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4/2020 Herausgeber: ÖGV Einzelpreis EUR 10,– Jahresabo EUR 36,–

Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft

ERFOLGSGESCHICHTEN Von Nachhaltigkeit bis Regionalität: Womit die Volksbanken in Zukunft punkten wollen Seite 10

MUT ZUR KOOPERATION Warum der Linzer Business Angel Philipp Kaufmann jetzt voll auf die Genossenschaft setzt

HILFE IN DER KRISE Welche Steuervorteile man sich in der Corona-Zeit nicht entgehen lassen sollte

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EDITORIAL

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Nachhaltig wirtschaften Es gibt auch eine Zeit nach Corona, und nicht erst seit dieser Krise wissen wir: Nur wer nachhaltig wirtschaftet, ist auch langfristig erfolgreich. Daher steht das kommende Jahr im ÖGV ganz im Zeichen der genossenschaftlichen Nachhaltigkeit. Der Startschuss fällt schon in diesem Heft. „Genossenschaften sind nachhaltig im ursprünglichen Wortsinn, weil sie langfristig denken und wirtschaften, einen regionalen Förderauftrag erfüllen und nicht vom kurzfristigen Shareholder Value getrieben werden“, hat ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner bei der Managementkonferenz der Volksbanken den Kurs vorgegeben. Eine ausführliche Zusammenfassung dieses Events mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Regionalität lesen Sie im Ressort „Praxiskraft“. Nachhaltiges Wirtschaften ist auch die Triebfeder für den Business Angel Philipp Kaufmann, der eines seiner Erfolgsprojekte, das Fitness-Franchise MANDU, heuer in eine Genossenschaft umgewandelt hat. Er erhofft sich durch diesen Schritt einen starken „Wir-Effekt“ und langfristiges Wachstum für das Unternehmen, verrät er im Gespräch mit „cooperativ“. Kooperatives Wirtschaften ist ebenso gefragt, wenn es um das Ziel der Bundesregierung geht, Österreichs Strom zur Gänze aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Wenn im kommenden Jahr die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür entstehen, ist der ÖGV mit einem eigenen Angebot für

genossenschaftliche Energiegemeinschaften mit am Start. Denn nur gemeinsam kann dieser nationale Kraftakt gelingen. Mehr über diese Zukunftsinitiative lesen Sie dann im nächsten Heft. Es bleibt also gar nicht viel Zeit, auf das zu Ende gehende Jahr zurückzublicken. Stattdessen richten wir lieber den Blick nach vorn und arbeiten weiter mit mutigen Initiativen für den gemeinsamen Erfolg.

Günther Griessmair Chefredakteur

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INHALT

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PRAXISKRAFT 06

Fit für die Zukunft Warum der Linzer Unternehmer Philipp Kaufmann sein FitnessFranchise MANDU zur Genossenschaft macht

10 Mutmacher Viele kleine und große Erfolgs geschichten bei der zweiten Managementkonferenz der Volksbanken 14 Aktionstag „Nächster Halt: Genossenschaft“, hieß es im Herbst vor dem Grazer Hauptbahnhof 16 Post-Corona-Management Wie Genossenschaftsbanken ihr Geschäft mit den Firmenkunden jetzt richtig aufstellen 22

Verantwortung übernehmen „Grünes Licht für die Wirtschaft – zukunftsfähig mit Klimaschutz“, war das Motto beim 15. CSR-Tag

WISSEN 24 Corona-Studie, die Zweite Das österreichische Genossen schaftswesen in Zeiten der Krise: Diesmal sind die Mitglieder am Wort 30

Große Befragung Die TeamBank ging der Frage nach, wie digital und nachhaltig Österreich wirklich tickt

32 Firmenkultur Warum Unternehmer jetzt mehr denn je auf interne Querdenker und Rebellen setzen sollten 36 Schwerpunktheft Die neuste Ausgabe der ZfgG widmet sich dem Thema „Digitalisierung und Genossen schaften“

TIPPS & SERVICE 40

Hilfe vom Fiskus Diese Steuervorteile sollten sich Unternehmen in der Corona-Zeit nicht entgehen lassen


INHALT

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53 FREIZEIT 44 Shopping-Falle Warum Konsumenten beim Einkauf im Internet oft mehr von sich preisgeben, als ihnen lieb ist 48 Die große Transformation Frische Erkenntnisse und Denk anstöße aus der Vordenkerei der Gründerszene

INSIDER

65 FIX IM BLICK

53 Volksbanken-Verbund Neue Imagekampagne mit den Skisprung-Stars am Start

70 Buchtipps

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Volksbank Akademie Abschluss mit Bestnote: Vorhang auf für die erfolgreichsten Absolventen des Jahres

38 Infografik Die wichtigsten Erkenntnisse aus der neuen Unternehmerstudie der Volksbanken

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Sport 2000 Die Gemeinschaft der Sportfachhändler zieht Corona-Bilanz und blickt nach vorn

73 cooperativ abonnieren

74 Neues von gestern

IMPRESSUM cooperativ – Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft 4/2020 148. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch, Löwelstraße 14, A-1010 Wien, Tel: +43 (0) 1 313 28-0, Fax: +43 (0) 1 313 28-450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch CHEFREDAKTEUR Günther Griessmair REDAKTION Daniela-Monica Essler, Hermann Fritzl, Peter Haubner, Hans Hofinger, Markus Rothenbach, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Peter Weiß ARTDIRECTOR Daniel Dobernig LAYOUT-DESIGN Reichl und Partner COVERFOTO Michael Siblik DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

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Philipp Kaufmann, Gründungsvorstand der MANDU-Genossenschaft

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Ein Business Angel wird Genossenschafter Der Linzer Unternehmer Philipp Kaufmann – die Kaufmann-Gruppe hat vor allem in der Immobilienbranche einen Namen – greift mit Leidenschaft frische Geschäftsideen auf und macht sie groß. Eines seiner Erfolgsprojekte, das trendige FitnessFranchise MANDU, wird nun zur Genossenschaft. Warum? Text: Günther Griessmair Fotos: MANDU/Ines Thomsen, Günther Griessmair

Mitglieder der MANDU-Familie, zu der auch ExÖFB-Teamkicker Christian Mayrleb (2. v. r.) gehört


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Vor acht Jahren bekam Philipp Kaufmann von seiner Frau einen Gutschein für ein Fitnessstudio namens MANDU geschenkt. Er löste ihn ein, war gleich beeindruckt von der Trainingsmethode, fand das Gesamtkonzept aber überhaupt nicht „cool und sexy“, wie er sagt. Also schrieb er eine lange Mail mit Verbesserungsvorschlägen an den Geschäftsführer, stieg daraufhin mit 30 Prozent beim Unternehmen ein und übernahm es schließlich über die familieneigene Beteiligungsgesellschaft KaBB gleich ganz. „Als Erstes haben wir eine Servicehotline eingerichtet, über die Kunden Montag bis Freitag von 7 bis 21 Uhr Termine buchen können – mittlerweile geht das auch per Handy-App. Dann haben wir der Inneneinrichtung der Stores ein einheitliches, unverwechselbares Design verpasst. MANDU bedeutet Personal Training in entspannter Atmosphäre, folglich darf es vor Ort nicht ausschauen wie in einem normalen Fitnessstudio“, erinnert sich der heute 46-Jährige an die Anfänge. FIT UND SCHLANK MIT WENIG ZEITAUFWAND Ein Weg, der sich als goldrichtig erwies: Heute ist die Marke MANDU über ein Franchisemodell mit über 50 Stores vor allem in Österreich, aber auch in Deutschland und Frankreich vertreten sowie auf Expansionskurs in den USA. Das Training basiert

Schnell und individuell: Das MANDU-Prinzip trifft genau den Zeitgeist

auf Elektro-Muskel-Stimulation (EMS). Bei dieser speziellen Methode werden einzelne Muskelfasern gezielt durch elektrische Impulse angesteuert und unter Spannung gesetzt. Der große Vorteil liegt in der Effizienz: Das gesamte Fitnessprogramm benötigt nur eine 15-Minuten-Einheit pro Woche. Abnehmen und Muskeln aufbauen bleibt damit zwar anstrengend wie eh und je – die Einheiten sind intensiver, als man denkt –, passt aber selbst in noch so volle Terminkalender und trifft damit perfekt den Zeitgeist. Trainiert wird nach individuellem Programm und mit persönlichem Coach, wobei sich maximal zwei Kunden gleichzeitig unter Profianleitung im Studio aufhalten, was das Training deutlich von anderen Fitnessstudios abhebt. UNTERNEHMERTUM MIT LANGFRISTIGER PERSPEKTIVE Warum also dieses Erfolgsmodell nun ohne Not aus der Hand geben und an die Franchisenehmer übertragen? Dazu muss Firmengründer Kaufmann etwas ausholen: „Mein Antrieb als Unternehmer ist, mit Menschen neue Ideen zu verwirklichen, die nicht nur auf das schnelle Geld abzielen, sondern auch nachhaltig sind und Wirkung entfalten. Visionen ohne Umsetzung sind nur geträumt. Das Unternehmer-Gen habe ich von meiner Oma geerbt.“ Gemeinsam mit seiner Mutter führt er die Unternehmensgruppe der Eltern und Großeltern weiter. Kaufmann, der sich selbst gern als Immobiliennomade zwischen Theorie und Praxis bezeichnet, ist aber auch in der Forschung tätig – er gründete gemeinsam mit Professor Gunther Maier das Forschungsinstitut für Immobilienwirtschaft an der WU Wien – und als umtriebiger Business Angel. Allein während unseres Gesprächs im Büro der Kaufmann-Gruppe in Linz zeigte er neben MANDU noch drei weitere pfiffige Geschäftsideen: den Prototypen eines Weißen Spritzers in der Dose, der nun in den USA vermarktet wird, den „Slim Cube“, einen Würfel, der dem Körper kalorienschonend alle benötigten Nährstoffe zuführen soll, und ein nachhaltiges Kaffeehauskonzept namens „Beenie.all day“, das er diesen


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Sommer in Linz-Urfahr in die Praxis umgesetzt hat. DIE RICHTIGE RECHTSFORM ZUR RICHTIGEN ZEIT Innovativ ist für Kaufmann auch das Konzept der Genossenschaft, mit dem er von Kindesbeinen an bestens vertraut ist: „Mein Vater hat mich früher an Wochenenden zu Generalversammlungen mitgenommen. Schon damals hat mich fasziniert, dass die Mitglieder zwar heftig über Ideen und Ausrichtungen streiten, aber danach wieder zusammen auf ein Bier gehen. Im Rahmen meiner Matura habe ich dann eine Fachbereichsarbeit zum Thema Genossenschaften und KMUs geschrieben.“ Bei MANDU sieht er jetzt den perfekten Zeitpunkt für diese Rechtsform gekommen: „Nur so kann das Unternehmen weiterhin wachsen und größer werden. Ich erhoffe mir vor allem einen Wir-Effekt, dass sich die Franchisenehmer als Familie begreifen, die Kräfte bündeln und gemeinsam stärker sind. In der GmbH-Struktur blieb immer der bittere Beigeschmack, dass der Franchisegeber letztlich Entscheidungen aufoktroyiert.“ Das soll sich jetzt grundlegend ändern: „Die Entscheidungsfindung erfolgt künftig gemeinsam mit allen Genossenschaftsmitgliedern, die Kosten werden für alle gesenkt, und über die Verwendung der Gewinne entscheiden die Mitglieder gemeinsam“, so Kaufmann. WIE EIN KIND, DAS ERWACHSEN WIRD Ob für den bisherigen Alleineigentümer mit diesem Schritt nicht auch ein Verlust an Kontrolle und letztlich an Einnahmen einhergeht? Das will Kaufmann gar nicht erst abstreiten: „Ja, wir verzichten hier und jetzt bewusst auf Umsatzpotenzial. Aber kurzfristiges Optimieren nur mit Blick auf die eigene Geldbörse kann nicht unser Antrieb sein. Die langfristige Perspektive ist viel wichtiger: Wenn die Vision funktionieren und es irgendwann 500 MANDU-Stores in Europa geben soll, dann ist die Genossenschaft die einzig richtige Lösung. Denn nur sie stellt auf lange Sicht den Zusammenhalt der MANDU-Familie sicher.“ Es sei wie bei einem Kind, vergleicht Kaufmann, der selbst

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Vater ist: „Irgendwann muss man loslassen, damit es sich entwickeln und größer werden kann.“ Dieses Loslassen soll sich auch durch einen Wechsel an der Spitze von MANDU manifestieren: Der Gründungsvorstand möchte bald zugunsten anderer Mitglieder Platz machen. Alle Entscheidungen fallen in der neuen Genossenschaft demokratisch per Kopfstimmrecht. Mit dem neuen Modell blickt Kaufmann optimistisch in die Zukunft: „Egal, wie stark die Digitalisierung voranschreitet, Personal Coaching als Dienstleistung wird immer gefragt bleiben. Mit unserem Konzept samt persönlicher Betreuung und ständiger Weiterbildung sind wir hier bestens aufgestellt. Die Trainer und ihr Spirit sind letztlich unser Unterscheidungskriterium am Markt. Daher war es uns auch wichtig, sie zu Teilhabern und Miteigentümern zu machen.“ g

Statement Der Fitness-Franchisegeber MANDU ist das jüngste Paradebeispiel, aber auch viele andere kluge Unternehmer und Start-ups setzen trotz oder gerade wegen der Krise verstärkt auf kooperatives Wirtschaften. Seit dem Start unserer Initiative „Zukunftskraft Genossenschaft“ im April des Vorjahres konnten wir 15 Neugründungen aus den verschiedensten Bereichen – so viele wie noch nie – erfolgreich begleiten, weitere sind bereits in Vorbereitung. Das klare Bekenntnis zum genossenschaftlichen Wirtschaften, das wir heuer im Arbeitsprogramm der Bundesregierung verankern konnten, gibt uns auch für die Zukunft viel Auftrieb. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam erfolgreich sein!

Peter Haubner Vorstandsvorsitzender und Verbandsanwalt des ÖGV

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Ein Höhepunkt der Managementkonferenz: Zehn Mitarbeiter erzählen ihre ganz persönlichen Erfolgsgeschichten


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Ein Mutmacher in vier Akten Völlig anders als ursprünglich geplant ist die zweite Managementkonferenz der Volksbanken heuer abgelaufen: Statt eines großen Events in Salzburg gab es eine Online-Veranstaltungsreihe, die Themen von Corona bis Genossenschaft und Regionalität behandelte, aber vor allem auch die Mitarbeiter mit ihren ganz persönlichen Erfolgsgeschichten vor den Vorhang holte. Text: Günther Griessmair Fotos: Volksbanken

Rund 150 Führungskräfte aus dem Volksbanken-Verbund waren eingeladen, die Übertragungen aus dem virtuellen TV-Studio in Wien mitzuverfolgen, wo Moderatorin Daniela Philipp die Gäste zum Teil live vor Ort, zum Teil zugeschaltet begrüßte. Das Publikum konnte jederzeit Fragen an die Referenten posten. Die Teile eins bis drei gingen im September, Oktober und November über die Bühne. Im Jänner folgt noch der Abschluss mit dem Thema „Hausbank der Unternehmer“. Ein Überblick, was bisher geschah. TEIL 1: DIE WIRTSCHAFT, DIE VOLKSBANKEN UND CORONA Eingeleitet von einem Ausblick auf Wirtschaft und Kapitalmarkt mit Frank Engels – der Leiter des Portfoliomanagements bei Union Investment war aus Frankfurt zugeschaltet – berichtete Generaldirektor Gerald Fleischmann über die Auswirkungen der Krise auf den Verbund. „Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Volks-

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Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann im Gespräch mit Moderatorin Daniela Philipp

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banken und ihrer Vertrauensbasis zu den Kunden ist es zu verdanken, dass wir bisher stabil durch diese schwere Zeit gekommen sind“, so Fleischmann. Er verwies auf die hohe Kundenzufriedenheit und die im Vergleich mit anderen Banken sehr geringe Zahl an Beschwerden während der Krise – österreichweit waren es bei 1,1 Millionen Kunden bisher gerade einmal 90. Es sei jetzt wichtiger denn je, die Kunden, insbesondere die Unternehmer mit ihren Geschäftsmodellen, zu verstehen und richtig zu beraten. Das gelinge in vielen Fällen immer noch am besten im direkten Kontakt mit dem Berater. Wie wichtig ein persönlicher Ansprechpartner und regionale Nähe in unsicheren Zeiten sind, unterstrich im Anschluss auch Sonia Fischer-King von Simon-Kucher & Partners. „Für 60 Prozent der Kunden ist und bleibt die Filiale gerade jetzt der wichtigste Kontaktkanal“, zitierte sie aus einer aktuellen Studie. Gleichzeitig sieht sie auch in der Krise noch zusätzliches Potenzial für Regionalbanken: „24 Prozent der Befragten geben an, sich aktuell für Finanzprodukte zu interessieren, aber noch nicht angesprochen worden zu sein.“ TEIL 2: DIE ERFOLGSGESCHICHTEN DER MITARBEITER Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verbund standen im Fokus des zweiten Teils der Managementkonferenz. Ausgehend von einer Befragung aus 2019, bei der sich zeigte, dass Kunden die Performance der Volksbanken mitunter deutlich besser einschätzen als in der internen Beurteilung, sollte ein klares Zeichen in Richtung Optimismus und Selbstbewusstsein gesetzt werden. Rund 270 Mitarbeiter aus allen Verbundbanken erzählten dazu ihre ganz persönlichen Erfolgsgeschichten, zehn davon wurden auch verfilmt. Die geschilderten Erfahrungen reichen von erfolgreichem Teamwork über zufriedene Kunden bis zu gelungenen Reformen. „Ziel war es, die Stärken und das Positive herauszuarbeiten“, erklärte Studienleiterin Sophie Karmasin. Stellvertretend für alle Mitarbeiter im Verbund erzählten ihre Erfolgsgeschichten:

Julia Walter (Kundenberaterin, Volksbank Wien), Vera Dworschak (Marketing, Ärzteund Apothekerbank), Harald Kothbauer (Regionaldirektor, Volksbank Oberösterreich), Philipp Glanz (Teamleiter Kundenservice, Volksbank Wien), Stefanie Wöller (Gremialbetreuung, Volksbank Salzburg), Georg Rössler (Kommerzkundenbetreuer, Volksbank Kärnten), Claudia Hinterleitner (Kommunikation, Volksbank Steiermark), Sandra Zeiner (Vertriebsmanagement, Volksbank Niederösterreich), Angelika Wegscheider (Personal, Volksbank Tirol) und Petra Stieger (Leiterin Private Banking, Volksbank Vorarlberg). Im Anschluss an die Präsentation der Videos verriet Generaldirektor Fleischmann live im Studio seine Erfolgsgeschichte: „Ich bin stolz auf den gemeinsamen Weg der letzten fünf Jahre, die fast 50 erfolgreichen Fusionen und das neue Zusammenarbeitsmodell im Verbund.“ Dass Begeisterung die Voraussetzung für alle Erfolge ist, führte der deutsche Persönlichkeits- und Managementtrainer Jörg Löhr – ein ehemaliger Spitzenhandballer – in seinem Referat aus. Den Abschluss des Online-Events bildeten Video-Eindrücke von einer gemeinsamen Gipfelwanderung der Vorstände von Volksbanken und ÖGV, bei der auch die Skispringerin Eva Pinkelnig dabei war. TEIL 3: NACHHALTIG REGIONALE GENOSSENSCHAFTEN Im dritten Teil standen die Genossenschaft und ihre Stärken – vor allem die Regionalität und die Nachhaltigkeit – im Mittelpunkt. ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner führte anhand zahlreicher Beispiele aus, was wirtschaftliche Kooperation in der Rechtsform der Genossenschaft alles leisten kann und warum es derzeit einen Gründerboom gibt. Auch Genossenschaftsbanken würden einen starken Beitrag zu Regionalität und Nachhaltigkeit leisten, so Haubner: „Die Verankerung in der Region ist ganz entscheidend. Nur wer nah am Kunden, nah am Unternehmer ist, kann ihn und sein Geschäftsmodell auch verstehen.“ Das bestätigte auch Johannes Jelenik, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kärnten, der per Video zugeschaltet war. Über die Genossenschaft als Nachhaltigkeitsdrehscheibe sprach Dietmar Rößl,


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Leiter des Forschungsinstituts für Kooperationen und Genossenschaften an der WU Wien. Insbesondere für die Genossenschaftsbank der Zukunft sieht er eine wichtige Rolle als Netzwerkknoten für die Menschen in der Region und ihre Anliegen. Sie werde damit auch zum Vernetzer und Ermöglicher. Die aktuellen und geplanten Aktivitäten der Volksbanken im Zukunftsfeld Nachhaltigkeit präsentierte Monika Bäumel, Nachhaltigkeitsexpertin der Volksbank Wien: „Es geht um regionales Wirtschaften auf Basis genossenschaftlicher Werte, um Verantwortung für das langfristige Wohlergehen der Kunden und Mitarbeiter.“ Ein Vorreiter im Verbund ist hier die Volksbank Vorarlberg mit ihrem nachhaltigen Investmentansatz. „Jeder Anleger kann mit seinem Investitionsverhalten die Welt ein kleines Stück besser machen“, so Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel über die Philosophie dahinter. Gute Argumente, warum es jetzt wichtig ist, Geld in nachhaltige Aktivitäten zu lenken, lieferte zum Abschluss der Konferenz ORF-„Wetterfrosch“ Marcus Wadsak. Die Folgen des Klimawandels seien jetzt schon massiv spürbar, etwa durch Trockenheit, Waldbrände, den Anstieg des Meeresspiegels oder die Häufung von Wetterextremen wie Hochwasser, führte er aus. Er schloss mit einem Appell: „Die Erderwärmung ist längst eine erwiesene Tatsache. Jetzt gilt es, vom Wissen zum Handeln zu kommen!“ g

ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner über die Kraft der Genossenschaft

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Umfrage Was Volksbank-Kunden wichtig ist Die Volksbanken haben heuer mehr als 2.000 langjährige Kundinnen und Kunden nach den entscheidenden Faktoren bei deren Bankgeschäften gefragt. Dabei zeigte sich besonders die zentrale Bedeutung des Vertrauens: Für nicht weniger als 99,3 Prozent ist dieses wichtig, sehr wichtig oder sogar entscheidend. Im Detail definieren die Kunden Vertrauen mit Faktoren wie Zuverlässigkeit, Partnerschaft, persönlicher Beratung und Diskretion. Beim sehr wichtigen Faktor Zuverlässigkeit sagen nicht weniger als 97 Prozent der Kunden, dass sie die Volksbanken als zuverlässig erleben. Fast ebenso stark ausgeprägt sind die Bedeutung und die Wahrnehmung beim Faktor persönliche Beratung: Rund 90 Prozent der Kunden nehmen die Volksbanken als Beraterbanken wahr, und für 95 Prozent ist die persönliche Beziehung zu einem Berater wichtig. Auch bei der Frage, welche Kriterien generell für die Wahl einer Bankverbindung entscheidend sind, nennen rund 80 Prozent der Befragten die Punkte Vertrauen, Nähe und persönlichen Kontakt. Eine interessante Nebenerkenntnis der Umfrage aufgrund der Tatsache, dass rund die Hälfte der Kunden vor dem Corona-Lockdown im Frühling befragt wurde und die andere Hälfte danach: Die Werte haben sich in dieser Zeit kaum verändert.

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Nächster Halt:

Genossenschaft

Text: Günther Griessmair Fotos: Sascha Pseiner

ÖGV-Vorstand Franz Groß im Gespräch mit den Initiatoren der „City of Collaboration“

Die Genossenschaftsidee ins Rampenlicht zur rücken, ist dem ÖGV ein wichtiges Anliegen. Der Aktionstag „Genossenschaften für alle“ am Grazer Hauptbahnhof bot dazu eine perfekte Gelegenheit. „City of Collaboration“ heißt eines der zahlreichen Projekte im Rahmen des Grazer Kulturjahrs 2020. Dabei sollen Genossenschaften und kooperatives Wirtschaften in der Region einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der ÖGV unterstützt diese Initiative des Zentrums für nachhaltige Gesellschaftstransformation der Uni Graz und des Vereins Transition als Sponsor und Partner. Der Startschuss fiel am 11. September beim Aktionstag „Genossenschaften für alle“, der Corona-bedingt unter freiem Himmel vor dem Grazer Hauptbahnhof stattfand. Dabei präsentierten sich nicht nur der ÖGV – Vorstand Franz Groß war vor Ort dabei – und die anderen Verbände, sondern auch zahlreiche Genossenschaften mit ihren Geschäftsmodellen.


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„Gemeinsam erfolgreich“ lautet das Motto des Eigentümerclubs der Volksbank Steiermark

Aus dem Kreis der ÖGV-Mitglieder waren etwa die Volksbank Steiermark mit dem regionalen Eigentümerclub, die neu gegründete Wohnprojektegenossenschaft WoGen, die Grazer Taxifahrergenossenschaft 2801, Smart Austria, die Bodenkalk, die Malag sowie das Powerteam vertreten. Auch für die Getränke sorgte eine regionale Genossenschaft – die Brauerei Murau lieferte die „Murelli“-Limonaden. Beim Aktionstag fiel zugleich der Startschuss für die Wanderausstellung „Wirtschaft für den Menschen“, bei welcher der ÖGV den Genossenschaftspionier Hermann Schulze-Delitzsch und die von ihm initiierten Genossenschaften eingebracht hat. Die Schau wird noch an mehreren Orten in Graz gezeigt, kann aber auch im Internet unter cityofcollaboration. org/2020/08/30/ausstellung-wirtschaftfuer-den-menschen jederzeit virtuell besichtigt werden. Weitere Schwerpunkte des Projekts „City of Collaboration“ in Graz sind Schülergenossenschaften und die Schaffung eines regionalen Gründungszentrums für genossenschaftliche Start-ups. g

Infos zu genossenschaftlichen Wohnprojekten am Stand der WoGen


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Firmenkundengeschäft der Banken:

Gezieltes Post-CoronaManagement DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Als Partner des Mittelstands müssen gerade Genossenschaftsbanken ihre Firmenkunden unterstützen, damit sie in der PostCorona-Zeit wieder rasch durchstarten können.

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Neben der Unterstützung beim Liquiditätsmanagement sollten in einem umfassenden Restart-Unternehmerdialog auch die Chancen und Risiken des Unternehmens erörtert werden.

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Den in der Krise erlebten Digitalisierungsschub gilt es zu nutzen, um im Firmenkundengeschäft neue Formen der Beratung sowie digitale Angebote zu etablieren.

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Zudem ist eine Adaptierung des Kreditrisikomanagements erforderlich – mit Professionalisierung der Früherkennung, Risikosteuerung im Kreditportfolio sowie Verstärkung des Problemkreditmanagements.


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Corona stellt die Wirtschaft vor gewaltige Herausforderungen. Für die erfolgreiche Krisenbewältigung und für die Zeit danach braucht es neue Strategien. Auch für Genossenschaftsbanken gilt es, durch ein gezieltes Post-Corona-Management das Firmenkundengeschäft an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Text: Anton Schmoll Foto: iStockphoto.com

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Die Bewältigung der Krise erfordert von Banken neue Geschäftsmodelle, die sich insbesondere am Spannungsfeld Ertrags-/ Risikoziele orientieren und Antworten auf folgende Fragen liefern: Wie soll die strategische Neupositionierung des Firmenkundengeschäfts aussehen? Durch welche Maßnahmen können die Erträge in diesem Feld nachhaltig gesichert werden? Das Post-Corona-Management muss dabei zwei Stoßrichtungen verfolgen: die Adaptierung des Vertriebsmanagements sowie die Anpassung des Kreditrisikomanagements. Die damit verbundenen Handlungsfelder sind in der Abbildung auf dieser Seite ersichtlich. Wichtig ist zu erkennen, dass die einzelnen Bereiche nicht isoliert nebeneinanderstehen. Erst deren logische Vernetzung führt zum Erfolg. DIE POST-CORONA-MARKTSTRATEGIE

Die Handlungsfelder des Post-Corona-Managements

In einer angespannten Wirtschaftslage brauchen Unternehmer ein Kreditinstitut, auf das sie sich verlassen können. So wie sich Ärzte um die Gesundheit der Menschen kümmern, müssen Genossenschaftsbanken ihren Beitrag für ein gesundes Geldleben sowie für die Gesundheit der Wirtschaft leisten. Gerade in schwierigen Zeiten wird das Prinzip der Geschäftspartnerschaft daher auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Mehr denn je sind jetzt spürbare Kundennähe und Relationship Banking gefragt. Im Firmenkundengeschäft findet sich ein breites Spektrum von Betrieben. Bei Regionalbanken gehören viele zum Segment der kleineren Gewerbetreibenden. Diese benötigen jetzt vielfältige Unterstützung, weil hier das betriebswirtschaftliche Know-how oftmals nicht so ausgeprägt ist. Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe sind nun besonders wichtig. Die zentrale Botschaft muss lauten: „Wir wollen bewusst Ihre Hausbank sein, die Sie in diesen schwierigen Zeiten noch intensiver als bisher begleitet.“ Konkret bedeutet dies: » Verlässlichkeit: eine für den Unter nehmer berechenbare Geschäftspolitik » Aktive Kommunikation: nichts schön reden, sondern offen und ehrlich informieren

» Zutrauen: Vertrauen in die Fähigkeit der Kundenbetreuer haben, der Aufgabe gewachsen zu sein Zu Beginn der Krise ging es vor allem darum, raschen Zugang zu den verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen wie Haftungen, Förderungen, Überbrückungsfinanzierungen oder Stundungen zu ermöglichen. Aber wie geht es weiter, wenn die Förderprogramme auslaufen bzw. wenn die Überbrückungskredite zurückbezahlt werden müssen? Fragen, die sich nicht nur Unternehmer, sondern auch Banken stellen. Daher müssen bereits jetzt Pläne für die Post-Corona-Zeit erarbeitet werden, wie die Liquidität des Mittelstands gesichert werden kann. Denn die Versorgung mit Kapital dürfte in vielen Fällen mitentscheidend sein, ob es zu einer Insolvenz kommt oder nicht. Diese Fragen des Liquiditätsmanagements (sowie möglicher Hilfestellungen durch die Bank) müssen in einem Unternehmerdialog ausführlich erörtert werden. DER RESTART-UNTERNEHMERDIALOG Betreuer müssen mit ihren Firmen- und Gewerbekunden intensive Gespräche führen, um den Restart wirkungsvoll zu unterstützen. Dabei gilt es, die gemeinsamen Zielsetzungen herauszustreichen. Zwischen dem Informationsbedürfnis des Unternehmers und jenem der Bank besteht ja eine grundsätzliche Übereinstimmung: Beide benötigen fundierte Grundlagen, um die zukünftige Entwicklung des Unternehmens abschätzen zu können. Unter diesem Aspekt sind die Ziele des Restart-Unternehmerdialogs: » ein möglichst umfassender, aktueller Überblick über die wirtschaftliche Si tuation des Unternehmens » Aufzeigen der Stärken und Schwächen des Unternehmens » Ermittlung der Felder, in denen die Bank Unterstützung bieten kann Angesichts der völlig veränderten Rahmenbedingungen darf das Unternehmergespräch keinesfalls bei der Analyse der Vergangenheit – etwa in Form der Bilanzbesprechung – stehen bleiben. Vielmehr gilt es, den Blick auf strategische und zukunftsgerichtete Fragen zu richten. Gemeinsam mit dem Unternehmer sollte man die konjunkturellen Probleme sowie die Absichten und Maßnahmen zur Bewältigung


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der aktuellen Situation erörtern. Beispiele für Themen, die dabei offen anzusprechen sind, finden sich im Kasten auf dieser Seite. STRESSTEST LIEFERT ANREGUNGEN In wirtschaftlich turbulenten Zeiten ist es doppelt wichtig, einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zu bekommen. Neben der Erfassung der aktuellen Lage gilt es, den Blick auf die strategischen Zukunftsfragen zu richten. So wie es in der Medizin einen Gesundheits-Check gibt, benötigt ein Unternehmen einen betriebswirtschaftlichen Fitness-Check. Um gesund zu bleiben, ist es notwendig vorzusorgen: Ein Unternehmen, das einen vernünftigen Businessplan hat und seine künftige Entwicklung abschätzen kann, wird auch in turbulenten Zeiten eher seine Marktposition halten können. Daher ist es gerade jetzt wichtig, das Unternehmen mit Hilfe erprobter Analyseinstrumente systematisch zu durchleuchten. Ein Beispiel dafür ist der „UnternehmensVital-Check“, den die Volksbank in der Ortenau einsetzt. Dabei handelt es sich um ein prägnantes Analysetool, um die Befindlichkeit des Unternehmers und seines Unternehmens zu prüfen. Mit zwölf Fragen aus den Bereichen Persönlichkeit, Strategie, Finanzen und Innovation/Produkt werden die wesentlichen Inhalte des Unternehmertums behandelt. Aufgrund der Antworten erhält der Unternehmer ein qualitatives Urteil über den Fitnessgrad seines Unternehmens sowie Handlungsempfehlungen für Verbesserungen. DEN DIGITALEN REIFEGRAD ERMITTELN Die Coronakrise hat neben den verursachten Problemen auch positive Seiten: Kreativität und Innovationen. Tatsächlich waren etliche Unternehmer aus der Not heraus gezwungen, ihr bisheriges Geschäftsmodell neu zu denken. Durch den Leidensdruck konnte ein größerer Fortschritt bei der Digitalisierung der mittelständischen Wirtschaft erreicht werden als je zuvor. Viele Unternehmen haben Neuland betreten und wichtige Schritte in die digitale Welt gewagt. Das Distanzgeschäft über den Online-Handel eröffnete auf einmal gänzlich

neue Chancen. Für die mittelständische Wirtschaft bedeutet dies: An der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei. Im Rahmen des Restart-Dialogs muss daher hinterfragt werden, wie das Unternehmen diesen Wandel meistert. Es gilt, den „digitalen Reifegrad“ systematisch zu erfassen. Dafür bieten sich Checklisten oder Tools an, die anhand von Fragensets zeigen, wie fit das Unternehmen auf diesem Gebiet ist. Beispielhaft sei hier der „VR-DigitalCheck“ der Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten angeführt. Dabei handelt es sich um ein webbasiertes Beratungstool, mit dem der aktuelle Status der digitalen Ausrichtung des Unternehmens bewertet werden kann. Vom Restart-Unternehmerdialog profitieren letztlich alle: » Dem Firmenkunden wird gleichsam ein Spiegel vorgehalten. In offener Form wird über Chancen und Gefährdungs potenziale diskutiert. Auf diese Weise erhält er wertvolle Inputs zur Opti mierung seines Geschäftsmodells. » Die Genossenschaftsbank stellt ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis und zeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Partner ist. Das schafft weitere Profilierungsmöglich keiten am Firmenkundenmarkt. » Dem Firmenkundenberater bietet der Dialog wiederum eine wertvolle Grund lage, um den aktuellen Bedarf des Unternehmers zu erkennen. Gleich zeitig erhält die Geschäftsbeziehung durch dieses vertrauensvolle Gespräch eine neue Qualität. DIE DIGITALE TRANSFORMATION VORANTREIBEN Corona hat auch einen Digitalisierungsschub in der Kundenbetreuung der Banken gebracht. Praktisch über Nacht wurden Prozesse und Beratung angepasst. Bedingt durch das Gebot des Social Distancing fanden Kundentermine überwiegend virtuell statt. Erstaunlich rasch haben sich Firmenkunden an die neuen Formen der Kommunikation angepasst und vermehrt auch digitale Angebote genutzt. Diesen Rückenwind gilt es nun zu nutzen, um die digitale Transformation im Firmenkundengeschäft weiter zu intensivieren. Im Kasten auf der nächsten Seite werden beispielhaft einige Stoßrichtungen skizziert.

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THEMEN FÜR DEN UNTERNEHMERDIALOG Betroffenheit des Unternehmens durch die Coronakrise » In welchem Ausmaß ist das Unternehmen durch die Krise beeinträchtigt? » Wie sehen die wirtschaftlichen Erwartungen für dieses Jahr aus? » Wie ist die gegenwärtige Auf tragslage? Überprüfung der Lieferkette » Ist mit Lieferantenausfällen zu rechnen? » Gibt es alternative Einkaufs quellen? » Kann man mehr regionale Lieferanten nutzen? Strategien für den Restart » Wie soll das zukünftige Geschäftsmodell aussehen? » Sind neue Investitionen geplant? » Welche alternativen Vertriebs wege eröffnen neue Chancen? Digitalisierungsstrategie » Inwieweit kann die Digitali sierung vorangetrieben werden – in der Produktion, im Vertrieb, in der Verwaltung? » Welche Trends zeichnen sich in der Branche ab? Kostenmanagement » Wo sind Kostensenkungen im Einkauf möglich? » Gibt es im Marketing Kosten einsparungen? » Wo können in der Verwaltung Kosten gesenkt werden? Mitarbeiter » Wird das Instrument der Kurz arbeit adäquat genutzt? » In welchen Bereichen ist Home office möglich? » Wurden flexible Arbeitszeit modelle angedacht?


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DIE RENAISSANCE DES RISIKOMANAGEMENTS Durch den konjunkturellen Einbruch wird es bei manchen Unternehmen zu unüberbrückbaren Liquiditätsengpässen und existenziellen Schwierigkeiten kommen. Dadurch wird die (zuletzt geringe) Zahl der Insolvenzen wieder spürbar ansteigen. Manche Berechnungen gehen sogar von einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr aus. Diese Entwicklung wird zu einem Anstieg der Risikokosten führen. Die Handhabung steigender Kreditrisiken wird daher zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Ein professionelles Kreditrisikomanagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil, um die Ertragskraft der Genossenschaftsbank in turbulenten Zeiten zu gewährleisten. Risikofrüherkennung und -steuerung müssen intensiviert werden. Dabei bezieht sich ein systematisches Kreditrisikomanagement einerseits auf die Handhabung der Einzelkreditengagements und andererseits auf die Steuerung des gesamten Kreditportfolios. Im Bereich den einzelkreditfallbezogenen Maßnahmen nimmt die Risikofrüherkennung einen zentralen Stellenwert ein. Es geht darum, Bonitätsverschlechterungen bzw. eine drohende Ausfallsgefahr möglichst rasch zu erkennen. Frühwarnindikatoren sollen den Firmenkundenberatern wie Warnlichter signalisieren, sich mit bestimmten Kreditengagements näher auseinanderzusetzen. Mit den vorherrschenden

Ratingmethoden stößt man rasch an die Grenzen. Sie basieren zum Großteil auf historischen Jahresabschlussdaten, in denen die Auswirkungen der Coronakrise nicht enthalten sind. Daher gilt es, IT-gestützte Frühwarnsysteme zu etablieren, die auf Indikatoren außerhalb der Bilanzen basieren. Hier kommt der systematischen Auswertung der Kontoinformationen ein hoher Stellenwert zu, da zwischen den Kontodaten und der wirtschaftlichen Entwicklung von Unternehmen ein enger Zusammenhang existiert. Neben den auf Einzelfälle abgestellten Instrumenten benötigt das Risikomanagement aussagekräftige Informationen, um die jeweils aktuelle Risikostruktur des Kreditportfolios zu analysieren. Ziel ist es, umfassende Transparenz zu erlangen. Dafür sind etwa Auswertungen des Ausleihungsbestandes nach Kundengruppen oder Größenklassen des Kreditobligos nötig. Unter dem Aspekt von Corona sind jetzt aber vor allem auch branchenspezifische Auswertungen erforderlich, weil die Krise die Branchen unterschiedlich hart trifft. Das Ziel ist klar: eine Optimierung des Kreditportfolios durch eine möglichst breite Streuung der Kredite zu erreichen. PROBLEMKREDITMANAGEMENT RECHTZEITIG VERSTÄRKEN Selbst erfolgreiche Unternehmen können aufgrund von Corona innerhalb kürzester Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten

BEISPIELE: DIGITALISIERUNG IM FIRMENKUNDENGESCHÄFT

zwischengeschaltet sind, stellt das BC ein ideales Bindeglied zwischen der di-

Kommunikation und Beratung: Das Firmenkundengeschäft wird auch in

banken bereits, beim kleinteiligen Geschäftskundensegment auf komplette

Zukunft überwiegend persönliches Banking bleiben. Aber die Nutzung der

Betreuung ausschließlich (d.h. fallabschließend) durch das BC umzustellen.

Kommunikationskanäle wird sich wesentlich verändern. Nicht für jeden Kun-

Für andere Kundensegmente (z.B. Firmenkunden, Unternehmenskunden) kann

dentermin ist persönliche Präsenz erforderlich. Kommunikation via Mail, Chat,

das BC als zentrale Anlaufstelle für Serviceleistungen fungieren.

gitalen und der persönlichen Welt dar. So überlegen einige Genossenschafts-

Videoberatung oder Videokonferenz bietet zeit- und kostensparende Möglichkeiten. Neben (örtlicher und zeitlicher) Flexibilität für die Kunden bringen diese

Digitale Angebote ausbauen: Gerade in der Zeit der Pandemie wurde deut-

Lösungen spürbare Effizienzsteigerungen für die Bank. Daher sollten sie auch

lich, wie wichtig es ist, dass bestimmte Produkte auch digital abgeschlossen

in Zukunft weiter genutzt werden.

werden können. Das beginnt schon damit, dass Firmenkunden Kontoeröffnungen digital beantragen können. Vor allem für die Neukundengewinnung ist dies

Vom Kundenservicecenter zum Businesscenter: Enorme Zuwachsraten

ein interessanter Türöffner. Im wirtschaftlichen Alltag gibt es immer wieder Si-

kann man seit der Krise im Bereich der telefonischen Beratung feststellen. Viele

tuationen, in denen der Unternehmer sehr rasch Entscheidungen treffen muss.

Banken haben in dieser Zeit das Personal im Kundenservicecenter (KSC) auf-

Wenn er etwa schnellen Ersatz für eine defekte Maschine benötigt, braucht er

gestockt. Das strategische Ziel könnte nun darin bestehen, das KSC zu einem

rasch eine entsprechende Liquiditätslösung. Da ist es wichtig, dass Banken ei-

echten „Businesscenter“ (BC) im Firmenkundengeschäft weiterzuentwickeln.

nen komplett online-abschlussfähigen Unternehmenskredit anbieten können,

Weil dabei in die Kommunikation zwischen Kunde und Bank noch Menschen

bei dem alle Schritte standardisiert sind.


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geraten. So mancher Kreditfall wird sich also zu einem gefährdeten Engagement entwickeln. Unter dem Aspekt der Risikominimierung wird daher eine intensive Beschäftigung mit Fragen des Problemkreditmanagements unumgänglich werden. Dabei sollte neben den unmittelbaren Zielen der Bank auch ihre Verantwortung für die Region beachtet werden. Lediglich Sicherheiten zu verwerten, bedeutet oft auch Wertvernichtung. Es gilt der Grundsatz „Sanieren vor liquidieren“. Denn es ist wie in der Medizin: Das Nichthandeln bei Schwierigkeiten ist unterlassene Hilfeleistung. Um eine professionelle Betreuung gefährdeter Engagements zu gewährleiten, muss rechtzeitig mit der Revitalisierung einer spezialisierten Sanierungseinheit begonnen werden, die in den vergangenen Jahren vermutlich nicht im Fokus stand. Denn wie ein schwerer Corona-Erkrankungsfall braucht auch der „kranke Kredit“ eine besondere Intensivbehandlung. Die Betreuung verlagert sich dann vom Kundenberater in die auf Sanierung spezialisierte Einheit. Hinsichtlich der personellen Ausstattung dieser Betreuungsgruppe hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, dass hier sowohl Betriebswirte als auch Juristen tätig sind. Anhand der Frühwarnindikatoren kann die Gefährdung eines Kreditengagements festgestellt werden, wobei Art und Häufung dieser Warnlichter darüber Auskunft geben, wie akut die Krise des Unternehmens ist. Da es sich bei Problemkreditengagements meist um komplexe und heikle Fälle handelt, ist zunächst eine nüchterne Diagnose erforderlich: » Wie hoch sind die gesamten aushaften den Verbindlichkeiten (der wirtschaft lichen Einheit samt verbundenen Unter nehmen)? » Wie aktuell sind die vorliegenden Unter lagen? » Welchen wirtschaftlichen Wert haben die vorhandenen Kreditsicherheiten? » Welche rechtliche Haltbarkeit weisen die Sicherheiten auf? Im Zuge der Beantwortung dieser Fragen lässt sich der Blankoanteil des Engagements darstellen. Er macht deutlich, mit welchem Ausfall man unter ungünstigsten Bedingungen rechnen muss. Die Maßnahmen sind von der jeweiligen Problemstellung des Einzelfalls abhängig. Eine in der Praxis nicht einfache Grundsatzentschei-

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dung besteht darin, ob bei einem Problemkredit eine Kreditsanierung (und Unternehmenssanierung) als realistisch erachtet wird oder nicht. In letzterem Fall wird man – wenn möglich – eine Sicherheitenverstärkung sowie das Ende der Kreditbeziehung anstreben. Besteht jedoch die Chance auf eine erfolgreiche Sanierung, gilt es, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Wenngleich eine Bank naturgemäß primär die Kreditsanierung verfolgt, ist dies meist untrennbar mit der Sanierung des Unternehmens verbunden. Dabei ist es zweckmäßig, einen Wirtschaftsprüfer oder eine Beratungsgesellschaft heranzuziehen. Die Aufgabe der bankinternen Sanierungsabteilung besteht dann darin, alle Schritte und Maßnahmen zu koordinieren. Zur Erleichterung der finanziellen Situation wird manchmal auch ein Entgegenkommen der Bank notwendig sein – etwa durch Laufzeitverlängerung, Raten- oder Zinsstundung, Zinsfreistellung oder teilweisen Kapitalverzicht. Durch die in dieser Phase enge Beziehung zum Unternehmensgeschehen können dem Kunden oft auch von Seiten der Bank Anregungen zu betrieblichen Rationalisierungsmaßnahmen gegeben werden, ohne jedoch – und das soll an dieser Stelle betont werden – in die Unternehmensführung einzugreifen. Die Erfahrung zeigt, dass bei jenen Betrieben, bei denen von Anfang an eine gewisse Mindestchance auf Sanierbarkeit bestand, durch eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten Wege zur finanziellen Gesundung gefunden werden konnten. FAZIT Die erfolgreiche Bewältigung der Coronakrise sowie die Zeit danach benötigen neuartige Strategien im Firmenkundengeschäft. Das Post-Corona-Management kann mit einem Steuermann auf stürmischer See verglichen werden: Das Firmenkundengeschäft in die richtige Richtung zu steuern, erfordert Geschick, Mut und Weitblick. Dabei gilt es, zwischen den Polen Volumen, Ertrag und Risiko die optimale Route zu finden. Die Bank, der das gelingt, wird auch in der Post-Corona-Zeit ein nachhaltig ertragreiches Firmenkundengeschäft haben. g

Anton Schmoll ist Bankentrainer, Lektor an der Fachhochschule für Bank- und Finanzwirtschaft sowie Fachbuchautor. E-Mail: anton.schmoll@aon.at

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Verantwortungsvoll und erfolgreich zugleich

Eröffnung des CSR-Tags mit respACT-Präsident Peter Giffinger (li.) und Geschäftsführerin Daniela Knieling (Mitte)

Text: Günther Griessmair Fotos: Severin Wurnig, respACT

Über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschen sich in zwölf Online-Sessions zu topaktuellen Themen wie Green Finance, Kreislaufwirtschaft, Public-PrivatePartnerships, Logistik, Klimakommunikation oder Energieeffizienz aus. Dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen, propagierten die Keynote-Speaker. Stargast des CSR-Tags war Ed Freeman, Professor an der Universität von Virginia, der 1984 mit einem bahnbrechenden Buch das Konzept des Stakeholder Value weltweit bekannt machte. Er blickte in seinem

„Grünes Licht für die Wirtschaft – zukunftsfähig mit Klimaschutz“: Unter diesem Titel hat am 21. und 22. Oktober der 15. Österreichische CSR-Tag im Online-Format stattgefunden. Als prominenter Keynote-Speaker war der „Erfinder“ der Stakeholder-Theorie dabei. Der ÖGV unterstützte die Veranstaltung erstmals als Medienpartner. Referat voller Optimismus in die Zukunft und beschwor die „Kraft des Und“. Nachhaltiges Wirtschaften sei demnach möglich, ohne schmerzhafte Kompromisse eingehen zu müssen. Freemans Zuversicht beruht auf seinem positiven Bild des Unternehmertums: Reine Gewinnmaximierer aus dem Lehrbuch seien in der Minderheit, der moderne Unternehmer brenne vielmehr für eine bestimmte Idee oder Innovation, wolle damit etwas Positives bewirken und verfolge neben der Gewinnerzielung auch eine Reihe anderer, auch gesellschaftlicher Ziele.


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PRAXISKRAFT

Keynote-Speaker Ed Freeman stellte sich nach seinem Referat den Fragen des Moderators und der Teilnehmer

KOOPERATION SCHAFFT WERTE Die Wirtschaft sieht Freeman als System mit komplexen Zusammenhängen, in dem Menschen auch kooperieren müssen, um gemeinsame Ziele zu erreichen und Werte zu schaffen. Mit menschlichem Erfindergeist ließen sich fast alle Probleme lösen – Ungleichheit, Klimakrise und bald auch die Corona-Pandemie. All das schließe finanziellen Erfolg nicht aus. Sein abschließender Rat an Unternehmer: „Handeln Sie so, dass Sie Ihren Kindern am Abend voller Stolz erzählen können, was Sie heute getan haben!“ Dass es den von Professor Freeman erwähnten Unternehmertyp auch in der Praxis gibt, bewies der zweite KeynoteSpeaker. Reinhard Schneider ist geschäftsführender Gesellschafter von Werner & Mertz – das Unternehmen stellt Reinigungs- und Pflegeprodukte etwa unter den Marken „Frosch“ oder „Erdal“ her. Er hat sich ganz dem nachhaltigen Wirtschaften verschrieben, insbesondere beim Recycling von Plastikverpackungen. Um die großen Umweltprobleme zu lösen, müsse man weg von einer Ankündigungsund hin zur Umsetzungs-PR kommen. Denn die Diskrepanz zwischen kommunizierten Zielen und tatsächlich erreichten Ergebnissen sei beim Thema Nachhaltigkeit enorm, was auch zu einer veritablen Vertrauenskrise in der Bevölkerung führe, kritisiert er. Es brauche aber breit getragenes Vertrauen in Lösungsansätze, die ausreichende Hebelwirkung hätten, in absehbarer Frist machbar seien und zugleich auch zumutbar für Verbraucher.

Anregungen, wie sich Unternehmen noch stärker für solche Maßnahmen zum Klimaschutz engagieren können, diskutierten zum Abschluss des CSR-Tags am Podium Michael Rast, Senior Advisor des Erdbeobachtungsprogramms der ESA, Jürgen Schneider, Sektionschef im Umweltministerium, und Elisabeth EngelbrechtsmüllerStrauß, CEO des international tätigen oberösterreichischen Unternehmens Fronius, unter der Moderation des Publizisten und Nachhaltigkeitsexperten Fred Luks. Der CSR-Tag 2020 wurde von respACT, Österreichs führender Unternehmenspattform für nachhaltiges Wirtschaften, veranstaltet. Mitglieder der Initiative sind unter anderem auch die Volksbank Wien oder die Genossenschaft der Vereinigten Eisfabriken. g

Podiumsdiskussion mit Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß (Fronius), Jürgen Schneider (Umweltministerium) und Moderator Fred Luks

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Genossenschaften & Corona:

Das sagen die Mitglieder In der letzten Ausgabe des „cooperativ“ haben wir über eine Expertenbefragung der Uni Wien zu Genossenschaften in Zeiten von Corona berichtet. Jetzt liegt auch der zweite Teil der Studie vor: Diesmal kommen die Mitglieder zu Wort. Text: Michaela Schaffhauser-Linzatti und Anselm Balk Fotos/Grafiken: iStockphoto.com, FOG

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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An der Studie zu Genossenschaften in Zeiten von Corona haben 784 Mitglieder aus allen Genossenschaftsbereichen teilgenommen, besonders stark vertreten war der Bankensektor.

2

Den österreichischen Genossenschaften wird von den Mitgliedern in Krisensituationen ein besseres Agieren als anderen Unternehmensformen zugeschrieben.

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Die Befragten sind mehrheitlich der Meinung, dass Regionalität und Nachhaltigkeit von Genossenschaften verstärkt gelebt werden. 85 Prozent der Mitglieder machen sich trotz Corona keine oder eher keine Sorgen um den Fortbestand ihrer Genossenschaft.


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In Kooperation mit den österreichischen Verbänden hat der Forschungsverein für Genossenschaftswesen an der Uni Wien 784 Genossenschaftsmitglieder quer durch alle Sparten zum Krisenmanagement in Zeiten von Corona befragt. 70 Prozent der Teilnehmer kommen aus dem Bereich Banken und Finanzdienstleistungen, 13 Prozent aus der Landwirtschaft, es folgen der Wohnbau (5 Prozent), Handel und Vertrieb (4), Dienstleistung, Energie und Gewerbe (je 2). Dabei sind 61 Prozent der befragten Mitglieder bei einer Genossenschaft aktiv, 22 Prozent bei zwei und 17 Prozent bei drei oder mehr. Dass das weibliche Geschlecht im Genossenschaftswesen noch immer unterrepräsentiert ist, zeigt auch der Frauenanteil in der Befragung von nur 22 Prozent. 71 Prozent der Teilnehmer sind auch als Funktionäre in ihrer Genossenschaft tätig.

Zufriedenheit mit den Möglichkeiten zur Beteiligung allgemein sowie aufgeschlüsselt nach Banken und anderen Genossenschaften

65 PROZENT MIT MITWIRKUNGSMÖGLICHKEITEN ZUFRIEDEN Zunächst wurden die Mitglieder nach ihrer allgemeinen Zufriedenheit mit den Möglichkeiten des Engagements in ihrer Genossenschaft befragt. Dabei sind 65 Prozent mit den Mitwirkungsmöglichkeiten zufrieden, weitere 26 Prozent sind eingeschränkt zufrieden. Knapp acht Prozent sind der Meinung, die Genossenschaft biete keine ausreichenden Gelegenheiten, sich zu engagieren. Betrachtet man speziell die Antworten der Genossenschaftsmitglieder aus dem Bereich Banken, fällt der Zufriedenheitsgrad mit 62 Prozent etwas niedriger als im Durchschnitt aus. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage, ob die eigene Genossenschaft ökonomische und soziale Zielsetzungen miteinander verbindet und damit der postulierten Doppelnatur der Genossenschaft als gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen und gleichzeitigem Personenverband mit sozialer Komponente entspricht: Eine große Mehrheit von 66 Prozent bestätigt dies. Für knapp 26 Prozent ist das nur teilweise der Fall, für fünf Prozent gar nicht. Basierend auf der vorab durchgeführten Befragung von Genossenschaftsexpertinnen und -experten aus Forschung, öffentlicher Verwaltung und Praxis, deren Ergebnisse in „cooperativ“ 3/2020 erschienen sind, wurden für die Studie Aussagen abgeleitet, die den einzelnen Genossenschaftsmitgliedern zur Bewertung vorgelegt wurden. Die Teilnehmer konnten in Rahmen einer fünfstufigen Skala ihre Zustimmung von „trifft sehr zu“ bis „trifft nicht zu“ bekanntgeben. Das Ergebnis ist in der Grafik auf der rechten Seite dargestellt. Dabei ist das Gesamtbild in Hinblick auf die Aussage „Genossenschaften profitieren allgemein in der aktuellen Krise“ gemischt. Das Spektrum der Antworten reicht von „trifft sehr zu“ bis „trifft nicht zu“, wobei sich die Antworten im Bereich „trifft eher zu“


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Verbindung von ökonomischen und sozialen Zielen in der Genossenschaft

und „trifft eher nicht zu“ häufen. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Aussage, ob Genossenschaft in der aktuellen Krise profitieren, nicht eindeutig mit einem Ja oder Nein zu beantworten ist. Ebenso sieht es in Bezug auf die Frage aus, ob die eigene Genossenschaft in der aktuellen Krise profitiert. Auch hier ist die Verteilung der Antworten ähnlich, wobei der Mittelwert hier zwischen „teils-teils“ und „eher nicht“ liegt. Damit wird die Profilierungsmöglichkeit der eigenen Genossenschaft insgesamt etwas negativer

wahrgenommen als die Situation der Genossenschaften allgemein. GENOSSENSCHAFTEN REAGIEREN IN KRISEN BESSER Bei der Aussage, dass Genossenschaften auf Krisensituationen vergleichsweise besser als rein gewinnorientierte Unternehmen reagieren, ist das Gesamtbild wiederum positiver: Der Medianwert liegt bei „trifft eher zu“, das Antwortspektrum reicht von „trifft sehr zu“ bis „eher nicht“. Somit kann festge-

Zustimmung zu Aussagen beim Thema Genossenschaften in Zeiten von Krisen

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halten werden, dass Genossenschaften in Krisensituationen von ihren Mitgliedern ein besseres Agieren als anderen Unternehmen zugeschrieben wird. Diese Feststellung deckt sich auch mit dem in der Fachliteratur angeführten krisenhaften Potenzial von Genossenschaften (vgl. Hettlage 1998, Allgeier 2011, Blome-Drees 2012). Die Aussage „Die Krise motiviert zur Gründung neuer regionaler Genossenschaften“ wird sehr kontrovers gesehen. Alle Antwortoptionen auf der Skala sind dabei vertreten, der Medianwert liegt bei „teilsteils“, der Mittelwert etwas darunter. Diese Heterogenität kann daher rühren, dass die einzelnen Genossenschaftssektoren unterschiedlich gut durch die Krise kommen. Andererseits lädt die generelle wirtschaftlichen Lage insgesamt nicht zur Gründung neuer Körperschaften ein. Dass die Antworten so vielfältig ausfallen, kann für das Genossenschaftswesen auch positiv gesehen werden, da es trotz genereller Bedenken gegenüber Neugründungen durchaus Mitglieder gibt, die gerade in der aktuellen Krise eine Möglichkeit für Genossenschaften sehen. Deutlich unumstrittener und positiver werden die Aussagen „Regionalität und Nachhaltigkeit werden von Genossenschaften

verstärkt gelebt“ und „Genossenschaften treten verstärkt als systemrelevante Nahversorger auf“ beurteilt. In beiden Fällen häufen sich die Antworten bei „trifft sehr zu“ und „trifft eher zu“. Nur einzelne Ausreißer antworteten mit „eher nicht“ oder „trifft nicht zu“. Eine Rückbesinnung auf die Mitglieder und deren Bedürfnisse in Folge der Krise wird ebenfalls mehrheitlich erkannt. So liegt der Medianwert bei „trifft eher zu“. Ebenfalls mit einem Medianwert bei „trifft eher zu“ werden die Aussagen „Genossenschaften vermitteln die Genossenschaftsidee in der Öffentlichkeit“ und „Das Geschäftsmodell von Genossenschaft ist nicht nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet“ beantwortet, wobei die Antworten hier von „trifft sehr zu“ bis „trifft nicht zu“ reichen. GUTES ZEUGNIS FÜR GENOSSENSCHAFTLICHE REVISION Ziemlich unumstritten wird die genossenschaftliche Revision von den teilnehmenden Mitgliedern gesehen. Die Aussage „Die genossenschaftliche Revision trägt zu soliden Geschäftsmodellen bei“ wird mehrheitlich mit „trifft sehr zu“ bzw. „trifft eher zu“ beantwortet. Ein ähnliches Bild zeigen die Antworten auf die Aussage „Genossen-

Positive Einschätzung zur Krisenfestigkeit von Genossenschaften


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Blick in die Zukunft: Reformbedarf und Mitgliedermeinung

schaften werden ihren Grundwerten auch und gerade in Krisenzeiten gerecht“. Der Aussage „Genossenschaften fördern die Selbsthilfe der Mitglieder“ wird insgesamt auch eher zugestimmt. Die Frage, ob die eigene Genossenschaft in der Krise bisher öffentliche Unterstützungsleistungen erhalten bzw. in Anspruch genommen hat, verneinte die Mehrheit (62,3 Prozent) der Mitglieder. 15 Prozent nannten hier die Kurzarbeit, knapp drei Prozent staatlich garantierte Überbrückungsfinanzierungen. Hinsichtlich des Fortbestands der eigenen Genossenschaft äußerte sich die überwältigende Mehrheit optimistisch: Über 85 Prozent machen sich trotz Corona keine oder eher keine Sorgen. Auf die Frage, ob die genossenschaftliche Rechtsform adäquat ist, um Krisensituationen zu überstehen, antworteten 81 Prozent mit einem Ja. Mit Blick auf die Zukunft wurde in der Studie auch gefragt, ob es an der aktuellen Struktur der Genossenschaft Änderungsbedarf gibt – 35 Prozent verneinen das, zwölf Prozent stimmen zu – und ob Mitglieder häufiger nach ihrer Meinung gefragt werden sollten – hier antworten 46 Prozent mit einem klaren Ja.

DAS FAZIT Obwohl die Studie nicht repräsentativ ist, lassen sich aus den Ergebnissen durchaus Tendenzen ableiten: » Die Mitglieder erachten Genossen schaften in Krisenzeiten als stabiler und weniger gefährdet als andere Unterneh mensformen. Insgesamt wird dem Handeln der Genossenschaften in der Krise ein gutes Zeugnis ausgestellt. » Die Rechtsform an sich wird als adäquat eingestuft, strukturelle Ände rungen erscheinen aber zielführend. » Die große Bedeutung der genossen schaftlichen Revision ist unumstritten. » Regionales und nachhaltiges Handeln von Genossenschaften wird verstärkt erlebt, die Genossenschaften werden ihren Grundwerten gerecht. Sie agieren auch gemäß ihrem dualen Charakter, der wirtschaftliche und soziale Ziel setzungen vereint. » Die Mitglieder sind großteils mit der Einbindung in ihre Genossenschaft und mit ihren Mitwirkungsmöglichkeiten zufrieden, sie wünschen sich aber, häufiger nach ihrer Meinung gefragt zu werden. g

Michaela SchaffhauserLinzatti ist Leiterin des Fachbereichs für Genossenschaftswesen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien.

Anselm Balk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Fachbereich.

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Wie digital und nachhaltig tickt Österreich? Digitaler Wandel und nachhaltiger Konsum sind heuer im Fokus der TeamBank-Studie „Liquidität 50Plus“ gestanden. Dazu wurden vom Gallup-Institut wieder 1.000 Österreicherinnen und Österreicher repräsentativ befragt. Text: Marc-Olivier Weber Grafiken: TeamBank

Wie digital soll die Welt sein, in der wir leben? Die für die TeamBank-Studie befragten Österreicherinnen und Österreicher zeichnen dazu ein differenziertes Bild: An Schulen und Universitäten könnte der Wandel gern noch beschleunigt werden, 47 Prozent sind der Meinung, der Bildungsbereich sei noch zu wenig digital. Beim Einkaufen allerdings ist aus Sicht von 48 Prozent das richtige Maß überschritten, sie wünschen sich wieder mehr Shopping vor Ort. Und: Die Sehnsucht nach dem analogen Einkaufsbummel überkommt nicht nur die ältere Generation: Selbst bei den 18- bis 29-Jährigen sind 37 Prozent der Ansicht, dass digitale Einkaufsangebote zu stark um sich greifen.

Neben dem Bildungsbereich sollte der technologische Wandel nach Ansicht der Befragten auch in öffentlichen Einrichtungen stärker vorangetrieben werden. Behörden könnten für 39 Prozent der Befragten mehr auf das Internet oder digitale Plattformen setzen, um in Echtzeit zu informieren und Online-Anträge zu ermöglichen. Besonders die Jüngeren unter 30 fordern hier größere Fortschritte. Im Gesundheitsbereich wünscht sich ein Drittel der Befragten mehr Digitalisierung etwa in Arztpraxen oder bei der Verwaltung von Patientendaten in einer digitalen Akte. Bei Bankgeschäften stehen die Befragten hingegen weiterhin auf den persönlichen Kontakt: 41 Prozent sind der Meinung, dass der Bankensektor bereits zu digital ist. Gerade einmal ein Fünftel wünscht sich noch mehr digitale Angebote, wobei sich hier die über 50-Jährigen besonders skeptisch zeigen: 46 Prozent meinen, der Bereich sei bereits zu stark digitalisiert. NACHHALTIGER KONSUM IM AUFWIND

Wo es zu viel Digitalisierung gibt – und wo zu wenig

Die Österreicherinnen und Österreicher wurden im Rahmen der Studie auch befragt, welchen Stellenwert sie dem Faktor Nachhaltigkeit beim Konsum beimessen. Zum Schutz von Umwelt, Ressourcen und Klima würden 55 Prozent höhere Preise für Biolebensmittel in Kauf nehmen. Jeder Zweite würde sich auch eine Flugrei-


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se mehr kosten lassen, wenn etwa eine Sonderabgabe für den Klimaschutz eingehoben würde. Ähnlich sieht es mit der Wechselbereitschaft zum Ökostrom aus, der etwas mehr kosten darf. Für nachhaltig hergestellte Kleidung würden 45 Prozent tiefer in die Tasche greifen. Auffällig: Die jüngeren Befragten unter 30 sind besonders enthusiastisch, wenn es um mehr Klimaschutz beim Reisen per Flugzeug geht. 60 Prozent und damit zehn Prozentpunkte mehr als im Bevölkerungsschnitt würden tiefer in die Tasche greifen, wenn es eine Klimaschutzabgabe erfordert. In der älteren Generation ab 50 ist der ökologische Konsum aber genauso an-

gekommen wie im Durchschnitt: Auch sie achtet beim Einkaufen, Reisen und Stromverbrauch darauf, die Umwelt zu schonen, und bezahlt im Zweifel einen höheren Preis für grüne Produkte. Für Banken ist das Thema Nachhaltigkeit bereits zu einer Frage der Glaubwürdigkeit geworden: Eine Mehrheit der Befragten quer durch alle Altersgruppen entzieht einem Geldinstitut das Vertrauen, wenn es seine ökologisch-sozialen Bemühungen nicht darlegen kann. Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Monaten medial von der Corona-Pandemie überlagert war, zeigen die erneuten Temperaturrekorde in vielen Regionen Europas in diesem Sommer, dass nachhaltiges Handeln wichtiger denn je ist. Die TeamBank hinterfragt daher laufend ihren ökologischen Fußabdruck. Eine ihrer Initiativen ist die Einführung des digitalen Vertragsabschlusses in den Filialen. Dadurch kann täglich auf viele Seiten Papier verzichtet werden. g

Bereitschaft, für nachhaltige Produkte und Services mehr zu bezahlen

Internet-Tipp

Den vollständige Berichtsband zur Studie „Liquidität 50Plus 2020“ sowie zahlreiche weitere Grafiken gibt’s online unter: www.teambank.at/studie-liquiditaet-50plus-oesterreich

Marc-Olivier Weber ist Mitarbeiter in der Abteilung Kommunikation der TeamBank in Nürnberg. Die TeamBank ist mit der Produktfamilie „der faire Credit“ Kompetenzzentrum für modernes Liquiditätsmanagement der Volksbanken.

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Querdenker an die Macht Ohne Querdenker kann heute kein Unternehmen erfolgreich sein. Solche Mitarbeiter treiben mit frischem Wind den Wandel voran und sind ein echter Wettbewerbsvorteil. Doch häufig stoßen sie in verfestigten Strukturen auf Widerstand. Managementberaterin Anne M. Schüller plädiert für eine neue Querdenkerkultur. Text: Anne M. Schüller Foto: iStockphoto.com


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Dringender als jemals zuvor benötigen Unternehmen jetzt Ideengeber mit innovativen Gedanken, Mut und Tatendrang. Solche Menschen werden interne Querdenker oder bisweilen auch Organisationsrebellen gekannt. Sie sind Wachrüttler, Infragesteller, Andersmacher, Vorwärtsbringer, Zukunftsgestalter. Sie sprühen vor Ideen, wie man das, was in die Jahre gekommen ist, besser machen könnte, sollte und müsste. Sie reden Klartext, wenn sie Verfahrensweisen aufgespürt haben, die aus der Zeit gefallen sind. Sie zeigen auf alles, was für Kollegen und Kunden eine Zumutung ist. Sie sind offen für Fortschritt und treiben den Wandel voran. Sie wagen sich dorthin, wo noch niemand war. Sie kämpfen sogar gegen Windmühlen an. Und all das tun sie, weil ihre Firma ihnen wirklich am Herzen liegt. INDIVIDUALISIERUNG, EMOTIONALISIERUNG UND ERLEBNISSE Früher hatten alle die gleiche Schallplatte, heute hat jeder seine ganz persönliche Playlist. Will heißen: Die Kunden von heute wollen keine Massenprodukte und Gleichmacherei, sondern Originalität, Unikate und zudem Varianz. Individualisierung, Emotionalisierung und Erlebnisse, auch Customer Experiences genannt, sind die ganz großen Trends. Wer auf diese Kundenbedürfnisse eingeht, sorgt für Loyalität, Weiterempfehlungen und Aufpreisbereitschaft. Will man sich also aus der Belanglosigkeit lö-

sen, braucht es ständig neue Ideen – von Menschen, die außergewöhnliche Dinge denken und tun. Indem man einfallsreich die „Ideenfunken“ seiner Querdenker nutzt, macht man sich spannend – und damit begehrt. Man kann gar nicht genug verrückte Ideen haben, um seine Kunden immer wieder neu zu betören. Querdenker sind dafür geradezu prädestiniert. „Meine Mitarbeiter haben aber keine guten Ideen“, meinte neulich einer. Manche Chefs glauben tatsächlich noch immer, sie müssten alles selbst am besten wissen und ihren Leuten sagen, wie die Dinge zu laufen haben. Sie können sich schlecht auf andere Sichtweisen einlassen und nur schwer akzeptieren, wenn auch ihre Leute mit Einfällen glänzen. Dabei gelingt es am besten gemeinsam, Ideen zu entwickeln, die zuvor noch niemand hatte und auf die man allein nicht gekommen wäre. Wenn genügend kluge Köpfe zusammenkommen, lässt sich jedes Problem lösen. Im Rahmen einer Haufe-Studie wurden dazu knapp 12.000 Mitarbeiter aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Das Ergebnis: » 84 Prozent wünschen sich mehr Mit sprachemöglichkeiten bei operativen Entscheidungen, » 77 Prozent wären motivierter, wenn sie mehr einbezogen würden, und » 73 Prozent glauben, dass die eigene Firma erfolgreicher wäre, wenn sich die Mitarbeiter stärker einbringen könnten.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Will sich ein Unternehmen aus der Belanglosigkeit lösen, braucht es ständig neue Inputs. Indem es die Ideen von Querdenkern nutzt, macht es sich begehrt.

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Gute Ideen sind aber zerbrechlich und werden leicht totgetrampelt. Ihre Schöpfer müssen sich gegen Bremser und Schwarzmaler zur Wehr setzen.

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Ein Mittel dagegen sind „Engelsadvokaten“, die bei Meetings installiert werden und Querdenkern Rückendeckung geben. Ein visualisierter „Friedhof der Totschlagargumente“ hilft, Einwände aus dem Weg zu räumen.

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Mitarbeiter geben ihre Ideen aber nur dann preis, wenn sie glauben, dass sie Wertschätzung erfahren. Und wenn sie wissen, dass Fehler kein Beinbruch sind. Denn Fehler sind der Preis für Evolution und Innovation. Fehler machen bedeutet: üben, um siegen zu lernen. Mit einer solchen Einstellung können bahnbrechende Erfolge gelingen. Um das Vorankommen mithilfe querdenkender Mitarbeiter zu initiieren, helfen folgende Vorgehensweisen. DER ENGELSADVOKAT GIBT IDEEN EINE CHANCE Gute Ideen sind zerbrechlich und werden leicht totgetrampelt. Ihnen und ihren Schöpfern weht oft eine steife Brise entgegen, weil sie sich gegen Bremser und Schwarzmaler zur Wehr setzen müssen. Jede Veränderung hat bekanntlich Beteiligte, Beleidigte, Betroffene und Befürworter. Sie umfasst Erfolgsaussichten und Risiken, setzt Hoffnungen und Befürchtungen frei. Sie erfordert zunächst Einsicht, dann loslassenden Abschied von lieb gewonnenen Routinen und schließlich Aufgeschlossenheit für Neues. Dies liegt nicht jedem. Wie kommt es überhaupt, dass sich die Bedenkenträger so breit machen können? Die Harvard-Psychologin Teresa Amabile hat dazu verschiedene Experimente durchgeführt. Sie kam zu dem Schluss, dass Kritiker oft als intelligenter wahrgenommen werden, man spricht ihnen ein spitzfindigeres Urteilsvermögen zu. „Schwarzseher erscheinen leicht als scharfsinnig und weitsichtig, während positive Äußerungen schnell als naiv abgetan werden“, sagt sie. Da Ungewisses womöglich Gefahr für Leib und Leben bedeutet, hat es Vorfahrt im Hirn. So rückt vorsorgliche Abwehr schnell in den Vordergrund. Ferner werden die potenziellen Risiken, die die Zukunft bringt, oft überbewertet. Die „guten alten Zeiten“ hingegen werden verklärt. Sondieren Sie also ruhig einmal per einfacher Strichliste: Wie oft reden wir denn über das, was nicht funktioniert? Und wie viel läuft denn wirklich schief? Wie oft ist

ein Negativfall denn tatsächlich eingetreten – oder in der Realität zu befürchten? Wie viele Kunden sind tatsächlich schwierig? Um wie viel ist die Konkurrenz denn effektiver? Oder hat sie vielleicht nur die Beschäftigten mit der besseren Einstellung? Kein Sportler würde ständig über Misserfolge reden, wenn er zum nächsten Sieg eilen will. Ganz im Gegenteil: Er führt sich seine größten Triumphe vor Augen. Also: Beugen Sie vor! Installieren Sie dazu in Ihren Meetings die Rolle des „Engelsadvokaten“. Dieser hat nach der Vorstellung einer Idee immer das erste Wort. Er findet zunächst das Gute darin und gibt ihr so eine Überlebenschance. Dazu muss er eine eingehende Begründung liefern, Worte wie „super“ oder „hilfreich“ allein reichen nicht aus. Nun sind zumindest schon einmal zwei Personen im Raum dafür, und Querdenker erhalten die so dringend benötigte Rückendeckung. Die danach einsetzende Diskussion verläuft meist auch konstruktiver. Darüber hinaus kann man dem Engelsadvokaten eine Zimbel geben. Wird viel gejammert, wird eine Idee mal wieder zerfleddert, wird es zynisch oder ein Angriff persönlich, kann sie erklingen. Für die Dauer des zarten Nachhalls überlegt jeder still, wie man es besser machen kann. DER KILLERPHRASEN-FRIEDHOF FÜR TOTSCHLAGARGUMENTE Weil Querdenker schnell ins Abseits geraten, brauchen sie Schutzzonen für ihre innovativen Gedanken, Enklaven für den gefahrlosen Meinungsaustausch und Versuchslabore für neuartiges Tun. Nur dann kann sich ihre Kreativität voll entfalten. Leider gibt es eine Vielzahl taktischer Vorgehensweisen, um einen Querdenker und seine Initiativen loszuwerden oder seine Vorstöße ins Nirvana zu schicken. Ein Beispiel: Der Ansprechpartner sagt, er kümmere sich um die Sache und prüfe das, tut es aber dann doch nicht. Er „vergisst“ den Vorschlag oder schiebt ein Nein von oberster Stelle vor. Oder er erklärt, dass die Idee nicht in die zukünftigen Planungen der


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Hilft gegen Totschlagargumente: Der „Friedhof der Killerphrasen“

Firma passt. Oder er behauptet, dass man genau das schon einmal erfolglos versucht hat. Ziel ist es, den Ideengeber zu verunsichern, einzuschüchtern und mundtot zu machen. Geschieht das öffentlich, soll derjenige herabgewürdigt, diskriminiert und isoliert werden. Auch innerhalb eines Teams kann es passieren, dass versucht wird, vielversprechende Einfälle mit sogenannten Totschlagargumenten abzuwiegeln oder zu Fall zu bringen. Dies hat meist damit zu tun, dass jemand, aus welchen Gründen auch immer, sein derzeitiges Verhalten nicht ändern will. In solchen Fällen kommen gern Killerphrasen und Totschlagargumente zum Einsatz. So sterben selbst die besten Ideen. Zunächst Achtung: Auf manche Entgegnungen fällt man leicht herein. „Das machen wir doch schon“, ist eine solche. Da muss nachgefragt werden: Wie denn genau? Wie früher? Wie immer? Wie alle? Wer das Neue am Neuen nicht sieht, ist besonders gefährdet. Oft wird es auch überhört, weil unser Hirn das Vertraute so liebt. Manche Erwiderungen sollen ganz einfach verletzen. Das klingt dann etwa so: „Sie wollen was ändern? Die Phase hat am Anfang hier jeder. Das geht vorbei.“ Auf solche Spielchen geht man besser gar nicht erst ein. Oder jemand sagt: „Wie du dir das vorstellst, das klappt nie.“ Statt mit einem „Wieso?“ in ein argumentatives Hin und Her zu geraten, fragt man in die Runde: „Peter

meint, bei ihm geht das nicht. Wie seht ihr das in Bezug auf euren Bereich? Wie könnte das bei euch funktionieren?“ Und wie schafft man Totschlagargumente auf Dauer aus der Welt? Zunächst braucht es eine gemeinsame Erkenntnis, dass man damit nicht weiterkommt. Dann beginnt man, diese Argumente zu sammeln. Sie werden schließlich begraben, indem man einen „Friedhof für Ideenkillerphrasen“ erschafft. Dies visualisiert man in Form eines Posters, etwa so, wie die Abbildung auf dieser Seite zeigt. Das hängt man an der Wand im Meetingraum auf. Und lassen Sie Platz für neue Phrasen. Irgendjemandem fällt bestimmt noch etwas ein … g

Anne M. Schüller ist Managementdenker, KeynoteSpeaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das TouchpointManagement und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Dazu hält sie Impulsvorträge auf Tagungen und Fachkongressen. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017/2018 und von Xing zum Spitzenwriter 2018 gekürt. Ihr Touchpoint-Institut bildet zertifizierte Touchpoint-Manager und Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

Literatur zum Thema

Anne M. Schüller Querdenker verzweifelt gesucht: Warum die Zukunft der Unternehmen in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt Mit einem Vorwort von Gunter Dueck Gabal Verlag 2020 240 Seiten € 29,90 ISBN: 978-3-86936-998-3

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WISSEN

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Lesetipp Digitalisierung und Genossenschaften Ein neues Schwerpunktheft der „Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen“ (ZfgG) widmet sich ausführlich dem topaktuellen Thema der Digitalisierung im Genossenschaftswesen. Die Beiträge bieten eine abwechslungsreiche Auswahl und aktuelle Einblicke sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Perspektive.

Als einer der ZfgG-Herausgeber geht Michael Kling im einleitenden Beitrag der Frage nach, wie Genossenschaften im deutschsprachigen Raum mit dem Thema Digitalisierung und Plattformökonomie umgehen. Der Rechtsprofessor der Universität Marburg und einer der Direktoren des dort ansässigen Instituts für Genossenschaftswesen sieht auf der einen Seite einen nahezu uneinholbaren Vorsprung der großen börsennotierten US-amerikanischen und chinesischen Plattformgiganten, auf der anderen Seite aber auch zahlreiche wirksame Aktivitäten im Genossenschaftswesen. Orientiert an den Genossenschaftssparten werden Beispiele und Kooperationen zwischen Genossenschaften und Verbänden beim weiteren Ausbau des digitalen Angebots vorgestellt. Wettbewerbsrechtlich sei dagegen nichts einzuwenden, gleichwohl seien Kartell- und Missbrauchsverbote auch von Genossenschaften zu beachten. Der Autor gelangt in seiner wettbewerbsrechtlichen Analyse aber zu dem Schluss, dass „die geltenden wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen einer verstärkten Kooperation von Genossenschaften im Rahmen einer fortschreitenden Digitalisierung nicht entgegenstehen“. Dies gelte vor allem auch für innovative Kooperationsformen. In unmittelbarem Bezug zur genossenschaftlichen Rechts- und Kooperationsform stehen zwei Beiträge aus dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV). Dessen Syndikusrechtsanwalt, Jan Holthaus, und Dirk J. Lehnhoff, langjähriges früheres Vorstandsmitglied, beschreiben die Min-

destanforderungen an die virtuelle General- oder Vertreterversammlung einer Genossenschaft im deutschen Recht. Ausführlich gehen sie auf die Vorbereitungen, den Ablauf und einzelne Fragen wie die Abstimmung sowie das Rede- und Auskunftsrecht ein. Wichtig sei auch, einen passenden Anbieter für diese digitale Plattform der Mitgliedermitbestimmung zu finden. Andreas Wieg, Abteilungsleiter Vorstandsstab des DGRV, vergleicht die genossenschaftliche Organisationsform für eine Plattform mit derjenigen eines mit Risikokapital finanzierten Betreibers. Er stellt genossenschaftliche Beispiele vor wie die Handelsplattform Fairmondo eG in Berlin, das Online-Reiseportal BookingSüdtirol der HGV Service Genossenschaft und die UrStrom eG in Mainz für das E-Carsharing. Als besonderer Vorteil genossenschaftlich getragener Plattformen erweise sich, dass die Mitglieder „selbst und im eigenen Interesse festlegen, wie die Erlöse oder Benutzungskosten verteilt werden, welche Arbeitsbedingungen gelten oder wie mit den Nutzerdaten umgegangen wird“. Dennoch sieht der Autor eher Chancen für eine Nischenstrategie, weil die „großen, investorengetriebenen Plattformen“ schon zu stark geworden seien. Neben diesen Perspektiven auf Aspekte der genossenschaftlichen Rechtsform liegt der zweite Schwerpunkt der Beiträge im Heft auf dem Einfluss der Digitalisierung auf Finanzdienstleistungen, speziell erbracht von Kreditgenossenschaften: Aus Nürnberg stammt der Beitrag von Matthias Fischer, Professor im Bereich


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Finanzen und Banken der dortigen Technischen Hochschule. Er untersucht Risikokapitalinvestitionen in Fintechs, die im Zeitraum von April 1992 bis April 2020 im Weltmaßstab mehr als 100 Milliarden USDollar Wagniskapital erhalten haben. Im Durchschnitt fließen etwa zehn Millionen Dollar je Finanzierungsrunde an ein Fintech, allerdings variieren die Werte nach Sitz des Unternehmens, Finanzierungsphase und Geschäftsmodell. Der Autor macht das breite Spektrum der FintechAktivitäten sichtbar, das von Zahlungsverkehrsdienstleistungen über Lösungen für Finanzierungen bis hin zu Angeboten in der Versicherungs- und Immobilienwirtschaft reicht. Während die USA und Europa einen zeitlichen Vorsprung gegenüber China besaßen, haben hier die Aktivitäten in den letzten Jahren deutlich zugenommen, sodass, bezogen auf das Gesamtvolumen an investiertem Venture Capital, inzwischen China mit rund 33 Milliarden Dollar an zweiter Stelle nach den USA mit über 35 Milliarden Dollar rangiert, vor Europa ohne Großbritannien (20,8). Corinna Vanessa Thompson, tätig im Bereich Strategieentwicklung Privatkunden von Union Investment Privatfonds, geht in ihrem Beitrag zu Robo Advisory der Frage nach, ob es sich bei dieser in Deutschland seit 2014 in der Anlageberatung zum Einsatz kommenden Technologie nur um einen vorübergehenden Trend handeln könnte. Von in der Spitze über 40 Anbietern seien derzeit noch etwa 30 am Markt aktiv. Union Investment bietet mit VisualVest selbst ein auf dieser Technologie basierendes Angebot für Online-Beratung und Geldanlage für Privatkunden an, das sich auch als Forschungs- und Innovationslab versteht. Daraus ist eine Lösung für die Kreditgenossenschaften („MeinInvest“) entstanden, die es den Instituten erlaubt, selbst eine digitale Vermögensverwaltung anzubieten, welche kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die neuen Geschäftsmodelle der Fintechs haben alle Kreditinstitute unter zusätz-

lichen Wettbewerbsdruck gesetzt. Aber auch zwischen Kreditinstituten besteht schon länger ein Wettbewerb im Bereich der Vertriebswege zwischen Direktbanken und den Filialbanken, zu denen vor allem auch Kreditgenossenschaften und Sparkassen zählen. Hier empfiehlt sich ein Umdenken bei den Filialbanken, um die mit den neuen Technologien aufgewachsene Generation der heute 30- bis 40-Jährigen nicht zu verlieren und noch Jüngere zu erreichen, indem verstärkt eigene Online-Angebote geschaffen werden. Freie Mittel für Investitionen in den Aufbau einer solchen eigenen Marke könnten aus der Reorganisation des Filialnetzes stammen. Dennoch spricht sich Sabine Werther-Leuthäußer von Union Investment Privatfonds in ihrem Beitrag dafür aus, das einzigartige Geschäftsmodell der Kreditgenossenschaften zu erhalten und etwa exklusive Angebote nur für Kunden in der Region zu schaffen. Welche Möglichkeiten der Einsatz von digitalem Plattformgeschäft den Kreditgenossenschaften bereits heute bietet, stellen am Beispiel der VR-Bank Mittelfranken West Vorstandsvorsitzender Gerhard Walther und Vertriebsdirektor Martin Arnold für das Baufinanzierungsgeschäft vor. Sie beschreiben die schrittweise erweiterte Teilnahme an digitalen Lösungen, die technologischen Anforderungen und können bereits auf eine erfolgreiche Entwicklung verweisen. Sie gehen auch auf die Auswirkungen des Geschäfts auf die Kalkulation und Konditionengestaltung ein. Wünschenswert wäre es aus ihrer Sicht, von derzeit etwa 50 auf 70 Prozent Konvertierungsgröße zu gelangen, womit die tatsächlich realisierten Anfragen beziffert werden. Ein solcher Multi-LenderAnsatz mit Vertriebsplattformen werde weiter an Bedeutung gewinnen und solle so eingesetzt werden, dass „durch Vernetzung Synergien entstehen, ohne dabei genossenschaftliche Werte in Frage stellen zu müssen“. Holger Blisse

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Johannes Blome-Drees, Johann Brazda, Reiner Doluschitz, Nicole Göler von Ravensburg, Michael Kling, Matthias Lehmann, Marion Pester, Richard Reichel, Matthias Wrede (Hrsg.) Digitalisierung und Plattformökonomie als Herausforderung für den Erfolg Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen Band 70, Heft 3/2020 De Gruyter € 77,– (Jahresabo Print) Die ZfgG wird herausgegeben im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Genossenschaftswissenschaftlicher Institute (AGI). Aus Österreich gehören ihr die wissenschaftlichen Einrichtungen an der Universität Wien, der WU Wien und der Universität Innsbruck an.


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Unternehmertum – eine Frage von Jung oder Alt? Innovation oder Tradition, Familie oder Job, Unabhängigkeit oder Erfolg: Jede Unternehmergeneration setzt Prioritäten anders. Welche das sind und wie die verschiedenen Altersgruppen damit umgehen, zeigt die diesjährige Unternehmerstudie der Volksbanken.


Die vollständige Studie kostenlos zum Downloaden: www.volksbank.at/unternehmerstudie

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Quelle: Gallup 2020 im Auftrag der Volksbanken Sample: 1.000 Unternehmerinnen und Unternehmer (repräsentative Stichprobe)

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Steuervorteile, die Sie nicht verpassen sollten Um die Folgen der Coronakrise für die Wirtschaft abzumildern, wurden zahlreiche staatliche Unterstützungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Darunter sind auch viele steuerliche Erleichterungen, die Genossenschaften und andere Unternehmen unbedingt nutzen sollten. Ein Überblick zum Jahreswechsel. Text: Gerlinde Stumpf und Paul Hotko Foto: iStockphoto.com

Das Jahr 2020 ist geprägt durch die Coronavirus-Pandemie, die sowohl in Österreich als auch in anderen Teilen der Welt erheblichen Einfluss auf jeden Bereich des Lebens hat. Neben den gesundheitlichen Folgen kämpft die Gesellschaft mit den massiven wirtschaftlichen Konsequenzen. Die österreichische Bundesregierung hat daher ein über 50 Milliarden Euro schweres Paket geschnürt, das laufend ausgebaut und nachjustiert wird, um die Auswirkungen möglichst abzumildern. Die Maßnahmen sollen Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze retten, die Menschen entlasten sowie Investitionen fördern, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten steuerlichen Erleichterungen für Unternehmen zusammen. COVID-19-RÜCKLAGE UND VERLUSTRÜCKTRAG Zur Schaffung von raschen positiven Liquiditätseffekten können bereits vor Durchführung der Veranlagung 2020 voraussichtliche Verluste in diesem Jahr im

Rahmen der Veranlagung 2019 durch einen besonderen Abzugsposten, die Covid-19Rücklage, berücksichtigt werden. Voraussetzung für die Covid-19-Rücklage ist, dass der Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte im Jahr 2019 positiv und im Jahr 2020 voraussichtlich negativ ist. Ohne weiteren Nachweis beträgt die Rücklage bis zu 30 Prozent des positiven Gesamtbetrages der betrieblichen Einkünfte 2019, wenn die Vorauszahlungen null betragen. Sofern ein voraussichtlich negativer Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte 2020 glaubhaft gemacht werden kann, beträgt sie bis zu 60 Prozent der Einkünfte 2019. Die Covid-19-Rücklage ist mit fünf Millionen Euro begrenzt. Sie ist im Rahmen der Veranlagung 2020 als Hinzurechnungsposten bei der Ermittlung des Gesamtbetrages der Einkünfte anzusetzen. Die Bildung der Rücklage erfolgt auf Antrag unter Verwendung des dafür vorgesehenen Formulars. Wurde das betreffende Jahr bereits rechtskräftig veranlagt, gilt


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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Verluste im heurigen Jahr können im Rahmen eines Verlustrücktrags mit Gewinnen aus 2019 und 2018 gegengerechnet werden. Die Bildung einer Covid-19-Rücklage ermöglicht es, erwartete Verluste für 2020 bereits jetzt – auch nachträglich – geltend zu machen. Investitionen werden noch bis Ende Februar 2021 mit bis zu 14 Prozent gefördert. Die degressive Abschreibung führt am Beginn der Nutzungsdauer zu einer deutlichen Verminderung der Steuerbemessungsgrundlage.

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der Antrag als rückwirkendes Ereignis im Sinne des § 295a BAO. Die nach Hinzurechnung der Covid19-Rücklage verbleibenden Verluste des Jahres 2020 können in das Jahr 2019 rückgetragen werden, die erfolgte Berücksichtigung der Covid-19-Rücklage bleibt dadurch unberührt. Wird durch den bei der Veranlagung 2019 zu berücksichtigenden Verlustrücktrag der Höchstbetrag nicht ausgeschöpft, kann auch eine Berücksichtigung im Rahmen der Veranlagung 2018 beantragt werden. Als Verlustrücktrag kann im Jahr 2018 höchstens ein Betrag von zwei Millionen Euro abgezogen werden. Soweit Verluste aus der Veranlagung 2020 weder bei der Veranlagung 2019 noch bei der Veranlagung 2018 berücksichtigt werden, können sie auch ab dem Veranlagungszeitraum 2021 abgezogen werden (Verlustvortrag). INVESTITIONSPRÄMIE Mit der Covid-19-Investitionsprämie wird ein Anreiz geschaffen, um der gegenwärtig zurückhaltenden Investitionsneigung von Unternehmen entgegenzuwirken. Gefördert werden materielle und immaterielle aktivierungspflichtige Neuinvestitionen in das abnutzbare Anlagevermögen von Unternehmen an österreichischen Standorten. Die Förderung kann noch bis 28. Februar 2021 beantragt werden. Wichtig: Erste Schritte im Zusammenhang mit der Investition müssen zwischen 1. August 2020 und 28. Februar 2021 gesetzt werden. Als Beginn gelten dabei folgende Maßnahmen: » Bestellungen » Lieferungen » Beginn von Leistungen » Anzahlungen und Zahlungen » Rechnungen » Abschluss eines Kaufvertrags » Baubeginn Planungsleistungen, die Einholung von behördlichen Genehmigungen und Finanzierungsgespräche stellen keinen Investitionsbeginn dar. Die Bezahlung und Inbetriebnahme muss bis spätestens 28. Februar 2022 erfolgen. Bei größeren Investitionen mit einem Volumen von über 20 Millionen Euro (ohne USt) verlängert sich der Zeitraum bis 28. Februar 2024.

Die Investitionsprämie wird in Form eines Zuschusses in Höhe von sieben Prozent der förderfähigen Kosten gewährt. Bei Investition im Zusammenhang mit Digitalisierung, Ökologisierung, Gesundheit und Life Science erhöht sich die Investitionsprämie auf 14 Prozent. Ausgenommen von der Prämie sind vor allem klimaschädliche Neuinvestitionen, unbebaute Grundstücke, Finanzanlagen und Unternehmensübernahmen. Die Investitionsprämie stellt keine steuerliche Betriebseinnahme dar und führt zu keiner Aufwandskürzung. Das minimal förderbare Investitionsvolumen pro Antrag beträgt 5.000 Euro, das maximale Volumen 50 Millionen Euro (jeweils ohne USt) pro Unternehmen oder Konzern. Der Zuschuss wird nach Vorlage der Endabrechnung und durchgeführter Prüfung durch das Austria Wirtschaftsservice (aws) grundsätzlich als Einmalbetrag unmittelbar ausbezahlt. Die Endabrechnung muss in Bezug auf die Aktivierung der zur Förderung beantragten Investitionen ab einer Zuschusshöhe von 12.000 Euro zusätzlich von einem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Bilanzbuchhalter im Rahmen seines gesetzlich geregelten Berechtigungsumfangs bestätigt werden. DEGRESSIVE ABSCHREIBUNG Als konjunkturfördernde Maßnahme ist – alternativ zur linearen Abschreibung – für nach dem 30. Juni 2020 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter die Möglichkeit einer degressiven Absetzung für Abnutzung (AfA) vorgesehen. Für diese neue Form der AfA ist ein unveränderlicher Prozentsatz von höchstens 30 Prozent vorgesehen. Die dadurch entstehende Erhöhung der Abschreibung zu Beginn der Nutzungsdauer führt über eine Verminderung der Steuerbemessungsgrundlage zu Liquiditätsvorteilen für die Unternehmen und soll Investitionsentscheidungen positiv beeinflussen. Ausgenommen von der degressiven Abschreibung sind: » Gebäude » Firmenwerte » Kraftfahrzeuge, außer der CO2-Emis sionswert beträgt null Gramm pro Kilometer


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» unkörperliche Wirtschaftsgüter » gebrauchte Wirtschaftsgüter » Anlagen, die der Förderung, dem Trans port oder der Speicherung fossiler Energieträger dienen Der Steuerpflichtige kann im Wirtschaftsjahr, in dem die AfA erstmalig zu berücksichtigen ist, wählen, ob die lineare oder die degressive Abschreibung zur Anwendung kommen soll. Entscheidet er sich für die degressive Variante, kann er den Satz innerhalb eines Höchstausmaßes von 30 Prozent frei wählen, dieser ist dann unverändert fortzuführen. Anzuwenden ist der AfA-Satz auf den jeweiligen Buchwert (Restbuchwert). Die Halbjahresabschreibungsregelung bleibt dabei aufrecht. Wurde vom Steuerpflichtigen mit der Abschreibung nach der degressiven Methode begonnen, ist er in den Folgejahren grundsätzlich daran gebunden. Dennoch ist ein Wechsel zur linearen Abschreibungsmethode mit Beginn eines Wirtschaftsjahres zulässig, nicht zulässig ist hingegen der umgekehrte Wechsel von der linearen zur degressiven Abschreibung. Für unterschiedliche Wirtschaftsgüter können unterschiedliche Abschreibungsmethoden gewählt werden. Die Neuregelung gilt für Wirtschaftsgüter, die nach dem 30. Juni 2020 angeschafft oder hergestellt werden, wobei in letzterem Fall der Zeitpunkt der Fertigstellung maßgeblich ist. BESCHLEUNIGTE ABSCHREIBUNG FÜR GEBÄUDE Für Gebäude, die nach dem 30. Juni 2020 angeschafft oder hergestellt wurden, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit einer beschleunigten Absetzung für Abnutzung geschaffen. In dem Jahr, in dem die AfA erstmalig zu berücksichtigen ist, beträgt sie von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten höchstens das Dreifache des jeweiligen Prozentsatzes von 2,5 bzw. 1,5 Prozent (also 7,5 bzw. 4,5 Prozent), im darauffolgenden Jahr höchstens das Zweifache (also 5,0 bzw. 3,0 Prozent). Ab dem zweitfolgenden Jahr erfolgt die Bemessung der AfA wieder mit 2,5 bzw. 1,5 Prozent. Die Halbjahresabschreibungsregelung ist dabei nicht anzuwenden, sodass auch bei Anschaffung oder Herstellung im

zweiten Halbjahr der volle Jahres-AfA-Betrag aufwandswirksam ist. Für die Beurteilung des Herstellungszeitpunktes ist der Zeitpunkt der Fertigstellung maßgeblich. WIRTSHAUSPAKET Zur Unterstützung der Gastronomie, die besonders schwer von Corona betroffen ist, wurde das sogenannte Wirtshauspaket geschnürt. Es umfasst ein ganzes Bündel an Maßnahmen, manche davon sind auch für andere Unternehmen relevant. » Essensgutscheine: Der Betrag für die Steuerfreiheit von Gutscheinen für Mahlzeiten, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen, wurde von 4,40 Euro pro Arbeitstag auf acht Euro angehoben. Voraus setzung ist weiterhin, dass die Gutscheine am Arbeitsplatz oder in einer Gaststätte zur dortigen Konsu mation eingelöst werden. Der Betrag für Gutscheine, die auch zur Bezahlung von Lebensmitteln verwendet werden, die nicht sofort konsumiert werden müssen, wurde von 1,10 Euro pro Arbeitstag auf zwei Euro erhöht. » Bewirtung von Geschäftsfreunden: Aufwendungen oder Ausgaben für die werbewirksame Bewirtung von Ge schäftsfreunden, die die Voraus setzungen für die steuerliche Abzugs fähigkeit erfüllen, sind nun zu 75 Pro zent statt zu 50 Prozent absetz bar. » Umsatzsteuer: Zur Unterstützung der Gastronomie kommt für die Verab reichung von Speisen und Getränken bis 31. Dezember 2021 ein ermäßigter Steuersatz von fünf Prozent zur Anwendung.

Gerlinde Stumpf ist Leiterin der Abteilung Bilanz und Steuer im ÖGV.

FAZIT Die mit dem Konjunkturstärkungs- und Investitionsprämiengesetz sowie dem Wirtshauspakt beschlossenen Maßnahmen bieten eine Reihe von attraktiven steuerlichen Begünstigungen und helfen so den Unternehmen, besser durch die Krise zu kommen. Man muss sie nur nutzen. Die Steuerexperten des ÖGV unterstützen die Mitglieder gerne bei der Beantragung bzw. Inanspruchnahme der Erleichterungen. g

Paul Hotko ist Mitarbeiter in der Bilanz- und Steuerabteilung. Zudem ist er Geschäftsführer der ÖGV-Buchhaltungstochter WI.RE.

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Die digitale ShoppingFalle


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Einkaufen im Internet ist bequem. Shops sind rund um die Uhr offen. Umtausch ist in jedem Fall möglich. Dabei müssen wir das Haus nicht einmal verlassen. Eine sichere Sache? So einfach ist es nicht. Text: Andrea Karner Foto: iStockphoto.com

Im Vorjahr haben rund 5,1 Millionen Österreicher um mehr als acht Milliarden Euro im Internet eingekauft. Mehr als 26 Prozent der Zahlungen erfolgten über das Smartphone. Und bereits sechs Prozent der heimischen Bevölkerung nutzt sprachgesteuerte internetbasierte Assistenten wie Alexa. Das zeigt eine aktuelle Studie der KMU Forschung Austria. Die Coronakrise hat laut Daten von Paysafe das Online-Shopping in Österreich zusätzlich befeuert. Während des ersten Lockdowns kauften 32 Prozent der Befragten mehr als vorher im Internet ein. „Die Schließung der meisten Geschäfte im Zuge der Covid-19-Maßnahmen hat viele Menschen näher zum Online-Shopping gebracht“, erklärt Udo Müller im Interview mit der „Computerwelt“. Zehn Prozent hätten sich überhaupt das erste Mal auf den digitalen Marktplatz gewagt. Vor allem älteren Menschen bauten nun offenbar Hemmschwellen und Vorurteile durch eigene positive Erfahrung ab. AUF NUMMER SICHER GEHEN Für Sicherheit beim Einkauf im Internet soll die PSD2-Richtlinie sorgen. Sie gilt seit dem 13. Jänner 2018 in allen Mitgliedstaaten der EU und des EWR. In Österreich ist sie im Zahlungsdienstegesetz umgesetzt. Damit

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sind die Rechte der Verbraucher im Online-Handel besser gegen Kreditkartenbetrüger und betrügerische Geschäftsleute geschützt. Das Gesetz regelt zum Beispiel eine starke Kundenauthentifizierung bei Online-Zahlungen über die Stimme oder den Fingerabdruck des Users. Schon lange davor – im Jahr 1978 – hat der heimische Gesetzgeber dem hohen Sicherheitsbedürfnis der Österreicher bei der Verarbeitung ihrer Daten mit dem Datenschutzgesetz entsprochen. Mit der Schaffung einer Behörde für Datenschutz zählte Österreich damals zu den Vorreitern in Europa. Das Gesetz sichert jedem Einzelnen das Grundrecht, selbst über die Preisgabe und Verwendung der persönlichen Daten zu bestimmen, und steht im Verfassungsrang. Trotz der im EWR geschaffenen rechtlichen Rahmenbedingungen sind Achtsamkeit und Selbstverantwortung im Online-Handel besonders gefragt. Um als Konsument Betrügern nicht auf den Leim zu gehen, lohnt es sich jedenfalls, vor dem Kaufabschluss im Internet das Impressum der Seite zu prüfen. Es verrät den Firmensitz und die sogenannte UID-Nummer des Unternehmens. In Europa gibt diese über die Registrierung des Unternehmens bei der jeweiligen Finanzbehörde des Landes Auskunft.

über neue Produkte und Angebote informieren, geben wir eine Menge an Informationen über uns bekannt. Beim Surfen und Shoppen im Internet füttern wir die Datenkrake Google und zahlreiche andere Internetunternehmen bereitwillig mit Daten. So erhebt zum Beispiel Google Analytics die Sitzungsdauer, die Absprungrate, Bestellungen, das Erstellen von Konten, das Ansehen von Kontaktdaten und Bewertungen, das Abspielen von Medien, die Aktualisierung der Seite, das Hinzufügen von Favoriten und das Teilen von Content in sozialen Medien. Im Kampagnentracking wird die Herkunft des Benutzers beispielsweise über die E-Mail-Adresse oder die GoogleSuche festgestellt. Google Analytics verknüpft diese Daten auch mit Suchanfragen und demografischen Daten, die nicht auf dieser Website gesammelt wurden, und kann damit ein umfassendes Benutzerprofil von Besuchern einer Webseite anlegen. Verwendet der Besucher einen anmeldepflichtigen GoogleDienst, kann ihm dieses Benutzerprofil bereits zugeordnet werden. Für Kampagnenmanager ist Google Analytics ein perfektes Tool, um kostengünstig Werbeaktionen im Internet zu fahren und fast zeitgleich die Wirksamkeit zu beobachten. Die Verknüpfung und Verwendung der von Google zur Verfügung gestellten Daten entspricht aber nicht immer europäischen Datenschutzbestimmungen. Zur rechtlichen Absicherung hält Google in seinen Bestimmungen fest: „Wenn Sie Google-Services nutzen, zeichnen unsere Server automatisch Daten auf, die Ihr Browser verschickt, wenn Sie eine Website besuchen. Diese Server-Logdateien können Ihre Webanfrage, Ihre IP-Adresse, den Browsertyp, die Browsersprache, Datum und Uhrzeit Ihrer Anfrage und ein oder mehrere Cookies enthalten, die Ihren Browser eindeutig identifizieren können.“

DIE DATENKRAKE GOOGLE

SMARTPHONE-APPS ALS SPIONE

Was viele nicht wissen: Selbst dann, wenn wir nicht im Internet einkaufen und uns nur

Beim Surfen am Smartphone wird der Benutzer weiter ausspioniert. Auf jedem And-

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Online-Shopping boomt, nicht erst seit Corona: Über acht Milliarden Euro werden in Österreich jährlich im Internet umgesetzt. Dienste wie Google, aber auch Handy-Apps entpuppen sich dabei oft als Datenkrake. Wir geben mehr über uns Preis, als uns lieb ist. Mehr als die Hälfte der Online-Umsätze fließen zu ausländischen Händlern. Das gefährdet den stationären Handel vor Ort und letztlich unseren Wohlstand.


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roid-Gerät sind diverse Apps vorinstalliert, die von Applikationen sozialer Netzwerke wie Facebook über Info-Anwendungen wie Wetterdienste bis hin zu Dienstprogrammen wie der Taschenlampe reichen. „Manche Apps tun aber nicht nur das, was sie sollen und was der Benutzer von ihnen erwartet“, schreibt Sandra Ohse in der „Computerwoche“. Sie warnt vor Apps, die Zugriffsrechte verlangen, welche für ihren Anwendungszweck gänzlich unnötig sind. „Wenn die Taschenrechner-App also zum Beispiel auf Ihre Standortdaten zugreifen will, die Taschenlampe einen Zugriff auf Ihr Adressbuch verlangt oder die Puzzle-App Einblick in Ihre privaten Nachrichten fordert, ist Vorsicht angebracht.“ Die Speicherung vieler gesammelter Daten in den USA ist zusätzlich problematisch. Denn dort wird dem Datenschutz ein geringerer Stellenwert eingeräumt als in Europa. Der deutsche Philosoph Rainer Mühlhoff bezeichnet Google Analytics als ein „behaviorelles Echtzeit-Labor“, das zu einer „digitalen Entmündigung“ von Nutzern beitrage und Google darüber hinaus eine Quasi-Monopolstellung verschaffe. EIN ZWEISCHNEIDIGES SCHWERT Als Konsumenten freuen wir uns über das Schnäppchen, das wir nach stundenlangem Surfen im Internet ergattern. Wer denkt dabei schon daran, ein Grundrecht

zu verschenken? Womöglich haben wir für die Nutzung sogenannter Gratisdienste nicht nur unsere persönlichen Daten freizügig weitergegeben, sondern zum Beispiel über unser Adressbuch auch die unserer Familie und unserer Freunde. Gleichzeitig zerstören wir mit dem Einkauf im Internet die Existenz der Händler, die uns in der realen Welt mit Produkten versorgen. Wie lange werden wir noch Bekleidung, Elektrogeräte, Bücher, Spielwaren und Sportartikel im Geschäft ums Eck kaufen können? Das Geld, das wir in Österreich verdienen, fließt jedenfalls zunehmend ins Ausland ab. Wie die KMU Forschung Austria berichtet, geben die Österreicher nach eigenen Angaben im Online-Handel 56 Prozent bei ausländischen Anbietern aus. Das entspricht etwa 4,5 Milliarden Euro im Jahr. Die KMU-Forschung geht davon aus, dass sich dieser Trend in Zukunft noch drastisch verstärkt, weil Online-Shopping immer mehr zum Smartphone-Shopping wird. Die Ausgaben auf dem Handy erhöhen sich derzeit jährlich um 25 Prozent oder rund 160 Millionen Euro. Mit dem Verfügungsrecht über unsere Daten verschleudern wir nicht nur bereitwillig eines unserer Grundrechte, sondern gefährden auch unseren Wohlstand. Das sollte uns bei der Schnäppchenjagd im Internet stets bewusst sein. g

Links zum Thema

www.kmuforschung.ac.at/e-commerce-studie-oesterreich computerwelt.at/news/covid-19-massnahmen-befluegeln-online-shopping-inoesterreich www.paysafe.com/blog/how-covid-19-is-impacting-consumer-payment-preferences www.computerwoche.de/a/app-berechtigungen-unter-android de.wikipedia.org/wiki/Google_Analytics

Andrea Karner verantwortet den Bereich Kommunikation bei respACT, der führenden Unternehmensplattform für nachhaltiges Wirtschaften. Zuvor war sie Generalsekretärin der Internationalen Volksbankenvereinigung sowie viele Jahre Chefredakteurin des „cooperativ“.

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Die große Transformation

„Wir haben die Chance, eine bessere Welt zu bauen. Liebevoller, witziger, feinfühliger und künstlerischer. Aber wir müssen selbst in den Ring steigen, es selbst unternehmen“, so Günter Faltin, Autor von „Geist schlägt Kapital“ und Gründer des Entrepreneurship Summit. Erkenntnisse aus der Vordenkerei der Gründerszene. Text: Hermann Fritzl Fotos: iStockphoto.com, Wikimedia/Rainer Knäpper

Wie wollen wir leben und arbeiten? Wie können wir ökologische und soziale Kipppunkte verhindern? Ein „Weiter wie bisher“ kann eigentlich nicht funktionieren. Worum geht es also, und wohin sollten wir? Was und wie können Unternehmer, insbesondere Sozialunternehmer, zur Lösung beitragen? Was heißt „gutes Wirtschaften“ im 21. Jahrhundert? Große Themen, große Fragen beim Entrepreneurship Summit 2020. Das Event zählt zu den wichtigsten Gründerveranstaltungen im deutschsprachigen Raum,


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fand bereits zum zwölften Mal statt, heuer erstmals digital. ALTE REZEPTE FÜR EINE NEUE WELT? Maja Göpel, Politikökonomin, Beraterin der deutschen Bundesregierung und Bestsellerautorin mit „Unsere Welt neu denken“, stellte fest: „Unsere heutige Welt unterscheidet sich fundamental von der Welt vor 250 Jahren, als die industrielle Revolution begann. Und doch suchen wir heute vorwiegend mit der damaligen Sichtweise auf die Welt nach Lösungen. Sie zu hinterfragen, macht den Blick auf die Hebel frei, mit denen wir aus der Krise in die Zukunftsgestaltung kommen.“ Denn das 21. Jahrhundert bietet eine neue Realität, die unsere Ideen von erfolgreicher Entwicklung – gemeint ist eine bestimmte Form von Wirtschaftswachstum – auf den Kopf stellt. Deshalb brauchen wir eine Transformation unserer Art des Wirtschaftens und Zusammenlebens. Göpel geht davon aus, dass „drei zentrale Geschichten des 20. Jahrhunderts zerbrochen sind“ und das politische Handeln blockieren: » Wirtschaftswachstum, wie es heute ge messen wird, könne vom Natur- und Ressourcenverbrauch entkoppelt wer den. » Auch in reichen Ländern und Bevöl kerungsgruppen sei Zuwachs wichtig, um möglichst vielen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen (Trickle down-Effekt). » Die Meritokratie der Märkte, also die Verteilung der Lebenschancen, sorge dafür, dass sich Geld- und Wertschöp fung decken. Göpel plädiert für ein Umdenken, für eine auf Gerechtigkeit basierende, nachhaltige Wirtschaftsweise. „Nur so kann man ver-

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hindern, dass die ökologische Frage gegen die soziale ausgespielt wird. Beide gehören zusammen und lassen sich nur miteinander lösen.“ VOLLENDUNG IN DER EINFACHHEIT Wie kann das in einem Unternehmen, bei einem Start-up Berücksichtigung finden? Wir erkennen, dass alles im Fluss ist, und suchen einen festen Punkt, an dem das Neue sichtbar wird. Aber unsere Chancen darauf stehen schlecht. Mitten im Umbruch ist zwar leicht zu erkennen, dass etwas vom Alten wegbricht. Aber es ist praktisch unmöglich zu sehen, welchen Weg das Neue nehmen wird. Viele der am Summit im Rahmen des „Proof of concept“-Tests vorgestellten Ideen scheinen nicht wirklich überzeugend, wir sind alle in einer VersuchIrrtum-Phase. Mit seiner „Teekampagne“ (www.teekampagne.de) trat der heute 75-jährige Günter Faltin schon 1985 den Beweis an, dass in der Einfachheit die höchste Vollendung liegt – auch bei Unternehmen. Der Berliner Entrepreneurship-Professor, der seinen Studenten anhand eines Praxisbeispiels zeigen wollte, wie Unternehmensgründung funktioniert, spezialisierte sich auf Darjeeling-Tee und bietet bis heute nur diese eine Sorte in Großpackungen an. Durch die großen Abnahmemengen kann die Teekampagne den Zwischenhandel umgehen und so Kosten einsparen, die sich beim Produktpreis bemerkbar machen. So hat die Teekampagne nicht nur eine Nische neben dem tradierten Teehandel gefunden und ist nach Eigenaussage zum größten Darjeeling-Importeur weltweit geworden, sondern hat auch für einige andere Geschäftsansätze Pate gestanden, die das Modell übernommen haben. Und zusätz-

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lich wurde gezeigt, dass ein vorteilhafter Handel für Verbraucher und Produzenten gleichermaßen möglich ist. GUT, GÜNSTIG UND FAIR IST MACHBAR

Einfach und fair: Die Produkte der „Teekampagne“ machen es vor

Faltin hat seine Erfahrungen und Erkenntnisse als Unternehmer unter dem Titel „Kopf schlägt Kapital“ publiziert, mittlerweile ein Kultbuch. Faltin: „Was Sie als Gründer wirklich brauchen, ist ein durchdachtes und ausgereiftes Konzept. Einfälle und Ideen gibt es viele, gute Gründungskonzepte dagegen sind ausgesprochen rar.“ Da 80 bis 90 Prozent der Neugründungen scheitern, empfiehlt Faltin, aus vorhandenen Komponenten zu gründen, statt alles selbst aufzubauen: „Die Aufgabe des Gründers besteht dann darin, sich erstens ein Konzept, das aus Komponenten zusammengestellt werden kann, auszudenken, zweitens, die Partner zu finden, die diese Komponenten professionell anbieten, und drittens, das Zusammenspiel der Komponenten zu koordinieren und zu kontrollieren. Es sind fast keine Investitionen erforderlich. Kopf schlägt Kapital.“ Nun hat er dieses Konzept erweitert. Er sagt, „ein gutes Gründungskonzept setzt sich für ein Anliegen ein“ und sollte die Alleinstellungsmerkmale „gut, günstig und fair“ zugleich besetzen. Also: bessere Qualität, Fairness für alle Beteiligten und höchste Transparenz beim Preis. Zum Merkmal der besseren Qualität zählen längere Haltbarkeit, bessere Materialien, weniger Obsoleszenz und Umweltschäden. Zur Fairness rechnet er die Bezahlung, den Arbeitsschutz, die Fairness gegenüber Natur und Kunden. Günstig sieht er mit hoher Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Kommunikation verbunden. Um günstig sein zu können, sollte der „Marketing-Ruck-

sack“ möglichst klein gehalten werden. Dieser beziffert das Verhältnis zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis. In ihm stecken alle Kosten des Zu-MarkteTragens, vermeidbare – darunter versteht Faltin etwa die klassische Werbung – und unvermeidbare – etwa Transportkosten oder Verkaufssteuern. Es geht also nicht darum, den Rucksack abzuschaffen, sondern ihn so klein wie möglich zu halten und unnötigen Ballast herauszunehmen. So wie auch der ökologische Rucksack nicht einfach verschwinden kann: Es gibt einen notwendigen Aufwand, der selbst bei umweltfreundlichster Herstellung anfallen würde. PROBLEME LÖSEN, NICHT BEDÜRFNISSE HERAUSKITZELN Das lange erfolgreiche Modell des immerwährenden Wachstums müsse schnellstmöglich in eine nachhaltige Ökonomie verwandelt werden. Denn je mehr Menschen selbst etwas für eine bessere Welt unternehmen, desto größer sei die Chance, dass die Welt dadurch tatsächlich besser werde, meint Faltin, der Initiator des Entrepreneurship Summits: „Wir können unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. Durch unser Handeln kann ein besseres Wirtschaften, ein besseres Leben möglich werden.“ Es ist spannend zu registrieren, wie in Teilen der Gründerszene ökologische und soziale Fragen aufgenommen und verarbeitet werden. Vor wenigen Jahren stand bei vielen Gründern noch das schnelle Reichwerden im Vordergrund, jetzt stehen ethische Fragen und Antworten auf gesellschaftliche Probleme hoch im Kurs. Probleme lösen, nicht Bedürfnisse herauskitzeln. Lernen, die Welt neu zu verstehen. Kundenpartnerschaft und ökologische Achtsamkeit vor Profitmaximierung. Ist hier ein mentaler Generationenwechsel erfolgt? Jedenfalls eine große Chance für genossenschaftliche Konzeptionen. g


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ÖGV

Neues aus dem Team Philip Tazl übernimmt das Projektmanagement im Vorstandsbereich Anwaltschaft. Der 26-jährige Salzburger hat Volkswirtschaft an der WU Wien studiert. Erste Berufserfahrung sammelte er bei Praktika im WKO-Außenwirtschaftscenter in Neu-Delhi und im EU-Parlament in Brüssel sowie als Werksstudent bei der Bank Austria.

Valjdet Arslani verstärkt als Revisionsassistent die Prüfungsgruppe Ware. Der 30-Jährige hat das Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Wien erfolgreich abgeschlossen. Er war bereits als Revisionsassistent beim Wirtschaftsprüfer IBD und als Audit Associate bei KPMG Austria im Bereich Wirtschaftsprüfung tätig.

Dana Schilling unterstützt als juristische Teilzeitmitarbeiterin die Rechtsabteilung des ÖGV. Die 25-Jährige studiert Jus an der Uni Wien und hat bereits erste Erfahrungen als juristische Mitarbeiterin in der Kanzlei Stoiber & Fizimayer gesammelt.

Tanja Graf hat im Herbst ihre Lehre im ÖGV begonnen. Die 15-jährige Wienerin absolviert im Verband eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Alexandra Fischer hat Anfang Dezember ihr 20-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Als Assistentin im Bereich Beratung, Betreuung und Koordination ist sie die erste Anlaufstelle für alle Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im ÖGV und aufgrund ihrer Erfahrung und Kompetenz hochgeschätzt.

Wichtige Gesetzesreform Der langfristige wirtschaftliche Erfolg von Genossenschaften beruht maßgeblich auf einer Revision, die höchsten Qualitätsstandards entspricht. Hier wurde im November ein wichtiger Schritt getan: Auf Initiative des ÖGV gemeinsam mit Raiffeisen hat der Nationalrat eine Reform des Genossenschaftsrevisionsgesetzes beschlossen. Damit wird unter anderem die Ausbildung zum Genossenschaftsrevisor modernisiert, und das Berufsrecht

wird fit für die Herausforderungen der Zukunft gemacht. Der Reform waren mehr als zwei Jahre intensive Arbeit vorausgegangen. „Ich danke allen Beteiligten – insbesondere den Mitarbeitern des ÖGV – für die ausgezeichnete Kooperation und das Durchhaltevermögen bei der Umsetzung“, so Verbandsanwalt Peter Haubner (im Bild mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck nach dem Beschluss im Parlament).

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ÖGV

Interessenvertretung neu aufgestellt

Die Mitarbeiter des Teams Bankenregulierung: Victoria Pagowski (Leitung), Stefan Resetarits, Sandra Steurer-Konrath und Birgit Szücs

Im Bereich Finanzmarkt für die Mitglieder im Einsatz: Silvia Liegl (Leitung) und Ismail Akbal

Weil die Regularien weiter zunehmen, die Themenbereiche immer komplexer werden und damit auch erhöhter Einsatz der Interessenvertretung gefragt ist, begleitet von stetig steigendem Informations- und Schulungsbedarf, hat der ÖGV diese Fachabteilung verstärkt, indem zwei Bereiche – für die Bankenregulierung und für den Finanzmarkt – geschaffen wurden. Im Bereich Bankenregulierung werden neben der Regulierung und den Ordnungsnormen auch die Themen Sanierung und Abwicklung,

Corporate Governance, Zahlungsverkehr sowie Nachhaltigkeit behandelt. Der zweite Bereich befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Finanzmarkt, Digitalisierung und Konsumentenschutz. Die effiziente Neuaufstellung hat sich bereits während der Coronakrise, die einen stark erhöhten Bedarf an Information für Vorstände, Aufsichtsräte und Mitarbeiter mit sich brachte, sehr bewährt. Neben digitalen und analogen Schulungen bietet die Interessenvertretung auch regelmäßige Veranstaltungen wie den Jour Fixe zu regulatorischen Neuerungen an, der auch für Zwecke von Fit & Proper anrechenbar ist und allen Interessenten offensteht. „Mit unserem tiefgehenden und gleichzeitig breit gestreuten Know-how sowie unserer langjährigen Erfahrung im In- und Ausland können wir die Interessen unserer Mitglieder national und international bestmöglich vertreten und durch die neue Aufstellung der Bereiche auch ein sehr großes Spektrum an Themen abdecken“, so Victoria Pagowski und Silvia Liegl, die Leiterinnen der beiden neu geschaffenen Fachabteilungen.


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Volksbanken-Verbund

„Erfolgsgeschichten“ mit den Skisprung-Stars Die ÖSV-Athleten rund um Stefan Kraft und Eva Pinkelnig sind ab Jänner wieder im TV und auf Inseraten für die Volksbanken im Einsatz. „Erfolg fängt an, wo man vertraut“, lautet der Claim der neuen Imagekampagne für 2021. Die Botschaft dahinter: Jeder hat andere Ziele, Wünsche oder Träume. Egal, wie groß oder klein sie sind, sie zu haben, ist bereits der erste Schritt zum Erfolg. Aber der Weg dorthin kann mitunter steinig sein. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Menschen und Partner an seiner Seite zu wissen. Die Volksbank ist das Team, auf das man sich verlassen kann – dieses Vertrauen macht Erfolge überhaupt erst möglich.

Imagekampagne zu Hausbank & hausbanking Mit der Botschaft „Wir nennen das Hausbank und hausbanking – für Sie heißt das: Bank, ganz nach Ihren Bedürfnissen“ rücken die beiden Testimonials Andreas Goldberger und Thomas Morgenstern die enge Verbindung zwischen der Volksbank als Top-Beraterbank und ihren Online-Services ins Rampenlicht. Dabei steht Goldberger für den Part der persönlichen Betreuung mit einer Bankberaterin, die sich individuell und kundenorientiert um wichtige Themen kümmert. Morgenstern hingegen taucht ein in die schnelle, praktische Welt des hausbanking mit all seinen Vorteilen im täglichen Leben. Seit Oktober läuft die Kampagne online und auf Social Media: www.volksbank.at/hausbank-hausbanking

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Volksbank Wien

Wachablöse im Südburgenland Im Herbst hat sich Regionaldirektor Harald Berger nach 25 erfolgreichen Jahren im Dienste der Volksbank im Südburgenland in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist Richard Kossits, der zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Berger war von 1996 bis zur Fusion im Jahr 2016 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Südburgenland. Danach setzte er seine Arbeit als Regionaldirektor fort. Er hinterlässt in der Region große Fußstapfen: In seiner Ära wurde die Volksbank Südburgenland zu einer der erfolgreichsten Banken im Verbund. 2008 erhielt sie den „Victor“-Award als beste Bank des Jahres. Im Laufe seiner Karriere bekleidete Berger zahlreiche weitere Funktionen im Verbund, als Vizepräsident des Österreichischen Genossenschaftsverbandes, Vorstand der Schulze-Delitzsch-Haftungsgenossenschaft

oder Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Wien. Zudem war er Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Burgenland. Als Regionaldirektor folgt im Richard Kossits (51) nach. Für den gebürtigen Südburgenländer ist es eine Rückkehr in die Region – und in die Volksbank. 1989 hatte er seine berufliche Laufbahn in der ÖVAG begonnen. Danach war es fast 20 Jahre lang im Firmenkundengeschäft der Bank Austria in Wien tätig, zuletzt arbeitete er für die Volksbank Steiermark. „Ich freue mich schon auf die neue Herausforderung, die ich gemeinsam mit einem tollen Team im Südburgenland in Angriff nehmen darf. Das hohe Kundenvertrauen in die Volksbank und deren ausgezeichneter Ruf bieten ein gutes Fundament für eine erfolgreiche Zukunft. Mein Dank gilt Harald Berger für die großartige Leistung in den vergangenen 25 Jahren“, so der neue Regionaldirektor.

Verabschiedung von Harald Berger (li.) im Kreis seiner Regionaldirektoren-Kollegen

Richard Kossits, der neue Regionaldirektor für das Südburgenland


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50-Jahr-Jubiläum in Leobersdorf Anlässlich des 50-jährigen Bestehens hat das Team der Volksbank-Filiale in Leobersdorf Kunden und Gäste zu einer Filmvorführung unter freiem Himmel geladen. Filialleiter Johannes Weinbauer begrüßte die Besucher und blickte auf die Anfänge zurück: Gut zehn Jahre hatte es gedauert, bis die damalige Volksbank Enzesfeld und Umgebung am 13. August 1970 die Bewilligung des Finanzministeriums für die Eröffnung von Zweigstellen in Leobersdorf und Hirtenberg erhielt. Kurz darauf, am 27. Oktober, konnte man eine provisorische Bankstelle beziehen. Am 4. Dezember 1971 übersiedelte das Team in eine neu errichtete Filiale am heutigen Standort. 1981 fusionierte die Volksbank Enzesfeld – und damit auch die Filiale Leobersdorf – mit der Volksbank Baden, 2013 kam es zur Fusion mit der Volksbank Wien. Deren Generaldirektor, Gerald Fleischmann, betonte in seiner Rede die Kontinuität in Leobersdorf. So habe es in 50 Jahren nur zwei Filialleiter gegeben. Bis 1998 war das Werner Schabes, seitdem ist Johannes Weinbauer im Amt. Die Grußworte der Gemeinde überbrachte Vizebürgermeister Walter Cais. Er bedankte sich

Die Volksbank in Leobersdorf einst (li.) und heute (re.)

für die gute Zusammenarbeit mit der Volksbank und sprach dem gesamten Team ein großes Lob aus. Filialleiter Weinbauer konnte noch weitere hochkarätige Gäste aus der Region begrüßen. Als Dank überreichte er Spendenschecks an die Pfarre sowie die Feuerwehr.

Illustre Gäste gratulierten Filialleiter Johannes Weinbauer (3. v. r.) und seinem Team

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Volksbank Wien

Business-Award für Filiale Landstraße Erfolg für das Volksbank-Team in WienLandstraße: Beim traditionellen BusinessAward des „Wiener Bezirksblatts“ war die Filiale in der Landstraßer Hauptstraße im dritten Bezirk ganz vorn mit dabei. Filialleiterin Renate Hainka (Bildmitte) nahm die Auszeichnung aus den Händen von Bezirksvorsteher Erich Hohenberger entgegen. Wir gratulieren zu diesem tollen regionalen Erfolg! Foto: Stefan Joham

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100 Jahre Volksbank in Ebreichsdorf Die Volksbank in Ebreichsdorf hat heuer ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum gefeiert – Corona-bedingt ohne großes Fest, dafür mit Spenden an die regionalen Blaulichtorganisationen. Zur Scheckübergabe lud die Volksbank in Ebreichsdorf Bürgermeister Wolfgang Kocevar sowie Vertreter von Feuerwehr und Arbeiter-Samariter-Bund ein. „Alternativ zur geplanten Feier möchten wir zumindest einen Teil des dafür vorgesehenen Budgets sinnvoll in der Region investieren“, so Filialleiter Josef Blüml. Die Volksbank in Ebreichsdorf wurde 1920 als „Handels- und Gewerbekasse für Ebreichsdorf und Umgebung“ gegründet. Eine Gruppe von Gewerbetreibenden hatte sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um in der Region nach der Idee von Hermann Schulze-Delitzsch den Erwerb und die Wirtschaft der Mitglieder zu fördern. 1952 erfolgte die Umfirmierung in Volksbank Ebreichsdorf. Im Zuge einer Strukturbereinigung schlossen sich 1983 die Volksbanken in Ebreichsdorf und Pottendorf zusammen. Es folgten Fusionen mit Baden und später mit Wien.

Das Jubiläum bringt in der Volksbank in Ebreichsdorf zugleich eine Wachablöse an der Spitze: Geschäftsstellenleiter Josef Blüml – mit 45 Dienstjahren eine Legende – tritt mit Ende März 2021 seinen wohlverdienten Ruhestand an. Er übergibt die Leitung des Volksbank-Kompetenzzentrums an Raimund Kössler. Dieser ist seit mehr als 30 Jahren in der Bankenbranche tätig und freut sich auf die neue Herausforderung. Regionaldirektor Martin Heilinger streut Blüml zum Abschied Rosen: „Es gibt niemanden, der die Region rund um Ebreichsdorf und Pottendorf besser kennt. Josef Blüml hat exzellente Arbeit geleistet und die Marke Volksbank perfekt transportiert. Die erfolgreiche Zusammenführung von sechs Standorten zum Kompetenzzentrum Ebreichsdorf war seine große Leistung der letzten drei Jahre.“ Blüml selbst blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich kann ein gut gemachtes Haus übergeben und die nächsten Monate mit vielen Übergabeterminen genießen. Das Kompetenzzentrum ist mit 13 Mitarbeitern optimal regional aufgestellt und deckt sämtliche Bedürfnisse unserer Kunden vor Ort ab.“

Raimund Kössler (li.) und Josef Blüml (re.) mit dem Team der Volksbank in Ebreichsdorf

Scheckübergabe an die Vertreter von Samariterbund und Feuerwehr


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Sparda-Bank

Preis-Leistungs-Sieger bei Girokonten

Foto: Joachim Bergauer

Die Gesellschaft für Verbraucherstudien (ÖGVS) hat auch heuer in einer landesweiten Online-Kundenbefragung Österreichs beste Girokonten bei Filialbanken ermittelt. Klarer Sieger in der begehrten Kategorie „Preis-Leistungs-Verhältnis“ ist dabei die Sparda-Bank, eine Marke der Volksbank Wien. „Als einzige österreichische Bank, die sich ausschließlich auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer konzentriert, ist für uns und unsere Kunden das Preis-Leistungs-

Verhältnis der Produkte von besonderer Bedeutung. Es ist unser Anspruch, stets maßgeschneiderte Produkte zu Top-Konditionen anzubieten“, so Sparda-Regionaldirektor Günter Umfahrer (Bild). Bewertet wurden das Preis-Leistungs-Verhältnis der Girokonten, die Höhe der Gebühren sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis von Zusatzleistungen und -funktionen. Bei allen drei Kriterien hatte die Sparda die Nase vorn. Wir gratulieren!

Volksbank Kärnten

Als starke Genossenschaftsbank und Hausbank für die Region hat sich die Volksbank Kärnten bei ihrer heurigen Generalversammlung präsentiert. Man werde den Kunden auch in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen, versicherte der Vorstand. Nach vier Mitgliederversammlungen in Feldkirchen, Spittal an der Drau, Ferlach und Klagenfurt fand im Herbst die Generalversammlung der Volksbank Kärnten statt. Vorstandsvorsitzender Johannes Jelenik und sein Stellvertreter Alfred Holzer legten den Delegierten erfolgreiche Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor – die Bilanzsumme steig um vier Prozent auf 1,45 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern gar um 55 Prozent auf zehn Millionen Euro. Mit Blick auf die Coronakrise erklärte Jelenik: „Gerade jetzt zeigt sich, wie wertvoll eine langjährige, vertrauensvolle und per-

sönliche Kundenbeziehung ist. Wir kennen unsere Kunden, und unsere Kunden kennen uns. Als genossenschaftlich organisierte Hausbank setzen wir nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf die Förderung unserer Mitglieder. Bisher haben wir mehr als 1.300 Corona-Maßnahmen mit einem Volumen von mehr als 30 Millionen Euro im Kreditbereich umgesetzt.“ Der Vorstandsvorsitzende versicherte: „Als Regionalbank sehen wir es als unsere Verpflichtung an, den kärntnerischen Unternehmen in dieser schwierigen Phase weiterhin zur Seite zu stehen.“ Vorstandskollege Holzer blickte zuversichtlich in die Zukunft: „Nach einem erfolgreichen Vorjahresergebnis und einem guten Start ins Jahr 2020 sind wir für die Coronabedingten Herausforderungen gut gerüstet, auch wenn die genauen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise derzeit noch nicht abschätzbar sind.“

Foto: Helge Bauer

Generalversammlung mit klarem Bekenntnis zum Förderauftrag

Das Vorstandsteam der Volksbank Kärnten: Johannes Jelenik (li.) und Alfred Holzer (re.)

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Volksbank Vorarlberg

Verbund-Vorstände zu Gast im „Ländle“ Die Volksbank Vorarlberg war im Oktober Gastgeber der diesjährigen Kulturklausur der Vorstände von Volksbanken, Union Investment, TeamBank und ÖGV. Dabei präsentierte sich das „Ländle“ von seiner besten Seite. Im Mittelpunkt der Klausur stand die Stärkung der Zusammenarbeit. Das abwechslungsreiche Programm über zwei Tage verband die fachlichen Workshops und Diskussionen mit einem entspannten Gettogether. Bei den gesellschaftlichen Programmpunkten konnten die Vorarlberger unter Beweis stellen, wie konsequent und vielfältig das Wertesystem der Regionalität gelebt und umgesetzt werden kann. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen sowie unseren Partnern die Reize unseres kleinen, aber feinen Bundeslandes zu zeigen. Die nachhaltige Einbindung unserer Kundinnen und Kunden, speziell bei Veranstaltungen, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir sind dankbar, so viele vertrauensvolle Partnerschaften und Kundenbeziehungen pflegen zu dürfen. Denn wenn man sich kennt, geht vieles einfacher“, erklärte Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg. So wurden unter anderem Kunden aus der Gastronomie für Verpflegung und Catering sowie aus der Transportbranche für die Fahrt engagiert. Den Teilnehmern besonders in Erinnerung geblieben ist die gemeinsame Wanderung im Brandnertal, das über die Landesgrenzen hinaus als beliebtes Ski- sowie Wandergebiet bekannt ist. Schon die Fahrt mit dem zum Cabrio umgebauten „gsi Bus“ nach Brand war ein gelungener Start. Dort wurden die Gäste von der erfolgreichen Skispringerin Eva Pinkelnig begrüßt und über die „Alpe Parpfienz“ bis zum Bergrestaurant „Frööd“ begleitet. Standesgemäß empfangen wurde die Wandergruppe von den Alphornbläsern aus der Region, für Erheiterung sorgte der Vorarlberger Kabarettist Markus Linder.

Fotos: Michael Siblik

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Filiale in Götzis erstrahlt in neuem Glanz Wie bereits berichtet, setzt die Volksbank Vorarlberg in Götzis ein völlig neues, innovatives Filialkonzept um. Ende Oktober wurde das neue Kompetenzzentrum nun eröffnet. In die 380 Quadratmeter großen Räumlichkeiten wurden rund 1,8 Millionen Euro investiert. Die Filiale beschränkt sich nicht mehr ausschließlich auf Bankdienstleistungen, sie dient auch als Kommunikationsplattform und bietet Raum für Kunst und Kultur in der Region. Hier entstehen kreative Ideen, Begegnungen und lösungsorientierte Workshops, die Gesellschaft und Wirtschaft in der Region nachhaltig beeinflussen sollen. Als Multifunktionsraum bietet die Filiale die Möglichkeit, Veranstaltungen mit einer Bestuhlung von bis zu 50 Plätzen im Foyerbereich durchzuführen. So wird die Bank wieder in den Alltag integriert. „Wir werden zu einem Treffpunkt in der Region, der den Kundinnen und Kunden der Volksbank Vorarlberg einen echten Mehrwert bietet“, so Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel.

Qualitätssiegel für nachhaltigen Fonds Die Volksbank Vorarlberg ist vom Forum Nachhaltige Geldanlagen für ihren Investmentfonds „Premium Selection Equity“ mit dem FNG-Siegel ausgezeichnet worden. Als Fachverband für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz setzt sich das FNG für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ein. Das Siegel ist ein angesehener Qualitätsstandard im deutschsprachigen Raum und eine Bestätigung der gelebten Nachhaltigkeitsstrategie. Grundvoraussetzung für die Verleihung war zudem der Erhalt des Transparenzlogos des European Sustainable and Responsible Investment Forum im September dieses Jahres. Dieser europaweite Zusammenschluss von nationalen Sustainable Investment Foren verfolgt das Ziel, durch einen detaillierten Fragebogen zur Nachhaltigkeitsstrategie und zum Fondsmanagement

mehr Transparenz im nachhaltigen Anlagemarkt zu schaffen. „Wir haben als erste Bank Österreichs in der Vermögensverwaltung auf eine vollumfänglich nachhaltige Anlagestrategie gesetzt. Von Anfang an waren wir vom Erfolg dieses Konzepts überzeugt und haben nun wieder die Bestätigung dafür erhalten“, freut sich Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg.

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Foto: Kleine Zeitung/Fuchs

Volksbank Steiermark

Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka bei der Scheckübergabe an Präsident Bernd Olbrich vom Verein „Steirer helfen Steirern“

In allen Volksbank-Regionen wurden Spenden an karitative Einrichtungen übergeben

Initiative für finanzielle Gesundheit und Soziales In der Zeit rund um den Weltspartag hat die Volksbank Steiermark heuer die „finanziellen Gesundheitstage“ ausgerufen. „Wir sehen es als etwas Wesentliches, die finanzielle und persönliche Gesundheit unserer Kunden und der Menschen in unserem Umfeld zu stärken und zu fördern“, so Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka über das Ziel der Initiative. Im Fokus standen der finanzielle Gesundheits-Check und die Frage, wie Kunden sich in Geldangelegenheiten noch fitter machen können. Weil es aber auch Menschen gibt, die sich diese Frage aus unterschiedlichsten Gründen erst gar nicht stellen können, spendet die Bank anstelle von Weltspartagsgeschenken für Erwachsene schon seit mehreren Jahren an karitative Einrichtungen in der ganzen Steiermark. Auch heuer fanden wieder Spendenübergaben in allen Regionen der Bank statt. Symbolisch für die gesamte Steiermark wurde zudem im Namen der Privatstiftung für Handel und Gewerbe ein Beitrag an den Verein „Steirer helfen Steirern“ übergeben.

Volksbank Tirol

Die Volksbank Tirol hat erneut den „Prix de Fonds“ in Gold von Union Investment für ihr Engagement im Fondsgeschäft erhalten. Was die Siegerbank besonders freut: In der gesamten Geschichte der bisher 24 Verleihungen ist die Tiroler Genossenschaftsbank das einzige Institut, das den Preis vier Mal hintereinander verliehen bekam. „In Zeiten kaum vorhandener Zinsen, ja sogar negativer Realzinsen, ist es notwendig, ertragreiche Anlageprodukte abseits der klassischen Sparformen anzubieten“, erklärt Markus Hörmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Tirol, die Motivation für das Engagement. Gerade das ratierliche Sparen mit Fonds erfreut sich großer Beliebtheit: Anleger können von einem Fondssparplan in ertragreiche Anlageformen wie Aktien langfristig profitieren. „Das gilt nicht nur für kleine und größere finanzielle Wünsche, sondern insbesondere auch für die Altersvorsorge“, so Vorstandskollege Martin Holzer.

Foto: Die Fotografen

Auszeichnung mit „Prix de Fonds“

V. l. n. r.: Preisübergabe mit Marc Harms (Union Investment Austria), Martin Holzer, Michael Senn und Markus Hörmann (alle Volksbank)


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Volksbank Akademie

Die besten Absolventen des Jahres Die Coronakrise stellt alle vor große Herausforderungen – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Trotz der fordernden Zeiten sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbanken hochmotiviert, sich ständig weiterzubilden. Dabei hat sich die Volksbank Akademie als verlässlicher Partner bewährt, indem sie den perfekten Rahmen für ein situationsgerechtes und hochqualitatives Lernumfeld schafft. Bei zwei Terminen im Frühjahr und im Herbst haben heuer 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Prüfung zum Kundenberater abgelegt, zwölf von ihnen mit der Bestnote. Diese stellen wir Ihnen hier vor. Wir gratulieren zum herausragenden Erfolg!

Melanie Essl Volksbank Salzburg

Sandra Raidl Volksbank Steiermark

Sebastian Hatzmann Volksbank Salzburg

Thomas Ramsbacher Volksbank Kärnten

Jasmin Kohlhofer Volksbank Steiermark

Melanie Reitmaier Volksbank Steiermark

Saskia Kupfner Volksbank Salzburg

Hannes Riedelsperger Volksbank Salzburg

Anna Moser Volksbank Salzburg

Victor Westerthaler Volksbank Tirol

Thomas Peer Volksbank Salzburg

Kerstin Zörner Sparda-Bank

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Union Investment

Neuer Sponsor der ÖSV-Skisprungtrainer Union Investment und der ÖSV haben mit Beginn der Saison 2020/21 eine Kooperation gestartet: Der Fonds-Partner der Volksbanken ist für die nächsten drei Jahre offizieller Sponsor des SkisprungTrainerteams.

ÖsterreichStart für Immobilienfonds

Union Investment möchte damit seiner Markenbekanntheit hierzulande zusätzlichen Rückenwind verleihen. Erklärtes Ziel ist es, sich in den Top drei der Fondsanbieter in Österreich zu etablieren. Marc Harms, Geschäftsführer von Union Investment Austria: „Der österreichische Skisprungsport steht für ein hohes Maß an Fairness, Partnerschaft, Professionalität, Vertrauen, Dynamik und Erfolg. Diese Werte sind auch unser Fundament in der Finanzwelt. Dieses Engagement ist für uns daher ein naheliegender Schritt. Zudem sind die österreichischen Volksbanken als unsere zentralen Partner bereits langjähriger Sponsor der Skispringer.“ Auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel freut sich über die neue Partnerschaft: „Die Begeisterung für die Sache hat uns zusammengebracht. Unser Herz schlägt höher bei guten sportlichen Ergebnissen, und Union Investment arbeitet mit Leidenschaft für die Zahlen der Finanzwelt. Wir freuen uns darauf, mit dem Unternehmen als offiziellem Partner unseres Skisprung-Trainerteams zusammenzuarbeiten.“

Foto: Union Investment

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V. l. n. r.: Die ÖSV-Trainer Andreas Widhölzl (Skisprung Herren), Mario Stecher (Kombination) und Harald Rodlauer (Damen)

Immobilieninvestments eignen sich für fast jedes Kundendepot, da sie für ihre stabilisierenden Eigenschaften in der Vermögensstrukturierung geschätzt werden. Ein interessanter Bereich dabei sind Wohnimmobilien. Daher haben Union Investment und die Volksbanken Ende Oktober am österreichischen Markt den Vertrieb des offenen Immobilienfonds „UniImmo: Wohnen ZBI“ gestartet. Marc Harms, Geschäftsführer von Union Investment Austria: „Nachdem wir in Österreich seit Jahren mit unserem gewerblichen Immobilienfonds sehr erfolgreich waren, erweitern wir das Angebot nun um das Segment Wohnimmobilien.“ Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, ergänzt: „Offene Immobilienfonds stehen traditionellerweise ganz oben auf der Liste der nachgefragtesten Fonds. Anleger investieren indirekt in Sachwerte, die langfristig solide Erträge bringen können.“ Der „UniImmo: Wohnen ZBI“ ist ein offener Publikumsfonds, der aus der Partnerschaft der Zentral Boden Immobilien Gruppe (ZBI) mit Union Investment entstanden ist. Der von der ZBI verwaltete Fonds ist in Deutschland bereits seit 2017 auf dem Markt und verwaltet ein Vermögen von rund vier Milliarden Euro. Nun haben auch österreichische Anleger die Chance, schon mit kleinen Beiträgen langfristig an Mieterträgen und Wertsteigerungen von Wohnimmobilien teilzuhaben – und das bei mäßigem Risiko. Denn der Fonds investiert in erschwinglichen Wohnraum für die breite Bevölkerung in deutschen und österreichischen großen und mittelgroßen Städten mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum und positiver Bevölkerungsentwicklung. Der jüngste Neuzugang ist übrigens das Projekt „Wohngarten“ in Wien-Simmering.


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ERGO

Weiter unangefochtener Service-Champion ERGO, der Versicherungspartner der Volksbanken, hat beim Service-Champion-Ranking bereits zum sechsten Mal in Folge den ersten Platz in der Versicherungsbranche erreicht. Einmal jährlich erstellt die Analysegesellschaft ServiceValue gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt das größte Service-Ranking Österreichs, eine breit angelegte Untersuchung zum erlebten Kundenservice. 2020 wurden rund 107.000 österreichische Kunden zu ihrer Servicezufriedenheit bei 408 Unternehmen aus 43 Branchen befragt. Mit einem Serviceerlebniswert von 77,1 Prozent liegt ERGO wieder deutlich über dem Branchenmittel von 68,4 Prozent und damit ganz klar auf dem ersten Platz der Versicherungsbranche. Das freut auch Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien: „Unser Anspruch ist es, den Kundinnen und Kunden stets beste Servicequalität zu bieten – als Volksbank wie auch über unsere Partner. Es macht uns besonders stolz, mit der ERGO Versicherung einen Top-Partner und -Serviceanbieter an unserer Seite zu haben.“ Qualität beweist ERGO auch beim Produktangebot: Die Haushalt- und Eigenheimversicherung „ERGO fürs Wohnen“ wurde im Rahmen des Versicherungs Award Austria, einer Bewertung durch Versicherungsmakler und Vermögensberater, mit „Sehr gut“ ausgezeichnet.

Livestream aus Nürnberg

TeamBank

Erstes rein digitales Management-Meeting Am 1. Oktober hat das diesjährige B2B-ManagementMeeting des Volksbanken-Partners TeamBank unter dem Motto „Unternehmertum“ das erste Mal komplett digital stattgefunden. Bei dem Netzwerktreffen kamen die 200 größten Banken aus Österreich und Deutschland virtuell zusammen, um sich gemeinsam mit der TeamBank zu den Themen Zukunftsfähigkeit und unternehmerische Weichenstellungen im digitalen Wandel auszutauschen. Nach einer digitalen Vorstellungsrunde konnten sich die Gäste von zwei versierten Speakern per Livestream aus der Nürnberger Unternehmenszentrale der TeamBank inspirieren lassen. Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group, der maßgeblich die Digitalisierung in dem ursprünglich durch das klassische Verlagsgeschäft geprägten Unternehmen vorantrieb, sowie Florian Heinemann, der als Frühphasen-Investor fest in der europäischen Gründerszene etabliert ist, teilten ihre Erfahrungen. Mit „Ein weiter so wird es nicht geben“ leitete Christian Polenz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TeamBank, anschließend seine Keynote ein. Dabei präsentierte er innovative Lösungsansätze, um gemeinsam mit den Partnerbanken den aktuellen Herausforderungen und Chancen zu begegnen. Anschließend erläuterte Andreas Thimm, Leiter der Kundenbank, die gemeinsame Marketing- und Vertriebsplanung für 2021, um die Partnerbanken optimal auf das kommende Geschäftsjahr einzustimmen. Die Veranstaltung wurde von spannenden Insights abgerundet: Referenten der TeamBank präsentierten Neuigkeiten zur Finanzreserve, Wissenswertes über eine zukunftsfähige Vertriebssteuerung sowie Erkenntnisse der Online-Kundenreise von B2C-Kunden.

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TeamBank

„Fairer Credit“ in den Volksbanken ab sofort digital Papierflut ade beim Konsumentenkredit: Ab sofort kann die vorgeschriebene Unterschrift bei der Bestellung eines „fairen Credit“ in den Volksbanken unter Einhaltung aller regulatorischen Vorgaben rein digital geleistet werden. Als einer der ersten Ratenkreditanbieter in Österreich implementiert die TeamBank damit auf Basis der eIDAS-Grundverordnung der EU einen vollständig digitalen Vertragsabschluss in der Filiale. Dabei kann sie auf dem bereits 2016 eingeführten Online-Kreditabschluss aufbauen, der auf einer ähnlichen Technologie beruht. Anstelle des bisherigen umfangreichen Vertragsdokuments auf Papier, das während des Beratungsgesprächs in der Filiale persönlich unterzeichnet werden musste, erfolgt die rechtssichere und qualifizierte Signatur nun durch das sichere mTAN-Verfahren vollkommen digital. Dabei erhalten die Kunden im Zuge des Beratungsgesprächs einen TAN-Code auf das Mobiltelefon geschickt, mit welchem der Vertragsabschluss direkt vor Ort besiegelt wird. Durch die Nutzung des bekannten mTANVerfahrens findet kein Eingriff in die bewährten Beratungsprozesse des „fairen Credit“ statt. Nach der Vertragsunterzeichnung erhalten die Kunden die gesamten Unterlagen per E-Mail zugestellt und können diese bequem im Kundenportal des „fairen Credit“ abrufen. Der Prozess erfüllt alle Vorgaben des Datenschutzes und der Informationssicherheit. Mit dem digitalen Vertragsabschluss im stationären Vertrieb kann auf viele Seiten gedrucktes Papier verzichtet werden. Das spart nicht nur Geld, sondern schont vor allem auch Umwelt und Ressourcen. Das Potenzial ist enorm: Allein im Jahr 2018 wurden über 24 Millionen Seiten Papier in

den Partnerbanken gedruckt. Darüber hinaus gewinnen die Volksbanken durch den volldigitalen Prozess wertvolle Vertriebszeit: Weil Drucken und Sortieren der Vertragsseiten wegfallen, kann mehr Energie in die Beratung investiert werden. Gleichzeitig verbessert sich durch den einfachen und schnellen Prozess das Kundenerlebnis. „Für die TeamBank sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit zwei Seiten derselben Medaille. Die Einführung des digitalen Vertragsabschlusses in den Filialen ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Sie zeigt, dass Umweltschutz gerade auch durch digitale Innovationen in exzellenter Weise vorangetrieben werden kann“, so Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank. Johannes-Maximilian Purr, Projektleiter TeamBank

Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank


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Sport 2000

Krisenfit dank starker Gemeinschaft

„Corona hat Trends beschleunigt, die uns klar zugutekommen – sei es Gesundheit oder Regionalität, aber auch Digitalisierung“, so Holger Schwarting, Vorstand von SPORT 2000. Als ein Erfolgsgeheimnis in der Krise sieht er den starken Zusammenhalt innerhalb der Genossenschaft, kombiniert mit den Vorteilen der eigenständigen und regional verankerten Händler: „Die Geschäfte sind in Bezug auf Fläche und Management klein strukturiert. Mit dem Rückhalt des großen SPORT-2000-Netzwerks ermöglicht dies rasches und agiles Handeln, angepasst an die regionalen Erfordernisse.“ Im den Sommermonaten profitierte der Sportartikelhandel von einem regelrechten Boom bei Fahrädern – insbesondere E-Bikes –, aber auch beim Laufsport. Und im Online-Geschäft brachte die Coronakrise Wachstumsraten von 200 bis 400 Prozent. SPORT 2000 bietet neuerdings allen Mitgliedern individuelle Online-Auftritte an. Man wolle aber ganz bewusst keinen großen, zentralen Online-Shop schaffen, betont Schwarting, der trotz digitaler Ergänzung langfristig weiter auf den stationären Vertrieb setzt: „Die Kombination eines informativen Online-Shops mit individueller Beratung in den Geschäften sehen wir als Geschäftsmodell der Zukunft.“ Denn SPORT 2000 will sich weiterhin als Qualitätsanbieter mit kompetenter persönlicher Beratung vor Ort positionieren und setzt dabei stark auf das sogenannte ProfiKonzept. Fast die Hälfte der Händler sei bereits Spezialist in mindestens einem der Segmente Bike, Running oder Ski. Eine externe Qualitätskontrolle ergab hier eine

hohe Kundenzufriedenheit. „Die Weiterempfehlungsrate betrug sensationelle 85 Prozent“, so Marketingleiterin Natascha Krawinkler. Im Frühjahr 2021 geht zusätzlich der „Berg-Profi“ mit einem Schwerpunkt rund um Wandern und Klettern an den Start. Mit großen Fragezeichen behaftet ist die Entwicklung des Wintergeschäfts, weil die Branche stark vom Verlauf der Pandemie abhängt. SPORT 2000 stellt sich vorsorglich auf deutlich geringere Umsätze ein, der Einkauf für Skier & Co wurde um 30 Prozent zurückgefahren. Für die Händler in Tourismusgebieten und im Besonderen für die Verleihstationen fordert Schwarting Lösungen von der Regierung, um die Saison mit einem blauen Auge zu überstehen. Langfristig steht SPORT 2000 aber gut da: Die Fachhändlergemeinschaft mit Sitz in Ohlsdorf (OÖ) hält mittlerweile bei einem Marktanteil von rund 30 Prozent. Die insgesamt 306 Sportfachhändler mit ihren 518 Geschäften erwirtschafteten im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 634 Millionen Euro. Und seit September dieses Jahres zählt auch einer der bedeutendsten Fachhändler in Mitteleuropa, A3 SPORT, mit insgesamt 75 Stores in Tschechien, der Slowakei und Deutschland zu SPORT 2000.

Foto: SPORT 2000/Hinterramskogler

Eine Zwischenbilanz über die CoronaZeit hat die Fachhändlergenossenschaft SPORT 2000 im Oktober bei einem Pressegespräch gezogen. Dank eines starken Sommers konnten die Verluste des Frühjahrs-Lockdowns rasch aufgeholt werden. Die aktuell unsichere Lage ist aber besonders für Händler, die in starker Verbindung mit dem Wintertourismus stehen, sehr herausfordernd.

V. l. n. r.: Vorstand Holger Schwarting, Markenbotschafter Hans Knauß und Marketingleiterin Natascha Krawinkler beim Pressegespräch, das sowohl persönlich als auch digital stattfand


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Brauerei Murau

Gold für bestes Märzenbier Die genossenschaftliche Brauerei Murau freut sich über eine weitere prestigeträchtige Auszeichnung: Das Murauer Märzenbier holte die Goldmedaille beim renommierten European Beer Star 2020. „Damit zählt unser Märzenbier zu den besten Bieren der Welt und gilt als bestes Märzenbier Österreichs“, freut sich der geschäftsführende Vorstand Josef Rieberer und ergänzt: „Das ist der verdiente Lohn für unseren technischen Betriebsleiter Michael Göpfart, der stets an unseren hohen Qualitätsstandards festhält.“ In Murau wird das Märzenbier seit 525 Jahren mit reinstem Wasser, Malz und Hopfen nach einem geheimen Braurezept gebraut. Mit 2.036 Bieren aus 42 Ländern verzeichnete der European Beer Star 2020 im schwierigen Corona-Jahr eine sensationell hohe Teilnehmerzahl. Eine 66-köpfige Jury aus Braumeistern, Biersommeliers und ausgewiesenen Bierkennern ermittelte in einer Blindverkostung die Sieger nach objektiven

Bewertungskriterien, wie sie auch der Bierkonsument heranzieht: Optik, Schaum, Geruch, Geschmack und sortentypische Ausprägung.

Der geschäftsführende Vorstand Josef Rieberer (li.) und der technische Betriebsleiter Michael Göpfart mit der Auszeichnung

Bodenkalk

Gratulation zum 70er

Franz Groß (ÖGV) gratuliert Bodenkalk-Obmann Robert Schmid und Geschäftsführer Franz Gahr (v. l. n. r.)

Im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung in St Lorenzen im Mürztal hat die Bodenkalk-Genossenschaft ihr 70-JahrJubiläum gefeiert. ÖGV-Vorstand Franz Groß übergab eine Urkunde und gratulierte im Namen des Verbandes. In seiner Rede hob er hervor, wie der Zusammenschluss der Düngekalkerzeuger die genossenschaftlichen Prinzipien nachhaltig lebt.


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Hohe Auszeichnung für Hans Hofinger Salzburger Heimatwerk

Adventsingen erst wieder 2021

Foto: Salzburger Adventsingen/Franz Neumayr

Schon vor dem Corona-Lockdown im März waren mehr als drei Viertel aller Tickets verkauft, das Stück mit dem Titel „Fürchte dich nicht!“ stand bereits fest, auch die Proben hatten schon begonnen. Doch anders als bei den Festspielen kam man dann doch zum Schluss, dass das weltberühmte Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus aufgrund der instabilen CoronaSituation heuer nicht sinnvoll stattfinden kann. 2021 soll es das Highlight des Salzburger Advents dann wieder geben. Karten können schon jetzt unter www.salzburgeradventsingen.at gebucht werden, heißt es beim Salzburger Heimatwerk, jener Genossenschaft, die das Adventsingen seit jeher erfolgreich veranstaltet.

Szene aus dem Salzburger Adventsingen 2019

Große Ehre für Hans Hofinger: Der langjährige Vorstandsvorsitzende und Verbandsanwalt des ÖGV hat für seine Verdienste die Ehrennadel der Wirtschaftsuniversität Wien erhalten. Neben ihm wurden auch Raiffeisen-Generalanwalt Walter Rothensteiner und der ehemalige OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny ausgezeichnet. Bereits 2002 hatte Hofinger von der WU das Große Goldene Ehrenzeichen „Pro Merito“ am Bande erhalten und 2012 den Ehrenring. 2015 wurde ihm anlässlich seines 65. Geburtstags die Festschrift „Perspektiven der Genossenschaftsidee“ überreicht.


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Im Gedenken an Adolf Renk Mit tiefer Trauer gedenkt die Volksbanken- und Genossenschaftsfamilie Adi Renk, der am 25. Juli 2020 nach tapfer getragener Krankheit heimgegangen ist. „Guten Morgen, wie geht’s?“ Das war sein Markenzeichen auf dem Weg zur Volksbank, in der Bank gegenüber den Mitarbeitern und Kunden sowie am Telefon. Seine Freundlichkeit, seine Empathie, seine fachliche Kompetenz, aber vor allem seine Menschlichkeit zeichneten ihn aus. Er half immer dann, wenn es für ihn und seine Bank möglich und notwendig war. Adi Renk wurde am 27. Juli 1937 in Stein an der Donau geboren. Er besuchte das Benediktinergymnasium in Melk und maturierte im Juni 1956. Vier Semester absolvierte er an der Hochschule für Welthandel, der heutigen WU Wien. Seine berufliche Laufbahn begann am 1. Februar 1960 in der Zentralkasse der Volksbanken Österreichs. 1966 wechselte er in die Volksbank Groß-Enzersdorf, 1972 wurde er Geschäftsführer-Stellvertreter und 1974 Geschäftsführer, 1981 dann Geschäftsleiter und Vorstandsmitglied. 1986 erging an Adi Renk die Bitte von Generaldirektor Robert Mädl, die Volksbank Alpenvorland als Vorstandsvorsitzender zu übernehmen. Einstimmig wählte ihn die Generalversammlung. Renk war als strategischer Lenker maßgeblich für den Aufbau der Volksbank Alpenvorland verantwortlich. Er war auch immer davon überzeugt, dass der Aufstieg zur führenden Regionalbank nur möglich ist, wenn die Kunden als Mitglieder, die Funktionäre und vor allem die Mitarbeiter eingebunden sind. Adi Renk zeichnete sich als Genossenschafter aus, der den Förderauftrag lebte und verwirklichte. Seine fachliche Kompetenz, die er über die Volksbank Akademie erworben hatte, gab er auch als Trainer in der Bildungseinrichtung weiter. Er war ein Mann des genossenschaftlichen Volks-

banken-Verbundes, der trotz Betonung der Selbstständigkeit seiner jeweiligen regionalen Volksbank Solidarität bewies. Er brachte nicht nur sein Wissen und seine Kompetenz ein, sondern zeigte auch Verständnis für die finanzielle Unterstützung des Verbundes, in dessen Institutionen er wichtige Funktionen übernahm und ausgleichend zwischen Selbstständigkeit der Volksbanken und verbindlicher Notwendigkeit wirkte. Adi war ein Mensch, der sich durch die aristotelischen Tugenden, die er lebte, auszeichnete: Tapferkeit im Sinne des unternehmerischen Mutes, Weisheit, die sich paarte mit Fachwissen, und Menschenführung im Sinne des genossenschaftlichen Leitgedankens, Mitarbeiter zu fördern und fordern, aber nicht zu überfordern. Er zeichnete sich durch Gewissenhaftigkeit bei der Kreditvergabe und bei der Beratung in allen Bankdienstleistungen aus. Er war als Menschenführer ein Leiter von Seelen und eine von den Mitarbeitern bestätigte ausgezeichnete Führungskraft. Nach seiner Pensionierung trat er nicht in den Ruhestand, sondern begann das Studium der Geschichte – sein langes Hobby während des Berufes – an der Universität Wien und schloss es mit der Sponsion zum Magister ab. Vom ÖGV wurde er mit dem Ehrenzeichen in Gold sowie der SchulzeDelitzsch-Medaille in Gold am Bande ausgezeichnet. Seinen Wahlspruch „Zum Erfolg gibt es keinen Lift, man muss die Treppe benutzen!“ hat er nicht nur gepredigt, sondern auch wahrhaftig gelebt. Einem ehrlichen Freund wollen wir ein ehrendes Andenken bewahren. Hans Hofinger und Peter Weiß


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Ehrungen des Österreichischen Genossenschaftsverbandes

Von Juli bis November 2020 wurden folgende Auszeichnungen an verdiente Mitarbeiter, Geschäftsleiter/Geschäftsführer und ehrenamtliche Funktionäre unserer Mitgliedsunternehmen verliehen:

Herbert WALDHÖR Kommerzkundenbetreuer, Abteilung Projekt- und Immobilienfinanzierung Volksbank Wien AG Ehrenmedaille in Gold

Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold am Bande ao. Univ.-Prof. Dr. Johann BRAZDA Geschäftsführender Vorstand i.R. FOG – Forschungsverein für Genossenschaftswesen Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold Dr. Karl NÖBAUER Aufsichtsratsvorsitzender VB Oberösterreich Holding eG Ehrenzeichen in Gold Diplom-Volkswirt Wolfgang CASPAR Obmann Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen in Wien, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung Diplomkaufmann Mag. Gerhard KOJNEK Aufsichtsratsvorsitzender VB Südburgenland Verwaltung eG Kommerzialrat Rudolf OSWALD Aufsichtsratsmitglied VB Südburgenland Verwaltung eG Ehrenmedaille in Gold am Bande Prok. Wolfgang KAUSL Mitarbeiter Volksbank Niederösterreich AG

Hartwin ENGL Mitarbeiter Tischler Rohstoff e.Gen. Hubert ENTNER Leiter Bereich Vertriebsmanagement, Marketing, PR & Kommunikation, Vertriebssupport Volksbank Vorarlberg e. Gen. Anna KERN Sachbearbeiterin Professional, Markt-Service-Center Aktiv Volksbank Vorarlberg e. Gen. Prok. Dr. Gerhard MÖSTL Regionaldirektor Region Innviertel Volksbank Oberösterreich AG Ursula NAGEL Sachbearbeiterin Professional, Abteilung Banksteuerung Finanzen Volksbank Vorarlberg e. Gen. Alexandra WEBER Kundenberaterin Service, Filiale Rankweil Volksbank Vorarlberg e. Gen. Daniela WELTE Sachbearbeiterin Professional, Abteilung Personalmanagement Volksbank Vorarlberg e. Gen.

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BUCHTIPPS

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Buchtipps Vincenz Bergk Makroprudenzielle Aufsicht: Eine rechtliche und ökonomische Analyse Studien zum Bank- und Kapitalmarktrecht, Band 19 Nomos 385 Seiten € 107,– Die Finanzmarktkrise seit 2007 hat zu einem erweiterten Rahmen für die Aufsicht über Märkte, aber auch Marktteilnehmer geführt. Trotz der erheblichen Schäden spätestens seit dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers wird am Vorhaben einer globalen Finanzwirtschaft weitergebaut. Innerhalb des Graduiertenkollegs „Foundations of Global Financial Markets – Stability and Change“ hat sich Vincenz Bergk in seiner Dissertation an der Universität Halle-Wittenberg intensiv, differenziert und sehr informativ mit der neu entstandenen Perspektive der makroprudenziellen Aufsicht auseinandergesetzt. Während sich die mikroprudenzielle Aufsicht auf die Solidität einzelner Finanzinstitute bezieht, überwacht die makroprudenzielle die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems. Der Wortbestandteil „prudenziell“ leitet sich aus dem Lateinischen (prudentia) ab und lässt sich neben Klugheit mit Umsicht oder Vorausschau beschreiben. Der Verfasser behandelt zunächst kurz die Finanzmarktkrise selbst sowie die Grundbegriffe und damit Bausteine des neuen Systems und deren Zusammenhänge wie Risiken, Finanzintermediäre, deren Vernetzung, Dominoeffekte und das Finanzsystem. Vor dem Hintergrund der räumlichen Dimension nationaler Systeme, die in Europa immer stärker harmonisiert werden, bedarf es einer internationalen Zusammenarbeit. Ein einheitlicher globaler Rechtsrahmen fehlt, in der EU jedoch ist der Rahmen innerhalb der Bankenunion mit den drei Säulen – Aufsicht, Abwicklung und Einlagensicherung – sehr weit gestaltet bzw. konzipiert worden. Ausführlich werden die Behörden und Institutionen der europäischen Aufsicht und ihr Zusammenwirken untersucht. Exemplarisch berücksichtigt der Autor die Besonderheiten für Großbritannien, Deutschland und Slowenien, auch die Situation in den USA nimmt er hinzu. Diese Differenzierung setzt sich auch hinsichtlich der Befugnisse fort. Die Arbeit verdeutlicht, welche Fortschritte aufsichtsrechtlich bereits erzielt wurden, sieht aber weiterhin Handlungsbedarf und -druck, diesen neuen Zweig der Aufsicht rechtzeitig so weiter zu verbessern, dass er einer drohenden neuen Krise erfolgreich entgegenzuwirken vermag. Holger Blisse


BUCHTIPPS

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Klaus Jennewein FBG Praxiskommentar Linde 280 Seiten € 68,– Der vorliegende Praxiskommentar zum Firmenbuchgesetz bietet mit seiner dreiteiligen Gliederung ein Novum: Jede Norm wird im ersten Teil mittels einer Mindmap anschaulich skizziert. Im zweiten Teil folgt eine kompakte und anwendungsorientierte Kommentierung. Abschließend finden sich im dritten Teil nützliche Beispiele von Firmenbucheintragungen und Beschlüssen. Durch diese übersichtliche Gliederung sowie durch die langjährige Erfahrung als Firmenbuchrichter bietet der Autor eine praxisorientierte Darstellung des Firmenbuchgesetzes, welche dem Anwender bei der Lösung konkreter Fragestellungen schnell und unkompliziert weiterhilft. Edin Vojnikovic Bernhard König, Martin Trenker Die Anfechtung nach der Insolvenzordnung Manz, 6. Auflage 696 Seiten € 148,– Für diese Neuauflage des Praxishandbuchs zur Anfechtung nach der Insolvenzordnung von Bernhard König hat man mit Martin Trenker einen weiteren Experten auf diesem Rechtsgebiet als Mitautor ins Boot geholt. Das Werk wurde um aktuelle Rechtsprechung und Lehrmeinungen ergänzt und beinhaltet zudem wesentliche Neuerungen zu verschiedenen Aspekten der insolvenzrechtlichen Anfechtung. Um dem Anwender ein vollständiges Bild zu vermitteln, bietet das Praxishandbuch auch Einblicke in die vergleichbare deutsche Judikatur und Literatur. Den Autoren ist damit eine systematisch übersichtliche Darstellung des vielleicht bedeutendsten Kernthemas im Insolvenzrecht gelungen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Rechtslage und die kritische Überarbeitung der bestehenden Literatur sind für alle, die regelmäßig mit Insolvenzrecht zu tun haben, von unentbehrlichem Nutzen. Edin Vojnikovic

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BUCHTIPPS

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Reinhard Resch (Hrsg.) Das Corona-Handbuch Manz 500 Seiten € 69,– Die letzten Monate waren geprägt durch eine unglaublich rasche Abfolge neuer gesetzlicher Bestimmungen in den unterschiedlichsten Rechtsbereichen aufgrund der Covid-19Situation. Leicht konnte in dieser außergewöhnlichen Zeit der Überblick verloren gehen. Im nun vorliegenden, innerhalb kürzester Zeit herausgegebenen „Corona-Handbuch“ wird die Gesetzgebung bis einschließlich 18. Covid-19-Gesetz berücksichtigt. An der Entstehung waren 31 Fachexperten beteiligt. Ein erster Überblick wird anhand einer tabellarischen Aufstellung aller Sondergesetze gegeben. Anschließend werden in 18 Kapiteln die aktuellen rechtlichen Regelungen dargestellt – unter anderem aus folgenden Bereichen: Epidemierecht, Härtefallfonds, Kurzarbeitsmodelle, Arbeit im Homeoffice, Dienstverhinderung und Arbeitszeit, Arbeitslosenversicherungs- und Beitragsrecht, Steuerrecht, Zivil- und Zivilprozessrecht, Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht oder auch Strafrecht. In den einzelnen Abschnitten finden sich zudem zahlreiche Beispiele und Praxistipps. Johanna Thalhammer Astrid Deixler-Hübner, Martin Schauer (Hrsg.) EuErbVO – Kommentar zur EU-Erbrechtsverordnung Manz, 2. Auflage 776 Seiten € 160,– Das vorliegende Werk bietet eine ausführliche Kommentierung der EU-Erbrechtsverordnung und deren Aufarbeitung im Rahmen aktueller in- und ausländischer Literatur. Die Verordnung ist im August 2015 in Kraft getreten und entfaltet ihre Relevanz im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Erbfällen. Insbesondere brachte sie viele Neuerungen hinsichtlich der internationalen Zuständigkeit und Vollstreckung, der (beschränkten) Rechtswahl, zu Formfragen sowie zur Einführung des Europäischen Nachlasszeugnisses. Die zweite Auflage verschafft einen genauen Überblick über die neu erschienene Judikatur des EuGH und ihre Auswirkungen in der Praxis. Im Anhang ist eine übersichtliche Darstellung der österreichischen Umsetzungsgesetzgebung enthalten. Christiane Lewisch


ABO-BESTELLUNG

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NEUES VON GESTERN

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Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal. Ein pensionierter Revisor erläuterte in der Zeitschrift „Die Genossenschaft“ ausführlich die Buchführung von Vorschusskassen. Während seiner beruflichen Laufbahn habe er festgestellt, dass selbst erfahrene Buchhalter, die aus anderen Wirtschaftszweigen in Vorschusskassen wechselten, die Eigenheiten des Sektors als ungewohnt empfinden würden. Diese Beobachtung nahm er zum Anlass, um Besonderheiten wie die Kapitalisierung der Zinsen oder den Verwendungszweck von Sachkonten, auch als „tote Konten“ bezeichnet, zu erläutern. Dazu bildete er schemenhaft zahlreiche Konten ab – siehe Beispiele auf dieser Seite – und erklärte deren Führung.

Bei der Errichtung einer Genossenschaft war guter Rat damals oft teuer, wie eine Gruppe von Geschäftsleuten in Deutschland erleben musste. Sie wandte sich zunächst vertrauensvoll an einen örtlichen Anwalt. Dieser packte dann sehr spezielle Bestimmungen in die Satzung: Demnach war ein Betriebsmittelstock zu gleichen Teilen von den Mitgliedern einzulegen und verblieb dabei im Eigentum des jeweiligen

Mitglieds, Vereinskapital war ebenso einzuzahlen. Geschäftsanteile konnten begeben werden, und Dividenden wurden ausschließlich über dividendenberechtigte Gutscheine ausbezahlt. Darüber hinaus sollte die Genossenschaft einen Vertrauensmann wählen, der Jurist mit zweiter Staatsprüfung sein musste und zu allen Versammlungen einzuladen war, jederzeitige Einsicht in die Bücher erhielt, vor allen wichtigen Beschlüssen angehört werden musste und überdies noch zwei Promille vom Jahresumsatz plus Reisekosten erhielt. Glücklicherweise bekam der deutsche Genossenschaftsverband Wind davon und konnte den Herren eine fundierte Beratung angedeihen lassen. Der Internationale Genossenschaftsbund tagte von 11. bis 13. Oktober 1920 in Den Haag über sein Budget, eine Satzungsänderung und die Positionierung zu aktuellen Themen. Zum ersten Mal nahmen auch deutsche Vertreter daran teil. In der Eröffnungsansprache wurde betont, dass es nun im Geiste der Brüderlichkeit und Freundschaft darum gehe, im Interesse der werktätigen Bevölkerung die Aktivitäten wieder aufzunehmen. Im Anschluss daran kam es aber zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen den deutschen und den belgischen Genossenschaftsvertretern, was zu heftigen Reaktionen der anderen Teilnehmer führte. Offenbar waren die Wunden des Krieges im Genossenschaftswesen noch lange nicht verheilt. Die nächste Ausgabe von „Damals vor 100 Jahren“ berichtet über die den Genossenschaften aufgezwungene Rolle als Mitarbeiter der Steuerbehörden. Markus Rothenbach


„Qualität und Handwerkskunst sind die wichtigsten Zutaten in unserer Bäckerei. So wie die Kunden unsere Köstlichkeiten schätzen, schätzen wir als Unternehmen die BÄKO, bei der wir seit fünf Generationen Genossenschaftsmitglied sind.“ Gertraud Maurer, Bäckermeisterin und Inhaberin der Bäckerei Schwarz

ZUKUNFTSKRAFT

GENOSSENSCHAFT

DER ÖGV BERÄT SIE KOSTENLOS TEL 01 313 28-100

EIN ÜBERZEUGENDES ERFOLGSREZEPT BÄKO – DIE GENOSSENSCHAFT DER BÄCKER UND KONDITOREN

Das Erfolgsrezept der BÄKO Österreich ist so einfach wie genial. Bereits 1892 haben sich die ersten Bäcker und Konditoren zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, weil bestimmte Aufgaben zur Zukunftssicherung der Betriebe von einer Stelle aus für alle gemeinsam günstiger gemeistert werden können. Heute ist die BÄKO ein modernes Großhandels- und Dienstleistungsunternehmen, das den Mitgliedern Rohstoffe, Handelswaren, Geräte und Maschinen, aber auch spezielle Software, Weiterbildungsveranstaltungen oder Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung bietet. Oberste Handlungsprämisse für alle Leistungen und Services ist die Förderung der Mitglieder und die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Das ist ganz nach dem Geschmack der über 1.100 Mitgliedsbetriebe.

Mehr auf www.genossenschaftsverband.at

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