesellschaft als Zurechnungssubjekt dieser Gewinne anzuerkennen. Das heißt, die Gewinne sind bei der Gesellschaft selbst und nicht bei den dahinter stehenden Gesellschafter*innen zu besteuern. Auf Grund des Sitzstaatprinzips erfolgt die Besteuerung einer solchen Gesellschaft im Sitzstaat entsprechend der dortigen, gegebenenfalls paradiesischen Steuergesetzgebung. Damit können die in der Oasegesellschaft angesammelten, nicht ausgeschütteten Gewinne vor dem Zugriff des österreichischen Fiskus abgeschirmt werden.
Eine besonders attraktive Sonderstellung nimmt hier Madeira ein. Dabei handelt es sich um eine EU-Sonderzone, die
auf Grund ihrer Randlage in der EU besonders gefördert wird. Der Körperschaftssteuersatz beträgt hier unter bestimmten Voraussetzungen (Registrierung im International Business Center – IBC) nur fünf Prozent. Zudem gibt es Ausnahmen von Grunderwerbs- und Kommunalsteuern. Noch spannender stellt sich die Situation in Estland dar. Dort bleiben thesaurierte
IN EIN STEUERPARADIES
AUSZUWANDERN, IST VOR ALLEM FÜR INDIVIDUEN, DIE IHREN BERUF ORTSUNGEBUNDEN AUSÜBEN KÖNNEN, EINE ATTRAKTIVE ALTERNATIVE. DIE BEKANNTESTEN BEISPIELE DIESER SPEZIES SIND KÜNSTLER*INNEN UND SPORTLER*INNEN. ABER AUCH SO MANCHER WISSENSCHAFTLER UND ERFINDER HAT SICH SCHON LÄNGST IN ANDORRA UND CO. HEIMISCH GEMACHT.
UM STEUERVORTEILE ZU NUTZEN, IST ES WICHTIG, DASS
DIE GESELLSCHAFT TATSÄCHLICH IM OASELAND IHRE
WIRTSCHAFTLICHE TÄTIGKEIT ENTFALTET, ALSO PERSONAL AUFNIMMT, EINE ORGANISATION AUFBAUT, JAHRESABSCHLÜSSE
DORT ERSTELLT UND VOR ALLEM, DASS SICH AUCH DIE
GESCHÄFTSLEITUNG DORT BEFINDET. VOR SCHEINKONSTRUKTIONEN SEI AN DIESER STELLE AUSDRÜCKLICH GEWARNT.
bzw. reinvestierte Gewinne gänzlich von der Steuer verschont.
Wichtig dabei ist, dass die Gesellschaft tatsächlich im Oaseland ihre wirtschaftliche Tätigkeit entfaltet, also Personal aufnimmt, eine Organisation aufbaut, Jahresabschlüsse dort erstellt und vor allem, dass sich auch die Geschäftsleitung dort befindet. Vor Scheinkonstruktionen sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt. Achtung auch vor Inlandsaktivitäten, die in Österreich eine Betriebsstätte begründen. Dieser Betriebsstätte zuzurechnende Einkünfte unterliegen jedenfalls in Österreich der Steuerpflicht.
Bei einer Sitzverlegung einer im Inland ansässigen Körperschaft ist weiters die so genannte Wegzugsbesteuerung ins Kalkül zu ziehen. Zum Zeitpunkt des Endes der heimischen Steuerpflicht werden die stillen Reserven (= Unterschiedsbetrag zwischen Buchwert und Verkehrswert) des Unternehmens einer Fiktionsbesteuerung (Fiktion einer Veräußerung) unterzogen.
INS STEUERPARADIES AUSWANDERN
Dies ist vor allem für Individuen, die ihren Beruf ortsungebunden ausüben können, eine attraktive Alternative. Die bekanntesten Beispiele dieser Spezies sind Künstler*innen und Sportler*innen. Aber auch so mancher Wissenschaftler und Erfinder hat sich schon längst in Andorra und Co. heimisch gemacht. Und auch Ärzte werden überall gebraucht. Bei der Auswahl der für den jeweiligen Einzelfall optimalen Steueroase sind in steuerlicher Hinsicht die relevanten Doppelbesteuerungsabkommen in Hinblick auf die bestehende Einkommenssituation der auswanderungswilligen Familie zu checken.
Bei Kapitalvermögen wie Wertpapieren oder Beteiligungen kommt es zu einer so genannten Wegzugsbesteuerung. Danach
Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Mag. Dr.
und StB Raimund Eller
wird von der Finanz eine Veräußerung dieser Anteile fingiert, sobald der Steuerpflichtige die heimischen Gefilde verlässt. In diesem Fall wird der seinerzeitige Anschaffungswert der Beteiligung dem aktuellen Verkehrswert gegenübergestellt und die Differenz besteuert. Innerhalb der EU gibt es davon auf Antrag eine Befreiungsmöglichkeit bis zu einer tatsächlichen Veräußerung.
Zu guter Letzt ist noch zu beachten, dass die Zelte im Inland komplett abgebrochen werden müssen. Eine inländische Wohnung darf man erst wieder innehaben, nachdem man den Mittelpunkt der Lebensinteressen bereits mindestens fünf Jahre im Ausland hatte. Nach Ablauf dieser „Sperrfrist“ ist ein inländischer Wohnsitz zur Beibehaltung der beschränkten Steuerpflicht zwar unschädlich, jedoch darf man sich für allezeit maximal 70 Tage im Jahr im Inland aufhalten (Zweitwohnsitzverordnung).
RESÜMEE
Maria
Es gibt sie, die vom System Privilegierten, denen ein Platz im Steuerparadies beschieden ist. Sind Sie in der glücklichen Lage, Ihre Profession in einem Steuerparadies ausüben zu können bzw. eignet sich für Ihr Unternehmen eine Steueroase als Standort, dann sei Ihnen an dieser Stelle herzlich gratuliert. Sie können es schaffen! Es ist nicht selbstverständlich in einer Welt zu leben, in der man bei guter Einkommenssituation rund die Hälfte seines Einkommens zur Umverteilung herausgeben muss, ohne dafür je ein Dankeschön zu hören. Und dann noch die politisch eröffnete Jagd auf Unternehmer*innen, die mehr und mehr unter Generalverdacht gestellt werden und einer massiv anwachsenden Flut bürokratischer Verpflichtungen und Hindernissen ausgesetzt sind. Es ist Zeit zum Nachdenken und vielleicht auch zum Umdenken. Vielleicht ist gerade Ihnen ein Platz im Steuerparadies beschieden.
Verena
Erian
ACCOUNTING OF THE FUTURE: EIN KOMPRIMIERTER AUSBLICK AUF DAS RECHNUNGSWESEN
VON MORGEN
Das Rechnungswesen befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, Automatisierung und neue gesetzliche Vorgaben wie die Nachhaltigkeitsberichtserstattung betreffen nicht nur große Gesellschaften/ Konzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die nachfolgenden Ausführungen zeigen, wohin sich das Rechnungswesen entwickeln wird, welche Rolle Technologie spielt und warum die E-Rechnung ein „Gamechanger“ im Rechnungswesen ist. Dies auch aus dem Blickwinkel von KMU.
TEXT: GUNNAR FREI
Ein großer Teil der Buchhaltungsaufgaben besteht traditionell aus Routinearbeiten. Belege werden gesammelt, Rechnungen manuell geprüft, Zahlungen abgeglichen oder Konten verglichen. Diese Tätigkeiten werden zukünftig viel stärker digitalisiert und automatisiert durchgeführt werden. Digitale Systeme können Belege erkennen, Zahlungsdaten aus Rechnungen übernehmen oder Rechnungen mit Bestellungen abgleichen, ohne dass Mitarbeiter*innen jeden Schritt einzeln ausführen müssen. Dadurch verändert sich das Berufsbild merklich.
Die Mitarbeiter*innen im Rechnungswesen werden stärker dazu beitragen Rechnungen/Prozesse zu beurteilen, Abläufe zu erklären und zu optimieren und Verantwortung für die Qualität der Informationen zu übernehmen. Das reine Erfassen von Daten tritt in den Hintergrund – stattdessen wird das Nachdenken über die Bedeutung der Zahlen immer wichtiger werden. Für KMU bedeutet das vor allem eine Entlastung von Mitarbeiter*innen im Rechnungswesen. Viele kleinere Betriebe haben nämlich kei-
ne große Buchhaltungsabteilung, sondern oft eine einzelne Person, die viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss. Automatisierte Abläufe können dort für spürbare Erleichterung der Mitarbeiter*innen sorgen.
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ IM RECHNUNGSWESEN
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits in vielen aktuellen Rechnungswesen-Anwendungen eingebaut. Im Rechnungswesen kann KI unterstützen, indem sie Muster in Zahlen erkennt, ungewöhnliche Vorgänge meldet oder Vorhersagen trifft. Wenn ein Lieferant plötzlich deutlich höhere Preise verlangt, kann ein KI-unterstütztes System diesen Trend frühzeitig erkennen. Auch in der Liquiditätsplanung – also der Frage, wie viel Geld voraussichtlich zur Verfügung steht –können KI-gestützte Werkzeuge wertvolle Hinweise geben.
Wichtig zu erwähnen: KI ersetzt nicht das menschliche Denken. Die KI liefert Vorschläge, nicht Entscheidungen. Menschen prüfen die Ergebnisse und überlegen, wel-
chen Einfluss sie auf das Unternehmen haben könnten. Gerade für KMU kann KI von Vorteil sein, weil sie in der Regel keine eigene Controllingabteilung haben. Digitale Systeme helfen ihnen, Entwicklungen zu erkennen, die sonst schwer sichtbar wären. Buchhaltung und Controlling werden zunehmend verschmelzen.
TECHNOLOGISCHE LANDSCHAFT:
PLATTFORMEN STATT INSELLÖSUNGEN
Digitale Finanzsysteme entwickeln sich hin zu Plattformen, die verschiedene Anwendungen verbinden. Moderne ERP-Systeme, Data-Warehouses und Analysewerkzeuge verschmelzen mit KI-Anwendungen zu integrierten Finanzarchitekturen. Kennzeichnend sind unter anderem:
• konsistente Datenmodelle
• automatisierte Workflows
• klar definierte Kontrollmechanismen
• Schnittstellen für externe Datenquellen (Anbindung zu anderen Datenquellen) Diese technologische Basis unterstützt transparente und nachvollziehbare Prozesse
und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Teams in den Unternehmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datensicherheit, Schutzmechanismen und Governance – ein Thema, das in vielen Unternehmen an Bedeutung gewinnt.
Viele KMU greifen schon jetzt auf ausgelagerte Cloud-Lösungen für ihr Rechnungswesen zurück. Sie nutzen oftmals die „Software as a Service“-Cloud-Lösungen von externen Dienstleistern. Diese Dienstleistungen oder die Anbindung ihres Rechnungswesens an diverse Plattformen werden für KMU zum Teil schon über Steuerberatungskanzleien angeboten.
ECHTZEITDATEN: VOM STATISCHEN BERICHT ZUR LAUFENDEN ÜBERSICHT
In der Vergangenheit galt insbesondere für kleinere Unternehmungen die klassische Monatsroutine: Erst wenn alle Belege gesammelt und verarbeitet waren, standen verlässliche Auswertungen zur Verfügung. Dieser Rhythmus verändert sich deutlich. Digitale Systeme verbinden Bankdaten, Rechnungsinformationen, Lagerbestände oder Verkaufszahlen miteinander. Dadurch entsteht ein „Real-time“-Überblick darüber, wie es dem Unternehmen finanziell geht. Diese Transparenz ermöglicht erheblich schnellere Reaktionen.
Für KMU ist dieser Vorteil besonders wertvoll und stellt eine neuartige Aktualität der erhaltenen Finanzinformationen bzw. KPIs dar.
„GAMECHANGER“ EU - E - RECHNUNG
Ein besonders wichtiger Baustein der zukünftigen Entwicklung des Rechnungswesens ist die elektronische Rechnung, kurz E-Rechnung genannt. Die EU plant spätestens ab dem Jahr 2030 die verpflichtende Einführung der „EU-E-Rechnung“ für B2B-Geschäfte in den jeweiligen EU-Mitgliedsstaaten. Anders als eine PDF-Rechnung handelt es sich bei einer E-Rechnung um ein strukturiertes Datenformat (xml-Format) für die Rechnung, das automatisch von der Software gelesen werden kann. Dies stellt einen grundlegenden
Strukturwandel im Rechnungswesen dar.
Die E-Rechnung bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich:
• Daten müssen nicht mehr manuell übertragen werden. Fehler beim Abtippen entfallen.
• Rechnungen können schneller geprüft werden, da der Datenabgleich von Rechnung und Bestellung/Zahlungseingang automatisiert erfolgt (3-Way-Match).
• Die Weiterverarbeitung, etwa für die Umsatzsteuer, wird einfacher. Ein Vorsteuerabzug wird nur mit einer ordnungsgemäßen E-Rechnung möglich sein.
Die EU-E-Rechnung wird neue Softwarelösungen auch für KMU bringen. Die E-Rechnung wird die Integration zwischen Buchhaltung, Warenwirtschaft und Zahlungsdienstleistern weiter vorantreiben.
MENSCH UND TECHNOLOGIE: EIN KONSTRUKTIVES ZUSAMMENSPIEL Trotz der neuen Technologie bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Er setzt Prioritäten, bewertet Risiken, kommuniziert Ergebnisse und bestimmt die Richtung. Die Zukunft des Rechnungswesens entsteht daher aus einem Gleichgewicht:
ENTWICKELN
• Technologie verarbeitet Daten zuverlässig und konsistent.
• Menschen interpretieren Ergebnisse und verbinden sie mit betriebswirtschaftlichem Verständnis.
• Organisationen schaffen Strukturen, die Zusammenarbeit, Transparenz und Offenheit fördern.
Dieser Dreiklang bildet die Grundlage für ein Rechnungswesen, das flexibel und zukunftsfähig ist. Damit steigen die Anforderungen an die Fachkräfte im Rechnungswesen. Diese benötigen betriebswirtschaftliches Verständnis, analytisches Denken und die Fähigkeit, technologische Systeme zu nutzen, ohne selbst Entwickler sein zu müssen. Der Mensch bleibt der zentrale Faktor, der aus digitalen Ergebnissen nachvollziehbare Erkenntnisse ableitet.
Da es insbesondere für KMU immer schwieriger wird, entsprechendes Fachpersonal für das Rechnungswesen zu finden, werden die Aufgaben der Finanzabteilung immer öfter vom Steuerberater des Unternehmens wahrgenommen. Voraussetzung ist, dass die Steuerberatungskanzlei digital mit dem Unternehmen vernetzt und angebunden ist und wie eine integrierte Finanzabteilung agieren kann. Die Zusammenarbeit von KMU mit der Steuerberatungskanzlei wird stärker datenbasiert, zeitnaher und partnerschaftlicher. Der Wandel des Rechnungswesens zum zentralen Bestandteil der Unternehmenssteuer geht rasant weiter. Gerne beraten wir Sie bei der Implementierung eines zukunftsfitten Rechnungswesens. www.deloitte.at/tirol
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Mag. Gunnar Frei ist Partner bei Deloitte Tirol.
EINZUG MIT
REICHWEITE
Seit Mitte Jänner sind die Marken JAECOO und OMODA neu im Portfolio bei Dosenberger. Die Entscheidung für die Marken von Chery Automobile ist dabei sehr bewusst gefallen: „Der Konzern ist nicht nur größter Automobilexporteuer Chinas, sondern auch das erste Automobilunternehmen, das komplette Fahrzeuge exportiert. Das Bekenntnis zu Europa zeigt sich daran, dass eine neue Produktionshalle in Barcelona gebaut wird“, so Mag. Manuel Jahn, Geschäftsführung Autohaus Dosenberger Innsbruck | Zams. „Mit OMODA und JAECCO erweitern wir unser Angebot um zwei Marken, die den Zeitgeist treffen: modern, innovativ und technologiestark. Damit schaffen wir zusätzliche Berührungspunkte zu neuen Kundengruppen und stärken unsere Zukunftsfähigkeit an beiden Standorten Innsbruck und Zams. Die bestehenden Marken Renault, Dacia und Ford in Zams bilden weiterhin das stabile Fundament unserer Standorte. OMODA und JAECOO ergänzen dieses Portfolio, ohne es zu ersetzen. Im Gegenteil: Sie eröffnen zusätzliche Wahlmöglichkeiten und stärken unsere Wettbewerbsposition insgesamt.“ Zum Start kam kürzlich der JAECOO 7 PHEV angerollt, der das Segment der kompakten Plug-in-Hybrid-SUVs um ein Modell ergänzt, das Effizienz und Reichweite klar in den Mittelpunkt stellt. Das Hybridsystem aus 1,5-Liter-Benzin- und Elektromotor ermöglicht bis zu 90 Kilometer elektrische Reichweite sowie eine Gesamtreichweite von rund 1.200 Kilometern. Der kombinierte Verbrauch liegt bei 2,4 Liter auf 100 Kilometer, die CO₂-Emissionen bei 54 g/km. Mit 4,5 Metern Länge positioniert sich das Modell im europäischen Kernsegment und bietet ein flexibles Raumkonzept sowie moderne Konnektivität über ein 14,8-Zoll-Zentral-Touchdisplay. Zwei Ausstattungslinien – Comfort und Premium – decken unterschiedliche Ansprüche ab. Der JAECOO 7 PHEV startet bei 35.990 Euro, ist aufgrund seiner Effizienzarchitektur von der NoVA befreit und steht bei Dosenberger zur Probefahrt bereit.
KOMPAKT GROSS
Mit der Präsentation seines Grandis feierte Mitsubishi Mitte letzten Jahres die Premiere seines neuen Kompakt-SUV, nun ist auch die Produktion angelaufen und das Auto bestellbar. In den Abmessungen kompakt, wird vor allem das Raumangebot dem Modellnamen vollumfänglich gerecht, womit vor allem auch Familien ihre Freude damit haben werden. Dazu kommt ein hohes Maß an Vielseitigkeit, ein modernes Design und effiziente Mild- und Vollhybridantriebe mit 120 bzw. 160 PS, wobei der Grandis vor allem im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent der Zeit rein elektrisch unterwegs ist. Und auch in Sachen Sicherheit und Assistenz sind alle Features mit an Bord, die man braucht, 10-Zoll-Infodisplay, Google Maps, Play und Assistant inklusive. Eingestiegen wird bei rund 26.000 Euro.
AERO - DYNAMISCH
Mit dem neuen Compass schlägt Jeep ein frisches, vollelektrisches Kapitel auf. Erhältlich auch als Hybrid, ist es vor allem die Voll-BEV-Version, die zeigt, wie Effizienz und ikonisches Jeep-Design zusammengehen. Dank cleverer aerodynamischer Lösungen –vom flachen Unterboden über Active Grille Shutters bis hin zur fein abgestimmten Heckpartie – schaffte es der Compass besonders effizient durch den Windkanal. Das Ergebnis ist eine elektrische Reichweite von bis zu 650 Kilometern (WLTP) und ein spürbar niedrigerer Energieverbrauch. Gleichzeitig bleibt der kantige Look uneingeschränkt erhalten, der Jeep so zu eigen ist. Die 213-PS-Elektro-Edition ist ab 44.200 Euro bestellbar.
ABARTH - IG
Es gibt wohl kaum einen bissigeren, kleinen Sportler als den Abarth. Der 600e geht dabei mit der besonders durchtrainierten Modellvariante Competizione ins neue Modelljahr und lässt damit schon im Namen erahnen, wo die Reise hingeht. Der ist nichts für schwache Nerven. Mit 280 PS ist er nicht nur eine weitere Variante des leistungsstärksten Serienmodells der Marke, zahlreiche technolgische Details stammen zudem aus dem Rennsport, was die Messlatte in der Klasse der kompakten Sportwagen mit Elektroantrieb eine weitere Stufe höher legt und für ordentlich Emotion sorgt. Trotzdem bleibt er in der Optik sympathisch (was auch an den Farben Shock Orange, Acid Grün und Antidote Weiß liegt), die Ausstattung ist Abarth-gewohnt hochwertig. Zu haben ab 43.650 Euro.
Gute-Laune-Mobil
Renault bringt seine Stadtauto-Ikone ab sofort in einer elektrischen Neuauflage an den Start. Und die macht nicht nur ob der Farben (nebst dem Absolut-Grün ist der Flitzer in Mango-Gelb, Black-Pearl und Absolut-Rot zu haben, bald auch in Arktis-Weiß und Dolomit-Grau) gute Laune, der Twingo E-Tech Electric ist außerdem um unter 20.000 Euro bestellbar. Als charmanter Wegbereiter der Elektromobilität im Segment der City-Cars verbindet der neue Twingo ein lässiges Design mit einem überraschend geräumigen Innenraum und ganz schön viel Fortschritt. Zur Wahl stehen die beiden Linien Evolution und Techno, wobei schon die Einstiegsversion einiges an Ausstattung mitbringt. Als Antrieb werken ein 82 PS starker Elektromotor und eine 27,5-kWh-Batterie, die laut WLTP eine Reichweite von bis zu 262 Kilometern generieren, was für ein Stadtauto mehr als alltagstauglich ist.
LUXURIÖSES KRAFTPAKET
Überlegenheit, Qualität und hoher Fahrkomfort. Wer denkt, dass diese Worte perfekt zu den Range-Rover-Modellen passen, liegt selbstverständlich richtig. Doch der eigentliche Star ist ein ganz anderer – jemand, den man ungesehen vielleicht nicht ganz in diese Schublade stecken möchte. Wir dürfen vorstellen: der neue Hyundai Ioniq 9.
TEXT: FELIX KASSEROLER
Der Hyundai Ioniq 9 ist ein durchwegs interessantes Auto, das mehr als nur eine der Besonderheiten des einst durch Briten beherrschten Segments mit sich bringt. Und angesichts der Tatsache, dass er vergleichsweise nur zwei Drittel kostet – bei nahezu identischer Ausstattung –, könnte man ihn durchaus als wertvolle Alternative bezeichnen. Wir hatten das Vergnügen, den neuen Ioniq 9 auf Kurz- und Langstrecke ausgiebig zu testen.
DIE FRONT GEFÄLLT
Bereits das Exterieur macht Eindruck: überlegen, nahezu unmöglich zu übersehen und schlicht fesch. Zumindest was die Front betrifft. Während das Heck in puncto Design unserer Meinung nach etwas zu kurz kommt, hat die Front alles, was man sich wünschen kann: eine hohe Motorhaube, unseren Geschmack treffende Matrix-LED-Scheinwerfer mit intelligentem, adaptivem Fernlicht sowie ein durchgehendes Leuchtband von links nach rechts. Die zweifarbige Frontpartie verleiht dem Wagen ein zusätzliches Upgrade. Um die markante Front zu unterstützen, sind 21-Zöller in der getesteten Calligraphy-Version serienmäßig. Für 1.490 Euro obendrauf komplettieren digitale Außenspiegel den cleanen Look und reduzieren gleichzeitig den Luftwiderstand, was wiederum für mehr Reichweite sorgt.
Beim Heck hingegen wären bessere Designentscheidungen möglich gewesen. Die lan-
DER HYUNDAI IONIQ 9 KANN ALLES. STADT, LANGSTRECKEN AUF DER AUTOBAHN UND ALLES DAZWISCHEN.
gen, vertikalen Rückleuchten passen unserer Meinung nach nicht zum Fahrzeug und die Dachlinie fällt etwas zu stark nach unten ab, was in unseren Augen eine unausgewogene Rückansicht erzeugt. Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
WOHNZIMMERFEELING
Was an der Front stark beginnt, wird im Innenraum noch beeindruckender. Enorm viel Platz, hochwertige Verarbeitung und modernste Technologie prägen das Interieur. Wählbar als Sechs- oder wie in unserem Fall Siebensitzer eignet sich der Ioniq 9 perfekt für Familienausflüge. Ein Kofferraumvolumen von 338 bis 2.419 Liter plus zusätzliche 52 Liter im Frunk ermöglichen Packen ohne Kompromisse. Und falls das immer noch nicht reicht: Der Ioniq 9 kann gebremst 2,5 Tonnen Anhängelast ziehen. Wie üblich ist die dritte Sitzreihe eher für Kinder gedacht, während die erste und zweite für echten Reisekomfort sorgen – und wir wissen, wovon wir sprechen, haben wir es doch ausgiebig getestet. Dazu gibt es für die ersten Vier beheizte und belüftete Nappaleder-Sitze (äußere Sitze der zweiten Reihe) sowie eine Relaxfunktion für die Vordersitze. Diese erhöht nicht nur den Reisekomfort, sondern macht auch das Warten beim Laden angenehmer. Für zusätzliche Wohlfühlmomente sorgen eine Ambientebeleuchtung und das BOSE-Premium-Sound-System. Abgerundet wird das Luxusgefühl durch ein optionales Panoramadach.
Zu den technologischen Highlights gehören ein 12,3 Zoll groβes Display für die Instrumente sowie ein ident groβes Entertainmentdisplay. Zusätzlich ermöglicht ein Head-up-Display, den Blick beim Fahren auf der Straße zu behalten. Obwohl als Vorteil beworben, waren wir froh, den digitalen Innenspiegel ausschalten zu können. Es fühlt sich schlicht merkwürdig an, den eigenen Augen nicht zu vertrauen. Gleiches gilt übrigens für die digitalen Außenspiegel, an die man sich ebenfalls erst gewöhnen muss. Diese sanfte Kritik schließt jedoch nicht die sonstige umfangreiche Palette an Sicherheits- und Fahrassistenzsystemen mit ein. Das betrifft beispielsweise die 360-Grad-Kamera sowie den Totwinkelassistenten mit Monitor, bei dem ein Kamerabild des toten
Winkels erscheint, sobald der Blinker gesetzt wird.
BEEINDRUCKENDE
LEISTUNGSWERTE
Auch die technischen Daten sind in unserem Fall beeindruckend: 315 kW (428 PS), 700 Nm Drehmoment und eine Batteriekapazität von 110 kWh. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von angegebenen 20,6 kWh/100 km ergibt sich eine maximale Reichweite von 600 Kilometern. In der Realität fällt diese zwar meist etwas geringer aus, doch wir haben trotzdem relativ entspannt die 500-Kilometer-Marke geknackt, inklusive einiger Beschleunigungs- und Hochgeschwindigkeitsphasen. Die Beschleunigung ist mit 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h im Übrigen atemberaubend rasant. Wenngleich das auf den ersten Blick vielleicht nicht extrem schnell klingen mag, muss man doch bedenken, dass der Ioniq 9 satte 2,7 Tonnen auf die Waage bringt. Gleiches gilt für die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, die für ein Elektro-SUV durchaus ungewöhnlich sportlich ist. Unglaubliche Werte also für ein SUV mit über fünf Metern Länge und zwei Metern Breite. Geladen ist der Ioniq 9 dank 350 kW maximaler Ladeleistung von 10 auf 80 Prozent in rund 24 Minuten.
FAZIT: UNTERM STRICH TOP
Der Hyundai Ioniq 9 kann alles. Stadt, Langstrecken auf der Autobahn und alles dazwischen. Aufgrund seiner Größe ist er
in der Stadt zwar etwas schwieriger zu manövrieren, schlug sich aber dennoch erstaunlich gut. Zudem hat die Tatsache, dass Hyundai auf ein klassisches Stahlfahrwerk statt auf ein Luftfahrwerk setzt, den Fahrkomfort kaum beeinträchtigt – außer bei sehr langsamer Fahrt auf schlechtem Untergrund wie Kopfsteinpflaster. Mit zunehmender Geschwindigkeit kompensiert das hohe Gewicht des Fahrzeugs jedoch vieles. Die Lenkung ist geschmeidig: leichtgängig bei niedrigen Geschwindigkeiten und angenehm straff bei höheren. Zusammengefasst deutet alles auf einen absoluten Erfolg hin – nicht zuletzt auch der Preis. Zwar ist der Ioniq 9 mit einem Einstiegspreis von rund 70.000 Euro nicht günstig, doch selbst unser Testwagen beläuft sich mit seiner umfangreichen Ausstattung „nur“ auf 85.850 Euro. Dazu gibt es eine solide Reichweite, Allradantrieb, exzellente Leistung und wunderschöne Verarbeitung.
HYUNDAI IONIQ 9 4WD
PERFORMANCE
Antrieb: Allrad
Leistung: 315 kW/428 PS
Drehmoment: 700 Nm
Beschleunigung: 0–100 km/h: 5,2 sec
Spitze: 200 km/h
Reichweite (lt. WLTP): 600 km
Ladedauer (von 10 auf 80 %): 24 Min.
Spaßfaktor: 8 von 10
Testwagenpreis: 85.850 Euro
KULTUR & TRENDS
„Das Publikum soll sich mit dem neuen Ferdinandeum voll und ganz identifizieren können. Die Menschen sollen spüren, dass dieses Museum ein Ort ist, der auch ihnen gehört.“
ANDREAS
RUDIGIER
KUNST-VOLL
2026 wird für die Tiroler Landesmuseen ein Schlüsseljahr. Nach einer Phase intensiver Neustrukturierung im vergangenen Jahr – darunter neue organisatorische Abläufe, personelle Weichenstellungen sowie Investitionen in Technik und Digitalisierung – geht es nun von der Planung in die Umsetzung. Zentrale Projekte sind die Finalisierung der neuen Museumsstrategie im ersten Halbjahr und die inhaltliche Neuausrichtung des Ferdinandeums als „Haus der Kunst“. Parallel dazu schreitet der Umbau des Ferdinandeums sichtbar voran: Der Abbruch ist (nahezu) abgeschlossen, der Hochbau startet noch im Februar, die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. Und auch programmatisch bleibt das Jahr vielfältig. Geplant sind zahlreiche Ausstellungen und Interventionen, etwa zu Sportgeschichte, extremen Lebensräumen, Provenienzforschung oder zeitgenössischer Kunst. Aufgrund des Umbaus ist das Ferdinandeum zwar geschlossen, mit „Ferdinandeum unterwegs“ sind jedoch bedeutende Sammlungsobjekte an verschiedenen Orten in Tirol präsent. Ergänzt wird das Ausstellungsprogramm durch Konzerte, Festivals, Vermittlungsangebote und Publikationen. Wir freuen uns sehr, dass das Museum im Zeughaus heuer wieder beim Innsbrucker Bogenfest dabei ist. Mit der Eingliederung der Römerstadt Aguntum in Osttirol wächst außerdem der Museumsverbund weiter. Nach rund 329.000 Besucher*innen im Jahr 2025 sehen sich die Tiroler Landesmuseen damit gut gerüstet für die kommenden Jahre. Für Details zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Terminen einfach reinklicken unter www.tiroler-landesmuseen.at
SLOW WINTER LIVING
Der Winter in Südtirol ist geprägt von Klarheit, Reduktion und einem ruhigeren Rhythmus. „Slow Winter Living“ steht dabei für eine Haltung, die Beständigkeit schätzt und auf Qualität, regionale Wurzeln und verantwortungsvolle Innovation setzt. Auch in der Hotellerie, wo viele Häuser in der kalten Jahreszeit ihren ganz besonderen Reiz entfalten – unaufgeregt, langlebig und authentisch. Mit dem neuen Eisenhut Boutique Hotel mitten in der Altstadt von Bozen haben wir einen wunderbaren urbanen Rückzugsort gefunden und das nicht nur für Wintergenießer. Das Haus bringt historischen Charme und zeitgemäß-grüne Architektur zusammen, vier begrünte Lichthöfe, natürliche Materialen und viel Licht sorgen für entschleunigte Ruhe. Das Frühstück ist ein Traum, ausklingen lässt man den Tag an der Honesty Bar, wo man sich 24 Stunden lang selbst bedienen kann, und wer‘s gern sportlich mag, der powert sich im Fitness-Multifunktionsraum aus oder wagt sich in einer Privatstunde ans Reformer Pilates. Kulinarisch hat die unmittelbare Umgebung reichlich Genuss zu bieten. Wer unschlüssig ist, für den hat die Rezeption reichlich (Geheim-)Tipps. www.eisenhut-bozen.com
DELIKATESSE DES JAHRES
Schon länger sind die wunderbaren Alpen Caramellen von Essenz der Alpen auf dem Radar der Redaktion. Zartschmelzende Weichkaramellen treffen hier auf eine feine Prise original Tiroler Alpen Fleur de Sel – eine Kombination, die angenehm überrascht und nicht zu süß ist. Aktuell sorgt das Produkt auch offiziell für Aufsehen: Bei der Nordstil Winter 2026 in Hamburg wurde es anlässlich des erstmals ausgetragenen GenussGipfels zum „Produkt des Jahres“ gekürt. Die größte Konsumgütermesse im Norden Deutschlands ist jährlicher Treffpunkt für mehr als 9.000 Händler*innen und zeigt Produkte von über 800 Ausstellern. Die Auszeichnung ist mehr als verdient, finden wir. www.essenzderalpen.at
DURCHGEBLICKT
Wenn schon die aktuelle Weltlage ziemlich unklar ist, sollte man zumindest für sich selbst den Durchblick behalten. Wir empfehlen dafür die Brillen vom steirischen Label Andy Wolf. Handgefertigt, lässig, hochwertig und stets mit einem Design, das auffällt, ohne aufdringlich zu sein. Im sehenswert von Tanja Schaffenrath in Wattens finden sich viele verschiedene Modelle, die Spaß machen und den Alltag sofort klarer sehen lassen. Wir mögen aktuell die „5158 col 2“ sehr (399 Euro) – für die Typenbezeichnung können wir leider nix.
Everyday-Boost
Der CORTHEA Holistic Health Club in Innsbruck befasst sich mit ganzheitlichem Wohlbefinden. Hier trifft moderne Diagnostik auf tiefgreifende Achtsamkeit, Wissenschaft auf Intuition. Und das alles gibt‘s auch zum Mitnehmen. Im stilvoll-lässigen Shop im Palais Trapp finden Sie verschiedene hochwertige Nahrungsergänzungsmittel für ein gesünderes Ich. Unser absoluter Favorit: CORTHEA Daily. Keine komplizierten Pillenberge, keine halbgaren Nährstoffe, sondern ein smartes All-in-One, das alles liefert, was der Körper wirklich braucht: Vitamine, Mineralstoffe, Omega 3, Glutathion und Coenzym Q10. Dank der sphiroX™-Technologie kann jeder Wirkstoff vom Körper punktgenau aufgenommen werden. Das Immunsystem wird gestärkt, die Energie bleibt konstant, die Zellen werden geschützt. Die praktische Portionierung in Beuteln macht die tägliche Routine supereinfach. So werden die Dailies zum unkomplizierten, kleinen Boost, den Ihr Körper im Alltag verdient. www.corthea.com
TIPP DER REDAKTION
Die Schönheit des Anderen
Wenn in Tirol die Fastenzeit beginnt, beginnt auch ein anderes Zeitmaß. Eines, das langsamer ist, fragender, aufmerksamer. Seit fast vier Jahrzehnten markiert das Osterfestival Tirol, dessen Vorprogramm bereits am Aschermittwoch beginnt, diesen Übergang – nicht als bloßes Kulturereignis, sondern als Denk- und Erfahrungsraum.
TEXT: MARINA BERNARDI
nter der künstlerischen Leitung von Hannah Crepaz hat sich das Osterfestival Tirol in den vergangenen Jahren konsequent als Ort der thematischen Verdichtung positioniert. Jedes Programm steht unter einem Leitmotiv, das nicht nur ästhetische Fragen verhandelt, sondern weit in gesellschaftliche, politische und existenzielle Zusammenhänge hineinweist. Es geht um Themen, die viele Menschen betreffen, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise: um Zustände, Brüche und Übergänge unserer Zeit, betrachtet aus verschiedenen kulturellen und künstlerischen Perspektiven. Das Osterfestival Tirol versteht Kunst dabei nicht als abgeschlossenen Raum, sondern als Angebot zur Begegnung und zum gemeinsamen Nachdenken. Dieses Selbstverständnis prägt auch die bereits 38. Auflage, die heuer unter dem Motto un_endlich die Auseinandersetzung mit Gegensätzen, Wiederholungen und zyklischen Bewegungen ins Zentrum rückt: Endlichkeit und Dauer, Erinnerung und Gegenwart, Macht und Ohnmacht, Körper und Archiv. Es ist ein Thema, das sich leise entfaltet und zugleich große historische und politische Linien berührt.
Schon das Vorprogramm macht diese Haltung spürbar. Die „40 Orte“ – tägliche Kurzformate in Hall, Innsbruck und Umgebung, die von Aschermittwoch (18. Feber) bis Karsamstag (4. April) täglich außer sonntags im öffentlichen Raum stattfinden – schaffen über Wochen hinweg Momente des Innehaltens. Bewusst reduziert, konzentriert, offen. Kunst wird hier zum temporären Rückzugs-
„Come back again“ ist eine Performance über den Mut, den eigenen Körper neu zu entdecken und im Alter ungewohnte Wege zu gehen. Die über 80-jährige ehemalige Balletttänzerin Susanne Kirnbauer erforscht am 25. März im Salzlager Hall mit Doris Uhlich, wohin sich ihre Energie und Kraft transformieren können.
„Brechen wir aus!“ (22. März, Kammerspiele Innsbruck) erzählt die eng mit Tirol verbundene Lebensgeschichte von Leokadia Justman. Unter anderem darin zu sehen: Timna Brauer. Es gibt noch zwei weitere Termine innerhalb der „40 Orte“.
ort, zur Einladung, sich für einen Augenblick aus den Beschleunigungslogiken des Alltags zu lösen. Ähnlich wirken die OrgelSPIELE in der Pfarrkirche Hall, die die Passionszeit mit 30-minütigen Konzerten musikalisch rahmen und Tradition mit zeitgenössischer Perspektive verbinden.
MIT- UND WEITERDENKEN
Der offizielle Auftakt im Salzlager Hall am 21. März setzt mit minimalistischer Musik von Steve Reich, Gavin Bryars und Philip Glass ein starkes Zeichen. Wiederholung, kleinste Verschiebungen, das Spiel mit Zeit: Minimal Music wird hier nicht als Stil, sondern als Denkform verstanden. Auch in den folgenden Tagen durchzieht dieses Prinzip viele Programmpunkte: etwa in choreografischen Arbeiten, die den Körper als Speicher von Geschichte begreifen, oder in Musiktheater- und Performanceformaten, die sich mit Erinnerung, Archiv und medialer Vermittlung auseinandersetzen.
Ein markanter Fokus liegt erneut auf dem Körper – als politischem, biografischem und sozialem Ort. In Tanzperformances wie jenen von Doris Uhlich oder Nacera Belaza wird Bewegung zur Sprache jenseits des Sagbaren. Alter, Endlichkeit, Trance, Rhythmus: Der Körper erscheint nicht als perfektes Instrument, sondern als widerständiges, sich wandelndes Archiv. Gerade darin liegt seine Kraft. Parallel dazu öffnet das Festival Räume für Reflexion und Diskurs. Gespräche mit Autor*innen, Intellektuellen und Journalist*innen thematisieren Machtstrukturen, antidemokratische Tendenzen und das fragile Gleichgewicht gesellschaftlicher Errungenschaften. Diese Formate sind kein Beiwerk,
sondern integraler Bestandteil des Festivals. Kunst und Denken stehen gleichberechtigt nebeneinander, ergänzen sich und dürfen sich aneinander reiben. Auch das Filmprogramm fügt sich in diese Linie ein. Klassische wie zeitgenössische Werke hinterfragen Erinnerung, Identität und die Konstruktion von Wirklichkeit. Sie zeigen Menschen im Dazwischen, im Nicht-Eindeutigen und damit ein Motiv, das sich durch das gesamte Festival zieht. Das gilt ebenso für musikalische Programme, die Alte Musik mit Uraufführungen verbinden und historische Formen in die Gegenwart holen, ohne sie zu musealisieren.
Was das Osterfestival Tirol nicht nur für uns so besonders macht, ist seine konsequente Offenheit. Junge Künstler*innen begegnen etablierten internationalen Positionen, lokale Akteur*innen treffen auf globale Perspektiven. Diese Durchlässigkeit ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer Haltung, die Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Ressource begreift. Hannah Crepaz formuliert es seit Jahren klar: Eine plurale Gesellschaft funktioniert nur durch Offenheit. Und Kunst kann ein Übungsfeld dafür sein. So wird das Osterfestival auch 2026 wieder zu einem vielschichtigen Resonanzraum. Nicht laut, nicht spektakulär im vordergründigen Sinn, sondern konzentriert, forschend, manchmal auch unbequem. Ein Festival, das keine schnellen Antworten liefert, sondern Fragen stellt und damit vielleicht genau das leistet, was in einer Zeit der Erschöpfung und der vermeintlichen Endlosigkeit am dringendsten gebraucht wird: Momente der Aufmerksamkeit, der Verbindung und des gemeinsamen Nachdenkens. www.osterfestival.at
TIPPS DER REDAKTION
Das Programm des Osterfestival Tirol ist auch heuer reich bestückt und bedient die unterschiedlichsten Genres: Alte und Neue Musik, Tanz, Theater, Film, Gespräche. Unsere Empfehlungen.
ALTE MUSIK: „Stabat Mater“, 29. März, Salzlager Hall Václav Luks und sein Collegium 1704 widmen sich der Passionsmusik von Antonio Caldara (1670–1736) und Jan Dismas Zelenka (1679–1745) – weniger bekannte, aber ebenbürtige Zeitgenossen Bachs.
ZEITGENÖSSISCHE MUSIK:
„Gefangen in der Zeit“, 31. März, Congress Innsbruck
Der polnisch-französische Komponist und Multimediakünstler Pierre Jodlowski ließ sich für sein Werk „Insulæ“ für sechs Musiker, Video, Licht und Elektronik von Adolfo Bioy Casares’ Novelle „Morels Erfindung“ inspirieren. Im Zentrum steht das Spiel mit den Grenzen zwischen Realität und Fiktion.
PERFORMANCE:
„Unfolding an Archive“, 1. April, Salzlager Hall Zoë Demoustier, Tänzerin und Choreographin, erforscht in ihrem ersten Solo, was Nachrichten eigentlich sind, wie Journalismus funktioniert und wie Bilder genutzt werden, um Realität in einen bestimmten Rahmen zu setzen.
TANZ:
„Natural Order of Things“, 5. April, Congress Innsbruck „Eine Ode an das Leben“ nennt das spanisch-libanesische Choreographie-Duo Maria Campos und Guy Nader seine neueste Arbeit, die die Fragilität der Beziehung von Mensch und Natur erkundet. Ein würdiger Abschluss.
EXTRATIPP:
Kinderkonzert „Oma Sonjas Sonnenblume“, 22. März Zum ersten Mal erarbeitet das Ensemble WirkWerk in Kooperation und Koproduktion mit dem Osterfestival Tirol eine musikalische Performance für Kinder ab 5 Jahren.
Filmtipp: Am 2. Feber zeigt das Innsbrucker Leokino „Lazzaro felice“ (Glücklich wie Lazzaro) mit Adriano Tardiolo, Alba Rohrwacher, Nicoletta Braschi und Tommaso Ragno. Drehbuch und Regie: Alice Rohrwacher
Hanna Battisti, geboren in Kaltern, wohnhaft in Eppan, ist freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin sowie Vertragsdozentin für Kunstpädagogik und -didaktik an der Universität Brixen-Bozen. Seit 1997 stellt sie regelmäßig aus.
Erika Wimmer Mazohl, geboren in Bozen, lebt und arbeitet in Innsbruck als freie Autorin und Künstlerin. Seit 1990 literarische Veröffentlichungen, seit etwa zehn Jahren beschäftigt sie sich auch mit Fotografie und der Verbindung von Text und Bild.
Ort der Begegnung
Seit ihrer Gründung gilt die Innsbrucker Galerie Nothburga als Ort der Begegnung, deren historische Räumlichkeiten immer wieder mit vielfältiger Kunst bespielt werden. Nach der Nominiertenausstellung des Fritzi-Gerber-Preises 2025 sind ab Ende Feber die Südtirolerinnen Hanna Battisti und Erika Wimmer Mazohl zu Gast.
Im Jahr 1995 gründete Prof. Elfriede Gerber die Galerie Nothburga in Innsbruck, die seitdem einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt leistet. Im vergangenen Jahr wurde zum vierten Mal der ihr zu Ehren ins Leben gerufene Fritzi-Geber-Preis verliehen. Der anonymisierte Wettbewerb ist dank der Unterstützung von Stadt Innsbruck und Land Tirol mit 1.200 Euro dotiert und ging im Jänner 2026 an die Künstlerin Irmgard Hofer-Wolf, deren eingereichtes Werk neben jenen der insgesamt 20 nominierten Künstler*innen zu Jahresbeginn in der Galerie zu sehen war. Eine Einzelausstellung folgt. Im Anschluss an die Nominiertenausstellung sind ab 24. Feber die beiden Künstlerinnen Hanna Battisti und Erika Wimmer Mazohl unter dem Titel „Wurzel, Krepp und Seide“ in der Galerie Nothburga zu sehen. Sie vereinen zwei künstlerische Positionen, die sich in all ihrer Unterschiedlichkeit beide mit dem Sichtbarmachen der politischen und spirituellen Dimension des weniger Augenscheinlichen beschäftigen. Battisti fokussiert sich dabei auf feine Strukturen aus Natur und Biologie und thematisiert die bedrohte Artenvielfalt im Kontext menschlicher Eingriffe und Klimawandel, inspiriert von Naturerfahrungen und der Philosophie der Achtsamkeit östlicher und westlicher Weisheitslehren. Wimmer Mazohl indes erforscht in ihren Fotografien innere und äußere Wahrnehmungen, subtile Transformationen sowie Spuren von Erfahrung im (weiblichen) Körper anhand von Sprach- und Körperbildern.
GALERIE NOTHBURGA
Innrain 41, 6020 Innsbruck, info@galerienothburga.at, www.galerienothburga.at Mi. bis Fr. von 16 bis 19 Uhr, Sa. von 11 bis 13 Uhr
VORSCHAU: Hanna Battisti & Erika Wimmer Mazohl
Wurzel, Krepp und Seide – Fotografie, Siebdruck, Schriftbilder
Dauer: 24. Feber bis 31. März 2026
Irmgard Hofer-Wolf mit ihrem Werk „Sprachgitter“, Schauplatz eines möglichen Zwiegesprächs (Tüllstickerei, 2025), inspiriert von Paul Celans Gedicht von 1957
Dr. Sibylle Saßmann-Hörmann, Vorsitzende der Galerie Nothburga (li.), mit der Kuratorin und Initiatorin des Fritzi-Gerber-Preises Barbara Fuchs (re.) und MMag. Dr. Melanie Wiener, Leiterin der Kulturabteilung des Landes Tirol, die den Preis offziell übergeben hat
DIE PREISTRÄGERIN
Aus zahlreichen Einreichungen zum Fritz-Gerber-Preis 2025 wählte eine unabhängige, externe Fachjury 20 Finalist*innen. Als Preisträgerin ging schließlich die Textilkünstlerin Irmgard Hofer-Wolf hervor. Die künstlerische Tätigkeit der pensionierten Lehrerin beginnt mit dem Einrichten ihrer textilen Werkstatt 2002, seit 2005 stellt sie regelmäßig in Tirol und Österreich aus und nimmt an internationalen Textilbiennalen teil.
Alle nominierten Künstler*innen: Andrea Baumann, Chan Fei Fei, Elisabeth Gantioler, Minu Ghedina, Nora Gutwenger, Anna Maria Hörfarter, Irmgard HoferWolf, Monika Köck, Angela Lackner, Margareta Langer, Claudia Mang, Ruth Murphy, Margit Plattner, Nadia Rungger, Ana Luz Romero Saldivar, Raissa Senoner, Maria Stockner, Daniela Tilg, Verena Willeit, Elfriede Wimmer.
Bei Unterberger-Denzel startet man mit einigen Neuerungen ins Jahr 2026. Giovanni Di Valentino (Bildmitte) trat nach 23 Jahren im Unternehmen – 14 Jahre davon war er Betriebsleiter des BMW Group Kompetenzzentrums – mit 6. Feber offiziell in den Ruhestand. „Wir bedanken uns bei Giovanni Di Valentino ganz herzlich für seinen hohen Einsatz und Weitblick! Er hat die Marken BMW und MINI sowie unser Haus am Griesauweg nachhhaltig geprägt und mit ruhiger Hand geführt“, so Dieter Unterberger. Mit Verkaufsleiter Klaus Kluckner (li.) wurde die Nachfolge im Zeichen der Kontinuität geregelt. Kluckner begann 2007 bei Unterberger Automobile als Verkäufer, wurde Verkaufsleiter und schließlich Betriebsleiter in den Autowelten Innsbruck und Strass. Der hohen Erwartung an ihn ist er sich bewusst: „Gemeinsam mit unserem bewährten Team werde ich alles geben, Sie als Kunden vollauf zufrieden zu stellen.“ Zudem hat auch die Marke BMW eine neue Ära eingeleitet. Die „Neue Klasse“ soll in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen, gleichzeitig werden aktuell neue Schauräume realisiert, die laut Kluckner „Beratungsgespräche in Wohnzimmeratmosphäre ermöglichen“. Der Fokus verschiebt sich demnach von der reinen Produktpräsentation hin zu einem kundenorientierten Erlebnis. „Durch die nahtlose Integration von Ausstellungs- und Kundenbereichen wird eine einzigartige Kundenerfahrung möglich“, so Dieter Unterberger. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 1,3 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für April 2026 geplant.
SPAR-Geschäftsführerin Patricia Sepetavc mit Georg Laich (li.) und Bernhard Triendl vom ORF Landesstudio Tirol
103.848,10
So viel Geld kam im Zuge der großen Spendenaktion von SPAR zugunsten von Licht ins Dunkel zusammen, zu der Kund*innen in ganz Tirol durch den Kauf spezieller Produkte kräftig beigetragen haben. Ein Teil des Erlöses kommt dem integrativen Kindergarten in Uderns und der Frauen- und Mädchenberatungsstelle EVITA in Kufstein zugute. Bravo!
BROT
TEILEN – WELTEN VERÄNDERN
Rund um die Erntedankmessen im Achental verschenkte die Bäckerei Adler 2025 wieder jeweils 60 Brote an unterschiedliche Kirchen der Region, die nach den Messen ebendort verkauft wurden. Inspiriert von der heiligen Notburga – Sinnbild für Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Fürsorge, aber auch Landwirtschaft, Menschlichkeit, Glaube und Regionalität – entstand dafür das Notburga-Brot, hergestellt nach alter Handwerkskunst aus Roggenmehl, hausgemachtem Roggennatursauerteig, Wasser und Salz, dessen Erlös zu 100 Prozent als Spende an die jeweiligen Kirchen ging. Im Geschäft der Bäckerei Adler in Achenkirch ist das Brot nach wie vor jeden Samstag zu haben. Unbedingt probieren! www.adler-brot.at
IV-Tirol-Vizepräsident Simon Meinschad, Landesrätin Cornelia Hagele, Landesrat Mario Gerber, IV-Tirol-Vizepräsidentin Gabriele Punz-Praxmarer, IV-Tirol-Präsident Max Kloger, Landesrätin Eva Pawlata, IV-Tirol-Vizepräsident Karlheinz Wex, LandeshauptmannStellvertreter Josef Geisler und IV-Tirol-Vizepräsident Holger König
NEUJAHRSEMPFANG
Auch zum Jahresstart 2026 blickt die Tiroler Industrie in Form von IV-Tirol-Präsident Max Kloger im Salzlager Hall wieder auf das vergangene Jahr zurück und – dieses Mal ein bisschen optimistischer – auch nach vorn. „Wir müssen aufhören, uns die Lage schönzureden. Statistisch mag die Rezession vorbei sein, aber die Realität in den Betrieben spricht eine andere Sprache“, sagt er zu Beginn, um zumindest ein wenig versöhnlicher zu schließen: Wir müssen den Standort Österreich jetzt wieder auf Erfolg programmieren, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land bleiben.“ Mehr dazu auf Seite 30.
Jane Platter, Leiterin Personalmarketing & Personalentwicklung in der TIROLER, und Vorstand Franz Mair
FAMILIENBEWUSST
Die lebensphasenorientierte Personalpolitik ist fest in der Unternehmenskultur der TIROLER verankert und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Dafür wurde der Versicherer abermals mit dem staatlichen Gütezeichen „berufundfamilie“ ausgezeichnet. Dieses wird ausschließlich an Unternehmen verliehen, die nachhaltige Rahmenbedingungen für echte Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf schaffen.
Neuer Obmann bei den Gemeinnützigen
Mit über 72.000 Eigentums- und Mietwohnungen im Bestand und einem jährlichen Bauvolumen von rund 400 Millionen Euro sind die Tiroler Gemeinnützigen ein wichtiger Motor fürs Bauen und Wohnen in Tirol. Seit 1. Dezember 2025 haben diese mit Edgar Gmeiner einen neuen Obmann. Der kaufmännische Geschäftsführer der TIGEWOSI folgt in der Funktion auf Franz Mariacher, der seit 2016 der Landesgruppe vorstand und in den Ruhestand trat. Stellvertreter bleibt Alexander Zlotek, technischer Geschäftsführer bei der Alpenländischen.
Im Bild: Der neue Obmann Edgar Gmeiner (re.) mit seinem Vorgänger Franz Mariacher (li.) und Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth
Vertreter*innen der Tiroler Vier-Sterne-Gemeinden Assling, Schwaz, Jenbach, Virgen, Innsbruck, Lienz, Prutz und Kematen mit Landesrat René Zumtobel und Energieagentur-Tirol-Geschäftsführer Rupert Ebenbichler
MOBILITÄT ALS SCHLÜSSEL DER ENERGIEWENDE
Ob sichere Radwege, durchdachte Siedlungsstrukturen oder attraktive Haltestellen –Tirols Gemeinden gestalten aktiv die Mobilität von morgen. Mit dem Landesprogramm „Tiroler Mobilitätssterne“ erhalten sie ein Werkzeug, um ihre Stärken sichtbar zu machen und gezielt weiterzuentwickeln. Ende letzten Jahres wurden 58 Tiroler Gemeinden ausgezeichnet. Der Mobilitätscheck, der die Basis der Auszeichnung bildet, liefert eine fundierte Analyse des Ist-Zustands und zeigt auf, wo Potenzial für Verbesserungen liegt. So entstehen konkrete Impulse für die kommunale Verkehrspolitik.
HAPPY GEBURTSTAG
Das Rote Kreuz Innsbruck eröffnete im Jänner 2024 gemeinsam mit dem Leihladen Innsbruck den Secondhand- und Leihladen „Henry & Leila“ im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Seit zwei Jahren nun punktet der Laden mit Nachhaltigkeit und sozialem Engagement, das auch bei der Bevölkerung ankommt. Jährlich konnten bis dato mehr als 6.000 Kund*innen begrüßt werden, im Jahr 2025 wurden rund 13.500 Artikel verkauft, Artikel wie Rodeln, Filterkaffeemaschinen oder Hochdruckreiniger können auch ausgeliehen werden. Getragen wird „Henry & Leila“ vom ehrenamtlichen Engagement. Rund 35 Freiwillige leisten monatlich etwa 300 Stunden an Arbeit. Chapeau! www.henryundleila.com
Künstlerin Hannah Philomena Scheiber (sitzend li.) und Julia Sparber-Ablinger, Head of AUDIOVERSUM (stehend) mit Melanie Wiener, Vorständin der Abteilung Kultur im Land Tirol
STIMMIG
Ende Jänner lud das AUDIOVERSUM ScienceCenter in Innsbruck zur Vernissage der multimedialen Raum- und Soundinstallation „melt with me“ der Tiroler Künstlerin Hannah Philomena Scheiber in seine Sound-Gallery. Die Installation verbindet eines ihrer raumfüllenden Wandgemälde mit Text und Konzept von Julia Sparber-Ablinger und Sounddesign von Peter Johannes Kollreider. Im Zentrum steht das Element Wasser und seine unendliche Wandelbarkeit in Bewegung, Form und Klang. Die Ausstellung ist bis Ende August zu sehen. Gemeinsam mit Hannah Philomena Scheiber hat das AUDIOVERSUM außerdem einen Podcast zur aktuellen Ausstellung produziert. Reinklicken unter www.audioversum.at/ podcast
Goldene Weihnachtsspende
Der Verein Aranea betreibt das einzige Mädchenzentrum Tirols mit einer niederschwelligen Anlauf- und Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen im Alter von 10 bis 25 Jahren. Die Nachfrage nach Unterstützung ist groß – die finanziellen Mittel hingegen werden zunehmend knapper. Um die wertvolle Arbeit zu unterstützen, übergab der Rotary Club Innsbruck-Goldenes Dachl seine diesjährige Weihnachtsspende in Höhe von 10.000 Euro an den Innsbrucker Verein. Das Mädchenzentrum bietet unter anderem einen ruhigen Lernraum, kostenlose Materialien, Unterstützung bei schulischen oder persönlichen Fragen sowie Kurse in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung an. Infos zum Verein unter www.aranea.or.at
Im Bild: Clubpräsidentin Felicitas Kohler und Helmut Krieghofer (beide Rotary Club InnsbruckGoldenes Dachl) mit Aranea-Geschäftsführerin Katharina Lhotta
Bettina Nagiller (li.) und Elisabeth Spechtenhauser, Initiatorinnen von „Henry & Leila“
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