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4/2016 Einzelpreis EUR 10,-/ Jahresabo EUR 36,-

Das Magazin für Genossenschaften

Was ist drin? Das bringt 2017 für Volksbanken, Ware & Co

Hohe Auszeichnung Warum das Erfolgsmodell Genossenschaft zum Weltkulturerbe wurde

Alle Achtung! Die neue nachhaltige Veranlagung der Volksbank Vorarlberg

Genossenschaftsgipfel Das Wichtigste von den Tagungen in Luzern und Québec


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Kommentar

Mit vereinten Kräften

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ehrere kleine Kräfte vereint bilden eine große, und was man nicht allein durchsetzen kann, dazu soll man sich mit anderen verbinden.“ Dieser Satz von Hermann Schulze-Delitzsch gilt nicht nur für Genossenschaften, er lässt sich auch auf den Österreichischen Genossenschaftsverband und seine Mitglieder umlegen. Die Summe der Mitglieder, in all ihrer Vielfalt, mit ihren unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Zielen, macht den Verband erst aus. Dass dabei nicht immer Einigkeit herrschen kann, ist nichts Ungewöhnliches. Manchmal ist Konflikt sogar nötig, um etwas Neues, Besseres entstehen zu lassen. In der traditionsreichen Geschichte des ÖGV seit 1872 ist es so immer gelungen, einen Interessenausgleich herbeizuführen, von dem letztlich alle Mitglieder profitiert haben. Dieser erfolgreiche Ausgleich steht nun auf dem Spiel. Die Gefahr einer Spaltung ist real. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war das Ergebnis des für 16. Dezember anberaumten außerordentlichen Verbandstags noch nicht bekannt, ganz allgemein lässt sich aber sagen: Nur wenn man das Gemeinsame im Auge behält und auch Verständnis für den anderen Standpunkt aufbringt, wird eine Einigung möglich sein. Das gemeinsame Ziel sollte klar sein: Ein gemeinsamer und effizienter ÖGV, der vorhandene Synergien nutzt und so die optimalen Leistungen bei Revision, Beratung und Interessenvertretung erbringt – sowohl für die Mitglieder der Gruppe Kredit als auch für jene aus dem Bereich Ware und Dienstleistungen –, nützt allen Mitgliedern. Es muss ein Modus gefunden werden, bei dem beide Mitgliedergruppen die von ihnen gewünschten Leistungen so bekommen, dass sie in einer fairen Relation zu den einbezahlten Beiträgen stehen. Nicht vermischen sollte man diese berechtigt geführte Debatte mit der Frage nach den konkret handelnden Personen – denn die kommen und gehen, während der ÖGV bleibt. Auch darf nicht die Macht einzelner Mitgliedergruppen in den Gremien im Vordergrund stehen: Es sollte selbstverständlich sein, dass Entscheidungen stets im größtmöglichen Konsens fallen und von beiden Mitgliedergruppen – sowohl Banken als auch Warengenossenschaften - mitgetragen werden. Ein ungleiches Stimmgewicht und damit ein gegenseitiges Überstimmen führt zu keiner nachhaltigen gemeinsamen Zukunft. In diesem Sinne hoffe ich, dass letztlich doch alle Funktionäre und Mitglieder des Verbandes weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten. Nur dann können wir die lange, erfolgreiche und gemeinsame Tradition auch in der Zukunft fortsetzen.

Heribert Donnerbauer Vorstand des ÖGV

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Inhalt

Inhalt 01 Kommentar: Heribert Donnerbauer 02 Inhalt 03 Editorial 59 Ex Libris

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58 Impressum 64 Anno dazumal 16

Thema

Management

Wirtschaft

04 Wirtschaft 2017

10 Unternehmenskultur

20 Wozu noch Banken?

Anton Schmoll über einen strategischen Erfolgsfaktor für die neuen Volksbanken.

Eine Veranstaltung in den Räumen der Nationalbank hinterfragte das große Ganze.

14 Bankenstruktur

22 Eigenkapital

Eine aktuelle Studie befasst sich mit den Themen Fusionen und Filialoptimierung.

Holger Blisse bricht eine Lanze für die genossenschaftliche Verbundfinanzierung.

16 Alle Achtung!

24 Mitglieder vs.

Wachstum, Investitionen & Co: Was uns im kommenden Jahr erwartet.

06 Volksbanken 2017 Was der Volksbanken-Verbund und seine Partner planen – der große Überblick.

08 Genossenschaften 2017 Vier Ware-Vertreter über aktuelle und künftige Herausforderungen in ihrer Branche.

09 Hohe Auszeichnung Die Genossenschaftsidee startet als UNESCO-Weltkulturerbe ins neue Jahr.

Petra Stieger über die neue nachhaltige Veranlagung der Volksbank Vorarlberg.

18 Verlässlicher Partner Der Volksbanken Versicherungsdienst startet eine große Gewerbe-Offensive.

19 Frischer Look Die neue Werbelinie des Volksbanken-Verbundes besticht mit moderner Optik.

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Shareholder

Zwei neue Bücher befassen sich mit wichtigen Fragen für genossenschaftliche AGs.

26 Neue Genossenschaft Wie die Cargo Hub am Flughafen Wien durchstarten will.


27 Editorial

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International

Kultur

Sport

Chronik

27 Infos von der IGT

38 Abseits ausgetretener

42 Seriensieger

43 Personalia im ÖGV

Die wichtigsten Erkenntnisse der Internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung in Luzern.

Ein Rundgang durch die geschichtsträchtigen Mittelstädte Lübeck, Breslau und Königsgrätz.

Die Volksbank Galaxy Judo Tigers holten heuer ihren fünften österreichischen Meistertitel.

45 Abschluss der Fusionen bei der Volksbank Wien

30 „Power to Act“

40 Advent-Highlight

3.000 Teilnehmer aus 116 Ländern trafen sich zum großen Genossenschaftsgipfel in Québec.

Pfade

57 Ehrungen

Zu Besuch beim genossenschaftlich veranstalteten Salzburger Adventsingen.

32 Einlagensicherung Eine Tagung in Südtirol befasste sich mit den Vor- und Nachteilen eines einheitlichen europäischen Sparerschutzes.

34 Blick nach Fernost Hans-H. Münkner über die aufstrebenden sozialen Unternehmen in Japan, China und Südkorea.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wie Sie bereits anderen Medien entnehmen konnten, herrschte zuletzt unter den Mitgliedern und Funktionären des ÖGV alles andere als Einigkeit. Da es noch nie dienlich war, solche Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen, blenden wir diese Ereignisse im Heft weitgehend aus. Stattdessen blicken wir nach vorn und berichten über das, was 2017 bringt - für Österreichs Wirtschaft, aber im Besonderen für die Volksbanken und ihre Partner sowie für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften des Landes. Einen Wunsch an das Christkind hätte ich aber doch noch: In der ersten „cooperativ“-Ausgabe des neuen Jahres würde ich gern über einen neu aufgestellten, starken und vor allem geeinten ÖGV berichten. Mit den besten Wünschen für ein friedvolles Weihnachtsfest Ihr Günther Griessmair

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Thema

Wirtschaft 2017: Brexit und Trump als Fragezeichen Österreichs Wirtschaft soll im kommenden Jahr laut Prognose um 1,5 Prozent wachsen. Vor allem die Investitionen der Unternehmen dürften sich positiv entwickeln. Aber es gibt auch Unsicherheiten: Wahlentscheidungen in Europa, den Brexit und die Präsidentschaft Donald Trumps. Text: Bernhard Trunner

L

aut Wifo-Schätzung konnte das österreichische Bruttoinlandsprodukt 2016 mit 1,7 Prozent deutlich stärker zulegen als in den Jahren davor. Damit wurde der Wachstumsrückstand gegenüber dem Durchschnitt der Eurozone und zu Deutschland aufgeholt. Einen wesentlichen Beitrag dazu lieferte der private Konsum. Die Steuerreform sowie das aufgrund der Flüchtlingssituation beschleunigte Bevölkerungswachstum sorgten hier für einen Anstieg um 1,5 Prozent. Außergewöhnlich positiv entwickelten sich 2016 gemäß Wifo-Schätzung mit einer Wachstumsrate von 3,4 Prozent auch die Bruttoanlageinvestitionen.

2017 Jahr der KMUs? Für 2017 wird mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent gerechnet. Laut Prognose soll der größte Wachstumsbeitrag von den Investitionen kommen. Unterstützend dürfte hier die staatliche Investitionszuwachsprämie für KMUs wirken: Dabei werden rund 10.000 kleine und mittlere Unternehmen mit insgesamt 175 Millionen Euro gefördert. Auch ein geplantes kommunales Investitionsprogramm zur Modernisierung der Infrastruktur sollte das Investitionswachstum unterstützen. Die Inflation soll wieder auf 1,7 Prozent ansteigen. Zurückführen lässt sich der Anstieg hauptsächlich auf den Rohölpreis, der 2017 annahmegemäß 4

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weiter zulegen dürfte. Wie schon 2016 wird auch 2017 ein weiterer Anstieg der Beschäftigung erwartet, der jedoch nach wie vor nicht ausreicht, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Der Anstieg der Arbeitslosenrate sollte sich jedoch merkbar verlangsamen. Unterstützend für die heimische Wirtschaft dürfte sich der schwache Euro auswirken. Auch die weiterhin niedrige Zinslandschaft sowie günstige Rohstoffpreise sollten tendenziell wachstumsfördernden Einfluss haben. Die Kreditvergabe – sowohl an Unternehmen, als auch an private Haushalte - konnte in der Eurozone seit Jahresmitte um knapp zwei Prozent zulegen. In Österreich ist die Kreditvergabe in der Krise nicht so stark gefallen, nach der Krise daher aber auch nicht wieder so stark gestiegen. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist eher gering.

Umbruch am Strommarkt? Belastend könnte in Österreich allerdings bereits 2017 das Ende des gemeinsamen Strommarktes mit Deutschland wirken: Wegen Netzengpässen soll es ab Mitte 2018 aufgrund des Drängens Deutschlands und Polens keinen gemeinsamen Markt mehr für Österreich und Deutschland geben. Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control und der Betreiber des Hochspannungsnetzes APG haben bereits Beschwerde und Klagen einge-

bracht. Wie sehr diese Ankündigung aber unmittelbar auf die österreichische Wirtschaft wirkt, zeigt die damit in Zusammenhang stehende Unsicherheit bezüglich einer möglichen Investition in Höhe von 300 Millionen Euro der voestalpine in ein Edelstahlwerk in Kapfenberg.

Wahlen vor der Tür Abgesehen davon könnte bereits 2017 ein neuer Nationalrat gewählt werden. Der turnusmäßige Termin wäre zwar erst 2018, doch das würde mit der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs zusammenfallen. Der (Vor-)Wahlkampf würde zwar die Regierungsarbeit belasten, die ökonomischen Auswirkungen sollten aber eher gering sein. Ein Wahlsieg einer populistischen, EU-kritischen Partei könnte jedoch für Verunsicherung in der Wirtschaft und somit auch zu konjunkturellen Einbußen führen. Überhaupt finden in Europa im kommenden Jahr mehrere äußerst relevante Wahlen statt, welche die politische Landschaft gehörig verändern könnten. Im Frühjahr wählen die Niederlande und Frankreich, im Herbst schreitet Deutschland zur Urne. Obwohl es für Prognosen noch zu früh ist, könnten in allen Ländern populistische, europaskeptische Parteien stark zugewinnen und das politische Klima entsprechend verändern.


Thema

4%

2%

0% 2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

-2%

-4%

Das reale BIP-Wachstum in Österreich seit 2007 inklusive Prognose für 2017

Wohin steuert die EU? Die Kohärenz in der EU könnte erheblich geschwächt werden, und separatistische Tendenzen würden wohl zunehmen. Zudem könnte die entstehende Unsicherheit über die Zukunft Europas zu Investitions- und Konsumzurückhaltung führen, was die konjunkturelle Entwicklung schwächen würde. Notwendige Reformen und Weiterentwicklungen würden noch schwerer umzusetzen sein, nationalistische Interessen stärker im Vordergrund stehen. Die wachsende Rolle politischer Risiken für den Wirtschaftsausblick tritt spätestens seit der Euro-Staatsschuldenkrise zusehends zu Tage. Auch das Jahr 2016 wird wohl hauptsächlich durch zwei Urnengänge in Erinnerung bleiben, deren Ausgang so nicht erwartet worden war. Die Auswirkungen sind insbesondere für Österreich noch nicht exakt abschätzbar.

Der Brexit-Schock Im Juni stimmten die Briten überraschend für den EU-Austritt. Doch wie groß sind die ökonomischen Auswirkungen auf die EU und auf Österreich? Das Vereinigte Königreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU. Entsprechend bedeutend ist es als Exportdestination und Herkunftsland für Importe für die restlichen Mitglieder. Längerfristig liegen echte Handelshemmnisse

im Bereich des Möglichen. Außerdem besteht eine enge Verflechtung der europäischen Banken und Versicherungen mit London, was – gemeinsam mit Währungsturbulenzen – europäische Bankbilanzen belasten könnte. Wichtig ist auch, dass Großbritannien trotz des „Britenrabatts“ der drittgrößte Nettozahler in der Union ist. Zum potenziellen Nutzen des Brexit könnte die Verlagerung von Firmensitzen und Produktionsstätten in die Eurozone zählen. Auch die Tatsache, dass die EU ohne ihr größtes Nicht-Euro-Land homogener ist und das Gewicht der Eurozone zunimmt, könnte die zunächst entstandenen ökonomischen Kosten teilweise aufwiegen. Insgesamt gehen die meisten Studien jedoch langfristig von einem eher geringen Effekt auf die Wirtschaft der verbleibenden EU aus. Für Österreich dürften die Auswirkungen auch nicht viel größer ausfallen. Drei Prozent der Exporte gehen nach Großbritannien, wobei es sich vor allem um Maschinen und Produkte der Autozulieferindustrie handelt. Allerdings berücksichtigt der Wert nicht jene Waren, die von anderen Ländern nach Großbritannien geliefert werden und österreichische Vorleistungen und Wertschöpfung enthalten. Für das BIP dürfte der negative Effekt für Österreich 2017 unter 0,1 Prozentpunkten liegen. Wirklich große Auswirkungen hätte der Brexit nur dann, wenn er die europäische Zusammenarbeit insgesamt in Frage stellt.

Der Trump-Effekt Die zweite Überraschung brachte am 8. November die US-Präsidentschaftswahl, die – entgegen fast allen Umfragen – der republikanische Kandidat Donald Trump gewann. Die direkten Auswirkungen auf Österreich dürften auch in diesem Fall eher gering sein, obwohl noch nicht abzuschätzen ist, welche protektionistischen Maßnahmen Trump tatsächlich umsetzt. Knapp sieben Prozent der österreichischen Exporte gehen in die USA. Damit sind die USA der größte Exportpartner außerhalb der EU. Während Unsicherheit prinzipiell nicht förderlich für die konjunkturelle Entwicklung ist, dürfte das in den USA – zumindest kurzfristig – nicht zutreffen. Im Gegenteil: Die von Trump angekündigten – voraussichtlich schuldenfinanzierten – Maßnahmen sollten die US-Konjunktur zunächst unterstützen. Wegen der höheren Verschuldung dürfte sich die Zinswende am internationalen Kapitalmarkt beschleunigen, was auch europäische Investitionen mittelfristig wieder verteuert, gleichzeitig profitiert die europäische Exportwirtschaft vorerst vom aufgewerteten US-Dollar. Die längerfristigen Auswirkungen lassen sich schwer abschätzen. Klar scheint jedoch, dass das geplante Freihandelsabkommen TTIP, von dem Österreich als kleine Exportnation profitiert hätte, in nächster Zeit nicht kommen wird. 

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Thema

Volksbanken 2017: Mit starken Partnern zum Erfolg Gemeinsam mit den Partnern Union Investment, TeamBank, ERGO und start:bausparkasse wollen die Volksbanken auch im neuen Jahr durchstarten. Ein Ausblick.

D

ie Neustrukturierung des Volksbanken-Verbundes ist so gut wie abgeschlossen. 2017 stehen noch die letzten Fusionen in Salzburg, Oberund Niederösterreich an. Die besten Voraussetzungen, um als rein österreichische Bankengruppe mit hoher Beratungskompetenz als Finanzierer am Markt aufzutreten. Gelingen soll dies nicht zuletzt mit der „KMU-Milliarde“. Das Programm zielt auf die Vergabe von Krediten für österreichische Klein- und Mittelbetriebe ab, die das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bilden. Damit besinnt sich die Volksbank auf ihre Wurzeln als Unternehmerbank. Teil der Strategie des neuen Volksbanken-Verbundes ist es auch, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und dort, wo es sinnvoll ist, mit Partnern zusammenzuarbeiten. Auch diese haben sich für 2017 viel vorgenommen.

Mit dem richtigen Anlage-Mix ins Jahr Der Jahresbeginn ist ein guter Zeitpunkt, um sich neu zu sortieren und gute Vorsätze anzugehen - auch im Hinblick auf die eigenen Finanzen. „Wie beim Kochen zeigt sich auch bei der Geldanlage immer wieder, dass die richtige Mischung den Unterschied macht. Denn nur auf vermeintlich sichere Anlageformen zu setzen, bringt in Zeiten historisch niedriger Zinsen kaum nennenswerte Erträge. Und ausschließlich auf chancenreichere An6

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lageformen wie Aktien zu bauen, birgt zwar attraktive Chancen, ist aber auch mit marktbedingten Kursschwankungen verbunden“, erläutert Marc Harms, Landesdirektor Österreich bei Union Investment. Die Lösung liegt für ihn in einer ausgewogenen Mischung aus verschiedenen Anlagemöglichkeiten: „Investmentfonds - insbesondere Vermögensmanagement-Produkte, die flexibel auf verschiedene Anlageklassen, -formen und -märkte setzen - bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Strukturierung des Vermögens.“ Unter dem Motto „Kommen Sie auf den Geschmack einer ausgewogenen Vermögensstruktur“ lädt Union Investment gleich zum Jahresbeginn gemeinsam mit den Partnerbanken aufmerksamkeitsstark zum Vermögens-Check ein. Dabei gehen Berater und Kunde die individuelle Vermögenssituation durch und leiten etwaigen Handlungsbedarf ab. Den Banken stellt Union Investment rund um den Vermögens-Check ein umfangreiches Paket für Akquise, Filialausstattung und Kundenberatung an die Seite. Auch der aus der großen Fondsspar-Kampagne im Herbst bekannte, aufmerksamkeitsstarke Sparstrumpf wird 2017 wieder dabei sein. Ein weiterer wichtiger Aufhänger in der Kundenansprache und -beratung soll die Umschichtung überschüssiger Liquidität in erfolgversprechendere Anlageformen sein. Denn trotz derzeit verschwindend geringer Erträge bei verzinslichen Anlageformen setzen österreichische Anleger noch immer größtenteils auf Sparkonto und Co. - weit über das sinnvolle Maß eines Notgro-

schens hinaus, ist man bei Union Investment überzeugt.

Noch einfacher zum Konsumkredit „Kunden erwarten in einer digital vernetzten Welt nicht nur kompetente Beratung und faire Produkte von ihrer Bank, sie muss auch jederzeit und auf jedem Kanal erreichbar sein. Der faire Credit gibt für das Liquiditätsmanagement die passenden Antworten und stellt faire und innovative Lösungen vor, die das veränderte Kundenverhalten aufgreifen und für die genossenschaftliche Welt adaptieren“, so Andreas Sedlmaier, Leiter der TeamBank-Niederlassung Österreich. Zu Beginn des Jahres steht bei der TeamBank die Gewinnung von Neukunden im Fokus: Ein attraktives Festangebot unterstützt die Kundenansprache und ermöglicht es den Interessenten, den „fairen Credit“ kennenzulernen. Im Sommer erhalten dann bestehende Kunden mit dem bekannten Exklusiv- und Spezialangebot die Möglichkeit, ihre Finanzierung zu optimieren. „Auf diese Weise kann die Volksbank die Kundenbindung steigern und ihr Bestandsgeschäft ausbauen“, so Sedlmaier. Im Herbst will die TeamBank dann den bereits erprobten Wechselvorteil in den Fokus rücken. Mit dem Beratungsangebot Dispositionskredit und der verkürzten Bestellstrecke erhalten jene Kunden, die dauerhaft einen Dispokredit nutzen, eine kostengünstigere Alternative, wel-


Thema

che alle Aspekte des Verbraucherschutzes berücksichtigt und obendrein einfach umgesetzt werden kann. So bleibt mehr Vertriebszeit für die Beratung durch den einfachen und schlanken Prozess sowie die Chance, Kunden früh zu begeistern und langfristig für Folgeberatungen zu binden. Ein geeignetes Instrument zur Kundenbindung stellt auch die neue Finanzreserve dar: Kunden erhalten dabei einen zusätzlichen finanziellen Freiraum von bis zu 15.000 Euro, über den sie frei verfügen können. So gewinnen sie Planungssicherheit, falls sie unerwartete Mehrkosten bei einem Umzug treffen oder neben dem Autokauf plötzlich auch noch die Waschmaschine erneuert werden muss. „Die Finanzreserve ist ein Beitrag zum risikobefreiten und verantwortungsvollen Liquiditätsmanagement und sichert gleichzeitig den Bestand der Partnerbank durch die Option zur Nachfinanzierung“, so Sedlmaier. Neuerungen gibt es auch bei Beratung und Kundenservice: Die TeamBank plant für 2017, die bisherigen Kontaktkanäle um Videoberatung, Online-Chat und Live-Support zu erweitern.

Verlässlichkeit in Versicherungsfragen Seit nunmehr knapp 30 Jahren kooperiert ERGO im Versicherungsgeschäft mit den Volksbanken. Das Unternehmen zählt in Österreich zu den größten Versicherungsgruppen und ist Teil der ERGO Group mit Sitz in Düsseldorf, die in über 30 Ländern vertreten ist. Rund 43.000 Menschen arbeiten weltweit als angestellte Mitarbeiter oder als hauptberuflich selbstständige Vermittler für die Gruppe, 700 davon in Österreich. Der Erfolg hierzulande kann sich sehen lassen: ERGO wurde 2016 bereits zum zweiten Mal in Folge zum „Service-Champion“ in der Branche der Versicherungen gekürt und konnte die Bewertung gegenüber dem Vorjahr sogar noch steigern. Bei dieser Untersuchung wurde das erlebte Kundenservice

anhand von Beurteilungen bewertet. Insgesamt hat man dafür rund 55.000 österreichische Kunden zur Servicezufriedenheit mit 193 Unternehmen aus 25 Branchen befragt. Diese Auszeichnung bestätigt die hohe Produkt-, Beratungs- und Servicequalität bei ERGO, die täglich von den Mitarbeitern gelebt wird. Vom hohen Qualitätsanspruch profitieren sowohl die Kunden als auch die Vertriebspartner wie die Volksbanken. „Wir als ERGO Versicherung wollen zufriedene Kunden, die wissen, dass sie sich auf ERGO verlassen können. Wir sehen Verlässlichkeit als Grundlage unserer täglichen Arbeit. So legen wir bereits im internen Umgang großen Wert darauf. Davon profitieren natürlich die Kunden“, so Josef Adelmann, Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung. Ein weiterer Beleg für den Erfolg von ERGO: Die Studie der Gesellschaft für Verbraucherstudien „Kfz-Versicherer 2016“ hat 15 Versicherer untersucht, um zu bestimmen, wer das beste Gesamtpaket für die österreichischen Autofahrer bietet. Bei den Tarifen konnte ERGO vor allem bei der Kfz-Haftpflichtversicherung aufzeigen: In allen durchgerechneten Szenarien der Studie hatte die ERGO Kfz-Haftpflichtversicherung das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Vollkasko-Tarif bekommt in der Studie den guten zweiten Platz. Ebenfalls besonders positiv fiel der E-Mail-Support auf, der als „vorbildlich“ bewertet wurde. 2017 will man diesen bewährten Weg fortsetzen.

Warum Bausparen immer modern ist Auch nach dem nun abgeschlossenen Verkauf an die BAWAG P.S.K.Gruppe bleibt die start:bausparkasse Partner des Volksbanken-Verbundes. Die Produkte sind österreichweit in allen Filialen erhältlich. Dabei ist Bausparen modern wie eh und je: Studien zeigen immer wieder, dass die Österreicher ihre Ersparnisse am liebsten in Bausparverträge und in Immobilien stecken. Die zeitlose Beliebtheit des traditionellen

Bausparens hat viele Gründe, wie man bei der start:bausparkasse weiß. Bausparen punktet durch seine sicheren, berechenbaren Erträge nach Ende der sechsjährigen Laufzeit. Zudem gilt für Bauspareinlagen die gesetzliche Einlagensicherung. Auch bei den Darlehen gibt es aufgrund der kostenlosen Zinssatzobergrenze von bis zu 20 Jahren Planungssicherheit. Wer einen Bausparvertrag abschließt, legt zugleich den Grundstein für sein Eigenheim, denn er erwirbt damit auch das Anrecht auf ein Bauspardarlehen. Das österreichische Bausparsystem trägt maßgeblich zur Leistbarkeit des Wohnens bei und spielt damit eine wichtige gesellschaftliche Rolle, denn die von den Bausparkassen verwalteten Spareinlagen fließen in Form von Darlehen ausschließlich in den österreichischen Wohnbau, in Bildung oder Pflege. Dieses Erfolgsmodell habe sich seit mehr als 90 Jahren bewährt. Und die Bausparveranlagung werde auch in Zukunft verlässliche Renditen bieten. Das Bauspardarlehen stehe für langfristige Leistbarkeit der monatlichen Raten - auch bei langen Laufzeiten, die für große Bauvorhaben manchmal nötig seien, ist man bei der start:bausparkasse überzeugt. „Im Durchschnitt zahlen Herr und Frau Österreicher etwa 25 Jahre lang ein Wohnbaudarlehen zurück. Während eines solchen Zeitraumes kann sich Vieles tun. Man trennt sich, verliebt sich neu, bekommt Kinder, wird krank, wieder gesund und entscheidet sich für einen neuen Job. Die start:bausparkasse passt sich den Veränderungen an und findet individuelle Lösungen für jede Lebensphase“, heißt es bei der start:bausparkasse. „2015 betrug die Bausparprämie laut Arbeitsforum österreichischer Bausparkassen 52,3 Millionen Euro. Setzt man diese staatliche Förderung in Relation zur ausgelösten Finanzierungsleistung von fast 2,7 Milliarden Euro, zeigt sich, dass die finanziellen Mittel, welche die Bausparkassen dem österreichischen Wohnbau zur Verfügung stellen, das 50-Fache der vom Staat eingesetzten Prämie betragen. Damit ist Bausparen die effizienteste Form der Wohnbauförderung.“ 

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Thema

Genossenschaften 2017: Die Trends bei der Ware In einem sind sich alle einig: Das neue Jahr bringt große Herausforderungen für Österreichs Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Wir haben vier Vertreter um ihren ganz persönlichen Ausblick gebeten.

Elektrohandel: Ausbildung als Erfolgsrezept

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ir sehen uns im Elektrohandel permanent mit Herausforderungen konfrontiert, das gilt auch für 2017. Die Margensituation in unserer Branche Alexander Klaus, ist schwierig, und die Entwicklung im Red Zac Online-Bereich trägt nicht dazu bei, die Ertragslage für den stationären Handel zu verbessern. Deshalb haben wir uns im Interesse unserer Mitgliedsbetriebe und unserer Marke intensiv mit dem Thema Online-Handel auseinandergesetzt und ein für uns passendes Vertriebskonzept entwickelt. Mit unserem Click&Collect-System sind wir in Österreichs Elektrohandel führend bei der Anzahl der möglichen Abholshops. Trotzdem erwarten wir auch stationär in allen Warensegmenten eine stabile Umsatzentwicklung. Die Anzahl der Mitgliedsbetriebe ist weitgehend konstant, Abgänge, etwa durch Schließungen, können durch Zugänge kompensiert werden. Ein großes Augenmerk richten wir auf das Thema „Internet of Things“: Durch die immer populärer werdende Vernetzung der Geräte und die unkomplizierte Steuerung über Apps bieten sich dem Konsumenten komfortable Möglichkeiten der Programmierung der Fernbedienung bis hin zum Informationsaustausch zwischen Gerät und Nutzer. Diese Technik wird in wenigen Jahren zum Standard in jedem Haushalt gehören. Einen weiteren Schwerpunkt wollen wir 2017 mit unserer Red-Zac-Akademie setzen. Diese ist eine interne Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit für Mitarbeiter und Unternehmer und bietet geförderte Schulungen und Seminare mit erstklassigen Trainern an. 8

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Sportartikel: Qualität schlägt Preis

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er österreichische Sportmarkt war in den letzten Jahren stark in Bewegung. Die Übernahme von Sport Eybl bzw. von Sports Experts durch den briHolger Schwarting, tischen Diskonter Sports Direct hat viel SPORT 2000 verändert und den Prozess der Marktsegmentierung in Qualitätsanbieter einerseits und Preisanbieter andererseits beschleunigt. SPORT 2000 hatte sich bereits vorher klar als Qualitätsanbieter positioniert. Das Geschäftsmodell mit einer schlanken Zentrale und regional gut verankerten Fachhändlern mit hoher Beratungskompetenz birgt hohes Entwicklungspotenzial. Durch die Weiterverfolgung der Qualitätsstrategie, den sukzessiven Ausbau der Markenbekanntheit sowie die Umsetzung der Multi-Category-Specialists-Konzepte in den Bereichen Laufen, Outdoor, Teamsport, Bike und Winter wollen wir noch schlagkräftiger werden. Mit dem Ausbau der Spezialistenkonzepte reagieren wir auf die aktuell nicht gestillte Nachfrage der Qualitätskunden vor allem im städtischen Bereich. Die Einführung des „digitalen Ladentischs“ in den Geschäften mit Anbindung an das Großhandelssortiment war ein wichtiger Schritt, der die Online- und Offline-Einkaufswelt verbindet. Die Globalisierung verändert den Sportmarkt weiter: Es ist zu erwarten, dass weitere ausländische Handelsketten in den österreichischen Markt eintreten. In diesem Umfeld wird es zunehmend wichtiger, Teil eines großen Verbundes zu sein. Wir bieten durch die Zugehörigkeit zu SPORT 2000 International und als Genossenschaft die idealen Voraussetzungen, um in dieser globalen Welt als nationaler Verbund Vorteile für die Händler realisieren zu können. Aber auch positive Impulse beeinflussen den Markt: Die Sportausgaben der Österreicher sind auf hohem Niveau stabil, Sport hat einen festen Platz in der Gesellschaft, und Megatrends wie Gesundheit, Nachhaltigkeit und die konsumfreudige sogenannte Silver Society geben positive Impulse. Wir blicken einer spannenden Zukunft entgegen, in der wir aber auch in unserer Struktur gefordert sind, eine neue Balance zwischen der Stärke des lokalen Händlers sowie einer starken und international vernetzten Zentrale zu finden.


Thema

Bäcker: Gemeinsam gegen die Konkurrenz

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rotz herausfordernder Entwicklungen in der Backbranche (Backstationen im Lebensmittelhandel und im Diskont sowie weiFranz Reischl, BÄKO tere zu erwartende Betriebsschließungen aufgrund des Strukturwandels) plant die BÄKO-Österreich, ihr Marktpotential weiter auszuschöpfen. Die Investitionen aus der Vergangenheit in eine sehr leistungsfähige Lebensmittellogistik sowie in hohe Qualitätsstandards helfen uns jetzt, den immer strengeren Anforderungen verschiedener Marktteilnehmer gerecht zu werden. Die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen auch unter sehr volatilen Marktentwicklungen sowie die verlässliche Belieferung unserer Mitgliedsbetriebe mit einem breiten, auf die Anforderungen der unterschiedlichen Betriebsgrößen ausgerichteten Sortiment ermöglichen die Bündelung des Wareneinkaufs bei der BÄKO und damit verbunden auch entsprechende Zeit- und Kosteneinsparungen. Unsere Dienstleistungen passen wir laufend den aktuellen Bedürfnissen an. Sie werden dadurch auch gerne von unseren Mitgliedsbetrieben angenommen.

Tischler: Auftragsbücher gut gefüllt

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achdem wir als lagerführende Einkaufsgenossenschaft für den Tischler- und Zimmererbereich Markus auf ein zufriedenstellenScheffknecht, des Jahr 2016 zurückblicken Tischler Rohstoff dürfen, erwarten wir auch im neuen Jahr eine gute Auslastung im Handwerk. Die Auftragsbücher der meisten Betriebe sind nicht zuletzt aufgrund interessanter Exportaufträge gefüllt. Das Vorarlberger Holzhandwerk erfreut sich über die Grenzen hinaus zunehmender Beliebtheit. Aktuell sind unsere Kunden wie auch wir mit einem starken Fachkräftemangel konfrontiert, was unserer Branche das tagtägliche Arbeiten in allen Bereichen erschwert und uns vor große Herausforderungen für die Zukunft stellt. 2017 planen wir, unseren Vertrieb zu fokussieren und zielgerichteter aufzustellen. Dazu werden wir Büros neu strukturieren, Aufgabengebiete verändern und ein Online-B2B-Shopprojekt starten, um den Anforderungen unserer Kunden für die Zukunft gewachsen zu sein.

Genossenschaften starten als Kulturerbe ins Jahr

Hohe Auszeichnung für die Arbeit der Genossenschaften und ihrer Mitglieder auf der ganzen Welt: Die UNESCO hat die Genossenschaftsidee zum Immateriellen Weltkulturerbe erhoben. Dieser Schritt ist Anerkennung und Auftrag zugleich. Text: Günther Griessmair

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ie einstimmige Entscheidung fiel bei der jüngsten Jahrestagung des Weltkulturerbe-Komitees der UNESCO in Addis Abeba. Mit der Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes verpflichten sich die 171 Mitgliedsstaaten zur Förderung der Genossenschaft. „Eine Genossenschaft ist eine freiwillige Vereinigung von Menschen mit gleichen Interessen, die individuelles Engagement und Selbstbewusstsein fördert“, erklärte die UNESCO. Sie begründete ihre Wahl damit, dass die Genossenschaft eine allen offen stehende Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation sowie ein Modell der kooperativen Selbsthilfe und Selbstverantwortung sei. Das Modell fördere die soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation, indem Mitglieder durch den Erwerb von Anteilen zu Miteigentümern würden. Der Antrag zur Aufnahme in die UNESCO-Liste wurde von der Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft, die das Deutsche Genossenschaftsmuseum im sächsischen Delitzsch betreibt, und der deutschen Raiffeisen-Gesellschaft gestellt. Die Schutzwürdigkeit der Genossenschaftsidee wurde dabei unter anderem mit der „drohenden Verwässerung genossenschaftsrechtlicher Inhalte” und der weiteren Angleichung an die Rechtsform der Kapitalgesellschaften begründet. Zudem sei die Bewahrung genossenschaftlicher Prinzipien durch den „sinkenden Bekanntheitsgrad innerhalb der jüngeren Bevölkerung“ bedroht. Im Antrag wird betont, dass wichtige Grundsteine für die Genossenschaft Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen gelegt wurden. Bereits zuvor hatte es Initiativen in Frankreich und England gegeben, etwa durch die Redlichen Pioniere von Rochdale. In Österreich wurde 1872 nach dem Vorbild von Schulze-Delitzsch der Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, der Vorläufer des ÖGV, gegründet. Ein Jahr später trat das Genossenschaftsgesetz in Kraft. Heute wirtschaften in Österreich rund 1.800 Unternehmen in dieser Rechtsform – ob als Kredit-, Konsum-, Wohnbau-, landwirtschaftliche oder gewerbliche Genossenschaften. Weltweit sind rund 800 Millionen Menschen in Genossenschaften organisiert. 

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Management

Die neuen Volksbanken: Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor Aus vielen kleinen Banken entsteht derzeit ein neuer Verbund mit acht regionalen Volksbanken. Für diese ist es von strategischer Bedeutung, eine gemeinsame Unternehmenskultur zu entwickeln. Nur so können sie im Wettbewerb bestehen. Als Herzstück bietet sich dabei das genossenschaftliche Wertesystem an. Text: Anton Schmoll

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n den letzten Monaten wurden wichtige Weichenstellungen für die Neuausrichtung des Volksbanken-Verbundes vorgenommen. Ein zentrales Element der Strategie bilden die Fusionen zu acht schlagkräftigen Regionalbanken. Durch diese neue Struktur wird ein starkes und solides Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft gelegt. Zweifelsohne zählen Fusionen im Bankbereich zu den sensibelsten Aufgaben. Man muss sich stets darüber im Klaren sein, dass jedes der beteiligten Institute seine eigene Vergangenheit hat, die man nicht von heute auf morgen über Bord werfen und vergessen kann. Die Verschiedenartigkeit der bisher zurückgelegten Wegstrecke ist unter anderem auf unterschiedliche historische Entwicklungen, regionale Besonderheiten, Organisationsstrukturen und Abläufe zurückzuführen. Das Wichtigste 10

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aber ist: Jedes der beteiligten Institute hat seine eigene unverwechselbare Unternehmenskultur. Man darf daher eine Bankfusion nicht nur unter rechtlichen, betriebswirtschaftlichen oder organisatorischen Aspekten betrachten. Die Erfahrung zeigt, dass die von der Zusammenführung betroffenen Menschen eine wichtige Einflussgröße auf den Erfolg bilden. Ihr Verhalten, ihre Einstellungen sowie ihre Denk- und Werthaltungen sind für Erfolg oder Misserfolg des Unterfangens von zentraler Bedeutung. Eine Fusion ist nämlich mehr als die bloße Addition von Bilanzen. Bereits der Terminus „Fusion“ weist in diese Richtung. Er stammt aus dem Lateinischen: Fusio bedeutet „gießen“, „schmelzen“. Es geht um die Verschmelzung zweier oder mehrerer Institute, wodurch nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch qualitativ etwas

Neues entsteht. Wie bei der Kernfusion in der Physik sollen bei einer Bankfusion neue Energien gewonnen werden. Durch die Zusammenführung mehrerer kleiner Volksbanken soll eine neue Regionalbank entstehen - mit einem neuen Profil, einer neuen Identität und einer neuen Unternehmenskultur.

Unternehmenskultur als Faktor im Wettbewerb Die Beschäftigung mit Fragen der Unternehmenskultur ist keine Sozialromantik, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Denn die Möglichkeiten der Profilierung am Markt (bedeutet: sich als Bank ein unverwechselbares Profil zu geben) sind heute begrenzt. Das Bankangebot ist homogener und austauschbarer geworden. Darüber hinaus ist die Reaktionsgeschwindigkeit der Konkurrenten bei neuen Finanzproduk-


Management ten enorm hoch. Auch den Gestaltungsspielräumen bei der Preispolitik sind aufgrund der betriebswirtschaftlichen Zwänge Grenzen gesetzt. Damit ist klar: Fehlt eine deutliche Produkt- und Preisdifferenzierung im Verhältnis zur Konkurrenz, dann verschiebt sich die Kundenbewertung hin zur empfundenen Qualität der persönlichen Betreuung und Beratung. Vor diesem Hintergrund sollte der Genossenschaftsgedanke zu einer wichtigen strategischen Erfolgsposition der Volksbanken ausgebaut werden. Es gilt, die Werte und Alleinstellungsmerkmale der neuen Volksbanken für den Kunden erlebbar und spürbar zu machen und so im Wettbewerb eine „unique selling proposition“ (USP) zu schaffen. Neben Strukturen, Instrumenten und Prozessen ist der Erfolg am Markt letztendlich von den in einer Bank handelnden Menschen abhängig. Die Kultur ist somit der gleichsam ungeschriebene Verhaltenskodex und zeigt sich in der Art und Weise, » wie man den Kunden gegenübertritt, » wie Beratungs- und Verkaufsge spräche geführt werden, » wie ausgeprägt die Servicequalität in der Bank ist, » wie in der Bank gearbeitet wird und » wie man in der Bank miteinander umgeht. Eine erfolgsunterstützende Unternehmenskultur ist somit der Geist und Stil, der in der Bank vorherrscht und ihr ein besonderes Profil verleiht.

Herzstück: Sichtbar gelebtes Wertesystem Zukunftsvorstellungen sind untrennbar mit Wertvorstellungen verbunden. Das Fundament einer starken Unternehmenskultur ist daher ein sichtbar gelebtes Wertesystem. Mit konkreten Werthaltungen soll eine Grundorientierung in eine bestimmte Richtung ausgedrückt werden. Klare Wertmaßstäbe führen zu einer kulturellen Grundausrichtung in der Bank. Sie tragen dazu bei, den Mitarbeitern einen „Kompass“ in die Hand zu geben und ihre Aktivitäten in die richtige Richtung zu lenken. Werte sind Signale. Durch ihre Orientierungsfunktion signalisieren sie, was

wünschenswert ist und was angestrebt wird. Sie kennzeichnen, was in einer Bank als wichtig und wertvoll angesehen wird. Besonders seit der Finanzmarktkrise hat die öffentliche Auseinandersetzung mit Fragen der Werthaltung wieder stark an Bedeutung gewonnen. Denn die Finanzkrise war auch eine Krise der Orientierung. Eine werteorientierte Unternehmenspolitik wird somit heute zu einem wichtigen strategischen Erfolgsfaktor am Markt. Für Vorstände und Führungskräfte in Volksbanken genügt es daher nicht, sich nur mit Fakten und Zahlen auseinanderzusetzen. Gefragt und gefordert ist auch die bewusste Auseinandersetzung mit Fragen der Werthaltungen.

Zentrale Werte bei den Volksbanken In der neuen Struktur der Volksbanken müssen die genossenschaftlichen Grundprinzipien nicht über Bord geworfen werden: Auch die neuen Regionalbanken beruhen schließlich auf den Grundwerten der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Diese genossenschaftlichen Ideen haben nach wie vor uneingeschränkte Gültigkeit. Gemeinsam mit weiteren genossenschaftstypischen Leitgedanken wie Freiwilligkeit oder Demokratie bilden sie den „kulturellen Kern“ der Volksbanken. Aufbauend auf diesem Wertefundament liegt es nun am Vorstand der einzelnen Regionalbank, einen für sein Institut spezifischen genossenschaftlichen Wertekanon zu entwickeln. Im Folgenden soll daher auf einige Wertkategorien näher eingegangen werden, die für die Profilierung der Volksbanken von zentraler Bedeutung sind.

Banken passieren kann. In diesem Zusammenhang hat bereits Robert Bosch festgestellt: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“ So wie bei jeder zwischenmenschlichen Beziehung bildet Vertrauen das Fundament einer jeden Kundenbeziehung. Was der Kunde sucht, ist in erster Linie nicht nur die Bankleistung, sondern das dahinterstehende Vertrauen in die Bank und zum Bankmitarbeiter. Vertrauen bedeutet, sich auf den anderen verlassen zu können – dass man auch in schwierigen Zeiten einen Wegbegleiter hat, auf den man zählen kann. Zerlegt man den Begriff „Vertrauen“, so wird deutlich, dass es dabei auch darum geht, sich etwas zu trauen. Im Kreditgeschäft („credere“) wird dies beispielsweise deutlich sichtbar: Die Bank traut sich, einem Unternehmer Kredit zu geben, und vertraut darauf, dass das Geld auch wieder zurückbezahlt wird. Umgekehrt soll der Unternehmer der Bank seine Unterlagen und Pläne anvertrauen. „Vertrauen verbindet“ ist aber nicht nur eine Botschaft nach außen in den Markt, sondern auch nach innen in die Bank. So ist Vertrauen ein wichtiger Schlüsselfaktor in der Führung. Denn wenn man seinen Mitarbeitern nichts zutraut, werden sie sich über kurz oder lang auch nichts trauen und nicht selbstverantwortlich handeln. In diesem Zusammenhang hat Paul Watzlawick treffend festgestellt: „Wer seinen Mitarbeitern vertraut, wird gelegentlich enttäuscht werden. Wer ihnen misstraut, wir mit Garantie hineingelegt werden.“

„Vertrauen verbindet“ als Basis Als äußeres Zeichen des neuen Volksbanken-Verbundes steht der Slogan „Vertrauen verbindet“ - eine zentrale Botschaft. Wie wichtig dieser Wert ist, hat man in der Finanzmarktkrise deutlich gesehen: Denn wir hatten nicht nur eine Finanzkrise, sondern im Kern eine Vertrauenskrise. Vertrauensverlust ist das Schlimmste, was den cooperativ 4/16

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Management

Vertrauen ist das Grundelement in der Bank, das die Organisation am Laufen hält. So ist beispielsweise für die gedeihliche Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen (z. B. Markt und Marktfolge) ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen eine wichtige Grundvoraussetzung.

Verwurzelung in der Region Seit jeher haben sich die Volksbanken als Regionalbanken verstanden. Auch die neue Struktur ermöglicht eine starke regionale Verankerung. Denn die neuen Banken haben noch eine Größe, die es erlaubt, weiterhin nah am regionalen Markt und nah am Kunden in der Region zu sein. Die Mitarbeiter in den Bankstellen leben dort, wo ihre Kunden leben. Sie kennen also die Menschen und die Betriebe sowie die Besonderheiten der regionalen Wirtschaft. Seit über 100 Jahren sind die Volksbanken die „finanzwirtschaftlichen Nahversorger“ in ihrer Region. Und auch heute stehen die neuen Regionalbanken zu ihrer Verantwortung für die regionale Wirtschaft. Getreu dem Motto „Geld aus der Region – Geld in die Region“ unterstützen die Volkbanken den regionalen Wirtschafts- und Geldkreislauf: Die Einlagen der Kunden dienen der Fi12

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nanzierung der Unternehmen sowie der privaten Haushalte in der Region. Und ganz wichtig: Die Entscheidungen werden nicht in einer fernen Zentrale getroffen, sondern „vor Ort“. Dies garantiert zum Beispiel bedarfsorientierte und rasche Kreditentscheidungen unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten. Ihrer regionalen Verwurzelung entsprechend werden die neuen Regionalbanken wohl unterschiedliche Schwerpunkte und Serviceleistungen aufweisen, sie spiegeln damit die Besonderheiten der jeweiligen Regionalstruktur wider. Auf diese Weise leisten die neuen Volksbanken einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze und damit zum Wohlstand in den Regionen.

Strategie für Mitgliederorientierung Die Mitgliedschaft ist das zentrale Element des genossenschaftlichen Geschäftsmodells und bildet auch das Fundament der Genossenschaftsbanken. Sie ist ein strategisch wichtiges Alleinstellungsmerkmal, denn keine andere Bankengruppe hat Mitglieder und wird von diesen getragen. Fundamental für die genossenschaftliche Organisationsform ist weiters das Identitätsprinzip: Demnach sind die Eigentümer einer Genossenschaftsbank immer auch deren Kunden. Anstelle kurzfristiger Gewinnorientierung können Genossenschaftsbanken daher ihre Geschäftspolitik auf die nachhaltige Förderung ihrer Mitglieder ausrichten. Angesichts dieser strategischen Bedeutung des Mitgliedergedankens sind die Geschäftsleiter der Volksbanken gefordert, für eine zeitgemäße Umsetzung des genossenschaftlichen Förderauftrags zu sorgen. Dabei muss es gelingen, den Wert der Mitgliedschaft deutlich sichtbar und spürbar erlebbar zu machen. Die zentralen Fragen „Was habe ich davon, wenn ich Mitglied bei einer Volksbank bin?“ und „Welche Vorteile

ergeben sich für mich daraus?“ müssen konkret beantwortet werden. Somit steht jede Volksbank vor der Herausforderung, aufbauend auf ihrer regionalen Besonderheit und ihrer spezifischen Ausgangssituation eine bankindividuelle Mitgliederstrategie und ein spezielles Mitgliedermehrwertprogramm zu entwickeln.

Die genossenschaftliche Kundenpartnerschaft In ihrem Leitbild haben die österreichischen Volksbanken die Vision formuliert, die Nummer eins in der Kundenpartnerschaft zu sein. Die Basis dazu ist eine spürbare Nähe zum Kunden. Das wiederum ist eine echte Chance für eine wirkungsvolle Profilierung am Markt. Denn gerade regionale Volksbanken haben durch ihre örtliche Verwurzelung und ihre Kenntnis der regionalen Verhältnisse die besten Voraussetzungen für tatsächliche Kundennähe. Dabei bedeutet „Nähe am Kunden“ räumliche (Zweigstellendichte), persönliche (fester Ansprechpartner) und zeitliche (Internet-Banking) Nähe. Aufbauend auf dieser Kundenähe sollte eine echte Kundenpartnerschaft entwickelt werden. Die Volksbanken orientieren sich im Idealfall konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kunden und achten darauf, dass der Kunde Produkte und Leistungen individuell und differenziert nach seinen Wünschen erhält („genossenschaftliche Beratung“). Diese individuelle Leistungserstellung soll durch die persönliche Bindung zwischen Kunde und Bank verstärkt werden. Das bedeutet, dass der Kunde seine Beratungs- und Serviceleistungen immer von demselben Betreuer erhält, wodurch eine persönliche Beziehung entsteht. Für das Prinzip der Kundenpartnerschaft gelten daher folgende wichtige Leitlinien:


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» Konzentration auf langfristige Kundenbindung anstelle von Pro duktorientierung » Kontinuierlicher Kundenkontakt statt anlassbezogener Aktionen » Betonung des Kundennutzens bei den Angeboten anstelle der Produktausstattung

Qualitäts- und Serviceorientierung In enger Verbindung mit der Kundenpartnerschaft stehen die Qualitätsund Serviceorientierung. Qualitätsstreben sowie Qualitätsführerschaft als Ziel bilden ein wichtiges Fundament für eine erfolgreiche Genossenschaftsbank. Im hier behandelten Zusammenhang ist sicher die „mitarbeiterbezogene Qualität“ von größter Relevanz. Sie ist Ausdruck einer gelebten Unternehmenskultur und wird in der Beratungsqualität, der kommunikativen Qualität sowie der menschlichen Qualität deutlich sichtbar. Die Beratungsqualität zeigt sich einerseits in der Fachkompetenz des Betreuers und andererseits in der ganzheitlichen Beratung. Einfach formuliert: Der Kunde muss spüren, das er genau das bekommt, was er wirklich braucht. Neben dieser fachlichen Qualität spielen im Kundenkontakt die kommunikative und menschliche Qualität eine zentrale Rolle: „Banking is people“ gilt auch in Zeiten der Digitalisierung. Im Mittelpunkt des Bankgeschäfts steht der Mensch – als Kunde und als Mitarbeiter. Die Qualität der Beziehungen zum Kunden bestimmt die Leistungsqualität der Bank. Wie der Mitarbeiter dem Kunden gegenüber auftritt, wie er den Kunden behandelt, wie er mit ihm spricht – das alles sind wesentliche Faktoren dafür, ob es gelingt, die notwendige Vertrauensbasis aufzubauen. Qualifizierte Kundenbetreuung heißt daher stets „Beziehungsmanagement“. Die Qualität der Kundenbeziehung zeichnet sich durch vielfältige Dimensi-

Die Qualität der Kundenbeziehung und ihre Dimensionen

onen aus, die in der Abbildung auf dieser Seite zusammengefasst sind. Sie bilden quasi die „Kür“ bei der Kundenbetreuung – und damit die eigentliche Profilierungschance am Markt.

Zusammenfassung Die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise hat das Vertrauen in die Kreditwirtschaft tief erschüttert. Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit wird deutlich, dass Genossenschaftsbanken eine wichtige stabilisierende Funktion ausüben. Vor allem für die mittelständische Wirtschaft haben sie sich als verlässlicher und berechenbarer Partner erwiesen. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell beruht auf der regionalen Verwurzelung, also auf der Nähe zu den Mitgliedern und Kunden sowie der Kenntnis der örtlichen Verhältnisse. Die Finanzkrise hat auch zu einem Bewusstseinswandel geführt und jene Werte wieder in den Fokus gerückt, die

die Volksbanken schon seit ihrer Gründung verkörpern. Mit ihrer Tradition und dem genossenschaftlichen Wertesystem haben sie somit einen wertvollen Trumpf in der Hand, um ihre Leistungsversprechen nach innen und außen nachhaltig zu bestätigen. Die bewusste Gestaltung und Pflege einer genossenschaftlichen Unternehmenskultur bildet einen wichtigen Erfolgsfaktor am Markt. 

In der nächsten Ausgabe lesen Sie, mit welchen konkreten Maßnahmen Führungskräfte eine gemeinsame Unternehmenskultur in ihren Instituten umsetzen können.

Über den Autor Anton Schmoll ist Bankentrainer, Lektor an der Fachhochschule für Bank- und Finanzwirtschaft sowie Fachbuchautor.

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Management

Bankenstruktur 2020: Fusionen & Filialoptimierung Eine neue Umfrage unter österreichischen und deutschen Banken zeigt klar, wohin die Reise geht: Fusionen und Kosteneinsparungen durch Filialoptimierung stehen auf der Tagesordnung. In der Regel treten die gewünschten Effekte ein, aber es gibt auch Fallstricke. Text: Günther Griessmair Grafiken: emotion banking, GeoMagis

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as auf Analytik und Managementberatung spezialisierte Unternehmen emotion banking führte gemeinsam mit GeoMagis, einem Spezialisten für Geo-Marketing, die Umfrage unter Führungskräften zum Thema Fusionen und Filialoptimierung durch. „Die Banken stehen weiterhin vor bedeutenden Herausforderungen. Regulatorischer Druck, Digitalisierung, sinkende Erträge sowie Zinstief und Konkurrenz durch Fintechs zwingen die Institute zum Umbau von Vertriebsstrukturen, zu Fusionen sowie zu Kosteneinsparungen durch Filialoptimierung“, so Christian Rauscher, Geschäftsführer von emotion banking und Studienautor, über das Ergebnis. Zwar geben 74,8 Prozent der Befragten an, dass sie noch nie fusioniert haben, jedoch arbeiten derzeit 42,4 Prozent an einem konkreten Fusionsvorhaben oder denken über Fusionen nach. Der wichtigste Treiber ist dabei der regulatorische Druck, welcher besonders die kleineren Banken derzeit zur Fusionen bewegt. In der Vergangenheit hingegen fusionierten mehrheitlich größere Banken, welche die Kostensenkungseffekte als wichtigsten Treiber nannten. Die Stärkung der strategischen Position im Wettbewerb, die Notwendigkeit der Spezialisierung sowie der Ausbau von Wissen und Fähigkeiten gehören zu den weiteren wichtigen Fusionsgründen. Eine Fusion ist aber nicht immer die erste Wahl: Viele kleinere Banken, besonders solche mit weniger als 30 Mit14

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Die wichtigsten Gründe für Fusionen im Überblick

arbeitern, versuchen, die Eigenständigkeit zu bewahren. In diesen Fällen werden vor allem bankenübergreifende Kooperationen und Outsourcing an externe Dienstleister als mögliche Alternativen geprüft.

Probleme bei Post-Fusions-Management Während der Planung und Durchführung – in der Regel ein langjähriger Arbeitsprozess - kommt es selten zu Problemen, zeigt die Studie. „Aber es gibt prozessbezogene Herausforderungen – etwas wenn Kunden vernachlässigt werden - oder Managementfehler – etwa geringe Kenntnisse über den Fusionspartner“, so Rauscher. Insgesamt

würden die Erwartungen an die Fusionen aber vollends erfüllt. Nach der tatsächlichen Durchführung beginne jedoch die allerschwierigste Phase für das neu zusammengewachsene Institut: die Post-Fusions-Phase. Diese dauere bis zu zwei Jahre. Nur 80 Prozent der Banken schaffen es dabei, eine gemeinsame Kultur zu bilden. Dies sei darauf zurückzuführen, dass das Thema des Post-Fusions-Managements zu den nachrangigen Faktoren zähle, welche das Topmanagement bei einer Fusion beachte. Rauscher dazu: „Das Topmanagement konzentriert sich auf die Entwicklung von Vision, Leitbild und gemeinsamen Werten sowie auf das Strategiekonzept und die Kommunikation wäh-


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Veränderung der Bankenanzahl in Österreichs Gemeinden zwischen 2001 und 2016

rend der Fusion. Change Management und eine wirkungsvolle Ausrichtung der Steuerungselemente finden deutlich weniger Aufmerksamkeit. Nachdem die Fusion technisch, juristisch und betriebswirtschaftlich abgeschlossen ist, ruhen sich die Institute auf den erreichten Erfolgen aus, Kostensenkungssynergien stellen sich schnell ein. Die schwierige Frage, wie eins plus eins auch tatsächlich eins ergibt, findet hingegen weniger Beachtung.“

Filialoptimierung als zweiter großer Trend Der Wandel im Bankensektor drückt sich aber auch in Änderungen der Filialstruktur aus. Wenig überraschend zählen Filialschließungen zu den beliebtesten Kostenreduktionsmaßnahmen, wie die Umfrage zeigt. Nicht selten führt jedoch eine geschlossene Filiale zum Ärgernis beim Kunden, da dieser für Bankgeschäfte vor Ort weiter anreisen muss oder der bekannte und vertraute Berater wegfällt, wodurch eine Abwanderung des Kunden zum (Online-)Wettbewerber nicht ausgeschlossen werden kann. In diesem Fall müsse die Bank besonderes Augenmerk auf das Kundenerlebnis richten, mahnt Studienautor Rauscher. „Die Entwicklungen in den letzten 15 Jahren auf dem Filialmarkt sind beachtlich. Allerding wurden in vielen

Vertriebsregionen zwar Filialen von einem Banksektor geschlossen, dafür aber auch neue Filialen aus einem anderen Banksektor eröffnet, sodass im Gesamtergebnis lange wenig Veränderung entstand“, so der Geschäftsführer von GeoMagis, Martin Redl. Erst in den letzten zwei Jahren kommt es laut aktueller Befragung mehrheitlich zu Filialschließungen.

Filialen: Trotz Rückgangs auch neue Standorte Rauscher zu den aktuellen Zahlen: „29,8 Prozent der Befragten geben an, in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Filiale geschlossen zu haben, weitere 23,8 Prozent haben dies vor. Es geben aber auch fast fünf Prozent an, eine Filiale eröffnet zu haben, sieben Prozent planen das in den kommenden zwölf Monaten.“ Fast alle Befragten sind sich einig: Markenpräsenz durch die Filiale spielt nach wie vor eine sehr große Rolle. Der passende Standort sowie Präsenz in einer Wachstumsregion sind die wichtigsten Gründe für Filialeröffnungen. „Wenig überraschend sind die Gründe für die Schließung von Filialen: Veränderung des Kundenverhaltens (vermehrte Nutzung des Online-Bankings bzw. Self-Bankings), Kostenersparnis oder der Bevölkerungsrückgang im Ver-

triebsgebiet - genau mit diesen Themen beschäftigen sich die Banken auch intensiv in der Phase der Optimierungsvorbereitung“, kommentiert Redl. Weniger Beachtung finde jedoch die genaue Umgebung, in welcher die Filiale angesiedelt ist. So sei zum Beispiel die Nähe zu öffentlichen Freizeit- oder Tourismuseinrichtungen für die Banken nur sehr selten von Belang. Auf Ökologie und Nachhaltigkeit werde ebenso wenig geachtet. Diese Faktoren spielten jedoch bei den Kunden eine wichtige Rolle. „Wenn nur reine Kundenfrequenz gemessen und nicht hinterfragt wird, wie sie zustande kommt, wird eine wichtige Dimension außer Acht gelassen: Pro Filiale zählt das Gesamtnutzen für den Kunden“, so die Studienautoren.

Blick in die Zukunft „Auch im Jahr 2020 wollen die meisten Befragten noch auf die Beratungsfiliale setzen. Für etwa jede zweite Bank ist ein umfassendes Kompetenzzentrum mit Flagshipstore in Zukunft relevant. Den Trend zur digitalen Filiale für Online-Beratung haben dagegen nur 37,5 Prozent der Befragten auf der Agenda, und das trotz Zunahme des Angebots von Fintechs und Co. Und: Trotz dieser recht genauen Vorstellung können 65,4 Prozent den Kostenaufwand noch nicht einschätzen. In einem sind sich aber fast drei Viertel der befragten Banken heute schon einig: Der Personalstand ist zu hoch“, so Rauscher. 

Internet-Tipp Mehr Informationen zur Studie finden Sie unter: www.banken2020.at

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Management Die „8“ ist das Markenzeichen des achtsamen Investmentansatzes der Volksbank Vorarlberg

Alle Achtung! Unter den Leitspruch „Wir geben Acht auf Ihr Geld – und auf die Welt“ hat die Volksbank Vorarlberg ihr gesamtes Veranlagungskonzept im Private Banking auf Nachhaltigkeit umgestellt. Bereichsleiterin Petra Stieger über die Hintergründe und Ziele. Text: Günther Griessmair Fotos: Volksbank Vorarlberg

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enossenschaft und nachhaltiges Wirtschaften – das passt perfekt zusammen. Die Volksbank Niederösterreich Süd war mit ihrem Nachhaltigkeitskonzept der Pionier im Verbund, ihr Konzept wird nach der Fusion nun auch in der Volksbank Wien ausgerollt. Auch die Volksbank Vorarlberg geht jetzt den nachhaltigen Weg: Als erste Bank Österreichs setzt sie im Private Banking auf eine gänzlich nachhaltige Anlagestrategie. Dabei werden sowohl wirtschaftliche als auch ökologische und soziale Gesichtspunkte berücksichtigt. Um den Nachhaltigkeitsgedanken zu bekräftigen, hat die Bank die „Grundsätze für verantwortungsvolles Investieren“ (Principles for Responsible Investment, kurz: PRI) der Vereinten Nationen unterzeichnet. Damit setzt sich die regionale Bankengruppe für die Erreichung eines weltweiten nachhaltigen Finanzsystems ein und ver16

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pflichtet sich zur jährlichen Überprüfung der Einhaltung ihrer nachhaltigen Veranlagungsstandards. „cooperativ“: Wie funktioniert das nachhaltige Veranlagungskonzept der Volksbank Vorarlberg? Petra Stieger: Alle Produkte und Investments werden im Hintergrund stets nach wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Faktoren beurteilt. Das reicht von der Depotanalyse bis zur Vermögensverwaltung. Der große Vorteil für die Kunden: Es werden auch Analysen abseits des reinen Zahlenmaterials wie etwa Bilanzen durchgeführt. Wir sind Kooperationen mit Dienstleistern eingegangen, welche sich auf die Analyse von Nachhaltigkeitsfaktoren für Unternehmen und Fonds spezialisiert haben. So können wir derzeit über 5.500 Unternehmen aus Europa und den USA

auf soziale und ökologische Faktoren detailliert untersuchen. Nur eine gezielte Auswahl jener Unternehmen, die unserer Nachhaltigkeitsverantwortung gerecht werden, findet letztlich Aufnahme in unsere Portfolios. Was bedeutet das Anlagestrategie?

konkret

für

die

Die Konsequenzen sind sehr weitreichend: Unternehmen aus Bereichen der Rüstungs- und Tabakindustrie haben keinen Platz. Auch Unternehmen mit schweren Menschenrechtsverstößen werden nicht berücksichtigt. Gleichzeitig erfolgen Investitionen in thematische Schwerpunkte wie erneuerbare Energien oder Wasser. Durch dieses Investitionsverhalten – Impact Investing – verfolgen die Anlagespezialisten der Volksbank Vorarlberg neben der Renditeerzielung auch die Verbesserung


Management

der wirtschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten. Nachhaltigkeit heften sich heutzutage viele auf die Fahnen. Was unterscheidet Sie von anderen? Unser achtsamer Investmentansatz im Private Banking ist über sämtliche Produkt- und Anlagebereiche hinweg implementiert. Das macht uns nicht nur in Österreich, sondern auch international im Bereich des Private Banking einzigartig, wie zuletzt etwa das „Handelsblatt“ bestätigte. Geht Nachhaltigkeit nicht auf Kosten der Rendite? Das ist ein Vorurteil, mit dem unsere Berater öfter konfrontiert werden. Ich kann das klar widerlegen: Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass die Berücksichtigung von nachhaltigen Faktoren bei der Auswahl von Aktien oder Anleihen die Schwankungsbreite deutlich reduziert und die Erträge auf lange Sicht mindestens so hoch sind wie bei traditionellen Veranlagungen. Somit verzichten Anleger bei uns nicht auf Rendite – vielmehr werden extreme Kursschwankungen tendenziell verringert. Zudem übernehmen die Anleger dabei aktiv Verantwortung für die Zukunft unserer Umwelt sowie die Gesellschaft. Wenn wir als Konsumenten schon beim täglichen Einkauf auf regionale und gesunde Produkte achten, sollten wir dies konsequenterweise auch bei der Geldanlage tun.

Nachhaltigkeit liegt also voll im Trend? Ja, sie wird im heutigen Marktumfeld immer wichtiger. Das beweist auch ein Blick auf die Entwicklung der Marktwerte amerikanischer Top-Unternehmen. Während vor rund 40 Jahren noch die Finanz- und Vermögenswerte ausschlaggebend waren, sind es heute fast ausschließlich immaterielle Werte wie Patente oder Markenrechte. Daneben spielt die Analyse von verschiedenen sozialen und ökologischen Faktoren besonders bei der Risikoidentifikation eine immer wichtigere Rolle: Regulatorische Richtlinien und Gesetze und die Berücksichtigung von sozialen Interessen drängen auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise - etwa Reduktion von Treibhausgasemissionen, Verbot von Atomkraftwerken in Deutschland, Erhöhung des Mindestlohns in den USA. Unser Portfoliomanagement ist bereits frühzeitig in der Lage, mögliche Risikofelder zu identifizieren und Unternehmen dahingehend zu beurteilen.

Bereichsleiterin Petra Stieger: „Wir übernehmen Verantwortung für Geld und Umwelt“

Welche messbaren Ziele verfolgen Sie mit dem neuen Konzept im Private Banking? Neben einer verbesserten Risikokontrolle in den Depots unserer Kunden wollen wir auch neue Kundenschichten ansprechen. Speziell für Stiftungen, öffentliche Rechtsträger, Verbände und Unternehmen spielen nachhaltige Faktoren bei der Geldanlage sowie die Vermeidung von Reputationsrisiken eine große Rolle. 

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Management

Volksbanken Versicherungsdienst: Die neue Gewerbe-Strategie Bank. Und selbstverständlich erwarten wir uns durch das Neugeschäft auch eine Ertragssteigerung. Wann wird das neue Angebot in den Volksbanken ausgerollt? Geschäftsführer Kurt Feher: „Sind ein verlässlicher Partner für Gewerbekunden“

Beim Volksbanken Versicherungsdienst kommt es zu einer Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit: Der Versicherungsmakler des Volksbanken-Verbundes startet eine Offensive im Bereich der Gewerbeversicherungen. Geschäftsführer Kurt Feher über Hintergründe und Chancen der neuen Strategie. Text: Günther Griessmair Foto: VBVD, Günther Griessmair 1972 gegründet, um den Eigenbedarf der Volksbanken an Versicherungsschutz für Gebäude und andere Werte abzudecken, fungiert der Volksbanken Versicherungsdienst seit 2003 – damals kam es zur Fusion mit dem hauseigenen Makler der Victoria Volksbanken Versicherung – erfolgreich als Versicherungsmakler des Verbundes. Die 14 Mitarbeiter in der Wiener Lindengasse verwalten mittlerweile 32.500 Versicherungsverträge von Volksbank-Kunden mit einem jährlichen Prämienvolumen von 26,3 Millionen Euro. Nun erfolgt der nächste Schritt. Im Visier hat man dabei die Vermittlung und den Vertrieb von Versicherungen speziell für Gewerbetreibende. „cooperativ“ Herr Feher, was hat es mit der neuen Strategie auf sich? Kurt Feher: Aufgrund der Neuausrichtung des Volksbanken-Verbundes ergeben sich völlig neue Chancen, die wir ein18

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fach nutzen wollen. Die Klein- und Mittelbetriebe rücken noch stärker in den Fokus – Stichwort „Gewerbemilliarde“. Da passt unser neues Angebot wunderbar dazu. Wir wollen für diese Kunden erstmals auch den Vertrieb der Versicherungen selbst übernehmen. Wieso gerade der Gewerbebereich? Der Gewerbekunde benötigt eine viel umfangreichere Marktübersicht für die Befriedigung seiner Bedürfnisse als der private Versicherungskunde. Genau diese Expertise liefern wir mit unserer Beratung als erfahrener Versicherungsmakler. Welche Ziele verfolgen Sie mit der neuen Strategie? Wir wollen eine optimale Verkaufsunterstützung für die Bankmitarbeiter vor Ort gewährleisten. Das neue Angebot stärkt auch die Kundenbindung an die

Unter dem Aspekt der Bündelung der Kräfte haben wir im Frühjahr gemeinsam mit der Volksbank Niederösterreich ein Pilotprojekt gestartet, das auch schon erste zählbare Erfolge gebracht hat. Das bestärkt uns darin, unsere Bemühungen weiter zu verstärken. Im kommenden Jahr wollen wir mit mindestens zwei weiteren Volksbanken durchstarten. Wie läuft das Zusammenspiel mit der Bank in der Praxis ab? Der Volksbank-Mitarbeiter spricht aufgrund seiner langjährigen Kundenbindung den Inhaber eines Unternehmens auf die Möglichkeit einer kostenlosen Überprüfung seiner Versicherungsverträge an. Wir holen auf Basis einer Auskunftsermächtigung alle relevanten Daten bei den Versicherungsgesellschaften ein und erstellen ein für den Kunden maßgeschneidertes Angebot. Für die Abwicklung wird in jeder Regionalbank mindestens ein Mitarbeiter von uns vor Ort sein. Was sind die Voraussetzungen für den Erfolg des Projektes? Wichtigste Grundlage für den Erfolg ist eine gemeinsame Zielsetzung mit den Volksbanken. Zudem erwarte ich mir sehr viel von einem Versicherungsbaustein in Finanzierungsverträgen. Denn was die Kreditrestschuldversicherung für den Privatkunden ist, sollte bei der Kreditvergabe an Gewerbekunden die Betriebsbündelversicherung sein. 


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Hell, modern, freundlich und schlicht: So präsentiert sich die neue Werbelinie, die ab 1. Jänner im Volksbanken-Verbund flächendeckend zum Einsatz kommen wird.

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ie Zeiten sind schnelllebig: Was gestern noch im Trend war, kann heute schon alt und verstaubt wirken. Das gilt insbesondere auch für die Corporate Identity, also den Außenauftritt von Unternehmen. Daher hat sich der Volksbanken-Verbund dazu entschlossen, das Design seiner Werbeformate aufzufrischen. Das Projekt wurde zur Gänze mit hauseigenen Ressourcen umgesetzt, nun liegen die Ergebnisse der „Frischzellenkur“ vor. Was sofort auffällt: Das gewohnte Wolkenmotiv und andere verspielte Bildvarianten im Hintergrund machen Platz für eine aufgeräumte, reduzierte Optik. Als neues grafisches Element kommt der „Tropfen“ zum Einsatz, mit dem zentrale Werbebotschaften besonders deutlich zur Geltung gebracht werden können. Der bewährte Slogan „Vertrauen verbindet“ bleibt erhalten. Die neuen Unterlagen stehen ab sofort im Verbund-Intranet zum Download bereit. Als nächstes werden auch Geschenkartikel, Mappen, Taschen und Ähnliches entsprechend dem neuen Design überarbeitet. „Die neue Corporate Identity, die Schritt für Schritt umgesetzt wird, unterstützt perfekt die neue Strategie der Volksbanken als beratungs- und serviceorientierte Regionalbanken für Unternehmer und Private“, so VOLKSBANK-WIEN-Vorstand Wolfgang Schauer. 

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Wirtschaft

V. l. n. r.: Robert Zadrazil (Bank Austria), Franz Hahn (Wifo), Moderator Eric Frey („Der Standard“), Ewald Nowotny (OeNB), Bettina Fuhrmann (WU) und Karl Sevelda (RBI)

Wozu noch Banken? Um nichts Geringeres als die Frage nach der Existenzberechtigung ist es bei der diesjährigen Bankendiskussion des Finanzmarketing-Verbandes Österreich in den Räumen der Nationalbank gegangen: „Wozu überhaupt noch Banken?“, lautete der provokante Titel der Veranstaltung. Die Antworten fielen durchaus konträr aus. Text: Günther Griessmair Foto: FMVÖ/Nadine Bargad

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ationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny verwies in diesem Zusammenhang gleich eingangs auf ein Zitat von Mark Twain, der die Nachricht von seinem Ableben als stark übertrieben bezeichnet hatte. Das gelte auch für die Banken, die außerdem kein homogener Bereich seien. Man müsse zwischen Investmentbanken und jenen mit Retailgeschäft unterscheiden. Für Österreich präferiert Nowotny einen Mittelweg: die „pragmatische Universalbank“, die für ihre Kunden entsprechende Bankdienstleistungen erbringe und das Investmentgeschäft - bei stark zurückgefahrenem Risiko - nur soweit als notwendig betreibe. Dass die Situation der heimischen Banken derzeit nicht gerade rosig sei, räumte er ein. Eine Reihe von ökonomischen – Nowotny nannte hier etwa 20

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die flache Zinskurve –, regulatorischen und technologischen Aspekten würden das Geschäft erschweren. Dazu kämen aber auch hausgemachte Probleme – wie der im internationalen Vergleich immer noch sehr hohe Anteil an Fremdwährungskrediten und variabel verzinsten Krediten. Diese Probleme müsse man nun seriös abarbeiten. Als Vorbild nannte er dabei die heimische Stahlindustrie, die gezeigt habe, dass man auch angesichts großer Herausforderungen und Risiken letztlich gut reüssieren könne. Unternehmen wie die voestalpine oder Böhler – Claus Raidl saß im Publikum – hätten das vorgemacht. Nicht überbewerten wollte Nowotny die Rolle der Fintechs. Diese würden sich vor allem im Zahlungsverkehr tummeln, der nur einen kleinen Teil

des Bankgeschäfts ausmache. Eine völlig andere Welt sei dagegen das Einlagen- und Kreditgeschäft. Hier gehe es um Vertrauen, um den Kontakt zu Menschen. Automatisierung sei da nur bedingt möglich und sinnvoll.

„Brauchen zwar Banking, aber keine Banken“ Ganz anders sah das Wifo-Bankenexperte Franz Hahn: „Wir brauchen zwar Banking, aber nicht unbedingt Banken“, zitierte er Bill Gates. Er ist sich sicher: „Die Dienstleistungen, die derzeit primär von Banken angeboten werden, bleiben bestehen. Aber Banken, wie wir sie kennen, wird es in 20, 30 oder 40 Jahren nicht mehr geben.“ Aufgrund der neuen Technologien bekämen Banken ein Problem, so Hahns


Wirtschaft

„Banken, wie wir sie kennen, wird es in 20 bis 40 Jahren nicht mehr geben“ Franz Hahn, Bankenexperte beim Wifo

Argument: „Die Kredite als Wettbewerbsvorteil verlieren angesichts unterschiedlicher Formen von Peer-to-PeerLending an Bedeutung. Wir erleben die Atomisierung und Spezialisierung von Leistungen, die bisher von Banken angeboten wurden.“ Als Beispiel nannte er die klassischen Einlagen, die in Zukunft nicht mehr nötig seien. Wer eine Rechnung bezahlen müsse, der verkaufe dann eben einfach einen kleinen Teil seines Portfolios, das nicht unbedingt bei Banken liege. Niedrige Transaktionskosten würden das ermöglichen. Die Bank als Organisation hält er generell für gefährdet: „Die große Achillesferse ist die ständige Anfälligkeit für einen Bank Run. Allein die Existenz der Einlagensicherung zeigt, wie fragil das System ist.“ Er sparte auch nicht mit Kritik in Richtung des Managements heimischen Banken: „Sie waren bisher nicht dazu bereit, Kostenvorteile durch neue Technologien an die Kunden weiterzugeben. Die Kosten für die Kunden haben sich in den letzten 100 Jahren nicht verringert.“ Die Folge aus Hahns Sicht: Kostengünstig operierende Fintechs würden den Markt aufrollen. Erleichtert werde dies durch ein Regulativ,

das fehlgeleitet sei, da es das Hinausdrängen von Leistungen in Schattenbanken ermögliche.

„Fintechs nicht überschätzen“ Naturgemäß ganz anders beurteilen die beiden Bankenvertreter in der Diskussionsrunde, Bank-Austria-Chef Robert Zadrazil und RBI-Boss Karl Sevelda, die Lage. Zadrazil verortet in der derzeitigen Situation auch Chancen. Er verwies auf die noch immer hohe Relevanz der Banken für die Volkswirtschaft. Potential für die Banken stecke auch noch im Kapitalmarkt, da könne man die österreichischen Firmen hinsichtlich Finanzierungen beraten. Kein Weg vorbei führt für Zadrazil aber an Filialschließungen: „In Holland kommen dreimal so viele Einwohner auf eine Filiale wie bei uns. Der durchschnittliche Kunde hat zwar noch jährlich rund 80 Kontakte mit seiner Bank, die Hälfte davon passiert aber bereits online oder mobil. Diesem geänderten Kundenverhalten müssen wir einfach Rechnung tragen.“ Auch wenn Banken derzeit ein schlechtes Image hätten, sei der per-

sönliche Kundenberater nach wie vor sehr geschätzt, bremste Sevelda beim Thema Filialschließungen. „Der Konsument legt in hohem Ausmaß Wert auf Bankberatung und braucht sie auch weiterhin.“ Die Konkurrenz durch Fintechs dürfe man zwar nicht unterschätzen, man solle sie aber auch nicht überschätzen, sie sei derzeit noch überschaubar. Er ist sich sicher: „Für gute Qualität ist der Kunde nach wie vor bereit zu bezahlen.“ Gestützt wurde diese Argumentation von Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien. Vertrauen sei gerade im Geldwesen ganz besonders wichtig. Künftig werde derjenige gewinnen, der sich als kompetenter Partner in Finanzfragen präsentiere. In diesem Zusammenhang verwies sie auf das geringe Finanzwissen der Österreicher. Als Beleg zitierte sie eine Befragung, nach der 60 Prozent der Österreicher über das Wechselkursrisiko von Fremdwährungskrediten nicht Bescheid wissen. Auch das Konzept der Inflation sei einem Drittel fremd. Zahlen, die darauf hindeuten, dass es den Bankberater noch sehr lange geben wird … 

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Wirtschaft

Kommentar

Genossenschaftliche Verbundfinanzierung – ein breites Fundament Es kennzeichnet die österreichischen Volksbanken, ihr Eigenkapital auf das Geschäftsanteilskapital der Mitglieder und die aus den einbehaltenen Gewinnen aufgebauten Rücklagen zu gründen – als Ausdruck der genossenschaftlichen Selbstverantwortung. Es wäre gut, wenn das so bliebe.

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n der Zeit des Wachstums des früheren Spitzeninstituts wurde dieses Fundament vor zehn Jahren sinnvollerweise um ein weiteres Instrument erweitert: eine Verbundbeteiligung („Volksbank Erfolgsanteile“) der heutigen Volksbank Regio Invest (ursprünglich: Volksbank-Quadrat Bank). Die Idee dieser Verbundfinanzierung reicht noch weiter zurück: Bereits 1986 hatte der langjährige Verbandsanwalt und Vorstandsvorsitzende des ÖGV, Hans Hofinger, in Richtung einer „Investmentfondsgesellschaft zum Zweck der Aufnahme von Partizipationsscheinen der Kreditgenossenschaften“ gedacht. Eine solche „Volksbanken-Emissions- und Beteiligungsgesellschaft“ sollte später national und international genossenschaftsverträglich Kapital für den österreichischen Volksbanken-Verbund aufnehmen. Durch Akquisitionen und Wachstum der ÖVAG, insbesondere durch den Erwerb der Investkredit-Gruppe und das Osteuropa-Geschäft, sah man auf Seiten des Verbandes und der Primärinstitute Bedarf für eine Verbreiterung der Möglichkeiten, Kapital aufzunehmen. Dabei grenzte man sich mit der Verbundfinanzierung bewusst von einem Börsengang des Spitzeninstituts ab, der seinerzeit öffentlich diskutiert wurde. Stattdessen wollte man ge-

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mäß dem Prinzip der Selbstverantwortung Mitgliedern, aber auch Kunden, die in Leistungsbeziehungen zu einer Volksbank bzw. zur ÖVAG stehen, die Möglichkeit einer Kapitalbeteiligung eröffnen.

Kapitalmarktfähigkeit heute Die mittlerweile erfolgten strukturellen Veränderungen stehen im Einklang mit den aufsichtsrechtlichen Anforderungen und wurden von der EU-Kommission gewürdigt. Die Planung sei „solide und auf dem Grundsatz vorsichtiger Annahmen basierend berechnet und dazu geeignet …, die langfristige Rentabilität des Verbundes und damit seine Kapitalmarktfähigkeit zu gewährleisten“, heißt es im Beschluss (EU) 2016/153 der Kommission vom 2. Juli 2015. Damit findet sich eine Antwort auf die grundsätzliche Frage, was mit Kapitalmarktfähigkeit gemeint sein könnte. Allgemein bedeutet diese, (wieder) Zugang zur Platzierung eigener Kapitalmarktemissionen zu marktgerechten Preisen zu erhalten, weil

deren Rückführung als gesichert gelten kann. Dies drückt auch das Rating aus, das sich im Zuge der Sanierung und Neuausrichtung derzeit mit BB+ nur noch eine Stufe unterhalb eines „Investment Grade“-Ratings (BBB-) befindet. Als vorteilhaft dürfte sich erweisen, dass bei der Zentralorganisation (ZO) die zentrale Liquiditätssteuerung liegt, sodass Kapitalmarktaktivitäten von ihr ausgehen sollten. Ausgeschlossen ist aber keinesfalls, dass beim regionalen Publikum die einzelne Volksbank, Ärzte- und Apothekerbank oder Sparda-Bank selbst bzw. in Absprache mit der ZO aktiv werden darf. Dies hat in der Vergangenheit besonders die Volksbank Vorarlberg ausgezeichnet, die ein breites Emissionsspektrum gestaltet


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hatte, bis hin zu börsennotiertem Partizipationskapital, das jedoch in der Krise – und das ist gewiss ein Nachteil jeder öffentlichen Notierung – sichtbar an Wert verlor.

Volksbanken gehören bald wieder „sich selbst“ Weniger innerhalb einer Finanzierung über den Kapitalmarkt beachtet werden sollte die externe Aufnahme von Eigenkapital durch Beteiligung an der ZO. Denn nur dann bliebe die genossenschaftliche und bewährte eigentümerrechtliche Einheit erhalten, auch wenn derzeit noch die Republik Österreich als externer Eigentümer auftritt. Dies dürfte aber voraussichtlich nur bis 2020 gelten, da man in einem ambitionierten Plan die Staatshilfe von 300 Millionen Euro nicht wie vereinbart 2023, sondern sogar drei Jahre eher zurückzuzahlen gedenkt. Als Folge würde der Verbund schon früher wieder „sich selbst“ gehören, d.h., die ZO den Volksbanken und diese direkt oder über die Verwaltungsgenossenschaften den Mitgliedern und damit einer großen Kundengruppe. Um in dieser Struktur weiterhin das erforderliche Eigenkapital zu generieren, wäre es wünschenswert, als eine Quelle externen Eigenkapitals nach Herstellung der Dividendenfähigkeit wieder verstärkt auf die bestehenden Eigentümer und intern auf die eigene Ertragskraft zurückgreifen zu können, auch wenn damit naturgemäß engere Wachstumsgrenzen gezogen sind, als wenn externe Investoren über den Kapitalmarkt angesprochen würden. Doch

eigene Wachstumserfahrungen haben möglicherweise Selbstbeschränkung zum Selbstschutz gelehrt – wie sie auch das konzentrierte Geschäftsmodell charakterisiert und was grundsätzlich mit einem nachhaltigen genossenschaftlichen Modell verbunden werden kann.

Schlüsselrolle für Verwaltungsgenossenschaften Hierbei könnte den genossenschaftlichen Volksbanken bzw. den Verwaltungsgenossenschaften der regionalen Volksbanken-Aktiengesellschaften eine Schlüsselstellung zukommen. Je mehr Verwaltungsgenossenschaften in einer Region eine genossenschaftliche Bankaktiengesellschaft tragen, desto fester sind diese Banken tatsächlich in den Köpfen der Menschen einer Region verwurzelt. Dass die bestehenden Mitglieder ihrer Genossenschaft auch in der Krise nicht das Geschäftsanteilskapital gekündigt und es zurückverlangt haben, belegt, dass die Kunden auch als Mitglieder den Volksbanken die Treue halten.

Über den Autor Holger Blisse war wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaftslehre (Genossenschaftswesen) der Universität Wien, er ist Lehrbeauftragter und beschäftigt sich u.a. mit kreditwirtschaftlichen und genossenschaftlichen Themen.

Auch das Thema einer Verbundbeteiligung könnte wieder neu entdeckt werden. Zwar fehlt die „Fantasie“ einer Vermögensbeteiligung an den Verbundunternehmen, da dieses Vermögen als Sanierungsbeitrag eingebracht und abgegeben wurde und nur teilweise – im europäischen Maßstab – in einem genossenschaftlichen Sektor verblieb, aber gerade über die Verwaltungsgenossenschaften tun sich neue Gestaltungselemente auf, die – entsprechend der Konstruktion der mitgliedschaftlichen Teilhaberschaft – dann eher den Charakter von fremdkapitalbasierten Beteiligungsanreizen tragen.

Alternative zum Börsengang Eine Verbundfinanzierung bietet in jedem Fall eine Alternative zum Börsengang eines Verbundunternehmens. Mit ihrer Hilfe wäre es nicht erforderlich, zusätzliches Eigenkapital über den Kapitalmarkt aufzunehmen, was die Selbstständigkeit eines Verbundunternehmens, des Spitzeninstitutes selbst und den Verbund als Ganzes immer der Gefahr eines verbundfremden Einflusses aussetzt. Vielmehr wäre zu empfehlen, dass der Volksbanken-Verbund nach seiner wiedererlangten Eigenständigkeit verstärkt auf die Beteiligungsbereitschaft und Finanzierungskraft seiner über einer halben Million Mitglieder setzt. So betrachtet, bietet eine verbundinterne, zuallererst durch Mitgliederbeiträge getragene Finanzierung eine echte Alternative zur externen Kapitalmarktfinanzierung.    

Holger Blisse

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Wirtschaft

Zwischen Mitgliedernutzen und Shareholder Value Kreditgenossenschaften, die fusionieren und zu Aktiengesellschaften werden: Wie kann dabei eine ausgewogene Unternehmenskontrolle sichergestellt werden? Und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Kapitalmarkt? Zwei aktuelle Bücher geben darauf Antworten. Text: Holger Blisse

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er Volksbanken-Verbund befindet sich bei den aktuellen Fusionen in bester Gesellschaft mit anderen genossenschaftlichen Bankensektoren in Europa. In Italien und Deutschland etwa rechnet man mit einer steigenden Zahl an Zusammenschlüssen. Überraschenderweise gehen diese Signale in der Regel von der Verbundspitze und nicht von den Eigentümern, den Mitgliedern bzw. dem Management ihrer Genossenschaften aus. Nimmt man dazu die Tendenz, dass sich das Spitzeninstitut selbst als „Mutter“ fühlt und die Kontrolle über seine kreditgenossenschaftlichen Eigentümer zu erlangen versucht, stellt sich unmittelbar die Frage nach einer ausgewogenen Corporate Governance (Unternehmenskontrolle). Zugleich tendieren die Kreditgenossenschaften – im Hinblick auf aufsichtsrechtliche Empfehlungen und Vorschriften – zum Rechtsformwechsel in die Aktiengesellschaft und öffnen sich damit dem Kapitalmarkt. Neue – möglicherweise mit der bisherigen Ausrichtung inkompatible – Anreizsysteme sind in das Geschäftsmodell zu integrieren, die Erwartungen eines neuen Eigentümerkreises (Shareholder Value) müssen berücksichtigt werden. Es besteht die übergeordnete Gefahr, dass sich die Sektoren eines Bankensystems – Aktienbanken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften – überhaupt konsolidieren und Stabilität und Leistungsangebot im System mit zurückgehender Vielfalt abnehmen – 24

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nicht nur im nationalen, sondern auch im europäischen Maßstab. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen, auf die zwei aktuelle wissenschaftliche Arbeiten, die Marburger betriebswirtschaftliche Dissertation von Markus Brütting und die Heidelberger rechtswissenschaftliche Dissertation von Peter Sebastian Klormann, aufschlussreiche Antworten geben.

Finanzieller Member Value als Ausweg? Brütting sieht in einem am Member Value orientierten Konzept einen Ansatz zur rechtsformkonformen Steuerung von Bankgenossenschaften. Der genossenschaftliche Förderauftrag gilt als schwer oder gar nicht operationalisierbar. Dennoch versucht die Wissenschaft beständig, sich mit Konzepten anzunähern und den Förderbeitrag sichtbar zu machen, um zumindest Punkte zu identifizieren, anhand derer eine Förderung messbar gemacht und als Steuerungsgröße genutzt werden kann. Gleichzeitig bleiben die nicht-monetären Aspekte wie das Mitbestimmungsrecht wichtig. Brütting adaptiert in seiner Dissertation das anerkannte Konzept des Member Value als Gegenstück zum Shareholder Value und grenzt es im Hinblick auf die Mitgliedschaft als „wesentliches strategisches Erfolgspotenzial“ in Verbindung mit dem Förderauftrag von der Eigentümerstellung

eines Aktionärs und dem Shareholder-Value-Ansatz ab. Allerdings, so betont er, bedürfe es heute eines tatsächlich wahrnehmbaren Mehrwerts, der immer schwerer allein über die Leistungsangebote sichtbar zu machen sei. Mit dem finanziellen Member Value im engeren Sinne definiert er sehr einfallsreich eine „Spitzenkennzahl“, die „den Wert der Mitgliedschaft bei einer Genossenschaftsbank unter monetären Gesichtspunkten objektiviert zum Ausdruck bringt und die nachhaltige Entwicklung und Aufrechterhaltung einer effektiven Mitgliederförderung methodisch unterstützen kann“. Hierzu bereitet die Arbeit nicht nur umfassend den theoretischen Rahmen, sondern verdeutlicht an Beispielrechnungen auch die Entstehung und Wirkung eines solchen finanziellen Member Value.

Stärkung im Wettbewerb Aus Sicht ihres Verfassers wäre es wünschenswert, wenn auch die steuerrechtlichen Regelungen der Rückvergütung rechtsformadäquat ausfallen würden, um die Rechtsform nicht von ihrem „charakteristischen Sinn- und Leitbild“ zu entfernen. Ein am finanziellen Member Value orientiert arbeitendes Management könnte nicht nur die Corporate Governance absichern, sondern insgesamt dazu beitragen, die Zukunftsaussichten von Bankgenossenschaften in einem von hoher Unsicherheit und Volatilität sowie internatio-


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nalen Regulierungsvorhaben gekennzeichneten Umfeld im Wettbewerb zu verbessern - gestützt auf ein rechtsformspezifisches, aus der Mitgliedschaft abgeleitetes, unnachahmliches Alleinstellungsmerkmal. Damit würden sich die genossenschaftskonformen finanziellen Anreize für Mitglieder verbessern, auf deren Beteiligungsbereitschaft im Hinblick auf zunehmende Eigenkapitalanforderungen die Genossenschaften angewie-

Buchtipps Markus Brütting Finanzielles Member Value Management – Strategische Potenziale für Genossenschaftsbanken Marburger Schriften zur genossenschaftlichen Kooperation, Band 116 Nomos 341 Seiten € 81,30 Peter Sebastian Klormann Externe Corporate Governance und ineffiziente Kapitalmärkte

Deutsches, Europäisches und Vergleichendes Wirtschaftsrecht, Band 92 Nomos 320 Seiten € 84,30

sen bleiben. Außerdem wird die Notwendigkeit eines Rechtsformwechsels verneint, da es die genossenschaftliche finanzielle Anreizgestaltung mit dem Shareholder Value aufnehmen könne.

Kapitalmarkt als Kontrollinstanz? Bleibt dann die Frage offen, ob der Kapitalmarkt überhaupt die in ihn gesetzten Erwartungen in Richtung einer Kontrollinstanz für die Eigentümer erfüllt. Im Hinblick auf in eine AG umgewandelte Genossenschaften wäre dies insofern bedeutsam, falls mit einer Umwandlung eine Verbesserung der Kontrolle des Managements versprochen wurde. Wenngleich diese Frage auf den ersten Blick eher entfernt von der Gegenwart der Kreditgenossenschaften zu sein scheint, so rufen doch beobachtbare und vollzogene Umwandlungen in Bank-AGs, deren Aktien an der Börse notieren sollen, wie etwa in Italien, oder Pläne in Richtung einer Kapitalmarkfähigkeit die Frage hervor, ob der Kapitalmarkt – als „external market of corporate control“ – seinem Ruf gerecht wird, das Problem einer zunehmenden Trennung von Eigentum der Aktionäre und Verfügungsgewalt des Managements zu verringern, bzw. ob nicht sogar eine Umwandlung in nicht börsennotierte Aktiengesellschaften den Eigentümern Kontrollmöglichkeiten vorenthält. Das Ergebnis der sich auch auf die Auswertung empirischer Studien stützenden, präzisen Analyse von Klormann lässt sich in der Antwort auf die Frage zuspitzen, ob eine Unternehmens(leiter)kontrolle dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen werden sollte oder zum Schutz der Aktionärsinteressen rechtlich zwingende Eingriffe in die Organisation und Struktur der Unternehmen (interne Corporate Governance) notwendig sind. An der

Gültigkeit – auch der kontrollierenden Wirkung im drohenden Übernahmefall – preiseffizienter Kapitalmärkte sei es berechtigt, „große Zweifel“ zu hegen. Daher bedürfe es „zwingender, stabiler Spielregeln, die nicht dem spontanen, stimmungsanfälligen Treiben des Marktes ausgesetzt sind, wie es sich im Rahmen der Finanzmarktkrise auf dramatische Art und Weise manifestiert hat“.

Schlussfolgerungen für Volksbanken Man ist versucht, die Erkenntnisse beider Publikationen auf die aktuelle Situation der Volksbanken in Österreich anzuwenden. Dies führt zu folgenden Empfehlungen: Einerseits sollte das noch lange nicht ausgeschöpfte Potenzial einer mitgliedschaftlichen Beteiligung – auch wenn es indirekt über die Verwaltungsgenossenschaften abgebildet wird – vor allem für die Zeit nach Wiederherstellung der Dividendenfähigkeit erkannt und weiterentwickelt werden. Andererseits sind die Erwartungen im Falle von börsennotierten AGs an den Kapitalmarkt im Hinblick auf die Kontrollwirkung zu dämpfen. Wenn aber nicht einmal der Kapitalmarkt das Versprechen der Kontrollwirkung einlösen kann, wie eigentümerunabhängig können dann erst nicht börsennotierte AGs oder nur noch indirekt im Eigentum der Mitglieder stehende genossenschaftliche Bank-AGs agieren? Beide Formen stellen demzufolge höchste – aber keinesfalls unerfüllbare – Anforderungen an eine an den Eigentümerinteressen orientierte Verhaltensethik auf Seiten des Managements. Verkürzt aus Eigentümerund Mitgliedersicht gefragt: Warum sollten sich Bankgenossenschaften in vielleicht dann nicht einmal mehr genossenschaftliche Bank-AGs umwandeln? 

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Wirtschaft Frachtumschlag am Flughafen Wien: Die Cargo Hub mischt mit

Cargo Hub startet durch Der ÖGV freut sich über weiteres Mitglied in seinen Reihen: Die neu gegründete Cargo Hub e.Gen. ist ein Zusammenschluss von Spediteuren am Flughafen Wien. Dank gemeinsam genutzter modernster Logistik soll das Luftfrachthandling effizienter gestaltet werden. Text: Günther Griessmair Fotos: Flughafen Wien „Der Betrieb eines eigenen Lagers ist aufgrund der Struktur am Flughafen Wien sehr teuer, und zugekaufte Leistungen sind oft nicht in der gewünschten Qualität“, umreißt Thomas Klinglhuber von Cargomind, dem Initiator der neuen Genossenschaft, die Ausgangslage. Die Cargo Hub ist angetreten, um das zu ändern und so die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittelgroßen Spediteure am Flughafen zu verbessern. Dazu betreibt die Cargo Hub für ihre Mitglieder am Flughafen ein gemeinsames Lager mit drei gut ausgebildeten Mitarbeitern. Dort werden standardisierte Leistungen für das Export- und Importhandling von Luftfrachtsendungen angeboten. Durch optimale Auslastung und wirtschaftlichen Ressourceneinsatz ist das zu attraktiven Preisen möglich. Weiterer Vorteil: Da die Cargo Hub als Großkunde gegenüber dem Flughafen auftritt, sinken die verrechneten Umschlagsgebühren. „Durch die Zusammenarbeit der Spediteure wird die Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Betriebe gegenüber den Großkonzernen verbessert. Dabei legt die Genossenschaft großen Wert auf Neutralität, denn schließlich stehen die Mitglieder ja in vielen Bereichen zueinander im Wettbewerb“, so Klinglhuber. Dass Kooperation am Flughafen Wien hervorragend funktionieren kann, beweist bereits seit 2013 die Cargo Screening, die für die Spediteure die Sicherheitsüberprüfungen der Luftfrachtsendungen mittels Röntgengeräten und Sprengstoffdetektoren durchführt. 

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International

Genossenschaften wachsen anders Genossenschaften sorgen für nachhaltiges Wachstum und bewahren Arbeitsplätze in der Region. In einer digitalen Wirtschaft des Teilens und Tauschens sind sie das kommende Geschäftsmodell: Dies ist das Fazit der Internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung (IGT) vom 14. bis 16. September in Luzern. Text: Hans Hofinger und Andrea Karner Fotos: Janmaat

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ie Schweiz, oftmals auch Eidgenossenschaft genannt, ist ein Land der Genossenschaften und stolz auf ihre demokratische Verfasstheit, in der Selbsthilfe und Autononomie einen hohen Stellenwert haben. In seiner Begrüßungsrede zur IGT und in der anschließenden Poduimsdiskussion gab Bundesrat Ueli Maurer ein starkes Bekenntnis zum genossenschaftlichen Wirtschaftsmodell ab: „Es ist ein perfektes Modell für die Wirtschaft und den Staat“, meinte er. „Unsere Gesellschaft hat Zukunft, wenn sie die liberalen Grundwerte der Genossenschaft lebt, wenn wir unsere Probleme selbst und gemeinsam lösen.“ Auch Franco Taisch, Ordinarius für Wirtschaftsrecht an der Universität Luzern, ist sich sicher, „dass Genossenschaften eine nachhaltige Alternative zur eindimensionalen Gewinnmaximierung zugunsten einer einzigen Anspruchsgruppe, der Investorengesellschafter, sind“. Mit ihrer demokra-

nossenschaftliche Management und die genossenschaftlichen Werte. Zugleich stellten sich daher Fragen nach der Identität von Unternehmen, nach dem Zusammenhang zwischen Wachstum und Identität, der Steuerbarkeit (Governance) und des adäquaten Wachstums.

Genossenschaftliche Identität und Wachstum Franco Taisch: „Die partizipative Wirtschaft hat Zukunft“

tischen Struktur, dem Verbot der einseitigen Dividendenmaximierung und als Innovationsmotor mit lokaler Verankerung biete die Genossenschaft Potenziale zur Bewältigung aktueller Herausforderungen. Die partizipative Wirtschaft habe Zukunft. Nachhaltigkeit in sozialen, ökologischen und finanziellen Perspektiven gewinne im Wirtschaftsleben wieder mehr an Gewicht - und damit auch das ge-

Allerdings stoße Wachstum heute in vielen Teilen der Bevölkerung auf Skepsis. Somit gelte es, die Identität der Genossenschaften beizubehalten und überzeugende Antworten auf die aktuellen Herausforderungen für genossenschaftliches Wachstum zu finden, weshalb die IGT 2016 unter das Themenpaar „Identität und Wachstum“ gestellt worden sei, wie Alexander Jungmeister, Geschäftsführer des Instituts für Unternehmensrecht an der Uni Luzern, erklärte. Im Rahmen der LAB-Formate sowie bei interaktiven Paneldiskussionen cooperativ 4/16

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International

Alexander Jungmeister (Mitte) leitete die Podiumsdiskussion „Identität und Wachstum“ mit Dietmar Rössl (li.) bei der Eröffnungsveranstaltung

Warum die Zahl der Filialen bei Genossenschaftsbanken steigt, während Filialschließungen der allgemeine Trend sind, wollte Andrea Karner von den Experten wissen

Was bringt die Reform des Spaltungsgesetzes für Genossenschaften? Raiffeisen-Syndikus Markus Dellinger informierte

ICA-Präsidentin Monique Leroux bedankte sich per Zuschaltung bei den Organisatoren der IGT für ihren wissenschaftlichen Beitrag und bei der CIBP für die Studie GRACE16

wurden diese trans- und interdisziplinären Zusammenhänge von den mehr als 1.000 Teilnehmern aus 21 Ländern ausgeleuchtet. Bei der feierlichen Eröffnung der Tagung im KKL Luzern diskutierten unter anderem der Vorstand des Instituts für KMU-Management und Leiter des Forschungsinstituts für Kooperationen und Genossenschaften an der WU Wien, Dietmar Rößl, und Schweizer Genossenschaftspraktiker zum Thema „Identität und Wachstum“. Dabei setzte sich auch Werner Beyer, Präsident der IG Genossenschaftsunternehmen, für eine Stärkung der Genossenschaften ein. Er erläuterte, warum fünf Schweizer Unternehmen in der Rechtsform der Genossenschaft 2010 die IGG gegründet haben: „Ein wichtiges Ziel ist es, die Idee und die Merkmale der Genossenschaft in der unternehmerischen Tätigkeit von Menschen in unserem Land wieder stärker zu etablieren.“

Genossenschaftsbanken in Europa

Der Niederländer Jos Bijman (li.), Management Studies Group, Universität Wageningen, ist der IGT-Wissenschaftspreisträger 2016

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Der ehemalige ÖGV-Verbandsanwalt Hans Hofinger referierte über genossenschaftliche Werte bei den Volksbanken

Eine Studie, wie sich Genossenschaftsbanken in Europa vor dem Hintergrund von Regulierung und Wettbewerb, neuen Technologien und Digitaliesierung entwickeln, präsentierte Hans Groeneveld, Direktor für internationale Beziehungen in der Rabobank. Seit 2014 sei ein Anstieg der Mitgliederzahl ebenso zu verzeichnen wie ein Anstieg der Zahl der Filialen von Genossenschaftsbanken bei konstanten Marktanteilen bei Spareinlagen und Krediten. Generell zeige sich aber seit 2008, dass die Renditen der gesamten Bran-


International che auf niedrigeren Niveau stagnieren. Die anschliessende Diskussion mit dem Studienautor, Elisa Bevilacqua (EACB) und Matthieu Vanhove (CERA, Cooperative Association Belgien) moderierte CIBP-Generalsekretärin Andrea Karner.

Wie können Genossenschaften sektorübergreifend zusammenarbeiten? Neue Ansätze lieferte der CIBP-Hackathon im Zukunfts-LAB

Forschungsschwerpunkt Österreich In einem der IGT-Foren präsentierten Dietmar Rößl und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Stefan Radakovics die Ergebnisse einer vergleichenden Analyse zum Image von Genosenschaften in Österreich, ein anderes Forum widmete sich der Identität von Genossenschaften. Unter der Leitung von Johann Brazda (Universität Wien) sprach Hans Hofinger über genossenschaftliche Werte im neuen §30a-BWG-Strukturmodell am Beispiel der österreichischen Volksbanken. Markus Dellinger (Raiffeisenverband) informierte über die beabsichtigte Reform des österreichischen Spaltungsgesetzes für Genossenschaften. Jan Wiedey, Siegfrid Rom und Florian Jagschitz referierten über aktuelle Entwicklungen in den Konsumgenossenschaften. Stefanie Zeman (Universität Wien) widmete sich den Wohnbaugenossenschaften. Arnulf Perkounigg, Vorstand des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum, sprach über das Spannungsfeld zwischen genossenschaftlichem Förderauftrag und verdeckter Gewinnausschüttung sowie über deren steuerliche Konsequenzen.

Genossenschaften in der Sharing Economy Eines der LABs beschäftigte sich mit der Zusammenarbeit von Genossenschaften in einer kollaborativen Wirtschaft, wie sie auch der US-Ökonom Jeremy Rifkin in seinem Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus“ beschreibt. Er sieht in der Ökonomie des Teilens und Tauschens ein neues Paradigma, das im Sinne des Philosophen Thomas S. Kuhn alles verändern wird: die Wirtschaft, die Gesellschaft, unsere Art zu leben und zu

denken, wie Harald Staun in der FAZ schreibt. Die Internationale Volksbankenvereinigung CIBP hat zu diesem Thema die Studie GRACE16 durchgeführt, zu der auch in „cooperativ 1/16“ eingeladen wurde. Um die Arbeit zu vertiefen, waren Auftraggeberin Andrea Karner (CIBP) und Studienautor Fotis Fillipopoulos (Shakesteer) von der IGT eingeladen, in einem der LABs einen strategischen Dialog („Hackathon“) zu veranstalten, der während der drei Tage der IGT konkrete Ergebnisse lieferte, die demnächst veröffentlich werden. Alles in allem setzte die Tagung deutliche Impulse für die Forschung,

aber vor allem auch für die Entwicklung der Genossenschaften im digitalen Zeitallter. Der Dank gilt den Organisatoren, insbesondere Franco Taisch und Alexander Jungmeister. Mögen die knapp 60 Beiträge von den rund 170 Vortragenden nicht nur größtes Interesse bei einem akademischen Publikum finden, sondern mit neuen Ideen und Anregungen vor allem die genossenschaftliche Praxis beflügeln! 

Über 1.000 Teilnehmer waren bei der IGT in Luzern dabei

Die IGT 2016 in Zahlen Rund 170 Referenten dis kutierten aktuelle Fragen zu Identität und Wachstum von Genossenschaften. n

Insgesamt gab es über 60 Veranstaltungen (Panels und Referate). n

96 Forscher haben 58 Beiträge verfasst. n

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21 Länder waren vertreten – Albanien, Äthiopien, Brasilien, China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indien, Italien, Kanada, Litauen, Neuseeland, die Niederlande, Polen, die Schweiz, Spanien, Thailand, die USA und Österreich.

Weiterführende Infos Der Bericht zur IGT mit dem Titel „Genossenschaftliche Identität und Wachstum“ (Cooperative Identity and Growth), herausgegeben von Franco Taisch, Alexander Jungmeister und Hilmar Gernet, gibt einen Überblick über die im Rahmen der Tagung angesprochenen Themen. Eine digitale Version des Tagungsbandes findet sich auf der Website www.igt2016.ch.

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International

Gipfeltreffen der Genossenschaften

ICA-Präsidentin Monique Leroux begrüßte die Teilnehmer aus aller Welt

„The Power to Act“ war das Motto des 3. Internationalen Genossenschaftsgipfels, der von 11. bis 13. Oktober im kanadischen Québec über die Bühne ging. Die Präsidentin der International Co-operative Alliance, Monique Leroux, begrüßte dabei rund 3.000 Teilnehmer aus 116 Ländern. „cooperativ“ bringt das Wichtigste im Überblick. Text: Martina Pieperhoff Fotos: ICA

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er Gipfel richtete sich sowohl an Praktiker als auch an Wissenschaftler. So versammelten sich genossenschaftlich organisierte Unternehmen, um zu diskutieren, welche Handlungsoptionen Genossenschaften in sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bereichen haben. Einig war man sich, dass Genossenschaften hinsichtlich der Ziele nachhaltiger Entwicklung der UNO eine wesentliche Rolle spielen und zur Lösung globaler Probleme beitragen können. Im Rahmen einer Diskussionsrunde gingen die UN-Botschafter Harald Braun (Deutschland), Horacio Sevilla Borja (Ecuador), Marc-André Blanchard (Kanada), Sarah Mendelson (USA) und Sukhbold Sukhee (Mongolei) der Frage nach dem Stellenwert genossenschaftlicher Unternehmen in den jeweiligen Ländern und deren Bedeutung für die UN-Ziele nach. Der deutsche UN-Botschafter verwies dabei auf die Renaissance von 30

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Nobelpreisträger Joseph Stiglitz referierte über Ungleichheit

Genossenschaften in Deutschland im Energiesektor. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, Professor an der Columbia University, präsentierte einen Überblick über die sozioökonomischen und geopolitischen Gegebenheiten. In seinem Vortrag über Ungleichheit zeigte er nicht nur seine Sorgen, sondern auch Möglichkeiten auf, wie Ungleichheit verringert werden kann.

Austausch über neue Geschäftsmodelle Junge Führungskräfte von genossenschaftlich organisierten Unternehmen hatten im Rahmen des „Young Leader Track“ die Möglichkeit zum Austausch in diversen Workshops. In einem abschließenden Gespräch mit Guy Cormier, Präsident der Desjardins-Gruppe, wurde die Bedeutung von neuen Geschäftsmodellen für die Zukunft der Genossenschaften herausgearbeitet.

Über die Autorin Martina Pieperhoff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Das Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften an der WU Wien, das ebenfalls in Québec vertreten war, ortet besonderes Potential für neue Genossenschaften in den Bereichen Seniorenbetreuung, Nahversorgung und bei der Zusammenarbeit von Ein-Personen-Unternehmen. Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, dass beim Thema genossenschaftliche Seniorenbetreuung noch einige rechtliche Hürden zu nehmen sind


International

Gedankenaustausch über neue Geschäftsmodelle: die Young Leaders

gestuftes System vor, das in Abhängigkeit des von der Bank gewählten Aktivitäts- und Aktionsrahmens unterschiedlich anspruchsvolle Regulatorien vorsieht.

Die Besonderheiten von Sozialgenossenschaften

Insgesamt kamen 3.000 Vertreter aus 116 Ländern

und dass beim Thema Nahversorgung die Stafettenübergabe von den Gründern auf die nächste Führungsgruppe eine erhebliche Barriere darstellt.

Ergebnisse der GRACE-Studie vorgestellt Andrea Karner, Generalsekretärin der Internationalen Volksbankenvereinigung (CIBP), stellte in Québec die Ergebnisse der Studie GRACE16 vor. „Unser oberstes Ziel ist es, die Managementpraxis von Genossenschaften branchenübergreifend durch umsetzbare Erkenntnisse zu verbessern und die Rolle der aufkeimenden Sharing Economy im Genossenschaftssektor besser zu verstehen. Es geht dabei insbesondere um die Themen Digitalisierung, Systemdynamik, Ökosysteme und Plattform-basierte Geschäftsmodelle“, so Karner.

Regulatorik als Bedrohung für Genossenschaftsbanken Franco Taisch von der Universität Luzern diskutierte unter anderem mit EACB-Präsident Gerhard Hofmann und Klaus Buchleitner, Generaldirektor der RLB NÖ-Wien, über die Effizienz des genossenschaftlich organisierten Bankenmodells. Zwar hätten die Genossenschaftsbanken die Finanzkrise gut gemeistert, jedoch würden der Fokus auf global tätige Banken und die daraus abgeleiteten überbordenden Regulatorien eine Gefahr für Genossenschaftsbanken darstellen, so der Tenor. Diese Regulatorien zögen weitere Anpassungen des genossenschaftlich organisierten Bankenmodells nach sich. Das Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften schlägt zu dieser Problematik ein ab-

Im wissenschaftlichen Tagungsteil gingen Dietmar Rößl, Katie Hyslop und die Autorin dieses Beitrags der Frage nach, über welche Mechanismen die verschiedenen Genossenschaftstypen koordiniert werden. Dabei wurde klar unterschieden zwischen förderwirtschaftlichen Genossenschaften, die von Mitgliedern gesteuert im Interesse der Mitglieder agieren und auf deren Nutzen abzielen, und Sozialgenossenschaften, die auf den Nutzen Dritter abzielen. Bei ersteren kann aufgrund der zu erwartenden Vorteile auf ein vereinbarungsgemäßes Verhalten der Mitglieder vertraut werden. Hingegen muss für ein vereinbarungsgemäßes Verhalten der Mitglieder in Sozialgenossenschaften auf gesellschaftlich verankerte Normen zurückgegriffen werden. Die Frage, wie es trotz Fehlens von Hierarchie und von individuellen Vorteilen zu Zusammenschlüssen in der Form von Sozialgenossenschaften oder – rechtsformunabhängig – von Social Enterprises kommt, kann die Forschung noch nicht schlüssig beantworten. 

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International

Das Podium (v. l. n. r.): Claus Königs (GV Bayern), Robert Nicolussi und Paul Gasser (Raiffeisenverband Südtirol), Andreas Schneider (EU-Kommission), Andreas Gmünder (Uni Luzern) und Theresia Theurl (Uni Münster)

„Ein regulatorischer Raubüberfall“ Soll der Schutz von Spareinlagen in der Eurozone in Zukunft durch eine einheitliche europäische Einlagensicherung erfolgen, wie dies die EU-Kommission plant? Diese Frage wird derzeit nicht nur im EU-Parlament heftig diskutiert, auch die diesjährige IGA-Tagung in Südtirol zeigte, dass man sich noch lange nicht einig ist. Text: Günther Griessmair Fotos: Raiffeisenverband Südtirol

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u der Veranstaltung in Meran hatte das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA) geladen. Vertreter aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Österreich präsentierten zunächst den aktuellen Sparerschutz in den jeweiligen Ländern. Danach wurde über das heftig umstrittene Vorhaben der EU-Kommission diskutiert. Die Kommission möchte die derzeitigen nationalen Systeme der Einlagensicherung bis 2024 schrittweise auf europäische Ebene heben. Diese dritte Säule der Bankenunion trage schon allein durch die Größe des gemeinsamen Sicherungsfonds zu mehr Krisenfestigkeit bei, warb Kommissionsvertreter 32

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Andreas Schneider bei der Tagung für das Vorhaben.

Europaweiter Schutz gegen Krisen Zudem bringe die europäische Einlagensicherung (EDIS) einheitliche Standards für alle Bürger der Eurozone. Wie schon jetzt werden Einlagen bis 100.000 Euro gesichert, die Auszahlung der Summe soll im Falle des Falles einheitlich binnen sieben Tagen erfolgen. Um den neuen europaweiten Schutz zu gewährleisten, sollen die nationalen Einlagensicherungsfonds – sie werden derzeit gerade erst dotiert und umfassen im Endausbau 0,8 Prozent der gesicherten Einlagen – in drei Phasen

nach Brüssel übertragen werden, zunächst als Rückversicherung, dann als Mitversicherung und schließlich als Vollversicherung. Bei der Berechnung der Beiträge wolle man risikoorientiert vorgehen, versprach Schneider. Wie genau das passieren solle, sei allerdings noch offen, räumte der Kommissionsvertreter ein. Klar sei aber: Der Umstand, dass etwa bestehende Haftungsverbünde das Risiko bei Banken senken, müsse berücksichtigt werden. Der Kommissionsexperte wollte auch nicht verhehlen, dass zum Thema EDIS unter den Mitgliedstaaten noch keine Einigkeit herrsche. Während nördliche Länder – Schneider nannte


International

IGA-Vorsitzender Arnulf Perkounigg bei der Eröffnung der Tagung: „Heiß diskutiertes Thema“

Theresia Theurl: „Bewährte Sicherungssysteme nicht zerschlagen“

Andreas Schneider: „Europäisches Bankensystem wird krisenfester“

hier neben Deutschland, Frankreich und den Niederlanden auch Österreich – dem Vorhaben reserviert gegenüberstünden, trete man in Spanien, Italien, Griechenland oder Zypern für eine möglichst rasche Umsetzung ein.

terschiedliche Risiken in den einzelnen Ländern, die nicht durch eine einheitliche Prämie abzudecken seien. Bewährte nationale Systeme und würden im Kommissionsvorschlag zudem nicht ausreichend berücksichtigt. Und: Für echte Krisen sei auch der europäische Fonds mit seinen geplanten 45 Milliarden Euro zu gering dotiert. Sie plädiert stattdessen für eine verpflichtende europäische Rückversicherung, bei der im Krisenfall zuerst die bestehenden nationalen Einlagensicherungssysteme in die Verantwortung genommen werden.

sion“ von EDIS in die Debatte geworfen. Darin schlägt sie vor, nur einen Teil der Gelder in den europäischen Topf einzuzahlen. Und auch dieser Schritt soll an eine Reihe von Bedingungen – etwas den Aufbau ausreichender Risikopuffer im Bankensystem - geknüpft sein. Skepsis herrschte bei der Tagung auch bei den Bankenvertretern auf dem Podium. Sie traten für mehr Subsidiarität unter Berücksichtigung regionaler Banken mit ihrem risikoarmen Geschäftsmodell ein. Dieses sei immer noch der beste Schutz der Kundengelder, meinte auch Andreas Gmünder, Forscher an der Universität Luzern. Und Claus Königs, Interessenvertreter beim Genossenschaftsverband Bayern, betonte: „Die freiwilligen Institutssicherungssysteme von Genossenschaftsbanken wirken präventiv und sorgen dafür, dass der Entschädigungsfall erst gar nicht eintritt.“

Gefahr der Transferunion Theresia Theurl, Professorin für Volkswirtschaft an der Universität Münster, konnte dem Vorhaben in ihrem Referat wenig abgewinnen. Sie bezeichnete EDIS als „regulatorischen Raubüberfall auf die Banken“ und malte das Schreckgespenst einer Transferunion an die Wand. Die Voraussetzungen für die Vergemeinschaftung der Sicherungssysteme seien derzeit einfach nicht gegeben, argumentierte sie. Es gebe noch Altlasten in den Bilanzen vieler Banken und zudem un-

„Einlagensicherung light“ als Kompromiss? In diese Richtung zielt übrigens auch ein Kompromissvorschlag der niederländischen Europaabgeordneten Esther de Lange. Sie hat jüngst eine „Light-Ver-

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International

Soziale Unternehmen in Fernost

Genossenschaften sind ein Lösungsansatz für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme unserer Zeit, welche in praktisch allen Industrieländern auftreten. Eine neue Arbeit beleuchtet insbesondere die Entwicklungen in Japan, Südkorea und China. Text: Hans-H. Münkner

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n den industrialisierten Ländern wie Österreich, Deutschland, Frankreich, Japan und Südkorea, aber auch in China zeichnen sich – bedingt durch Wertewandel und demografischen Wandel - ähnliche Trends ab: Die Geburtenrate sinkt, die Lebenserwartung steigt. Wachsender Individualismus geht einher mit der Schwächung herkömmlicher sozialer Strukturen - Familie wie Gemeinde und Arbeitsplatz. In diesem sich ändernden Umfeld entstehen neues Denken, was gesunde Lebensweise und Schutz der Umwelt betrifft, und neue wirtschaftliche und soziale Strukturen. Dieser Wandel erfasst auch Genossenschaften als wirtschaftliche und soziale Organisationen. Stichwortartig lassen sich diese weltweiten Entwicklungstrends wie folgt skizzieren: In ländlichen Gebieten wächst die Zahl von Teilzeitbauern. Höfe, deren kleine Flächen nicht wirt34

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schaftlich zu bearbeiten sind, werden aufgegeben. Es fehlt an Erben, die bereit sind, sie zu übernehmen. Ackerflächen werden verpachtet oder verkauft. Es entsteht industrielle Landwirtschaft auf großen Flächen. Die Folgen: Wegzug der Jungen, die im ländlichen Raum keine Zukunftsperspektive sehen, Leerstand von Häusern, Schließung von Läden, Schulen, örtlichen Behörden und Ausdünnung der Infrastruktur.

Trends und Gegenbewegungen In den Gemeinden führen sinkende Einwohnerzahlen zu Kettenreaktionen: Schrumpfende, historisch gewachsene Kommunen werden zu Großgemeinden zusammengelegt, es kommt zu einer Konsolidierung landwirtschaftlicher Nutzflächen, auf denen landwirtschaftliche Großbetriebe und Monokulturen entstehen. Die Folgen sind wachsende

Entfernung der Bürger von Dienstleistungsbetrieben und der Gemeindeverwaltung sowie Verödung der Dörfer. Als Gegenbewegungen zeichnen sich wachsendes Umweltbewusstsein, Streben nach gesunder Ernährung und eine wachsende Zahl von Biolandwirten und Konsumenten, die Produkte der biologischen Landwirtschaft kaufen, ab. Es kommt zur Zusammenarbeit von Land und Stadt, zwischen Biolandwirten und gesundheitsbewussten Konsumenten, zwischen landwirtschaftlichen Genossenschaften und Konsumgenossenschaften. Es entstehen private Initiativen zur Erhaltung der gewachsenen Ortskultur und kultureller Einrichtungen. Örtliche Ressourcen werden in Multistakeholder-Vereinen und Genossenschaften, oft in Partnerschaft mit öffentlichen Einrichtungen, mobilisiert. Diese autonomen Gemeindeverbände mit wirtschaft-


International

lichen und sozialen Zielen übernehmen Aufgaben, für deren Erfüllung weder die öffentliche Hand noch der Markt angemessene Angebote bieten. Die regionale Wirtschaft wird durch Schaffung neuer Erwerbsquellen im ländlichen Raum unter Nutzung der neuen Medien gestärkt, mit Verarbeitung und Direktvermarktung von Produkten der biologischen Landwirtschaft, Erzeugung erneuerbarer Energien und Entwicklung neuer Formen des ländlichen Tourismus.

Blick nach Asien Die RECMA (Revue Internationale de l’Économie Sociale) hat in ihrer Ausgabe von Juli 2016 (Heft 341) erste Ergebnisse eines weltweiten Vergleichs von Modellen sozialer Unternehmen veröffentlicht. Das Projekt wurde von der belgischen Regierung angestoßen, es wird vom Verband der französischen Kreditgenossenschaften unterstützt. Die ersten drei Länder, über die berichtet wird, sind Japan, Südkorea und China, deren Kultur auf den Grundsätzen der konfuzianischen Philosophie beruht. Zwei von diesen Ländern – Japan und Südkorea – gleichen, was ihre wirtschaftliche Entwicklung und die Einkommensverteilung betrifft, stärker den westeuropäischen Verhältnissen, während sich China in seiner Größe, seinem Entwicklungsstand und seinem politischen System klar unterscheidet. Alle drei Länder haben eine lange Tradition genossenschaftlicher Zusammenarbeit unter starker staatlicher Kontrolle, die in China auf einer kommunistischen Ideologie beruht und in den beiden anderen Ländern auf antikommunistischer Ideologie. Während die Genossenschaften in China unter starkem staatlichem Einfluss bleiben, hat sich dieser Einfluss in Japan und Südkorea nach und nach verringert. Dort werden Genossenschaften zunehmend als privatwirtschaftliche Organisationen anerkannt und geregelt. In allen drei nordostasiatischen Ländern versuchen Genossenschaften,

die neu entstehenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu lösen. Es entwickeln sich neue Formen einer Private-Public-Partnership am Rande der Beschäftigungs- und Sozialpolitik oder im Zusammenhang mit Gemeindeentwicklung und Umweltschutz. Insgesamt wächst das Interesse an sozialen Unternehmen und neuen Formen von Genossenschaften wie Konsum-, Gesundheits-, Familien-, Gemeinde- und Sozialgenossenschaften. Die offizielle Anerkennung dieser Entwicklungstendenzen ist in Südkorea am weitesten fortgeschritten, mit dem Erlass mehrerer Verordnungen zur Förderung der Économie Sociale, die seit den 1990er Jahren als Instrument der Beschäftigungspolitik gesehen wird. Seit 2012 gibt es ein allgemeines Genossenschaftsgesetz, in dem Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt wurden. Zurzeit gibt es Überlegungen, ein Gesetz über Économie Sociale zu erlassen, wie es in Frankreich und anderen europäischen Ländern bereits existiert. Auch in Japan gibt es eine dynamische Genossenschaftsbewegung mit landwirtschaftlichen Genossenschaften, Genossenschaftsbanken und Konsumgenossenschaften. Seit den 1970er Jahren entwickeln sich neue Genossenschaften zur Lösung der Probleme einer optimalen Landnutzung. Fortschrittliche Landwirte und gesundheitsbewusste Konsumenten in den Städten bemühen sich um die Erhaltung von Ackerland für biologische Landwirtschaft, oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden, durch Gründung von Gemeindegenossenschaften. Diese erlauben es, das traditionelle Genossenschaftsmodell zu erneuern und neue Formen zu schaffen, in denen sich soziale Unternehmen in der Landwirtschaft entwickeln. Überlegungen zur Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für diese Entwicklung stagnieren derzeit mangels Mehrheit im Parlament. Anders verläuft die Entwicklung in China, das sich erst später zur Einführung marktwirtschaftlicher Methoden entschlossen hat und in sozialen Fra-

gen sowie bei der Bekämpfung von Armut und Ungleichheit eine eigene Entwicklung nimmt. In China unterscheidet sich das Maß an Autonomie von Genossenschaften und ihrer Leitung wesentlich von den Verhältnissen in Japan und Südkorea.

Bemerkenswerte Dynamik Die Berichterstatter sehen in ihren Länderberichten eine bemerkenswerte Dynamik zugunsten einer Économie Sociale und sozialer Unternehmen. Zugleich wird aufgezeigt, welche unterschiedlichen Ausprägungen diese eng miteinander zusammenhängenden Konzepte annehmen können. Die Autoren gehen davon aus, dass Économie Sociale und soziale Unternehmen sich gegenseitig ergänzen und stärken. Durch Einführung einer Économie Sociale werden Bedingungen geschaffen, die es bestehenden Genossenschaften erlauben, sich zu reformieren. Zugleich werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Genossenschaften und Vereinen entwickelt und gefördert, wobei die „alten“ Bewegungen dazu beitragen, die Glaubwürdigkeit von Économie Sociale und sozialen Unternehmen zu erhöhen und ihren Nutzen zu belegen. „cooperativ“ stellt die Länderstudien im Detail vor. Den Auftakt macht in dieser Ausgabe Japan, analysiert von Matsuyo Makion (Universität Osaka) und Ken-Ichi Kitajima (Universität Rikkyo in Tokio). Im nächsten Heft geht es um Südkorea und China. cooperativ 4/16

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International

Das japanische Modell

N

ach dem Zweiten Weltkrieg und in den 1980er Jahren stand Japan vor strukturellen Problemen: stagnierende Produktivität, wachsende Kluft zwischen Gehältern im städtischen und ländlichen Bereich, Landflucht, Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft und Veränderungen in der Einkommensstruktur der landwirtschaftlichen Betriebe. Hinzu kam wachsendes Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf die negativen Folgen des Wirtschaftswachstums für das soziale und ökologische Umfeld. Mit wachsendem Widerstand gegen Umweltverschmutzung durch industrielle Produktion entstanden neue Formen der Kooperation. In Japan gibt es eine aktive Genossenschaftsbewegung, die ursprünglich aus landwirtschaftlichen Genossenschaften und Konsumgenossenschaften bestand. Zusätzlich haben sich neue Formen wie Arbeiterproduktivgenossenschaften und Gemeindegenossenschaften entwickelt. Als Formen von sozialen Unternehmen in ländlichen Gebieten zur Befriedigung von ungedecktem Bedarf haben letztere die Züge des Non-Profit-Sektors. Seit den 1970er Jahren arbeiten Erzeuger und Konsumenten zusammen, die zunächst an der Entwicklung von Biolandwirtschaft interessiert waren, dann aber auch an der örtlichen Entwicklung, oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Gemeindeverwaltungen. Die moderne Genossenschaftsbewegung in Japan begann um 1900 mit der Übernahme europäischer Ideen und Gesetze. Das Konzept der Économie Sociale wird auf der Basis europäischer Erfahrungen seit den 1990er Jahren sowohl in der Forschung als auch in der Praxis verbreitet. Schon davor verfolgten in Japan landwirtschaftliche Vielzweckgenossenschaften auch soziale Ziele. Es ist erstaunlich, dass der Länderbericht diese seit langer Zeit bestehenden landwirtschaftlichen Vielzweckgenossenschaften nicht erwähnt – 2011

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waren es ca. 730 –, die neben landwirtschaftlichen Aktivitäten der Bauern auch wirtschaftliche und soziale Interessen einer wachsenden Zahl von anderen Bewohnern ländlicher Gebiete wahrnehmen und einen umfangreichen Katalog von Dienstleistungen anbieten: Konsum, Finanzen, Versicherung und soziale Dienstleistungen vom Kindergarten bis zu Beerdigungsdiensten. Nach Ursprung und Zielen werden die neuen sozialen Genossenschaften in vier große Kategorien eingeordnet: » Genossenschaften, die sich um die Schaffung von Arbeitsplätzen und um soziale Fragen sowie um den Er halt der Umwelt kümmern » Genossenschaften, die aus Gruppen von Biolandwirten hervorgegangen sind und sich erst später auch für die Belange der Gemeinden und ihrer Bürger eingesetzt haben » Organisationen, die sich zum Schutz von Ackerflächen gegen Aufgabe und Umwidmung durch Zusammen schluss von Landwirten gebildet haben » Organisationen von engagierten Bür gern in den örtlichen Gemeinden, die sich in den 2000er Jahren als Ant wort auf die Zusammenlegung von Gemeinden gebildet haben, um die gewachsene Ortskultur zu erhalten Drei Entwicklungen mit Einfluss auf diese neuen Genossenschaften sind: » Gebiets- und Gemeindereform: Zu sammenlegung von ca. 85 Prozent historisch gewachsener kleiner und schrumpfender Gemeinden in abge legenen Gebieten und auf Inseln durch staatliche Verordnung in Großgemeinden. Als Reaktion der Bürger entstehen autonome Gemein deverbände zum Angebot von Leis tungen, die weder von der Gemeinde noch vom Markt in hinreichender Qualität angeboten werden, etwa Pflege und Unterhaltung von Kultur zentren, Museen und Sportstätten. » Agrarreform: Im Zuge einer Agrarre form kommt es zur Konsolidierung

von kleinbäuerlichen Betrieben in landwirtschaftlichen Großbetrieben. Kleinbauern geben ihre Betriebe mangels Wirtschaftlichkeit und we gen Fehlens von Nachfolgern aus der Familie auf und verpachten oder ver kaufen ihre kleinen Ackerflächen an Großbauern, die industrielle Produk tionsmethoden anwenden. » Wachsendes Gesundheits- und Um weltbewusstsein: Umweltschonende Produktionsmethoden der Bioland wirtschaft verbreiten sich ebenso wie Verarbeitung und Vermark tung von Bioprodukten an gesund heitsbewusste städtische Konsu menten. Es kommt zu einer Zusam menarbeit von Bioproduzenten und städtischen Konsumenten. Me thoden organisierter Erschließung von neuen Einkommensquellen für Landwirte werden entwickelt: Nut zung von organischem Abfall und Gülle zur Erzeugung erneuerbarer Energien, Direktvermarktung verar beiteter Eigenprodukte in Hoflä den, auf regionalen Märkten oder über das Internet sowie die Entwick lung von „grünem Tourismus“. Militante der Studentenbewegung und Agrarunternehmer kehren in ihre heimatlichen Dörfer zurück, um dort eine neue Art des technischen Fortschritts in der Landwirtschaft zu praktizieren. Eine echte Innovation ist die Zusammenarbeit von örtlichen Bauern mit gesundheitsbewussten Konsumenten (Teikei). Konsumenten bezahlen im Voraus zu Beginn der Saison, wenn der Finanzbedarf der Bauern am größten ist und empfangen dafür während der Saison Lieferungen von frischen und gesunden Produkten. Es wird Direktvermarktung unter Umgehung des Großund Einzelhandels praktiziert, bei Verteilung des Mehrwerts zwischen Produzenten und Konsumenten. Zugleich werden Bindungen zwischen Land und Stadt gestärkt. Es entwickelt sich eine biologische Landwirtschaft parallel zu den „klassischen“ landwirtschaftli-


International

chen Genossenschaften (Nokyo), die sich zum Förderer industrieller Produktion mit chemischem Dünger und Monokulturen entwickelt haben und bisher praktisch Monopolisten der Vermarktung von Agrarprodukten waren. Eine der ersten Konsumgenossenschaften in diesem System ist der Seikatsu Club in Tokio und auf der Seite der Landwirte der Verein der Biobauern in Japan. Diese neuen Genossenschaften mit den Merkmalen von sozialen Unternehmen sind die ländliche Version der Beschäftigungsgenossenschaften, Genossenschaften von Landwirten über Familienbande hinaus, mit engen und vertrauensvollen Verbindungen zu Genossenschaften gesundheitsbewusster Konsumenten, deren Ziele neben der Produktion auch Verarbeitung und Vertrieb ihrer Produkte sind. Diese Vorreiter der kommunalen Landwirtschaft praktizieren Fair Trade im ländlichen Raum. Die Erfolge der ersten Generation von Biobauern und deren positiver Einfluss auf die Gemeinden führten zu einer Ausbreitung dieses Modells. Biolandwirtschaft wurde zu einem unverzichtbaren Teil der ländlichen Gemeinden und der Wiederbelebung der örtlichen Wirtschaft. Seit 2000 wuchs das Interesse des Gesetzgebers an dieser Entwicklung, im Jahre 2006 wurde ein Gesetz über Biolandwirtschaft erlassen. Es wurden Biostädte geschaffen, 2011 gab es bereits 47 davon. 2006 kam es zum Zusammenschluss einer großen Genossenschaft und zahlreicher kleiner Genossenschaften zu einer Aktiengesellschaft, die ein System des Recyclings von Agrarabfällen und Gülle entwickelte, ebenso wie Methoden des Austauschs zwischen Land und Stadt mit der Organisation von Besuchen von Bauernhöfen, Ausbildungsund Sportprogrammen. Mit einer alternden Bevölkerung wächst in Japan auch die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegediensten. Schrumpfende Familien erschweren eine Altenpflege durch Angehörige.

Durch Zusammenlegung von Gemeinden verringert sich das Angebot an öffentlichen Dienstleistungen. Schulen, Krankenhäuser und Gemeinezentren werden ebenso geschlossen wie Dorfläden und Betriebsstätten. Die Zusammenlegung von kleinen Gemeinden führte auch zum Verlust der örtlichen Kultur sowie der Mitbestimmungsrechte der Bürger. Es bildeten sich autonome Gemeindevereine und Genossenschaften mit heterogener Mitgliedergruppe, in denen engagierte Bürger, Unternehmer und die Verwaltung zusammenarbeiten, um das Leben insbesondere für jüngere Arbeitnehmer und deren Familien attraktiver zu machen. So entstanden neben landwirtschaftlichen Genossenschaften kommunale Unternehmen in anderer Rechtsform mit Beteiligung der Einwohner und bestehender Genossenschaften, die wirtschaftliche und soziale Zwecke verfolgen, einschließlich ehrenamtlicher Tätigkeit in sozialen Einrichtungen, Ausbildung in Biolandwirtschaft und Integration von Ausgegrenzten in das Arbeitsleben. Diese autonomen Gemeindevereine entwickeln sich zu Gemeindezentralen. Ihre Funktionen umfassen Investitionen in bürgereigene Unternehmen, Schaffung eigener Unternehmen und Dienstleistungen wie das Betreiben von Gemeindezentren und Pflege von Grünanlagen, Schaffung und Betreiben von örtlichen Verkehrsbetrieben und Museen. Demokratisch legitimierte Räte für Gemeindeförderung und für die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung werden eingerichtet, die auch als Initiatoren von eigenen wirtschaftlichen Projekten tätig werden. Aus landwirtschaftlichen Genossenschaften werden durch Wahl anderer Rechtsformen kommunale Unternehmen mit Kapitalbeteiligung der Einwohner. Drei Ziele werden dabei verfolgt: Zusammenarbeit zur Erhaltung natürlicher Ressourcen, Zusammenarbeit zur Schaffung von Arbeitsplät-

zen und zur gemeinschaftlichen Produktion und dadurch zur Entwicklung der örtlichen Wirtschaft sowie Zusammenarbeit mit städtischen Kommunen und Organisation des Austauschs zwischen Land und Stadt, Ausbildung von Biolandwirten und Integration von Arbeitslosen in das Erwerbsleben. Um Strukturen zur Sicherung der natürlichen Ressourcen zu schaffen und die lokale Selbstverwaltung wieder zu beleben, entstanden örtliche Initiativen zur Schaffung autonomer Gemeindeverbände mit demokratischer Struktur, die partnerschaftlich mit den Verwaltungen der neuen Großgemeinden zusammenarbeiten und als Bindeglied zwischen örtlicher Autonomie und neuer Gemeindeverwaltung dienen. Dies geschieht duch Übernahme von kulturellen Zentren und Dienstleistungen der alten Gemeinden durch die Bürger selbst, Betrieb von kommunalen Dienstleistungen, Verwaltung von Einrichtungen und Grünflächen, Erhaltung örtlicher kultureller Einrichtungen und des Nahverkehrs sowie Bildung von Räten für die Förderung der Gemeinde in enger Partnerschaft mit der kommunalen Verwaltung und mit deren Unterstützung. In der Literatur über Économie Sociale gibt es zwar zahlreiche Untersuchungen über Genossenschaften, aber nur wenige Studien über deren Rolle in den Gemeinden in Zeiten der Globalisierung und des sozialen Wandels, die durch folgende Besonderheiten charakterisiert sind: Arbeit in einem klar abgegrenzten geografischen Gebiet, Erstellung von Gütern und Dienstleistungen für alle Bewohner und aktive Beteiligung der Bürger. Diese Studie will diese Lücke schließen und zeigen, das in Japan ein neues Modell der Gemeindegenossenschaft entstanden ist, für das es zur Zeit keinen speziellen Rechtsrahmen gibt, ebenso wenig wie für die neuen Genossenschaftsunternehmen für erneuerbare Energien und multifunktionale und Multistakeholder-Genossenschaften.   

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Kultur

Lübeck: Windschiefe mittelalterliche Salzsilos

Breslau: Blick auf den Rynek-Ring

Abseits ausgetretener Pfade: Lübeck – Breslau – Königsgrätz Europäische Mittelstädte sind voll von Geschichte, lebendiger Gegenwart und enormer Sightseeing-Qualität. Ein Rundgang durch drei von ihnen – und eine Anregung. Text und Fotos:

L

Hermann Fritzl

übecker Kaufleute nutzten im Mittelalter verschiedene genossenschaftliche Organisationsformen, um sich auf ihren beschwerlichen Fernhandelsreisen über Gotland und die Ostsee ins weit entfernte russische Nowgorod gegenseitig zu unterstützen, zu schützen und ihre Interessen miteinander abzustimmen. Daraus entwickelte sich die Hanse, das meint „Schar“, „Gemeinschaft“, die zeitweise Kaufleute aus 200 Städten zu ihrem Verbund zählte. Gehandelt wurde mit Pelz, Wachs, Honig, Tuchen, Waffen, Schmuck, Wein und Salz, das ganz wesentlich zum Reichtum der Stadt beitrug, weil es das Konservierungsmittel für Fisch war. Der Handel mit den russischen Kaufleuten war stark reglementiert. So war es streng verboten, Kreditgeschäfte zu tätigen. Auf diese Weise sollten Konflikte vermieden werden, die sich aus nicht bezahlten Schulden ergeben könnten. Es durften auch keine gemeinsamen Gesellschaften mit den Russen gegrün38

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det werden. Der Handel hatte öffentlich überwacht am Markt von Nowgorod stattzufinden und nicht am dortigen Sitz der Hanse-Kaufleute. Auch die Bußgelder für Vergehen wurden penibel festgelegt: Für das Erschlagen eines Boten oder eines Priesters war der doppelte Preis wie für einen Kaufmann zu bezahlen – nämlich 500 Marderfelle. Das Fellgeld wurde „Kuna“ genannt, was „Marder“ bedeutet. Da es den Händlern aus religiösen Gründen untersagt war, mit ihren Geschäften Gewinn zu machen, nutzten sie die unterschiedlichen Maße und Gewichte für Tuch und Wachs, um dennoch Profite erzielen zu können. Und das ging so: Das Pfund Wachs wog in Nowgorod 480 Kilo, in Lübeck jedoch nur 320 Kilo. Die verbleibenden 160 Kilo waren des Kaufmanns Gewinn. All das erfährt man im 2015 eröffneten Europäischen Hansemuseum in Lübeck, das die Geschichte der Hanse mit modernster Museumstechnik zugänglich macht.

Lübeck – mehr als eine Hansestadt Eine andere, wenn auch fiktive Lübecker Kaufmannsfamilie des 19. Jahrhunderts wurde weltberühmt – die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, für die er den Nobelpreis erhielt. Der Schauplatz des Romans ist heute ein Museum mit aufschlussreichen Ausstellungen über die Schriftstellerfamilie und den Roman. Und noch ein Literatur-Nobelpreisträger hat in Lübeck ein Museum: Günter Grass, der seine letzten zwei Jahrzehnte bei Lübeck verbrachte und als Grafiker und Bildhauer zu entdecken ist. Ein geborener Lübecker ist Herbert Frahm, besser bekannt als Willy Brandt, Berliner Bürgermeister, deutscher Kanzler. Schlüsselereignisse des 20. Jahrhunderts und Brandts Leben werden im gleichnamigen Museum geschickt verknüpft. Was noch? Eindrucksvolle Backsteingebäude wie das Holstentor, mittelalterliche Durchgänge und Silos, Ein-


Kultur

heimische, denen Regenschauer komplett egal sind, tolle Eisgeschäfte, Marzipan in allen Varianten, frischer Fisch aufgrund der Meernähe und die Schiffergesellschaft, ein Treppengiebelhaus aus 1535, in dem die Bruderschaft der Kapitäne bis heute zusammenkommt und das auch als Restaurant dient.

Breslau – Polens Kulturhauptstadt 2016 Ring heißt der Hauptplatz der Altstadt von Breslau, und dieser „Rynek“ ist viereckig, nicht rund. Ein Jahr nach der Zerstörung Breslaus durch die Mongolen wurde er entworfen, und 800 Jahre später ist er noch immer einer der großartigsten Plätze Europas. Das Alte und das Neue Rathaus, barocke Bürgerhäuser, frühere Tuchhallen, Bauhausarchitektur, Cafés und Terassenlokale, unterirdische Lokalitäten wie der Schweidnitzer Keller, Polens älteste Gaststätte der Rynek ist ein einzigartiges Ensemble, belebt bei Tag und Nacht. Vom Platz gehen enge Seitengassen aus, die zu weiteren Entdeckungen einladen. Breslau soll schön sein wie nie, sagen Einheimische. Grund ist die Ausrichtung auf die Kulturhauptstadtfeiern 2016, dafür wurde fast die ganze Innenstadt restauriert. Es herrscht Aufbruchsstimmung, es gibt elf Hochschulen mit an die 150.000 Studierenden und damit eine lebendige Ausgehszene. Die Inselstadt an der Oder mit über 600.000 Einwohnern war seit Jahrhunderten das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Schlesiens. Sie brachte zehn Nobelpreisträger hervor - u. a. den Physiker Max Born -, dazu Größen aus verschiedenen Gebieten wie den Mediziner Ferdinand Sauerbruch, Kulturphilosophen wie Günter Anders oder Norbert Elias, Politiker wie Ferdinand Lassalle und Dirigenten wie Otto Klemperer. Was noch? Unbedingt die Dominsel besuchen, die ein Gefühl gibt, wie eine Kirchenstadt ausgesehen hat, und auf der noch immer täglich Gaslaternen angezündet werden. Das Universitätsviertel mit der Leopoldina-Uni, deren 170 Meter lange Barockfassade die Oder entlang führt und bei nächtlicher Be-

Chlum: Denkmal an die Schlacht von Königsgrätz

Eine von 100 Zwergskulpturen in Breslau

Bürgerhäuser am Hauptplatz von Königsgrätz

leuchtung beeindruckt. An die hundert skurrile bronzene Zwerggestalten sind in der Altstadt verteilt, als Erinnerung an die „Orange Alternative“, einer Art Spaß-Guerilla zur Zeit des Kriegsrechts 1981 bis 1983. Die Gastronomie setzt auch auf Breslauer Spezialitäten wie Bortsch, Bigos und Bier, in der Markthalle bei hoher Qualität zu „lächerlich“ günstigen Preisen.

Königsgrätz – die Burg der Königinnen Vor 150 Jahren, am 3. Juli 1866, schlug Preußen in der Schlacht von Königsgrätz das österreichische Heer vernichtend. Die Konsequenz: Unter Preußens Oberhoheit kam es zu einer Neugestaltung Deutschlands ohne irgendeine Beteiligung Österreichs. Das langsame Ende der Habsburger-Monarchie war eingeläutet. An die Schlacht erinnern heute Gedenksteine rund um das Dorf und die Ortskirche von Chlum, wenige Kilometer entfernt.

Der rosarote Thomas Mann

Königsgrätz, die Stadt an der Elbe und früherer Witwensitz der böhmischen Königinnen (Hradec Králové – Burg der Königinnen), ehemalige Festungsstadt der Österreicher, hat eine gut restaurierte, etwas museale Altstadt mit einem abschüssigen, zweigeteilten Hauptplatz, Bürgerhäusern mit Arkadengängen, in denen Lokale und Geschäfte untergebracht sind. Ein Stadtrundgang mit Schautafeln führt zu allen Sehenswürdigkeiten. Abends ist es erstaunlich lebendig, da die Stadt voll von Studenten ist. Die Küche ist böhmisch-kräftig, reichhaltig, bedarf des Biers. Eine Nachbemerkung: Die enorme Vielfalt Europas zeigt sich gerade auch in seinen Mittelstädten. Wohnt man in oder am Rand der Altstadt, kann man zu Fuß bequem alles in zwei bis drei Tagen entdecken. Sind die Orte Universitätsstädte, dann ist auch abends etwas los – kulinarisch und musikalisch. Ich wünsche auf Nebenpfaden viele Entdeckungen! 

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Kultur

R Ein Advent, so stimmungsvoll wie damals Seit nunmehr 70 Jahren ist das Salzburger Adventsingen ein international renommierter Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit. „Gib uns Frieden“ war der Titel der heurigen Jubiläumsaufführung im Großen Festspielhaus, veranstaltet wie immer von einer Genossenschaft, dem Salzburger Heimatwerk. Fotos: Salzburger Adventsingen

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und 1,8 Millionen Gäste besuchten seit 1946 das Adventsingen in Salzburg, auch heuer kamen wieder 36.000 Besucher aus 38 Ländern. Dennoch strahlt die Kulturveranstaltung noch immer eine besondere Intimität aus und hat von ihrem ursprünglichen Zauber nichts verloren. Dafür sorgte auch dieses Jahr wieder der künstlerische Gesamtleiter Hans Köhl, der neben dem biblischen Geschehen eine fiktive Entstehungsgeschichte des Salzburger Adventsingens zur Aufführung brachte. Für die gelungene Musikkomposition zeichnete Klemens Vereno verantwortlich, der auch alte Werke überarbeitete und daraus etwas Neues machte. Er bediente sich alter Liedaufzeichnungen aus Unterlagen von damals, um auch die Gründungsintentionen mit einbeziehen zu können. Damit gelang es, einen spannenden Bogen zwischen der Gegenwart und 1946 herzustellen. „Back to the roots“ lautete auch das Motto von Regisseurin Caroline Richards. Es ging ihr vor allem darum, die Einfachheit zurück auf die Bühne


Kultur

zu holen. Dieses Element spiegelte sich auch in den Kostümen wider. Die Bühne stellte Salzburg im Jahre 1946 dar - mit dem Glockenspiel, dem Dom, dem Salzburger Heimatwerk, den Kulissen von Untersberg und Gaisberg sowie der Silhouette der Michaels-Kirche. Maria und Josef wurden in bewährter Weise von Simone Vierlinger und Bernhard Teufl verkörpert. „Ich finde es jedes Jahr aufs Neue spannend, die Figur der Maria neu darzustellen und auch zu finden“, so Vierlinger. Susanna Szameit gab die Annette und schlüpfte dabei auch in die Rolle der Erzählerin auf der Bühne. Die Rolle des Tobi und damit auch jene von Tobi als Vogelfänger übernahm Theo Helm, der nicht nur das Zusammenspiel der Kinder genoss, sondern es auch spannend fand, von Tobi in die Figur des Vogelfängers zu wechseln. Am Ende der Aufführung erhoben sich die Gäste von den Sitzen und stimmten gemeinsam mit den 150 Mitwirkenden den Andachtsjodler an. Ein großer, aber auch ein besinnlicher Moment. 

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Fotos: Walter Kudera

Sport

Die Meistermannschaft der Volksbank Galaxy Tigers

Volksbank-Judokas erneut Meister Erfolgreicher Saisonabschluss für die Volksbank Galaxy Judo Tigers: In der brechend vollen Volksbank-Arena von Gmunden wurde das Team auch heuer seiner Favoritenrolle gerecht und holte den insgesamt fünften Meistertitel. Wir gratulieren!

Beherzter Kampf um jeden Punkt

Das Publikum in der Volksbank-Arena unterstützte lautstark

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as Final-Four-Turnier in Gmunden war ein würdiger Abschluss der Bundesliga-Saison 2016: Rund 1.500 begeisterte Judofans peitschten ihre Teams lautstark an und sorgten für Superstimmung in der Halle. Die Volksbank Galaxy Tigers demonstrierten dabei ihre Vormachtstellung und konnten in beeindruckender Manier den Titel verteidigen. Nach einem 11:3 im Halbfinale gegen Rekordmeister Mühlviertel folgte ein 9:4-Finalsieg gegen Wimpassing. Damit war der der fünfte Meistertitel für die Perchtoldsdorfer - der vierte in Folge - perfekt. „Besser geht‘s nicht, der Auftritt meiner Burschen war genial. Ich bin dankbar und stolz, Trainer dieser Mannschaft sein zu dürfen“, freute sich Meistercoach Thomas Haasmann. Als Nächstes geht für das Meisterteam nach Japan, wo ein dreiwöchiger Trainingsaufenthalt ansteht. Haasmann hat schon die nächste Saison fest im Blick: „Wir haben jetzt schon sehr viel erreicht, aber das nächste Ziel ist schon klar: mehr Titel als mein alter Klub Manner Wien zu erobern. Der konnte sechsmal Meister werden.“ Im Rahmen des Bundesliga-Finales in Gmunden wurde auch einer der erfolgreichsten Judokas Österreichs geehrt: Ludwig Paischer, der selbst mit Flachgau neun Meistertitel in der Bundesliga erobern konnte, gab das Ende seiner Karriere bekannt. 


Chronik

ÖGV

Neuer Vorstand und neue Verbandsräte I Erfolgreiche Bilanzfachtage

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m November hat die Abteilung Bilanz und Steuer des ÖGV die traditionellen Bilanzfachtage abgehalten. Bei drei gut besuchten Terminen in Wien, Salzburg und Graz informierten die Experten Franz Groß und Gerlinde Stumpf über aktuelle Themen des Steuerrechts und der Bilanzierung. Unter anderem ging es um das Rechnungslegungsänderungsgesetz, den Verbund-Abschluss, Fragen rund um die aktuell stattfindenden Fusionen sowie um die Rechnungslegung der Verwaltungsgenossenschaften. 

m ÖGV ist es in den letzten Monaten zu mehreren personellen Änderungen gekommen: ÖGV-Präsident Heribert Donnerbauer wurde am 9. November vom Verbandsrat anstelle von Christian Pomper in den Vorstand berufen. Die Lösung ist bis Ende Juni 2017 befristet. Sein Mandat als Präsident stellt Donnerbauer für diesen Zeitraum ruhend, Vizepräsident Gerhard Hamel übernimmt interimistisch die Agenden. Mit Robert Makowitz wurde zudem ein neuer Revisionsvorstand bestellt. Er tritt sein Amt im Jänner an. Der 40-jährige Makowitz, verheiratet und Vater von zwei Kindern, kommt vom Raiffeisenverband Salzburg, wo er zuletzt als Revisor und Bankprüfer tätig war. Neuerungen gibt es auch im Verbandsrat des ÖGV: Regina Ovesny-Straka, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, folgt Ernst Pfennich im Aufsichtsgremium nach. Zusätzlich wurden vom Gruppentag Volksbank Johannes Monsberger (Volksbank Steiermark), Andreas Pirkelbauer (Volksbank Oberösterreich) und Helmut Winkler (Volksbank Vorarlberg) in den Verbandsrat gewählt, VOLKSBANK-WIEN-Vorstand Rainer Borns wurde entsandt. Die Ergebnisse eines für 16. Dezember anberaumten außerordentlichen Verbandstags, der weitere Änderungen bringen kann, lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor. 

Studie: Sharing Economy und Genossenschaften E

ine aktuelle Studie des europäischen Dachverbandes Cooperatives Europe, an der auch der ÖGV mitgewirkt hat, ortet neue Chancen für die traditionelle Genossenschaft in der boomenden Welt der Sharing Economy, zu der Unternehmen wie Uber oder Airbnb, aber auch Crowdfunding-Plattformen zählen. Einerseits biete das genossenschaftliche Modell die Chance, reine Nutzer solcher Angebote zu echten Teilhabern machen, andererseits könnten etablierte Genossenschaften von den digitalen Plattformen viel lernen, so der Tenor der Studie, für die 38 Fallbeispiele aus 14 Ländern unter die Lupe genommen wurden. Agnès Mathis, Direktorin von Cooperatives Europe, zum Ergebnis: „Genossenschaften und die Sharing Economy haben viel gemeinsam, aber die beiden Welten können auch noch viel voneinander lernen. Die Genossenschaftsbewegung sollte die aufkeimende Sharing Economy als Chance verstehen, ihre Vision von gemeinsamer Ressourcennutzung und demokratischer Teilhabe zu verbreiten.“ Franz Groß und Gerlinde Stumpf (li.) bei der Veranstaltung im Wiener ÖGV-Haus

Internet-Tipp: auf www.coopseurope.coop kann man die vollständige Studie downloaden.  

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Chronik

Immo-Contract

25 erfolgreiche Jahre gefeiert Der prächtige Rahmen des Wiener Rathauses bildete die Kulisse für die 25-Jahr-Feier der IMMO-CONTRACT. Freunde, Wegbegleiter, Kunden und Mitarbeiter waren gekommen, um diesen Anlass gemeinsam zu feiern.

V. l. n. r.: Karl Fichtinger, Günter Pillwein, Moderatorin Silvia Graf, Peter Klingenbrunner, Karl Herber und Josef Preißl

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nter den illustren Gästen waren auch die Vorstandsdirektoren der VOLKSBANK WIEN, Josef Preißl und Wolfgang Schauer. Der Vorstand der Volksbank Niederösterreich war durch Rainer Kuhnle und Reinhard Diem vertreten. Im Rahmen des offiziellen Programmteils erinnerten sich Karl Fichtinger, Geschäftsführer der IMMO-CONTRACT, Peter Klingenbrunner, Vorstandsvorsitzender der IMMO-BANK und Geschäftsführer der IMMO-CONTRACT, Günther Pillwein, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der IMMO-BANK und Geschäftsführer der IMMO-CONTRACT, Karl Herber, ehemaliger Prokurist der IMMO-BANK und der IMMO-CONTRACT sowie VOLKSBANK-WIEN-Vorstand Preißl im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Silvia Graf an die Gründung der IMMO-CONTRACT im Jahre 1991. Die Idee entstand bei einem Arbeitsessen mit Fichtinger und IMMO-BANK-Prokurist Herber. Es sollten Synergien bei Vermittlung und Finanzierung gehoben werden. Fichtinger er44

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Andy Lee Lang und Band sorgten für den musikalischen Rahmen

stellte daraufhin ein umfassendes Konzept, das die Vertreter der IMMO-BANK sofort begeisterte. Im Herbst 1991 legte man los, und bereits im Dezember wurden die ersten Abschlüsse getätigt. Den Höhepunkt des Abends bildete die Überreichung der Ehrenfavorita an Fichtinger als Auszeichnung für sein Lebenswerk. Der Geehrte dankte den Gründervätern der IMMO-CONTRACT, allen Wegbegleitern und den Mitarbeitern. „Ohne sie wäre dieser unglaubliche Erfolg nicht möglich gewesen“, so Fichtinger. Ein besonderer Dank galt seiner Gattin Maria, die als „Finanzministerin“ des Unternehmens von Beginn an für die gesunde finanzielle Entwicklung von IMMO-CONTRACT verantwortlich zeichnete. Der Auftritt der „Comedy Hirten“ leitete zum unterhaltsamen Teil des Abends über und sorgte für zahlreiche Lacher. Anschließend brachte Andy Lee Lang so manchen Fuß zum Wippen, und auch die eine oder andere flotte Sohle wurde aufs Parkett gelegt. In dieser Stimmung fand der Abend einen positiven Ausklang.   


Chronik

Volksbank Wien

Fusionen unter Dach und Fach Die VOLKSBANK WIEN hat im November ihre letzten Fusionen erfolgreich gemeistert. Durch den Zusammenschluss mit der Volksbank Niederösterreich Süd und der Volksbank Südburgenland entstand eine neue Regionalbank, die ein Marktgebiet vom Weinviertel über Wien und das Industrieviertel bis zum Burgenland betreut.

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ie Volksbank Niederösterreich Süd hat vor der Fusion nochmals ein herausragendes Ergebnis vorgelegt: Nach den ersten drei Quartalen wird für 2016 ein EGT von 4,9 Millionen Euro erwartet, das wäre der beste Wert in der über 150-jährigen Unternehmensgeschichte. „Ein derartiges Ergebnis zeigt eindrucksvoll die Stärke unserer Mannschaft und Region. Unsere Bank wird einen wichtigen Beitrag für die Erfolge der Zukunft in der VOLKSBANK WIEN AG leisten“, kommentiert Direktor Christian Kornfell die Zahlen. Ein weiterer Baustein für den gemeinsamen Erfolg: Das in der Volksbank Niederösterreich Süd seit fast vier Jahren etablierte Nachhaltigkeitsmanagement wird nun im gesamten Einzugsgebiet der VOLKSBANK WIEN ausgerollt. Die Bank mit einer Bilanzsumme von 433 Millionen Euro bringt zudem neun Filialen ein. Die Volksbank Südburgenland steuert eine Bilanzsumme von 260 Millionen Euro und sechs Filialen bei. Die neue VOLKSBANK WIEN kann nunmehr als starke Unternehmerbank in der Region auftreten. Bei einer Bilanzsumme von 4,7 Milliarden Euro – ohne Spitzeninstitutsteil - und 250.000 Kunden mit Einlagen von insgesamt 4,1 Milliarden verfügt das Institut über solide Ertrags- und Risikokennziffern. Ganz der Idee der Volksbanken-Gründerväter (Selbsthilfe von Unternehmern) entsprechend, werden nun im Rahmen der „KMU-Milliarde“ gezielt Firmen finanziert. Vorstandsdirektor Wolfgang Schauer: „Aufgrund unserer Kapitalstärke ist es möglich, die Unternehmer unserer Region

mit Hilfe der KMU-Milliarde optimal zu unterstützen und damit unserer Wachstumsstrategie Rechnung tragen zu können.“ Die Wirtschaft weiß das zu schätzen: „Eine Unternehmerbank wie die Volksbank ist für uns ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, so Hans-Jürgen Uhl, CEO der Uhl-Gruppe, die seit mittlerweile rund 50 Jahren erfolgreich in der Baubranche tätig ist und mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Familienbetrieb in Wiener Neustadt setzt voll und ganz auf die Volksbank als Partner: „Unsere dynamische Entwicklung ist nur durch entsprechende regionale Partnerschaften möglich. Die Fusion der Volksbank NÖ Süd mit der VOLKSBANK WIEN ist für uns nicht nur aufgrund der unternehmerischen Tätigkeit im gesamten ostösterreichischen Raum von Vorteil, sondern vor allem wegen der neuen Größendimension des Bankpartners. Die Uhl-Gruppe schließt im heurigen Jahr nicht nur an ihre Erfolge der letzten Jahre an, sondern geht auch von einem neuen Rekordjahr 2016 aus. Die KMU-Milliarde der Volksbank ist ein Vorteil für die Zukunft“, so Herbert Narath, CFO der Gruppe. Direktor Martin Heilinger blickt optimistisch in die Zukunft: Das Geschäftsmodell der genossenschaftlichen AG verbinde die Vorteile der Regionalität und des Miteigentums durch die Volksbank Niederösterreich Süd eG sowie die Größe einer Regionalbank europäischer Dimension und die notwendige Kapitalmarktfähigkeit mit den Vorteilen der AG, ist er überzeugt. „Die Anpassung unseres Geschäftsmodells ist aufgrund des geänderten

Ein starkes Team: Direktor Christian Kornfell, VOLKSBANK WIEN-Vorstand Wolfgang Schauer und Direktor Martin Heilinger

Direktor Harald Berger (Volksbank Südburgenland): „Ausrichten auf die Zukunft“

Kundenverhaltens notwendig. Nur wer rechtzeitig die Weichen stellt, wird die tiefgreifenden Änderungen der Finanzbranche für sich nützen können!“ Auch Direktor Harald Berger von der Volksbank Südburgenland sieht die Weichen für den Erfolg gestellt: „Mit der Einbringung in die VOLKSBANK WIEN erfolgt ein Ausrichten auf die Zukunft, denn nur so können die tiefgreifenden Änderungen der Finanzbranche, die Niedrigzinspolitik der EZB, die ständig steigendenden regulatorischen Vorschriften und das veränderte Kundenverhalten gemeistert werden.“   

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Chronik

Volksbank Wien

Exklusiver Pop-up-Store in der Operngasse Noch bis Jahresende lockt die VOLKSBANK-WIEN-Filiale in der Operngasse mit einer ganz besonderen Aktion: Im Rahmen eines Pop-up-Stores werden edle Gläser und Dekanter der Traditionsmarke Riedel angeboten.

Volksbank-Vorstand Wolfgang Schauer und Maximilian Riedel bei der feierlichen Eröffnung

Eindrücke aus dem Pop-up-Store in der Volks

bank-Filiale Operngasse

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as Unternehmen Riedel steht weltweit für funktionales Design und höchste Qualität. Die auf die jeweilige Rebsorte abgestimmten Kelchformen transportieren die Botschaft des Weines und ermöglichen so den perfekten Trinkgenuss - balanciert und harmonisch. „Meine Kunden lieben Wein, und wir stellen die weltbesten Instrumente des Trinkgenusses her“, so Geschäftsführer Maximilian J. Riedel. Die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens mit Sitz in Kufstein begann 1756 in Nordböhmen, als Johann Leopold Riedel eine Waldglashütte in Betrieb nahm. 260 Jahre und elf Generationen später ist der Name Riedel mehr denn je unmittelbar mit der Glasmacherkunst verbunden. Wer sich selbst von der Einzigartigkeit der Kollektionen und Serien sowie Dekanter überzeugen möchte, hat noch bis 30. Dezember in der Volksbank-Filiale in der Wiener Operngasse die Gelegenheit dazu. Der Pop-up-Store bietet eine reiche Auswahl aus dem Riedel-Sortiment – darunter auch die neuen Vorteilssets zum 260-Jahr-Jubiläum.   

Fotos: Felicitas Matern

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Chronik

Lange Nacht der Bank Erfolg für die zweite „Lange Nacht der Bank“ in der Zentrale der VOLKSBANK WIEN: Rund 200 Mitarbeiter aus allen Regionen der Bank nutzten am 4. Oktober die Möglichkeit, die Führungskräfte und das Haus besser kennenzulernen.

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Thomas Morgenstern sprach über den Mut, neue Wege zu gehen

Den Mitarbeitern hat‘s sichtlich gefallen

Mitarbeiter nahm daran teil. Die Umfrage beförderte ein durchwegs positives Stimmungsbild an den Tag und soll in Zukunft jährlich stattfinden.   

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Fotos: Felicitas Matern

eneraldirektor Gerald Fleischmann bedankte sich in seiner Begrüßung bei den Mitarbeitern für die großen Erfolge, die alle gemeinsam in den letzten Monaten erreicht haben. „Das starke Fundament, das geschaffen wurde, ermöglicht uns, wieder offensiv zu finanzieren. Das nächste große Ziel, das es zu erreichen gilt, ist das Wachstum im Kreditbereich“, begründete Fleischmann die neue Kam- Großer Andrang in der Zentrale der pagne „KMU-Milliarde“. VOLKSBANK WIEN Als Gast konnte die VOLKSBANK WIEN Thomas Morgenstern begrüßen, mit 14 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympia sowie 23 Weltcup-Siegen einer der erfolgreichsten österreichischen Sportler aller Zeiten und zugleich Publikumsliebling der ORF-Sendung „Dancing Stars“. Auf die Frage Marketing-Leiterin Barbara Bleier-Serentschy mit Generaldirektor nach seinem persönGerald Fleischmann lichen Erfolgsrezept nannte Morgenstern den Mut, neue die Mitarbeiter konnten ein gutes VerWege zu gehen, den Glauben an sich ständnis für die Aufgaben und Herselbst und den Fokus, an großen Zie- ausforderungen der anderen Bereiche len dranzubleiben. Dementsprechend gewinnen sowie den Kontakt mit den rief Fleischmann die Mitarbeiter der Kollegen intensivieren. VOLKSBANK WIEN dazu auf, weiUm ehrliches Feedback zu erhalterhin mutig auf einem nachhaltigen ten, hat die VOLKSBANK WIEN zuWachstumspfad voranzuschreiten. dem eine große Befragung unter dem Die „Lange Nacht der Bank“ Motto „mut:zu Zusammenarbeit“ brachte viele interessante Gespräche, durchgeführt. Mehr als die Hälfte aller


Chronik

Volksbank Niederösterreich

Erfolgreiche Fusionen

Herbert Glöckl, der nach 32 Jahren Volksbank mit Ende September seine Altersteilzeit antrat, und Regionaldirektor Hannes Scheuchelbauer, Foto: Christian Eplinger/NÖN

Der Herbst ist bei der Volksbank Niederösterreich ganz im Zeichen der Fusionen gestanden: Die Volksbank Ötscherland und die Volksbank Enns-St. Valentin schlossen sich mit der neuen, starken Regionalbank zusammen.

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ie rechtliche Fusion erfolgte am 4. Oktober, die technische eine bzw. zwei Wochen darauf. Mit diesen Zusammenschlüssen wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur Bildung einer neuen Regionalbank in Niederösterreich getan, die eine Bilanzsumme von rund 3,3 Milliarden Euro aufweisen wird. Der Prozess wird im Sommer 2017 mit der Eingliederung der Waldviertler Volksbank Horn abgeschlossen. Volksbank-NÖ-Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle sieht große Chancen für die Zukunft: „Unsere neue Regionalbank hat künftig eine Größe, die alle notwendigen Herausforderungen der Zukunft sehr gut bewältigen wird und dank einer dezentralen Struktur über die notwendige regionale Verankerung verfügt. Es wird sich an den Werten der Volksbank nichts ändern. Wir stehen für Kundenpartnerschaft, Regionalität und Vertrauen.“ Auch die neuen Regionaldirektoren Hannes Scheuchelbauer (Donau-Ötscherland) und Berndhard Muckenhuber (St. Valentin) blicken positiv nach vorn und freuen sich auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen.   

Regionaldirektor Hannes Scheuchelbauer mit den Stargästen Dominik Distelberger (li.) und Andreas Goldberger (re.)

V. l. n. r.: Filialleiter Hannes Rötzer mit seinem Team – Rene Pitzl, Manuela Handl, Josef Kozisnik und Lisa Eder

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Prokurist Michael Breitrainer und Bernhard Muckenhuber, Regionaldirektor in St. Valentin, Foto: Ingrid Vogl/NÖN

Eröffnung der neuen Geschäftsstelle in Oberndorf Am Nationalfeiertag hat in Oberndorf die offizielle Eröffnung der umgebauten Volksbank stattgefunden. Rund 1.000 Gäste folgten der Einladung der Volksbank Niederösterreich zum großen Frühschoppen.

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ie Ehrengäste, darunter Landtagsabgeordneter Anton Erber, Volksbank-NÖ-Vorstandsdirektor Rainer Kuhnle und Ortschef Franz Sturmlechner, zeigten sich beeindruckend vom gelungenen Umbau und betonten die Wichtigkeit und Bedeutung der Volksbank für die regionale Wirtschaft und das Gemeinwesen. Ganz besonderen Anklang beim Publikum fanden die Stargäste der Eröffnung, der Leichtathlet und Lokalmatador Dominik Distelberger sowie Skisprunglegende Andreas Goldberger. Beide hoben im Interview mit Regionaldirektor Hannes Scheuchelbauer die tolle Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der Volksbank hervor, welche sie auf ihrem sportlichen Weg begleitet und unterstützt. Nach dem offiziellen Teil der Feierlichkeiten und der Segnung der Filiale durch Pfarrer Mathäus hatten die Gäste noch die Möglichkeit, Fotos und Autogramme der Sportstars zu erhalten.   


Chronik

Volksbank Salzburg

Festival für Neue Volksmusik

Tolles musikalisches Ambiente im Salzburger Petersbrunnhof

Mit der Volksbank Salzburg als Partner und Hauptsponsor ist im Herbst erstmals das Festival „bodenst@ndig“ über die Bühne gegangen. Im eindrucksvollen Ambiente des Salzburger Petersbrunnhofs gab es zwei Tage lang Neue Volksmusik.

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ie Gruppen Alma, Querschläger, Salzburger Nockerl und Federspiel begeisterten dabei über 800 Besucher. Auch mit dabei: der Brucker Alphornklang, die Jazz-Sängerin Yella Schwarzer, die Gruppe Unerhört sowie eine Reihe junger „Ziach-Spieler“ (Steirische Harmonika) des Musikum Salzburg. Musik vom Feinsten also, in allen Spielvarianten, mit belebenden Anleihen aus Klassik, Jazz, Folk, Pop, Weltmusik – immer auf Basis traditioneller Volksmusik. Mitten im „Kulturdreieck“ zwischen Salzburger Volkskultur, dem Schauspielhaus und den Proberäumen des Mozarteum-Orchesters entstand im Innenhof des Gebäudekomplexes bei traumhaftem Wetter eine ganz besondere Stimmung: Neue Klänge genießen, Virtuosität bestaunen, Vielfalt bewundern – unverkennbar lag die Musikbegeisterung während des gesamten Festivals in der Luft. In der sogenannten Neuen Volksmusik sind seit Jahrzehnten ausgezeichnete Musiker daheim, die auf unterschiedliche Weise an Erneuerung arbeiten, indem sie Traditionelles mit ganz anderen Stilrichtungen vermischen (Crossover). Mit dem Festival „bodenst@ndig“ wurde erstmals in Salzburg eine große Plattform für diese Musik eröffnet. Mehr Informationen zum Festival unter: www.bodenständig.at   

VB-Salzburg-Generaldirektor Walter Zandanell bei der Eröffnung

Neue Volksmusik vom Feinsten mit den Gruppen Alma und Querschläger cooperativ 4/16

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Chronik

Volksbank Salzburg

Volksbank Steiermark

Kunst verziert Sparbuch

Ein typisch steirisches Fest

Die Volksbank Salzburg bietet schon seit geraumer Zeit speziell gestaltete Sparbuchhüllen. Ab sofort gibt es die begehrten Hüllen auch mit berühmten Kunstwerken aus dem Salzburg Museum.

Direktor Martin Hochleitner (Salzburg Museum) und Generaldirektor Walter Zandanell (Volksbank Salzburg) präsentieren die neuen Sparbuchhüllen

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chon vor vielen Jahren stieg die Volksbank Salzburg bei den Sparbuchhüllen von Kunststoff auf eine nachhaltige Kartonvariante um – produziert in Salzburg. Diese Hüllen eröffneten noch einen weiteren Vorteil für die Sparer: Eine große Auswahl an unterschiedlichen Motiven ermöglicht die Individualisierung der Sparbücher – von der lustigen Teddybär-Hülle für Kinder bis zum Urlaubsmotiv für das Reisesparbuch. Rechtzeitig zu den Weltspartagen startete die Volksbank Salzburg in Kooperation mit dem Salzburger Museumsverein eine ganz besondere Edition: Angeboten werden ab sofort Sparbuchhüllen mit Meisterwerken aus dem Salzburg Museum. Den Anfang machen der „Sonntagsspaziergang“ von Carl Spitzweg, „Salzburg aus der Flugperspektive“ von Gottfried Salzmann und ein Ausschnitt aus dem „Sattler-Panorama“ von Johann Michael Sattler. Zu haben sind die Kunst-Sparbuchhüllen in allen Filialen der Volksbank Salzburg, Informationen gibt’s auch im Internet unter www.volksbanksalzburg.at.   

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Die Volksbank Steiermark AG ist nach den Fusionen eine steirische Volksbank, aber mit vier Regionen. Aus diesem Grund fand am 6. Oktober das erste Regionenfest unter dem Motto „Oststeirisches Brauchtum“ im wundervollen Ambiente der Grazer Seifenfabrik statt. „Wir möchten das, was diese Regionen so typisch macht, hervorheben und unseren Volksbank-Kunden in der gesamten Steiermark schmackhaft machen. Und es ist auch ein Danke an unsere Kunden für die Treue, die sie uns seit vielen Jahren entgegenbringen“, so Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka bei ihrer Ansprache. Die Oststeiermark mit ihren vielfältigen Traditionen, Brauchtümern und ihrer Kulinarik bildete den Start für diese Veranstaltungsreihe, die jährlich mit einer anderen Volksbank-Region ihre Fortsetzung findet. Eröffnet wurde der Abend mit dem Einmarsch des Trachtenmusikvereins St. Magdalena. Die Steirischen Aufgeiger führten musikalisch durch das Programm, und die Neudauer Schuhplattler sorgten für eine zünftige Einlage. Die Kulinarik spielte ebenfalls alle Stückeln, die die Oststeiermark zu bieten hat. Am Ende des Abends waren sich alle Besucher einig: eine wunderschöne Region, diese Oststeiermark, und ein gemütliches Beisammensein für alle Anwesenden.   

Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka beim ersten Regionenfest der neuen Volksbank Steiermark

Viel Brauchtum, Tradition und gute Stimmung

Die Steirischen Aufgeiger sorgten für die Musik


Chronik

Förderung für Lehrlingsprojekt Bereits zum sechsten Mal hat die Volksbank Steiermark mit ihrem Partner TeamBank, dem Konsumkreditexperten der Volksbanken, heuer das Jugendprojekt „Finanzielle Bildung fördern“ unterstützt.

Volksbank Vorarlberg

Muster-Lehrbetriebe Die Ausbildung von Lehrlingen genießt seit jeher einen hohen Stellenwert in der Volksbank Vorarlberg. Im November wurden nun auch die Filialen Bludenz und Hohenems mit dem Siegel „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ versehen.

Das Projektteam bei der Scheckübergabe mit Regina Ovesny-Straka (VB Steiermark) und Patrick Galler (TeamBank)

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usgewählt wurde 2016 das Projekt „GeniusSort“ des Ausbildungsverbundes (ABV) Metall, in das 13 Lehrlinge aus dem dritten Lehrjahr involviert waren. Bei der Präsentation zeigten die Jugendlichen eindrucksvoll die einzelnen Arbeitsschritte von der Planung bis hin zur Inbetriebnahme einer Maschine. Auch die Produktions- und Herstellungskosten kalkulierten die Lehrlinge im Zuge der Projektierung mit vorbildlichem Engagement. Im ABV Metall haben sich zehn Metallleitbetriebe aus dem Bezirk Voitsberg zusammengeschlossen. Sie übernehmen damit Verantwortung für den qualifizierten Fachkräftenachwuchs in der Region und nutzen besondere Stärken jedes einzelnen beteiligten Topunternehmens. Das Projekt wurde mit einem Betrag in Höhe von 5.000 Euro honoriert. „Wir freuen uns über das große Engagement der Lehrlinge, die nachhaltig produziert und finanziell gehaushaltet haben“, so Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka.   

Gabriele Waldsteiner bei der Verleihung der Auszeichnung mit Landeshauptmann Markus Wallner

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n den vergangenen Jahren erhielt die Volksbank Vorarlberg bereits mehrfach das Gütesiegel als zertifizierter Lehrbetrieb von Vorarlberger Landesregierung, Wirtschafts- und Arbeiterkammer. Die Zentrale Rankweil wurde 2012 und 2015, die Filiale Bludenz 2013 und 2016 und die Filiale Hohenems heuer zum ersten Mal ausgezeichnet. Die Volksbank Vorarlberg Immobilien wurde 2015 ebenfalls als hervorragender Lehrbetrieb gewürdigt. Die Auszeichnung ist jeweils drei Jahre gültig. Gabriele Waldsteiner (Lehrlingsleiterin) und Renate Moosbrugger-Gruber (Filiale Bludenz) nahmen die neuen Zertifikate im Rahmen einer Verleihungs-

feier am 14. November entgegen. „Es freut mich sehr, dass unser Bekenntnis zur Lehre eine Bestätigung erhalten hat“, so Waldsteiner. Das Credo, Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu fördern, wird in der Volksbank Vorarlberg ernst genommen und beginnt bereits mit der Lehrlingsausbildung. In den letzten zehn Jahren haben 50 Lehrlinge eine Ausbildung in den Berufen Bankkauffrau/-mann, Bürokauffrau/-mann und Informationstechnologe absolviert. Derzeit sind elf Lehrlinge in der Bank beschäftigt. Dabei lernen sie den Beruf von der Pike auf und haben nach dem erfolgreichen Abschluss beste Karrierechancen.   

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Chronik

Volksbank Vorarlberg

Mitgliederausflug mit Natur, Kultur und Sport Auf Entdeckungstour in den Krumbacher Mooren

Fotos: Michael Siblik

Der Vorderbregenzerwald diente als Kulisse für den diesjährigen Mitgliederausflug der Volksbank Vorarlberg. Der regionalen Genossenschaftsbank ist es ein besonderes Anliegen, ihre Kunden zu kennen und die Wertschöpfung in der Region zu stärken.

Gruppenbild der Ausflügler: Ob Groß oder Klein – alle waren dabei!

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ei perfektem Herbstwetter fanden sich rund 140 Teilnehmer vor dem neuen Pfarrhaus in Krumbach ein, wo bereits ein kleines Frühstück bereitstand. Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel hieß alle Mitglieder willkommen und informierte kurz über aktuelle Entwicklungen und Aktionen. Nachdem sich alle gestärkt hatten, wurde die Region erkundet. Die Wandergruppe entdeckte die Krumbacher Moore und erfuhr von den Moorführerinnen viele spannende Fakten über diesen besonderen ökologischen Lebensraum. Im Moorraum wurde Rast gemacht, ganz Mutige testeten den besonderen Untergrund auf nackten Sohlen. Die Kulturinteressierten besuchten unterdessen die Ausstellung im Frauenmuseum in Hittisau. Unter dem Titel „Ich, am Gipfel. Eine Frauenalpingeschichte“ wurden dort Lebensgeschichten und Lebensentwürfe von bergsteigenden Frauen vorgestellt. Als Bergbäuerinnen oder Älplerinnen waren Frauen schon immer im alpinen Raum unterwegs, aber auch als Hochtouristinnen 52

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und Bergsteigerinnen haben sie die Alpenregion frühzeitig für sich entdeckt. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, das Projekt „BUS:STOP Krumbach“, das in den letzten Jahren international für Aufsehen sorgte, kennenzulernen. Sieben Architekturbüros aus sieben Ländern waren eingeladen, sieben Bushaltestellen zu gestalten. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern und regionalen Partnerarchitekten wurden die „Buswartehüsle“ schließlich gebaut – als Reminiszenzen an den Einsatz traditioneller Materialien, gekonnte Fertigungstechniken und die Landschaft. Durchhaltevermögen war bei den Bikern gefragt – die sahen den Bregenzerwald auf zwei Rädern und absolvierten eine anspruchsvolle Tour bis zum Stausee in Andelsbuch. Beim wohlverdienten gemeinsamen Mittagessen im Hotel Krone in Langenegg kamen schließlich alle wieder zusammen und genossen die regionalen Köstlichkeiten. In gemütlicher Runde wurden die Eindrücke des Tages ausgetauscht, bevor es wieder nach Hause ging.   

Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel informierte über aktuelle Entwicklungen

Gemeinsames Beisammensein nach einem tollen Tag


Chronik

Sport 2000

Ehrungen für „Händler des Jahres“ Zum bereits vierten Mal hat SPORT 2000 Österreich im Oktober im Rahmen der Generalversammlung die „Händler des Jahres“ sowie den „Lieferanten des Jahres“ ausgezeichnet.

Ausgezeichnet

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eun langjährige Mitarbeiter der Volksbank Vorarlberg bekamen unlängst für ihre Verdienste die Ehrenmedaille in Gold des Österreichischen Genossenschaftsverbandes verliehen. Die Jubilare Andreas Ziegler (40 Dienstjahre), Günther Beck, Wolfgang Friedl und Stefan Bauer (je 35 Dienstjahre) sowie Hans-Peter Salomon, Jochen Auer, Michaela Koch, Carola Aumann und Theresia Volderauer (je 25 Dienstjahre) wurden durch den Vorstandsvorsitzenden Gerhard Hamel und Vorstandsdirektor Helmut Winkler ausgezeichnet. Im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens im Weinlokal Rebberg in Röthis wurden die Urkunden des ÖGV sowie der Wirtschaftskammer Vorarlberg einschließlich der Präsente überreicht. Insgesamt feierten dieses Jahr 47 Mitarbeiter ein Dienstjubiläum in der Volksbank Vorarlberg. Gemeinsam können sie stolze 800 Volksbank-Jahre vorweisen!   

V. l. n. r.: Sarah und Philipp Hehenberger (Machsport), Hildegard und Alois Wallner, SPORT-2000Vorstand Holger Schwarting, Günther und Martina Unterlercher

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en ersten Platz holte sich in diesem Jahr SPORT 2000 Wallner mit Filialen in Eibiswald und Deutschlandsberg in der Steiermark. Zweiter wurde SPORT 2000 Unterlercher aus Tirol, den dritten Platz am Stockerl belegte Machsport mit der neuen Filiale in der Plus City in Oberösterreich. „Damit haben heuer drei unserer verdientesten Händler die Auszeichnung erhalten. Projekte wie Filialneueröffnungen, Spezialisierungen zum Beispiel auf Bikes und ein breites Serviceangebot wie Laufanalysen haben den Ausschlag für die Auszeichnungen gegeben“, so SPORT-2000-Vorstand Holger Schwarting. Neben den „Händlern des Jahres“ wurde auch der von den SPORT-2000-Mitgliedern gewählte „Lieferant des Jahres“ geehrt. Mit dem Preis wurde heuer das schwäbische Traditionsunternehmen Erima bedacht. Seit mehr als einem Jahrhundert auf dem Markt, steht Erima für beste Teamsport-Bekleidung und punktet als authentische Sportmarke bei Vereinen, Clubs und Einzelsportlern. Die Produkte stehen für Design, Innovation, hohe Funktionalität, Qualität und optimale Verfügbarkeit. Erima Österreich mit Sitz in Rohrbach (OÖ) ist zudem seit 2010 offizieller Ausstatter des Olympic Team Austria und stattete damit auch das gesamte Team für Rio 2016 aus. Die Generalversammlung selbst stand bei SPORT 2000 ganz im Zeichen der neuen und herausfordernden Entwicklungen im Sportfachhandel. Dabei wurden die Stärken der Genossenschaft in den Fokus gerückt. Mit Spezialisierungseinheiten in den fünf Kernkompetenzbereichen Outdoor, Winter/rent, Bike, Teamsport und Running beschreitet SPORT 2000 auch künftig neue Wege, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Beim Unternehmertag im Rahmen der Versammlung präsentierten Experten wertvolle Informationen und Inspirationen für die SPORT-2000-Händler, unter anderem mit Vorträgen zu den Themen „Was kein Onlineshop bietet“ oder „Beratung als Erfolgsfaktor im Handel“. Die Kundenberatung als Schlüssel zu intensiver Kundenbeziehung stand dabei im Mittelpunkt.   

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Chronik

Brauerei Murau

Bockbieranstich mit Tennisgrößen

Thomas Muster, Turnierdirektor Herwig Straka, Braumeister Johann Zirn, Geschäftsführer Josef Rieberer und Aufsichtsratsvorsitzender Michael Leitner-Fiedler beim Bockbieranstich

Erstmals hat die genossenschaftliche Brauerei Murau heuer das Erste Bank Open, Österreichs größtes Tennisturnier, unterstützt. Da durfte auch der Bockbieranstich vor Ort nicht fehlen.

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eben den sportlichen Darbietungen von Dominic Thiem & Co. war der Anstich des Bockbiers einer der Höhepunkte des Events in der Wiener Stadthalle. Tennislegende Thomas Muster und Turnierdirektor Herwig Straka halfen dem starken Gebräu aus dem Fass. Auch die Spieler Gilles Simon, Fabrice Martin und Oliver Marach ließen sich das Bockbier aus Murau nicht entgehen. Den rund 200 geladenen Gästen wurde ein besonderer Abend mit einem exklusiven Konzert der Edlseer geboten. Die Moderatoren Bernd Pratter und Ronny Leber entlockten den Spielern und Murauer-Braumeister Johann Zirn allerlei Wissenswertes rund um Bier und Tennis. Insgesamt war die Kooperation mit dem Stadthallenturnier ein voller Erfolg: Sowohl der Veranstalter als auch die Tennisspieler und die Besucher äußerten ihre Begeisterung darüber, dass 54

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in der Stadthalle diesmal steirisches Bier kredenzt wurde. Aufsichtsratsvorsitzender Michael Leitner-Fiedler, Geschäftsführer Josef Rieberer und Braumeister Johann Zirn wiederum freuten sich über so viel positive Resonanz in Wien. Wenige Tage später erfolgte auch in Murau der traditionelle Bockbieranstich. Zahlreiche Besucher – manche reisten extra aus Italien an – kamen, um den 2016er-Jahrgang des kräftigen Bockbiers zu verkosten. Der Abend wurde mit einem Festkonzert des Musikvereins St. Marein bei Neumarkt und des Musikvereins Stadtkapelle Murau feierlich eröffnet. Nach dem traditionellen Einmarsch der Brauereiverantwortlichen, Mitarbeiter und Ehrengäste erfolgte der Anstich, den Bürgermeister Thomas Kalcher mit Christoph Sumann unter Aufsicht von Braumeister Zirn vornahm. Mit den Worten „Zapf hinein, Bock he-

Den Spielern Gilles Simon, Fabrice Martin und Oliver Marach schmeckte das Murauer sichtlich

Brauereiverantwortliche, Mitarbeiter und Ehrengäste beim Bockbieranstich in Murau

raus, Böcklein spring in jedes Haus“ wurde dem hoffentlich besten Bockbier seit 1495 aus dem Fass geholfen. Weitere Programmpunkte waren ein Schuhplattler-Auftritt und die Wahl zur Bockbierkönigin inklusive Verleihung des Murauer-Bierstadtdirndls, entworfen von Irmgard Tscheppe-Zitz. Für gute Stimmung und eine volle Tanzfläche sorgte die Band „Die Draufgänger“, DJ Chiquita steuerte die Beats bei.   


Chronik

Im Kreis der Gemeinwohl-Pioniere Große Ehre für Gernot Jochum-Müller, den Obmann der Vorarlberger Genossenschaft Allmenda: Als einer von nur acht Österreichern wurde er zum „Fellow“ von Ashoka, einer der weltgrößten NGOs, gekürt.

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shoka fördert seit 1980 in mehr als 80 Ländern Menschen mit innovativen Konzepten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Jochum-Müller legt im Rahmen seiner Fellowship einen Schwerpunkt auf das Modell der Zeitvorsorge für soziale Pflege- und Betreuungsleistungen. Das weltweit erste öffentlich garantierte System dieser Art hat er in St. Gallen umgesetzt. Ziel des Modells es, durch die Nutzung von sozialem Kapital älteren Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dabei setzen rüstige Pensionisten ihre Lebenserfahrung und Zeitressourcen ein, um Senioren in ihrer Umgebung zu unterstützen. Die geleisteten Einsatzstunden werden auf dem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben. Wenn die Zeitgeber später selbst auf Hilfe angewiesen sind, können die angesparten Stunden für eigene Leistungsbezüge eingesetzt werden. „Gernot hat mit seiner Idee der Zeitvorsorge einen innovativen Weg gefunden, das Pflege- und Betreuungssystem zu revolutionieren“, freut sich Marie Ringler, Geschäftsführerin von Ashoka Österreich und Europa-Co-Leader, über den neuesten Fellow-Zuwachs. Zudem befasst sich Jochum-Müller intensiv mit Regionalwährungen, die er in Vorarlberg bereits mehrfach erfolgreich eingeführt hat und nun auf weitere Gemeinden in Österreich übertragen möchte. Georg Schön, Co-Geschäftsführer von Ashoka Österreich: „Mit der Entwicklung von Regionalwährungen und dem Zeitvorsorge-System zeigt Gernot, dass soziale Probleme nicht immer nur durch finanzielle Mittel gelöst werden können. Auch Zeit, Talente und neue Kooperationsformen sind wertvolle Werkzeuge, um sozialen Wandel voranzutreiben.“  

Ehrung für Aufsichtsräte in Fels am Wagram

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Gernot Jochum-Müller (Bildmitte) bei der Verleihung der Ashoka-Fellowship

m Rahmen der jüngsten Aufsichtsratssitzung der VB Fels am Wagram Beteiligung e.G. wurden Franz Zdenek (2. v. l.) und Erwin Paßecker (2. v. r.) gebührend verbschiedet und für ihre Verdienste ausgezeichnet. Die beiden stellten sich in der Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl. Zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats wurde Ernst Spannagl (Bildmitte) gewählt. Vorstandsvorsitzender Johannes Roch (li.) und sein Stellvertreter Ronald Winkler (re.) dankten den scheidenden Aufsichtsräten für ihren Einsatz.   

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Chronik

Im Gedenken an Erich Werner Dr. Erich Werner, langjähriger Generaldirektor der ÖVAG, ist am 25. August 2016 heimgegangen.

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erner wurde am 16. Juni 1928 in Zwettl/Rodl (Oberösterreich) geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Zwettl und des Staatsgymnasiums in Linz, einem Wehrmachtseinsatz von Jänner 1944 bis Mai 1945 und der Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft studierte er ab Oktober 1945 an der Universität Innsbruck Jus. Am 30. Juni 1952 promovierte er zum Dr. iur. Das Geld fürs Studium verdiente er großteils als nebenberuflicher Tischler. Nach der Gerichtspraxis begann er im Jänner 1953 als Beamter in der Oberösterreichischen Landeshypothekenanstalt in Linz. 1967 wurde er deren Direktor. Per 1. Oktober 1972 wurde er zum Vorstandmitglied der Zentralkasse der Volksbanken Österreichs (ZVÖ) in Wien bestellt, ab 1. Jänner 1973 war er deren Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor. Werner war es von Beginn an ein strategisches Anliegen, den Schulze-Delitzsch-Verbund neu und nachhaltig auszurichten und umzuorganisieren. Die Umgründung der ZVÖ in die ÖVAG (durch Einbringung des Bankbetriebs der Zentralkasse der Volksbanken Österreichs in die AG) im Jahre 1974 war nicht nur eine juristische Meisterleistung, sondern stellte auch eine strategische und operative Neuausrichtung des Spitzeninstituts dar. Sie war ihm nicht nur wegen der Schaffung einer genossenschaftlichen AG ein Anliegen, sondern auch, um persönliche In-sich-Abhängigkeiten in den Organen zu beseitigen. Werner lehnte es zutiefst ab, dass im Vorstand der ZVÖ als ehrenamtliche Mitglieder die Vorstandsvorsitzenden der größten Volksbanken tätig waren, da er die Gefahr erkannte,

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dass jenen Primärbanken gewisse Vorteile gewährt werden könnten, die von diesen ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern der ZVÖ geführt wurden. Die geschäftliche Unabhängigkeit des ÖVAG-Vorstandes – allein dem Sorgfaltsmaßstab eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmanns verpflichtet – war ihm ein moralisch-ethisches, aber auch ein wirtschaftliches Anliegen. Ebenso setzte sich Werner für einen hauptamtlichen unabhängigen Vorstand im ÖGV, aber vor allem für einen unabhängigen Revisionschef im Vorstand ein. Ehrenamtliche Vorstandsmitglieder aus den der Revision unterliegenden Genossenschaften hatten aus möglichen Befangenheitsgründen für ihn keinen Platz. Er war aber auch immer überzeugt von der Wirtschaftskraft der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sowie der Produktivgenossenschaften. Es war sein Verdienst, im Jahre 1976 die Gewerbefinanzierungs-AG gegründet zu haben, ein Emissionsinstitut insbesondere für die Schulze-Delitzsch-Warengenossenschaften und deren Mitglieder zur Beschaffung von Liquidität. Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung von Mitarbeitern – vor allem von jungen – nicht nur in der ÖVAG, sondern im gesamten Volksbanken- und Schulze-Delitzsch-Verbund. Um eine Öffnung von hausinternen Schulungsveranstaltungen zu schaffen, war er 1975 Initiator und Mitbegründer der Volksbank Akademie. Die begleitenden Ausbildungsnormen wurden im Kollektivvertrag verankert, damit die Mitarbeitervertreter nicht nur Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte, sondern auch Mitverantwortung hatten.

Werner war somit ein Mann, der die genossenschaftlichen Grundsätze – Förderauftrag, Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – in seinem Herzen und Kopf trug. Erwähnenswert ist der Umstand, der die Verlängerung seines Vorstandsvertrages 1979 verhinderte. Die dramatische Schieflage der Volksbank Kufstein hatte damals zu einer betriebswirtschaftlich notwendigen bzw. sinnvollen Fusion mit der ÖVAG geführt. Diese Aktion wurde als erster Schritt des Versuches einer Filialisierung der Volkbanken und der Schaffung einer Volksbank Österreich missinterpretiert und führte letztlich zu Werners Nicht-Wiederbestellung. Dank seiner Führungsqualitäten hat Werner stets gewusst, dass er die „Seelen“ der Geführten begleiten muss. Werner war ein sehr sozialer Mensch, der sich mehr durch Taten als durch Worte auszeichnete. So spendete er nicht nur Geld für Afrika, sondern war auch mehrfach als freiwilliger Entwicklungshelfer in der Funktion eines Tischlers in Tansania bei Herbert Watschinger tätig. Bei der Errichtung eines Spitals in Tansania versuchte er nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, die Menschen vor Ort nicht nur technisch- handwerklich auszubilden, sondern zur gegenseitigen Selbsthilfe zu erziehen. Für sein Wirken wurde er unter anderem mit dem Großen silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich sowie mit der Großen Julius-Raab-Medaille für Verdienste um die österreichische Wirtschaft ausgezeichnet. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde ihm von mir als ÖGV-Verbandsanwalt die Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold am Bande verliehen. Wir werden Dr. Erich Werner als Generaldirektor, aber vor allem auch als Mensch ein ehrendes Andenken bewahren.    

Hans Hofinger und Peter Weiß


Chronik

Ehrungen des Österreichischen Genossenschaftsverbandes Von August bis November 2016 wurden folgende Auszeichnungen an verdiente Mitarbeiter, Geschäftsleiter/ Geschäftsführer und ehrenamtliche Funktionäre unserer Mitgliedsunternehmen verliehen:

Ehrenzeichen in Gold Direktor Johannes FLEISCHER Vorstandsvorsitzender und Geschäftsleiter Volksbank Weinviertel e.Gen.

Ehrenmedaille in Gold am Bande Manfred KURZ Mitarbeiter der Kreditverwaltung Volksbank Niederösterreich Süd eG

Direktor Herbert GLÖCKL Vorstandsmitglied und Geschäftsleiter Volksbank Ötscherland eG

Erika MÜLLER Abteilung Marktfolge Aktiv Volksbank Weinviertel e.Gen.

Josef LEHNER Aufsichtsratsvorsitzender Volksbank Weinviertel e.Gen.

Gertrude NIESSLER Kundenberaterin Volksbank Weinviertel e.Gen.

Kleines Ehrenzeichen in Gold

Karin UNTERMAYER Mitarbeiterin der Internen Revision Volksbank Weinviertel e.Gen.

Josef GLOSS AufsichtsratsvorsitzenderStellvertreter Volksbank Weinviertel e.Gen. Ing. Ernst HÖBERT Aufsichtsratsmitglied Volksbank Weinviertel e.Gen. Erwin PASSECKER Aufsichtsratsvorsitzender VB Fels am Wagram Beteiligung e.G. Direktor Rudolf RIENER Vorstandsvorsitzender-Stellvertreter und Geschäftsleiter Volksbank Weinviertel e.Gen. Josef WIMMER Aufsichtsratsmitglied Volksbank Weinviertel e.Gen. Franz ZDENEK AufsichtsratsvorsitzenderStellvertreter VB Fels am Wagram Beteiligung e.G.

Prok. Franz ZEHETNER Mitarbeiter Volksbank Ötscherland eG

Ehrenmedaille in Gold Jochen AUER Filialleiter Vorderland Volksbank Vorarlberg e. Gen. Carola AUMANN Vertriebsassistentin Filiale Kleinwalsertal Volksbank Vorarlberg e. Gen. Stefan BAUER Teamleiter Firmenkundenteam Rankweil Volksbank Vorarlberg e. Gen. Günther BECK Experte Rechnungswesen Volksbank Vorarlberg e. Gen. Sabine BÖSCH Vertriebsassistentin Abteilung Kunden-Service-Center Volksbank Vorarlberg e. Gen.

Thomas EGGER konzessionierter Immobilienmakler Volksbank Vorarlberg Immobilien GmbH & Co OG Bettina FATH Abteilung Wertpapier, Inlands-/ Auslandszahlungsverkehr Volksbank Weinviertel e.Gen. Mark-Simon FENKART Experte Abteilung Infrastruktur/IT Volksbank Vorarlberg e. Gen. Martina FORRETH Abteilung Marktfolge Aktiv Volksbank Weinviertel e.Gen. Wolfgang FRIEDL Filialleiter Hohenems Volksbank Vorarlberg e. Gen. Tanja HAMMERER-DACHS Seniorvertriebsassistenz Firmenkundenteam Dornbirn Volksbank Vorarlberg e. Gen. Michaela KOCH Vertriebsassistentin Abteilung Kunden-Service-Center Volksbank Vorarlberg e. Gen. Markus KONECNY Leiter der Innenrevision Volksbank Weinviertel e.Gen. Manfred KREBS Abteilung Organisation Volksbank Weinviertel e.Gen. Jutta MANGENG Vertriebsassistentin Filiale Bludenz Volksbank Vorarlberg e. Gen. Judith MEIER Kundenberaterin Filiale Feldkirch Volksbank Vorarlberg e. Gen.

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Chronik

Maria METZGER Geschäftsstellenleiterin in Poysdorf Volksbank Weinviertel e.Gen.

Peter PEHAM Filialleiter Feldkirch Volksbank Vorarlberg e. Gen.

Franz MODLIBA Abteilung Wertpapier Volksbank Weinviertel e.Gen.

Edith ROMSTORFER Kundenberaterin Volksbank Weinviertel e.Gen.

Hans-Peter SALOMON Geschäftsführer Volksbank Vorarlberg Privat-Leasing GmbH und Volksbank Vorarlberg Anlagen-Leasing GmbH Petra SCHWARZL Assistentin Kommerzkundenbetreuer Volksbank Weinviertel e.Gen. Theresia VOLDERAUER Vertriebsassistentin Filiale Kleinwalsertal Volksbank Vorarlberg e. Gen. Mag. (FH) Robert WEILER Abteilung Marktfolge Aktiv Volksbank Weinviertel e.Gen.

Das Magazin für Genossenschaften

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Mag. Josef WERLE Geschäftsführer Volksbank AG Liechtenstein Vorstandsdirektor Dr. Helmut WINKLER Vorstand Volksbank Vorarlberg e. Gen. Christa ZAUNINGER Kundenberaterin Volksbank Weinviertel e.Gen. Christa ZIEGELWANGER Mitarbeiterin Volksbank Ötscherland eG Andreas ZIEGLER Sachbearbeiter Abteilung Marktfolge Passiv Volksbank Vorarlberg e. Gen.

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0 1 313 28-450 service@oegv.volksbank.at

IMPRESSUM cooperativ – Das Magazin für Genossenschaften 4/16 144. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch), Löwelstraße 14-16, Postfach 135, A-1013 Wien, Tel: 01 313 28, Fax: 01 313 28 450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) CHEFREDAKTEUR Günther Griessmair REDAKTION Markus Binder, Daniela-Monica Essler, Hermann Fritzl, Hans Hofinger, Andrea Karner, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Margareta Steffel, Peter Weiß ARTDIRECTOR Daniel Dobernig LAYOUT-DESIGN Elke Bauer DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.


Ex Libris

Thomas Rauch Arbeitsrecht für Arbeitgeber Linde 900 Seiten € 88,-

„Arbeitsrecht für Arbeitgeber“ ist seit Jahren eines der praxistauglichsten Fachbücher für das Arbeitsrecht. Alle wichtigen Bereiche werden übersichtlich und verständlich dargestellt, zusätzlich sind im Buch viele Musterformulierungen enthalten. Der Autor gibt Tipps, wie Arbeitgeber typische und häufig kostspielige Fehler und Mängel vermeiden können. In der nun vorliegenden 15. Auflage sind unter anderem die Ende 2015/Anfang 2016 in Kraft getretenen Änderungen des Arbeitsrechts berücksichtigt. Überarbeitet wurden die Kapitel zu All-in-Klauseln, zum Ausbildungskostenrückersatz, zum Dienstzettel, zum BAG, zur Arbeitszeit, zum Mutterschutz (Arbeitszeitbandbreite bei der Elternteilzeit, „zweiter Meldepunkt“ für die Karenz, teilweiser Einbezug freier AN, Kündigungsschutz bei Fehlgeburten). Auch wichtige neue Entscheidungen der Höchstgerichte finden Berücksichtigung. Einfügt wurde zudem ein Kapitel zu Bekleidungsregeln am Arbeitsplatz mit Mustern. Sämtliche Muster stehen auch zum Download zur Verfügung. Zitate aus Entscheidungen und die Angabe zahlreicher Geschäftszahlen ermöglichen dem Arbeitgeber, seine Rechtsauffassung in Diskussionen mit Mitarbeitern und dem Betriebsrat konkret zu belegen. Christiane Lewisch Artur Schuschnigg Außergerichtliche Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten Linde 352 Seiten € 59,-

Am 9. Jänner dieses Jahres ist das Bundesgesetz über alternative Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten in seinen we-

sentlichen Teilen in Kraft getreten. Grundlage für dieses neue Gesetz ist die Richtlinie 2013/11/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über die alternative Beilegung verbraucherrechtlicher Streitigkeiten. Die außergerichtliche Streitbeilegung war in Österreich bislang eher unbekannt und bloß in Teilbereichen wie etwa im Verkehrs- oder Telekombereich vorhanden. Ziel des neuen Gesetzes ist die Schaffung einer Möglichkeit zur einfachen, effizienten, schnellen und kostengünstigen Beilegung inländischer und grenzübergreifender Streitfälle. Dies betrifft fast alle vertraglichen Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unternehmern. Das vorliegende Fachbuch stellt die neue Rechtslage vor allem aus Unternehmersicht dar und zeigt den betroffenen Firmen, gegen die sich Verbraucherbeschwerden richten werden, was diese neuen Instrumente bedeuten. Es beschreibt übersichtlich gegliedert die Rahmenbedingungen und Verfahrensvorschriften für außergerichtliche Streitbeilegung und zeigt auf, welche Vor- und Nachteile aus Unternehmersicht mit diesen Verfahren verbunden sind. Johanna Thalhammer Rainer Knyrim (Hrsg.) DatenschutzGrundverordnung Manz 418 Seiten € 62,-

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist dieses nunmehr in dritter Auflage vorliegende Praxishandbuch ein kompetenter Ratgeber zu allen datenschutzrechtlichen Fragen. In einem durch den technischen Fortschritt mit schier unbegrenzten Möglichkeiten, personenbezogene Daten zu speichern, beliebig zu verknüpfen und in jeglicher Hinsicht auszuwerten, geprägten Umfeld ist das Datenschutzrecht zu einem der komplexesten Bereiche des Verwaltungsrechts herangewachsen und nach wie vor einer beachtlichen Dynamik unterworfen. Wie schon in den Vorauflagen ist es Rainer Knyrim auch diesmal hervorragend gelungen, System und Übersicht in die komplexe

Materie zu bringen und zudem sehr tief ins Detail zu gehen. Es kann demnach mit Fug und Recht als das Standardwerk einer systematischen Darstellung des Datenschutzrechts bezeichnet werden. Wenn sich ein in Datenschutzangelegenheiten beratender Jurist auf Knyrim berufen kann, darf er dies als eine beruhigende Absicherung seiner Expertise verstehen. Josef Mösenbacher Thomas Höhne, Gerhard Jöchl, Andreas Lummerstorfer Das Recht der Vereine LexisNexis 792 Seiten € 140,-

In Österreich gibt es über 120.000 Vereine mit einer Vielzahl an Mitgliedern und Funktionären. Ob Sportverein oder Bienenzüchterverein: Oft stellen sich Fragen etwa zur Gemeinnützigkeit, zur Abhaltung der formal richtigen Generalversammlung und nicht zuletzt auch zur Haftung der Vereinsfunktionäre. Das in der fünften, neu bearbeiteten und erweiterten Auflage vorliegende Werk stellt den Verein von allen rechtlichen Seiten dar und behandelt auch seine vielfältigen Variationsmöglichkeiten. Das Kapitel „Der Verein aus öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Sicht“ umfasst die verschiedenen Erscheinungsformen von Vereinen sowie den Vergleich zu anderen Organisationsformen. Ein weiterer Teil ist der Gemeinnützigkeit von Vereinen gewidmet, wobei Rechtsgrundlagen wie die Statuten und Organe umfassend dargelegt werden. Da Vereine aber nicht nur gemeinnützig, sondern auch eigennützig sein können, wird auch darauf eingegangen, wie sich die Organisationsform Verein für das Geschäftsleben eignet und welche Voraussetzungen bzw. Regularien zu beachten sind. Aber auch Themen wie der Verein als Mieter oder als Dienstgeber kommen nicht zu kurz. Die Haftung des Vereins, seiner Mitglieder und Organe wird ebenfalls umfassend dargestellt. Im Kapitel „Steuerrecht und Rechnungslegung“ werden alle Aspekte des Steuerrechts rund um den Verein dargelegt, etwa Gemeinnützigkeit, Spenden, Spon-

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soring, Mitgliedsbeiträge, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer sowie auch andere Steuern und Abgaben (wie Kommunalsteuer, Grundsteuer, Kapitalertragsteuer). Im steuerlichen Bereich werden aber auch die Einkünfte der Vereinsfunktionäre erklärt, wobei hier nicht nur die steuerliche Sicht beleuchtet wird, sondern auch die sozialversicherungsrechtliche Seite. Die ist vor allem bei Sportvereinen von Bedeutung, da bei den Tätigkeiten die Abgrenzung, ob sie als Dienstnehmer oder im Werkvertrag angeführt werden, oft sehr verschwommen ist und für den Verein hohe finanzielle Risiken birgt. Im Anhang findet sich eine Reihe von wertvollen Checklisten zu Steuer, Abgrenzung zwischen echtem Dienstvertrag, freiem Dienstvertrag und Selbstständigkeit, zu den Angaben im Anhang zum Jahresabschluss von großen Vereinen oder für Rechnungsprüfer von kleinen und mittelgroßen Vereinen. Das Werk ist nicht nur für die beratenden Berufe, welche mit Vereinen zu tun haben, eine wertvolle Unterstützung und ein gutes Nachschlagwerk, sondern auch für die Organe von kleinen bis hin zu großen Vereinen. Franz Groß Raimund Bollenberger, Markus Kellner (Hrsg.) InvFG Investmentfondsgesetz Kommentar Linde 1.568 Seiten € 228,-

Mit diesem aktuellen Kommentar zum Investmentfondsgesetz haben die Autoren gekonnt eine Wegbeschreibung für den Praktiker geschaffen, um sich im Dickicht des europäischen und österreichischen Investmentfondsrechts nicht zu verirren. Sowohl für einen ersten Überblick als auch zur Beantwortung tiefergehender Rechtsfragen eignet sich das vorliegende Werk hervorragend, da es neben einem Überblick über die relevanten Rechtsgrundlagen auch auf weiterführende Literatur verweist und somit eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Investmentfondsrecht ermöglicht. Die Autoren, allesamt Experten aus der Rechtsanwaltschaft, der Wissen-

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schaft oder der Legistik, wissen, worauf es ankommt und was es zu beachten gilt. Das Buch steuert zielgerichtet durch das Investmentfondsrecht und hilft dabei, nicht vom Weg abzukommen, was angesichts der Regelungsdichte gar kein so leichtes Unterfangen darstellt. Besonders hervorzuheben ist auch noch der Normenüberblick, zeigt dieser doch bei jeder Gesetzesstelle jeweils die alte, die geltende sowie die europäische und deutsche Rechtslage. Der vorliegende Kommentar ist ein unverzichtbarer Begleiter für alle, die mit dem Investmentfondsrecht in der Praxis zu tun haben. Markus Steindorfer Robert Kert, Georg Kodek (Hrsg.) Das große Handbuch Wirtschaftsstrafrecht Manz 1.072 Seiten € 188,-

Als Schnittstellenmaterie ist das Wirtschaftsstrafrecht nicht leicht zu greifen, es erfordert einen Blick weit über den Tellerrand des klassischen Strafrechts hinaus. Um diese Regelungsmaterie überhaupt erst richtig verstehen zu können, benötigt man umfassende Kenntnisse im Zivil- und Unternehmensrecht, im Rechnungslegungsrecht, im Steuerrecht und natürlich auch auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft. Den Autoren dieses Werkes, die allesamt ausgewiesene Experten auf ihren Gebieten sind, ist es aber letztlich gelungen, diese unterschiedlichen Themengebiete unter einen Hut zu bringen. Das Buch überzeugt vor allem durch die besondere Praxisnähe, weshalb es als Werkzeug im Alltag eines Wirtschaftsstrafrechtlers nicht fehlen sollte. Aber auch für den weniger erfahrenen Rechtsanwender ist dieses Handbuch sehr zu empfehlen, weil es gerade aufgrund der kompakten Vereinigung sämtlicher Themenbereiche des Wirtschaftsstrafrechts schnell den Einstieg in diese Schnittstellenmaterie ermöglicht. Ausgehend von der Untersuchung der einschlägigen Straftatbestände wie Betrug und Untreue begleitet das Handbuch den interessierten Leser bis hin zur richtigen Pressearbeit in Wirtschaftsstrafsachen.

Eine Einführung in das Bilanzlesen und Accounting – ein Thema, das gerade in der juristischen Ausbildung wenig behandelt wird – bildet den gelungenen Abschluss eines in sich stimmigen Gesamtwerks. Markus Steindorfer Kathrin Poltsch, Romuald Bertl, Friedrich Fraberger, Axel Reckenzaun, Alexander Isola, Wolfgang Petsch (Hrsg.) Praxishandbuch Insolvenzabwicklung Linde 1.000 Seiten € 168,-

Keine Insolvenz ist wie die andere. Neben fachlichem Wissen ist vor allem praktisches Gespür unabdingbar, um die vielfältigen Probleme eines Insolvenzverfahrens bewältigen zu können. Das erforderliche Fachwissen lässt sich anhand einschlägiger Literatur aneignen, das praktische Gespür nur durch jahrelange Erfahrung. Das vorliegende Werk spannt in besonderer Weise eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. Die Autoren, allesamt ausgewiesene Kenner ihres Fachs, eröffnen dem Leser einen wertvollen Erfahrungsschatz, der einerseits dem Einsteiger hilft, sich in der Materie praktisch zurechtzufinden, und ihm so wohl auch manches Fettnäpfchen erspart, andererseits aber auch dem erfahrenen Insolvenzverwalter zeigt, wie man bestimmte Themenfelder vielleicht auch anders lösen kann, wodurch sich letztlich die eigene Arbeit optimieren lässt. Das Buch ist aber nicht nur für Insolvenzverwalter ein unverzichtbarer Begleiter, sondern auch für alle anderen sehr zu empfehlen, die in der Praxis regelmäßig mit dem Thema Insolvenzrecht konfrontiert sind. Wer weiß, mit welchen Problemen und Gedanken sich die anderen Beteiligten am Insolvenzverfahren auseinanderzusetzen haben, wird sein Gegenüber besser verstehen und kann mit diesem Wissen auch bei der Durchsetzung der eigenen Belange geschickter und erfolgreicher agieren. Die Autoren stellen zunächst die Rechtslage auf Basis des IRÄG 2010 ausführlich dar. Konkrete Tipps zeigen, worauf es ankommt und was es in der täglichen Praxis zu beachten gilt. Viele Checklisten und Muster vereinfachen die Abwicklung


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des Insolvenzverfahrens. In Summe daher ein rundum gelungenes Werk für die Insolvenzabwicklung. Markus Steindorfer Alexander Petsche, Franz Christof Urlesberger, Claudine Vartian (Hrsg.) KartG Kartellgesetz Manz 1.034 Seiten € 178,-

Das Kartellgesetz 2005 erfuhr durch das Kartell- und Wettbewerbsrechts-Änderungsgesetz 2012 eine sehr einschneidende Novelle. Besonders hervorzuheben sind dabei die Änderungen des Kronzeugenprogramms im Wettbewerbsgesetz oder die Regelungsänderungen zum Private Enforcement im Kartellgesetz. Im vorliegenden Kurzkommentar haben sich nunmehr namhafte Experten aus Verwaltung, Justiz und Anwaltschaft mit diesen gesetzlichen Änderungen intensiv auseinandergesetzt und gemeinsam ein äußerst praxisrelevantes und informatives Werk geschaffen. Gerade dem Praktiker sei dieses Buch daher besonders ans Herz gelegt. In seiner zweiten Auflage beschäftigt sich der Kurzkommentar nun auch mit dem Nahversorgungsgesetz einschließlich relevanter strafgesetzlicher Regelungen hierzu, wodurch das Buch letztlich eine gelungene Abrundung erhält. Markus Steindorfer Christoph Fröhlich Praxis der Konzernrechnungslegung Linde 944 Seiten € 148,-

Die vierte Auflage dieses Werkes geht auf alle Neuerungen nach dem Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 sowie auf die Anpassungen der IFRS ein und enthält umfassende Beispiele zur Erstellung der Konzerngeldflussrechnung nach UGB und IFRS.

Das Buch bietet eine ausführliche Darstellung, wie Konzernabschlüsse nach UGB und IFRS in der Praxis erstellt werden. Anhand von zahlreichen Beispielen werden alle relevanten Aspekte der Konzernabschlusserstellung erläutert. Zusätzlich wird auch ausführlich auf folgende Sonderfragen eingegangen: Kapitalkonsolidierung im mehrstufigen Konzern, Eigenkapitalüberleitung, Konzernanlagenspiegel und Währungsumrechnung. Zudem werden die organisatorische Abwicklung der Konzernabschlusserstellung sowie die gesetzlichen Grundlagen und theoretischen Aspekte erläutert. Das Buch soll in erster Linie Praktikern dienen, wobei die Konsolidierungstechnik und die praktische Ausgestaltung des Konzernrechnungswesens im Vordergrund stehen. Es werden aber auch die jeweiligen Bestimmungen zu den einzelnen Schritten im Rahmen der Konzernabschlusserstellung ausführlich erläutert. Somit ist dieses Werk nicht nur eine Anleitung und ein Nachschlagewerk, sondern aufgrund der vielen Beispiele auch ein Lehrbuch für Einsteiger oder Studenten des Rechnungswesens. Gerlinde Stumpf Eva Maria Marat MSchG Mutterschutzgesetz-Kommentar Linde 256 Seiten € 58,-

Das Mutterschutzgesetz aus dem Jahr 1979 ist eine Spezialnorm im Bereich des Arbeitnehmerinnenschutzes und hat einen weitreichenden Geltungsbereich. Unter anderem gilt es auch für bestimmte Arbeitnehmerinnen im öffentlichen Dienst. Die Novellen BGBl I 2015/60 und BGBl I 2015/65 wurden im vorliegenden Werk berücksichtigt. Der Kommentar soll Arbeitgebern, Betriebsräten, Präventivfachkräften und auch Arbeitnehmerinnen selbst eine Hilfestellung bei der Anwendung des Mutterschutzgesetzes bieten. Übersichtlich und aktuell aufbereitet sind die speziellen Schutzbestimmungen für werdende und stillende Mütter sowie für Arbeitnehmerinnen nach der Niederkunft (insbesondere

Beschäftigungsverbote, Kündigungs- und Entlassungsschutz). Zudem berücksichtigt der Kommentar die wesentliche neuere Literatur sowie die arbeitsrechtliche Standardjudikatur zum Thema Mutterschutz. Überblicksmäßig werden auch die verschiedenen Möglichkeiten von Karenz (Anspruch, Teilung, Beschäftigung während der Karenz) und Teilzeitbeschäftigung sowie die Änderung der Lage der Arbeitszeit behandelt. Johanna Thalhammer Christian Zib, Markus Dellinger (Hrsg.) UGB Großkommentar – Band III, Teil 2 LexisNexis 1.312 Seiten € 179,-

Das vorliegende Werk ist Teil einer Reihe, welche die §§ 1 bis 285 UGB inklusive Änderungen des Rechnungslegungsänderungsgesetzes 2014 kommentiert. Die §§ 1 bis 37 UGB, welche den Unternehmerbegriff definieren, das Firmenbuchrecht und das Firmenrecht wurden in Teil eins des ersten Bandes abgehandelt. Teil zwei widmete sich den §§ 38 bis 58 UGB, damit wurden der Unternehmensübergang sowie die damit verbundenen Haftungsfragen kommentiert. Prokura und Handlungsvollmacht runden den Band ab. Im dritten Band – der zweite erscheint demnächst – geht es um das Rechnungslegungsrecht. Teil eins kommentiert die §§ 189 bis 230 UGB. Dabei werden die zentralen Themen der Rechnungslegung behandelt, beginnend mit der Abgrenzung des Anwendungsbereichs, dem Ansatz und den Bewertungsvorschriften bis hin zu Buchführung, Jahresabschluss und Bilanz. Der nun vorliegende zweite Teil des dritten Bandes kommentiert die §§ 231 bis 285 UGB, welche für Kapitalgesellschaften ergänzende Vorschriften beinhalten. Der Band behandelt die Vorschriften zu Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht, Konzernabschluss, Konzernlagebericht, konsolidiertem Corporate-Governance-Bericht und konsolidiertem Bericht über die Zahlung an staatliche Stellen. Den Vorschriften über die Konsolidierung

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folgen jene über Prüfung, Offenlegung, Veröffentlichung und Zwangsstrafen. Obwohl die Bestimmungen des Rechnungslegungsänderungsgesetzes 2014 seit 1. Jänner 2016 anzuwenden sind, kommt es aufgrund von Übergangsvorschriften auch noch zur Anwendung des alten Rechts. Für einen erheblichen Zeitraum sind somit beide Rechtsrahmen nebeneinander relevant. Es wird daher als Ausgangsbasis das bisherige Recht dargelegt, wobei es auch schon einen Ausblick auf die neuen Bestimmungen gibt. Wenn möglich, wird altes und neues Recht in einem bearbeitet. Für Bereiche, in denen ausschließlich das neue Recht anzuwenden ist, wird auch nur dieses behandelt.

lich dargestellt (z. B. Vertragsstrafen-, Schiedsgerichts- oder Gerichtstandsklauseln). Den wesentlichen Vertragstypen wird jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Vom Kaufvertrag bis zum Gesellschaftsvertrag findet der Leser die geeignete Anleitung. In Summe ein gelungenes Werk, das bei keiner Vertragsgestaltung fehlen sollte. Markus Steindorfer Jens-Hinrich Binder, Christos V. Gortsos The European Banking Union C.H.Beck-Hart-Nomos 384 Seiten € 79,-

Franz Groß Ferdinand Kerschner (Hrsg.) Handbuch Vertragsgestaltung Linde 320 Seiten € 85,-

Mit dem vorliegenden Werk findet der Praktiker erstmals ein ausführliches Handbuch zur Vertragsgestaltung, das ihn neben der notwendigen Theorie vor allem mit zahlreichen praktischen Tipps von Experten versorgt. Damit wird die tägliche Arbeit der Vertragsgestaltung zu einem ganz besonderen Vergnügen. Aber auch für Studierende bietet das Buch eine willkommene Unterstützung, denn es ist nicht immer einfach, Theorie und Praxis zu verbinden. Das Handbuch schafft diesen Spagat jedoch eindrucksvoll und vor allem auf verständliche Weise, was durch ein renommiertes Autorenteam aus Wissenschaft und Praxis ermöglicht wird. Das Buch nimmt Bezug auf aktuelle Gesetze und Regelungen, etwa zum Thema Immobilienertragsteuer, dem Energieausweisvorlagegesetz oder dem Neugründungs-Förderungsgesetz, und zeigt daneben auch auf, wie man Verträge auf steueroptimierte Weise gestalten kann. Zahlreiche Vertragsbausteine ermöglichen es dem Anwender zudem, einen maßgeschneiderten Vertrag zu entwerfen. Neben den praxisrelevanten Grundlagen werden die wichtigsten Vertragsklauseln ausführ-

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Die Bankenunion ist das Kernprojekt der EU als Antwort auf die globale Finanzkrise und eines der ambitioniertesten Projekte seit der Einführung des Euro. Gestützt auf die Säulen des einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM), des einheitlichen Abwicklungsmechanismus (SRM) sowie der vereinheitlichten Regelungen zur Einlagensicherung, die gegebenenfalls durch ein europäisches Einlagenversicherungssystem ergänzt werden, wurde ein System geschaffen, welches nationale (Aufsichts-) Agenden in bisher nie dagewesenem Ausmaß an zentrale Institutionen überträgt. Während sich das Zusammenspiel der nationalen und der zentralen Behörden auf europäischer Ebene gerade erst einstellt, stellen sich bereits wichtige Rechtsfragen zu Kompetenzgrenzen, Auslegung und terminologischer Klarstellung. Die Komplexität besteht dabei auch darin, dass nicht nur Verordnungen und Richtlinien, sondern auch eine Vielzahl an delegierten Rechtsakten, Entscheidungen und anderen Rechtsinstrumenten, insbesondere der EZB, dazu verwendet wurden, dieses Regelungsnetzwerk zu spannen. Gegenständliches Werk stellt diese Texte gesammelt als handliches Kompendium zur Verfügung und ermöglicht es somit dem Anwender, alle wesentlichen Inhalte griffbereit verfügbar zu haben. Wiewohl alle Amtssprachen gleichwertig sind, kommt den englischen Texten aufgrund der Tatsache, dass Englisch die Arbeitssprache war, im Rahmen der Interpretation doch

eine gewisse Vorrangstellung zu, der dieses Werk gerecht wird. Ergänzt wird die Sammlung durch zwei umfassende einführende Kapitel, die zum Einstieg in die Materie einen systematischen und transparenten Aufriss zu den Hintergründen und der Entwicklung der Bankenunion, zu den beiden Säulen SSM und SRM sowie den institutionellen und materiell rechtlichen Rahmenbedingungenbieten bieten. Adressaten sind Praktiker in Aufsichtsbehörden, die normunterworfenen Unternehmen sowie Wissenschaftler und Studierende. Phillip Stempkowski Sabine Kirchmayr, Gunter Mayr (Hrsg.) Umgründungen: Praxisfragen und Fallbeispiele Linde, Schriftenreihe zum Konzern- und Unternehmenssteuerrecht 208 Seiten € 68,-

Gegenständliches Buch fasst sämtliche Beiträge und Ergebnisse des Ende 2012 äußerst erfolgreich durchgeführten Wiener Konzernsteuertages zusammen und bietet eine umfassende, ausführliche Auseinandersetzung mit aktuellen wie komplexen Spezialfragen bei Umgründungen. So wird insbesondere das Thema grenzüberschreitende Verschmelzungen sowohl aus österreichischer, als auch aus deutscher Perspektive aufgearbeitet. Dies ermöglicht nicht nur einen direkten Vergleich, der Anwender findet sich dadurch auch gerade bei einem derart gestalteten grenzüberschreitenden Projekt besonders leicht in beiden Rechtsordnungen zurecht. Darüber hinaus werden folgende Grundsatzfragen trotz der dem Format entsprechenden gebotenen Kürze wissenschaftlich besonders hochwertig behandelt: grenzüberschreitende Verschmelzungen und Einbringungen in Österreich und Deutschland, grenzüberschreitende Umwandlungen, Ausschüttungsfiktion Neu bei der Umwandlung mit Auslandsbezug, Umstrukturierungen außerhalb des Umgründungssteuerrechts und deren Behandlung im Rahmen der KESt, Beschränkung der Besteuerungsrechte an den Gegenleistungsanteilen, praktische Probleme bei Importverschmelzungen, Umgründungen


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und Verluste. Die Ergänzung der Themen überzeugt insbesondere durch die umfassenden Fallbeispiele, die das Werk auch zu einem Nachschlagewerk für die Praxis werden lassen. Diese Praxisbeispiele betreffen insbesondere die neu geregelte Importverschmelzung von ausländischen Cash-Box-Gesellschaften, grenzüberschreitende Einbringungen sowie die Auswirkungen von Umgründungen auf Verluste in Unternehmensgruppen. Dem Buch gelingt es nicht nur, die Ergebnisse des Wiener Konzernsteuertages 2012 wieder in Erinnerung zu rufen und festzuhalten, es rechtfertigt auch seine Existenz als eigenständiges Spezialnachschlagewerk in den Regalen von Studenten, Lehrenden und Praxisanwendern. Phillip Stempkowski Attila Fenyves, Ferdinand Kerschner, Andreas Vonkilch Großkommentar zum ABGB: VerbraucherkreditG Verlag Österreich 624 Seiten € 159,80

Aus Sicht der Praxis ist es besonders erfreulich, dass dem Verbraucherkreditgesetz als relativ spezifischem Sondergesetz im Rahmen des für sich gesehen bereits sehr umfangreichen und ambitionierten Projekts der Neuauflage des ABGB-Großkommentars ein eigener Band gewidmet und somit besonders viel Raum zugesprochen wird. In der für den Großkommentar bewährten Weise behandeln die Autoren ausführlich Grundlagen, Herkunft und Entwicklung der einzelnen Bestimmungen sowie den Normzweck und die Anwendung in der Praxis. Das mit über 600 Seiten bislang ausführlichste Werk auf höchstem wissenschaftlichem Niveau stellt nicht nur ein Nachschlagewerk für die unmittelbaren Anwender in einschlägig tätigen Unternehmen, sondern auch eine umfassende Abhandlung für alle Interessierten aus Lehre, Rechtsprechung, Anwaltschaft und dem Kreis der Studierenden dar. Durch die Berücksichtigung der EU-Richtlinie über Wohnimmobilienkredite sowie das am 21. März 2016 in Kraft getretene Hypothekar- und Immobilienkre-

ditgesetz (HIKrG) und damit der neusten Entwicklung auf dem Gebiet der Verbraucherkredite hat das Werk auch besondere Aktualität. Es ist zugleich das erste Kommentarwerk, welches das HIKrG enthält. Eine wirklich wertvolle Ergänzung zur Gesamtdarstellung des ABGB. Phillip Stempkowski Ulrich Torggler (Hrsg.) UGB Kommentar Linde 1.850 Seiten € 220,-

Der bewährte Kompaktkommentar zum Unternehmensgesetzbuch erscheint nun in einer Neuauflage. Eingearbeitet wurden die Änderungen durch das Zahlungsverzugsgesetz, das Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 und das GesbR-Reformgesetz. Weiters wurde das Abgabenänderungsgesetz 2015 berücksichtigt. Besonders hilfreich ist, dass die Rechnungslegungsvorschriften mit dem in Zusammenhang stehenden Steuerrecht und den IFRS verknüpft werden, sodass ein Gesamtüberblick ermöglicht wird. Die Autoren sind namhafte Experten aus Wissenschaft und Praxis. Die Kommentierung ist leserfreundlich und besticht durch eine kompakte Darstellung mit viel Information auf wenig Raum. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf gesicherten Erkenntnissen aus der Rechtsprechung und herrschender Meinung, es werden aber auch zu zahlreichen Streitfragen weiterführende Hinweise gegeben. Johannes Duy Ernst Brandl, Gerhard Saria (Hrsg.) Wertpapieraufsichtsgesetz Kommentar Manz 1.562 Seiten € 280,-

Bisher ist die Anzahl der Kommentare zum Wertpapieraufsichtsgesetz sehr über-

schaubar, daher ist diese praxisorientierte, aber dennoch wissenschaftlich fundierte Kommentierung des WAG mit vielen Lösungsvorschlägen sehr zu begrüßen. Die EU-Richtlinie MiFID II führt zu umfassenden Änderungen im WAG. Der neue Kommentar hält die Anwender dabei auf dem Laufenden. Es wurden die seit 2010 ergangenen Novellen zum WAG berücksichtigt und die europarechtlichen Vorgaben (MiFID II) eingearbeitet. Die Herausgeber und Autoren sind Experten auf dem Gebiet des Wertpapierrechts: auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwälte, Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht und Vertreter der Wissenschaft. Aufgrund der Erscheinungsform in Faszikeln (Heftchen) ist die rasche Adaptierung des Kommentars möglich, das stellt in Hinblick auf die Umsetzung von MiFID II einen großen Vorteil dar. Christiane Lewisch Christian Wesener Verträge des Arbeitsrechts Linde 160 Seiten € 39,-

Das vorliegende Buch wendet sich an Arbeitgeber, Arbeitnehmer sowie rechtsberatende Berufe und bietet einen fundierten und praxisnahen Überblick über zentrale Aspekte der Arbeitsvertragsgestaltung. Das Werk soll als erste Hilfestellung für die Lösung von arbeitsrechtlichen Problemen im Zusammenhang mit der Vertragserrichtung dienen. Ein wesentlicher Teil ist den einzelnen Vertragspunkten wie Tätigkeitsbereich, Arbeitsort, Dauer, Arbeitszeit, Entgelt oder Dienstverhinderungen gewidmet. Die aktuelle Rechtsprechung wird dabei berücksichtigt. Zudem werden die Charakteristika des Arbeitsvertrages sowie die wichtigsten Aspekte betreffend Abschluss und Beendigung behandelt. Abschließend wird auf steuer- und sozialversicherungsrechtliche Folgen und internationale Zusammenhänge eingegangen. Das Buch enthält auch ein ausführliches Arbeitsvertragsmuster. Johanna Thalhammer

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Anno dazumal

Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“, herausgegeben vom Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal.

A

m 21. November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. in Schönbrunn, wie auch „Die Genossenschaft“ berichtete. Der Kaiser sei, wie er Verbandsanwalt Karl Wrabetz in seinen Audienzen zu verstehen gegeben habe, von der Idee der Selbsthilfe stets angetan gewesen. Daher durfte ein offizieller Dank von Seiten des Allgemeinen Verbandes für die wohlwollende Unterstützung der Genossenschaftsbewegung nicht fehlen. In Franz Josephs Regierungszeit wurden viele der heute noch geltenden genossenschaftsbezogenen Gesetze verabschiedet. * Seit der Gründung des Allgemeinen Verbandes 1872 wurden einheitliche Musterrechnungsbücher entwickelt und kontinuierlich verbessert. Jeder kleinen bis mittelgroßen Genossenschaft wurde ans Herz gelegt, diese auch zu benutzen. Einfache und verständliche Handhabung sowie Effizienzgewinne bei der Revision seien die Vorteile einer einheitlichen Anwendung. Doch nicht alle hielten sich daran. Bei einigen Schulze-Delitzsch-Genossenschaften herrschte daher ein regelrechtes Chaos bei den Rechnungsbüchern, wie ein * Fall, der im Verbandsmagazin beispielhaft abgedruckt wurde, zeigt: Eine Vorschusskasse führte demnach 51 verschiedene Bücher, dabei hätte man laut Verbandsanwalt Wrabetz mit elf das Auslangen gefunden. * Schon 1916 und davor war der bargeldlose Zahlungsverkehr für große Unternehmen und staatliche Institutionen im Deutschen Reich Realität, wie ein Gastbeitrag darlegt. Unter Zuhilfenahme des Verrechnungsschecks sollte das bargeldlose Bezahlen forciert werden, das bringe sowohl volkswirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Vorteile. So könne die Zentralbank durch die Reduktion der Papiergeldmenge frei werdende Goldvorräte zur Stabilisierung der schwächelnden Mark aufwenden, wurde argumentiert. Eine Verknappung von Banknoten reduziere zudem das Angebot auf den internationalen Märkten und führe zu einem tendenziell stärkeren Kurs der Mark. Importe würden sich so verbilligen und die Konsumenten von niedrigeren Preisen profitieren. Zudem biete ein breit ausgebautes unbares Zahlungsverkehrssystem eine vereinfachte Zahlungsabwicklung, da große Mengen an Geld bzw. Gold nicht mehr aufbewahrt und unter hohen Risiken transportiert werden * müssten. * Ein Größenvergleich des Genossenschaftswesens im Deutschen Reich mit jenem in Österreich-Ungarn erzürnte Verbandssekretär Otto Maresch. Statistiken müssten richtig gelesen werden, beklagte er. „Deutschland ist groß und Österreich ist klein“, könne angesichts der veröffentlichten Zahlen der kleine Mann beklagen, so Maresch. Was ihn derart in Rage brachte: Bei den österreichischen Zahlen wurde auf jene aus Ungarn vergessen. Dabei brauche sich Österreich-Ungarn nicht zu verstecken: Absolut gesehen habe das Deutsche Reich zwar dennoch mehr Genossenschafter, doch umgelegt auf die Einwohnerzahl zähle man in Österreich-Ungarn rund doppelt so viele. * Das kommende Jahr 1917 hält für die österreichisch-ungarische Genossenschaftsbewegung weitere spannende Entwicklungen bereit. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von „Damals vor 100 Jahren“. 

Markus Binder

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Christian Rosengärtner

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Von links: Michael Hayböck, Stefan Kraft, Philipp Aschenwald; Österreichisches Skisprung Nationalteam

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Was ist drin? Das bringt 2017 für Volksbanken, Ware & Co

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