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1/2018 Einzelpreis EUR 10,-/ Jahresabo EUR 36,-

Das Magazin für Genossenschaften

Gemeinsam erfolgreich Der neue Verbandsanwalt über seine Pläne

Ein ungleiches Paar Schulze-Delitzsch und Raiffeisen: Was sie eint, was sie trennt

Das große Experiment Eine Teststellung des BVR erprobt die Filialkonzepte der Zukunft

Der sportliche Hit Volksbanken-Winterspiele in Schladming: Alle Bilder cooperativ 1/18 1 und Ergebnisse


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Kommentar

Eine starke Antwort

A

ls einer, der in der Wirtschaft verankert ist und auf viele Jahre Erfahrung in der Interessenvertretung für die kleinen und mittelständischen Unternehmen des Landes zurückblicken kann, weiß ich genau, wo die Betriebe vor Ort der Schuh drückt. Ich weiß aber auch: Viele dieser Problemstellungen ließen sich durch Kooperation meistern. Die Gründung von Genossenschaften ist also eine starke Antwort auf die vielschichtigen Herausforderungen in Zeiten der digitalen Transformation und des gesellschaftlichen Wandels. Denn Genossenschaften verbinden Werte wie Freiheit, Selbsthilfe und Selbstverantwortung mit zukunftsfähigen Konzepten für die großen Fragen unserer Zeit. Die Idee der Genossenschaft ist somit aktueller denn je. Wenn es uns gelingt, die genossenschaftlichen Werte selbst aktiv zu leben und sie in den Führungsebenen der Unternehmen zu verankern, dann wird die Genossenschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine nachhaltige Bedeutung für Österreichs Wirtschaft einnehmen. Dafür müssen wir es allerdings auch schaffen, diese geniale Idee noch stärker als bisher nach außen zu tragen, sie mit attraktiven Botschaften zu versehen und so erfolgreich zu vermarkten. Nur dann können wir auch die breite Öffentlichkeit von der Kraft der Genossenschaft überzeugen, das Feuer der Begeisterung entfachen und letztlich Neugründungen von Genossenschaften in großer Zahl initiieren. Auch die Volksbanken spielen bei der Bewältigung dieser zukünftigen Herausforderungen eine zentrale Rolle: Als Regionalbanken sind sie für kleine und mittelständische Unternehmen unverzichtbar. Denn sie wissen besser als alle anderen, was die Unternehmer wirklich brauchen, und stehen ihnen als verlässlicher Partner zur Seite. Damit liefern die Volksbanken die Grundlage für Fortbestand und Wachstum der Betriebe. Nur zusammen sind wir erfolgreich: Diese bewährte Formel gilt für den Volksbanken-Verbund, jede einzelne Waren- und Dienstleistungsgenossenschaft, aber genauso für den ÖGV selbst als Zusammenschluss seiner Mitglieder. Lassen Sie uns also mit aller Kraft unter dem Motto „Gemeinsam erfolgreich“ an einer positiven Zukunft bauen!

Peter Haubner Verbandsanwalt des ÖGV

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Inhalt

Inhalt 01 Kommentar: Peter Haubner 02 Inhalt 03 Editorial 61 Ex Libris

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63 Impressum 64 Anno dazumal 40

Thema

Management

Wirtschaft

04 „Neue Ära einläuten“

12 Kundensicht

20 Ungleiches Paar

Warum Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus zur Überlebensfrage für die Banken wird.

Schulze-Delitzsch und Raiffeisen: Über das spannungsgeladene Verhältnis zweier Genossenschaftspioniere.

16 Motivator gesucht

22 Wiener Kongresse

Verbandsanwalt Peter Haubner im großen Interview über seine Pläne für den ÖGV.

08 Wie alles begann Johann Brazda über die Institution des Verbandsanwalts und die turbulenten Anfänge.

10 Haus der Kooperation Die Räumlichkeiten des ÖGV stehen allen Mitgliedern und Interessierten offen.

statt Bankbrille

Wolfgang Ronzal über die Notwendigkeit einer neuen Führungskultur im Management.

Zwei Veranstaltungen als Plattformen für den länder- und sektorübergreifenden Austausch.

18 Reden, die bewegen

23 Filiale der Zukunft

Wie man Präsentation, Auftritt und Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg nutzt.

Erste Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Testfiliale des BVR im Westerwald.

26 Aus für Bargeld? Ein Event in Wien befasste sich mit den Vor- und Nachteilen einer bargeldlosen Gesellschaft.

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23 Editorial

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International

Kultur

Sport

Chronik

28 Volksbanken

34 Sandkastenspiele

40 Gelungenes Fest

Andrea Karner zu Besuch bei einer genossenschaftlichen Bankengruppe, die in Afrika voll durchstarten will.

Wilde Tiere und rote Nomaden: Eine Abenteuerreise durch die Wüste Namibias.

Alle Highlights, Fotos und Ergebnisse der 44. VolksbankenWinterspiele in Schladming.

46 Start frei für die „Unternehmer-Milliarde“ der Volksbanken

38 Arabische Jugend

44 Ein starkes Team

Wie die jungen Migranten ticken: Ihre Einstellung zu Geld, Politik und Religion unter der Lupe.

Von „V wie Flügel“ bis „frischer Wind“: Zehn Jahre Partnerschaft zwischen Volksbanken und Skispringern.

in Marokko

30 Next Generation Die internationalen Trends, Herausforderungen und Chancen der kollaborativen Wirtschaft.

45 Junge Helden

33 Ideen-Werkstatt Das Innovationsformat „GenoWequbator“ ging auf Schloss Montabaur in die zweite Runde.

Andreas Goldberger war wieder auf der Suche nach den Skisprungtalenten von morgen.

55 Volksbank Tirol: Über 1.000 Schüler beim Börsenführerschein 58 25 Jahre Partner der Filmschaffenden: Die VdFS feierte Jubiläum

Liebe Leserinnen, liebe Leser, unter dem neuen Motto „Gemeinsam erfolgreich“ setzt der ÖGV die Segel in Richtung Zukunft. Dass diese Zukunft voller Chancen steckt, davon ist der neue Verbandsanwalt Peter Haubner fest überzeugt. Im Gespräch mit „cooperativ“ verrät er, wie er der Genossenschaft einen höheren Stellenwert und dem ÖGV mehr Gehör verschaffen will. Der Verbandstag im Mai soll das erste sichtbare Zeichen dieses Aufbruchs sein. Während der ÖGV noch Großes vorhat, ehe er 2022 sein 150-Jahr-Jubiläum feiert, begeht die Raiffeisenwelt heuer den 200. Geburtstag ihres Gründers. Wir haben das zum Anlass genommen, die Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Genossenschaftspionieren Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen herauszuarbeiten. Gefeiert wurde zuletzt auch im Volksbanken-Verbund: Unter den Motto „Wir sind wieder da“ gingen in Schladming die 44. Volksbanken-Winterspiele über die Bühne - ein gelungenes sportliches Fest für alle Mitarbeiter und ein klares Zeichen dafür, dass die Volksbanken ihre Neustrukturierung erfolgreich über die Bühne gebracht haben. Wir haben in diesem Heft die besten Bilder und alle Ergebnisse. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr Günther Griessmair

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Thema

„Eine neue Ära der Genossenschaft einläuten“

Seit Beginn des Jahres ist Peter Haubner neuer Verbandsanwalt des ÖGV. Im ersten großen Interview für „cooperativ“ spricht der erfahrene Nationalratsabgeordnete und Interessenvertreter aus Leidenschaft über die Herausforderungen seiner neuen Aufgabe und die Pläne für die Zukunft des Verbandes. Interview: Fotos:

Günther Griessmair Wolfgang Schmidt, privat

„cooperativ“: Sie blicken auf viele Jahre Erfahrung in der Interessenvertretung zurück, waren Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, sind als Abgeordneter zum Nationalrat auch Wirtschaftssprecher Ihrer Partei, zeichneten für Salzburgs Olympia-Bewerbung verantwortlich, sind selbst Unternehmer – Ihre Biographie reicht locker für zwei Leben. Was hat Sie bewogen, sich der neuen Herausforderung im Genossenschaftsverband zu stellen? Peter Haubner: Ich finde neue Herausforderungen in der Welt der Wirtschaft immer spannend. Und beim ÖGV haben einfach alle Rahmenbedingungen perfekt gepasst: Es gibt ein solides Fundament, auf das man bauen kann, zugleich 4

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sehe ich große Chancen und Perspektiven für die Zukunft.

Ära des Aufschwungs für das gesamte Genossenschaftswesen einläuten.

Mit welchem Konzept konnten Sie bei der Bewerbung überzeugen?

Sie sind seit 2. Jänner im Amt. Was sind Ihre ersten Eindrücke und Erfahrungen?

Meine Ansage war: Ich möchte der Genossenschaft zu einem höheren Stellenwert verhelfen und dem ÖGV mehr Gehör verschaffen. Wir müssen die Rechtsform gemeinsam stärker ins Bewusstsein von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft rufen. Das bedeutet auch, dass der Verband und seine Mitglieder in der Öffentlichkeit präsenter werden müssen. Indem wir zeigen, wie attraktiv die Genossenschaft als unternehmerische Idee ist, können wir letztlich eine neue

Ich habe sofort gemerkt, dass im ÖGV sehr hohe Fachkompetenz vorhanden ist – sei es in der Interessenvertretung, in der Rechts- und Steuerberatung, in der Betreuung der Mitglieder oder in der Revision. Da ist ein großer Wissensschatz vorhanden, das hat mich sehr beeindruckt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich damit auch neue Ideen erfolgreich verwirklichen und in die Öffentlichkeit transportieren lassen. Was mir auch sofort aufgefallen ist: Die Begeis-


Thema

Peter Haubner vor Ort bei den Betrieben: Besuch bei einem Sportfachhändler

terung für die Genossenschaftsidee ist im ganzen Haus spürbar, die Mitarbeiter leben diesen Grundgedanken.

„Die Begeisterung für die Genossenschaftsidee ist im ganzen Haus spürbar.“ Was sind Ihre persönlichen Stärken, die Sie in die neue Aufgabe einbringen können? Ich bin seit jeher ein leidenschaftlicher Interessenvertreter - ob bei der Olympia-Bewerbung von Salzburg, als ich die Interessen eines Landes gegenüber einer großen internationalen Organisation vertreten habe, oder beim Wirtschaftsbund, wo ich mich gegenüber den Entscheidungsträgern in der Politik für die Belange der kleinen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt habe. Auch das Genossenschaftswesen ist ein zentraler Motor unserer Wirtschaft und braucht eine starke Interessenvertretung. Zudem würde ich mich als intimen Kenner der politischen Entscheidungsgremien in dieser Republik und als Mann des Ausgleichs auf allen Ebenen bezeichnen.

Peter Haubner privat: Neben Laufen zählt Wandern und Bergsteigen zu seinen Hobbys

Das klingt nach viel Leidenschaft für die Aufgabe. Haben Sie dabei einen persönlichen Leitspruch? Ja, ich nehme mir Folgendes immer zu Herzen: Wenn du alles gibst, dann brauchst du dir nichts vorzuwerfen. Sie sind nicht nur Verbandsanwalt des ÖGV, sondern weiterhin auch Abgeordneter zum Nationalrat. Wie verbinden Sie diese beiden Aufgaben miteinander? Beides lässt sich sehr gut verbinden, da die Interessen der Genossenschaften und ihrer Mitglieder zugleich auch die Interessen der kleinen und mittelständischen Unternehmen dieses Landes sind, für die ich mich im Parlament stark einsetze. Man könnte es als klassische Win-win-Situation charakterisieren: Ich kann die Erfahrungen aus der genossenschaftlichen Praxis in die politische Arbeit einbringen, und umgekehrt kann ich das Know-how aus der Politik für den Verband nutzen.

„Wenn du alles gibst, brauchst du dir nichts vorzuwerfen.“

Genossenschaftspionier Hermann Schulze-Delitzsch hat dem ÖGV bei seiner Gründung 1872 folgenden Satz mit auf den Weg gegeben: „Auf der Freiheit, verbunden mit der Verantwortlichkeit für deren Gebrauch, beruht die gesunde Existenz des Einzelnen wie der Gesellschaft.“ Können Sie mit diesem Spruch heute noch etwas anfangen? Auf jeden Fall! Was damals in einer schwierigen Phase gegolten hat, lässt sich auch in die heutige Zeit übertragen: Wir sollten in Freiheit unsere Eigenverantwortung wahrnehmen und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, zugleich aber auf eine starke Gemeinschaft bauen. Der Spruch hat also zeitlose Gültigkeit. Was bedeutet die Idee der Genossenschaft für Sie persönlich? Ich bin fasziniert von diesem Prinzip, es ist genial und regional zugleich. Die Genossenschaft ermöglicht eine Kooperation Gleichgesinnter und Gleichgestellter, die von unten nach oben entscheiden. Sie erlaubt die Teilhabe von Mitgliedern an Prozessen, die sonst ganz großen Einheiten vorbehalten sind etwa in Form von Einkaufsgenossenschaften -, und das, ohne dadurch die cooperativ 1/18

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Thema

Unabhängigkeit einzubüßen. Nicht umsonst ist die Idee seit mehr als 150 Jahren auch international fest verankert und als Erfolgsmodell weit verbreitet. Und zurecht wurde sie 2016 auch von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit gewürdigt.

„Ich bin fasziniert vom Prinzip der Genossenschaft, es ist genial und regional zugleich.“ Wo sehen Sie die großen Zukunftsperspektiven? Die Themen Vernetzung und Kooperation sind aktueller denn je, denken Sie nur an Crowdfunding oder digitale Netzwerke im Internet. Die Genossenschaft als demokratische Organisationsform, in der Menschen und Unternehmen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, kann hier eine zentrale Rolle spielen, wenn es gelingt, sie auch in der breiten Öffentlichkeit als attraktiv darzustellen. Ob alternative Energien, kommunale Projekte, Pflege oder Breitbandausbau - man sollte genau prüfen, ob die Genossenschaft hier nicht die besseren Lösungen anzubieten hat. Welches Programm wollen Sie im ÖGV umsetzen? Gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen Robert Makowitz möchte ich den ÖGV in eine gute Zukunft führen. Dazu gehören mehr öffentliche Aufmerksamkeit für den Verband und das gesamte Genossenschaftswesen, die Gewinnung 6

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neuer Mitglieder und wie bisher schon deren optimale Betreuung durch einen modernen Verband für Revision, Interessenvertretung und Beratung. Zudem habe ich mir vorgenommen, den ÖGV international noch stärker zu vernetzen, um ihm so mehr Gewicht zu verleihen und um aus Best-Practice-Beispielen zu lernen. Als Mitglied der Jury des Deutschen Mittelstandspreises kann ich hier wertvolle Erfahrungen einbringen. Wie wollen Sie die teilweise divergierenden Interessen von Volksbanken und Warengenossenschaften ausgleichen? Hier besteht nur ein scheinbarer Gegensatz. Denn wenn man auf das große Ganze schaut, erkennt man, dass es sich um eine sinnvolle Partnerschaft handelt: auf der einen Seite die Warenund Dienstleistungsgenossenschaften mit ihren Mitgliedern, die vor allem gewerbliche Betriebe oder Selbstständige sind, auf der anderen Seite die Banken als Finanzierer dieser Unternehmen. In diesem Sinne möchte ich dazu beitragen, ein neues Verhältnis zwischen den beiden Mitgliedergruppen zu etablieren,

Nachgefragt: Peter Haubner privat » Nach Feierabend entspanne

ich mit: Laufen

von dem alle profitieren - auch, indem vorhandene Synergien besser genutzt werden. Haben die Volksbanken die schwierigen Zeiten hinter sich gelassen? Sehen Sie den Verbund auf einem guten Weg? Meine Familie ist seit Generationen bei der Volksbank Salzburg. Dieser Bank habe ich immer vertraut, so wie es viele andere Österreicher auch schon lange tun. Klar: Der Verbund hat eine harte Zeit hinter sich, er hat aber letztlich mit dem gemeinsamen Projekt der Neuaufstellung alle Hürden erfolgreich gemeistert, wobei der Weg noch nicht zu Ende ist. Es warten schon die nächsten Herausforderungen. Dazu gehört etwa auch die Frage, wie die Genossen-

Die wichtigsten beruflichen und politischen Stationen 1979–1985 Banken- und Versicherungsbranche 1985–1994 Wirtschaftskammer Salzburg seit 1994

Unternehmer (Leitung einer PR-Agentur)

1999–2004 Prokurist bei der Großglockner Hoch alpenstraßen AG

» Derzeit lese ich: „Homo Deus“

seit 2001 Abgeordneter zum Nationalrat

» Mein Handy nutze ich: haupt-

2008–2017 Generalsekretär des Wirtschaftsbundes

von Yuval Noah Harari

sächlich zum Telefonieren

» Privat fahre ich: eine Vespa 125 » Meinen Urlaub verbringe ich

am liebsten: im Lungau und in der Region Murau

seit 2013 Vorsitzender des parlamentarischen Ausschusses für Wirt schaft, Industrie und Energie


Thema

Peter Haubner über seine neue Aufgabe: „Ich möchte der Genossenschaft zu einem höheren Stellenwert verhelfen und dem ÖGV mehr Gehör verschaffen“

schaftsidee und die Vorteile der Mitgliedschaft wieder stärker ins Rampenlicht gerückt werden können.

Wirtschaft und Politik wirkungsvoll präsentieren wollen.

Welche konkreten Schritte wollen Sie in nächster Zeit setzen?

„Der diesjährige Verbandstag soll ein erstes sichtbares Zeichen des Aufbruchs sein.“

Ich werde gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren einen Prozess zur Modernisierung und Attraktivierung des Verbandes aufsetzen. Außerdem möchte ich bestehende Kooperationen mit der Wissenschaft gezielter für Projekte nutzen. Es geht auch insgesamt um ein Signal der Erneuerung. Erstes sichtbares Zeichen dieses Aufbruchs soll der Verbandstag im Mai sein, bei dem wir uns dem wichtigen Zukunftsthema Digitalisierung widmen und den Verband zugleich bei Entscheidungsträgern aus

Apropos Politik: Wie ist Ihr persönlicher Draht zur neuen Regierung unter Kanzler Kurz? Ich kenne Sebastian Kurz schon seit zehn Jahren, er ist sicher eine Ausnahmeerscheinung in der österreichischen Politik. Ich habe ja auch das Re-

gierungsprogramm für die Bereiche Finanzen, Wirtschaft, Steuern und Sport mitverhandelt. Und als Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Industrie und Energie im Parlament stehe ich natürlich immer in engem Kontakt mit ihm. Als Verbandsanwalt ist mir eine intakte Gesprächsbasis zu allen Parteien wichtig. Der ÖGV ist natürlich überparteilich. Der ÖGV feiert 2022 sein 150-jähriges Bestehen. Was wünschen Sie sich zum Jubiläum? Kurz und bündig: dass sich der ÖGV dann durch ein starkes Wir-Bewusstsein und ein weiterentwickeltes, modernes Selbstverständnis auszeichnet. 

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Thema

Engelbert Keßler berief 1865 den ersten Genossenschaftstag ein

Die Geburtsstunde des Verbandsanwalts Die Institution des Verbandsanwalts hat im Genossenschaftswesen eine lange Tradition. Der ÖGV – damals noch der „Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ – bildet da keine Ausnahme. Ein Blick zurück auf die turbulenten Anfänge. Text: Johann Brazda Fotos: ÖGV

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ie Institution des Verbandsanwalts ist eng verbunden mit den Zentralisationsbestrebungen, die es in allen Genossenschaftsorganisationen gab: Pionier war Hermann Schulze-Delitzsch, der sich 1859 in Weimar mit 38 seiner engsten Vertrauten traf, um zur Koordination seiner Vorschussvereine eine Dachorganisation, das „Zentralkorrespondenzbüro“, zu konstituieren. Jährlich fand ein sogenannter Vereinstag statt. Schulze-Delitzsch wurde Vorsitzender, also „Anwalt“ der Genossenschaften, dessen Aufgabe vor allem die rechtliche Beratung der dem Verband angeschlossenen Vereine war. Sie war notwendig geworden, da der rechtliche Status der Genossenschaften damals unklar war. Das änderte sich erst mit dem Genossenschaftsgesetz 1867/1868, mit dem die Genossenschaften die Rechte einer juristischen Person erhielten. Im Gegensatz dazu stand bei Friedrich Wilhelm Raiffeisens Zentralisa8

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tionsbestrebungen zunächst die wirtschaftliche Zusammenarbeit seiner Darlehenskassenvereine im Vordergrund. Eine Anbindung dieser Vereine an die Lokalabteilung des „Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen“ ab 1868 blieb aber ohne Erfolg. Seine ersten genossenschaftlichen Zentralbankgründungen von 1872 bis 1874 fielen dem sogenannten Systemstreit mit Schulze-Delitzsch zum Opfer. Erst die Gründung der „Landwirtschaftlichen Central-Darlehenskasse“ auf Basis einer Aktiengesellschaft im Jahre 1876 mit Sitz in Neuwied hatte Bestand. Sie fungierte als Geldausgleichsstelle für zunächst 30 seiner Darlehenskassenvereine, die auch überwiegend die Anteilseigner bildeten. 1877 vervollständigte Raiffeisen seine Organisation durch die Errichtung des „Anwaltschaftsverbandes ländlicher Genossenschaften“, ebenfalls in Neuwied. Raiffeisen wurde einstimmig zum Anwalt des Verbandes gewählt.

Anlass für diese Gründung waren die Erörterungen der Reichsregierung über die Verfassung eines neuen Genossenschaftsgesetzes. Nach den Statuten diente der Verband einer engeren Verbindung der Darlehenskassenvereine, zur Förderung des gegenseitigen Informationsaustausches, der Interessenvertretung und bis 1883 zur Koordinierung des gemeinsamen Bezugs- und Absatzverkehrs. Später kam noch die obligatorische Revision dazu.

Die ersten Anläufe in der Monarchie Die Entwicklung in der Donaumonarchie verlief ganz anders, waren doch hier zunächst der aufkeimende Nationalismus und die Notlage der Beamten wesentliche Einflussfaktoren für erste Verbandsgründungen. Eine erste Gründungswelle von Vorschusskassen ging ab 1861 von den Tschechen in Böhmen und Mähren aus und führte 1865 zur Errichtung eines „Centralausschusses der


Thema

böhmisch-mährischen Vorschusscassen“ unter Mitwirkung von Anton Randa, Rechtsprofessor an der Prager Universität. Damit war Randa der erste Verbandsanwalt in Österreich. Die darauffolgenden Gründungen deutscher Vereine in Böhmen waren der maßgebliche Faktor für die Errichtung zweier rivalisierender Genossenschaftsverbände im Jahre 1872 in Wien. Doch zunächst wurde die Beamtenschaft und insbesondere Engelbert Keßler, ein glühender Anhänger von Schulze-Delitzsch, aktiv. Er trat reformierend an die Spitze der Beamtenbewegung und des österreichischen Genossenschaftswesens und war 1864 Mitinitiator des „Ersten allgemeinen Beamtenvereins der österreichisch-ungarischen Monarchie“ zum Schutz der in not geratenen Beamten. 1865 berief Keßler, angeregt durch einen Brief von Schulze-Delitzsch, den ersten österreichischen Genossenschaftstag im Beratungssaal der „Wiener Schneider Genossenschaft” ein. Es erschienen aber nur enttäuschende 48 Personen, teils Genossenschaftsvertreter, teils sogar nur Genossenschaftsfreunde. Trotzdem ließ Keßler ein Vorbereitungskomitee zur Gründung eines österreichischen Genossenschaftsverbandes wählen. Aufgrund der Kriegswirren 1866 konnte der zweite Genossenschaftstag erst 1867 stattfinden. Hier legte Keßler einen Bericht über die bereits bestehenden 125 Vorschuss- und Konsumvereine in Österreich vor und referierte über die Notwendigkeit eines Genossenschaftsgesetzes nach preußischem Muster, wofür er eine Petition an den Reichsrat richten wollte. Anschließend wurde der Statutenentwurf für einen „Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs“ mit den Organen Allgemeiner Vereinstag, Generalanwaltschaft und Engerer Ausschuss angenommen. Schlussendlich wurde Keßler zum Generalanwalt gewählt. Laut eigenen Angaben soll dieser Verband bis 1868 existiert haben; er hat sich aber durch die dienstliche Versetzung Keßlers nach Ungarn nie konstituiert.

Hermann Ziller legte den Grundstein für den heutigen ÖGV

Die Stunde des Hermann Ziller Den nächsten wesentlichen Schritt zu einer gemeinsamen Interessenvertretung der Genossenschaften setzte ab 1866 der Journalist Hermann Ziller in seiner Rolle als aktives Mitglied des „Vereins für volkswirtschaftlichen Fortschritt“. In diesem waren die Spitzen von Industrie, Großhandel und Finanzkapital, die sogenannten Freihändler, vereinigt, die aus wirtschaftlichen Überlegungen zentralistisch und „gut österreichisch“ dachten und einen gemäßigten Konstitutionalismus vertraten.

Die Verbandsanwälte des ÖGV 1872–1892 Hermann Ziller 1892–1919 Karl Wrabetz 1920–1932 Otto Neudörfer 1933–1937 Karl Rehling 1946–1961 Josef Rois 1962–1963 Josef Zahn 1964–1968 Hermann Reihs 1968–1973 Erik Wintersberger 1973–1984 Paul Störck 1985–2015 Hans Hofinger 2015–2016 Christian Pomper 2016–2017 Heribert Donnerbauer 2017

Wolfgang Schmidt

seit 2018

Peter Haubner

Seine Grundintention im Sinne von Adam Smith, dem Begründer der Nationalökonomie, war es, „dass nur die volle Freiheit der wirtschaftlichen Entwicklung es vermag, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen und dauernd zu erhalten, welches durch künstliche Beschränkungen und Eingriffe aller Art gestört wird“. Eine derartige Störung wurde in der 1869 im Abgeordnetenhaus eingebrachten Steuervorlage des k.k. Ministeriums betreffend einer dreifachen Besteuerung der Erwerbsund Wirtschaftsgenossenschaften gesehen. Ab 1860 war das Vorgehen der Finanzbehörden in den einzelnen Ländern gegen die auf dem Vereinsgesetz 1852 basierenden Genossenschaften unterschiedlich und sogar widersprüchlich gewesen. Diese geübte Praxis der Steuerbehörden zwangen einzelne Vereine, wie etwa auch den „Consum-Verein im VI. Bezirk“, in dem Ziller als Schriftführer tätig war, zur Liquidation. Gegen diesen Umstand wollte die Regierung mit einer Reform der direkten Steuern vorgehen, stellte aber dabei die Genossenschaften mit den Aktiengesellschaften gleich und erzeugte damit den Anstoß für ein erstes gemeinsames Auftreten der Genossenschaften. Das war die Stunde für Ziller. 1870 publizierte er in rascher Folge zwei Flugschriften, in denen er die Besteuerung der Genossenschaften und das Wesen der genossenschaftlichen Selbsthilfe darlegte, da „das große Publikum sowie die Reichsratsabgeordneten, Herrenhausmitglieder und die Finanz- und Verwaltungsbeamten der genossenschaftlichen Frage fast ganz ferne stehen und nur eine geringe Einsicht in das Wesen derselben besitzen“. Er erkannte die Chance, diesem Schritt eine landesweite engere Kooperation der Genossenschaften folgen zu lassen und rief zunächst noch erfolglos für Pfingsten 1871 zur Abhaltung eines Genossenschaftstages auf. Doch die nächste Zentralisierungsbestrebung der Genossenschaften gingen wieder von Böhmen aus, wo Karl Pickert, Mitbegründer des „Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen“ cooperativ 1/18

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Thema

und ab 1870 als Vertreter der Deutsch-Liberalen Partei Abgeordneter im Reichsrat, auf seinem politischen Karriereweg nach oben auch das Genossenschaftswesen für seine politischen Zwecke nutzte. So gründete er in kurzer Folge am 25. März 1872 in Eger einen „Verband der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Böhmen“, ließ am 23. Juni 1872 auf einem „Allgemeinen deutsch-österreichischen Genossenschaftstag“ unter Ausschluss der Konsumvereine und vieler Vorschusskassen aus politischen Gründen ein Statut für einen Verband der deutsch-österreichischen Genossenschaften beschließen und sich selbst zum Verbandsanwalt küren. Auf dem Vereinstag am 26. August 1872 konstituierte Pickert den „Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutsch-österreichischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“.

Der Grundstein für den heutigen ÖGV Im Gegenzug dazu beauftragten die am Genossenschaftstag ausgeschlossenen Genossenschaften (rund 200) noch am selben Tag ein Komitee unter Leitung von Ziller, ebenfalls ein Statut für einen Verband auszuarbeiten. Die konstituierende Sitzung des Zillerschen „Allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden Oesterreichischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ fand bereits am 4. August 1872 statt, Ziller wurde ebenfalls zum Verbandsanwalt gewählt. Damit war der Grundstein für den heutigen „Österreichischen Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch)“ gelegt. Die Wiedervereinigung der beiden Verbände gelang erst auf dem zweiten Vereinstag am 29. Juni 1874. Pickert war am deutsch-österreichischen Parteitag 1873 mit seinem politischen Programm gescheitert und wurde daraufhin nicht mehr in den Reichsrat gewählt. Als Folge legte er all seine politischen Ämter zurück, trat auch als Verbandsanwalt seines „Allgemeinen Verbandes“ ab und ging wieder nach Prag zurück. Auf dem dritten Vereinstag des nun geeinten Verbandes am 6. und 7. September 1875 in Wien nahm auch Schulze-Delitzsch persönlich teil. 

Über den Autor Professor Johann Brazda ist Leiter des Fachbereichs für Genossenschaftswesen am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien, Vorstand des Forschungsvereins für Genossenschaftswesen und Mitherausgeber der „Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen“.

Das ÖGV-Haus: Die erste Adresse für Austausch und Kooperation Das Haus des ÖGV im Herzen Wiens ist ein Ort der Begegnung und der Kommunikation. Als solcher steht es allen Mitgliedern, aber auch anderen interessierten Unternehmen offen. Allein im Vorjahr gab es 130 Veranstaltungen. Text: Günther Griessmair Fotos: ÖGV

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gal ob Generalversammlung der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden, Meeting des Exekutivkomitees der Internationalen Volksbankenvereinigung, Uni-Vorlesungen zum Genossenschaftswesen, Kundenberaterprüfung der Volksbank Akademie, Jurysitzung für den Digital Business Trends Award, Pressekonferenz oder Verbandstag des ÖGV selbst: Rund 130 Veranstaltungen sind allein im letzten Jahr im Haus des ÖGV in der Wiener Löwelstraße über die Bühne gegangen. Das beweist: Der ÖGV ist nicht nur gefragte Anlaufstelle für Beratung, sondern auch ein viel genutzter Treffpunkt für die Mitglieder und alle anderen an Genossenschaften oder Kooperation interessierten Unternehmen. Das soll auch in Zukunft so bleiben: „Unser Haus steht Mitgliedern und Interessenten als Ort der Kommunikation und des Austauschs immer offen“, versichert der neue Verbandsanwalt Peter Haubner. Dafür verfügt es über die besten Voraussetzungen: Das 1880 im Ringstraßenstil errichtete Gebäude wurde kurz vor der Jahrtausendwende vom ÖGV erworben und in der Folge umfassend revitalisiert. Dabei hat man die Gründerzeitarchitektur im Kern gewahrt, aber an die modernen Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst. Viel Wert wurde dabei auf flexiblen Raum für Begegnung gelegt. So entstand neben Büros auch ein Veranstaltungszentrum, ideal gelegen im Herzen Wiens, direkt neben dem Burgtheater, das für Konferenzen mit 100 Teilnehmern ebenso gerüstet ist wie für Pressegespräche im kleinen Rahmen oder für Feierlichkeiten. Mitglieder des Verbandes können die Räumlichkeiten für bis zu zwei Veranstaltungen kostenlos nutzen, danach gibt es Sonderkonditionen bei der Buchung, wobei das Eventmanagement des ÖGV auf Wunsch vom Catering bis zu Dolmetschanlagen für internationale Konferenzen alles möglich machen kann. 

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Thema

Events im ÖGV-Haus:

Die Angebote Konferenzsaal, Dachgeschoß » Theaterbestuhlung für bis zu

100 Personen und Podium für 6 Personen

» Klassenzimmerbestuhlung für

bis zu 48 Personen und Podium für 6 Personen

» Oval mit Tischen für bis zu

30 Personen

» U-Form für bis zu 30 Personen

und Podium für 4 Personen

» Dinner für bis zu 96 Personen

Sitzungssaal, Dachgeschoß » mit Tischen (U-Form) für bis

zu 20 Personen

» mit Theaterbestuhlung für bis

zu 30 Personen und Podium für 4 Personen

Sitzungssaal, Erdgeschoß » mit Tischen (U-Form) für

bis zu 20 Personen

» mit Theaterbestuhlung für bis

zu 30 Personen und Podium für 4 Personen

Kellerstüberl mit Tischen (Heurigengarnituren) für bis zu 100 Personen Foyer Das Foyer im Dachgeschoß kann als Pausenraum genutzt werden. Vorhanden sind neben Buffettischen auch Stehtische. VIP-Raum Der VIP-Raum steht für Pressegespräche sowie als Pausenraum für kleinere Veranstaltungen zur Verfügung.

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Management

Kundensicht statt Bankbrille Nur wer die Erwartungen seiner Kunden wirklich kennt, kann die Beratungsressourcen effizient einsetzen und so die Rentabilität optimieren. Banken planen jedoch vielfach am Markt vorbei. Eine sinnvolle Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus wird immer mehr zur Überlebensfrage. Text: Jürgen Büschelberger und Andreas Kronabitleitner Foto: iStockphoto

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igitalisierung, Harmonisierung der Verkaufskanäle, Kundenbindung, Rentabilität des Kundengeschäfts, Kapazitätsdimensionierung und dann auch noch unterschiedlichste Kundenerwartungen? Viele Bankmanager beschleicht da das unangenehme Gefühl, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Mit steigender Komplexität droht auch die Sicherheit, das Richtige zu tun, verloren zu gehen. Um diese Komplexität zu reduzieren, wird eine möglichst einfache Struktur benötigt. Ein effizientes Steuerungsmodell für das Kundengeschäft kann eine solche liefern. Es reduziert viele Einzelfragen auf zwei entscheidende Leitthemen: Kundenbindung und Rentabilität. Alle weiteren Lösungen lassen sich daraus ableiten. Aufgrund der zentralen Bedeutung für das gesamte Kundenge12

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schäft steht die Steuerung mittlerweile auch zunehmend im Fokus der Aufsicht. Es geht primär um die Frage, ob und wie gut Steuerungsmodelle geeignet sind, die Rentabilität des Kundengeschäfts auch nachhaltig sicherzustellen. Hohe Kundenbindung ist die wesentliche Voraussetzung für ein stabiles Kundengeschäft. Sie determiniert das Ertragspotenzial von Universalbanken. Die Rentabilität des Kundengeschäfts wird aber nicht nur von den möglichen Erträgen bestimmt. Sie wird unmittelbar von einer effizienten Nutzung der Kostenpositionen beeinflusst. In erster Linie geht es an dieser Stelle darum, teure Kapazitäten für Kundenberatung nicht zu verschwenden. Beides lässt sich nur gewährleisten, wenn mit und nicht gegen die Marktentwicklung gesteuert wird.

Navigation im Blindflug? Die Art und Weise der Kundengeschäftssteuerung entscheidet darüber,

ob Banken die tatsächlichen Erwartungen ihrer Kunden kennen oder ob sie schlimmstenfalls im Blindflug navigieren. Nur wenn die Erwartungen bekannt sind, können diese erfüllt werden. Die effiziente Nutzung der Beratungsressourcen lässt sich nur sicherstellen, wenn ausreichende Transparenz besteht. Oder anders formuliert: Die großen Fragen des Retailgeschäfts werden aus der reinen Bankperspektive eventuell anders beantwortet als aus Kundensicht. Die Gefahr, auf Basis einer überholten Steuerungssystematik falsche Entscheidungen zu treffen und sich damit „aus dem Markt zu steuern“, war noch nie so groß wie heute. In der Branche stellen sich viele Fragen: Wollen Kunden die Annehmlichkeiten der Digitalisierung überhaupt nutzen? Wenn ja, in welchem Umfang? Schätzen Kunden die laut Betreuungsintervallen vorgesehene Betreuung? Oder wollen sie selbst darüber entscheiden, ob und wann sie Beratung in Anspruch nehmen? Passt die Bera-


Management

tion vorgehalten, aber gar nicht im vorgesehenen Umfang genutzt werden.

Kunde möchte selbst entscheiden

tungsqualität dann, wenn es darauf ankommt? Die Antworten darauf unterscheiden sich mittlerweile signifikant von den bisher gewohnten. Homogene Kundensegmente gibt es nicht mehr. Die tatsächlichen Kundenerwartungen sind immer weniger vorhersehbar. Gleichzeitig wird aber das Wissen darum, was Kunden wirklich wollen, zunehmend wichtiger. Das schafft eine paradoxe Situation für Bankmanager, die scheinbar immer schwieriger aufzulösen ist. Zumindest nicht mit herkömmlichen, rein auf den zu erzielenden Ergebnissen basierenden Steuerungsmodellen.

Erfolgreiches Beispiel aus der Praxis Dass es anders geht, zeigen bewährte Beispiele. Eine der Top-20-Sparkassen Deutschlands steuert seit einigen Jahren ihr Retailgeschäft nicht mehr primär nach Verkaufsergebnissen, sondern nach der Verwendung der Kapazitäten. Das heißt, der Vorstand der

Sparkasse entscheidet aus Banksicht über die konkrete Verwendung der Beratungskapazitäten. Die Kunden legen aufgrund ihrer Präferenzen die tatsächliche Betreuung fest: persönlich und regelmäßig, nur auf Kundeninitiative, anlassgetrieben, rein digital oder über alle Kanäle. Das Management stellt mit den zur Verfügung stehenden Steuerungsmaßnahmen sicher, dass die vereinbarte Betreuung tatsächlich umgesetzt wird und dabei die gewünschten Ergebnisse erzielt werden. Zentrale Steuerungsimpulse sind Zielkarten, Vertriebscontrolling, Führungsprozess und erfolgsorientierte Entlohnung. Die betreffende Bank hat sich für den Wechsel zur Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus vor allem wegen der Hypothese entschieden, dass ein großer Teil der Kunden die für sie vorgesehene Betreuung eventuell gar nicht schätzt. Das würde nämlich bedeuten, dass umfangreiche Beratungskapazitäten in der gesamten Breite der Vertriebsorganisa-

Nach zwei Jahren persönlicher Befragung der Kunden hat sich gezeigt, dass die ursprünglichen Befürchtungen sogar noch übertroffen wurden: Der Kundenanteil, der selbst entscheiden möchte, wann und wie er mit seiner Bank in Kontakt treten will, war deutlich größer als ursprünglich angenommen. In einem Kundensegment haben bis zu zwei Drittel der Kunden gesagt, „von sich aus in die Bank zu kommen, wenn sie Bedarf haben“. Nun handelt es sich beim betreffenden Institut um eine große Regionalbank in einem Ballungszentrum. Die absoluten Werte mögen im ländlichen Umfeld vielleicht weniger dramatisch sein. Die steigende Tendenz war aber bisher in allen vergleichbaren Projekten feststellbar und dürfte deshalb allgemeine Gültigkeit haben. Um diese bewussten Aussagen von den Kunden zu erhalten, war es notwendig, den Nutzen einer regelmäßigen Betreuung, aber auch die Erwartung der Betreuer an die Kunden klar zu benennen. Versprechen sind dabei als Angebot formuliert. Klare Aussagen der Kunden waren die Folge. Mit reinen Fokusgruppen-Interviews oder stichprobenartigen „Was wäre, wenn?“-Kundenbefragungen wäre das nicht möglich gewesen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die betreffende Bank als erste größere Regionalbank in Deutschland harte und belastbare Werte für die künftige Dimensionierung ihrer Beratungskapazitäten vorliegen hat. Ein klares Nutzenversprechen und die selbstbewusste Positionierung der cooperativ 1/18

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Management

Berater waren in dieser Deutlichkeit nur möglich, weil das Management mit seinen Steuerungsmaßnahmen die jederzeitige Einhaltung sicherstellte. Steuerungsmodelle, welche die Verantwortung zur Einhaltung von Kundenversprechen an die Mitarbeiter delegieren, sind erfahrungsgemäß zum Scheitern verurteilt. Das Prinzip Hoffnung hat sich bisher kaum bewährt.

Spezialisten statt ganzheitliche Berater Weitere Maßnahmen hin zur Rentabilitätsoptimierung hat die Bank bereits eingeleitet. Beispielsweise ist mit einer Neuausrichtung der Beratungskapazitäten begonnen worden. Die Zahl ganzheitlicher Berater wird schrittweise reduziert, mehr Spezialberater werden installiert. Gezeigt hat sich nämlich, dass immer mehr Kunden nur dann beraten werden wollen, wenn sie große finanzielle Entscheidungen zu treffen haben. Dann erwarten sie aber einen Bankberater mit hoher Expertise in der betreffenden Aufgabenstellung - unabhängig davon, ob sie ihn bereits persönlich kennen. Die neue Kenntnis der Kundensicht hat auch klar ableitbare Auswirkungen darauf, wie die Vertriebsorganisation gestaltet wird. Die Dimension des Filialnetzes anzupassen, das Kundenservicecenter inhaltlich und personell auszubauen und ein digitales Betreuungsteam zu etablieren, waren logische Konsequenzen. Ein erfreulicher Zusatznutzen der neu gewonnen Transparenz war, dass Diskussionen mit den Betroffenen nun wesentlich einfacher waren. Nicht das Management, sondern das transparente und geänderte Kundenverhalten waren entscheidende Treiber der Veränderung. Besonders bemerkenswert an diesem Beispiel: Weil die betreffende Bank nun eine andere Steuerung nutzt, haben sich in der Folge neue, bisher in dieser Deutlichkeit nicht erwartete Fragestellungen herauskristallisiert. Erst die Erkenntnisse aus der Umsetzung der Kapazitätssteuerung haben die Notwen14

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digkeit für den Umbau der Beratungskapazitäten und die Anpassung der Vertriebsorganisation klar umrissen.

Probleme der traditionellen Steuerung Traditionelle Steuerungskonzepte für das Retailgeschäft stellen nach wie vor die zu erzielenden Ergebnisse in den Mittelpunkt. Sie vernachlässigen aber die Art und Weise, wie diese Ergebnisse zustande kommen. Nur die reinen Verkaufszahlen zu betrachten, kann deshalb schnell zum strategischen Dilemma werden. Eine auf den ersten Blick noch einigermaßen zufriedenstellende Entwicklung bietet nämlich wenig Anlass, die tatsächliche Effizienz der Ressourcennutzung zu hinterfragen. Banken, die heute noch auf Basis scheinbar homogener Kundensegmente Betreuungsintervalle formulieren, ignorieren eventuell die massive Veränderung des Kundenverhaltens – vor allem dann, wenn die Beratungskapazitäten dementsprechend dimensioniert werden. Zu befürchten ist, dass diese künftig von immer weniger Kunden genutzt werden.

Nur wer die Erwartungen kennt, kann optimieren Die Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus konsequent anzuwenden, hat

bei allen bisherigen Umsetzungsprojekten zu neuen Kundengruppen geführt. Ausgangspunkt waren jeweils datengestützte Kundensegmentierungen nach der sogenannten ABC-Systematik. Häufig war diese Segmenteinstufung bereits um Klassifizierungen zur betriebswirtschaftlichen Attraktivität, zu Potenzialen oder vermuteten Betreuungspräferenzen ergänzt. Ergebnis der neuen Steuerungssystematik auf Basis der tatsächlichen Kundenerwartungen waren in allen Fällen Kundengruppen, die aktiv und regelmäßig oder passiv und anlassbezogen betreut werden. In allen Fällen ist die reine Bankbrille durch die Kundensicht zumindest ergänzt worden. Weil die betreffenden Banken die Erwartungen ihrer Kunden nun tatsächlich kennen, sind sie in der Lage, die einzelnen Kundenbeziehungen zu optimieren. Betreuungsmaßnahmen, die von einer Kundengruppe geschätzt werden, können bei einer anderen das Gegenteil bewirken. Diese Unterschiedlichkeit ist eine wichtige Erkenntnis, um Rentabilität wirksam steuern zu können. Nur bei solchen Kunden, die eine regelmäßige Betreuung tatsächlich schätzen, lässt sich eine langfristige Kundenbindung und damit die nachhaltige Rentabilität - aktiv managen. Bei Kunden, die selbst entscheiden, wann sie mit der Bank in Kontakt tre-

Über die Autoren Jürgen Büschelberger ist Bundesbankdirektor und Leiter der laufenden Aufsicht bei der Hauptverwaltung München der Deutschen Bundesbank. Er hat die Zukunftseignung der Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus erstmals im Jahr 2014 anhand konkreter Umsetzungen in Banken beurteilt.

Andreas Kronabitleitner ist Strategieberater für Banken und hat während der letzten Jahre eine Reihe von deutschen Sparkassen auf ihrem Weg zur Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus begleitet.


Management

ten, wären die gleichen Betreuungsmaßnahmen kontraproduktiv. Für diese Kundengruppe ist die kurzfristige Rentabilität mit den dort zur Verfügung stehenden Mitteln zu optimieren. Diese rentabilitätsorientierte Ausrichtung des Kundengeschäfts gewährleistet Zukunftssicherheit. Wichtig: Alle betroffenen Banken haben die Neuausrichtung ohne Ergebniseinbrüche bewältigt - oft sogar mit kurzfristig messbaren, signifikanten Verbesserungen der Verkaufszahlen.

Das Fazit Lange Jahre war es ohne massiv negative Auswirkungen möglich, das Kundengeschäft nur anhand der Bankbrille zu steuern. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Wenn eine Bank Kundenbindung und Rentabilität künftig mit und nicht gegen die Kundenerwartungen optimieren will, dann kommt sie an der Weiterentwicklung ihrer traditionellen Steuerung nicht vorbei. Die Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus hat ihre Zukunftseignung bereits bewiesen. Schon seit 2014 stehen wesentliche Vertreter der Deutschen Bundesbank dieser Steuerung sehr positiv gegenüber. Sie könnte „richtungsweisend für alle Universalbanken“ sein. Die aktuelle Entwicklung des Aufsichtsrechts unterstützt mit den betreffenden Guidelines Steuerungsmaßnahmen, die die Kundenzufriedenheit erhöhen und die Qualität im Kundengeschäft nachhaltig sichern. Eine Steuerung, die die tatsächlichen Erwartungen der Kunden berücksichtigt, entspricht im besonderen Maße der Intention der Aufsicht. Deshalb hat die Bundesbank-Einschätzung zur Kapazitätssteuerung nach Kundenfokus mehr denn je Gültigkeit. 

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Management

Vom Manager zum

Motivator

Vor über 100 Jahren hat Henry Ford gesagt: „Sie können einen Ford in jeder Farbe haben. Hauptsache er ist schwarz.“ Das war das Industriezeitalter, das Zeitalter der Massenproduktion. Es entstanden Management- und Führungskulturen, die damals effizient waren. Vielfach werden sie aber auch heute noch angewendet, obwohl sich die Welt gewandelt hat. Dabei geht moderne Führung ganz anders … Text: Wolfgang Ronzal Foto: iStockphoto

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ie Märkte verändern sich rasant, Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr. Die Kundenbedürfnisse sind andere als früher. Durch neue Technologien entstehen neue Vertriebswege. Ist die Zukunft stationär oder digital? Unternehmen befinden sich ständig im Umbruch. Veränderungen kommen heute exponentiell und mit ungeheurer Geschwindigkeit, in ihren Auswirkungen oft unabsehbar. Eine gesicherte Vorausplanung ist nicht mehr möglich, da sich alles zu schnell und zu oft verändert. Wie soll und kann sich ein Unternehmen auf diesen stetigen Wandel einstellen? Ist Planung überhaupt noch möglich und sinnvoll? Man hat früher spaßeshalber gesagt, Planung sei der „Ersatz des Zufalls durch den Irrtum“. Das Problem dabei ist, dass wir uns heute zu oft irren, was die Zukunft anbelangt. Was bringen mittelund langfristige Planung, wenn wir die Pläne ständig adaptieren und revidieren müssen? 16

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Funktionieren Management und Führung mit den Methoden von einst noch? Die Antwort lautet nein. Es braucht einen Kulturwandel, der auch das Ende von Weisung und Kontrolle bedeutet. Viele Unternehmen werden aber immer noch auf diese Art geführt: Das Management plant, und die Mitarbeiter haben zu exekutieren. Das Problem dabei ist, dass sich die Mitarbeiter anpassen. Die Folge ist dann, dass sie ihre Eigeninitiative und ihr Leistungspotenzial zu Hause lassen.

Das Problem mit Zahlen und Zielen Wenn das Management zum Beispiel für das nächste Jahr ein Umsatzwachstum von zehn Prozent vorgibt, so werden die Mitarbeiter sich daran orientieren. Ihr einziges Bestreben wird sein, die Ziele zu erreichen, nötigenfalls mit Rabattaktionen oder Tricks. Und wenn den Abteilungen fixe Budgets zugeordnet sind, werden deren Führungskräfte mit aller Macht ge-

gen Kürzungen kämpfen. Ob dies zum künftigen Erfolg beiträgt, ist dabei zweitrangig. Reduktion von Budgets bedeutet in der heutigen Unternehmenskultur Imageverlust („Wir sind nicht mehr so wichtig“). Die Zukunft kann man nicht allein mit Zielen und Zahlen in den Griff bekommen. Wir wissen heute nicht, wie sich die Umwelt entwickelt und welche vielleicht dramatischen Veränderungen die Entwicklung beeinflussen. Könnte ein Sportler auf diese Art erfolgreich sein? Betrachten wir einen Skifahrer: Er kann nicht vorweg planen, die Abfahrt in einer Minute und 40 Sekunden zu bewältigen. Er muss vielmehr rasch und flexibel auf Umwelteinflüsse reagieren. Er muss sich in Sekundenschnelle auf geänderte Wetterund Streckenverhältnisse einstellen und seine Fahrt darauf ausrichten. Er hat ein Ziel: schneller als seine Konkurrenten zu sein. Und wenn er das nicht schafft, muss er nach den Ursachen suchen, mehr üben oder etwas verbessern.


Management

Gleiches gilt für Unternehmen und deren Führungskräfte.

Motivation von Mitarbeitern wecken Führungskräfte neigen dazu zu glauben, dass man Planung und Ziele dazu braucht, um die Mitarbeiter unter Kontrolle zu haben. Man müsse ihnen klare Vorgaben geben, externe Anreize bieten und ihre Arbeitsleistung überwachen. Die Folge ist eine Vielzahl von Kontrollen und Berichten, die Mitarbeiter vom eigentlichen Zweck ihrer Arbeit abhalten, nämlich vor Ort beim Kunden Leistung zu erbringen. Was auf der Strecke bleibt, sind Eigeninitiative, Verantwortung und Motivation. Um in Zukunft erfolgreich zu sein, braucht es einen Kulturwandel in den Unternehmen, eine neue Art der Führung ist nötig - ohne hierarchische Organigramme, ohne Aufbau- und Ablauforganisation, ohne starre Jahresplanung als Ritual und ohne fixe Budgets. Das ist zwar scheinbar verbunden mit der Abgabe formaler Macht, aber tatsächlich ist die fachliche und menschliche Autorität der Führungskraft entscheidend. Wer Autorität besitzt, braucht keine Macht. Führungskräfte müssen begreifen, dass Mitarbeiter auch ohne Vorgaben, Anreize und Kontrollen arbeiten, einfach weil sie es wollen und können. Wenn jemand in seiner Freizeit Sudoku spielt, so tut er dies nicht, weil er von jemandem dazu gezwungen wird. Auch nicht, weil er eine Prämie dafür bekommt. Er macht es freiwillig, weil er Freude daran hat, eine schwierige Aufgabe erfolgreich zu lösen. Die gute Nachricht lautet also: Jeder Mensch ist motiviert, wenn er nicht durch die Unternehmenskultur und die Führung davon abgehalten wird. Was leider überwiegend der Fall ist, wie eine Gallup-Studie aufzeigt: Etwa 15 Prozent der Mit-

arbeiter sind motiviert (engagiert), 70 Prozent machen Dienst nach Vorschrift, und 15 Prozent sind destruktiv und arbeiten sogar gegen das Unternehmen. Als Hauptgrund dafür wird das Verhalten der Führungskräfte angegeben.

Die Lust am Entdecken und Gestalten Führung bedeutet heute, den Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen, ihnen Mitgestaltung zu ermöglichen, ihre Potenziale zu fördern und zu entwickeln, ihnen vor allem persönliche Wertschätzung zu vermitteln. Verantwortung muss dort übertragen werden, wo die Leistung entsteht, also vor Ort beim Kunden. Die Mitarbeiter sind dann nicht mehr damit beschäftigt, vorgegebene Zahlenziele auf Gedeih und Verderb zu erfüllen, sondern sie dürfen und müssen mitdenken, wie sie zum Erfolg

Buchtipp

Niels Pfläging Führen mit flexiblen Zielen Campus Verlag 307 Seiten € 41,10

Über den Autor Wolfgang Ronzal war Direktor für den Filialvertrieb der Erste Bank. Heute ist er als Vortragsredner, Trainer und Berater für Banken tätig. Internet: www.ronzal.at

beitragen können. Mit der Vielfalt an Ideen und Aktivitäten, die Mitarbeiter hervorbringen, steigt die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs. Ebenso mit dem Mut, Neues auszuprobieren, ohne Angst vor Fehlern haben zu müssen. Die Lust am Entdecken und am Gestalten, wie sie bei Kindern vorhanden ist, muss durch Führungskräfte wieder geweckt werden. In Unternehmen gibt es eine Reihe von Dingen, die man nicht organisieren kann, die aus der Eigendynamik und Selbstorganisation entstehen müssen: Loyalität, Identifikation, Vertrauen, Motivation. Führungskräfte müssen die Voraussetzungen für deren Entstehen und Entwicklung schaffen. Wenn ein Mitarbeiter erkennt, dass ihm vertraut wird, dann ist das ein starker Motivationsfaktor. Auch die Lust mitzudenken und mitzugestalten lässt sich nicht anordnen, sondern wird durch die Führungskräfte wesentlich beeinflusst.

Gute Führungskräfte wecken Potenziale Um führen zu können, muss man Menschen mögen. Wenn man Mitarbeitern nicht die entsprechende Wertschätzung entgegenbringt, dann verkümmern Kreativität und Flexibilität, Sorgfalt und Verantwortungsgefühl. Führungskräfte müssen also nicht nur fachlich top sein, sondern brauchen auch eine hohe soziale Kompetenz. Fast überall, wo Führung nicht funktioniert und die Mitarbeiter demotiviert sind, sind zwischenmenschliche Probleme die Ursache. Das wichtigste Potenzial eines Unternehmens sind deshalb eigentlich gar nicht so sehr die Mitarbeiter, sondern all jene Führungskräfte, die in der Lage sind, ihre Mitarbeiter zur Entfaltung ihrer Potenziale zu bringen. Es gilt also, Führungskräfte für den Wandel fit zu machen. 

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Reden, die bewegen Gut sprechen zu können, ist die Eintrittskarte für vieles. Und wer richtig präsentiert, gewinnt. Egal ob als Vorstand, Aufsichtsrat oder Bankstellenleiter: Auftrittskompetenz, Selbstmarketing und Kommunikation sind in einer Zeit medial kalter Information wichtiger denn je. Text: Peter Baumgartner Fotos: photo lounge, iStockphoto

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nter den menschlichen Ängsten gibt es einen Spitzenreiter: 41 Prozent fürchten sich davor, öffentlich zu reden. Diese Angst liegt weit vor der Todesangst (19 Prozent). Überspitzt formuliert: Viele würden es also vorziehen, selbst im Sarg zu liegen, als vorzutreten und eine Grabrede halten zu müssen. Dennoch haben sich die meisten schon einmal gedacht: Wenn ich doch nur so gut reden könnte wie die Person auf der Vortragsbühne oder im Fernsehen! Was wäre dann möglich? Wie spricht man sicher und mit hoher Qualität? Wie baut man Vorträge und Reden perfekt auf? Wie faszinieren und überzeugen Vortragende inhaltlich? Antworten darauf liefern kompetente Coaches. Sie zeigen, wie man Emotionen auslöst, souverän spricht und sich gekonnt auf der Bühne bewegt. Nur wer das beherrscht, erreicht seine Zuhörer und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Binnen Sekunden beurteilt das Publikum, ob es gewillt ist, einer Stimme und damit den Argumenten zu folgen. Der Auftritt ist das optische Erscheinungsbild, die Stimme ist die akustische Visitenkarte. Beides kann man trainie18

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ren und perfektionieren. Wie groß das Publikum auch sein mag, im Vieraugengespräch oder vor 800 Menschen, egal ob im Seminarraum oder auf der großen Bühne, eines bleibt immer gleich: Wer das Ohr beleidigt, dringt nie zu den Menschen vor.

Kommunikationsfähigkeit liegt mit 100 Prozent Zustimmung an erster Stelle der geforderten Eigenschaften für Menschen in Führungs- und Vorbildfunktion.

Redner haben Vorbildfunktion

Alle, die vor und mit anderen sprechen müssen, unterliegen naturgemäß einer Bewertung der Zuhörer und Dialogpartner. Wenn wir Menschen beur-

Die richtige Aussprache ist eine kulturelle Verbindlichkeit und eine Fä-

Redner unterliegen einer Bewertung

„ Die meisten wissen, wie man eine Rede oder einen Vortrag standardmäßig hält. Die wenigsten wissen, wie sie Zuhörer beeindrucken und mitreißen. Viele verpassen den Anschluss an die Zukunft, weil sie antiquiert kommunizieren. “

higkeit, die wir erwarten dürfen. Ästhetik und Stil sind niemals zu vernachlässigen. Unbestritten ist die Kommunikationsfähigkeit eine der zentral wichtigen Eigenschaften für Menschen in Führungspositionen. Eine Studie von IW Köln Consult bestätigt dies eindrucksvoll. Die

teilen, so machen wir das in den ersten zwei bis drei Sekunden mit unseren Augen. Wir erhalten einen optischen Eindruck. Was dann wirklich zählt, sind die nächsten zehn bis zwölf Sekunden, wenn wir die Stimme hören. Aus beiden Signalen machen wir uns ein Bild, eine Vorstellung von un-


Management

Buchtipp serem Gegenüber. Idealerweise sollte dieses Bild auch stimmig zu der Person passen. Wird sie so wahrgenommen, wie sie gesehen werden möchte? Es liegt in der Verantwortung des Redners, die Wahrnehmung der Gesprächspartner und Zuhörer in die passende Richtung zu lenken.

Redner überzeugen durch Stil Jeder kennt das: Da läuft nebenbei im Radio ein Gespräch, im Fernsehen eine Diskussion, und man bleibt doch hängen. Nicht so sehr wegen dem, was da gerade jemand sagt, sondern vielmehr deswegen, wie derjenige das sagt. Der Inhalt wird erst nach und nach interessant. Über die Art des Sprechens, über den Redestil bekommt man einen Zugang zur Thematik. Die Sprache reicht über die gesprochene Sprache hinaus, weil auch die Bildsprache der Präsentation entscheidet. Stimme und Ausdruck kann und muss man üben wie ein Musiker sein Instrument. Den Präsentationsstil muss man sich erarbeiten, wie ein Sportler seine Muskeln trainiert. Die richtige Artikulation und stilvolle Präsentation geben Sicherheit und verleihen Kompetenz.

Redekompetenz ist Anschlusskompetenz Gute Redner erkennt man daran, dass sie ihren Monolog mit einem Mindestmaß an Dialogelementen versehen. Somit wird Interaktion in Ansätzen möglich. Es ist nicht nur bedeutsam,

was man sagt und wie man es sagt. Es ist ebenso wichtig, dass der Redner ein hervorragender Beobachter ist, dass er jemand ist, der die Signale seines Publikums deuten kann und flexibel darauf reagiert. Ausgezeichnete Redner haben im Raum eine exponierte Stellung, beherrschen aber das Zusammenspiel des Gebens und Nehmens. Vor allem binden sie die Zuhörer ein und holen sie gedanklich dort ab, wo sie stehen. Redekompetenz ist immer Anschlusskompetenz. Erfahrene Redner plaudern nicht einfach und selbstgefällig drauflos. Sie ziehen ihr Programm nicht ohne Rücksicht durch. Sie stellen sicher, dass die Zuhörer interagieren und an ihnen und ihren Inhalten hängen.

Auf die Emotionen kommt es an Sprechen und Präsentieren sind Fähigkeiten, die wir manchmal vernachlässigen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung brauchen Menschen aber Emotionen. Das gilt für Mitarbeiter, für Führungskräfte oder für Kunden. Wer also gut reden und mitreißend präsentieren kann, berührt sein Gegenüber - im Bewerbungsgespräch wie im Konferenzsaal. Das höchste Ziel, das man mit einer Rede erreichen kann, ist, dass es den Zuhörern nachher besser geht als vorher. Wie man das erreicht? Gute Redner steigern das Selbstwertgefühl der Zuhörer und geben ihnen Wissen und Motivation. Indem sie die Ziele des Publikums in den Mittelpunkt rücken, erreichen sie ihre eigenen Ziele.

Peter Baumgartner, Eva Shata-Aichner Rede – Vorträge, die berühren, begeistern und bewegen inkl. CD mit 80 Hörbespielen und Sprechübungen BusinessVillage Verlag 188 Seiten € 25,70

Über den Autor Peter Baumgartner ist Diplompädagoge und Wirtschaftsingenieur. Der Vortragsredner, Buchautor und Wirtschaftsliteraturpreisträger ist als Vortragscoach und Hochschuldozent im In- und Ausland tätig. Persönlichkeiten aus Medien und Wirtschaft vertrauen auf seine Sprech-, Medien- und Bühnenkompetenz. Sein Spektrum reicht von Leadership- und Motivationsvorträgen über Vortragscoaching bis hin zur klassischen Unternehmensberatung. Themen sind beispielsweise: Mut machen, Leadership, Verkaufskultur für Banken, faszinierend vortragen. Seine Vorträge sind weltweit gefragt. Internet: www.peterbaumgartner.at

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Wirtschaft fielen die Zugänge von Schulze-Delitzsch und Raiffeisen in der großen Linie und im Detail aus. Beide haben im Verlauf hinzulernen müssen: Sowohl der von Raiffeisen initiierte erste Versuch, mit einem Wohltätigkeitsverein die Hungersnot zu lindern, wie auch der Vorschussverein in Delitzsch erwiesen sich auf Dauer nicht als lebensfähig. Ihre Ausrichtung und damit die Statuten mussten demzufolge adaptiert werden.

Die ersten Gründungen Als initiierend und tragend für die Entstehung und erfolgreiche Entwicklung erwiesen sich die Beobachtungen, die Lernbereitschaft und die Erfahrungen der beiden genossenschaftlichen Pi-

Ein ungleiches Paar Der 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen am 30. März rückt die Idee der Genossenschaft heuer verstärkt in den Blickpunkt. Hermann Schulze-Delitzsch hatte dieses Jubiläum bereits vor zehn Jahren. Über das Verhältnis zweier Genossenschaftspioniere, die zur selben Zeit lebten, sich aber nie persönlich begegneten. Was eint ihre Ideen, was trennt sie? Text: Holger Blisse

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nders als ihr Werk sind die Biografien der beiden Gründerväter des Genossenschaftswesens wenig bekannt. Klar ist: So, wie es eine Verbindung von Schulze-Delitzsch zur österreichischen Schwesterorganisation gab, die auf den Informationsschildern am Eingang des ÖGV-Hauses mit einem Widmungstext zur Verbandsgründung dokumentiert ist, gab es auch schon früh Verbindungen aus Österreich heraus zu Raiffeisen, dem Bürgermeister im Westerwald. Raiffeisens Idee der genossenschaftlichen Selbsthilfe ist historisch, wie auch hierzulande an der Initiierung der ersten Raiffeisenkassen und Lagerhäuser sowie ihrer Ausbreitung sichtbar wird, enger mit der Hilfe durch staatliche Instanzen und staatsnahe Autoritäten verbunden, als es von Schulze-Delitzsch für sein System gedacht worden ist. 20

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Streit um das bessere System Doch dies ist nur ein Aspekt einer Reihe weiterer Unterschiede, die zusammengenommen in einem Systemstreit der beiden gipfelten, obwohl es – trotz Raiffeisens Versuchen – nie zu einem direkten Meinungsaustausch kam und auch Briefe unbeantwortet blieben. Zu unterschiedlich waren die Meinungen und Ansichten, aber möglicherweise auch die Stellungen der beiden: auf der einen Seite der Bürgermeister verschiedener kleinerer Gemeinden im Rheinland, auf der anderen Seite Schulze-Delitzsch als der Jurist und Parlamentarier in Sachsen und Preußen. So sehr die von beiden geteilte Idee der Selbsthilfe in der damaligen Zeit als eine Lösung für die Soziale Frage in der Luft zu liegen schien, so unterschiedlich

Neuerscheinung Werner Großkopf, Hans-H. Münkner, Günther Ringle Unsere Genossenschaft – Idee, Auftrag, Leistungen 3. Auflage, Deutscher Genossenschafts-Verlag, 268 Seiten, € 27,60 Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr ist auch die bereits dritte Auflage des als moderne Synthese entsprechender Werke von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch einordenbaren Werkes „Unsere Genossenschaft“ erschienen. Seine Urheber sind Werner Grosskopf, Hans-H. Münkner und Günther Ringle, alle drei haben als Professoren an einer deutschen Universität (Hohenheim, Marburg und Hamburg) gelehrt und sind international bekannte Genossenschaftsexperten mit den Schwerpunkten (Agrar-)Politik, Recht und Betriebswirtschaftslehre. Das Buch ist eine wertvolle Informationsquelle für Mitglieder, Funktionäre und Führungskräfte in Genossenschaften. Es ist klar und übersichtlich aufgebaut, sehr ansprechend gestaltet und verständlich geschrieben wie ein gutes Lehrbuch. Es sollte als eine fundierte Einführung gekannt und eingesetzt werden, gerade auch im Bereich des Studiums an (Fach-)Hochschulen und in der beruflichen, betrieblichen und schulischen Aus- und Weiterbildung.


Wirtschaft oniere. Ihr persönliches Engagement und ihre Betroffenheit von den Problemen der Menschen in ihrer Nähe, aber auch ihre schriftlichen Ausarbeitungen wie Musterstatuten und Gründungsanleitungen waren beispielgebend und führten zu einer rascheren Verbreitung von (Kredit-) Genossenschaften. Während die Vorschussvereine als Volksbanken Händler und Gewerbetreibende in den Städten ansprachen, entstanden die Raiffeisen-Genossenschaften als Problemlösungen für die Menschen am Lande. Als erste vollständige Raiffeisen-Kreditgenossenschaft gilt der 1862 in Anhausen errichtete Darlehnskassenverein. Die städtischen und ländlichen Kreditgenossenschaften, die im Verlauf regionale Zentralinstitute aufbauten, entwickelten sich in Deutschland sehr lange nebeneinander und traten erst ab 1972 als Einheit auf (FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken).

INITIATIVEN ZUM JUBILÄUMSJAHR » Der Österreichische Raiffeisenver band hat ein umfangreiches Infor mations- und Marketingkonzept erarbeitet, auch weitere Institu tionen der Raiffeisen Gruppe Österreich tragen zum Jubiläums jahr bei, das positiv auf die öffen tliche Wahrnehmung aller Genos senschaften ausstrahlen dürfte. » Als Informationsangebot gibt es im Internet die Homepage www. raiffeisen200.at – und unabhängig davon, aber auch als einen über das Jahr hinausweisenden Bei trag die Präsenz speziell für Ban ken unter der Adresse www. regionalstark.at. » In Deutschland werden Infor mationen auf der Internetpräsenz unter www.raiffeisen2018.de an geboten. » Aus der Wissenschaft heraus findet unter anderem die Nach w u c h s w i s s e n s c h a f t l e r -Ta g u n g der Arbeitsgemeinschaft Genos senschaftswissenschaftlicher In stitute (AGI) an der WU Wien am 6. und 7. April statt, or ganisiert vom RiCC in Koope ration mit dem FOG der Univer sität Wien. Um den Jubilar Fried rich Wilhelm Raiffeisen zu wür digen, sind Beiträge rund um die Idee und seine Person willkommen. » In der Schriftenreihe des FOG erscheinen drei Bücher von Wolfgang Werner mit Raiffeisen Bezug, von denen zwei bereits veröffentlicht sind.

Unterschiede, die bis heute nachwirken Die Vorstellungen der Initiatoren waren jedoch auch in der konkreten Ausgestaltung nicht deckungsgleich, was Unterschiede bis heute erklärt: So sprach sich Schulze-Delitzsch bei den Laufzeiten der Kredite – entsprechend dem Finanzierungsbedarf der Kunden – für kurzfristige Ausleihungen bis zu einem Jahr aus, die Raiffeisen-Darlehnskassen entsprachen den langfristigen Finanzierungswünschen der Bauern. Die Kreditbasis bildeten bei Raiffeisen wie Schulze-Delitzsch die Elemente Solidarhaft und bilanzielles Eigenkapital. Schulze-Delitzsch verband damit eine weitere Form der wirtschaftlichen Förderung der Mitglieder: Über den Geschäftsanteil wollte er die Sparneigung der Mitglieder anregen und sie finanziell absichern. Raiffeisen hielt Geschäftsanteile wegen des fehlenden Bargeldes, gleichzeitig aber vorhandener dinglicher Sicherheiten für entbehrlich, ja sogar für eine Zugangsbeschränkung besonders bedürftiger Mitglieder. Er betonte die Solidarhaft und den Aufbau von dauerhaft nur der Genossenschaft zur Verfügung stehenden Reserven. Schulze-Delitzsch setzte seine Vorstellungen in der Folge auch gesetzlich durch. Für Raiffeisen kam zudem teilweise die Beteiligung Dritter (Fremdhilfe), etwa des Staates oder wohlhabender Bürger, als Garanten in Frage, während bei den Volksbanken nur Mitglieder haften sollten.

Die genossenschaftlichen Prinzipien Dennoch waren sich beide in weiten Bereichen einig und stimmten in zahlreichen Grundsätzen überein. Diese Grundsätze werden als genossenschaftliche Prinzipien bezeichnet und sind in die Statuten (Satzungen) und das Gesetz eingegangen. Sie wurden maßgebend für die Organisation der Genossenschaft. Heute dominiert ein System nach Raiffeisen etwa in Finnland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz. In Österreich kommen die Raiffeisenbanken auf einen Marktanteil von über 30 Prozent. Hier arbeiten die heute noch rund 430 Raiffeisenbanken (zum Vergleich: im Jahr 2000 waren es noch rund 620) mit den Raiffeisen-Landesbanken und einer

nationalen Einheit – bis 2017 war das die Raiffeisen Zentralbank Österreich – in einem dreistufigen System, das aktuell an der Spitze neu geordnet werden soll. Angesichts immer größer werdender Einheiten, die über den ursprünglichen Einzugsbereich des Kirchsprengels dieser als Sonntagskassen entstandenen Raiffeisenbanken längst hinausreichen, hat sich das Selbstverständnis gewandelt. Gleichwohl sieht man in der Wissenschaft, dass es unter den Kreditgenossenschaften heute einer lokalen Genossenschaftsbank noch am ehesten gelingen sollte, den klassischen Förderauftrag glaubwürdig zu realisieren.

Erhalt von Quellen und Dokumenten Die Geschichte des Lebenswerkes beider Gründer wird in Deutschland von je einer eigenen Gesellschaft mit eigenem Museum gepflegt. Sehr verdient gemacht haben sich Wolfgang Werner und Walter Koch, die geschichtlichen Hintergründe und – soweit noch verfügbar – Quellen und Dokumente zu erhalten und zu verbreiten sowie die Geschichtsschreibung zu begleiten. Aber auch Johann Brazda und Günther Ettenauer haben unter anderem auf Schulze-Delitzschs Verbindungen nach Österreich hingewiesen. 

Literatur zum Thema Koch, Walter (2000): Und sie konnten nicht zueinander kommen – Das Verhältnis zwischen Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Schriftenreihe, H. 3. Delitzsch: Förderverein Hermann Schulze-Delitzsch und Gedenkstätte des deutschen Genossenschaftswesens. Werner, Wolfgang (1988): Raiffeisenbriefe erzählen Genossenschaftsgeschichte – Die Frühzeit der Raiffeisen-Organisation an Hand der Briefe von Raiffeisen an Marchet (1872-1884). Wien. Werner, Wolfgang (2005): Auf der Straße des Erfolges – Zur Geschichte der österreichischen Raiffeisenbewegung von kleinen Ortsgenossenschaften zu international tätigen Netzwerken. Kooperation und Wettbewerb, Bd. 4. München, Mering.

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Wirtschaft

Bankenkongresse im Zeichen der Innovation Mit dem Wiener Firmenkundenkongress und dem Bank-ManagementSymposium, die beide bereits zum 13. Mal stattfinden, werden auch heuer wieder zwei praxisorientierte Plattformen für den länder- und sektorübergreifenden Erfahrungsaustausch geboten.

D

ie Erträge aus dem Kundengeschäft haben sich in den vergangenen Jahren zugunsten der Firmenkunden verschoben. Folglich gewinnt dieses Geschäftsfeld immer mehr an strategischer Relevanz. Diese Attraktivität macht das Firmenkundengeschäft aber auch zum umkämpften Wachstumssegment für Banken insgesamt. Die Antwort auf diese Herausforderung kann nur sein, innovative Vorgehensweisen konsequent und systematisch zu entwickeln und umzusetzen. Es gilt, die vertrauensvolle, persönliche Firmenkundenbetreuung in die digitale Welt zu übertragen. Dabei will der Firmenkundenkongress am 16. und 17. April auf Schloss Wilhelminenberg in Wien unterstützen. Erfahrene Praktiker aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Sektoren zeigen bewährte und innovative Vertriebsstrategien auf, mit denen dieses profitable Geschäftsfeld erfolgreich positioniert und ausgebaut werden kann. Die Themenschwerpunkte reichen von der Hebung schlummernder Potenziale im Leasinggeschäft über professionelles Vorsorge- und Risikomanagement bis hin zu Omnichannel-Banking im Firmenkundengeschäft, Crowdinvesting und erfolgreicher Beratung mit dem iPad. Regina Ovesny-Straka, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, wird als profunde Kennerin des Firmenkundengeschäfts das Eröffnungsreferat hal22

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ten und dabei aktuelle Trends, Erfolgsfaktoren sowie neue Geschäftsmodelle darstellen. Um das nicht minder wichtige Thema der Zukunft des Privatkundengeschäfts geht es dann beim Bank-Management-Symposium, das im Anschluss an den Firmenkundenkongress am 17. und 18. April stattfindet und vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung des Bankgeschäfts aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. So ändern sich die „Customer Journeys“, also die Kontakt- und Entscheidungswege der Privatkunden. Diese suchen sich den für sie geeignetsten Zugangskanal zu ihrem Kreditinstitut selbst aus. Der Kunde hat nur einen Anspruch: Der ihm bekannte Kundenberater muss über alle Veränderungen informiert und persönlich über alle Kanäle erreichbar sein. Das kommt fast schon einer Omnipräsenz des Ansprechpartners gleich und erfordert neue Ansätze, neue Perspektiven und neue Denkhaltungen. Im Einleitungsvortrag wird daher dargelegt, welche Trends und Entwicklungen die Zukunft des Bankgeschäfts beeinflussen. Die Bandbreite der weiteren Vorträge reicht von neuen Filialkonzepten über Herausforderungen an einen erfolgreichen Online-Vertrieb, die digital-persönliche Beratung im Omnikanal-Modell bis hin zu Co-Creation als Erfolgsfaktor für Innovationen und Veränderungen. 

Wiener Bankenkongresse Seit 2003 – über 200 Vorträge – über 2.500 Teilnehmer Länder- und sektorenübergreifender Erfahrungsaustausch – praxisbezogen – ansprechendes Ambiente Information und Anmeldung: Wolfgang Ronzal Seminare und Kongresse www.ronzal.at Tel./Fax: +43 (0)1 985 31 45 E-Mail: wolfgang@ronzal.at


Wirtschaft

In der

Bankfiliale der

Zukunft

Die Filialstrategie ist ein Kernpunkt der Gesamtbankstrategie und muss verwoben sein mit der Digitalisierungsstrategie. Um hier eng an den Kundenbedürfnissen anzusetzen, hat der BVR in der Westerwald Bank in Bad Marienberg eine Testfiliale eingerichtet. Erste Einsichten in Erfahrungen und Ergebnisse. Text: Ralf Kölbach und Marc Weegen Fotos: Westerwald Bank eG

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echnologie für sich genommen stellt keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil dar – zumal sie leicht kopiert werden kann. Eine moderne, kundenorientierte Filiale dagegen ermöglicht persönlichen Kundenkontakt und damit sehr wohl die Chance eines echten Wettbewerbsvorteils. Verzichten Regionalbanken auf Filialen oder lassen deren Niedergang tatenlos zu, droht ihnen das Schicksal, Direktbanken zweiter Klasse zu werden. Herkömmliche Filialen reichen allerdings nicht mehr aus, um Kunden anzusprechen und deren Bedürfnisse zu erfüllen. Es braucht einen Ort, der die Offline- und Onlinekanäle miteinander verknüpft und am realen Bedarf der Kunden ausrichtet.

Prototyp für Filiale 2.0 Das strategische Ziel der Testfiliale der Genossenschaftlichen FinanzGruppe ist es, neue Ideen und Konzepte zu erproben und somit das genossenschaftliche Filialangebot zu optimieren. Auch und besonders in Orten, in denen Begegnung immer seltener stattfinden kann, in denen aber nach wie vor ein Hauptteil der Kundschaft der Bankengruppe wohnt: auf dem Land. Daher haben sich die Gremien des BVR bewusst entschieden, die Testfiliale nicht in Frankfurt am Main oder in Berlin anzusiedeln – wie es die Wettbewerber machen –, sondern in einer repräsentativen Lage mit allgemeinen Gegebenhei-

ten zu platzieren: der Filiale der Westerwald Bank in Bad Marienberg. Übergeordnetes Ziel ist es, ein schlankes, sukzessive modernisiertes und nach neuesten Erkenntnissen aus Psychologie, Konsumforschung und Arbeitsorganisation gestaltetes Filialnetz aufzubauen. Die Vision: eine Filiale 2.0, die den lokalen Vertrieb mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung verbindet. Die Testfiliale ist hierfür der erste Prototyp. Das Konzept fußt auf der Hypothese, dass Digitalisierung allein nur eine Art Pflicht ist, die bewältigt werden muss, um nicht zurückzufallen. Sie ist somit kein Differenzierungsmerkmal. Stattdessen werden Kundenbedürfnisse cooperativ 1/18

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Wirtschaft zukünftig im Fokus stehen müssen (beispielsweise durch die Anwendung agiler Methoden wie Design Thinking). Es muss gelingen, Filialen wieder zu einem gern besuchten Ort werden zu lassen. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen – als Kunde, aber auch als Kollegin oder Kollege.

Statische Konzepte passen nicht (mehr) Die Testfiliale ist auf der einen Seite ein Testlabor der Gruppe zum Thema „Filiale der Zukunft“, zugleich aber auch für die Westerwald Bank der Grundstein ihrer Filialkonzeption: Diese ist nicht mehr danach ausgerichtet, streng abgegrenzte Typen von Filialen zu definieren, inklusive ihrer Zahl in der Zukunft. Derartig statische Konzepte passen nicht zu einer von der digitalen Transformation geprägten Bankenwelt, deren Veränderung sich immer schneller gestaltet. Die – weiter zunehmende – Geschwindigkeit der Digitalisierung ist nur mit einer passenden kulturellen Flankierung zu bewältigen. Hierfür müssen die Banken spezifisch zu ihnen passende Elemente der agilen Organisation erlernen und damit ihre Unternehmensorganisation – insbesondere im Vertrieb und in vertriebsnahen Bereichen wie Marketing, Prozessma-

nagement und Organisationsentwicklung – deutlich im Kundeninteresse beschleunigen. Dies wiederum gilt auch für die Filialen: Auch sie werden zu einem Teilelement der agilen Organisation und mit deren Methoden – vor allem der Erschaffung und dem Testen von Prototypen, aber auch der Einbindung von Kunden und den betroffenen Mitarbeitern vor Ort – weiterentwickelt. In der Konsequenz werden Filialen der Zukunft zwar immer eine Schnittmenge zentraler Grundkonzepte teilen. Aber vor allem wird auch jede Filiale eine einzigartige Kombination aus Heimat, Hightech und moderner Arbeitsorganisation sein. Diese Kombination kann nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen und der Filiale die Zukunft sichern.

Wohlfühlatmosphäre geschaffen Seit der Eröffnung der Testfiliale läuft der normale Bankbetrieb unter derselben Filialleitung und mit derselben Mannschaft, aber die Filiale erscheint im neuen Glanz. Mit neuer Ausstattung und Raumgestaltung sowie neuester Technik und modernen Beratungssituationen wurde eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, die die Kunden dazu einlädt, ihre Filiale neu zu entdecken und neue Nutzungsmöglich-

keiten zu erleben. Der Servicebereich ist bewusst personenbesetzt, weil nur Menschen eine Atmosphäre der Begegnung schaffen können. Ein erstklassiger Service hat eine zentrale und eigenständige Bedeutung und ist etwas völlig anderes als ein zweitklassiger Vertrieb. Der Servicebereich ist geprägt vom jederzeit besetzten Infopoint als zentralem Kontaktpunkt der Filiale. Dieser Infopoint ist von außen sichtbar positioniert und exakt in die Geometrie der Filiale so eingefügt, dass die Kunden automatisch zu ihm geführt werden und vom Infopoint aus immer der gesamte Bereich überblickbar ist. Menschen sehen Menschen, jederzeit. Hinzu kommt der regionale Bezug, der sich überall in der Filiale in den verwendeten Materialien und der Motivik wiederfindet. Die Marke „Volksbanken Raiffeisenbanken“ wird durch die regionale Verwurzelung erlebbar gemacht.

Kundenwünsche im Mittelpunkt Ganz im Sinne der angestrebten Kundenzentrierung wurde die Filiale schon vorab mit Kunden getestet: Einem ausgewählten Kreis wurden die Filialkonzepte vor dem Umbau gezeigt, die Meinung wurde eingeholt. Basierend auf dem Feedback wurde dann das Feinkonzept für die neue Filiale entworfen. So fand etwa der Wunsch nach einem zweiten Serviceplatz Berücksichtigung, der zunächst nicht angedacht war, sodass zu Stoßzeiten keine langen Wartezeiten entstehen. Auch der Hinweis, dass die Trennung zwischen Serviceund Beratungswelt Diskretion bieten sollte, aber dennoch offen wirken muss, wurde umgesetzt. Wichtig war den Kunden aus Bad Marienberg auch, dass die Unterstützung lokaler Veranstaltungen unbedingt beibehalten werden sollte. Diesem Wunsch ist die Bank nachgekommen. So wurde kürzlich in den neuen Räumlichkeiten ein Playstation-Fifa-Turnier für Kunden und Nichtkunden ausgerichtet.

Feedback durchwegs positiv Aber was sagen die Kunden nun zur Umsetzung? Die Ergebnisse sprechen für sich: Kunden wie Mitarbei24

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Wirtschaft ter der Bank sind begeistert von den neuen Möglichkeiten, die die Filiale bietet. „Das sieht ja gar nicht aus wie eine Bank – das ist einfach nur schön“, so ein Bankkunde bei der Eröffnungsfeier. Auch die Befragung der Kunden, die bereits zum Planungsstand um Feedback gebeten wurden und nach dem Umbau erneut befragt wurden, fällt positiv aus. So schaffe die in Bad Marienberg umgesetzte Form der Beratungszimmer mit rundem Tisch und großem Bildschirm zur Veranschaulichung von Gesprächsinhalten ein Gefühl von Transparenz und mache die Beratung verständlicher. Zudem wird in der Filiale die starke Identifizierung der Kunden mit der Marke „Volksbanken Raiffeisenbanken“ und ihre regionale Verwurzelung deutlich. Um diese hohe Identifikation der Kunden mit der Filiale sowie der Region zu schaffen, wurde auf regionale Motive aus dem Geschäftsgebiet der Westerwald Bank für den Einsatz in Leuchtkästen und auf Bildschirmen zurückgegriffen. Auch regionale Materialien (etwa Basaltsteine oder Holz aus dem Geschäftsgebiet) schaffen einen starken Bezug und vermitteln „Heimat“ und „zu Hause“, was insgesamt auch das Wohlbefinden erhöht. Hintergrundmusik in der Wartezone und im Bereich vor den Geldautomaten und um die Kontoauszugsdrucker könnte nach Aussagen von Kunden helfen, eine diskrete Atmosphäre zu schaffen. Hierauf wurde reagiert und mittlerweile sanfter Sound in einigen Bereichen der Filiale eingesetzt. Die Fassade wird von den Kunden einerseits als das modernste und schönste Gebäude der Bismarckstraße in Bad Marienberg wahrgenommen, andererseits fehlt hier der regionale Bezug, der sich innerhalb der Filiale anhand der verwendeten Materialien und Motivik wiederfindet. Hier wird nun überlegt, wie auch vor der Filiale für alle sichtbar das Thema Regionalität ausgedrückt werden kann. In der Filiale ist ein Servicetelefon „Der direkte Draht“ angebracht. Hier können Kunden sich direkt zum Vorstand durchstellen lassen. Dieses wird von den Kunden sehr positiv bewertet – ein „direkter Draht“ zum Vorstand wird als hohe Transparenz und Kundennähe

wahrgenommen. In den ersten Monaten gab es auch einige Anrufe zu Bankgeschäften (etwa Überweisungen tätigen) – hier wird die Beschreibung und Funktion des direkten Drahts aktuell überarbeitet, denn es sollen hier keine Bankgeschäfte abgewickelt werden. Technische Kommunikationsmittel wie beispielsweise der Polytouch werden von den Kunden wahrgenommen. Konkrete Anfragen wie das Absenden einer E-Mail mit dem Polytouch gibt es aber noch selten. Die Drehung in Laufrichtung könnte aus Kundensicht die Zugriffe erhöhen. Die Kunden haben gesagt, dass sie vor allem in die Filiale kommen, um das persönliche Gespräch mit dem Berater suchen. Sehr positiv wird das Familienzimmer bewertet. Die Spielfläche aus Holz wird gerade von Kunden mit Kindern gelobt. Die Berater haben – falls den Kindern trotz der Spielfläche langweilig wird – noch weitere Spiele ( auch Spiele-Apps auf einem iPad) zur Hand.

Tests gehen weiter Ergänzend zu den bisher gewonnenen Erkenntnissen sind auch weitere Marktforschungsprojekte bereits in Planung. So werden unter anderem neue Marketingkonzepte des BVR getestet sowie neue Layoutgestaltungen von Werbematerialien wie zum Beispiel der Kontoauszugspapiere oder der SB-Layouts. Auch die Nähe zur ADG war ein wichtiges Kriterium in der geografischen Wahl der Filiale. Seminarteilnehmer können somit innerhalb von 40 Minuten die Filiale besuchen. Um die Anzahl an Besichtigungen in der Filiale vor Ort zu entlasten, wird aktuell ein 360-GradFilm mit einem Rundgang durch die Filiale produziert, der online verfügbar sein wird. Durch diesen detailgetreuen Eindruck der Filiale ohne physische Anwesenheit soll die Testfiliale für Primärbanken und andere Unternehmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe einfacher erlebbar gemacht werden. 

Über die Autoren Ralf Kölbach ist Vorstand der Westerwald Bank eG (E-Mail: ralf.koelbach@ westerwaldbank.de). Marc Weegen ist Leiter der Abteilung Markenkommunikation im Bereich Marketing beim BVR in Berlin (E-Mail: m.weegen@bvr.de).

Über diesen Beitrag Der Text ist die gekürzte Fassung eines Beitrags, der ursprünglich in der „BankInformation 11/2017“ erschienen ist.

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Wirtschaft

Bargeld als

Auslaufmodell?

Geht der Trend in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft? Welche Vorteile hätte eine solche Entwicklung, welche Nachteile? Darüber wurde bei einer Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Nationalbank durchaus kontrovers diskutiert. Text und Foto:

D

Günther Griessmair

er Trend ist nicht zu übersehen: Schon heute beträgt der Anteil des Bargeldes an der Geldmenge weniger als 15 Prozent - es überwiegen die Sichteinlagen. Hohe Beträge werden immer häufiger bargeldlos bezahlt, zuletzt vermehrt sogar kontaktlos via NFC-Technologie. Die mit Scheinen gefüllte Lohntüte kennt die jüngere Generation nur mehr vom Hörensagen. Darauf wies Guido Schäfer, Professor für analytische Volkswirtschaftslehre an der WU Wien, in seinem Eingangsstatement hin. Trotz der enormen Dynamik spiele Bargeld in Österreich aber weiterhin eine wichtige Rolle: Im Einzelhandel würden fast 85 Prozent der Transaktionen noch immer in bar erfolgen - ein im internationalen Vergleich sehr hoher Wert. Und nicht zu vergessen: Ein Drittel der Erwachsenen zahle nie mit Bankomatkarte, ein Viertel hebe Geld ausschließlich am Bankschalter ab. Dies gelte vor allem für einkommensschwache und niedrig gebildete Bevölkerungsgruppen, wo häufig die digitale Bezahlkompetenz fehle. Da Bargeld obendrein unabhängig von digitaler Infrastruktur oder dem Zugang zu einem Bankkonto funktioniere, seien elektronische Transaktionen derzeit kein vollwertiger Ersatz für Scheine und Münzen. Auch die These, dass es in einer bargeldlosen Gesellschaft weniger Kriminalität und Schattenwirtschaft gäbe, sei höchst umstritten und empirisch kaum zu belegen. 26

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Bargeld-Vorliebe mit hohen Kosten Die Liebe der Österreicher zum Bargeld kommt allerdings teuer: Bargeld muss gedruckt, transportiert, sicher aufbewahrt, gezählt werden. Dabei fallen hohe Kosten an, insbesondere bei den Banken, aber in der Folge über Gebühren auch bei den Kunden. Das Einsparungspotential durch digitale Transaktionen beziffert Schäfer für Österreich mit 150 bis 300 Millionen Euro pro Jahr. Fakt sei auch: Bereits bei Beträgen ab zehn Euro sei die elektronische Transaktion nach heutigem Stand klar günstiger, wobei dieser Schwellenwert stetig sinke. In Schweden liege die Grenze bereits bei zwei Euro. Die Prognose des Volkswirts: Die Rolle des Bargeldes werde weiter abnehmen, nicht zuletzt auch, weil Bares bei neuen Geschäftsmodellen wie dem Online-Handel gar keine Option mehr sei. Die Wertaufbewahrungsfunktion von Bargeld - und damit der klassische Notgroschen - werde aber weiterhin relevant bleiben. Auch die symbolische Wirkung der physischen Existenz einer Währung sei nicht zu unterschätzen. Und schließlich gebe es in der Bevölkerung die Angst vor dem gläsernen Menschen in einer rein digitalen Welt.

Warum Cash weiterhin „King“ ist Ganz klar eine Lanze für das Bargeld brach bei der Diskussion Natio-

V. l. n. r.: Mastercard-Manager Gerald Gruber, OeNB-Direktor Kurt Pribil, Moderator Andreas Schnauder („Der Standard“) und WU-Professor Guido Schäfer

nalbank-Direktor Kurt Pribil: „Cash ist King. Bargeld war, ist und wird beliebtes Zahlungsmittel in Österreich bleiben“, erklärte er unmissverständlich. In diesem Zusammenhang sehe er sowohl die Abschaffung des 500erScheins - die OeNB stimmte hier dagegen -, als auch die europäische Diskussion über Limits für Bargeldtransaktionen mit großer Skepsis. Er untermauerte sein Plädoyer mit fünf Thesen: Demnach sei Bargeld in Österreich ungebrochen beliebt und auch in Europa noch immer gewünscht – so sei die Nachfrage nach Bargeld seit der Einführung des Euro sogar gestiegen. Bargeld sei außerdem bei Transaktionen besonders sicher,


Wirtschaft

was sich auch in der rückläufigen Zahl an Fälschungen zeige, wohingegen die Cyberkriminalität im Steigen begriffen sei. Zudem sei es resistent gegen Krisen wie große Stromausfälle und Naturkatastrophen. Und nicht zuletzt sei Bargeld gelebter Konsumentenschutz – der Blick ins Börsel fördere die Ausgabendisziplin. Im Falle einer Abschaffung des Bargeldes fürchtet Pribil auch steigende Gebühren für unbare Transaktionen.

Digitaler Fortschritt spricht gegen Bargeld Ganz anders sieht das naturgemäß Gerald Gruber, General Manager

von Mastercard in Österreich: „Bei einem Stromausfall funktionieren auch die Bankomaten nicht mehr. Und anders als bei Karten gibt es bei Verlust oder Diebstahl eines Geldscheins keine Absicherung“, versuchte er, die Argumente seines Vorredners zu entkräften. Zudem müsse man sich mit den Zahlungsformen der Zukunft, nicht mit jenen der Vergangenheit beschäftigen: „Die digitale Transformation und Bargeld passen einfach nicht zusammen.“ Der Mastercard-Manager bot auch gleich einen Ausblick auf aktuelle und kommende Trends bei bargeldlosen Transaktionen. „Kontaktloses Bezahlen via NFC-Karte hat sich nach an-

fänglicher Skepsis ja schon durchgesetzt, wodurch auch Kleinbeträge immer öfter elektronisch bezahlt werden. Als nächstes wird die Karte mehr und mehr durch das Smartphone ersetzt. Die biometrische Authentifizierung von Zahlungen - etwa mittels Fingerabdruck oder Gesichtsscan - wird dabei für die nötige Sicherheit sorgen. Und das Internet of Things wird in Zukunft Transaktionen durch Kommunikation von Geräten untereinander ganz ohne menschliches Zutun ermöglichen.“ Als Anwendungsbeispiel nannte er in diesem Zusammenhang Auto und Zapfsäule, welche die Bezahlung der Tankfüllung problemlos völlig selbstständig abwickeln könnten. 

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International

Zu Besuch bei den Volksbanken in Marokko 23 Teilnehmer am CIBP-LINK-Programm sind unlängst zu Gast in Casablanca gewesen, wo die Banque Centrale Populaire, die Zentralorganisation der marokkanischen Volksbanken, ihren Sitz hat. Ein Bericht über einen Bankenverbund, der auf dem besten Weg zur ersten panafrikanischen Gruppe mit lokalen Wurzeln und solidarischem Geschäftsmodell ist. Text und Fotos:

Andrea Karner

Blick von der Terrasse der BCP auf den Finanzbezirk

M

it 33 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme zählt die BCP, das Zentralinstitut der marokkanischen Volksbanken, schon heute zu den Top Ten der Finanzinstitute in Afrika. Das Rating von „BB+” bei Standard & Poor’s macht sie in Marokko und im Maghreb zur Nummer eins. Vor allem die Übernahme der Banque Atlantique, die mit sieben Banken in den Ländern der Subsahara vertreten war, im Jahr 2012 beschleunigte das Wachstum der BCP. Seither ist die Bilanzsumme um sechs Prozent gestiegen. Die Eigenkapitalquote beträgt 12,9 Prozent. Mittlerweile ist die BCP neben Marokko in zahlreichen weiteren afrikanischen Ländern vertreten: Elfenbeinküste, Senegal, Mali, Burkina Faso, Benin, Guinea-Bissau, Togo, Niger, Guinea und Zentralafrikanische Republik. Geplant ist zudem 28

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mit, das marokkanische Banken- und Finanzsystem neu zu organisieren. Ein Dekret vom 28. Februar 1961 fasste den Crédit Populaire du Maroc (CPM) neu und widmete ihn der Entwicklung des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe. Diese Gesetzesreform stärkte auch das Organisationsmodell der marokkanischen Volksbanken. Um die Kreditvergabe regional besser steuern zu können, wurden die Banque Centrale Populaire und der CPM-Lenkungsausschuss als Aufsichtsrat geschaffen. die Eröffnung von Filialen in Gabun, Madagaskar und Ruanda.

1926 als Geburtsjahr der marokkanischen Volksbanken Die Gründung der marokkanischen Volksbanken (Banques Populaires) geht auf ein Dekret vom 25. Mai 1926 zurück, das Organisation und Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken basierend auf den Grundsätzen der Gegenseitigkeit und der Zusammenarbeit regelte. Bis zum Ende der 1920er Jahre entstanden in den wichtigsten Städten des Königreichs Volksbanken mit regionaler Verantwortung nach genossenschaftlichem Vorbild. Nach der Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich und Spanien begann die Regierung unter Hassan II. da-

Börsengang und Fusionen nach der Jahrtausendwende Zu Beginn des neuen Millenniums wurden die Betriebsgrößen der regionalen Volksbanken angepasst, eine Konzentrationsprozess begann. Gleichzeitig wurden die Rechte des Aufsichtsrats in der BCP ausgeweitet. Im Jahr 2004 ging die Bank an die Börse und fusionierte mit der Volksbank Casablanca, um in der Finanzmetropole Marokkos ihre Position auszubauen. Als die BCP im Jahr 2012 die Präsidentschaft in der Internationalen Volksbankenvereinigung übernahm, deren Gründungsmitglied sie ist, beteiligten sich die französischen Volksbanken mit fünf Prozent an der Bank. Der Staat hingegen zog sich 2014 mit seiner Sechs-Prozent-Beteili-


International

Die Zentrale der Banque Centrale Populaire in Casablanca

gung zugunsten der regionalen Volksbanken aus der BCP zurück, die in der Folge die Mehrheit an ihrem Zentralinstitut übernahmen. Das marokkanische Modell sei eine gelungene Mischung aus dem französischen und dem deutschen Verbundmodell, heißt es bei der Bank. Es kombiniere eine zugkräftige, zentrale strategische Ausrichtung der Gruppe in der BCP, welche den Wachstumspfad in Westafrika vorantreibe, mit den Vorteilen der Kundennähe und Kundenbindung in einem Netzwerk von Regionalbanken, die von der BCP als Produktentwickler optimal bedient würden. Heute erfüllt die Gruppe der marokkanischen Volksbanken die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen von Basel, sie verfügt über einen Gemeinschaftsfonds, in den 25 Prozent der Erträge der Banken fließen, und ein System der Kreuzgarantie.

Genossenschaftliches Geschäftsmodell als Erfolgsfaktor Auf ihre genossenschaftlichen Wurzeln legt die Gruppe der marokkanischen Volksbanken großen Wert. Sie hat ein erfolgreiches Franchise-Modell entwickelt, das die Expansion in die Länder der Subsahara ermöglicht und mit dem sie auch eine Million Marokkaner im Ausland versorgt, die in 20 Ländern

Die Teilnehmer am CIBP-LINK-Programm informierten sich aus erster Hand

rund um den Globus verstreut leben. Seit 1976 betreibt die BCP Filialen in Frankreich und Belgien. Ende der 1980er Jahre eröffnete sie Geschäftsstellen in Zentralafrika und Guinea sowie Repräsentanzen in Kanada und Deutschland. Seit 2006 bietet die Bank ihren Kunden im Ausland Islamic Banking an, seit dem Vorjahr auch in Marokko. Auch bei der Übernahme der Banque Atlantique in den Subsahara-Ländern wurde auf den Erhalt lokaler Wurzeln geachtet und die Ausrichtung auf genossenschaftliche Zielgruppen vorangetrieben: Präsident, Geschäftsleitung und die überwiegende Mehrheit des Managements sowie die Filialleiter sind Einheimische, die von der BCP geschult und laufend weitergebildet werden. Aus der Geschäftsbank wurde durch die Expertise der BCP im Privatkunden- und

KMU-Geschäft eine Universalbank mit Positionierung als Retailbank. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell und technische Innovationen sind Motor des Erfolges und Perspektive für die Zukunft: Die BCP investiert nicht nur in Marokko, sondern auch in den andern Ländern Afrikas massiv in den Ausbau des digitalen und mobilen Bankings und arbeitet an einer digitalen Plattform. Mit Erfolg: So wurde die Bank von der Mastercard Foundation für ein Projekt ausgezeichnet, das die Landbevölkerung in das mobile Banking einbezieht. Auch die Zeitschrift „African Banker“ zeichnete die BCP seit 2013 mit verschiedenen Preisen aus - Best African Retail Banking (2013), Best Bank of North Africa (2014), African Bank of the Year (2015) und Best Bank of West Africa (2016). 

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International

Genossenschaften in Europa:

Next Generation am Start Was sind die Trends, Herausforderungen und Chancen der kollaborativen Wirtschaft und einer Null-Grenzkosten-Gesellschaft, wie sie Jeremy Rifkin beschreibt? Welche Rolle spielen Genossenschaften in dieser neuen Welt? Diese und ähnliche Fragen versucht die internationale Genossenschaftsbewegung derzeit in mehreren Initiativen zu beantworten. Text: Andrea Karner Fotos: iStockphoto, Andrea Karner

„Wenn sich das kapitalistische System durch Privateigentum definiert, dann ist das eigene Auto sein Symbol“, schreibt der Bestsellerautor und Politikberater Jeremy Rifkin in seinem Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“. Rifkin ortet einen Wertewandel in der westlich geprägten Zivilgesellschaft, den er am Gefühl der Freiheit festmacht, die er als junger Mann empfand, als er am Steuer seines Autos auf dem Highway fuhr. „Nirgendwo ist das Gefühl der persönlichen Autonomie deutlicher zu spüren als hinter dem Steuer eines geschlossenen Wagens, der in der Lage ist, unsere physischen Fähigkeiten mit einem Schuss roher Pferdestärken zu multiplizieren.“ Ein eigenes Auto 30

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zu besitzen, habe ihm den Wunsch erfüllt, eine Insel zu sein, selbstständig und unbelastet. Natürlich stellt sich dieses Gefühl der Freiheit und der Macht über Pferdestärken bei jungen Menschen auch in einem Fahrzeug ein, das sie über eine Carsharing-App kurzfristig gemietet haben. Rifkin meint allerdings, Freiheit würden junge Menschen nicht im Recht empfinden, andere auszuschließen, sondern vielmehr im Recht, sich nicht ausschließen lassen zu müssen. Das Auto verwendet Rifkin als Metapher für den von ihm beschworenen großen Paradigmenwechsel vom Marktkapitalismus zur kollaborativen Wirtschaft, die auch als Sharing Economy

bezeichnet wird. Ihr liege das neue Verständnis der „Generation Y“ zugrunde, die mehr am Zugang zu anderen in Netzwerken als an Eigentum auf dem Markt interessiert sei. Dazu komme das neue Lebensgefühl der Internet-Generation, die sich weniger über hierarchische Beziehungen als über die Optimierung von vielfältigen Erfahrungen in hierarchielosen Gemeinschaften definiere, wie Rifkin meint.

Sharing Economy als digitale Allmende In der Sharing Economy ersetzt eine vernetzte Informationsinfrastruktur, die allen gemeinsam gehört, das Bild


International

der Allmende, der Gemeindeweide, die allgemein als Beispiel für das Versagen von Gemeinschaftseigentum gilt. Im Beispiel von Gerret Hardin aus 1968, “The Tragedy of the Commons”, führte die Profitgier der Bauern zu einer Übernutzung der Weide und schließlich zum Ruin aller Dorfbewohner. Auch die digitale Welt der Sharing Economy ist vor Überbeanspruchung von Ressourcen nicht gefeit, wie Uber oder Airbnb zeigen. Die Probleme von heute entstehen allerdings durch Individualisierung und Ausbeutung privater Ressourcen bei Unterschreiten der Marktpreise: der Taxifahrer, der die Abnutzung seines Autos, Steuern und Versicherung nicht in den Preis einkalkuliert, der Haus- oder Wohnungseigentümer, der Gästen seinen Besitz vorübergehend überlässt, ohne gewerbliche Bestimmungen einzuhalten, Investitionsrücklagen zu bilden und Steuern zu zahlen. Der rein kapitalistische Ansatz ohne regulierende Eingriffe bringt auch in den neuen Wirtschaftsbeziehungen keinen gleichmäßig verteilten Gewinn und auch nicht „Wealth of Nations“. Die Rechtswissenschaftlerin Carol Rose von der Nothwestern University, die Rifkin in seinem Buch zitiert, kontert in ihrem Essay “The Comedy of the Commons” auf die Problematik der Allmende. Sie verweist auf die Unverzichtbarkeit von Gemeinschaftseigentum. Land, Luft und Wasser ließen sich zwar auch privatisieren, wer sie aber nicht besitze, dem fehle die Lebensgrundlage. Rose plädiert daher für eine geeignete gemeinschaftliche Verwaltung von Gemeingütern zur Wahrung der Interessen der Nutznießer.

nen Milliarden von Menschen miteinander den bedeutungsvollen sozialen Aspekten des Lebens nachgehen. Sie setzen sich zusammen aus buchstäblich Millionen von - größtenteils demokratisch - selbstverwalteten Organisationen: karitative Einrichtungen, Religionsgemeinschaften, Stiftungen im Bildungsbereich, Amateursportvereine, Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften, Kreditgenossenschaften, Organisationen im Gesundheitswesen, Interessenverbände, Hauseigentümergemeinschaften”, schreibt Rifkin in seinem Buch. „In der kollaborativen Wirtschaft wird das Internet der Dinge (IoT) eines Tages alles und jeden verbinden, und das in einem integrierten, weltumspannenden Netz. Natürliche Ressourcen, Produktionsstraßen, Stromübertragungsund logistische Netze, Recyclingströme, Wohnräume, Büros, Geschäfte, Fahrzeuge, ja selbst Menschen werden mit Sensoren versehen, und die so gewonnenen Informationen werden als Big Data in ein globales, neutrales IoT-Netz eingespeist”, ist Rifkin überzeugt und argumentiert: „Der IoT-Research-Cluster, ein von der EU-Kommission ins Leben gerufener Forschungsverbund zur Förderung des Übergangs in die neue Ära des ubiquitären Computings, hat eine Vielzahl von Beispielen für die Art und Weise vorgelegt, in der man das Internet der Dinge bereits jetzt zur globalen dezentralen Vernetzung des Planeten einsetzt. Die Implementierung des IoT über alle Sektoren hinweg hat längst begonnen.”

Commons können Regulativ sein

Es gibt noch kaum Erfahrungswerte zu den Auswirkungen dieses neuen virtuellen Marktes, der digitalen Allmende. Wird sie den Großteil der Menschheit einbeziehen und zu nachhaltigem Wohlstand verhelfen, wie es Rifkin in seinem Buch beschreibt? Oder werden einige

In der Geschichte der Marktwirtschaft hat die Zivilgesellschaft Einrichtungen geschaffen, die Ungleichgewichte am Markt ausgleichen. „Die heutigen Commons sind Orte, an de-

Die Stunde der Genossenschaften

wenige Netzwerkbetreiber wie Google und Amazon die Gewinne für sich einstreifen und die Allmenden veröden? Wie die Wirtschaftsgeschichte zeigt, haben sich Genossenschaften immer in Zeiten des Umbruchs bewährt: Sie waren eine Antwort auf die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und haben die damit verbundenen sozialen Probleme abgefangen. Sie gestalten heute die Energiewende mit und dürfen künftig auch in einer demokratisch verfassten modernen Wirtschaftsordnung nicht fehlen.

Erste europäische und internationale Initiativen In Europa arbeiten Genossenschaftsorganisationen aus Tradition eng mit den demokratischen Einrichtungen zusammen, um die Zukunft der mittelständischen Wirtschaft aktiv mitzugestalten. Im Vorjahr hat das EU-Parlament eine Resolution der Kommission angenommen, die der steigenden Bedeutung der kollaborativen Wirtschaft Rechnung trägt. Das Papier unterstreicht die Absicht des Parlaments, diese neue Art des Wirtschaftens auf verantwortungsvolle Weise weiterzuentwickeln und sie sozial und für die Umwelt nachhaltig auszurichten. Es geht im Rahmen der kollaborativen Wirtschaft darum, zentrale Werte der Menschheit wie Demokratie, Chancengleichheit und Rechtssicherheit zu erhalten - nicht nur in Europa. Kollaborative Wirtschaft ist heute keine Utopie mehr. Genossenschaftliche Dachorganisationen weltweit beschäftigen sich damit. So hat die Internationale Volksbankenvereinigung (CIBP) bereits 2016 beim Internationalen Genossenschaftsgipfel in Quebec eine global angelegte Studie dazu präsentiert - GRACE16, „cooperativ“ berichtete in den Ausgaben 4/16 und 1/17 -, die auch bei den European Association Awards ausgezeichnet wurde. cooperativ 1/18

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International

Von 282 Studienteilnehmern aus 126 Genossenschaftsinstitutionen in 52 Ländern sind demnach 87 Prozent überzeugt, dass in der kollaborativen Wirtschaft die größten Chancen für Genossenschaften folgende sind: » Entwicklung, Realisierung und Lieferung von Mehrwert für Kunden und Mitglieder » Schaffung und Entwicklung neuer Märkte und Steuerung des Ertragswachstums » Optimierung der Balance von An gebot und Nachfrage, operationaler Effizienz und des Ansprechverhal tens des Marktes Im Sommer 2017 hat Cooperatives Europe, die europäische Teilorganisation des Internationalen Genossenschaftsbundes (ICA), eine Studie gestartet, die im November vorgestellt wurde. In einem Positionspapier wurde dabei eine gemeinsame Definition für die kollaborative Wirtschaft vorgestellt, die mit Vertretern von genossenschaftlichen Verbänden auf europäischer und nationaler Ebene, mit genossenschaftlichen Unternehmen aus verschiedenen Sektoren und EU-Mitgliedsländern erarbeitet wurde. Der Text lautet: „Der Begriff kollaborative Wirtschaft bezieht sich auf eine breite und vielgestaltige Gruppe von Tätigkeiten und Innovationsmodellen, die digitale Technologie dazu benutzen, um die Zusammenarbeit und den Austausch in einer Gruppe von Fachkollegen zu erleichtern und die Verwendung brachliegender Ressourcen zu maximieren. Kollaborative Wirtschaftsmodelle ermöglichen die Zusammenfassung von Peer-to-Peer-Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern einer Gemeinschaft und richten sie systematisch auf einen Wertschöpfungsprozess aus, der von der Gemeinschaft zum Wohle der Gemeinschaft gelenkt wird.“

Aufruf zu europäischer Initiative Cooperatives Europe hat auch drei Forderungen an die Politik formuliert, damit eine kollaborative Wirtschaft unter Mitwirkung der Genossenschaften für die Zivilgesellschaft wertstiftend entwickelt werden kann: 32

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Cooperatives Europe präsentierte die Studie zur kollaborativen Wirtschaft im November im EU-Parlament

» Förderung der Entwicklung einer verantwortungsvollen, integrativen und gemeinschaftlich gesteuerten kollaborativen Wirtschaft » Förderung sozioökonomischer Ex perimente, die aus der kollaborati ven Wirtschaft stammen, um den Übergang zu einer digitalen Gesell schaft vorwegzunehmen » Politische Maßnahmen zur Etab lierung eines modernisierten Ge meinschaftsmarktes in Abstim mung mit einem vernünftigen So zialsystem, um die kollaborative Wirtschaft anzutreiben, die EU zu erneuern und zu einem ehrgeizigen Projekt zu machen Diese Forderungen sowie die Studie „Eine genossenschaftliche Vision für die kollaborative Wirtschaft“ hat Cooperatives Europe im November auf Einladung des EU-Parlamentariers Nicola Danti mit genossenschaftlichen Führungskräften in den Räumlichkeiten des EU-Parlaments in Brüssel präsentiert. Unter den prominenten Teilnehmern waren Jean-Louis Bancel, Präsident von Cooperatives Europe, Jean-Philippe Poulnot, Manager der Gruppe Up Paris,

Start-ups wie Scity.coop aus Nizza, vertreten durch CEO und Mitbegründer Arnaud Delcasse, Forscher wie Ivana Pais, Professorin für Wirtschaft und Soziales an der Universität Cattolica, Politiker wie Jens Nilsson, Mitglied des EU-Parlaments und Co-Präsident der Social Economy Intergroup, oder Vertreter der EU-Kommission wie der Österreicher Hubert Gambs, Direktor für die Modernisierung des Binnenmarktes. Auch ich durfte in meiner Funktion als CIBP-Generalsekretärin daran teilnehmen. Cooperatives Europe richtet einen Aufruf an alle Vertreter von Genossenschaften, die davon überzeugt sind, dass wachsende Synergien zwischen der kollaborativen Wirtschaft und Genossenschaften vielversprechende Wurzeln schlagen, um nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sozial geleitete Innovation anzutreiben. Sie sind eingeladen, auch im „cooperativ“ ihre Projekte dazu zu präsentieren. Anhand von konkreten Beispielen soll das Potenzial von Genossenschaften aufgezeigt werden, Wirtschaftsbeziehungen harmonisch mit sozialem Engagement Hand in Hand gehen zu lassen. 

Zahlen zur Genossenschaftsbewegung in Europa n

n n n n

180.000 Genossenschaftsbetriebe 4,5 Millionen Mitarbeiter Über 1.000 Milliarden Euro Umsatz 127 Millionen Mitglieder Wachstum: 12 Prozent mehr genossenschaftliche Unternehmen und 14 Prozent mehr Mitglieder seit 2009


International

Die „Geno-Wequbator“-Teams bei der Arbeit an ihren Projekten

Genossenschafts-Werkstatt 2.0 Mit dem Ziel, völlig neue, innovative Typen von Genossenschaften hervorzubringen, ist im Sommer 2017 der „Geno-Wequbator“ an den Start gegangen. Nun fand in den Räumlichkeiten der Akademie Deutscher Genossenschaften auf Schloss Montabaur der zweite Teil des Innovationsformats statt. Text: Günther Griessmair Foto: WeQ

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ie schon bei der Auftaktveranstaltung vergangenen Sommer in Berlin kamen auch diesmal wieder Ideengeber, Vertreter von Start-ups und neuen Genossenschaften sowie Genossenschaftsbanker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für zwei Tage zum Workshop zusammen. Unter der Schirmherrschaft von Markus Stegfellner vom WeQ Institute und ADG-Vorstand Arno Marx wurden dabei die im Juli 2017 in Berlin entworfenen Innovationsansätze weiterentwickelt und verfeinert. Sechs Projekte haben es in die zweite Runde geschafft und werden nun in Teams weiterverfolgt. Mit der „Wirkungs eG“ sollen offene Wirkungsräume innerhalb von Unternehmen gefördert werden, in denen Mitarbeiter nach einer Coaching-Ausbildung durch innovative Angebote die Personalentwicklung im Haus verbessern. Das Projekt soll in den nächsten Monaten in einer der großen Volksbanken Deutschlands auf verschiedenen internen Arbeitsebenen (Vorstand, Bereichsleiter, Mitarbeiter) ausgerollt werden. Ein anderes Team befasst sich mit der Frage, wie die Sharing Economy genossenschaftlich ausgestaltet werden

kann. Feldrecherche, die Erstellung einer Stakeholder-Map und Zielgruppenschärfung sind die nächsten Schritte. Auch technologische Fragen gilt es zu klären. Im Rahmen der „GenoCultureBox“ soll die genossenschaftliche Orientierung als Grundlage für die Aktivierung neuer Geschäftspotentiale dienen. Anhand von 26 herausgearbeiteten Einflussfaktoren, die in Zukunft das Gelingen von Organisationen bestimmen werden, wurde grafisch dargelegt, wie sehr genossenschaftliche Werteorientierung und zukünftiger Erfolg in Zusammenhang stehen. Beim Projekt „GenoKommunal“ geht es um die Konzipierung einer Gründungsunterstützung in Form eines Baukastens, mit dem lokale Gruppen bzw. Gemeinden eine Antwort auf wiederkehrende kommunale Probleme in Form einer Neugründung geben können. Um Genossenschaftsideen neu erleben zu können, möchte „GENELE“ Raum zum gemeinsam Dialog und Austausch anbieten. An diesem physischen Ort soll das Bewusstsein für genossenschaftliche Innovationen geschärft werden, es geht auch um Impulse für eine aktive

Gestaltung der Zukunft. Das Angebot zum Dialog soll dazu ermutigen, die genossenschaftlichen Werte neu zu erkunden und auf den heutigen Kontext zu beziehen. Derzeit wird an der Konzeption eines solchen Wirkungsraums gefeilt. Auch Testläufe sind geplant. Das Team zum Thema „Sharing Education“ möchte durch gezielte Interventionen und innovative Angebote in der Bildungslandschaft die derzeitige Wirtschaftsform nachhaltig verändern. Sowohl in der Schul-, als auch in der Erwachsenenbildung sollen WeQ Schools und eine WeQ Academy entstehen, in denen Wissen, Kompetenzen und Werte im genossenschaftlichen Sinn ein neues Lernangebot für ein verantwortungsvolleres und bewussteres Leben liefern. Bis Juni sollen Partner, Finanzierungsmodelle und Aufgabenteilung festgelegt werden. Man darf gespannt sein, wie sich die vielversprechenden Initiativen weiterentwickeln. Der nächste „GenoWequbator“ steigt Ende Juni wieder auf Schloss Montabaur. Zum Abschluss dieses Events werden die Innovationen auch einem breiten Publikum präsentiert. „cooperativ“ wird weiter berichten. 

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Kultur

Namibia –

Sandkastenspiele für

Entdecker

Wanderung über die mächtigen Dünen der Namib-Wüste

Nichts als Sand? Von wegen! Namibias Wüste lebt – und das nicht nur an den zahlreichen Wasserstellen. Über Begegnungen mit großen und kleinen Tieren, mit roten Nomaden und einem süßen Gruß aus dem Schwarzwald. Text und Fotos:

B

Anton Schmoll

edächtig setzen wir einen Schritt vor den anderen. Immer wieder sinken wir ein. Aber nicht im tiefen Schnee unserer Alpen, sondern im feinen Sand der Namib-Wüste im fernen Namibia. Sie ist vor mehr als 50 Millionen Jahren entstanden und damit die älteste Wüste der Welt. Victor, unser Guide, hat recht, wenn er uns noch vor dem Morgengrauen aus den Federn holt. Denn bei Sonnenaufgang öffnet der Nationalpark seine Tore, und es haben sich bereits etliche Fahrzeuge eingefunden, um dieses Naturwunder zu erleben. Rund 60 Kilometer vom Parkeingang entfernt befinden sich bei Sossusvlei die höchsten Dünen der Welt. Bis zu 300 Meter ragen sie empor. Hier zeigt sich, wer das Fahren im Wüstensand beherrscht: Mehrere Jeeps 34

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bleiben stecken, die Fahrer müssen zur Schaufel greifen, um ihren Wagen wieder freizubekommen, wenn sie nicht auf eine Abschlepphilfe warten wollen. Das ist anstrengend und kostet Zeit. Und Zeit ist bei unserem Vorhaben ein kostbares Gut.

Spiel von Licht und Schatten Denn früh am Morgen ist das einzigartige Spiel von Licht und Schatten am intensivsten zu erleben. In der aufgehenden Morgensonne erstrahlen die mächtigen Sandberge über Orange und Hellbraun bis zu kräftigem Rot. In weiser Voraussicht rät Victor davon ab, die berühmte „Düne 45“ zu besteigen, weil sich dort die Massen tummeln. So erklimmen wir die Spitze von „Big

Mama“, die mit ihren 285 Metern Höhe noch immer genug Herausforderungen für uns bietet. Es ist eine Gratwanderung in der doppelten Bedeutung des Wortes: Der Aufstieg entlang des Dünenkammes ist teilweise beschwerlich, immer wieder rutschen wir im Sand zurück. Und trotz hoher Wanderschuhe lässt es sich nicht vermeiden, dass das Schuhwerk voller Sand ist. Doch unser früher Start und unsere Mühen werden reichlich belohnt: Mit einem Gefühl der inneren Zufriedenheit genießen wir den Rundblick über die unendliche Weite der Namib. Wie von Künstlerhand geformt umgeben uns die geschlungenen Linien der Sanddünen. Hinunter geht es dann mit großen Schritten durch den tiefen Sand wesentlich rascher.


Kultur

Die Trockenheit schuf im Deadvlei bizarre Landschaften

Bizarre Landschaften Nicht weit von Sossusvlei entfernt liegt schon die nächste Attraktion: das Deadvlei. (Vlei ist Afrikaans und bedeutet so viel wie Senke). Wir bestaunen die bizarre Landschaft aus trockenen Ästen der abgestorbenen Kameldornbäume, die wie Mahnmale in den Himmel ragen. Gigantische Sanddünen haben hier für sehr lange Zeit die Akazien vom Wasser abgeschnitten. Die vertrockneten Bäume auf dem strahlend weißen Tonboden ergeben fast künstlerische Fotomotive.

Die Wüste lebt Wer meint, eine Wüste sei ein langweiliger Ort, wo nur Unmengen Sand liegen, der wird von Tomy eines Besseren belehrt. Mit ihm begeben wir uns in der Nähe von Swakopmund auf die Spurensuche nach den „Little Five“ (als Pendant zu den „Big Five“). Tomy ist ein Phänomen. Wo wir nichts sehen außer Sand - und zwar wirklich nichts als Sand - entdeckt er kaum wahrnehmbare Öffnungen oder unscheinbare Wölbungen auf den Dünen. Sein geübtes Auge erspäht Spuren, die ihm verraten, wer vor uns schon hier war. Dann springt er aus dem Fahrzeug und fängt wie wild an, mit bloßen Händen im Sand zu buddeln. Plötzlich hält er einen winzig kleinen Namib-Gecko in der Hand. Und unter einem Strauch spürt er ein Wüstenchamäleon auf. Auch die Plätze von Skorpionen, Spin-

Leben in der Wüste: Geckos fühlen sich im Sand wohl

nen und Schlangen sind ihm geläufig. Als er unsere erstaunten Gesichter sieht, meint er ganz gelassen: „Die wahren Geheimnisse verbirgt die Namib unter dem Sand – für das menschliche Auge kaum sichtbar.“ Tatsächlich scheint die ganze Wüste von rätselhaften unterirdischen Lebewesen bewohnt. Und so wird uns eindrucksvoll vor Augen geführt: Die Wüste lebt.

Schwarzwälder Kirschtorte Wir kommen durch Orte mit für Afrika sehr fremdartigen Namen wie Marienthal oder Maltahöhe. Man merkt, dass Namibia früher eine deutsche Kolonie war. Sie trug damals die Bezeichnung Deutsch-Südwestafrika. Die „deutsche Stadt“ schlechthin ist Swakopmund am Atlantik. An vielen Ecken ist noch die Atmosphäre einer deutschen Kleinstadt spürbar. Historische Bedeutung erlangte die Stadt als wichtigster Hafen für Einwanderer aus Deutschland. 1892 landete hier Hauptmann Curt von Francois und markierte mittels zweier Balken die mögliche Landestelle für Schiffe nördlich der Mündung des Swakop-Flusses. Ein Jahr später folgten die ersten 40 deutschen Siedler unter den Augen von 120 Schutztruppen-Soldaten. Hier leben heute noch Nachfahren ehemaliger Kolonialbeamter aus dieser Zeit. Gemütlich spazieren wir durch die Bismarck-Straße und schauen uns verschiedene Kolonialbauten wie das kaiserliche Bezirksgericht oder das Hohen-

zollernhaus an. Beeindruckend auch das von einem Zahnarzt 1951 liebevoll eingerichtete Museum. Neben interessanten Präsentationen über die verschiedenen ethnischen Gruppen gibt es auch Exponate aus der frühen Kolonialzeit, etwa einen Ochsenwagen, der vor mehr als hundert Jahren zwischen Grootfontein und Angola verkehrte. Müde von den Besichtigungen habe ich nun einen besonderen Wunsch: In Anspielung auf meinen Vornamen will ich Rast im „Cafe Anton“ machen. Alle sind gleich einverstanden, und so bekomme ich weit weg von der Heimat eine köstliche Schwarzwälder Kirschtorte. Serviert von einer farbigen Kellnerin, die sich mit uns auf Deutsch unterhält.

Relikt aus Kolonialzeiten: Das Hohenzollernhaus in Swakopmund cooperativ 1/18

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Kultur

Einfache Fortbewegungsmittel in Namibia

Himbas – die roten Nomaden

Besuch bei den Himbas Heute sind nur mehr fünf Prozent der Einwohner Namibias Weiße. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind Schwarze. Dabei ist Namibia ein typisch afrikanischer Vielvölkerstaat mit verschiedenen ethnischen Gruppen wie Ovambo, Kavango, Herero oder Damara. Ein besonders interessanter Stamm sind die Himbas, die in der nordwestlichsten Ecke an der Grenze zu Angola leben. So wie die Massai in Kenia gehören sie zu den letzten noch ursprünglich lebenden Nomaden Afrikas. Insgesamt leben heute in 52 Dorfgemeinschaften noch rund 7.000 Himbas in Namibia, davon etwa 4.000 vergleichsweise unberührt von der westlichen Zivilisation.

Das Leben der „roten Nomaden“ In der kargen Naturlandschaft des Kaokoveld konnten sie sich bis heute ihre ursprüngliche Lebensweise weitgehend erhalten. Seit Jahrhunderten leben sie als Viehzüchter und Hirten, die teilweise wochen- oder monatelang durch die karge Savanne ziehen, um spärliche Weideplätze für ihre Tiere zu finden. Daher errichten sie auch nur temporäre Siedlungen, deren Hütten aus einem

Rohrgeflecht bestehen, das mit Lehm und Dung verputzt wird. Bei einem Rundgang durch das Dorf erfahren wir einiges über Kultur und Lebensweise der „roten Nomaden“: Ihre Hauptnahrung sind geronnene Kuhmilch und Mais, den sie gegen ihr Vieh eintauschen. Die Frauen tragen kurze Lederschürzen aus Kalbsfell und Schmuck in Form von Eisen- und Lederreifen sowie Muschelschalen. An der Haarpracht erkennt man den gesellschaftlichen Status: Mädchen flechten sich zwei nach vorne wegstehende Zöpfe, das soll die Hörner der Rinder symbolisieren. Heiratsfähige junge Frauen lassen dünne Zöpfchen tief ins Gesicht hängen und tragen auf dem Kopf ein kleines, verziertes Fellkrönchen. Verheiratete rasieren sich wiederum den Haaransatz über der Stirn. Eine Besonderheit ist die Reinigungszeremonie. Himba-Frauen waschen sich ihr ganzes Leben lang nicht. Stattdessen entfachen sie ein Feuer aus aromatischen Kräutern und Ästen. Im aufsteigenden Rauch löst sich die Paste auf ihrer Haut. Jeden Morgen tragen sie diese Paste aus Butterfett und einem eisenhaltigen Gesteinspulver auf, um sich vor der Sonneneinstrahlung sowie vor Insekten und Austrocknung zu schützen. Auch

Auf Safari begegnet man unter anderem Löwen, Antilopen, Elefanten, Geparden und Wasserbüffeln

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die Ausrüstungsgegenstände wie Kürbisflaschen oder Ledersäcke werden mit dieser Substanz imprägniert.

Abenteuer Safari Die Höhepunkte unserer Reise sind zweifelsohne die Safaris. Wir besuchen mehrere der großen Nationalparks Namibias, und es ist jedes Mal ein einmaliges Erlebnis. Der berühmteste Nationalpark ist der Etosha im Norden des Landes. Er wurde 1907 gegründet und gehört zu den größten und tierreichsten Schutzgebieten der Welt. „Etosha“ bedeutet in der Sprache der Ovambos „großer Platz des trockenen, weißen Wassers“. Auf einer Fläche von der Größe der Schweiz tummeln sich hier insgesamt 114 Säugetierarten. Das Herzstück des Parks bildet die riesige Etosha-Pfanne, die fast ein Viertel der Gesamtfläche bedeckt. Die Reise fand während unserer Sommerferien statt – da herrscht in Namibia Südwinter und Trockenzeit. Das Gras ist niedrig oder gar verschwunden und die Tiere müssen sich an den noch verbliebenen Wasserlöchern versammeln, um trinken zu können. Es gibt neben Grundwasserquellen auch 40 artesische Quellen, bei denen das Wasser durch den Druck nach oben


Kultur

Sundowner-Fahrten bieten ein spektakuläres Lichtschauspiel

Fröhlichkeit bei einer Hochzeitsfeier

befördert wird. Gebohrte Brunnen ergänzen diese natürlichen Wasserstellen. Bereits kurz nach Sonnenaufgang starten wir zu einer ersten Pirschfahrt. Es ist ziemlich kalt im offenen Jeep. Zum Glück haben wir dicke, warme Jacken mit und bekommen auch noch Wolldecken zum Einhüllen. Wir verbringen mehrere Tage im Nationalpark und beziehen bei den verschiedenen Wasserlöchern Beobachtungsposten. Jede Wasserstelle zieht ganz bestimmte Tiere an und bietet daher ideale Bedingungen für ausgiebige Tierbeobachtungen. Es ist immer wieder spannend, in welcher Konstellation sich die Tiere zusammenfinden, um gemeinsam ihren Durst zu stillen.

live erlebt: Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden. Die Vielfalt der Tierwelt in Namibia ist einzigartig, und wir können uns gar nicht sattsehen.

Begegnung mit den „Big Five“ Elefanten trotten gemächlich heran und bespritzen sich mit Schlamm, um sich abzukühlen. Giraffen verrenken beinspreizend die Hälse, um zu trinken. Groß ist unsere Freude, dass auch Löwen an die Wasserstellen kommen. Vom offenen Jeep aus können wir Herden von

Impalas, Springböcken, Oryx-Antilopen und Zebras beobachten, wie sie die Salzpfanne durchwandern. Im Okaukuejo-Resort haben wir großes Glück: Unsere Zimmer liegen nur einige Meter von einer künstlich angelegten Wasserstelle entfernt, die in der Nacht beleuchtet ist. Im Schutz der Dunkelheit wagen sich drei Nashörner heran. Und während wir beim Wasserloch stehen und aus dem Staunen nicht herauskommen, holt sich ein Schakal ein Stück Schokolade, das wir auf der Veranda unserer Bungalows liegen lassen haben. In einem anderen Nationalpark haben wir das Glück, Wüstenelefanten zu begegnen. Friedlich ziehen die im Vergleich zu ihren Artgenossen kleineren Elefanten entlang unserer Route vorbei und überqueren vor uns die Piste. Später können wir sie fast hautnah erleben, denn sie kommen bis vor das Fenster unsere Lodge. Einmalig: der Elefant im Vorgarten. Nach den „Little Five“ in der Wüste haben wir nun tatsächlich die „Big Five“

Romantische Sundowner-Fahrten Ein schöner Brauch, den Tag in Namibia zu beschließen, sind die sogenannten Sundowner-Fahrten. An den unterschiedlichsten Plätzen wird Spektakuläres geboten - ob auf einer Düne in der Wüste, auf dem Plateau eines Berges oder an Bord eines Bootes. Auf einem Klapptisch, der elegant mit weißer Tischdecke bedeckt ist, stehen verschiedene edle Getränke und ein paar Häppchen zum Essen bereit. Doch das ist nicht das Wichtigste: Beeindruckender - um nicht zu sagen berauschender - sind die spektakulären Sonnenuntergänge mitten in der Natur. Wenn der rote Glutball der Sonne hinter dem Horizont verschwindet und man nur noch die Geräusche der Wildnis hört, dann spürt man Afrika in seiner ursprünglichsten Form. 

Tonbildschau Namibia Mittwoch, 11. April 2018 Beginn: 19 Uhr Gewerbehaus Rudolf-Sallinger-Platz 1 1030 Wien Anmeldung: anton.schmoll@aon.at

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Kultur

Zwischen Glaube, Geld und Hoffnung Ständig werden wir mit besorgniserregenden Nachrichten aus dem arabischen Raum konfrontiert. Im Rahmen der Migrationskrise sind viele junge Menschen aus der Region zu uns gekommen, das hat unsere Gesellschaft verändert. Aber was wissen wir über die jungen Araber? Welche Einstellung haben sie zu Geld, Politik, Religion? Text: Hermann Fritzl Foto: iStockphoto

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n den Ländern der MENA-Region gemeint sind der Nahe Osten und Nordafrika - stellen junge Menschen ein Drittel der Bevölkerung - ohne an den politischen Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein. Diese Jugend, die sich politisch und wirtschaftlich ins Abseits gedrängt und von den Verantwortlichen nicht ernst genommen fühlte, spielte eine zentrale Rolle während der Aufstände, die seit 2011 in verschiedenen Ländern der Region stattfanden. Mit dem Arabischen Frühling begannen politische und gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die sich in den einzel38

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nen Ländern zum Teil erheblich voneinander unterscheiden und deren Ausgang noch nicht absehbar ist. Die Situation der jungen Araber: Sie sind besser gebildet als ihre Eltern, doch ihre Aufstiegschancen sind deutlich schlechter, denn die Bevölkerung wächst schneller als der Arbeitsmarkt. Nach wie vor fordern sie vielerorts Zugang zur Politik sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe, die sie nicht erhalten. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist kennzeichnend, selbst für gut Qualifizierte und Gebildete gibt es nur wenig Arbeitsplätze. Damit fehlen

für viele die Mittel zur Gründung einer eigenen Familie. Das führt wiederum zu einer stark verlängerten Jugendzeit, einer „Wartephase“ in Ungewissheit und in Abhängigkeit von den eigenen Eltern.

Junge Migranten bringen ihre Einstellungen mit Die Einstellungen, Wertvorstellungen und Lebensentwürfe der Jungen werden die Zukunft dieser Länder mitbestimmen, viele werden aufgrund enttäuschter Erwartungen und fehlender Möglichkeiten zu uns kommen wol-


Kultur

Junge arabische Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze beim Fußballspielen

len. Zehn Prozent der Jugendlichen der MENA-Region sind zur Migration entschlossen - und werden ihre Einstellungen mitbringen. Die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung führte eine umfassende Studie zur Situation junger Menschen in der Region durch, um eine empirisch fundierte Informationsgrundlage zum Thema zu liefern. In Zusammenarbeit mit lokalen Meinungsforschungsinstituten erhob sie Daten von 9.000 Jugendlichen im Alter von 16 bis 30 Jahren. Befragt wurden Jugendliche in Ägypten, Bahrein, Jemen, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina, Tunesien sowie syrische Flüchtlinge im Libanon mittels einstündiger Interviews. Das wissenschaftliche Konzept stammt von der Universität Leipzig und einem international besetzten wissenschaftlichen Beirat. Die Ergebnisse erschienen heuer im Jänner als Buch unter dem Titel „Zwischen Ungewissheit und Zuversicht - Jugend im Nahen Osten und in Nordafrika“.

Religiosität steigt mit Bildungsgrad Auf die Frage „Wie religiös bist du?“ liegt der Durchschnitt aller Befragten auf einer Skala von eins (überhaupt nicht) bis zehn (sehr religiös) bei 7,3 Punkten. Auffallend ist die Erkenntnis, dass die Religiosität der jungen Men-

schen umso höher ausfällt, je höher der Bildungsgrad und die Schichtangehörigkeit des Vaters sind. Die besonders religiösen jungen Menschen scheinen also aus finanziell gesicherten Familien und aus dem Bildungsbürgertum zu kommen. Hohe Religiosität ist - entgegen der Erwartung - auch ein Kennzeichen großstädtischen Lebens. Im Vergleich zu den niedrigen Religiositätswerten in Westdeutschland, wie sie unter anderem aus dem Religionsmonitor 2013 der Allensbach-Stiftung hervorgehen, hat Religion, in diesem Fall der Islam, in der MENA-Region einen hohen Stellenwert. Ganz deutlich wird dies auch bei der Frage nach wichtigen Perspektiven, die man im Leben erreichen möchte: Der Glaube an Gott steht dabei in den arabischen Ländern an erster Stelle, in Deutschland an 18. von 23. Für die arabische Jugend stellt der Glaube an Gott mit Abstand die wichtigste Perspektive und Leistung in ihrem Leben dar.

Wunsch nach Sicherheit und hohem Lebensstandard Seit dem Arabischen Frühling hat sich die Wirtschaftslage in der MENARegion verschlechtert, die Tourismuseinnahmen sind eingebrochen, die Auslandsinvestitionen sind aufgrund der bewaffneten Konflikte rückläufig. Daher ist verständlich: Der Wunsch nach einem Leben ohne Gewalt und nach Erreichen ökonomischer Sicherheit steht an zweiter Stelle der Lebensziele. Eng

damit verbunden sind der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard und das Streben nach physischer und sozialer Sicherheit. Als wichtigste Rechte werden die Abwesenheit von Gewalt, die Sicherung der Grundbedürfnisse und die Meinungs- und Redefreiheit angesehen. Es wird länderübergreifend ein relativ großes Vertrauen in Justiz und Militär gesetzt, die als jenseits von parteipolitischem Handeln gesehen werden und als Garanten sozialer, alltäglicher Sicherheit. Dagegen wird die Glaubwürdigkeit von Politik, verstanden als Parteipolitik, Politiker und Parlamente, als gering eingestuft. Zwölf Prozent der Befragten wünschen sich einen religiösen Staat auf Basis der Scharia, zehn Prozent ein demokratisch-islamisches System, ein Drittel einen starken Mann an der Spitze und ein weiteres Drittel ein demokratisches System. Das liebe Geld - oder besser gesagt das Fehlen desselben - ist bei jungen Menschen überall ein Problem. Etwa ein Sechstel der jungen Erwachsenen der MENA-Region ist verschuldet. Die Einbindung in das formale Bankwesen ist gering, nur jeder Fünfte der Jungen besitzt ein Bankkonto. Sparvereine haben in einigen Ländern eine gewisse Bedeutung, im Rotationsverfahren werden die Einlagen an jeweils ein anderes Mitglied ausgezahlt. Alles in allem liefert die Studie tiefe Einblicke in das Denken von jungen Menschen, die uns fern und nah zugleich sind. 

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Sport

Das furiose Comeback der Winterspiele Es war ein überaus gelungenes sportliches Fest und ein starkes Lebenszeichen der VolksbankFamilie: Über 650 Mitarbeiter aus dem Verbund und von den Produkt- und Servicepartnern kamen von 15. bis 18. März nach Schladming zu den 44. Volksbanken-Winterspielen. Die Volksbank Steiermark erwies sich dabei als Veranstalter auf höchstem Niveau und als herzlicher Gastgeber. Text: Günther Griessmair und Andrea Karner (Langlauf) Fotos: Simon Jimenez

„Das werden die Winterspiele mit Herz“, erklärte Volksbank-SteiermarkGeneraldirektorin Regina OvesnyStraka bei der offiziellen Begrüßung am frühen Freitagabend in der Hohenhaus Tenne in Anspielung auf das gastgebende Bundesland, das als grünes Herz Österreichs gilt. „Herzhaft sporteln, aber auch herzhaft feiern, lautet die Devise. Die gemeinsamen Erfolge, die der Verbund in den letzten Jahren erzielt hat, liefern allen Grund dafür“, so die Gastgeberin. Gleich im Anschluss an den steirischen Gruß bat Skisprung-Legende Andreas Goldberger auch schon die ersten Sieger aufs Podest.

Auftakt mit Langläufern und Snowboardern Denn die Langläufer hatten zu diesem Zeitpunkt schon einen harten Bewerb in den Knochen. Auf der WMLoipe von Ramsau ging es über zwei (Damen) bzw. vier (Herren) 2,5 Kilometer lange Schleifen um den Sieg. Dabei waren auch schwierige Schneebedingungen zu meistern. Der WSV Ramsau hatte alle Hände voll zu tun, die Loipe für das Rennen zu präparieren. In der Nacht und am Morgen hatte es bei deut40

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lichen Plusgraden geregnet. „Ich kenne die WM-Strecke in Ramsau“, so Goldberger bei der Siegerehrung, „die hat harte, zähe Anstiege. Wenn es dann noch saugt, ist’s doppelt schwer.“ Margit Pfluger von der Volksbank Tirol war am Ende die schnellste Dame auf den fünf Kilometern. Die Volksbanken-Meisterin 2018 hatte sich mit Ruth Hagen von der Volksbank Vorarlberg ein hartes Rennen geliefert. Bei den Herren fehlten dem Salzburger Favoriten Marcel Heinze auf zehn Kilometern nur wenige Sekunden auf Helmut Zimmel von der ABS Factoring. „Im Massenstart hätte sich Marcel den Sieg bestimmt nicht nehmen lassen“, so der strahlende Volksbanken-Meister. Auch die wackeren Snowboarder hatten die bei Schneefall und schlechter Sicht äußerst schwierige Piste am Lärchkogel schon am Freitag zu meistern. Bei den Damen siegte wie schon 2015 die vielseitige Stefanie Rehm von der TeamBank – sie war am selben Tag auch schon beim Langlauf am Start. Bei den Herren hatte Roland Zuckerstätter von der ABS Factoring nach den beiden Läufen die Nase vorn. Im guten Mittelfeld landete VOLKSBANK-WIEN-Vorstand Rainer Borns.

Langlauf auf der WM-Strecke von Ramsau

Party-Highlight mit Gästen aus Frankfurt Am Abend stieg dann in der Hohenhaus Tenne mit der Cooperation-Party, die von Union Investment großzügig gesponsert wurde, das erste gesellschaftliche Highlight der Spiele. VOLKSBANK-WIEN-Generaldirektor Gerald Fleischmann hieß die Teilnehmer aus allen Bundesländern offiziell willkommen. Auch Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, ließ es sich nicht nehmen, aus


Sport

Mega-Party in der Hohenhaus Tenne mit den New City Beats

Die Snowboarder trotzten der Witterung

Union-Vorstandsvorsitzender Hans Joachim Reinke mit Generaldirektor Gerald Fleischmann

Frankfurt anzureisen, um sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den österreichischen Volksbanken zu bedanken. Als Gastgeschenk brachte er die New City Beats mit, die den Gästen bis tief in die Nacht einheizten. Früh aufstehen hieß es dann am Samstag für die Eisstockschützen. Sie trugen ihren Bewerb ab 8 Uhr in der Stocksporthalle Selzthal auf Asphalt aus. Der ursprüngliche Plan, auf den Bahnen des WSV-Eisschützenvereins Schladming anzutreten, wurde von der milden Witterung durchkreuzt. Im Bei-

sein der prominenten Schlachtenbummlerin Ovesny-Straka wurde zunächst in zwei Gruppen zu je zehn Teams gespielt, ehe es dann in den Finalduellen um die Platzierungen ging. Am Ende trugen die Eisprinzen und Eisprinzessinnen aus Bad Goisern den Punktesieg im Duell mit dem Team aus Bad Aussee davon.

Großes Teilnehmerfeld beim RTL Dichtes Gedränge herrschte derweil im Startbereich des Riesentorlaufs am Lärchkogel. 151 Starter wagten sich auf cooperativ 1/18

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Sport

Die Volksbank Salzburg holte den Titel für die sportlichste Bank der Winterspiele

Höchste Konzentration beim Eisstock-Bewerb

Das bange Warten auf die Platzierung

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den anspruchsvollen, mit 35 Toren gesteckten Kurs, der schon die Vorläufer – unter ihnen Andreas Goldberger und Thomas Morgenstern – vor große Herausforderungen stellte. Am Ende kamen 135 Teilnehmer in die Wertung. Bei den Damen war Melanie Reitmaier von der Volksbank Steiermark die Schnellste, bei den Herren entschied Marco Geisler (Volksbank Salzburg) wie schon 2015 den Hundertstel-Krimi für sich. Der Lauf forderte auch zahlreiche prominente Opfer: Unter anderem schafften es Generaldirektor Fleischmann (VOLKSBANK WIEN), die Vorstände Rainer Kuhnle und Reinhard Diem (Volksbank Niederösterreich) sowie Christian Noisternig (ab April neuer Vertriebsvorstand der ERGO) nicht ins Ziel. Nach der Ehrung der Altersklassen-Sieger in der Hohenhaus Tenne - die Pokale aus Zirbenholz wurden wie am Vortag von Goldberger, Ovesny-Straka und Kurt Grossauer, dem erfahrenen sportlichen Leiter der Winter-

Perfekter Stil auf der Riesentorlauf-Piste

spiele, überreicht - ging es in den congress Schladming zum krönenden Abschluss, der Competition-Party, bei der als Dresscode Tracht vorgegeben war.

Stimmungsvoller Ausklang mit den Lausern Dabei wurden unter den Augen des Schladminger Bürgermeisters Jürgen Winter - er lud die Volksbanken auch für kommendes Jahr wieder ein - sowie der Generaldirektoren Ovesny-Straka und Fleischmann die erfolgreichsten Sportler ausgezeichnet, ehe Winterspiele-Organisator Grossauer - ganz wie bei der Oscar-Verleihung, nur ohne Panne - das Kuvert mit dem bisher gut gehüteten Geheimnis überbrachte: Welche Volksbank war in Schladming insgesamt am erfolgreichsten? In der Endabrechnung hatten die Salzburger vor Tirol und dem Gastgeberland Steiermark die Nase vorn. Danach sorgten die Lauser für Stimmung im Saal.


Sport

Siegerehrung mit Andreas Goldberger

Die Volksbanken-Meister 2018 » Snowboard – Damen 1. Stefanie Rehm (TeamBank) 2. Daniela Windhofer (ABS Factoring) » Snowboard – Herren 1. Roland Zuckerstätter (ABS Factoring) 2. Alexander Schallert (Volksbank Vorarlberg) 3. Georg Aichinger (ARZ)

Generaldirektorin Regina Ovesny-Straka als hervorragende Gastgeberin

» Langlauf – Damen 1. Margit Pfluger (Volksbank Tirol) 2. Ruth Hagen (Volksbank Vorarlberg) 3. Ulrike Fuchs (Volksbank Steiermark) » Langlauf – Herren 1. Helmut Zimmel (ABS Factoring) 2. Marcel Heinze (Volksbank Salzburg) 3. Marco Geisler (Volksbank Salzburg) » RTL – Damen 1. Melanie Reitmaier (Volksbank Steiermark) 2. Kartrin Trenner (Volksbank Wien) 3. Margit Pfluger (Volksbank Tirol) » RTL – Herren 1. Marco Geisler (Volksbank Salzburg) 2. Michael Bader (Volksbank Tirol) 3. Martin Wiedenhofer (Volksbank Tirol) » Eisstock 1. Goiserer Eisprinzen und Eisprinzessinnen (Volksbank Salzburg) 2. Bad Aussee (Volksbank Salzburg) 3. Rubberducks (Volksbank Wien) Alle Ergebnisse und Fotos auf www.vb-winterspiele.at

Schlachtenbummler sorgten für Stimmung

Das abschließende Resümee der Gastgeberin: „Wir sind alle irrsinnig glücklich, dass die Spiele nach zwei Jahren Unterbrechung wieder stattgefunden haben. Es herrschte eine tolle Stimmung, bei den Bewerben hatten wir auch noch halbwegs Glück mit dem Wetter, was will man mehr? Gerne biete ich an, auch 2019 zu den Winterspielen nach Schladming zu laden“, so Ovesny-Straka. 

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Sport

V. l. n. r.: ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, Cheftrainer Heinz Kuttin, Volksbank-Vorstand Rainer Borns und Ernst Vettori, sportlicher Leiter der Springer und Kombinierer

Auch Skisprung-Legende Andreas Goldberger ergriff das Mikrofon

Ein starkes Team feiert Jubiläum Von „V wie Flügel“ über die „Superadler“ bis zum „frischen Wind“: Die Partnerschaft der Volksbanken mit den ÖSV-Skispringern besteht nunmehr schon seit zehn Jahren. Grund genug, zu feiern und das Erreichte Revue passieren zu lassen. Text: Günther Griessmair Fotos: EXPA/JFK

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ehn Jahre sind sowohl im Skisprungsport als auch im Bankgeschäft eine lange Zeit, in der sich viel verändert. Da ist es umso wertvoller, wenn es Partnerschaften gibt, die in guten wie in schlechten Zeiten Bestand haben – wie jene zwischen den Volksbanken und dem ÖSV-Springerteam. Das Finale der diesjährigen Vierschanzentournee in Bischofshofen bot die passende Kulisse, um den runden Geburtstag des Sponsoringvertrags gebührend zu feiern. Wegbegleiter, Legenden und aktuelle Stars, Partner und Freunde erinnerten sich an die Vertragsunterzeichnung im Jahr 2008, an die sportlichen Erfolge mit insgesamt 36 Olympiaund WM-Medaillen und 137 Siegen im Weltcup sowie an die vielen einprägsamen Werbespots, die im Rahmen der Kooperation entstanden. VOLKSBANK-WIEN-Vorstand Rainer Borns hat die Zeit in bester Erinnerung: „Das Skisprungteam hat sich so 44

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wie die Volksbanken in den vergangenen zehn Jahren ständig weiterentwickelt, und wir werden auch in Zukunft offen auf notwendige Veränderungen zugehen. Unsere gemeinsamen Kernwerte wie Vertrauen, Fairness, Partnerschaft und Teamgeist stellen dabei immer ein stabiles Fundament dar.“ ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bedankte sich bei den Volksbanken für das langjährige Vertrauen: „Sponsoring ist nicht nur Werbung. Eine Kooperation muss auf lange Sicht gesehen für beide Seiten befruchtend sein und Vorteile bringen. Dass unser Springer-Team in der zehnjährigen Zusammenarbeit mit der Volksbank einen überaus erfreulichen Aufschwung genommen hat, bestätigen die erzielten Erfolge. Wie in der Wirtschaft gibt es aber auch im Sport Höhen und Tiefen. Die wahren Stärken erkennt man am besten in der Niederlage - und zwar dann, wenn aus dem Tief wieder der Weg nach oben gefunden wird.“ 

Die ÖSV-Stars Michael Hayböck und Stefan Kraft als Gratulanten

Die „Hausbank” am Kulm Von 12. bis 14. Jänner machte der Skiflug-Weltcup wieder am Kulm Station. Auch die Volksbank war beim großen Flugspektakel prominent vor Ort vertreten. Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgten dieses Jahr die Startnummern der Springer im „Hausbank“-Branding.

Daten und Fakten zur Kooperation 22 TV-Spots 47 Event-Sponsorings in 6 Ländern 4 Mitarbeiter-Events am Kulm mit mehr als 12.000 Teilnehmern Sportliche Erfolge: 55.185 Weltcup-Punkte 137 Weltcup-Siege 6 Weltcup-Gesamtsiege 4 Skiflugweltcup-Gesamtsiege 7 Vierschanzentournee-Siege 31 WM-Medaillen 5 Olympia-Medaillen


Sport

Andreas Goldberger wieder auf Talentsuche Zum bereits elften Mal ist Skisprung-Legende Andreas Goldberger in diesem Winter im Rahmen des „Goldi Talente Cups“ durch Österreich getourt und hat Buben und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren die Chance gegeben, erste Versuche auf der Skisprungschanze zu wagen. Text: Günther Griessmair Fotos: Red Bull Content Pool, Martin Horn

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er mehrmalige Weltcup-Gesamtsieger, Vierschanzentournee-Gesamtgewinner und Skiflugweltmeister hat es sich im Rahmen seiner Aktion zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Kindern den Skisprungsport schmackhaft zu machen. Unterstützt durch namhafte Skivereine, aber auch durch die Volksbanken, soll diese Talentsuche helfen, die Skisprung-Stars von morgen zu finden. Bei insgesamt fünf Bewerben hatten diesmal Kinder der Jahrgänge 2007 bis 2011 die Möglichkeit, zum ersten Mal von einer Schanze abzuheben und herauszufinden, ob sie Spaß am Springen haben. Die Suche nach Österreichs Nachwuchsathleten startete am 16. Dezember in Villach, am 7. Jänner ging es weiter nach Schwarzach, am 21. Jänner nach Tschagguns und am 24. Februar nach Höhnhart, bevor der „Goldi Talente Cup“ am 25. Februar in Rottenmann endete. Jeder der mutigen Nachwuchsspringer durfte am Ende die eigene Startnummer, eine Urkunde und einen Preis mit nach Hause nehmen. Goldberger stand den Jungadlern wie immer mit Tipps und Tricks zur Seite und schwärmte auch heuer begeistert von den eifrigen Sprungversuchen der

Kleinen: „Die Stimmung war super, und es war echt cool zu sehen, wie viel Spaß die Kinder hatten und mit wie viel Mut sie die Schanze in Angriff genommen haben! Es waren einige große Talente dabei, bei denen es wirklich schade wäre, wenn sie nicht zu einem Verein gingen und weiter trainieren würden. Ein großes Lob auch an die Organisatoren, die wirklich perfekte Bedingungen geboten haben!“ 

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Chronik

Volksbanken-Verbund

Start frei für „Unternehmer-Milliarde“ Eines der vielen Erfolgsbeispiele für die KMU-Offensive 2017: Die AFS Medical GmbH in Niederösterreich

Nachdem die KMU-Finanzierungsoffensive der Volksbanken im Jahr 2017 ein voller Erfolg war – in nur elf Monaten konnten Finanzierungen in Höhe von 1,04 Milliarden Euro abgeschlossen werden –, gibt es nun eine Neuauflage des Programms: die „Unternehmer-Milliarde“.

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m Rahmen der Offensive wollen die Volksbanken auch heuer über eine Milliarde Euro an Investitions- und Förderkrediten vergeben. Als Kernzielgruppe im Fokus stehen dabei die KMUs. Gerald Fleischmann, Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN: „Die kleinen und mittleren Unternehmen sind mit über 330.000 Betrieben, 68 Prozent aller Beschäftigten und 64 Prozent aller getätigten Umsätze das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Sie wollen wir weiterhin als verlässlicher Partner unterstützen. Ich bin überzeugt, dass wir unser Ziel von einer Milliarde Euro mit einer guten Konjunktur im Rücken heuer noch schneller als im Vorjahr erreichen. Vor allem auch deshalb, weil sich die Volksbanken - nach den strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahre - noch stärker auf die Bedürfnisse der Unternehmerkunden ausgerichtet haben.“ Wie im Vorjahr erwarten die Volksbanken wieder eine breite Streuung bei der Kreditvergabe. 2017 verteilte sich das 46

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Finanzierungsvolumen der Offensive auf über 3.500 Einzelkredite. Im Branchenvergleich wurde die „KMU-Milliarde“ am stärksten von Gewerbebetrieben genutzt, an die 1.630 Kredite mit einem Gesamtvolumen von 537 Millionen Euro vergeben wurden, gefolgt von Unternehmen aus dem Fremdenverkehr mit 443 Krediten und einem Volumen von 158,5 Millionen Euro. Eines der vielen Erfolgsbeispiele der „KMU-Milliarde 2017“ ist die AFS Medical GmbH aus Teesdorf (Niederösterreich), die im Rahmen der Offensive zwei Kredite zu insgesamt 770.000 Euro aufgenommen hat. Das im Handel mit Medizinprodukten tätige Unternehmen setzte die Mittel ein, um eine Auslandsbeteiligung zu erwerben. Ein Beispiel, das zeigt, wie die Volksbank Unternehmen bei ihren Expansionsplänen unterstützt: „Im perfekten Zusammenspiel zwischen Filiale, Förderabteilung und öffentlichen Förderstellen konnten wir einem innovativen österreichischen Unternehmen den Schritt zur In-

ternationalisierung ermöglichen“, so Fleischmann. Auch für heuer sieht er eine wichtige Rolle für die Volksbanken: „Gerade auch kleinere Unternehmen profitieren von der anziehenden Konjunktur und wollen investieren, was Tausende Kundengespräche beweisen. Für diese ist es aber besonders wichtig, mit einem vertrauensvollen Partner zusammenzuarbeiten, der ihre Bedürfnisse, Stärken und Schwächen kennt. Sie benötigen eine Hausbank. Für immer mehr Unternehmer in allen Segmenten, von Gewerbe bis Fremdenverkehr, übernehmen wir diese Funktion. Die Unternehmer-Milliarde ist ein Zeichen für unsere Finanzierungsbereitschaft und unsere Wachstumsziele.“ Dass die Volksbanken einen zentralen Platz in der österreichischen Bankenlandschaft einnehmen, beweist auch das generelle Wachstum des Kreditvolumens: Allein bei der VOLKSBANK WIEN ist dieses im Vorjahr um 6,6 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro gestiegen. 


Chronik

Das neue WohnbauSujet der Volksbanken

Die Volksbanken als starker Partner in der Wohnbaufinanzierung: Allein 2017 konnten im Verbund 9.700 neue Wohnbaudarlehen mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen werden. 70 Prozent davon waren Fixzinskredite. Im Rahmen der Messe „Bauen und Energie“ starteten die Volksbanken im Jänner ihre Wohnbauoffensive 2018.

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ie Wohnbauaktivitäten stehen heuer unter dem Motto „Sorgenfrei mit fixer Rate“. Das niedrige Zinsniveau führt dazu, dass die große Mehrheit der Kreditnehmer fixe Kreditangebote den variablen vorzieht. Generaldirektor Gerald Fleischmann von der VOLKSBANK WIEN: „Mit Fixzinskrediten erreichen unsere Kunden Planungssicherheit für viele Jahre. Sie sind eine Absicherung gegen steigende Zinsen. Aber selbst, wenn die Zinsen langfristig niedrig bleiben, ist es ein Vorteil, wenn man schon am Beginn der Investition genau kalkulieren kann.“ Gerade das Thema Fixzinskredit, der bei der VOLKSBANK WIEN über zehn, 15 oder mehr Jahre angeboten werde, zeige, wie wichtig in der Wohnbaufinanzierung eine kompetente persönliche Beratung sei. Fleischmann: „Die Finanzierung einer Wohnung oder eines Wohnhauses ist für die meisten die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Deshalb ist dieser Bereich ein Geschäftsfeld, in dem die Volksbanken mit ihrer Beratungsstärke punkten können. Und natürlich ist dies der Grund für unsere Präsenz bei der Wohnbaumesse.“ Die Volksbanken unterstützen die Kunden aber nicht nur bei der Finanzierung und den damit verbundenen Fördermöglichkeiten, sondern auch schon bei der Suche nach der passenden Immobilie oder Liegenschaft. Deshalb war auch die IMMOCONTRACT am Messestand der Volksbank vertreten. Das zum Verbund gehörende Unternehmen ist mit jährlich über 2.000 Vermittlungen und 26 Jahren Erfahrung am Immobiliensektor ein kompetenter Partner. 

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Foto: Felicitas Matern

Wohnbau: Fixzins ist Trumpf


Chronik

Volksbank Wien

Neues Magazin für Kunden

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Volksbanken-Verbund

Digitales Banking jetzt barrierefrei

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as neue digitale Banking der Volksbanken wurde auf Basis von geltenden Accessibility-Richtlinien entwickelt und ermöglicht somit auch Menschen mit einer Sehbehinderung die barrierefreie Nutzung. Die Umsetzung wurde gemeinsam mit Experten sowie dem Blindenund Sehbehindertenverband überprüft und qualitätsgesichert. Für die optimale Verwendung einer Vorlesesoftware wurden spezielle Anpassungen im Bereich der Menüführung und Navigation sowie bei Tabellen und Interaktionselementen vorgenommen. Zusätzlich steht eine alternative Version mit identem Funktionsumfang bereit, welche den Kriterien der Web Content Accessibility Guidelines entspricht. Dadurch können Volksbank-Kunden neben dem barrierefrei optimierten Online-Banking auch eine vollumfängliche Hochkontrastversion sowie einen audio-unterstützten Kontoauszug nutzen. Die Ergebnisse der Accessibility-Tests lieferten auch wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklerteams der Banking-Applikation, um bei künftigen Erweiterungen und neuen Funktionen weiterhin eine barrierefreie Umsetzung zu gewährleisten. 

Erneutes Rating-Upgrade

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ie Agentur Fitch hat im Februar das Rating für den Volksbanken-Verbund um eine Stufe auf „BBB“ erhöht, der Ausblick ist stabil. Die Bewertung gilt auch für die einzelnen Volksbanken. Nach den Hochstufungen auf Investment Grade durch Fitch und Moody's im Vorjahr ist dies ein weiteres Signal, dass die Volksbanken auf einem guten Weg sind. Generaldirektor Gerald Fleischmann: „Wir haben in den letzten beiden Jahren hart gearbeitet und teilweise auch schmerzhafte Entscheidungen und Maßnahmen getroffen. Es ist für alle Volksbanken eine schöne Auszeichnung, dass die Ratingagentur Fitch, nur ein Jahr nach dem letzten Upgrade, neuerlich unsere großen Leistungen anerkennt.“ 

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ie VOLKSBANK WIEN tritt mit einem neuen Print-Produkt an Kunden und Meinungsbildner heran: Das Magazin „VM“ richtet sich an Unternehmer, aber auch an unternehmerisch denkende Privatpersonen. Die erste Ausgabe mit dem Schwerpunktthema „Vertrauen“ wurde bereits verteilt. Im Heft finden sich unter anderem Interviews mit WU-Professor Guido Schäfer und VOLKSBANK-WIEN-Generaldirektor Gerald Fleischmann. Fester Bestandteil des Magazins sind neben dem Cover-Thema auch ausführliche Porträts erfolgreicher Volksbank-Kunden und natürlich aktuelle Infos zu den Produkten und Angeboten der Bank. Interessante Zahlen, Infografiken, Bilderstrecken und Buchtipps zum Thema Wirtschaft runden das Heft ab. „VM – das Volksbank Wien Magazin“ erscheint vierteljährlich in einer Auflage von 80.000 Stück. Es wird an die Top-Kunden der Bank verteilt und liegt zusätzlich Qualitätszeitungen bei. 


Chronik

Thomas Morgenstern zu Besuch in neuer Filiale

Fotos: Robert Polster

Thomas Morgenstern ließ sich von Generaldirektor Gerald Fleischmann über die Vorzüge der neuen Filiale informieren

Die VOLKSBANK WIEN hat ihre Filiale in der Mariahilfer Straße 27 völlig umgebaut und modernisiert. Gleich nach der Eröffnung gab es prominenten Besuch: Generaldirektor Gerald Fleischmann konnte mit Thomas Morgenstern einen der erfolgreichsten Sportler der österreichischen Geschichte am neuen Standort begrüßen.

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orgenstern ließ es sich im Rahmen eines Besuchs in Wien nicht nehmen, auch die moderne Filiale der Volksbank aufzusuchen. Denn aus seiner Sicht ist für eine gute Bankbeziehung immer der Berater vor Ort entscheidend: „Ich denke, die individuelle und persönliche Beratung macht die Stärke der Volksbanken in Österreich aus“, so Morgenstern. Auch Fleischmann sieht die neu adaptierte Filiale als klares Signal an die Kunden der Volksbank: „Wir wollen weiterhin durch Beratung punkten. Dazu gehören größere Filialen, in denen alle für die Kunden notwendigen Kompetenzen vorhanden sind. Auch in Zeiten, in denen unsere Kunden viele Bankgeschäfte online oder mobil abwickeln, brauchen sie für die nicht alltäglichen Finanztransaktionen jemanden, dem sie vertrauen. Das ist der Berater, den sie persönlich kennen.“ Zu diesen Vertrauensgeschäften gehören neben der Vorsorge und sonstigen längerfristigen Veranlagungen vor allem

die Finanzierungen für Unternehmen und Private. Fleischmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf das steigende Kreditvolumen. Von der neuen Filiale in der Mariahilfer Straße erwartet er sich weitere Wachstumsimpulse. 

Gruppenfoto mit dem Team der Filiale Mariahilfer Straße cooperativ 1/18

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Chronik

Volksbank Wien

Theaterabend für Genossenschafter im Industrieviertel

Landtagspräsident Franz Gartner sowie die Genossenschaftsvorstände Martin Heilinger, Günter Alland und Viktor Strebinger mit dem Ensemble der Neuen Bühne Wien

Gemeinsame Veranstaltung der beiden Genossenschaften der Volksbank-Regionaldirektion Industrieviertel: Die VB Baden Beteiligung und die VB Niederösterreich Süd luden ihre Mitglieder zum Theatererlebnis nach Kottingbrunn. Gezeigt wurde das Stück „Ein Käfig voller Narren“.

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und 300 Gäste, Genossenschaftsmitglieder aus allen 23 Filialstandorten, kamen in die Kulturwerkstatt Kottingbrunn zum ersten gemeinsamen Theaterevent der beiden Genossenschaften im Industrieviertel. Sie wurden zunächst mit einem Glas Sekt willkommen geheißen, anschließend erfolgte die Begrüßung durch die Genossenschaftsvorstände Günter Alland und Regionaldirektor Martin Heilinger sowie durch Landtagspräsident Franz Gartner. Danach sorgten die Künstler des Theaterensembles der Neuen Bühne Wien für erstklassige Unterhaltung: Das Stück über ein verlobtes Pärchen, deren Familien aus völlig unterschiedlichen Milieus stammen, sorgte beim Publikum für Lacher am laufenden Band. Die Pause genossen die Gäste bei Brötchen und Getränken, ehe die Komödie auf der Bühne nochmals Fahrt aufnahm - mit allerlei Turbulenzen rund um die Verwicklungen zwischen der Nachtclub-Gesellschaft und einer erzkatholischen Familie. Fazit: Ein unterhaltsamer und gut besuchter Abend für die Mitglieder der Genossenschaften, der ganz im Zeichen der Volksbank stand. Fortsetzung folgt in Berndorf! 

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Chronik

Volksbank Steiermark

Pointen-Feuerwerk mit Gernot Kulis

D Gernot Kulis mit den Bankvorständen Monika Cisar-Leibetseder, Regina Ovesny-Straka und Johannes Monsberger sowie Regionaldirektor Rudolf Grandits (2. v. l.)

as Leben stellt uns Herkules-Aufgaben, der Kabarettist Gernot Kulis präsentiert in seinem neuen Programm „Herkulis“ die Lösungen. Den rund 600 Besuchern, welche die Volksbank Steiermark am 26. Februar ins Orpheum Graz geladen hatte, bot sich dabei ein pointenreicher Comedy-Abend mit dem stimmenversierten Entertainer. Die Einladung galt Kunden und Freunden in der Region Graz, den treuen „Volksbank-Helden“ schlechthin. Es wurde viel gelacht, und am Ende waren sich alle einig, dass sich ein Leben mit Humor besser leben lässt. Fortsetzung folgt: Nach dem Startschuss in Graz gibt’s das Programm auch in den anderen drei Regionen der Volksbank Steiermark. 

Volksbank Oberösterreich

ls Referent konnte Ronald Kopecky, Geschäftsführer des 1996 gegründeten IT-Unternehmens KOMDAT aus Marchtrenk, gewonnen werden. Dem Experten gelang es, das Thema Datenschutz und insbesondere auch die Vorbereitung auf die neue EU-Grundverordnung kurzweilig und aufschlussreich zu vermitteln. Besonders interessant für die Teilnehmer waren die zahlreichen praktischen und konkreten Tipps, welche Kopecky dem Publikum aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mitgeben konnte. „Für uns als Volksbank Oberösterreich ist es wichtig, unsere Kunden neben dem klassischen Bankgeschäft auch mit bankfremden Themen zu servicieren. Und wir freuen uns, wenn dieses

Angebot geschätzt und angenommen wird“, so Richard Ecker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Oberösterreich. „Unserem Prinzip der Regionalität folgend halten wir diesen Informationsabend zum Thema Datenschutz in allen Regionen ab, denn wir haben nicht nur die eigene Kompetenz vor Ort, sondern bringen auch externe Experten zu unseren Kunden,“ ergänzt Vorstand Andreas Pirkelbauer. Mittlerweile fanden die Datenschutz-Events mit großem Anklang in Grieskirchen, Eferding, Wels, Braunau, Vöcklabruck, Schärding und Rohrbach statt. Weitere werden noch folgen. Wichtig ist der Volksbank Oberösterreich immer auch der gemütliche Ausklang sol-

cher Veranstaltungen. Bei Brötchen und Getränken kommt man schnell ins Gespräch. So nutzten auch bei dieser Eventreihe viele Teilnehmer die Gelegenheit, dem Referenten konkrete Fragen zu stellen, welche dieser gerne beantwortete. 

Foto: Mathias Lauringer

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Die Eventreihe zum Thema Datenschutz sorgte für reges Kundeninteresse

Foto: Volker Weihbold

Die Volksbank Oberösterreich hat das brennende Thema Datenschutz aufgegriffen und ihre Kunden zu einer Eventreihe eingeladen, bei der über die neuen Pflichten für Unternehmen informiert wurde.

Foto: Wolfram Heidenberger

Eventreihe zum Thema Datenschutz

Vorstandsvorsitzender Richard Ecker: „Freuen uns, dass das Angebot geschätzt wird“

Vorstand Andreas Pirkelbauer: „Wir bringen Experten zu unseren Kunden“ cooperativ 1/18

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Chronik

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Volksbank Niederösterreich

Kabarettabende exklusiv für Mitglieder

m Februar und März gingen wieder die alljährlichen Kabarettabende der Volksbank Niederösterreich über die Bühne. Bei insgesamt acht Veranstaltungen gaben sich die österreichischen Kabarettgrößen Alex Kristan, Klaus Eckel, Herbert Steinböck und Tricky Niki die Ehre und begeisterten insgesamt rund 2.500 Gäste mit Parodie, Wortwitz, Komik und Unterhaltung vom Feinsten. Die beliebten Events der Extraklasse sind ausschließlich Genossenschaftsmitgliedern vorbehalten und zählen damit zu den zahlreichen Vorteilen und Vergünstigungen, die Mitglieder gegenüber herkömmlichen Kunden der Volksbank Niederösterreich genießen. 

V. l. n. r.: Die Kabarettstars Tricky Niki, Herbert Steinböck, Alex Kristan und Klaus Eckel

Volksbank Salzburg

Ehrungen für verdiente Mitarbeiter

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er Vorstand der Volksbank Salzburg ehrte kürzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf eine lange und erfolgreiche berufliche Laufbahn in der Bank zurückblicken können. Generaldirektor Walter Zandanell (re.) und Personalleiterin Manuela Schlemmer (li.) dankten im Rahmen einer Feier den Jubilaren Heinz-Christian Jungbauer, Karl-Heinz Hiptmaier und Gottfried Aschauer (v. l. n. r.) für ihren bereits 40-jährigen Einsatz und ihre Treue. 

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Chronik

Volksbank Salzburg

Prognose und Tipps vom Experten

Rund 130 Gäste kamen in die Zentrale der Volksbank Salzburg

Hochrangiger Expertenbesuch in der Firmenzentrale der Volksbank Salzburg: Jan Holthusen, Chefanalyst der DZ BANK in Frankfurt, hielt einen mit Spannung erwarteten Vortrag zum Thema „Goldilocks in der Wirtschaft, Risiken in der Politik – was dominiert die Kapitalmärkte 2018?“.

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n Europa und in weiten Teilen der restlichen Welt befindet sich die Wirtschaft gegenwärtig in einem sogenannten Goldilocks-Szenario aus robustem Wachstum und niedriger Inflation. Risiken aus wirtschaftlicher Sicht drohen kaum. Mögliche Gefahren resultieren aber aus diversen Krisen, dem Brexit, der Unberechenbarkeit der Politik und den allgegenwärtigen geopolitischen Risiken. Holthusen analysierte in seinem Vortrag all diese Aspekte und leitete daraus Schlussfolgerungen für die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Die Prognosen des Experten waren von den 130 Veranstaltungsteilnehmern bereits mit Spannung erwartet worden. Denn schließlich ist Holthusen, der seit 2012 als Referent in der Volksbank Salzburg gastiert, bekannt für seine hohe Treffsicherheit, die sich auch im vergangenen Jahr einmal mehr bestätigte. Sein Ausblick für 2018: Das globale Wirtschaftswachstum wird auch im laufenden Jahr noch etwas anziehen, politische Risiken bleiben bestehen, sind

aber nicht geeignet, das insgesamt positive Stimmungsbild in der Wirtschaft und an den Kapitalmärkten nachhaltig zu beeinträchtigen. In Europa wird sich das Wachstum etwas oberhalb der Zwei-Prozent-Marke stabilisieren. Die EZB wird zum Ende des Jahres keine weiteren Nettokäufe von Anleihen mehr tätigen, fällig werdende Anleihen aber weiterhin reinvestieren, Zinserhöhungen stehen 2018 noch nicht auf der Agenda, glaubt Holthusen. Die Renditen bleiben insgesamt auf niedrigem Niveau, können im Jahresverlauf aber etwas ansteigen. Der Euro wird sich sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch im Verhältnis zu den meisten anderen Währungen noch etwas fester zeigen. Die Aktienmärkte dürften weiterhin profitieren, doch müssen die bereits recht hohen Bewertungen durch entsprechende Gewinnsteigerungen gerechtfertigt werden. Den Gästen gab Holthusen mit seinen Ausführungen wertvolle Tipps für deren geschäftliche und persönliche Fi-

Jan Holthusen, Chefanalyst der DZ BANK, bei seinem Vortrag

nanzen. In einer spannenden Fragerunde und beim Get-together im Anschluss gab es viel Gesprächsstoff rund um die aktuelle Wirtschaftssituation und die Entwicklungen in der Finanzwelt. 

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Chronik

Volksbank Kärnten

Neues Duo an der Spitze

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ersonelle Neuaufstellung an der Spitze der Volksbank Kärnten: Johannes Jelenik ist ab sofort Vorstandsvorsitzender der Bank. Ihm zur Seite steht der neue Vorstand Alfred Holzer, zuletzt Prokurist der Volksbank Kärnten. Jelenik, der schon bisher dem Vorstand angehörte, verantwortet unter anderem die Bereiche Privat- und Kommerzkundengeschäft, Tochtergesellschaften, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Treasury, Controlling und Rechnungswesen. Holzer übernimmt die Ressorts Marktfolge Aktiv und Passiv, Sanierungsmanagement, Risikomanagement, Personalentwicklung, Organisation und IT. 

Das neue Führungsduo der Volksbank Kärnten: Johannes Jelenik (li.) und Alfred Holzer (re.)

Volksbank Vorarlberg

Wertpapier-Event für Mitarbeiter Bei einer exklusiven Mitarbeiterveranstaltung im Vinomnasaal in Rankweil hat die Volksbank Vorarlberg über die Strategie im Wertpapiergeschäft informiert, die neue Kampagne „Sparen 2.0“ vorgestellt und zudem noch mit dem Auftritt des Ex-Geheimagenten Leo Martin verblüfft.

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orstandsvorsitzender Gerhard Hamel und Bernd Schrott, Vertriebsdirektor bei Union Investment in Österreich, übernahmen die Begrüßung und blickten auf das vergangene Geschäftsjahr zurück: 2017 konnte in der Volksbank Vorarlberg ein erfreuliches Wachstum bei den Fonds von Union Investment erzielt werden. Hamel sprach dafür allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seinen Dank aus. Im Anschluss präsentierte Union-Investment-Vertriebsdirektor Marco Krassen die Markteinschätzung für die kommenden Monate sowie Wachstumsund Ertragsstrategie, Schwerpunkte und Beratungsunterstützungen im Wertpapierbereich. Vorrangiges Ziel ist es dem54

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Beim Mitarbeiterabend drehte sich alles ums Thema Wertpapiere

nach, das Wertpapiergeschäft weiter auszubauen und neue Depotkunden zu gewinnen. Passend dazu stellte Vertriebs- und Marketingleiterin Tina Schwärzler eine neue Marketingkampagne vor, die als Dachmarke für alle Aktionen im Wertpapierbereich etabliert werden soll: „Sparen 2.0“ wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur „zur Gams“ entwickelt. Damit will sich die Volksbank Vorarlberg als Wertpapierbank positionieren und die Außenwahrnehmung stärken. Bereits im Februar startete die großflächige Bewerbung in ganz Vorarlberg. Den krönenden Abschluss des Abends bildete der Auftritt von Leo Martin, seines Zeichens Ex-Geheimagent,

Das Motiv der neuen Kampagne „Sparen 2.0“

Bestsellerautor und Kommunikationsexperte. Er demonstrierte mit Teilnehmern aus dem Publikum auf eindrucksvolle Weise, in welch hohem Umfang sich unbewusst ablaufende Denk- und Verhaltensmuster auf unsere Kommunikation auswirken und wie man Menschen lesen, ihre Motive durchschauen und sie für seine eigenen Ziele gewinnen kann. Bei einem kleinen Buffet ließen die Volksbank-Mitarbeiter den Abend ausklingen und nutzten noch die Gelegenheit, sich mit ihren Kollegen auszutauschen. 


Chronik

Volksbank Tirol

Über 1.000 Schüler absolvierten den Börsenführerschein Alle waren sie gekommen: Bundeskanzler Sebastian Kurz, Arnold Schwarzenegger, Andreas Gabalier – in Gestalt der erfolgreichen Stimmimitatoren von den Comedy Hirten. Der Anlass: Über 1.000 Schülerinnen und Schüler feierten den bestandenen Börsenführerschein der Volksbank Tirol. Beim großen Abschlussevent zeigte sich einmal mehr, dass Wissen ein Gewinn ist.

Die Schüler mit „ausgezeichnetem Erfolg“ freuten sich mit Skilegende Stephan Eberharter, Ö3-DJ Olivia Peter und Volksbank-Vorstand Markus Hörmann

Die Mädels der BFW Wörgl, 3 AL, holten den ersten Platz in der Klassenwertung

Volksbank-Vorstandsvorsitzender Markus Hörmann im Interview mit Ö3-Moderatorin Olivia Peter

Lukas Stock, Elias Lieb und Jonathan Parth gewannen je 1.000 Euro und einen Skitag mit Stephan Eberharter cooperativ 1/18

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Fotos: Oberhollenzer Kommunikation/Berger

„Fit for Banking“ war das Motto der kostenlosen Veranstaltungsreihe an insgesamt 22 Tiroler Schulen mit über 1.000 Schülerinnen und Schülern. Zum zweiten Mal startete die Volksbank Tirol diesen Wissenstransfer zwischen Finanzwirtschaft und Schule. Dabei vermittelten die Bankprofis der Volksbank praktisches Wissen rund um Aktien und Anleihen und gaben einen fundierten Einblick in die Finanzwelt. „Als Tiroler Anlagebank mit Tradition liegt uns die wirtschaftliche Bildung unserer Jugendlichen am Herzen. Unsere Berater können den Schülern mit ihrer Erfahrung komplexe Angelegenheiten rund ums Thema Börse praxisnah erklären und so aktiv ihre wirtschaftliche Bildung fördern“, so Volksbank-Vorstandsvorsitzender Markus Hörmann über den Erfolg des Konzeptes. Was ihn besonders freut: Es beteiligten sich doppelt so viele Schulen wie beim ersten Mal. Beim abschließenden Wissenscheck konnten die neuen Börsenprofis ihre erworbenen Fähigkeiten auch gleich unter Beweis stellen. 208 Schüler erreichten beim Börsenführerschein die volle Punktezahl. Derart herausragende Leistungen müssen natürlich gebührend belohnt werden: Es gab ein offizielles Ausbildungszertifikat der Volksbank Tirol, zusätzlich wurden Sachund Bargeldpreise im Wert von über 15.000 Euro verlost. Beim großen Abschlussevent im Congress Innsbruck mit Ö3-DJ Olivia Peter, den Comedy Hirten und DJ Hoody wurden die Preise in den Kategorien „Guter Erfolg“, „Ausgezeichneter Erfolg“ und „Klassenwertung“ übergeben.


Chronik

Volksbank Akademie

Am Puls der digitalen Bildungstrends Die LEARNTEC in Karlsruhe gilt als Leitmesse für digitale Bildung in Europa. Rosa Dangubic und Florian Hirner vom E-Learning-Team der Volksbank Akademie informierten sich vor Ort über die Neuheiten und mögliche Einsatzgebiete im Volksbanken-Verbund. Hier ihre Eindrücke und Erfahrungen.

Die LEARNTEC ist Europas größte Veranstaltung für digitale Bildung

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ber 10.000 Fachbesucher - mehr als je zuvor - kamen Ende Jänner nach Karlsruhe, um sich bei 302 Ausstellern und in einem hochkarätig besetzten Kongress über die aktuellen Trends in der digitalen Bildung zu informieren und auszutauschen. Vor allem aus dem Bereichen Beratung, Consulting, Handel und Vertrieb herrschte reger Besucherzustrom. Auch die Volksbank Akademie war vor Ort, um die neuesten Trends und Entwicklungen auf dem Gebiet des E-Learning aufzuspüren und die besten Ideen und Innovationen nach Österreich zu bringen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter im Volksbanken-Verbund auch weiterhin Trainings und Ausbildungen erhalten, die „state oft the art“ sind. Als Megatrend auf dem Gebiet des digitalen Lernens zeichnete sich auf der Messe ganz klar das Lernen mittels Virtual und Augmented Reality 56

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Florian Hirner und Rosa Dangubic bei ihrem Messebesuch

Die VR-Brille eröffnet völlig neue Möglichkeiten des Lernens

ab. Es bot sich auch die Chance, diese neuen Technologien hautnah zu erleben. Die Erfahrung vermochte durchaus zu überzeugen und zu begeistern, denn durch das multisensorische Erleben einer Kundenberatungssituation gestaltet sich das Lernen intensiver und spielerischer. Noch vor Ort wurden daher Kontakte mit Anbietern geknüpft und Kooperationsmöglichkeiten besprochen. Es gilt nun zu klären, ob und in welchem Ausmaß ein solches Projekt gewinnbringend im Verbund realisiert werden kann. Insgesamt 60 Stunden Kongressprogramm mit sechs Keynotes, 66 Vorträgen und sechs interaktiven Workshops boten an den drei Veranstaltungstagen neben der Messe auch gebündeltes praxisnahes Wissen für alle Zielgruppen. Innovative Lernkonzepte gepaart mit konkreten Tipps aus der Praxis sorgten für wertvolle Impulse. Besonderen Anklang fand dabei die

Keynote von Charles Jennings, Mitbegründer des 70:20:10-Instituts, der seine neuartigen Ansätze rund um das richtige Verhältnis von formalem und informellem Lernen im Berufsalltag präsentierte. Jennings gewährte dabei auch Einblicke in diesbezügliche Projekte, die er mit internationalen Firmen wie Starbucks realisiert hat. Demnach sollten informelle Kanäle den ersten Zugang zum Lernen im Beruf darstellen. Ziel müsse es sein, Kollegen bestmöglich dabei zu unterstützten, ihr Wissen zu teilen und sich untereinander zu vernetzen. Auch die Volksbank Akademie setzt auf ein ganz ähnliches Modell, indem formales Blended Learning oder Online-Training mit informellem Training „on the job“ durch Mentoren, Kollegen und Führungskräfte wirksam verknüpft wird.    

Rosa Dangubic und Florian Hirner


Chronik

Union Investment

Volksbank-Privatkunden investierten 2017 rund 900 Millionen Euro

Foto: Robert Polster

Foto: Felicitas Matern

Seit mehr als zwei Jahren besteht die Partnerschaft der Volksbanken mit der Fondsgesellschaft Union Investment. Ein Erfolgsmodell, wie die aktuellen Zahlen belegen: Volksbank-Privatkunden in Österreich kauften im vergangenen Jahr Fondsanteile im Wert von rund 900 Millionen Euro.

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bzüglich der Rückflüsse führte dies zu einem Nettoneugeschäft von etwa einer halben Milliarde Euro. Die meisten Anleger setzten dabei auf Multi-Asset-Fonds, die in eine Mischung aus mehreren Anlageklassen und -formen investieren. Aber auch klassische Aktien- sowie offene Immobilienfonds waren sehr gefragt. Insgesamt waren per Ende 2017 etwa 2,4 Milliarden Euro von Volksbank-Privatanlegern in Fonds von Union Investment veranlagt. „Dieser Erfolg kann sich sehen lassen“, so Gerald Fleischmann, Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN. „Mit Fonds von Union Investment haben unsere Berater die richtigen Produkte an der Hand, um ihren Kunden eine zeitgemäße Form der Vermögensanlage im aktuellen Niedrigzinsumfeld zu bieten. Und ganz wichtig: Die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Union Investment macht einfach Spaß, da unsere Unternehmensphilosophien auf denselben

Gerald Fleischmann, Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN

Marc Harms, Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Austria

Werten basieren“, erläutert Fleischmann weiter. Neben der klassischen Vermögensanlage ist der regelmäßige Vermögensaufbau mithilfe von Fondssparplänen ein wesentlicher Erfolgstreiber im Privatkundengeschäft. Zum Jahresende 2017 hatten österreichische Privatanleger bereits rund 49.000 Sparpläne in Fonds von Union Investment. Das Wachstum seit Ende 2016 betrug über 60 Prozent. „Wir freuen uns sehr über den großen Erfolg unserer ersten beiden Jahre am österreichischen Markt. Dieser wäre ohne das regionale Know-how, die Vertriebsstärke und die Beratungskompetenz der Volksbanken nicht möglich gewesen“, so Marc Harms, Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Austria. Auch die Zahlen im Geschäft mit den institutionellen Kunden können sich sehen lassen: Insgesamt verwaltete Union Investment in Österreich per Ende 2017 rund 3,9 Milliarden Euro für diese Kun-

dengruppe. Der Nettoabsatz betrug im vergangenen Jahr rund 330 Millionen Euro. Hier wuchs das Geschäft vor allem mit Pensionskassen, betrieblichen Vorsorgekassen und Unternehmen. Das Geschäft mit den betrieblichen Anlegern nahm auch durch die Kooperation mit den Volksbanken deutlich Fahrt auf und soll 2018 weiter ausgebaut werden. Die Erfolge belegen, dass die Strategie der Volksbanken, die besten Produktpartner ins Boot zu holen, funktioniert. „Wir als Volksbanken konzentrieren uns ausschließlich auf unsere Kernkompetenzen im Kredit- und Einlagengeschäft sowie im Zahlungsverkehr. Für alles Weitere setzen wir auf externe Produktpartner, die nahtlos in das operative Geschäft integriert sind. So garantieren wir unseren Kunden größtmögliche Kundennähe und höchste Beratungsqualität gepaart mit der besten Produktqualität. Dass dies beim Kunden gut ankommt, ist äußerst erfreulich“, so Fleischmann.    

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Chronik

VdFS ERGO

Neuer Vorstand für Vertrieb

25 Jahre Partner der Filmschaffenden

In der Festschrift kommen Gründer von einst und Akteure von heute zu Wort

Fotos: Christopher Glanzl

Der Vertrieb der ERGO, Partner der Volksbanken im Versicherungsgeschäft, wird ab 1. April unter Christian Noisternig als neuem Vorstand gebündelt.

Foto: Gerry Frank

Die ehemalige Ankerbrotfabrik im Wien bildete den Rahmen für die Jubiläumsfeier

„Ich freue mich, dass wir mit Christian Noisternig einen Experten gewinnen konnten, der die komplexen Aufgaben des Versicherungsvertriebs der ERGO in Österreich aus einer Hand steuern wird. Durch seine Erfahrung bei der Neustrukturierung und Steuerung von Vertriebsorganisationen und der Nutzung von Synergieeffekten ist er die ideale Besetzung für diese Position“, so Thomas Schöllkopf, Vorstandsvorsitzender der ERGO Austria International, der selbst mit Ende März in den wohlverdienten Ruhestand tritt. Noisternig, geboren 1972 in Wien, ist studierter Jurist und seit 20 Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen in der Bankbranche tätig Vertrieb Privat- und Geschäftskunden, Risikomanagement, Finance und Treasury. Zuletzt verantwortete er als Bereichsvorstand das Österreich-Geschäft für Privatkunden, Geschäftskunden und freie Berufe bei der UniCredit Bank Austria. Zudem nimmt Noisternig auch mehrere Aufsichtsratsmandate als Vorsitzender bzw. als Mitglied wahr. 

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Als Genossenschaft, die auf die Rechte der Filmschaffenden schaut, nimmt sie eine wichtige Funktion im Kulturland Österreich ein: Mit einem Fest voller filmischer Highlights feierte die VdFS jetzt in der Wiener Ankerbrotfabrik ihr 25-jähriges Bestehen. „Im ersten Vierteljahrhundert ihres Bestehens hat sich die VdFS als wichtige Säule der Filmschaffenden in der österreichischen Filmlandschaft etabliert. 2017 erreichten die Umsätze den historischen Höchststand von über sechs Millionen Euro“, so Geschäftsführer Gernot Schödl, der auch Mitglied im Verbandsrat des ÖGV ist. Neben der Einhebung von Tantiemen für die rund 2.600 Bezugsberechtigten – darunter Schauspieler, Kostümbildner, Kameraleute oder Regisseure – unterstützt die Verwertungsgesellschaft auch in sozialen Notlagen und ist Finanzierungspartnerin für zahlreiche Institutionen rund um den österreichischen Film. Mit Blick auf die Zukunft meint Schödl: „Obwohl es der VdFS in den letzten 25 Jahren gegen allen Widerstand gelungen ist, viele Rechte und Ansprüche ihrer Bezugsberechtigten durchzusetzen, ist deren umfassende Anerkennung auf nationaler und internationaler Ebene noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das Bewusstsein, dass Filmschaffende und Schauspieler genauso Urheber und Leistungsschutzberechtigte sind wie alle anderen Kulturschaffenden, fehlt noch immer. Dieses Bewusstsein nachhaltig zu fördern, wird auch in den kommenden 25 Jahren Arbeitsauftrag für die VdFS sein.“ In einer Festschrift zum Jubiläum erinnern sich die Gründer von damals an die Anfänge der VdFS. „Die Genossenschaft wurde gewählt, weil sie die demokratischste aller Rechtsformen ist“, heißt es da etwa. Unter den zahlreichen Gratulanten findet sich auch der ÖGV: „25 Jahre Genossenschaftsgeschichte sind verbunden mit konsequenter Umsetzung des Förderauftrags sowie Engagement für die Mitglieder“, schreibt der Vorstand in der Festschrift. Auch die Filmschaffenden selbst kommen zum Jubiläum zu Wort: „Der Respekt vor der Kreativität ist heute wichtiger denn je. Das Tolle am Solidarmodell und dem Engagement der VdFS ist, dass wir neue Kunst erschaffen können, indem wir uns selbst fördern“, so die Schauspielerin Mercedes Echerer.    


Chronik

Brauerei Murau

Erfolgreiche Zertifizierung Die Brauerei Murau, die seit Jahren nach hohen Qualitätsstandards produziert und dafür bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, freut sich über die erfolgreiche Zertifizierung nach dem International Featured Standard Food (IFS) – ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der genossenschaftlichen Brauerei.

Wirteskitag am Kreischberg

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er IFS wurde ursprünglich vom deutschen und französischen Einzelhandel zur Auditierung von Eigenmarkenlieferanten entwickelt. Er dient der einheitlichen Überprüfung der Lebensmittelsicherheit und des Qualitätsniveaus der Produzenten. Durch diesen sehr strengen Standard sollen Lebensmittelsicherheit und Qualität der Produkte verbessert sowie der Schutz und das Vertrauen der Verbraucher gestärkt werden. Der Standard richtet sich mittlerweile nicht mehr nur an Hersteller von Eigenmarken, er wird als lebensmittelspezifisches Qualitätssicherungssystem für alle produzierenden Lebensmittelunternehmen international geschätzt. Das Erreichen einer Gesamtpunktzahl von 96,9 Prozent erfüllt die Verantwortlichen der Brauerei mit besonderem Stolz.    

Die Murauer-Geschäftsführer Josef Rieberer (li.) und Johann Zirn (re.) mit Barbara Zirn, der IFS-Verantwortlichen der Brauerei

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lle zwei Jahre bedankt sich Murauer Bier bei seinen Wirten und Partnern für die wertvolle Zusammenarbeit mit einem Wirteskitag, der mittlerweile bei den Kunden in ganz Österreich beliebt ist. Die perfekten Bedingungen auf und abseits der Skipisten des Kreischbergs, das abwechslungsreiche Showprogramm und gute Wetterbedingungen sorgten heuer für einen Rekordansturm auf die Akkreditierungsstelle in der Kreischberghalle. Knapp 2.000 Murauer-Kunden genossen die bestens präparierten Pisten, die originellen Acts sowie die Bewirtung in den Kreischberg-Hütten und eine stimmungsgeladene Après-Ski-Party. Zu den Highlights zählten die Livemusik der Gruppe Smash und der Edlseer, die für ein begeistertes, tanzbeinschwingendes Publikum und beste Stimmung sorgten.    

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Chronik

Sport 2000

Starke Umsätze im Winter

Foto: SPORT 2000/Gregor Hartl

Die Österreicher geben bei Wintersportartikeln und Sporttextilien wieder mehr Geld für Qualität und individuelle Beratung aus. Das freut besonders die heimische Fachhändler-Genossenschaft SPORT 2000. Allein im Weihnachtsgeschäft verzeichneten die 213 Händler Umsatzzuwächse von durchschnittlich 15 Prozent.

Foto: Atomic

SPORT-2000-Vorstand Holger Schwarting: „Bootfitting ist ein stark wachsendes Segment“

Tourenskigehen liegt nach wie vor voll im Trend

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in früher Wintereinbruch mit Schnee und Kälte sorgte bei den Konsumenten für Kauflaune, bei vielen Österreichern lagen zudem Sportartikel unterm Weihnachtsbaum. „Besonders freut uns die starke Nachfrage nach hochwertigen Sportartikeln für Kinder. Das zeigt, dass es vielen Eltern wichtig ist, dass sich die Kinder bewegen und die Freude am Sport entdecken. Auch der Bereich Textil hat sich durch den frühen Winter sehr positiv entwickelt“, erklärt Holger Schwarting, Vorstand von SPORT 2000. Der Fitness-Boom in der kalten Jahreszeit hält ebenfalls an: „Tourenski60

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gehen liegt noch immer stark im Trend, aber auch die Schneeschuhwanderer erobern zunehmend die winterliche Landschaft. Und Langlauf erlebt ein kleines Comeback, vor allem bei den Skatern lassen sich im Vergleich zu den Vorjahren Umsatzzuwächse vermerken. Hinzu kommt: Läufer rasten auch bei Schnee und Kälte nicht und statten sich mit Multifunktionsbekleidung für ihre Laufrunden aus“, so Schwarting. Ebenfalls ein Plus gab es heuer bei Schlitten, Bobs und Eislaufschuhen. Aufgrund der eisigen Temperaturen lagen auch vermehrt wärmende und schützende Sportartikel wie Helme,

Brillen, Mützen und Handschuhe unterm Weihnachtsbaum. Und: Der Verkauf von Alpin-Skiern konnte im Vergleich zu den Vorjahren wieder zulegen. Ein starkes Wachstum verzeichnete die Verleihplattform „SPORT 2000 rent“. Hier setzte der Boom bei Onlinebuchungen aufgrund der guten Schneelage bereits Anfang Dezember ein. Stark im Kommen sind komfortable, an den eigenen Fuß speziell angepasste Skischuhe. Das Bootfitting ist für den Sportfachhandel damit ein weiterhin wachsendes Segment. „Freizeitsportler, die einmal mit einem individuell angepassten Skischuh gefahren sind, kaufen nie wieder einen Schuh online oder ohne professionelle Beratung. Unsere SPORT-2000-Händler sind auf dem Gebiet des Bootfittings topfit und verfügen über eine extrem hohe Fachkompetenz und jahrelange Erfahrung“, betont Schwarting. Er ist sich sicher: „Das Thema Personalisierung wird bei vielen Sportartikeln – vom Schuh bis zum Tennisschläger – in den nächsten Jahren immer wichtiger.“    


Ex Libris

Christian Steiner, Aleksandar Jankovic Der Jahresabschluss nach IFRS Manz 226 Seiten € 39,-

Aufgrund der neuen Standards IFRS 9 (Finanzinstrumente) und IFRS 15 (Erlöse aus Kundenverträgen) – diese wurden 2016 ins europäische Recht übernommen – sowie IFRS 16 (Leasing) – ersetzt ab 1. Jänner 2019 IFRS 17 – wurde das vorliegende Werk zum Jahresabschluss nach IFRS überarbeitet. Im Zuge der zweiten Auflage wurden auch geringfügige Änderungen einzelner Standards und Annual Improvements mitberücksichtigt sowie Änderungen durch die Disclosure Initiative eingearbeitet. In bewährter Weise werden nur jene Standards dargelegt, welche in der österreichischen Praxis die Hauptanwendungsfälle darstellen. Im Kapitel „Grundlagen der Rechnungslegung“ werden das Rahmenkonzept, die Darstellung und die Elemente des Jahresabschlusses gemäß IAS 1 sowie die Rechnungslegungsmethoden (IAS 8), die Zwischenberichterstattung (IAS 34) und Wechselkursänderungen (IAS 21) behandelt. Im Kapitel „Gewinn- und Verlustrechnung“ wird der neue Standard IFRS 15 (Erlöse aus Verträgen mit Kunden) übersichtlich dargelegt. Sonderfragen wie Kommissionsgeschäfte, Bill-and-Hold-Vereinbarungen, Garantien und Gewährleistungen, Einbringlichkeiten und belastende Verträge runden den Abschnitt ab. Das Kapitel „Bilanz“ umfasst alle Bilanzierungsstandards. Es sind dies IAS 38 (immaterielle Vermögenswerte), IAS 16 (Sachanlagen), IAS 20 (öffentliche Zuwendungen), IAS 40 (als Finanzinvestition gehaltene Immobilien), IFRS 16 (Leasing) und der neue Standard IFRS 9 (Finanzinstrumente). Die Standards über Vorräte (IAS 2) sowie die Erfüllung von Leistungsverpflichtungen über einen Zeitraum (IFRS 15), anteilsbasierte Vergütungen (IFRS 2), Leistungen an Arbeitnehmer (IAS 19), Rückstellungen, Eventualverpflichtungen und Eventualforderungen (IAS 37) vervollständigen den Bilanzteil. Im folgenden Kapitel werden die

Steuern behandelt (IAS 12) – mit dem wohl wichtigsten Punkt, den latenten Steuern. Das letzte Kapitel widmet sich Sonderthemen wie IFRS 1 (erstmalige Anwendung), IFRS 13 (Bemessung des beizulegenden Zeitwertes) oder IAS 10 (nahestehende Personen und Ereignisse nach dem Abschlussstichtag). Da bei der Besprechung der Standards immer Fallbeispiele und Lösungen die Anwendung verdeutlichen, ist dieses Buch eine wertvolle Hilfe, um einen profunden Einblick in die IFRS-Welt zu erhalten und auch ein praktischer Leitfaden für die Erstellung von Jahresabschlüssen nach IFRS. Franz Groß Romuald Bertl, Eva Eberhartinger, Anton Egger, Klaus Hirschler, Susanne Kalss, Michael Lang, Christian Nowotny, Christian Riegler, Alexander Rust, Josef Schuch, Claus Staringer (Hrsg.) Hybrid-Finanzierung in Bilanz- und Steuerrecht Linde 240 Seiten € 74,-

Die Behandlung der Finanzierung von Unternehmen war schon immer ein zentrales Thema für die Rechnungslegung und das Steuerrecht. In den letzten Jahren war zu beobachten, dass die Unternehmensfinanzierung verstärkt abseits des klassischen Eigenkapitals und des klassischen Bankkredits vorgenommen wurde. Solche Finanzierungsarten sind als hybride Finanzierungen bekannt. Mit dieser Entwicklung befassten sich auch die Wiener Bilanzrechtstage 2017, um dieses Thema aus der betriebswirtschaftlichen, der rechnungslegungsrechtlichen, gesellschafts- und steuerrechtlichen Perspektive zu beleuchten. Die Ergebnisse wurden nun in einem Band zusammengefasst. Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich mit der hybriden Finanzierung aus der Sicht des Emittenten im UGB-Jahresabschluss, aus der Sicht der Investoren und Gesellschafter sowie des Insolvenzschutzes. Ebenso beleuchtet werden Genussrechte in der steuerrechtlichen Behandlung sowie deren Einordnung als steuerliches Eigenkapital. Mit einer hybriden Finanzierung ist oft auch ein eingebettetes Derivat

verbunden, sodass auch dessen Abbildung im UGB und IFRS dargestellt wird. Die Auswirkungen der hybriden Finanzierung auf den Unternehmenswert runden den Themenbereich ab. Diese multidisziplinäre Aufarbeitung des Themas bietet sowohl dem Praktiker eine Hilfestellung, als auch dem wissenschaftlich Interessierten eine vertiefte Diskussion. Franz Groß Lukas Feiler, Bernhard Horn Umsetzung der DSGVO in der Praxis – Fragen, Antworten, Muster Verlag Österreich 223 Seiten € 49,-

Durch die europäische DatenschutzGrundverordnung (DSGVO), welche am 25. Mai 2018 in Kraft tritt, erfährt das gesamte österreichische Datenschutzregime eine grundlegende Veränderung. Nicht nur die damit einhergehenden drakonischen Strafen machen den Unternehmern zu schaffen, sondern auch die zahlreichen Dokumentations- und Mitteilungspflichten, welche die sogenannten Verantwortlichen und Auftragsverarbeiter fortan treffen werden. Um die Praxis so gut wie möglich auf diesen anstehenden Wechsel vorzubereiten, stellen die Autoren dieses Buches auf 223 Seiten zahlreiche praktisch relevante Muster (etwa für das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten oder die Datenschutzmitteilung für Websites) sowie einen Zwölf-Schritte-Plan zur Umsetzung der DSGVO in Unternehmen, Behörden oder anderen öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung. Schließlich werden anhand von 100 Fragen aus der Praxis Empfehlungen zu korrekten Ausführung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen dargelegt, etwa im Zusammenhang mit der Datenschutzfolgeabschätzung, dem Datenschutzbeauftragten und den Betroffenenrechten. In der noch immer vorherrschenden Unsicherheit bezüglich der präzisen und praktischen Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung bietet dieses Buch eine äußerst nützliche

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Unterstützung für all jene, die Ende Mai datenschutzkonform sein wollen. Barbara Zauner Michael Pachinger, Georg Beham (Hrsg.) Datenschutz-Audit: Recht – Organisation – Prozess – IT LexisNexis 212 Seiten € 39,-

Infolge der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) müssen die bisherige Prozesse und Dokumentationen an dieses Regime angepasst werden. Kein leichtes Unterfangen, hält die Neuregelung doch einige Aufgaben für die Unternehmen bereit. So bestehen künftig strengere Vorgaben bei der Datensicherheit, die Rechte von betroffenen Personen werden erheblich gestärkt. Gleichzeitig verlangt die Datenschutz-Grundverordnung von den Unternehmen auch ein erhöhtes Maß an Selbstverantwortung. Um diesen Erfordernissen gerecht werden zu können, müssen Unternehmen ihre internen Prozesse an die neuen Gegebenheiten angleichen. Zentrale Unternehmensbereiche sind dabei auf neue Beine zu stellen – etwa in den Organisationseinheiten Recht Organisation, Prozess, IT sowie Compliance. Auf dem durchaus steinigen Weg dorthin ist das vorliegende Werk ein nützlicher Begleiter, der den Unternehmen hilft, ein geeignetes Datenschutzmanagement aufzubauen und die entsprechenden Audits durchzuführen. Das Buch orientiert sich dabei am Aufbau der Datenschutz-Grundverordnung und beinhaltet jeweils Kontrollpunkte, an denen sich die Unternehmen dahingehend orientieren können, ob und wie weit die gesetzlichen Erfordernisse unternehmensintern bereits umgesetzt worden sind. In Summe stellt das vorliegende Buch daher eine durchaus lohnende Investition dar, kann es den Unternehmen doch helfen, die zum Teil sehr drakonischen Strafen und Sanktionen zu vermeiden, die das neue Datenschutzrecht für sie bereithält. Markus Steindorfer

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Christian Steiner, Aleksandar Jankovic UGB vs IFRS: Der Jahresabschluss im Vergleich Manz 350 Seiten € 58,-

In der vorliegenden zweiten Auflage dieses Praxishandbuchs wurden die UGB-Änderungen aufgrund des RÄG 2014, das APRÄG 2016 sowie alle Änderungen der Standards, etwa bei IFRS 9 (Finanzinstrumente), IFRS 15 (Umsatzrealisierung) und IFRS 16 (Leasing), eingearbeitet. Das Werk bietet eine profunde Gegenüberstellung der nationalen und internationalen Vorschriften zur Rechnungslegung. Es dient als praktischer Leitfaden zur Erstellung von Jahresabschlüssen nach IFRS bzw. UGB und unterstützt den Leser mit über 140 praxisorientierten Beispielen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Es wird stets auf die relevanten IAS/ IFRS-Standards und Paragrafen des UGB sowie auf weitere relevante Gesetzesstellen und -quellen verwiesen. Querverweise, Details zu Anhangangaben sowie die klare Strukturierung der Kapitel mit der Gliederung nach Thema, Ansatz und Bewertung stellen eine wertvolle Unterstützung bei der Erstellung von Jahresabschlüssen nach UGB und IFRS sowie deren Überleitung dar. Gerlinde Stumpf Gerhard Altenberger, Christina Hartig (Hrsg.) Bilanzfälschung: Erkennen – Verstehen – Vorbeugen Linde 576 Seiten € 98,-

Die Schlagzeile „Bilanzfälschung“ geistert immer wieder durch die Medien. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen deliktischen Tatbestand, der bis vor einiger Zeit in verschiedenen Gesetzen mit Strafe bedroht war und daher nur von Spezialisten zu überschauen war. Mit der Einführung des neuen Bilanzstrafrechts fand eine Zusammenfassung des Straftatbestandes statt. Das Bilanz-

strafrecht betrifft sowohl den Bilanzersteller, als auch alle mit der Prüfung befassten Personen. Im Mittelpunkt der Bestimmung stehen dabei die Fragen, ob in unvertretbarer Weise wesentliche Informationen falsch oder unvollständig dargestellt oder verschwiegen werden und ob dies geeignet ist, einen erheblichen Schaden für den Verband, dessen Gesellschafter, Mitglieder, Gläubiger oder für Anleger herbeizuführen. Die Strafandrohung beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsentzug. Im vorliegenden Werk wird das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. So gehen Wirtschaftspsychologen auf die Motive bzw. auf die subjektive Tatseite ein. Ebenso wird die Materie aus der Sicht des Abschlussprüfers, der Rechtsanwälte, der Strafverteidiger, der Manager, der Buch- und Banksachverständigen, aber auch aus Sicht der Versicherungsspezialisten betrachtet. Aus Sicht des Bilanzerstellers wird gezeigt, in welchen Posten der Bilanz Fälschungen auftreten können und inwieweit man sich gegen diesen Vorwurf von dritter Seite versichern kann. Für den Abschlussprüfer wird nicht nur die zivilrechtliche Haftung dargestellt, sondern auch die Frage gestellt, ob er Bilanzfälschungen aufdecken oder verhindern kann. Für das Erkennen von Bilanzfälschungen bietet der Beitrag „Täterprofil eines Bilanzfälschers“ Einblick in die Motivation und Gelegenheit zur Bilanzfälschung. Aufgrund der weit gefächerten Aufbereitung des Themas ist dieses Buch für Wirtschafts- bzw. Abschlussprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte, Strafverteidiger, Unternehmensberater und Sanierer ebenso wie für Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte, aber auch für Investoren, Anleger und Kreditgeber eine äußerst informative Aufbereitung der Thematik. Franz Groß Till Hausmann, Andreas Vonkilch (Hrsg.) Österreichisches Wohnrecht – WEG Verlag Österreich 1.286 Seiten € 249,-

Die jüngsten Entwicklungen im Wohnungseigentumsrecht rechtfertigen eine Neuauflage dieses Großkommentars. In der nun


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veröffentlichten vierten Auflage wurden alle neuen wohnrechtlichen Entscheidungen des Höchstgerichts, aktuelle Literaturmeinungen sowie gesetzliche Änderungen, insbesondere die Wohnrechtsnovelle (WRN) 2015, berücksichtigt. Damit bietet der Großkommentar die umfassendste, vollständigste und dogmatisch fundierteste Darstellung des österreichischen Wohnungseigentumsrechts. Das Buch sollte daher in keiner juristischen Bibliothek fehlen. Ulrike Schuh

Marie-Agnes Arlt, Phillip von Schrader Das neue Börserecht Manz 216 Seiten € 48,-

Mit Anfang dieses Jahres ist das Börsegesetz 2018 in Kraft getreten. Das vorliegende Handbuch bietet für Praktiker, Berater und Anwender einen umfassenden Überblick über die Grundlagen und Neuerungen des Gesetzes sowie der damit verbundenen europäischen Rechtsakte. Insbesondere werden die Bestimmungen zu Marktmissbrauch und Transparenzvorschriften näher erläutert. Im Anhang finden sich Auflistungen delegierter Rechtsakte sowie für Praktiker relevante Vorlagen, Muster und Praxistipps. Ulrike Schuh

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Anno dazumal Chronik

Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“, herausgegeben vom Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal. Eine Erhebung der Lebensmittelpreise unter den in Österreich-Ungarn, im Deutschen Reich und in der Schweiz tätigen Konsumgenossenschaften brachte zutage, dass viele Produkte, insbesondere Genussmittel und Importwaren, gar nicht mehr im Angebot waren. Für die noch erhältlichen Produkte wurden horrende Preise verlangt. Eier kosteten etwa um 360 Prozent mehr im Vergleich zum „Friedenspreis“ vor 1914. Weizenmehl, das wichtigste Grundnahrungsmittel, verzeichnete zwar 1917 keine Preissteigerungen, der Preis lag aber ohnehin bereits rund 180 Prozent über dem Vorkriegsniveau. * Zur Bekämpfung der Mangelwirtschaft und der daraus resultierenden hohen Lebensmittelpreise wurden diverse Verordnungen erlassen. Franz Halban publizierte, mit dem Sanctus des Amtes für Volksernährung, einen 240 Seiten starken Band, der sämtliche Vorschriften zum Umgang mit Obst und Gemüse beinhaltete. Die Schuld an der Nahrungsmittelknappkeit liege nicht bei den Behörden, sondern bei der Bevölkerung, die behördliche Verordnungen gewohnheitsmäßig nicht einhalte, monierte der Autor. * Als Reaktion auf die durch den Krieg entstandenen Herausforderungen im Umgang mit den vielen Invaliden, den verwaisten Kindern und den Witwen wurde das Ministerium für soziale Fürsorge eingerichtet. Es nahm seine Tätigkeit zu Jahresbeginn 1918 auf und bestand Das schlechte Postservice zwang zur raschen aus fünf Sektionen: dem Jugendamt, der Invalidenfürsorge, welche die Kriegsversehrten und Einsendung von Beiträgen, um diese rechtzeitig ihre Familien beriet und unterstützte, der Arbeiter- und Unfallversicherung, der Sektion für Arpublizieren zu können beiter- und Angestelltenschutz mit besonderem Augenmerk auf Kinder- und Heimarbeit sowie der Wohnungsfürsorge. Damit wurden die zuvor bei unterschiedlichen Ministerien angesiedelten Kompetenzen zusammengeführt und auch neue geschaffen. * Die Finanzlandesdirektion für die Steiermark forderte, wie in dieser Rubrik bereits berichtet, vom Schutzverband der alpenländischen Brauereien in Graz eine hohe Steuernachzahlung. Die Genossenschaft legte Rekurs ein, woraufhin die Behörde die Forderung sogar noch erhöhte. In der Folge beschritt man den Rechtsweg und legte Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof ein. Dieser entschied nun: „Die angefochtene Entscheidung wird wegen mangelhaften Verfahrens aufgehoben.“ Damit ging die Causa an die Finanzlandesdirektion zurück, die der Genossenschaft Gelegenheit zur Mitwirkung geben müsse, wie im Spruch unter anderem festgestellt wurde. * Eben erst war vom Kaadener Rechtsanwalt Adolf Forster ein flammender Appell für den Beitritt von Genossenschaften zum AllgemeiDie Ausgabe vom 23. Jänner 1918 wurde wegen eines Streiks mit Verspätung zugestellt nen Verband veröffentlicht worden. Umso bedauerlicher war das plötzliche Ableben des Anwalts bei einer kurzen Eisenbahnfahrt von Klösterle nach Kaaden. Nicht nur der Allgemeine Verband verlor einen außerordentlichen Mitstreiter, auch der Landewirtschaftliche Spar- und Vorschussverein Kaaden, dessen stellvertretender Direktor Forster war, brachte sein tief empfundenes Bedauern zum Ausdruck. * In der nächsten Ausgabe von „Damals vor 100 Jahren“ geht es um Beiträge im Lichte des Konkurses von Genossenschaften.

Markus Binder

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320.485.914

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abzüglich des mit den Geschäftsguthaben

5.900.894,60

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15 *)

Abgang

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5.900.894,60

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Endstand 30.06.2017

15.398,23

15.398,23

1.123,67

16.521,90

16.521,90

16.521,90

0,02

826.095

4

davon ausscheidend

*) Der Mitgliederabgang iHv 15 Mitgliedern beruht auf Fusionen von Mitgliedern im Geschäftsjahr 2016/2017; Die Geschäftsanteile wurden auf andere Mitglieder übertragen.

Geschäftsguthaben

Einlagen laut Aktivseite der Bilanz

abzüglich eingeforderter ausstehender

Zwischensumme laut Passivseite der Bilanz

5.900.894,60

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darauf entfallende Haftsumme

verrechneten Verlust gem. GV – Beschluss

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Gesamtnennbetrag der Geschäftsanteile

Nominalbetrag

Zahl der Geschäftsanteile

Zahl der Mitglieder

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Anfangsstand 01.07.2016

Mitgliederstand, Geschäftsguthaben, Haftsummen (Anhang zur Bilanz gemäß § 22 Abs. 2 GenG)

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DAS IST JA AUSGEZEICHNET.

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Gemeinsam erfolgreich: Der neue Verbandsanwalt über seine Pläne

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