23. Jahrgang
Nr. 155
Mai 2015
R E T I E S N E S s U A R D
Foto: Deborah Keser
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
IN
OFF ROAD
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
Kinder auf der Straße
WARME SUPPE JUGENDBUCH
PAULA E.V.
Emmaus Gemeinschaft
Seelenwiederaufbau
Bahnhofsmilieu
Anzeige
Liebe Leserinnen und Leser, wenn aus Ausreißern Straßenkinder werden, suchen sie häufig ihr Glück in Ballungsgebieten und großen Städten wie Köln. Hilfe und Unterstützung bei Ämtergängen und Wohnungssuche sind nur einige der Angebote, die die Sozialarbeiter im Büro der Off Road Kids am Neumarkt 47 anbieten – auf Wunsch zunächst natürlich auch anonym.
S.4
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S.13
Foto: Privat
Inhalt Auch am Bahnhof halten sich viele Jugendliche ohne Dach über dem Kopf auf, weshalb der B.O.J.E.-Bus dort einen festen Platz gefunden hat – eine wichtige Kontakt- und Anlaufstelle, die vom Gesundheitsamt in Kooperation mit AUF ACHSE, das zum KJSH e.V. (Verein für Kinder-, Jugend- und soziale Hilfen) gehört und mit Unterstützung durch das Amt für Soziales und Senioren betrieben wird. An deutschen Bahnhöfen – unter anderem in Hamburg und Köln – ist auch der Journalist Christoph Scheuring unterwegs gewesen und hat mit Straßenkindern gesprochen. Daraus ist das Buch „Echt“ entstanden, das jetzt für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Gute Lektüre wünscht,
Vorwort, Inhalt ������������������������������������������������������� 3 Schwerpunkt: JUNG und ALT Mit Emmaus am Appellhofplatz ����������������������������� 4 - 6 Interview mit Christoph Scheuring zu „Echt“ ��������������7 - 9 Leben mit drogensüchtigen Eltern �������������������������10 - 12 Wiederaufbau für die Seele ���������������������������������13 - 14 Fotos von der Straße: Ping-Pong �������������������������������� 16 Kurzgeschichte – letzter Teil �������������������������������������� 17 Aus der OASE �������������������������������������������������� 18 - 19 Gerlis Zillgens: Nur noch kurz die Welt retten �����������������20 Kolumne Astrid Hülser ��������������������������������������������� 21 Tipps ������������������������������������������������������������������ 22. Dankeschön & Abo ������������������������������������������������� 23. Comic �����������������������������������������������������������������24 Vorschau und Impressum ����������������������������������������� 25 Adresse ��������������������������������������������������������26 - 28
Christina Bacher
Öffnungszeiten der OASE Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3
jung und alt
Die gehaltvolle Suppe brodelt vor sich hin, in der Zwischenzeit wird gespült und die Küche aufgeräumt: Der Inhalt des 60-Liter-Topfes wird später in kleinere Wärmebehälter abgefüllt und dann an Bord des Transporters gehievt, der vor dem Haus der Emmaus Wohngemeinschaft parkt.
Eine warme Mahlzeit am Tag
Fotos: Marie Breer
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alt und jung
S
chon um 19 Uhr trifft sich eine Grup-
dem zweiten Tisch stehen Kaffee und Tee
pe ehrenamtlicher Helfer alle zwei
bereit – alles gratis und so lange der Vorrat
Wochen mittwochs in der Großkü-
reicht. Rund 50 Menschen stehen in Grüpp-
che der Emmaus Gemeinschaft in Longe-
chen zusammen und schieben Kohldampf.
rich, um eine nahrhafte Suppe zuzuberei-
Eine Schlange bildet sich vor den Tischen
ten. Was in den Topf kommt, hängt sehr
– ohne Schieben, ohne Drängeln.
davon ab, was die „Kölner Tafel“ an diesem
„Bei Emmaus gibt's den besten
Tag geliefert hat. Rolf, der Koordinator der
Schmaus“, scherzt Dagmar. Die 54-Jährige
Gruppe, lebt und arbeitet dort – die ande-
setzt sich mit ihrem Hund Gunwald etwas
ren kommen eigens zum Kochen hierher.
abseits, um ihre volle Schale Suppe zu
Der 55-jährige Micha beispielsweise, der
löffeln. Sie ist fast jeden Abend am Appell-
heute das Gemüse schnippelt und bereits
hofplatz, obwohl sie eine Wohnung mit
vor zwei Stunden die Brotspende von
eigener kleiner Küche hat. „Die bleibt
einer Bäckerei in Bocklemünd abgeholt
schon lange kalt“; sie zuckt mit den Schul-
hat. Er arbeitet als gelernter Krankenpfle-
tern. Täglich einkaufen, mehrmals am Tag
ger an einer Schule. Annemie ist Rentne-
Essen zubereiten, regelmäßig putzen – All-
rin, Tim und Maja gehen ins Gymnasium
tagsdinge, die vielen Menschen schwer
und machen bald Abitur. Die Abläufe der
fallen. Es sind heute fast nur männliche
Gruppe sind eingespielt, jeder weiß offen-
Bedürftige gekommen. „Das ist ja meis-
bar, was zu tun ist.
tens so“, weiß Dagmar. Die Frauen in
21 Uhr. Appellhofplatz. Wie jeden Werktag rollt dank der Mittwochs-Gruppe auch
Schwierigkeiten seien eben weniger sichtbar, auch, wenn es sie zuhauf gebe.
heute der Kleintransporter der Emmaus
Die sechs Freiwilligen haben derweil
Gemeinschaft pünktlich vor, routiniert
alle Hände voll zu tun. Die 77-jährige
bauen die ehrenamtlichen Helfer zwei
Annemie arbeitet mit dem 16-jährigen
Tische auf und stellen zwei Thermotöpfe
Tim Hand in Hand – ein ungewöhnliches
mit je 25 Litern heißer Suppe darauf. Heu-
Team, das sich ohne das ehrenamtliche
te gibt es sogar Brötchen und Gebäck für
Engagement sicher nicht kennen gelernt
diejenigen, die vor der kalten Nacht noch
hätte. „Da ich nicht zum Konfirmations-
etwas Warmes im Bauch brauchen. Auf
unterricht gehe und auch nicht zur Kirche, will ich mich im sozialen Bereich engagieren“, erzählt Tim; inzwischen ist seine Freundin Maja auch mit dabei. „Macht Spaß, anderen zu helfen“, findet auch sie. „Und es ist sinnvoll.“ Bereits im Winter 1990 begann die Emmaus Gemeinschaft um Pascale und Willi Does warme Getränke und damals auch Kleidung an wohnungslose Menschen am Appellhofplatz zu verteilen. Zu den anfänglichen Akteuren gehörten ehemals Obdachlose, die in der Gemeinschaft lebten und arbeiteten, also Menschen, die mit der „Platte“ vertraut waren. Mit dem Verteilen von Essen gingen politische Aktionen einher, um auf die Lebensbedingungen wohnungsloser Menschen aufmerksam zu machen. Für dieses
Micha beim Gemüseschnippeln für den großen Eintopf. Er gehört mit seiner Tochter Lisa schon seit vielen Jahren zur Gruppe, die alle zwei Wochen mittwochs am Appellhofplatz Essen und Getränke austeilt.
Engagement erhielt die Gemeinschaft im Jahre 1994 den „Aachener Friedenspreis“. Auch heute noch ist die Aktion von Spen-
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jung und alt
(li.:) Die Mittwochs-Gruppe der Emmaus Gemeinschaft: Rolf, Annemie, Frank, Lisa, Michael, KarlHeinz.
(ganz li.:) Zufällig läuft uns Lothar, freier Mitarbeiter vom DRAUSSENSEITER, über den Weg. „Hab‘ nen Hunger wie ein Tiger“, sagt er und freut sich vor allem über die Wurststückchen in der Suppe. (li.:) Marco und André kommen aus Sachsen. Nach einigen Wochen in der Winterhilfe suchen sie jetzt eine neue Bleibe.
den und vom Engagement Dritter abhän-
Nacht sehr kurz. „Aber immerhin habe
der Zwischenebene der U-Bahn-Station
gig. Dennoch läuft die Suppenküche am
ich ein Zuhause.“ Dieses Glück erlebt man
gemütlich gemacht hat. „Die sollen uns da
Appellhofplatz auch nach 20 Jahren
nach so einem Tag umso bewusster, findet
oben mal was übriglassen von der Suppe!“
erstaunlich rund.
auch Lisa. Die berufstätige, alleinerziehen-
Neid gibt es eben auch unter den Armen.
de Mutter ist heute schon seit halb fünf
Christina Bacher
„Mir macht das nach wie vor großen Spaß. Die Gruppe ist eingespielt und nett,
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auf den Beinen.
die Begegnungen am Appellhofplatz
Rund 50 Menschen wurden heute
möchte ich nicht mehr missen. Man gibt
Abend mit Essen versorgt. Es beginnt zu
etwas, und bekommt auch viel zurück“,
nieseln, was vielen zunächst nichts auszu-
sagt Micha, dessen 29-Jährige Tochter Lisa
machen scheint. Wie immer steht ein Not-
seit Jahren mit zur Gruppe gehört. Er
arztwagen vom Gesundheitsamt an der
beginnt mit Blick auf die Uhr das benutz-
Ecke, die Scheiben sind abgeklebt – keiner
te Geschirr zusammenzupacken und in
kann so hineinsehen. Viele jedoch gehen
das Auto zu laden. Gleich geht es wieder
mit ihren Blessuren, Gedanken und Ängs-
zurück zu Emmaus, wo auf das Helferteam
ten in die kalte Nacht hinaus – aber
eine ausgedehnte Spülaktion wartet. „Vor
immerhin haben jetzt alles etwas Warmes
23.30 Uhr bin ich nicht zu Hause“, sagt
im Magen.
Micha, der berufsbedingt morgens schon
„Hey, komm mal runter zu uns“, ruft
um 5.30 Uhr aufstehen muss – da ist die
einer, der es sich mit seinen Freunden in
lll
kontakt
Emmaus Gemeinschaft Köln e.V. Geestemünder Str. 42 50735 Köln Telefon: +49 221 9711731 info@emmaus-koeln.de www.emmaus-koeln.de
alt und jung
„Eine Klippe ohne Zaun vor dem Abgrund.“ Christoph Scheuring über seinen Jugendroman „Echt“, der gerade für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde.
D
er Journalist und Autor Christoph
DRAUSSENSEITER: Erst einmal herzlichen
SCHEURING: Eigentlich geht es ja um die
Scheuring erzählt in „Echt“ die
Glückwunsch zur Nominierung Ihres Rom-
großen Fragen der Menschheit: Was ist
Geschichte des 16-jährigen Albert,
ans „Echt“ für den Deutschen Jugendlitera-
Wahrheit? Was ist Gut und Böse? Wo
der aus einem Heile-Welt-Vorort stammt
turpreis 2015. Ist es denn eine besondere
bin ich zuhause? Was heißt es, Abschied
und ein ungewöhnliches Hobby hat: Er
Ehre, dass die Jugendjury das Buch nomi-
zu nehmen?
hält die Abschiedsmomente auf dem
niert hat?
Hamburger Bahnhof mit seiner Kamera
SCHEURING: Fragen Sie nach der Nominie-
DRAUSSENSEITER: Und deshalb taugt das
fest. Eines Tages gerät er so unwissentlich
rung als solcher oder danach, dass es in
Buch nicht für Jugendliche?
mitten in einen Bandenkrieg derjenigen,
meinem Fall die Jugendli-
die sich ebenfalls am Bahnhof aufhalten:
chen waren, die das Buch
Die Außenseiter, Rumlungerer, wohnungs-
nominiert haben, und nicht
losen Jugendlichen. Prompt wird jetzt er,
die Kritiker?
der unbescholtene Bürger, von der Polizei abgeführt. Ein Schlüsselmoment für den
DRAUSSENSEITER: Beides.
bislang unverdächtigen Jungen, denn so
SCHEURING: Also, zu eins:
lernt er Kati kennen, in die er sich verliebt.
Ehrlich gesagt hätte ich
Das Mädchen ist offenbar auf der Suche
mit so etwas nie gerech-
– nur nach was oder wem? Jedenfalls inte-
net, weil ich als Autor
ressiert sie sich sehr für seine Fotos. Beson-
meinen Roman ja in- und
ders eine Aufnahme eines Pärchens ver-
auswendig kenne und
setzt sie in Aufregung und Albert ver-
deshalb auch um die eine
spricht ihr, sich mit auf die Suche nach
oder andere Schwach-
den beiden Unbekannten zu machen ...
stelle weiß, die absolut nicht preiswürdig ist.
„Wenn du ein Leben nach dem Tod willst,
Und zweitens hätte ich
musst du dich jetzt drum kümmern. Als
immer gewettet, dass
Toter hast du keine Zeit mehr dafür.“
sich, wenn überhaupt, Erwachsene für das
Christina Bacher, selbst Autorin von
Buch interessieren,
Jugendbüchern („Hai-Alarm“) und Chef-
weil es zwar aus der
redakteurin des Kölner Straßenmagazins
Perspektive
DRAUSSENSEITER hat den in Dithmar-
jugendlichen Prota-
schen lebenden Autor und Journalisten
gonisten geschrieben
Christoph Scheuring in ein kleines Kreuz-
ist, aber im Grunde
verhör verwickelt. Die Unterhaltung wird
eher ein philosophi-
am 28. Mai 2015 im Kölner Literaturhaus
sches Buch ist.
eines
fortgesetzt. DRAUSSENSEITER: Was meinen Sie mit philosophisch?
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jung und alt
lll
finden wir gut
Der neugegründete Magellan Verlag ist ein unabhängiger Verlag, der es sich auf die Fahne schreibt, Themen zu verlegen, die nicht unbedingt zum Mainstream gehören. Dazu gehört auch, dass man auf umweltverträgliche und nachhaltige Produktion der Titel achtet, also säurefreies und chlorfrei gebleichtes FSC-Papier verwendet oder auch Klebstoffe ohne Lösungsmittel, Lacke auf Wasserbasis und Zellophanierfolie ohne Weichmacher benutzt.
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alt und jung
SCHEURING: Nein, das meine ich nicht. Als
Auch das ist ein Thema des Buches.
leicht auch kontrovers diskutierten Themen?
ich 16 war, waren das genau meine The-
DRAUSSENSEITER: Albert, Kati, Mona,
SCHEURING: Um ehrlich zu sein, empfinde
men. Ich meine aber, dass sich Jugendliche
Sascha, Rico. Haben Sie diese Menschen
ich die Themen in „Echt“ weder als unbe-
gerne mit den Protagonisten identifizieren
tatsächlich getroffen? Oder sind es Figuren,
quem noch als unpopulär. Unpopulär ist
wollen und dass ein Buch für sie wie ein
die Ihrer Fantasie entsprungen sind?
höchstens, dass ich nicht verurteile. Nicht
Nest funktionieren muss, in das sie sich
SCHEURING: Die Jugendlichen, die in mei-
einmal die Verbrechen. Und dass der größ-
hineinwühlen können und in dem sie sicher
nem Buch am Bahnhof leben, sind realen
te Verbrecher in diesem Buch gleichzeitig
sind. Schon gerne ein aufregendes, gefähr-
Menschen nachempfunden. Albert ist
der moralischste Mensch ist.
liches Nest, ganz oben in den Felsen über
eine Figur aus der Fantasie. DRAUSSENSEITER: Entspricht das auch Ihren
einem wahnsinnig tiefen Abgrund, aber eben ein Nest. „Echt“ ist für mein Gefühl
DRAUSSENSEITER: Sie haben während Ihrer
Erfahrungen bei der Recherche?
eher das Gegenteil. Eine Klippe ohne Zaun
Recherchen zum Buch auch eine Zeit drau-
SCHEURING: Ich habe viele, ganze tolle
vor dem Abgrund. Kein Wohlfühlbuch.
ßen am Bahnhof verbracht. Haben Sie sich
Menschen kennengelernt. Und ein paar
als Autor geoutet?
wenige ganz schlimme. Aber eines hatten
DRAUSSENSEITER: Trotzdem haben es die
SCHEURING: „Echt“ ist entstanden, nach-
sie alle gemeinsam: Sie hatten ein extrem
Jugendlichen nominiert.
dem ich für den „Spiegel“ eine Geschich-
genaues Gespür für Gerechtigkeit. Und
SCHEURING: Und das Schöne ist: Ich habe
te recherchiert habe über die Jungs und
ein extremes Bedürfnis danach.
mir jetzt mal die Nominierungen der letz-
Mädchen am Kölner Bahnhof. Wer ich bin
ten Jahre angeschaut und ich muss sagen,
und was ich mache, waren immer meine
DRAUSSENSEITER: Wie ist es bei Ihnen? Über
die Auswahl der Jugendlichen liegt mir
ersten Sätze.
Ihre Kindheit und Jugend weiß man praktisch nichts.
tausendmal näher als die der Kritiker. Ich finde das Urteil der Jugendlichen in all den
DRAUSSENSEITER: Wie wurden Sie aufge-
SCHEURING: Das liegt daran, dass ich nicht
Jahren kompetenter, weniger verkopft und
nommen?
prominent bin. Und dass meine Jugend
viel näher an meinem eigenen Geschmack.
SCHEURING: Anfänglich schon mit Skepsis.
eher der von Albert gleicht als der von
Was ich damit sagen will, ist: Die Nomi-
Aber dann fanden es die Jugendlichen
Sascha und Kati.
nierung gerade durch die Jugendjury emp-
auch wieder spannend, dass sich jemand
finde ich als wahnsinnig große Ehre.
tatsächlich für sie als Personen interessier-
DRAUSSENSEITER: Herzlichen Dank für Rede
te. Und nicht nur für ihr Klischee.
und Antwort.
DRAUSSENSEITER: Was bedeutet „Zuhause“ in Ihrem Buch?
DRAUSSENSEITER: Albert geht in dem Buch
SCHEURING: In „Echt“ gibt es so etwas wie
davon aus, dass man den echten Moment mit
Zuhause im klassischen Sinne ja nicht. Die
der Kamera nur einfangen kann, wenn man
Jugendlichen, die auf der Straße leben,
mit der Kamera draufhält, ohne vorher zu
haben keins. Und Albert hat zwar eines,
fragen. Aufgrund eines Rechtsstreites, nach-
aber dort wohnt das Leben nicht. Die Ant-
dem sich eine Passantin dagegen gewehrt
wort des Buches ist vielleicht: Im Prinzip
hat, einfach ungefragt auf der Straße foto-
ist Zuhause dort, wo ich mich sicher fühle.
grafiert zu werden, steht nun eine ganze
In unserer bürgerlichen Welt sind das in
Kunstgattung – die Streetfotografie – auf dem
der Regel die eigenen vier Wände. Woh-
Prüfstand. Wie ist Ihre Meinung dazu?
nungslose haben die naturgemäß nicht.
SCHEURING: Das Recht am eigenen Bild ist
Für die Menschen, denen ich auf der Stra-
in Zeiten von Facebook und Instagram
ße begegnet bin, war Zuhause deshalb
unverzichtbar, wenn wir die Kontrolle
zum Beispiel der Hund, der neben ihnen
über unser digitales Ich wenigstens zum
lag. Oder die Liebe zu einem anderen
Teil noch behalten wollen. Gleichzeitig
Menschen. Oder die Droge. Dass so viele
verändert die Anwesenheit von Fotoappa-
auf der Straße Drogen nehmen, liegt ja
rat und Kamera sofort jede Wirklichkeit.
nicht daran, dass sie schlechte, haltlose,
Meine Empfehlung wäre: Erst fotografie-
genusssüchtige Menschen sind. Sondern,
ren, hinterher fragen.
dass ihnen die Droge für den Moment Sicherheit und ein Zuhause gibt. Jeder
DRAUSSENSEITER: Woher kommt Ihr Inte-
Mensch braucht dieses Gefühl, glaube ich.
resse an unbequemen, unpopulären, viel-
lll
veranstaltungstipp
Ein Abend über den Rand der Gesellschaft Wir werfen einen Blick über den Tellerrand: Der Autor und Journalist Christoph Scheuring hat die Kinder vom Hamburger Hauptbahnhof kennengelernt. Darüber spricht er mit Christina Bacher am 28. Mai 2015 – Willi Does (EMMAUS) spielt dazu Lieder von der Straße. 28.05.2015 | ab 18 Uhr | Literaturhaus Köln Großer Griechenmarkt 39, 50676 Köln Eintritt: 7 € (regulär) | 5 € (ermäßigt) | 3 € (Mitglieder) VVK über www.offticket.de Wir verlosen 2 x 2 Karten für die Veranstaltung unter allen Einsendern, die uns bis zum 15. Mai 2015 eine Mail mit dem Stichort ECHT! schreiben. verlosung@draussenseiter-koeln.de 9
jung und alt
„Manchmal fällt es mir schwer, den Lebensweg meiner Eltern zu verstehen“ Wenn ein Kind klein ist, kann es oft nicht verstehen, wieso seine Eltern nicht in der Lage sind, für es zu sorgen. Nicht selten entstehen falsche Schuldgefühle und unterdrückte Aggressionen. Wie Bianca ihr Leben als Kind drogenabhängiger und obdachloser Eltern gemeistert hat, erläutert sie im folgenden Interview. Von Anika Pöhner
Draussenseiter: Bianca, wie kann ich mir Ihre aktuelle Lebenssituation vorstellen? Ich bin 25 Jahre alt, alleinerziehende Mut-
„Hätte es meinen Großvater nicht gegeben, wären wir sicher in ein Heim gekommen.“
geheiratet. Sie waren alkohol- und drogenabhängig. Im Laufe der Zeit lebten sie mal getrennt und dann wieder zusammen.
ter eines dreijährigen Sohnes und habe zwei Schwestern und einen Bruder. Mit
Draussenseiter: Sie sind bei Ihrem Groß-
Aber letztendlich ließen sich meine Eltern
meiner vier Jahre älteren Schwester pfle-
vater väterlicherseits aufgewachsen. Wie
scheiden, als sie meine kleine Schwester
ge ich einen guten und regelmäßigen Kon-
kann ich mir Ihre Kindheit vorstellen?
zur Adoption freigaben. Meine Mutter
takt. Meine zweite Schwester ist jünger
Ich kam im Alter von zwei Wochen zu
stand hinter dieser Entscheidung und
als ich und wurde direkt nach der Geburt
meinem Großvater. Meine vier Jahre älte-
mein Vater war dagegen.
zur Adoption freigegeben. Ich habe sie nie
re Schwester hatte bis dato noch bei mei-
kennengelernt. Mein jüngerer Bruder ist
nen Eltern gelebt, wuchs ab diesem Zeit-
Draussenseiter: Wissen Sie wie es zu die-
inzwischen 17 Jahre alt und lebt in einer
punkt dann aber gemeinsam mit mir bei
sen Erkrankungen kam?
Pflegefamilie. Ich habe inzwischen sogar
unserem Großvater auf. Er adoptierte uns
Den genauen Grund, wieso sie Alkohol
wieder Kontakt mit ihm.
letztendlich sogar. Hätte es ihn nicht gege-
und Drogen konsumiert haben, weiß ich
ben, wären wir sicher in ein Heim gekom-
nicht. Was ich weiß, ist, dass mein Vater
Draussenseiter: Ihre Eltern waren drogen-
men. Er hat immer versucht, uns sehr viel
eine sehr schwere Kindheit hatte. Mein
und alkoholabhängig. Existiert noch eine
zu geben. Er war Straßenmaurer und hat
Großvater war zu der damaligen Zeit wohl
Verbindung zu Ihrer Mutter oder Ihrem
sein Geld gespart, um uns ein schönes
sehr cholerisch und hat seinen Sohn und
Vater?
Leben bieten zu können. Mein Großvater
seine Frau geschlagen. Das hat bei mei-
2009 ist meine Mutter verstorben. Eines
hat immer versucht, mich in Watte zu
nem Vater wohl viel ausgelöst. Ob meine
Tages erhielt ich einen Brief vom Ordnungs-
packen und vor allem Unheil zu schützen.
Mutter dann durch meinen Vater an die
amt, in dem stand, dass sie im Hospiz ver-
Meine Schwester trug dagegen etwas mehr
Drogen gekommen ist, weiß ich nicht.
storben sei. Kurz vor ihrem Tod habe ich
Verantwortung und übernahm teilweise
meine Mutter noch einmal mit anderen
auch mir gegenüber die Rolle einer Mutter.
Junkies am Rudolfplatz stehen gesehen. Ich
Unser Großvater hat immer versucht, uns
war mit Freunden unterwegs und es war
den richtigen Weg zu zeigen, auch wie
mir etwas peinlich, dort auf sie zu treffen.
man es nicht machen sollte. Er wollte uns
Trotzdem bin ich zu ihr gegangen. Zu dem
in geregelte Bahnen lenken, damit uns
Draussenseiter: Ihr Vater hat lange Zeit
Zeitpunkt hatte sie bereits eine Atemmaske
nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie
auf der Straße gelebt, und so gestaltet sich
auf, wahrscheinlich wegen einer Lungener-
unseren Eltern.
seine Lebenssituation eventuell immer noch.
krankung. Ich glaube, ich habe mich sogar
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ältere Schwester erwarteten, haben sie
„Mein Vater besaß ein Zelt, in dem er schlief, und bettelte oft auf der Domplatte.“
Ihre Mutter besaß die meiste Zeit auch kei-
mit einer Umarmung von ihr verabschiedet.
Draussenseiter: Was wissen Sie über den
nen festen Wohnsitz. Was wissen Sie konkret
Ob mein Vater noch lebt und wenn ja wo,
Werdegang und das Leben Ihrer Eltern?
über die damaligen Lebensverhältnisse Ihrer
weiß ich nicht. Ich möchte aber auch kei-
Meine Mutter hatte eine Ausbildung zur
Eltern?
nen Kontakt zu ihm haben. Das letzte Mal
Einzelhandelskauffrau gemacht und mein
Meine Mutter hat zunächst nach der
habe ich ihn vor einiger Zeit vor dem Dom
Vater war gelernter Straßenmaurer, genau
Geburt unseres Bruders für ein paar
betteln gesehen.
wie mein Großvater. Als die beiden meine
Monate bei uns gelebt. Dann ist sie
alt und jung
Bianca - Kind von obdachlosen Menschen Foto: Anika Pöhner
gemeinsam mit ihrem Sohn in eine ande-
kam er zunächst ins Heim und dann in
war ich fünf Jahre alt. Wir hatten gemein-
re Stadt gezogen.
eine Pflegefamilie. Mein Vater hing wohl
sam mit meinem Großvater einen Termin
Mein Vater war obdachlos. Er besaß ein
sehr an seinem Sohn und bedauerte es,
beim Jugendamt. Meine Mutter wollte
Zelt, in dem er schlief, und ging betteln,
fortan alleine weiterziehen zu müssen.
mich anscheinend sehen und hat diesen Kontakt dort beantragt. Obwohl ich sie in
oft auf der Domplatte. Eine Weile lebte er sogar gemeinsam mit meinem kleinen
Draussenseiter: Können Sie sich an Ihre
meinem ganzen Leben noch nicht gesehen
Bruder auf der Straße. Als man dann aber
erste Begegnung mit Ihrer Mutter erinnern?
hatte, bin ich ihr wohl direkt in die Arme
meinen Bruder ganz verwahrlost auffand,
Als ich meine Mutter das erste Mal sah,
gesprungen und habe „Mama“ gesagt. Mir
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jung und alt
schwebt dieses Bild noch immer vor Augen.
Großvater zu, er solle schnell abhauen.
um mich zu verstecken. Die Durchfüh-
Ich meine mich zu erinnern, dass meine
Das schlimmste Bild, was ich zu dieser
rung einer Psychotherapie hat mir sehr
Mutter in dem Moment glücklich wirkte.
Situation bis zum heutigen Tage in mei-
geholfen, mit diesen Ängsten besser
nem Kopf trage, ist der Moment, als ich
umzugehen.
„Am schlimmsten war es, damit klarkommen zu müssen, dass meine Mutter in dem einen Moment da war und dann wieder für unbestimmte Zeit verschwand.“
mich auf meinen Vater gesetzt habe, damit er meinen Großvater nicht schlagen kann.
rungen mit Ihren Eltern Ihre persönliche Draussenseiter: Ab wann wurde Ihnen
Einstellung zum Thema Drogen?
bewusst, dass Sie eine andere Lebenssitua-
Mein Großvater ist vor einigen Jahren an
tion und Familiengeschichte aufweisen, als
Krebs gestorben. Damals hatte ich das
Draussenseiter: Wie regelmäßig sahen Sie
beispielsweise Ihre Schulkameraden?
Gefühl, mir wird der Boden unter den
Ihre Mutter ab diesem Zeitpunkt?
In der weiterführenden Schule erzählte
Füßen weggezogen. Ich habe dann Canna-
Immer mal wieder, aber im Großen und
ich von meinen Eltern, dass sie Junkies
bis geraucht, um meine Trauer besser zu
Ganzen eher unregelmäßig. Wir haben
seien und daraufhin hänselte man mich.
ertragen.
uns an Feiertagen oder Wochenenden
Erst ab diesem Zeitpunkt wurde mir rich-
Als ich dann aber mit meinem Sohn
manchmal im Schrebergarten von meiner
tig bewusst, dass meine Lebenssituation
schwanger war, hörte ich damit auf. Ich
Großmutter mütterlicherseits getroffen.
sich von der der anderen unterscheidet.
wollte auf keinen Fall, dass ich dieselben
Dann haben wir gemeinsam gespielt oder
Einmal sagte ein Mitschüler: „Ich habe
Fehler mache wie meine Eltern.
Fernsehen geschaut. Ich habe, wenn ich
deinen Vater am Dom betteln gesehen.“
Ich denke schon, dass ich durch meine
an diese Treffen denke, ein gutes Gefühl.
Das war mir sehr peinlich.
Vorgeschichte etwas suchtgefährdeter bin als andere Menschen.
Das Schlimme war, damit klarkommen zu müssen, dass sie im einen Moment da war und dann wieder für unbestimmte Zeit verschwand. Mich quälen bis zum heuti-
„Als Kind gibt man sich selbst die Schuld daran, dass die Eltern nicht für einen da sein können.“
Draussenseiter: Können Sie Ihren Eltern verzeihen? Mit meiner Mutter habe ich inzwischen
gen Tag starke Verlustängste. Ansonsten besuchte ich meine Mutter
Draussenseiter: Fühlten Sie auch Wut
Frieden geschlossen. Ich weiß, sie versuch-
manchmal in der Entzugsklinik oder im
gegenüber Ihren Eltern?
te oft von den Drogen loszukommen, war
Gefängnis. In der Klinik war sie, wenn sie
Ja, Wut auf meine Eltern kenne ich gut.
zwischendurch auch mal clean. Aber dann
mal wieder versuchte clean zu werden, und
Als Kind gibt man sich selbst die Schuld
siegte immer wieder die Sucht. Meinem
ins Gefängnis musste sie wahrscheinlich,
daran, dass die Eltern nicht für einen da
Vater kann ich es leider bis heute nicht
wenn sie den Versuch startete, mit Dealen
sein können. Jetzt, wo ich selber ein Kind
verzeihen, dass er meinen Großvater, der
an Geld für die Drogen zu gelangen.
habe, bin ich wütend, dass ihnen die Sucht
so etwas wie ein Vater für mich war, kör-
damals anscheinend wichtiger war als ihre
perlich angegriffen hat.
Draussenseiter: Wie erlebten Sie Ihren
Kinder. Ich weiß, dass die Sucht eine
ersten Kontakt mit Ihrem Vater?
Krankheit ist, aber auch meine Wut lässt
An das erste Treffen mit meinem Vater
sich manchmal nicht unterdrücken.
erinnere ich mich nicht, weil ich bis zum
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Draussenseiter: Wie ist nach diesen Erfah-
„Ich lese den Draussenseiter, um meine Eltern im Nachhinein vielleicht doch ein wenig besser verstehen zu können.“
heutigen Tage vieles in Bezug auf ihn ver-
Draussenseiter: Verunsichert es Sie, dass Sie
dränge. Ich erinnere mich, dass er, als ich
nicht wissen, ob und wo Ihr Vater noch lebt?
17 Jahre alt war, eine Weile bei uns
Vor meiner Psychotherapie habe ich mich
Draussenseiter: Sie haben mir erzählt,
gewohnt hat. Ich begleitete ihn dann
kaum aus dem Haus getraut, aus Angst
dass Sie des Öfteren den Draussenseiter
manchmal beim Abholen von Methadon.
ihm zu begegnen. An bestimmten Ecken
lesen. Wie entstand dieses Interesse?
Mich verfolgt aber auch eine sehr schlim-
in Köln, wo sich meist Junkies und Obdach-
Ich finde die Idee einer Straßenzeitung,
me Erinnerung an meinen Vater.
lose aufhalten, hatte ich besonders Angst
bei der man mit dem Kauf einer Ausgabe
Als ich eines Tages nach Hause kam, fand
vorbeizugehen. Ich vermied bestimmte
obdachlose Menschen unterstützen kann,
ich ihn betrunken vor. Er wollte gerade
Orte ganz bewusst. Mein Vater ist immer
eine gute Sache. Ich lese den Draussen-
auf meinen Großvater losgehen und ich
mit Hunden rumgelaufen, auch als Ersatz
seiter, um meine Eltern im Nachhinein
rief schnell die Polizei an. Dann ereignete
für seinen Sohn. Er besaß einen großen
vielleicht doch noch ein wenig besser ver-
sich dieselbe Situation ein paar Wochen
schwarzen Hund. Immer, wenn ich einen
stehen zu können. Besonders gerne ver-
später noch einmal. Ich versuchte meinen
solchen Hund sah, bekam ich große Angst
folge ich die Hundekolumne von der köl-
Vater zurückzuhalten und rief meinem
und zog mir meine Kapuze über den Kopf,
schen Linda.
alt und jung
Wiederaufbau für die Seele von Jasmin Klein
Fotos: Barbara Siewer
W
enn wir durch Köln laufen, sehen
bei ihren Eltern hinterlassen hat. Machen
DRAUSSENSEITER: Was macht Paula e.V.
wir die Spuren, die der Zweite
sie es sich auch immer klar, woher all das
genau?
Weltkrieg im Stadtbild hinterlas-
rührt – das schlechte Selbstwertgefühl, die
Martina Böhmer: Wir beraten Frauen über
Albträume, die Depression?
60, die in der Vergangenheit traumatische
sen hat. Was wir nicht auf den ersten Blick sehen, sind die Spuren, die der Krieg in
Paula e.V. ist eine Beratungsstelle für
Gewalt erfahren mussten, die sich heute z.B.
den Seelen der Menschen hinterlassen
Frauen über 60 und ihre Angehörigen.
in Angstzuständen, überhöhtem Blutdruck
hat. Traumatisierte Männer und Frauen,
Martina Böhmer hat sie gemeinsam mit
und Schlafstörungen ausdrückt. Aber auch
die nach dem Krieg weiter machen muss-
anderen Frauen 2008 gegründet. Wir tref-
aktuelle Gewalterlebnisse, eigene Pflegebe-
ten: Kinder erziehen, Deutschland wieder
fen sie in der Beratungsstelle An St. Mag-
dürftigkeit oder die von Angehörigen stellt
aufbauen – ein Tätervolk ohne Mitleid
dalenen 11. Seit 2014 befindet sich diese
viele ältere Frauen vor besondere Heraus-
von außen.
dort im Erdgeschoss. Die Beratungsstelle,
forderungen. Es gab bisher keine Beratungs-
Eine Generation, die immer nur weiter
die aus zwei Räumen besteht, ist gemütlich
stelle, die sich gezielt mit diesen Themati-
gemacht hat. An Psychotherapien war
eingerichtet, hell, mit fließenden Gardinen
ken auseinandergesetzt hat. Diese Lücke
nicht zu denken, das war was für Verrück-
und einer ruhigen, bequemen Sitzecke im
möchten wir füllen.
te, und verrückt sind sie ja nicht, nur weil
hinteren Raum. Dorthin setzen wir uns.
sie nicht wissen, was mit ihnen los ist.
Martina Böhmer bietet uns Wasser und
DRAUSSENSEITER: Wie sind Sie auf die Idee
Auch die Kinder dieser Generation spüren
Kaffee an. Eine ruhige, freundliche Frau mit
gekommen?
noch deutlich, wie sehr der Krieg Spuren
warmen Augen und einer großen Aufgabe.
Ich arbeitete schon viele Jahre als Alten-
13
jung und alt
pflegerin, als ich 2000 ein Buch mit dem
Grenzen spüren und aufzeigen können.
DRAUSSENSEITER: Wieviel kostet eine Sit-
Titel „Erfahrungen sexualisierter Gewalt
Hier sitzen Frauen, die ihre Geschichte
zung?
in der Lebensgeschichte alter Frauen“
noch niemandem erzählt haben. Die
Je nachdem, was die Frauen zahlen kön-
veröffentlicht habe. Zu diesem Thema
Frauen müssen ihre Geschichte erzählen
nen, zwischen 20 und 60 €.
habe ich Vorträge gehalten und Work-
können. Wir bieten ihnen einen Raum,
DRAUSSENSEITER: Wie finanzieren Sie sich
shops veranstaltet und war als Referentin
wo sie verstanden werden und Mitgefühl
generell?
viel unterwegs. Während dieser Reisen
bekommen.
Wir arbeiten ehrenamtlich und finanzie-
wuchs in mir der Wunsch, etwas Nachhal-
Es sind Frauen, die immer dachten: ‚Mit
ren uns über Spenden. Die EU finanziert
tiges zu schaffen. 2008 habe ich dann mit
meinen Bedürfnissen darf ich nicht kom-
gerade unser Projekt „Unterstützung für
anderen Frauen zusammen den Verein
men.‘ Sie haben sich viele Jahre selbst
Frauen ab 60“, in dem wir u. a. Schulungs-
„Paula e.V. Köln“ gegründet, um besser
nicht gespürt.
module für Pflegende zum Umgang mit
netzwerken zu können und einen festen
Es kommen auch 70-Jährige, 80-Jährige,
traumatisierten älteren Frauen entwi-
Standort zu haben, wo wir Frauen beraten
die seit Jahrzehnten von ihren Männer
ckeln, sodass meine 28-Stunden-Stelle bis
können. 2014 sind wir vom Marsilstein in
geschlagen werden. Auch die sind bei uns
Juni 2015 gesichert ist.
die Südstadt gezogen.
gut beraten. Man darf nicht glauben, dass ein Mann aufhört, seine Frau zu schlagen,
Wir verabschieden uns und sind tief beein-
nur weil beide älter werden. Viele Frauen
druckt von der Arbeit und über die Ein-
glauben auch, dass sie in guten und in
blicke, die wir durch unser Gespräch hat-
schlechten Zeiten mit den Männern
ten. In jeder Familienbiografie gibt es
zusammen bleiben müssen, und wenn der
sicherlich Menschen, die man nun gerne
Mann dann zum Pflegefall wird, sind sie
an die Hand nehmen und mit ihnen zu
weiter für ihn da und pflegen ihn.
Paula e.V. gehen würde. Diese Arbeit ver-
Es ist wichtig, sich seine eigenen Ressour-
dient es, finanziell unterstützt zu werden.
cen anzuschauen. Manchmal erkennt man einfach, dass die eigene Kraft nicht groß genug ist für all das, was in einem vorgeht. Wir möchten die Frauen begreifen, sie stärken und ihre Autonomie herstellen.
Wir bedanken uns bei dem Portal meinesuedstadt.de, bei der Autorin Jasmin Klein und der Fotografin Barbara Siewer für die Genehmigung zum Zweitabdruck.
Was sie jahrzehntelang mit sich herumgetragen haben, können sie im Gespräch loslassen. Sie verstehen Dinge anders. Dann geht es darum, was die Frauen jetzt tun können. Rückblickend kann man herDRAUSSENSEITER: Wie läuft eine Beratung
ausfinden, was einen im Leben gestärkt
ab?
hat, was einem geholfen hat.
Man kann anrufen und einen Termin ver-
Kürzlich kam eine Frau zu mir, deren Mut-
einbaren. Wir setzen uns hierhin und die
ter im Krieg wohl Schlimmes erlebt haben
Frau erzählt mir, was sie zu mir gebracht
muss und die nie in der Lage war, ihre
hat. Manchmal reichen wenige Sitzungen
Tochter aufrichtig zu lieben. Die Tochter
(3 bis 7) aus, um einen Durchbruch zu
hat immer sich selbst belastet und dachte,
erzielen. Jahrzehntelanges Schweigen hat
dass sie schuld ist an der schlechten Bezie-
viele Frauen so verkantet in dem, wie sie
hung und ihrem schlechten Selbstwertge-
die Dinge betrachten, dass es manchmal
fühl, weil sie nicht richtig funktioniert.
eines Einblicks von außen bedarf, um
Dabei war es eine normale Reaktion auf
einen Prozess in Gang zu setzen, bei dem
unnormale Ereignisse. Eine solche Er-
die Betroffene sich erleichtern kann.
kenntnis kann enorm entlasten. Zumal seelische Qualen sich auch körperlich nie-
14
DRAUSSENSEITER: Wie kann man jeman-
derschlagen können und man zunächst
dem helfen, der so viele Jahre alles mit sich
gar nicht wahrnimmt, dass die körperli-
allein ausgemacht hat?
chen Auswirkungen eine seelische Ursa-
Es ist wichtig, dass die Frauen ihre eigenen
che haben.
lll
info
Mehr im Netz: Für die Weiterarbeit von Paula e.V. können Sie hier spenden: www.paula-ev-koeln.de/spenden TV-Beitrag bei frau.tv: www1.wdr.de/fernsehen/information/frautv/sendungen/Vergangenheit1 Literatur zum Thema: • Martina Böhmer Erfahrungen sexualisierter Gewalt in der Lebensgeschichte alter Frauen – Ansätze für eine frauenorientierte Altenarbeit, Mabuse-Verlag, 5. Aufl., 2014. • Sabine Bode Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen, Piper 2004. • Ingrid Müller-Münch Die geprügelte Generation – Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen, Piper 2013.
loss mer singe
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
15
bonse
Ping Pong alias Denis Herr Ping Pong heißt eigentlich Denis, ist obdachlos und ist vor 15 Jahren von Hamburg nach Köln gekommen. In Hamburg war die Reeperbahn seine Heimat und dort hat er sich kräftig durchs Leben „geschlagen“. Er war häufiger in Schlägereien verwickelt; bekam er ein blaues Auge, stoppte der Kampf – am nächsten Tag kam er zurück und der Kampf ging an der Stelle weiter, wo er zuvor aufgehört hatte. Sein Ping und Pong. Irgendwann wurde es den Behörden zu viel und Denis bekam „Stadtverbot“. „Mit dem Alter wird man ruhiger“, so sein Credo, und er reiste in die Domstadt. „Hier in Köln sind die Leute nett und mit meinem Einkommen habe ich mein Auskommen“. Die Hohe Straße ist inzwischen zu seinem Lieblingsplatz geworden. Foto und Text: Gerd Bonse
16
geschichte
Der Greifer und der Schatz der Nibelungen Letzter Teil
K
ommissar Meyer und sein Kollege Klein gingen mit gezogener Waffe in die Werft-Halle. Dort lag ein Mann auf dem
„Wenn du ehrlich bist, wolltest du ihn doch gar nicht fassen“, sagte Klein. „Er ist ein Verbrecher, aber er hat meine Toch-
Boden, ein Pfeil durch den Hals, neben der Lei-
ter gerettet“, gab Meyer nachdenklich zurück.
che ein Zettel, auf dem stand: „Der Greifer war
„Ein Entsorger“, korrigierte ihn der Kollege.
hier“. Dann klingelte das Handy von Harry
Und während die beiden Polizisten auf dem
Meyer. Der Ton scheuchte ein paar Tauben auf,
Gelände noch nach weiteren Spuren der Entfüh-
die es sich auf einem alten Rohr über der Leiche
rer suchten, war der Greifer schon längst einige
gemütlich gemacht hatten. Meyer hob sein Han-
Kilometer entfernt, in seinem Versteck. Ach ja,
dy ans Ohr. Eine verzerrte Stimme meldete sich:
und der Schatz! Was war mit dem? Nun, der ech-
„Ich habe Wort gehalten und Ihre Tochter
te Nibelungenschatz, lieber Leser, wurde nie
befreit. Ich bin nicht nur gut mit der Pistole, son-
gefunden.
dern auch mit der Armbrust. Eigentlich müssten
Euer Kleiner Günter
Sie mir jetzt danken.“ „Greifer!!! Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen sich da raus halten! Woher wussten Sie überhaupt, dass wir in der Werft sind?“ „Schauen Sie doch mal draußen in den blauen Müllsack vor der Tür“, lachte der Greifer und legte auf. Meyer und Klein fanden den Müllsack ohne große Mühe. In ihm befanden sich ein Mantel, eine Laptoptasche und eine Visitenkarte mit der Aufschrift „Frank Blum, Journalist.“ „Verflucht“, sagte Meyer. „Wir hatten ihn direkt vor unserer Nase. Und er ist
Illustration: Lazy Magá
uns wieder entwischt.“
17
aus der oase
LESERBRIEFE
Urlaubsgrüße
Gewagtes Cover! Andreas Düllick über facebook
Foto: Elsdorf-blog.de
Ich besuche gerade meinen Bekannten in Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis – ein schönes Örtchen. Und ein guter Ort, um dort Ferien zu machen. Wir waren schon wandern und haben ein Schloss besichtigt. Wie im Mittelalter kamen wir uns vor – sehr abenteuerlich, so ein Ausflug. Einmal ging es nach Bergheim, Stadt besichtigen mit anschließendem Essen: gefüllte Ente, zur Feier des Tages. Trotzdem freue ich mich darauf, wieder nach Köln zu kommen und den Dom zu sehen. Es ist halt meine Heimat und da kann kein Urlaubsort mithalten. Trotzdem ist’s hier schön... Freue mich auf euch und sende viele Grüße, euer Kleiner Günter
Foto: Christina Bacher
Vielfach in Ehrenfeld Einzelhandel unterstützt DRAUSSENSEITER Den DRAUSSENSEITER gibt es nun auch in der BUNT-Buchhandlung auf der Venloer Straße und in der Agnesbuchhandlung – die dazugehörige Tasche ist außerdem im Vielfach in Ehrenfeld und im Buchladen Neusser Straße erhältlich. Mit dem Kauf unterstützen Sie zu 100 % die Druckkosten des Hefts. Danke allen, die das möglich machen!
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In Memoriam Wir trauern um unseren langjährigen Verkäufer Q., der den DRAUSSENSEITER auf der Deutzer Freiheit verkauft hat. Foto: Jörg Paschke
Sehr geehrte Frau Bacher und die Redaktion des Draussenseiter, „ … ich habe gestern Mittag das Kölner Straßenmagazin (...) gekauft. Heute Morgen habe ich angefangen zu lesen und bin tief berührt von dem ersten Artikel: Da ist Frieden jetzt – mit dem wunderschönen Foto: „Ihre Augen strahlten dabei wie eh und je. (…) Die Biographien von Menschen in hohem Alter oder gegen Ende ihres Lebens gehen unter die Haut und rühren Tiefendimensionen an. Als würde der liebe Gott das ganze Leben in einem Blick anschauen. Wiederholt ist von Abschieden die Rede – vom kleinen Engel, vom Traumpartner nach 14 Jahren, von Hunden. Aber auch von einer Hoffnung auf ein Zusammen und weniger allein. Das Gedicht der 15jährigen Jana: „Who am I" ist eine Perle. Und die nachdenklichen Sätze von Astrid Hülser treffen ins paradoxe Schwarze: Wir produzieren Waffen, die töten und bestrafen die Selbsttötung. Danke und herzlichen Glückwunsch für das Magazin! Sobald ich durch Köln reise, werde ich die April-Ausgabe suchen. Friedhelm Hengsbach SJ
aus der oase
so freunde,
habe. Überhaupt freue ich mich, denn
nachdem ich mal wieder eine Weile krank
hin mit. So lerne ich viele neue Hunde-
war und Frauchen tagelang mit mir beim
kumpel kennen. Nicht alle finde ich toll,
Tierarzt war, geht es wieder aufwärts. Das
aber ich arrangiere mich schon mit
Neueste: Ich werde wohl einen besonde-
denen. Frauchen merkt immer sofort, was
ren Trainer bekommen. Einen, der mich
Sache ist, und reagiert darauf. Sie hat
fit macht fürs Fernsehen. Ja, Frauchen
mich immer im Blick. Toll finde ich es,
und ich machen wieder eine Fernsehsache. Was, wird aber noch nicht verraten.
nur für mich. Das ist der Knaller, dass es Menschen gibt, die mich so sehr
einige Drehtage vor uns
mögen. Ich bin ja auch
und da muss ich halt
schon ein wenig
auch gut mitarbeiten
berühmt, glaube ich.
nen, das wir für den Tierarzt brauchen. Der Trainer kommt extra aus der „verbotenen
Aber ich bin kein Star und werde auch keiner. Und bald habe ich ja Geburtstag. Frauchen sagt, das wird ein
Stadt“ zu uns. Frauchen sagt, der kostet so
besonderer Tag. Ich werde schon vier Jah-
viel wie ein Urlaub. Deshalb habe ich nur
re alt. Vier Jahre, in denen ich mit ihr fest
wenig Zeit, um das zu lernen, was ich
zusammengewachsen bin. Ich glaube,
brauche, um gut vor der Kamera auszuse-
kein Tierarzt hätte das damals gedacht.
hen. Dieser Trainer muss was Besonderes
Aber mein Frauchen hatte ein Ziel: mir
sein. Damit er mich unterrichtet, verzich-
ein tolles Leben zu schenken. Und genau
tet Frauchen sogar auf ihr Honorar. Bin
das habe ich auch bei ihr. Danke dafür,
schon sehr gespannt, wie das sein wird
und ich hoffe andere haben auch so super
und was ich lernen soll. Das mit dem Ler-
Zweibeiner. Wenn nicht, wünsche ich
nen klappt ja nur, wenn ich Lust dazu
euch ganz schnell einen an eurer Seite.
lll
Frühlingsgefühle
wenn ich eigene Post bekomme,
Wir haben jedenfalls
und das Geld mitverdie-
Foto: Kölschen Linda
Frauchen nimmt mich wieder fast überall
Euer Clayd
clayd, der rumäne
Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda gezogen. Damals war ich krank und sehr traumatisiert, weil ich in meiner alten Heimat nix Gutes erlebt hatte. Mein Frauchen hat mit geholfen, damit ich wieder stabil werde. Nun habe ich ein gutes Zuhause und ein schönes Hundeleben. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles mit Frauchen erlebe.
Liebstes Hobby
hab ihm gesagt: „87“.
Ich bin viel „op jück“ mit meiner Tochter
perament!“ Und da hat er
Ingeborg. Dabei freue ich mich immer,
Recht. Aber das gilt nicht nur
wenn es irgendwo Musik gibt. Dann hält
für Karneval. Ich bin oft unterwegs,
„Du häs äfer noch Tem-
Der Mai ist gekommen, ein Monat zum Verlieben, auch die Blumen werden grün, und es ist ein „Wir“ in der Zeit, alle gemeinsam im Park, pflücken Blumen dort, wir sitzen auf Bänken, alles ist bunt, so dass auch ich mich freue. Auf den Sommer, und weil Mensch und Tier gemeinsame Sache machen für einen kurzen Moment. Kleiner Günther
Roll kann ich leider nicht mehr mitmachen. Aber egal. Hauptsache ist, dass ich dort bin, wo die Musik spielt. Inge und ich
mich nix mehr. In diesem Frühjahr waren
tanze und singe. Mein liebstes Hob-
sind immer dabei,
wir an Karneval tanzen. Vorne, an der
by! Die Knochen werden bewegt und
wenn es Remmidem-
Bühne in der Wolkenburg. Wie ein Wirbel-
auf Hochglanz gebracht. Wenn die
wind bin ich da herumgesprungen. Das ist
Musik anfängt, dann tanzen meine
sogar dem Prinzen auf der Bühne aufge-
Tochter und ich wie eine Rakete los.
fallen. Er hat sich von der Bühne herunter-
Bewegen muss man sich ja, sonst
gebückt zu mir und hat mich gefragt:
wird man steif. Straßenfeste sind
„Liebchen, wie alt bist du denn?“ Und ich
dafür wie gemacht. Den Rock 'n'
mi gibt. Dann hopsen und tanzen wir – das ist gut für einen schwungvollen Kreislauf. Und wir zwei Weiber müssen ja fit bleiben. Am Ende zählt nur, dass es Spaß macht und lustig ist! Eure temperamentvolle Lies
19
Kolumne
Nur noch kurz die Welt retten von Gerlis Zillgens
K
„
omm mit!“, sagt Thomas, „soll
Geradezu altbacken wirkt das junge Paar,
ne super Party sein.“ Ich schüt-
das den Psychoklängen beharrlich einen
tele den Kopf. Ich mag keine
Diskofox abzuringen versucht. Das
dieser Tanzveranstaltungen mit einem
gelingt ihm zum folgenden Peter Fox-
„Ü“ davor. Mein bester Freund versichert
Song auch nicht besser, dafür entledigen
mir, dass es keine der üblichen Ü30 bis
sich im „Haus am See“ noch mehr Men-
Ü-Wir-hatten-noch-alle-die-Masern-Party-
schen ihrer Fußbekleidung. Der Flummi
reihen ist. Ich gucke mir die Website an.
flummt. Zwei Frauen im Partnerlook
Der Veranstalter wirbt damit, dass sich da
singen besonders kräftig mit bei „… mei-
alles zwischen 30 und 60 bewegt.
ne Frau ist schön“. In der Ecke wippt ein
Tatsächlich hat der Veranstalter unter-
Der dolmetschende DJ überrascht uns
Was sich hier bewegt, ist alles zwischen
in der nächsten Stunde mit weiteren
20 und 90. Und bewegt bedeutet Erstaun-
beherzten Sprüngen durch die Musikge-
liches. Ein weißhaariger Mann um die 70
schichte der letzten sechs Jahrzehnte. Der
springt wie ein Flummi zu Technoklän-
Flummi flummt, egal was kommt. Ich tip-
gen des DJs, der die Hüpfhöhe des Weiß-
pe auf Ecstasy, aber die Hennafrau klärt
haarigen locker noch um einen halben
mich auf, dass Hans Veganer ist und nix
Meter überspringt. Das unterstützende
mit Drogen am Hut hat. „Der ist nur
Fuchteln seiner Arme erinnert mächtig
besoffen vom Leben“, sagt sie und stürzt
an jenen berühmt gewordenen Gebär-
sich wieder in die Menge der nassge-
dendolmetscher, der gar keiner war. Tho-
schwitzten T-Shirts und tropfenden Eks-
mas tippt mich an und deutet auf die
tatischen. „Na los!“, sagt Thomas und
nackten Füße einer hennagefärbten
tanzt ihr zu Shakiras „Waka Waka“ hüft-
Frau, die gerade in einem unsichtbaren
schwenkend hinterher.
Fass wild Butter stampft. Zwei Jungs tanzen Pogo. Den dröhnenden Technoklängen folgt
20
Mann mit Kippa.
trieben. Wir sehen es schon am Eingang:
Es ist halb zwei, als wir uns an der Theke wiederfinden. Bewegt. Beglückt. Barfuß.
psychedelische Synthesizer-Musik aus
„Weißt du was?“, sagt Thomas. „Die
den 1980er Jahren. Mir fallen die häufig
sollten alle mal herkommen.“ „Wer?“
vertretenen weiten Pluderhosen auf,
„Die, die Welt grad verseuchen.“ „IS?“
einige sogar in orange, ist es Bhag-
„Die auch.“ „Pegida?“ „Die auch.“ „Sepp
wan-Osho, der da in einem Rolls-Royce
Blatter?“ Thomas nickt: „Die FIFA-Knalltü-
quer durch den Raum schwebt? Der
te ganz besonders!“ Mein bester Freund
weißhaarige Flummi flummt auch zu
reicht mir ein Bier rüber. Wir stoßen an.
den Spährentönen beharrlich weiter.
Der DJ kündigt fuchtelnd den Raus-
Eine bunte ganzkörpertätowierte Frau
schmeißer an. Tim Bendzko. Nur noch
breitet die Arme aus und beginnt sich
kurz die Welt retten. Der Flummi flummt.
endlos im Kreis zu drehen. Ihr Peace-An-
Die Lesben knutschen. Die Hennafrau
hänger fliegt vor ihr her. Auf vielen
stampft. „Ja“, sage ich leise, „die sollten
Gesichtern liegt entrücktes Lächeln.
alle mal herkommen.“
lll
info
Gerlis Zillgens arbeitete nach dem Studium als Schauspielerin und Regisseurin an diversen Theatern, bevor sie ihren Schwerpunkt aufs Schreiben legte. Sie entwickelte Spiele und Serienformate für diverse Sender und Produktionsfirmen, tourt mit Kabarettprogrammen durchs Land und schreibt mittlerweile in viele Sprachen übersetzte Romane für Jugendliche und Erwachsene. Seit einigen Jahren gibt sie mit großer Freude Schreibseminare für Erwachsene und Jugendliche, u. a. als Dozentin bei der Bastei-Lübbe-Academy (www.zillgens.de). Vom Freitag, den 12. bis Sonntag, den 14. Juni bietet Gerlis Zillgens mit Hanna Jansen im schönen Eifeldorf Sassen ein intensives Schreibseminar an. Anmeldung und Fragen zum Seminar bitte an info@gerlis-zillgens.de
Kolumne
nen, lassen wir jede Sekunde eines an Unterernährung sterben: Tick, Tick, Tick… eins, zwei, drei Kinder tot! Tick, Tick, Tick… Während wir uns eine Stunde auf Schnäppchenjagd befinden oder in einem Fast-Food-Restaurant vergnügen, sterben 3.600 Kinder! Werden Kinder geschlagen, ausgebeutet und sexuell misshandelt. Werden Frauen vergewaltigt und gedemütigt. Werden Männer erstochen, erschossen und gefoltert! Toben weltweit Foto: Zoe/Fotolia
30 blutige Kriege. Sind 51 Millionen Menschen auf der Flucht vor Armut und Gewalt. Werden Drogen und Waffen in Milliardenhöhe rund um den Erdball verschoben. Das alles geschieht Stunde für Stunde, Tag für Tag!, Jahr für Jahr! Damit
Kolumne
kommen wir unserer Verantwortung und
Kinder, Kinder!
Aufsichtspflicht für Mutter Erde und ihre
F
ke gewandelt, aber in der unheilvollsten ragte man unsere Vorfahren, warum
amerikas – weit genug entfernt, damit wir
sie leben, antworteten sie: „Um euch
im „wilden Westen“ nur wenig von deren
Kindern die Existenz zu sichern!“
Not mitkriegen. Doch wir leben nicht auf
Diese Lebensphilosophie rührte vom
einem gütigen Planeten, der alle Fehler
Wir-Gedanken her, der alles zusammen-
verzeiht. Er ist nachtragend. Jede Wunde
hielt und Familien stark machte. Nachdem
,die wir Mensch, Tier und Natur zufügen,
sich im Zuge des wirtschaftlichen Fort-
weitet sich zu einem Flächenbrand aus.
schritts der Wir-Gedanke zum Ich-Gedan-
Inzwischen brennt die halbe Welt und
ken wandelte, ist die Welt ein Pulverfass
niemand kann sie löschen! Wir reiben uns
geworden, das täglich an mehreren Stellen
die Augen, weil der Qualm unerträglich
explodiert, und dem der „Big Bang“ kurz
geworden ist und blicken entsetzt auf das
bevorsteht! Das Wissen um die eintreten-
Grab, das wir uns selbst geschaufelt haben.
de Katastrophe ist hinlänglich bekannt,
Bald ist es tief genug, um uns darin ver-
trotzdem ändert niemand sein Verhalten,
schwinden zu lassen. Zwar sitzen einige
um die Menschheit vor dem Untergang zu
Wohlgenährte noch arrogant in ihren
bewahren. Nein! Ich esse bis ich platze. Ich
Elfenbeintürmen und schauen auf das
saufe bis mir schlecht wird. Ich kaufe, kau-
Chaos herab, an dem sie die größte Schuld
fe, kaufe, obwohl ich alles habe. Ich fahre,
tragen. Doch auch für sie wird einmal die
schippere und fliege, bis dieser Planet kein
letzte Stunde schlagen. Auch sie werden
Öl mehr spuckt. Und weil ich nur an mich
wegen ihrer Unersättlichkeit untergehen.
denke, will ich die nächste Wahl gewinnen,
Wäre in uns noch der Wir-Gedanke,
das teuerste Auto besitzen, die größte Vil-
würden wir an das Wohlergehen aller
la bewohnen, den bestbezahlten Job und
Menschen denken, besonders an das der
noch mehr Geld, um mir noch mehr Din-
Kinder. Wir wären darauf bedacht, ihnen
ge zu kaufen, die ich nicht brauche. Ich
eine Existenz zu sichern und eine intakte
will Spaß! Ich will Alles! Ich. Ich. Ich …
Welt zu hinterlassen. Wir würden gerne
Das hat natürlich seinen Preis. Den zah-
verzichten, um das Wenige mit ihnen zu
len die Völker Asiens, Afrikas und Latein-
teilen. Doch weil uns die Kinder egal schei-
Kinder in keinster Weise nach. Wir zerstören, was uns einst geschenkt wurde. Damit hat sich der Ich-Gedanke zum Wir-GedanWeise, die man sich vorstellen kann! Astrid Hülser
lll
über die autorin
Astrid Hülser ist freiberuflich künstlerisch tätig und lebt in Köln. Sie begleitete von 1988 bis 2011 ihren Mann, der als EU-Berater für Entwicklungsländer tätig war, auf seinen zahlreichen Auslandseinsätzen. Da sie als „mitausreisende Ehefrau" keine Arbeitserlaubnis erhielt, nutzte sie die Zeit in Somalia, Liberia, Äthiopien, Mosambik, Kambodscha und Namibia, um Land und Leute besser kennenzulernen. Astrid Hülser schrieb die persönlichen Eindrücke und Begegnungen auf. Sie begann, ihren Freunden die Situation in den Entwicklungsländern zu schildern. Beim Schreiben ihrer regelmäßigen Berichte stellte sie fest, dass es ihr immer leichter fiel, passende Worte für kurzweilige Geschichten zu finden. Damit entwickelte sich automatisch ihr eigener Schreibstil. Mit großer Freude ist sie beim Schreiben geblieben. Zurzeit arbeitet sie an einem neuen Roman. 21
tipps
buch-tipps Andreas Dorau & Sven Regener
Kristina Ohlsson
John Southworth
Ärger mit der Unsterblichkeit
Himmelschlüssel
Niagara
Bombendrohung in einem Jumbojet auf dem Flug von Stockholm nach New York. Im schwedischen Landeskriminalamt und bei den dortigen Geheimdiensten löst das höchste Alarmbereitschaft aus. Es geht um das Leben der über 400 Passagiere. Die Forderungen, die die Terroristen erheben, lenken den Fokus der Ermittler und der gesamten Weltöffentlichkeit auf ein ganz dunkles Kapitel der US-Politik: Der US-amerikanische Militärgeheimdienst unterhielt Foltercamps, in den entlegensten Winkeln dieser Welt, quälte und folterte dort Menschen, die sie für islamistische Terroristen hielten. Und genau ein solches Camp soll geschlossen werden und ein Islamist, von der Ausweisung bedroht, soll in Schweden bleiben dürfen. Beide Forderungen sind unerfüllbar: Das Foltercamp, um das es geht, existiert längst nicht mehr. Der Araber, der in Auslieferungshaft sitzt, scheint derart verquickt in terroristische Aktivitäten, dass Schweden ihn einfach nicht behalten kann. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der seinen Höhepunkt erreicht, dass der Copilot des bedrohten Jumbojets Sohn des Chefermittlers ist, und der Pilot selbst offenbar mit in die Bombendrohung verstrickt zu sein scheint. Ein packendes Szenario, dessen Spannung steigt, je mehr die Boeing 747 an Treibstoff verliert. Ein fesselnder Wettlauf gegen die Zeit und ein schonungsloses Portrait überforderter und eitler Geheimdienste, die bereit sind, alles zu tun, um nur ja nicht selbst an den Pranger gestellt zu werden. Kristina Ohlsson, eh. Terrorismus-Expertin bei der OSZE (Org. für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Wien, hat aus ihrem Fundus geschöpft. Aktuell. Zeitnah. Hochpolitisch.
Indie-Folk / Der deutsche Rolling Stone wählte die Doppel-CD „Niagara“ zur Platte des Jahres 2014, die immerhin angeblich elfte Scheibe eines weithin unbekannten Singer-/Songwriters, der eine Art Konzeptalbum hingelegt hat. Die erste CD behandelt die kanadische Seite der Niagara-Fälle, die zweite die amerikanische. Warum fiel die Wahl so aus? Zwei Gründe dürften dabei eine Rolle gespielt haben. Zum einen sind die Stücke äußerst abwechslungsreich; Southworth arbeitet mit Anleihen aus dem Folk, Jazz, Cabaret und Indie-Rock. Unterstützt wird er dabei von einer formidablen Band, die einen fast nostalgischen Sound hinzaubert. Zum anderen ist die Musik schlicht schön, oder besser gesagt: wohlklingend – insbesondere seine wandlungsfähige Stimme. Da haucht Cat Stevens, jubiliert Rufus Wainwright, raunt Tom Waits oder glänzen 1970er Jahre – Heroen wie Tim Buckley oder Harry Nilsson. Das ist großes Kino, keine Frage, doch dank lakonischer Kürze und unprätentiöser Texte fern von schwülstigem Pathos. Bleibt die Frage, welche Seite der Niagara-Fälle die schönere ist? Und hier dürfte das wahre Leben Pate gestanden haben. Die kanadische Seite ist weicher, weitläufiger, verträumter. Die amerikanische dagegen dichter, bombastischer, spannender. Und wie im wahren Leben ist es Einstellungssache oder Gefühlslage, welche einem besser gefällt. Schön, wenn sie auf einer CD vereint sind. Jens Hüttenberger
Die Ergebnisse einer Projektwoche sind nicht immer überragend, wenn man ehrlich ist. Es sei denn, man ist Andreas Dorau. In diesem Fall nutzt man den Projektkurs der Otto-Hahn-Gesamtschule „Wir machen einen Popsong“, um einen der eindringlichsten Hits der Neuen Deutschen Welle zu produzieren: „Fred vom Jupiter“. So kann man es zumindest in seinem im Mai erscheinenden Buch „Ärger mit der Unsterblichkeit“ nachlesen. Gleich auf Seite sechs, in der „Fred-vom-Jupiter-Geschichte“. Geschrieben hat er es zusammen mit Sven Regener, Sänger der Band „Element of Crime“ und Autor der Herr Lehmann-Bücher. Herausgekommen ist ein amüsant zu lesendes Episodenbuch, das die wichtigsten Stationen aus dem Leben Doraus erzählt. Amüsant, skurril und manchmal sogar fast unglaublich. Etwa, wenn Dorau durch Regener über die Aufführung seines Stückes „Guten Morgen, Hose“ berichtet. Einer Kurzoper, deren Handlung er wie folgt beschreibt: „Ein junges Mädchen, die schöne Lucy, Tochter eines Teppichs, verliebt sich in eine Hose, doch der Vater ist gegen diese Verbindung und am Ende sterben alle.“ Die Texte werden dabei übrigens von Laien in Arienmanier gesungen und der Hosenchor an Nylonfäden zum Playback bewegt... Aber am besten, Sie lesen es selbst. Es lohnt sich in jedem Fall. Und ganz nebenbei gibt Ihnen das Buch auch noch weise Worte der Alltagsphilosophie mit auf dem Weg, die Dorau einst in einem seiner Popsongs deklarierte: „Am Steuer seines Lebens lenkt man doch meist vergebens.“ (sab) Andreas Dorau & Sven Regener: Ärger mit der Unsterblichkeit, Verlag Galiani Berlin, ISBN 978-3-86971-108-9, ca. 180 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Euro 16,99, erscheint am 11. Mai 2015.
22
cd-tipp
Ingrid Müller-Münch
Kristina Ohlsson: „Himmelschlüssel“, Limes bei Blanvalet, 24.11.14, Ü schwed. Susanne Dahmann, ISBN 809026396, 474 Seiten.
John Southworth: „Niagara“, Doppel-CD, Tin Angel (Indigo), 2014
comic / kolumne
Illustration: Heiko Sakurai
* Siebdruck-Werkstatt * Hunde-Leckerlis * Gratis-Frühstück *
HOLEN SIE
DIESES MAGATRZAINSSE.
VON DER S
AKTIONSTAG FÜR DRAUSSENSEITER-VERKÄUFER UND ANDERE INTERESSIERTE 11. Mai 2015 ab 11 Uhr in der OASE
D
ank einer Spende der Schweizer Firma Ergoconcept
Kölns ältestes Straßenmagazin. Jeden Monat neu.
konnten wir nicht nur neue hochwertige T-Shirts für unsere Verkäufer kaufen, sondern auch einen Aktions-
tag organisieren, zu dem wir alle Verkäufer und Interessierte am 11. Mai 2015 ab 11 Uhr in die OASE einladen möchten. Gegen Vorlage des Verkäuferausweises erhälst du an dem Tag ein Gratis-Frühstück, ein T-Shirt in deiner Größe (solange der Vorrat reicht!) und fünf Zeitungen für einen guten Start in den
WWW.
DRAUSSENSEITER-KOELN
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1/8_Hoch_44x128_L1.indd 1
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Deborah Keser eins der nagelneuen DRAUSSENSEITER-T-Shirts mit Siebdruck bedrucken (lassen). Um euch in ein gutes Licht zu rücken, haben wir eine Porträtfotografin vor Ort, die auf Wunsch ein neues Foto von euch macht – gratis und gerne zur weiteren Nutzung. Das Beste: Die DRAUSSENSEITER-Familie kommt mal wieder zusammen.
Neue Leute willkommen!
Foto: Hanna Witte
werbeagentur-von-morgen.de
Sommer! Außerdem könnt ihr unter Anleitung der Grafikerin
23
danke / abo
GroSSzügige Spende an die OASE
I
m Wert von über 2.500 Euro spendete
bereits seit 2008 zahl-
Umfang unterstützt. Umso schöner
die Stiftung „Karmetta“ in Kooperati-
reichen Projekten
also, dass die Spender mit dem großen
on mit der Firma „Berufsbekleidung
rund um Mensch
Herzen die großzügige Kleider-Spende
Niggemann“ kurz vor Wintereinbruch
und Tier. Alle geför-
höchstpersönlich in der OASE abgege-
hochwertige, neue Kleidung für die
derten Einrichtun-
ben haben! Herzlichen Dank der gan-
Bedürftigen, die die Kleiderkammer der
gen und Projekte
zen Karmetta-Crew und der Firma
OASE regelmäßig nutzen. Für viele sind
erhalten nicht nur
Niggemann. (cb)
solche Hilfen nicht nur eine große Freude,
finanzielle Zuwen-
sondern bei Minustemperaturen lebens-
dungen, sondern
notwendig. Nach dem Motto "Hilfe rund
werden auch per-
um den eigenen Kirchturm" hilft die
sönlich begleitet
gemeinnützige Karmetta-Stiftung um ein
und in unter-
Kölner Ehepaar und ihren Freunden
schiedlichem
lll
info
Karmetta Stiftung b. R. Neusser Wall 87 • 50668 Köln www.karmetta.de • bo@karmetta.de
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Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
vorschau
IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de
Geschichten vom Bürgersteig
Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Redaktion Marie Breer, Renee Breuer, Thomas Dahl, Bastian Exner, Zakarijas Gajdács, Kleiner Günter, Astrid Hülser, Jens Hüttenberger, Lothar Kappes, Elisabeth Molitor, Anika Pöhner, Linda Rennings, Miriam Wolf Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Deborah Keser Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Marie Breer, Stefan Grebe, Kölsche Linda, Jörg Paschke, Anika Pöhner, Barbara Siewer, Hanna Witte, Zoe/Fotolia Illustrationen Lazy Magá, Heiko Sakurai Gestaltung Innenseiten de haar grafikdesign, www.dehaar.de Druck druckdiscount24.de Foto: Stefan Grebe
Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Kiosk Bertram, Elke Bertram, Neumarkt, Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln
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ür den französischen Schriftsteller Marcel Proust war es unter anderem der Duft eines frisch gebackenen Sandtörtchens, der ihn zu einem seiner größten Romane inspirierte, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Bei anderen Menschen sind es Bilder, Artikel oder auch Begegnungen, die in ihnen bestimmte Geschichten auslösen. Im Juni gehen wir auf die Suche nach solchen besonderen Augenblicken und halten sie in Kurzgeschichten, Gedichten oder Notizen fest. Außerdem klauben wir Wörter von der Straße und machen daraus Wort-Salat.
Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Juni 2015. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf facebook. 25
Foto: Hanna Witte
service
Für Alle Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Fr 9.30-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen §67SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91
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Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Kleiderkammer: Di und Fr 15-17 Uhr, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr
Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose und Banker Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Internetzugang, Samstags Frühstück. Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Tel.: 430 39 83 Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in www.skm-koeln.de
GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
service
Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung Dienstleistungsagentur „Huddel und Brassel im Veedel“ Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 3377706-17 huddelundbrassel@vringstreff.de Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz. Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9 – 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 – 16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Dienstag 13-16 Uhr, Mittwoch 13-16 Uhr, Donnerstag 13-16 Uhr;
Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für alle: 9.30-12 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr
Nur für Frauen agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org
Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen
Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de
Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de
Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich. Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 37 64 90, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet. Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr
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