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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 03/2015: Abschied

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Liebe Leserinnen und Leser, in Deutschland gibt es rund 120 Tierfriedhöfe, 160 Tierbestattungsfirmen und fast 20 Tierkrematorien – Tendenz steigend. Nicht nur Wohnungslosen auf der Straße ist ein Hund offenbar häufig der wichtigste Bezugspunkt: Wenn ein Vierbeiner stirbt, verlieren viele Menschen oft den einzigen Halt, den sie im Leben hatten. Die Grabsteine auf Tierfriedhöfen sind stumme Zeugen solcher Verbundenheit – Dieter Mayer-Gürr hat sie für Susanna Kolbes Buch „... da liegt der Hund begraben“ mit der Kamera festgehalten.

S.4

S.11

S.8

S.20

Inhalt Foto: Miriam Wolf

Vorwort, Inhalt ������������������������������������������������������� 3

Abschied nehmen mussten nun auch Freunde und Familie von Dhyan K., die die letzten Wochen vor ihrem Tod im St. VinzenzHospital in Nippes verbracht hat. Die krebskranke Frau, die sich bewusst gegen eine medizinische Behandlung entschieden hat, konnte zum Ende ihres Lebens mit vielem Frieden schließen, wie sie erzählte. Schon häufig Abschied nehmen musste auch Josefine Klein. Die 101-Jährige hat die meisten Menschen überlebt, die ihren Lebensweg begleitet haben. Dennoch hat sie ihren Humor nie verloren, was Anika Pöhners Porträt über die betagte Frau beweist. Freude an den ersten aufblühenden Knospen und den frühen warmen Sonnenstrahlen, wünscht allen Leserinnen und Lesern

Da ist Frieden jetzt �����������������������������������������������4-6 101 Jahre: Josefine Klein ����������������������������������������8-9 Gedicht: Leben ����������������������������������������������������� 10 Da liegt der Hund begraben ���������������������������������� 11-12 Gedicht: Alter Schrank ��������������������������������������������� 13 Loss mer singe – Rückblick ����������������������������������� 14-15 Der Blick: Chris und Silvester ������������������������������������� 16 Gleichheit ist Glück – der Kommentar ��������������������� 17-19 Clochard Imperial ��������������������������������������������������20 Gedicht: Die Hoffnung �������������������������������������������� 22 Geschichte: Der Greifer �������������������������������������������� 23 Die MittwochsMaler �����������������������������������������������24 Kolumne/Comic ����������������������������������������������������� 25 Aus der OASE ����������������������������������������������������26-27 Abo und Kolumne �������������������������������������������������28 Vorschau, Impressum ����������������������������������������������29 Adressen von Einrichtungen ���������������������������������� 30-31

Christina Bacher

Öffnungszeiten der OASE Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3


Abschied

„Da ist Frieden jetzt.“

Eins der letzten Fotos von Dhyan. „Vieles wendet sich gerade zum Guten“, hat sie über ihre Zeit im Hospiz gesagt. Ihre Augen strahlten dabei wie eh und je. Foto: Christina Bacher

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Abschied

Dhyan K., die eigentlich Brigitte hieß, bekam im Sommer 2011 die Diagnose Brustkrebs und entschied sich gegen eine schulmedizinische Behandlung. Die Wahl-Kölnerin aus Würselen hat diese Entscheidung bis zuletzt nicht bereut. Nach einem wochenlangen Krankenhausaufenthalt bezog sie im Kölner Vinzenz-Hospital ein großes, helles Zimmer mit eigenem Bad. Sie, die ihr Leben lang viele Kämpfe ausgetragen und Widerständen getrotzt hat, hat sich ausgerechnet hier mit sich selbst ausgesöhnt. Mit Christina Bacher hat die 51-Jährige kurz vor ihrem Tod über die Einstellung zu ihrer Krankheit, vor allem aber auch über ihre Liebe zum Leben gesprochen. Ihr Wunsch war es, dass das Gespräch im DRAUSSENSEITER abgedruckt wird.

DRAUSSENSEITER: Viele Menschen haben

Obwohl man dir das nach der Diagnose ja

geheilt wurden. Ich hatte die Hoffnung,

Angst vor dem Sterben und denken, Hospize

sicher nahe gelegt hat. Du bist einen sehr

dass ich das auch hinbekommen würde.

sind dunkle Orte voller Trauer. Hier aber ist

ungewöhnlichen Weg gegangen. Warum?

Zeitgleich konnte ich mein Leben ganz

es sehr hell und offen und die Menschen

Dhyan K.: Als ich im Oktober 2011 nach

normal weiter leben. Das war mir wichtig.

scheinen alle sehr freundlich.

einer Mammographie die Diagnose Brust-

Im Übrigen arbeitete ich als selbstständige

Dhyan K.: Ich fühle mich tatsächlich sehr

krebs bekommen habe, habe ich mich

Tantra-Masseurin und konnte mir gar kei-

wohl hier. Der Gedanke, irgendwann meine

nicht, wie empfohlen, in ein Brustzentrum

nen krankheitsbedingten Ausfall leisten.

Autonomie zu verlieren, war für mich schon

begeben, sondern bin erst einmal zum

beängstigend. Ich habe mich aber schon

Homöopathen gegangen. Für mich war

DRAUSSENSEITER: Was genau kann man

frühzeitig damit beschäftigt, in welches

klar, dass man kaum noch Entscheidungs-

sich unter diesem Beruf vorstellen? Und wel-

Hospiz ich möchte, wenn ich nicht mehr

möglichkeiten hat, sobald man sich erst

che Rolle spielte diese körperbetonte Tätig-

klarkomme. Am meisten hatte ich aber

einmal in die Maschinerie einer Klinik-Be-

keit bei deinen Entscheidungen bezüglich

immer Angst vor einer Zeit zuhause mit

handlung begibt. Ich habe von Anfang an

deiner Krankheit?

erhöhter Pflegebedürftigkeit. Das ist mir

eine Haltung gespürt, dass dieser Krebs

Dhyan K.: Die Tantra-Massage hat einen

nun alles erspart geblieben. Nachdem mir

etwas mit mir zu tun hat. Dass ich ihn

sehr rituellen Ablauf, der Gast trägt

im Krankenhaus klar wurde, dass es ohne

selbst in meinen Körper getan habe, in

zunächst einen Kimono, dann wird er ver-

viel Unterstützung nicht mehr geht, wurde

gewisser Weise. Und jetzt sehen muss, wie

ehrungsvoll ausgezogen. Es ist schon sehr

der Übergang ins Hospiz, das ja im gleichen

ich ihn wieder rauskriege.

sinnlich, bevor die Massage beginnt. Der Gast ist immer in der empfangenden Posi-

Haus liegt, leicht. St. Vinzenz war ursprünglich nicht in meiner engeren Auswahl, aber

DRAUSSENSEITER: Klingt so, als würdest du

tion. Natürlich spielt die Tatsache, dass ich

jetzt finde ich es genau passend für mich.

dir selbst eine Schuld an der Krebs-Erkran-

selbst bei diesem Ritual nackt bin, eine

Es liegt in der Nähe meiner alten Wohnung

kung zuschreiben ...

Rolle bei meiner Entscheidung gegen eine

und meine Freunde können mich hier

Dhyan K.: Nein, Schuld ist das falsche

Brust-Amputation. Auch bei einer Chemo-

leicht erreichen. Das Personal ist mir sehr

Wort. Aber ich spürte, dass diese Krankheit

therapie hätte ich ab sofort nicht mehr

zugewandt und sympathisch und viele mei-

damit zu tun haben muss, wie ich die Jah-

arbeiten können und wäre in Hartz IV

ner Wünsche werden mir erfüllt. Fast kann

re zuvor gelebt habe. Deshalb kam für

gefallen. Es musste also auch so gehen.

man sagen, dass ich es genieße, hier sein zu

mich die Diagnose nicht überraschend. Ich

Und ich hatte tatsächlich noch ein paar

dürfen. Mein Kampf ist vorbei, das ist ein

begab mich durch die Krankheit in gewis-

schöne Jahre, ein fast ganz normales

schönes Gefühl und gibt so viel Raum für

ser Weise auf eine abenteuerliche Reise

Leben. Wie ich es mir gewünscht habe.

anderes. Nachdem mir klar war, dass ich

zu mir selbst. Denn wichtig war mir

nicht mehr nach Hause kann, habe ich Ja

immer, dass man beim Heilungsprozess

DRAUSSENSEITER: Ein fast normales Leben

zum Hospiz sagen können. Ich habe jetzt

nicht nur den Körper, sondern auch die

zu führen bedeutet aber doch auch, die

hier alles, was ich brauche.

Seele im Blick hat. Neben der homöopa-

Krankheit erst einmal für sich zu behalten.

Und nun kann ich mich auch gut von mei-

thischen Behandlung habe ich mich inten-

Oder wussten deine Kolleginnen auf der

ner alten Wohnung lösen.

siv darüber informiert, welche weiteren

Arbeit Bescheid?

Behandlungsmethoden es gibt, wie man

Dhyan K.: Tatsächlich habe ich am Tag nach

DRAUSSENSEITER: Für dich stand es nie zur

sich ernähren muss und habe immer

der Diagnose mit einer Freundin darüber

Debatte, dem Krebs durch Operation, Chemo-

geschaut, was für mich stimmig ist. Ich

gesprochen, aber nur, weil die von dem

und Strahlentherapie die Stirn zu bieten.

weiß von vielen Krebspatienten, die so

Mammographie-Termin wusste. Hätte sie

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Abschied

mich nicht danach gefragt, hätte ich ver-

tionieren, damit ich meine Therapien

Dhyan K.: Nein. Bei mir passiert innerlich

mutlich gar nichts gesagt. Aber davon abge-

finanzieren kann. Als ich aber vor einem

momentan so viel, viele Dinge durchlaufe

sehen war ich sehr zurückhaltend und habe

Jahr hörte, dass ich Knochenmetastasen

ich im Turbotempo und komme zu ganz

nur einen sehr ausgewählten Kreis einge-

habe, habe ich verstanden, dass es jetzt

neuen Einsichten, die mir mein Leben lang

weiht. Auf der Arbeit lief erst einmal alles

bald zu Ende geht. Und dann ist etwas

gefehlt haben. Beispielsweise habe ich oft

normal weiter. Ich war sowieso dafür

Seltsames passiert: Ich habe angefangen

mit meiner Mutter gehadert und jetzt

bekannt, dass ich ernährungstechnisch

Ja zu sagen und plötzlich ist dadurch alles

kann ich sehen, dass ich gerade durch unse-

immer Neues ausprobiere. Es fiel also erst

so leicht geworden. Es war plötzlich ganz

re Schwierigkeiten bestimmte Dinge

einmal gar nicht auf, dass ich mich konse-

viel Unterstützung von meinen Freunden

gelernt habe. Sie kommt mich am Freitag

quent nach Dr. Johanna Budwig ernährt

da, ich habe endlich das Netz, dass ich mir

besuchen und ich werde ihr sagen, dass sie

habe, die speziell für Krebspatienten eine

so lange gewünscht habe.

einen guten Job als Mutter gemacht hat.

Art Diät entwickelt hat. Mit der Zeit wurde

Das klingt vielleicht etwas kitschig, aber

Da ist Frieden jetzt. In so vielen Bereichen.

es jedoch immer schwerer, diese sehr kon-

ich merke plötzlich im Angesicht des

„Der Name Dhyan ist der erste Teil meines spirituellen Namens und heißt ,Meditation‘. Mich erinnert der Name daran, dass die Stille und das nach innen gehen mich mit meiner inneren Quelle, meinem Wesen verbindet.“ sequente Ernährung vor Freunden zu ver-

Todes, dass mein Leben jetzt fließen kann.

DRAUSSENSEITER: Kannst du sagen, warum

heimlichen. Meiner Mutter und meinen

Ist das nicht verrückt? Vieles wendet sich

es dir wichtig ist, dass ich unser Gespräch

Brüdern beispielsweise habe ich lange gar

gerade zum Guten: Ich werde präziser, ich

aufnehme?

nichts gesagt, vielleicht auch, weil ich Sorge

weiß, was ich will und was nicht. Diese

Dhyan K.: Ja, ich habe tatsächlich irgend-

hatte, dass sie mich zu einer schulmedizini-

Klarheit schafft eine große Leichtigkeit.

wie das Gefühl, dass ich da noch etwas weiterzugeben habe, das für andere wich-

schen Behandlung überreden wollen. Oder eben zu einer Brustamputation, die für

DRAUSSENSEITER: Hast du keine Schmerzen?

tig sein könnte. Auch, wenn ich nun hier

mich aber überhaupt nicht in Frage kam.

Dhyan K.: Nein, ich habe kaum Schmer-

im Hospiz bin und man meinen könnte,

Ich habe mich dadurch oft sehr abgeschnit-

zen, was natürlich ein großes Glück ist. Ich

dass ich mich für den falschen Weg der

ten gefühlt und ausgeschlossen, weil ich das

bin aber auch fest davon überzeugt, dass

Heilung entschieden habe, weiß ich, dass

Wissen um meine Krankheit lange Zeit

das damit zu tun hat, dass ich mich gut

es für mich der richtige war. Natürlich will

nicht teilen konnte.

ernährt habe und mein Körper keine Che-

ich mich nicht grundsätzlich gegen die

miekeulen gesehen hat. In den drei Jahren

Schulmedizin aussprechen. Aber ich weiß

DRAUSSENSEITER: Wie geht es dir heute?

seit der Diagnose habe ich mir sehr hoch-

heute eben auch, dass es sich lohnt, die

Dhyan K.: Ich bin heute sehr glücklich,

wertige Lebensmittel zugeführt und habe

Menschen zu ermutigen, erst einmal in

dass ich in Frieden gehen kann. Mir ist es

für Bio-Produkte und Teesorten, Leinöl

sich hineinzuhören und nicht einfach mit

zwar nicht gelungen, meinen Körper zu

oder Quark viel Geld ausgegeben. Ich

sich machen zu lassen.

heilen, aber doch meine Seele. Ich war

empfinde meine Krankheit inzwischen als

Für mich ist es stimmig, dass ich mich nicht

immer eine Kämpferin und habe mein

etwas sehr natürliches und meinen

in die Hände der Schulmedizin begeben

Leben lang Widerstand geleistet. Ich habe

Umgang damit ja auch. Ich kenne ja viele,

habe. Ich hatte so noch einige gute Jahre,

immer sehr viel alleine gemacht, auch

die durch die Chemotherapie eine richtig

ich konnte weiter meiner Arbeit nachge-

noch, als ich von der Erkrankung wusste.

harte Zeit hinter sich haben. Manche von

hen und die Struktur meines Lebens blieb

Oft hatte ich große Ängste, dass ich es allei-

denen sind dennoch später gestorben. Ich

erhalten. Meine Freunde trugen diese Ent-

ne nicht schaffen werde. Ich hatte finan-

kann wenigstens sagen, dass mir dieses

scheidung mit, auch, wenn es ihnen nicht

zielle Sorgen und keinen doppelten

künstliche Leid erspart geblieben ist.

immer leicht gefallen ist. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken.

Boden, der mich hätte auffangen können.

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Auf Dauer war das eine Riesen-Überfor-

DRAUSSENSEITER: Gibt es etwas, dass du

derung, mich um meine Heilung zu küm-

nicht loslassen möchtest, an dem du un-

Dhyan ist am 19. November 2014

mern und daneben normal weiterzufunk-

glaublich hängst?

gestorben.


begegnung mit osteuropa

Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause

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abschied

101 Jahre: Josefine Klein

war ihr Mann. ‚Nein, der weiß das noch

Unvergessene Erlebnisse aus vergangenen Tagen

singen: ‚Hochzeit machen, das ist wunder-

Babys erfuhr. Weil es ja ihr letzter Wunsch war, fasste ich mir ein Herz und fing an, ein Lied zu schön, ach, wie wird man bald, Papa, Da ließ sie meine Hände los und schlief sanft ein.“

in Gesicht gezeichnet von Spuren:

voller Schreck, dass sie mir dort ein Kalb-

Spuren des Leides, Spuren der Freu-

sauge hineingelegt hatten. Ich warf das

de, Spuren des Lebens. Man muss

glitschige Auge in hohem Bogen in Rich-

Liebesglück auf der Mülheimer Kirmes

weit in der Zeit zurückgehen, um die

tung Kalker Hauptstraße. Im selben

„Wir hatten vom Konsum (Anm. d. Red.:

Geschichten von Josefine Klein wieder

Moment kam ein Lastwagen angebraust

damaliges Lebensmittelgeschäft) aus eine

lebendig werden zu lassen. 2014, 2000,

und das Auge landete auf seiner Wind-

Betriebsfeier in Dellbrück.

1970, 1950, 1930 und 1913.

schutzscheibe. Der Fahrer hatte uns wohl

Als diese zu Ende war, bin ich gemein-

Am 20. Juli des Jahres 1913 wurde Jose-

schon von Weitem gesehen und wusste

sam mit der Leiterin des Geschäftes nach

fine Klein in Köln-Nippes geboren. Sie

deshalb, aus welcher Richtung das

Mülheim auf die Kirmes gefahren. Da

hatte drei Geschwister, alles Mädchen, und

Geschoss hergekommen war. Da hielt er

haben wir dann zwei Jungs kennengelernt.

zog im Alter von sechs Jahren mit ihrer

an, stieg aus, kam auf mich zu und vermö-

Der eine war sehr an mir interessiert und

Familie nach Köln-Vingst. Die Tochter

belte mich. Die beiden Kolleginnen haben

der andere war auch interessiert, sagte es

eines Siedlungsbauers ist immer gerne

nur dagestanden und gelacht.“

aber nicht. Das war mein zukünftiger

arbeiten gegangen. Zunächst war sie in

Mann. Wir tranken mit den beiden jungen

einer Metzgerei, dann in einem Lebens-

Abschied

Männern ein Bier und machten uns

mittelladen und zuletzt in einem Büro

„Ich war gerade auf meiner Arbeit in der

danach gemeinsam auf den Weg nach

tätig. Vierzehn Jahre war sie mit ihrem

Fleischerei, als unerwartet eine Kranken-

Hause. Der eine verabschiedete sich

Ehemann glücklich verheiratet. Dann kam

schwester des evangelischen Krankenhau-

schnell und die Geschäftsleiterin brachten

er bei einem Autounfall ums Leben. Die

ses aus Kalk in den Laden stürmte. Sie

wir nach Hause. Mein Zukünftiger beglei-

Ehe blieb kinderlos.

berichtete mir, das Kind meiner liebsten

tete mich dann noch bis zu meinem Haus.

Freundin sei zur Welt gekommen und nun

Aber wir haben uns nur für den nächsten

läge meine Freundin im Sterben.

Tag verabredet und waren ganz brav, es

An Köln liebt Josefine insbesondere das Millowitsch-Theater und erinnert sich ger-

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Ich war die Erste, die von dem Tod des

Mama….‘

Von Anika Pöhner

E

nicht‘, antwortete sie.

ne zurück an Stücke wie „Tante Jutta aus

Ihr letzter Wunsch sei es, dass ich ihr ein

Kalkutta“. Aktuell lebt die 101 Jahre alte

Liedchen singe. Ich machte mich voller

Ich, in meiner Dusseligkeit, habe dann

Frau im Kalker Altenzentrum St. Marien.

Sorge auf den Weg in die Klinik. Mir gin-

am kommenden Morgen der Leiterin

Josefine Klein ließ in einem Gespräch mit

gen schwere Gedanken im Kopf herum:

davon erzählt. Jetzt war die Frau natürlich

Anika Pöhner längst vergangene Geschich-

Wie soll ich in dieser schlimmen Situation

eifersüchtig. Da hat die mich den Kühl-

ten und Ereignisse aufleben:

ein Lied singen? Wenn ich meinen liebsten

schrank sauber machen lassen, das dauer-

gab keinen Kuss oder so etwas.

Menschen so daliegen sehe, dann bekom-

te eine ganze Stunde. Als ich endlich raus

Ein Streich mit Folgen

me ich doch keinen Ton heraus! Aber es

kam, wartete mein Zukünftiger bereits

„Es war der erste Tag meiner Ausbildung

war nun einmal ihr letzter Wunsch.

mit seinem Fahrrad vor dem Geschäft. Da

zur Fleischereiverkäuferin. Ich hatte so ein

In der Klinik angekommen sagte man

fragte ich ihn: ‚Haben Sie heute auch

hellgrünes, besticktes Täschchen dabei.

mir, dass sich die Sterbende, wenn ich ihre

Ihren Anzug von Sonntag an?‘ – ‚Ja, aber

Darin fanden nur vier Dinge einen Platz:

Hand nehme, festkrampfen wird und dann

nur zur Feier des Tages, weil ich Sie treffe.

Ausweis, Geldbörse, Kamm und ein

solle ich die Hand ganz zart lösen.

Meine Mutter hat auch schon gesagt: Das geht nicht, mit dem guten Anzug auf dem

Taschentuch. Als der Tag zu Ende war,

Als ich dann an ihrem Bett saß, streckte

wollte ich mit zwei anderen Verkäuferin-

sie mir beide Hände entgegen. Ich fragte:

nen zu Fuß nach Hause gehen. Ich öffnete

‚Friedchen, wie isses mit dem Baby?‘ Da

Ja, so kamen wir damals zusammen

während des Laufens mein Täschchen, um

hat sie geschrien: ‚Das Baby ist tot!‘ Da

und führten vierzehn Jahre eine glückli-

das Taschentuch herauszuholen, da sah ich

habe ich gesagt: ‚Weiß der Jon das?‘ Jon

che Ehe.“

Fahrrad‘, antwortete der junge Mann.


arm & reich Josefine Klein, 101 Jahre Leben in Kรถln Foto: Anika Pรถhner

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abschied

Leben Ich höre die Geräusche, Spüre den Wind, Rieche die Herbstluft, Schmecke die Kälte, Sehe die Stadt Ich bin mittendrin Und doch bin ich weit weg Innerlich spüre ich die Kälte Außen sieht man nur mich Mein Herz, für andere unsichtbar Die Kälte verschwindet Der Schmerz verebbt Ich spüre mein Herz Es springt vor Freude Ich lebe Ich gucke mir selbst zu Wie ich verliere oder gewinne Und trotzdem kann ich entscheiden Wer ich sein will Weil ich endlich frei bin

Jana Hochgrebe geht in die 9. Klasse der Montessori Schule in Bickendorf. Die fünfzehnjährige Schülerin hat während eines Schulpraktikums auch mal einen Tag in die Redaktionsarbeit beim DRAUSSENSEITER reingeschnuppert.

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abschied

Da liegt der Hund begraben Von Tierfriedhöfen und Tierbestattungen Auszug aus: „Hier liegt der Hund begraben“ von Susanna Kolbe

I

m September 2012 wurde der Beruf des Tierbestatters als „Beruf der Woche“ bei Zeit Paris, Cimetière des chiens

online vorgestellt: ein deutliches Zeichen, dass es sich beim Phänomen der Tierbestattung nicht um eine marginale Angelegenheit, sondern eher um einen Boom handelt. Im Jahr 2012 gab es in Deutschland 120 Tierfriedhöfe, 160 Tierbestattungsfirmen und fast 20 Tierkrematorien, die für den neuesten Trend stehen, Tendenz steigend. Ein Tiergrab, ein Tierfriedhof ist aber durchaus nichts Neues und es gibt viele interessante Beispiele in der Geschichte: so prominente wie die Begräbnisstätten der Windspiele Friedrichs des Großen, die Gräber von Wagners Neufundländern oder den ältesten Tierfriedhof in Europa, den cimetière des chiens in Paris, im 19. Jahrhundert entstanden. Auf unseren Streifzügen durch Orte der Tiertrauer und ihren verschiedenen Manifestationen des Gedenkens haben wir aber auch weniger bekannte Grab- und Gedenksteine für Tiere entdeckt, wie das Grab für die treue Hündin Isolde von der Hunau im Hochsauerland oder die Grabplatte für den geliebten Hund des niederländischen Dichters Huygens aus dem 17. Jahrhundert, und auch Grabstätten für andere Tierarten. Ein Exkurs widmet sich dem

Fotos: Dieter Mayer-Gürr

Thema Tiertod und Tierbestattung in der Literatur.

ihren vielfältigen Formen der Bestattung

ist ein gesellschaftliches Phänomen. Aktu-

Dass die Tierbestattung in neuerer Zeit,

eines Menschen nahe kommt und keine

elle Bilder und Beschreibungen von Tier-

vor allem in den letzten 15 bis 20 Jahren,

kulturelle Marginalie ist, obwohl ihre Aus-

friedhöfen und -krematorien machen das

so im Aufschwung begriffen ist, sie in

differenzierung häufig ins Skurrile reicht,

deutlich.

11


abschied

„Mrs. Browning las wieder. Dann sah sie Flush erneut an. Doch er sah sie nicht an. Paris, Cimetière des chiens

Eine auffällige Verwandlung hatte sich an ihm vollzogen. ‚Flush!‘, schrie sie. Doch er war stumm. Er war lebendig gewesen; jetzt war er tot. Das war alles.“ aus Virigina Woolfs „Flush“

„Wir begruben unseren Hund. Zuck schaufelte ein tiefes Quadrat zwischen ErlenbüBerlin, Steglitz

schen, an einem Bach, nahe dem Friedhof. Wir wickelten unseren Hund in alle seine Decken ein, legten seine gestrickten, bunten, wärmenden Winterhüllen auf ihn, obendrauf sein ledernes, metallbeschlagenes Zaumzeug und stellten neben ihn die Schalen für Fleisch und Honigwasser.“ aus Alice Herdan-Zuckmeyers „Scheusal“

lll

buchtipp

Susanna Kolbe „Da liegt der Hund begraben“ – Von Tierfriedhöfen und Tierbestattungen ISBN 978-3-89445-489-0 160 S., 50 Abb., geb. (2014), 15,- Euro 12


abschied

Alter Schrank Ich räumte den alten Schrank auf, legte alles auf den Boden, stellte alles auf den Kopf, die alten Bilder und Briefe, den Krempel und Schrott Ich fand deine alten Notizen, ein Tonband mit einer Aufnahme von mir entdeckte eine Bibel, ein Geschenk von Dir. Ich sortierte die Dinge nach Farben, nach schwarz, nach gelb, nach blau Ich suchte nach versteckter Ordnung nach Wahrem und nach fiktivem Stoff Dann las ich die alten Briefe, schwelgte in milchiger und grauer Dämmerung bis ich begriff, das alles erlosch. Und ich sitze hier seit Tagen. Das Bild von Dir schmilzt in meinem Kopf. Und ich frage mich seit Jahren, bleibt das, was ich erhoff. Heute schmeiß ich alles auf einen Wagen, keine Ahnung wohin er fährt zu Plätzen, an denen wir einst waren. oder zu Orten, die wir niemals mehr sehen. Ich stapelte die alten Briefe und den Plunder verstaute die Bibel, die Notizen und die Wut legte etwas Gebrauchtes und Blaues hinzu löste die Bremsen und gab ihm einen Stoß Dann schaute ich in den leeren Schrank und merkte, er wird niemals mehr leer sein. auch wenn ich nicht weiß, was in ihm steckt. ich schloss ihn ohne Wehmut höchstens mit einem Schuss Melancholie Ich schaute nach dem voll beladenen Wagen doch der war schon längst weg.

Jens Hüttenberger

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loss mer singe

Gute Stimmung: OASE-Vorstand Cla udia Betzing mit der kölschen Linda

Die OASE – anders, ävver joot !!!

Die Band Pläsier

Boore gewinnen in der Anlaufstelle für Wohnungslose

I

m Sommer spielte „Decke Trumm“ beim Abend für das Straßenmagazin DRAUSSENSEITER und seitdem gibt es mit „Do bes anders“ eine neue Berber-Hymne. Die lief natürlich auch beim Einsingnachmittag in der

OASE, der Anlaufstelle für Wohnungslose in Köln-Deutz – sehr zur Freude vieler Menschen dort, denen das Lied aus dem Herzen spricht: „Do bes anders, ävver joot!“ Anders war auch das Ergebnis des Votings: „De Boore“ landeten mit „Dich einmol noch danze sin“ den Tagessieg vor Brings („Polka, Polka, Polka“) und den Bläck Fööss („Mem Möllemer Böötche“). Der Millowitsch-Song von Kuhl un de Gäng konnte sich auf der vier platzieren, dahinter De Imis feat. Carolin Kebekus mit „Zurück noh Kölle“. Kneipendauersieger Kasalla hingegen schaff-

te es in der OASE nur auf den sechsten Platz. Eingeleitet wurde der Abend vom „Loss mer singe“-Castingsieger Pläsier. Die Band hatte vom Einsingen in Die Stimmung wa

r gut!

der OASE gehört und wollte unbedingt dabei sein. Die Einsängerinnen und Einsänger ließen sie erst nach einer Zugabe weiterziehen. (cb)

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ...

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loss mer singe

Doro Kassner (Emmaus) und Christina Bacher

(DRAUSSENSEITER)

DRAUSSENSEITER-Verkäufer Achim Becker

Moderator der He rzen: Harald van Bonn

Strahlende Gesichter ...

s Loss mer Danke an da

singe Team! Ih

r seid super!

Insider-Räts el: Wer vers teckt sich un wer unter de ter Kappe un r roten Perü d cke?

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schnappschuss

Chris und Silvester Die Obdachlosen Chris (links) und Silvester kommen aus Polen, sind durch einige Städte in Deutschland getingelt und jetzt in Köln heimisch geworden. „Hier gibt es Einrichtungen, die wirklich helfen und die Menschen sind freundlich“. Foto und Text: Gerd Bonse

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Kommentar

Gleichheit ist Glück Ein Kommentar von Friedrich Graf von Westphalen

W

ährend im Augenblick die poli-

Entrinnen für die, welche das Stigma der

steigt. Wer arm ist, träumt von einem

tische Debatte um die Folgen

Armut tragen; die Politik droht daran zu

Laib Brot, das ist wahr. Wahr ist aber

eines möglichen Austritts Grie-

scheitern.

auch: Wer reich ist, ärgert sich nicht einmal mehr, wenn sein Brot verschimmelt.

chenlands aus dem Euro („Grexit“) die

Worin aber liegen die von Wilkinson/

Gemüter beherrscht, ist die Debatte um

Im Dezember veröffentlichte die

die in allen Industriestaaten festzustel-

OECD eine sehr wichtige Studie, die

Pickett nachgewiesenen Folgen der

lende – wachsende – „Gerechtigkeitslü-

erstmals ein Doppeltes nachweist: Zum

Ungleichheit für Gesellschaft und Staat,

cke“ zwischen Arm und Reich zu

einen ist die „Gerechtigkeitslücke“ in

für das Miteinander der Menschen?

Unrecht in den Hintergrund getreten.

den Mitgliedstaaten im Laufe der letzten

Die verantwortlich zeichnenden Politi-

Jahre immer weiter gewachsen: Mitte

ker scheinen wieder einmal wegzusehen

der 80er Jahre verdienten die reichsten

Nachweis von Gewalt, von Alkohol- und

und diese immense Herausforderung an

zehn Prozent der Bevölkerung etwa fünf

Drogenkonsum in den armen Schichten

die Gestaltungskraft von Politik zu igno-

Mal so viel wie die ärmsten zehn Pro-

der Gesellschaft. Auch nicht um die

rieren. Doch diese ist, angesichts der

zent; jetzt liegt das Verhältnis bei sieben

ohnedies weithin bekannten Auswirkun-

wachsenden Ungleichverteilung von

zu eins. Der Trend ist ansteigend. Zum

gen von gesundheitlichen Problemen,

Chancen für die Reichen und Lebensrisi-

anderen belegt diese Studie, dass das

Fettleibigkeit vor allem bei Frauen,

ken für die Armen, auf Dauer für die

immer noch von der Politik in den Vor-

Zucker-, Herz- und Kreislaufbeschwer-

westlichen Gesellschaften buchstäblich

dergrund gerückte politische Ziel, wirt-

den, inzwischen auch bei Kindern und

eine Frage des Überlebens in einer frei-

schaftliches Wachstum mit allen Mitteln

Heranwachsenden. Es sind vor allem die

heitlichen und als halbwegs gerecht

zu fördern, keineswegs wie von selbst

sozialen Probleme, die mit der Ungleich-

empfundenen Ordnung von Staat und

dazu führt, dass davon auch die Armen

verteilung von Einkommen und Chan-

Gesellschaft.

profitieren. Offenbar gibt es den

cen in untrennbarem Zusammenhang

Durchreicheeffekt nicht mehr. Im

stehen, welche die Verfasser der Studie

Gegenteil. Erstmals begründet die

interessieren. Auffallend und sehr

wachsende Ungleichheiten und Unge-

OECD, dass die „Gerechtigkeitslücke“

bemerkenswert ist, dass das gegenseitige

rechtigkeiten zwischen Reich und Arm

sogar das Wachstum beeinträchtigt. Für

Vertrauen zwischen den Menschen ent-

erodieren das für das Überleben des

Deutschland wäre nämlich das Wachs-

scheidend abnimmt, wenn die Einkom-

Staates notwendige Band der Solidarität

tum um fast sechs Prozent höher ausge-

mensschere in einem Land groß ist.

innerhalb der demokratischen Gesell-

fallen, wenn die „Gerechtigkeitslücke“

Denn jeder muss sehen, wo er bleibt; das

schaften. Die sich immer mehr einstel-

auf dem Stand von Mitte der 80er Jahre

ist das beherrschende Motto. Jeder

lenden Verwerfungen der „Gerechtig-

geblieben wäre. Vertane Chancen.

bewegt sich wie der Hamster im Laufrad

Es droht eine Zerreißprobe. Denn

und klagt über Stress und Depressionen,

keitslücke“ bewirken eine Entfremdung der Benachteiligten gegenüber Politik

Es geht den Autoren nicht nur um den

Doch „Gleichheit ist Glück“, verheißt

weil er – „Tunnelblick“ ist die Devise -

und Staat, im Ergebnis ihre Ausgrenzung

eine neue Studie von Wilkinson/Pickett.

„nach oben“ strebt, den Blick nicht

mit der Gefahr einer Parallelgesellschaft.

Ihre Grundthese lautet: „Warum gerech-

mehr auf den anderen gerichtet. Und

Derweilen steigt die Kriminalität, der

te Gesellschaften für alle besser sind“.

dann eben auch dies als tradierte Weis-

Konsum von Drogen und Alkohol

Bekannt ist ja inzwischen, dass ein

heit: Wie der Vater, so der Sohn. Mobili-

nimmt dramatisch zu; die schulischen

Anwachsen des Reichtums in den Wohl-

tät eingeschlossen.

Leistungen der jungen Generation blei-

standsländern keineswegs dazu führt,

ben weithin auf der Strecke. Es gibt, so

dass gleichzeitig – sozusagen proportio-

scheint es, aus diesem Teufelskreis kein

nal – auch das Glücksgefühl der Bürger

Doch die Verfasser machen deutlich, dass gegenseitiges Vertrauen für das

17


Kommentar

Illustration: Wikimedia Commons/TUBS

18


Kommentar

Um an den Anfang der Ausführungen

Funktionieren einer Zivilgesellschaft ein

hier viel Sport und Fitness-Studio in der

ganz und gar unerlässlicher menschli-

Freizeit, dort: keine Bewegung, auch

zurückzukehren: Der Kampf gegen die

cher Faktor ist. Denn Vertrauen ist die

kein Geld für Studios oder Sportclubs.

Ungleichheit in den westlichen Gesell-

Basis für Kooperation, für das Wachsen

Apathisches Hindösen in den Tag. Fern-

schaften, gegen die klaffende und sich

von Mitmenschlichkeit, für Mitgefühl

sehen total.

weitende „Gerechtigkeitslücke“, so forderte es der Generalsekretär der OECD

und tätige Hilfe, nicht zuletzt für Spendenbereitschaft. Misstrauen hingegen ist

bei der Vorlage seines Berichts im

Dass die Korrelation zwischen Status

das Ergebnis der Ungleichheit, weil die

und Bildungsniveau und Armut und

Dezember, muss „in das Zentrum der

Angst vorherrscht, Gleichheit – auch

Chancenlosigkeit evident ist, wissen

politischen Debatte gerückt werden“.

Chancengleichheit – könne den erreich-

mittlerweile auch alle Politiker in den

Dazu muss jeder Bürger seinen Beitrag

ten Status gefährden. Neurosen und Psy-

westlichen Demokratien. Aber es ist

leisten: Familien und die Kinder der

chosen sind die nachweisbaren Folgen

eben oft auch eine Ungleichheit ab

ärmeren Schichten – sie vor allem ver-

dieser Angst- und Versagenszustände.

Geburt. Schichtenspezifisch. Und die

sprechen Zukunft für Gleichheit und

Der Unterschied in der Zahl dieser

Konsequenz: Gewalt als Folge mangeln-

Glück in unserer Gesellschaft – müssen

Erkrankungen ist zwischen reichen/

der Anerkennung. Denn Ungleichheit,

der primäre Adressat einer neuen

ungleichen und annähernd gleichen

so die Verfasser der Studie, ist – die Fol-

Umverteilungspolitik des Staates wer-

(glücklicheren) Gesellschaften Faktor

gerung ist unausweichlich – gnadenlose

den, von oben nach unten. Vor allem

drei. Das ist mehr als einprägsam. Offen-

„strukturelle Gewalt“. Die Mordrate

ihre Lern- und Bildungschancen müssen

bar geht es vor allem entscheidend dar-

liegt in den USA – bezogen auf eine Mil-

nachhaltig verbessert werden. Es gibt

um, den erreichten Wohlstand noch zu

lion Einwohner – bei 64, in Japan ledig-

kein anderes, kein geeigneteres Heilmit-

steigern, noch mehr materiellen Besitz

lich bei 5,2. In Amerika saßen im Jahr

tel – zum Glück.

anzuhäufen, sozial weiter aufzusteigen

2005 (unfassbare) zwei Millionen

und damit auch höheres „Ansehen“ in

Straftäter in den Gefängnissen, in Groß-

der Gesellschaft als Statussymbol zu

britannien etwa 80.000. Denn nach

erringen. Das aber hat seinen Preis.

Ansicht der Verfasser bedeutet hohe Ungleichheit in der Gesellschaft, drasti-

Gegenläufig ist zu betonen, dass

schere Strafen für Kriminelle und eine

Gesundheit und soziale Einbindung des

entschiedene Abwehr des inkriminier-

Miteinanders in einem engen Zusam-

ten Verhaltens, nicht unbedingt auch

menhang stehen: Menschen sterben frü-

höhere Kriminalitätsraten, aber auf

her, je weniger Freunde sie haben.

jeden Fall nicht genügend Geld für

Lebensdauer wird hingegen durch eine

Resozialisierung.

glückliche Ehe, Freunde und das Leben Die fast erdrückende Fülle statisti-

den einzelnen trägt und auch bei Schick-

scher Daten, welche die Verfasser erar-

salsschlägen auffängt, garantiert. Man

beitet haben, kann hier nicht weiter auf-

kann sich aufeinander verlassen, das ist

geführt werden. Denn entscheidend sind

Gesundheitsvorsorge pur. Bist du arm,

die Schlussfolgerungen: Gleichheit ist

stirbst du eher. Doch dann auch diese

Glück, das ist das Faktum. Das ist eine

Erkenntnis der Wissenschaftler: Je glei-

neue Erkenntnis. Das anzustrebende

cher der Reichtum in einer Gesellschaft

Ziel heißt daher für die Verfasser: Mehr

verteilt ist, desto besser steht es um die

Gleichheit. Sie muss vom Staat und den

Volksgesundheit. Denn Fettleibigkeit ist

Politikern, so fordern die Verfasser zu

keine Krankheit der Reichen, sondern

Recht, durch eine Neuverteilung von

der Armen; Essen als Trost ist die Devise,

Lasten und Steuern zwischen den Mit-

sodass Übergewicht und Ungleichvertei-

gliedern der Gesellschaft angestrebt

lung des Einkommens miteinander

werden. Das aber geht nicht ohne die

nachweislich korrelieren. Demgegen-

Begründung eines neuen Denkens, bezo-

über heißt die Parole für die Reichen:

gen vor allem auf eine Wirtschaft, die

Fasten für den Status, also „reich und

nicht mehr manisch nur auf das Ziel

schlank“, anstelle von „arm und dick“;

Wachstum fixiert ist.

Foto: Frank Bluemler

in einer religiösen Gemeinschaft, die

lll

info

Gastautor Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ist von Hause aus Rechtsanwalt und Publizist, wie Honorarprofessor der Universität Bielefeld. Auf den DRAUSSENSEITER wurde der begeisterte Musikhörer aus Köln durch einen netten Straßen-Verkäufer vor der Philharmonie aufmerksam. Er kaufte das Heft, las es von vorne bis hinten durch und schrieb eine Mail an die Redaktion. Seit nun mehr drei Jahren gehört er zum freien Mitarbeiter-Stab unseres Straßenmagazins. 19


Foto: Miriam Wolf

Erzählung

20


porträt

Clochard Imperial von Zakariás Gajdács

ger, junger Kochlehrling hatte gerade seine erste „Mulligatawny Soup“ eigenhändig zubereitet. Doch als er sein Gesellenstück voller Stolz dem Küchenchef präsentieren wollte, rutschte er mit vollem Karacho auf dem mit Sägespänen bedeckten Küchenboden aus und die Suppe ergoss sich über den gesamten Fußboden. Zakárias mit seinem Freund László (li.) in dessen Wohnung. Foto: László Dara

Welch ein Malheur! Wie es mit dem armen Kerl weiterging, ist nicht bekannt, aber was mit seiner „Dinner for One“-Hühnerbrühe passierte, schon: Schnell wurde

M

László gerufen, der die ganze Schweinerei ein Freund László Petri ist ein

aufwischen sollte. Dieser rückte prompt

über

alter

mit Eimer, Schaufel und Wischmopp an

deutsch-ungarischer Maler, der

und machte wieder klar Schiff. Als er die

während der ungarischen Revolution völlig

ganze Brühe nebst Sägespäne im Eimer

mittellos quer durch Europa reiste und sich

hatte, überlegte er, wo er den ganzen

als Vagabund durchschlug. Während einer

Abfall loswerden sollte. Da sah er den Rie-

seiner letzten Vernissagen erinnerte ich

senkessel, in dem sich alle Köche ihrer

mich beim Betrachten seiner Bilder an eine

Küchenabfälle entledigten. Also tat er

Geschichte, die er mir einst berichtet hatte,

genau das Gleiche, nahm den Eimer und

und die ich kurz wiedergeben möchte:

kippte den gesamten Inhalt zu der „Spe-

siebzig

Jahre

Eine Zeit lang studierte László Medizin

zialsuppe“.

in England und jobbte nebenbei als

Bis heute fand niemand heraus, dass er

Küchenhilfe in einem berühmten Restau-

an der Restaurantspezialität mitgewirkt

rant. Berühmt deshalb, weil dort ab und

hatte. Doch später erzählte man sich

an die damals noch junge Königin Elisa-

gerüchteweise, dass die Königin, die später

beth zu speisen pflegte. Die Spezialität des

im Restaurant speiste, gerade diese Suppe

Hauses war seine vorzügliche Suppe. Die-

besonders gelobt habe. Vor allem wegen

se Köstlichkeit wurde aus einem „Majesty

ihres unverwechselbaren Aromas. Doch

Fond“ hergestellt, der in einem riesigen

wir wissen es besser. Was lecker leicht nach

Kupferkessel tagelang vor sich hin köchel-

Sägespänen schmeckte, war nur ein

te. In diese „Ursuppe“ kam alles rein, was

Hauch von Mist.

so in der Küche abfiel. Knochen, sonstige Fleischreste, sogar Schalen von Zwiebeln und nicht zuletzt die holzigen Strünke und Stiele von Kräutern. Eines Tages passierte jedoch ein Malheur: Ein tollpatschiFotos: Miriam Wolf

21


Gedicht

Die Hoffnung Mir ist zum Weinen weil ich bin so einsam ich wär’ lieber gemeinsam. Ich sehne mich nach Liebe aber bekommen tue ich sie leider nicht. Ach wie traurig muss ich noch werden um endlich glücklich zu sein? Mein Schwarm ist so fern leider habe ich ihn so gern und das tut so weh in meinem Herz dort lauert der Schmerz – doch er geht nicht weg. Was soll ich bloß tun? Wann komm’ ich zur Ruh‘? Ich möchte wieder fröhlich lachen wie andere auch. doch dazu brauch’ ich einen Freund der mich liebt auf ewig. Gibt es so jemanden? Man darf wohl nie die Hoffnung aufgeben denn irgendwann wird ein jeder glücklich. Wann das sein wird weiß nur Gott allein. Ich würde meinem Schatz so gern geben einen Schmatz. Renée

22


Kurzgeschichte

Der Greifer und der Schatz der Nibelungen Teil 2

E

inige Zeit später im Kölner Polizeibüro rannte Harry Meyer fast seinen Kollegen um. Statt einer Entschuldigung blitzte er ihn jedoch nur grimmig an. „Was ist denn mit dir los?“, wunderte sich Stefan Klein. „Möchte ich nicht drüber reden“, grummelte Harry Meyer düster. „Na, reiß’ dich trotzdem mal etwas zusammen. Du hast doch gleich den Termin mit Franz Blum vom Stadtmagazin. Wegen des Kriminalistik-Interviews. Etwa vergessen?“ „Ach ja. So ein Mist ...“ In diesem Moment klopfte es auch schon an der Tür. Im Türrahmen stand ein Mann in einem langen schwarzen Mantel, in der Hand eine Laptoptasche und eine Kamera um den Hals. „Franz Blum, Journalist“, stand auf der Visitenkarte, die er dem Kommissar reichte. Wie ein Journalist wirkte dieser Mann aber nun gerade nicht. Eher wie ein Totengräber oder jemand, der viel Zeit in dunklen Räumen verbringt. Seine Haut war kalkweiß. Trotz einiger Zweifel nahm Harry Meyer die Visitenkarte an. Doch bevor er etwas sagen konnte, klingelte das Telefon wieder. Der Kommissar stellte sicherheitshalber auf Lautsprecher und nahm ab. „Ja?“ „Wo ist der Schatz der Nibelungen? Das ist Ihre letzte Chance, denken Sie an Ihre Tochter!“ „Ich lasse mich nicht erpressen!“ Abrupt riss das Gespräch ab. Im Büro wurde es kurz still. Stefan Klein fasste

sich als Erster: „Mensch Harry, warum hast du denn nichts gesagt?“ „Das ist eine Angelegenheit zwischen mir und diesen Gangstern. Haltet euch da raus!“ „Keine Angst, die schnappen wir, Harry. Gemeinsam!“

„Da wäre ich auch gerne mit dabei. Das klingt nach einer super Story“, mischte sich nun der Journalist ins Gespräch ein, der das Ganze bisher nur mit wachsender Neugier beobachtet hatte. Dass sein Interesse nicht nur aus beruflichen Gründen bestand, war Harry Meyer sofort klar. Doch was war es dann? Was wollte dieser kauzige Typ wirklich? Gehörte er am Ende zu den Ganoven? Seine Stimme kam dem Kommissar jedenfalls ziemlich bekannt vor. So, meine lieben Leser – wird es der Polizei gelingen, die Tochter von Harry Meyer wiederzufinden? Und wer ist dieser geheimnisvolle Journalist wirklich? Dazu mehr im dritten Teil. Euer kleiner Günter

Illustration: Paul Geller

23


Die Gruppe von Ulli Richter bereitet im Vringstreff eine neue Ausstellung vor

Die „MittwochsMaler“ aus dem Severinsviertel Text und Fotos von Marie Breer

zum offenen Atelier. Das Angebot ist kos-

Malen mit seinen Gedanken und Proble-

tenlos, Vorkenntnisse sind nicht erforder-

men auseinanderzusetzen. Die Ruhe, die

lich. Materialien werden gestellt, so dass

sie ausstrahlt, schafft Vertrauen und hilft

jede/r die Möglichkeit hat, sich auszupro-

gerade auch Anfängern, sich auf die Male-

bieren oder bereits vorhandene Kenntnis-

rei einzulassen.

se weiter zu entwickeln.

Ein- bis zweimal im Jahr präsentieren

Die Zusammensetzung der Gruppe

die „MittwochsMaler“ ihre Arbeiten der

wechselt. Einige sind schon sehr lange

Öffentlichkeit. Für 2015 ist eine Ausstel-

dabei, wie Attila Erdik (80) und seine Frau

lung in Vorbereitung. Genaue Angaben

Maria-Theresia (75). Er ist erst im Ruhe-

dazu gibt es dann rechtzeitig und aktuell

stand über eine Freundin zum Malen

beim Vringstreff e.V. oder im Internet auf

gekommen. Als Kind konnte er sich nicht

www.vringstreff.de.

dafür begeistern. „Das hat mir die Schule ausgetrieben“, meint er lächelnd. Bei Ute Linden war es anders, „das Kreativ-sein“

lll

info

war für sie schon als kleines Mädchen wichtig. Ulli Richter schätzt die Phantasie und die Ideen ihrer „Schüler“; sie kennt nach einer Weile ihre Vorlieben und Eigenarten, sie ermutigt und gibt wertvolle Tipps,

E

werden kann oder wie eine Darstellung

s gibt hier kein Richtig und kein

lebendiger wirkt. „Ich versuche, ihren

Falsch“, sagt Ulli Richter. Und

Blick zu schärfen“, sagt sie in Bezug auf

damit hat die Kölner Künstlerin

die Teilnehmer, und sie regt an, verschie-

schon vielen Menschen Mut gemacht, ein-

dene Techniken auszuprobieren. Für sie

fach mal zu Farbe und Pinsel zu greifen

ist wichtig: Ganz individuell kann jeder

und die eigene Kreativität zu entdecken.

der „MittwochsMaler“ seinen Weg gehen

Ehrenamtlich leitet sie die Malgruppe im

– wer Freiraum zum Experimentieren

Vringstreff, der sich als Begegnungs- und

braucht, der bekommt ihn, und wer spe-

Integrationstreff in der Südstadt etabliert

zielle Anleitung wünscht, kann sich immer

hat.

an die erfahrene Künstlerin wenden.

„

24

wie die gewünschte Wirkung verstärkt

Gleich kurz nach der Eröffnung der Ein-

Und Ulli Richter hat stets ein offenes

richtung vor rund 17 Jahren ist der Mal-

Ohr für die Teilnehmer und ihre oft beson-

kreis entstanden. Seither wird der Vrings-

deren Lebenssituationen. Sie weiß, dass es

treff jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr

für manchen wichtig ist, sich über das

Der Vringstreff ... ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Wohnung, unterschiedlicher Religionen und Kulturen. ... hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen, die ansonsten vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind, ihr Recht auf Integration und die Teilnahme am Leben in der Gesellschaft durch seine Angebote zu ermöglichen. ... ist als eingetragener und gemeinnütziger Verein eine Initiative aller Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden „rund um den Chlodwigplatz“, der BISA - Bürger Initiative Südliche Altstadt und des Johannesbundes e.V. Vringstreff e.V. Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel. 0221.278 56 55 Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 11.30–17.00 Uhr, freitags 9.00–12.00 Uhr


Illustration: Heiko Sakurai

Kolumne / Comic

Einwanderungsgesetz: Die Hochqualifizierten müssen AUCH mitspielen. Innerhalb der Großen Koalition und der Union wird über ein neues Einwanderungsgesetz diskutiert und gestritten – die Wirtschaft fordert es zur Bekämpfung des Fachkräftemangels längst.

Kolumne

Altersschwäche oder eines gewaltsamen

zugrunde gehen, auch gerne an Alters-

Todes, bleibt allerdings zu Lebzeiten ein

schwäche sterben, aber nicht mithilfe

großes Geheimnis. Wer nun den Verlauf

eines Arztes friedlich einschlafen, um

seines Ablebens nicht abwarten will, dem

unserem qualvollen Leiden ein Ende zu

stehen ein paar eingeschränkte Möglich-

setzen. Nein, weil ein Leben ja so wertvoll

ie alle, bin auch ich auf der Suche

keiten zur Verfügung, sein Ende selbst zu

ist. Und schon befinden wir uns wieder

nach dem Sinn des Lebens.

bestimmen. Hierzulande bedeutet das

mitten in der Sinnfrage: Solange ich ein

Sterbehilfe

W

Natürlich erfolglos, weil uns

Mut, denn ein Leben lässt sich in Deutsch-

glückliches, ausgefülltes und zufriedenes

kein Gesetz den Sinn vorschreibt – was in

land nur brutal beenden – dafür hat die

Leben bei bester Gesundheit führe, ver-

dem Fall ausnahmsweise bei der Suche

deutsche Gesetzgebung dann doch gesorgt

schwende ich keinen Gedanken an Selbst-

hilfreich wäre. Das heißt: Wir müssen

–, entweder durch einen gezielten Schuss

mord, denn ich sehe den Sinn in meinem

eigenständig denken und nach einem Sinn

in den Kopf, einen Sprung vor einen Zug

Leben! Doch sobald ich den nicht mehr

suchen. Da mag der eine oder andere

oder eine Fahrt gegen einen Baum. Solche

erkenne, möchte ich keine Schlaftabletten

bereits fündig geworden sein, ich für mei-

Taten sind für Augenzeugen, Ersthelfer

schlucken oder mich vor einen Zug

nen Teil noch nicht. Inzwischen habe ich

und Angehörige traumatisch und ziehen

schmeißen müssen! Nun werde ich stän-

die Suche gänzlich eingestellt, weil mir das

eine psychologische Betreuung nach sich.

dig gezwungen, Menschen in sinnlosen

Philosophieren darüber wertvolle Zeit

Dagegen ist ein sauberer Schnitt durch die

Kriegen beim Sterben zuzusehen, die

stiehlt. Wer über den Sinn oder Unsinn

Pulsader oder das Schlucken mehrerer

Deutschland mit Waffenlieferungen

des Lebens nachdenkt, der müsste ja

hundert Schlaftabletten für die Nachwelt

unterstützt. Da ist dann ein Menschenle-

eigentlich jede Handlung hinterfragen,

eher „undramatisch“ – so denn man Blut

ben plötzlich nichts mehr wert und Tote

beginnend beim Essen: Warum esse ich,

sehen kann und sich der gewaltsame Tod

werden straffrei toleriert. Wie paradox!

wenn ich wieder Hunger bekomme? War-

eines Menschen seelisch verkraften lässt...

Soll nun jeder, der sich umbringen will, in

um lerne ich etwas, um es anschließend

Wir dürfen essen, schlafen, lernen, stu-

ein Kriegsgebiet ziehen? Oder ist nicht

wieder zu vergessen? Warum wurde ich

dieren. Wir dürfen Kinder in die Welt set-

längst ein Gesetz fällig, das Waffenhandel

geboren, wenn es mein Schicksal ist, zu

zen, in die Ferne reisen und zur Wahl

verbietet und Sterbehilfe erlaubt?

sterben? Ob an Krebs, Herzversagen,

gehen. Wir dürfen elendig an Krebs

Astrid Hülser

25


Aus der oase

Bürger- und Berber-Tour

im Strom der Touristen am Dom

Wer denkt schon …

an Suppenküche? Was spielt sich abends am Appellhofplatz ab? Am 16. April 2015 ab 15 Uhr findet im Rahmen der Expedition Colonia mal wieder die beliebte „Bürger und Berber“-Führung statt. Während sich der Historiker Martin Stankowski um den bürgerlichen Blick auf die Stadt kümmert, steuert die ehemals wohnungslose Linda ihren Blick auf die Stadt bei. Die Einnahmen – diesmal sogar in gestaffelten Preiskategorien – kommen dem Straßenmagazin DRAUSSENSEITER zugute. Karten gibt es bei: http://expedition-colonia.de

Foto: Christina Bacher

Mein Lieblingstier

D RAU S S E N S E I T E R - V e r k ä u fe r

Ich mag Fledermäuse sehr

Unser Verkäufer Roberto ist meistens um Dom und Bahnhof mit seinem elektrischen Rollstuhl unterwegs, um den DRAUSSENSEITER feilzubieten. Neuerdings hat er auch das Buch „Köln trotz(t) Armut“ dabei – er freut sich über jeden Cent, den er dazu verdienen kann: Roberto möchte nämlich bald heiraten und dann eine Wohnung in Kalk beziehen. Gute Fahrt, Roberto!

gerne. Leider werden sie immer mehr bedroht. Deshalb erzähle ich euch eine kleine Geschichte dazu: Fred, die Fledermaus, schaut nachts aus ihrem Bau unter der Severinstorburg hervor. Dann fliegt sie los, quer durch Köln, jagt Insekten und andere kleine Tiere. Doch sie passt nicht genug auf und wird leider getötet. Doch die Geschichte ist noch nicht vorbei. Fred kommt nämlich in den Himmel, muss sich nicht mehr mühen und hat jederzeit genügend Nahrung. Es ist sein persönliches Paradies. So stelle ich es mir jedenfalls vor.

Kleiner Günter

„Big-eared-townsend-fledermaus“ von PD-USGov, www.blm.gov/nv/st/en.html. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

26

Foto: Christina Bacher


Aus den Einrichtungen buntes

HAllo freunde,

Mir fallen wieder viele Sachen ein, die ich anstellen kann. Nicht alles gefällt Frau-

letztens hatten wir wieder Besuch. Dies-

chen, aber sie ist nie sauer. Leider hat die

mal von meinem kleinen Hundekollegen

Gute im Moment viel Arbeit und unser

Bifi. Ich teile gerne mein Körbchen mit

fauler Sonntag fällt weg. Aber sie sagt,

ihm, denn er nimmt nicht viel Platz weg.

dafür kriege ich jeden Abend ein wenig

Und er findet mein Spielzeug total toll,

Zeit nur mit ihr alleine. Na, das will ich

trägt es immer rum. Das ist für mich okay.

auch meinen! Zu viele Veränderungen

LESERBRIEF

mag ich nämlich nicht. Manch-

Nur bei meinen Lieblingssachen

mal ist Frauchen von der

soll er mich vorher fragen. Eigentlich ist es ganz lustig

Arbeit gestresst und dann

mit ihm. Aber er hat ein

ganz schön anstrengend.

krankes Beinchen. Und

Doch das ist mir gleich.

Die Ausgabe ist echt richtig interessant.

manchmal quieckt er

Ich lasse sie dann reden

Und ich fand es sehr schön, wie es euch

wegen der Schmerzen.

und höre einfach nicht

gelungen ist, die Menschen aus den lei-

Bifi kann deshalb gar

hin. Die wichtigen Sachen

der so stigmatisierten Ländern Rumäni-

kriege ich natürlich trotz-

nicht mit mir toben. So liegen wir oft einfach nur rum. Ich glaube, dass er nicht alleine ist,

en und Bulgarien sehr respektvoll und

dem mit. Und ich passe auch

mit großer Wertschätzung ihrer Lebens-

weiterhin auf Frauchen auf. Da bin

welten gegenüber in eurem Heft darzu-

tröstet ihn. Leider kann ich ihm nicht noch

ich ganz Profi und immer wachsam. Auch

stellen.

mehr helfen. Aber ich verstehe ihn. Mit

wenn ich nur in der Ecke liege. Bei Frau-

Damit meine Aussagen über die Verrin-

Schmerzen kenne ich mich ja gut aus. Die

chen geht es mir so gut, dass ich die schlim-

gerung von Armut und sozialer

hatte ich selbst so lange – nur halt im

me Zeit früher manchmal fast vergesse.

Ungleichheit in dem Interview nicht

Bauch. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz

Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen,

nur leere Worte bleiben, möchte ich

so schlimm. Die neuen Kapseln vertrage

nicht ihr Prinz zu sein, und ich glaube

gerne ein einjähriges Sponsor-Abo vom

ich viel besser, als die vorigen. Zum Glück.

Frauchen auch nicht. Da bin ich echt froh.

Draussenseiter abschließen und

Es gibt zwar noch den einen oder anderen

So weiß ich, dass ich meinen Job gut

damit hoffentlich die Einrichtung ein

Tag, an dem ich spucken muss, aber es ist

mache. Ich brauche ja Beschäftigung. Ich

wenig unterstützen. Den Abo-Zettel

nicht mehr so oft. Frauchen ist sehr glück-

wünsche Euch auch eine Beschäftigung,

schicke ich bald per Post! : )

lich darüber. Und sie staunt manchmal

die euch Freude macht.

Die Ausgabe war richtig inspirierend

nicht schlecht über mein Temperament.

Euer Clayd

und macht Hoffnung! Silvia R.

Foto: Kölschen Linda

lll

clayd, der rumäne

Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda gezogen. Damals war ich krank und sehr traumatisiert, weil ich in meiner alten Heimat nix Gutes erlebt hatte. Mein Frauchen hat mit geholfen, damit ich wieder stabil werde. Nun habe ich ein gutes Zuhause und ein schönes Hundeleben. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles mit Frauchen erlebe.

Gedenken mit einer roten Rose:

Lieber kleiner Engel, du hast uns vor 15 Jahren „Tschüss“ gesagt. Doch wir

Wintersachen gespendet

denken heute immer

Warme Jacken, Mützen, Stirnbänder, Wäsche und dicke Socken – das sind genau die Dinge, die in der kalten Jahreszeit dringend gebraucht werden. Umso größer war die Freude, als die „Muskelkater Sport Köln GmbH“, unterstützt von der „Kleinen Hilfe Köln“, im Januar die genannte warme Winterkleidung in der OASE abgab – ganz neu und ungetragen. Herzlichen Dank dafür!

Erinnern uns an

noch alle an dich. dich, mit Tränen in den Augen. Du bleibst unvergessen. Deine Geschwister und deine dich liebende, 87-jährige Mutter

27


kolumne / abo

Abschiede l „Abschiede sind Tore zu neuen Welten“,

von dem wir dachten, es gehört untrennbar

wir beim Abschied froh, diese endlich los

sagte einst Albert Einstein. Das kann trös-

zu uns – einmal abgesehen vom Geld, von

zu sein, sind wir traurig, wenn sie uns wie-

ten, wenn uns ein Abschied traurig macht.

dem wir uns täglich trennen. Erst viel später

der heimsuchen, und damit der erneute

Doch im Augenblick des Abschieds denken

stellen wir fest: Einstein hatte Recht. Mit

Kreislauf von Abschieden und Ankünften

wir nicht an Tore zu neuen Welten, sondern

den Abschieden haben wir Tore zu neuen

beginnt. Aber nicht verzagen, solche Kreis-

nur daran, dass etwas Wertvolles verloren

Welten beschritten: Wir schlossen neue

läufe gehören zum Leben, wie arbeiten und

geht. Das können eine Freundschaft, eine

Freundschaften, fanden eine bessere

ausruhen, lachen und weinen, essen und

Arbeitsstelle oder eine Wohnung sein, aber

Arbeitsstelle, bezogen eine schönere Woh-

verdauen! Darum starten Sie ruhig unbe-

auch ganz profane Dinge, wie etwa ein zu

nung, benötigten gar kein Auto mehr und

sorgt zu Ihrer nächsten Kneipentour. Die

Schrott gefahrenes Auto, abgewetzte Kla-

das verlorene Geld war zu verschmerzen ...

Kater-Qualen des folgenden Morgens ver-

motten oder verlorenes Geld. Und so ver-

Mit verlorenen Kilos und lästigen Ange-

gehen, sobald Sie wieder nüchtern werden.

abschieden wir uns regelmäßig von etwas,

wohnheiten verhält es sich anders. Waren

Astrid Hülser

DRAUSSENSEITER-ABONNEMENT Ich möchte den DRAUSSENSEITER unterstützen und bestelle:

Lieferanschrift Vorname Name Straße PLZ/Ort Unterschrift

ein Straßen-Abo zu 36,- Euro pro Jahr ein Sponsoren-Abo zu 85,- Euro pro Jahr ein Förder-Abo zu 150,- Euro pro Jahr Als Dankeschön für das Förder-Abo gibt es das Buch „Köln (t)rotzt Armut“ dabei.

Einzugsermächtigung Vorname Name Straße PLZ/Ort IBAN SWIFT Kreditinstitut

Unterschrift

Widerrufsbelehrung Bitte senden Sie mir eine Spendenbescheinigung (ab 100,- Euro).

www.draussenseiter-koeln.de

28

Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.


vorschau

IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de

Mülheim blüht auf

Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Redaktion Marie Breer, Renee Breuer, Thomas Dahl, Bastian Exner, Zakarijas Gajdazs, Kleiner Günter, Silke Hübbers, Astrid Hülser, Jens Hüttenberger, Elisabeth Molitor, Anika Pöhner, Linda Rennings, Miriam Wolf Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Deborah Keser Fotos Christina Bacher, Frank Blümler, Gerd Bonse, Marie Breer, László Dara, Kölsche Linda, Dieter Mayer-Guerr, Annika Pöhner, Peter Ruthhardt, Barbara Siewer, Miriam Wolf Illustrationen Paul Geller, Heiko Sakurai, Wikimedia Commons/TUBS Gestaltung Innenseiten de haar grafikdesign, www.dehaar.de Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316

Foto: Peter Ruthardt

A

m 9. Juni 2004 erschütterte ein Knall die Kölner Keupstraße. Hunderte glühend heiße Nägel schossen mit bis zu 770 km/h durch die belebte Geschäftsstraße und verletzten 22 Menschen zum Teil schwer. Dass niemand starb, grenzt an ein Wunder. Es ist nur eine Geschichte aus dem Veedel Mülheim, zugegebenermaßen die traurigste. Wir haben hingeschaut, wie der Alltag in dem rechtsrheinischen Viertel heute aussieht. Und sind auf tolle Projekte gestoßen wie das der Müllemer Veedelshelden und das Fotobuch von Peter Ruthardt.

Depots (nur für Verkäufer) Kiosk Bertram, Elke Bertram, Neumarkt, Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. April 2015. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf facebook. 29


service

Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)

Foto: Hanna Witte

Bartholomäus-Schink-Str. 6, 50825 Köln

Für Alle

Tagesschlafraum, Kleiderkammer: Di und Fr 15-17 Uhr, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr

Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Diakoniehaus Salierring schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Fachdienst für Wohnungslosen- und StraffälliMenschen von Di und Do 11 bis 13 Uhr, Beratung genhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Region, Salierring 19, 50677 Köln, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@  Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Internetzugang, Samstags Frühstück. Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30 – 12.30 Uhr, Frühstück, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr,  Sozialdienst Katholischer Männer e.V. (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-InWäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang nenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@ Kleiderkammer: Di u. Fr 9.30 – 11.30 Uhr  Kölner Obdachlosenfrühstück, skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Krankenwohnung, Betreutes Wohnen §67SGB Peter-Deubner-Stiftung Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Tel.: 430 39 83 Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Claro im Trägerverbund Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in PC-Nutzung mit Internetzugang  Emmaus der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim offene Info- u. Orientierungshilfen: Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Mo., Di., Do., Fr. 12 - 15 Uhr, Mi. 12 - 14 Uhr Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, Sa., So. und Feiertage 12 - 13 Uhr  GUBBIO Obdachlosenseelsorge www.emmaus-koeln.de Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln Uhr, Mo – Fr 14-16 Uhr Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Meditation, thematische Gesprächskreise, reli-  Vringstreff e.V. Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteFür Menschen mit und ohne Wohnung giöse Filme Welt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de  Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)  Gulliver – Überlebensstation für Mo – Do 11.30 – 17 Uhr, Fr 9 -12 Uhr Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Obdachlose Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück Tel.: 0221/3377063-4, Fax: 0221/3377063-9 Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 9 -11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltunhttp://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 gen, Beratung Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, rochus@skm-koeln.de 30


service

 Dienstleistungsagentur „Huddel und Bras- Nur für Frauen sel im Veedel“ Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 3377706-17  agisra e.V. huddelundbrassel@vringstreff.de Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019  Bürger für Obdachlose e.V. oder 1390392, www.agisra.org Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Beratung nach Terminvereinbarung, TelefoniBürger für Obdachlose e.V. sche Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr Basislager Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de  Café Auszeit Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Frauen Obdachlose können gerne auch Kleidung, Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Schlafsäcke etc. in unserem GebrauchtTel.: 0221/12695310, waren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. cafe-auszeit@skf-koeln.de Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Suppenküche am Appelhofplatz. Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach  Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Vereinbarung Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de  Café Auszeit, Schäl Sick www.bauenwohnenarbeiten.de SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 Wohnen, Betreutes Wohnen cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück

 OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de, www.oase-koeln.de

Kontakt- und Beratungsstelle: montags und freitags 9 – 13 Uhr, dienstags und donnerstags 9 – 16 Uhr, mittwochs 13–16 Uhr Offener Treff: montags 10.30–13 Uhr, dienstags 13–16 Uhr, mittwochs 13–16 Uhr, donnerstags 13–16 Uhr, freitags 11.30–13 Uhr Frühstück: Mo 10.30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Mo 10.30 – 11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Dienstags 13-16 Uhr, Mittwochs 13 -16 Uhr, Donnerstags 13-16 Uhr;

Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für alle: 9.30-12 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle 2 Wochen, montags um 12.30 Uhr

 Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.  Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 37 64 90, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.  Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote

 Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo – Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14 – 16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10 – 11 Uhr, Do 14 – 15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16 – 18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi – Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14 – 18 h ohne Anmeldung  Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12 15:30 Uhr Di. von 10 - 13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

Nur für Männer  Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de, Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- + Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren  „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 03/2015: Abschied by Draussenseiter - Issuu