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4/2021 Herausgeber: ÖGV Einzelpreis EUR 10,– Jahresabo EUR 36,–

Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft

EXPEDITION IN DIE ZUKUNFT 150 Jahre gemeinsam erfolgreich: Das plant der ÖGV fürs große Jubiläumsjahr 2022 Seite 6

GIPFELTREFFEN Das Rezept für den Erfolg: Wichtige Weichenstellungen bei der Volksbank-Managementkonferenz

PREMIERE AN SCHULEN Startschuss für die ersten Schülergenossenschaften in Österreich: Wie sie funktionieren, was sie bringen

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Hinter jedem Erfolg steckt mehr als man sieht. Als langjähriger Partner der ÖSV-Skispringer*innen wissen wir, dass hinter jedem Erfolg viel harte Arbeit steckt. Erfolg fängt an, wo man vertraut. VOLKSBANK. Vertrauen verbindet.

www.volksbank.at


EDITORIAL

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Vertrauen in die Zukunft „Mit Vertrauen Zukunft bauen“ – so heißt das Motto des ÖGV für das Jubiläumsjahr 2022. Auch dieses Magazin besteht dann schon seit 150 Jahren, wir werden das mit einer großen Sonderausgabe feiern. Schon in diesem Heft geben wir einen Ausblick auf die Events und Aktionen des kommenden Jahres. Vertrauen zählt zwar nicht zu den niedergeschriebenen Werten und Prinzipien der Genossenschaft, dennoch ist es für ihren Erfolg ganz entscheidend. Denn wirtschaftliche Kooperation auf Augenhöhe kann nur dann funktionieren, wenn sich die handelnden Akteure gegenseitig vertrauen. Auch die Volksbanken haben früh erkannt, dass die genossenschaftliche Kundenpartnerschaft auf Vertrauen beruht. Die Wahl des Leitmotivs für das 150-Jahr-Jubiläum fiel uns somit leicht. Apropos Volksbanken: Alle Führungskräfte des Verbundes hatten im Herbst erstmals seit Langem wieder Gelegenheit, sich zu einem großen persönlichen Austausch zu treffen. Bei der Managementkonferenz in Salzburg herrschte nicht nur deshalb gute Stimmung, sondern auch wegen der klaren Erfolgsrezepte, die dort aufgezeigt wurden. Wir berichten in diesem Heft ausführlich über diese Veranstaltung. Neues gibt es auch von anderen Zukunftsfeldern des kooperativen Wirtschaftens zu berichten: „Genossenschaften sind ein zentraler Baustein der Energiewende“, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler im

Rahmen eines Besuchs der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Thermenstrom. Und auch bei der genossenschaftlichen Bildung gibt es große Fortschritte: Im letzten Heft haben wir über das neue Unterrichtspaket an den Schulen berichtet, diesmal informieren wir über den Start der ersten Schülergenossenschaften in Österreich. Trotz der Pandemie, die anders als von uns allen erhofft eine „Nachspielzeit“ bekommen hat, gibt es also viel Grund, optimistisch ins neue Jahr und in die Zukunft der Genossenschaft zu blicken. 150 Jahre gemeinsam erfolgreich – lassen Sie uns diese Erfolgsstory weiterschreiben!

Günther Griessmair Chefredakteur

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INHALT

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Jubiläumsjahr 2022 150 Jahre gemeinsam erfolgreich: Das sind die Events und Aktionen zum ÖGV-Jubiläum

12 Volksbank-Gipfeltreffen Das richtige Rezept für den Erfolg: So lief die große Management konferenz in Salzburg 16 Schülergenossenschaften Erste Gründungen an Österreichs Schulen und ein Erfahrungs bericht aus Deutschland 20 CSR-Tag Für eine Digitalisierung, die nachhaltig ist: Perspektiven und neue Ideen für Unternehmen 22 Governance Teil 3 der Serie zur Nachhaltigkeit: Was „gute Unternehmensführung“ ist und wie Genossenschaften dabei punkten

WISSEN 26

In der Poleposition Der Kooperationstyp „Genossenschaft“ ist seit jeher auf Nachhaltigkeit ausgelegt, analysiert Professor Ringle

30 Zukunftsmodell Warum es für Daten- und Plattformgenossenschaften eine neue Managementlehre braucht

TIPPS & SERVICE 34 Rechtsratgeber Reform der Restrukturierung: Was sich für Schuldner und Gläubiger jetzt ändert


INHALT

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16 FREIZEIT

50 INSIDER

38 Madagaskar Ein Besuch auf der geheimnis vollen Insel, die für viele der Inbegriff von Abenteuer ist

50 Volksbanken-Verbund Neuer Fernsehspot mit den ÖSV-Skispringern in den Startlöchern

44 Kunsthighlight Eine Ausstellung in Dresden enthüllt das geheime Wissen des Malers Vermeer

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FIX IM BLICK 72 Buchtipps 74 Neues von gestern 73 cooperativ abonnieren

Volksbank Akademie Das sind die besten Absolventinnen und Absolventen des Jahres

66 APA Großer Festakt zum 75-Jahr Jubiläum der genossen schaftlichen Nachrichtenagentur

IMPRESSUM cooperativ – Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft 4/2021 149. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch, Löwelstraße 14, A-1010 Wien, Tel: +43 (0) 1 313 28-0, Fax: +43 (0) 1 313 28-450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch CHEFREDAKTEUR Günther Griessmair REDAKTION Daniela-Monica Essler, Hermann Fritzl, Peter Haubner, Hans Hofinger, Markus Rothenbach, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Peter Weiß ARTDIRECTOR Daniel Dobernig LAYOUT-DESIGN Reichl und Partner COVERFOTO Johann Groder DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

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150 Jahre gemeinsam erfolgreich


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Mit einer Expedition in die Zukunft haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits auf das Jubiläumsjahr 2022 eingestimmt: Unter dem Motto „Mit Vertrauen Zukunft bauen“ feiern wir im kommenden Jahr mit zahlreichen Initiativen und Veranstaltungen 150 Jahre ÖGV. Text: Günther Griessmair Fotos: Johann Groder, ÖGV, Diego Delso

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Die ÖGV-Mitarbeiter auf Expedition in die Zukunft in Kals am Großglockner

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Am 4. August 1872 wurde in Wien der Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Österreichischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften aus der Taufe gehoben, aus dem in der Folge der Österreichische Genossenschaftsverband wurde. „Auf der Freiheit, verbunden mit der Verantwortlichkeit für deren Gebrauch, beruht die gesunde Existenz des Einzelnen wie der Gesellschaft“, gab Genossenschaftspionier Hermann Schulze-Delitzsch dem neuen Verband damals mit auf den Weg. Wenige Wochen später – am 7. September 1872 – erschien auch die erste Ausgabe der „Genossenschaft“, dem Vorgänger des „cooperativ“. Freiheit und Verantwortung bilden bis heute zwei Grundsteine des gewerblichen Genossenschaftswesens in Österreich. Einen dritten Baustein bildet das Vertrauen, das auch die Volksbanken, deren Geschichte eng mit jener des Verbandes verknüpft ist,

als Leitmotiv gewählt haben („Vertrauen verbindet“). Weil Genossenschaften als Kooperationsunternehmen nur dann erfolgreich sein können, wenn sich die Akteure untereinander vertrauen, hat der ÖGV „Mit Vertrauen Zukunft bauen“ als Motto für das Jubiläumsjahr gewählt. „Rund um das Thema Vertrauen wollen wir ein hochwertiges inhaltliches Programm gestalten, das nicht nur 150 Jahre erfolgreiches kooperatives Wirtschaften, sondern auch die Perspektiven für die Zukunft ausführlich beleuchtet“, so Verbandsanwalt Peter Haubner. Die ersten, die eingeladen wurden, sich auf die Reise in die Zukunft zu begeben, waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ÖGV. AUF EXPEDITION IN DIE ZUKUNFT Im Herbst ging es für das ÖGV-Team nach Kals am Fuße des Großglockners, wo ne-


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Der ÖGV auf Social Media » Facebook: www.facebook.com/ genossenschaftsverband.at »

Twitter: www.twitter.com/oegv_at

» Instagram: www.instagram.com/ genossenschaftsverband.at » LinkedIn: www.linkedin.com/company/ oesterreichischer-genossenschaftsverband » Xing: www.xing.com/pages/ oegv-oesterreichischergenossenschaftsverband

ben einer Wanderung bis auf 2.800 Meter Höhe viele Gespräche, Impulse und Referate auf dem Programm standen. Auch die Skisprung-Legenden und Volksbank-Testimonials Andreas Goldberger und Thomas Morgenstern schauten vorbei, um mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über Rezepte für den Erfolg und Höchstleistungen zu diskutieren. Im Jubiläumsjahr selbst stehen dann die geniale Idee der Genossenschaft, der Verband und seine Mitglieder im Mittelpunkt – einerseits in öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungsformaten mit einer großen Festgala am 15. September als Höhepunkt, andererseits aber auch mit einer frischen Kommunikationslinie für die Zukunftskraft Genossenschaft. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Social Media.

takt zu dieser exklusiven Gesprächsrunde im ÖGV-Haus steigt im April. Bis dahin wird auch unser großer Veranstaltungssaal im Dachgeschoß umfassend modernisiert und technisch zukunftsfit sein. Der zweite „Talk 14“ ist für November vorgesehen. Die Highlights aus diesen Gesprächen gibt es im Anschluss auch auf unseren Social-Media-Kanälen zum Nachschauen. Wir sind mittlerweile neben Facebook auch auf Twitter, Instagram, LinkedIn und Xing präsent. GIER ODER KOOPERATION?

START FÜR NEUEN ÖGV-WIRTSCHAFTS-TALK Mit Experten aus Politik und Wirtschaft über aktuelle Themen zu diskutieren, die Genossenschaften und andere Unternehmen gerade bewegen, ist das Ziel des neuen Eventformats „Talk 14“ – in Anspielung auf die Adresse Löwelstraße 14. Der Auf-

Als inhaltlichen Höhepunkt des Jubiläumsjahrs planen wir für den 9. Juni einen ganztätigen Summit in Wien. Gemeinsam mit dem Beststellerautor Marc Elsberg („Gier“) gehen wir der Frage nach, wie viel Egoismus Gesellschaft und Wirtschaft vertragen und ob nicht in vielen Fällen Kooperation die bessere Strategie ist.

Im Talk mit den Skisprung-Legenden Thomas Morgenstern und Andreas Goldberger

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„Mit Vertrauen Zukunft bauen“: Logo und Key Visual für unser Jubiläumsjahr

Umsetzungsbeispiel auf einem Werbemittel

Im Anschluss an das Impulsreferat des Autors sind unter anderem eine hochkarätige Diskussionsrunde, Case Studies aus der Welt der Genossenschaft und eine Keynote des bekannten deutschen Philosophen und Autors Julian Nida-Rümelin angesetzt. Die Veranstaltung richtet sich neben unseren Mitgliedern auch an weitere Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft.

talisieren wir gerade alle historischen Bände unserer Verbandszeitschrift. Rechtzeitig zum Jubiläum werden sie frei zugänglich im Internet zur Verfügung stehen. Alle weiterein Details zu unseren Jubiläumsveranstaltungen und -aktionen werden wir Ihnen selbstverständlich rechtzeitig übermitteln. Feiern Sie mit uns und lassen Sie uns auch in Zukunft gemeinsam erfolgreich sein! g

DAS GROSSE FEST ZUM JUBILÄUM Am 15. September steigt dann im Kursalon Wien die offizielle Festgala zum 150-Jahr-Jubiläum. Wir wollen dabei nicht nur zurückblicken – es wird unter anderem einen von Hanno Settele gestalteten Filmbeitrag zur Entstehung des ÖGV geben –, sondern auch die Zukunft des kooperativen Wirtschaftens in den Mittelpunkt rücken. Rechtzeitig zum Fest wird auch die Jubiläumsausgabe des „cooperativ“ als Sonderdruck erscheinen – unter anderem mit einem Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 1872 und einem großen Gewinnspiel. Gleichzeitig öffnen wir unsere Archive: In Kooperation mit der Nationalbibliothek digi-

Im Kursalon Wien findet im September 2022 die offizielle Festgala statt


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150 JAHRE ÖGV – STATIONEN IM ZEITRAFFER »

4. August 1872: In Wien wird der Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Österreichischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften gegründet.

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9. April 1873: Das Gesetz über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften (GenG) tritt in Kraft.

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1880: Der Verband erwirkt eine Sonderstellung der Genossenschaften in der Steuergesetzgebung, damit wird die Besonderheit des kooperativen Wirtschaftens erstmals auch gesetzlich anerkannt.

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10. Juni 1903: Die genossenschaftliche Revision als Grundlage für stabiles Wirtschaften wird verpflichtend eingeführt.

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15. November 1922: Zum 50-Jahr-Jubiläum des Verbandes wird die Österreichische Zentralgenossenschaftskasse als genossenschaftliches Spitzeninstitut gegründet.

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15. Juni 1930: Der Allgemeine Verband fusioniert mit dem Zentralverband der Gewerblichen Genossenschaften und firmiert seitdem als ÖGV.

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9. Juli 1938: Auf Verfügung des NS-Regimes wird der ÖGV aufgelöst. 1946 wird diese Auflösung für nichtig erklärt.

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30. Juni 1947: Der ÖGV übernimmt die Agenden des neu gegründeten Fachverbandes der Kreditgenossenschaften nach dem System Schulze-Delitzsch in der Wirtschaftskammer und damit die gesetzliche Interessenvertretung der Volksbanken.

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Oktober 1950: Der ÖGV nimmt am ersten Kongress der Internationalen Volksbankenvereinigung (CIBP) in Rom teil.

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4. November 1952: Gemeinsam mit den anderen Genossenschaftsverbänden gründet der ÖGV das Forschungsinstitut für Genossenschaftswesen an der Uni Wien, die Organisation wird in der Folge mehrfach angepasst.

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1976: Die Prüfungsabteilung wird als eigenes Ressort im ÖGV eingerichtet, um die genossenschaftliche Revision klarer von der Beratung zu trennen.

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20. November 1984: Mit dem „Sektorkonzept“ beschließt der ÖGV-Verbandstag eine Neustrukturierung der Volksbanken mit einem Relaunch der Solidaritätseinrichtungen, die Volksbanken-Beteiligungsgesellschaft wird in der Folge gegründet.

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6. Dezember 1985: Unter Beteiligung des ÖGV entsteht an der WU Wien das Forschungsinstitut für Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften.

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1988: Der ÖGV tritt der Europäischen Vereinigung der Genossenschaftsbanken (EACB) bei.

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1991–1994: Noch vor dem Beitritt Österreichs zur EU schließt der ÖGV Kooperationen mit den italienischen und französischen Volksbanken sowie mit dem Genossenschaftsverband Bayern.

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15. Februar 2012: Als Folge der Finanzkrise, die das Spitzeninstitut ÖVAG in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat, beschließt der Gruppentag Volksbank die Gründung eines Kreditinstitute-Verbundes mit der ÖVAG als Zentralorganisation und geht damit neue Wege in der österreichischen Bankenlandschaft.

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4. Juli 2015: Wesentliche Assets einschließlich der Spitzeninstitutsfunktion der ÖVAG werden auf die Volksbank Wien als neue Zentralorganisation abgespalten, die verbleibenden Teile werden in eine Abbaugesellschaft umgewandelt. Der Volksbanken-Verbund und auch der ÖGV strukturieren sich in den Jahren darauf erfolgreich neu.

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31. Mai 2017: Mit einer durchgreifenden Satzungsänderung sichert der ÖGV-Verbandstag ein gleichberechtigtes Miteinander der Gruppen Kredit und Ware für die Zukunft.

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7. Jänner 2020: Auf Initiative des ÖGV findet erstmals ein klares Bekenntnis zur Genossenschaft Eingang ins Arbeitsprogramm der neu angelobten Bundesregierung.

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Das richtige Rezept für den Erfolg


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Um Erfolge, die bereits erreicht sind, und solche, die in Zukunft noch anvisiert werden, ist es im Oktober bei der Volksbank-Managementkonferenz gegangen, die erstmals seit dem Pandemiebeginn wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte. Text: Günther Griessmair Fotos: Patrick Langwallner

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Erstmals seit 2019 ging die Volksbank-Managementkonferenz wieder als Präsenzveranstaltung über die Bühne. Rund 140 Führungskräfte aus dem Verbund trafen sich in Salzburg.

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Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, zog ein positives Fazit über die Jahre der Neuaufstellung. Nach der Konsolidierung könne der Verbund jetzt wieder wachsen.

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Der ÖGV präsentierte sich als starker Partner für den Erfolg. Zusätzlicher Rückenwind kommt auch durch das Wirtschaftswachstum.

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Für Motivation und Inspiration sorgten in Salzburg Vorbilder aus der Sportwelt. Der Schlüssel für zukünftige Erfolge der Volksbanken wird im Vertrauen und in der Nähe zu den Kunden gesehen.

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Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf mit den Grußworten des Landes Salzburg

Vorbilder aus der Sportwelt, v. l. n. r.: Andreas Ernhofer, Stefan Kraft, Sara Marita Kramer und Lukas Weißhaidinger

„Wir wollen heute die gemeinsam erreichten Erfolge feiern, aber auch darüber reden, wie wir unseren Erfolgslauf fortsetzen können“, gab Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, zum Auftakt der Managementkonferenz die Richtung vor. Die Vorfreude bei den rund 140 versammelten Führungskräften des Verbundes war jedenfalls groß, das lag auch daran, dass es für viele das erste persönliche Zusammentreffen seit Beginn der Coronakrise war. Und Salzburg – Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf überbrachte die Grußworte des Landes – erwies sich als perfekter Gastgeber.

ERFOLGREICH DURCH VERTRAUEN UND KUNDENNÄHE „Wir haben einen Verbund eigenständig agierender Banken aufgebaut, die fest in den Regionen verankert sind. Gemeinsam betreuen wir über eine Million zufriedene Kunden“, zog Fleischmann ein positives Fazit über die Zeit der Umstrukturierung seit 2015. Bei der Kundenzufriedenheit verwies er auf aktuelle Umfragedaten, welche die Volksbanken in dieser Disziplin wieder an der Spitze – gleichauf mit den Sparkassen – sehen. Gleichzeitig sei es gelungen, die Kosten nachhaltig zu senken. Aufbauend auf einem risikoarmen Kreditportfolio sei jetzt wieder solides Wachstum möglich – im Wertpapierbereich habe dieses Wachstum bereits voll eingesetzt. Als Rezept für den Erfolg nannte Fleischmann die Ver-

trauensbasis zu den Kunden, die regionale Nähe und die hohe Beratungskompetenz im direkten Kundenkontakt. Für 2022 kündigte er Innovationen auch für digital-affine Kunden an: die Einführung der Videoberatung, der digitalen Wohnraumfinanzierung und der elektronischen Signatur von Dokumenten. Intern soll ein neues CRM-Analyseinstrument den Kundenberatern dabei helfen, die richtigen Kunden zum richtigen Zeitpunkt anzusprechen. Als längerfristige Vision skizzierte der Generaldirektor einen genossenschaftlichen Dividendenkreislauf: „Was die Volksbanken in der Region erwirtschaften, soll über Dividenden an die Mitglieder zurück in diese Region fließen.“ ÖGV SEIT 150 JAHREN STARKER PARTNER Dass die Volksbanken auf ihrem Erfolgsweg auf einen starken Partner zählen können, versicherte ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner in seinem Referat. Er verwies unter anderem auf die Gründungsinitiative für Energiegenossenschaften, bei denen die Volksbanken als Finanzierungspartner an Bord sein könnten, den Eigentümerclub – ein vom ÖGV entwickeltes Programm zur Mitgliederbindung – oder die neue Datenbank für die Verwaltung und Gestaltung des Mitgliederwesens. Abschließend gab der Verbandsanwalt einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2022, in dem der ÖGV unter dem Motto „Mit Vertrauen Zukunft bauen“ sein 150-jähriges Bestehen feiert. WIRTSCHAFTSWACHSTUM GIBT RÜCKENWIND Für den Erfolg von Banken ist immer auch die gesamtwirtschaftliche Lage entscheidend. Und hier hatte Professor Christoph Badelt gute Nachrichten für die Teilnehmer: „Wir erleben einen stabilen Aufschwung, der auch 2022 anhalten wird“, prognostizierte der Experte. Er erwartet ein BIPWachstum von 4,4 Prozent heuer und 4,8 Prozent im nächsten Jahr. Der Wirtschaftspolitik empfiehlt er, sich nach Corona wieder den großen Themen unserer Zeit


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Talk zum Thema Regionalität mit Unternehmer Franz Ebetsberger, Helmut Degen, Vorsitzender des Genossenschaftsrats der Volksbank Salzburg, und Generaldirektor Andreas Höll (v. l. n. r.)

ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner: „Mit Vertrauen Zukunft bauen“

zu widmen. Dazu zählt der Experte die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft, den Fokus auf Arbeitsmarkt und Bildung sowie die Konsolidierung des Staatshaushalts – Badelt ist auch Präsident des Fiskalrates. VORBILDER AUS DER SPORTWELT Kann die Wirtschaft beim Thema Erfolg auch von der Welt des Sports lernen? Um dieser Frage nachzugehen, wurden in Salzburg vier Spitzensportler auf die Bühne gebeten: Skispringerin Sara Marita Kramer („Für Erfolg 100 Prozent geben“), Teamkollege Stefan Kraft („Erfolg braucht auch das richtige Umfeld“), Diskus-Olympiamedaillengewinner Lukas Weißhaidinger („An Erfolg muss man glauben“) und ParalympicsTeilnehmer Andreas Ernhofer („Die meisten Grenzen setzt man sich selbst“) plauderten aus dem Nähkästchen. Letzterer inspirierte die Konferenzteilnehmer mit seiner Erfolgsstory ganz besonders: Nach einem Badeunfall vor sieben Jahren konnte sich Ernhofer im Rollstuhl kaum bewegen, heuer schaffte er es ins Finale über 50 Meter Brust in Tokio. „Ich lasse mich durch den Rollstuhl nicht ausbremsen“, so das Credo dieses Athleten mit beeindruckender mentaler Stärke. REGIONALITÄT ALS GROSSES PLUS Um die Rolle der Hausbank als Partner in der Region ging es dann in einer Diskus-

sionsrunde, die auch aufzeigte, was das Erfolgsrezept der Volksbanken für die Zukunft ist. „Die genossenschaftlichen Werte, die Regionalität und Menschen, die das begeistert leben – all das macht die Volksbanken aus“, so Andreas Höll, Generaldirektor der Volksbank Salzburg. „Unsere Mitarbeiter kommen selbst aus der Region und sind dort fest verwurzelt. Dadurch entsteht wechselseitiges Vertrauen, denn der Berater kennt den Kunden und den Markt besser, als jeder Businessplan das dokumentieren könnte.“ Ganz ähnlich sieht das Helmut Degen, Vorsitzender des Genossenschaftsrats der Volksbank Salzburg und zugleich Aufsichtsrat der Volksbank Wien: „Vertrauen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. Dieses Vertrauen ist bei vielen BanGeneraldirektor Gerald Fleischmann: „Eine Million zufriedene Kunden“ ken schon nicht mehr selbstverständlich.“ Regionalität sieht er als Megatrend. Auch für Franz Ebetsberger, Geschäftsführer des Holzverarbeitungsunternehmens E-P-C, war regionale Nähe ausschlaggebend bei der Wahl seiner Bank. Vertrauen sei der Schlüssel zum Erfolg: „Ich hätte den Kredit für den Aufbau meines Betriebes nie bekommen, wenn mich meine Bank nicht gekannt und mir vertraut hätte. Für dieses Vertrauen bin ich der Volksbank noch heute dankbar.“ Top-Stimmung bei der Vorabendveranstaltung im Salzburger Loft g


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Kreativworkshop für die Gründung der ersten Schülergenossenschaft an der HAK 2 in Salzburg

Genossenschaften für die nächste Generation Premiere an Österreichs Schulen: Mit Unterstützung der Verbände – darunter auch der ÖGV – gehen derzeit die ersten Schülergenossenschaften an den Start. Die Idee dahinter: Die junge Generation soll praxisnah das Erfolgsmodell des kooperativen Wirtschaftens kennenlernen. Text: Günther Griessmair Foto: HAK 2 Salzburg

Der beste Lehrmeister ist immer noch die Praxis. Nach der Vorstellung des Unterrichtspakets für Schulen – „cooperativ“ berichtete in der letzten Ausgabe – gehen Österreichs Genossenschaftsverbände daher noch einen Schritt weiter: Sie unterstützen und begleiten aktiv die Entstehung von Schülergenossenschaften. Bei diesem in Deutschland bereits etablierten Modell gründen Jugendliche im Rahmen des Schulunterrichts Modellgenossenschaften, die dann im kleinen Rahmen auch einen echten Geschäftsbetrieb aufbauen. Dabei lernen sie alle Facetten der genossenschaftlichen Unternehmensform und des kooperativen Wirtschaftens aus nächster Nähe kennen. Rechtlich erfolgt die Abwicklung der Geschäfte in Österreich über Trägervereine, die vom Genossenschaftsverband, der Schule, den Eltern und einer Genossenschaft, die als Pate fungiert, ins Leben gerufen werden. Mitglieder des Trägerver-

eins übernehmen auch die Funktion des Aufsichtsrats in der Schülergenossenschaft, und es findet eine eigens dafür geschaffene Form der Revision durch einen Prüfer des jeweiligen Genossenschaftsverbandes statt. Das ÖGV-Gründerservice hat bereits die Betreuung von mehreren Schülergenossenschaften übernommen und möchte das Angebot in Zukunft weiter ausbauen. Dazu werden noch etablierte Genossenschaften und Genossenschaftsbanken gesucht, die bereit sind, als Pate solche Projekte in ihrer Region zu begleiten. Es lohnt sich für alle Beteiligten! Sie haben Interesse, Pate für eine Schülergenossenschaft zu sein? Oder Sie kennen Schüler, die gerne eine solche Genossenschaft gründen möchten? Dann schreiben Sie an gruenderservice@genossenschaftsverband.at. Wir halten Sie weiter über diese Initiative auf dem Laufenden. g


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Erfahrungsbericht aus Deutschland

Schülergenossenschaften als Gewinn für alle In Österreich noch im Aufbau, gibt es das Modell der Schülergenossenschaften in Deutschland schon länger. Die VR Bank Rhein-Mosel betreut sehr erfolgreich gleich mehrere solche Projekte. Für „cooperativ“ berichtet sie über ihre Erfahrungen. Text: Matthias Herfurth und Anton Schmoll Fotos: VR Bank Rhein-Mosel

Seit ihrer Gründung sind Genossenschaftsbanken regional verwurzelt und agieren auf Basis demokratischer und solidarischer Prinzipien. Wenn heute viel über die Zukunft des Bankings und die zukünftige Rolle der Banken diskutiert wird, stellt sich damit auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Genossenschaftsmodells. Es gilt zu zeigen, dass Genossenschaftsbanken keineswegs ein Auslaufmodell, sondern vielmehr die Zukunft darstellen. Dazu müssen die genossenschaftlichen Prinzipien mit neuem Leben und modernen Inhalten gefüllt und so in die Zukunft transferiert werden. Die Herausforderung besteht also darin, Tradition und Moderne sinnvoll zu kombinieren und sich als Bank der Zukunft zu positionieren. Unter diesem Aspekt nehmen die Generationen von morgen einen zentralen Stellenwert ein: Nur wenn es gelingt, die Jugendlichen für die genossenschaftlichen Werte zu begeistern und ihnen die Bedeutung der

Pfiffige Geschäftsidee: Die Schülergenossenschaft „Green4u“ bietet gesunde Pausenverpflegung an

Genossenschaftsidee näherzubringen, wird das genossenschaftliche Modell weiter erfolgreich bestehen. Daher engagiert sich die VR Bank Rhein-Mosel im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements seit vielen Jahren, um die ökonomische Finanzbildung der Jugend zu fördern. Die Fördermaßnahmen reichen von der Initiative „Finanzielle Bildung in Schulen“ bis zu

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Die Gründungsversammlung von „Green4you“ in den Räumlichkeiten der Bank

onlinebasierten Finanzquiz-Spielen. Der unmittelbarste Weg, Genossenschaft erlebbar zu machen, ist aber zweifelsohne, selbst eine Genossenschaft zu gründen und zu managen. Das gelingt am besten durch Schülergenossenschaften. Die VR Bank Rhein-Mosel hilft seit 2017 beim Aufbau solcher Genossenschaften in der Region. Drei Initiativen – „Green4u“, „Future for You“ und „writelife & more“ – sind so bereits entstanden. EINE WIN-WIN-SITUATION FÜR ALLE Bei diesen Schülergenossenschaften handelt es sich um Unternehmen mit realem Geschäftsbetrieb, die von Schülern in Form einer Genossenschaft geführt werden. Rechtlich gesehen sind sie dennoch ein Bildungsprojekt der jeweiligen Schule. Mit dieser Initiative will die VR Bank Rhein-Mosel den Unternehmergeist und das unternehmerische Denken und Handeln fördern, wobei alle Beteiligten davon profitieren: » Die Schüler erwerben durch ihre Mitarbeit bei diesen Projekten wichti-

ge soziale Kompetenzen wie Eigen initiative, Kreativität oder Teamgeist, die sie im späteren Berufsleben benö tigen. Sie können sich in verschiede nen Arbeitsgebieten innerhalb der Genossenschaft einbringen und so ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken testen. Mit ihren kleinen Unternehmen entwickeln sie sich menschlich und fachlich weiter und gewinnen bereits in der Schule wichtige Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt. » Für die Schule bietet ein solches Projekt die Möglichkeit für praktisches und wirtschaftsbezogenes Lernen. Unter diesem Aspekt bilden Schüler genossenschaften ein wertvolles Ins trument der Berufsvorbereitung. Sie sind prinzipiell auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und dauerhaft an der Schule verankert. Ihre Aktivität endet also nicht nach einem Schuljahr, sondern wird in der Schule von Jahr gang zu Jahrgang weitergegeben. » Für die Genossenschaftsbank ist die Unterstützung von Schülergenossen schaften eine Möglichkeit, das in ihrem Leitbild verankerte gesellschaft liche Engagement sichtbar unter Be weis zu stellen. Indem man sich als Partnerbank für Schülergenossen schaften zur Verfügung stellt, wird deutlich, dass man sich für die Men schen der Region engagiert. Gleich zeitig ist dies eine gute Gelegen heit, sich bei den Jugendlichen als potenzieller Arbeitgeber zu präsen tieren. GENOSSENSCHAFTLICHES UND NACHHALTIGES HANDELN Das Schülerfirmenmodell ist eine ideale Plattform, damit junge Menschen die Prinzipien einer Genossenschaft verstehen lernen und sich mit ihnen identifizieren. Das ist der VR Bank Rhein-Mosel ein be-


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sonderes Anliegen, ist sie doch die älteste von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gegründete, heute noch selbstständige Genossenschaftsbank der Welt. Unter diesem Aspekt bilden auch genossenschaftliche Grundwerte wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Solidarität das zentrale Wertefundament der Schülergenossenschaften. Anstelle der Verfolgung individueller Ziele geht es darum, zusammen für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten. Die Entscheidungen werden daher in einer Schülergenossenschaft nicht von Einzelnen, sondern gemeinsam getroffen, wobei jedes Mitglied – unabhängig von seinem Anteil – das gleiche Stimmrecht hat. Auf diese Weise wird auch Demokratie unmittelbar erlebt. Die von den Schülergenossenschaften hergestellten Produkte oder Dienstleistungen können sowohl schulintern als auch am „echten“ Markt vertrieben werden. So beschäftigt sich etwa „Green4u“ mit der Produktion und dem Verkauf von gesunder Pausenverpflegung. Dabei wird darauf geachtet, dass es sich um regionale und nachhaltige Produkte handelt. Daneben werden in den Schülergenossenschaften auch Schul- und Bastelmaterialien für den Schulalltag angeboten. Zum Schuljahresbeginn, der erfahrungsgemäß immer mit Stress verbunden ist, wird wertvolle Hilfestellung gegeben, indem Pakete mit allen benötigten Materialien zur Verfügung gestellt werden. Durch die von den Genossenschaften organisierten Sammeleinkäufe sparen die Kunden – Schüler, Eltern und Lehrer – Zeit und Geld. Ein anderes Beispiel: Die Schülergenossenschaft „Future for You“ betreibt eine kleine Reparaturwerkstätte für Fahrräder. Hier setzen die Schüler gebrauchte Fahrräder instand und verkaufen sie dann weiter. Das Prinzip „Reparieren statt wegwerfen“ entspricht ganz dem nachhaltigen Gedanken und zeigt, dass ökologisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind.

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DIE PATENSCHAFT DER BANK Im Vergleich mit anderen Schülerfirmenmodellen besteht die Besonderheit einer Schülergenossenschaft auch darin, dass eine verbindliche Partnerschaft mit einer realen Genossenschaft besteht. In der VR Bank Rhein-Mosel gibt es für jede Schülergenossenschaft einen festen Ansprechpartner in der jeweiligen Geschäftsstelle vor Ort. Die zentrale Projektkoordination wird vom Leiter des Vertriebsservices mit Unterstützung der Marketingabteilung wahrgenommen. Die Paten unterstützen die Schüler bei der Entwicklung eines Businessplans und geben Tipps, wie man aus einer anfänglichen Geschäftsidee ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut. Auch in der Phase der formalen Gründung der Schülergenossenschaft steht die Bank mit Rat und Tat zur Seite, es werden auch eigene Gründungsworkshops organisiert. Die Paten übernehmen zudem auch eine Funktion im Aufsichtsrat. Die Verbundenheit mit der VR Bank zeigt sich auch darin, dass alle bisherigen Gründungsversammlungen in den Räumen der Bank stattgefunden haben. Dort wurde den Eltern, Lehrern und Vertretern der Bank das Geschäftsmodell vorgestellt und die Gründung beschlossen, auch die ersten Mitglieder wurden gewonnen. Darüber hinaus stellte die Bank für die Gründungen jeweils 1.000 Euro als Startkapital zur Verfügung. Nach erfolgreicher Gründung, Einreichung und Prüfung der erforderlichen Unterlagen beim Genossenschaftsverband wurden sie in das Schülergenossenschaftsregister eingetragen. Seither können sie neben ihrer Firmenbezeichnung das Kürzel eSG (eingetragene Schülergenossenschaft) tragen. Das Beispiel dieser erfolgreichen Schülergenossenschaften zeigt, dass es auch heute noch möglich ist, die Jugend für die 170 Jahre alte Idee der Genossenschaft zu begeistern. g

Matthias Herfurth ist Vorstand der VR Bank RheinMosel eG. E-Mail: matthias. herfurth@vrbrm.de

Anton Schmoll ist Lektor an der Fachhochschule für Bank- und Finanzwirtschaft Wien und Dozent an der Akademie Deutscher Genossenschaften. E-Mail: anton. schmoll@aon.at

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Eine Digitalisierung, die nachhaltig ist Wie können wir eine digitale und grüne Transformation gestalten, damit wir künftig in einer nachhaltigen, wissensbasierten und gerechten Welt leben können? Das war die zentrale Frage beim csrTAG 2021. Text: Andrea Karner Fotos: Guenther Peroutka, respACT

V. l. n. r.: Armin Mahr (CEO FH Wiener Neustadt), Daniela Knieling (respACT-Geschäftsführerin) und Wolfgang Anzengruber (respACT-Vorstandsmitglied)

„Es geht um eine – vermutlich wesentlich von der Digitalisierung geprägte – Gesellschaft, die Klimaneutralität mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und hoher Lebensqualität verbindet“, ist der Ökonom, Nachhaltigkeitsforscher und Publizist Fred Luks überzeugt. Für eine große Transformation sei dieses Zielbild sicher motivierender als die Aussicht, womöglich gerade noch das Schlimmste zu verhindern. Mehr Fantasie und weniger Moralisierung hält er dabei unverzichtbar. „Die Corona-Pandemie ist zwar noch nicht überwunden, aber sie hat uns deutlich den Weg in ein neues Wirtschaften gewiesen. Daher spannen wir einen Bogen über die beiden Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit“, so respACT-Geschäftsführerin Daniela Knieling bei der Eröffnung des csrTAGs, der am 21. Oktober live vom Campus der Fachhochschule Wiener Neustadt in Wieselburg übertragen wurde – die Veranstaltung wurde auch von der Volksbank Wien und dem ÖGV unterstützt. Damit Digitalisierung nicht nur ökonomische Vorteile bringt, muss sie mit den SDGs – den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – verlinkt werden. Wolfgang Anzengruber, Consultant und respACT-Vor-

standsmitglied, dazu: „Digitalisierung ist ein Werkzeug, ein Hebel zur Beschleunigung der Zielerreichung. Die Vorteile einer engen Verzahnung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung liegen auf der Hand. Die Zielsetzung, eine ökologische, soziale und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft zu gestalten, steht im Zentrum unserer Gesellschaft und ist alternativlos. Um die Akzeptanz bei den Menschen sicherzustellen, sind aber auch mögliche Risiken einer digitalen Transformation im Auge zu behalten, um kontraproduktive Rebound-Effekte hintanzuhalten und den Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten.“ BEITRAG DER DIGITALISIERUNG ZUR NACHHALTIGKEIT Mit dem Green Deal und der TaxonomieVerordnung wurde auf EU-Ebene bereits das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gelegt. Katharina Schönauer, Nachhaltigkeitsexpertin bei KPMG, erklärt, was die Zielsetzung ist: „Durch eine systematische Erfassung der Auswirkungen und ESG-Risiken verstehen wir den Unternehmenswert und die Implikationen der Geschäftstätigkeit auf Gesellschaft und


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Umwelt entlang der Wertschöpfungskette. Digitalisierung unterstützt bei der Datenerfassung und Transparenz, sie ist daher ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.“ Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet allerdings nicht automatisch auch mehr Nachhaltigkeit. „Wäre das Internet ein Land, hätte es den drittgrößten Stromverbrauch nach China und den USA“, rechnet Tilman Santarius vor. Der Professor an der TU Berlin und am Einstein Centre Digital Futures fordert daher „Designprinzipien“ für eine nachhaltige Digitalisierung: „Digitalisierung als Megatrend bietet Potenziale, um Nachhaltigkeit voranzubringen. Doch gegenwärtig dominieren zu viele Trends, die in andere Richtungen weisen. Es braucht eine stärker selektive Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft sowie eine aktivere politische Gestaltung von Innovation und Anwendungen.“ WANDEL IN UNTERNEHMEN HAT SCHON BEGONNEN Vorreiter dafür sind nicht zuletzt auch global agierende Unternehmen wie Microsoft, die sich zu den UN-Klimazielen bekennen: „Als Gesellschaft müssen wir uns zum Ziel setzen, CO2-neutral zu produzieren und zu konsumieren. In einer Zeit, in der die digitale Transformation den Wandel beflügelt, ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit ein Eckpfeiler der Digitalisierung darstellt. Als einer der führenden Digitalisierungstreiber kurbelt Microsoft diesen Wandel an. Wir sehen es als unsere Pflicht, die Auswirkungen unseres Wirtschaftens auf die Umwelt zu thematisieren, bestmöglich einzuschränken und sogar rückgängig zu machen“, so Jutta Grabenhofer, Sustainability Lead bei Microsoft Austria. Als konkretes Beispiel nennt sie Forschungen, um den Energieverbrauch von Cloud-Rechenzentren zu senken – etwa durch den Betrieb unter Wasser. Auch Harald Hagenauer, Leiter der Investor Relations bei der Post, hat große Ziele vor Augen: „Bis 2030 wollen wir alle Briefe und Pakete in Österreich auf der letzten Meile CO2-frei zustellen. Wirtschaftlicher Erfolg, die Dekarbonisierung der Logistik sowie ein gesundes und wertschätzendes Arbeitsumfeld stehen bei uns im Einklang miteinander“, erklärt er.

Der Avatar „Synthesa“ zeigt, was künstliche Intelligenz heute schon leisten kann

Mit fünf Keynotes und acht Breakout-Sessions hat der csrTAG 2021 den knapp 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch die Möglichkeit zum Netzwerken und zum Austausch über ganz konkrete Fragestellungen der Wirtschaft geboten: Wie gelingt es Unternehmen, ihre Wertschöpfungskreisläufe zu schließen? Wie können global tätige Unternehmen Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette kontrollieren und sicherstellen? Wie kann industrielle Restwärme zur Heizung von Gebäuden genutzt werden? Wie klimabezogene Berichterstattung funktionieren kann, skizzierte Volksbank-Nachhaltigkeitsexpertin Monika Bäumel. Sie stellte einen Check für den Klimaschutz-Reifegrad von Unternehmen vor. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ALS CHANCE Und wie die Zukunft nachhaltig und digital aussehen kann, hat der Avatar „Synthesa“ im Abschlussvideo gezeigt – die virtuelle Figur wurde ebenso wie der Text zum Video und die Musik mithilfe von künstlicher Intelligenz erstellt. „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sind die größten Hoffnungsträger der Forschung im Kampf gegen den Klimawandel. Bereits jetzt wird KI angewendet, um Umweltschutz zu betreiben. Etwa im Kampf gegen illegale Fischerei, um auf dem Meer Problemzonen auszumachen. Oder in den Regenwäldern, um Raubbau zu registrieren und den Lebensraum bedrohter Tierarten zu schützen. Sehen Sie in mir eine Chance, Ihre Arbeits- und Lebensweise neu zu definieren“, erklärte der Avatar. g

Andrea Karner ist Leiterin des Geschäftsfelds Kommunikation und csrTAG bei respACT. Zuvor war sie Generalsekretärin der CIBP und viele Jahre Chefredakteurin des „cooperativ“. E-Mail: a.karner@ respact.at

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Serie „Reichhaltig nachhaltig“

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Unternehmensführung mit Verantwortung In Teil eins und zwei unserer Serie haben wir uns mit den ökologischen und sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit befasst, im dritten und letzten Teil geht es nun um die Governance. Was man unter „guter Unternehmensführung“ versteht und wie Genossenschaften dabei punkten. Text: Victoria Pagowski, Barbara Pogacar und Stefan Resetarits Fotos: iStockphoto.com, Volksbank Wien

Der Begriff „Governance“ bedeutet starr übersetzt „Unternehmensführung“, doch das würde der Bedeutung des Begriffs und der dahinterstehenden Aspekte nicht vollständig gerecht. Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ist eine positive Deutung im Sinne von „Good Governance“ (gute Unternehmensführung) gebräuchlich. Hintergrund: Der sich beschleunigende Wandel von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt verändert auch die Bedingungen für die Steuerung von Unternehmen. Viele klassische politische und wirtschaftliche Konzepte erweisen sich als nicht mehr tragfähig. Die Rolle von Unternehmen wird zunehmend nicht mehr nur ökonomisch, sondern


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auch gesellschaftspolitisch interpretiert. Parallel dazu lassen sich Tendenzen in Richtung einer Abkehr vom ShareholderAnsatz mit dem reinen Gewinnmaximierungszweck hin zum Stakeholder-Ansatz erkennen. Dies bedeutet nicht, dass aus Unternehmen Non-Profit-Organisationen werden, vielmehr geht es darum, dass sie zusätzlich auch die Interessen der verschiedenen Stakeholder wie Arbeitnehmer, die Gesundheit der Kunden und die Umwelt generell in den Fokus rücken. Governance kann im Sinne der Nachhaltigkeit zudem eine diverse, die Realität des Unternehmens widerspiegelnde Besetzung des Leitungsorgans mit ausgeglichenen Geschlechter-, Alters- und Herkunftsverhältnissen bedeuten. Dem Bereich zuordenbar sind auch das Vorhandensein von Nachhaltigkeitsstrategien in den jeweiligen Organen und Einheiten, Steuerehrlichkeit und Korruptionsprävention sowie eine Vergütungspolitik, die mit nachhaltigen Zielen im Einklang steht und unangemessene Anreize für das Eingehen von Nachhaltigkeitsrisiken vermeidet. GOVERNANCE ALS BEITRAG ZUM NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTEN Bereits 2018 hat die EU-Kommission in ihrem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums legistische Maßnahmen auf dem Gebiet der Governance angekündigt. Demnach könne gute Unternehmensführung wesentlich zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen und unangemessenes kurzfristigen Denken (Short-termism) verhindern. Im Plan vorgesehen sind daher die Förderung einer solchen Unternehmensführung und der Abbau von kurzfristigem Denken am Kapitalmarkt. Als konkrete Maßnahmen werden Verpflichtungen für Unternehmen zur Aufstellung einer Nachhaltigkeitsstrategie einschließlich angemessener Sorgfaltspflichten in der Lieferkette sowie ihre Veröffentlichung erwogen. In Verfolgung dieses Vorhabens hat die Kommission vor einem Jahr eine Vorabkonsultation über eine mögliche Richtlinie zu diesen Themen mit dem Titel „Sustainable Corporate Governance“ veröffentlicht, mit einem Entwurf ist demnächst zu rechnen.

FÜR GENOSSENSCHAFTEN NICHT NEU Gerade Genossenschaften kennen aufgrund ihrer oft schwerpunktmäßig regionalen Geschäftstätigkeit sowohl Lieferanten als auch Kunden, was ihnen die Wahl ihrer Geschäftspartner auch anhand von Nachhaltigkeitsgesichtspunkten erleichtert. Und während viele Aspekte der Governance die Wirtschaftswelt global vor neue Herausforderungen stellen, sind sie in der Gesellschaftsform und Unternehmenspraxis von Genossenschaften längst Wesensmerkmale: » Hauptzweck der Genossenschaft ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder und die Förderung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit. » Die Mitgliedschaft steht in der Regel allen Personen und Unternehmen offen, die zum Tätigkeitsbereich der Genos senschaft passen. » Anders als das nunmehr in der Kritik stehende kurzfristige Denken an Kapitalmärkten ist eine langfristige Beziehung zwischen Mitglied und Genossenschaft häufig Realität. » Typischerweise sind Genossenschaf ten tief in lokalen Gemeinschaften verwurzelt. Diese Regionalität ist auch Teil der Governance, denn die Gremien der Genossenschaft sind häufig regio nal besetzt und repräsentieren damit die örtliche Bevölkerung in ihrer Vielfalt. » Mitglieder stimmen in der General versammlung über die wichtigsten Angelegenheiten der Genossenschaft ab – im Allgemeinen auf Grundlage des demokratischen Prinzips (ein Mitglied, eine Stimme) – und sind über ihre Mitgliederrechte in die Entwicklung der Genossenschaft involviert. » Vertreter der Mitglieder im Leitungs gremium stellen eine moderne Form der demokratischen Beteiligung an der Leitung von Unternehmen dar. GUTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG IN DER PRAXIS Die Praxis zeigt, dass die Governance als dritte Komponente der Nachhaltigkeit quer


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Willkommensevent für neue Lehrlinge in der Volksbank Wien

durch alle Sparten und unabhängig von der Betriebsgröße bei den ÖGV-Mitgliedsunternehmen tatsächlich gelebt und gefördert wird. Anhand der Erfahrungen aus dem Beratungsalltag möchten wir beispielhaft aufzeigen, in welchen Bereichen der Unternehmensführung dieser Nachhaltigkeitsaspekt zum Ausdruck gebracht wird. Ein kleines, aber dennoch besonders bedeutsames Zeichen der Wertschätzung ist es, wenn verdiente langjährige Funktionäre sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Genossenschaften Ehrenzeichen verliehen bekommen. Das Interesse an solchen Auszeichnungen durch den ÖGV ist ungebrochen hoch: Zahlreiche Genossenschaften schlagen Funktionäre und Mitarbeiter vor, die mit Leib und Seele ihre Aufgaben erfüllen und denen der langfristige Erfolg ihrer Genossenschaft am Herzen liegt. Doch auch wenn Funktionäre ihre Genossenschaften oft über viele Jahre begleiten, müssen diese wie jedes andere Unternehmen frühzeitig mit einer Nachfolgeplanung beginnen, um Kontinuität in der Unternehmensführung sicherzustellen. Häufig berichten Mitgliedsgenossenschaften, dass langjährige engagierte Mitarbeiter gerne in die Rolle des Geschäftsführers oder hauptamtlichen Vorstandsmitglieds wechseln und dadurch Kontinuität gewährleisten. Unlängst hat ein scheidendes hauptamtliches Vorstandsmitglied mit Stolz darüber berichtet, dass ihm ein Mitarbeiter im Amt nach-

folgt, den er einst selbst als Lehrling in der Genossenschaft ausgebildet hat. Für unsere Mitgliedsgenossenschaften steht zudem grundsätzlich der Mensch im Vordergrund und nicht das Geschlecht, die ethnische Herkunft oder der finanzielle Hintergrund. Mit mehr Flexibilität am Arbeitsplatz wird für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein angenehmes Umfeld geschaffen und oft insbesondere auch Frauen der Wiedereinstieg nach der Karenz erleichtert. Durch die bewusste Nachbesetzung von Führungspositionen mit Frauen wird dies unterstützt. Ein Großteil unserer Mitgliedsgenossenschaften hat sich zudem der Nachwuchsförderung verpflichtet. Mehrere haben sich auch schon bereit erklärt, als Paten für die nunmehr an höheren bildenden Schulen entstehenden Schülergenossenschaften zur Verfügung zu stehen – einen Bericht dazu finden Sie in diesem Heft. Außerdem unterstützen sehr viele Mitgliedsgenossenschaften soziale Projekte und Hilfsaktionen in den Regionen, in denen sie verankert sind, und kommen damit auch ihrer sozialen Verantwortung, der sie sich selbst verschrieben haben, nach. Gerne berichten wir in Zukunft weiterhin von nachhaltigen Initiativen, damit sich unsere Mitglieder die eine oder andere Idee für die eigene Nachhaltigkeitsstrategie holen können. Schreiben Sie uns! g

Victoria Pagowski leitet den Bereich Bankenregulierung in der Interessenvertretung des ÖGV. E-Mail: victoria. pagowski@oegv.volksbank.at

Barbara Pogacar ist Leiterin der Abteilung Beratung, Betreuung und Koordination für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im ÖGV. E-Mail: b.pogacar@ genossenschaftsverband.at

Stefan Resetarits ist Mitarbeiter im Bereich Bankenregulierung in der Interessenvertretung des ÖGV. E-Mail: stefan.resetarits@ oegv.volksbank.at

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Nachhaltigkeit im „System Genossenschaft“ Das Phänomen „Nachhaltigkeit“ ist aktuell wesentlicher Gegenstand gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Diskussionen. Mit Blick auf Genossenschaften besteht hier Klärungsbedarf – und zwar aufgrund der vielfältigen Deutungen dessen, was Nachhaltigkeit ausmacht. Text: Günther Ringle Foto: iStockphoto.com

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

1

Der Kooperationstyp „eingetragene Genossenschaft“ ist seit seinem Bestehen auf Nachhaltigkeit ausgelegt – und zwar im Sinne von dauerhaftem Sein.

2

Seit jeher setzen Genossenschaften zudem auf Partizipation und Gestaltungsprozesse in langfristiger Perspektive. Nachhaltigkeit stellt sich als fester Bestandteil des kooperativen Wirtschaftens dar.

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Genossenschaften verfügen beim nachhaltigen Wirtschaften über Potenziale, die ihnen gegenüber anderen Unternehmensformen eine Vorteilsposition verschaffen.


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GENOSSENSCHAFTEN UND NACHHALTIGKEIT Insbesondere die Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit hat in den letzten zehn Jahren wachsende Bedeutung als Anspruch, Leitbild und Ziel erlangt. Die Überzeugung vom unausweichlichen Erfordernis der Weiterentwicklung von Prozessen, die sich in der Umweltbilanz positiv auswirken, wurde dabei gefestigt. Für den Genossenschaftssektor ist Nachhaltigkeit nichts Neues, sondern seit jeher Bestandteil des Systems und bedeutendes Anliegen. In der genossenschaftsbezogenen Presse (auch in diesem Heft, Anm. d. Red.) wurde in letzter Zeit vermehrt im Stil absoluter Gültigkeit bekundet: „Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil des genossenschaftlichen Wertesystems“, „Genossenschaften sind nachhaltig – Nachhaltigkeit ist genossenschaftlich“, „Das genossenschaftliche Modell ist von Natur aus nachhaltig“ oder „Nachhaltigkeit gehört zum genossenschaftlichen Markenkern“. An weiteren eindringlichen Schlagworten dieser Art fehlt es im Schrifttum, das sich mit Genossenschaften befasst, nicht. Allerdings werden meist konkrete Belege für die Plausibilität solcher thesenartigen Botschaften vermisst. Ein solcher Befund legt nahe, hinterfragt zu werden. Zunächst ist festzuhalten, dass Genossenschaften traditionell eine stabile Entwicklung ihrer Unternehmen verfolgen und auf eine vielfältige Präsenz der Eigenschaft „dauerhaft“ (auch: langlebig, beständig, fortwährend oder bleibend) verweisen können, die sich positiv auf ihre Funktions-, Leistungs- und Zukunftsfähigkeit auswirkt. Dieser Schlüsselbegriff findet häufig in Geschäftsberichten, die auf Nachhaltigkeits-

aktivitäten hinweisen, unter anderem mit Bezugnahme auf gelebte Partnerschaftlichkeit, regionale Verankerung, Mitgliederund Kundennähe oder genossenschaftliche Werte, Erwähnung. Ein zu stärkendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit wird zudem bezogen auf Geldanlageprodukte, Risikomanagement oder in der Region erzeugte Nahrungsmittel propagiert. Das Bedürfnis nach Fokussierung von Sein als Zustandsbild sowie Handeln im Sinne eines auf Dimensionen der Nachhaltigkeit bezogenen Engagements von Genossenschaften ist spartenübergreifend gegenwärtig. Die weiteren, einer Konkretisierung dienenden Ausführungen bezwecken, sowohl den Nachhaltigkeitsgehalt der genossenschaftlichen Rechtsform als auch Nachhaltigkeitsaspekte genossenschaftlicher Unternehmen darzulegen. Wie daraus hervorgeht, kann das „System Genossenschaft“ mit Fug und Recht als nachhaltig bezeichnet werden. NACHHALTIGKEITSPOTENZIAL DER RECHTSFORM In der allgemeinen Öffentlichkeit dürfte wenig bekannt sein, dass der Kooperationstyp „eingetragene Genossenschaft“ (e. Gen.) seit seinem Bestehen auf Nachhaltigkeit ausgelegt war und bis heute geblieben ist. Und zwar im Sinne von dauerhaftem Sein. Was macht diesbezüglich die für Genossenschaften verfügbare eigenständige Rechts- und Unternehmensform erkennbar nachhaltig? Anziehungskraft und Zukunftsfähigkeit der besonderen Genossenschaftsform sind auf längere Sicht zu erwarten, wenn sie im Vergleich zu konkurrierenden Konzepten Vorteilhaftigkeit anzeigen. Das setzt voraus, dass sich das genossen-

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schaftliche Rechtskleid im Gesamtfeld der Kooperationsformen durch unverwechselbare Charakteristika mit Dauercharakter abhebt, die gegenüber anderen Zusammenschlussarten Präferenzen verschaffen. » Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten des Organisationsmodells: Dem Koopera tionstyp „e. Gen.“ ist vielfältige An wendbarkeit zu bescheinigen, was aus seinem Vorkommen in zahlreichen Wirtschaftszweigen, Branchen und Tätigkeitsfeldern hervorgeht. Darauf weisen nicht nur die klassischen Zweige wie Bank-, ländliche, gewerb liche, Konsum- und Wohnungsgenos senschaften, sondern ebenso die in neuerer Zeit erfolgten Neugründun gen in innovativen Geschäftsfeldern. Diese Spannweite übertrifft deutlich jene anderer Vereinigungsformen. » Geringe Insolvenzanfälligkeit der Ver einigungsform: Die genossenschaft liche Organisationsform gilt als der mit Abstand sicherste Zusammen schluss. Genossenschaften weisen von allen Wirtschaftsformen die nied rigsten Insolvenzraten auf. Unter schwierigen Marktbedingungen und besonders in Krisenzeiten konnte sich das Genossenschaftsmodell als wider standsfähiger und weniger als andere Unternehmensarten in seiner Existenz gefährdet bewähren, was auch als Zei chen für Nachhaltigkeit zu werten ist. » Möglichkeit des Zusammenschlusses einer Vielzahl Beteiligter: Der koopera tive Organisationstyp zeigt sich als überlegene Alternative, wenn eine größere Anzahl von Akteuren in der Form einer eingetragenen Genossen schaft wirtschaften möchte. In Öster reich muss die Mitgliederzahl mindes tens zwei betragen, sie ist aber dem Prinzip der offenen Tür gemäß nach oben nicht begrenzt, was Größen vorteile zumindest gegenüber anderen Organisationskonzepten erwarten lässt, die mit einem kleinen Kreis Beteiligter arbeiten. Für die Rechts-, Unternehmens- und Kooperationsform „eingetragene Genossen-

schaft“ sind diese dauerhaft bestehenden Eigenschaften Belege für ihren institutionellen Nachhaltigkeitsfundus. Von hoher Bedeutsamkeit der Rechtsform ist ihre Wettbewerbsfähigkeit im Kreis der bestehenden Unternehmensformen, die sich zum Beispiel in zuerkannter Attraktivität bei der Rechtsformwahl für neu zu gründende Genossenschaften zeigt. NACHHALTIGKEITSMERKMALE GENOSSENSCHAFTLICHER UNTERNEHMEN Von der Sicht auf die Rechtsform „eingetragene Genossenschaft“ getrennt sind arttypische Merkmale aufzuzeigen, deren Charakter genossenschaftliche Geschäftsbetriebe als „nachhaltig“ ausweist. Genossenschaftsunternehmen waren und sind auffallend vielseitig auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet. » Zusammenschluss auf Dauer: Ge nossenschaften unterhalten langfristig angelegte, grundsätzlich für unbe grenzte Zeitdauer errichtete Unter nehmen. Sie zeichnen sich durch Dauer beziehungen zu ihren Mitgliedern aus und sehen sich in der Pflicht, in der Gegenwart Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft und damit auch für die nachfolgende Mitgliedergeneration herzustellen. » Langfristig angelegte Mitgliedschaft: Die Institution Mitgliedschaft ist un bestritten das markanteste Differen zierungsinstrument einer Genossen schaft im Wettbewerb. Die individuelle Mitgliedschaft wird auf unbestimmte Zeit eingegangen. Als Dauermerkmal sichert sie eine nachhaltige Ver trauens-, Partizipations- und Leistungs beziehung des Mitglieds zum Koopera tionsunternehmen. » Dauerauftrag Mitgliederförderung: Genossenschaften dienen gemäß § 1 (1) GenG „im wesentlichen der Förderung des Erwerbes oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder (...)“. Die Mitgliederförderung wird auch als Grundauftrag bezeichnet und damit betont, dass der Leitung des Gemeinschaftsunternehmens auf Dau-


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er der Auftrag erteilt ist, die Mit gliederbelange bestmöglich zu unter stützen. Diesem zeitunabhängigen Zweck kommt zugleich die Position der obersten Leitmaxime zu. » Beständigkeit in der Organisations struktur: Genossenschaften weisen eine nachhaltige, weil langfristig un veränderte Binnenstruktur auf. Es handelt sich um Gesellschaften mit einem gemeinschaftlichen Geschäfts betrieb der Mitglieder (sogenannte Doppelnatur). Weitere strukturelle Tat bestände dauerhafter Art zeigen sich in der Funktions- und Kompetenz verteilung auf die mit Mitgliedern besetzten Organe. » Stabiler Kern des genossenschaftli chen Wertesystems: Zusammen mit der Mitgliederförderung bilden weitere We sensprinzipien die zentralen Bausteine eines genossenschaftlichen Werte gerüsts. Es sind die drei S-Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbst verantwortung sowie das Identitäts prinzip des Gleichseins von Mitglied und Geschäftspartner des Koopera tionsunternehmens. Diese als fort dauernd gültigen Grundsätze ver körpern das Wertegrundmuster einer jeden Genossenschaft. Ohne diese Elemente, die sie als nachhaltig qualifizieren, kann es Genossenschaften nicht geben. Ergänzend sei dazu angemerkt: Seit jeher setzen Genossenschaften auf Partizipation und Gestaltungsprozesse in langfristiger Perspektive. Nachhaltigkeit stellt sich als fester Bestandteil des kooperativen Wirtschaftens dar – und das nicht erst, seitdem das Thema in neuerer Zeit

verstärkt in das öffentliche Bewusstsein rückte. RESÜMEE Nachhaltigkeit zählt zu den wichtigsten Zukunftsthemen der Gegenwart. Genossenschaften verfügen diesbezüglich über Potenziale, die ihnen gegenüber anderen Unternehmensformen eine Vorteilsposition verschaffen. Anliegen dieses Beitrags war zu vermitteln, inwieweit einerseits die Kooperationsform „eingetragene Genossenschaft“ und andererseits Genossenschaftsunternehmen Nachhaltigkeit im Verständnis systemimmanenter Dauerhaftigkeit aufweisen. In beiden Segmenten ist das Bestands-, Entwicklungs- und Wirkungsobjekt „Nachhaltigkeit“ in diversen Elementen auszumachen, die das Wesen von Genossenschaften kennzeichnen und als „Hort der Nachhaltigkeit“ in ihrer Tradition fortdauern. Über diese Sicht auf das „System Genossenschaft“ hinaus und darauf aufbauend ist der Frage nachzugehen, welche ökonomischen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsprozesse in der heutigen Genossenschaftspraxis stattfinden. Dieses facettenreiche dreidimensionale Betätigungsfeld unter anderem ressourcenschonenden Handelns trägt dazu bei, das Genossenschaftswesen verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und sein Ansehen zu erhöhen. Aber das ist ein anderes, höchst interessantes, aber hier nicht zu behandelndes Thema.

Literatur des Autors zum Thema

Genossenschaften: Ein „Hort der Nachhaltigkeit“, in VM Fachzeitschrift für Verbands- und Nonprofit-Management, 2010/Nr. 1, S. 52-61. Genossenschaften und Nachhaltigkeit, Wismarer Diskussionspapiere 2021/Heft 2.

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Günther Ringle war lange Jahre Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Genossenschaftsbetriebslehre, an der Universität Hamburg und Mitherausgeber der „Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen“.

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Eine neue Managementlehre für Plattformgenossenschaften Im letzten Heft haben wir Daten- und Plattformgenossenschaften als neuen Kooperationstyp vorgestellt, der Antworten auf die Herausforderungen der Digitalökonomie bieten kann. Diesmal geht es um wesentliche Charakteristika, die für eine erfolgreiche Ausgestaltung dieser neuen Genossenschaftsform nötig sind. Text: Anselm Balk und Johann Brazda Foto: iStockphoto.com

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Je nach Typ von Plattformgenossenschaft entsteht unmittelbarer Nutzen durch die Hoheit über die eigenen Daten, neue Absatzmöglichkeiten oder Produktivitätssteigerungen dank Datenaustausch.

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Daneben werden auch mittelbarer Nutzen durch Mitgestaltung und nachhaltiger Nutzen durch langfristig angelegte Kooperation generiert.

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Da Plattformgenossenschaften über sensible Informationen der Mitgliedsbetriebe verfügen, sind Vertrauen und ein hoher Involvierungsgrad der Mitglieder nötig. Das erfordert funktionierenden Informationsaustausch.

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Die Mitglieder werden nur so lange Informationen mit der Genossenschaft teilen, wie sich deren Verhalten mit ihren Zielvorstellungen deckt und die Vorteile des kooperativen Agierens größer sind als bei Alternativen.


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Wenn eine genossenschaftliche Kooperation zwischen einzelnen Akteuren angestrebt wird, so ist wesentlich, dass eine gemeinschaftliche Maßnahme dem einzelnen Mitglied vorteilhafter erscheint als die Inanspruchnahme der benötigten betrieblichen Leistungen über den Markt. Das kann bei Plattformunternehmen der Fall sein. Wird die Plattform jedoch nicht gemeinschaftlich, sondern von einem Einzelunternehmen betrieben, verlieren die Anbieter nicht nur den direkten Zugang zu ihren Endkunden, sondern auch die Hoheit über ihre Daten und Transaktionsinformationen. Diese können vom Plattformbetreiber für seine eigenen Zwecke verwendet werden, die nicht unbedingt im Interesse der Nutzer liegen müssen. Damit geraten Plattformakteure gegenüber den Plattformbetreibern in ein asymmetrisches Abhängigkeitsverhältnis und können sich veranlasst sehen, unvorteilhaften Vertragsbedingungen zuzustimmen, die es den Betreibern erlauben, hohe Wertschöpfungsanteile für sich zu lukrieren. Die genossenschaftliche Kooperation kann hier eine Lösung darstellen und aufgrund der Identität von Kunde und Eigentümer (Identitätsprinzip) einer derartigen Marktasymmetrie entgegenwirken. Im Folgenden sollen die Erfolgsbedingungen dafür anhand von zwei genossenschaftlichen Systemelementen beispielhaft vertieft werden: der Erfolgsermittlung und dem Kommunikationsmanagement in Daten- und Plattformgenossenschaften.

ERMITTLUNG VON NUTZEN UND ERFOLG Eine notwendige Bedingung für die genossenschaftliche Kooperation ist – wie bereits erwähnt – die Vorteilhaftigkeit des genossenschaftlichen Verbundes für die einzelnen Mitgliedsbetriebe. Das kann dann am besten gewährleistet werden, wenn die genossenschaftliche Leistung als „Club-Gut“ zur Verfügung steht. Dabei können Betriebe von der Nutzung des genossenschaftlichen Guts ausgeschlossen werden, womit eine Unterscheidung zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern möglich ist. Betrachtet man die Vorteilhaftigkeit beziehungsweise den Nutzen, der bei den Akteuren durch eine genossenschaftliche Kooperation entstehen sollte, so sind im Rahmen des von Theresia Theurl entwickelten Member-Value-Ansatzes drei Nutzenebenen zu unterscheiden: » Unmittelbarer Member-Value: Mitglieds betriebe erzielen aufgrund ihrer Mit eigentümerschaft direkten Nutzen aus der genossenschaftlichen Aktivität und können damit ihre Wertschöpfung we sentlich steigern. » Mittelbarer Member-Value: Die Mit eigentümerschaft an der Genossen schaft befähigt die Mitgliedsbetriebe, direkten Einfluss auf das Agieren und die Ausgestaltung des Leistungsspekt rums der Genossenschaft zu nehmen. » Nachhaltiger Member-Value: Dieser zielt auf den zukünftigen und anhalten-

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den Nutzen ab, der durch das Setzen von langfristigen Investitionsentschei dungen entsteht. Aufgrund der Konzeption von Plattformen ist es möglich, einzelne Akteure von der Plattform auszuschließen, die angebotene Leistung kann also als „Club-Gut“ angeboten werden. Wie ein unmittelbarer Nutzen für den einzelnen Mitgliedsbetrieb geschaffen werden kann, hängt von der jeweiligen Ausgestaltung der Plattformgenossenschaft ab: » Bei autonomieorientieren Plattform genossenschaften besteht dieser Nut zen etwa im Datenschutz und der Souveränität über die eigenen Daten. » Bei konkurrenzorientierten Plattform genossenschaften ist es die Absatz möglichkeit, bei der ein vergleichsweise größerer Teil der Wertschöpfung bei den Akteuren verbleibt. » Bei wertschöpfungsorientierten Platt formgenossenschaften entsteht unmit telbarer Nutzen durch einen verbesser ten Datenaustausch, der zu Produktivi tätssteigerungen und in der Folge zu

Literatur zum Thema

Dülfer, E. (1995). Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften und vergleichbarer Kooperative, Vandenhoeck & Ruprecht. Schreiter, C. (2007). Die evolutorische Theorie der Genossenschaften, in: Brockmeier T. & U. Fehl (Hrsg.): Volkswirtschaftliche Theorie der Kooperation in Genossenschaften, Vandenhoeck & Ruprecht, S. 373-398. Theurl, T. (2013). Gesellschaftliche Verantwortung von Genossenschaften durch Member-Value-Strategien, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen, 63. Jg., Heft 2, S. 81-94.

höheren Gewinnen bei den einzelnen Teilnehmern führt. Mittelbarer Nutzen ergibt sich für jeden Entwicklungstyp aus der Identität von Plattformbetreiber und Kunde oder Lieferant, die es den Akteuren ermöglicht, Einfluss auf das Agieren der Plattformgenossenschaft zu nehmen und diese mitzugestalten. Nachhaltiger Nutzen entsteht bei den einzelnen Akteuren durch eine langfristig angelegte Kooperation. Entscheidend für eine nachhaltige Ausgestaltung der genossenschaftlichen Kooperation ist dabei die Minimierung von Interessenskonflikten. Um dies zu erreichen und die Nutzenstruktur für die Akteure zu maximieren, ist die Etablierung eines geeigneten Kommunikationssystems wesentlich. Damit ist nicht nur die unmittelbare Kommunikation gemeint, sondern neben der Ausgestaltung der Genossenschaft aufgrund von gesetzlichen, vertragsrechtlichen und satzungsmäßigen Rahmenbedingungen auch die Etablierung von Kommunikationssystemen, die sich aus horizontalen (zwischen den einzelnen Mitgliederbetrieben) und vertikalen Beziehungen (zwischen den einzelnen Organen der Genossenschaft) ergeben. Werden in der Ausgestaltung dieser Kommunikationssysteme unterschiedliche Zielsetzungen verfolgt, sind potenzielle Konfliktlinien vorprogrammiert. Dies gilt es zu vermeiden. MANAGEMENT DER KOMMUNIKATION Im Rahmen einer Systematisierung dieser einzelnen Kommunikationssysteme geht Eberhard Dülfer („Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften“) von vier Subsystemen aus, die sich jeweils aufeinander beziehen und je nach Leistungsbeziehung, die sie zueinander haben, zu unterschiedlichen Genossenschaftsstrukturen führen. Innerhalb der Subsysteme differenziert Dülfer wie folgt:


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» Betriebsfunktionales Kommunikations system (BKS): Hierin werden neben den Leistungen, die sich aus dem wirt schaftlichen Agieren der Genossen schaft ergeben, auch die funktionalen Beziehungen der Genossenschafts akteure gesehen. » Organisationsrechtliches Kommunika tionssystem (OKS): Darunter versteht Dülfer alle formalen Organisationsaus prägungen, also die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die vertragliche und satzungsmäßige Struktur sowie entsprechend festgelegte Verhaltens normen. » Interpersonales Kommunikationssys tem (IKS): Das interpersonale Kommu nikationssystem umfasst die sozialen Beziehungen und Verhaltensstrukturen der Genossenschaftsakteure unter einander – sowohl horizontal als auch vertikal. » Management-Mitglieder-Informations system (MMIS): Darunter wird das für den ständigen Informationsaustausch notwendige System subsumiert, das die drei zuvor genannten Subsysteme miteinander verbindet. Es leitet sich dabei „aus den technischen Erforder nissen dieser drei anderen ab“, so Dülfer. Da die einzelnen Subsysteme in sich nicht statisch sind und sich über die Zeit verändern, bedarf es einer ständigen Anpassung der einzelnen Kommunikationssysteme zueinander. Dies betrifft nicht nur die Kommunikation innerhalb des Genossenschaftsmanagements, sondern insbesondere auch die zwischen den Managern der Genossenschaft und den Mitgliedsbetrieben. In Bezug auf Plattformgenossenschaften und die digitale Kommunikation ergeben sich für die vier Subsysteme, insbesondere aber für das MMIS, ganz neue Herausforderungen und Fragestellungen.

So bedarf es zunächst einer Klärung und Festlegung der Inhalte und Aufgaben der vier Subsysteme. Ist dies nicht der Fall, kann im Sinne des nachhaltigen MemberValue ein langfristiger Erfolg beziehungsweise eine funktionierende Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren bei sich verändernden Subsystemen nicht gesichert werden. Eine derartige Sensibilität betrifft gerade Plattformgenossenschaften, da hier die Mitgliedsbetriebe von der Leistung ihrer Genossenschaft unter Umständen sehr stark abhängig sein können und die Plattformen zudem über sensible Informationen der Mitgliedsbetriebe verfügen. Wesentlich ist daher neben dem Vertrauensfaktor ein hoher Involvierungsgrad der Genossenschaftsmitglieder, wofür ein funktionierendes MMIS notwendig ist. Denn die Mitglieder werden nur so lange Informationen mit dem genossenschaftlichen Betrieb teilen, wie sich das Verhalten der genossenschaftlichen Subsysteme mit ihren Zielvorstellungen deckt und die Vorteile eines kooperativen Agierens größer sind als bei möglichen Alternativen. Hierfür ist die Wahrung von Identitäts-, Demokratie- und Förderprinzip entscheidend. Sie stellen nicht nur den wesentlichen Unterschied der genossenschaftlichen Rechtsform gegenüber anderen Rechtsformen dar, sondern ermöglichen es auch, das gegenseitige Vertrauen in die genossenschaftliche Leistung langfristig zu sichern und auf Änderungen innerhalb der Kommunikationssysteme partizipativ zu reagieren. Gerade die Kommunikation zwischen genossenschaftlichem Management und den Mitgliedsbetrieben ist hierfür wesentlich, um den langfristigen Nutzen der Genossenschaft für alle Mitglieder zu sichern und potenziellen Zielkonflikten vorzubeugen. g

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Anselm Balk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaftslehre/Fachbereich für Genossenschaftswesen der Universität Wien. Er leitete im Sommersemester 2021 gemeinsam mit Professor Johann Brazda ein Seminar zum Thema Digitalisierung und KMUs. Wesentliche Inhalte daraus teilt er nun mit den „cooperativ“-Lesern. E-Mail: anselm.balk@univie.ac.at

Johann Brazda ist Professor i. R. am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien. Er war viele Jahre lang Leiter des Fachbereichs für Genossenschaftswesen und geschäftsführender Vorstand des FOG. E-Mail: johann.brazda@univie.ac.at

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TIPPS & SERVICE

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Was sich für Schuldner und Gläubiger jetzt ändert

Ein neues Restrukturierungsverfahren, ein verkürztes Abschöpfungsverfahren und eine Gesamtreform des Exekutionsrechts bringen wichtige Neuerungen für Schuldner und Gläubiger – und damit für viele Unternehmen. Text: Barbara Pogacar Foto: iStockphoto.com


TIPPS & SERVICE

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Dem Insolvenzverfahren wird ein neues Restrukturierungsverfahren vorgelagert. Der Restrukturierungsplan kann Maßnahmen auch gegen den Willen einer widersprechenden Minderheit durchsetzen. Es muss aber sichergestellt sein, dass Gläubiger, die gegen den Plan gestimmt haben, nicht schlechter gestellt werden als bei einem Insolvenzverfahren. Die Bestimmungen der Abschöpfung werden um ein kurzes Verfahren mit der Dauer von drei Jahren (Tilgungsplan) ergänzt. Eine Reform des Exekutionsrechts soll insbesondere die Effizienz seigern. Für Gläubiger bringt sie den Vorteil, dass künftig weniger Anträge gestellt werden müssen.

Die Zahl der Unternehmenspleiten nach Corona nicht in die Höhe schnellen zu lassen, ist eines der Ziele des heuer in Kraft getretenen neuen Restrukturierungsverfahrens und der Verkürzung der Dauer von Abschöpfungsverfahren, die beide auf der Umsetzung von EU-Richtlinien beruhen. Auch das Exekutionsverfahren wurde einer Gesamtreform unterzogen. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Neuerungen kompakt zusammen. DAS NEUE RESTRUKTURIERUNGSVERFAHREN In der Restrukturierungsordnung wird eine dem Insolvenzverfahren vorgelagerte, präventive Restrukturierung geregelt, welche allen Schuldnern offensteht, die ein Unternehmen betreiben. Es muss zumindest eine wahrscheinliche Insolvenz vorliegen, dann kann das Unternehmen Instrumente wie einen Schutzschild in Form einer Vollstreckungssperre und einen Restrukturierungsplan zur Sanierung nutzen. In der Praxis werden solche Verfahren wohl vor allem für Schuldenschnitte und -anpassungen genutzt werden. Die Initiative muss vom Schuldner kommen, Gläubiger können das Verfahren nicht beantragen. Eine wahrscheinliche Insolvenz liegt insbesondere dann vor, wenn die Zahlungsunfähigkeit droht oder die Eigenmittel-

quote acht Prozent unterschreitet und die fiktive Schuldentilgungsdauer 15 Jahre übersteigt. Voraussetzung für die Nutzung der neuen Instrumente ist auch, dass in den letzten sieben Jahren kein Restrukturierungs- oder Sanierungsverfahren eingeleitet wurde. Der Schuldner kann die Verfahrensschritte auf einzelne Gläubiger und Gläubigerklassen beschränken. Ausgenommen sind vor allem Arbeitnehmerforderungen, diese dürfen nicht einbezogen werden. Der Restrukturierungsplan kann Maßnahmen wie etwa Forderungskürzungen gegen den Willen einer widersprechenden Minderheit durchsetzen. Das ist eine wesentliche Erleichterung im Vergleich zum bereits zuvor möglichen außergerichtlichen Ausgleich, bei dem alle betroffenen Gläubiger ausnahmslos zustimmen mussten, damit er zustande kam. Wird pro Gläubigerklasse eine 75-prozentige Summen- und eine einfache Kopfmehrheit erreicht, dann ist der Plan für alle davon betroffenen Gläubiger bindend. Es muss aber sichergestellt sein, dass Gläubiger, die gegen den Plan gestimmt haben, nicht schlechter gestellt werden als im Fall der zum Restrukturierungsplan nächstbesten Alternative (in der Regel in einem Insolvenzverfahren). Die Gläubiger – außer es handelt sich beim Schuldner um ein KMU – sind zwingend in

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Klassen von besicherten und unbesicherten Gläubigern, Anleihegläubigern, schutzbedürften und nachrangigen Gläubigern zu unterteilen. Wenn die erforderlichen Mehrheiten nicht in jeder Klasse erreicht werden, dann ermöglicht der sogenannte klassenübergreifende Cram-down dennoch eine Bestätigung des Restrukturierungsplans, sofern diesem zumindest die Mehrheit der Gläubiger inklusive besicherte Gläubiger oder eine Mehrheit aller Gläubiger zugestimmt hat, die im Fall des Insolvenzverfahrens eine Verteilungsquote erhalten würden. Damit die Gläubiger die Restrukturierung nicht beeinträchtigen können, steht dem Schuldner auf Antrag für drei bis sechs Monate eine Vollstreckungssperre zur Verfügung, die alle Arten von Forderungen umfassen kann. In dieser Zeit gilt auch eine Insolvenzsperre für den Insolvenzgrund der Überschuldung (nicht aber der Zahlungsunfähigkeit). Vertragspartner dürfen die für den Betrieb des Unternehmens erforderlichen Verträge nicht aufgrund ausstehender Forderungen oder aufgrund der Restrukturierung fällig stellen, abändern oder auflösen. Ausstehende Leistungen dürfen nicht verweigert werden. Die Sanierung soll also nicht daran scheitern, dass wesentliche Verträge oder Leistungen wegfallen. Wenn nur Finanzgläubiger an der Restrukturierung beteiligt sind, steht ein vereinfachtes Restrukturierungsverfahren zur Verfügung. Eine gerichtliche Abstimmung kann dann durch die Vorlage einer von einer ausreichenden Gläubigermehrheit (75 Prozent Summenmehrheit pro Klasse, keine Kopfmehrheit) unterschriebenen Vereinbarung ersetzt werden. Im Schnellverfahren ist dafür aber keine Vollstreckungssperre vorgesehen. MASSNAHMEN IM RESTRUKTURIERUNGSPLAN Was kann nun im Restrukturierungsplan vorgesehen werden? Unter den Begriff der Restrukturierung fallen alle Maßnahmen, die auf die finanzielle Neuordnung des Unternehmens des Schuldners abzielen. Dazu gehört die Änderung der Zusammensetzung oder der Struktur der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sowie

jedes anderen Teils der Kapitalstruktur des Unternehmens – etwa der Verkauf von Vermögenswerten. In der Regel wird das Gericht einen Restrukturierungsbeauftragten zur Unterstützung des Schuldners und der Gläubiger bei der Aushandlung und Ausarbeitung des Restrukturierungsplans bestellen. Der Schuldner behält im Restrukturierungsverfahren aber ganz oder zumindest teilweise die Kontrolle über seine Vermögenswerte und den täglichen Betrieb. Der vom Gericht bestätigte Restrukturierungsplan ist für alle dort genannten betroffenen Gläubiger verbindlich. Gläubiger, die an der Annahme nicht beteiligt waren, werden vom Plan nicht beeinträchtigt. Er wirkt auch für Gläubiger, die trotz Übermittlung des Plans oder der Ladung zur Restrukturierungsplantagsatzung am Verfahren nicht beteiligt waren. Für eine erfolgreiche Restrukturierung wird es in der Regel erforderlich sein, dass der Schuldner neue Finanzierungen oder zumindest Zwischenfinanzierungen erhält. Wenn der Restrukturierungsplan vom Gericht bestätigt wurde, genießen solche Finanzierungen in einem späteren Insolvenzverfahren insofern Anfechtungsschutz, als sie nicht wegen Kenntnis oder fahrlässiger Unkenntnis von der Überschuldung angefochten werden können. Es bleibt angesichts der umfangreichen Unterlagen, die vom Schuldner verlangt werden, abzuwarten, ob und wie viele Schuldner dieses Verfahren zur finanziellen Restrukturierung in Anspruch nehmen. VERKÜRZTES ABSCHÖPFUNGSVERFAHREN MIT TILGUNGSPLAN Die Bestimmungen des Abschöpfungsverfahrens wurden um ein kurzes Verfahren mit der Dauer von drei Jahren (Tilgungsplan) ergänzt. Es ist auf Anträge auf Einleitung des Abschöpfungsverfahrens anwendbar, die nach dem 16. Juli 2021 gestellt werden, und tritt – soweit Verbraucher erfasst sind – mit 16. Juli 2026 außer Kraft. Natürliche Personen, die ein Unternehmen betreiben, können auch nach diesem Zeitpunkt einen Tilgungsplan beantragen. Der Schuldner hat, wenn er ein Abschöpfungsverfahren mit Tilgungsplan


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möchte, die Erklärung aufzunehmen, dass er den pfändbaren Teil seiner Forderungen auf Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis oder auf sonstige wiederkehrende Leistungen mit Einkommensersatzfunktion für die Zeit von drei Jahren (beim Abschöpfungsverfahren wären es fünf Jahre) nach Eintritt der Rechtskraft des Beschlusses, mit dem das Abschöpfungsverfahren eingeleitet wird, an einen vom Gericht zu bestellenden Treuhänder abtritt. Der Tilgungsplan ist wegen der kurzen Verfahrensdauer und der damit verbundenen leichteren Entschuldung nur eingeschränkt zulässig. So muss der Schuldner binnen 30 Tagen nach Feststellung der offenkundigen Zahlungsunfähigkeit im Exekutionsverfahren die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen. Betreibt der Schuldner kein Unternehmen, dann würde es ausreichen, wenn er keine neuen Schulden eingeht, die er bei Fälligkeit nicht bezahlen kann, und Maßnahmen zur Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit ergreift. GESAMTREFORM DES EXEKUTIONSRECHTS Der Justizausschuss hat am 13. April 2021 eine umfassende Reform des Exekutionsrechts beschlossen. Mit Änderungen von zahlreichen Gesetzesmaterien werden eine Effizienzsteigerung des Exekutionsverfahrens zur Einbringung von Forderungen sowie verbesserte Schnittstellen zum Insolvenzrecht angestrebt. Die Neuregelungen beinhalten insbesondere eine Zusammenfassung von Exekutionsmitteln: » Beantragt ein Gläubiger Exekution, ohne ein Exekutionsmittel zu nennen (etwa Forderungsexekution oder Fahr nisexekution), so soll dies künftig als „Exekutionspaket“ die Fahrnisexeku tion, die Gehaltsexekution und die Aufnahme eines Vermögensverzeich nisses umfassen. » Im Rahmen des sogenannten erwei terten Exekutionspakets soll ein Verwalter bestellt werden, dem die Ermittlung der Vermögensobjekte, die Auswahl der geeigneten Objekte und die Durchführung des Verfahrens obliegt. » Alle Verfahren zur Hereinbringung von

Geldforderungen, die auf das be wegliche Vermögen gerichtet sind, sollen beim allgemeinen Gerichtsstand des Verpflichteten zusammengefasst werden. Das Ziel ist eine leichtere Rechtsdurchsetzung für Gläubiger. Es soll bereits im Exekutionsverfahren die Feststellung erleichtert werden, ob der Verpflichtete offenkundig insolvent ist, um so rascher zu einem Insolvenzverfahren und einem Kostenstopp zu kommen und zu verhindern, dass ein noch höherer Schuldenberg angehäuft werden kann. Ein Schwerpunkt der Reform betrifft die Exekution auf (andere) Vermögensrechte. Hier wird Grundsätzliches geändert: » Ein Verwalter, dem die Ermittlung der Vermögensrechte, die Auswahl der zu pfändenden Rechte, die Pfändung und Verwertung obliegt, muss zwin gend bestellt werden. » Der Verwalter hat zwar grundsätzlich die Befugnisse des Gerichtsvollzie hers, aber keine Zwangsbefugnisse. » Allerdings kann er – anders als der Gerichtsvollzieher – mit dem Verpflich teten im Namen des betreibenden Gläubigers Ratenzahlungsverein barungen treffen, wenn der betreiben de Gläubiger dies im Exekutionsantrag nicht abgelehnt hat. » Die Bestellung eines Verwalters er möglicht es, im Interesse des betrei benden Gläubigers davon abzugehen, die Vermögensrechte des Verpflichte ten, die gepfändet und verwertet werden sollen, im Antrag auf Bewilli gung der Exekution anzugeben. Die Änderungen bringen auch deshalb Erleichterungen für die Gläubiger, weil diese künftig weniger Anträge stellen müssen. Damit wird die Kostenbelastung, die durch die Bestellung eines Verwalters entsteht, abgefangen oder zumindest abgefedert. Es ist aber nach wie vor zulässig, Exekution auf einzelne Vermögensobjekte zu beantragen. Die Exekution auf das unbewegliche Vermögen soll wegen dessen Besonderheiten nicht von den Exekutionspaketen erfasst werden. Die Zwangsversteigerung von Liegenschaften wird nämlich hauptsächlich beantragt, um gesicherte Forderungen hereinzubringen. g

Barbara Pogacar ist Leiterin der Abteilung Beratung, Betreuung und Koordination für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im ÖGV. E-Mail: b.pogacar@ genossenschaftsverband.at

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Wir lagen vor Madagaskar …


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… und hatten die Pest an Bord. Unzählige Male haben wir dieses Lied bei den Pfadfindern gesungen. Madagaskar wurde für mich zum Inbegriff von Abenteuer, und schon damals reifte in mir der Wunsch, diese geheimnisvolle Insel zu besuchen. Nun ist der Traum Wirklichkeit geworden. Text und Fotos: Anton Schmoll

Wie kein anderes Land der Welt verfügt die Gewürzinsel auf kleinem Raum über eine spektakuläre Vielfalt an Flora und Fauna, unterschiedliche Klimazonen sowie abwechslungsreiche Landschaften. Nicht zu Unrecht wird Madagaskar daher auch als sechster Kontinent bezeichnet. Wie kam es zu dieser Einzigartigkeit? Dazu muss man zu den Anfängen der Erdgeschichte zurückgehen: Vor vielen Millionen Jahren gehörte Madagaskar noch zum Urkontinent Gondwana mit dem heutigen Afrika, Indien und Australien. Vor etwa 200 Millionen Jahren zerbrach dieser riesige Kontinent, im Zuge der Kontinentalverschiebung löste sich Madagaskar von der afrikanischen Kontinentalmasse. Seither ist es vom Rest der Welt weitgehend

isoliert. Durch diese Abgeschiedenheit hat sich eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. INSEL DER LEMUREN Die berühmtesten Beispiele für diese Evolution sind die Lemuren, die sogar auf einem Geldschein abgebildet sind. Die Tiere, auch Makis genannt, waren vor 150 Millionen Jahren noch über den gesamten Erdball verbreitet. In Abwesenheit von natürlichen Feinden entstanden auf Madagaskar knapp hundert verschiedene Lemurenarten, während sie in der restlichen Welt von den höher entwickelten Affenarten verdrängt wurden. Auf unseren Wanderungen durch die Nationalparks haben wir immer wieder Gelegenheit, sie in ihrem


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Mit rund hundert verschiedenen Arten ist Madagaskar die Insel der Lemuren

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natürlichen Lebensraum zu beobachten. Schritt für Schritt folgen wir unserem Guide durch das Unterholz. An manchen Stellen ist der Dschungel nahezu undurchdringbar, und wir kommen nur dank der Macheten unserer Begleiter durch das Dickicht. Immer wieder muss man mit einem Regenguss rechnen. Die erste Chance bietet sich an der Ostküste im Gebiet von Akanin‘ny Nofy: Sehr neugierig und gar nicht scheu kommen uns die kleinen Kronenmakis entgegen. Sie werden nur etwa 35 Zentimeter groß und leben am liebsten in kleinen Gruppen. Die größten Lemuren sind die Indris – schwarz-weiße Baumbewohner. Sie werden bis zu 80 Zentimeter groß. Ihr Territorium markieren sie mit seltsamen Schreien. Einige Volksgruppen glauben, dass in den Indris die Seelen der Toten weiterleben. Dieser Aberglaube ist für die Tiere sehr vorteilhaft, denn so werden sie nicht gejagt. IM DUNKEL DER NACHT

Das nachtaktive Aye-Aye wird am besten durch eine Kokosnuss angelockt

Auf Madagaskar leben auch zahlreiche ChamäleonArten

Etliche Lemurenarten sind nachtaktiv. Und so begeben wir uns am Abend mit Stirnlampen auf die Suche nach einem fast ausgestorbenen Waldbewohner, dem AyeAye. Die Einheimischen haben das Tier lange Zeit für einen Unglücksboten gehalten und getötet. Lautlos wandern wir im Dunkeln durch das Gestrüpp. Eine ganz eigene Atmosphäre umgibt uns. Lediglich die Geräusche unserer Schritte im Laub am Boden sind vernehmbar. Endlich raschelt es vor uns im Geäst, ein Nagen verrät, dass das Aye-Aye die von den Guides aufgehängte Kokosnuss gefunden hat. Das Tier sieht auf den ersten Blick etwas gespenstisch aus: große Ohren wie eine Fledermaus, ausgeprägte Nagezähne und ein extrem langer Mittelfinger der Vorderpfoten. Daher sind diese Lemuren auch unter dem Namen Fingertier bekannt. Unserem Guide ist es auch zu verdanken, dass wir immer wieder auf Geschöpfe stoßen, die wir mit den eigenen Augen niemals entdeckt hätten. So zeigt er uns beispielsweise einen winzigen Frosch, der kleiner

als ein Fingernagel ist. Leichter anzutreffen sind die farbenfrohen Chamäleons. 80 Arten dieser Tiere leben hier. ZWISCHEN FELSNADELN UND SCHLUCHTEN Szenenwechsel: Eine kleine Propellermaschine bringt uns an die Westküste der Insel. Das Klima ist hier völlig anders: Anstelle von Regen erwarten uns Trockenheit und Temperaturen über 30 Grad. Mit Geländefahrzeugen geht es durch eine typisch afrikanische Landschaft über staubige und holprige Pisten, die Fahrzeug und Fahrer viel abverlangen. Oft überqueren wir Flüsse oder haben Bootsfahrten mit einfachen Fähren auf dem Tsiribihina-Fluss. Langsam ziehen die malerische Flusslandschaft und das Leben der Einheimischen an uns vorbei. Zeit zur Entschleunigung und Vorbereitung auf die nächsten landschaftlichen Highlights. Ein Beispiel für solche ist der Nationalpark Tsingy de Bemaraha. Er ist berühmt für seine bizarren Felsformationen, die vor rund 200 Millionen Jahren entstanden sind, als Madagaskar noch unter dem Meeresspiegel lag und es hier ein riesiges Korallenriff gab. Erosion durch Regen, Wasser und Wind hat aus dem alten Korallengestein bis zu 50 Meter hohe, steinerne Spitzen geformt. Das gesamte Gebiet sieht aus wie ein spektakulärer Wald aus Felsnadeln. Als krönender Abschluss dieser Tour wartet am Waldrand eine spezielle Lemurenart auf uns: die Von-der-Decken-Sifakas. Diese fast schneeweißen Tiere mit ihren dunklen Gesichtsmasken sind tagaktiv und leben in kleinen Gruppen. Wenn sich die Sifakas auf den Erdboden wagen, bewegen sie sich in weiten Sprüngen fort, wobei sie immer aufrecht mit den Hinterbeinen zuerst landen und bei jedem Sprung die Arme in die Höhe reißen. Diese spezielle Art der Fortbewegung hat ihnen auch den Spitznamen „Tanzende Lemuren“ eingebracht. DIE MUTTER DES WALDES Auf der Fahrt Richtung Morondava erreichen wir den landschaftlichen Höhepunkt jeder Madagaskar-Reise: die berühmten Baobab-Bäume, auch Affenbrotbäume ge-


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nannt. Sie sind zum Wahrzeichen der Insel geworden. Auf Madagassisch heißt der Baumriese „Reniala” (Mutter des Waldes). Alles am Baobab ist verwertbar: Mit der Rinde deckt man Dächer, aus den Fasern dreht man Schnüre. Es werden auch Nahrung, Futter, Öl und Arzneimittel gewonnen. Die Bäume sehen aus, als ob sie mit der Wurzel nach oben in die Erde gerammt worden wären. Ihre flache Krone kann bis zu 20 Meter Durchmesser erreichen. Eine optische Spielerei der Natur sind die „sich liebenden Baobabs“ mit ihren ineinander verdrehten Stämmen. Auf nahezu allen Prospekten abgebildet ist die spektakuläre Baobab-Allee. Sie ist ein 260 Meter langer Abschnitt einer Sandpiste, wo sich etwa zwei Dutzend Exemplare majestätisch in Reih und Glied auffädeln. VIELFALT DER KULTUREN Faszinierend sind aber auch die Menschen, die hier leben. Aufgrund der Nähe zum afrikanischen Kontinent würde man meinen, dass die ersten Siedler aus Afrika kamen. Doch die ersten Einwohner Madagaskars waren vor etwa 2.000 Jahren Seefahrer aus Südostasien. Nur mit Hilfe der Passatwinde und mit einfachen Auslegerbooten schafften sie die fast 7.000 Kilometer lange Überfahrt über den Indischen Ozean. Erst ab dem dritten Jahrhundert überquerten Bantu-Siedler aus Afrika die Straße von Mosambik. In der Zeit ab dem achten Jahrhundert landeten dann arabische Händler an Madagaskars Küsten. Heute bevölkern 18 ethnische Gruppen die Insel. Auf unserer Reise lernen wir beispielsweise die im Hochland lebenden Ethnien wie die Merina und die Betsileo kennen, die asiatischen Ursprungs sind. In den Küstengebieten haben wir wiederum Kontakt mit Menschen, deren Vorfahren aus Afrika eingewandert sind. Im an der Westküste gelegenen Städtchen Morondava begegnen wir den Sakalava. Bereits früh war diese Stadt für sie ein bedeutendes Zentrum, von wo aus sie mit den Seefahrern aus Europa Handel betrieben. Für meine Erkundungen benutze ich eine Fahrradrikscha, mit der ich das Alltagsleben und die Atmosphäre gut auf mich einwirken lassen kann. Der Fahrer bringt

mich zum zentralen Markt, wo sich sowohl an den Straßenrändern als auch im überdachten Bereich ein Marktstand an den anderen reiht. Märkte sind wichtig, weil die Menschen keinen Kühlschrank haben und daher täglich Einkäufe tätigen müssen.

Bizarre Felsnadeln im Nationalpark Tsingy de Bemaraha

DIE HARTE REALITÄT Neben dem bunten Treiben der Menschen bleibt aber auch die harte Realität nicht verborgen: Zwischen den Marktständen treffe ich immer wieder auf Kinder, die verschiedene Dinge anbieten. Einige Buben verkaufen Holzkohle, Mädchen Gebäck und Kuchen. Obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist, muss fast ein Viertel der Buben und Mädchen zwischen fünf und 17 Jahren Geld verdienen, um sich und ihre Familie

Die Allee der Baobab-Bäume ist das klassische Postkartenmotiv der Insel

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Die vielen Gesichter der Bewohner – insgesamt leben hier 18 Ethnien

über Wasser zu halten. Die Kinder arbeiten auch auf den Feldern, in der Fischerei, in Steinbrüchen oder sogar in Minen. Denn im krassen Gegensatz zur Schönheit und zum Reichtum der Natur Madagaskars stehen die Lebensverhältnisse der Menschen: Der Inselstaat ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebt in extremer Armut. Sieben von zehn Madagassen müssen mit weniger als einem Euro am Tag leben. Die jährlich um drei Prozent wachsende Bevölkerung sowie natürliche Widrigkeiten wie Wirbelstürme und Dürreperioden verschärfen diese Problematik. REIS ALS LEBENSGRUNDLAGE Von der Westküste führt uns die Reise nun Richtung Osten in das Hochland. Kurvenreich schlängelt sich die Straße durch die Gebirgsregion, und nach jeder Kurve erscheint ein neues Landschaftsbild. Eine Palette von malerischen, saftigen Grüntönen der riesigen Reisterrassen prägt das Bild der Landschaft. Wir sind nun im Gebiet der Bezileo, was so viel heißt wie „die Unbesiegbaren“. Wichtige Statussymbole der Bezileo sind ein großes Backsteinhaus, ein steinernes Familiengrab, viele Zebus (Buckelrinder), große Reisfelder und viele Kinder als Altersversicherung. Die wohl ungewöhnlichste Tradition ist das Fest der „Famadihana“ – die Totenumwendung. Dabei werden die Verstorbenen aus den Gräbern geholt, mit Musik und Gesang durch das Dorf getragen und anschließend wieder in neue Laken eingewickelt in das Familiengrab gebettet.

Von ihren Vorfahren aus Asien haben die Bezileo eine spezielle Art des Reisanbaus mitgebracht: Zur Vergrößerung der Anbauflächen haben sie im Laufe der Jahrhunderte mit ungeheurem Arbeitsaufwand bis hinauf in schwindelerregende Höhen überall Terrassenfelder mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem angelegt. Diese Reisfelder und -terrassen bilden eine wichtige Lebensgrundlage: Denn Essen heißt hier Reis essen. Im Schnitt verzehrt ein Madagasse 150 bis 200 Kilo Reis im Jahr. BEDROHTE UMWELT Neben wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten hat das Land auch mit Umweltzerstörung zu kämpfen. Madagaskar war früher einmal eine blühende Insel. Einst war fast die ganze Fläche mit Wald Die Schattenseite der Insel: Kinderarbeit ist weit verbreitet


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bedeckt. Doch durch Brandrodung und Buschfeuer hat sich im Laufe der Jahre das Landschaftsbild völlig verändert. Fast 90 Prozent der ursprünglichen Regen-, Trocken- und Dornenwälder sind in den letzten hundert Jahren verschwunden. Der Hintergrund für diese Entwicklung: Die stark wachsende Bevölkerung benötigt immer neue Ackerflächen. Daneben wird viel Holz fürs Kochen verwendet. Schließlich tragen auch die rauchenden Ziegelbrennereien sowie der (verbotene) Handel mit Edelhölzern zum Verschwinden des Waldes bei. Dieser Raubbau hat auch auf die einzigartige Tierwelt katastrophale Auswirkungen: Wenn ihr Lebensraum nicht mehr vorhanden ist, werden etliche der endemischen Tierarten aussterben. Und das wird sich wiederum negativ auf den Tourismus auswirken. Ein Umdenken ist dringend notwendig.

dekorativen Charakter – alle Zeitangaben sind lediglich grobe Indikatoren, nichts ist garantiert. Neben dem Wetter und dem Zustand der Gleise hängt vor allem über der Funktionstüchtigkeit der Diesellok aus dem Jahr 1936 ein großes Fragezeichen. Vor die altersschwache Lok ist eine Draisine mit einem offenen Waggon gespannt – ein großes Glück für uns, wie sich später herausstellen soll. Die zweite Klasse ist hoffnungslos überfüllt. Überall drängen sich Menschen, um einen Platz zu ergattern und ihre Kisten, Säcke und Körbe zu verstauen. Wir nehmen in einem uralten Waggon der ersten Klasse Platz. Auf unsere naive Frage nach der Fahrtdauer bekommen wir zur Antwort: „Mora Mora“ – zwischen neun und 16 Stunden. Es hängt ganz davon ab …

Reis ist die Lebensgrundlage – auf den Federn helfen Zebus

ABENTEUER IM DSCHUNGELEXPRESS Madagaskar hat in jeder Hinsicht viel zu bieten, doch eine Fahrt mit dem urigen Dschungelexpress zwischen dem Hochland und der Ostküste darf nicht fehlen. Die Bahnlinie wurde zwischen 1926 und 1936 während der französischen Kolonialzeit erbaut. Aufgrund der schwierigen Trassenführung gilt die knapp 170 Kilometer lange Strecke als bautechnische Meisterleistung. Steiles, regenwaldbewachsenes Terrain musste mit Axt und Machete befahrbar gemacht werden. Dreimal wöchentlich startet der Zug von Fianarantsoa aus bis zur Küstenstadt Manakara. Über 67 Brücken und durch 48 Tunnels überwindet die Strecke 1.100 Höhenmeter. Für die rund 200.000 Einwohner dieser Gegend ist der Dschungelexpress von großer Bedeutung, denn die Bahnlinie fährt durch Gegenden, die einzig und allein durch den Zug erschlossen sind. „Der Zug des Lebens“, wie ihn die Einheimischen nennen, sorgt für die Verpflegung aller Orte entlang der Strecke. „Mora Mora“ heißt das Zauberwort, das wir bei unserer Reise immer wieder hören. Es bedeutet so viel wie „Langsam, langsam!“ oder „Immer mit der Ruhe!“. Gelassenheit ist hier tatsächlich gefragt, denn keiner weiß, ob oder wann der nächste Zug kommt. Der Aushang mit Fahrzeiten hat nur

EIN UNGEPLANTES ERLEBNIS Bereits während der Fahrt werden einige Güterwaggons abgehängt, damit die Belastung für die Bremsen nicht zu groß wird. Dann heißt es, dass ein Waggon aus den Schienen gesprungen ist. Gerüchte über technische Probleme machen die Runde. In der Station Tolongoina werden diese zur Gewissheit: Der Zug fährt nicht weiter, wir müssen in die Draisine umsteigen. Wie Sardinen in der Büchse stehen wir nun auf engstem Raum aneinandergedrängt. So sind wir noch etliche Stunden unterwegs. Mittlerweile ist es Nacht geworden. Wir fahren durch mehrere Tunnel – Licht gibt es keines. Am Ende sind wir froh, als wir nach zehn Stunden im Dschungelexpress unser Ziel erreichen. Aber auch solche Erlebnisse gehören zu Madagaskar. g

Die Fahrt im Dschungelexpress ist ein Abenteuer für sich

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Das geheime Wissen des Herrn Vermeer So viele Gemälde von Vermeer waren noch nie im deutschsprachigen Raum zu sehen wie in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“ heißt die großartig kuratierte Ausstellung, in deren Mittelpunkt die spektakulär restaurierte „Briefleserin am offenen Fenster“ steht. Ein Rundgang.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“

Text: Hermann Fritzl Fotos: SKD/Oliver Killig, The National Gallery, Rijksmuseum/Carola van Wijk, SKD/Elke Estel und Hans-Peter Klut

„Begegnet man einem Gemälde von Johannes Vermeer, so wird man sofort von seinem Zauber berührt. Der Lärm ringsum scheint zu verstummen und nur mehr jene stille Welt zu existieren, in die das Bild uns führt. Räume von vollendeter Harmonie, in denen die Zeit still zu stehen scheint, in denen wenige oder einzelne Personen ganz bei sich sind“, beschreibt einer der bedeutendsten Kenner des Malers, der Kunsthistoriker Arthur Wheelock, die besondere malerische Qualität Vermeers. Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ (entstanden 1657 bis 1659) wird nach abgeschlossener vierjähriger

Restaurierung in Dresden nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Acht weitere Gemälde Vermeers, die eine enge Beziehung zu diesem Bild haben, reisten aus ganz Europa und den USA an. Vermeers Gesamtwerk ist mit nur etwa 35 bekannten Bildern sehr klein, das muss man wissen. Die „Briefleserin“ wurde erst 1859, also 200 Jahre nach Vollendung, endgültig Vermeer zugeschrieben. Zuvor hielt man das Gemälde für ein Werk von Rembrandt, später für das eines Rembrandt-Schülers, das Werk eines „J. van der Meer“ und zuletzt eines Zeitgenossen, nämlich Pieter de Hooch. Die Restauratoren der Dresdner Staatlichen Kunstsammlungen wussten seit etlichen Jahren, dass sich unter der hellgrauen Wand hinter dem Kopf des brieflesenden Mädchens ein übermaltes Bild mit schwarzem Rahmen verbarg. Aber erst nachdem eine Materialprobe vor vier Jahren gezeigt hatte, dass die Übermalung nicht zur ursprünglichen Farbschicht gehörte, sondern Jahrzehnte später entstanden war, entschlossen sie sich, das Motiv freizulegen. Zum Vorschein kam ein Cupido, das den Liebesgott als nackten Knaben mit Bogen und erhobenem linkem Arm zeigt. Am Boden liegt eine Maske, Cupido tritt darauf. Eine Allegorie für treue Liebe. Vermeer hat dieses Motiv in drei weiteren erhaltenen Gemälden verwendet, darunter der „Jungen Dame am Virginal“ (London, National Gallery), das ich persönlich allerdings aufgrund seiner plakativen Flächigkeit und seines matten Lichts wegen als Fälschung, mutmaßlich erstellt von Elmyr de Hory, halte. Aber welches Museum gibt schon gerne zu, dass es einer teuer bezahlten Fälschung aufgesessen ist? In der Dresdener Ausstellung geben 50 Werke der holländischen Genremalerei der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, darunter Hauptwerke von Pieter de Hooch, Gerard Dou, Frans van Mieris und Gerard ter Borch, einen umfassenden Einblick in das künstlerische Umfeld Vermeers. In gewis-


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„Junge Dame am Virginal“

„Häuseransicht in Delft (Die kleine Straße)“

ser Weise entzaubern sie Vermeer, denn es wird deutlich, dass er dieselben Motive verwendet wie seine Zeitgenossen.

und so frage ich mich vor dem Gemälde eines Malers stets, wie er es gemalt hat, und nicht nur, warum er das tat oder was er damit aussagen wollte.“ Und er glaubt, entdeckt zu haben, dass viele der großen abendländischen Maler – zurück bis 1430 – optische Hilfsmittel verwendet haben. Bei Vermeer ist er sich sicher, dass er mit einem optischen Hilfsinstrument gearbeitet hat, das lasse sich an „bestimmten optischen Effekten auf seinen Gemälden“ erkennen.

EIN MEISTER DES LICHTS Aber die Lichtbehandlung, da schlägt er sie alle: Dieses besondere Licht, das durch die Fenster auf der linken Seite seiner Bilder die Räume und Figuren erstrahlen lässt, ist unnachahmlich, hat eine nahezu spirituelle Dimension. Licht ist ein Hauptakteur in Vermeers Bildern. „Es ist eine Erfahrung, wie man sie einmal im Leben machen darf, eine Lektion im Sehen, die mit langen Anreisen und Wartezeiten nicht zu teuer bezahlt ist“, sagt Peter Kilb zurecht in seiner Besprechung in der FAZ. Ein Vorteil in Pandemiezeiten: Es gibt kein Gedränge, man hat die Bilder für sich allein. Zurück zu Vermeers besonderem Licht: Der zeitgenössische Kunststar David Hockney, über dessen malerische Sichtweisen der Welt wir in Heft 2/17 berichtet haben und dessen Kultbild eines kalifornischen Bungalows mit Swimmingpool („A Bigger Splash“) 2020 bei Sotheby‘s um 27,1 Millionen Dollar ersteigert worden ist, hat sich intensiv damit beschäftigt, wie Maler mit der Ausleuchtung ihrer Objekte umgegangen sind. Hockney: „Mein Blick ist der eines Malers,

EINSATZ VON OPTISCHEN HILFSMITTELN? Hockney konstatiert in vielen niederländischen Gemälden des Goldenen Zeitalters einen Realismus und einen Lichteinfall, der – fotografieähnlich und durch verbesserte malerische und zeichnerische Fähigkeiten nicht erklärbar – eher auf den Einsatz optischer Hilfsmittel zurückzuführen ist. Der Einsatz von Optik, der Camera obscura, als Geheimnis niederländischer Malergilden? Bei Vermeer führte er zwei Gründe an, die dafür sprechen: Antony van Leeuwenhoek, Erfinder des Mikroskops, war ein Nachbar Vermeers, er soll an die 550 Linsen geschliffen haben und wurde als Nachlassverwalter Vermeers eingesetzt. Als weiteren Beweis sieht er die Gemälde selbst: „Die

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„Bei der Kupplerin“

Hermann Fritzl ist Autor mehrerer Theaterstücke und zahlreicher Artikel über Reisen und zu verschiedenen Aspekten der Finanzindustrie. Zuvor war er im Bereich Volksbanken-Marketing und PR sowie als Volksbanken-Ombudsmann für den ÖGV tätig. Er studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Derzeit schreibt er an einer Masterarbeit über Extremrisikosport.

Gegenstände und Figuren im Vordergrund sind manchmal sehr groß geraten, manche Dinge sind leicht verschwommen, andere sind völlig unscharf. Vermeer muss die Dinge durch eine Linse gesehen haben, bevor er sie überhaupt malen konnte.“ Vergrößerungslinsen wurden im holländischen Textilhandel verwendet, um die Webstruktur feiner Stoffe zu begutachten, Vermeer war auch Textilhändler. In vielen seiner Werke ist ein anatolischer Knüpfteppich im Vordergrund abgebildet. Auf Vermeers Gemälden gibt es keine Vorzeichnungen. Dazu passt bestens die Erklärung Hockneys: „Optische Geräte hinterlassen von sich aus auf dem Papier oder der Leinwand keine Spuren, dies gilt es noch einmal zu betonen. Sie vermögen lediglich ein flüchtiges Abbild zu erzeugen, gewissermaßen ein farbiges Muster. Und sie stellen eine Hilfe dar, um mit Auge und Hand an den Dingen besser Maß zu nehmen. Erst durch den Künstler entsteht das Werk.“ Und

weiter: „An sein technisches Wissen und seine Begabung werden hohe Anforderungen gestellt, wenn es ihm gelingen soll, ein Bild wie gewünscht optisch zu projizieren und dann in Malerei zu übertragen.“ Auch Stephan Koja, einer der Kuratoren der Ausstellung, weiß um die optischen Hilfsmittel: „Gezielt setzte Vermeer selektive Schärfe ein, nutzte die ihm bekannten Effekte der Camera obscura und erreichte damit eine verblüffende Lebensnähe. Durch das weichzeichnende Objektiv malte er sanfte Übergänge, die Figuren und Gegenständen eine besondere Aura verleihen. Glanzlichter auf metallischen Oberflächen wirken leicht verschwommen – mit einer Streuung, wie man sie auch von Kameraobjektiven kennt.“ In der Verwendung dieser optischen Hilfsmittel liegt das geheime Wissen von Vermeer, der 1675 mit nur 43 Jahren in seiner Geburtsstadt Delft komplett verarmt starb. Er hinterließ eine Frau und elf Kinder, zehn noch minderjährig. Die Pest, die etwa einem Viertel der niederländischen Bevölkerung das Leben kostete, hatte er noch überlebt. Überlebt haben auch wenige seiner Bilder – strenge Kompositionen gedankenverloren stehender weiblicher Figuren, Alltagsmoment-Aufnahmen, die uns Heutigen fremde philosophische und theologische Allegorien als weitere Bedeutungsebenen vermitteln und dennoch imstande sind, in uns ganz besondere Stimmungen zu erzeugen. g


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ÖGV und Volksbanken

Nachhaltigkeits-Guide für KMU und Genossenschaften vorgestellt

Der neue Guide klärt auf, warum Nachhaltigkeit alle etwas angeht, wo die Chancen für Unternehmen liegen, wie Einsteiger die ersten Schritte setzen und mit welchen Services und Förderungen sie rechnen können. Denn nur wer nachhaltig wirtschaftet, ist fit für die Zukunft. „Nachhaltigkeit eröffnet neue Geschäftsfelder, bindet Kunden und Mitarbeiter, macht Organisationen fit und widerstandsfähig“, so Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien. In der Broschüre präsentieren die Volksbanken und der ÖGV auch nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle aus der Praxis: Viele Volksbank-Unternehmerkunden und ÖGV-Mitglieder gehen jetzt schon mit gutem Beispiel voran und zeigen, wie man mit ökologischer und sozialer Verantwortung gut wirtschaften kann. ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner zeigte sich bei der Vorstellung des Ratgebers überzeugt: „Genossenschaften und kooperatives Wirtschaften sind das Erfolgsmodell für eine nachhaltige Zukunft.“ Den Ratgeber gibt’s auf unserer Homepage – www.genossenschaftsverband.at – kostenlos zum Downloaden. Dort bieten wir auch eine Übersicht über die wichtigsten Förderungen und steuerlichen Erleichterungen.

Foto: Patrick Langwallner

Unter dem Titel „So geht Nachhaltigkeit für KMU und Genossenschaften“ haben die Volksbanken und der ÖGV einen Ratgeber veröffentlicht, der Unternehmen den Weg in eine nachhaltige Zukunft ebnen soll.

ÖGV-Verbandsanwalt Peter Hauber und Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann mit Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf bei der Präsentation der Broschüre in Salzburg


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ÖGV

Zweiter Tag der Genossenschaften Nach dem großen Interesse am ersten Termin im Juni – „cooperativ“ berichtete – hat am 17. November ein weiterer Tag der Genossenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien stattgefunden. Das Programm der hybriden Veranstaltung – online und vor Ort – orientierte sich am Auftaktevent. Die Vorstellung der Genossenschaften im ÖGV übernahm wieder Barbara Pogacar, die Leiterin unserer Ware-Beratung. Aus Vorarlberg zugeschaltet war diesmal Thomas Singer, Vorstand der Tischler Rohstoff und neu gekürter ÖGV-Verbandsrat, der viel Werbung für die Rechtsform der Genossenschaft machte.

ÖGV-Vertreterin Barbara Pogacar mit Dietmar Rößl, dem Gastgeber des Genossenschaftstags

Genossenschaftsbesuch in Obersdorf Gelebte Regionalität konnte ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner beim Besuch der VB Beteiligung Obersdorf-WolkersdorfDeutsch-Wagram erleben. Im Gebäude der Genossenschaft wird es neben der Volksbank-SB-Filiale künftig auch einen Bio-Hofladen geben, der Produkte aus der Umgebung anbietet. Somit können Kunden neben den Bankgeschäften auch ihre regionalen Einkäufe dort erledigen. Ein perfektes Beispiel für gelungene Kooperation unter dem Motto „Gemeinsam erfolgreich“. Darüber hinaus freut sich Haubner über die bereits zehnte Volksbank-Beteiligungsgenossenschaft, für die der ÖGV mit der neu entwickelten GENOS-Datenbank die Geschäftsanteile der Mitglieder verwalten darf.

ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner mit Vorstandsobmann Rudolf Pleil sowie den Vorständen Josef Stoiber und Richard Schneider


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Bilanzfachtag mit wertvollen Infos und Tipps Die Abteilung Bilanz und Steuer des ÖGV hat auch heuer wieder im Rahmen eines Bilanzfachtags über Aktuelles zum Thema Jahresabschluss für Banken informiert. Die Teilnehmer bekamen sowohl im ÖGV-Haus als auch online jede Menge Know-how und Expertentipps zu den Rechnungslegungsvorschriften vermittelt. Abteilungsleiterin Gerlinde Stumpf und ihr Kollege Paul Hotko (Bild) gingen dabei auch ausführlich auf Fragen des Publikums ein. Zu aktuellen Themenstellungen und deren zentraler Umsetzung im Verbund konnten mit Christian Haberer, Philipp Ackerl und Robert Bortolotti auch drei Experten aus der Volksbank Wien als Vortragende gewonnen werden.

Gratulation an Franz Rudorfer Hohe Auszeichnung für Franz Rudorfer: Dem Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich ist das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen worden. Finanzminister Gernot Blümel, der die Ehrung vornahm, würdigte in seiner Laudatio Rudorfers zahlreiche Leistungen und Verdienste. Besonders betonte Blümel die hohe Kompetenz des Spartengeschäftsführers und sein diplomatisches Geschick, wenn es darum geht, die Interessen der österreichischen Bank- und Versicherungswirtschaft in die politischen Prozesse einzubringen. Auch der ÖGV arbeitet im Rahmen des Fachverbandes der Volksbanken seit vielen Jahren hervorragend mit Rudorfer zusammen. Verbandsanwalt Peter Haubner ließ es sich daher nicht nehmen, dem Geehrten persönlich zu gratulieren (im Bild mit Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf).

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Volksbanken-Verbund

Neuer TV-Spot in den Startlöchern Aufbauend auf der erfolgreichen Kampagne des letzten Winters („Erfolg fängt an, wo man vertraut“) stellen die Volksbanken auch in ihrer neuen Werbelinie das Thema Erfolg in den Mittelpunkt. Der neue Spot ist ab Jänner im TV zu sehen. Die Story: Erfolg fängt nicht beim Triumph an und hört auch nicht im Rampenlicht auf. Dahinter steckt harte Arbeit, ein unbändiger Wille, die Bereitschaft, Opfer zu bringen, und ein starkes Team, auf das man sich immer verlassen kann. Wesentlich ist daher das Vertrauen, das nur die Hausbank als Mehrwert bietet. Beim Werbespot werden neben Studioaufnahmen mit dem ÖSV-Skisprungteam auch Originalbilder von Skisprungevents eingesetzt, um die Geschichte besonders authentisch zu erzählen. Schon bei den ersten Previews sorgte der Clip für viel Begeisterung: „Richtig stark und sehr dynamisch", lautet etwa das Urteil des ÖSV. Selbst Mitbewerber loben den neuen Spot. Bereits vor der TV-Premiere sind das Video und die anderen Sujets der Kampagne auf Social Media und im Web zu sehen. In der Folge wird es auch Adaptionen für die Themen Wohnbau, Veranlagung, Beratung, Jugend und Unternehmen geben. Jetzt anschauen: www.youtube.com/ VOLKSBANK-official

Fotos: Marko Mestrovic

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Weitere 124 Millionen Euro Staatsgeld zurückgezahlt Mit einer Überweisung von 124 Millionen Euro haben die Volksbanken noch vor Jahresende wie vereinbart 200 von insgesamt 300 Millionen Euro Staatshilfe zurückgezahlt. Die letzte Tranche ist für 2023 vorgesehen. „Die positive Ertrags- und Eigenkapitalentwicklung ermöglichte uns die pünktliche Rückführung der Staatsgelder bei gleichzeitigen Investitionen in die ste-

tige Verbesserung der Servicequalität und Optimierung der internen Prozessabläufe. Der Volksbanken-Verbund ist zudem sehr zuversichtlich, auch die noch offene Tranche in Höhe von 100 Millionen Euro plangemäß im Jahr 2023 rückführen zu können“, so Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, gegenüber den Medien.


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2020 und 2021 mussten die Volksbank-Winterspiele wegen Corona ausfallen, im nächsten Jahr soll es – bei entsprechender Entwicklung der Pandemielage – endlich wieder klappen: Von 17. bis 20. März sind in Schladming die Winterspiele 2022 geplant. Als Motto hat die gastgebende Volksbank Steiermark „#ein_hoch_auf_uns“ gewählt – in Anspielung auf die gemeinsamen Erfolge im VolksbankenVerbund, aber auch auf die vielen beruflichen und privaten Herausforderungen, die es in der Pandemie zu meistern galt und noch immer gilt. Anmeldungen sind ab sofort bis 31. Jänner 2022 über die Homepage www.vb-winterspiele.at möglich. Hier gibt’s auch schon alle Informationen zu den sportlichen Bewerben und den gesellschaftlichen Highlights abseits von Loipe und Piste, einen Link für die Hotelbuchung sowie alle Termine. Fester Bestandteil der Volksbank-Winterspiele ist jedenfalls ein umfassendes Corona-Schutzkonzept, das auf der 2G-Regel basiert.

Foto: Paulino Jimenez

Comeback der Winterspiele

Die Planai ist bereit für das große Sportfest der Volksbanken

Spende als Dank für Kundenfeedback Um Kommerzkunden noch besser servicieren zu können, haben die Volksbanken diese Zielgruppe im Rahmen einer Umfrage um Feedback gebeten. Als Dankeschön fürs Mitmachen erklärten sich die Genossenschaftsbanken bereit, pro Rückmeldung fünf Euro für wohltätige Zwecke zu spenden. Insgesamt 3.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Der Betrag wurde nun an den Verband der österreichischen Tafeln übergeben. Sandra Dudek, Geschäftsführerin der NGO, bedankte sich bei den Volksbanken und den teilnehmenden Kunden: „Damit können unsere Mitgliedstafeln künftig noch mehr Menschen in akuten Notlagen mit geretteten Lebensmitteln versorgen.“ Andreas Höll, Generaldirektor der Volksbank Salzburg und Sponsor des Projekts, begründete die Entscheidung zugunsten der Tafeln so: „Der Verband der österreichischen Tafeln weist Parallelen zum Genossenschaftsgedanken auf, weil er als Dachorganisation die Interessen der stark regional verwurzelten Tafeln vertritt. Zudem ist er eine durch und durch nachhalti-

ge Organisation.“ Der Verband als Schnittstelle zwischen den Warenspendern und den regionalen Tafeln, um die bedarfsgerechte Verteilung in Österreich zu organisieren. Insgesamt gibt es zehn regionale Verbandsmitglieder. Laut Schätzungen werden in Österreich pro Jahr rund 500.000 Tonnen Lebensmittel in Privathaushalten, Handel, Gastronomie, Produktion und Landwirtschaft weggeworfen. Zugleich gelten 1,5 Millionen Menschen als armutsgefährdet oder von manifester Armut betroffen. „Wir hoffen, dass die Aktion der Volksbanken möglichst viele Nachahmer findet, damit die Schere zwischen dem Nahrungsmittelbedarf und der Verschwendung kleiner wird“, so Andreas Höll (Generaldirektor Volksbank Salzburg) Dudek. schäftsführerin Die Tafeln) bei der Scheckübergabe

und Sandra Dudek (Ge-


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Volksbanken-Verbund

Nachhaltiges Geschenk für neue Fondssparer Rund um den Weltspartag haben die Volksbanken mit ihrem Fondspartner Union Investment eine ganz besondere Aktion gestartet: Noch bis 31. Dezember bekommen neue Fondssparer einen trendigen Rucksack aus nachhaltigem Material geschenkt. Alle Kunden, die erstmalig einen Fondssparplan ab 50 Euro pro Monat abschließen oder einen Einmalerlag ab 500 Euro tätigen, erhalten im Aktionszeitraum als Geschenk einen Adidas-Rucksack aus Primeblue, einem High-Performance-Material mit mindestens 50 Prozent recyceltem Plastikmüll. Als Ausgangsmaterial dafür dienen Kunststoffabfälle, die in Küstenregionen von Inselstaaten wie den Malediven, Sri Lanka oder der Dominikanischen Republik eingesammelt wurden. Die Aktion unterstützt den aktuellen Run auf Fondssparpläne und nachhaltige Geldanlagen. Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, betont in diesem Zusammenhang das veränderte Konsumverhalten: „Die Produktauswahl erfolgt heute viel bewusster als früher. Zugleich suchen auch immer mehr Menschen nach alternativen Anlagemöglichkeiten. Dem wollen wir Rechnung tragen.“ Fondssparpläne bieten im Umfeld der anhaltenden Nullzinspolitik bei gleichzeitig steigenden Inflationserwartungen eine interessante Anlageoption für risikobewusste und langfristig orientierte Anleger. Wie eine aktuelle Erhebung des deutschen Fondsverbandes BVI zeigt, hätte die Einzahlung in Fondssparpläne im Schnitt in allen verglichenen Zeiträumen und Fondskategorien positive Erträge erzielt. Erhoben wurden Zeiträume zwischen zehn und 35 Jahren, wobei die Fondskosten und Ausgabeaufschläge in den Berechnungen bereits mitberücksichtigt wurden. Alle Infos zur Aktion und die Teilnahmebedingungen gibt's online unter: www.sparen-mit-zukunft.at


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Volksbank Wien

Infoveranstaltung für KMU Um vor allem KMU mit den Chancen und Möglichkeiten unternehmerischer Nachhaltigkeit in der Praxis vertraut zu machen, haben die Volksbank Wien und die CSR-Experten von respACT am 16. September zur digitalen Kundenveranstaltung geladen. Vorstandsdirektor Rainer Borns und Kommerzkundenberaterin Nicole Schillig informierten dabei darüber, was die Volksbank zu einem nachhaltigen Unternehmen macht und welche Schritte sie setzt, um Nachhaltigkeit noch stärker im Kerngeschäft zu implementieren. Dabei gingen die beiden auch der Frage nach, welche Rolle Nachhaltigkeit im Kundengespräch und bei der Kreditentscheidung spielt und welche Formen von Unterstützung es hier gibt. Speakerinnen bei der digitalen Veranstaltung waren auch Margarete Kriz-Zwittkovits, Abgeordnete zum Wiener Landtag und Vizepräsidentin von „Frau in der

Wirtschaft“, sowie die respACT-Landeskoordinatorin für Wien, Ursula Simacek. Sie ist zugleich Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung Wien und Geschäftsleiterin der Simacek Facility Management Group. Joram Fridtjof Sobanski, Leiter des Bereichs Mitgliederentwicklung und Kooperationen bei respACT, sprach über die Bedeutung nachhaltiger Entwicklung im Unternehmenskontext, die Treiber und regulatorischen Anforderungen sowie mögliche erste Schritte und Tools für unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement. Zum Abschluss stellte Andreas Lehner, Geschäftsführer der Lehner Holding und Kunde der Volksbank Wien, Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich Nachhaltigkeitsmanagement vor.

Vorstandsdirektor Rainer Borns und Kommerzkundenberaterin Nicole Schillig bei ihren Ausführungen

100. Parkbank im Weinviertel übergeben In der Region Weinviertel stehen an vielen schönen Plätzen die beliebten VolksbankBänke. Diese bequemen Sitzgelegenheiten werden von der Bevölkerung gerne für eine kleine Pause genutzt. Unlängst konnte bereits die hundertste Parkbank übergeben werden. Mit der bekannten Poysdorfer Gstettn wurde dafür ein ganz besonderer Standort gefunden. Generaldirektor Gerald Fleischmann ließ es sich nicht nehmen, die Jubiläumsbank anlässlich einer Filialrunde persönlich an Bürgermeister Thomas Grießl zu übergeben. Solche Parkbänke werden seit vielen Jahren Gemeinden, Vereinen oder auch Firmen zur Verfügung gestellt. Die Volksbank hilft aber auch rasch und unkompliziert weiter, wenn es ein Problem gibt: So wurde zu-

letzt nach einem Vandalismusvorfall umgehend eine neue Volksbank-Bank geliefert und aufgestellt.

Regionaldirektor Rudi Riener, Bürgermeister Thomas Grießl, Generaldirektor Gerald Fleischmann und Filialleiterin Maria Metzger (v. l. n. r.) bei der Jubiläumsbank


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Volksbank Wien

Ehrung für eine Legende Fast 40 Jahre lang ist Martin Neid unermüdlich für die Interessen der Volksbank und ihrer Mitglieder im Einsatz gewesen. Dafür wurde er bei der diesjährigen Generalversammlung der VB Beteiligung Obersdorf-Wolkersdorf-Deutsch-Wagram geehrt. Seit 1982 war Neid im Aufsichtsrat der Genossenschaft, ab 1985 in der Funktion als Vorsitzender. Als solcher begleitete er die Volksbank durch alle Höhen und Tiefen. Er war maßgeblich an den ersten Fusionen – Obersdorf mit Wolkersdorf und schließlich mit Deutsch-Wagram – beteiligt, auch für den jüngsten Zusammenschluss mit der Volksbank Wien investierte er viel Zeit und Herzblut, auch wenn ihm dieser notwendige Schritt nicht leicht fiel. Bei bankpolitischen und bankbetrieblichen Entscheidungen war sein Know-how überaus wertvoll und hilfreich. Als Rechtsanwalt stellte er seine Leistungen oft sehr günstig oder gar unentgeltlich zur Verfügung – etwa als rechtlicher Beistand für Kunden in wirt-

schaftlichen Schwierigkeiten. Auch seine Verbundenheit mit der Region und sein politisches Engagement machen ihn unersetzlich für die Genossenschaft. Neid hat aber noch viele weitere Talente: Er ist Autor mehrerer Bücher, für die er auch Literaturpreise erhielt, zudem Schauspieler und Kabarettist, Pfarrgemeinderat und begeisterter Fußballer. Der Bürgermeister von Wolkersdorf, Dominic Litzka, und Volksbank Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann lobten im Rahmen des Festaktes bei der Generalversammlung Neids Verdienste. ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner überreichte ihm als Anerkennung die Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold am Bande, und die Mitarbeiter der Volksbank dankten mit einem Geschenkkorb aus der Region.

Martin Neid (Bildmitte) bei der Ehrung im Rahmen der Generalversammlung

Hauptsponsor für Kulturprogramm in Wiener Neustadt

V. l. n. r.: Kulturstadtrat Franz Piribauer, Volksbank-Vorstandsdirektor Rainer Borns, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Regionaldirektorin Andrea Kovacs-Wöhry und Geschäftsstellenleiter Peter Pavitsits

Unter dem Motto „Wir sind Kultur“ fungiert die Volksbank Wien als neuer Hauptsponsor für das hochkarätige Kulturprogramm in Wiener Neustadt. Mit Highlights wie dem Bösendorfer Festival oder dem Auftritt von Star-Bariton Thomas Hampson soll die Stadt zum Kultur-Hotspot im südlichen Niederösterreich werden. Bürgermeister Klaus Schneeberger und Kulturstadtrat Franz Piribauer freuen sich, mit der Volksbank einen namhaften Sponsor und schlagkräftigen Partner für dieses Ziel gewonnen zu haben. Vorstandsdirektor Rainer Borns und Regionaldirektorin Andrea Kovacs-Wöhry über die Zusammenarbeit: „Als regionale Hausbank ist es uns ein besonderes Anliegen, nahe an unseren Kunden zu sein und die Kultur- und Veranstaltungslandschaft in der Region zu fördern. Die Volksbank-Regionaldirektion Wiener Neustadt legt großen Wert darauf, sich hier als verlässlicher Partner zu erweisen.“


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Nachhaltige Tipps für Geld und Gesundheit Unter dem Motto „Gesunde Finanzen – gesundes Essen“ hat die Volksbank-Regionaldirektion Baden gemeinsam mit Union Investment und der Reformhauskette Prokopp im Herbst fünf Kundenveranstaltungen organisiert. An sehr unterschiedlichen Locations – vom gemütlichen Heurigen in Brunn am Gebirge bis zum Golfplatz in Ebreichsdorf – wurden Kunden zu Vorträgen über nachhaltige Veranlagung und gesunde Lebensmittel mit anschließender Bewirtung eingeladen. Regionaldirektor Martin Heilinger, selbst Nachhaltigkeitsexperte der ersten Stunde, brachte den Gästen den hohen Stellenwert dieses Themas in der Volksbank Wien näher, skizzierte das Zusammenspiel zwischen Bank und Genossenschaft und ermunterte dazu, den ersten Schritt in Richtung nachhaltige Veranlagung zu gehen. Anschließend erläuterte Union-Vertriebsdirektor Harald Pirkfellner, was es mit nachhaltiger Geldanlage auf sich hat. Die Anforderungen von Verfügbarkeit, Rendite und Sicherheit würden dabei um die Dimension der Nachhaltigkeitskriterien ergänzt. Die Auswahl der Anlagen erfolge nach festen ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien, erläuterte er.

Über bewusstes Essen und nachhaltige Lebensmittel informierte dann Christian Prokopp. Sein Vorzeigeunternehmen steht für gesunde Ernährung, kompromisslose Qualität, biologische Herstellung und uneingeschränkte Transparenz. Die dazugehörige Dachmarke „Gewusst wie“ ist wie die Volksbanken genossenschaftlich organisiert und teilt somit auch deren Werte. „Die Veranstaltungsserie hat insgesamt rund 170 Kunden erreicht und in der Folge zu zahlreichen Beratungsterminen geführt. Das Ziel, zu informieren, Verständnis zu schaffen und Kunden den Mehrwert von nachhaltigen Ve r anl a gun g e n und bewusster Ernährung näher zu bringen, wurde zu hundert Prozent erfüllt“, zog Regionaldirektor Heilinger positive Bilanz.

Das Volksbank-Team mit den Referenten Harald Pirkfellner und Christian Prokopp

Baden radelt mit Volksbank-Power

Foto: C. Kollerics

Die Stadt Baden startete heuer die Initiative „Baden radelt auf Rezept“: 13 Badener Ärzte und Therapeuten empfahlen ihren Patienten das Radfahren als gesundheitsfördernde und klimafreundliche Fortbewegungsalternative und stellten dabei „Radl-Rezepte“ aus. Unter allen fleißig radelnden Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde im Oktober ein Elektro-Citybike verlost, das von der Volksbank in Baden zur Verfügung gestellt wurde. Regionaldirektor Martin Heilinger: „Die Aktion ist ein einzigartiges und einfaches Konzept, das einen wesentlichen Beitrag zum Imagegewinn und zur Bewusstseinsbildung für klimafreundliche Mobilität in Baden leistet.“ Bürgermeister Stefan Szirucsek, Volksbank-Regionaldirektor Martin Heilinger, Klimaabteilungsleiter Gerfried Koch und Vizebürgermeisterin Helga Krismer-Huber bei der Preisübergabe an die glücklichen Gewinner

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Volksbank Wien

Über 40 Jahre im Einsatz für Bank und Kunden Mit Andrea Faszl hat die längst gediente Mitarbeiterin in Wiener Neudorf den wohlverdienten Ruhestand angetreten – ihr erster Arbeitstag war am 10. August 1981. Faszl verbrachte ihr gesamtes Berufsleben zuerst in der Volksbank Mödling, später in der Volksbank Baden und dann in der Volksbank Wien. Jeder in Wiener Neudorf – ob Kunde oder nicht – kennt sie als Institution. Ihre freundliche und hilfsbereite Art prägte über Jahrzehnte das Auftreten der Volksbank in der Region. An ihrem letzten Arbeitstag besuchten zahlreiche Kunden und Freunde die Filiale in Wiener Neudorf, um Danke zu sagen für vier Jahrzehnte Vertrauen und Kundenpartnerschaft. Ihr Arbeitsplatz glich an diesem Tag einem Blumenmeer. Im Ruhestand möchte sich Faszl sozial engagieren, sie plant auch Reisen und wird sich ausgiebig der Familie widmen. Ein herzliches Dankeschön im Namen der gesamten Volksbank-Familie!

Andrea Faszl bei ihrer Verabschiedung mit Filialleiter Andreas Bertalan (li.) und Regionaldirektor Martin Heilinger (re.)

Volksbank präsentierte Advent im Park In der Vorweihnachtszeit hat der von der Volksbank unterstützte Advent im Kurpark Baden – soweit es die Corona-Schutzmaßnahmen zugelassen haben – ein einzigartiges Erlebnis für die ganze Familie geboten und dabei auch durch ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit überzeugt. Zu den Highlights zählten ein Motorik-Parcours, eine Feuerstelle, ein Strohspielplatz, ein Infopfad zur Nachhaltigkeit, eine Christkindlwerkstatt, ein Tauschmarkt und vieles mehr.

Foto: C. Kollerics

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V. l. n. r.: Martin Heilinger (Volksbank), Dominik Gschiegl (HSG Events), Helga Krismer-Huber (Vizebürgermeisterin Baden), Dolores David-Fromm (Wirtschaftsservice Baden), Nicolas Hold (HSG Events) und Stefan Szirucsek (Bürgermeister Baden)


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Volksbank Salzburg

Erfolgreiches Sponsoring des „bodenst@ndig“-Festivals Am 10. und 11. September hat im Petersbrunnhof in Salzburg zum fünften Mal das Festival für neue Volksmusik – „bodenst@ndig“ – stattgefunden. Die Volksbank Salzburg war wieder Hauptsponsor. Die Gruppen „Spafudla“, „Federspiel“, „Zeidlang“ sowie „Alpkan“ begeisterten das Publikum und zeigten die vielfältigen Spielarten moderner Volksmusik. Im fünften Jahr des Festivals spielte leider die Corona-Pandemie eine große Rolle – lange war nicht klar, ob es stattfinden kann und ob das Publikum das Angebot wahrnehmen würde. Die Anspannung blieb bis zum Schluss, und die Freude war groß, als das Haus an beiden Tagen voll war. Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn bezeichnete die Veranstaltung als wichtigen kulturellen Fixpunkt in Salzburgs Musikszene, war selbst begeistert und blieb bis zum letzten Ton. Für die Volksbank Salzburg als Hauptsponsor und Initiator der Veranstaltung kommuniziert das Festival auf besonders treffende Weise ihre Markenkernwerte „regionale Verbundenheit“ und „Kundennähe“. Auf beiden Seiten – im Publikum und auf der Bühne – treffen sich bei diesem Musikereignis motivierte Menschen, die sich aktiv in die Musikszene einbringen, in der lokalen Volkskultur engagiert und aufgeschlossen für neue Ideen sind. Der ORF brachte einen Fernsehbericht in den Bundeslandnachrichten „Salzburg heute“. Kamerateam und Redaktion waren lange vor Ort und gestalteten einen erfreulich wertschätzenden Beitrag – eine große Auszeichnung für „bodenst@ndig“.

Eröffneten die fünfte Ausgabe von „bodenst@ndig“ (v. l.): Xandl Maurer (Salzburger Virtuose auf der Steirischen Harmonika), Berta Wagner (Leiterin der Salzburger Volkskultur und Veranstalterin), Michael Bieling (erweiterte Geschäftsleitung Volksbank Salzburg), Manfred Baumann (künstlerischer Leiter) und Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn


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Volksbank Kärnten

Starke Kennzahlen, neue Delegierte und ein Abschied Ein erfolgreiches Geschäftsjahr und die Wahl neuer Delegierter sind im Mittelpunkt der am 29. September im Volksbank-Saal in Ferlach abgehaltenen Generalversammlung der Volksbank Kärnten gestanden. Ihr waren vier Mitgliederversammlungen in Feldkirchen, Spittal, Ferlach und Klagenfurt vorausgegangen. „Die jahrelange vertrauensvolle Kundenpartnerschaft, das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die regionale Verankerung sowie das gut angenommene hausbanking-Angebot haben zur starken Geschäftsentwicklung im Jahr 2020 beigetragen“, so das Vorstandsteam Johannes Jelenik und Alfred Holzer. Neben einem Bilanzsummenwachstum von 3,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro und einem um 8,7 Prozent auf 8,3 Millionen Euro gesteigerten Betriebsergebnis konnten sie eine solide Eigenmittelquote von 15,8 Prozent präsentieren. Die Coronakrise konnte bisher erfolgreich gemeistert werden, so die Vorstände: „Als Hausbank der Kärntner Wirtschaft haben wir rund 34 Millionen Euro an Corona-Maßnahmen für knapp 900 Kunden abgewickelt und so zur Bewältigung der schwierigen Situation beigetragen. Für das neue Jahr erwarten wir eine kräftige Erholung der heimischen Wirtschaft. Wir wollen diesen Aufschwung durch eine verstärkte Kreditvergabe im Unternehmerbereich unterstützen.“ Frischen Wind brachte die Wahl der Delegierten: Nach dem Ausscheiden von sechs Mitgliedern konnte die Volksbank Kärnten die regionalen Unternehmer Sigi Moerisch (Hotelier in Seeboden), Jakob Forstnig (Hotelier in Bad Kleinkirchheim), Hannelore Xander (Ärztin in Feistritz im Rosental), Michael Szirch (Geschäftsführer eines ITUnternehmens in Spittal), Sieglinde Gailer (Steuerberaterin in Feldkirchen) und Ferdinand Lanker (Rechtsanwalt in Klagenfurt) neu in diesem Gremium begrüßen. Bei den Wahlen in den Aufsichtsrat wurden AR-Vorsitzender Wilfried Aichinger, Ingrid

Taferner und Anton Wrann einstimmig im Amt bestätigt. Die Mitgliederversammlung in Ferlach stand auch im Zeichen der Verabschiedung von Bereichsdirektor Hubert Kescher, der seinen wohlverdienten Ruhestand antritt. Insgesamt 47 Jahre lang hat der Volksbanker mit Kompetenz, Engagement und Begeisterung unzählige Kunden betreut. Davon war er 14 Jahre an der Seite von Johannes Jelenik im Vorstand der damaligen Volksbank Kärnten Süd tätig. Nun tauscht der für halb Kärnten zuständige Bereichsdirektor endgültig seine Aktentasche gegen Golfschläger und Motorsäge. In Anerkennung für seine Verdienste überreichte ihm der Vorstand die Ehrenmedaille in Gold am Bande des ÖGV.

V. l. n. r.: Vorstandsdirektor Alfred Holzer, Aufsichtsrat Lorenz Plasch, der in die Pension verabschiedete Bereichsdirektor Hubert Kescher und Vorstandsvorsitzender Johannes Jelenik

Fotos: Volksbank Kärnten

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Das Vorstandsteam der Volksbank Kärnten mit Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann und AR-Chef Wilfried Aichinger (2. v. r.)


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Volksbank Steiermark

Weil der Volksbank Steiermark die finanzielle Gesundheit ihrer Kunden ein besonderes Anliegen ist, wurden auch heuer wieder aus den traditionellen Weltspartagen die finanziellen Gesundheitstage. Wie kann ich mich in Geldangelegenheiten noch fitter machen? Welche bedarfsgerechten und ertragreichen Anlagen gibt es für mein Erspartes? Diese und weitere wichtige Fragen wurden mittels finanziellem Gesundheitscheck beantwortet. Ein besonderes Anliegen ist der Volksbank Steiermark aber auch die Unterstützung karitativer Einrichtungen in den Regionen der Bank. Daher hieß es auch diesmal rund um den Weltspartag „Spenden statt Geschenke“. Finanzielle Unterstützung ging diesmal an insgesamt elf steirische Vereine und Institutionen.

Foto: Volksbank Steiermark

Finanzielle Gesundheitstage und Hilfe für karitative Projekte

Filialverbundleiterin Michaela Jansenberger (li.) und ihre Stellvertreterin Sylvia Eicher (re.) mit Reinhard Kollmann vom Verein Simultania Liechtenstein und seinen Schützlingen

Volksbank Vorarlberg

Umbau des Vorstandsteams

Foto: Marcel Hagen

In der Volksbank Vorarlberg ist es zu einer Verkleinerung des Führungsteams gekommen: Martin Alge, seit 2018 Vorstand für die Bereiche Finanzen und Betrieb, hat die Bank verlassen. Er wechselt nach Liechtenstein, wo er laut Landesverwaltung des Fürstentums zum Leiter des Amtes für Justiz bestellt wird. Die Volksbank Vorarlberg wird künftig vom langjährigen Vorstandsduo Gerhard Hamel und Helmut Winkler (Bild) geführt. Hamel ist auch Präsident des ÖGV.

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Volksbank Vorarlberg

Musikgenuss in der Private-Banking-Filiale Nach langer Pause ist das beliebte Musikformat „Hörbar“ am 22. Oktober nach Dornbirn zurückgekehrt. An neun Locations in der Innenstadt traten LiveBands auf. Die Volksbank Vorarlberg öffnete ihren Private-Banking-Standort am Marktplatz und verwöhnte die Gäste mit Musik der talentierten Band „Duo Lia“.

te und die eindrucksvolle Performance der beiden Künstlerinnen Alia und Julia zu einer pulsierenden Musik-Location. Die Sängerinnen aus dem Bregenzerwald verzauberten das Publikum in kürzester Zeit und überzeugten mit ihrem vielfältigen Repertoire, das von eigenen Kompositionen bis hin zu Coversongs reicht. Das „Hörbar“-Event ist Teil des Projekts „Bank als Marktplatz“, im Rahmen dessen die Volksbank ihre Bankfilialen unter anderem in Kommunikationsplattformen umwandelt. „Mit der Hörbar ist es uns gelungen, die Bank als Treffpunkt in der Region zu positionieren, insbesondere auch bei der jungen Zielgruppe. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr“, so Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel. Dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war, bestätigen neben dem positiven Feedback auch die Besucherzahlen: So kamen an diesem Abend rund 500 Musikbegeisterte bei freiem Eintritt in die Volksbank.

Foto: Eva Sutter

Dass die Volksbank Vorarlberg als Genossenschaftsbank in der Region stark verwurzelt ist und aktiv den Lebensraum mitgestaltet, beweist sie immer wieder durch verschiedene Engagements. So nahm sie auch als einziger Nicht-Gastronomiebetrieb am beliebten Musikformat „Hörbar“ teil und zeichnete sich dabei als hervorragender Gastgeber mit Live-Musik aus. Ein DJ aus den eigenen Mitarbeiterreihen sorgte in den Pausen für hippe Sounds. Die Filiale, die sonst durch ihr edles Ambiente besticht, wurde durch die vielen Gäs-

Foto: Mike Siblik

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Bühne frei für die talentierte Band „Duo Lia“ in der Volksbank-Filiale am Marktplatz


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Kaiserlicher Unternehmerlunch orchester Vorarlberg spielt, entführte das Ensemble mit seinen Musikstücken in die prunkvolle Welt des kaiserlichen Hofs. Die Volksbank Vorarlberg, die sich mit ihrem Know-how als versierter Prozessbegleiter versteht, der neben rein finanziellen Themenschwerpunkten auch Inspiration und kreative Denkansätze liefert, lädt immer wieder spannende Gäste zum Unternehmerlunch ein. „Um innovativ sein zu können, ist es wichtig, den Blick über den Tellerrand zu wagen und das Unternehmertum aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten“, erklärt Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel.

Fotos: Mike Siblik

Die Volksbank Vorarlberg hat im Herbst nach längerer Corona-Pause wieder zum beliebten Unternehmerlunch in die Zentrale in Rankweil geladen. Unter dem Motto „Das kaiserliche Unternehmertum“ stellte sich der Kabarettist Robert Palfrader im Interview unter anderem der Frage: „Wieso muss auch ein Kabarettist Unternehmer sein?“ Herbert Loos, erfolgreicher Unternehmensberater, Autor und zertifizierter Turnaround-Experte, stellte den fast hundert Gästen seine „K.A.I.S.E.R.-Methode“ vor. Dabei wurden Themen wie Konfliktfähigkeit, Agilität und Innovation im kurzweiligen Impulsvortrag erarbeitet. Beim abschließenden Get-together mit leichten und gesunden Köstlichkeiten konnten die Unternehmerinnen und Unternehmer sich austauschen und Networking betreiben. Wahrlich kaiserlich wurde das Event von Hornbläsern musikalisch untermalt. Unter der Leitung von Andreas Schuchter, der auch für das Symphonie-

„Kaiser“ Robert Palfrader als Stargast beim Unternehmerlunch der Volksbank Vorarlberg

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Volksbank Tirol

Online-Anlage-Forum mit Zukunftsforscher Dirk Herrmann Wie Anleger von aktuellen Megatrends in der Welt nach der Pandemie profitieren können, stand im Fokus des Online-Anlage-Forums der Volksbank Tirol am 20. Oktober. Zukunftsforscher Dirk Herrmann begeisterte mit seinem kurzweiligen und spannenden Vortrag mit vielen eindrucksvollen Bildern zum Thema „Welt neu denken“. Anschließend präsentierte Vorstand Martin Holzer Veranlagungslösungen für die Zukunft. Er verriet, was dabei zu berücksichtigen ist und welche Rolle die Nachhaltigkeit in der Nach-Corona-Zeit spielt. Eine Diskussionsrunde der Referenten mit Union-Investment-Experte Tom Ganschow rundete das Programm ab. Ein gelungenes Digital-Event, mit dem die Volksbank Tirol bei den mehr als 500 Teilnehmern einmal mehr als kompetente Anlagebank punkten konnte.

Volksbank-Vorstand Martin Holzer, Union-Investment-Experte Tom Ganschow und Keynote-Speaker Dirk Herrmann im virtuellen Studio (v. l. n. r.)

Unternehmer-Treffs zur Nachhaltigkeit Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit standen im Oktober sechs Round Tables der Volksbank Tirol. Die Wintersport Tirol AG am Stubaier Gletscher, das Entsorgungsunternehmen DAKA in Schwaz, die Energiefreund GmbH in Landeck, das Inn-Bike in Kufstein, die Firma Freudenthaler in Inzing und das Kasplatzl in Kirchberg boten den teilnehmenden Firmenkunden Einblicke in ihre Unternehmen und stellten ihren persönlichen Weg der Nachhaltigkeit vor. Die Volksbank zeigte in einem Vortrag, dass sich ein gutes Gewissen auch bei der Geldanlage auszahlt. Die Kernbotschaft: Nachhaltige Fonds liefern durchaus Performance und können so auch vor Negativzinsen schützen. Im Anschluss wurden Fragen der Gäste beantwortet, es folgte ein kulinarischer Ausklang mit Networking.

Round Tables mit Inn-Bike in Kufstein, Wintersport Tirol am Stubaier Gletscher und Energiefreund in Landeck


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Spende an regionale Jugendinitiative

Foto: Die Fotografen

Anstelle von Geschenken überreicht die Volksbank Tirol anlässlich des Weltspartags seit vielen Jahren Spenden an Tiroler Hilfsorganisationen. Heuer gingen 5.000 Euro an die Plattform Offene Jugendarbeit Tirol (POJAT) für „Die Gesunde BoXXX“. Mit diesem Projekt werden Jugendliche dabei unterstützt, im Alltag gesündere Entscheidungen zu treffen. Die Box beinhaltet Materialien zu Gesundheitsthemen, die jugendgerecht aufgebaut und leicht im Jugendzentrumsalltag vermittelbar sind. „Dank der großzügigen Volksbank-Spende kann das für uns so wichtige Projekt zur Förderung der Gesundheit von Jugendlichen nun rasch in allen Bezirken umgesetzt werden“, freut sich POJATGeschäftsführerin Martina Steiner.

Scheckübergabe an Martina Steiner (POJAT) durch Vertriebsdirektor Stefan Posch (li.) und Vorstand Martin Holzer (re.)

Foto: Adobe Stock

Patenschaft für Bienen Mit einem Beitrag von 3.000 Euro unterstützt die Volksbank Tirol die Bienenzucht und übernimmt die Patenschaft für fünf Bienenvölker in Tirol für die Saison 2022. Die Mittel werden ausschließlich für die Förderung der Imkerei und für Bienenschutzprojekte in Tirol verwendet. Die Initiative ist ein wichtiger Beitrag für Natur und Umwelt: Denn zwei

Drittel unserer Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten – vornehmlich durch die Honigbiene – angewiesen. Die Tiroler Imker mit ihren Bienen gewährleisten, dass diese Bestäubungsleistung im ganzen Land gesichert ist.

Verdiente Mitarbeiter geehrt Im Rahmen einer stimmungsvollen Feier hat die Volksbank Tirol jene Mitarbeiter geehrt, die schon besonders lange im Dienste der Bank stehen und ein rundes Jubiläum feiern: René Scherl, Bianca Told, Andrea Ager, Brigitte Bacher, Gerhard Gabl, Franz Stern, Stefan Zangerl und Wolfgang Zebenholzer sind seit 25 Jahren für die Volksbank tätig, Markus Hafele, Siegmund Jehle, Johannes Jungmann, Sabine Vlutters, Elisabeth Windisch und Alexandra Mairhofer haben ihre 30-jähriges Jubiläum, auf 35 Jahre kommen Andrea Buttler, Sibille Prast, Werner Hadringer, Klaudia Pöll, Barbara Melmer, Klaus Schmidt und Peter Herrnegger. Gar schon den „40er“ feiern Alois Holzer, Bernd Mark und Prokurist Josef Tratter, während Hermann Fellner sage und schreibe seit 45 Jahren für die Volksbank Tirol im Einsatz ist. „Die Treue unserer Mitarbeiter wissen auch die Kunden sehr zu schätzen. Denn sie können auf langjährige und erfahrene Ansprechpartner vertrauen. Aber auch wir als Arbeitgeber sind stolz darauf, dass so viele Mitarbeiter der Volksbank Tirol lange treu bleiben“, so der Vorstand.


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Volksbank Akademie

Die besten Absolventen des Jahres Ständige Aus- und Weiterbildung hat für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Volksbanken-Verbund seit jeher einen hohen Stellenwert. Dafür, dass diese Bildung auf höchstem Niveau erfolgt, sorgt die Volksbank Akademie mit ihren innovativen Lernkonzepten. Auch 2021 haben 58 Kandidatinnen und Kandidaten die Prüfung zum Kundenberater erfolgreich absolviert,13 davon mit Bestnote. Wir stellen die Top-Absolventen hier vor und gratulieren zum herausragenden Erfolg.

Carlos Avila-Kabelka Volksbank Steiermark

Mike Gössler Volksbank Steiermark

Nadine Hazod Volksbank Oberösterreich

Andrea Hofbauer Volksbank Oberösterreich

Kardelen Kocahal Volksbank Vorarlberg

Sandra Kreiseder Volksbank Salzburg

Elena Kustura Volksbank Wien

Lisa Nowy Volksbank Salzburg

Stefanie Obermüller Volksbank Oberösterreich

Dusanka Paunkovic Volksbank Salzburg

Katharina Rauter Volksbank Salzburg

Klara Schwarzenberger Volksbank Steiermark

Zineta Secerbajtarevic Volksbank Wien


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INSIDER

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ERGO

Auf Nummer sicher bei der Gesundheit

Wer bei Kronen, Implantaten und Co einen optisch ansprechenden Zahnersatz haben möchte, der muss in der Regel tief in die Tasche greifen. Die neue Zahnersatzversicherung der ERGO springt hier mit bis zu 90 Prozent Kostenerstattung ein. „Beim Zahnersatz ist die ERGO die einzige Versicherung in Österreich, die einen Standalone-Tarif anbietet. Das bedeutet, man braucht keine teure Vorversicherung. Mit unserem Fokus auf Zahnersatz bieten wir sehr attraktive Prämien ab 17 bis 30 Euro – je nach Eintrittsalter“, so Christian Nois-

ternig, Vorstand für Vertrieb und Marketing, der auch großes Marktpotenzial sieht: „95 Prozent der österreichischen Bevölkerung zwischen 18 und 65 haben noch keine private Zahnversicherung.“ Auf Basis einer breit angelegten Umfrage hat die ERGO auch ihre Unfallversicherung unter dem Titel „AktivER GO! Die flexible Unfallversicherung“ neu herausgebracht. Leistungen, die Kunden schon bisher besonders geschätzt haben, wurden erweitert und verbessert. Neu sind die Sofortleistungen oder die Unfallrente mit Wertsicherung ab Auszahlungsbeginn. Zusätzlich punktet „AktivER GO!“ mit bis zu 500 Prozent Leistung und 24 Stunden SOS-Service weltweit – inklusive Hubschrauber- und Bergungskosten. Mit Start-, Basis- und Plus-Schutz werden drei Varianten angeboten. Alle Details zu den neuen ERGO-Produkten gibt’s unter volksbank.at/zahnersatz und volksbank.at/unfallversicherung.

Auszeichnungen für Kundenservice Das Kundenservice der ERGO ist zuletzt gleich doppelt ausgezeichnet worden: Beim Recommender Award 2021 des FinanzMarketing Verbandes Österreich (FMVÖ) überzeugte der Versicherungspartner der Volksbanken mit „hervorragender Kundenorientierung“. Rund 7.500 Versicherungskunden wurden dafür zu ihrer Weiterempfehlungsbereitschaft befragt. Auch beim Service-Champion-Ranking erreichte die ERGO den ersten Platz unter den Versicherungen – und das bereits zum siebenten Mal in Folge. Heuer wurde sogar der Gold-Status verliehen. Das größte Service-Ranking Österreichs wird einmal jährlich von der Analysegesellschaft ServiceValue gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt ermittelt.

„Kundenservice wird bei der ERGO großgeschrieben. Freundlich, kompetent und schnell – wir leben Service im besten Sinn und wachsen jeden Tag mit dieser Aufgabe. Dabei haben wir den Kunden und seine Bedürfnisse immer im Blick. Deshalb freut es uns besonders, erneut dafür ausgezeichnet zu werden“, freut sich ER G O -Vo r s t an d Christian Noisternig.

Foto: Philipp Lipiarski

Wie im letzten „cooperativ“ angekündigt, hat die ERGO, der Versicherungspartner der Volksbanken, im Herbst innovative Produkte rund ums Thema Gesundheit an den Start gebracht: eine Zahnersatzversicherung und eine besonders flexible Unfallversicherung. Beide können ab sofort ganz ohne Gesundheitsfragen abgeschlossen werden.

Christian Noisternig, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der ERGO


INSIDER

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ERGO

90.000 Euro für „Österreich hilft Österreich“ Schöner Erfolg für die ERGO-Aktion zugunsten von „Österreich hilft Österreich“: Im Frühjahr und Sommer wurden für jede neu abgeschlossene Lebens-, Unfall- und „Sonderklasse nach Unfall“-Versicherung mit laufender Prämie zehn Euro gespendet. In Summe kamen dabei 90.000 Euro für Menschen in Not zusammen. Ziel von „Österreich hilft Österreich“ – einer gemeinsamen Initiative des ORF und der führenden Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Volkshilfe und Samariterbund – ist es, jene Menschen, die sich aufgrund der Coronakrise in einer Notlage befinden, durch Spenden abzusichern und finanziell zu unterstützen. „Auch für unsere Kunden war die Spendenaktion eine Win-win-Situation: Denn sie hatten keine Mehrkosten und konnten mit ihrer Vorsorge gleichzeitig etwas Gutes tun – für sich selbst, aber auch für die Gesellschaft“, so ERGO-Vorstandsvorsitzender Philipp Wassenberg. Der Unterstützungsbeitrag floss

direkt in die verschiedenen Projekte der beteiligten Hilfsorganisationen, die sich bei der ERGO und ihren Kunden dafür herzlich bedankten.

Foto: ERGO/Sebastian Philipp

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V. l. n. r.: Roland Wallner (Hilfswerk), Nicola Antesberger (Diakonie), Judith Ranftler (Volkshilfe), Philipp Wassenberg (ERGO), Peter Kaiser (Rotes Kreuz), Anna Parr (Caritas) und Wolfgang Dihanits (Samariterbund) bei der Spendenübergabe

APA

Festakt zum 75-Jahr-Jubiläum Die Austria Presse Agentur hat am 6. Oktober mit einem großen Festakt im Beisein führender Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien ihr 75-jähriges Jubiläum als genossenschaftlich organisierte Nachrichtenagentur begangen. Zum Auftakt des Events im Wiener Arsenal würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen die APA. Diese stelle mit ihren verlässlichen, faktenbasierten und möglichst objektiven Nachrichten eine „Grundlage für die liberale Demokratie“ dar und sei ihm zudem ständige Begleiterin. „Ich kann mich beim besten Willen an keine Pressekonferenz von mir erinnern, an der die APA

nicht teilgenommen hätte“, so der Bundespräsident. Markus Mair, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen und Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, blickte in seiner Festrede auf die Anfänge der APA als Genossenschaft zurück. „Überaus bemerkenswert“ sei es gewesen, dass sich die damaligen österreichischen Tageszeitungen nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenschlossen, um eine vom Staat unabhängige Nachrichtenagentur zu gründen. Danach wandte sich Clemens Pig, geschäftsführender Vorstand der APA, an die Festgäste: „Die Gründung der APA vor

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner Festrede


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V. l. n. r.: APA-Chef Clemens Pig, Chefredakteur Johannes Bruckenberger, Geschäftsführerin Karin Thiller und Moderatorin Susanne Höggerl

Fotos: APA/Ludwig Schedl

75 Jahren ringt mir persönlich großen Respekt und ebenso große Dankbarkeit ab.“ Denn die Gründerväter hätten zwei Dinge von grundlegender Bedeutung erkannt: die APA in der Rechtsform der Genossenschaft aufzusetzen und die österreichischen Medien zu deren Eigentümern zu machen. Aufgrund ihrer genossenschaftlichen Struktur sei die APA eine Plattform, bei der „Lösungen allen quer über die Medienbranche zugutekommen“, ergänzte Geschäftsführerin Karin Thiller. APA-Chefredakteur Johannes Bruckenberger strich die Unabhängigkeit als Basis für die tägliche journalistische Arbeit heraus. Im Anschluss an die Festreden erörterten Medienexperten in einer Podiumsdiskussion zum Thema „Unabhängige Medien: Wert und Währung in einer neuen Meinungsökonomie“ aktuelle Herausforderungen sowie Ansätze für den Erhalt der Glaubwürdigkeit und den Erfolg von Medien. Die APA wurde vor 75 Jahren auf Initiative der Alliierten als privatwirtschaftliche Genossenschaft im Eigentum von Tageszeitungen gegründet. Mittlerweile ist auch der ORF Eigentümer. Am 1. September 1946 nahm sie ihren Betrieb auf.

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ÖGV-Vorstand Franz Groß (li.) und Präsident Gerhard Hamel (re.) mit Clemens Pig

CLEMENS PIG NEUER PRÄSIDENT DER EUROPÄISCHEN NACHRICHTENAGENTUREN Clemens Pig, geschäftsführender Vorstand der APA und Vizepräsident des ÖGV, ist zum neuen Präsidenten der European Alliance of News Agencies (EANA) gewählt worden. Mitglieder der EANA mit Sitz in Bern sind 32 europäische Nachrichtenagenturen, die sich in der Allianz für wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen mit dem Ziel einer freien und unparteiischen Berichterstattung einsetzen. „Phänomene wie Desinformation und Fake News wurden durch die globalen technischen Netzwerke von den Rändern der Gesellschaft in die digitale Mitte gespült. Gerade jetzt sind professioneller Austausch und Zusammenhalt innerhalb der europäischen Agentur-Allianz besonders wichtig, auch und gerade beim Schutz einzelner Nachrichtenagenturen vor politischem Druck und Angriffen. Oberstes Ziel bleibt die langfristige Sicherung der freien Berichterstattung“, so der neue EANA-Präsident nach seiner Wahl.


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Sport 2000

Marktführer im Sportfachhandel Die SPORT-2000-Genossenschaft hat bei einer Pressekonferenz ein positives Fazit über das heurige Jahr gezogen: Die 237 Händler mit 398 Geschäften in ganz Österreich erwarten für 2021 einen Umsatz von 600 Millionen Euro, was ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Marktanteil liegt laut aktueller Studie bei 33,6 Prozent, damit ist man die Nummer eins. Angesichts des Beinahe-Totalausfalls der vergangenen Wintersaison ist das ein starkes Ergebnis, das SPORT-2000-Vorstand Holger Schwarting auch auf den Erfolgsfaktor Genossenschaft zurückführt: „Die Genossenschaft verkörpert ein absolut modernes Konzept. Hier werden sehr angesagte Werte wie der Community-Gedanke oder Shared Value gelebt. Jeder Einzelne profitiert von der gemeinsamen Stärke und den verschiedenen Kompetenzen. Dies schafft Synergien und stärkt uns vor allem auch hinsichtlich kommender Herausforderungen wie Digitalisierung, Globalisierung und in der Qualifizierung unseres Personals.“ Probleme durch die Coronakrise prägen jedoch nach wie vor die Entwicklungen im Sportfachhandel. Vor allem die Lieferketten sind direkt oder indirekt von der Pandemie betroffen und sorgen in vielen Bereichen für Engpässe. Schwarting: „Wir haben unsere Händler bereits frühzeitig auf diese Situation aufmerksam gemacht und sie dafür sensibilisiert, auf dem Markt vorrätige Ware zur Sicherheit zu disponieren, um die Verfügbarkeit zu sichern.“ Positiv wirkte sich die Pandemie dagegen auf das Kaufverhalten aus: Vor allem Junge

und deutlich mehr Frauen als bisher tragen laut SPORT 2000 durch ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und eine erhöhte Partizipation an aktivem Sport wie Laufen oder Radfahren zu einem Marktwachstum bei. Die Bedeutung von Regionalität, Nachhaltigkeit und Gesundheit ist bei den Menschen gestiegen. „Davon profitiert gerade unsere Gemeinschaft aus regional verankerten Händlern“, so Schwarting. In seinem Kurs bestätigt sieht sich SPORT 2000 auch durch die Ergebnisse der heurigen ÖGVS-Verbraucherstudie, bei der man als Nummer eins bei der Kundenzufriedenheit im Skiverleih und im stationären Handel hervorging sowie in der Gesamtwertung aller 1.877 untersuchten Unternehmen Platz 25 belegte.

Holger Schwarting, Vorstand von SPORT 2000: „Die Genossenschaft verkörpert ein absolut modernes Konzept“


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Erneuerbare Energiegemeinschaft Thermenstrom

Umweltministerin zu Besuch bei Pionier-Genossenschaft Die heuer im Sommer mit ÖGV-Unterstützung gegründete Erneuerbare Energiegemeinschaft Thermenstrom ist österreichweit Vorreiter, wenn es um die gemeinschaftliche Erzeugung von erneuerbarem Strom geht – „cooperativ“ berichtete in der letzten Ausgabe ausführlich. Am 5. November hat auch Umweltministerin Leonore Gewessler die Neugründung in Tattendorf (NÖ) besucht. „Wir wollen, dass die Bürger Teil der Energiewende sein können, Genossenschaften wie diese sind dabei ein zentraler Baustein“, so die Ministerin, die sich für die Pionierarbeit ausdrücklich bedankte. Sowohl Umweltgemeinderat Christian Mesterhazi als auch ÖGV-Vorstand Franz Groß betonten die Vorteile der Rechtsform Genossenschaft für derartige gemeinschaftliche Unternehmungen. Zum Auftritt der Ministerin waren neben vielen Gründungsmitgliedern auch zahlreiche Politiker aus der Region gekommen – darunter

Abgeordnete zum Nationalrat und zum Landtag sowie Bürgermeister der benachbarten Gemeinden. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine Führung durch die Schmetterlingwelt Tattendorf und die angeschlossene Biomasseheizanlage.

VdFS

Empfang im neuen Büro Eine besonders kurze Anreise hatten die Vorstände und Mitarbeiter des ÖGV bei diesem Mitgliederbesuch im Herbst: Die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) lud zum Empfang in ihre neuen Büroräumlichkeiten im ÖGV-Haus. Das Team um Verbandsrat Gernot Schödl arbeitet zwar bereits seit dem Vorjahr im ersten Stock des Gebäudes in der Löwelstraße, aufgrund von Corona konnte die Party allerdings erst jetzt stattfinden. Der ÖGV jedenfalls freut sich sehr über die neuen Mieter aus der Genossenschaftsfamilie!

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Ehrungen des Österreichischen Genossenschaftsverbandes Von August bis Dezember 2021 wurden folgende Auszeichnungen an verdiente Mitarbeiter, Geschäftsleiter/Geschäftsführer und ehrenamtliche Funktionäre unserer Mitgliedsunternehmen verliehen: Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold am Bande Herbert BRÄNDLE Aufsichtsratsmitglied Tischler Rohstoff e.Gen. Dr. Martin NEID Aufsichtsratsvorsitzender VB Beteiligung Obersdorf-WolkersdorfDeutsch-Wagram eG Dr. Josef STEINBÖCK Aufsichtsratsvorsitzender Volksbank Oberösterreich AG Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold Dr. Peter POSCH Aufsichtsratsvorsitzender-Stellvertreter Volksbank Oberösterreich AG Ehrenzeichen in Gold

Direktor Bernhard MUCKENHUBER Vorstandsvorsitzender VB Enns-St. Valentin Beteiligung e.G. Kleines Ehrenzeichen in Gold Dr. Gerhard OCHSENHOFER Aufsichtsratsvorsitzender VB Südburgenland Verwaltung eG Ehrenmedaille in Gold am Bande Ilse BEHAM Kundenberaterin Senior Volksbank Niederösterreich AG Manfred ELSHUBER Sachbearbeiter in der Abteilung Betriebsorganisation Volksbank Salzburg eG Hermine FISCHER Sachbearbeiterin Professional Volksbank Niederösterreich AG Gerhard HANZLIK Privatkundenbetreuer Volksbank Niederösterreich AG Richard HOLZER Privatkundenbetreuer Senior Volksbank Niederösterreich AG

Dr. Erich ABPURG Aufsichtsratsvorsitzender VB Enns-St. Valentin Beteiligung e.G.

Adelheid HÖRNDLINGER Sachbearbeiterin in der Abteilung Betriebsorganisation Volksbank Salzburg eG

Altbürgermeister Kommerzialrat Johann GRUNDNER Aufsichtsratsvorsitzender-Stellvertreter VB Baden Beteiligung e.Gen.

Hubert KESCHER Regionaldirektor Volksbank Kärnten eG


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Annemarie MAYRHOFER Privatkundenbetreuerin Senior Volksbank Niederösterreich AG

Gerhard STARZINGER Kundenberater in der Filiale Vöcklamarkt Volksbank Salzburg eG

Direktor Johann MILLINGER Filialleiter und Kommerzkundenbetreuer in der Filiale Zell am See Volksbank Salzburg eG

Peter TASCHNER Privatkundenbetreuer Senior Volksbank Niederösterreich AG

Hans-Peter MÖSENLECHNER Filialleiter und Kommerzkundenberater in der Filiale Eugendorf Volksbank Salzburg eG Johann NIEDERSEER Kundenberater in der Filiale SaalbachHinterglemm Volksbank Salzburg eG Leo ÖMER Mitarbeiter Geschäftsanteilsverwahrung Volksbank Niederösterreich AG Direktor Herbert PERNKOPF ehem. Geschäftsleiter der Volksbank Bad Goisern eingetragene Genossenschaft Alois REITNER Leiter Kreditrisikomanagement Volksbank Niederösterreich AG Elisabeth SCHACHERMAYER Privatkundenbetreuerin Senior Volksbank Niederösterreich AG Kurt SCHNEGG Kundenberater und Filialleiter-Stellvertreter in der Filiale Hallein Volksbank Salzburg eG Prokurist Andreas SCHUSTER Regionaldirektor, Kommerzkundenbetreuer Senior Volksbank Niederösterreich AG

Monika ZEIDLHOFER Kundenbetreuerin Senior Volksbank Niederösterreich AG Ehrenmedaille in Gold Werner BRÄNDLE Lagerist Tischler Rohstoff e.Gen. Manuela DONAUER Sachbearbeiterin in der Internen Revision Volksbank Salzburg eG Monika RINGL Kundenberaterin in der Filiale St. Johann Volksbank Salzburg eG Gabriele WIMMER Sachbearbeiterin in der Abteilung Sanierung und Betreibung Volksbank Salzburg eG

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BUCHTIPPS

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Buchtipps Stefan Köck (Hrsg.) Der Homeoffice-Kommentar Manz 322 Seiten € 68,– Im Frühjahr 2021 wurde ein umfassendes Homeoffice-Paket beschlossen. Der vorliegende Kommentar richtet sich an alle, die mit Homeoffice-Arbeit zu tun haben. Er thematisiert die Vertragsverfassung, die Arbeitsleistung selbst, die Organisation, die Überwachung und die Abrechnung. Primär wird das Arbeitsrecht behandelt, es werden aber auch die steuerlichen Begleitregeln kommentiert. Inhalt des Kurzkommentars sind die Neuerungen im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG), Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG), Dienstnehmerhaftpflichtgesetz (DHG), Arbeitsinspektionsgesetz 1993 (ArbIG), im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG), im Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (B-KUVG) sowie im Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988). Das Werk stellt das Homeoffice-Paket somit umfassend dar. Es werden die arbeits- und sozialrechtlichen Neuerungen erläutert, kommentiert und mit weiterführenden Überlegungen versehen. Zahlreiche Querverbindungen zwischen den Neuregelungen führen zu einem besseren Verständnis der Materie. Daneben werden auch die zentralen Fragen aus dem Steuerrecht für die betriebliche Praxis miteinbezogen. Inhalt des Kommentars sind zudem in eigenen Kapiteln Fragen des Arbeitszeitrechts, des Arbeitnehmerschutzrechts und des Datenschutzrechts. Der umfangreichen Kommentierung gehen jeweils der Gesetzestext und die Materialien voran. Johanna Thalhammer


ABO-BESTELLUNG

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NEUES VON GESTERN

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Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal. Verbandsanwalt Otto Neudörfer resümierte am 45. Allgemeinen Vereinstag in Linz die Veränderungen der Rahmenbedingungen in den Jahren 1920 und 1921, wie die Verbandszeitschrift berichtete. Eine Novelle zum Genossenschaftsgesetz ermöglichte die Delegiertenversammlung sowie die Ausgabe von haftungslosen Genossenschaftsanteilen. Und während eine Reform des Personalsteuergesetzes keine substanziellen Änderungen für Genossenschaften brachte, erschwerten die immer stärker ausufernden Gebührenvorschriften die tägliche Arbeit, beklagte der Verbandsanwalt.

Luigi Luzzatti, der Vater der italienischen Volksbanken

Aber noch ein weiteres Problem trieb Neudörfer um: Die „unerhörte Geldentwertung“ führe zu einer beispiellosen Überbewertung von Realwerten, monierte er und führte aus, dass dadurch ein ungeahnter Kapitalbedarf in der Wirtschaft entstehe. Insbesondere die Banken seien davon betroffen, da sie zur Stärkung ihrer Eigenkapitalquote frisches Kapital benötigten. Auf dem Gebiet des Konsumvereinswesens herrschte indes rege Aktivität: Zahlreiche neue Konsumvereine wurden gegründet, etablierte Vereine fusionierten zu größeren Einheiten und versuchten auf diese Weise, noch kompetitiver am Markt aufzutreten, erklärte der Verbandsanwalt. Zudem gab es aus dem Konsumvereinswesen heraus Überlegungen, eine eigene Arbeiterbank – die spätere BAWAG – zu gründen.

Die Genossenschaften in all ihren auf dem Grundprinzip von Selbsthilfe und Selbstverwaltung beruhenden Aktivitäten zu unterstützen und auf politischer Ebene zu vertreten, sei die Aufgabe des Verbandes, wurde Neudörfer nicht müde zu betonen. Um diese Rolle ausfüllen zu können, forderte er Treue zum Verband, dessen finanzielle Unterstützung und geschlossene Reihen in Zeiten des noch immer andauernden Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg. Insbesondere warb er für die Belebung der Kreislaufwirtschaft innerhalb des Genossenschaftswesens zur intrinsischen Stärkung des Sektors. Aus Italien wurde über den 80. Geburtstag von Luigi Luzzatti, des italienischen Genossenschaftspioniers, berichtet. Man erinnerte an die guten Beziehungen zwischen Schulze-Delitzsch und dem Gründer der italienischen Volksbanken, der diese nach dem Vorbild des deutschen Gründervaters formte und dabei auch die wirtschaftliche Besserstellung des Arbeiterstandes stets vor Augen hatte. In einem historischen Rückblick wurde der Bogen vom untergehenden Kaiserreich bis zur Gründung der Ersten Republik gespannt. Die epochalen Umbrüche und Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, die Hyperinflation und der Zerfall der Doppelmonarchie fanden Eingang in die Berichterstattung des Allgemeinen Verbandes. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des ÖGV ändern wir ab der nächsten Ausgabe auch diese Rubrik: Unter dem Titel „Damals vor 150 Jahren“ blicken wir dann auf die Ereignisse rund um die Gründung des Verbandes im Jahr 1872 zurück. Markus Rothenbach


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