23. Jahrgang
Nr. 152
Februar 2015
R E T I E S N E S s U A R D IN
Illustration: Deborah Keser
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
ARM UND REICH MARTIN WANKA WIENER IN KÖLN ERNA ROT from poor to rich
Secret Millionaire
Swing & Bebop
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Liebe Leserinnen und Leser, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, wissen wir nicht erst seit der neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verdienen demnach heute sieben mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent der Deutschen. Verständlich, dass diejenigen mit leerem Geldbeutel in der Regel weniger in (Aus-)Bildung investieren als andere – da beißt sich die Katze irgendwann in den Schwanz.
S.4
S.8
S.14
S.20
Inhalt Foto: Hanna Witte
Vorwort, Inhalt ������������������������������������������������������� 3
Die DRAUSSENSEITER-Tasche aus strapazierfähiger LKW-Plane fühlt sich auf der Straße sehr wohl. Ab sofort gibt es sie im Buchladen Neusser Straße und im VIELFACH in Ehrenfeld. Übrigens hat das Hartz IV-Konzept gerade zehnjährigen Geburtstag begangen – Rosi Herting gratuliert auf ihre ganz eigene Art und Weise – auf Seite 23. Eine außergewöhnliche Idee, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, hatte der Kölner Künstler Martin Wanka: Er versteigert nun schon zum wiederholten Mal seine gebundenen Kontoauszüge auf Ebay. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welchen Stellenwert ausbleibende und getätigte Überweisungen seitdem haben. Und welchen Einfluss sein bundesweit diskutiertes Geschäftsmodell tatsächlich auf seinen Geldbeutel hat ...
Gute Lektüre, auch im Namen der Redaktion,
Christina Bacher
Schwerpunkt: Arm & Reich from poor to rich – Interview mit Martin Wanka �����������4-6 The Case of Conrad Cooper �������������������������������������8-10 Street: Bafogh auf der Schildergasse �����������������������������11 Arm und Reich – Die Begegnung �����������������������������12-13 Cents im Müll: Flaschenpfandsammler ��������������������� 14-15 Kolumne zum Thema ��������������������������������������������� 16 AUS/GE/LACHT von Thomas Dahl ���������������������������������� 17 Die fünfte Jahreszeit – Gedicht ����������������������������������� 18 Buch- und CD-Tipps ����������������������������������������������� 19 Dernière: Johann König ��������������������������������������� 20-21 Kommentar: 10 Jahre Hartz IV �������������������������������� 22-23 Street: Herr Ja-Ja ���������������������������������������������������24 Geschichte: Der Greifer (NEU!) ������������������������������������ 25 Aus der OASE �����������������������������������������������������26-27 Comic und Abo ������������������������������������������������������28 Vorschau, Impressum ����������������������������������������������29 Adressen von Einrichtungen ���������������������������������� 30-31
Öffnungszeiten der OASE Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3
interview
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arm & reich
„from poor to rich“ Die Kontoauszüge aus der Zeit seines Studiums hat Martin Wanka als Diplomarbeit abgegeben, über ein Jahr schlummerte diese Arbeit im Archiv der Hochschule – bis sie jetzt als findige Aktion eines Künstlers aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Die Biografie in Form von Kontobewegungen gibt Auskunft darüber, wie der Student Wanka gelebt, gegessen und geliebt hat. Auch heute macht der Kölner aus seinen Finanzen kein Geheimnis. In der Folge-Aktion „from poor to rich“ versteigert er regelmäßig seine aktuellen Kontoauszüge auf Ebay – bisher mit eher mäßigem Erfolg. Christina Bacher hat mit
Fotos: Miriam Wolf
ihm gesprochen. Miriam Wolf hat ihn fotografiert.
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interview
mir über die sieben Jahre knapp 20.000 € überwiesen. DRAUSSENSEITER: Wie unterscheiden sich die früheren Ausgaben von den jetzigen? Martin Wanka: Es gibt schon einen sehr großen Unterschied zwischen meiner Zeit als Student und der jetzigen. Früher lebte ich eigentlich immer am Rande des Dispos, der heute nur noch zum Einsatz kommt, wenn ich die GEZ zahlen muss oder meine Waschmaschine den Geist aufgibt.
DRAUSSENSEITER: Schön, dass wir uns ken-
Bekanntheit, ob sich daraus etwas ergibt,
nenlernen, bevor bei dir der Reichtum aus-
weiß ich nicht. Ich habe keine Eile: Zum
bricht ...
Broterwerb arbeite ich zurzeit in einem
DRAUSSENSEITER: Du legst in deiner Arbeit
Martin Wanka: Da ich es geschafft habe,
Teilzeitjob als Haustechniker im Büro
alles offen. Hast du nicht den Impuls, etwas
mein Diplom mit Kontoauszügen zu errei-
einer großen Fernsehproduktionsfirma.
verheimlichen zu wollen? Und wie sieht es
chen, kann es sein, dass ich es tatsächlich
Ich habe sehr angenehme Arbeitszeiten
mit dem Datenschutz anderer aus, wenn die
schaffe, mit ihnen reich zu werden: „from
und kann gegen 15 Uhr in den Feier-
Kontoauszüge veröffentlicht werden? Ist das
poor to rich“ heißt mein neues Projekt.
abend gehen und mich anderen Dingen
überhaupt erlaubt?
Hier verkaufe ich meine jeweils aktuellen
widmen.
Martin Wanka: Ich habe bisher noch keinen Impuls verspürt, etwas verheimlichen
Kontoauszüge bei Ebay und jeder kann Teil meines Weges nach oben werden. Die
DRAUSSENSEITER: Dir ist am Ende des Stu-
zu wollen, solange meine Nacktbilder
Arbeit zeigt, wie ich vom armen Haustech-
diums das Geld ausgegangen. War das der
nicht aus meiner iCloud geraubt werden.
niker zum reichen Künstler werde. Das
Impuls für die Idee, dass deine Kontoauszü-
Die Datenschutzdebatte kann ich zwar
erste Buch „from poor to rich I“ konnte
ge für andere interessant sein könnten?
sehr gut verstehen, jedoch gebe ich meine
ich für 100,99 € verkaufen. In ca. 4 Mona-
Martin Wanka: Das Geld ging mir wäh-
Daten einfach frei und hoffe, dass sie sich
ten kommt dann der zweite Band und der
rend meines Studiums nicht nur am Ende
jemand anschaut. Über die rechtliche Fra-
Käufer des ersten Buches wird ein Teil der
aus. Es gab immer mal wieder Durststre-
ge, über die Bekanntgabe von Daten ande-
Geschichte darin sein.
cken, die es zu überwinden galt, jedoch
rer, habe ich mich noch nicht informiert.
war dies auch immer der Beginn eines
Für mich ist es moralisch jedoch unbe-
DRAUSSENSEITER: Wie seit dem Rummel
kreativen Prozesses. Der ausschlaggeben-
denklich und es hat sich bei mir noch nie-
um deine Diplomarbeit an der Kunsthoch-
de Punkt für meine Diplomarbeit war,
mand beschwert.
schule für Medien inzwischen viele wissen,
dass mir im 13. Semester die Projektgelder
hattest du nie viel Geld zur Verfügung. Hat
gestrichen wurden und so habe ich dann
DRAUSSENSEITER: Inzwischen müsstest du
sich das nach deinem Studium denn nicht
meine Finanzen zum Thema gemacht.
dir ja auch die Kompetenz erworben haben, die Kontoauszüge von Fremden analysieren
geändert? Martin Wanka: Nicht wirklich. Finanziell
DRAUSSENSEITER: Welche Schlüsse hast du
zu können. Vielleicht auch ein lukrativer
geht es mir zwar gut, aber reich bin ich
denn aus den Kontoauszügen gezogen?
Erwerbszweig ....
nun auch nicht. Im Grunde ist mir der
Martin Wanka: Ich hielt die Kontoauszüge
Martin Wanka: Interessierte können mich
finanzielle Reichtum nicht wichtig. Ich
das erste Mal im kompletten Paket in der
gerne über meine Homepage kontaktie-
habe in meinem Leben andere Prioritäten,
Hand und war total gespannt, diese durch-
ren und wir schauen, was ich machen
die sich aus einer gesunden Mischung von
zusehen. Sie sind eine Autobiographie
kann.
Glück, Selbstbestimmung und Leiden-
meiner Studienzeit, die mir selbst im
schaft zusammensetzen.
Nachhinein viele Geschichten in mein Gedächtnis brachten, die ich vielleicht
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DRAUSSENSEITER: Wie lebst du zurzeit? Hast
sonst vergessen hätte. Ein weiteres span-
du noch einen „Brotberuf“?
nendes Thema war für mich, dass ich
Martin Wanka: Ich genieße gerade die
errechnen konnte, wie viel mein Vater und
Aufmerksamkeit der Medien und freue
meine Mutter zu meinen Finanzen beige-
mich über diese sicher temporäre
tragen haben. Als Beispiel: Mein Vater hat
lll
info
Mehr über den Künstler und seinen aktuellen Kontostand unter www.martinwanka.de
begegnung mit osteuropa
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
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Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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arm & reich
Produzent Mike Fuhrmann
Verdeckte Obdachlosigkeit
Es fasst den Inhalt unseres Films ganz gut
Unsichtbare sichtbar machen
zusammen und auch das Problem, dass sich dahinter verbirgt. Als eine der Folgen der Finanzkrise haben vor allem in den USA sehr viele Menschen ihr Haus verloren. Da dort aber das soziale Sicherheitsnetz nicht so ist wie in Europa, gibt es unheimlich viele Menschen, die im Auto oder in Wohnwagen leben; wobei sie nach außen unsichtbar bleiben oder unsichtbar
Der Kurzfilm „The Case of Conrad Cooper“ rückt Menschen in den Fokus, die meistens für andere unsichtbar bleiben. Gleichzeitig macht er auf das in den USA verbreitete Problem der „verdeckten Obdachlosigkeit“ aufmerksam und zeigt, wie die Menschen im Alltag damit umgehen. Draussenseiter sprach mit dem Produzenten Mike Fuhrmann über wahre Geschichten von der Straße, den Drehalltag in den USA und sinnvolle Lebensaufgaben.
bleiben müssen. Denn wenn sie sich zu
von Sabrina Burbach
begleitet der Zuschauer die Hauptfigur Con-
erkennen geben, werden sie abgestempelt. Dann können sie auch ihren Job verlieren – wenn sie noch einen haben. Oder ihnen werden ihre Kinder weggenommen, etc. Und dann kommen sie aus dem Teufelskreis nicht mehr raus. Draussenseiter: Während des Films rad Cooper durch seinen Alltag. Wer ist dieser Mann mit Hut, Mantel und Aktentasche? Mike Fuhrmann: Conrad Cooper ist ein Familienmensch, ordentlich, ein guter
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Draussenseiter: Wie entstand die Idee,
erkennt, wie seine Schultern herabhängen,
Mann. Man sieht ihn am Anfang des Films
einen Kurzfilm gerade zur „verdeckten
wie er seinen Hut trägt, wie er geht und
seine Klarinette säubern und zusammen-
Obdachlosigkeit“ zu drehen?
vor sich hin starrt. Er findet sich auf der
packen. Wenn man ihm weiter zusieht, hat
Mike Fuhrmann: Ich wollte eine andere
Straße wieder, ohne Ziel. Also geht er
man das Gefühl, er sei auf dem Weg
Facette von Obdachlosigkeit zeigen, eine,
immer weiter – einfach irgendwo hin.
irgendwohin. Er zieht sich an, nimmt seine
die auf andere Art zum Nachdenken
Blickt in Schaufenster mit Luxusartikeln,
Aktentasche, geht los, mischt sich sozusa-
anregt. Bei einem Drehbuchworkshop in
die nicht für ihn bestimmt sind und fühlt
gen unter das normale Arbeitervolk, wie
Los Angeles habe ich das Thema mit Kolle-
sich ausgeschlossen. Er ist wahrscheinlich
das jeder macht, den man morgens zwi-
gen diskutiert. Zuvor hatte ich ein Zitat vom
gut gekleidet, in Anzügen aus besseren Zei-
schen acht und neun auf der Straße sieht.
amerikanischen Journalisten und Autoren
ten, als er noch Arbeit hatte. Aber sie kön-
Aber irgendwas ist anders. Er sieht zwar
Francis James Westbrook Pegler gelesen:
nen nicht seinen Absturz maskieren. Hätte
aus wie ein Businessman, aber er verdient
„Wenn ein Mann auf der Straße landet,
er nur ein wenig Geld, würde er wieder er
sein Geld als Straßenmusikant. Gleichzei-
passiert etwas mit ihm, das man daran
selbst sein ...“
tig ist er jemand, der in seinen Erinnerun-
arm & reich
Fotos: Make Art Make A Difference LLC, Alicia Rius (www.aliciariusphotography.com)
gen lebt, versucht die Hoffnung zu behal-
damit wir beim Dreh nicht verklagt wer-
Draussenseiter: War es schwierig, mit den
ten. Aber er hat Angst vor der Zukunft.
den können. Ein Beispiel: Wenn ich in
Menschen, die auf der Straße oder in ihren
Ich glaube, das kann man mittlerweile auf
Köln eine Straßenszene drehen will, neh-
Autos leben, einen Dialog herzustellen? Wie
viele Leute projizieren.
me ich eine Kamera, stelle sie auf die Stra-
habt ihr den Kontakt hergestellt, wenn sie
ße und drehe. Wenn ich das in Amerika
sich normalerweise nicht zu erkennen geben?
Draussenseiter: Ein fiktiver Charakter, der
machen will, muss ich von jedem Gebäu-
Mike Fuhrmann: Als wir angefangen
trotzdem nah an der Realität ist?
de, was eventuell in dem Dreh oder nach-
haben zu casten, haben zwei Radiosen-
Mike Fuhrmann: Genau. Das Bild, was wir
her im finalen Film zu sehen sein könnte,
dungen über uns berichtet. Dadurch
von Conrad Cooper zeichnen, ist nämlich
eine Genehmigung haben – bei einem
kamen viele Obdachlose zu uns ans Set.
gar nicht so weit weg vom aktuellen
Mehrfamilienhaus von jeder Familie, die
Gleichzeitig kannte jeder am Set jeman-
Arbeitnehmer. Wir sagen jetzt noch, dass
da drin wohnt. Und man muss die Straße
den, der schon in so einer Situation war.
wir ein System haben, was einigermaßen
absperren. Dann hat man links und rechts
Alleine in unserem Team hatten wir drei
auffängt. Wenn ich mir jetzt aber angucke,
Polizeiwagen stehen mit zwei Cops in Uni-
Leute, die selbst mal monatelang aus dem
was Europa, die EU jetzt durch das Frei-
form mit Pistole. Da kommt man sich bei
Auto gelebt haben. Das fand ich ziemlich
handelsabkommen mit Amerika plant;
einem Kurzfilm vor, als drehe man einen
erschreckend. Eine der ersten Fragen war
dann können amerikanische Firmen auf
Hollywoodfilm.
für mich, wie sich die Leute in diesen Wohnwagencamps miteinander austau-
dem europäischen Markt nach ihrem amerikanischen Modell arbeiten. Aber wenn
Draussenseiter: Conrad Cooper ist ein
schen. Ob sie miteinander sprechen. Und
man unter einem US-Arbeitsvertrag arbei-
Stummfilm, der seine Botschaft durch Ges-
bei den Recherchen kam raus – nein, eben
tet, bricht das Sozialnetz weg. Dann sind
ten, Mimik und Musik transportiert, anstatt
nicht. Weil sie ja nicht wissen, ob die ande-
wir gar nicht mehr so weit weg von dem
durch Dialoge. Wieso diese Entscheidung?
ren nur eine Familie sind, die dort gerade
Status, den man mittlerweile in den USA
Mike Fuhrmann: Für mich war von
ein Wochenende verbringt, oder ob sie
hat. Man wird auch das Gesundheitssys-
Anfang an wichtig, dass der Film auch
dort leben. Das heißt, selbst die Betroffe-
tem reduzieren. Es geht nicht mehr um
international funktionieren muss, da es
nen sind unter sich unsichtbar.
die Gesundheit des Einzelnen, sondern um
sich um ein globales Problem handelt.
den Profit des Unternehmens.
Deshalb haben wir entschieden, Dialoge
Draussenseiter: Was haben euch die Men-
wegzulassen und alles, was irgendwie vom
schen vor Ort erzählt?
Draussenseiter: Ihr habt die etwa 35.000
Thema ablenkt. Auch die Bildästhetik
Mike Fuhrmann: Es gab zum Beispiel
Dollar für den Film über Crowdfunding und
haben wir ganz bewusst auf das Wesent-
einen, der lebte mal zwei Wochen in einem
private Investoren finanziert, dann in Los
liche reduziert. Und trotzdem kann man
Trailer, dann schlief er im Büro oder dann
Angeles gedreht. Das klingt nach viel Auf-
bei Conrad Cooper sehen, dass er sehr viel
hat er mal bei Freunden übernachtet, bevor
wand für einen Kurzfilm ...
Wert auf sein Äußeres legt, auch wenn
er wieder ins Trailercamp zurückging. Eine
Mike Fuhrmann: Eigentlich wollten wir
seine Kleidung ein bisschen altbacken
Frau, die zu uns ans Set kam, lebte seit drei
den Film mit Crowdfunding finanzieren
aussieht und nicht gerade die neueste ist.
Monaten mit ihren drei Kindern aus dem
und den Rest an Non-Profit-Organisatio-
Aber er pflegt sie und das ist ihm auch
Auto. Sie hat morgens die Kinder bei
nen geben. Stattdessen mussten wir erst-
wichtig, weil das alles ist, was er hat.
McDonalds oder im Fitnessstudio gewa-
mal das ganze Geld in Anwälte stecken,
schen – das ist meist das Einzige, was sich
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arm & reich
jeder leistet, weil sie dort halt die Duschen
cken könnte. Und da sag ich mir, gut, dann
Jahr noch hatte, macht mir jetzt alles tau-
haben. Dann hat sie sie in die Schule
ist die Message klar und wir haben unser
send mal mehr Spaß als früher.
gebracht, mittags abgeholt, in der Zwi-
Ziel erfüllt. Draussenseiter: Hast du das Gefühl, das
schenzeit in einem kleinen Geschäft gearbeitet und nachmittags mit den Kindern
Draussenseiter: Mittlerweile habt ihr vie-
der Film bei den Leuten angekommen ist
Hausaufgaben im Park gemacht. Und es ist
le Auszeichnungen erhalten, u.a. als bester
und zum Nachdenken anregt, wie du es dir
keinem aufgefallen. Das fand ich ziemlich
Kurzfilm und wart bei vielen Festivals, unter
gewünscht hast?
ergreifend. Die Menschen sind schlichtweg
anderem beim Homeless Film Festival in
Mike Fuhrmann: Man hat in dem Moment
unsichtbar und es sind viel mehr, als man
London und in Culver City in Kalifornien
ein Publikum, in dem man Leute berührt.
denkt. Ich hätte anfangs nie gedacht, wie
dabei. Im Januar hatte der Film Deutsch-
Und für uns war das Ziel, einen Film zu
groß dieses Thema ist.
landpremiere in Saarbrücken. Hattet ihr mit
machen, der genau das leistet. Und wenn
so viel Erfolg gerechnet?
du beispielsweise sagst, das war sehr trau-
Draussenseiter: Sind einige der Geschich-
Mike Fuhrmann: Wir hätten nicht gedacht,
rig, dann hat es dich berührt. Und ab dem
ten mit in den Dreh eingeflossen? Und wenn
dass es so schnell geht. Die Medien haben
Moment fängt man an, sich Gedanken zu
ja, wie?
uns da auch mit reingespielt. Das Thema
machen. Dann haben wir unser Ziel
Mike Fuhrmann: Sie haben dabei gehol-
„verdeckte Obdachlosigkeit“ war zur
erreicht. Und wir wollten ja als Kontrast
fen, die Person zu formen. Denn dadurch,
Drehzeit in den USA sehr aktuell. Es gab
zur Stadt auch diese Wohnwagen-Commu-
dass wir ohne Dialog kommuniziert haben,
sogar ein Experiment in New York. Da
nity zeigen, die man im Film sieht. Wie die
zählte jede Geste, jede Bewegung, jedes
haben sich Angehörige von Menschen, die
Leute untereinander sind und dass man
zwinkernde Auge von unseren Darstellern.
täglich denselben Weg zur Arbeit gehen,
sie als Menschen wahrnimmt und nicht
So waren alle am Set auch gleichzeitig
an den Straßenrand gesetzt und ihre Ver-
einfach als Versager oder sonst irgendwas.
Ideengeber beim Dreh. Einer, der unsere
wandten haben sie nicht bemerkt. Weil
Und ich glaube, das ist am Ende eine posi-
Darsteller am Set ein wenig gecoacht hat,
man einfach nicht hinguckt, die Person
tive Message und davon kann man eigentlich nicht genug haben.
war früher ein Schüler von Charlie Chap-
vielleicht einfach auch nicht sehen will.
lin. Das war sehr wichtig. Denn wenn man
So was hat uns dann noch zusätzlich in
den Film sieht, funktionieren viele Sachen
der Message und dem Film bestärkt.
nur unterschwellig. Etwa, wenn Conrad
Draussenseiter: Vielen Dank und viel Erfolg für die nächsten Festivals.
Cooper auf einer Parkbank sitzt, neben
Draussenseiter: Was verbindest du selbst
einer obdachlosen Mutter mit Kind, und
mit dem Thema und wie hat dich der Dreh
mit den Fingern auf seinem Koffer herum-
persönlich weitergebracht?
klopft. Das gehört zu den kleinen Gesten,
Mike Fuhrmann: Ich möchte die Men-
die die Obdachlosen am Set angeregt
schen dahinter sehen, ein wenig hinter die
haben. Oder wie er sich im Café verhält,
Fassade gucken. Die gesamte Produktion
als er jemandem gegenübersitzt, der so ist,
war für mich ein einschneidendes Erleb-
wie er früher war, und sich plötzlich seine
nis. Ich komme ursprünglich aus dem
ganze Unsicherheit zeigt.
Marketing und war bis vor kurzem haupt-
d forward to he had Everything he looke
to leave behind.
beruflich verantwortlich für Marketing-
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Draussenseiter: Im September 2014 hat-
kampagnen von großen Finanzdienstleis-
te der Film in Kalifornien Weltpremiere. Wie
tern. Das war aber nie das, was ich wirklich
waren die Reaktionen?
machen wollte. Also hab ich nebenbei
Mike Fuhrmann: Da war ich leider aus
Drehbücher geschrieben. Nach dem Dreh
Zeitgründen selber nicht dabei. Das Team
habe ich gleich gesagt, ich steige jetzt aus
vor Ort hat mir aber berichtet, wie es war.
dem Job aus und mache etwas, was einen
Zuerst gab es wohl betretenes Schweigen,
Sinn ergibt. Nicht irgendwelche Marke-
dann am Schluss viel Applaus. Die Leute
tingkampagnen, wo ich Millionen für eine
waren total ergriffen, ein paar hatten sogar
Printanzeige ausgebe, die keinen interes-
Tränen in den Augen. Die Kritik, die wir
siert. Deshalb positioniere ich mich gerade
bekommen haben, war, dass man angeb-
neu, mache die Sachen, die mir etwas
lich merkt, dass da jemand aus der Wer-
bedeuten – wie eben diesen Film. Und
bung dabei war, weil man am Schluss das
auch wenn ich im Moment vielleicht nicht
Logo einer Non-Profit-Gesellschaft hinpa-
das Einkommen habe, was ich vor einem
lll
info
Zu sehen ist „The Case of Conrad Cooper“ voraussichtlich ab Ende 2015, Anfang 2016. Mehr Informationen, Updates und Festivaltermine gibt es auf www.facebook.com/ thecaseofconradcooperdeutschland www.thecaseofconradcooper.com
arm & reich
Bafogh auf der Schildergasse Der Mann mit dem Hut heißt Bafogh (48), kommt aus Tschechien und lebt seit etwa fünf Jahren in Köln. Seine Heimat ist die Schildergasse, die er mit wenigen Habseligkeiten und seinen beiden Hunden, dem Foxterrier Bruno und der Mischlingshündin Stella, „bewohnt“. Früher fühlte er sich hier sehr wohl und freute sich über die freundlichen und toleranten Kölner. Inzwischen machen ihm organisierte Bettler das Leben schwer und reduzieren durch ihr aggressives Betteln seine Tageseinnahmen erheblich. Foto und Text: Gerd Bonse
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arm & reich
Die Begegnung
Der Millionär Paul Misar kam eigens zu Lindas Vereinsgründung nach Köln. Die Ex-Berberin hat in ihm einen Mentor gefunden. Der Verein „Heimatlos in Köln“ soll Frauen in Obdachlosigkeit helfen, wieder Fuß zu fassen. Foto: Christina Bacher
F
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röstelnd zog ich meine Jacke enger
bei meiner Freundin Inge zu schlafen, aber
dass ich noch nicht einmal ein Feuerzeug
um mich. Ich saß in einem kleinen
auf Dauer ging es nicht. Inge hatte eine
hatte. Auch das noch! Gerade jetzt, wo ich
Cafe, einen warmen Kaffee gegen das
kranke Mutter, ging den ganzen Tag lang
mal Luft holen konnte und in Ruhe die
nasskalte Wetter draußen vor mir, und
arbeiten und obwohl sie mir helfen wollte,
nächsten Schritte überlegen musste. Ich
schaute in meine Geldbörse. Das sah nicht
hatten wir uns zerstritten. Sie verstand
schaute kurz hoch und bemerkte, wie
gut aus. Einen zweiten Kaffee konnte ich
nicht, dass ich immer wieder zu Fred
mich ein Herr ansah. Er lächelte. Na das
mir wohl nicht leisten. Meine Tasche stand
zurückging. Zum Glück hatten Fred und
hatte mir noch gefehlt. Auf einen Flirt war
neben dem Stuhl. Draußen regnete es und
ich keine Kinder. Oder war es mein Pech?
ich nun wirklich nicht aus. Ich schaute
mir schossen die Tränen in die Augen. Die
Mit Kind hätte ich ja ins Frauenhaus gehen
weg. Ob ich mir wohl irgendwo ein paar
Lage war hoffnungslos. Ich wusste nicht
können, aber so war klar, dass ich nun allei-
Streichhölzer erbetteln konnte? Vielleicht
mehr weiter – weder, wohin ich nun gehen,
ne sehen musste, wo ich die Nacht verbrin-
bei der Bedienung? Aber was konnte ich
noch, wovon ich leben sollte. Kein Job. Kein
gen konnte. Ich wusste nichts. Wen konn-
sagen, damit niemand merkte, was los
Geld. Keine Bleibe. Nach dem Streit mit
te ich fragen? Wohin konnte eine Frau
war? Ich war zornig und schämte mich.
Fred hatte ich es nicht mehr ausgehalten
ohne Bleibe gehen? Wo konnte ich meine
Hätte ich doch schon früher die Reisleine
und war einfach geflüchtet. Manchmal
Sachen lassen? Ohne Geld war ich doch
gezogen und mir in Ruhe eine Bleibe
hatte ich sogar Angst vor ihm. Denn bei
aufgeschmissen. Je mehr ich darüber nach-
gesucht. Mich nach einem Job umgesehen.
ihm wusste man nie, was kam. Und wenn
dachte, um so trauriger wurde ich. Aber
Hoffentlich sah mir niemand an, wie ver-
ich nicht gegangen wäre, hätte er mich
zu Fred zurück wollte ich auf keinen Fall.
zweifelt ich war. Ich blickte an mir herun-
sowieso rausgeschmissen. Wie schon so oft.
Ich starrte in meine Tasse, holte die letz-
ter. War meine Kleidung angemessen oder
Bisher war es ja kein Problem, eine Nacht
te Zigarette aus der Tasche und stellte fest,
fiel ich damit auf? Gut, es waren nicht die
arm & reich
neusten Sachen, aber sauber waren sie. Ich schaute mich um und prüfte, ob andere zu mir hersahen. Zum Glück nicht. Wenn es nicht so regnen würde, könnte ich ja ein wenig die Straßen entlanglaufen. Aber ich hatte ja noch nicht mal eine vernünftige Jacke dabei. Gerade so das Nötigste hatte ich auf die Schnelle zusammengerafft und in eine Tasche gestopft. Plötzlich fiel ein Schatten auf mich und riss mich aus meinen Gedanken. Der lächelnde Herr stand vor mir und fragte
Studie: Arm und Reich Laut einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist der Abstand zwischen den reichsten und den ärmsten zehn Prozent der Gesellschaft so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auch in Deutschland wächst der Abstand zwischen Arm und Reich. Hierzulande haben Mitte der 80er Jahre die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung fünf Mal so viel verdient wie die ärmsten zehn Prozent. Heute liegt das Verhältnis bei 7:1. In der gesamten OECD war die Entwicklung laut der Untersuchung ähnlich: Mitte der 80er Jahre verdiente das reichste Zehntel der Bevölkerung sieben Mal so viel wie das ärmste. Heute liegt das Verhältnis bei 9,5:1. Zur OECD gehören 34 Länder, in erster Linie Industriestaaten. Quelle: www.oecd.org/berlin/presse/einkommensungleichheit-beeintraechtigtwirtschaftswachstum.htm
freundlich, ob der zweite Platz an meinem Tisch noch frei sei. Ich erschrak. Was woll-
loser war an ihm vorübergegangen. Der
nicht mehr weiter. Heute helfe ich ande-
te er von mir? Was sollte ich sagen? Stumm
hatte ihn damals angesprochen und so war
ren und es macht mir großen Spaß. Ich
schaute ich ihn an. Er verstand das als
er mit ihm ins Gespräch gekommen. Bis
will nix dafür haben, nur ein Versprechen.
Zustimmung und setze sich zu mir. Erst
heute kann er nicht verstehen, wie er
Dass Sie, wenn Sie mal jemanden treffen,
schwiegen wir beide. Dann sagte er:
sofort Vertrauen hatte fassen können. Aus-
der Hilfe braucht, diesen Menschen auch
„Möchten Sie noch ein Tasse Kaffee und
gerechnet in einen Obdachlosen. Aber
mitnehmen.“
vielleicht ein Brötchen dazu?“ Ich wollte
genau dieser nahm ihn dann mit. Zeigte
Nach diesen Worten zahlte er die Rech-
scharf antworten, ob ich denn wie ein
ihm, wo er essen und schlafen konnte, und
nung, nahm meine Tasche und wir mach-
Bettler aussehe und klar machen, dass ich
wo er Kleidung bekam. Ich hörte staunend
ten uns auf den Weg. Am selben Abend
auf so eine Anmache nicht stehe, aber sein
zu. Der nette Herr erzählte noch eine Wei-
hatte ich eine Bleibe für die Nacht und
freundlicher, ehrlicher Blick lies mich ver-
le von dem Leben mit dem Obdachlosen
ein gutes Essen. Ich wusste nun, es würde
stummen. So nickte ich nur. Gleichzeitig
und davon, dass sie heute die besten
weiter gehen und ich war froh darüber,
wurde mir klar, dass ich den ganzen Tag
Freunde seien. Dass der Obdachlose
dass der nette Herr mich angesprochen
über noch nichts gegessen hatte. Mein
damals seine Rettung gewesen sei. All das
hatte. So war er mein Helfer in der Not
Magen knurrte. Er bestellte ein Kaffeege-
hörte ich und kam aus dem Staunen nicht
geworden und noch heute haben wir
deck ohne Kuchen – dafür mit Brötchen.
heraus. Allerdings frage ich mich, warum
guten Kontakt. Das alles ist nun zwei Jah-
Dann fing er unaufgefordert an zu erzäh-
der Herr mir das alles erzählte. Ich kannte
re her und ich habe mein Versprechen
len: Er sei vor Jahren in die Stadt gekom-
doch keine Obdachlosen, denn man sollte
gehalten. Immer wenn ich Menschen
men, ohne Geld, Wohnung und Freunde.
sich ja eigentlich von denen fernhalten,
irgendwo sitzen sehe und den Eindruck
Er hatte nicht gewusst wohin und nieman-
hatte ich gehört. Der Herr sagte, dass es
habe, sie könnten Hilfe gebrauchen, gehe
den gehabt, den er hätte fragen können.
auch für Frauen solche Hilfsangebote gibt
ich hin und spreche sie an. So habe ich
Er war aus einer sehr schwierigen Situa-
und dass er den Eindruck habe, ich könn-
schon viele Freunde gefunden.
tion Hals über Kopf einfach los. Er hatte
te ein wenig Hilfe gebrauchen. Ich schau-
am Straßenrand gesessen und ein Obdach-
te ihn erschrocken an und überlegte, ob
Kölsche Linda
ich ihm trauen soll-
Zahlen und Fakten • Anzahl der in Köln lebenden Einkommensmillionäre laut dpa: 346 • Anstieg des Hartz IV-Regelsatzes für Alleinstehende seit Januar 2015: um 8 Euro auf 399 Euro pro Monat (Erhöhung um 2,12 %) • Diätenerhöhung im Deutschen Bundestag seit Januar 2015: um 450 Euro auf 9.082 Euro pro Monat (Erhöhung um 4,79 %) • Pfandgeld für eine Mehrwegbierflasche aus Glas: 8 Cent • Durchschnittliche Miete für eine Wohnung in Köln-Chorweiler: 6,16 EUR/m² • Durchschnittliche Miete für eine Wohnung in Köln-Bayenthal: 13,93 EUR/m² • Kosten des günstigsten Essens in der Uni-Mensa für Studierende: 2,05 Euro / für Gäste: 4,60 Euro
te. Da sagte er, er würde mich heute einfach mal zu
lll
info
einem Treffpunkt mitnehmen
und
mir zeigen, dass es andere Frauen gibt, die auch in Schwierigkeiten stecken. „Haben Sie keine Angst. Auch mir wurde geholfen als ich dachte, es geht
Durch ihre Texte im DRAUSSENSEITER wurde eine Film-Produktionsgesellschaft auf die ehemalige Wohnungslose Linda Rennings aufmerksam. So lernte sie bei der Doku-Serie „Secret Millionaire“ den reichen Life-Designer Paul Misar aus Wien kennen. „Heimatlos in Köln“, kurz H.i.K., ist im Oktober an den Start gegangen und sucht jetzt Mitglieder, Sponsoren und irgendwann in naher Zukunft auch Räumlichkeiten. Kontakt über HIK-Heimatlos@gmx.de 13
Über den Tellerrand: Hannover
Cents im Müll Pfandflaschensammler: Sinnbild für wachsende Armut und Einsamkeit in Deutschland. Katrin, Ingrid und Klaus sind drei von 1000 in Hannover. Sie suchen nach Flaschen für 8, 15 oder 25 Cent das Stück. Jetzt ist auch die Wissenschaft auf das neue Phänomen aufmerksam geworden.
solche Tage selten.“ Die acht Euro allein aus Bierflaschen zusammen zu bringen sei illusorisch. Schon allein wegen des Gewichts. Beinahe 30 Kilo hätte die schmale Katrin dann zu schultern. Katrin sammelt nicht für sich. Das ist ihr wichtig zu betonen. Ihre Hunde sind für Katrin „Familie, meine Geschwister.“ Sind sie krank – und das sind sie in letzter Zeit aufgrund ihres Alters häufiger – dann sucht Katrin intensiver, dann werden die Touren ausgeweitet. Stundenlang kann sie
Text: Volker Macke
unterwegs sein, wenn ein neues Medika-
Fotos: Christian Wyrwa
ment für die Leber bezahlt oder die anstehende OP finanziert werden muss. „Wir
S
sind Überlebenskünstler, irgendwie geht chmale Lichtkegel durchschneiden
meln geschätzt 1.000 Menschen gelegent-
das abendliche Dunkel im Park. Für
lich Flaschen, rund 300 sind regelmäßig
Sekunden nur. Dann ist es wieder
unterwegs.
Sebastian Moser hat Menschen wie Katrin wissenschaftlich untersucht. Als erster
finster unter den großen alten Bäumen.
Wie Katrin, die mehrmals die Woche
und bisher einziger in Deutschland. Der
Wenige Minuten später steht der Schein
„allein der Hunde wegen“ auf Tour ist.
Soziologe vom Centre Max Weber der Uni-
der Taschenlampe an anderer Stelle auf
Katrin ist arm, krank, arbeitslos und zier-
versité Lyon hat jüngst eine Arbeit vorge-
den Sockel einer Holzbank gerichtet. Am
lich. Und fühlt sich allein. „Hilf dir selbst,
legt, die sich mit den Motiven und gesell-
Ende lauer Spätsommerabende, wenn die
sonst hilft dir keiner“, ist ihr Credo. Am
schaftlichen Hintergründen der enorm
Party im Park vorbei und die Picknickde-
ganzen Hartz IV-System lässt sie kein
wachsenden Gruppe von Flaschensamm-
cken eingerollt sind, beginnt für Katrin*
gutes Haar: „Die ganze verwaltete Armut
lern beschäftigt. „Erkundungen einer urba-
die Suche. Mit Lampe, Rucksack und ihren
hier: alles nur, damit sie keiner sieht und
nen Sozialfigur“ nennt er das im Unterti-
beiden Mischlingshunden macht sich die
keiner aufmuckt. Die Leute sollen endlich
tel. Und hat bei seinen Studien ganz unter-
50-Jährige dann auf den Weg von Bank zu
mal ihre Hirnpforten aufmachen, damit
schiedliche Typen von Pfandsammlern
Bank, von Mülleimer zu Mülleimer.
die das mal klar kriegen, da hilft niemand
gefunden. Eine sehr heterogene Gruppe,
Immer auf der Suche nach Flaschen und
niemandem“, ätzt sie. Wütend hört sich
„die weit über die Grenzen des Obdachlo-
Dosen. 8, 15 oder 25 Cent sind die Fund-
das an, vielleicht auch eher bitter.
senmilieus hinausgeht“.
8 Euro aus Müll
In erster Linie gibt es handfeste ökono-
Doch ein Grund eint sie zunächst alle:
stücke wert, die andere neben Grillresten und Hundekotbeuteln zurück gelassen
mische Gründe, die die Menschen zu den
haben. Wenn Katrin Glück hat, stehen die
14
es immer“, sagt sie trotzig.
Pfandgebinde, wie der Fachmann sie
„Die Bierflaschen von den ganzen Jugend-
Mülleimern, Partywiesen und Bänken in
nennt, neben den Abfallbehältern. Aber
lichen hier sind eigentlich das Schlechtes-
Fußgängerzonen treibt. Als wäre es
auch tief hineinzugreifen macht Katrin
te, das Glas ist schwer und das Pfand dafür
geplant gewesen: Genau mit Einführung
wenig aus – jahrelange Übung.
mickrig“, sagt Katrin und streckt ihren
des neuen Pfandsystems in Deutschland
Pfand auf Mehrwegflaschen gibt es
schmalen Rücken unter der Last. „25 Fla-
im Jahr 2006 ist nach Jahren des Rück-
schon lange in Deutschland. Vor zehn
schen machen gerade mal zwei Euro.“
gangs die Armutsquote laut Mikrozensus
Jahren kam das Pflichtpfand auf Einweg-
Cola- und Wassertrinker sind ihr die liebs-
des Statistischen Bundesamtes wieder
getränkeverpackungen hinzu. Und spä-
ten, schon allein deshalb, weil sie seit eini-
kontinuierlich angestiegen. Von gesamt-
testens als als die EU 2006 zudem dafür
gen Jahren das exzessive Trinken selbst
gesellschaftlich 14 Prozent im Jahr 2006
sorgte, dass Supermärkte nicht nur die
aufgegeben hat. Aber auch, weil die gro-
auf 15,2 Prozent im Jahr 2012. Bei Allein-
bei ihnen gekauften, sondern alle leeren
ßen Einwegflaschen leicht sind, gut zu
erziehenden von 37 auf 42 Prozent und
Einwegflaschen zurücknehmen müssen,
erkennen und pro Stück immerhin 25
bei der Gruppe der Arbeitslosen von 49
war ein neuer Markt eröffnet. Und hat
Cent einbringen. Findet sie davon mehre-
auf 59 Prozent. Bundesdeutsche Durch-
binnen weniger Jahre eine ganz neue
re, ist der Tag für sie ein guter Tag. Bis zu
schnittswerte – für den Norden Deutsch-
Facette prekärer Einkommenssicherung
acht Euro kratzt sie dann aus dem Müll
lands sehen die Quoten noch einmal teils
entstehen lassen. Allein in Hannover sam-
anderer Leute zusammen. „Leider sind
deutlich problematischer aus.
Über den Tellerrand: Hannover
Pudding oder Kuchen
Vordergrund. In Deutschland aber verdienten die Effekte der relativen Armut
Ingrid* hat eine kleine Rente. Wenn die
wie gesellschaftlicher und kultureller
Seniorin, die ihr Alter nicht verrät, früh
Ausschluss, Einsamkeit und Gefühle von
morgens mit ihrem kleinen Einkaufstrol-
Nutzlosigkeit besondere Beachtung.
ley die Meile hinter Hannovers Bahnhof
„Pfandsammeln vermag das Gefühl von
entlang zieht, dann möchte man kaum
Einsamkeit beiseite zu schieben, indem
glauben, dass diese Frau nebenbei – fast
ein kompensatorisches Objekt gefunden
unmerklich – in die Mülleimer linst. Bluse,
wird, das Nähe zu anderen Menschen
Mantel, Halstuch, Brosche, Haare: alles
zulässt“, sagt Moser. Und in einer Gesell-
akkurat. Allein den Schuhen merkt man
schaft, die Erwerbslosigkeit als unnorma-
deutlich ihre Jahre an. Ingrid ist „nicht
len Zustand klassifiziert, könne Pfandsam-
arm“, sagt sie ganz bestimmt. „Man muss
meln ein Gefühl von Wertigkeit vermit-
halt sparsam sein.“ Dass sie trotzdem die
teln. Immerhin mache man sich auch als
eine oder andere Flasche mitnimmt, die
Flaschensammler regelmäßig auf zur
am Wegesrand herrenlos wartet, wider-
Arbeitsstelle Park oder Platz, sammle mit
spreche dem nicht, findet sie. Die paar
Akribie und werde am Ende am Automa-
Euro, die ihr der Pfandautomat später in
ten zumindest wie ein Tagelöhner für die
der Lister Passage für ihre Fundstücke
erbrachte Dienstleistung entlohnt. Viele
ausspuckt, reichten für „gelegentlich Pud-
entwickelten dabei ein regelrechtes
ding und Kuchen“, das zumindest ginge
Pfandsammlerethos. „Diese Menschen
sonst nicht. Außerdem und viel wichtiger:
zeigen in den Innenstädten jeden Tag,
„Man hat eine Aufgabe.“
dass sie arbeiten wollen, dass sie es frei-
Eine Aufgabe hat sich auch Klaus* aus
willig machen, nicht unter Zwang, dass
dem Flaschensammeln geschnitzt. Die
sie sich ihre Arbeit sogar selber suchen.
zumindest in der warmen Jahreszeit vie-
Und vor allem, vor dem Hintergrund von
len herrenlosen Flaschen neben dem Ver-
,Drecksarbeit‘, dass sie sich für nichts zu
anstaltungsgelände „Faust“ in Hanno-
schade sind“, sagt Moser.
ver-Linden schon tagsüber einzusammeln,
Klaus* könnte sich in solchen Beschrei-
genauestens zu sortieren und mit dem
bungen gewiss gut wiederfinden. Doch
Fahrrad oder Einkaufswagen täglich der
bald ist Schluss für den Mann mit dem
Wiederverwertung zuzuführen, das ist
ausgeprägten Ordnungssinn. Jüngst habe
mehr als ein bisschen Zubrot für ihn. „Das
er beschlossen, „den Job“ über kurz oder
ist Arbeit“, sagt der Langzeitarbeitslose.
lang an den Nagel zu hängen. Das Geld
Von Verantwortung spricht er. Von Ord-
aus den Pfandautomaten hat er gespart
nung und Sauberkeit. Ob ihm das denn
und mit 65 gehe man normal ja auch „in
nichts ausmacht, sich damit für alle sicht-
Rente“. Andere können sich jetzt die Hän-
bar offen zu seiner Armut zu bekennen?
de schmutzig machen. Genug Nachwuchs
„Nie drüber nachgedacht“, versichert er
gibt es längst im Sammlermilieu. Die
und lehnt sich hinten am Biergarten im
guten Plätze in Hannover sind schon
Stuhl zurück. Hier ist sein Reich, hier ist
umkämpft, und jeder Fußballfan kann es
Klaus jemand: Man kennt ihn als den
samstags sehen: Die Nachbarschaft von
Mann, der aufräumt.
Großveranstaltungen ist längst professio-
Flaschen sammeln für mehr Geld und Teilhabe.
nell aufgeteilt. Doch auch im Park „gibt's
Auf Suche nach Nähe
Konkurrenz, ganz klar“, sagt auch Katrin. „Ganz normal im Kapital.“
Die Sozialforschung sei viel zu sehr fokus-
*Namen von der Redaktion geändert
siert auf die rein materielle Armut der Armen, findet auch Soziologe Moser. In Ländern ohne soziale Grundsicherungssysteme stehe das gewiss zu Recht im
www.street-papers.org / Asphalt – Germany
15
Kolumne
Kolumne
Arm trifft Reich
D
16
ie Kassen sind leer, die Gehälter
gangs 1928, der für 21.200 Dollar die Fla-
Uhr betreut werden muss, weil Alzhei-
niedrig, die Renten klein und die
sche versteigert wurde? In der Preisklas-
mer ja bekanntlich keinen Unterschied
Lebenshaltungskosten hoch. Das
se trinken wir nicht. Der neue Lambor-
zwischen Arm und Reich macht. Da
ist Stand der Dinge seit Beginn der
ghini Huracán gibt als Gesprächsstoff
wäre es doch wahrscheinlich, dass ein
Finanzkrise, als sich zwei Spiralen zu
ebenfalls nichts her, weil wir ganz uns-
Familienmitglied aus deren Reihen auch
drehen begannen: Die eine nach unten,
pektakulär mit öffentlichen Verkehrs-
von der Krankheit betroffen ist – dann
die andere nach oben. Nun ist der Reich-
mitteln unterwegs sind. Und was ist mit
allerdings in einem feudalen Pflegeheim
tum ganz oben in den „Hills“ angekom-
dem Anwesen in Montana, das für 28
lebt... Aber so richtig ist das kein erquick-
men und die Armut ganz unten auf den
Millionen Euro zum Kauf angeboten
liches Thema, wenn die Champagnerlau-
Parkbänken. Das wird zwar immer
wird? Dafür kommen wir als Interessen-
ne gerade ihren Höhepunkt erreicht hat
bestritten, aber Fakt ist, dass es den meis-
ten nicht infrage, da wir zuvor eine Mit-
und der Hummer serviert wird. Was blie-
ten Deutschen finanziell nicht mehr gut
gliedschaft im exklusiven Yellowstone
be also, um oberflächlichen Smalltalk zu
geht – von Ausnahmen einmal abgese-
Club nachweisen müssten, die 300.000
betreiben, damit kein peinliches Schwei-
hen. Die Ausnahmen in Deutschland
Dollar kostet. Außerdem suchen wir kein
gen entsteht, das die Kluft noch größer
sind 892.000 Millionäre und 135 Milliar-
neues Zuhause und wenn, dann nur eine
macht? Etwa die Zeit, die immer schnel-
däre, deren Zahl seit der Finanzkrise
preiswertere Mietwohnung. Also wor-
ler vergeht, je älter man wird? Keine
sogar kontinuierlich wächst. Diese
über ließe sich mit Superreichen reden,
Chance, da die Reichen doch alles daran
Superreichen befinden sich inzwischen
falls der unwahrscheinliche Fall eintre-
setzen, sich operativ verjüngen zu lassen.
so weit oben, dass der Kontakt zu uns
ten sollte und wir eine Einladung zum
Ich glaube, die Einladung ins Burj Al
nach unten vollständig abgebrochen ist.
Millionärsdinner ins Burj Al Arab nach
Arab würde ich ablehnen, falls ich eine
Sie haben uns regelrecht aus den Augen
Dubai bekämen? Die Kunststücke unse-
bekäme. Ich bin sowieso Vegetarierin
verloren. Aber über was sollten sie mit
res Mischlings aus dem Tierheim etwa?
und stehe den Armen auf der Straße
uns auch reden? Über den legendären
Wohl nicht. Aber vielleicht unsere
näher als den Reichen aus den „Hills“!
„Krug“, einen Champagner des Jahr-
demente Oma, die von uns rund um die
Astrid Hülser
Auszug
Aus/ge/lacht von Thomas Dahl Dieses arme Schwein.
sen verhangenen Nachmittag noch
Ausgemergelt, Leben kaum erkennbar.
mehr trübte. Einige der Vorübergehen-
Den Kompass ins Nichts gerichtet, zit-
den verdrehten die Augen oder schüttel-
ternd – so stand er vor der Blumenauslage
ten den Kopf.
des REWE-Marktes, bemitleidet selbst von seinem zerfransten, ausgeleierten blauschwarz-karierten Pullover, der bis zu den
„Immerhin“, dachte ich. „Man bemerkt etwas“. Ich war stehengeblieben. Stand da,
Knien gereichte. Ein angebissener
weil ich nicht weiter konnte. Dieses Mal
Tchibo-Pappbecher für Kleingeld mit infi-
nicht. Versuche eines Lächelns, Anstren-
zierter rechter Hand (die linke stützte
gungen mit bemüht gütigen Signalen:
sich in eine Krücke) vor seinem geschun-
Die Suche nach meiner Menschlichkeit.
denen Korpus haltend, leise „bitte … für
Dann registrierte er mich, erwiderte
Essen“ vor sich hin murmelnd, ohne
den Blick, schien nachzudenken. Kurz
einen Blickkontakt zu den vorüber
zuvor noch mehr ab- als anwesend, blin-
flüchtenden Passanten.
zelte er nun wie Charles Bronson, der
Wer interessierte sich für diese Exis-
lieber verrecken würde, denn warme
tenz? Würde sich nur ein Mensch die
Worte anzuhören. Er musterte mich,
Mühe machen, darüber nachzudenken,
blickte über die Straße, wo gerade joh-
was geschehen war, wie es zu diesem
lende Schulkinder aus einem Bus stürm-
Abbild des Elends kommen konnte? Was
ten und das Dasein zelebrierten. Dann
hatte diesen Mann in die Tiefe gerissen,
die beiden Leuchtfeuer wieder auf mich,
um ihn hier, in dieser Verfassung, stran-
der ich immer noch ergriffen verharrte.
den zu lassen? In dieser entwürdigenden Situation. Die Leute wichen aus, wählten über-
„Was gibt es da zu grinsen? Verpiss dich! Ab! Jemanden wie dich braucht‘s
lll
info
hier nicht!“, wütete der Mensch mir mit
legt einen anderen Eingang in den
rostigen Auswürfen entgegen und über-
Markt oder ignorierten schlichtweg das
ließ mich dem emporsteigendem Frost,
sich ihnen offenbarende Subjekt, das
der längst begonnen hatte, Wälle um die
den eh schon tristen Bordstein und die-
Seele zu mauern.
Herzlichen Dank an den Kölner Autor Thomas Dahl für den Vorabdruck aus seinem aktuellen Buch „Abhandlungen über das Nichts“. Vorbestellungen des Buches unter dahl@wortall.de
17
gedicht
Die Fünfte Jahreszeit In Köln ist es wieder soweit – Beginn der tollsten Jahreszeit. Sie bringt die Menschen weg vom Leid. In den Straßen auf und nieder, jecke Tön und alte Lieder. Bunte Menschen überall, von Weitem hört man ihren Schall. Außer Rand und Band, über die Grenzen schon bekannt, sind die Jecken auf dem Land. Und aus der Ferne kommen alle gerannt, staunen nicht schlecht, was sich in Kölle so fand. Ob groß, ob klein, bunt muss es sein! Dann nur schmecken auch Bier und Wein. Ist der höchste Tag dann da, der Rosenmontag ist doch klar, dann lacht das Herz! Auf den Straßen, in den Gassen, sammeln sich die Menschenmassen und heben ihre Tassen. Im Chor ertönt ein einz’ger Schrei, da ist jeder mit dabei. Raus aus dem Alltagseinerlei! In dieser Zeit ist jeder frei. Auch Streit und Frust bleiben auf der Strecke, dafür sorgen sie schon, „die Jecke“! Alaaf! Kölsche Linda
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Buch- und Musiktipps
kultur-tipps LIZA CODY
Lady Bag
tige für seine Untaten büßen wird. Selten eine so lebensnahe Schilderung von Obdachlosigkeit in all seiner Brutalität gelesen.
Erna Rot
„Ode an die Freude“
Ingrid Müller-Münch
London. Die Wohnungslose mit den Plastiktüten stromert durchs West End von London. Da kennt sie sich aus, da gibt es Geschäfte, vor denen sie betteln kann, Mülleimer, hinter denen man des Nachts einen Schlafplatz findet, Menschen, die einem was zustecken, damit Elektra, der abgehalfterte Greyhound und treue Gefährte, sein Futter bekommt, und die Lady Bag, die Frau mit den Plastiktüten, ihren algerischen Rotwein. Sie ist eine Frau ohne Namen, ohne Identität, auch wenn die Polizei sie spät im Buch als Angela Mary Sutherland anspricht. Doch dieser Name gehörte zu ihrem früheren Leben. Denn nicht immer war sie die Frau mit dem Hund, die Obdachlose, die nach Fusel richt. Einst besaß sie ein Haus, eine Lebensversicherung, Job und Auto, alles, was zu einem bürgerlichen Leben dazugehörte. War intelligent. Wurde geliebt. Und dann hat der „Teufel“ sie ruiniert, sie ins Gefängnis gebracht, sie zur Trinkerin und Streunerin gemacht. Plötzlich, nach all den Jahren, sieht sie ihn wieder, ihren einst viel jüngeren Geliebten, der sie ausnutzte und ins Gefängnis brachte, weil sie so blöd war, für ihn den Kopf hinzuhalten. Und schon wieder scheint er eine Frau an seiner Seite zu haben, die – so vermutet es Lady Bag – den Kopf für ihn hinhalten muss. Also verfolgt und beobachtet sie den Teufel, was ihr nicht leicht fällt. Meist ist sie so von Alkohol umnebelt, fantasiert, sieht nicht klar. Das Milieu, in dem sie sich aufhält, ist brutal. Keiner erfährt hier den richtigen Namen des anderen, außer eines Tages, wenn man sich gegenseitig wirklich vertraut. Doch das kann dauern. Die meisten Leute sorgen dafür, dass niemand sich auf ihrer Platte breitmacht. Und sobald einer Kohle hat und sich das rumspricht, wird zugeschlagen, getreten, verletzt. Ein ätzend lebensnaher Krimi, so verletzlich wie die Protagonistin, so wild und zerfasert wie ihr Herz. Ein trauriges Spektakel mit blutigem Ausgang und der Ungewissheit, ob wirklich diesmal der rich-
Liza Cody: Lady Bag, Ariadne Kriminalroman, 2014, aus dem Englischen Laudan & Szelinski, ISBN 86754 222 7, Euro 17
Barbara Wendelken
Das Dorf der Lügen Ein Albtraum für Polizeikommissarin Viktoria Engel: Sie erschießt im Dienst einen Unschuldigen, den 16-jährigen Rouven Kramer. In ihrer Not inszeniert sie die Tat, als hätte sie aus Notwehr gehandelt, doch die Dorfbewohner hegen Zweifel. Als kurze Zeit später eine weitere Leiche auftaucht, bizarr inszeniert wie Rouvens Tod, bricht eine Welle von Misstrauen über das Dorf herein, bis sich niemand mehr vor dem anderen sicher fühlt. In diesem Kriminalroman gibt es neben unzähligen Tatverdächtigen auch jede Menge verendete Hasen und durch Pfeile getötete Menschen, vorzüglich Polizisten. Auch, wenn man sich nach dem ersten Lesen nicht immer sofort alle Namen merken kann, entwickelt sich nach und nach die Bedeutung der Figuren: Oliver Dellbrink, der seiner Frau fremdgeht, Hauptkommissar Renke Nordmann oder auch Thilo Blanke, der Kurse im Bogenschießen anbietet. Bis zum Schluss hält die in Ostfriesland lebende Autorin Barbara Wendelken die Spannung aufrecht und man verzeiht ihr schließlich, dass die Anfangsszene sehr konstruiert wirkt. Nicht zuletzt auch durch die Liebesgeschichte von Nola und Renke, die im Dorf nicht unkommentiert bleibt, will man mehr. Band zwei ist hoffentlich schon in der Mache ... (cb)
Jazz / Indie / Chanson. Sie sind jung, sie sind ambitioniert, sie sind gut, sehr gut. Die Kölner Band „Erna Rot“ vereinen Swing, Bebop, französischen Chanson und deutsche Independent-Musik. Dabei zimmert die Band um die namensgebende Sängerin und Komponistin Erna Rot und den Trompeter und Akkordeonisten Simon Doetsch an einem Sound, der den Variantenreichtum des Jazz aufgreift, aber die gestalterische Präsenz eines deutschen Popsongs voll ausschöpft. Sollte man sie grob mit einem Satz beschreiben, würde so etwas einfallen wie: „Wir sind Helden“ machen jetzt Jazz. Das liegt an der Stimme der Sängerin und an den kleinen, teils ironischen Geschichten, die sie in ihren Liedern erzählt. „Grüß mir alle deine alten Lieben. Sag ihnen: ‚Schön euch nimmer wiedermehr zu sehn.‘ Immer wieder von dem Thema abzulenken. Treib kein Schabernack mit mir“, singt sie im vielleicht besten Lied „Grauer Beton“. Und weiter im Refrain: „Stöhne nicht über den Höllenlärm in Deinem Kopf. Ist doch alles nicht so schwer wie grauer Beton – vom Hochhaus nebenan.“ Auch in den anderen Liedern geht es um Liebe, Sehnsucht, Freude, Einsamkeit und was einen sonst noch so durchs Leben begleitet. Stets pointiert beobachtet und erfrischend geschrieben. Erna Rot mit einem Wort: herrlich! Mit einem Satz: Die Musik macht gute Laune – ohne dabei platt zu sein. Jens Hüttenberger
Erna Rot: „Ode an die Freude“, P & C Ozella Music, 2015. Mehr Infos zum Projekt unter: www.startnext.de/ernarot
Barbara Wendelken: Das Dorf der Lügen, Kriminalroman, Piper-Verlag, ISBN-13 9783492304733, Euro 9,99 19
interview
DERNIÈRE IN BONN: JOHANN KÖNIG Selbst das vielgefeierte, fünfte Soloprogramm von Johann König hat mal ein Ende: Der „listige Lümmel aus Köln“ (Görlitzer Abendbote) wird nun in Bonn zum letzten Mal keine krassen Reime aus dem Flammenwerfer, null coole Comedy aus dem Bunsenbrenner oder gar granatenmäßiges Geknalle aus der Gag-Kanone präsentieren. Nö! Es muss eben auch mal Schluss mit Lustig sein. Aber für einen Künstler wie Johann König ist nach dem Spiel auch vor dem Spiel:„Seit heute, quasi ab jetzt, gibt es Karten für die neue Solo-Tour! Dabei weiß ich noch gar nicht, wie die heißen wird und ob ich da kann. Aber eines kann ich euch sagen: Ich hab total Bock!“ Christina Bacher hat den Mann in Nippes im Caféhaus und zur Rede gestellt.
DRAUSSENSEITER: Wir hatten ja das Vergnü-
tatsächlich so, dass ich für mein Programm
gen, dich auf der „Loss mer singe“ Sitzung
eine totale Ruhe im Saal brauche, Ruhe
am Tanzbrunnen zu erleben und fanden
und Aufmerksamkeit. Das ist natürlich auf
deinen Ausflug auf die Karnevalsbühne klas-
einer klassischen Karnevalsveranstaltung
se. Die restliche Presse war ja offenbar weni-
nicht so gegeben. Der Humor funktioniert
ger begeistert, der Express titelte „Johann
nicht, wenn ich mich beeile.
noch nicht königlich“ und im Stadtanzeiger wurde behauptet, dass dein Programm erst
DRAUSSENSEITER: Bist du aus Köln?
dass man in Vergessenheit gerät. Aber ich
toll wurde, als du zu singen begannst. Deine
Johann König: Ich bin seit 18 Jahren in
kann heute sagen, dass es genau den
Ode „Mein Cologne“ war unser persönliches
Köln. Ich komme ja ursprünglich aus
gegenteiligen Effekt hatte und meine jet-
Highlight an dem Abend ....
Soest, habe zunächst eine Ausbildung als
zige Tour „Feuer im Haus ist teuer, geh
Johann König: Ja, sonst war es immer
Kinderkrankenpfleger gemacht und dann
raus“ nach der einjährigen Pause beson-
umgekehrt, es hieß ja immer, ich könne
hier Sport und Sonderpädagogik auf Lehr-
ders gut besucht ist. Es ist fast so, als habe
gar nicht singen. Also verbuche ich das mal
amt studiert. Und dann – wie soll ich das
man mich tatsächlich vermisst. Und klar
als Erfolg. Nee, im Ernst: Ich singe unheim-
sagen –, dann bin ich ins Comedy-Fach
war ich nicht ganz untätig in 2012.
lich gerne und dieses Lied „Ode Cologne“
abgerutscht. DRAUSSENSEITER: Meinst du beispielsweise
zu singen, macht mir unglaublichen Spaß.
20
Ich bräuchte vielleicht noch mehr solcher
DRAUSSENSEITER: Im Jahr 2012 bist du ja
die Aktion „Baumtiere – Tiere des Waldes
Songs, aber über ein Kölner Thema, das
nicht aufgetreten und hast dir wegen eines
erobern die Stadt“?
noch nicht besungen wurde. Wobei dieses
Hörsturzes und Burn-Out-Gefahr mal ein
Johann König: Ausgestopfte Tiere auf
Lied einfach alles abdeckt, was ich zu dem
Jahr Ruhe von der Bühne gegönnt. Hast du
einem Baum mitten in Nippes. Außerdem
Thema zu sagen habe. Aber ich gebe zu,
die Zeit für dich nutzen können?
habe ich eine Kamera und ein Mikrofon
dass die Stimmen laut werden, die fordern,
Johann König: Es vergeht kein Tag, an dem
installiert und die Reaktionen der Passan-
dieses Lied auf CD zu brennen.
ich nicht immer noch mehr die Kraft spü-
ten aufgenommen. Da fragen dann die
re, die ich gesammelt habe. Das war eine
Kinder: „Mama, wieso lebt der Waschbär
DRAUSSENSEITER: Wir wollen auch!
gute Entscheidung, mal zu pausieren, auch
auf dem Baum?“ Ich habe das Stefan Raab
Johann König: Danke. Aber sonst ist es ja
wenn natürlich immer die Gefahr besteht,
gezeigt und alle dachten, das sei Fake.
Dabei ging es mir um eine ernsthafte
als ich neu hier in Köln war. Die Fotos
DRAUSSENSEITER: Alles Gute für deine Der-
Absicht, nämlich das Phänomen, dass
habe ich bis heute aufbewahrt. Ob durch
nière in Bonn. Und die kreative Schaf-
Stadtkinder Kühe lila malen, auf die Spit-
meine Streifzüge dann irgendwann ein
fenspause. Wir sehen uns im Herbst wieder?
ze zu treiben. Andererseits ist es tatsäch-
neues Thema für die Bühne entsteht oder
Johann König: Spätestens.
lich mehr und mehr so, dass die Waldtiere
ich auf eine Idee für ein Programm kom-
in die Städte kommen, um Essen zu finden.
me, kann ich eigentlich gar nicht sagen.
Foto: Willi Weber
interview
In manchen Städten gibt es Waschtier-Plagen! Dass die Natur immer mehr zurück-
DRAUSSENSEITER: Irgendwann war es dann
gedrängt wird und wir so viel wegwerfen,
mal umgekehrt und du wurdest erwischt:
ist doch ein wichtiges Thema, dem man
Der wohnungslose Künstler, der neben der
sich mal stellen sollte.
Kirche am Baudriplatz Platte macht, hat dich gemalt ...
DRAUSSENSEITER: Viele Leute gehen an Ber-
Johann König: Konstantin habe ich hier in
bern vorbei, du aber hast sie als junger
Nippes wiedergetroffen, ich habe ihn schon
Mann fotografiert. Warum?
in den 80ern getroffen und fotografiert,
Johann König: Ich laufe auch heute noch
damals arbeitete er schon als Maler in der
viel durch Nippes, man könnte mich als
Innenstadt. Sein Leben hat mich damals
humoristischen Straßenfotografen bezeich-
sehr beschäftigt und ich habe über ihn
nen. Tatsächlich habe ich schon früher
recherchiert und gelesen. Und ja, ich habe
viele Fotos auf der Straße gemacht, gerade,
mich dann auch mal von ihm malen lassen.
lll
info
Johann König – Feuer im Haus ist teuer, geh raus! Samstag, den 28.03.15 in Bonn, in der Beethovenhalle Tickets 0228 - 50 20 10 www.beethovenhalle.de 21
Kommentar
22
Kommentar
10 Jahre Hartz IV – ein Erfolgsmodell? Gedankenspaziergang von Rosi Herting Wie alles begann:
ohne Arbeit sind, in Deutschland gibt.
Dann gibt es sicherlich auch eine kleine
Vor 10 Jahren, am 1.1.2005, ist das Gesetz
Deren Leben spielt sich meist zwischen
Gruppe von Beziehern, die schwierig bis
„über die Grundsicherung für Arbeitssu-
Leiharbeit, befristeten Stellen sowie
gar nicht zu motivieren sind. Für alle Bezie-
chende“ in Kraft getreten. Hartz IV ist eine
geringfügiger Beschäftigung und Arbeits-
her gilt, wer sich nicht gesetzeskonform
verkürzte und im Gesetz nicht erwähnte
losigkeit bzw. Arbeitsförderung ab. Schät-
verhält, dem wird die Leistung oft drastisch
Bezeichnung für das Arbeitslosengeld II
zungsweise die Hälfte der Langzeitarbeits-
bis weit unter das Existenzminimum
(abgekürzt ALG 2). Es handelt sich hierbei
losen, die einen Job finden, landen spätes-
gekürzt. Dabei wird nicht berücksichtigt,
um eine Grundsicherungsleistung für
tens nach Ende einer Maßnahme – ein
dass Hartz IV eine Grundsicherung, also
arbeitssuchende, erwerbsfähige, bedürfti-
halbes Jahr – wieder beim Jobcenter. Die
das Minimum zum Leben, sein soll. Um
ge Personen auf der Grundlage des SGB
„Zeit“ schreibt, dass fast eine Millionen
sicher zu gehen, dass kein Empfänger Miss-
II (2. Buch Sozialgesetzbuch). Es wurde
Deutsche seit zehn Jahren ununterbro-
brauch betreibt, wird sein gesamter
die Arbeitslosenhilfe abgeschafft. Men-
chen Hartz IV beziehen, und zwar Lang-
Lebensstil überwacht, kontrolliert und
schen, die keinen Anspruch mehr auf
zeitarbeitslose, Aufstocker, Kranke, Allein-
sanktioniert. Hier stellt sich mir die Frage:
Arbeitslosengeld haben, bekommen ab
erziehende und deren Kinder. Es sind also
„Werden Besserverdienende und Reiche
diesem Zeitpunkt – bzw. nach einer kur-
rund eine Million Deutsche, die die
kontrolliert? Und wenn ja, wie sieht diese
zen Übergangszeit – Hartz IV. Die Sozial-
Arbeitsmarktpolitik faktisch abgeschrie-
Kontrolle aus?“ Sicherlich gibt es auch
ämter und Arbeitsagenturen wurden
ben hat. Natürlich ist es mühsam, sich um
Menschen, die sich Hartz IV-Leistungen
zusammengelegt.
diese Klientel zu kümmern. Einfacher ist
erschleichen. Hier handelt es sich aber um
es allemal, qualifizierten Erwerbslosen zu
eine kleine Gruppe. Der Großteil der
Resümee nach 10 Jahren:
einem Job zu verhelfen, den diese wahr-
Bezieher will Arbeit und Anerkennung!
Heute, genau 10 Jahre später, sind sich
scheinlich auch ohne Arbeitsagentur rela-
Gewerkschaften, Sozialverbände und kri-
tiv leicht finden.
Wie fühlen sich viele Hartz IV-Empfänger: Menschen, die Hartz IV-Leistungen bezie-
darauf angelegt, das Lohnniveau in
Welche Menschen sind Hartz-IV-Empfänger bzw. werden es:
Deutschland zu senken und einen Nie-
Zum einen sind es Menschen, die länger
es sich in der sozialen Hängematte
driglohnsektor großen Stils entstehen zu
als ein Jahr arbeitslos sind. Sie zählen dann
bequem machen. Allen gemeinsam ist
lassen.“
zu den Langzeitarbeitslosen. Diese Men-
häufig, dass sie als Drückeberger oder gar
tische Politiker mit Frank Bsirske, dem Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, einig, wenn er sagt: „Die Politik war
hen, haben mit ständigen Vorurteilen zu leben. Sie gelten als faul, als Parasiten, die
Die Hartz-Reformen haben sicherlich
schen haben oft viele Jahre gearbeitet und
Schmarotzer bezeichnet werden. Sie wol-
dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit in
in die Rentenkasse eingezahlt. Weil der
len den Sozialstaat aushöhlen und durch
Deutschland zu verringern, nicht zuletzt,
Betrieb z.B. Insolvenz anmelden musste,
falsche Angaben den Staat betrügen. Sie
weil der Druck auf die Arbeitslosen erhöht
wurden sie arbeitslos. Da sie zu alt sind,
werden als Menschen angesehen, die nur
wurde. Menschen ohne Arbeit sind heute
hängt ihnen das Attribut „schwer vermit-
„herumlungern“ und sich auf Kosten des
eher bereit, eine schlecht bezahlte oder
telbar“ an. Sie werden in sogenannte „För-
Staates ausruhen. Ihnen muss genau auf
unattraktive Stelle anzunehmen, um nicht
derprogramme“ gesteckt, über deren
die Finger geschaut werden und sie müs-
in Hartz IV abzurutschen. Menschen, die
Erfolg sich streiten lässt. Dann gibt es die
sen gezwungen und vorangetrieben wer-
nicht betroffen sind, erschreckt es nach
schlecht- bzw. gar nicht ausgebildeten
den, sich zu bewegen. Auch, wenn nur eine
zehn Jahren nicht mehr, dass es immer
Bezieher. Sie werden von Maßnahme zu
kleine Gruppe versucht, sich Leistungen
noch rund eine Millionen Langzeitarbeits-
Maßnahme, wie z.B. 1-Euro-Jobs, verscho-
zu erschleichen, werden alle Bezieher in
lose, also Menschen, die mehr als ein Jahr
ben, mit wenig bzw. gar keinem Erfolg.
„Sippenhaft“ genommen.
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Foto
Besser als immer Nein-Sagen Herr „Jaja“ hält sich fast ausschließlich auf der Schildergasse auf und transportiert seine vielen Tüten vom Kaufhof zum Neumarkt und dann wieder zurück. „Mein Name ist Gerd, darf ich Sie duzen?“ „Jaja.“ „Wie lautet dein Vorname?“ „Jaja.“ „Du lebst schon lange in Köln?“ „Jaja.“ „Ich sehe dich immer wieder auf der Schildergasse.“ „Jaja.“ „Bist du auch schon mal an anderen Orten in Köln?“ „Jaja.“ „Wo hältst du dich sonst noch auf?“ „Jaja.“ „Darf ich dich fotografieren und das Foto zeigen?“ „Jaja.“ Hm. Foto: Gerd Bonse
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Kurzgeschichte
Der Greifer und der Schatz der Nibelungen Teil 1
F
rüh morgens klingelte im Zimmer 104 des Kalker Kommissariats das Telefon. Eigentlich war Kommissar Harry Meyer noch zu müde, um abzunehmen, und meldete sich leicht verschlafen: „Meyer, Kommissariat Köln Kalk, ja bitte?“ „Wir haben ihre Tochter Sandra. Sagen Sie uns bis 12 Uhr, wo der Schatz der Nibelungen ist, sonst sehen Sie sie nicht lebend wieder!“ Plötzlich war der Kommissar hellwach und schrie in den Hörer: „Lassen sie mich mit meiner Tochter reden!“ Für einen Moment passierte gar nichts. Dann hörte er am anderen Ende der Leitung endlich die vertraute Stimme:„Papa, hilf mir, ich habe Angst!“ „Sandra, geht es dir gut?“ „Das reicht, Herr Kommissar. Keiner ihrer Kollegen darf Bescheid wissen. Und keinen Bericht an den Staatsanwalt, sonst ...“ Ein Klicken in der Leitung und das Gespräch war beendet. Doch als Meyer gerade den Hörer aufgelegt hatte, klingelte es erneut. Pflichtbewusst, aber gereizt nahm er das Gespräch an. „Wer da?“ „Ich will Ihnen helfen, Ihre Tochter wiederzubekommen!“ „Wer sind Sie? Und woher wissen Sie ...“ „Ich bin der Greifer.“ „Sie wissen doch, mit Verbrechern mache ich keine Geschäfte!“ „Ich bin kein Verbrecher, sondern ein Entsorger.“ Da wurde es dem Kommissar zu bunt und er legte auf. So, meine lieben LeserInnen – wird der Kommissar die Hilfe des Greifers annehmen? Und was hat es mit dem Schatz der Nibelungen auf sich? Das erfahren Sie im zweiten Teil. Euer kleiner Günter
Illustration: Paul Geller
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Aus der oase
Mein Reichtum Einmal reich sein, das wäre schon was. Andererseits – was bedeutet reich sein eigentlich? Geld und Gold, so viel ich ausgeben kann? Nein. Mein Reichtum sind meine Freunde, die mich lieben und achten. Das ist viel mehr wert als alles Geld der Welt, finde ich. Und dass man sich wohlfühlt. Ich habe jetzt seit einem Jahr eine schöne Wohnung und freue mich darüber. Und auch wenn ich nicht viel besitze,
Der kleine Günter ist stolz, wenn eine neue Ausgabe erscheint. Manchmal gibt er sogar auch Autogramme unter seine Artikel.
bin ich glücklich. Weil ich mit dem, was ich habe, zufrieden bin. So gesehen bin ich schon sehr reich, finde ich.
Foto: Christina Bacher
in eigener sache _ Wir sind entsetzt über den Mord an
unseren KollegInnen und Kollegen des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo. Solidarität mit den Opfern von Pressefreiheit! Die DRAUSSENSEITER-Redaktion
Kleiner Günter
Glücklich leben
I
ch werde dieses Jahr 88 und schreibe
Kinder geboren hat, sagt immer die Wahr-
immer noch gerne für den DRAUS-
heit. Wenn ich gerade nicht schreibe, ver-
SENSEITER. Das ist mir sehr ans Herz
bringe ich viel Zeit mit meinen Freunden
gewachsen und ich bin stolz darauf. So
aus der OASE. Leider sind mittlerweile
sind meine Gedanken auf Wanderschaft,
viele von ihnen verstorben. Oft denke ich
immer beim nächsten Brief. Und was ich
an die, die fehlen. Wenn ich traurig bin,
schreibe, könnt ihr getrost glauben. Denn
hilft mir oft Musik. Die muntert mich
eine echte Kölnerin und Mutter, die fünf
dann wieder auf. Egal, ob auf einem Geburtstag, Straßenfest oder im Karneval – Musik macht mich glücklich. Denn Singen und Tanzen ist gut fürs Herz – für meins
_ „Das ist nicht nur ein Anschlag auf
eine Zeitschrift und auch nicht nur auf die Kunst. Das ist ein Anschlag auf ein Europa, das den Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung Würde, Freiheit und gleiche Rechte zuspricht – auch und zumal den Muslimen. Tun wir, was den Tätern am meisten missfällt und den Opfern am meisten entspricht: Bleiben wir frei.“ Navid Kermani, 7. Januar 2015
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jedenfalls. Und mit Frohsinn und Lachen ist das Leben doch gleich viel schöner. Mein Rat für ein glückliches Leben? Wisst, wer eure Freunde sind, verbringt Zeit mit denen, die ihr liebt und TANZT so viel ihr könnt! Eure Lies Elisabeth Molitor ist eine der coolen älteren Damen aus Deutz. Auch, wenn sie manchmal einsam ist, packt sie ihr Schicksal am Schopfe und rüttelt es. Dann gehts wieder besser. Foto: Privat
„Ich schreibe aus der Seele heraus.“ Renee
Aus den Einrichtungen buntes
HAllo freunde,
würden wir das alles gar nicht schaffen. Jetzt sind wir also fast jede Woche beim
tja, so wie es aussieht, reagiere ich auf
Dok. Ich glaube, es ist auch nicht ein-
die Medikamente allergisch. Heißt, nun
fach für Frauchen, das zu organisieren.
starten wir einen neuen Versuch. Frau-
Trotzdem habe ich immer alles, was ich
chen versucht mit dem Tierarzt etwas zu
so brauche. Angefangen bei meinem
finden, das ich auch vertrage. Scheint
teuren Spezialfutter, bis hin zu den
echt kompliziert zu sein. Doch sie gibt
Medikamenten. Leider habe ich trotzdem wieder abgenommen. Das
sich nicht so leicht geschlagen.
alles macht der Guten viele
Mensch, bin ich froh bei ihr
Sorgen, aber sie ist
gelandet zu sein. In Rumänien, wo ich ja
immer lieb zu mir. Ich
eigentlich herkomme,
versuche deshalb auch
hätte bestimmt nie-
ganz lieb und brav
mand soviel Geld und
zurück zu sein. Nur ab
Zeit für mich gegeben
und zu geht es mit mir sagt, das gehört dazu. Ich
großer Zufall gewesen. Aber
weiß ja auch ganz genau wenn
zum Glück bin ich hier, wo sich jemand um mich kümmert. Gestern hat
Frauchen mal Ruhe braucht. Manchmal
Frauchen vieles mit meinem Tierarzt
muss ich sie dazu einfach überreden.
besprochen. Wir waren echt lange da,
Das kann ich gut. Setze mich einfach vor
zum Glück gab’s keinen neuen Piekser.
sie hin, lege meine Pfote auf ihr Bein,
Obwohl Frauchen nicht reich ist, ver-
und gebe leise Laute von mir. Dann ist
sucht sie immer alles möglich zu
Kuschelzeit. Das genieße ich sehr und
machen. Es ist ihr wichtig, dass ich gut
ich glaube Frauchen auch. Ich bin halt
versorgt bin. Manchmal helfen uns tolle
ein Prinz, sagt sie. So, jetzt wünsche ich
Leute dabei. Denen möchte ich hier mal
euch auch viele Kuscheleinheiten!
ein dickes Dankeschön sagen! Alleine
Foto: Kölschen Linda
Herzlichen Dank sagen wir dem Musiker und Produzenten Jörg Schnabel, der neben vielen anderen guten Projekten auch die Musik für den Imagefilm des Kölner Festkomitees komponiert hat. Der Kölner mit Herz am rechten Fleck hat nämlich – in Absprache mit dem Festkomittee, das noch 11 Euro drauf legte – spontan beschlossen, das Honorar für die Verlängerung der Nutzungsrechte an die OASE zu spenden. Wir sagen Danke! www.joergschnabel.de www.koelnerkarneval.de
durch ... Aber Frauchen
¬– oder es wäre schon ein
lll
111 Euro gehen an die OASE
Euer Clayd
Gothaer spendet 300 Euro Die Freude war groß, als die Mitarbeiter der Gothaer kurz vor Weihnachten fünfzig Geschenke für die Besucher der OASE vorbei brachten. Diese hatten ihre Wünsche im Wert von 50 Euro zuvor aufgeschrieben. Umso schöner, dass die Finanzholding nun noch 300 Euro zusätzlich an die OASE gespendet hat, um die Arbeit der Einrichtung für Wohnungslose zu unterstützen. Herzlichen Dank!
clayd, der rumäne
Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda gezogen. Damals war ich krank und sehr traumatisiert, weil ich in meiner alten Heimat nix Gutes erlebt hatte. Mein Frauchen hat mit geholfen, damit ich wieder stabil werde. Nun habe ich ein gutes Zuhause und ein schönes Hundeleben. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles mit Frauchen erlebe.
LESERBRIEF Jede neue Ausgabe überrascht mit interessanten Beiträgen, mit Berichten über interessante Menschen. Aber die neue Ausgabe mit den Gedichten war ja wirklich ein Highlight. Die Kölsche Linda schreibt berührend schöne Verse. Da könnte ja jeder Profi vor Neid blass werden. In jeder Ausgabe ein Gedicht, das wäre schön. Monika Becker
FEEDBACK „Eine richtig professionell aufgemachte Zeitung (...)“ Sendung NEUGIER GENÜGT, WDR 5
Honorar von Weihnachtsrevue gespendet! Kurz vor Weihnachten überraschte Harald van Bonn, Betreiber der Seite www.koelschemusik.info, Mitglied der kölschen Mitsingbewegung „Loss mer singe“ und DJ für kölsche Musik, die OASE mit der Spende seines Honorars, das er als Vorleser bei der ausverkauften Weihnachtsrevue im Kur-Theater Hennef erhalten hatte – herzlichen Dank speziell vom Straßenmagazin DRAUSSENSEITER, dem die 300 Euro zugute kommen sollen. Wer Harald van Bonn mal live erleben möchte, muss sich rechtzeitig eine Karte für die „Loss mer singe“-Veranstaltung am 1.2.2015 in der OASE sichern oder sich auf seiner Website über weitere Termine informieren. www.koelschemusik.info/Termine.htm
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comic
In unserem Meer. Zum wiederholten Mal wird ein Flüchtlingsschiff im Mittelmeer entdeckt und geborgen, das von den Schleusern verlassen und ohne elektronische Hilfsmittel sich selbst überlassen wurde.
DRAUSSENSEITER-ABONNEMENT Für alle, die nicht die Möglichkeit haben, den DRAUSSENSEITER regelmäßig bei einem der Straßenverkäufer zu erwerben, ist ein ABO genau das Richtige. Ich möchte den DRAUSSENSEITER unterstützen und bestelle:
Vorname Name
N E S s U A DR ein Straßen-Abo zu 36,- Euro pro Jahr
Straße
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ein Sponsoren-Abo zu 85,- Euro pro Jahr
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SWIFT
ein Förder-Abo zu 150,- Euro pro Jahr
Lieferanschrift
Vorname Name
Straße
PLZ/Ort Unterschrift
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d
k as
e n l ö
r
R E T i SE
Einzugsermächtigung
a r t s
SS
m en
a
zi ga
n
Kreditinstitut
Unterschrift
Widerrufsbelehrung Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
vorschau
IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de
die letzten tage
Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Redaktion Marie Breer, Renee Breuer, Thomas Dahl, Bastian Exner, Zakarijas Gajdazs, Kleiner Günter, Astrid Hülser, Jens Hüttenberger, Elisabeth Molitor, Anika Pöhner, Linda Rennings, Miriam Wolf Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Deborah Keser Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Kölsche Linda, Torsten Lorenz/Fotolia, Alicia Rius, Willi Weber, Hanna Witte, Miriam Wolf, Christian Wyrwa Illustrationen Paul Geller, Heiko Sakurai Gestaltung Innenseiten de haar grafikdesign, www.dehaar.de Foto: Jonas-Verlag
Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Kiosk Bertram, Elke Bertram, Neumarkt, Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln
A
bschied hat viele Facetten. Die Wahl-Kölnerin Dhyan hat ihre letzten Tage in einem Kölner Hospiz verbracht und sie sehr bewusst erlebt. Wir haben sie kurz vor ihrem Tod nach ihrem Rezept für innere Ruhe gefragt. Außerdem schwelgen wir mit der 101 Jahre alten Nippeserin Josefine Klein in Erinnerungen an Begegnungen, die ihr Leben geprägt haben. Und auf einem ganz bestimmten Friedhof sehen wir uns an, wie Menschen Abschied von ihren treuesten Begleitern nehmen: ihren Haustieren.
Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. März 2015. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf facebook. 29
service
Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)
Foto: Hanna Witte
Bartholomäus-Schink-Str. 6, 50825 Köln
Für Alle
Tagesschlafraum, Kleiderkammer: Di und Fr 15-17 Uhr, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Diakoniehaus Salierring schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Fachdienst für Wohnungslosen- und StraffälliMenschen von Di und Do 11 bis 13 Uhr, Beratung genhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Region, Salierring 19, 50677 Köln, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Internetzugang, Samstags Frühstück. Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30 – 12.30 Uhr, Frühstück, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Sozialdienst Katholischer Männer e.V. (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-InWäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang nenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@ Kleiderkammer: Di u. Fr 9.30 – 11.30 Uhr Kölner Obdachlosenfrühstück, skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Krankenwohnung, Betreutes Wohnen §67SGB Peter-Deubner-Stiftung Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Tel.: 430 39 83 Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Claro im Trägerverbund Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in PC-Nutzung mit Internetzugang Emmaus der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim offene Info- u. Orientierungshilfen: Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Mo., Di., Do., Fr. 12 - 15 Uhr, Mi. 12 - 14 Uhr Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, Sa., So. und Feiertage 12 - 13 Uhr GUBBIO Obdachlosenseelsorge www.emmaus-koeln.de Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln Uhr, Mo – Fr 14-16 Uhr Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Meditation, thematische Gesprächskreise, reli- Vringstreff e.V. Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteFür Menschen mit und ohne Wohnung giöse Filme Welt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Gulliver – Überlebensstation für Mo – Do 11.30 – 17 Uhr, Fr 9 -12 Uhr Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Obdachlose Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück Tel.: 0221/3377063-4, Fax: 0221/3377063-9 Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 9 -11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltunhttp://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 gen, Beratung Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, rochus@skm-koeln.de 30
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Dienstleistungsagentur „Huddel und Bras- Nur für Frauen sel im Veedel“ Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 3377706-17 agisra e.V. huddelundbrassel@vringstreff.de Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 Bürger für Obdachlose e.V. oder 1390392, www.agisra.org Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Beratung nach Terminvereinbarung, TelefoniBürger für Obdachlose e.V. sche Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr Basislager Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Café Auszeit Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Frauen Obdachlose können gerne auch Kleidung, Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Schlafsäcke etc. in unserem GebrauchtTel.: 0221/12695310, waren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. cafe-auszeit@skf-koeln.de Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Suppenküche am Appelhofplatz. Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Vereinbarung Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de Café Auszeit, Schäl Sick www.bauenwohnenarbeiten.de SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 Wohnen, Betreutes Wohnen cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de, www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: montags und freitags 9 – 13 Uhr, dienstags und donnerstags 9 – 16 Uhr, mittwochs 13–16 Uhr Offener Treff: montags 10.30–13 Uhr, dienstags 13–16 Uhr, mittwochs 13–16 Uhr, donnerstags 13–16 Uhr, freitags 11.30–13 Uhr Frühstück: Mo 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Mo 10.30 – 11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Dienstags 13-16 Uhr, Mittwochs 13 -16 Uhr, Donnerstags 13-16 Uhr;
Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für alle: 9.30-12 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle 2 Wochen, montags um 12.30 Uhr
Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich. Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 37 64 90, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet. Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo – Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14 – 16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10 – 11 Uhr, Do 14 – 15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16 – 18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi – Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14 – 18 h ohne Anmeldung Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12 15:30 Uhr Di. von 10 - 13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de, Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- + Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr
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