Monika Huber. Archiv Einsdreissig

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ARCHIV EINSDREISSIG

Monika Huber

ARCHIV EINSDREISSIG

Monika Huber

„Freiheit ist nichts, was man besitzt

Bernhart Schwenk

Das

Was

Die

Nicht

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Vorwort
Inhalt
...“
Ulrich Wilmes
Anhalten der Nachrichten Mieke Bal Wirklichkeits-Chimären
W. Davis
geht hier vor sich? Ein politikwissenschaftliches Verhör der Einsdreissig-Demonstranten James
van Alphen
semantische Verfügbarkeit von Bildern im Archiv Einsdreissig Ernst
Ute Schae
Archiv des Cruor. Bild und Gewalt Antje Kapust Tableau – 294 Szenen von Protest, Widerstand, Gewalt und Krieg Auszüge aus dem Archiv Einsdreissig, 2011–2022 6 10 18 26 36 40 50 57 65 Datenbank – Suchbegri e Nachwort Dank Links Impressum 184 186 187 188 192
die Augen verschließen!
er

„Freiheit ist nichts, was man besitzt ...“

Bernhart Schwenk

Bernhart Schwenk ist Kurator für zeitgenössische Kunst an der Pinakothek der Moderne in München. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Mainz, Köln und Bonn, das er 1991 mit einer Promotion über den Maler Blinky Palermo abschloss, war er von 1991 bis 1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main sowie von 1993 bis 2001 als Ausstellungskurator am Haus der Kunst München tätig. Seit 2002 verantwortet er als Referent bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen den Sammlungsbereich Gegenwartskunst und nimmt Lehraufträge für Kunstgeschichte an verschiedenen Kunsthochschulen wahr. In zahlreichen Ausstellungen und Publikationen befasst er sich mit der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Vorwort

Im Dezember 2010 begann die Künstlerin Monika Huber sich verstärkt mit Bildern aus Fernsehnachrichten auseinanderzusetzen und dazu ein umfangreiches Bildarchiv anzulegen. Ganz Nordafrika schien damals in Aufruhr. Die dortige Bevölkerung forderte die Absetzung ihrer korrupten, diktatorischen Regierungschefs, ging für mehr Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen auf die Straße, egal ob in Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien oder Bahrain. Es war die Zeit des sogenannten Arabischen Frühlings. Die Bürgerproteste verbreiteten sich in einer ganz neuen Geschwindigkeit und deren Bilder dominierten sämtliche Informationsmedien.

Das Internet und die neue Möglichkeit, sich auf sozialen Plattformen auszutauschen und zu organisieren, machten spontane Absprachen für Proteste möglich. Bilder und Videos von Ereignissen konnten in Echtzeit geteilt werden, auch von Orten, aus denen keine internationale Berichterstattung mehr möglich war, da ausländische Journalistinnen und Journalisten nicht mehr ins Land gelassen wurden. Oft waren es unscharfe, vernebelte oder verwackelte Smartphone-Bilder, die mit dem Nachrichtenkommentar übermittelt wurden, sodass die Urheberschaft des Gezeigten nicht verifiziert werden könne. Genau diese verschwommenen Bilder interessierten Monika Huber, sie wurden Ausgangspunkt ihrer weiteren künstlerischen Arbeit.

Über mehr als zehn Jahre hinweg entstand ein Bildarchiv, dem Monika Huber den Titel Einsdreissig gab. Dieser benennt die durchschnittliche Länge eines einzelnen Nachrichtenbeitrags innerhalb eines Nachrichtenblocks. Die Gesamtdokumentation umfasst Tausende von Nachrichtenbildern. Hunderte davon hat Monika Huber künstlerisch überarbeitet. Im vorliegenden Buch ist somit nur ein kleiner Ausschnitt des Archivmaterials publiziert. Es versteht sich von selbst, dass das Archiv Einsdreissig keinen Anspruch auf Vollständigkeit bei der Erfassung politischer Ereignisse erheben will und kann. Die Konfliktlage auf der Welt ist dazu schlicht zu komplex.

Das Archiv Einsdreissig mit seinen von Monika Huber re-fotografierten und analog bearbeiteten medialen Nachrichtenbildern ist nun in einer Datenbank mit all den tagespolitischen Ereignissen erfasst und verschlagwortet. Das Archivmaterial in seiner Gesamtheit bildet ein künstlerisches „Work in Progress“, ist zugleich das Reservoir für weitere künstlerische Bearbeitungen in Fotografien, Installationen, Videos und SoundArbeiten. Die Gleichrangigkeit, die Monika Huber der analogen wie der digitalen Weiterbearbeitung des Archivmaterials zukommen lässt, ist Ausdruck ihres intermedialen Kunstverständnisses, in dem die Prozesse des Sehens, Auswählens und Neu-Arrangierens der Bilder als Bestandteile ein und desselben künstlerischen Handelns verstanden werden.

Die in diesem Buch zusammengestellten Bildseiten sind Auszüge aus dem Archiv Einsdreissig. Sie zeigen jeweils ein bearbeitetes Nachrichtenbild, versehen mit der Länderangabe, Werknummer, kurzem Text zum Bildereignis, Sendedatum sowie im Anhang den jeweiligen Link zu der Fernsehnachrichtensendung, der Monika Huber das Bild oder Textinformation entnommen hat. Die Bildtexte betre en allein die Berichterstattung zu den medial übermittelten Tagesereignissen und führen durch die letzten Jahre, ohne spätere Ereignisse und Informationen vorwegzunehmen. Von ausgewählten Bildern, die die Künstlerin besonders stark bewegt haben, gibt es oft mehrere Fassungen bzw. Bearbeitungen desselben Themas. Die Intention war dabei, sich dem Bild aus unterschiedlichen Perspektiven annähern zu können, um auf diese Weise mehreren Interpretationen Raum zu geben.

Im Lauf der künstlerischen Beschäftigung mit Nachrichtenbildern wurde die Dynamik des weltpolitischen Geschehens zum festen Begleitmoment der Archivarbeit von Monika Huber. Die kurzzeitige internationale Aufmerksamkeit der Medien für ein Krisengebiet wurde und wird meist sehr schnell abgelöst von neuen spektakulären, oft gleichfalls nur di us erkennbaren Bildern von neuen Orten, neuen Ereignissen. Zwar wurden seit 2010 Regierungschefs und Despoten teilweise abgewählt oder vertrieben – nur wenige verließen freiwillig das Land. Viele sind jedoch nach wie vor an der Macht und agieren autoritärer denn je. In den meisten Ländern ist die Situation miserabler als vor zehn Jahren. Meist wird der politische Widerstand gebrochen, so dass sich die Menschen kaum mehr auf die Straße wagen, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet, gefoltert und ermordet zu werden. Für die betro enen Menschen hat sich somit wenig verändert. Die Strukturen mit ihren Unterdrückungsmechanismen sind dieselben geblieben und verhindern bewusst Demokratisierungsprozesse. Kaum einer der Konflikte der letzten Dekade ist gelöst. Die Bürgerkriege in Syrien und Jemen dauern an, Libyen versinkt im Chaos, in Afghanistan sind die Menschen den radikal-islamistischen Taliban schutzlos ausgesetzt, die iranische Regierung geht rücksichtslos mit Tausenden von „Freiheit

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ist nichts, was man besitzt ...“

Verhaftungen und sogar vollstreckten Todesurteilen gegen die eigene Bevölkerung vor. Der russische Krieg gegen die Ukraine wird mehr und mehr zur Bewährungsprobe für den Zusammenhalt der Weltgemeinschaft. All diese Konflikte produzieren von Tag zu Tag neues Bild- und Textmaterial für das Archiv Einsdreissig

Parallel zu den globalen politischen Ereignissen ist die digitale Bild- und Informationssteuerung bei Konflikten zu einer immer wichtigeren und stärkeren politischen Strategie geworden, und Regierungen versuchen mit legalen und illegalen Mitteln die Bevölkerung zu beeinflussen, um die eigene Macht zu festigen. Wenn Pressefreiheit eingeschränkt wird, werden meist die sozialen Netzwerke stillgelegt, wird der Zugang zu Websites unterbunden oder das Internet komplett abgeschaltet.

Wenn wir uns fragen, welche Bilder von den vielen revolutionären Ereignissen des vergangenen Jahrzehnts uns heute noch im Gedächtnis geblieben sind und welche Wirkung sie auf uns hatten, so werden wir uns wohl an nur wenige im Detail erinnern. Auch lässt sich die Frage kaum beantworten, ob die medialen Bilder und ihre weltweite Verbreitung politische Entscheidungen nachhaltig beeinflussen konnten oder können. Fülle und letztlich Austauschbarkeit dürften ihnen mittlerweile die aktuelle Wirkkraft nehmen.

Monika Hubers Archiv Einsdreissig wirft damit auch die Frage auf, ob sich in der Gesamtheit der Tausenden von Archivbildern eine grundsätzliche, übergeordnete Ebene erkennen lässt. Einsdreissig findet in jedem Fall sein Analogon in der überreichen kunsthistorischen Ikonographie des Krieges und der Gewalt seit über 2000 Jahren: von den Kriegsszenen auf Tempelgiebeln und -friesen der griechischen Antike bis hin zu den Schlachtendarstellungen der frühen Neuzeit, etwa eines Albrecht Altdorfer, der in minuziöser Malweise die Heere Alexanders des Großen und des Perserkönigs Dareios mit Wimpeln und Standarten schildert; von den Gemälden des Barockzeitalters, die Gräueltaten der biblischen Überlieferung nacherzählen, die mit dem Bethlehemitischen Kindermord weder beginnen noch enden, bis hin zu Francisco de Goyas bis heute einzigartiger Serie von Radierungen, den Desastres de la Guerra (1810–14). Insbesondere die Desastres setzten mit ihren Darstellungen von Gewalt und Kriegsverbrechen, Aufständen und Protesten gegen erlittenes Unrecht geradezu archetypisch Maßstäbe für das Historienbild seit dem 19. Jahrhundert. Auch die moderne und zeitgenössische Kunst führt die Auseinandersetzung mit Bildern des Krieges fort. Verblü ende Verbindungen zu Einsdreissig lassen sich etwa mit der wenig bekannten Kriegsfibel von Bertolt Brecht herstellen, einem Anti-Kriegsbuch, für das der Dramatiker, Lyriker und Theatermacher im dänischen Exil 1944 Kriegsfotos aus Zeitungen zu sammeln begann und diese Bilddokumente mit Versen kommentierte. In diesem Zusammenhang sei auch der libanesische Multimedia-Künstler Rahib Mouré erwähnt, der mit Videomaterial arbeitet, das syrische Zivilisten während der Revolutionsereignisse seit 2011 unter oft dramatischen Umständen mit ihrem Smartphone aufgenommen haben und das zum Teil den eigenen Tod in den sozialen Medien dokumentiert.

In dieser langen Bildtradition steht auch die künstlerische Auseinandersetzung von Monika Huber mit fotografischem Material aus den Mediennachrichten. Obwohl ihr Blick letztlich ein persönlicher ist und aus einer europäischen Erfahrungsperspektive erwächst, bildet ihr Archiv möglicherweise etwas allgemein Menschliches ab. Der sich wiederholende Habitus der Demonstrierenden, die fast ritualisierten, gleichsam choreografierten Reaktionen einer (legitimen oder illegitimen) Staatsmacht, die immer wieder gleichen Zeichen, Symbole und Gesten der Gewalt – all diese unzähligen Bilder, so scheint es, gehen in einer Zeitlosigkeit auf. Dies mag zum einen erschreckend sein, da es die individuelle Handlung relativiert und als eine letztlich vergebliche enthüllt. Zum anderen aber ist es mehr als verständlich, weil sich darin eine zutiefst menschliche Haltung manifestiert. Denn solange Menschen den Planeten bevölkern, wird um den Wunsch nach einer besseren Welt gerungen, um den Wunsch nach Veränderung, Freiheit, Souveränität und Unabhängigkeit. Und es geht gleichzeitig um Orientierung, Beständigkeit und Sicherheit. Zwischen diesen gleich starken, aber auch gegensätzlichen Bedürfnissen gilt es eine Balance herzustellen, immer wieder neu.

Die Philosophin und Publizistin Carolin Emcke formulierte es in ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2016 so: „Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.“ Und weiter sagte sie: „Demokratie ist keine statische Gewissheit, sondern eine dynamische Übung im Umgang mit Ungewissheiten und Kritik.“ (*) In diesem Sinne kann auch Frieden kein Zustand sein. Er wird ein fortwährender Prozess bleiben, der immer wieder neu reflektiert wird und ausgehandelt werden muss.

(*) Carolin Emcke, 2016. Vgl. https://www.friedenspreis-des-deutschenbuchhandels.de/die-preistraeger/2010 -2019/carolin-emcke, abgerufen am 24.11.2022.

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Bernhart Schwenk

Tableau – 294 Szenen von Protest, Widerstand, Gewalt und Krieg

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Auszüge aus dem Archiv Einsdreissig 2011–2022

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Libysche Rebellen kämpfen weiter und nähern sich Tripolis von zwei Seiten, von der Stadt Al-Sawija und der Stadt Slitan. Mehr als 30 Aufständische werden bei den Kämpfen getötet. Nach eigenen Angaben nehmen die libyschen Rebellen die Hafenstadt Brega einschließlich ihrer Raffinerieanlagen ein. Der ehemalige enge Vertraute von Machthaber Muammar

al-Gaddafi und die „Nummer zwei” in der libyschen Führung Abdessalam Jalloud, läuft zu den Rebellen über und setzt sich ins Ausland ab.

80 Libyen 20. August 2011 #160_200811

„Verschwinde, verschwinde“ rufen die Demonstrierenden auf dem Tahrir-Platz nach der Rede des ägyptischen Verteidigungsmininsters Mohammed Hussein Tantawi. Sie fordern lautstark den Rücktritt des Militärrates. Tantawi hat in einer Fernsehrede angekündigt, dass bereits Ende Juni 2012 Präsidentschaftswahlen stattfinden könnten. Während Tantawis

Fernsehansprache geht das Militär in einer Seitenstraße des Tahrir-Platzes mit Gummigeschossen, scharfer Munition und Tränengas rücksichtslos gegen die Demonstrierenden vor. Etwa 35 Menschen sind seit Beginn der Proteste ums Leben gekommen.

87 Ägypten 23. November 2011 #330_231111

In Kairo kommt es vor der Stichwahl der Direktkandidaten für die neun ägyptischen Provinzen erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und den Sicherheitskräften des Militärrates. Ägyptische Soldaten errichten eine Mauer aus Betonblöcken um den Tahrir-Platz, um das angrenzende Regierungsviertel zu schützen und versuchen die Demonstrie-

renden mit Schlagstöcken, Tränengas und auch Schusswa en zu vertreiben. Die Demonstrierenden antworten mit Steinen und Brandsätzen. Es gibt neun Tote und etwa 300 Verletzte. Der Ministerpräsident der Übergangsregierung Kamal al Gansuri bestreitet, dass die Soldaten auf die Demonstrierenden geschossen haben.

88 Ägypten #281_171211 17. Dezember 2011

Ein Foto zeigt wie eine junge Demonstrantin wehrlos am Boden liegt. Sie wird von ägyptischen Sicherheitskräften brutal in Brust und Bauch getreten und mit Schlagstöcken traktiert. Die attackierte Frau wird von den Sicherheitskräften über die Straße geschleift, wobei ihre Kleidung nach oben rutscht und ihr blauer BH sichtbar wird. Daraufhin ergießt sich ein medialer

Shitstorm über die junge Frau, bei dem sie dafür verantwortlich gemacht wird, dass ihr Körper entblößt der Ö entlichkeit gezeigt wurde. Das aggressive Vorgehen der Sicherheitskräfte zielt darauf ab, Frauen von der Teilnahme an Demonstrationen abzuhalten.

89 Ägypten 20. Dezember 2011 #310_201211

In Damaskus wird eine Gruppe von Iranern entführt. Es wird vermutet, dass es sich bei den Entführten um Elitesoldaten der iranischen revolutionären Garden handelt. Teheran widerspricht dem und spricht von der Entführung einer Gruppe von Pilgern. Der Hauptmann der syrischen Revolutionäre zeigt zum

Beweis die Ausweispapiere eines Iraners und beschuldigt den Iran, Assad im Kampf gegen die oppositionellen Revolutionäre zu unterstützen.

96 5. August 2012 Syrien #453_050812

In der Stadt Homs, der Hochburg der Assad-Gegner, gibt es erneut viele Tote und Verletzte. Die Wohnviertel der Stadt werden mit Raketen beschossen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow ist zu Besuch in Damaskus und wird von einer jubelnden Menge von Assad’s Anhängerinnen und Anhän-

gern begrüßt. Im syrischen Fernsehen sagt er: „Syrien braucht Frieden. Eine Lösung muss gefunden werden ohne ausländische Intervention.“(*)

(* ) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts31988.html

92 #423_070212 Syrien 7. Februar 2012

Es ist bereits der sechste Tag der Proteste auf dem TaksimPlatz in Istanbul. Zwei Gewerkschaften rufen zu einem Generalstreik auf. Zehntausende Menschen versammeln sich, um gegen die Politik des türkischen Ministerpräsidenten Recep

Tayyip Erdoğan zu protestieren. Sie fordern, dass die Verantwortlichen für das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen die Demonstrierenden zur Rechenschaft gezogen werden sollen.

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Juni 2013 Türkei
5.

Ukraine

der Regierung, die Aufhebung der Gesetze vom 16. Januar, mit denen das Versammlungsrecht und das Recht auf Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt werden, eine Amnestie für alle unschuldig Inhaftierten und die Einführung der Verfassung von 2004, die dem Präsidenten weniger Macht einräumt. 27. Januar 2014

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Die Lage in der Ukraine ist äußerst angespannt, da die Regierung mit massiver Gewalt, willkürlichen Verhaftungen und auch mit Scharfschützen gegen die Demonstrierenden vorgeht. Auslöser der Proteste auf dem Maidan ist der Beschluss der Regierung vom Ende November 2013 ein Assoziierungsgesetz mit der EU zu kippen. Die Opposition fordert den Rücktritt #564_270114

sisch-orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Dort führten sie auf dem Altar ein „Punk-Gebet“ auf. Gegen die drei Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch wurde anschließend Anklage wegen grober Verletzung der ö entlichen Ordnung erhoben und sie wurden zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Russland

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Mitglieder der Pussy Riot werden während der Olympischen Winterspiele in Sotschi verhaftet und kurz darauf wieder freigelassen. Das 2011 gegründete feministische Punkrock-Kollektiv aus Moskau tritt bei spontanen Protestaktionen in schriller Kleidung und mit Sturmhauben auf. Weltweite Bekanntheit erlangten sie mit ihrem Auftritt am 21. Februar 2012 in der rus18. Februar 2014 #030_180214

Ukraine

gewertet. „Wir stehen am Rande einer Katastrophe“ sagt der Ministerpräsident der Ukraine Arsenij Jazenjuk, und weiter: „Präsident Putin sei auf dem besten Weg einen Krieg zwischen zwei benachbarten, befreundeten Staaten anzuzetteln.“(*) 2. März 2014

(* ) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts47090.html

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Auf Grund der russischen Truppenbewegungen auf der Halbinsel Krim ruft die ukrainische Regierung ihre Armeeangehörigen zur Einsatzbereitschaft auf. Immer mehr russische Soldatinnen und Soldaten werden von Militärfahrzeugen, deren Nummernschilder zum Teil entfernt wurden, auf die Krim gebracht. Diese Militärpräsenz wird von den westlichen Staaten als Aggression #495_020314

In Ost-Jerusalem gibt es gewalttätige Ausschreitungen und Straßenkämpfe zwischen Palästinenserinnen und Palästinensern und der israelischen Polizei. Anlass ist die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher und der Tod des 16-jähriger Palästinensers Mohammed Abu Chedair. Es wird vermutet, dass es sich bei seinem Tod um einen Racheakt

rechtsgerichteter jüdischer Siedler handelt. Die Hamas kündigt Vergeltung an. Es wird eine dritte Intifada befürchtet. Die Situation ist sehr angespannt.

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2. Juli 2014 #049_020714 Israel / Palästina

Zehntausende fordern in Seoul die amtierende Präsidentin Geun-hye Park zum Rücktritt auf. Sie werfen ihr Korruption vor. Park entschuldigt sich, lehnt jedoch einen Rücktritt ab. Die Anhänger:innen Parks protestieren in einer Gegendemonstration, da die Vorwürfe in ihren Augen nicht bewiesen sind.

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#037_191116 19. November 2016 Südkorea

Türkei

kein Foto, das sein Verlassen dokumentiert. Die saudische Regierung weist zuerst die Verantwortung für den grausamen Tod Khashoggis zurück, bestätigt einige Wochen später seine dortige Ermordung. 12. Oktober 2018

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Die brutale Ermordung des saudischen Journalisten und Regierungskritikers Jamal Khashoggi ist der Grund für eine große Medienpräsenz in Istanbul. Dieser betrat vor zehn Tagen das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, um seine Heiratsdokumente abzuholen. Es gibt ein Foto in den Überwachungsaufzeichnungen, das ihn beim Betreten der Botschaft zeigt, aber #458_121018

Bei einem Auftritt vor der Presse verspricht der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó dem Militär Amnestie, wenn es bereit sei, ihn zu unterstützen. Der Machtkampf zwischen Nicolás Maduro und Juan Guaidó geht weiter. Mehrere EU Staaten und die Vereinigten Staaten unterstützen Guaidó. Maduro lehnt das als Einmischung ab und wirft Guaidó Verfassungs-

bruch vor. In Mexiko und in Venezuela finden Demonstrationen für Maduro statt. Militäro ziere unterstützen ebenso Maduro. In Caracas versammeln sich viele Anhänger:innen Guaidós.

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#566_270119 27. Januar 2019 Venezuela

Landesweit beteiligen sich am Aktionstag der „Gelbwesten“ wieder zehntausende Menschen und es kommt erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Polizistinnen und Polizisten. Seit zwölf Wochen dauern die Proteste der „Gelbwesten“ in Paris schon an. Sie richten sich gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und ganz

generell gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron. Nach Angaben der Regierung wurden bei den Protesten bisher schätzungsweise 1.900 Menschen verletzt, darunter etwa 100 schwer, unter anderem durch Gummigeschosse der Polizei.

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2. Februar 2019 #574_020219 Frankreich

Vierter Protestsonntag – trotz eines Demonstrationsverbots versammeln sich Zehntausende am Rande der Minsker Innenstadt, um gegen den Präsidenten Alexander Lukaschenko zu protestieren. Sie beschuldigen Lukaschenko des Wahlbetrugs und fordern seinen Rücktritt. Der zentrale Unabhängigkeitsplatz wird von der Polizei abgeriegelt und mehr als 100 Protes-

tierende werden willkürlich festgenommen. Filmaufnahmen sind verboten, die Internetverbindungen werden immer wieder unterbrochen und das Militär ist mit Panzern präsent. Die Bürgerrechtlerin und Oppositionspolitikerin Maryia Kalesnikawa bittet die Demonstrierenden friedlich zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.

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30. August 2020 #526_300820 Belarus

In Myanmar geht die Polizei mit Wasserwerfern, Gummigeschossen, Schlagstöcken und Inhaftierungen gegen friedlich Demonstrierende vor. Das Internet ist immer wieder unterbrochen. Trotz der Militärpräsenz wagen sich die Menschen auf die Straße, um für die Freilassung der abgesetzten Defacto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und gegen das Mi-

litärregime zu protestieren. Am Vortag sind bei Protesten 107 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Das brutale Vorgehen des Militärs gegen die Demonstrierenden wird international kritisiert.

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28. März 2021 #570_280321 Myanmar

Ortskräfte, die mit ausländischen Staaten all die Jahre in Afghanistan zusammengearbeitet haben, machen auf die Gefahren aufmerksam, denen sie nach Abzug der internationalen Truppen, ausgesetzt sind. Aufgrund ihrer Arbeit bei internationalen Organisationen werden viele von ihnen durch die Taliban mit

dem Tod bedroht. Mitte April 2021 beschloss der NATO-Rat das Ende des militärischen Einsatzes in Afghanistan und damit den Abzug aller internationalen Soldatinnen und Soldaten.

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30. Juni 2021 Afghanistan
#593_300621

Nachdem am Flughafen in Kabul ein Selbstmordanschlag verübt wird, verlassen die Menschen in Panik den Ort. Seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 warten täglich tausende Menschen dort auf eine Chance das Land zu verlassen. Bei den beiden Selbstmordanschlägen am Abbey Gate und im nahe gelegenen Baron Hotel werden viele

afghanische Zivilistinnen und Zivilisten verletzt und getötet, darunter auch dreizehn US-Soldatinnen und Soldaten. Es wird vermutet, dass eine Splittergruppe des Islamischen Staates dafür verantwortlich ist. Anschläge wie diese waren seit Tagen erwartet worden.

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#600_260821 26. August 2021 Afghanistan

In aller Ö entlichkeit verbrennen Frauen im Iran als Zeichen der Solidarität mit Mahsa Amini ihre Kopftücher und klagen die systematische Diskriminierung von Frauen im Iran an. Ihre Wut richtet sich gegen das harte Vorgehen der Sittenpolizei und damit auch gegen die konservativ religiöse Führung ihres Landes. Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini gehen

Hunderte von Menschen auf die Straße. Die junge Iranerin war von der Sittenpolizei festgenommen worden, da sie ihr Kopftuch nicht nach den strengen islamischen Regeln getragen hatte. Sie verstarb daraufhin im Polizeiarrest.

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#665_220922 22. September 2022 Iran

In mehreren russischen Städten protestieren Menschen gegen die Teilmobilmachung und den Krieg gegen die Ukraine. Die russischen Sicherheitskräfte gehen mit sofortigen Verhaftungen gegen Protestierende vor. Landesweit werden etwa 1.400 Personen festgenommen. Die Teilmobilmachung bedeutet, dass etwa 300.000 russische Reservisten zum Militär einge-

zogen werden, um im Krieg gegen die Ukraine zu kämpfen. Viele, vor allem junge Männer reisen deshalb in visafreie Länder aus, um der Einberufung zu entgehen.

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22. September 2022 #662_220922 Russland
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