cooperativ 3/2021

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3/2021 Herausgeber: ÖGV Einzelpreis EUR 10,– Jahresabo EUR 36,–

Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft

PIONIERE DER ENERGIEWENDE Genossenschaften als Vorreiter beim erneuerbaren Strom: Das sind die ersten Gründungen Seite 10

VERBANDSTAG Gemeinsam in eine nachhaltige Zukunft: Kreative Inputs und neue Köpfe für den ÖGV

NEXT GENERATION Genossenschaft am Stundenplan: Wie Schüler jetzt kooperatives Wirtschaften lernen

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EDITORIAL

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Voller Energie Der ÖGV hat 2021 zum Jahr der Nachhaltigkeit erklärt. Mit dem Verbandstag wurde dazu ein starkes Zeichen nach außen gesetzt. Daneben gibt es aber noch zahlreiche andere große und kleine Initiativen, die auch bereits zählbare Erfolge gebracht haben, wie Sie in diesem Heft lesen können. Als „reichhaltig nachhaltig“ hat sich der ÖGV mit seinen Genossenschaften und Genossenschaftsbanken am Verbandstag 2021 präsentiert. Kooperatives Wirtschaften ist das beste Modell für eine nachhaltige Zukunft, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Dass das mehr als nur schöne Worte und Ankündigungen sind, beweisen unsere etablierten Genossenschaften Tag für Tag, aber es gibt auch zukunftsweisende Neugründungen. Fast zeitgleich mit dem Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes im Nationalrat wurden im Sommer bereits die ersten Energiegenossenschaften gegründet. Wir stellen die Pioniere in dieser Ausgabe vor. Das Konzept, vor Ort gemeinsam Strom aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, nützt nicht nur der Umwelt, es stärkt auch die Region und die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Der ÖGV selbst setzt ebenfalls auf Solarstrom: Auf dem Dach des Hauses in der Löwelstraße haben wir eine der größten innerstädtischen Fotovoltaikanlagen Wiens in Betrieb genommen. Das Erfolgsmodell Genossenschaft taugt aber auch als Antwort auf viele weitere Zu-

kunftsfragen. Diese Botschaft wollen wir vor allem bei der jungen Generation platzieren. Daher haben wir gemeinsam mit den anderen führenden Verbänden eine Initiative an Schulen gestartet, um kooperatives Wirtschaften gezielt im Unterricht zu vermitteln. Wie genau das funktioniert, lesen Sie ebenfalls in diesem Heft. In der nächsten Ausgabe des „cooperativ“ blicken wir dann schon auf das Jubiläumsjahr 2022, in dem der ÖGV sein 150-jähriges Bestehen feiert. Wir planen eine ganze Reihe an öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Initiativen rund um die Erfolgsstory der Genossenschaften und der Volksbanken nach dem Modell Schulze-Delitzsch. Lassen Sie sich überraschen!

Günther Griessmair Chefredakteur

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INHALT

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WISSEN

06 Verbandstag 2021 Motto „Reichhaltig nachhaltig“: Kreative Inputs und neue Köpfe für den ÖGV

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Tag der Genossenschaften Veranstaltung an der WU Wien: Schulterschluss für genossenschaftliche Bildung

10 Energie-Pioniere Genossenschaften als Vorreiter beim erneuerbaren Strom: Das sind die ersten Gründungen

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Next Generation Wie Schüler mit einem neuen Unterrichtspaket kooperatives Wirtschaften lernen

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Nachhaltig wirtschaften Teil 2 der Serie: Was es mit sozialer Nachhaltigkeit auf sich hat und wer sie schon lebt

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Digitale Kooperation Die verschiedenen Typen von Datengenossenschaften und ihre Stärken

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Retail Banking Servicecenter, Videoberatung, App & Co: Der Aufbruch in die „persodigitale“ Zukunft

34 Liquiditätsbarometer Eine TeamBank-Studie nimmt das Geldleben der Österreicher unter die Lupe

TIPPS & SERVICE 38 Gewährleistung Welche neuen Regeln ab 1. Jänner gelten und was sie für Ver braucher und Unternehmen bedeuten 42 Veranstaltungstipp Der csrTAG 2021 geht der Frage nach, wie smartes Wirtschaften nach der Krise geht


INHALT

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18 INSIDER 44 ÖGV Grüner Strom für die Löwelstraße: Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen 46 Volksbanken-Verbund Erfreuliche Geschäftszahlen fürs erste Halbjahr vorgelegt

44 FIX IM BLICK

66 Buchtipps 70 Neues von gestern 36 Infografik So nachhaltig denken und handeln Österreichs Unternehmer 65 cooperativ abonnieren

59 Sparda-Bank Mit 10.000 PS starker „Sparda-Lok“ quer durch Österreich

IMPRESSUM cooperativ – Das Magazin für die Zukunftskraft Genossenschaft 3/2021 149. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch, Löwelstraße 14, A-1010 Wien, Tel: +43 (0) 1 313 28-0, Fax: +43 (0) 1 313 28-450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband // Schulze-Delitzsch CHEFREDAKTEUR Günther Griessmair REDAKTION Daniela-Monica Essler, Hermann Fritzl, Peter Haubner, Hans Hofinger, Markus Rothenbach, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Peter Weiß ARTDIRECTOR Daniel Dobernig LAYOUT-DESIGN Reichl und Partner COVERFOTO Wolfgang Schmidt DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

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Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft

Bundesministerin Karoline Edtstadler bei ihrer Keynote

Unter dem Motto „Reichhaltig nachhaltig“ hat der ÖGV am 15. September seinen Verbandstag 2021 abgehalten. Wie wichtig nachhaltiges Wirtschaften für die Zukunft ist, betonte Bundesministerin Karoline Edtstadler in ihrer Keynote. Mit vielen frischen Ideen, einem neuen Präsidium und einem neu aufgestellten Verbandsrat ist der ÖGV bestens für diese Zukunft gerüstet.

Text: Günther Griessmair Fotos: Felicitas Matern, Günther Griessmair

„Wir wollen heute zeigen, wie reichhaltig nachhaltig unsere Genossenschaften und Genossenschaftsbanken schon jetzt sind und welche innovativen Angebote sie für die Zukunft machen können“, so Verbandsanwalt Peter Haubner in seinem Eröffnungsstatement. Neben zahlreichen Vertretern von Mitgliedsgenossenschaften konnte er auch eine Reihe von Gästen begrüßen – unter anderem kamen Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbandes, und Justus Reichl, Generalsekretär-Stellvertreter des Raiffeisenverbandes.


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Verbandsanwalt Peter Haubner: „Genossenschaften haben mit ihrem nachhaltigen Geschäftsmodell einen Startvorteil“

EU- und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler hob in ihrer Keynote die Bedeutung des nachhaltigen Wirtschaftens nicht nur in der EU, sondern auch in den Regionen hervor. Bei der Erreichung der Klimaziele zählt sie auf die breite Unterstützung der Genossenschaften. „Nachhaltiges Wirtschaften hilft, unseren Wohlstand zu sichern. Viele große und kleine Initiativen bringen uns gemeinsam als Gesellschaft voran“, so die Ministerin. In der anschließenden Diskussion tauschten Regina Ovesny-Straka (Volksbank Steiermark), Josef Rieberer (Brauerei Murau) und Barbara Pogacar (ÖGV-Gründerservice) ihre Erfahrungen aus der Coronazeit aus. Fazit: Das Genossenschaftsmodell hat sich in der Pandemie als krisenfest erwiesen. Gerade die Nähe zu den Kunden und die Verankerung in den Regionen waren für viele Genossenschaften ein maßgeblicher Vorteil. Die große Herausforderung sahen die Diskutanten in der Transformation hin zur Klimaneutralität. Doch auch hier hat das Genossenschafts-

modell Antworten: Mit der Gründung von Energiegenossenschaften haben Unternehmen, Gemeinden und Bürger erstmals die Möglichkeit, Strom aus Fotovoltaik gemeinsam zu erzeugen und zu nutzen. WAHLEN IN DEN VERBANDSRAT Der zweite Teil des Verbandstags gehörte ganz den Mitgliedern des ÖGV. Beim Gruppentag Ware wurden vier neue Verbandsräte gewählt: Wolfgang Kiss (ABAU Niederösterreich/Wien), Sabine Kock (Smart Austria), Thomas Singer (Tischler Rohstoff) und Sonja Slavik (Malag Salz-

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Das neue Präsidium des ÖGV: Rainer Borns, Gerhard Hamel, Clemens Pig und Karl Lugmayr (v. l. n. r.) Podiumsdiskussion, v. l. n. r.: Moderatorin Karin Strobl, Regina OvesnyStraka, Josef Rieberer und Barbara Pogacar

Neu in den Verbandsrat gewählt: Sonja Slavik, Wolfgang Kiss, Sabine Kock und Thomas Singer (v. l. n. r.)

burg). Die Neubesetzung war nötig geworden, da sich ÖGV-Präsident Franz Reischl, Erwin Leitner (ATP), Peter Musel (Wigof) und Leopold Rösler (EGE) nicht mehr zur Wiederwahl stellten. Bei den Volksbanken wurden alle zur Wahl stehenden Verbandsräte im Amt bestätigt. Einen einstimmigen Beschluss gab es dann in der Mitgliederversammlung zu einer Satzungsänderung: Um die Breite und Vielfalt der Genossenschaften im ÖGV besser abbilden zu können, wird das Präsidium auf vier Mitglieder erweitert. Dieses Gremium bildet zugleich auch den neuen Personalausschuss, der das bisherige Nominierungskomitee ablöst. In der konstituierenden Sitzung des Verbandsrats wurde Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg, turnusgemäß zum Präsidenten des ÖGV gewählt. Die neuen


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Ein edler Tropfen als Dankeschön für die scheidenden Verbandsräte: Peter Musel, Erwin Leitner und Präsident Franz Reischl mit Verbandsanwalt Peter Haubner

Vizepräsidenten sind APA-Chef Clemens Pig, Volksbank-Wien-Vorstand Rainer Borns und Karl Lugmayr, Obmann der EZ Agrar. STANDING OVATIONS FÜR FRANZ REISCHL Emotionaler Höhepunkt des Verbandstags war die Verabschiedung von Präsident Franz Reischl, für den es stehende Ovationen gab. „Franz, du hast die SchulzeDelitzsch-Genossenschaften immer würdig, äußerst kompetent und mit enorm viel Tatkraft nach außen vertreten. Du brennst für die Idee der Genossenschaft und kannst dieses Feuer auch bei anderen entfachen.

Nicht zuletzt deinem Engagement ist es zu verdanken, dass viel frischer Wind im Genossenschaftswesen weht und diese Rechtsform in Österreich ein richtiges Comeback feiert“, so Gerhard Hamel über seinen Vorgänger im Amt. Zum Abschluss seiner Rede sagte Hamel mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2022: „150 Jahre ÖGV – darauf können wir alle stolz sein. Die Volksbanken und die gewerblichen Genossenschaften haben Krisen, ja sogar Kriege überstanden und stehen heute gestärkt da. Das ist der beste Beweis, dass das Modell des kooperativen Wirtschaftens zeitlos, modern und nachhaltig erfolgreich ist.“ g

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Die Energie-Pioniere Fast zeitgleich mit dem Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes im Nationalrat sind im Rahmen des ÖGV-Gründerservices auch schon die ersten beiden Energiegemeinschaften als Genossenschaften aus der Taufe gehoben worden, viele weitere sollen folgen. Wir stellen die Pioniere vor.


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Text: Günther Griessmair Fotos: Wolfgang Schmidt, PowerSolution

Bürgermeister Alfred Reinisch und Umweltgemeinderat Christian Mesterhazi beim Gemeindeamt Tattendorf, das bereits auf Fotovoltaik umgerüstet wurde

Tattendorf, eine 1.500-Einwohner-Gemeinde bei Baden, ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Ort: Die Bewohner können 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche einkaufen – möglich macht das ein Selfservice-Bioladen im Ortszentrum. Vor dem Gemeindeamt parkt ein E-Auto, das im Car-Sharing-Modell für die Bürger zur Verfügung steht, gebucht wird über eine Website. Der Ort verfügt über mehrere E-Ladestationen und in Kürze auch über schnelles Glasfaser-Internet. Und jetzt wird Tattendorf auch zum Vorreiter der Energiewende. Die Gemeinde hat dafür ideale Voraussetzungen: Sie ist von der Sonne begünstigt, häufig weht auch der Wind, durch den Ort fließt die Triesting mit ihren Seitenarmen, und sogar heißes Thermalwasser schlummert in rund 2.000 Metern Tiefe. Das hat die OMV bei Probebohrungen nach Öl in den 60er Jahren festgestellt. Während für Letzteres ob der hohen Erschließungskosten derzeit keine konkreten Nutzungspläne vorliegen, gibt es bereits drei Kleinwasserkraftwerke, einen Windpark mit elf Anlagen und mehr als 50 Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen und privaten Dächern, aber auch auf Freiflächen. TATTENDORF WILL ENERGIEAUTARK WERDEN Doch die Tattendorfer haben ehrgeizigere Ziele: Bis 2030 wollen sie – zumindest bilanziell – zur vollständig energieautarken Gemeinde werden. Dazu wurde Ende Juli mit Unterstützung des ÖGV die Erneuerbare Energiegenossenschaft Thermenregion gegründet. Mit an Bord im Vorstandsteam

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sind Bürgermeister Alfred Reinisch, Umweltgemeinderat Christian Mesterhazi, der Initiator der lokalen Energiewende, und Energieexperte Roland Kuras. Ziel der Genossenschaft ist es, Fotovoltaikanlagen auf möglichst viele Hausdächer und auch auf andere nutzbare Flächen wie

So sehen Pioniere aus: Die Gründungsmitglieder der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Thermenregion

Carports oder ehemalige Deponien zu bringen – zumindest die Hälfte der rund 600 Haushalte soll im Rahmen der Genossenschaft zum Mitmachen animiert werden –, aber auch neue Kleinwindkraftwerke sind angedacht. Und schließlich sind auch Bürger ohne Energieanlagen eingeladen, sich als Stromkonsumenten an der Tattendorfer Energiewende zu beteiligen. „CHANCEN DES NEUEN GESETZES NUTZEN“ „Umwelt- und Klimaschutz war uns in Tattendorf schon immer wichtig, bei der erneuerbaren Energie wollen wir jetzt die Chance nutzen, die das neue Gesetz bietet“, so Bürgermeister Reinisch, der selbst meistens mit dem Elektro-Golfcart im Ort unterwegs ist. Mitmachen kann jeder, der einen Geschäftsanteil in der Höhe von 50

Euro zeichnet. Aus 25 Gründungsmitgliedern sollen bald mehrere Hundert werden, die sich dem Projekt anschließen. Gelingen soll dies durch finanzielle Anreize – bis zu 2.000 Solarpanele für private Haushalte werden von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt, zudem winkt eine dauerhafte Ersparnis bei den Netzkosten –, aber auch ein anderes Argument soll überzeugen: „Durch die Energiegenossenschaft bleibt die Wertschöpfung bei uns in der Region, statt irgendwelche öl- und gasexportierenden Länder noch reicher zu machen“, so Reinisch. Initiator Mesterhazi denkt bereits weiter: „Ausdrücklich laden wir auch andere Gemeinden der Themenregion ein, sich an unserer Genossenschaft zu beteiligen. Je mehr mitmachen, desto besser funktioniert der lokale Stromaustausch und desto geringer sind die administrativen Kosten für die einzelnen Teilnehmer.“ Der Umweltgemeinderat ist zuversichtlich, dass die Tattendorfer Energiewende Erfolg haben wird: „Die Rahmenbedingungen sind optimal, die Stimmung vor Ort ist gut, wir sind alle hochmotiviert. Wenn es Tattendorf nicht schafft, wer dann?“ AUFBRUCHSTIMMUNG AUCH IN WIEN In Wien hat die genossenschaftliche Energiewende ebenfalls bereits begonnen: Als erste lokale und unabhängige Energiegemeinschaft wurde die WGE Grätzl-Energiegemeinschaft aus der Taufe gehoben. Die ebenfalls vom ÖGV begleitete Gründung hat das Energieberatungsunternehmen PowerSolution mit Sitz in Liesing initiiert. Dessen Geschäftsführer Roland Kuras, der auch das Projekt in Tattendorf maßgeblich unterstützt, erklärt: „Wir setzen uns seit mittlerweile 20 Jahren mit der Frage auseinander, wie wir Ressourcen für erneuerbare Energien optimal planen und einsetzen können. Dass wir mit der Genossenschaftsgründung nun die Möglichkeit haben, selbst zur Energiewende beizutragen, freut uns ganz besonders.“


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Neben viel Sonnenenergie verfügt Tattendorf auch über Kleinwasserkraftwerke (li.) und einen Windpark (re.)

Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben der PowerSolution auch andere lokale Unternehmen – unter anderem W.A. Richters Söhne, ein traditionsreicher Familienbetrieb im Bereich Metallverarbeitung, die Stefan Duschek Immobilienentwicklung sowie Aumaier und Partner Coaching. Die Mitglieder – es sind neben Betrieben auch Bürger eingeladen – können selbst Dachflächen für die Errichtung von Fotovoltaikanlagen zur Verfügung stellen und die produzierte Energie lokal in Wien verbrauchen. Miteinander füreinander, lautet das Motto der Grätzl-Energiegemeinschaft, um die Basis für eine umweltverträgliche Entwicklung zu legen. Vor diesem Hintergrund wurde im September bereits das erste Solarkraftwerk in Betrieb genommen. Es hat eine Leistung von 200 kWp und erzeugt damit in etwa so viel Strom, wie 100 Wiener Haushalte verbrauchen. Die nächste Anlage ist bereits in Planung. Erklärtes Ziel ist es, bis 2030 eine Strommenge zu erzeugen, die dem Verbrauch von zehn Prozent der Haushalte in Wien-Liesing entspricht. Ab 2022 will die Grätzl-Energiegemeinschaft auch in anderen Wiener Bezirken aktiv werden, es gibt dazu bereits Abstimmungen. Barbara Pogacar, Leiterin der WareBeratung im ÖGV, brachte bei der Gründungsversammlung die Vorteile der Genossenschaft als Rechtsform für solche Energieprojekte auf den Punkt: „Genossenschaften erlauben ein dynamisches Wachstum, weil man ohne großen bürokratischen Aufwand neue Mitglieder aufnehmen kann.

Anders als etwa bei der GmbH ist es besonders einfach, mit einer kleinen Gruppe zu starten und später auf mehrere Hundert Mitglieder anzuwachsen. Genau das ist das Ziel der Grätzl-Energiegemeinschaft. Und im Gegensatz zum Verein bietet die Genossenschaft mit ihrer regelmäßigen externen Revision auch die nötige wirtschaftliche Sicherheit für die Mitglieder.“ g

Energieexperte Roland Kuras (re.) mit Immo Reder (Geschäftsführer W.A. Richters Söhne) und Hans-Christian Pichler (PowerSolution) bei der Errichtung der ersten Anlage der Wiener Grätzl-Energiegemeinschaft

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Serie „Reichhaltig nachhaltig“

Die soziale Ader der Genossenschaften


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In Teil eins unserer Serie über nachhaltiges Wirtschaften haben wir uns dem Umweltaspekt gewidmet, diesmal geht es um die soziale Komponente der Nachhaltigkeit. Warum das Thema auf der politischen Agenda ganz nach oben gerückt ist und wie sich Genossenschaften bereits heute für Soziales engagieren. Text: Barbara Pogacar und Victoria Pagowski Fotos: iStockphoto.com, Kleine Zeitung/Fuchs, Saleh Rozati, Ditz Fejer

Nachdem lange fast ausschließlich auf die ökologischen Aspekte der drei Nachhaltigkeitssäulen (ESG – Environmental, Social, Governance) fokussiert wurde, beginnt man nun, sich verstärkt auch mit sozialer Nachhaltigkeit zu beschäftigen, vor allem auf europäischer Ebene. Ausgehend von den internationalen Leitprinzipien der Vereinten Nationen kommt der Sozialpolitik erhöhte Aufmerksamkeit zu. Aktuell wird an einem europäischen Aktionsplan für die soziale Wirtschaft gefeilt, der noch diesen Herbst finalisiert werden soll. Parallel dazu setzt die EU-Kommission erste Schritte, um den Weg für eine soziale Taxonomie zu ebnen. Zu diesem Zweck wird eine Expertengruppe eingesetzt mit dem Auftrag, wirtschaftliche Aktivitäten zu identifizieren, die zur Förderung sozialer Ziele beitragen. Investitionen in sozial nachhaltig agierende Wirtschaftsakteure sollen in Zukunft verstärkt gefördert werden. Der Handlungsbedarf ist jedenfalls groß: Laut aktuellem Armutsbericht der Weltbank

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Regina Ovesny-Straka, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, bei einer Spendenübergabe an den Verein „Steirer helfen Steirern“

hat allein die Coronakrise bis zu 115 Millionen Menschen in extreme Armut getrieben, was verfügbare finanzielle Mittel von weniger als 1,90 Dollar pro Tag bedeutet. Dieser Umstand, aber auch das allgemein steigende Bewusstsein für Nachhaltigkeit führen dazu, dass das Interesse an sozialen Investitionen nun steigt. Insbesondere seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 ist die Anzahl an Social Bonds, also Anleihen, die der ausschließlichen Finanzierung von sozialen Projekten dienen, signifikant gestiegen. GENOSSENSCHAFTEN ALS SOZIALE WIRTSCHAFTSAKTEURE Die bedeutende Rolle der Genossenschaften als soziale Wirtschaftsakteure wurde von der Politik bereits erkannt, ebenso wie

Das Team von Smart bei der Begrüßung des tausendsten Mitglieds, der Filmemacherin und Musikerin Cordula Thym

die Fähigkeit, den Spagat zwischen sozialer Ausrichtung und Wirtschaftlichkeit zu meistern. So formulierte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler: „Genossenschaften bieten ein stabiles Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung auf demokratischer Basis.“ Und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erklärte: „Genossenschaften sind Vorbilder, wie man ökonomische, soziale und ökologische Ziele verbindet.“ Dass diese genossenschaftliche Vorbildfunktion tatsächlich gelebt wird, zeigen nicht zuletzt die ÖGV-Mitgliedsbetriebe mit ihren Unternehmenszielen und deren Umsetzung in die Praxis. Gerade die Coronakrise hat bei vielen Genossenschaften das soziale Element noch deutlicher sichtbar gemacht: Weil sie nicht auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, werden in der Regel mehr Rücklagen als bei anderen Unternehmen gebildet. Dadurch war es vielen gewerblichen Genossenschaften möglich, ihre durch die Krise belasteten Mitglieder finanziell zu unterstützen – etwa durch vorgezogene Gewinnausschüttungen oder erhöhte Bonuszahlungen. Unterstützung in der Krise haben die Mitglieder im Rahmen der Genossenschaft aber auch durch den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und durch Hilfestellung bei der Entwicklung neuer Geschäftskonzepte erhalten. ENGAGEMENT IN DER PRAXIS Fast alle Genossenschaften leisten in irgendeiner Form im kleinen oder größeren Umfang soziale Beiträge. Die Volksbanken etwa sind seit ihrer Gründung regional verwurzelte Geldinstitute im Eigentum ihrer Kunden und engagieren sich daher stark für die Förderung der Region und der Menschen, die dort leben. So unterstützt beispielsweise die Volksbank Steiermark jedes Jahr anlässlich des Weltspartags zahlreiche karitative Einrichtungen im ganzen Bundesland. Die Volksbank Wien hat zuletzt mehr als 300 Laptops und PCs an bedürftige Kinder gespendet. Gezielt der Unterstützung von Menschen mit Behinderung widmet sich die WAG-


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Assistenzgenossenschaft – indem sie ihnen hilft, persönliche Assistenz zu organisieren, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. Als Beispiele führt die WAG selbst an: Fährt eine Rollstuhlfahrerin morgens in die Arbeit, öffnet ihr der persönliche Assistent die U-Bahn-Türe. Oder: Geht ein nicht sehender Vater mit seinem Sohn ins Museum, liest die persönliche Assistentin vor, was das Kind über Dinosaurier wissen will. So wird das Leben für Menschen mit Behinderung in manchen Belangen einfacher. Die WAG geht aber über das Organisatorische hinaus, sie setzt sich auch durch Lobbying für die Belange ihrer Mitglieder ein: Die Funktionäre leisten einen unermüdlichen Beitrag auch auf politischer Ebene, um die gesellschaftlichen, sozialen und finanziellen Bedingungen für ihre Mitglieder zu verbessern. Ein anderes Beispiel für soziales Engagement ist die Genossenschaft Smart. Sie setzt sich für praktische Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Künstlern, Kreativen und Freelancern ein. Smart ermöglicht dabei Anstellungen für jene, die mit komplexen und häufig wechselnden Beschäftigungen kämpfen. Indem die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit aus einzelnen Projekten zu einem nachhaltigen Angestelltenverhältnis gebündelt werden, bietet die Genossenschaft für die Mitglieder soziale Absicherung. Durch die Anstellung können sie Versicherungszeiten erwerben und so etwa Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Wenn ein Mitglied lieber weiterhin selbstständig tätig ist, zahlt Smart die Honorare aus und kümmert sich um die Abrechnung mit dem Auftraggeber. Die Genossenschaft übernimmt dabei die Ausfallhaftung. Smart setzt sich zudem durch Lobbying für die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse von Freischaffenden ein. Auch im nicht gemeinnützigen genossenschaftlichen Wohnbau kommt soziale Nachhaltigkeit zum Tragen: Die Wohnprojekte-Genossenschaft WoGen verfolgt primär den Zweck, preiswerte, nachhaltige und inklusive Lebensräume zu entwickeln sowie die Errichtung entsprechender Bauten zu beauftragen. Es sollen dabei auch Läden und Räume für Gewerbetreibende

Die Bewohner beim Einzug ins genossenschaftliche Wohnprojekt der WoGen in Volkersdorf bei Graz

sowie für soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einrichtungen geschaffen werden. Der Umfang individueller und gemeinschaftlicher Flächen variiert zwar je nach Wohnprojekt, dennoch bilden großzügige Gemeinschaftsflächen in allen Wohnprojekten einen wertvollen Kern, weil sie den Bewohnern sozialen Austausch ermöglichen und die Gemeinschaft stärken. Finanzielle Überschüsse, die die WoGen erwirtschaftet, bleiben in der Genossenschaft und kommen den einzelnen Wohnprojekten zugute. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die neu gegründete HausWirtschaft: Sie rückt die Kombination von Arbeiten und Wohnen unter einem Dach in den Vordergrund. Derzeit wird ein gemeinschaftlich entwickeltes Haus im Wiener Nordbahnviertel errichtet. Es wird 46 Wohnungen unterschiedlicher Größe bieten, dazu vielfältige Arbeitsräume und Gemeinschaftsflächen. Durch gemeinsame Nutzung wird vieles möglich, was für Einzelne nicht leistbar ist. Der geplante Bezugstermin ist im Sommer 2023. Auch Ihre Genossenschaft engagiert sich im Bereich Nachhaltigkeit? Dann schreiben Sie uns, wir berichten gerne in einer der nächsten Ausgaben darüber. g

Barbara Pogacar ist Leiterin der Abteilung Beratung, Betreuung und Koordination für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im ÖGV. E-Mail: b.pogacar@ genossenschaftsverband.at

Victoria Pagowski leitet den Bereich Bankenregulierung in der Interessenvertretung des ÖGV. E-Mail: victoria. pagowski@oegv.volksbank.at

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Das Kundenservicecenter wird als Bindeglied zwischen digitaler und persönlicher Welt immer wichtiger. Im Vollausbau als Kundendialogcenter stellt es eine vollwertige Vertriebseinheit dar.

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Auch Firmenkunden können über ein Businesscenter rascher als bisher serviciert oder gar fallabschließend betreut werden.

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Die Videotechnik wiederum ermöglicht neue Wege der Kommunikation mit dem persönlichen Berater – ortsungebunden, zeitlich flexibler als bisher und auch mit Zuschaltung von Experten.

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Beim rein digitalen Banking gilt mittlerweile die Maxime „Mobile first“. Online-affine Kunden erwarten auch von der Bank „Immer und überall und sofort“-Kommunikation.


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Retail Banking

Aufbruch in die „persodigitale“ Zukunft Im letzten „cooperativ“ haben wir die Rolle der Filiale im Retail Banking der Zukunft beleuchtet, diesmal geht es um die Bausteine Kundenservicecenter, Videoberatung und digitale Bank. Die Grenzen zwischen offline und online verschwimmen dabei mehr und mehr.

Text: Anton Schmoll Fotos: Konstantin Reyer, VR Bank Südpfalz


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Es ist ein Schritt, der zunächst vor allem Effizienz bringen soll: Immer mehr Banken verlagern Kundenanfragen in ein zentrales Kundenservicecenter. Dieses KSC ist ein wichtiges Element der Omnikanalstrategie und stellt ein Bindeglied zwischen digitaler und persönlicher Welt dar, hier kommt es zu einer technisch gestützten Interaktion von Kunde und KSC-Mitarbeiter. Großer Vorteil für die Banken: Die Filialen werden spürbar entlastet, den Beratern bleibt mehr Zeit für aktiven Vertrieb sowie für qualifizierte Beratung. VOM SERVICECENTER ZUM DIALOGCENTER Im Hinblick auf die Optimierung des Omnikanal-Bankings ist eine kontinuierliche Ausweitung des Leistungsumfangs anzustreben. Das KSC entwickelt sich dann schrittweise zu einem echten Kundendialogcenter (KDC), wobei in der Praxis folgende Stufen unterschieden werden können: » Information und Service: In vielen Genossenschaftsbanken liegt der Fo kus der KSC-Leistungen auf Informa tionen und einfachem Service. Empi rische Analysen von eingehenden Kundenanrufen zeigen, dass es sich bei rund zwei Dritteln um einfache Standard fragen handelt. Es geht etwa um Auskünfte zu Öffnungszeiten, Anfragen zu Zahlungsverkehr oder Gebühren, Kontostandabfragen oder Überweisun gen. Die gewünschten Informationen sowie einfache Serviceleistungen wie Kartenbestellungen werden im KSC fallabschließend bereitgestellt. » Standardberatung und Vertriebsunter stützung: In einer nächsten Ausbau stufe werden zusätzlich Aufgaben der Vertriebsunterstützung wahrgenom men. Zu den Inbound-Aktivitäten kom men also neue Funktionen im Bereich Outbound dazu. Dabei geht es etwa um Terminvereinbarungen für die Kunden berater oder die Einforderung von feh lenden Unterlagen. Weitere Einsatz bereiche sind Anrufe im Rahmen des Kampagnenmanagements, Telefon marketing und Kundenzufriedenheits-

befragungen bis hin zum After-Sales Servicetelefonat. Auch die Beratung zu einfachen Standardprodukten ist in dieser Ausbaustufe denkbar. » Umfassende Kundenbetreuung: Das strategische Zielbild für die dritte Stufe ist die Ausrichtung als digital-persönli che Vertriebseinheit. In dieser Variante sind dem KSC als Kundendialogcenter bestimmte Kundensegmente direkt zugeordnet. Es übernimmt somit die umfassende Kundenbetreuung und die Ergebnisverantwortung. Für eine defi nierte Basis-Produktpalette erfolgen sowohl die Beratung als auch der Produktabschluss direkt im KDC. Damit ist es eine vollwertige, strategisch wichtige Vertriebseinheit. DAS BUSINESSCENTER FÜR FIRMENKUNDEN Diese Stoßrichtung ist nicht nur fürs Privatkundengeschäft geeignet, sie bringt auch für Firmenkunden interessante Ansätze. Dabei ist es zweckmäßig, ein Team zusammenzustellen, das sich auf die Anliegen dieser Kundengruppe spezialisiert. Für die Zielgruppe sind zwei Einsatzbereiche denkbar: » Bei kleineren Gewerbekunden mit gerin gen Potenzialen ist aus Kostengründen eine standardisierte Betreuung sinnvoll. Damit könnte dieses Teilsegment fall abschließend durch das Businesscenter betreut werden. Die Interaktion zwi schen Kunde und Mitarbeiter kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Neben der telefonischen Kommunikation wer den gezielt auch E-Mail, SMS oder Messenger eingesetzt. » Für die anderen Kundensegmente wie Firmen- und Unternehmenskunden kann das Businesscenter als zentrale Anlauf stelle für Serviceleistungen fungie ren. Damit werden viele Basisbedürfnis se rasch abgedeckt. Für die Kunden bringt das schnelle Reaktionszeiten und für die Betreuer eine spürbare Entlas tung. Auch die Vertriebsunterstützung für die Firmenkundenbetreuer – etwa Terminvereinbarungen – könnte hier angesiedelt werden.


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Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die Entwicklungsmöglichkeiten vom einfachen Callcenter zum umfassenden Kundendialogcenter zeigen die zunehmende Bedeutung dieser Vertriebsform im Rahmen des Omnikanal-Bankings. Für Genossenschaftsbanken ist das eine interessante und kostengünstige Möglichkeit, ihr Kommunikations-, Service- und Leistungsangebot schrittweise auszuweiten. Gleichzeitig wird mit dieser Form des digital-persönlichen Bankings die vertriebsaktive Zeit der Berater erhöht und eine spürbare Produktivitätssteigerung erreicht. BERATUNG ÜBER VIDEO Eine Vertriebsform zwischen persönlichem und rein digitalem Banking stellt auch die Kommunikation über Videosysteme dar. Per Videoberatung kann der persönliche Kontakt auch im digitalen Vertriebsmodell erhalten bleiben. Sieht man sich die Aktivitäten „am Schalter“ einer Filiale in einer Genossenschaftsbank näher an, wird deutlich, dass es sich häufig um einfache Abwicklungs- und Serviceleistungen handelt. Hier eröffnet die Videotechnik neue Wege. Ein interessantes Beispiel in diese Richtung bietet „VR-SISy“, das von der VR Bank Südpfalz entwickelt wurde und mittlerweile auch bei mehreren anderen Banken und Unternehmen im Einsatz ist. Das Kürzel steht für „Service-Interaktiv-System“. Die Technik ermöglicht eine Mensch-zu-Mensch-Kommunikation ohne Personaleinsatz in der Filiale vor Ort. „SISy“ bietet den Kunden persönlichen Service in Echtzeit über Video und kann im Grunde die Aufgaben eines klassischen Schalters übernehmen. Herzstück ist eine Kabine im Eingangsbereich der Bank. Der interaktive Videoraum ist so groß, dass auch Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen darin Platz finden. Und er ist so konzipiert, dass die Diskretion der Kunden bestmöglich gewahrt bleibt. Wenn der Kunde den „SISy“-Raum betritt, wird ein Lichtsensor ausgelöst und automatisch eine Videokonferenzverbindung zum VR-Bank-Center in der Zentrale hergestellt. So sieht der Kunde bereits beim Betreten seinen Ansprechpartner auf dem Bildschirm,

der ihn persönlich begrüßt. Nun können im Videogespräch alle gewohnten Servicebankgeschäfte erledigt werden: Überweisungen ausführen, Rechnungen bezahlen, Kontostände abfragen, Daueraufträge einrichten, Kreditkarten bestellen oder sperren und vieles mehr. Hat der Kunde etwa Fragen zu einem Kontoauszug, dann hält er ihn vor eine eigene Dokumentenkamera. Eine Überweisung braucht er nur auf die weiße Fläche unter dem Bildschirm zu legen, der Mitarbeiter scannt dann das Dokument. Mit diesem Service-Interaktiv-System können die persönlichen Servicezeiten für die Kunden erweitert werden. Die gezielte Nutzung digitaler Technologien erhöht dann auch Kundenzufriedenheit und -loyalität. Gleichzeitig ist dieses neue Serviceformat ein Beispiel für die Umsetzung der genossenschaftlichen Idee. Denn regionale Präsenz sowie Kundennähe sind wesentliche Alleinstellungsmerkmale, die es zu erhalten gilt. Wenn an einem Standort einmal zu geringe Kundenfrequenz vorhanden ist und sich ein Filialbetrieb nicht mehr rechnet, könnte der Einsatz von „SISy“ eine Alternative zur Schließung von Filialen sein. Neben der Serviceberatung wie bei „SISy“ können Videodienste auch bei komplexeren Beratungssituationen sinnvoll eingesetzt werden. Die Erörterung komplizierterer Sachverhalte bei Wertpapierberatung oder Vermögensmanagement erfordert in vielen Fällen die Hinzuziehung von Spezialisten. Das ist besonders bei Flächenbanken vielfach ein Ressourcenproblem. Denn der Zeitaufwand für Hin- und Rückfahrt zum Kundentermin steht oftmals in keiner Relation zum Zeitbedarf für die Erörterung der Kundenanliegen. Auch für den Kunden ist es nicht von Vorteil, wenn nach dem Grundsatzgespräch mit seinem Betreuer ein Folgetermin mit dem Fachberater vereinbart werden muss. Hier kann die Videoberatung wertvolle Unterstützung leisten. Der Spezialist wird einfach zum Beratungsgespräch in der Filiale dazugeschaltet. Hinzu kommt ein weiteres Anwendungsszenario: Die strategische Stoßrichtung vieler Genossenschaftsbanken ist gekennzeichnet vom Wandel von der Abwicklungsbank zur Beraterbank, die Beratungsqualität

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Beratungssituation mit dem System „VR-SISy“

steht also im Zentrum der Positionierung am Markt. Für anspruchsvolle Themen wünschen sich Kunden zwar eine persönliche Beratung, wollen sich aber oft den Weg in eine Filiale ersparen. Für dieses Zweck steht mit der Videoberatung ein weiterer Kanal zur Verfügung, der dem Kunden einen intensiven und persönlichen Dialog mit seinem Berater erlaubt. Grundsätzlich bietet die Videoberatung die gleichen Services und Dienstleistungen wie Filialen. Als Beispiel sei die Volksbank Mittelhessen genannt, die bereits seit einiger Zeit die Videoberatung als Ergänzung einsetzt. DIE DIGITALE BANK Um den geänderten Kundenanforderungen gerecht zu werden, bedarf es auch in Genossenschaftsbanken verstärkt digitaler Innovationen mit dem Ziel, Bankgeschäfte einfacher, bequemer und ansprechender zu gestalten. Es gilt, eine völlig neue Erlebniswelt mit innovativen Lösungskonzepten zu schaffen, um sich mit smarten Finanzdienstleistungen dauerhaft zu positionieren. Aus Sicht der Bank ist die Digitalisierung auch ein wichtiger Weg zur Effizienzsteigerung. Durch standardisierte und automatisierte Prozesse können Beratungs- und Prozesskosten merklich gesenkt werden. Die digitale Bank beginnt bereits mit der Homepage: Immer mehr Kunden recher-

chieren vor dem Abschluss eines Produkts oder der Buchung einer Reise im Internet. Das gilt immer mehr auch für den Finanzbereich. In diesem Zusammenhang erlangt die Homepage der Bank eine zentrale Bedeutung: Sie ist die Anbindung in die virtuelle Welt. Der Internetauftritt ist gleichsam die Visitenkarte einer Bank und eine wesentliche Drehscheibe für ein dynamisches Beziehungsmanagement sowie für die Neukundengewinnung. Dafür muss die Website von einer reinen „Informationsseite“ immer mehr zu einer kundenorientierten „Kommunikations- und Vertriebsseite“ weiterentwickelt werden. Klarheit und Übersichtlichkeit, eine verständliche Oberfläche, ein ansprechendes Design, kurze Ladezeiten sowie ein modernes Content- und Navigationssystem sind dabei wesentliche Kriterien dafür, ob ein Kunde eine Homepage ansprechend findet oder nicht. Ein Online-Kontofinder erleichtert zudem die Suche nach dem passenden Kontopaket, und digitales Onboarding ebnet den Weg für Neukunden. DIE BANK IN DER HOSENTASCHE Die „Immer und überall und sofort“-Kommunikation ist ein prägendes Element unserer Zeit. Viele Aktivitäten erfolgen vollkommen ortsunabhängig und in einer raschen Reaktionszeit. Menschen, die gewohnt sind, ihr Privatleben mit Hilfe modernster Technik zu organisieren, haben zwangsläufig auch entsprechende Ansprüche an ihre Bank. Diesem Anspruchsniveau der online-affinen Kunden muss daher bei der Omnikanal-Strategie entsprochen werden. Sie wollen einfache Bankgeschäfte orts- und zeitunabhängig mit dem Smartphone erledigen. Damit hat das Mobile Banking (als besondere Form des Online-Bankings) in den letzten Jahren immer größere Bedeutung erlangt. Abfragen von Kontoständen, Anzeigen des Finanzstatus, das Tätigen von Überweisungen oder das Bezahlen mit dem Smartphone sind nur einige Beispiele für die Nutzung. Daher lautet die Devise für die zukünftige Marschrichtung der Digitalisierungsstrategie eindeutig „Mobile first“.


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ERFOLGSFAKTOREN BEI DER IMPLEMENTIERUNG Die hier beschriebenen großen Trends, die Veränderungen im Bankenumfeld sowie im Vertriebsmodell erfordern ein systematisches Vorgehen bei der Neuausrichtung der Bank. Dabei lassen sich für die schrittweise Umsetzung mehrere Handlungsfelder ableiten. » Strategisches Zielbild und Digitalisie rungsstrategie: Angesichts der beweg ten Zeiten müssen sich Genossen schaftsbanken intensiv mit ihrer strate gischen Grundausrichtung auseinan dersetzen. Das erfordert eine einge hende Diskussion über Kundenver ständnis, Selbstzweck und Positionie rung am Markt. Ausgehend von einer Stärken- und Schwächenanalyse ist das Zielbild als Idealbild der Kundenzent rierung zu entwickeln. Dabei sind etwa folgende Fragen zu beantworten: Wie sieht unsere gegenwärtige Kunden struktur aus? Welches Bild haben wir von Markt und Kunden im Jahr 2025? Wie sieht unsere zukünftige Filialstrate gie aus? Wofür wollen wir digitale Mö glichkeiten nutzen? Aufbauend auf die sen Eckpfeilern sind die Kernstrategien für das Vertriebsmodell sowie für die digitale Transformation zu entwickeln. » Innovationskultur und Change-Manage ment: Neben Technologien, Strukturen und Prozessen ist der Erfolg der stra tegischen Neupositionierung letztend lich von den in der Bank handelnden Menschen abhängig. Die Entwicklung einer neuen Innovations- und Vertriebs kultur ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. In einem Change-Management gilt es, die Mitarbeiter von der Notwendigkeit von Veränderungen zu überzeugen, um Akzeptanz für die Maßnahmen zu er reichen. Die Praxis zeigt, dass Verhal tensänderungen nur gelingen, wenn zwei Stoßrichtungen gleichzeitig ver folgt werden: Veränderungsmotivation und Veränderungsdruck. » Führungskräfte als Übersetzer: Damit die Bank der Zukunft funktioniert, sind

PRAXISKRAFT

Führungskräfte und Mitarbeiter mit hoher Veränderungsbereitschaft er forderlich. Ganz entscheidend ist daher die Frage: Wie stehen die Führungskräf te selbst zur Digitalisierungsstrategie? Dies ist nicht – wie oft dargestellt – eine Altersfrage, sondern primär Einstel lungssache. Führungskräfte müssen in der Lage sein, technologiegetriebene Veränderungsprozesse zu erkennen und aktiv zu steuern. » Rollenwandel der Vertriebsmitarbeiter: War früher der Berater die zentrale Anlaufstelle für Finanzfragen, der auf grund seines Wissens die Empfehlun gen für die in Frage kommenden Pro dukte gab, ersetzen heute vielfältige technische Recherchemöglichkeiten diese Beratungsfunktion. Auch die intensiven persönlichen Kunden kontakte sind durch das digitale Banking spürbar zurückgegangen. Das führt zu einem völlig neuen Rollen verständnis und Anforderungsprofil der Vertriebsmitarbeiter. Sie müssen die neuen und distanzierten Formen der Kundenbeziehung akzeptieren und den Kontakt trotzdem halten. Das erfordert die Fähigkeit zur Kommunikation in unterschiedlichen Vertriebskanälen. FAZIT Die Basis für die zukünftige Ausrichtung der Genossenschaftsbanken bildet das Omnikanal-Zielbild. Damit rückt der Kunde ins Zentrum aller Überlegungen: Er wählt je nach Bedarf und Situation den jeweiligen Kanal aus. Dabei ist darauf zu achten, die Filialwelt enger mit der digitalen Welt zu verbinden. Die Zukunft des Retail Bankings ist somit „persodigital“ – persönlich und digital, wobei die Grenzen zwischen offline und online immer fließender werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Identität einer Genossenschaftsbank nicht verloren geht. Die Auswahl und der Einsatz der verschiedenen Medien müssen zum Image und Profil der Bank passen. g

Anton Schmoll ist Bankentrainer, Lektor an der Fachhochschule für Bank- und Finanzwirtschaft sowie Fachbuchautor. E-Mail: anton.schmoll@aon.at

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Livestream aus dem Festsaal der WU Wien, v. l. n. r.: Dietmar Rößl (WU Wien), Alois Feichtinger (GBV), Markus Dellinger (Raiffeisenverband), Barbara Pogacar (ÖGV) und Clemens Pig (APA)

Schulterschluss für genossenschaftliche

Bildung Text: Günther Griessmair Fotos: WU Wien

Schülern, Lehrkräften, aber auch anderen Interessierten zu vermitteln, welche Chancen und Möglichkeiten das kooperative Wirtschaften bietet – das war das Ziel beim ersten Tag der Genossenschaften an der WU Wien.

Kräfte bündeln – so lautet die Devise von Genossenschaften. Kräfte bündeln ist aber auch angesagt, wenn es darum geht, das Wissen über Genossenschaften vor allem bei der jungen Generation zu steigern. Daher haben das Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften und das Institut für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien sowie der Fachbereich für Genossenschaftswesen an der Uni Wien gemeinsam mit den großen Verbänden – ÖGV, Raiffeisen und Wohnbau – den Tag

der Genossenschaften ins Leben gerufen. Am 29. Juni fand die Veranstaltung zum ersten Mal statt. Ursprünglich als LiveEvent mit einem „Marktplatz“, auf dem sich rund 30 Genossenschaften präsentieren sollten, geplant, musste die Veranstaltung Corona-bedingt in ein Online-Format gegossen werden. Die vor allem für Schüler und Lehrkräfte konzipierten Vorträge von Vertretern aus Wissenschaft, Verbänden und etablierten Genossenschaften wurden daher aus dem Festsaal der WU ge-


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streamt. Das Publikum konnte sich jederzeit mit Fragen einbringen. Die Veranstaltung gliederte sich in mehrere Blöcke: Zum Auftakt ging es um die Geschichte der Genossenschaftsbewegung, Professorin Michaela Schaffhauser-Linzatti (Uni Wien) nahm die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des kooperativen Wirtschaftens. Anschließend skizzierte der Genossenschaftsjurist Markus Dellinger die rechtlichen Aspekte der Genossenschaft, ehe Professor Dietmar Rößl (WU Wien) auf die Organisationsform und ihre Vorteile einging. Verteilt über die verschiedenen Vortragsblöcke wurden auch die Revisionsverbände näher vorgestellt. Dazu gab es jeweils ein Beispiel aus der genossenschaftlichen Praxis. Aus dem ÖGV-Mitgliederkreis präsentierte sich stellvertretend für viele andere die APA. Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Vorstellung eines neues Unterrichtspakets zum Thema Genossenschaften, das ab sofort an Schulen in ganz Österreich flexibel eingesetzt werden kann – mehr dazu lesen Sie auf den nächsten Seiten.

Aufgrund der positiven Rückmeldungen und der zahlreichen Anfragen wird der Tag der Genossenschaften in virtueller oder hybrider Form mit neuen Beispielen aus der Genossenschaftswelt auf jeden Fall wiederholt – das nächste Mal am 17. November. Aber auch die ursprüngliche Idee, einen große Live-Veranstaltung mit einer Vielzahl an Genossenschaften und einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion abzuhalten, wird weiterverfolgt. Denn die Genossenschaft lässt sich immer noch am besten persönlich und im direkten Austausch vermitteln. g

NÄCHSTER TERMIN Tag der Genossenschaften 17. November 2021 9 bis 13 Uhr Online-Anmeldung: www.wu.ac.at/tagdergenossenschaften

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Wie Genossenschaft Schule macht Niederösterreich (Dürnstein an der Donau)

Wien (Stephansdom)

Oberösterreich (Hallstatt)

Spieleanleitung

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Ziel des Spieles ist es, möglichst viele Genossenschaften zu sammeln. Gratuliere – kommst du als erstes auf ein türkises Feld erhältst du die dazu gehörende Genossenschaftskarte!

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Salzburg (Stadt Salzburg)

Kommst du auf ein schwarzes Feld, gehe die angegebene Zahl an Feldern vor (+) oder zurück (-)!

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Kommst du auf ein Aktionsfeld, ziehe eine rote Karte und lies sie dir sorgfältig durch!

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Start

Text: Rosanna Steininger und Gottfried Kögler Abbildungen: WU Wien

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Genossenschaften sind eine zukunftsweisende Rechts- und Organisationsform mit viel Potenzial. Diese Botschaft soll Schülern mit einem neu entwickelten Unterrichtspaket praxisnah und anschaulich vermittelt werden. Im Rahmen des Tags der Genossenschaften wurde es vorgestellt.

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Burgenland (Podersdorf am Neusiedlersee)

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Ziel

Vorarlberg (Festung in Feldkirch)

Tirol (Goldenes Dachl in Innsbruck) Kärnten (Lindwurmbrunnen in Klagenfurt)

Steiermark (Uhrturm in Graz)

So lernen Schüler spielerisch genossenschaftliche Unternehmen kennen

„Die jungen Leute ticken heute ganz anders als früher. Der ausgeprägte Wunsch nach Transparenz, Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit ist nicht zu unterschätzen. Daher lehnen sie große, undurchsichtige Konzernstrukturen ab und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ihnen sind Kooperation und Kommunikation wichtig. Das ist genau die Idee der Genossenschaft“, hat Theresia Theurl, Leiterin des Instituts für Genossenschaftswesen an der Uni Münster, in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ erklärt. Das Thema Genossenschaft spielt aber an österreichischen Schulen noch immer eine untergeordnete Rolle.

Um das zu ändern, haben die drei Genossenschaftsverbände ÖGV, ÖRV und GBV gemeinsam ein Unterrichtspaket beauftragt. Ziel der vom Institut für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien erstellten Lerninhalte ist es, die Lebendigkeit und Vielfalt der genossenschaftlichen Idee durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis für Schülerinnen und Schüler greifbar zu machen. Die Materialien sind als Paket zu verstehen, wobei einzelne Teile kombiniert werden können. Sie sind so konzipiert, dass ein Einsatz in allen Klassen der Sekundarstufe II möglich ist. Für eine sinnvolle Behandlung aller zentralen Inhalte werden mindestens drei Unterrichtsstunden empfohlen.


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Beispiele für Lerninhalte aus dem Unterrichtspaket für Schüler

Bei der Ausarbeitung wurde viel Wert auf die Variation der Unterrichtsmethoden gelegt: So gibt es neben mehreren Einstiegsvarianten – darunter ein Genossenschaftsquiz – und umfassenden Informationsblättern stets auch begleitende Arbeitsblätter und Infografiken, die den Schülern das Lernen erleichtern sollen. Das Paket behandelt folgende Themen: » Entstehungsgeschichte der Genos senschaften, genossenschaftliche Grundsätze und genossenschaftliche Prinzipien der Selbsthilfe, Selbst verantwortung und Selbstverwaltung anhand von Beispielen aus der Praxis » Unterscheidungsmerkmale der Genos senschaft im Vergleich zu anderen Rechtsformen sowie Aufbau und Or gane der Genossenschaft » Arten von Genossenschaften anhand unterschiedlicher Praxisbeispiele er-

klärt (z.B. Einkauf, Verkauf, Verwer tung, Kredit oder Wohnbau) » Bedeutung der genossenschaftlichen Organisationsform als Geschäftsmo dell für die Zukunft Teil des Pakets ist auch ein Brettspiel zu Genossenschaften. Dabei werden mithilfe von 23 gezielt ausgewählten, real existierenden österreichischen Genossenschaften erste kurz gefasste Informationen über die unterschiedlichen Arten von genossenschaftlichen Unternehmen vermittelt. Das Genossenschaftsspiel orientiert sich maßgeblich an den Unterrichtsprinzipien „Neugierde wecken“, „Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsaspekte einbeziehen“ und „Betroffenheit erzeugen“. Es stellt den Versuch dar, in die bunte Welt der Genossenschaften in spielerischer Form einzutauchen.

Internet-Tipp

Das gesamte Unterrichtspaket mit Materialen für Schüler und Lehrer, einer Präsentation sowie dem Genossenschaftsspiel steht im Internet frei zugänglich zum Download zur Verfügung: www.act.at/home/fit-business/genossenschaft-macht-schule

Rosanna Steininger ist Universitätsassistentin am Institut für Wirtschaftspädagogik der WU Wien. Sie forscht unter anderem zu ökonomischer Bildung. Ihre Lehrtätigkeit umfasst die Bereiche soziale Kompetenz und Didaktik der Volkswirtschaftslehre.

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Gottfried Kögler ist Lehrbeauftragter für den Bereich Didaktik der Volkswirtschaftslehre an der WU Wien und an der JKU Linz. Er ist Autor mehrerer Schulbücher und Referent bei Lehrerfortbildungen zum Fachbereich Volkswirtschaft.

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Die neuen digitalen Genossenschaften Industrie 4.0, Internet der Dinge, Sharing Economy, Big Data, Plattformökonomie: In all diesen Bereichen tun sich neue Möglichkeiten für kooperative Lösungen auf. Wir widmen dem Thema daher einen Schwerpunkt, zum Auftakt geht es um Datengenossenschaften. Ein Problemaufriss und Klassifizierungsversuch. Text: Anselm Balk und Johann Brazda Foto: iStockphoto.com


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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Enge Zusammenarbeit und permanenter Datenaustausch zwischen Unternehmen werden in der Digitalökonomie zum entscheidenden Kriterium, um Kosten- und Wettbewerbsvorteile zu generieren.

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Wesentlich für diese vernetzten Strukturen sind Plattformen, die als Datenmittler fungieren, wobei besonders KMUs Gefahr laufen, in zunehmende Abhängigkeit von großen Plattformbetreibern zu geraten.

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Ein Instrument, das es Unternehmen ermöglicht, gemeinsam digitale Strukturen aufzubauen, ohne die Eigenständigkeit zu gefährden, ist die genossenschaftliche Kooperation.

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In der Praxis finden sich Beispiele für autonomiebetonte, konkurrenzbetonte und wertschöpfungsbetonte Datengenossenschaften.

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Digitalisierung und Plattformisierung prägen vermehrt die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Damit verändern sich sowohl die Rahmenbedingungen von Märkten als auch die Wertschöpfungsketten und die Art und Weise der Informationsübermittlung. Während klassische Unternehmen auf Märkten agieren, die sie in der Regel nicht kontrollieren, stellen Plattformunternehmen die wesentlichen Marktinstrumente zur Verfügung, um Angebot und Nachfrage über ihre eigene Plattform zu koordinieren, und übernehmen somit die Rolle des Marktes. EIN NEUES UMFELD FÜR UNTERNEHMEN Es entsteht dadurch ein System proprietärer Märkte, in dem der Markt durch den Betreiber der Plattform zur Verfügung gestellt wird. Jenen Unternehmen, die in der Lage sind, diese digitalen Plattformstrukturen zu implementieren, eröffnet sich das Potenzial, Informationen über ihre eigenen Prozesse, aber auch über das Agieren anderer Unternehmen zu sammeln und in einem noch nie dagewesenen Ausmaß auszuwerten. In Wertschöpfungsketten ermöglichen cyber-physische Systeme, physische Gegenstände und Software so eng miteinander zu verzahnen, dass digitale Abbilder von physischen Objekten und deren Produktionsdaten erstellt und in Echtzeit ausgewertet und analysiert werden können. Die Implementierung dieser mit Software verknüpften physischen Gegenstände soll die Effizienz in der Produktion weiter erhöhen und Leerzeiten nach Möglichkeit vermeiden. Je mehr Unternehmen entlang einer Lieferkette miteinander vernetzt werden können, desto größer sind dabei mögliche Effizienzgewinne. Diese Entwicklung führt zu einer Abnahme des Wettbewerbs zwischen Einzelunternehmen bei gleichzeitiger Forcierung von Wettbewerb zwischen Unternehmensnetzwerken. Enge Zusammenarbeit und permanenter Datenaustausch zwischen den einzelnen Unternehmen werden für diese Form integrierter Lieferketten zum entscheidenden Kriterium, um Kosten- und Wettbewerbsvorteile zu generieren.

PLATTFORMEN ALS DATENMITTLER Wesentlich für diese vernetzten Strukturen sind dabei Plattformen, die als Datenmittler zwischen den einzelnen Unternehmen fungieren und die Informationsnachfrage- und Informationsangebotsseite miteinander verbinden. Diese Plattformen agieren als Informationsknotenpunkte der jeweiligen Netzwerke und nehmen in ihnen eine zentrale Stellung ein. Damit verfügen sie über entscheidende Markt- und Transaktionsinformationen, die durch Netzwerk- und Skaleneffekte weiter gestärkt werden, womit sie die Möglichkeit schaffen, hohe Wertschöpfungsanteile auf sich zu vereinen. Durch diese zentrale Position des Datenmittlers können sich Unternehmen, die auf die Nutzung dieser Plattformen angewiesen sind, um ihre Kunden zu erreichen oder integrierte Lieferketten aufzubauen, mit zunehmenden Abhängigkeiten und Informationsasymmetrien konfrontiert sehen. Aber auch eine genuine Lösung kann zu Abhängigkeiten führen – hier nicht von einem externen Datenmittler, sondern von einem Unternehmen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses, welches über mehr Informationsmacht verfügt und diese potenziell für sich verwenden kann. Wie aktuelle Entwicklungen zeigen, ist diese Ausnutzung von Informationsvorteilen nicht bloß hypothetisch. Plattformbetreiber nutzen diese prekären Beziehungen, um ihren eigenen Anteil am Wertschöpfungsprozess zu erhöhen, vermehrt missbrauchen sie auch ihre Marktmacht. Derartige Entwicklungen sind nicht nur in Sektoren wie der Unterhaltungs- und Medienbranche oder im Versandhandel zu beobachten: Durch die zunehmende digitale Transformation und Plattformisierung der Wirtschaft ist es wahrscheinlich, dass sie in immer mehr Geschäftsbereichen an Bedeutung gewinnen. GEÄNDERTE RAHMENBEDINGUNGEN FÜR KMUS Diese Entwicklung bedroht insbesondere die Position kleiner und mittlerer Unternehmen, die nun Gefahr laufen, in eine zunehmende Abhängigkeit von Dienstleistern und Plattformbetreibern zu geraten, was in der


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Folge zu sinkender Marktmacht und damit zu Umsatzeinbußen führen kann. Auf der anderen Seite sind jedoch KMUs, die digitale Strukturen in Hinblick auf integrierte Wertschöpfungsketten und digitalisierte Produktionsstrukturen umsetzen möchten, vermehrt auf digitale Kooperationen angewiesen: Sie verfügen im Vergleich zu größeren Wettbewerbern oft nur über ein Datensegment innerhalb der Lieferkette und sind zudem stärker mit Ressourcenbegrenzungen konfrontiert. Weiters sind Datenanalysetools gerade dann besonders leistungsfähig, wenn sie Zugriff auf große Datenmengen aus möglichst vielen Segmenten der Wertschöpfungskette haben, was eine verstärkte Zusammenarbeit entlang der Lieferkette erfordert. Allerdings stellt sich auch dabei die Frage, wer die Daten verwaltet, auswertet und sicherstellt. Es besteht die Gefahr, dass der Informationsvorsprung, über den eine zentrale Datenverarbeitungsstelle verfügt, zum Nachteil der einzelnen Mitglieder der Wertschöpfungskette verwendet wird. GENOSSENSCHAFTLICHE KOOPERATION ALS ANTWORT Ein potenzielles Instrument, das es KMUs ermöglicht, gemeinsame digitale Strukturen aufzubauen, ohne ihre Eigenständigkeit zu gefährden oder in Gefahr zu geraten, dass die zentrale Plattform den Informationsvorsprung für sich missbraucht, kann in der genossenschaftlichen Kooperation gesehen werden. Aufgrund der besonderen Charakteristika, die Genossenschaften auszeichnen, ist eine eigene Identitätsbildung gewährleistet, durch die ihre Mitglieder in den Mittelpunkt gestellt werden und nicht ein eigenständiges oder konkurrierendes Geschäftsmodell. Abhängig vom methodischen Zugang zur Erklärung der Genossenschaft – wie etwa der rechtlichen Sichtweise als Vereinigungsform mit einem persönlichen Förderzweck der Einzelwirtschaften der Mitglieder oder der ökonomischen Sichtweise als fördernde Betriebswirtschaft, als Konfliktaustragungsmodell, als soziotechnisches System, transaktionskostensenkende Institution oder als wissensbasierter evoluto-

rischer Lernprozess – gibt es unterschiedliche Modelle, mit denen Aussagen zur Funktionsfähigkeit genossenschaftlicher Datenanalysestrukturen aufgezeigt werden können. In dieser Betrachtung soll auf die verschiedenen theoretischen Zugänge eingegangen werden, wobei sie jeweils in den Kontext von Digitalisierung und Plattformisierung gestellt werden. TYPEN VON DATENGENOSSENSCHAFTEN IN DER PRAXIS Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen, die diese Überlegungen aufgreifen und genossenschaftliche Plattformen als sogenannte Daten- oder Plattformgenossenschaften betreiben, so lassen sich drei verschiedene Entwicklungslinien unterscheiden: Zum einen gibt es autonomiebetonte Datengenossenschaften, die den Aspekt der Souveränität über die eigenen Daten in den Vordergrund stellen. Mit ihnen werden etwa im Gesundheitsbereich Strukturen aufgebaut, in denen die Gesundheitsdaten der Mitglieder zwar zentral von einer Genossenschaft verwaltet werden, die Mitglieder jedoch individuell festlegen können, ob und wie ihre erhobenen Daten beispielsweise für Forschungszwecke weitergegeben und verarbeitet werden dürfen. Das Förderprinzip ist dabei so aufgebaut, dass entweder lediglich die Genossenschaftsmitglieder oder auch die Allgemeinheit von den Datenauswertungen profitieren. Als Beispiel kann hier etwa die schweizerische midata-Genossenschaft angeführt werden, die von der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule entwickelt wurde und als Plattform für Gesundheitsdaten dient. So konnte auf Basis der midata-Plattform ein Projekt umgesetzt werden, in dem erhoben wird, wo in der Schweiz die meisten Pollenallergiker leben und welche Symptome sie haben. Die Allergiker können dabei in einer Echtzeit-Allergiekarte, die mit dem Pollenprognosetool des Schweizer Wetterdienstes verbunden ist, ihre Beschwerden eintragen. Ziel dieses Projekts ist es, ein Pollenfrühwarnsystem aufzubauen sowie langfristig eine Plattform für Umweltepidemiologie zu schaffen.

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Als zweite Entwicklung haben sich konkurrenzbetonte Datengenossenschaften herausgebildet, die im direkten Wettbewerb mit bereits bestehenden Plattformunternehmen agieren. Als Beispiel können hier FairBnB oder fairmondo angeführt werden, deren Geschäftsmodelle sich klar als Alternative zu AirBnB und Amazon positionieren. Derzeit sind solche Plattformgenossenschaften vergleichsweise klein, und es ist nicht sicher, ob die erforderlichen Netzwerk- und Skaleneffekte erreicht werden können, damit sie tatsächlich als Herausforderer auftreten können. Hinzu kommt, dass die Zahl der potenziellen Anbieter begrenzt ist, was es erschwert, eine kritische Masse zu erreichen. Bookingsuedtirol.com, das sich als regional agierende Alternative zu booking.com versteht, konnte das Problem des Erreichens einer kritischen Masse umgehen, indem die Plattform vom Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverband aufgebaut und betrieben wird. Alle Südtiroler Hoteliers können auf dieser Plattform ihre Unterkünfte listen und profitieren – im Vergleich zu booking.com – von deutlich geringeren Abgabequoten, was es ihnen erlaubt, einen größeren Anteil der Wertschöpfung für sich zu lukrieren. Dadurch verbleibt auch insgesamt mehr Wertschöpfung in der Region. Zentrale Verbandsorganisationen können also helfen, für ihre Mitglieder diese Strukturen aufzubauen und so nicht nur das Problem der Anfangsfinanzierung und des Erreichens einer kritischen Masse zu lösen, sondern durch die genossenschaftlich betriebene Plattform auch mehr Wertschöpfung für ihre Mitglieder zu generieren. Als drittes Konzept lassen sich genossenschaftlich betriebene B2B-Plattformen einordnen, dabei handelt es sich um wertschöpfungsbetonte Datengenossenschaften. Hier geht es nicht um die Mittlerfunktion zwischen Konsument und Produzent, sondern vielmehr darum, einzelne Unternehmen miteinander zu vernetzen, um im Verbund mit den Herausforderungen der digitalen Transformation zurechtzukommen sowie mit vor- und

nachgelagerten Betrieben integrierte Lieferketten aufzubauen und zu betreiben. Eine Entwicklung, der aufgrund des oben angeführten Problemaufrisses wachsende Bedeutung attestiert werden kann. Derzeit wird in einem Pilotversuch des Steinbeis-Instituts in Stuttgart eine technische Umsetzung von B2B-Plattformgenossenschaften evaluiert. Geht man von den bisher veröffentlichten Projektberichten aus, so lässt sich konstatieren, dass sich der Stuttgarter Ansatz auf die technische Implementierung konzentriert und genossenschaftswissenschaftliche Erkenntnisse sowie der spezifische Kontext, in dem sich KMUs gegenwärtig befinden, kaum Berücksichtigung finden. Hier schließt ein Dissertationsprojekt zum Thema Datengenossenschaften an der Universität Wien an, in dem zunächst die Auswirkungen der Digitalisierung auf KMUs behandelt werden und darauf aufbauend thematisiert wird, inwieweit genossenschaftliche Strukturen für den Mittelstand förderlich sein können, die Herausforderungen der digitalen Transformation in einem kooperativen Verbund zu meistern. FAZIT Es zeigt sich, dass der genossenschaftliche Verbund nicht nur in etablierten Branchen wie dem Banken-, Landwirtschaftsoder Wohnbausektor Anwendung finden kann, sondern sich durch die Digitalisierung ein großes neues Feld für kooperative Lösungen aufgetan hat. Insbesondere, da Genossenschaften aufgrund ihrer Konzeption bereits Antworten auf Problemstellungen gefunden haben, die sich bei Plattformunternehmen ergeben. So ist der jahrhundertealte genossenschaftliche Gedanke auch in der zunehmend digitalisierten Welt weiterhin aktuell. Ein wissenschaftlicher Ansatz, der auf ein größeres Verständnis des Agierens von Genossenschaften in diesem neuen Umfeld baut und bestehende Entwicklungen in Bezug setzt, kann dazu beitragen, das erprobte Konzept der genossenschaftlichen Kooperation ins 21. Jahrhundert zu übertragen. g


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Literatur zum Thema

allyscience. (2021). Wo leben die meisten Pollen-Allergiker in der Schweiz und unter welchen Symptomen leiden Sie? https://allyscience.ch/ FSTI (Ferdinand-Steinbeis-Institut der Steinbeis-Stiftung). (2021). Prinzip der Datengenossenschaft https://www.datengenossenschaft.com/konzept Kafsack, H. (7.6.2021). Fesseln für Apple, Google & Co. Frankfurter Allgemeine Zeitung. https://www.faz.net/-ikh-acgg6 McMahon, M. (17.5.2021). Margarethe Vestager explains the EU’s position in the global battle for data. Euronews. https://www.euronews.com/2021/05/07/margrethe-vestager-explains-the-eu-sposition-in-the-global-battle-for-data Midata. (2021). Meine Daten – Unsere Gesundheit. https://www. midata.coop Müller-Seitz, G., Beham, F. & Thielen, T. (2016). Die digitale Transformation der Wertschöpfung. Controlling & Management Review 60, 24–31. https://doi-org.uaccess.univie.ac.at/10.1007/s12176016-0095-7

Anselm Balk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaftslehre/Fachbereich für Genossenschaftswesen der Universität Wien. Er leitete im Sommersemester 2021 gemeinsam mit Professor Johann Brazda ein Seminar zum Thema Digitalisierung und KMUs. Wesentliche Inhalte daraus teilt er nun mit den „cooperativ“-Lesern. E-Mail: anselm.balk@univie.ac.at

o.A. (7.6.2021). In Frankreich: Google zahlt Millionen-Bußgeld wegen Missbrauchs von Marktmacht. Frankfurter Allgemeine Zeitung. https://www.faz.net/-ikh-acg1u Rachinger, M., Rauter, R., Müller, C., Vorraber, W., & Schirgi, E. (2019). Digitalization and its influence on business model innovation. Journal of Manufacturing Technology Management. 11431160. Staab, P. (2019). Digitaler Kapitalismus: Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit. Suhrkamp. Vogel-Heuser, B. (2019). Herausforderungen und Anforderungen aus Sicht der IT und der Automatisierungstechnik. In: Vogel-Heuser, B., Bauernhansl T. & ten Hompel, M. (2017) Handbuch Industrie 4.0. SpringerVieweg, 33-44.

Johann Brazda ist Professor i. R. am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien. Er war viele Jahre lang Leiter des Fachbereichs für Genossenschaftswesen und geschäftsführender Vorstand des FOG. E-Mail: johann.brazda@univie.ac.at

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Ein Blick in die

Geldbörsen

der Österreicher In einer großen Studie untersucht die TeamBank jedes Jahr die Liquidität und das Ausgabenverhalten der Österreicher. Besonders spannend ist heuer der Vergleich mit der Vor-Corona-Zeit. Text: Marc-Olivier Weber Grafiken: TeamBank

Für die heurige Ausgabe wurden vom Marktforschungsinstitut YouGov rund 1.300 Österreicherinnen und Österreicher zwischen 18 und 79 Jahren online befragt. Corona hat in den Ergebnissen deutliche Spuren hinterlassen: Zwar schätzen noch immer 64 Prozent der Befragten ihre finanzielle Lage als gut oder sehr gut ein, im Vorjahr waren es allerdings noch 17 Prozentpunkte mehr. Für 37 Prozent hat sich die finanzielle Situation aufgrund der

Coronakrise verschlechtert, 51 Prozent haben hingegen keine Auswirkungen auf die eigene Geldbörse registriert. Insgesamt erreicht das bereits zum sechsten Mal ermittelte TeamBank-Liquiditätsbarometer 2021 nur noch 17 Punkte. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als der Index noch knapp 28,6 Punkte betrug. Der bisherige Höchstwert war 2016 mit 34,2 Punkten erreicht worden. Besonders stark fiel der Rückgang bei den Über-50-Jährigen aus: Der Liquiditätsindex für diese Altersklasse rutschte von 21 Punkten im Jahr 2020 auf nur noch 7,5 Punkte ab. Doch die Einschätzung der finanziellen Lage ist offenbar nicht nur von der Generation abhängig, sondern auch von der Region: Während in Vorarlberg das Liquiditätsbarometer mit 29,7 Punkten deutlich über dem bundesweiten Schnitt liegt, ist der Index im Burgenland mit 13,5 Punkten besonders niedrig. Grundsätzlich lässt sich ein West-Ost-Gefälle ausmachen: Vorarlberg, Tirol und Salzburg schneiden deutlich besser ab als Niederösterreich, die Steiermark oder das Burgenland.

Der aktuelle Liquiditätsindex der TeamBank im Bundesländer-Vergleich


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ÖSTERREICHER SCHAUEN GENAUER AUF IHRE FINANZEN 49 Prozent der Befragten und damit neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr haben einen genauen Überblick über ihre monatlichen Ausgaben. 78 Prozent überprüfen alle paar Tage ihren Kontostand – die 18- bis 29-Jährigen tun dies etwas häufiger als die Vertreter der Generation 50Plus. Der Kontoüberblick bringt auch Klarheit über die eigenen Ersparnisse: Bei den Über-50-Jährigen wissen 54 Prozent exakt, wie viel ihnen für unvorhergesehene Ausgaben zur Verfügung steht. In der Gesamtbevölkerung kennt fast die Hälfte diesen Betrag ganz genau. Weitere 45 Prozent wissen zumindest ungefähr, worauf sie zurückgreifen können. Die Notreserve ist aber sehr unterschiedlich verteilt: 21 Prozent haben 5.000 Euro und mehr zur Verfügung, allerdings verfügen auch 28 Prozent über weniger als 500 Euro oder gar keine Ersparnisse. 20 Prozent können im Notfall auf 500 bis 1.000 Euro zurückgreifen. Die Coronakrise hat die Menschen jedenfalls sparsamer gemacht: 39 Prozent der Befragten haben bewusst Geld für die Zeit nach Corona zurückgelegt, um sich dann die verschobenen Restaurantbesuche oder Urlaube leisten zu können. In der Krise haben 41 Prozent ihre Ausgaben für Reisen verschoben. Gerade die Über-50-Jährigen haben sich während der Coronakrise vermehrt mit ihren monatlichen Ausgaben auseinandergesetzt. Egal ob Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel oder Geldanlage – der Anteil derjenigen, die sich gut auskennen, hat sich bei allen Positionen um gut 30 Prozentpunkte vergrößert. So wissen nun 72 Prozent der Angehörigen der Generation 50Plus genau, wie viel sie für Lebensmittel bezahlen, vor einem Jahr waren es noch 39 Prozent. Die Beträge für Wohnkosten wie Miete oder Darlehensrückzahlungen kennen 92 Prozent, im Vorjahr

waren es nur 64 Prozent. Versicherungsbeträge für Haftpflicht, Berufsunfähigkeit und Co kennen jetzt 85 Prozent, 2020 waren es 53 Prozent. Ihre Geldanlagen und Altersvorsorge können 76 Prozent beziffern (Vorjahr: 46 Prozent).

So steht es um das Wissen über den eigenen Notgroschen

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass die Österreicher überwiegend positiv in die Zukunft blicken – fast die Hälfte rechnet mit einer Verbesserung. Dabei sorgen vor allem die nun verfügbaren Impfungen für mehr Zuversicht. Auch profitiert die österreichische Export- und Tourismuswirtschaft zunehmend von der wirtschaftlichen Erholung in Europa und vielen weiteren Ländern der Welt. Es ist zudem davon auszugehen, dass sich der in den letzten Monaten aufgrund der Einschränkungen entstandene „große Wunschstau“ beim Konsum auflöst. Das deckt sich mit den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die einhellig ein deutliches Wachstum der privaten Ausgaben erwarten. Die TeamBank steht als Kompetenzzentrum für modernes Liquiditätsmanagement gerne bereit, um gemeinsam mit den Volksbanken die Kunden bei der Realisierung dieser Konsumwünsche zu unterstützen. g

Marc-Olivier Weber ist Mitarbeiter im Bereich Kommunikation bei der TeamBank in Nürnberg.

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INFOGRAFIK

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So nachhaltig denken Österreichs Unternehmer Die vierte Auflage der Volksbank-Unternehmerstudie widmet sich der Nachhaltigkeit in all ihrer Vielfalt. Welche Rolle spielt sie im Unternehmensalltag? Wie verhält es sich mit Zielkonflikten? Die Ergebnisse zeigen: Vor allem bei weiblichen und jungen Selbstständigen ist nachhaltiges Handeln längst gelebte Praxis.


Quelle: Gallup-Institut im Auftrag der Volksbanken, Sample: 1.000 Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich, Zeitraum: März/April 2021

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Achtung, neues Gewährleistungsrecht! Die fortschreitende Digitalisierung macht auch Änderungen bei der Gewährleistung erforderlich: Mit neuen Regeln, die ab 1. Jänner 2022 gelten, soll dieses wichtige Rechtsgebiet zukunftstauglich gemacht werden. Was das für Unternehmen und Verbraucher bedeutet. Text: Edin Vojnikovic Foto: iStockphoto.com

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

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Mit 1. Jänner 2022 treten Gesetzesänderungen zur Gewährleistung in Kraft. Sie sind auf Verträge anwendbar, die ab diesem Zeitpunkt geschlossen werden.

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Während das bestehende Gewährleistungsrecht für den Kauf von Waren konzipiert ist, werden von den neuen Regeln auch digitale Inhalte und digitale Dienstleistungen erfasst.

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Bei digitalen Inhalten und Leistungen sind Unternehmer künftig auch dazu verpflichtet, die notwendigen Updates zur Verfügung zu stellen.

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Die Länge der Gewährleistungsfrist wird grundsätzlich beibehalten, allerdings kommt es zu Änderungen bei der Ausgestaltung.


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Die Gewährleistung ist wohl eines der bedeutendsten Rechtsinstitute, sie ist aufgrund ihrer häufigen praktischen Relevanz aus dem Alltagsleben kaum wegzudenken. Schließlich kommt sie sowohl beim Kauf von Sachen als auch bei anderen entgeltlichen Verträgen wie etwa beim Werkvertrag zur Anwendung. Ganz allgemein lässt sich die Gewährleistung als eine gesetzlich angeordnete Haftung des Anbieters, dass eine von ihm entgeltlich erbrachte Leistung zum Zeitpunkt der Erbringung frei von Mängeln jeglicher Art ist, definieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die auf dem Markt angebotenen Waren und Dienstleistungen einen gewissen Mindeststandard erfüllen und dass der Anbieter zumindest für einen bestimmten Zeitraum nach Vertragsabschluss dafür einzustehen hat. Da sich das Marktgeschehen zu einem Großteil auf dem EU-Binnenmarkt abspielt, wurde bereits 1999 die Verbrauchsgüterkauf-Richtlinie erlassen, um die in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich ausgestalteten Gewährleistungsrechte weitestgehend zu harmonisieren. Auf dieser Richtlinie beruht auch das derzeit in Österreich geltende Gewährleistungsrecht. Um dem gesellschaftlichen Wandel und der stetig fortschreitenden Digitalisierung gerecht zu werden, ergingen auf unionsrechtlicher Ebene im Mai 2019 die Warenkauf-Richtlinie und die Digitale-InhalteRichtlinie. Der österreichische Gesetzgeber hat diese beiden Richtlinien in einem eigenen Bundesgesetz, dem Verbrauchergewährleistungsgesetz, umgesetzt. Zudem wurden auch korrespondierende Änderungen im Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch sowie im Konsumentenschutzgesetz beschlossen, um die Vorgaben der beiden Richtlinien vollständig umzusetzen. Die Gesetzesänderungen treten mit 1. Jänner 2022 in Kraft und sind auf Verträge anwendbar, die ab diesem Zeitpunkt geschlossen wer-

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den. Im Folgenden werden die aktuelle Rechtslage sowie die wichtigsten Neuerungen dargestellt. ERWEITERUNG DES ANWENDUNGSBEREICHS Während das bestehende Gewährleistungsrecht für den Kauf von körperlichen Waren konzipiert ist, werden im neuen Verbrauchergewährleistungsgesetz auch „Waren mit digitalen Elementen“, „digitale Inhalte“ und „digitale Dienstleistungen“ erfasst. » Bei Waren mit digitalen Elementen handelt es sich um körperliche Waren, die ihre Funktion ohne die in ihnen enthaltenen digitalen Leistungen nicht erfüllen können. Dies bezieht sich auf sämtliche Funktionen der Ware und nicht nur auf ihre Hauptfunktion. Beispielsweise kann eine Smartwatch für sich allein genommen als Uhr verwendet werden, allerdings sämt liche ihr zugrunde liegenden Funk tionen erst mit der beinhalteten digitalen Anwendung erfüllen. Ein weiteres Beispiel ist ein Musik lehrbuch, das gemeinsam mit einem Datenträger geliefert wird. » Unter digitalen Inhalten versteht man Daten, die in digitaler Form erstellt und bereitgestellt werden. Ein klassisches Beispiel hierfür ist eine Handy-App, die man herunterlädt. » Eine digitale Dienstleistung ermöglicht die Erstellung, Verarbeitung und Spei cherung von Daten in digitaler Form, den Zugang zu solchen Daten, eine gemeinsame Nutzung von in digitaler Form hochgeladenen oder erstellten Daten oder eine sonstige Interaktion mit diesen Daten. Darunter fallen etwa Cloud-Dienste, welche die Speicherung und Weiterleitung von Daten ermögli chen, oder E-Mail-Diensteanbieter.

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Digitale Inhalte und digitale Dienstleistungen werden im neuen Gesetz allgemein unter dem Begriff „digitale Leistung“ zusammengefasst, da auf beide die Regelungen der Digitale-Inhalte-Richtlinie anzuwenden sind, während für Waren mit digitalen Elementen so wie für herkömmliche analoge Waren die Regelungen der WarenkaufRichtlinie gelten. Eine Unterscheidung, ob es sich im konkreten Fall um ein mit einer Ware verbundenes digitales Element oder doch um eine eigenständige digitale Leistung handelt, ist nach dem Vertragsinhalt zu beurteilen: So gehören auf einem Handy bereits vorinstallierte Apps zu den mit der Ware verbundenen digitalen Elementen, während eine später heruntergeladene App eine digitale Leistung darstellt, für die nicht der Handyverkäufer gewährleistet, sondern gegebenenfalls der App-Anbieter. Eine wesentliche Neuerung ist die Gewährleistung für solche digitalen Leistungen, die nicht gegen Zahlung von Geld, sondern gegen die Zurverfügungstellung personenbezogener Daten erfolgen. Dies gilt allerdings dann nicht, wenn die Daten ausschließlich zur Bereitstellung der digitalen Leistungen oder zur Erfüllung von rechtlichen Anforderungen verarbeitet werden. Damit fallen auch kostenlose Apps, für die der Verbraucher persönliche Daten hergibt, die nicht ausschließlich zur Bereitstellung der digitalen Leistung oder zur Erfüllung gesetzlicher Erfordernisse verwendet werden, unter die neuen Regeln. AUSBLEIBEN NOTWENDIGER UPDATES ALS MANGEL Ein Mangel liegt dann vor, wenn die überlassene Sache oder die erbrachte Leistung nicht die vertraglich bedungenen oder gewöhnlich vorausgesetzten Eigenschaften aufweist. Ebenso stellt ein Abweichen von zuvor zur Verfügung gestellten Proben oder Mustern, von einer Beschreibung in der Werbung oder von beigefügten Angaben einen Mangel dar. Man unterscheidet dabei ganz grundsätzlich Sachmängel und Rechtsmängel:

» Ein Sachmangel liegt vor, wenn etwa die gelieferte Sache einen Defekt aufweist oder nicht der vereinbarten Menge entspricht und somit die Leistung von der geschuldeten Qua lität oder Quantität abweicht. » Von einem Rechtsmangel spricht man, wenn der Veräußerer dem Erwerber nicht die geschuldete Rechtsposition verschafft, weil er beispielsweise eine fremde Sache verkauft und daher der Erwerber nicht zum Eigentümer wird. Bei Waren mit digitalen Elementen sowie bei digitalen Leistungen ist der Unternehmer verpflichtet, dem Verbraucher jene Updates zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, damit die Ware oder die digitale Leistung weiterhin dem Vertrag entspricht. Kommt der Unternehmer dieser Verpflichtung nicht nach, stellt dies ebenfalls einen Mangel dar. Dies soll die Nutzung der digitalen Leistung auch bei neuen technischen Entwicklungen weiterhin vertragsgemäß ermöglichen. Grundsätzlich besteht die Aktualisierungspflicht für die gesamte vertraglich vereinbarte Bereitstellungsdauer, mindestens jedoch für zwei Jahre ab Übergabe. Ist aber nur eine einmalige oder mehrmalige einzelne Bereitstellung der digitalen Leistungen vereinbart, dann besteht die Update-Pflicht laut Gesetz „während des Zeitraums, den der Verbraucher aufgrund der Art und des Zwecks der digitalen Leistung und unter Berücksichtigung der Umstände und der Art des Vertrages vernünftigerweise erwarten kann“. Der Unternehmer muss die Aktualisierung nur zur Verfügung stellen, dem Verbraucher steht es frei, ob er diese installiert. Der Unternehmer ist von seiner gewährleistungsrechtlichen Haftung allerdings nur befreit, wenn er den Verbraucher über die Verfügbarkeit des Updates und die Folgen des Unterbleibens der Installation informiert hat und wenn das Unterbleiben oder die nicht sachgemäße Durchführung der Installation nicht auf eine mangelhafte Installationsanleitung zurückzuführen ist. Die Aktualisierungspflicht ist ausdrücklich auch auf B2B-Verträge anwendbar, wobei


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eine vertragliche Abweichung möglich ist. Gegenüber Verbrauchern ist diese Regelung zwingend und kann zu ihrem Nachteil nicht abbedungen werden. ÄNDERUNGEN BEI DEN FRISTEN Die Gewährleistungsfrist beträgt bei beweglichen Sachen zwei Jahre und bei unbeweglichen Sachen drei Jahre, sie beginnt bei Sachmängeln mit der Übergabe und bei Rechtsmängeln mit dem Bekanntwerden des Mangels zu laufen. Das neue Gesetz behält die Länge der Frist bei, gestaltet diese allerdings etwas anders. Nach der derzeitigen Rechtslage entspricht die Gewährleistungsfrist der Verjährungsfrist, da eine gerichtliche Geltendmachung nach Ablauf der Frist nicht mehr möglich ist. Die neue Rechtslage sieht eine Kombination aus Gewährleistungs- und Verjährungsfrist vor: » Der Verbraucher kann innerhalb der zwei- bzw. dreijährigen Gewährleis tungsfrist seine Rechte durch form freie Erklärung an den Unternehmer ausüben und muss diese nicht mehr gerichtlich geltend machen. » Nach Ablauf der Gewährleistungsfrist sieht das neue Gesetz zusätzlich eine dreimonatige Verjährungsfrist vor, innerhalb welcher die Ansprüche ein geklagt werden können. » Für digitale Inhalte, welche nach dem Vertrag fortlaufend bereitgestellt wer den, besteht überdies eine Gewähr leistungsfrist während des gesamten Bereitstellungszeitraums, jedoch min destens für zwei Jahre bei einer kürzer en Bereitstellungsdauer. Grundsätzlich muss der Mangel bei Übergabe bzw. bei Leistungserbringung vorhanden sein, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar ist und erst später hervorkommt. Bei Mängeln, welche innerhalb der ersten sechs Monate ab Übergabe hervorkommen, stellt das Gesetz eine widerlegbare Vermutungsregel auf, dass der Mangel bereits bei der Übergabe vorhanden war. Diese Vermutung kann der Übergeber durch den Beweis des Gegenteils

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entkräften. Tritt der Mangel hingegen nach sechs Monaten ab der Übergabe hervor, muss der Käufer das Vorliegen des Mangels bei Übergabe beweisen. Das Verbrauchergewährleistungsgesetz verlängert diese Vermutungsfrist von sechs Monaten auf ein Jahr. RECHTE AUS DER GEWÄHRLEISTUNG Es gibt vier verschiedene Gewährleistungsbehelfe: die Verbesserung (Nachbesserung oder Nachtrag des Fehlenden), den Austausch der Sache, die Preisminderung sowie die Auflösung des Vertrags. Die beiden erstgenannten Punkte werden auch primäre Behelfe genannt und kommen vorrangig zum Zug. Hingegen kommen Preisminderung oder Vertragsauflösung als sekundäre Behelfe nur in Frage, wenn die beiden primären Behelfe nicht möglich, unzumutbar, mit erheblichen Unannehmlichkeiten oder mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden sind oder wenn der Unternehmer diese verweigert oder nicht innerhalb angemessener Frist durchführt. Einem Unternehmer, der einem Verbraucher Gewähr geleistet hat, steht gegenüber seinem Vormann (dem vorherigen Eigentümer), sofern auch dieser Unternehmer ist, ein Rückgriffsrecht in Höhe des ihm entstandenen Nachteils zu. Dieses Recht verjährt drei Monate nach Erfüllung der eigenen Gewährleistungspflicht, spätestens aber fünf Jahre, nachdem der Vormann seine Leistung erbracht hat. Eine abweichende vertragliche Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmern ist möglich, darf allerdings nicht gröblich benachteiligend sein. FAZIT Die gewährleistungsrechtliche Berücksichtigung von digitalen Leistungen wird dem Wandel der Zeit gerecht. Die bestehende Rechtslage wird insgesamt nicht grundlegend geändert. Es kommt aber zu einigen Besserstellungen für Verbraucher, die durch die zwingende Anwendbarkeit des Verbrauchergewährleistungsgesetzes sichergestellt sind. g

Edin Vojnikovic ist Mitarbeiter in der Rechtsabteilung des ÖGV. E-Mail: edin. vojnikovic@oegv.volksbank.at

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Veranstaltungstipp

Smart wirtschaften nach der Krise Nach der Krise neu starten: respACT, Österreichs führende CSR-Plattform für Unternehmen, versteht die Pandemie als Chance zum Reset. Wie genau das gelingen kann, ist Thema beim csrTAG 2021, der auch vom ÖGV und der Volksbank Wien unterstützt wird. Text: Andrea Karner Foto: Andrea Kraft

Der Einsatz neuer Technologien verändert die Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle aller Branchen. Darüber hinaus führen Veränderungen von Kundenbedürfnissen und politischen Rahmenbedingungen dazu, dass die strategische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung zunehmend zu einer wettbewerbsentscheidenden Aufgabe für Unternehmen jeder Größenordnung wird. Warum also nicht Digitalisierung und die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) zusammenbringen und mit moderner Technologie nachhaltig und resilient in die Zukunft starten? „Wir rufen 2021 zum Jahr ‚DIGI FOR SDG‘ aus, um die Green Recovery voranzutreiben,“ erklärt Daniela Knieling, Geschäftsführerin von respACT, dem Veranstalter des csrTAGs. Die Digitalisierung und der Aktionsplan zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum spielen auch eine Schlüsselrolle im Rahmen des GreenRecovery-Plans der EU. Damit soll eine Transformation der Wirtschaft im Sinne der SDGs beschleunigt werden. Vor allem die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat den Begriff „Twin Challenges“ geprägt. Wei-

chenstellungen auf europäischer Ebene wie der EU-Recovery-Plan, der mit 750 Milliarden Euro ausgestattet ist, setzen deutliche Investitionsanreize. In Österreich – hier stehen rund 3,5 Milliarden aus dem Topf zur Verfügung – ist das Austria Wirtschaftsservice die Abwicklungsstelle für Förderungen von digitalen und ökologischen Investitionen und Digitalisierung von KMUs. Der Schwerpunkt „Transformation der Industrie zu Klimaneutralität“ wird über die Kommunalkredit Public Consulting abgewickelt. Förderungen zu digitaler Infrastruktur und emissionsfreier Mobilität sind bei der Forschungsförderungsgesellschaft angesiedelt. DIGITALE TECHNOLOGIEN FÜR NACHHALTIGKEIT Von Mitte März bis Mitte Mai hat respACT mehr als 200 österreichische Unternehmen online zu diesem Thema befragt. Auf die Frage nach den Zielen von Investitionen in digitale Technologien nennen die Teilnehmenden das Thema Nachhaltigkeit mit 65,9 Prozent an dritter Stelle, knapp nach der Verbesserung operativer Prozesse (69,7) und Innovation (70,1).


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Termin und Anmeldung csrTAG 2021 21. Oktober 2021 9 bis 17 Uhr Anmeldung: www.csrtag.at/anmeldung Teilnahme: online

Über respACT und den csrTAG

Die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

respACT – austrian business council for sustainable development – ist Österreichs führende Unternehmensplattform zu Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltiger Entwicklung. Der Verein unterstützt seine mehr als 350 Mitgliedsunternehmen dabei, ökologische und soziale Ziele ökonomisch und eigenverantwortlich zu erreichen. Seit mehr als 15 Jahren organisiert respACT den Unternehmenskongress für nachhaltiges Wirtschaften, der sich als Jahreshighlight in der heimischen CSR-Szene etabliert hat.

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind der weltweite Zielrahmen für Nachhaltige Entwicklung. 17 konkrete Ziele adressieren die größten Herausforderungen unserer Zeit. Die 193 UN-Staaten, darunter auch Österreich, bekennen sich zur Umsetzung dieser Ziele bis 2030. respACT ist Koordinierungsstelle des Global Compact Network Austria und setzt sich für die nationale Umsetzung der SDGs ein.

Interviews mit Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertretern haben das Ergebnis bestätigt: Vor allem Marktdruck durch verstärkten Wettbewerb und steigende Kundenanforderungen sowie Systemdruck durch aktuelle und kommende Regulierungen würden demnach die Geschwindigkeit der Integration digitaler Prozesse zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bestimmen. Peter Giffinger, respACT-Präsident und CEO Austria bei Saint-Gobain, empfiehlt, den digitalen Wandel verantwortungsvoll zu nutzen: „Unternehmen, die Klimaschutz, globale Lieferketten oder Kreislaufwirtschaft mit digitalen Lösungen verknüpfen, sind am Puls der Zeit.“

Andrea Karner ist Leiterin des Geschäftsfelds Kommunikation und csrTAG bei respACT. Zuvor war sie Generalsekretärin der CIBP und viele Jahre Chefredakteurin des „cooperativ“. E-Mail: a.karner@respact.at

GELINGT DIE DIGITALE GRÜNE TRANSFORMATION? Wie wollen wir nun eine digitale grüne Transformation gestalten, damit wir künftig in einer nachhaltigen, wissensbasierten und gerechten Zukunft leben können? Das ist die zentrale Fragestellung beim csrTAG 2021. Corona habe die wirtschaftliche Ungleichheit verstärkt, so der deutsche Philosoph Richard David Precht, der für eine

Keynote am csrTAG gewonnen werden konnte. „Wenn wir die Giganten des Onlinehandels so weiterwirtschaften lassen, räumen sie unsere Städte leer“, sagt er. Gerade Genossenschaften sind aufgerufen, dagegen anzutreten, damit das Digitalisierungspotenzial nicht von einigen wenigen globalen Konzernen abgeschöpft wird. Dezentral organisiert und zentral gebündelt können nachhaltige Strukturen im Einklang mit den SDGs geschaffen werden. Am csrTAG gibt es die Gelegenheit, in zehn Breakout-Sessions mit mehr als 400 Teilnehmenden aus Forschung, Verwaltung, Industrie und KMUs die brennenden Fragen zu diskutieren: Lassen sich digitale Innovationen, Prozesse oder Konzepte für nachhaltiges Wirtschaften einsetzen? Wie kann der digitale Wandel in Unternehmen nachhaltig gestaltet werden? Wie lassen sich die teuren modernen Technologien finanzieren? „Mit dem csrTAG 2021 zum Thema ‚DIGI FOR SDG – Die neue DNA für die Wirtschaft‘ machen wir auf das Potenzial aufmerksam, das Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften für eine Green Recovery nach der Pandemie in sich bergen,“ unterstreicht Daniela Knieling. g

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ÖGV

Neues aus dem Team Simone Marko verstärkt seit 12. Juli als Juristin die Ware-Beratung des ÖGV. Die 30-jährige Wienerin hat an der Universität Wien Recht studiert und auch ein Masterstudium in Wirtschaftsrecht an der WU absolviert.

Franz Wölfl feierte im August sein 35-jähriges Dienstjubiläum. Der gebürtige Welser ist seit 1986 als Bankprüfer für den ÖGV tätig, nachdem er zuvor bereits Führungserfahrung in einer regionalen Raiffeisenbank gesammelt hatte. Wir gratulieren!

Sonnenenergie für die Löwelstraße Als nachhaltig wirtschaftender Verband möchte der ÖGV nicht nur die Mitglieder kompetent beraten und Neugründungen initiieren, sondern auch selbst einen aktiven Beitrag zur Energiewende in Österreich leisten. Im September ist ein großer Schritt in diese Richtung erfolgt: Auf dem Dach des ÖGV-Hauses in der Löwelstraße wurde eine der größten innerstädtischen Fotovoltaikanlagen Wiens errichtet und in Betrieb genommen. Die Anlage mit 121 Solarpanelen liefert jährlich über 44.000 kWh erneuerbaren Strom, der dem Eigenverbrauch zugeführt wird. „Für die Investition haben wir Energieförderungen sowie die Investitionsprämie genutzt, sodass sich die Anlage in fünf bis sieben Jahren rechnen wird. Neben dem positiven Effekt auf die Umwelt erwarten wir auch eine Senkung der Stromkosten um bis zu 20 Prozent“, so Verbandsanwalt Peter Haubner bei der Eröffnung.


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Genossenschaft in den Medien Ganz im Zeichen des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes und der dadurch ermöglichten Energiegemeinschaften ist diesen Sommer die mediale Berichterstattung über Genossenschaften gestanden. Mehrere Medien wie die „Kleine Zeitung“ oder der ORF zitierten in diesem Zusammenhang ÖGV-Präsident Franz Reischl, der von

einem „Startschuss für die Gründung von Energiegenossenschaften“ sprach. Mit ÖGV-Unterstützung konnten auch gleich die ersten beiden Pilotgenossenschaften gegründet werden. Darüber wurde etwa im „Kurier", aber auch in anderen Medien ausführlich berichtet.

Berichte im „Kurier“, in der „Kleinen Zeitung“ und in den „Bezirksblättern“

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ÖGV

Arbeitsminister Kocher zu Gast im Verbandsrat Im Anschluss an die Verbandsratssitzung am 22. Juni hat Arbeitsminister Martin Kocher im ÖGV-Haus eine Präsentation zum Thema Arbeitsmarkt und Wirtschaft gehalten. Dazu waren auch die Führungskräfte und Fachexperten des ÖGV eingeladen. Der Minister bot dabei einen Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt. Er zog eine positive Bilanz über die Corona-Kurzarbeit, die viele Arbeitsplätze gerettet habe. Im Anschluss stellte er sich den Fragen der Genossenschaftsvertreter. Verbandsanwalt Peter Haubner zeigte sich überzeugt, dass die Genossenschaft mit ihrem Modell des kooperativen Wirtschaftens nach der Krise wesentlich zum Aufschwung in Österreich beitragen wird. Dabei punkte sie vor allem mit Regionalität und Nachhaltigkeit, aber auch mit Innovationskraft.

Volksbanken-Verbund

Erfreuliche Halbjahreszahlen vorgelegt Die Volksbanken sind weiter klar im Aufwind: Per Ende Juni erwirtschaftete der Verbund einen Gewinn nach Steuern von 92,6 Millionen Euro – und damit dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, sieht im APA-Gespräch trotz anhaltender Corona-Pandemie einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung in Österreich: „Die Kommerzkunden haben die Krise gut überstanden, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Wir wollen nun diesen Aufschwung durch Kreditvergabe an die Unternehmen unterstützen.“ Mit vermehrten Firmeninsolvenzen im Zuge einer vierten Infektionswelle rechnet Fleischmann nicht: „Wir sehen keinen Klippeneffekt, wir kennen ja die Auftragsbücher unserer Kun-

den.“ Daher erwartet er fürs heurige Geschäftsjahr auch kein erhöhtes Kreditrisiko. Die NPL-Quote des Volksbanken-Verbundes lag im ersten Halbjahr bei nur 1,8 Prozent, im Halbjahr des Vorjahres waren es noch 2,1 Prozent. Nach hohen Rückstellungen im Jahr 2020 konnten heuer wieder Kreditvorsorgen aufgelöst werden. Im Privatkundenbereich hob Fleischmann den Fokus auf das Wertpapiergeschäft und hier vor allem auf nachhaltige Veranlagungen hervor. „Wir merken, das wird nachgefragt“, so der Generaldirektor, der im Interview auch die Rolle der Volksbanken als Beraterbank betonte: Man wolle den direkten Kontakt zum Kunden und die Beraterfunktion weiter ausbauen.


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Kontaktlos zahlen im Handumdrehen Österreich-Premiere für ein innovatives Service: Volksbank-Kunden bekommen die Möglichkeit, sicher und bequem mit ihrer Swatch-Uhr zu bezahlen. Dazu verbinden sie einfach ihre Debit Mastercard mit einem SwatchPAY!-Modell. Nach einer Pilotphase in der Volksbank Wien wird der Dienst nun im ganzen Verbund ausgerollt. Ob mit der Karte, dem Smartphone oder einer Uhr – kontaktloses Bezahlen befindet sich in Österreich auf dem Vormarsch und hat seit dem Beginn der Corona-Pandemie noch weiter an Bedeutung gewonnen. Um Bezahlvorgänge künftig noch bequemer zu gestalten, ermöglichen die Volksbanken nun auch die Bezahlung per SwatchPAY!. Technisch erfolgt das durch einen NFC-Funkchip, der unter dem Ziffernblatt der Uhr liegt. So ersparen sich die Kunden am Point of Sale das Kramen nach der Geldbörse oder dem Smartphone. „Im ersten Halbjahr 2021 wurden bereits 50.000 Transaktionen über eine mit der Volksbank Debit Mastercard verbundene

Smartwatch durchgeführt. Ob an der Kassa, dem Fahrkartenautomaten oder in der Bürokantine – die Zusammenarbeit mit SwatchPAY! ermöglicht es künftig noch mehr Kundinnen und Kunden, schnell, bequem und sicher zu bezahlen“, erklärt Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien. Die Aktivierung der SwatchPAY! erfolgt im Online-Shop oder einer Swatch-Filiale, die Debit Mastercard wird dann mittels App eingescannt und synchronisiert. Bernardo Tribolet, Vizepräsident für Marketing bei Swatch International, sagt über die Partnerschaft: „Wir freuen uns sehr, dass die Volksbank mit an Bord ist – aus unserer Sicht zum idealen Zeitpunkt, jetzt wo kontaktloses Bezahlen so beliebt ist wie nie! Die Aktivierung einer SwatchPAY! ist einfach, schnell und verursacht keine Extrakosten. Dank der passiven Technologie braucht die Uhr keine Datenverbindung oder gar ein gekoppeltes Gerät in Reichweite, dadurch funktioniert das kontaktlose Bezahlen absolut sicher.“ Aktuell umfasst die SwatchPAY!-Modellpalette 29 verschiedene Uhren.

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Volksbanken-Verbund

Erfolgsgeschichten bei Managementkonferenz Rund 200 Führungskräfte aus dem Volksbanken-Verbund haben im Juni die Online-Managementkonferenz unter dem Motto „Erfolgsgeschichten und nachhaltige Regionalität“ verfolgt. Es war dies bereits die zweite Ausgabe des beliebten Formats im Jahr 2021.

Erfolgsgeschichten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wilma Martincic (VB Steiermark), Bibiana Dirkes (VB Kärnten), Markus Lechleitner, (Ärzte- und Apothekerbank), Brigitta Lobmayr (VB Oberösterreich)

Wie werden die Volksbanken von den eigenen Mitarbeitern wahrgenommen, wie von den Kunden? Darum ging es im Vortrag von Meinungsforscherin Sophie Karmasin, die zum zweiten Mal nach 2019 eine Studie zum Thema „Selbstbild und Fremdbild“ präsentierte. Hatten die Mitarbeiter die Volksbanken vor zwei Jahren noch deutlich kritischer beurteilt als die Kunden, gab es diesmal eine deutliche Verbesserung bei der internen Einschätzung, vor allem in den Bereichen Innovation und digitale Lösungen. Auch die Kundenbewertung hat – ausgehend von einem bereits hohen Niveau – nochmals tendenziell zugelegt. „Wir können stolz auf diese Ergebnisse sein, weil sie belegen, dass wir als Beraterbank für unsere Kunden da sind“, kommentierte Regina Ovesny-Straka, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, die vorgestellten Zahlen. Und sie ergänzte: „Das haben wir auch in der Pandemie eindrucksvoll bewiesen. Da haben unsere Beraterinnen und Berater häufig zum Hörer gegriffen und mit den Kunden telefoniert – nicht nur in Geldangelegenheiten, sondern einfach um zu

fragen, wie es ihnen geht. Da ist sehr gut angekommen.“ Bei der Managementkonferenz wurden auch wieder persönliche Erfolgsgeschichten von Volksbank-Mitarbeitern, den Vorständen, aber auch von zufriedenen Kunden erzählt. „Diese Geschichten zeigen deutlich, wie wichtig es den Kunden ist, dass wir Regionalbanken sind und auch bleiben“, so Ovesny-Straka dazu in ihrem Statement zum Thema „Erfolg, Regionalität und Nachhaltigkeit“. Vor allem im Vertrieb sieht sie für die regionalen Volksbanken nach wie vor großen Gestaltungsspielraum, den es nur zu nutzen gelte. Als erklärtes Ziel gab die Generaldirektorin auch aus, ein starker Motor für nachhaltiges Wirtschaften zu sein und auch die Kunden auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit zu begleiten. Im ersten Teil der Managementkonferenz 2021 im April war es um die Verbund-Geschäftszahlen des vergangenen Jahres und um den Ausblick auf die Zukunft gegangen. Dabei bezeichnete Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann einmal mehr den Kredit als wichtigstes Produkt der Volksbanken. Denn die Finanzierung der Region stehe im Mittelpunkt des genossenschaftlichen Förderauftrags. Der dritte Teil der Managementkonferenz geht – so der Pandemieverlauf das zulässt – im Oktober als Präsenztermin in Salzburg über die Bühne.

Regina Ovesny-Straka, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, sprach über Erfolg, Regionalität und Nachhaltigkeit

Teil eins der Managementkonferenz: Generaldirektor Gerald Fleischmann im Studiogespräch mit Moderatorin Daniela Philipp


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Volksbank Wien

Networking am Center-Court Von 11. bis 15. August ist in Wien die Beachvolleyball-EM, eines der sportlichen Highlights in diesem Sommer, über die Bühne gegangen. Die Volksbank Wien lud zum Auftakt gemeinsam mit Union Investment und IVV zum exklusiven Informations- und Networking-Event.

Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann mit Andreas Goldberger und VolksbankMarketingdirektor Wolfgang Layr

Volksbank-Wien-Vorstandsdirektor Rainer Borns, ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner, Andreas Goldberger und Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann

Fotos: leadersnet.at / C. Mikes

128 Athletinnen und Athleten aus 18 Nationen traten bei der Beachvolleyball-EM 2021 erstmals am Wiener Heumarkt – mitten im Herzen der Bundeshauptstadt – an. Neben den Beachvolleyball-Stars und aufregenden ersten Matches erlebten rund 350 TopKunden der Volksbank am ersten Tag auch informative Vorträge zu den Themen Veranlagung und Immobilien. Generaldirektor Gerald Fleischmann eröffnete die Veranstaltung mit einer Vorstellung der aktuellen Kommerzoffensive. Sie hilft Unternehmen, sich im Förderdschungel zurechtzufinden und dabei geplante Investitionen zu günstigen Konditionen zu verwirklichen. „Wir sehen es als Kernaufgabe der Volksbank, wirtschaftliche Impulse für Österreich durch maßgeschneiderte Finanzierungen zu unterstützen“, so Fleischmann. Er übergab das Wort an Erwin Soravia, CEO der Soravia-Gruppe, der kürzlich mit dem Kauf der Immo-Contract ein wegweisender Deal mit dem Volksbanken-Verbund gelungen war. Auch Sascha Haimovici, der als CEO neben der IVV nun auch die Geschicke der Immo-Contract leitet, zeigte sich darüber am Podium erfreut: „Der Zukauf dieses Maklerunternehmens ermöglicht es uns, unsere Investoren-, Immobilien- und Bauträgerprodukte künftig verstärkt den Kunden der Volksbank anzubieten.“ Marc Harms, Geschäftsführer von Union Investment Austria, informierte in Anschluss über nachhaltige Veranlagungen. Er gab sich davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit das zentrale Thema bei Anlegern in Österreich ist und auch bleibt.

Obere Reihe v. l. n. r.: Helmut Saller (Geschäftsführer Swatch Group), Marc Harms (Geschäftsführer Union Investment Austria), Finanzstadtrat Peter Hanke und Erwin Soravia (CEO Soravia-Gruppe), untere Reihe: Volksbank-Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann, Andreas Goldberger und Sascha Haimovici (CEO IVV und Immo-Contract)


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Volksbank Wien

Pferdesport-Highlight in Baden Der „Große Preis der Volksbank“ auf der Trabrennbahn in Baden ist nicht nur ein jährlicher Höhepunkt für Pferdesportfreunde, sondern traditionell auch der Rahmen für eine gut besuchte Kundenveranstaltung der Volksbank Wien. Nach einem Jahr Corona-Pause konnten heuer im Sommer wieder Ehrengäste und Top-Kunden Gruppenfoto der Volksbank-Vertreter und -Gäste mit dem siegreichen Fahrer Georg Gruber und auf der VIP-Tribüne seinem Pferd „Raika Venus“ des Trabrennvereins empfangen werden. Im Namen der Volksbank Wien und der VB Baden Beteiligung begrüßten Franz Gartner und Martin Heilinger die Gäste. Die Freude, wieder persönlich mit Kunden plaudern zu

können, war groß. Regionaldirektor Heilinger nutzte die Gelegenheit, sich für die Treue und das Vertrauen in die Volksbank zu bedanken. Sportlich räumte Georg Gruber mit „Raika Venus“ groß ab und siegte gleich dreimal – darunter auch beim Rennen um den „Großen Preis der Volksbank“. Auf den Plätzen landeten dabei „Image Venus“ mit Fahrerin Sabine Klettenhofer und „Harsateur“ mit Fahrer Josef Schneiberg. Auch kulinarisch bekamen die Gäste viel geboten, dafür sorgte der bekannte Gastronom Gerhard Maschler aus Wienersdorf. Viele lockere Gespräche und exzellenter Wein trugen ebenfalls zur perfekten Stimmung bei. Und schließlich ergänzten geschmackvolle Hüte von Damen und Herren das farbenfrohe Bild auf der seit 1892 in Betrieb befindlichen Rennbahn.

Unterstützung für Lehrlingsaktion der Wirtschaftskammer Mit einem eigenen Internet-Auftritt und einen „Self-Check“ für interessierte Jugendliche wirbt die Wiener Wirtschaftskammer gezielt um Lehrlinge im Bereich Bank und Versicherung. Die Volksbank Wien als regionale Genossenschaftsbank und ausgezeichneter Top-Lehrbetrieb unterstützt die

Aktion. In einem Video werden Einblicke in die Lehre bei der Volksbank geboten, und mit Stefan Seidel (Bild) stellt sich auch ein Testimonial mit seiner Erfolgsgeschichte zur Verfügung: Der heutige Leiter der Filiale in Purkersdorf hat seine Karriere mit einer Lehre bei der Volksbank begonnen.


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Volksbank Steiermark

Startschuss für große Nachhaltigkeits-Tour In Zusammenarbeit mit den CSR-Experten von respACT haben die Volksbanken eine Veranstaltungsreihe initiiert, bei der KMUs über die Chancen und Herausforderungen des nachhaltigen Wirtschaftens informiert werden. Der Startschuss fiel in der Steiermark.

Foto: Volksbank Steiermark

Für große Unternehmen sind Begriffe wie SDG-Kompass oder EU-Taxonomie längst keine Fremdwörter mehr, denn sie haben vielfach bereits eigene Abteilungen für Corporate Social Responsibility eingerichtet. Aber auch KMUs kommen am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbei, denn viele von ihnen sind Teil der nationalen oder globalen Lieferketten. Zudem müssen Banken bei der Kreditvergabe künftig vermehrt nachhaltige Kriterien berücksichtigen, was in weiterer Folge auch die Unternehmen betrifft. Es gibt aber auch unzählige Chancen, die sich durch die Umsetzung von CSR-Maßnahmen für Unternehmen ergeben. „Daher wollen wir unseren KMU-Kunden den Wert und das Marktpotenzial von nachhaltiger Entwicklung näherbringen“, so Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien. Den Anfang machte die Volksbank Steiermark: Gemeinsam mit WirtschaftskammerVertreter Leopold Strobl und respACTPräsident Peter Giffinger begrüßte Gene-

raldirektorin Regina Ovesny-Straka Ende Juni die Teilnehmer an der ersten digitalen Veranstaltung. Zum Einstieg gab es gleich ganz konkrete Praxistipps: Joram Fridtjof Sobanski, Experte bei respACT, erklärte, wie und mit welchen Tools Unternehmen erfolgreich ins Nachhaltigkeitsmanagement einsteigen können. Welchen Weg die Volksbank Steiermark in Richtung Nachhaltigkeit beschreitet und was sich dadurch für die Kunden in der Geschäftsbeziehung mit ihrer Hausbank ändert, zeigte Generaldirektorin Ovesny-Straka in ihrer Präsentation. Seine nachhaltige Erfolgsgeschichte erzählte im Anschluss Volksbank-Kunde Jakob Edler, Geschäftsführer der Bioenergie Köflach. Das Unternehmen zählt zu den größten privaten Anbietern von nachhaltiger, effizienter Wärmeversorgung und forciert durch ständig wachsendes Knowhow im Bereich Abwärmenutzung, Fernwärmetechnik und Biomasseheizanlagen kontinuierliches und nachhaltiges Wachstum. Bei der abschließenden Fragerunde war für die Teilnehmer besonders interessant, wie die ESG-Kriterien in Zukunft Investitionsentscheidungen und Kreditvergabe beeinflussen werden. Auch die Auswirkungen des europäischen „Green Deal“ auf Unternehmen wurden thematisiert.

V. l. n. r.: Jakob Edler (Bioenergie Köflach), Regina Ovesny-Straka (VB Steiermark), Joram Fridtjof Sobanski (respACT), Moderator Markus Schenkeli und Leopold Strobl (Wirtschaftskammer Steiermark)

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Volksbank Niederösterreich

Finanzierung von Fotovoltaik-Großprojekt Die Volksbank Niederösterreich startet erfolgreich in die erneuerbare Energiezukunft: Sie hat für den Fotovoltaik-Spezialisten CCE Group aus Garsten die Finanzierung eines Solarstromprojekts mit insgesamt zehn Megawatt Leistung übernommen. Die neuen Solaranlagen sollen jährlich zehn Millionen kWh Strom erzeugen, was in etwa dem Jahresbedarf von 3.000 Haushalten entspricht. Unter anderem entsteht beim Aluminiumhersteller AMAG in Ranshofen Österreichs bislang größte Fotovoltaikanlage auf einem Industriedach. Allein dort werden in Zukunft 55.000 Quadratmeter für die umweltfreundliche Stromerzeugung genutzt. Weitere große Projekte des Portfolios sind eine Dachanlage für die Umdasch-Gruppe in Amstetten sowie mehrere Anlagen auf den Dächern der größten Molkerei Österreichs, der Berglandmilch. Der Großteil des produzierten Stroms wird von den Betrieben für den Eigenverbrauch

genutzt. Die Anlagen bleiben im Besitz der CCE Group und werden auch von ihr betrieben. „Besonders das Projekt auf den Dächern der AMAG ist in mehrfacher Hinsicht zukunftsweisend. Denn der Markt für großvolumige gewerbliche beziehungsweise industrielle Fotovoltaik-Dachanlagen steckt noch in den Kinderschuhen. Die Umsetzung ist ein Meilenstein für die gesamte österreichische Fotovoltaikbranche und beweist, dass auf Industriedächern Solaranlagen realisierbar sind“, so CCE-Geschäftsführer Martin Dürnberger. Die Volksbank möchte in Zukunft weitere Projekte in diesem Bereich begleiten und so einen Beitrag zur Energiewende leisten. „Daher ist es für uns sehr positiv, gleich zu Beginn ein Leuchtturmprojekt wie jenes der AMAG mit einem der anerkanntesten Fotovoltaikunternehmen Österreichs zu realisieren,“ so Prokurist Wolfgang Catel, der als Firmenkundenbetreuer der Volksbank Niederösterreich für die Solarstromprojekte mit der CCE verantwortlich zeichnet.

Foto: CCE

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Auf den AMAG-Dächern entsteht eine der größten Fotovoltaikanlagen Österreichs


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Auftakt zur „Topthemenstunde“ Aufgrund des großen Anklangs und des positiven Kunden-Feedbacks hat sich die Volksbank Niederösterreich entschlossen, den Mix aus virtuellen und Präsenzveranstaltungen auch nach Corona beizubehalten. Mit der „Topthemenstunde“ wurde nun ein neues Online-Format entwickelt, bei dem aktuelle Themen kompakt aufgegriffen und mit hochkarätigen Studiogästen diskutiert werden. In der Auftaktveranstaltung standen die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesellschaft und die Nachhaltigkeit im Fokus. Vertriebsmanagerin Birgit Reiböck und Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle konnten dazu im Studio den renommierten Sozialforscher Bernd Marin begrüßen. Er stellte bei dieser Gelegenheit auch sein aktuelles Buch „Die Welt danach – Leben, Arbeit und Wohlfahrt nach dem Corona-Camp“ vor und fesselte die Zuseher mit seinen spannenden Ausführungen. Im Anschluss wurden handsignierte Buchexemplare verlost.

Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle und Vertriebsmanagerin Birgit Reiböck im VolksbankStudio mit Sozialforscher Bernd Marin

Volksbank Vorarlberg

Blog für achtsames Handeln Kompakt, aktuell und informativ berichtet die Volksbank Vorarlberg in ihrem neuen „Achtsam-Blog“ regelmäßig über nachhaltige Geldanlagen, Pioniere im Nachhaltigkeitsbereich und innovative Projekte, die unsere Welt verbessern können. In den Beiträgen erfährt man beispielsweise, wie man nachhaltig in Gold investiert oder was Anleger zur Energiewende beitragen können. Dabei ist der Blog thematisch entlang der ESG-Ziele (Environment, Social, Governance) gegliedert. Gestaltet werden die Inhalte von Lisa Ess. Sie ist bei der Volksbank Vorarlberg als Portfoliomanagerin tätig und auch ausgebildete ESG-Analystin. „In der Vermögensverwaltung wollen wir Nachhaltigkeit nicht nur selbst leben, sondern unser Wissen auch an die Kunden weitergeben und ihnen zeigen, was sie selbst konkret machen können“, so Ess über die Intention des Blogs, der im Dezember 2020 gestartet ist. Den Blog, der auch als Newsletter abonnierbar ist, finden Sie unter: www.private-banking.at/blog/achtsamkeitsblog

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Volksbank Vorarlberg

Mittendrin beim legendären Szene Openair Rund 21.000 Besucher haben Ende Juli das Gelände am Alten Rhein in Lustenau für drei Tage in eine riesige Partyzone verwandelt. Das von der Volksbank Vorarlberg unterstützte Szene Openair ist für junge und junggebliebene Vorarlberger ein fixer Bestandteil im Jahreskalender, für viele war es heuer zudem das erste Festival seit der Coronakrise. Das Line-up konnte mit TopActs wie Parov Stelar, Yung Hurn oder RAF Camora & Bonez MC aufwarten. Die Volksbank Vorarlberg machte auf dem Festivalgelände mit einem starken Auftritt auf sich aufmerksam. „Als einziges Bankinstitut unter den Sponsoren stand für uns die Platzierung der Marke in einem modernen, aktiven und jungen Umfeld im Vordergrund“, so Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel. „Als regional verwurzelte Bank wollen wir außerdem unseren Teil zur jungen Kultur in Vorarlberg beitragen und sind neben dem finanziellen Beitrag auch gerne direkt vor Ort mit dabei, um den Kontakt zu unseren aktuellen und potenziellen Kunden zu pflegen.“

Die Mitarbeiter der Bank waren täglich von 11 bis 1 Uhr nachts im Einsatz, um den Volksbank-Stand zu betreuen. Dort standen für die Festivalbesucher unter anderem Handyladestationen kostenlos zur Verfügung. Besonderen Anklang fanden auch die Give-aways in Form von Tattoos und Sonnenbrillen. Als weiteres Goodie wurde ein großes Gewinnspiel organisiert, an dem die Festivalbesucher über einen QR-Code teilnehmen konnten. Zu gewinnen gab es einen Jahresvorrat an „BraTee“ – zur Verfügung gestellt von der Firma Pfanner –, eine Nintendo Switch und 200 Euro Depotvolumen inklusive kostenloser Depotführung für ein Jahr.

Fotos: Volksbank Vorarlberg

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Die Bank als Raum für Kunst Mit dem neuen Verständnis von Bank, das die Volksbank Vorarlberg erfolgreich umsetzt, wird die Filiale zu einem Treffpunkt in der Region, der Bankdienstleistungen, Kunst, Kultur und Genuss zu einem großen Ganzen verbindet. Heuer gab es bereits zahlreiche Highlights.

Stephan Stark mit seiner Bilderausstellung „Kuba“ in der Filiale Am Garnmarkt

Fotos: Volksbank Vorarlberg

Dabei entstehen auch kreative Ideen, neue Begegnungen und lösungsorientierte Workshops, die die Gesellschaft und die Wirtschaft in Vorarlberg nachhaltig beeinflussen. „Wir sind begeistert, dass wir die vielen verschiedenen Facetten von Kunst und Kultur in unseren Räumlichkeiten präsentieren dürfen und so die Menschen auch abseits der gewohnten Bankdienstleistungen zusammenbringen“, freut sich Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg. Die Bandbreite reichte heuer von einer Ausstellung zu junger Street Art über Fotostrecken zu ausgewählten Themen bis hin zu einer Panini- und Playmobil-Schau zur Fußball-EM. Auch die Präsentation der Werke von Künstlern der Lebenshilfe Vorarlberg ist fixer Bestandteil des Pro-

gramms der Regionalbank. Ein besonderes Highlight war die Aktion „Musikschule on Tour“, die jungen Talenten in den Bankfilialen eine Bühne bot. „Es war eine nette Überraschung für unsere Kunden, als die jungen Musiker ihr Können zum Besten gaben. Sie zollten den Talenten mit großem Applaus Respekt für ihre Leistung“, so Hamel.

Panini-Sammelalben und Playmobil-Figuren in der Filiale Lustenau

Die Ausstellung „Street Art“ in der Filiale Bregenz


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Volksbank Vorarlberg

785 Jahre Mitarbeitertreue

Gruppenbild der Jubilare mit dem Bankvorstand

43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter feiern heuer ihr Jubiläum in der Volksbank Vorarlberg. Im Rahmen einer Feier in Feldkirch wurden sie nun für ihre langjährige Unternehmenstreue geehrt – zusammen kommen sie auf 785 Dienstjahre. Die drei längstgedienten Mitarbeiter – Günther Beck, Wolfgang Friedl und Stefan Bauer – sind bereits seit 40 Jahren in der Volksbank tätig. „Unsere hochqualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter sind unser Kapital, um wettbewerbsfähig zu sein und unser Finanzinstitut erfolgreich in die Zukunft führen zu können. Es macht uns definitiv stolz, dass wir auf so viele Jahre an Erfahrung im eigenen Haus zurückgreifen können“, so Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel.

Treue zu einem Unternehmen ist nicht mehr selbstverständlich: War die Entscheidung für einen Arbeitgeber früher von beiden Seiten eine Art lebenslange Betriebszugehörigkeitsgarantie, ist das heute nur mehr selten der Fall. „Wir wissen, dass es für eine langfristige Mitarbeiterbindung ein ganzheitliches Konzept braucht, das für beide Seiten funktioniert. Umso mehr freut es uns, dass wir in diesem Jahr wieder gesehen haben, dass sich auch viele junge Mitarbeiter bereits unter den Jubilaren befinden“, erklärte Hamel. Als Dankeschön für das Engagement überreichten der Vorstandsvorsitzende sowie die Vorstandsdirektoren Helmut Winkler und Martin Alge den Mitarbeitern eine Urkunde, Blumen und ein Präsent.


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Volksbank Kärnten

Auszeichnung als regionaler Top-Arbeitgeber Erfolg für die Volksbank Kärnten: Die traditionsreiche Genossenschaftsbank ist mit dem Gütesiegel als Top-Arbeitgeber in Kärnten und Osttirol ausgezeichnet worden.

Foto: Helge Bauer

Das Linzer Market-Institut hat die Attraktivität von 140 Leitbetrieben in Kärnten und Osttirol mittels 1.400 Interviews bei Berufstätigen erhoben. Die Volksbank Kärnten überzeugte dabei mit Top-Ten-Platzierungen in der Gesamtwertung und in den Kategorien „Wohlbefinden am Arbeitsplatz“ und „Arbeitsbedingungen“. Vorstandsvorsitzender Johannes Jelenik und Vorstandsdirektor Alfred Holzer konnten dafür den Quality Award aus den Händen von MarketGeschäftsführer Werner Beutelmeyer entgegennehmen. „Was will man als Arbeitgeber von 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr, als dass sich diese in der Arbeit wohlfühlen und mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind? Vor allem freut es uns, dass wir

auch von außen als attraktiver Arbeitgeber gesehen werden“, so Jelenik. „Unsere Mitarbeiter kommen alle aus der Region und fühlen sich genau wie unsere Kunden mit der Region verbunden. Das sorgt für eine langjährige Unternehmenszugehörigkeit beim Großteil unserer Belegschaft und in weiterer Folge für vertrauensvolle Kundenbeziehungen“, ergänzte Holzer. Besonders freut das Vorstandsteam, dass diese Auszeichnung bereits die Dritte binnen kürzester Zeit ist: Zuletzt hatte es bei der ÖGVS-Verbraucherstudie für die Volksbanken Höchstnoten in den Kategorien „Kundenservice Filialbanken“ sowie „Banking-App“ gegeben. „Die Auszeichnungen bestätigen den nachhaltigen Erfolg der Ausrichtung unserer Bank als Hausbank der Zukunft. Wir sind an allen unseren Standorten mit versierten Kundenbetreuern persönlich regional und mit unseren hausbanking-Leistungen modern digital für die Kärntnerinnen und Kärntner da“, so die Vorstände.

Das Vorstandsteam der Volksbank Kärnten, Johannes Jelenik und Alfred Holzer, bei der Award-Übergabe durch Market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer (Bildmitte)

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Ärzte- und Apothekerbank

Dank Standesbank immer „am Puls“ Tipps zur Finanzierung der eigenen Arztpraxis oder zur Gründung einer Apotheke, Interviews mit Experten und Erfahrungsberichte von Kunden: All das und noch viel mehr bietet die Österreichische Ärzte- und Apothekerbank mit ihrem neuen Multimedia-Format „Am Puls online“. „Wir haben nach der Fusion von Ärztebank und Apothekerbank erfolgreich eine neue Marke aufgebaut und sie mit unseren Werten aufgeladen. Nun ist es an der Zeit, die Substanz und den konkreten Kundennutzen noch klarer zu zeigen“, berichtet Marketingleiter Christian Petz über die Beweggründe für das neue „Am Puls“-Format, das sich situationsbezogen als Audio-Podcast, als Video, als Textbeitrag oder auch als Newsletter darstellt. Bei der Verbreitung setzt man stark auf Social Media wie Facebook, LinkedIn oder YouTube.

Chistian Petz (re.) im Gespräch mit Anton Pauschenwein, Vorstandsvorsitzender der Ärzteund Apothekerbank, bei der Auftaktfolge von „Am Puls“

Dass „Am Puls“ mitten in der Coronakrise gestartet wurde, ist kein Zufall. Petz: „Die Kunden der Standesbank suchen verstärkt nach Möglichkeiten, sich Informationen über Online-Kanäle zu holen. Die klassische Veranstaltung bei der Kammer und der Infoabend mit dem Steuerberater brauchen spätestens seit Corona zusätzliche Alternativen.“ Wenige Monate nach dem Start wurden bereits rund 20 Folgen von „Am Puls“ produziert und über die verschiedenen Online-Kanäle ausgestrahlt. Es geht dabei um die Apotheke der Zukunft, um die neuen Primärversorgungszentren für die ärztliche Grundversorgung, um Wissenswertes zur Vorsorgewohnung als sicherer Hafen für Anleger, um die Existenzgründung für junge Ärzte und vieles mehr. Ziel ist es, sich als sympathischer und kompetenter Finanzdienstleister zu positionieren, der den Kunden auch über die klassischen Finanzprodukte hinaus zur Seite steht und ihnen auf dem Weg zum Erfolg die richtigen Antworten und Hilfestellungen anbietet. Mittlerweile werden die Podcasts, Videos, Tipps und Interviews auch im Vertrieb stark genutzt, etwa wenn es darum geht, die Beratung für Existenzgründer um innovative Elemente anzureichern. Petz: „Das große Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen unserer Kunden ermuntern uns, das Format weiter auszubauen.“ Das breitgefächerte Angebot von „Am Puls online“ finden Sie im Internet unter: www. apobank.at/ampuls


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Sparda-Bank

Mit 10.000 PS quer durch Österreich Die Sparda-Bank konzentriert sich seit über 80 Jahren auf die Kundengruppe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ganz Österreich. Eine ÖBB-Lok im SpardaDesign präsentiert die Marke nun in einem frischen Look und sorgt dabei für starke Präsenz im ganzen Land. „Da steig ich ein“, lautet die Botschaft auf der frisch folierten Taurus-Lok, die mit ihren 10.000 PS auch für viel Marketing-Schub sorgen wird. Denn die „Sparda-Lok“ fährt als Werbeträger fünf Jahre lang quer durch Österreich. Der Startschuss für die Imagekampagne erfolgte mit der Loktaufe im September. Medial wird die „Sparda-Lok“ durch Gewinn- und Ratespiele über Social Media, auf der Homepage und in den Filialen bekannt gemacht. Zentraler Aufhänger ist dabei der Lokfinder. Wer wissen will, wo sich die Lok gerade befindet, kann jederzeit nachschauen: lokfinder.oebb.at/#oebb-lokfinder-spardalok

Union Investment

Wertpapierportfolio soll klimaneutral werden Union Investment hat eine Klimastrategie für das Portfoliomanagement verabschiedet und weitet damit das Engagement für den Klimaschutz aus: Im Wertpapierportfolio soll noch vor dem Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht werden. „Unser Ziel ist es, mit unseren Investments in der Breite einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und die von uns verwalteten Kundengelder zukunftsfähig auszurichten. Das erfordert erhebliche Anpassungen bei den Prozessen im Portfoliomanagement“, so Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Die Fondsgesellschaft wird auch der „Net Zero Asset Managers“-Initiative beitreten. Im Rahmen der globalen Aktion verpflichten sich Vermögensverwalter, die Anlageportfolios bis spätestens 2050 zu dekarbonisieren. „Klimaneutralität im Wertpapierportfolio ist nur erreichbar, wenn die Unternehmen, in die wir investieren, klimaneutral werden. Wir setzen hier auf das Prinzip einer glaubwürdigen Transformation. Entscheidend ist dabei, den nachhaltigen Wandel zu fördern, anstatt nur Verbote zu fordern“, so Reinke.

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Union Investment

Fondsnachfrage bei Volksbanken auf Rekordkurs Eine erfolgreiche gemeinsame Halbjahresbilanz haben die Volksbanken und Union Investment im Sommer gezogen: Der Fondsabsatz hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt. Besonders groß war die Nachfrage bei nachhaltigen Fonds, deren Nettoabsatz sich gar verdreifachte. Beim Volksbanken-Partner Union Investment veranlagten österreichische Fondssparer in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 netto 408 Millionen Euro (Vorjahr: 225 Millionen). Das insgesamt verwaltete Vermögen legte um rund 30 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu. „Unsere Strategie, die Menschen mit ratierlichem Sparen in Investmentfonds schrittweise an ertragreiche Wertpapiere heranzuführen, zahlt sich aus“, sagt Marc Harms, Geschäftsführer von Union Investment Austria. Die Zahl der neu abgeschlossenen Fondssparpläne lag im ersten Halbjahr bei 15.300, das sind rund 50 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Das Wachstum geht erfreulicherweise einher mit immer mehr Fonds-Erstanlegern“, betont Harms. Die Volksbanken konnten im ersten Halbjahr knapp 5.000 zusätzliche Kunden von den Vorteilen von Fonds überzeugen.

Fotos: Union Investment, Robert Polster

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Freude über den Rekordabsatz bei Fonds: Marc Harms, Geschäftsführer von Union Investment Austria (li.), und Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien

Ein zentrales Thema der Anleger ist dabei die Nachhaltigkeit: Die Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds verdreifachten sich mit rund 143 Millionen Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020. Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien: „Die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen wird bei Privatkunden in den nächsten Jahren deutlich Fahrt aufnehmen. Es ist entscheidend, dass sich die Volksbanken hier zukunftsfähig aufstellen. Wir haben deswegen unsere nachhaltige Produktpalette ausgebaut.“ Der „PrivatFonds: Nachhaltig“ und der „UniRak Nachhaltig“ ergänzen seit Juni das bisherige Angebot. Die Rangliste der beliebtesten Fonds im ersten Halbjahr führt der „UniRak Nachhaltig Konservativ“ an, gefolgt vom „UniImmo: Wohnen ZBI“ und dem „UniAusschüttung“. Generell hoch bleibt das Interesse an Immobilienfonds: In den ersten Monaten des Jahres konnte ein Kontingent für den „immofonds1“ mit 33 Millionen Euro erfolgreich platziert werden, ebenso positiv verlief im zweiten Quartal die Platzierung des Kontingents des „UniImmo: Wohnen ZBI“ im Umfang von 50 Millionen. „Die Nachfrage nach offenen Immobilienfonds überstieg unser Angebot bei weitem, und wir hätten deutlich mehr absetzen können. Um die hohe Qualität unserer Fonds zu gewährleisten, verzichten wir aber ganz bewusst auch auf Neugeschäft“, betont Harms. Weitere Kontingente für dieses Jahr seien aber bereits in Planung. Nach dem erfolgreichen ersten Halbjahr ist sich Harms sicher, dass sich die hohe Nachfrage nach Investmentfonds fortsetzen und der Volksbanken-Verbund 2021 ein Rekordjahr verzeichnen wird. Ursächlich dafür sei der Wandel bei den Anlegern, die mittlerweile aktiv auf der Suche nach rentierlichen Geldanlagen seien. Dies bestätigt auch Fleischmann: „Früher mussten wir die Kunden auf attraktive Anlagen hinweisen. Inzwischen kommen die Menschen von selbst auf die Berater zu und fragen, wie sie ihr Geld rentierlich investieren können.“


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ERGO

Neue Versicherungen am Start Die Neuauflage einer Erfolgskampagne und gleich mehrere neue Versicherungsprodukte bietet die ERGO, der Versicherungspartner der Volksbanken, diesen Herbst. Unter dem Motto „Schau auf dich: Jetzt fürs Leben vorsorgen und g’sund bleiben“ legen die Volksbanken und ERGO eine Erfolgsaktion des Vorjahres neu auf: Kunden, die von 1. Oktober bis 31. Dezember eine „ERGO fürs Leben“-, „ERGO fürs Sparen“oder „ERGO fürs Investment“-Lebensversicherung mit laufender oder einmaliger Prämie neu abschließen, erhalten Einkaufs-

gutscheine von bauernladen.at im Wert von 75 Euro. Damit haben sie die Möglichkeit, aus über 13.000 hochwertigen und vor allem gesunden Produkten von rund tausend österreichischen Anbietern und Bauern zu wählen. Die Kampagne richtet sich an alle Kunden, die ihre Träume finanzieren, den Lebensstandard in der Pension sichern oder für die nächste Generation vorsorgen möchten. Die Angebote der ERGO punkten dabei mit hoher Flexibilität bei Veranlagung, Ein- und Auszahlung sowie attraktiven Steuer- und Spesenvorteilen. Die Aktion gilt ab 75 Euro Monatsprämie, 225 Euro pro Quartal, 450 Euro pro Halbjahr, 900 Euro pro Jahr oder ab 15.000 Euro Einmalprämie für „ERGO

fürs Leben“ sowie 30.000 Euro Einmalprämie bei „ERGO fürs Investment“. Im Oktober starten auch drei neue Versicherungsprodukte: „die flexible Unfallversicherung „AktivER GO!“, die „Sonderklasse nach Unfall“-Versicherung und die einzige eigenständige Zahnersatzversicherung Österreichs, die man ohne andere private

Krankenversicherung abschließen kann – und das auch ohne Gesundheitsfragen bei Vertragsabschluss. Diese Zahnersatzversicherung verhindert, dass man für optisch ansprechende Kronen oder Implantate tief in die Tasche greifen muss. Zu haben ist sie schon ab 17,80 Euro im Monat bei einer Kostenerstattung von bis zu 90 Prozent. Mit bis zu 500 Prozent Leistung und 24-Stunden-Notfallsevice weltweit punktet „AktivER GO!“, die neue flexible Unfallversicherung der ERGO. Auch Hubschrauberund Bergungskosten sind inkludiert. Angeboten in drei Varianten – Start-, Basis- und Plus-Schutz – versichert sie vieles, das sonst nicht versichert ist. Mehr Details zur „Schau auf dich“-Aktion finden Sie unter volksbank.at/schauaufdich, Infos zur ERGO Zahnersatzversicherung gibt’s unter volksbank.at/zahnersatz.

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ATRACT

Kooperation für Mitarbeitersuche im Tourismus startet durch Die 2019 gegründete Genossenschaft ATRACT vermittelt mit einem innovativen Konzept Arbeitskräfte aus dem EU-Raum an österreichische Hotels. Dazu werden spezielle Ausbildungscamps abgehalten, die nach den Corona-Öffnungen wieder voll hochgefahren wurden. Aufgrund des Arbeitskräftemangels in der Branche ist der Bedarf hoch. Seit den Öffnungsschritten boomt der österreichische Tourismus vielerorts wieder, allerdings sind Mitarbeiter rar. ATRACT will hier weiterhelfen: „Wir bringen die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Fähigkeiten zum richtigen Arbeitsplatz. Die Erfolgsquote bei der Vermittlung liegt bei 90 Prozent“, erklärt Karin Lindner, Vorständin und Gründungsmitglied von ATRACT. Die Tiroler Genossenschaft mit aktuell 20 Mitgliedsbetrieben wirbt mit ihren „Crew Scouts“ und über Kooperationen etwa mit Tourismusschulen oder Arbeitsämtern um qualifizierte Mitarbeiter aus ganz Europa. Danach beginnt der Auswahlprozess: Jeder potenzielle Mitarbeiter, der sich als „Crew Member“ qualifiziert, erhält bereits im Heimatland erste Trainings wie Deutschkurse. ATRACT wählt dabei nur jene aus, die über langjährige Erfahrung mit und ohne Tourismusausbildung verfügen, sowie Quereinsteiger für Hilfskräfte, welche auch häufig Fachausbildungen wie Lehrabschlüsse anstreben. Sobald die angehenden Mitarbeiter aus den Bereichen Rezeption, Restaurant, Zimmer, Wellness oder Marketing in Österreich eintreffen, steht noch ein einwöchiges Trainingscamp auf dem Programm. Die „Crew Members“ werden hier von geprüften Trainern in fachlichen, sprachlichen, persönlichen sowie landesspezifischen Fertigkeiten geschult, damit der Start in den Job gelingt. Um von Beginn an eine gute und langfristige Arbeitsbeziehung zwischen Betrieb und Mitarbeiter zu ermöglichen, hat ATRACT ein ausgeklügeltes Matching-System entwickelt: Jobbewerber vergleichen ihre Qua-

lifikationsprofile mit den Ansprüchen und Möglichkeiten des Betriebs. Nach einem ersten, von ATRACT moderierten OnlineTermin findet der direkte Kontakt zwischen „Crew Member“ und Betrieb statt. Anschließend folgen ein Job-Interview und die Erstellung des Dienstvertrags. Qualifizieren müssen sich bei ATRACT übrigens auch die Arbeitgeber, also die Hotels und Gastronomiebetriebe – und zwar hinsichtlich einer wertschätzenden Unternehmenskultur. Sie erhalten Schulungen zu Themen wie Onboarding oder Umgang mit multikulturellen Teams. Voraussetzung für die Nutzung des ATRACT-Angebots durch die Tourismusbetriebe ist auch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft. „Oberstes Ziel sind nachhaltige und langfristige Arbeitsbeziehungen“, so ARACTMitbegründerin Lindner.

Die Gründer und Vorstände von ATRACT: Alexander Prachensky, Karin Lindner und Josef Kirchmair (v. l. n. r.)

Erfolgreich geschulte Mitarbeiter zeigen ihr Ausbildungszertifikat


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BÄKO

Generalversammlung im Zeichen der Resilienz Ende Juni lud die Bäcker- und Konditorengenossenschaft BÄKO-Österreich zu ihrer jährlichen Generalversammlung in die Zentrale nach Linz-Pichling ein. Johannes Brandl, Geschäftsführer der SPES-Zukunftsakademie in Schlierbach, begeisterte die Teilnehmer zu Beginn mit seinem Vortrag über Resilienz – die Kraft, sich trotz schwieriger Umstände gut zu entwickeln. Wie diese Kraft entsteht und wie sie im privaten und auch im betrieblichen Umfeld genutzt werden kann, war das zentrale Thema seiner Ausführungen. Anschließend präsentierten Vorstandsvorsitzender Leo Jindrak, Aufsichtsratsvorsitzender Horst Reichartseder sowie die Geschäftsführer Markus Geres und Robert Brandner die Schwerpunkte des Geschäfts- und Lageberichts 2020. Die Ertragslage der Genossenschaft sei im vergangenen Jahr deutlich von den Auswirkungen der Gesundheitskrise geprägt gewesen, führte Geres aus. Die Investitionen

wurden auf das Notwendigste beschränkt, die Sicherung der Liquidität, der Arbeitsplätze und der Warenversorgung standen im Fokus der Anstrengungen. Bei den anschließenden Wahlen wurde Horst Reichartseder einstimmig in den Aufsichtsrat wiedergewählt. Verabschiedet wurde der langjährige BÄKO-Funktionär Hartmut Ketter, der sich nicht mehr zur Wahl in den Vorstand stellte. Die Zahl der Vorstandsmitglieder reduziert sich damit von sechs auf fünf.

V. l. n. r. im Bild: Robert Brandner, Leo Jindrak, Hartmut Ketter, Horst Reichartseder und Markus Geres

Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen

Als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet Große Freude bei den Vereinigten Eisfabriken und Kühlhallen in Wien: Die Genossenschaft hat aufgrund des Feedbacks ihrer Mitarbeiter bereits zum zweiten Mal die „Great Place to Work“-Auszeichnung erhalten. „Das Ergebnis ist Ausdruck unserer gemeinsamen Bemühungen, durch die schwierigen und herausfordernden Zeiten zu kommen. Diese Zustimmung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter macht uns sehr stolz, demütig und dankbar“, so Geschäftsführer Roland Spitzhirn (rechts im Bild). Die Eisfabriken haben heuer noch eine Reihe weiterer Zertifizierungen erhalten – etwa für ihr Energie- und Umweltmanagement, für klimaneutrales Wirtschaften oder für die Qualität der Logistik. Wir gratulieren!

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Arkadia

„Feriengenossenschaft“ feiert ihren 30er Ihren Mitgliedern entspannte Ferienaufenthalte in Kärnten zu ermöglichen, ist das Ziel der 1991 gegründeten Arkadia. Dazu erwarb die Genossenschaft mehrere Apartments im Hotel „Familienresidenz“ in Warmbad-Villach, die nun von den rund 90 Mitgliedern genutzt werden können – ein Modell, das seit 30 Jahren perfekt funktioniert. Und so war die Freude groß, als Barbara Pogacar, Leiterin der Ware-Beratung im ÖGV, im Rahmen der heurigen Generalversammlung die Jubiläumsurkunde an Obmann Siegfried Walther überreichen konnte.

Ehrungen des Österreichischen Genossenschaftsverbandes Von Jänner bis September 2021 wurden folgende Auszeichnungen an verdiente Mitarbeiter, Geschäftsleiter/Geschäftsführer und ehrenamtliche Funktionäre unserer Mitgliedsunternehmen verliehen: Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold Kommerzialrat Simon KORNPROBST Aufsichtsratsmitglied Volksbank Salzburg eG Ehrenzeichen in Gold

Malag

Genossenschaft der Maler wird 60 Seit 1961 versorgt die Salzburger Malag ihre Mitgliedsbetriebe – Maler, Lackierer, Bodenleger und Tapezierer aus der Region – verlässlich mit den besten Produkten und Werkzeugen. Das 1.400 Quadratmeter große Areal der Einkaufsgenossenschaft bietet neben Lager- und Verkaufsflächen auch einen Schulungsraum für Fachvorträge und Gerätevorführungen, um die Mitglieder immer auf dem neuesten Stand zu halten. Von der Qualität der Malag-Produkte und -Services konnten sich auch ÖGV-Präsident Franz Reischl und Verbandsanwalt Peter Haubner überzeugen, als sie eine Urkunde zum 60-Jahr-Jubiläum an Malag-Vorstandsobfrau Sonja Slavik überreichten.

Josef TÄNDL Leiter der Region Oststeiermark Volksbank Steiermark AG ehem. Vorstandsvorsitzender VB-Beteiligungsgenossenschaft für den Bezirk Weiz eG Kleines Ehrenzeichen in Gold Direktor Franz RIEGLER, MSc Vorstandsvorsitzender VB Alpenvorland Beteiligung e.G. Ehrennadel Hartmut KETTER Vorstand BÄKO-Österreich, Großeinkauf der Bäcker und Konditoren e.Gen. Ehrenmedaille in Gold Manuela BICKEL Sachbearbeiterin Abteilung Kunden-Service-Center Volksbank Vorarlberg e. Gen.


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Abo-Bestellung

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Buchtipps Frank Schulz-Nieswandt Die Genossenschaftsidee und das Staatsverständnis von Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883) im Kontext des langen 19. Jahrhunderts der Sozialreform Duncker & Humblot 122 Seiten € 61,60 Hermann Schulze-Delitzsch kannte aus seiner Tätigkeit als Richter im sächsischen Delitzsch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Menschen seiner Zeit ebenso wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der als Bürgermeister mehrerer Orte im Westerwald die Sorgen und Nöte der ländlichen Bevölkerung erfuhr. Beide waren in gewisser Weise „Männer der Tat“ und zugleich Staatsdiener. Als Parlamentarier setzte sich Schulze-Delitzsch für ein Genossenschaftsgesetz ein, das erstmalig 1867 für Preußen beschlossen wurde. An diesem Vorbild ist das österreichische GenG von 1873 orientiert. Dadurch erhielten alle im Verkehr mit der Genossenschaft Beteiligten eine sichere Entscheidungsgrundlage, und es wurde öffentlichen Ordnungsinteressen entsprochen. Vor diesem Hintergrund ordnet Frank Schulz-Nieswandt in seiner beachtenswerten Schrift die Genossenschaftsidee und das Staatsverständnis bei Schulze-Delitzsch mit dem Hinweis auf dessen einzelwirtschaftliche Grenzen ein. Die theorieorientierte und analytisch anspruchsvolle Abhandlung des Professors für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung und geschäftsführenden Direktors des Seminars für Genossenschaftswesen der Universität Köln soll weitere Forschungen anregen und versucht, den Blick auf die Genossenschaft zu erweitern – bis hin zur Idee eines genossenschaftlichen Gemeindeaufbaus. Dabei beansprucht Schulz-Nieswandt durchaus globale Geltung für diesen Zugang, behält aber Bodenständigkeit, wenn als Keimzelle für die Genossenschaft die „Risiken der Daseinsbewältigung im Siedlungszusammenhang“ gesehen werden. Er legt einen partiellen Widerstreit von Staat und Genossenschaft bzw. „Herrschaft“ und „freier Assoziation“ offen. SchulzeDelitzschs Genossenschaftsverständnis – meint der Autor – schöpfe nicht die mögliche „werteorientierte Tiefe“ und „das Potenzial des genossenschaftlichen Traums“ aus, dessen Ursprung er durchaus in der Religion sieht. Doch Schulze-Delitzsch war zunächst Jurist – weder So-


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ziologe noch Theologe – und, wie Schulz-Nieswandt zuerkennt, Politiker und Sozialreformer. Es lag dem historischen Gesetzgeber fern und entsprach eher sogar seiner Befürchtung, dass sich die in den Genossenschaften organisierten Personen auf politischem oder weltanschaulichem Gebiet betätigen, weshalb der gesetzliche Förderzweck auch als Zugeständnis von Schulze-Delitzsch an diese wirtschaftliche Ausrichtung zu verstehen ist. Gleichwohl reagierten Genossenschaften in vieler Hinsicht auf eine Problemlage, die staatlich nicht genügend flankiert worden war. Schulz-Nieswandt entwickelt seine Analyse auf einem hohen Abstraktionsniveau und mit formalisierten, theoretischen und modellhaften Bezügen und zahlreichen Exkursen, dabei stets auf ein sehr kenntnisreiches Fundament wissenschaftlicher (Vor-)Arbeiten gestützt, was als Zielgruppe der Publikation an erster Stelle an einen an den Grundlagen von Gesellschaftsentwürfen interessierten Leserkreis in der Wissenschaft denken lässt. Holger Blisse

Katharina Körber-Risak (Hrsg.) Praxishandbuch Home-Office Linde 232 Seiten € 49,– Seit Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 ist es zu einem sprunghaften Anstieg von Arbeit von zu Hause aus gekommen. Bald wurden neue gesetzliche Regelungen für diese Form der Arbeit gefordert, schließlich ist am 1. April 2021 der arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Teil des Homeoffice-Pakets in Kraft getreten. Vom Gesetzgeber wurden einige Eckpunkte festgelegt, maßgebliche Änderungen finden sich insbesondere im Arbeitsvertragsrechts-Änderungsgesetz, im Arbeitsverfassungsgesetz, im Dienstnehmerhaftpflichtgesetz und im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz. Innerhalb kürzester Zeit nach Inkrafttreten des Gesetzes ist das vorliegende Praxishandbuch erschienen. Übersichtlich gegliedert geht dieses Werk unter anderem auf folgende Themenbereiche ein: Entwicklung und Definition von Homeoffice, betriebsverfassungsrechtliche Fragen, Homeoffice und Arbeitszeit, Arbeitsmittel und Kostentra-

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Buchtipps gung im Homeoffice, Arbeitnehmerschutz, Datenschutz, Arbeitsunfälle und Haftungsfragen, Kontrolle im Homeoffice, vertragliche Ausgestaltung sowie Beendigung von Homeoffice. Zu erwähnen ist insbesondere auch, dass das Handbuch zudem ausführliche, praxisorientierte Musterformulierungen für eine Betriebsvereinbarung über Homeoffice und auch für eine Einzelvereinbarung enthält. Weiters finden sich in fast allen Kapiteln Praxistipps und Checklisten. Gerade jetzt, in der ersten Phase nach Inkrafttreten der gesetzlichen Regelungen, bietet dieses Praxishandbuch somit hervorragende Unterstützung sowohl für das grundlegende Verständnis der neuen Bestimmungen als auch für die erforderliche praktische Umsetzung. Johanna Thalhammer

Klaus Bachhofer, Magdalena Ferner, Melanie Haberer, Petra Laback, Barbara Reichl-Bischoff, Gerda Schönsgibl, Sylvia Unger Handbuch Arbeitszeitrecht Weka-Verlag 1 Band + Online-Ausgabe € 207,90 Diese umfassende Darstellung der Arbeitszeitmodelle mit Praxisbeispielen und Mustervereinbarungen bietet Unterstützung beim Abschluss von Gleitzeit-, Teilzeitoder All-in-Vereinbarungen sowie beim Abschluss von Arbeitsverträgen, etwa bei der schriftlichen Vereinbarung über das Ausmaß der Arbeitszeitreduktion oder Anspruch auf Sachbezüge bei Teilzeitmodellen. Das vorliegende Werk stellt eine wertvolle Hilfe für die gezielte und flexible Nutzung der verschiedenen Arbeitszeitmodelle dar und bietet somit hohen Nutzen für alle, die in Unternehmen mit Arbeitszeitthemen befasst sind. Monica Essler


BUCHTIPPS

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Christian Prader MRG – Mietrechtsgesetz und ABGB-Mietrecht Manz, 6. Auflage 1.374 Seiten € 194,– Seit der letzten Auflage der großen Gesetzesausgabe zum Mietrechtsgesetz und zum ABGB-Mietrecht von Rechtsanwalt Christian Prader sind bereits vier Jahre vergangen. Aufgrund zahlreicher neuer und teilweise auch richtungsweisender Entscheidungen – etwa zur Problematik der Gesundheitsgefährdung im Lichte der ETV oder zur Einstufung eines vom Wohnungseigentumsfruchtnießer abgeschlossenen Mietvertrags – wurde die Entscheidungssammlung des Werkes grundlegend überarbeitet und aktualisiert. Auch in der aktuellen Auflage erfolgt die Untergliederung in Mietrechtsgesetz, ABGB-Mietrecht und Anhänge zum Wohnrechtsänderungsgesetz sowie zur Wohnrechtsnovelle 1999. Hinzugekommen ist der Anhang zum mietzinsrechtlichen Pandemiefolgenlinderungsgesetz, welches zur Linderung der Folgen der Coronakrise auf die Wohnkosten erlassen wurde. Wie gewohnt sind die Hauptkapitel in aktuelle Gesetzestexte mit der relevanten Rechtsprechung, Anmerkungen des Autors sowie weiterführende Literaturhinweise unterteilt. Damit bietet die Gesetzesausgabe eine umfassende, vollständige und dogmatisch fundierte Darstellung des österreichischen Mietrechts. Dana Schilling

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NEUES VON GESTERN

COOPERATIV 3/2021

Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal.

Infolge des Aufrufs „Gedenket des Verbandsnotopfers“ leisteten einige Genossenschaften einen freiwilligen Beitrag an den Allgemeinen Verband

Ludwig von Mises, einer der wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, hielt einen viel beachteten Vortrag über den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes. Darüber wurde auch in der „Genossenschaft“ berichtet. Der große Ökonom führte aus, dass Pläne zur Steigerung des Werts der Krone auf das Niveau von 1892 kontraproduktiv für ein Exportland wie Österreich seien. Bereits die Stabilisierung des Kurses auf dem aktuellen Niveau werde Exportmöglichkeiten vernichten, aber die Vorteile stabiler Wechselkurse wie etwa eine stärkere Internationalisierung der Wirtschaftsbeziehungen würden diesen Nachteil aufwiegen. Weiters forderte Mises, das Haushaltsdefizit des Staates einzudämmen. Steuererhöhungen seien dafür aber nicht geeignet. Der Ökonom plädierte vielmehr für beträchtliche Steuersenkungen, um die Wirtschaft zu Investitionen zu bewegen. In Verbindung mit umfangreichen Privatisierungen und der Liberalisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen sei dieses Ziel am besten erreichbar. Die seit Jahrzehnten betriebene antikapitalistische Politik müsse ein Ende finden, rechnete Mises schonungslos ab. Private Unternehmen seien schlichtweg profitabler als staatliche, erteilte er staatlichen Betrieben eine Absage.

Zudem kritisierte er: Solange der Staat sich selbst die Noten zur Auffüllung der leeren Kassen drucke und jeder neue Auslandskredit in Konsumausgaben verpuffe, anstatt Reformen anzustoßen, sei ein Aufblühen Österreichs nicht vorstellbar. Doch die letzten Jahre hätten gezeigt, dass vieles möglich sei, was unmöglich scheine, schloss Mises optimistisch. Aus Japan erreichten die Redaktion des Verbandsmagazins Informationen zum dort gedeihenden Genossenschaftswesen: Im Jahre 1920 waren in rund 12.000 japanischen Gemeinden 13.000 Genossenschaften registriert. Von den Mitgliedern waren 83 Prozent dem landwirtschaftlichen Sektor zuzuordnen. Im Schnitt hatte eine Genossenschaft in Japan 145 Mitglieder, somit waren rund 3,5 Prozent der japanischen Bevölkerung genossenschaftlich organisiert. Die rund 6.500 Verkaufsgenossenschaften vertrieben hauptsächlich die Produkte ihrer Mitglieder. Auch die Kreditgenossenschaften waren eng mit der Landwirtschaft verknüpft. Sie hatten in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Getreidespeichern errichtet. Zum japanischen Genossenschaftsrecht wurde angemerkt, dass eine Genossenschaft mindestens sieben Gründungsmitglieder haben musste, von denen niemand mehr als 30 Geschäftsanteile haben durfte. Die Verzinsung der Einlagen war mit sechs Prozent gedeckelt. In der nächsten Ausgabe von „Damals vor 100 Jahren“ wird über den 45. Allgemeinen Vereinstag in Linz berichtet sowie auf den 80. Geburtstag von Luigi Luzzatti, dem „Schulze-Delitzsch Italiens“, hingewiesen. Markus Rothenbach


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