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Themenheft

Karriere &CAMPUs

April 2018 Ausgabe Nr. 3 2

sg n u d Bil n e s s e M in der

Regio

n

Verwählt

Immer mehr Azubis brechen ihre Lehre ab

Verzweifelt Studenten kämpfen gegen den Leistungsdruck

Verbissen Per Klage ins Medizinstudium


BEZAHLUNG AUSBILDUNG

GroKo will AzubiMindestlohn

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ie Unterschiede bei Ausbildungsgehältern sind gewaltig. Die Große Koalition will das mit einem Azubi-Mindestlohn ändern. Doch das Vorhaben ist umstritten.

876 Euro. So viel hat 2017 im Schnitt jeder Auszubildende in Deutschland monatlich verdient. Doch die Schere geht weit auseinander, meldet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Nur 310 Euro brutto bekamen Fleischer-Azubis in Ostdeutschland im ersten Lehrjahr. Auf Rang zwei liegen Friseure mit 406 Euro. Konstruktionsmechaniker bekommen dafür im ersten Jahr 975 Euro (West) oder 958 Euro (Ost).

Nur Bares ist Wahres? Friseure verdienen 406 Euro im Monat. Deutlich weniger als viele andere.

SPD und Union möchten das ändern. Im Koalitionsvertrag steht die Einführung einer Mindest-Ausbildungs-Vergütung bis zum 1. Januar 2020. Die Höhe ist noch offen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) macht jedoch einen Vorschlag: Jeder Azubi soll mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen Azubi-Tarif-Löhne bekommen. Das hieße im ersten Jahr 635 Euro, im dritten 768 Euro. Bis zu 160.000 Azubis in Deutschland könnten profitieren, so der DGB. Etwa zwölf Prozent. Doch Kritiker warnen: Müssen Betriebe mehr Lohn zahlen, würden sie weniger einstellen. So sehen das auch viele Unternehmer, die betonen, dass eine Ausbildungsvergütung kein volles Gehalt sei. Der DGB hält dagegen: In schlecht bezahlten Ausbildungsberufen seien die Abbruchquoten am höchsten. Das könne sich bei mehr Gehalt ändern.  Till Neumann 5

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Fotos: © pixabay.de

Fleischer und Friseure verdienen am wenigsten / Viele brechen ab


STUDIUM GESUNDHEIT

Angst vorm Absturz

Eine depressive Studentin berichtet vom Kampf an der Uni

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Fotos: © iStock.com/domoyega, privat

epressionen, Angststörungen, Panikattacken. Immer mehr junge Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen. Um 76 Prozent ist die Zahl der diagnostizierten Depressionen gestiegen. Eine Betroffene ist Maria (Name geändert). Die Freiburger Studentin leidet unter ihren Ansprüchen und denen der Uni. Sie sagt: So geht es vielen. „Man sitzt in der Uni und weiß nicht, wie man es überleben soll“, erzählt Maria. Die Germanistik-Studentin ist depressiv und hat Angststörungen. Immer wieder durchlebt sie Phasen, in denen sie wie gelähmt ist: „Man liegt im Bett, macht nichts, hasst sich dafür“, sagt die Mittzwanzigerin in einem Café beim Freiburger Campus. Gefangen sei sie dann, in einem unfassbaren Loch, zerrissen vom gleichzeitigen Drang nach Anerkennung. Was Maria berichtet, ist keine Seltenheit: Laut dem Barmer-Arztreport 2018 ist jeder sechste Student psychisch krank. Rund 470.000 Menschen sind das. „Vieles spricht dafür, dass es künftig noch deutlich mehr psychisch kranke junge Menschen

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geben wird“, sagt Barmer-Chef Christoph Straub. Verantwortlich macht er Zeit- und Leistungsdruck sowie finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Mit dem Druck hat auch Maria zu kämpfen. „In meinem Jahrgang gibt es unfassbar viele Genies“, sagt sie. Man stehe im dauernden Wettstreit, vergleiche sich permanent. Schon bei einer 1,3 bekomme sie einen ­Z usammenbruch. Sie sagt: „Man braucht Bestnoten – das wurde mir so beigebracht.“

»Alle wollen perfekt sein « Die Dozenten fördern das, findet Maria. Nur ein einziger habe ihr in drei Jahren gesagt: „Mach langsam.“ Ein anderer habe von ihr gefordert, besser zu werden – trotz einer 1,7. Schwäche dürfe man nicht zeigen. Ein Attest halten manche für einen Vorwand, um zu trödeln, so Maria. Die erste Diagnose für Depression hat sie mit 14 Jahren bekommen. In der Schule fühlte sie sich isoliert, wurde gemobbt. Also vergrub sie

sich in Büchern. Schon morgens um 4 Uhr stand sie auf, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. An der Uni hat sie Freunde gefunden. Das tat gut, in den ersten Semestern ging es ihr besser. Doch vergangenes Jahr ging's bergab: „Der Druck hat mich zurückgeworfen“, sagt sie. Im Oktober ging sie zum Arzt. Er bescheinigte ihr eine funktionale Depression und Angstzustände. Maria ist sicher: „Ohne die Uni hätte ich die Diagnose nicht bekommen.“ Das Leistungsproblem liegt für sie in der Gesellschaft. Es sei in Mode, zu sagen, man habe keine Zeit für Freunde. „Darüber wird 30 Minuten gemeinsam gejammert, dann arbeiten wir weiter“, erzählt sie. Alle wollen perfekt sein: viele Freunde, top gestylt, super Noten, feste Beziehung, auf jeder Party dabei. Ihre traurige Erkenntnis: „Ich gehöre dazu.“ Sie wünscht sich mehr Offenheit unter den vielen Betroffenen. Es helfe, mit anderen darüber zu sprechen. Oder einen Arzt aufzusuchen. Doch nicht jeder schaffe das. „Ich kenne super viele, die das nicht tun“, sagt Maria. Depression sei eben noch immer ein Tabu.  Till Neumann


»Spitze des Eisbergs«

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Katharina Domschke über Depressionen und Mittel dagegen

mmer mehr Studierende sind depressiv, zeigt der Barmer Arztreport 2018. Ist das wirklich so? „Nein“, sagt Professorin Katharina Domschke, Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Freiburger Uniklinik. Im InterKatharina Domschke // view mit chilli-Redakteur Till Leitet das Freiburger Neumann gibt sie Tipps, wie Bündnis gegen Depression man sich schützen kann. chilli: Frau Domschke, sind immer mehr Studenten depressiv? Domschke: Es gibt keine Zahlen, die das belegen. Fakt ist: Die Zahl der Diagnosen nimmt zu. Das zeigt aber zunächst nur, dass mehr Bewusstsein da ist, die Krankheit häufiger erkannt wird. Die Spitze des sichtbaren Eisbergs an Depressionen wird größer. chilli: Depressionen sind weniger tabu als früher? Domschke: Ja, die Gesellschaft geht unverkrampfter damit um. Selbst Per Mertesacker sagt: Ich bin schwach. Jeder, der sich so fühlt, sollte das ansprechen. chilli: Wann muss ich zum Arzt gehen? Domschke: Wenn mehr als zwei Wochen mindestens zwei der folgenden Symptome auftreten: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessensverlust, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit . . . Erst sollte ich mich an den Hausarzt wenden. Kontakte gibt es auch beim Freiburger Bündnis gegen Depression. Hilfe suchen lohnt sich: Depressionen sind exzellent behandelbar. chilli: Kann man sich davor schützen? Domschke: Wichtig ist Entschleunigung. Ein Studium ist die Rush Hour des Lebens. Man ist jung, auf sich allein gestellt, alles wird schneller. Hilfreich ist, nur eine Sache zu machen: Das Smartphone beim Lernen ausschalten, nicht gleichzeitig fernsehen und arbeiten. Gut ist ein Wechsel aus Arbeit und Freizeit sowie sich körperlich zu betätigen.

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STUDIUM LEISTUNGSSPORT

Goldenes Doppel

Paralympics-Siegerin AnnaLena Forster im Interview

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in Kindheitstraum geht in Erfüllung: AnnaLena Forster hat gleich zwei Mal Gold bei den Paralympischen Spielen in Pyeongchang geholt. Erfolgreich war sie in den Disziplinen Slalom und Super-Kombination. Außerdem studiert die Monoskifahrerin Psychologie in Freiburg. Im Interview mit Volontärin Isabel Barquero erzählt die 22-Jährige, wie sie den Spagat zwischen TeilzeitStudium und Leistungssport schafft. chilli: Die Winter-Paralympics liegen einige Wochen zurück. Wie war der Empfang? Forster: Ich hatte nach meiner Rückkehr jeden Tag einen Termin. Es gab einen herzlichen Empfang in meinem Heimatdorf. Es war überwältigend zu sehen, wie viele Leute das verfolgt und mitgefiebert haben. chilli: 2014 haben Sie in Sotschi bereits mehrere Medaillen geholt. Wie hoch waren die Erwartungen an Sie? Forster: Sotschi waren meine ersten Spiele. Es war relativ unerwartet, dass ich zwei Mal Silber und ein Mal Bronze geholt habe. Ich wusste, dass ich damals viel Glück hatte. In vier Jahren passiert enorm viel. Man weiß durch die ganzen Welt-Cup-Rennen davor, wo man steht. Dadurch macht man sich aber selber Druck.

Fotos: © iba, Paul Hoffmann

chilli: Die ersten Tage lief es in Südkorea nicht wie geplant: Bei der Abfahrt sind Sie gestürzt und im Super-G wurden Sie nur Vierte. Wie gehen Sie mit Misserfolgen um? Forster: Die ersten Tage sind nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Es war wichtig, dass meine Eltern dabei waren und mich unterstützen konnten. Nach der Abfahrt habe ich mir selber gut zugeredet und positiv auf die nächsten Rennen geschaut. Aber wenn man dann am nächsten Tag mit ganz knappem Rückstand Vierte wird, ist es schon sehr frustrierend. Ich musste schauen, dass ich aus diesen negativen Gedanken wieder herauskomme. chilli: Sie hatten fünf Wettkämpfe in neun Tagen. Wie kräftezehrend sind die Spiele? Forster: Es ist unheimlich anstrengend. Wir sind immer um 4.30 Uhr aufgestanden, weil wir eine Stunde zum Hang fahren mussten. Nach der Rückfahrt konnte

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Strahlende Siegerin: Anna-Lena Forster jubelte gleich doppelt. Die Goldmedaillen bekommen bei ihr zu Hause einen Ehrenplatz.

man nur schnell duschen, im Deutschen Haus gab es immer Abendprogramm. Wenn man eine Medaille geholt hat, musste man anschließend noch ins ARD- oder ZDF-Studio. Ich habe in der Zeit abgenommen, durch den Stress kam das Essen oft zu kurz. chilli: Der Hang war eine Stunde entfernt. Optimale Bedingungen für Sportler sehen anders aus ... Forster: Es gab nur eine Nation, die vor Ort im Hotel gewohnt hat. Alle anderen mussten diese Stunde auch fahren, daher war es für alle gleich. Aber es ist nicht optimal. Wenn man einem Ort wie Pyeongchang solche Spiele gibt, dann müssen die sich anders vorbereiten oder man trägt die Spiele halt woanders aus. chilli: Sie studieren Psychologie in Freiburg. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Leistungssport und Studium? Forster: Ich habe mir meinen Studiengang extra in Freiburg ausgesucht, weil hier der Olympiastützpunkt und der Laufbahnberater ist. Von Anfang an hat das Institut für


LEISTUNGSSPORT STUDIUM Psychologie mit dem Stützpunkt kooperiert, sodass die Zusammenarbeit sehr gut läuft. Zeitlich studiere ich im achten Semester, inhaltlich bin ich aber erst im Vierten. Ich schreibe meine Winterklausuren immer zum Nachschreibetermin im Sommer. Heißt für mich doppelte Arbeit, aber anders geht es nicht. Einen Nachteil gibt es aber: Ich fehle im Winter bei vielen Vorlesungen, dadurch bekomme ich Details, die wichtig gewesen wären, nicht mit.

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chilli: Wer unterstützt Sie finanziell? Forster: Verdienen tut man als Leistungssportler nicht viel. Mittlerweile kommt man aber bei null raus. Am Anfang haben mich meine Eltern unterstützt. Es gibt auch monatlich Geld von der Deutschen Sporthilfe, je nachdem in welchem Kader man ist. Seit Neuestem gibt es auch Förderprogramme vom Bund für Behindertensportler. So kann ich mein Studium so lange ziehen, wie ich es brauche, ohne von meinen Eltern finanziell abhängig zu sein. chilli: Was sind Ihre studentischen und sportlichen Ziele für die Zukunft? Forster: Im Studium möchte ich 2020 die Bachelorarbeit schreiben. Aber in der Psychologie kommt man damit nicht weit, daher muss ich den Master noch machen. Nächsten Winter ist die Weltmeisterschaft, in vier Jahren sind wieder Paralympics. Mir fehlt bei der WM noch die Goldmedaille, das wäre noch ein großes Ziel für mich.

Biografie Anna-Lena Forster ist 22 Jahre alt, in Stahringen bei Radolfzell aufgewachsen und ohne rechtes Bein und mit einem verkürzten linken Bein auf die Welt gekommen. Seit sie sechs Jahre alt ist, fährt sie Ski. Allerdings nicht mit zwei Skiern, sondern nur mit einem – mit dem sogenannten Monoski. Dabei sitzt Forster in einer Schale. Den Monoski lenkt sie aus der Hüfte und dem Rumpf. Die Krückski, die sie in den Händen hält, sind für die Stabilität da. Mit elf Jahren kam sie ins Nachwuchsteam. Ihr erstes internationales Rennen hatte Forster 2009. Bei ihrem ersten Welt-Cup war sie 17. Im Sommer trainiert sie sechs Mal die Woche. Wenn der Aufzug an der Uni mal nicht funktioniert, kann sie mit ihren Krücken die Treppen hochlaufen.

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STUDIUM PFLEGE

Zwei Fliegen, eine Klappe

Pflegewissenschaft verbindet Studium und Ausbildung

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usbildung? Oder Studium? Am besten beides, sagt Lara Tjhen. Die 21-Jährige studiert Pflegewissenschaft an der Uni Freiburg. Parallel dazu macht sie eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Uniklinik. Die Kombination verlangt ihr viel ab, öffnet aber auch viele Türen. Zu Vorlesungszeiten ist Lara Studentin und lernt die Theorie der Berufsausbildung. Während der Semesterferien macht sie die praktische Ausbildung auf Station. Beides bereitet sie auf ein Ziel vor: einen Beruf in der Pflege. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Sie könnte einen Master machen, in die Forschung gehen, an der Uniklinik arbeiten oder als Entwicklungshelferin in ­Afrika tätig sein. Die große Auswahl ist hart erkämpft: Ins zweite Semester kommt Lara jetzt. Bis zum Semesterbeginn lernt sie in Vollzeit die praktische Arbeit in der Pflege kennen. „Heute habe ich Spätschicht in der Psychiatrie“, erzählt die gebürtige Hamburgerin Anfang April. Ihr Einsatz geht von 12.48 Uhr bis 21 Uhr. Nach Feierabend setzt sie sich an eine Hausarbeit. Das Thema: Veränderungen im Körperbild einer Frau nach einer Brustamputation wegen Krebs. Tief eintauchen kann sie damit in die Materie. Und ihren Beruf von theoretischer und praktischer Seite kennenlernen. „Das ist super spannend“, sagt Lara. Und schließe eine Lücke. So wisse man nicht nur, was in der Pflege zu tun ist – sondern auch, warum etwas gemacht wird. Sie ist eine von rund 30 Studierenden des Jahrgangs. Manche davon studieren berufsbegleitend. Gestartet ist sie als Auszubildende in Lübeck. Die Ausbildung hat ihr gefallen, doch sie wollte weiter gehen: „Ich hab' total Lust, mehr zu lernen“, erzählt Lara. Also bewarb sie sich für den Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft in Freiburg. Dieser ermöglicht, Studium und Ausbildung zu kombinieren. Seit Oktober ist sie im Breisgau – und fährt karrieretechnisch zweigleisig. Ist ihre Ausbildung in eineinhalb Jahren abgeschlossen, bleibt ein Jahr an der Uni. In der Psychiatrie begleitet sie erfahrene Kollegen, lernt den Umgang mit Patienten und Krankheitsverläufen kennen, ist bei Besprechungen dabei. In anderen Bereichen hat sie schon eigenständig Patienten betreut. „Das ist viel Verantwortung“, sagt die Studentin. Erfahrene Kollegen helfen ihr dabei, geben Tipps und Feed-

Begeistert: Lara findet den Mix aus Theorie und Praxis super.

back. „Es ist gut, wenn man jemanden hat, um Rücksprache zu halten“, sagt sie. Die Studium-Ausbildung-Kombination schließt für sie eine Lücke zwischen Theorie und Praxis. Das sei essenziell in der heutigen Zeit: „Es ist super wichtig, dass in der Pflege was passiert.“ Die Menschen werden schließlich immer älter, Pfleger werden an vielen Ecken und Enden gebraucht. „Da kann man viel bewirken“, ist Lara überzeugt. Dahin zu kommen, braucht viel Engagement. Auch bei der angespannten Lage in Pflegeberufen. „Man muss sich durchwurschteln“, nennt Lara das. Doch die Mühe ist es wert: Ist der Abschluss geschafft, geht ihr Horizont weit über den Standard hinaus. Sie kann später nicht nur Patienten versorgen, sondern auch Studien auswerten und in den Pflegealltag übersetzen. Das Theoriewissen ermöglicht ihr, mehr Verantwortung zu übernehmen und komplexere Aufgaben zu bewältigen. Nach dem Bachelor könnte sie sich vorstellen, einen Master dranzuhängen. Pflegepädagogik oder Pflegemanagement interessieren sie. Vorab eine Weile in der Uniklinik zu arbeiten, sei aber wichtig: „Es ist abgefahren, was hier alles passiert.“  Till Neumann

Foto: © tln

»Man kann viel bewirken«

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MEDIZIN STUDIUM

Per Anwalt zur Uni

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Rechtsanwalt Sven Marschalleck

Medizinstudienplätze: Manche klagen sich ein

n Deutschland bewerben sich auf 15.000 Medizin-Studienplätze rund 45.000 Kandidaten. Um die besten zu finden, kommt der Numerus Clausus (NC) ins Spiel: eine Zulassungsbeschränkung, die Richter kürzlich als verfassungswidrig getadelt haben. karriere & campus erklärt, was der NC ist und spricht mit einem Anwalt über klagende Studenten.

Fotos: © iStock.com/Kristian Sekulic, privat

Hilft beim Klagen:

Abinote 1,1. Wer mit einem schlechteren Zeugnis in Freiburg Medizin studieren will, hat’s schwer. Der Grund heißt Numerus Clausus (NC). Eine knallharte Zulassungsbeschränkung. Mehrere Faktoren beeinflussen ihn: Abinote, Wartesemester, Losverfahren. Beim lokalen NC entscheidet die Universität, in welchen Fächern sie die Beschränkung ansetzt. Beim bundesweiten NC ist sie Pflicht. Bis zu 15 Wartesemester verbringen manche Studenten für ihr Traumfach. Nach den 7,5 Jahren bekommt man im Bereich Medizin garantiert einen Studienplatz. Das ist zu viel, hat das Verfassungsgericht kürzlich bemängelt. Nun soll es Änderungen am Zulassungsverfahren geben. Bisher gibt es das in Deutschland für vier Fächer: Zahnmedizin, Humanmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Wer an die Uni darf, entscheiden die Hochschulen nach mehreren Kriterien. Gute

Noten sind dabei in jedem Fall Trumpf: So lag die Zulassungsnote im Wintersemester 17/18 bei 1,1 in Freiburg. Doch was, wenn die Note nicht passt? Dann gibt es die Möglichkeit, eine der fünf privaten Universitäten in Deutschland zu besuchen. Jedoch kosten diese von 6.000 bis 11.500 Euro pro Semester. Zu teuer? Nächste Option ist der Mediziner-Test. Für 80 Euro kann man damit seinen Notendurchschnitt um bis zu 0,4 Punkte heben. Doch der Test ist hart: Etwa ein Jahr muss man sich darauf vorbereiten. Letzte Möglichkeit ist eine Klage. Sie ist unter Studenten weit verbreitet, sagt der Freiburger Rechtsanwalt Sven Marschalleck. Seine Kanzlei Meng & Kollegen ist darauf spezialisiert. Das Prinzip ist einfach: Zuerst bewirbt sich der Student für einen Studienplatz auf hochschulstart.de. Wird er abgelehnt, kommt Marschalleck ins Spiel: Der 45-Jährige überprüft, ob Fristen für außerkapazitäre Bewerbungen abgelaufen sind. Ist das nicht der Fall, kann das Spiel beginnen. Schlüssel zum Erfolg ist die „Kapazitätenklage“. Dabei behauptet man, dass die Universitäten ihre Kapazitäten an Studienplätzen nicht ausgeschöpft haben. Denn nach Artikel 12 des Grundgesetzes hat jeder ein Recht

auf freie Berufswahl, darunter fällt auch die Teilhabe am Studium. Stellt das Verwaltungsgericht fest, dass noch Plätze frei sind, werden sie unter den Klägern verlost. „Wer nicht mitspielt, kann auch nicht gewinnen“, sagt Marschalleck. Rund 2000 Euro zahlen seine Klienten im Schnitt für eine Klage. Die Erfolgsquote steigt, wenn man sich bei mehreren Unis einklagt. Dadurch steigen aber auch die Kosten. Bis Ende 2019 soll es Änderungen beim NC geben. Das hat das Bundesverfassungsgericht beschlossen. Die Rede ist von weniger Wartesemestern und weniger Bedeutung des Abischnitts. Auch Vertreter der Uni Freiburg sagen auf Anfrage: Die Abinote ist nicht die ideale Lösung für das Auswahlverfahren. Dennoch sei der Abischnitt ein fairer Ländervergleich und günstiger als andere Kriterien. Würde das Land Bewerbungsgespräche verpflichtend machen, müsste die Uni finanziell unterstützt werden, sagt Friedrich Arndt, Leiter des Servicezentrums Studium. Er macht Mut, sich auch ohne gute Note zu bewerben: „Wenn die Motivation stimmt, kann auch ein sehr anspruchsvolles Studium gemeistert werden.“ Jennifer Schrempp & Nikolaj Hettich

Klage kostet 2000 Euro

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AUSBILDUNGSMESSEN KARRIERE

Auf Schnuppertour durch die Ausbildungsmessen

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Überblick: Bildungsmessen in der Region

er Schulabschluss ist geschafft – was nun? Drei Bildungsmessen in der Region bieten Orientierung und verschaffen einen Überblick über Ausbildung, Studium oder FSJ. Finde hier das Passende für dich.

Fotos: © Messe Offenburg, IHK

BIM: Ideale Plattform Rund 26.200 Besucher strömen jährlich nach Offenburg. Denn die Berufsinfomesse (BIM) bietet dort die ideale Plattform, um sich über Job, Ausbildung, Studium oder Freiwilligendienste zu informieren. Die Besonderheit der BIM ist die große Bandbreite, in der nicht nur klassiANZEIGE

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sche Berufe, sondern auch alternative Möglichkeiten zu weiterführenden Schulen und Weiterbildungsinstitutionen vorgestellt werden. Unternehmen und Institutionen nutzen die BIM wiederum als Plattform, um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Insgesamt 364 Aussteller präsentieren rund 2500 Angebote. Darunter ist ein grenzüberschreitender Bustransfer sowie Einführungsveranstaltungen für Schüler und Berufseinsteiger aus Frankreich. Eine weitere Neuheit auf der BIM ist der Lotsen-Service: Besucher der Messe können sich bereits im Vorfeld detailliert über verschiedene Aussteller

informieren. Der BIM-Finder (auf www.berufsinfomesse.de verfügbar) hilft dabei, Stärken und Schwächen sowie Neigungen herauszufinden.

INFO

» Wann? 20. + 21. April, 9 – 17 Uhr » Wo? Messegelände Offenburg www.berufsinfomesse.de


KARRIERE AUSBILDUNGSMESSEN

JuBi: Beruf und Bildung

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Das Fernweh plagt? Wer sich für einen Schüleraustausch im Ausland interessiert oder arbeiten und reisen miteinander verbinden will, kann sich auf der JugendBildungsmesse (JuBi) über verschiedene Angebote informieren. Schüleraustausch, Au-Pair, FSJ, Praktika oder Work & Travel? Die Gestaltung eines Auslandsaufenthaltes ist vielseitig. Ehemalige Programmteilnehmer und Bildungsexperten informieren und beraten Interessierte an den Ständen.

INFOS

» Wann? 21. April, 10 – 16 Uhr » Wo? St. Ursula-Gymnasium Freiburg www.weltweiser.de

Job-Start-Börse: Ausbildung zum Anfassen Zum zweiten Mal ist die JobStart-Börse nun schon auf der Messe Freiburg vertreten. Auch die Weiterbildungsmesse „Netzwerk für berufliche Fortbildung“, die 2017 erstmals im Rahmen der JobStart-Börse stattfand, wird erneut vor Ort sein. Zwei Tage lang gibt es ein umfassendes Rahmenprogramm zum Thema Schule und Ausbildung von rund 170 Ausstellern. Die Job-Start-Börse trägt entscheidend dazu bei, dass ausbildende Institutionen und Unternehmen mit qualifizierten Bewerbern zusammenfinden. Unter dem Motto „Ausbildung zum Anfassen“ zeigen die Aussteller auf der Bildungsmesse Berufschancen für junge Menschen auf. Wer schon länger auf der Suche ist, wird bei der Last-Minute-Börse fündig. Dabei laden 30 Unternehmen zu einem Speed-Dating ein. Hier gibt es die Chance, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, sowie Infos über bestimmte Berufsfelder zu bekommen und Kontakte zu schließen. Es wird auch einen Bewerbungsmappen-Check und eine Aktionsbühne mit Vorträgen und Gesprächsrunden geben. Hilfreiche Tipps von Profis inklusive. Ob Schüler, Absolventen, Eltern oder pädagogische Fachkräfte – hier ist in Sachen Ausbildung alles möglich und für jeden etwas dabei.  Isabel Barquero

INFOS

» Wann? 16. Mai, 14 – 19 Uhr + 17. Mai, 8.30 – 13.30 Uhr » Wo? Messe Freiburg www.jobstartboerse.de

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FREIWILLIGENDIENST FSJ

Gutes tun und dabei lernen

Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist mehr als ein Zwischenschritt

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Foto: © tln

as tun nach der Schule? Viele wollen sich engagieren und Erfahrungen sammeln, bevor es an die Uni, in eine Ausbildung oder den Job geht. Eine Möglichkeit ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Die Einsatzmöglichkeiten sind groß, die Erfahrungen vielfältig. Es gibt sogar ein kleines Taschengeld für den Einsatz.

Auf ins Abenteuer: Ein Freiwilliges Soziales Jahr ermöglicht, sich zu engagieren und dabei Gutes zu tun. Sogar im Ausland ist das möglich.

Alten Menschen im Alltag helfen, Gehandicapten unter die Arme greifen, mit dem Rettungsdienst in Notlagen vor Ort sein. Diese und viele weitere Aufgaben können FSJler übernehmen. Der Freiwilligendienst richtet sich an alle von 16 bis 26 Jahren. Die einzige Bedingung: Motivation und Neugier. Egal ob schlechte

Noten im Zeugnis stehen oder Vorerfahrungen fehlen: Ein FSJ ist die Gelegenheit, etwas über sich selbst und die Gesellschaft zu lernen – und das alles in einer gemeinwohlorientierten Einrichtung. Eine Bewerbung bei den einzelnen Trägern ist immer möglich und kennt keine Fristen. Man muss aber beachten: Manchmal sind die Plätze schnell vergeben. Schließlich sind die allermeisten Erfahrungsberichte überzeugend. Etwas Zeit sollten Interessenten in jedem Fall mitbringen: Das Freiwillige Soziale Jahr geht mindestens sechs Monate. Es kann aber auch 12 oder bis zu 18 Monate dauern. Während des FSJ wird eine Beratung angeboten. Sowohl in der Einsatzstelle – also am Ort, an dem man 5

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FSJ FREIWILLIGENDIENST t­ ätig ist – als auch durch den Träger. Ansprechpartner stehen dort dem FSJler mit Rat und Tat zur Seite. Die Freiwilligen werden also in ihrem Tun professionell begleitet und unterstützt. Der Arbeitskreis FSJ in Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von 35 Trägern. Allein in Freiburg gibt es 20 Träger in verschiedenen Einsatzbereichen. Dazu zählen Rettungsdienst, Verwaltung, Organisation, Kultur, Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenslagen oder sogar im Bereich Sport. Die Arbeit des Freiwilligen soll das Leben anderer Menschen verbessern. Der Arbeiterwohlfahrt-Bezirksverband Baden und der Arbeiter-Samariter-Bund BadenWürttemberg bieten zum Beispiel an, mit psychisch erkrankten Menschen zu arbeiten. Der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg und das Referat Freiwilligendienste ermöglichen, Wohnungslosen zu helfen. Viele FSJler kümmern sich um behinderte Menschen. In Integrationsprojekten für Geflüchtete sind FSJler ebenfalls als Helfer gefragt. Aber auch Gefüchtete selbst können sich als Freiwillige bewerben. Je nach Bereich und Träger können sich Interessierte nähere Beschreibungen zu den Tätigkeiten, regionalen Schwerpunkten und pädagogischer Begleitung auf der FSJ-Website für Baden-Württemberg anschauen. Ein Blick lohnt sich, denn manchmal gibt es Ausnahmen zu den allgemeinen FSJ-Regeln. So ermöglicht zum Beispiel das Rote Kreuz auch älteren Personen die Teilnahme. Statt bei 26 Jahren liegt die Grenze dort bei 28 Jahren. Auch finanziell gibt es Unterschiede. FSJler bekommen in jedem Fall ein Taschengeld, die Höhe variiert jedoch: 2017 lag der maximale Satz bei 381 Euro monatlich. In der Regel werden jedoch nur 150 Euro gezahlt, informiert die Seite bundes-freiwilligendienst.de. Zudem besteht Anspruch auf eine kostenlose Unterkunft und Verpflegung durch die Einrichtung. Ist das nicht möglich, hat der Ehrenamtliche das Recht auf eine Geldersatzleistung. Auch wer ins Ausland will, kann fündig werden: Einige Organisationen bieten an, das FSJ außerhalb Deutschlands zu machen. Die Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ hat zum Beispiel Stellen im Elsass oder in der Schweiz. So können Engagierte auch ihre Sprachkenntnisse verbessern. Clémence Carayol

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Mehr dazu FSJ Baden-Württemberg

» Dauer: 6 bis 18 Monate » Alter: 16 bis 26 Jahre (Ausnahmen möglich) » Bezahlung: Taschengeld bis zu 381 Euro » Start: variabel » www.fsj-baden-wuerttemberg.de chilli | karriere & campus | 04.2018 | 13


FREIWILLIGENDIENST FSJ ANZEIGEN

»Kontakt mit vielen Menschen«

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FSJ im St. Josefshaus Herten

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IMPRESSUM – THEMENHEFT 04-2018 Das Karriere & CampusThemenheft erscheint im Freiburger Stadtmagazin chilli

Autoren/innen: Laura Bärtle, Clémence Carayol, Nikolaj Hettich, Jennifer Schrempp

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Str. 13 79106 Freiburg www.chilli-freiburg.de

Titelbild: iStock.com/Steve Debenport

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP)

Anzeigen: Jonas Stratz, Malika Amar, Marlene Schick, Christina Miklusch

Redaktion: Till Neumann (tln), Tanja Senn (tas), Isabel Barquero (iba), Philip Thomas (pt)

Druck: Freiburger Druck GmbH & Co. KG

Grafik: Hannah Karayilan Lektorat: Beate Vogt

Ein Unternehmen der

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Zurzeit machen 24 junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer der Einrichtungen des St. Josefshauses. Sieben Engagierte zwischen 23 und 48 Jahren absolvieren einen Bundesfreiwilligendienst. Freiwillige können in einem Wohnbereich oder in der Tagespflege eines Seniorenzentrums mitarbeiten. Oder in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen helfen. Wer gerne mit Schülern zu tun hat, kann sich für ein FSJ in der Karl-Rolfus-Schule bewerben. Dort kann man sich in einer Schulklasse engagieren. Weitere Möglichkeiten sind eine Abteilung der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, eine Fördergruppe des Bereichs Arbeit und Betreuung oder die MarkhofRanch, wo Heilpädagogisches Reiten angeboten wird. Im Café Grenzenlos im St. Josefshaus arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Hier macht Selina Plischke ihr FSJ. Das Einsatzgebiet ist abwechslungsreich: Es beinhaltet neben der Mitarbeit im Service und organisatorischen Aufgaben vor allem die Anleitung und Unterstützung der Mitarbeiter mit Behinderung. „Besonders gut gefällt mir der Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen“, sagt Selina. Bei ihrer Arbeit komme sie häufig auch mit den Gästen ins Gespräch. Doch gerade die Menschen, die hier im St. Josefshaus wohnen, erzählen der FSJlerin aus ihrem Leben. „Diese offene und herzliche Art mag ich sehr“, sagt Selina. Der Dienst beginnt nach Absprache und wird monatlich mit 325 Euro honoriert. Zudem gibt es 40 Euro für Sachbezüge. Der Freiwilligendienst umfasst bei zwölfmonatiger Tätigkeit 25 Bildungstage in festen Seminargruppen. Entsprechend der Begabungen und Interessen der Bewerber werden die Einsatzorte und die Begleitung während des Dienstes abgestimmt. tln www.arbeiten-sankt-josefshaus.de

Foto: © St. Josefshaus

ach der Schule was anderes machen, Wartezeiten sinnvoll überbrücken, neue Lebenswelten kennenlernen. Für ein Freiwilliges Soziales Jahr gibt es viele gute Gründe. Ein Anbieter in Südbaden ist das St. Josefshaus.


KARRIERE AUSBILDUNG

Erzieher werden

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Private Fachschule für Sozialpädagogik Freiburg bildet aus

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chtzehn Ausbildungsplätze für angehende Erzieher bietet die Private Fachschule für Sozialpädagogik Freiburg (PFSF). Im Programm sind die praxisintegrierte „PiA“-Ausbildung und eine Nachqualifizierung für Quereinsteiger. Ziel der PiA-Ausbildung ist der Abschluss zum staatlich anerkannten Erzieher. Bei der dreijährigen Vollzeitausbildung wechseln sich Theorie- und Praxisphasen ab. Das Ausbildungsgehalt steigt jedes Jahr. Die PFSF kooperiert mit Einrichtungen für Kinder im Alter von null bis zehn Jahren. Dort wird der praktische Teil der Ausbildung absolviert. Die Praxisstelle ist in der Ausbildung integriert, eine gesonderte Bewerbung ist nicht nötig. Die Nachqualifizierung nach §7 KiTaG richtet sich an Quereinsteiger mit Vorbildung in Therapie, Pflege oder pädagogischen Tätigkeiten. Sei werden berufsbegleitend zur Fachkraft in Kindertageseinrichtungen weitergebildet. tln www.pfsf.bildungsconcepte.de

Prüftechnologe Neuer Ausbildungsberuf

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ie Ausbildung zum Stoffprüfer bekommt einen neuen Namen und andere Inhalte. Bei der industriellen Herstellung von Keramikprodukten wird jetzt unter anderem auf Computersimulationen und Rohstoffdatenbanken gesetzt. Ab dem 1. August heißt der Beruf Prüftechnologe Keramik, teilt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit. Dann tritt auch eine neue Ausbildungsordnung in Kraft. Deren Vorgänger für Stoffprüfer-Azubis deckt die aktuellen Anforderung für eine Prüftätigkeit in der keramischen Industrie nicht mehr ab, teilt das BIBB mit. Prüftechnologen überwachen die industrielle Herstellung von Keramikprodukten. Die neue Ausbildung berücksichtigt auch moderne Prüfverfahren sowie die Arbeit mit Computersimulationen und Rohstoffdatenbanken. Drei Jahre dauert die Lehre. Jobs finden fertige Azubis neben der Keramikindustrie auch in der Glas-, Emaille-, Zement- oder Bindemittelproduktion. BZ/tmn

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AUSBILDUNG INTERVIEW

»Den Beruf vorher testen« Berufsberater Heiko Treyer über die hohe Zahl der abgebrochenen Ausbildungen

Foto: © tas

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eder vierte Azubi bricht seine Ausbildung ab. Damit ist die Quote so hoch wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Das geht aus einem Entwurf des aktuellen Bundesbildungsberichts hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Gewerkschaften fordern daher einen Mindestlohn für Lehrlinge. Doch bringt das tatsächlich etwas? Wie lassen sich Abbrüche vermeiden? Berufsberater Heiko Treyer von der Freiburger Agentur für Arbeit hat mit chilli-Redakteurin Tanja Senn über falsche Vorstellungen, lange Arbeitszeiten und die Generation Praktikum gesprochen. ANZEIGE

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chilli: Wie oft ist bei den Abbrechern, die Sie beraten, der Lohn der Knackpunkt? Treyer: In Branchen, in denen die Vergütung nicht hoch ist – etwa bei Friseuren – brechen Azubis tatsächlich vermehrt ab. Doch meist gibt es mannigfaltige Gründe. Viele Probleme entstehen im zwischenmenschlichen Bereich, weil zum Beispiel die Chemie zwischen dem Arbeitgeber und dem Azubi nicht stimmt. Ein weiterer Punkt sind die Arbeitszeiten. chilli: Die sind wahrscheinlich auch für die hohen Abbruchquoten in der

Weiß, wie sich Abbrüche vermeiden lassen: Berufsberater Heiko Treyer

Gastronomie verantwortlich: Bei Restaurantfachleuten bricht jeder zweite ab, Köche liegen mit 48,6 Prozent knapp darunter. Dabei weiß man doch vorher, dass man als Koch auch am Wochenende arbeitet. Treyer: Viele Jugendliche sind einfach froh, wenn sie einen Ausbildungsplatz haben. Was dahinter steckt, das kriegen sie vielmals erst mit, wenn sie mitten in der Ausbildung sind. Deshalb plädieren wir dafür, den Beruf vorher in einem Praktikum zu testen. Damit man sieht: Wie geht’s in einer Küche eigentlich zu? Was macht man als Friseurin?


INTERVIEW AUSBILDUNG chilli: Ist das nicht mittlerweile Usus? Man spricht doch schon von der „Generation Praktikum“. Treyer: Das ist schon so. Aber das eine ist, ein Praktikum über eine oder zwei Wochen zu machen, das andere, sich danach zu überlegen: Kann ich mir das auch drei Jahre lang vorstellen? Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten, sich zu informieren: die Website Berufe.TV, die Arbeitsagentur, Ferienjobs ...

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chilli: Wenn man die Ausbildung dann doch angefangen hat und merkt: Das passt nicht. Sollte man sie dann trotzdem durchziehen? Schließlich macht sich ein Abbruch nicht gut im Lebenslauf ... Treyer: Es kommt darauf an, wo der Azubi gerade in seiner Ausbildung steht. Bei einem halben oder viertel Jahr vor der Abschlussprüfung würde ich raten: Zieh das noch durch. Wenn der Azubi aber ganz am Anfang steht, schlaflose Nächte hat, Angst in den Betrieb zu gehen, dann muss man schauen, wie man die Situation beenden kann. Das muss nicht gleich ein Abbruch sein. Wir haben zum Beispiel bei der Arbeitsagentur die assistierte Ausbildung, bei der Sozialpädagogen während der Ausbildung begleiten. chilli: Wie kommt das beim Arbeitgeber an? Treyer: Das wird unterschiedlich gesehen. Manche Arbeitgeber sind froh, dass es einen Begleiter gibt, der sich zum Beispiel um das Berichtsheft für die Berufsschule kümmert oder Gespräche zwischen Ausbilder und Azubi führt. Aber es gibt auch vereinzelt Arbeitgeber, die das nicht gerne sehen – weil sie weniger Interesse an einer erfolgreichen Ausbildung, sondern mehr an einer billigen Arbeitskraft haben. chilli: Wenn ein Azubi merkt, dass er ausgenutzt wird – wie sollte er reagieren? Treyer: Der beste Weg ist, vor Ort zu klären, ob man die Probleme eigenständig lösen kann. Wenn die Situation so verfahren ist, dass man mit dem Arbeitgeber nicht mehr reden kann, sollte man sich an die zuständige Kammer wenden. Und dann kann man schauen, ob man hierher kommt und die Hilfsmöglichkeiten nutzt. Die Ausbildung abbrechen sollte man möglichst erst dann, wenn man weiß, wie es danach weitergeht.

Infobox Am häufigsten brechen Azubis die Lehre als Fachkraft für Schutz und Sicherheit ab (50,7 Prozent). Ebenfalls sehr hoch sind die Quoten bei Gebäudereinigern (49,7 Prozent), Friseuren (49,6 Prozent) und Berufskraftfahrern (46,2 Prozent).

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AUSBILDUNG GASTRONOMIE

Moderne Tradition

Brune & Company bildet in Gastronomie und Hotellerie aus – auch in Münstertal

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Fotos: © Nils Hasenau

ieles spricht für eine Ausbildung in der Gastronomie oder Hotellerie. Davon ist Brune & Company überzeugt. Das Familienunternehmen betreibt unter anderem das Landgasthaus zur Linde in Münstertal. Schwarzwald 2.0 heißt es dort ab Herbst. In sechs Betrieben bildet Brune & Company aus. Einer davon ist das Landgasthaus zur Linde, südlich von Freiburg. Das familiengeführte Hotel mit Restaurant kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: 1642 wurde das Haus mit seinen neun ZimANZEIGE

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Verbinden Neu und Alt: Die Leiter des

Landgasthauses zur Linde

mern und zwei Suiten eröffnet, seit den 40er Jahren ist es im Besitz der Hoteliersfamilie Brune. 2018 stehen die Zeichen auf neu: Das Hotel erhält ein Make-Over. Das Ziel: Tradition und Moderne miteinander verbinden. Ab Herbst steht modernes Design im bewussten Kontrast zur klassischen Schwarzwald-Fassade. Auch auf der Speiseund Getränkekarte wird sich das neue Konzept fortsetzen – junge Winzer und lokale Produzenten treffen auf badische Spezialitäten, die ­einen modernen Twist nicht vermissen lassen. So geht Schwarzwald 2.0.

Der moderne Traditionsbetrieb sucht immer wieder Nachwuchskräfte. Gefragt sind Talente, die Schwarzwälder Herzlichkeit mit neuen Ideen verbinden. Auszubildende sind „eine Investition in die Zukunft“, sagt Jens Brune, einer der beiden Eigentümer von Brune & Company. Früh werde den Azubis Verantwortung übertragen. Wer ins Team kommt, könne sich über ­einen starken Zusammenhalt freuen. Die Perspektiven seien gut: „Viele unserer Azubis werden nach der Ausbildung übernommen“, sagt Brune. Darauf sei man stolz. tln


Mehr als Karton Verpackungen kennt jeder, die Leute dahinter fast keiner

Gewusst wie: Ein Produkt ist nur so gut wie seine

Hülle. Die wird von Packmitteltechnologen hergestellt.

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Foto: © dpa/Uta Rademacher

eder hat täglich mit Verpackungen zu tun, aber nur wenige wissen, wo sie herkommen. Packmitteltechnologen haben einen Beruf, den kaum einer kennt: Dabei begleitet deren Arbeit uns täglich.

Handyverpackungen, Getränkekartons, Medikamentenschachteln. Das sind nur drei der vielen Produkte von Packmitteltechnologen. Patrick ­Heilig stellt Verpackungen für den Geldversand und Geldtransport her. „Das ist erst mal ein normaler Maschinenführerjob, nur dass es hier halt darum geht, Beutel zu produzieren“, beschreibt er seine Arbeit. Heilig macht die Ausbildung in Bruchsal. „Ein Packmitteltechnologe stellt Verpackungen her, richtet Maschinen ein und überwacht den ganzen Produktionsprozess“, umreißt Carsten Berg von der Industrie- und Handelskammer Köln das Tätigkeitsfeld. Hinzu kommt die Qualitätskontrolle, erklärt Heilig: „Wir prüfen dann zum Beispiel, ob das Produkt den geforderten Eigenschaften entspricht, also zum Beispiel Druck aushält, oder ob der Barcode in Ordnung ist.“ Die Arbeit beginnt mit dem Auftrag eines Kunden, der für sein Produkt

eine Hülle für Transport, Verkauf oder Aufbewahrung braucht. Teilweise machen die Auftraggeber konkrete Vorgaben, teilweise liegt die Ausführung komplett in den Händen des Packmitteltechnologen. Dazu muss dieser nicht nur das richtige Material wählen und die passenden Maße berechnen. Auch die Optik muss stimmen. „Es ist ein sehr spezialisierter Ausbildungsberuf“, sagt Berg. Stellen gibt es entweder in der papier- oder der kunststoffverarbeitenden Industrie. Dazu gehören in der Packmittelindustrie Kartonagenhersteller, Briefumschläge- und Etikettenhersteller. Das Portfolio der Unternehmen hat sich durch die Digitalisierung verlagert: Briefumschläge werden weniger produziert als früher, Pappkartons häufiger. „Gerade im Wellpappenbereich ist das Aufkommen sehr hoch“, beobachtet Winfried Batzke, Geschäftsführer beim Deutschen Verpackungsinstitut. Möglichkeiten zur Ausbildung gibt es zwar nicht überall, trotzdem mangelt es nicht an Stellen. „Im gesamten Verpackungsbereich ist der Bedarf riesig“, sagt Batzke.  Julia Ruhnau (tmn)

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MOBIL MONATSKARTE

Azubis auf Achse

RVF-SchülerAbo macht auch Auszubildende mobil

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Foto: © tln

uch für Azubis gibt es das SchülerAbo. Wer regelmäßig Bus und Bahn nutzt, kommt so entspannt ans Ziel. Bereits rund 20.000 Jugendliche und Kinder sind inzwischen mit dem vergünstigten Fahrschein unterwegs – und so das ganze Jahr über in der Region mobil. Abo klappt immer. Mit dem Slogan bietet der RegioVerkehrsverbund Freiburg (RVF) die Monatskarte an. Im SchülerAbo kostet sie aktuell 34,80 Euro anstatt 41,00 Euro. Das Praktische daran: Das Ticket kommt per Post nach Hause, das Geld wird abgebucht. Jeden Monat eine neue Fahrtkarte zu kaufen, ist damit Geschichte. Zudem wird eine Stammkarte überflüssig. Außerdem gilt: Sollte die Monatskarte mal verloren gehen, gibt es problemlos Ersatz. Die Anträge für das SchülerAbo gibt es in den Sekretariaten der Schulen im Verbundgebiet. Alternativ kann auch der Ausbildungsbetrieb die Bescheinigung ausstellen. Weitere Infos sowie den Antrag gibt’s auf www.rvf.de Till Neumann ANZEIGE

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Lässig: Mit dem SchülerAbo ist man entspannt unterwegs – nicht nur in Freiburg.


CAMPUS STUDIUM

Zukunftsperspektive Youtube?

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as mit Medien: So lautete früher oft die Antwort von Jugendlichen auf die Frage, was sie eines Tages beruflich machen wollen. Heute heißt es dagegen eher, „was mit Social Media“. Oder gleich „was mit Youtube“. Mit Youtube, Facebook und Co. wachsen die sogenannten Digital Natives heute auf. Nur: Nicht jeder kann ein Youtube-Star werden, „und Influencer ist kein dualer Ausbildungsberuf“, sagte Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Viele Eltern dürften daher erst mal den Kopf schütteln, wenn sie so etwas von ihren Kindern hören. Doch was sollten sie in solch einem Fall tun? Ganz einfach, sagt Pieper: Sie sollten die Wünsche ein wenig übersetzen und ergründen, was dahintersteckt. Und dann können sie mit den Kindern nach passenden Ausbildungen suchen. Die Palette ist breit: Im IT-Bereich gibt es mehrere Ausrichtungen, vom Techniker über den Entwickler bis hin zum Kaufmann. Ein Beispiel: Zum 1. August 2018 startet die neue Ausbildung für Kaufleute im E-Commerce, sagt Pieper. Hier lernen Azubis alles rund um die Gestaltung von Online-Shops und die Warenbestellung im Netz. Wenn Teenager sich für Software und Spiele interessieren, ist eine Lehre als Fachinformatiker zum Beispiel mit der Ausrichtung Anwendungsentwicklung ein guter Anfang. Auch Musiker oder Fotograf sind Berufe, die man lernen kann.  tmn

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AUSBILDUNG BELIEBTE BERUFE

Am Ausbildungsmarkt auf dem Vormarsch: Fachinformatiker.

Diese Ausbildung wird überwiegend von Männern gewählt. Nämlich zu 92,3 Prozent.

Top Ten der Berufe

Rangliste der dualen Neuabschlüsse des vergangenen Jahres

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Foto: © dpa/Jan Woitas

n der Rangliste der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in dualen Ausbildungsberufen war auch 2017 der Beruf Kaufmann/-frau für Büromanagement Spitzenreiter. Bundesweit haben rund 28.700 junge Frauen und Männer einen entsprechenden neuen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Das ist ein Ergebnis der Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2017. Mehr als ein Drittel aller neuen Ausbildungsverträge wurde auch 2017 in nur zehn Berufen abgeschlossen. Gegenüber 2016 gibt es unter den Top Ten eine Verschiebung: Neuzugang ist der Beruf Fachinformatiker/-in auf Platz 9 mit gut 13.000 Neuabschlüssen – und damit fast 1000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Neuabschlüsse bei den Fachinformatikern steigt seit 2012 kontinuierlich. Dies zeigt den Bedarf der Wirtschaft an gut ausgebildeten IT-Fachleuten vor dem Hintergrund

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der Digitalisierung der Arbeitswelt. Auch 2017 haben sich überwiegend Männer für diese Ausbildung entschieden, der Anteil der Frauen lag bei weniger als acht Prozent.

Geschlechterverteilung noch immer signifikant Mit weiblichen Auszubildenden wurden 2017 die meisten Ausbildungsverträge in kaufmännischen Berufen abgeschlossen. Der Beruf Kauffrau für Büromanagement steht hier auf Rang 1. Rang 2 und 3 nehmen die Berufe Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte ein; hier liegt der Männeranteil jeweils bei unter drei Prozent. Bei den Männern lag der KfzMechatroniker vorn, gefolgt vom Elektroniker auf Platz 2 und dem um drei Plätze auf Rang 3 nach vorn gekletterten Fachinformatiker. Generell ist zu berücksichtigen, dass die Ranglisten der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge keinen

Rückschluss auf die bei den Jugendlichen „beliebtesten“ Ausbildungsberufe zulassen, da eine Ausbildungsentscheidung auch immer in Verbindung mit dem vorhandenen Ausbildungsplatzangebot gesehen werden muss. Die Ergebnisse zeigen bei vielen Berufen eine sehr deutliche Geschlechterdominanz. Vorstellungen zur beruflichen Eignung sind immer noch eng mit stereotypen Rollenmustern verknüpft. Jugendliche konzentrieren sich schon bei ihrer Berufsorientierung auf nur wenige Berufe und schränken damit ihre beruflichen Möglichkeiten stark ein. Die Initiative Klischeefrei mit Servicestelle im BIBB engagiert sich gegen die Aufteilung der Berufe nach Geschlecht. Das Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung setzt sich für Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees ein: Mädchen und Jungen sollen aus dem Angebot den Beruf wählen, der zu ihrer individuellen Persönlichkeit und Lebensplanung passt. Volker Huber/BZ


ABITUR LERNEN ANZEIGEN

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Kühler Kopf und Panik Wie eine Abiturientin die Prüfungszeit erlebt

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ie läuft's mit dem Lernen?“ Das ist die Einstiegsfrage für die meisten Gespräche in Lauras Bärtles Freundeskreis geworden. Denn Mitte April starten die Abiprüfungen. Die Freiburgerin steckt selbst mittendrin – und versucht einen kühlen Kopf zu bewahren. Die 18-Jährige berichtet für Karriere & Campus von Lerngruppen, Ablenkung und fehlenden Ausreden. Wie's mit dem Lernen läuft? Meine Antwort schwankt meist zwischen zuversichtlichem Nicken, gelassenem Schulterzucken oder auch Panik, Resignation und Frust. Der Berg an Lernstoff, den man Tag für Tag aufs Neue vor sich hat, wird nur langsam kleiner. Oft Sucht die Balance: merkt man nur, wenn man zurückLaura Bärtle lässt sich blickt, dass man doch schon etwas auch mal ablenken. geschafft hat. Lernplan, Überblick, Struktur, Zeitmanagement, Karteikarten, Wandplakate, Zusammenfassungen. Das waren vor ein paar Monaten für mich noch diese Streberdinge, die einem halbwarm von den Lehrern ans Herz gelegt werden und die jetzt den Stress reduzieren oder zumindest dosieren. Die Motivationslöcher füllt man in der Theorie am besten mit Bewegung, frischer Luft und Unternehmungen mit Freunden. In der Praxis ist es draußen allerdings im Februar und März oft noch viel zu kalt. Mit Freunden vergleicht man dann aktuelle Lernstände, motiviert sich gegenseitig oder verbündet sich im Scheitern. Am Ende setzt man sich wieder an den Schreibtisch, will lernen und landet bei facebook oder schaut statt dem Mathevideo doch eine Serie. Wenn dann wieder die Frage von den Eltern kommt, wie es mit dem Lernen läuft: „Gut“ Ich bin bald 13 meiner 18 Jahre zur Schule gegangen. 13 Jahre Frontalunterricht für vier große Prüfungen. Die Zeit, in der man sich über „das Schulsystem“ beschwert und kritisiert, was es zu kritisieren gab, ist vorbei. Jetzt wird gelernt: zum ersten und letzten Mal so, wie ich es schon immer tun sollte. Kein Spickzettel, nicht krank werden, es gibt immer weniger funktionierende Ausreden und man verabredet sich zum gemeinsamen Lernen.

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LERNEN ABITUR 5

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Augen auf und durch: Kurz vor den großen Abiturprüfungen heißt es Ruhe bewahren.

Es gibt nicht viel, das hilft. Außer weiterzumachen und das Gewissen jeden Tag zu beruhigen, indem man sich einfach Zeit dafür nimmt und dieses „Ich-muss-Noch“ möglichst klein zu halten. Im Endeffekt muss man es jetzt verstanden haben, dass man für sich selbst verantwortlich ist. Es kommt nicht auf die Prüfung an, sondern auf die Zeit jetzt, in der man das große Finale vorbereitet und mit dem Stress umzugehen lernen muss.

Fotos: © privat, pixabay.de

ein bisschen Angst gehört dazu Was mir hilft, ist Umdenken: lernen, Hausaufgaben machen, üben. Das klang für mich in den letzten 13 Jahren danach, Zeit opfern zu müssen, die ich besser nutzen könnte. Jetzt ist es so, dass man diese Zeit investiert und danach zurückbekommt, was man sich erarbeitet hat, und damit endlich sein Leben gestalten darf. Denn auch in dieser Marathonphase hilft es oft, sich einfach vorzustellen, was man „danach“ alles machen möchte und sich dabei nicht unter Druck zu setzen. Für Zukunftsängste ist nach den Prüfungen noch Zeit. Zur richtigen Zeit Angst zu haben, gehört auch zu strukturiertem Arbeiten. Es tut gut zu wissen, dass es jetzt wirklich bald vorbei ist. Es ist zielgerichtetes Lernen, auf dieses große Finale hin, und danach Freiheit. Das große Ungewisse, ich freue mich darauf und habe auch ein bisschen Angst, stelle die aber hintenan. Bis dahin gilt es: einatmen, ausatmen. Weitermachen.  Laura Bärtle

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Praxistauglich

GSSW bietet Ausbildung & Studium zum Physiotherapeuten an

Handarbeit: Physiotherapeuten kümmern sich um ihre Patienten. Das nötige Knowhow dafür können sie in Emmendingen und Freiburg lernen.

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Das Berufsbild des Physiotherapeuten ist vielseitig: Fachliche und soziale Kompetenz sind gefordert, um später erfolgreich behandeln zu können. Die GSSW will Physiotherapeuten ausbilden, die diese Anforderungen in hohem Maße erfüllen. Großer Wert liegt auf Praxisnähe: Die vermittelten Inhalte sollen im Job konkret anwendbar sein. Die Schüler profitieren von mehr als 20 Jahren Erfahrung im Team. Neben theoretischem und praktischem Unterricht gibt es Schulpraktika in den Vertragskliniken der GSSW. Das sind Krankenhäuser oder andere medizinische Einrichtungen (Therapiezentren, Physiotherapie-Praxen) in den medizinischen Fachgebieten: Orthopädie, Chirurgie, Innere Medizin, Neurologie, Pädiatrie, Gynäkologie, Psychiatrie. Während der Ausbildung finden nach dem ersten und zweiten Schuljahr Zwischenprüfungen statt sowie im laufenden Semester schriftliche und praktische Tests. Um den Anforderungen des europäischen Arbeitsmarktes gerecht zu werden, haben Auszubildende ab dem 2. Lehrjahr die Möglichkeit zu studieren: In Kooperation mit der niederländischen Hochschule „Thim van der Laan“ geht es bis zum Bachelor of Science. Das Konzept eröffnet den Absolventen den gesamten europäischen Arbeitsmarkt und eine mögliche Weiterqualifizierung zum Master. Das Studium zum Bachelor of Science ist auch für bereits examinierte Physiotherapeuten berufsbegleitend hervorragend geeignet.  chilli www.gs-suedwest.de

Foto: © pixabay.de

ie Gesundheitsschulen Südwest GmbH (GSSW) bieten an ihren Ausbildungsstandorten in Emmendingen und Freiburg eine dreijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Physiotherapeuten an. In Kooperation mit einer niederländischen Universität kann sogar ein Bachelor erworben werden.


GESUNFHEITSBERUFE AUSBILDUNG

Berührungsängste verboten

Ausbildung an der Angell-Physiotherapieschule in Freiburg

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Fotos: © ANGELL Akademie GmbH

itten in Freiburg wird kräftig angepackt: An der Angell-Akademie machen rund 100 Azubis eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Im Fokus stehen dabei nicht nur Knochen und Muskeln, sondern vor allem: der Mensch. Unser Körper ist für stundenlanges Sitzen im Büro oder in der Schule nicht gemacht. Da sind Funktionsstörungen vorprogrammiert. Um Beschwerden aus dem Alltag gar nicht erst aufkommen zu lassen, liegt ein Schwerpunkt der Schule für Physiotherapie auf Prävention. Auch auf akute Fälle wie Unfallpatienten oder Gelenkerkrankungen wird man am Angell in drei Jahren praxisorientiert vorbereitet. Dazu kooperiert die Schule mit Partnereinrichtungen wie Reha- oder Kurkliniken. „Es geht darum, den Menschen bezüglich seiner individuellen Bewegungsmöglichkeiten zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, sagt Christine Héraucourt-Winker, Leiterin der Berufsfachschule. Die Anlage ist dafür mit modernen Fachräumen, einer gut sortierten Bibliothek, einer Mensa und einer eigenen Sporthalle ausgestattet, wirbt die Akademie. Alle Bewerber haben die Möglichkeit, parallel zur Ausbildung einen Bachelor of Science in

Physiotherapie abzulegen. Die Ausbildungsdauer verlängert sich dadurch um maximal ein Jahr. Knapp über die Hälfte der Schüler nehmen dieses Angebot an, berichtet Héraucourt-Winker. Die Absolventen erhalten nach Abschluss die Möglichkeit, in Führungspositionen oder in Forschung und Lehre zu arbeiten. Reich wird man als Physiotherapeut erst mal nicht. Die Einstiegsgehälter sind vergleichsweise gering, dazu ist die Ausbildung kostenpflichtig. Dennoch gilt: „Die Chancen, sich in dem zukunftssicheren Beruf weiterzuentwickeln, sind sehr gut“, sagt die 53-jährige Leiterin. Fachkräfte würden händeringend gesucht. „Nur Berührungsängste darf man nicht haben.“  pt 5

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Kopfnoten, die Verhalten und Disziplin beurteilen, sind in der Politik zwar immer wieder umstritten, als Kriterium für Betriebe aber offenbar von Bedeutung.

Noten, Arbeits- und Sozialverhalten

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Wie wählen Betriebe Azubis aus? Eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung

elche Anforderungen stellen Betriebe an Bewerber mit mittlerem Schulabschluss? Eine Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt: Schulnoten, Bewertungen des Sozialverhaltens und unentschuldigte Fehltage beeinflussen die Bewertung.

Fotos: © dpa/Friso Gentsch

Gleichzeitig wird deutlich, dass Betriebe mit Rekrutierungsschwierigkeiten eher bereit sind, schwächere Bewerber zu berücksichtigen, als Betriebe in günstigerer Ausgangslage. Für die Studie sollten Betriebe anhand fiktiver Profile von Bewerbern angeben, wie wahrscheinlich es ist, dass diese im weiteren Auswahlverfahren berücksichtigt werden. Dabei zeigte sich: Bei Bewerbern mit mittlerem Schulabschluss bleiben die schulischen Leistungen in Form von Schulnoten sowie Arbeits- und Sozialverhalten (unentschuldigte Fehltage und Kopfnoten) wichtige Kriterien. Betriebe mit wenig Bewerbern sind eher bereit, Kandidaten mit etwas schlechteren Voraussetzungen in Erwägung zu ziehen.

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Dass Betriebe in solchen Situationen grundsätzlich Abstriche bei ihren Auswahlkriterien machen, zeigt sich nicht. Offensichtlich sind diese Kriterien nach Einschätzung der Betriebe auch bei Problemen auf dem Ausbildungsstellenmarkt unverzichtbar für das erfolgreiche Absolvieren einer betrieblichen Ausbildung. Die Studie liefert damit einen Erklärungsbaustein für die nach wie vor hohe Zahl unbesetzt bleibender Ausbildungsstellen. BIBB-Präsident Professor Friedrich Hubert Esser appelliert an beide Seiten: „Alle Beteiligten sollten sich an ihre eigenen beruflichen Anfänge erinnern und sich vergegenwärtigen, mit welchen Fähigkeiten und Kenntnissen sie selbst ins Berufsleben gestartet sind.“ Betriebe sollten mehr Ausbildungssuchenden die Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen einräumen. Die jungen Leute könnten zudem regional mobiler sein. Für Bewerber stiegen die Chancen, in einem Auswahlverfahren weiterzukommen, wenn sie eine Region in Betracht zögen, in der Betriebe händeringend Auszubildende suchen, so Esser weiter.

Aus Sicht von WZB-Direktorin Professor Heike Solga zeigen die Ergebnisse, dass es keine absolut gesetzten Ausbildungsanforderungen gibt und die Betriebe grundsätzlich in schwierigen Situationen auch schlechtere Bewerber berücksichtigen. „Diese Flexibilität sollte mehr genutzt werden, um unbesetzte Ausbildungsplätze zu öffnen“, so Solga.  Volker Huber/BZ

Die Studie Für die Studie im Rahmen des „BIBB-Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung“ wurden über 500 Betriebe anhand von knapp 3000 fiktiven Profilen von Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern befragt. Weitere Informationen im BIBB-Report, Heft 2/2017: „Welche Anforderungen stellen Betriebe an zukünftige Auszubildende mit mittlerem Schulabschluss?“ Die Ausgabe steht als Download kostenlos im Internet zur Verfügung unter bibb.de/bibbreport


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AUSBILDUNG KAUFFRAU IM EINZELHANDEL

In Mode

Melissa und Kristina machen Karriere bei Breuninger

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Foto: © tln

chicke Klamotten, moderner Laden: Melissa Reinhardt (20) macht eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei Breuninger in Freiburg. Von den vielen Möglichkeiten in dem Modehaus ist sie begeistert. Genau wie Kristina Zayets. Die 21-Jährige ist vor einigen Wochen bei Breuninger eingestellt worden – direkt nach ihrer Ausbildung. Das Tablet haben Melissa und Kristina im Laden immer dabei. Damit können sie Barcodes von Klamotten einscannen und haben direkt Infos dazu auf dem Bildschirm. Zum Beispiel in welcher Filiale ein Pullover noch verfügbar ist. „Super praktisch“ finden die zwei schicken jungen Damen das Tablet. Und zeitgemäß. Wie vieles andere auch im Laden an der KaiserJoseph-Straße. „Azubis haben hier viele Chancen, das ist echt vielfältig“, sagt Melissa. Ihre Finger huschen über das leuchtende Display. Die weiße Bluse sitzt perfekt. Über einen Minijob kam sie zur Ausbildung bei Breuninger. Ein Jahr lang jobbte sie dort. „Breuninger kannte ich schon als Kundin“, sagt sie. Ziemlich sicher sei sie nach dem Jahr gewesen, dass sie bei Breuninger für eine Ausbildung gut aufgehoben sei. Seit zwei Jahren lernt sie nun in dem mehrstöckigen Modegeschäft. „Bei mir war das ganz anders“, erinnert sich Kristina und lacht. Die Verkäuferin mit den blondierten Haaren hat sich nach dem Fachabitur vor rund drei Jahren kurzerhand für einen Job bei Breuninger beworben. Man bot ihr eine Ausbildung im Verkauf an. Schon nach einem Tag Probearbeiten wusste sie: Das ist es. Und sagte zu.

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Wissen, was angesagt ist: Melissa Reinhardt (links) ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung. Kristina Zayets hat ausgelernt und ist direkt übernommen worden.

Bei der Ausbildung haben beide schnell gemerkt: Hier wird viel geboten. Jeder Azubi hat eine Stammabteilung, bei Melissa ist das Damenmode. „Im ersten Jahr wechselt man alle drei Monate die Abteilung“, berichtet sie. Überall bekomme man viel Unterstützung, könne auch beim Dekoteam und dem Warenaufbau reinschauen.

highlight auf hoher see Kristina hat sich die Wäscheabteilung als Hauptabteilung ausgesucht. Ganz unabhängig davon, wo man gerade lernt, gelte: Die Kunden stehen im Mittelpunkt. „Man sollte hier gerne mit Menschen zu tun haben“, sagt Philipp Stahl, Abteilungsleiter Herrenmode. Natürlich sei auch das Interesse an Mode Grundvoraussetzung. Sind die Nachwuchskräfte zudem engagiert, stehen ihnen viele Türen offen. „Wir merken das auch in der Schule“, berichtet Kristina. „Oh, ihr

seid von Breuninger“, hört sie da immer mal wieder. Denn die Kollegen wüssten, dass man hier vieles machen dürfe. Highlight der Ausbildung sind die „Kapitänswochen“. Dabei werden Azubis für vier Wochen zum Abteilungsleiter. „Eine große Chance“, schwärmt Kristina. Man habe zwar ein bisschen Angst, etwas falsch zu machen, könne aber viel lernen. „Fehler dürfen da auch mal passieren“, sagt Melissa. Jeden Tag gibt es Feedback vom Chef. Seit den Wochen auf hoher Breuninger-See ist für beide klar: Sie wollen längerfristig eine Abteilung leiten. Um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern, macht Kristina eine Fortbildung zur Handelsfachwirtin. Danach kann sie am betriebsinternen „e.b. talent program“ teilnehmen. Damit werden Mitarbeiter an mehr Verantwortung herangeführt. Auch Melissa kann sich das vorstellen. Bis dahin hat sie noch ein Jahr Ausbildung vor sich: mit Tablet, vielen Kunden und einem Team am Puls der Zeit. tln


Chilli Themenheft  

Karriere & Campus, April 2018

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Karriere & Campus, April 2018

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