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Wir t scha f t

März 2018 Ausgabe Nr. 17 gratis

Stadtentwicklung

MilliardenProjekt Dietenbach

Heikle Geschäfte mit Iran

Wie der Druck der Amis bis nach Südbaden wirkt Bankbosse

Start-ups

Tourismusrekord

Marcel Thimm und Uwe Barth über Bilanzen und Bitcoins

Messerschleifer und Altholz-Veredler

Freiburger verdienen Millionen mit den Gästen


Editorial

Zeit für Klartext

I

in den Raum zu stellen, welche Herrenknechts umfassende Compliance in Hinsicht auf Iran-Geschäfte tangieren könnte“, schrieb während der Recherche etwa die Pressestelle der Herrenknecht AG. Die Banker erzählten uns zwar durchaus skurrile Geschichten wie die, dass sie bei der Einreise in die USA plötzlich ungefragt auf ihre Rolle bei ihren Geldinstituten angesprochen wurden. Aber die meisten wollten nicht mit ihrem Namen und dem ihrer Bank öffentlich auftauchen. Wir fanden die Geschichte dennoch so spannend, dass wir sie drucken.

Klartext redeten indes die Bankbosse Marcel Thimm und Uwe Barth im bib-Interview zu ihren jüngsten Bilanzen, nicht nur, als es darin auch um Bitcoins ging. Die könne man nicht einmal „Währung“ nennen. Kritik am Gesetzgeber übten sie auch. Ein bisschen stecken die Banker aber in einer Glaubwürdigkeitsfalle: Sie prophezeien seit Jahren absackende Erträge, schaffen aber doch immer wieder, das zu verhindern. Noch. Die Verhinderungsaktivitäten gegen den neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach wirken derweil immer seltsamer. Die Bürgerinitiative Pro Landwirtschaft und Wald machte unlängst wieder mit einer Schilderdemo vor dem Zähringer Bürgerhaus auf sich aufmerksam. Konstruktiver waren da die Bebauungsvisionen von vier Architekten und Landschaftsplanern, konstruktiver auch die privaten Eigentümer, von denen

jetzt dann doch 80 Prozent ihre Äcker verkaufen wollen. Es wird ein Milliarden-Projekt, das da im Westen Freiburgs dringend nötigen Wohnraum schaffen wird. Mehrere hundert Millionen bringen jedes Jahr die Touristen in den Schwarzwald und nach Freiburg. Die kleine Großstadt zählte im vergangenen Jahr erstmals mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen. Die erste Welle von Hotelbauten ist vorüber, die zweite aber schon im Anmarsch: Die Branche wandelt sich drastisch. Die Ketten übernehmen peu à peu den Markt.

Foto © ns

rangeschäfte. Das Wort fiel neulich mal am Rande einer Pressekonferenz in der Region. Da schauen wir mal ein bisschen genauer hin, dachten wir in der Redaktion. Unser Autor Stefan Pawellek sprach hernach mit einem halben Dutzend Banker aus Südbaden. Doch kaum einer wollte offiziell etwas dazu sagen. Die Amerikaner gehen hart gegen jene vor, die mit dem Land am Persischen Golf irgendwelche Geschäfte machen. „Wir möchten Sie auf Ihre journalistischen Sorgfaltspflichten hinweisen, mit der Bitte, keinerlei auch nur schattenhaften Vermutungen

Wir wünschen anregende Lektüre. Herzlichst Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur 5 Anzeige

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Inhalt Unternehmen

Titel

Der Europa-Park sammelt weiter fleißig Titel 

Heikle Geschäfte mit Iran: Wie der Druck der Amis

Biermarkt

bis in südbadische Banken und Unternehmen wirkt 

6 -7

Geldanlagen

Tourismus

Wie ein Betrüger aus Freiburg Anleger um 1,45 Millionen Euro geprellt hat und dafür drei Jahre hinter Gitter muss  5

Erstmals mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen in Freiburg 

Arbeitswelt Die neue Groko will mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Nicht alle klatschen Beifall 8- 9

22-23 Wie sich südbadische Brauereien gegen den fallenden Konsum stemmen  36-37

Logistik Streck Transporte feiert 50 Jahre Luftfracht 

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Arbeitsmarkt

Boom: In Südbaden greift der längste wirtschaftliche Aufschwung seit der Wiedervereinigung  10

Bundesweite Premiere: Kufencracks und Arbeitsagentur mit Pilot-Projekt 40 Arbeitslose: Seit 1981 gab es in einem Februar noch nie so wenige ohne Job41-42

Stadtentwicklung Das Milliarden-Projekt neuer Stadtteil Dietenbach kommt trotz Demos in Fahrt. Es gibt überzeugende Bebauungsentwürfe und verkaufsbereite Eigentümer  12 -15

Start-ups Alt.Holz.Garage: Holz an die Hütte  16 17

Banken Sparkassenchef Marcel Thimm und Volksbank-Vorstand Uwe Barth im Interview 18-20 Die GLS Bank reitet auf einer Erfolgswelle21

Von wegen out: Das Spielecafé Freispiel ist immer rappelvoll  26 Freiburger Freilab: Das nichtkommerzielle Erfolgsmodell 

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Straße 13, 79106 Freiburg fon: 0761-292 70 60 | fax: 0761-292 70 61 bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

27

Menschen und Meldungen S-Beteiligung bilanziert souverän / Wirtschaftsregion Freiburg zu Gast bei der Haufe-Group / Messe Bauen Wohnen Garten in Offenburg / Bauverein mit Doppelrekord / Hotelierfamilie Gessler investiert acht Millionen / Zugpferd B2Run / Faller gründet Tochter / Die Bezüge der Bosse  28-34

Immobilienmarkt Der S-Immo bricht das Neubaugeschäft weg 

43

Arbeiten 4.0 Digi-Hub: In der Lokhalle Freiburg entsteht ein Digitalisierungszentrum  44

Unternehmen Bäckerei Dick holt Bronze bei Deutschlands beste Bäcker

45

Fakten bitte Die Welt., die Wirtschaft in Zahlen

46

16

30

Autoren dieser Ausgabe: Tanja Senn, Till Neumann, Isabel Barquero, Philip Thomas, Dr. Stefan Pawellek, Reinhold Wagner, Erik Herr

Titel: Visualisierung: © istock.com/erhui1979 Fotos: pixabay Fotograf: Neithard Schleier Grafik: Hannah Karayilan Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Jonas Stratz (Leitung), Malika Amar Druck: Freiburger Druck GmbH & Co. KG

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IMPRESSUM business im Breisgau

Menschen Der neue Breuninger-Geschäftsführer Alexander Entov im Porträit  38-39

Gründer

Konjunktur

Horl: Die Messerschleifer

35

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP) Redaktion: Lars Bargmann

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Recht

»Zu meiner Schande « Freiburger Finanzberater zu drei Jahren Haft verurteilt

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ine Rendite von 20 Prozent im Monat und das auch noch risikofrei: Mit diesem Versprechen warb ein Freiburger Geschäftsmann für Geldanlagen. Statt seinen gutgläubigen Anlegern aber pralle Profite zu bescheren, verprasste er die in den Jahren 2012 bis 2014 eingezahlten 1,45 Millionen Euro weitgehend selber. Das gestand der 44-Jährige nun vor dem Landgericht Freiburg. Und bekam dafür eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Ohne Bewährung. Schon bevor die Richter den hohen Saal aus dunklem Holz betreten, schaut der Mann auf der Anklagebank auf die Uhr. Zeit ist schließlich Geld. Das Geld der Anleger sollte in eine von ihm selbst auf den British Virgin Islands gegründete Firma fließen, die eine Software entwickelt hatte, die Finanzanlagen optimieren und so fette Gewinne abwerfen könne. Ein gerütteltes Maß an Überzeugungskraft fehlt dem Mann offenbar nicht, denn die Anleger ver-

trauten ihm mal 75.000, mal auch 830.000 Euro an. Statt aber in Renditeprojekte zu investieren, gab der Familienvater viel Geld für Reisen und einen aufwendigen Lebensstil aus. Aufgrund der Höhe dieser Einzahlungen meldete die Bank des Betrügers indes bereits 2014 Verdacht auf Geldwäsche. Als die versprochenen Zahlungen an seine Gläubiger weiterhin ausblieben, gingen Anfang 2015 auch die ersten Anzeigen der Geschädigten ein. Von sechs Anlegern hatte der 44-jährige Freiburger von 2012 bis März 2014 stolze 1,45 Millionen Euro einbehalten. Einem Anleger zahlte er 150.000 Euro zurück. Das Urteil, in dem der Angeklagte in 16 Fällen des Betruges schuldig gesprochen wurde, stützte sich auf ein umfassendes Geständnis, das der studierte Finanzdienstleister beim Prozessauftakt abgelegt hatte. Staatsanwalt und Verteidigung einigten sich schließlich auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Zudem ordneten die Richter das Einziehen eines sogenannten Wertersatzes in Höhe von 1,45 Millionen Euro an. Wenn das Geld überhaupt aufzutreiben ist, soll es den Geschädigten zugutekommen. Das Gericht lobte das umfassende Geständnis des Finanziers und nahm Rückzahlungen an einzelne Gläubiger von insgesamt 174.000 Euro positiv zur Kenntnis. Bei der Urteilsverkündung betonten die Richter aber auch einen besonders langen Tatzeitraum, in dem der Diplom-Betriebswirt vom hohen Risiko der Einzahlungen gewusst haben musste, und dass er letztlich billigend in Kauf nahm, die Gelder seiner Anleger zu verlieren. Der Freiburger, der seine erste Aktie nach eigenen Angaben bereits im Alter von 17 Jahren gehandelt hat, gestand die Taten im Sinne der Anklage zwar „zu seiner Schande“ ein, beteuerte vor dem Richter aber auch, dass er niemanden über den Tisch ziehen wollte. Stattdessen habe er „Risiken ausgeblendet“. Während der beiden Prozesstage wirkte der Angeklagte gefasst, überließ seiner Verteidigerin oft das Wort. Der dreifache Familienvater ist nicht vorbestraft. Wie es für ihn nach seiner Haftstrafe weitergeht, dazu machte er keine Angaben. Sicher sei allerdings: Mit dem Finanzsektor wolle er nichts mehr zu tun haben. Sein Schuldenstand betrage 1,75 Millionen Euro.  Philip Thomas

Fotos: © pixabay

Die Bank meldete Verdacht auf Geldwäsche

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Kommunen

Heikle Geschäfte mit Iran Wie der Druck der Amis bis nach Südbaden wirkt

Wer Geschäfte mit Iran macht, steht oft unter amerikanischer Beobachtung. Wer die Hand dann lieber zurückzieht, verliert einen potenziellen Kunden.

D

as Bild ging um die Welt: Bei der Weltsicherheitskonferenz in München hielt Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vor versammelter Mannschaft ein Metallteil in die Höhe und fragte Irans Außen-

minister Mohammed Dschawad Sarif laut, ob er es erkenne, es sei ein Flügel einer iranischen Drohne, die die Israelis abgeschossen hätten. Ein Eklat. Die USA stehen Israel zur Seite, der US-Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster warnte, dass der, der Geschäfte mit Iran mache, diese mit den Revolutionsgarden macht, die die USA als Terror-Vereinigung einstuft. Es sind auch für südbadische Banken und Unternehmen heikle Geschäfte, wenn es um Iran geht.

Im Sommer 2016 war der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Iran gereist: Die Aufhebung der Sanktionen stand bevor, die deutsche Wirtschaft sollte unter den Ersten sein, die Zugang zu einem Markt von 80 Millionen Menschen erhielt. Ein ganzes Jahrzehnt lang war Iran weitgehend vom Weltmarkt abgeschottet, der Nachholbedarf war groß, und schon in den

70er Jahren hatten deutsche Firmen am Persischen Golf gute Geschäfte gemacht: Nach den USA war das damals sogar die Nummer 2 unter den außereuropäischen Exportzielen. Gabriel wollte nun „ein neues Kapitel in den deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen aufschlagen“. Nachholbedarf gebe es laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Maschinen- und Fahrzeugbau, im Wassermanagement, der Abfallwirtschaft, im Gesundheitswesen, bei Baustoffen und erneuerbaren

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Visualisierung: © istock.com/erhui1979, Fotos: pixabay

Kommunen

Energien. Allein für deutsche Firmen hielt der DIHK damals ein Exportvolumen von zehn Milliarden Euro bis 2020 für realistisch. 2015 waren es rund 2,4 Milliarden. Ein neuer Exportboom schien sich anzukündigen, an dem auch Firmen aus Südbaden teilhaben wollten. Daniela Saam, beim Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (W VIB) Beraterin für die Außenwirtschaft: „Auch unsere Unternehmen blickten mit Interesse auf den potenziellen Riesenmarkt Iran.“ Der WVIB informierte interessierte Mitgliedsbetriebe bei einer Veranstaltung in der Freiburger Sparkasse. Doch die Geschäfte liefen nur schleppend an. Der Grund: Die USA hatten und haben das Land am Persischen Golf noch immer auf der Sanktionsliste und bestrafen jeden, der sich ihrer Sicht der Dinge nicht anschließt. So musste etwa die Commerzbank einen Vergleich über 1,45 Milliarden Dollar akzeptieren und auf US-Druck Angestellte entlassen. Die Bank räumte vor Gericht sogar freimütig ein, unter erheblichem Druck von den US-Behörden zu stehen und gezwungen worden zu sein, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Im März 2016 musste sie einen „Monitor“ der Beratungsfirma Alix Partners akzeptieren – eingesetzt vom New Yorker State Departement of Financial Services. Der durchleuchtete praktisch alle Vorgänge nach Verstößen gegen die US-Sanktionen. Der Druck, den der Alix-Mann ausübte, sei extrem. „Was bleibt uns übrig? Entweder es wird gemacht, was der Monitor fordert, oder es drohen neue Probleme mit der USJustiz“, sagte ein Banker damals der Wirtschaftswoche. Heute teilt Pressesprecher Maurice Farrouh auf Anfrage nur mit: „Wir halten derzeit an unserer restriktiven Geschäftspolitik bezogen auf den Iran fest und befinden uns damit im Einklang mit der Haltung der meisten großen global agierenden Banken.“ Auch die Deutsche Bank wurde von einem „Monitor“ beaufsichtigt – und bewahrt Stillschweigen. Frédéric Carrière, Referent

Auslandsmärkte und Zoll bei der IHK Südlicher Oberrhein, schildert, welche Restriktionen Firmen wie Banken drohen, wenn sie Irangeschäfte abwickeln: „Die Firmen, die mit den USA zusammenarbeiten, in amerikanischem Besitz sind oder amerikanische Geschäftsführer haben, unterwerfen sich diesem Embargo. Ansonsten riskieren sie, auf einer US-Blacklist zu stehen. Dabei sind Irangeschäfte weder nach EU- noch nach deutschem Recht verboten.“ „Amerikaner setzen eigenes Recht in Deutschland durch“, titelte die FAZ im Dezember 2016. „Stimmt“, sagt ein südbadischer Bankvorstand, der namentlich nicht genannt werden möchte. Warum, das schildert ein fassungsloser Kollege aus einer anderen Bank drastisch: „Ich flog mit meiner

Unfreundlicher Empfang am Ami-Airport Familie in die USA in den Urlaub, als mir der Immigrations-Beamte auf den Kopf zusagte, ich sei Bankvorstand und bei neuen Kunden für die Prävention vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verantwortlich. Ich solle mir ja dieser Verantwortung bewusst sein, ich sei jetzt in den USA.“ Ein Freiburger Bankboss, der mit einer städtischen Delegation unlängst in Isfahan war, legte sich einen zweiten Pass zu, um unbehelligt in die USA einreisen zu dürfen. Das schlug aber fehl: Er musste nach Frankfurt ins US-Konsulat, wo man ihm eröffnete, dass man sowohl von seinem zweiten Pass wisse, als auch, dass er in Iran gewesen sei. Er habe, so der Banker, sehr lange gebraucht, um zu erläutern, dass sein Besuch nichts mit geschäftlichen Beziehungen zu tun gehabt habe. Die Furcht vor Restriktionen durch die US-Regierung ist durchaus ein Thema, das im WVIBNetzwerk diskutiert wird, berichtet Daniela Saam.

Während der Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall Freiburg, Stephan Wilcken, glaubt, dass das Thema Iran in Südbaden keins ist, weiß IHK-Experte Frédéric Carrière von 40 Firmen, die Beziehungen zu Iran haben, der ein „wichtiger Handelspartner für südbadische Firmen“ ist. Bei der Freiburger Volksbank wird der „nur vereinzelt“ aufkommende Zahlungsverkehr von Kunden in Länder mit geopolitischen Besonderheiten speziell geprüft und begleitet. Jedes Geschäft wird durch Spezialisten des Außenhandels nicht zuletzt in rechtlicher Hinsicht geprüft. Eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kunden ist dabei Voraussetzung. Die DZ-Bank, das Dachinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, hatte mal offensiv für Irangeschäfte geworben, die New Yorker „Financial Times“ hatte das Institut neben anderen europäischen Banken als eine Art „Blockadebrecher“ angeprangert. Auch die Schwanauer Firma Herrenknecht sprach Anfang 2016 noch offen von der Hoffnung, sich in Zukunft in Iran zu engagieren – was der Firma eine ausführliche Darstellung auf der Internetseite www.unitedagainstnucleariran.com einbrachte. Eine Anfrage nach dem Stand und Ausmaß ihres Engagements beantwortet Cornelia Lietzau von der Unternehmenskommunikation heute so: „In den vergangenen Jahren ist bis einschließlich 2017 das Geschäft im Iran für Herrenknecht nahezu zum Erliegen gekommen. Dies ist Ergebnis der Verschärfungen der Sanktionen gegen den Iran und hat sich auch nicht durch das internationale Atomabkommen erheblich geändert.“ Herrenknecht sei lediglich Service-Verpflichtungen aus lange bestehenden Verträgen für Metromaschinen in Teheran nachgekommen. Jedes einzelne Geschäft mit Iran sei „bis ins Detail“ mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und den einschlägigen Behörden immer umfassend abgestimmt worden. Die für 2020 angepeilten zehn Milliarden Euro Export nach Iran werden Illusion bleiben. spk

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Arbeitsmodelle

Jobsharing auf Höhenflug Pfizer punktet mit flexiblen Arbeitszeiten / IHK kritisiert GroKo

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lexible Arbeitszeiten sind die Zukunft. Das zeigt nicht nur der aktuelle Tarifabschluss der IG Metall, der eine 28-Stunden-Woche auf Zeit durchgesetzt hat. Umfragen zufolge wünscht sich die Mehrzahl der Arbeitnehmer flexible Modelle wie Jobsharing, Vertrauensarbeitszeit oder Arbeitszeitkonten. Auch in Berlin reagiert man auf diesen Wunsch: So will die neue Koalition eine „Öffnung für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit“. Auch in Südbaden sind die flexiblen Modelle angekommen. Doch nicht überall gibt es dafür Applaus. Gerade trudelt die letzte Zusage ein. Dem Meeting am Donnerstag mit den Freiburger Führungskräften des Pharmariesen Pfizer steht nichts mehr im Weg. Michaela Kunkler ist zufrieden. Dass sie selbst nicht dabei sein wird, macht ihr nichts aus. Sie ist sich sicher: Ihre Kollegin Ann-Kathrin Gibson wird alle Entscheidungen in ihrem Sinn treffen. Während Gibson im Meeting sitzt, macht die 42-Jährige mit ihrer zehnjährigen Tochter und den sechsjährigen Zwillingen einen Ausflug. Möglich macht’s das Jobsharing. Kunkler betreut montags und dienstags das Trainingssystem von Pfizer und organisiert Schulungen. Danach übernimmt Gibson. Mittwochvormittags ist das Zweier-Team gemeinsam im Büro, um sich abstimmen zu können. „Das Wich-

tigste ist, dass beide alle Infos weitergeben“, sagt Kunkler. „Die Kollegen wissen: Egal, wer von uns da ist, wir wissen über alles Bescheid.“ Da immer ein Ansprechpartner im Haus sein muss, sei das mit zwei Teilzeitkräften nicht zu machen. „Die Stelle wäre anders nicht teilbar. Wo ich aufhöre, macht meine Kollegin weiter.“ Wichtig ist dafür vor allem eine gute Organisation: So nutzen Kunkler und Gibson eine gemeinsame E-MailAdresse und dasselbe Ablagesystem. Rund zwei Prozent der Freiburger Pfizer-Belegschaft arbeitet in Jobsharing-Modellen – und das in fast allen Unternehmensbereichen, von der Verwaltung über den Laborbereich bis hin zur Produktion. „Solche Modelle entstehen vielfach auf Betreiben der Mitarbeiter“, weiß Personalleiter Uwe Lürig. „Wir versuchen, die Wünsche nach flexibleren Arbeitszeiten zu realisieren, das gelingt uns meist ziemlich gut.“ In einer Zeit, in der Fachkräfte rar gesät sind, kann solch eine Flexibilität ein großer Imagegewinn für ein Unternehmen sein. So wünschen sich laut aktuellem Global Talent Monitor des Technologieunternehmens CEB 70 Prozent der Arbeitnehmer flexible Arbeitszeiten. Doch auch das Unternehmen habe Vorteile, so Lürig: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in Teilzeit sehr effektiv und verdichtet gearbeitet wird.“ Beim Jobsharing lassen sich zudem Urlaubs- und Krankheitstage besser über-

Foto: © pixabay

»Unternehmen hat immer ein Backup «

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Arbeitsmodelle

brücken, da zwei Mitarbeiter in eine Position eingearbeitet sind: „Das Unternehmen hat immer ein Backup.“ Dabei muss es gar kein so umfassendes Modell wie das Jobsharing sein: Einer Umfrage der IG Metall zufolge wünschen sich 86 Prozent der Arbeitnehmer einfach, mal kurzfristig für ein paar Stunden gehen zu können. Etwa, um die Kinder von der Kita abzuholen oder die Mutter zum Arzt zu bringen. Solchen Wünschen können Unternehmen mit einer Vielzahl von Modellen begegnen – von Gleitzeiten übers Home-Office bis hin zu Arbeitszeitkonten, auf die geleistete Stunden wie auf einem Sparbuch gutgeschrieben werden. Letzteres hatten 2016 schon 56 Prozent der deutschen Beschäftigten. Dass die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen Zeit braucht, die sich neben dem Nine-tofive-Job nicht immer finden lässt, dem trägt auch der Tarifabschluss Rech-

nung, den die IG Metall im Februar in Baden-Württemberg durchgesetzt hat. Das Recht auf eine 28-StundenWoche, befristet auf bis zu zwei Jahre, hat für Furore gesorgt. „Der Tarifabschluss ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“, freut sich Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall. Dass das Thema mittlerweile auch in der Politik angekommen ist, zeigt der neue Koalitionsvertrag. So soll das Arbeitszeitgesetz um eine Tariföffnungsklausel ergänzt werden, für „mehr selbstbestimmte Arbeitszeit der Arbeitnehmer und mehr betriebliche Flexibilität“. Dafür könne etwa „die Höchstarbeitszeit wöchentlich flexibler geregelt werden“. Außerdem soll in Betrieben ab 45 Mitarbeitern das Recht auf befristete Teilzeit eingeführt werden.

Für Steffen Auer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, steuert die GroKo damit in die falsche Richtung: „Das wirkt wie ein Anreiz für Teilzeit, der die Fachkräfteproblematik für die Betriebe weiter verschärft.“ Zudem erfordere dieses Recht vor allem von kleinen Firmen „enorme Klimmzüge“. Dass die flexiblen Modelle auch für Arbeitnehmer nicht immer von Vorteil sind, zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: So falle etwa das Abschalten nach Feierabend vielen schwer. Außerdem erschwerten unvorhergesehene Arbeitszeiten die Planung des Alltags. Kunkler kennt solche Probleme trotz fünf Jahren Jobsharing nicht: „Ich habe kein Problem abzuschalten. Aber da habe ich auch Glück – ich weiß einfach, dass ich mich auf meine Kollegin voll und ganz verlassen kann.“tas

»Enorme Klimmzüge«

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Konjunktur

Kein Ende in Sicht Südbaden sieht keine Überhitzungsgefahr für boomende Wirtschaft

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Doch im November verpassten die fünf Wirtschaftsweisen der Feierlaune einen Dämpfer: Die deutsche Wirtschaft befände sich in einer Überauslastung, heißt es in ihrem Jahresgutachten. Das (prognostizierte) Wachstum von 2,0 Prozent in 2017 und 2,2 Prozent in 2018 stehe einem Potenzialwachstum von 1,4 Prozent gegenüber. Auch in der Region lassen sich diese Tendenzen erkennen: So arbeiten laut Freiburger Handwerkskammer elf Prozent der Betriebe über ihrer eigentlichen Kapazitätsgrenze. Unter den Mitgliedern des WVIB sind sogar 15 Die bodentiefen Fenster des Konferenzraums geben den Prozent überausgelastet. Blick auf einen wolkenverhangenen Himmel frei, doch WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer sieht auch ohne Sonnenschein ist die Laune von Steffen Auer darin allerdings keinen Grund zur Sorge: „15 Prozent Überund Andreas Kempff sonnig. Der Präsident und der Haupt- auslastung in den Industrieunternehmen ist ein strammer geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wert, aber noch kein kollektives Alarmsignal. Im Moment verkünden gute Nachrichten: Am südlichen Oberrhein rechnet niemand mit einer harten konjunkturellen Lanreißt der Index der Geschäftslage zum dritten Mal in Folge dung.“ Auch die IHK-Mitglieder haben noch keinen Wendas bisherige Allzeithoch. So geben in einer aktuellen Um- depunkt in Sicht. Jeder dritte Unternehmer erwartet, seine frage 63 Prozent der Unternehmen an, über eine gute Ge- Geschäfte im kommenden Jahr ausbauen zu können. schäftslage zu verfügen – nur drei Prozent bewerten sie als Eine Gefahr für die anhaltende Hochkonjunktur ist der schlecht. Solch eine Zufriedenheit sei weder in den Hoch- Fachkräftemangel: Fast zwei Drittel der Befragten sehen zeiten der Dotcom-Blase noch vor oder nach der Finanzkri- darin ein Risiko. Im Vergleich zum Herbst ist dies nochmals ein Anstieg um vier Prozentpunkte. se 2009 erreicht worden, freut sich Auer. Vor allem im Hotel- und Gastgewerbe Auch beim Industrieverband WVIB stehen die trübt er massiv die ZukunftsaussichZeichen gut: Im vergangenen Jahr sind die ten: Hier verharrt der Index der GeAufträge um rund zehn Prozent gestiegen. 72 schäftserwartungen unverändert Prozent der mehr als 1000 Mitgliedsbetriebe bei minus zwei Prozent im negatiseien daher aktuell voll ausgelastet. ven Bereich. Jedes fünfte UnterNicht nur die Industrie hat Grund zum nehmen rechnet damit, dass sich Jubeln. Zum Jahresabschluss ließ auch das die Beschäftigtenzahl in den südbadische Handwerk dank Umsatzkommenden zwölf Monaten plus und vollen Auftragsbüchern die sogar verringern werde. Korken knallen: Jeder vierte Betrieb „Die Tatsache, dass Arbeitsdurfte sich allein im letzten Quarkräfte rar sind, verschärft die tal über ein Auftragsplus freuen. Lage und wirkt bereits als WachsDie südbadische Konjunktumsbremse“, sagt Münzer. Auch tur spiegelt damit die nationabei Auer trübt das die sonnige Stimle Großwetterlage wider: Die Auf Höhenflug: mung: „Ohne Fachkräfte steigen die deutsche Wirtschaft verDie Wirtschaft in Arbeitskosten. Das ist zwar positiv, zeichnete vergangenes Jahr Freiburg Südbaden wächst und weil alle am Wohlstand teilhaben, den stärksten Zuwachs seit wächst und wächst ... aber wenn es nicht mehr zur globalen 2011. Damit gibt es derzeit Entwicklung passt, wird dieser Trend den längsten wirtschaftlischnell kritisch.“ chen Aufschwung seit der  Wiedervereinigung. Tanja Senn ie südbadische Wirtschaft boomt. Egal, ob in der Industrie, im Handel oder im Handwerk: Die Geschäfte laufen blendend. So blendend, dass fast jeder siebte Industriebetrieb über seiner Kapazitätsgrenze arbeitet. Südbaden bildet da keine Ausnahme: Auf nationaler Ebene warnen die Wirtschaftsweisen bereits vor einer Überhitzung. In der Region macht man sich darüber keine Sorgen. Auch wenn der Fachkräftemangel bereits heute das Wachstum bremst.

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Foto: © Hosoya Schaefer mit Agence Ter

Neuer Stadtteil

Massenenteignungen sind vom Tisch Deal am Dietenbach bald in trockenen Tüchern

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ach schleppendem Start hat der Zug für die Entwicklung des neuen Freiburger Stadtteils Dietenbach nun Reisegeschwindigkeit erreicht: Von dem 130 Hektar großen Plangebiet zwischen Rieselfeld und dem Autobahnzubringer gehören 80 Hektar Acker, mithin rund 110 Fußballfelder, privaten Eigentümern. Mehr als 400. Das Freiburger Rathaus hat diesen anfangs pro Quadratmeter gutachterliche 15 Euro angeboten. Das

lockte kaum jemanden hinter dem Ofen vor. Dann kam die Freiburger Sparkasse und bot 64 Euro plus 1. Diese Offerte haben mittlerweile 80 Prozent der Besitzer akzeptiert. Ob es am Ende ganz ohne Enteignung gehen wird, ist aber noch offen. „Wer finanziell schmerzfrei oder ideologisch fest im Glauben verankert ist, der lässt es eben drauf ankommen“, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon unlängst vor Journalisten.

Zehn Hektar fehlen noch, um die Planungen im Dietenbach, wo mal bis zu 13.000 Menschen in gut 5000 Wohnungen leben sollen, weiter voranzutreiben. Wenn deren 40 Besitzer nicht freiwillig verkaufen, werden sie enteignet. Das ist die klare Botschaft der Rathausspitze. Wie das geht, erklärte der neue Dietenbach-Projektgruppenchef Rüdiger Engel: Erst werden Briefe geschrieben, dann gibt es eine mündliche Verhandlung vor der Enteignungsbehörde im Regierungspräsidium. Wenn da immer noch keine Einigung möglich ist, wandert das Verfahren vor die Gerichte, notfalls bis vors Bundesverwaltungsgericht. „Das haben wir aber in der Stadt Freiburg in den vergangenen 35, 40 Jahren nicht gehabt“, so

Engel. Bisher sei immer ein Kompromiss gefunden worden. Verschleppen können die Unwilligen die Bebauung auch nicht, es gebe das Instrument einer „vorzeitigen Besitzeinweisung“. Man werde sich jedenfalls von ein, zwei Eigentümern „nicht ausbremsen lassen“, sagte Baubürgermeister Martin Haag. Die Folterwerkzeuge liegen seither offen auf dem Tisch. Es gibt sogar eine Anti-Pokerface-Regel, die nur nicht so heißt: Wer später verkauft, bekommt nicht einen Cent mehr. So stehe es in den Optionsverträgen, erklärte Rechtsanwalt Thomas Burmeister, der die verkaufswilligen Eigentümer vertritt und nicht unschuldig am erfolgreichen Kooperationsmodell ist.

Von Eigentümern nicht ausbremsen lassen

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Dietenbach

keine richtig hohen Hochhäuser geben würde, was hernach auch in der lokalen Presse stand. Wer sich die Entwürfe genau anschaut, stellt fest, dass das Freiburger Büro K 9 ein 20-geschossiges Gebäude plant sowie neun 12-Geschosser, das Züricher Büro Hosoya ein Haus mit 16 Stockwerken. Die beiden anderen ausgewählten, das Berliner Studio Wessendorf und das Büro Cityförster aus Hannover, haben maximal achtgeschossige Baukörper gesetzt. Ohne eine hohe Dichte wird ein wirtschaftlicher Stadtteil nicht zu haben sein.

Foltern nur für die Allgemeinheit Dietenbach aus der Luft. Dieser Entwurf ist von Hosoya Schaefer Architects. Eine Kurzvorstellung der nummerierten Entwürfe auf den nächsten Seiten.

3 Wer noch in diesem Jahr auf den Kooperationszug aufspringt, der bekommt zu den 64 bis einschließlich 2020 noch jährlich einen Euro pro Quadratmeter obendrauf. Da das Rathaus Grundstücke in Nähe des fließenden Dietenbachs für Ausgleichsarbeiten und Hochwasserschutz als Erste braucht, kriegen deren Eigentümer sofort zehn Euro. Den Rest gibt es erst nach Abschluss eines Kaufvertrags im Jahr 2020. Insgesamt soll der neue Stadtteil mit Schulen, Straßen und Stadtbahn nach heutiger Planung 614 Millionen Euro kosten. Ob diese Zahl auch am Ende der Entwicklung steht? „Heute sind, was die Wirtschaftlichkeit angeht, noch viele Fragen offen“, sagt Sparkassen-Chef Marcel Thimm. Seine Bank will an den Grundstückskäufen und -verkäufen nichts verdienen – aber später natürlich die Bauträger finanzieren. Was und wie diese bauen, liegt im groben Maßstab seit Anfang Februar

vor. Da hatte ein Preisgericht aus 28 Bewerbern vier Architektenentwürfe ausgewählt, die derzeit optimiert werden. „Alle vier sind nicht nur städtebaulich gut, sie sind auch wirtschaftlich“, so Haag. Bei der Präsentation der Entwürfe sprachen er und der Preisgerichtsvorsitzende Franz Pesch davon, dass es

Die Folterwerkzeuge sind übrigens nur dann zu gebrauchen, wenn es im Stadtteil auch preiswerten Wohnbau gibt. Das erfordere eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, die die Bedingung für die drohenden Enteignungen Privater zum Wohle der Allgemeinheit wäre, erklärte Engel. Zunächst muss der Gemeinderat eine Entwicklungssatzung beschließen, was vor der Sommerpause geplant ist. Es ist Dampf auf dem Kessel. Dass die Bürgerinitiative „Pro Landwirtschaft und Wald in Freiburg-Dietenbach & Regio“ unlängst vor dem Bürgerhaus in Zähringen wieder mit 40 Menschen eine Schilderdemonstration gegen die Bebauung inszenierte, wird den Zug Lars Bargmann nicht aufhalten. 

Foto: © Hosoya Schaefer mit Agence Ter

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Neuer Stadtteil

Champions-League in der Stadtplanung Die besten Entwürfe für den neuen Stadtteil Dietenbach

Foto: © K9 Architekten mit Latz+Partner

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ür Franz Pesch, den Vorsitzenden des Preisgerichts zum städtebaulichen Wettbewerb um den neuen Stadtteil Dietenbach, war die Qualität der vorgelegten Arbeiten „Bundesliga und Champions League.“ 28 Büros hatten sich der Aufgabe gestellt, vier sind von einer 36-köpfigen Jury als beste ausgezeichnet worden. Eine Bewertung.

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Foto: © K9 Architekten mit Latz+Partner

Die Aufgabe: Einen neuen Stadtteil im Freiburger Westen zu entwerfen, der Lösungen für die Einbettung der Fläche in den vorhandenen Kontext, die Verzahnung von Freiräumen und Gebäuden mit mindestens 5000 Wohnungen, den öffentlichen und individuellen Nahverkehr, für Radwege und ruhenden Verkehr, verschiedene Gebäudetypen, ein Stadtteilzentrum

Foto: © Studio Wessendorf mit Atelier Loidl

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anbietet sowie – das ist im Auslobungstext fett gedruckt – „die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit mit höchstmöglicher städtebaulicher Qualität und rechtssicherer Planung“ erreicht. Das Plangebiet zählt aktuell zwar zu den größten in Deutschland, aber nicht zu den kompliziertesten“, sagt Pesch. 1 Der Entwurf von K 9 Architekten aus Freiburg mit Latz+Partner

Foto: © Studio Wessendorf mit Atelier Loidl

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Dietenbach Foto: © BI pro Landwirtschaft

Weiter widerständig: Schilderdemo gegen Dietenbach vor Bürgerhaus. Landschaftsarchitektur Stadtplanung aus Kranzberg: Die Bewerber haben die Dietenbach-Aue deutlich aufgewertet, zusätzlich aber auch den Käslebach mit einbezogen. Die neue Stadteilmitte, etwas klein vielleicht, liegt genau zwischen diesen Freiräumen. Das Alleinstellungsmerkmal ist ein 20-geschossiges Gebäude im Norden sowie weitere, kräftige Hochpunkte, die die Ränder des Quartiers akzentuieren. Im Inneren, wo unterschiedliche Wohnformen möglich sind, geht es dafür etwas flacher zu. 2 Der Entwurf vom Berliner Studio Wessendorf mit dem Berliner Atelier Loidl Landschaftsarchitekten: Der „Geniestreich“, so Pesch, ist ein terrassiertes Zentrum. Zudem schafft der Entwurf ein hohes Angebot an grünen Innenhöfen. Und er verbindet den neuen Stadtteil geschickt mit dem Rieselfeld, indem er einen Keil mit Schulen bis an die

terrassierte Mitte führt, die sich zur Dietenbach-Aue öffnet. 3 Der Ent w u r f von Hosoya Schaefer Architects aus Zürich mit Agence Ter Landschaftsarchitekten, Karlsruhe/Paris: Die Arbeitsgemeinschaft schafft es, durch die Ausbildung von Miniquartieren im Quartier eine hohe Durchmischung von Gebäudetypen und damit indirekt auch der künftigen Nutzer zu ermöglichen. Deswegen steht er unter dem Motto „Unsere Nachbarschaften in Dietenbach“. Dietenbach und Käslebach sind wieder als Naherholungszonen gestaltet, das neue Zentrum aber zu mickrig geraten. 4 Der Entwurf von Cityförster architecture+urbanism (Hannover), Felixx Landscape Architects&Planners (Rotterdam) und R+T Ingenieure Verkehrsplanung, Darmstadt:

Schon auf den ersten Blick hebt sich dieser Entwurf ab, weil er es gar nicht darauf anlegt, klare Kante zu zeigen, sondern sehr locker Freiräume, Straßen und Wohnbebauung miteinander mischt. Man könnte ihn als den natürlichsten Entwurf ansehen. Gleichwohl sei er „städtebaulich sehr durchdacht“, so Pesch. In der Struktur entstehen mehrere Quartiere aus gemischten Gebäudetypen. Das Fazit: „Wir kriegen eine höhere Dichte als im Rieselfeld“, sagte Baubürgermeister Martin Haag. „Die vier Entwürfe haben es geschafft, keine Monostrukturen zu kreieren und auch Landschaftsnähe zu zelebrieren“, so Pesch. Aktuell verbessern die Preisträger (insgesamt gab es 225.000 Euro) ihre Arbeiten. Am Ende wird ein Büro als Sieger durchs Ziel laufen. bar

Foto: © Cityförster mit Felixx und R+T Ingenieure.

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Foto: © Cityförster mit Felixx und R+T Ingenieure.

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Start-up

Neues Leben für altes Holz Jungunternehmer aus Bahlingen macht aus Scheunenholz Wohninterieur

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enn aus einer alten Scheune Möbel oder Schilder werden, hat Jan Knopp seine Finger im Spiel. Mit der Alt.Holz.Garage macht er seine Leidenschaft zum Beruf: In Emmendingen fertigt er Wohnaccessoires, Wandverkleidungen und Lounge-Möbel aus regionalem Altholz. Außerdem bietet er Souvenirs der Eigenmarke „Da Heim“ an – und schwimmt damit gleich auf mehreren Trendwellen. Bunte Oldtimer am Eingang, eine Vespa im Flur und Europaletten mit Topfpflanzen: Den Garagen-Flair hat sich Knopp, Gründer der Alt.Holz.Garage, mit nach Emmendingen genommen. Seine vorherige Werkstatt in Bahlingen am Kaiserstuhl, wo alles anfing, wurde mit der Zeit zu klein. Auch weil er seit vergangenem September einen zusätz-

Fotos: © iba, Alexander Dietrich, Jan Knopp

Kommt gut an: Wandverkleidungen (oben) und Schilder aus alten Scheuen. lichen Schreiner beschäftigt. Von den Räumlichkeiten im Gewerbegebiet ist der gelernte Hotelfachmann, der auch Vertriebserfahrung mitbringt, begeistert: „Die passen vom Stil super zu uns. Wir haben jetzt sogar Laufkundschaft.“ Der Quereinsteiger, der sich sein Wissen größtenteils selbstständig

Klein, aber fein: Jan Knopp (l.), seine Frau Teresa und Schreiner Diogo Vieira. angeeignet hat, bezieht Holz aus alten Scheunen. Dieses lässt er nach einer gründlichen Verarbeitung als Schild, Möbelstück oder Wandverkleidung in neuem Glanz erstrahlen. Was als Hobby anfing, ist seit Mai 2017 ein eigenständiger Betrieb. Mit wachsendem Erfolg. Durch die Zusammenarbeit mit Weddingplanerin Sandra Beck musste Knopp irgendwann Rechnungen schreiben. Im August 2016 meldete er ein Nebengewerbe an. „Es ist alles so schnell durch die Decke gegangen, dass ich meinen Job im Außendienst aufgeben musste“, berichtet der Altholzliebhaber. Mit Altholz verkleidet Knopp nicht nur Büros und Gastrobetriebe, sondern auch seine eigenen vier Wände in Bahlingen. „Altholz verändert jeden Raum, es verleiht mehr Persönlichkeit und Wärme. Oft reicht eine Kleinigkeit aus, um Großes zu bewirken“, schwärmt der 30-Jährige. Mit „Upcycling“, der Aufwertung alter Materialien, liegt Knopp schwer im Trend. Benutzen möchte er den englischen Begriff aber nicht. „Ich nenne es einfach Wiederbeleben von altem Holz. Das ist persönlicher“, erzählt er mit badischem Dialekt. Die Verbundenheit zur Region zeigt auch das „Da Heim“-Tattoo auf seinem Unterarm.

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Für Knopp ist Heimat wichtig – auch die des Holzes. „Wir kennen die genaue Vorgeschichte der Scheunen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, erklärt er. Jede Seite der Scheune sei unterschiedlichem Wetter ausgesetzt. Dadurch veränderten sich Farbe und Form. „Das macht unser Holz so einzigartig. Jedes Teil ist ein Unikat.“ Momentan schwimmt Knopp mit seinem Unternehmen auf mehreren Trendwellen, die seit zwei Monaten für schwarze Zahlen sorgen. „Anfangs haben wir sehr viel investiert, einen Existenzgründer-Zuschuss bekommen und tiefrote Zahlen geschrieben.“ Durch soziale Netzwerke und Messeauftritte sei die Bekanntheit nun enorm gestiegen. Ein Ende des Trends ist für Knopp nicht in Sicht: „Wir stehen noch am Anfang, er wird noch mindestens fünf Jahre halten.“ Für die Zukunft stellt sich die Alt.Holz. Garage breiter auf: Es wird Stehtische und Barhocker im Altholz-Stil zum Vermieten geben. Außerdem wird das Sortiment der Wandverkleidung ergänzt. Neben Eichenholz wird es internationale Holzarten geben – auch mit Verzierungen. Nur eins möchte Knopp nicht: Massenware. „Wir wollen ein gemütliches und familiäres Unternehmen bleiben, das hauptsächlich regional unterwegs ist.“ Isabel Barquero 


Start-up

Auf Messers Schneide Deutschlands einziges Klingenschärfer-Start-up

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und 20 Jahre lag die Erfindung im Keller. Dann stieß Timo Horl auf die kleine Rolle. Was sein Vater Otmar einst erfand, inspirierte ihn zu einem messerscharfen Geschäftsmodell: Als „Horl-1993“ vertreiben die beiden nun hochwertige Rollschleifer Wie man damit Klingen schärft, interessiert Hunderttausende. „Ich war noch ein Stöpsel, als mein Vater den Rollschleifer gebaut hat.“ Mit leuchtenden Augen erzählt Timo Horl von der kleinen Erfindung seines Vaters. Eine Rolle, mit der man Messer schärfen kann. Gerade mal so groß wie eine Dose Cola. „Keiner schleift so wie wir“, schwärmt der 30-jährige gelernte Grafiker. Sein 62 Jahre alter Vater legt nach: „Die Erfindung ist so logisch, dass keiner drauf kommt.“ Die beiden sitzen auf der Wohnzimmercouch des Familienhauses im Stadtteil Mooswald und erzählen von einer kleinen großen Erfolgsgeschichte. Im Kamin knistert das Feuer. Um 1993 hat Otmar Horl den Rollschleifer entworfen. „Erfindungen waren immer mein Steckenpferd“, sagt der Maschinenbautechniker. Der Prototyp aus Aluminium war optisch dürftig. Das Ding habe beim Schleifen geklappert und gewackelt, sei aber trotzdem rund 2000 Mal verkauft worden. Dann war vorerst Schluss. Erst 2014 holte sein Sohn das Gerät aus dem Keller. Es juckte ihn, die Alurolle zu pimpen: Sie sollte größer werden, wertiger aussehen und einen Holzgriff bekommen. Nach einiger Tüftelei stellten sie das Gerät 2016 ins Netz und meldeten sich beim Freiburger „StijlMarkt“ an. Ihrem Stand bei der Fashion-Design-Messe trauten sie nicht viel zu. „Ich habe morgens noch gesagt: Wenn wir fünf Rollschleifer verkaufen, ist gut“, erinnert sich Otmar Horl. Doch sie gingen weg wie warme Semmeln. Nach zwei Stunden rief er seine Frau an: „Wir brauchen Ware.“ 74 Euro kostete der Schleifer damals. Bis Ende 2016 waren 200 Stück verkauft, die Nachfrage stieg. Im Jahr 2017 ging’s auf 15 Messen – parallel zu ihren Jobs. Zeitgleich verfeinerten sie den Schleifer. Mittlerweile wird er mit einer „Magnet-Schleif lehre“ verkauft, einem Brett, an das man das Messer anlegt, um im richtigen Winkel zu schleifen. Egal, ob kleines Gemüse- oder großes Kochmesser. Ihr Produkt weckt Interesse: Das erfolgreichste Facebook-Video wurde 1,3 Millionen Mal geklickt. Ein zwei-

Mögen scharfe Messer: Otmar Horl und Sohn Timo. tes mehr als 500.000 Mal. „70 Prozent unseres Erfolgs verdanken wir Facebook“, sagt Timo Horl. Von Experten der Branche wird der Schleifer gelobt und empfohlen. 3000 Exemplare haben sie 2017 verkauft. Rund 20 Pakete verschicken sie täglich an Kunden. Das Design ihres im Schwarzwald hergestellten Schleifers ist heimatverbunden. Die Handhabung ist einfach, wie Timo Horl demonstriert: In rund einer Minute ist die Klinge geschärft. Mit einem Wasserschleifstein kriege man sie zwar noch schärfer, brauche aber oft Stunden. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Otmar Horl. Beide sind überzeugt: Ihr Produkt ist das Nonplusultra der Schleifer. Dass sie auf Messen immer wieder verdutzte Gesichter sehen, überrascht nicht. Rollschleifer gibt es nur bei ihnen. Zumal keine weitere Firma einzig auf Klingenschärfer setzt. Seit Januar arbeiten beide nur noch für Horl-1993. Der Junior hat den Job gekündigt, der Senior ist im Frühruhestand. Selbst die Mutter hat ihren Job aufgegeben. Sie kümmert sich nun um die Buchhaltung und kontrolliert, was ihr Mann montiert. „Was nicht sauber zusammengebaut ist, sortiert sie knallhart aus“, sagt Otmar Horl und lacht. Bisher sind Bestellungen in Deutschland und Österreich möglich. Die Schweiz und USA sollen folgen. Lohnt sich der stattliche Preis von 119 Euro? Timo Horl ist sicher: „Leg an, schleife, du wirst happy sein!“  Till Neumann

Fotos: © tln, Horl-1993

Die Million ist auf Facebook geknackt

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Bilanzen

Bankbosse: Marcel Thimm (r.) und Uwe Barth (m.) im Gespräch mit Lars Bargmann.

Bilanzen in Balance

bib-Interview mit den Bankvorständen Uwe Barth und Marcel Thimm

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Fotos: © Martin Lorenz

ie beiden großen Publikumsbanken und Mittelstandsfinanzierer in Freiburg, die Volksbank und die Sparkasse, haben fürs Jahr 2017 erneut gute Bilanzen (siehe Infoboxen) vorgelegt. Sparkassen-Chef Marcel Thimm erwirtschaftete mit 1100 Mitarbeitern 67 Millionen Euro, der Volksbank-Vorsitzende Uwe Barth mit 480 Beschäftigten 30,4 Millionen. Der Bauboom brachte die Bilanzerträge in Balance, die sonst eingebrochen wären. Im Gespräch mit bib-Chefredakteur Lars Bargmann sprechen die beiden Bankbosse über Wachstum und Wertpapiere, über Bitcoins und Boni. bib: Herr Barth, Herr Thimm, vor fünf Jahren sagten Sie uns, dass Sie durch die Niedrigzinsphase ziemlich sicher bis heute rund 20 Prozent Ihres Zinsüberschusses – dem Gewinn aus gezahlten und vergebenen Zinsen – verlieren würden. Der Zinsertrag bei

der Sparkasse war 2017 exakt, bei der Volksbank fast auf Vorjahresniveau. Haben Sie sich verkalkuliert? Barth: Leider nein. Im Vergleich zu 2015 fehlen uns 2017 schon veritable 4,5 Millionen Euro an Zinsertrag. 2014 hatten die Volksbanken im Schnitt noch 2,2 Prozent Zinsspanne, jetzt noch 1,77

Nur die Masse verhindert Ertragseinbrüche Prozent. Das ist bedeutend. Der starke Trend, dass die Erträge zurückgehen, wird in den nächsten Jahren so bleiben. Thimm: Wir haben zwar 2017 im Vergleich zu 2016 die gleichen Erträge, im Vergleich zu 2012 haben wir aber fünf bis sechs Prozent weniger, das sind rund sechs Millionen Euro. Befürchtet hatten wir noch mehr. Um aber nur diese sechs Millionen Euro weniger zu haben, müs-

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sen wir im Vergleich zu 2012 rund 25 Prozent mehr Volumen stemmen. bib: Das kann nicht einfach ewig so weitergehen? Thimm: Wir müssen für die Kredite Eigenkapital vorhalten. Wenn wir immer mehr Kreditvolumen brauchen, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem das Verhältnis nicht mehr stimmt. bib: Woher kommt das große Wachstum im Kreditgeschäft? Luchsen Sie anderen Banken Geschäft ab? Barth: Normal wäre ein Wachstum von zwei bis drei Prozent. Wir hatten jetzt acht. Dieses starke Wachstum kam überwiegend aus dem Immobilienbereich. Mindestens zu 60 Prozent. Thimm: Wir haben 1,1 Milliarden Euro neue Kredite vergeben, zwei Drittel davon sind immobilienabhängig. bib: Luchsen Sie anderen Geschäft ab? Barth: Ich denke, dass wir schon Kredite vereinbaren, die früher etwa auch mal mit der Commerzbank oder der Deutschen Bank gemacht worden sind.


Bilanzen

Marcel Thimm: „Die Zinsen steigen nur homöopathisch.“ Thimm: Vor 15 Jahren haben sich in Freiburg sicher 10 Banken um Bauträgerfinanzierungen bemüht. Der Wettbewerb in diesem Bereich war sehr intensiv. Heute finanzieren in Freiburg vor allem wir und die Volksbank Projekte. bib: Der Boom im Immobilienbereich gründet sich aufs billige Geld. Also hat der von Ihnen viel kritisierte Niedrigzinszustand neben dem Wehe auch ein Wohl? Barth: Das kann man durchaus sagen. Wir hoffen trotzdem auf langsam steigende Zinsen. Denn auf Dauer wird dieses Wachstum nicht anhalten. bib: Niedrige Zinsen sind Gift für den deutschen Sparer und knabbern an der Altersvorsorge. Auf dem Rücken des kleinen Mannes entschulden sich strukturell defizitäre Staatshaushalte. Thimm: Richtig, auch wenn die Inflation schon einige Jahre niedrig ist. Aber die Menschen wollen ja Vermögen bilden und vererben. Die Vermögenspreise haben aber gegenüber den Verbraucherpreisen viel stärker zugenommen, schauen Sie sich nur den Immobilienmarkt an. bib: Die Zinsen ziehen leicht an, ist eine Wende in Sicht? Thimm: Für eine zehnjährige Bundesanleihe gab es vor sechs Monaten 0 Prozent Zinsen, heute sind es 0,6 Prozent. Das nenne ich noch homöopathische Veränderung. Über Jahrzehnte waren hier vier oder fünf Prozent normal. Eine wirkliche Zinswende werden wir dieses und nächstes Jahr nicht sehen. Barth: An eine Zinswende glauben wir auch nicht. Dem steht die Politik der EZB entgegen. bib: Was waren neben dem massiven Kreditneugeschäft andere Besonderheiten in den Bilanzen? Thimm: Wir hatten erneut weniger Kreditausfälle als wir für diesen Bereich vorgesorgt hatten. Netto hatten wir gar keine Risikokosten, das ist und bleibt ungewöhnlich. bib: Dass Kredite auch mal platzen, gehört zum Geschäft einer Bank. In welchen Größenordnungen lag das 2017? Thimm: Konkrete Zahlen möchte ich nicht nennen, aber bei einem Kreditvolumen von 4,7 Milliarden Euro wird ein Aus-

fall von 14 bis 16 Millionen Euro pro Jahr einkalkuliert. Das hatten wir aber seit Jahren nicht. Barth: Der „expected loss“ liegt bei uns (die Volksbank hat 2 Milliarden an Krediten, d. Red.) bei 6,5 Millionen Euro. Aber auch wir haben netto erneut keine Risiken zu verkraften. bib: Die nächste Besonderheit ist das stark steigende Wertpapiergeschäft. Die Sparkasse hat ein Plus von 100 Millionen gebucht, die Volksbank von 160 Millionen. Geht der deutsche Aktienmuffel plötzlich an die Börse? Thimm: Das Geschäft hat zwar angezogen, ist aber immer noch weit von dem entfernt, was nach Meinung vieler Experten, auch von Verbraucherschützern, sinnvoll wäre. Leider erschwert das in Deutschland auch der Gesetzgeber. Hier wurde aus „gut gedacht“ „schlecht gemacht“. Wenn ein neuer Kunde sich bei uns über Wertpapiere beraten lassen möchte, muss er mehrere hundert Seiten lesen. Das macht keine Freude mehr. Barth: Das kann ich nur bestätigen. Bei den Verbrauchern setzt sich aber ganz langsam die Erkenntnis durch, dass null Zinsen auf Sparguthaben nicht so viel Spaß machen. Man kann langfristig eben mit Aktien besser Vermögen sichern. bib: Sie beide haben selber Aktien? Beide nicken. „Auch für die Kinder.“ bib: Die Sparkasse hat in den beiden vergangenen Jahren 22 Filialen geschlossen, die Volksbank sechs und im laufenden Jahr stehen neun auf der Agenda. Was spart das? Thimm: Bei uns spart eine Filiale ganz grob 100.000 bis 200.000 Euro. Die Haupteffekte bei unseren Einsparungen liegen aber nicht da, sondern im Backoffice.

Uwe Barth: „Null Zinsen macht keinen Spaß.“ bib: Die Sparkasse hat in den beiden vergangenen Jahren 120, die Volksbank 40 Mitarbeiter „verloren“. Geht das in diesem Tempo weiter? Wo liegt – auch angesichts der Digitalisierung des Geschäfts – die kritische Größe ihrer Bank? chilli | business im Breisgau | 03.2018 | 19


Bilanzen

Barth: Das ist ein permanenter Prozess, die Digitalisierung hört nicht auf, das Kundenverhalten ändert sich rasant. Unser Ziel ist, dass wir die Wünsche aller Kunden, seien sie nun analoge, digitale oder Sowohl-als-auch-Kunden, bestmöglich erfüllen. Wir sind digital state of the art, aber auch persönlich. Das kann keine Direktbank. Thimm: Letztlich folgen wir dem Kundenverhalten. Auf 300 Kontakte mit der Sparkasse gibt es heute noch einen persönlichen Besuch in einer Filiale. Deswegen müssen wir in die Breite der Zugangswege zu uns investieren. Finanziell viel wichtiger als das Filialnetz ist aber die Produktivitätssteigerung. Wir bewegen pro Mitarbeiter immer mehr Volumen. Wenn wir zwei Prozent Wachstum haben, brauchen wir dafür drei Prozent weniger Personal. Wenn wir stärker wachsen, schrumpfen wir weniger oder gar nicht. Die Filialschließungen verstärken diesen Trend. bib: Stark im Trend sind Kryptowährungen wie der Bitcoin. Die haben mittlerweile eine Marktkapitalisierung von vielen hundert Milliarden. Wie bewerten Sie das? Barth: Wir waren 2017 mit einer Delegation in Südkorea, haben Unternehmen besucht, die Produkte mit Bitcoins bezahlen, an Geldausgabeautomaten konnten wir Bitcoins in Dollar wechseln, hatten Bitcoins auf dem Handy und konnten damit bezahlen. Das war spannend. In unserer realen Wirtschaft ist das Thema aber mit Ausnahmen von hysterischen Zeitungsberichten gar nicht existent. Ob und wenn ja wann sich das ändert, weiß ich nicht. Die Deutschen sind eher konservativ, Kryptowährungen sind derzeit überwiegend Spekulation.

Thimm: Das ist eine spannende Technologie, mich stört aber der Begriff Währung. Zu einer Währung zählt unabdingbar, dass sie ein gesetzliches Zahlungsmittel sein muss und dass es eine Institution gibt, die sich darum kümmert, die Vertrauen schafft. Das macht eine Zentral- oder eine Notenbank. Beides fehlt. bib: Die Deutsche Bank hat – anders als Sie – keine Gewinne, sondern eine halbe Milliarde Verlust gemacht. Und dann beschlossen, eine Milliarde an Boni an ihre Investmentbanker zu zahlen. Wie bewerten Sie das? Barth: Ich verstehe, dass die Volksseele da schnell kocht. Aber die deutsche Bank ist die einzige in diesem Land, einer Exportnation, die in der Welt eine Rolle spielt. Das ist eine sehr wichtige Bank. Und die kann weltweit nur dann eine Rolle spielen, wenn sie Investmentbanking macht. Und dann braucht man gute Mitarbeiter und muss beim Gehalt mit der Konkurrenz mithalten können. Thimm: Mit zwei Überschriften ist es bei dem Thema nicht getan. Wir haben in Deutschland sehr wettbewerbsintensive Branchen, auch bei den Banken, Schwächen eines Mitbewerbers werden da gerne ausgenutzt, um die eigene Marktstellung zu verbessern. Beim Branchenführer sehen wir das mittlerweile aber differenziert. Es wäre für alle besser, wenn die Deutsche Bank eine stabile Struktur hätte und über Leistung im Wettbewerb überzeugen würde.

Wenn die Volksseele kocht

bib: Herr Barth, Herr Thimm, vielen Dank für dieses Gespräch.

Bilanz-Box Volksbank Freiburg 2017 (2016)

Bilanz-Box Sparkasse Freiburg 2017 (2016)

Bilanzsumme Betr. Kundenvolumen - in Krediten - in Einlagen/ Wertpapieren Ertrag - aus Zinsen - aus Provisionen Personal- & Sachkosten Operatives Ergebnis Ergebnis vor Steuern* Steuern Überschuss CIR** Eigenkapital/Risikorücklage Geschäftsstellen Mitarbeiter

Bilanzsumme 6,19 Mrd. € Betr. Kundenvolumen 11,02 Mrd. € - in Krediten 4,71 Mrd. € - in Einlagen/ Wertpapieren 6,31 Mrd. € Ertrag 165 Mio. € - aus Zinsen 113 Mio. € - aus Provisionen 52 Mio. € Personal- & Sachkosten 98 Mio. € Operatives Ergebnis 67 Mio. € Ergebnis vor Steuern* 27 Mio. € Steuern 20 Mio. € Überschuss 7 Mio. € CIR** 59,1 Eigenkapital/Risikorücklage 321 Mio. € Geschäftsstellen 47 Mitarbeiter 1103

3,15 Mrd. € 5,8 Mrd. € 2,21 Mrd. € 3,59 Mrd. € 82,7 Mio. € 58,8 Mio. € 23,9 Mio. € 51,2 Mio. € 32,4 Mio. € 10,5 Mio. € 6,5 Mio. € 4,1 Mio. € 63 237 Mio. € 31 480

(+80 Mio.) (+210 Mio.) (+170 Mio.) (+40 Mio.) (+0,5 Mio.) (-1,2 Mio.) (+1,7 Mio.) (-0,5 Mio.) (+0,4 Mio.) (-2,7 Mio.) (-2,6 Mio.) (+ 0,1 Mio.) (unverändert) (+14 Mio.) (-1) (-32)

* nach Reservenbildung und Bewertungen / ** So viel Cent gibt die Bank für 1 Euro Ertrag aus

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(+392 Mio.) (+479 Mio.) (+230 Mio.) (+249 Mio.) (unverändert) (unverändert) (unverändert) (-4 Mio.) (+4 Mio.) (+1 Mio.) (+1 Mio.) (unverändert) (-1,6%-Punkte) (+7 Mio.) (-5) (-71)


Banken

»Bundesweit beste Marktdurchdringung« Die GLS-Bank bilanziert gesund, fördert und fordert

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Foto: © Martin Steffen – GLS Bank

ie GLS-Bank – mit Sitz in Bochum und Filiale in Freiburg – hat ihre Bilanzsumme im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf erstmals fünf Milliarden Euro gesteigert. Das Kreditvolumen legte um gut 24 Prozent auf drei Milliarden zu, in Baden-Württemberg um 16 Prozent auf 361 Millionen. Unter den finanzierten Projekten finden sich viele im Breisgau. Der Standort Freiburg gewann 1044 neue Kunden und hat damit aktuell 12.900. Damit ist die Marktdurchdringung der GLS bundesweit hier am höchsten, sagt Regionalleiter Wilfried Münch. Mit dem Jahresbeginn 2017 verlangte die Genossenschaftsbank von ihren Kunden einen Jahresbeitrag von 60 Euro. 18.000 Kunden kehrten der GLS sodann den Rücken zu. Ein Fauxpas? „Wir sind damit zufrieden, wir hatten befürchtet, dass bis zu 30.000 Kunden diesen Weg nicht mitgehen“, sagt Vorstandssprecher Thomas Jorberg dem business im Breisgau. Da 20.000 neue dazukamen, blieb unterm Strich ein leichtes Wachstum auf nun 213.000 Kunden. Der Standort Freiburg hat 311 Millionen Euro an Einlagen und 129 Millionen Euro an Krediten. Der größte ist mit 7,1 Millionen Euro die Modernisierung und Erweiterung der Fachklinik Münstertal in Staufen, eine der raren Eltern-Kind-Fachkliniken in Deutschland, die Familien mit gesunden und schwerstbehinderten Kindern aufnimmt. Die Jugendhilfeeinrichtung Timeout in Breitnau

erhielt 1,6 Millionen Euro, die Genossenschaft Wohnbau Bogenständig 210.000 Euro fürs Bauprojekt Alte Schule Umkirch, der Verein Kratzbürste 350.000 für ein Tagungshaus in Münstertal, die Triargos Netzwerk GmbH aus Merzhausen 250.000 Euro. Den mit Abstand größten Kredit (36 Millionen Euro) vergab die Bank an Oikokredit. Zu den Stammkunden zählen das Freiburger Mietshäusersyndikat oder auch die Elektrizitätswerke in Schönau. Bemerkenswert im Niedrigzinsumfeld ist das Wach- Thomas Jorberg: Kopf der etwas anderen Bank. sen der Zinserträge um 3,2 auf 74,7 Millionen Euro. Die Provisio- erwirtschaften – ein sehr guter Wert. nen sind sogar von 15,9 auf 29 Millio- „Wir haben sehr früh erkannt, dass nen Euro gestiegen, wobei darin sieben die Zinsmargen zurückgehen, und Millionen aus den Beiträgen enthalten unser Effizienzsteigerungsprogramm sind. „Wir haben viel mehr Wertpa- ist erfolgreich“, sagt Jorberg. Das Eipiergeschäft und auch mehr Zahlungs- genkapital legte um satte 26,8 Prozent auf 430 Millionen Euro zu, verkehr“, erklärte Wilfried Münch. die Eigenkapitalquote liegt bei 12,5 Prozent. Von der neuen Regierung fordert Jorberg eine Co2-Abgabe von mindestens 40 Euro pro Tonne, eine Abgabe auf Spritz- und Düngemittel, um „wahre Preise“ im Markt zu etabDer Aufwand kletterte leicht auf lieren, eine stärkere Besteuerung von 68,6 Millionen, das Betriebsergebnis Kapital und Kapitalertrag, eine steuvor Bewertung liegt bei 35,1 Milli- erliche Entlastung der Arbeits- und onen, nach Rücklagenbildung und ein bedingungsloses GrundeinkomSteuern bleiben 7,6 Millionen Euro men. „Es wird künftig darum gehen, wie dieses Land Güter und DienstGewinn. Die Cost-Income-Ratio beträgt 57 leistungen richtiger und gerechter Prozent, die Bank muss also 57 Cent an diejenigen verteilen kann, die sie ausgeben, um einen Euro Ertrag zu brauchen.“ Lars Bargmann

Bankboss fordert bedingungsloses Grundeinkommen

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Touristik

Beliebtes Reiseziel: Das Münster ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Freiburg.

Geldregen dank sonniger Bilanz

Tourismusrekord: Erstmals über 1,5 Millionen Übernachtungen in Freiburg

Fotos: © FWTM-Cozort, FWTM-Escher

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ie nächste Hürde ist übersprungen: 2017 wird in Freiburg als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem erstmals mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen in den 65 Beherbergungsbetrieben gezählt wurden. 1,55 waren es am Ende. Ein Plus von 7,9 Prozent. Das ist der Topwert im Land, in dem das Plus im Schnitt bei bloß 1,7 Prozent lag. Der Tourismus bringt von auswärts 200 Millionen Euro in die Stadt und sichert zehn Prozent der Arbeitsplätze. Ein Urlaubstourist lässt in Freiburg im Schnitt pro Tag 89,50 Euro liegen, ein Geschäftsreisender oder Tagungsbesucher 177 Euro. Etwa 60 Prozent sind normale Touristen. Somit geben

die Gäste fast 200 Millionen Euro in Freiburg aus. Für Hanna Böhme, Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), ist der Rekord ein Grund zur Freude: „Das ist eine Folge der steigenden Beliebtheit Freiburgs.“ Die

Gäste bringen 350 Millionen Euro FWTM schätzt, dass noch einmal 1,5 Millionen Gäste in nicht erfassten Unterkünften übernachten. Rechnet man diese mit im Schnitt 100 Euro dazu, liegen die Tourismus-Einnahmen bei 350 Millionen Euro. Das sichert direkt 3,5 und indirekt 10 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt.

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Die Hotellerie verzeichnete 1,19 Millionen Übernachtungen, 100.000 mehr als im Vorjahr. Zeitgleich sank die Bettenauslastung von 57,1 auf 56,3 Prozent. Das ist kein Fehler in der Statistik, sondern den vier neuen, großen Hotels geschuldet. Nachdem die Ketten Motel One, Hampton by Hilton, Wyndham Super 8 und Holiday Inn Express in Freiburg bereits in Steine für Beine investiert und fast 1300 neue Betten bezogen haben, stehen mit dem Courtyard Hotel (Rheingold) an der Eisenbahnstraße, dem Adina Apartment Hotel auf dem Ganter-Areal (wir berichteten exklusiv), dem Adagio access Aparthotel auf dem Güterbahnhof und dem Premier Inn in Bahnhofsnähe schon die nächsten Ketten Schlan-


Touristik

ge. Zudem soll es noch ein neues, privat geführtes Hotel auf dem Güterbahnhof geben. Zusammen sind das weitere 620 Zimmer oder Apartments. „Die vier neuen Hotels in 2017 waren nötig, aber wenn die jetzt angekündigten auch gebaut sind, entstehen Überkapazitäten im Budgetbereich“, sagte Franziska Pankow, Tourismuschefin der FWTM. Was Freiburg indes künftig brauche, seien Spezialitäten wie ein Rad- oder ein Weinhotel. Oder ein Hostel für Youngster. Zudem dürfte die Bettenauslastung weiter zurückgehen. Und: Die Szene ändert sich dramatisch: Jahrzehnte war der Hotelmarkt in Freiburg durch inhabergeführte Häuser geprägt, nun gewinnen die Ketten peu à peu die Oberhand. Ein städtisches Hotelkonzept, das die Ansiedlung neuer Häuser steuert, brauche die Stadt nicht, sagte Böhme. Es müsse aber die Frage gestellt werden, wie nachhaltiger, qualitativ hochwertiger Tourismus geschaffen werden könne, „ohne dass die Stadt leidet“. Bei den ausländischen Gästen liegt die Schweiz weiter klar vorne (131.000), dahinter sind Frankreich (40.000) und Spanien (39.000, plus 12,7 Prozent). Stark zurückgegangen sind

Postkarten-Idylle: Die Konviktstraße lädt zum Entschleunigen ein. die Golfstaaten (minus 11,4 Prozent) – wohl eine Folge der Katarkrise. Das stärkste Plus (16,7 Prozent) brachten die Österreicher, die sich 13.000 Mal in gemachte Betten legten. Auch die Schwarzwald Tourismus GmbH meldete eine Rekordzahl: 21,68 Millionen Übernachtungen, fast 150.000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2016. Weil in der Statistik nur Betriebe mit mehr als neun Betten auftauchen (also nur bei 3000 von insgesamt fast 13.000 Gastgebern), gehen die Touristiker von insgesamt rund 40 Millionen Übernachtungen in 2017 aus. Damit baute der Schwarzwald seine Position als bedeutendste Ferienregion Baden-Württembergs weiter aus: 40,9 Prozent entfielen auf die Region zwischen Karlsruhe und Basel, Pforzheim und Waldshut-Tiengen.  Lars Bargmann chilli | business im Breisgau | 03.2018 | 23


Advertorial

50 Jahre Luftfrachtgeschäft

Warum die Streck Transportgesellschaft auch mal die Antonov bucht

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Foto: © Streck Transportgesellschaft mbH

ls Karl Streck 1946 seinen Betrieb in Lörrach gründete, war es ein reines Transportunternehmen. Allerdings hatte er damals schon erste Berührungen mit Zoll und ausländischen Stellen, denn er brachte amerikanische Care-Pakete aus der Schweiz von den Flughäfen Basel und Zürich nach Deutschland. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 50-jähriges Luftfrachtgeschäft. Die Ent wicklung des Logistikers mit heute 1200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 230 Millionen Euro vollzog sich „analog zur Entwicklung der Industrie an Hochrhein, in Südbaden, im Schwarzwald“, schildert Airfreight-Manager Alex Witzigmann: „Wir sind hier mitten in Europa, direkt bei der Schweiz und Frankreich, haben Unternehmen, meist mittelständisch, die höchst innovativ, kreativ und produktiv sind und die längst weltweit agieren.“ Von diesen Unternehmen wurden immer anspruchsvollere Aufgaben an die Streck Transportgesellschaft mbH vergeben. Transporte deutschlandweit, europaweit, weltweit. 1968, 22 Jahre nach Gründung der Firma, nahm die Luftfrachtabteilung die Arbeit auf. Heute sind in der bundesweit 160 Mitarbeiter beschäftigt, davon 55 in Freiburg, wo das größte Büro und der wichtigste Betriebsort im Luftfracht-Geschäft ist. 2017 wurden gut 75.000 Aufträge bearbeitet, mit einem Gewicht von 106.000 Tonnen. Was alles vom „Off-Airport-Büro“ Freiburg in die Welt verschickt wird, ist eine bunte Mischung dessen, was in Baden hergestellt wird: Autoteile von Zulieferern, Sensoren, Messgeräte, Maschinen, Bäder-

Lang, lang ist’s her: Einer der ersten Luftfracht-Laster im Hause Streck. armaturen. „Da weltweit in allen großen Hotels der Spa-Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnt und hier in Offenburg, Lahr, Hornberg und Schiltach entsprechende Firmen sitzen, liefern wir Armaturen und Ausstattungen weltweit – von den USA bis Mallorca, von Mauritius bis Mahé.“

Wenn die Boeing 747 mal zu klein ist Während Wasserhähne einfach zu versenden sind, stellt der Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen seinen Logistikpartner vor schwerere Aufgaben: „Die Maschinen sind riesig und selbst die Ersatzteile sind immens groß, da reicht manchmal eine Boeing 747 Cargo nicht, wir mussten sogar schon zweimal die legendäre Antonov AN 124 in Lahr landen lassen, weil wir sonst den Auftrag nicht hätten bewältigen können“, erzählt Witzigmann. Eigene Flugzeuge hat Streck nicht, man nutzt die verschiedenen Cargo-Angebote.

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„Ich bin seit 30 Jahren bei Streck“, so Witzigmann, „und wir sind immer entlang der Wirtschaftsentwicklung in Baden gewachsen.“ Heute gehört das inhabergeführte, mittelständische Familienunternehmen in der Luftfracht zu den 20 Großen in Deutschland und macht sein „Routen Management“ von Freiburg aus: Manager betreuen Destinationen wie die USA, Südamerika, China, Australien, Neuseeland. Vor Ort arbeite man mit „Top-Agenten“ zusammen, „Leuten, die die gleiche Philosophie wie wir haben. Sie können es cherrypicking nennen, aber das gehört zu unserem Geschäftsverständnis, dass wir nur mit den Besten arbeiten“, sagt Witzigmann. Keine Angst vor einem Ende des Wachstums? „Nein, wir sind immer mit der Industrie, mit der Wirtschaft gewachsen und haben gestiegene Nachfrage bedient.“ China sei ein boomender Markt, die USA eine sichere Bank: „Seit Trump dran ist, steigen unsere Auftragszahlen für Amerika. Viele Autobauer und Zulieferer verlegen Standorte in die Staaten oder bauen neue Fabriken.“ spk


Start-up

Full House

Freiburger Spielecafé Freispiel startet fulminant

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eit September gibt’s „Freispiel“. Der Mix aus Laden und Café im Stühlinger kommt an: Die rund 50 Plätze sind immer belegt. Ohne Reservierung geht nichts. Die Macher Thomas Krohn und Florian Högner sind glücklich über den Ansturm, stoßen aber an ihre Grenzen. So viel Ruhe wie an diesem Vormittag ist selten. Florian Högner sortiert alte Magic Cards. Thomas Krohn bemalt Plastikfiguren für ein neues Game. Etwa 1000 Spiele umfasst der Laden. 200 weitere sind aus Platzgründen ausgelagert. „Das erste halbe Jahr war krass“, Klopfen 80-Stunden-Wochen: Thomas Krohn und Florian Högner. erzählt Krohn. „Wir sind immer belegt“, ergänzt Högner. Full House sozusagen. Der Erfolg werden sie derzeit nicht gerecht. „Ab April wird’s ruhiger“, hat sie überrascht, sei aber erklärbar: „Digital ist out“, fin- sagt Högner. Je schöner das Wetter, desto weniger Besucher. det Krohn. „Die Leute wollen sich in die Augen schau- Die Ruhe möchten sie nutzen, um mehr zu spielen: „Wir wolen und miteinander reden, wenn sie spielen.“ Das gehe len im Sommer ganz viel nachholen“, sagt Krohn. Ihren Gäsnicht nur Studenten so, die nach langen Tagen ins Frei- ten können sie dann sogar ein paar Außenplätze bieten. Verkauf und Café halten sich im Freispiel die Waage. Mit spiel kommen, um den Kopf frei zu kriegen. Bezahlbar ist ein Besuch allemal. Ein Euro die Stun- ihrem Hybrid sind sie deutschlandweit einzigartig, berichde kostet der Besuch pro Person. Dabei hat man die Qual ten Högner und Krohn. Der Laden zieht so auch Gäste aus der Wahl – egal ob Karten-, Strategie- oder Familienspie- Lörrach, Waldshut und dem Hochschwarzwald an. Drei 450-Euro-Kräfte helfen den Gründern. Eile. Das Team vor Ort hilft bei der Ausgentlich waren sie nur fürs Weihnachtsgewahl. Der Renner im 120 Quadratmeter schäft geplant. Da so viel los war, konnten großen Spielecafé an der Lehener Strasie bleiben. ße sind aktuell Codenames, Magic Maze Zeitintensiv ist auch die Beratung: oder Photosynthese. Wer spielen will, muss reservieren: Unter der Woche ein, zwei Tage im Vor- „‚Mensch ärgere dich nicht‘, würde ich hier keinem empfehlen“, sagt Krohn und lacht. Das sei kein Spiel, sondern aus. Fürs Wochenende drei oder vier Tage vorher. Den meisten Umsatz machen sie mit Getränken – al- Beschäftigungstherapie. Als Alternative habe er „Dog“ im koholfrei. Eine Lizenz für Bier, Wein und Co. haben sie Angebot. Er ist überzeugt: Jeder Mensch-ärgere-dich-nichtnicht. Schade? „Jein!“ Sie könnten so zwar mehr Umsatz Spieler wäre begeistert. machen, hätten aber auch mehr Stress. „In sechs Mona- So wollen sie auch der mächtigen Konkurrenz ein Schnippten ist hier drei Mal ein Getränk umgefallen“, sagt Krohn. chen schlagen. Müller, Karstadt und Kaufland könnten zwar Wäre Alkohol im Spiel, käme das häufiger vor. Ein Probe- Ramschpreise anbieten, hätten aber deutlich weniger Knowbesuch zeigt: Im Laden wird diskutiert, geknobelt und ge- how. Anstatt dort die Katze im Sack zu kaufen, könne man bei ihnen testen und dann gezielt investieren. Einmal sei eine lacht. Von hitzigen Wortgefechten keine Spur. Heiß gelaufen sind die beiden Firmenchefs dennoch. 80 Mutter zu ihnen gekommen mit dem Kriegsspiel „Risiko“. bis 100 Stunden ackern sie pro Woche. Das Privatleben muss Das habe man ihr bei der Konkurrenz als Geschenk für ein derzeit hintenanstehen. Genau wie der Kern ihrer Geschäfts- sechsjähriges Kind angeboten. Die Freispieler können da nur idee: die Liebe zum Spiel. Dem Anspruch, alles zu spielen, mit dem Kopf schütteln. Till Neumann

Foto: © tln

Warum es boomt? »Digital ist out «

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Makerspace

Volk der Tüftler und Bastler Im Freilab ist seit einem Jahr High-Tech-Werken angesagt

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ine Nähmaschine rattert, ein Lötkolben qualmt, nebenan dreht sich eine Kreissäge. Enthusiasten glauben, dass hier, in der Hinterhofwerkstatt gegenüber dem Freiburger Eisstadion, die dritte industrielle Revolution im Gange ist. Denn das Freilab, das im März ein Jahr alt wird, tickt anders als gewöhnliche Werkstätten. Hobbybastler – sogenannte „Maker“, um im Szenejargon zu bleiben – können hier ihre Ideen umsetzen. Selbermachen und reparieren statt kaufen: So lautet die Maxime. Werkzeug und High-Tech-Geräte vom 3D-Drucker bis zum LaserCutter stellt ein gemeinnütziger Verein, das Know-how kommt von den Mitgliedern selbst.

Fotos: © tas

Der Ferrari unter den Nähmaschinen: Im Freilab gibt's auch eine Overlock. Warum sich eine eigene Säge besorgen, wenn man sich auch eine teilen kann? Warum etwas kaufen, das sich selbst herstellen lässt? Warum für Expertenwissen zahlen, wenn man sich gegenseitig helfen kann? Fans

der Maker-Bewegung handeln offene Werkstätten wie das Freilab bereits als Gegenspieler des Kapitalismus. Das Wachstum der Ideenschmieden stützt ihre These. Laut Neil Gershenfeld, US-Physiker und Erfinder der sogenannten Fablabs, verdoppelt sich ihre Zahl alle anderthalb Jahre. Weltweit gebe es momentan mehr als 1000 solcher Werkstätten.

Lasercutter für 10.000 Euro Sicher ist: Kaum ein Privatmensch hat so viele technische Mittel, um seine Ideen umzusetzen, wie ein Makerspace. Allein der Lasercutter, das neue Prunkstück in der „Nerdkammer“ der Werkstatt, habe fast 10.000 Euro gekostet, erzählt Vorstandsmitglied Robin Grab, der das Freilab mitgegründet hat. Und das, obwohl ihn die Mitglieder in monatelanger Arbeit selbst gebaut haben. Finanziert werden solche Ausgaben über die Mitgliedsbeiträge. 25 Euro werden pro Monat fällig. Seit Gründung der Werkstatt vor rund einem Jahr hat sich die Zahl der Mitglieder auf knapp 120 verdoppelt. Hinzu kommen die Tagesgäste, die die Werkstatt gegen eine Spende sporadisch nutzen können. „Natürlich kann man nicht einfach reinkommen und sich an die Kreissäge stellen“, sagt Grab. Eine Sicherheitseinweisung gebe es für jeden, so der 34-jährige Ingenieur: „Aber das heißt nicht unbedingt, dass man dann

schon was Schönes machen kann.“ Da kommen die Mitglieder ins Spiel. Wer weiß, wie man Fahrräder repariert, hilft demjenigen weiter, der sich mit der Fräse auskennt. Und wer die 3D-Drucker bedienen kann, gibt sein Wissen an den weiter, der fit im Programmieren ist. Zudem will der Verein sein Kursangebot ausbauen. So zeigen regelmäßig Dozenten, wie man Lieblingsklamotten nachschneidert, Stoffe bedruckt oder lötet. Auch das Reparaturcafé aus dem Stühlinger ist einmal im Monat zu Gast. Upcyclingkurse für Jugendliche oder Handwerkskurse für Geflüchtete seien in Planung. Das Freilab als Wiege einer neuen industriellen Revolution? „Na ja“, sagt Grab bedächtig, „wir sind zumindest ein gutes Beispiel dafür, wie gut nichtkommerzielle Aktivitäten funktionieren können. Und eins lernt man hier auf jeden Fall: Den Wert von Konsumgütern wertzuschätzen.“ Tanja Senn

»Habe hier schon viel gelernt«: Freilab-Mitgründer Robin Grab.

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Menschen und Meldungen

Faller baut und gründet

PWT zieht um FREIBURG. Der Messgerätehersteller PWT hat das Gebäude an der Lörracher Straße 9 von der Haufe Group gekauft, die dort bisher ihre Akademie betrieben hatte. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. PWT wird mit 60 Mitarbeitern der Abteilungen Produktversand und Entwicklung einziehen. In Freiburg und Umkirch arbeiten derzeit 280 Beschäftigte für das Unternehmen. Die Haufe-Akademie zieht an den Stammsitz im Gewerbegebiet Haid, wo das Unternehmen unlängst ein rund 16.000 Quadratmeter großes Bürogebäude bezogen hat.

Äußerst solide S-Beteiligung erwirtschaftet viel mit wenig Köpfen

Fotos: © SBG

WALDKIRCH. Die August Faller Gruppe hat die Digital Packaging Service GmbH (DPS) gegründet und baut für die in Worms ein neues Werk. Bei der Tochtergesellschaft können Kunden Standardfaltschachteln in Klein- und Kleinstmengen schnell und preisgünstig digital bestellen. Faller sei der erste Faltschachtelhersteller im Markt, der vollständig auf ein digitales Geschäftsmodell über alle Prozessstufen hinweg setzt, heißt es in einer Pressemitteilung. „Mit der DPS bedienen wir dank hochautomatisierter, komplett digitalisierter Prozesse und dem Einsatz neuer Technologien bisher unerfüllte Marktbedürfnisse“, sagt Daniel Keesman, geschäftsführender Gesellschafter der August Faller Gruppe. Die im Bau befindliche Produktionshalle in Worms hat 4000 Quadratmeter Fläche und soll zum Jahresende fertig sein. Geschäftsführer wird Nikolaus Reichenbach, der zuletzt in Dänemark und Polen für die Faller-Gruppe aktiv war, die aktuell 1150 Menschen beschäftigt.

Haben auch 2017 ein gutes Ergebnis geschafft: Geschäftsführer Hermann Dittmers und Prokurist Nicolai Gerig. Sie ist eine profitable Tochter, die Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau (SBG). Geschäftsführer Hermann Dittmers erwirtschaftete mit seinem fünfköpfigen Team im vergangenen Jahr erneut 700.000 Euro Gewinn. Addiert man die Zinsen, die die Tochter ihrer Mutter noch zusätzlich überweist, stehen unterm Strich 1,1 Millionen Euro, die die Bank in ihre Bilanz (siehe Seite 20) einbuchen kann. Auf der anderen Seite bedeutet das, dass auch das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) bei 1,1 Millionen liegt und am Fahnenbergplatz mit wenig Köpfen viel erwirtschaftet wird. Die SBG hielt Ende vergangenen Jahres 45 Beteiligungen an 32 Unternehmen. Firmenphilosophie sind Beteiligungen bis zu maximal zehn Prozent. Drei neue mit einem Volumen von rund 3,5 Mil-

lionen Euro waren binnen Jahresfrist dazugekommen. Aber es hatte nach Informationen des business im Breisgau auch eine Insolvenz gegeben. Durch vorausschauende Planung und Risikovorsorge machte sich das in der Bilanz aber nicht beeindruckend bemerkbar. Im laufenden Jahr planen Dittmers und Prokurist Nicolai Gerig ebenfalls neue Beteiligungen mit einem Volumen von mindestens 1,3 Millionen Euro. An welchen Firmen man beteiligt ist, kann Dittmers nicht sagen: Bankgeheimnis. Beteiligungskapital wird verstärkt für Unternehmensnachfolgen oder bei Gesellschafterwechseln gesucht, bei deren Finanzierung die Kreditinstitute neben klassischen Darlehen auch Eigenkapital fordern. Die SBG hat mittlerweile in sehr vielen Branchen einen tiefen Einblick, die Kundschaft kommt zumeist aus dem heimischen Mittelstand. bar

weltpreisen zählenden Georg Salvamoser Preis bewerben (auf der Internetseite www. georg-salvamoser-preis.de). Insgesamt sind 25.000 Euro Preisgeld ausgelobt, 5000

Euro sind für den Sonderpreis JUNGE ENERGIE. Die Auszeichnung wird von der Georg-Salvamoser-Stiftung gemeinsam mit der Stadt Freiburg ausgelobt.

Georg Salvamoser Preis 2018 FREIBURG. Noch bis zum 10. April können sich Heldinnen und Helden der Energiewende um den renommierten und in Deutschland zu den höchstdotierten Um-

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Menschen und Meldungen

Digitalisierung als Standortfaktor

Von Fahrtenbüchern bis Gesellschafterdarlehen Der Freiburger Steuerberater Erik Herr ist ein Routinier im Geschäft. Für die bib-Leser berichtet er in jeder Ausgabe über Nützliches und Kurioses, Aktuelles und Steuerbares.

Fotos: © FWTM

Foto: © privat

WRF meets Haufe Group

Kolumne

Digital abgelichtet: Hanna Böhme, Dieter Salomon, Birte Hackenjos, Martin Laqua und Daniel Strowitzki (v. l.) beim größten IT-Unternehmen in der Regio. SÜDBADEN/FREIBURG. Der Wirtschaftsbeirat war Anfang März mit 80 Vertretern zu Gast bei der Haufe Group und ließ sich über das Thema „Digitale Transformation“ informieren. FWTMGeschäftsführerin Hanna Böhme: „Hinter der Fassade von Solarstrom und erneuerbaren Energien hat sich in Freiburg in den vergangenen 30 Jahren eine kleine, aber feine IT-Szene etabliert, die weit über ihre Grenzen hinaus strahlt.“ Haufe ist dabei das größte IT-Unternehmen in der Region. „Die Digitalisierung ist künftig ein entscheidender Standortfaktor“, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon. Deswegen habe man die digitale Infrastruktur und BreitbandVersorgung vorangetrieben und sei kurz vor einer flächendeckenden Abdeckung im Stadtgebiet. Zudem „bauen wir ein

regionales Digitalisierungszentrum im Kreativpark auf dem Güterbahngelände auf und erarbeiten eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie für Freiburg“, so Salomon. Die Haufe Group hat die Digitalisierung schon früh angepackt. „Für uns reicht es nicht aus, eine Technologie durch die nächste zu ersetzen. Die Digitalisierung ermöglicht uns, Geschäftsmodelle ganz neu zu denken. Dass wir uns auf diesen Wandel immer wieder neu einlassen, ihn vorantreiben und dabei auf das Know-how und die Energie unserer Mitarbeiter setzen, macht unseren Erfolg aus“, so HaufeGeschäftsführerin Birte Hackenjos. Das Unternehmen erwirtschaftet heute 95 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Produkten und Services.

Armenfonds gibt 110.000 Euro Der Armenfonds der kommunalen Waisenhausstiftung vergibt wieder 110.000 Euro für notleidende Menschen und soziale Projekte. Besonders im Fokus liegen dieses Jahr Initiativen, die sich um psychisch erkrankte Menschen kümmern. Der Armenfonds wählte drei Leucht-

turmprojekte aus. Sie stammen von den Vereinen Freiburger Hilfsgemeinschaft, Räume für Kunst und Therapie sowie vom Freiburger Bündnis gegen Depression. Stiftungsdirektorin Marianne Haardt überreichte den Scheck an Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach.

Fahrtenbuch Wir haben inzwischen selbst ein digitales Fahrtenbuch im Einsatz und sind damit sehr zufrieden. Die Fahrten werden automatisch aufgezeichnet und können bis zu sieben Tage bearbeitet und mit Geschäftspartnern hinterlegt werden. Sind die einmal angelegt, schlägt das System sie bei identischem Ziel (GPSDaten) automatisch vor. Betriebliche Elektrofahrräder oder E-Dienstwagen Grundsätzlich zählt die Überlassung zur privaten Nutzung zum Arbeitslohn. Den Privatanteil können Mitarbeiter über ein Fahrtenbuch oder die 1-Prozent-Regel ermitteln und müssen diesen geldwerten Vorteil der Lohnsteuer unterwerfen. Stellt der Arbeitgeber eine Lademöglichkeit, ist diese aber steuerfrei. Auch von Mitarbeitern getragene Stromkosten können Unternehmer steuerfrei erstatten. Arbeitszimmer oder Betriebsstätte Sind betrieblich genutzte Räume in die häusliche Sphäre eingebunden, werden sie nur dann als Betriebsstätte anerkannt, wenn sie nach außen erkennbar (Schilder am Eingang) für Publikumsverkehr vorgesehen sind oder Mitarbeiter beschäftigt werden, die nicht zur Familie zählen. Verluste aus Gesellschafterdarlehen Nach aktueller BFH-Rechtsprechung sollen Verluste aus ab dem 27. September 2017 einbezahlten Gesellschafterdarlehen und Bürgschaften bei einer Insolvenz keine nachträglichen Anschaffungskosten mehr sein. Bis dahin geleistete eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfen können aber weiter berücksichtigt werden. Dokumentieren Sie deshalb Ihre Einzahlungen genau. Ob dieses Urteil einer verfassungsrechtlichen Überprüfung standhält, wagen wir zu bezweifeln, da es sich ja letztlich um tatsächlich entstandene Verluste handelt! www.herr-stb.de

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Menschen und Meldungen

Infotainment und Design Erlebnismesse BAUEN WOHNEN Garten Foto: © Messe Offenburg BRAXART

Im vergangenen Jahr kamen mit 12.000 Besuchern so viel wie noch nie auf die Messe. Impulse, neue Ideen, viel Information rund um die Themen Modernisieren, Bauen, Wohnraumgestaltung und Gartenplanung erwartet die Besucher der Messe BAUEN WOHNEN Garten vom 23. bis 25. März 2018 auf dem Offenburger Messegelände. Mit fast 12.000 Besuchern sowie mehr als 220 Ausstellern hatte die Messe im Vorjahr bei ihrer achten Auflage eine neue Bestmarke gesetzt. Die Besucher suchen hier vor allem die Fachkompetenz der Anbieter. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Vorführungen aus der Baupraxis, sodass direkt vor Ort miterlebt werden kann. Die Messe lädt aber auch zum Ideensammeln ein. Auf den Designflächen lassen sich Anregungen für die eigene Einrichtung finden. Es wird gezeigt, wie man stilvolle Akzente im eigenen Wohnbereich setzen kann. Garten- und Landschaftsbaubetriebe zeigen Möglichkeiten zur Gestaltung des Gartens, die Erweiterung des Wohnzimmers ins Freie. Dabei spielt das Thema Wellness eine immer bedeutungsvollere Rolle. Die Messebesucher können viel über Gehölze, Pflanzung, Pflege und richtiges Schneiden lernen. In der Themenwelt „Interieur und Accessoires“ kann gestöbert und gekauft werden. Lampen, Dekoration, Textilien, alles fürs schöne Wohnen erwartet die Besucher. Bei den Möbeln liegen Vintage und Shabby-Schick weiter im Trend. Der romantische Hauch aus der Vergangenheit, kombiniert mit modernen Accessoires, verleiht den eigenen vier Wänden einen schönen Look. Mehr Infos: bauenwohnengarten.de Karten unter reservix.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. 30 | chilli | business im Breisgau | 03.2018

Die Bezüge der Bosse FREIBURG. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass der neue Finanzbürgermeister Stefan Breiter ab dem 1. April 10.500 Euro brutto verdienen wird. Der wiedergewählte Kultur- und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, künftig Erster Bürgermeister, knapp 12.000 Euro. Deutlich mehr verdienen die Chefs der großen Gesellschaften, die dem Freiburger Rathaus entweder ganz oder teilweise gehören. So lagen die Bezüge des dreiköpfigen Badenova-Vorstands mit Thorsten Radensleben, Mathias Nikolay und Maik Wassmer im Jahr 2016 bei 1,02 Millionen Euro. Zusätzlich muss der Energieversorger übrigens noch 465.000 Euro für ehemalige Vorstände und Geschäftsführer ausgeben. Bei der Freiburger Verkehrs AG hatten im gleichen Jahr Helgard Berger 184.000 und Stephan Bartosch 185.000 Euro erhalten. Bartosch kassierte zusätzlich noch 28.000 Euro für seine Geschäftsführertätigkeit in den Stadtwerken. Noch besser sind die Posten bei der Freiburger Stadtbau GmbH (FSB), der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) und der Abfallwirtschaft- und Stadtreinigung Freiburg (ASF) dotiert: Bernd Dallmann, Ralf Klausmann und Michael Broglin (er inklusive der 24.000 Euro für die Geschäftsführung der Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH) verdienten 234.000 Euro. Für Broglin gab es zudem 12.000 Euro von der Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungs gGmbH (fqb). Da nehmen sich die 143.000 Euro für Messechef Daniel Strowitzki vergleichsweise bescheiden aus. Oberbürgermeister Dieter Salomon erhält 158.000 Euro.

Pfizer unterstützt Sozialfonds FREIBURG. Der Pharmakonzern Pfizer mit Werk Freiburg unterstützt den Freiburger Sozialfonds erneut mit 15.000 Euro. Axel Glatz, Leiter des Freiburger Pfizer-Werks, übergab den Scheck unlängst an Oberbürgermeister Dieter Salomon. „Pfizer unterstützt den Freiburger Sozialfonds schon seit mehr als zehn Jahren. Unser Werk in Freiburg ist mit 950 Mitarbeitern einer der größten Produktions- und Verpackungsstandorte von Pfizer weltweit. Deshalb fühlen wir uns der Stadt und ihren Bürgern sehr verbunden. Die Spende ist eine gute Möglichkeit, ihnen etwas zurückzugeben“, so Glatz. „Wir freuen uns, dass das Engagement von Pfizer in der Region Freiburg zur Tradition geworden ist“, sagte Salomon.

Keine Filialschließungen, I STAUFEN. Die Volksbank Staufen hat sich trotz der Niedrigzinsphase im vergangenen Jahr gut behauptet. Der Ertrag aus den Zinsen gab nur um 0,3 Prozent auf 21,4 Millionen Euro nach. Der Provisionsüberschuss legte um 100.000 auf 3,5 Millionen Euro zu. Der Gewinn vor Steuern lag mit 18,7 Millionen Euro leicht über dem Vorjahr. Das Kreditvolumen lag bei 297,1 Millionen Euro (+ 1,7 Prozent), die Kundeneinlagen wuchsen um 8,8 Prozent auf 538 Millionen Euro. Filialschließungen seien nicht geplant.


Menschen und Meldungen

Doppelrekord bei den Genossen Bauverein mit Allzeithoch bei Spareinlagen und Mitgliedern

Bei Jobrad läuft’s FREIBURG. Der Dienstradleasing-Anbieter JobRad plant, bis Ende des Jahres etwa 60 neue Mitarbeiter einzustellen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 157 Menschen. Gesucht werden Leasingexperten, Spezialisten für das Vertragsmanagement, Vertriebsprofis und Auszubildende im kaufmännischen Bereich und in der Informatik. JobRad wurde 2008 von Ulrich Prediger gegründet und ist Pionier und Marktführer im Dienstrad-Leasing. Eigenen Angaben zufolge nutzen mehr als 6000 Arbeitgeber mit mehr als 1,5 Millionen Beschäftigten die JobRad-Angebote.

Foto: © Bauverein

5 Anzeigen

Stammsitz in Zähringen: Sonnige Zeiten nicht nur auf der Fassade. Der Bauverein Breisgau (BVB) verzeichnet sowohl bei der Spareinrichtung als auch bei den Mitgliedern neue Rekordzahlen: Das Volumen der Geldanlagen kletterte im vergangenen Jahr auf 107 Millionen Euro, die Genossen begrüßten 1400 neue und haben nun 22.154 Mitglieder – könnten also fast das komplette Schwarzwald-Stadion alleine füllen. Der Wachstumsmotor läuft: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die angelegten Gelder der Mitglieder mehr als verdoppelt. Für das neue Führungsduo Marc Ullrich und Jörg Straub ist die Spareinrichtung eine Erfolgsgeschichte mit hohem Fortsetzungspotential. Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase zahlt der BVB weiterhin Zinsen oberhalb des Bankenmarktes. „Unser Geschäftsmodell ist einmalig und eine Win-Win-Situation für die Sparer sowie für unsere Bewohner“ sagt Finanzvorstand Straub. Es gibt – wie bei Sparkassen und Volksbanken auch – für die privaten Sparer keine Negativzinsen und die Refinanzierungsvorteile würden in preisgünstigen Mieten weitergegeben. Sabine Pusch, die die genossenschaftseigene Spareinrichtung leitet, betreut mittlerweile weit über 15.000 Sparkonten. Die Gelder sind durch die Mieten der rund 5000 eigenen Wohnungen und durch Einlagenfonds mehrfach abgesichert. Nur knapp 50 Baugenossenschaften in Deutschland besitzen die Banklizenz für das Spargeschäft. Damit wird eine geschlossene Wertschöpfungskette und eine weitgehende Unabhängigkeit von Kreditinstituten gewährleistet. Die Sparer fördern zudem die sozial verantwortlichen, ökologischen und nachhaltigen Investitionen in das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm. „Aktuell sind über 300 neue Wohnungen in der Planung“, so Ullrich. bib chilli | business im Breisgau | 03.2018 | 31


Menschen und Meldungen

F R E I BU RG . A m 9. A pr i l f i ndet zum vierten Mal die Regionale Arbeitsmarktkonferenz statt. Unter dem Titel „Betriebe zeigen wie es geht – Erfolgreiche Wege für mehr Fachkräfte“ zeigen die Pa r tner der Fach k rä f te A l lia nz Südlicher Oberrhein mit Unternehmen aus der Region, wie sie sich dem Fachkräftemangel entgegenstellen. Zu den Referenten zählt Jutta Rump, Professorin für A llgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen, Rump z ä h lt zu den f ü hrenden Köpfen des Persona lwesens u nd zu den a nerk a nntesten Professoren f ür Personalmanagement im deutschsprachigen Raum. Die Konferenz ist kostenfrei.

Keine Filialschließungen, II E M M E N D I N G E N . Au c h d i e Volksbank Breisgau Nord wird in 2018 keine weiteren Filialen schließen. Das sagte der Vorstandssprecher Karl-Heinz Dreher bei der Bilanzpressekonferenz. Der Gewinn vor Steuern lag bei 15,5 Millionen Euro, 1,8 Prozent unter dem Vorjahr. Der Zinsertrag ging um 5,6 Prozent auf 32,1 Millionen Euro zurück. Der Provisionsertrag stieg um 2,2 Prozent. Das Geschäftsvolumen legte um 6,9 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro zu.

Gesslers haben acht Millionen Euro investiert Johannes Gessler steigt in die Geschäftsführung ein Foto: © Stefanie Salzer-Deckert

4. Arbeitsmarkt-Konferenz

Der Mut wurde belohnt: René (l.) und Johannes Gessler. FREIBURG. Gut zehn Jahre sind vergangen, seit der Hotelier René Gessler (57) und seine Frau Beatrix das damals unter Insolvenzverwaltung stehende Hotel Schloss Reinach in Freiburg-Munzingen gekauft und aus seinem Dornröschenschlaf geweckt haben: Ein nahezu unrentabler Betrieb, rund 40 Beschäftigte und 60 Zimmer mit Sanierungsstau waren die Ausgangslage. Acht Millionen Euro steckten die Gesslers in ein neues Appartementhaus, in die Sanierung der Restaurants, in den Innenhof, in neue Heizungstechnik. Der Umsatz und die Zahl der Beschäf-

tigten haben sich seither vervielfacht. Heute arbeiten 130 Menschen fürs Unternehmen. „Wir wollten das Haus schnell mit Leben füllen, und das hat auch gut geklappt“, erzählte René Gessler unlängst vor Journalisten. Im vergangenen Jahr bauten die Gesslers für 3,5 Millionen Euro die „Black Forest Lodge“ in Feldberg-Altglashütten. In diesem Jahr ist Hoteldirektor Johannes Gessler in die Geschäftsführung von Schloss Reinach eingestiegen. Der 33-Jährige Schwiegersohn verdiente sich seine Meriten unter anderem in München und Hamburg. bib

Fair ways: 60.000 Euro für Soziales Der SC Freiburg engagiert sich auch gesellschaftlich und schreibt unter dem Motto „SC Freiburg – mehr als Fußball“ gemeinsam mit seinem Vermarktungspartner Infront und elf Partnern zum siebten Mal den FAIR ways Förderpreis aus. Er ist mit 60.000 Euro dotiert und hat sich seit der ersten Verga-

be im Jahr 2012 zu einem der bedeutendsten Sozialpreise Südbadens entwickelt. Der FAIR ways Förderpreis wird seitdem jährlich und in Teilbeträgen an gemeinnützige Institutionen und Projekte aus der Region vergeben, die sich wie der SC in den Bereichen Bildung, Bewegung, Umwelt und Solidarität en-

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gagieren. In den vergangenen sechs Jahren konnten so 235.000 Euro an 90 Institutionen und Projekte in der Region ausgeschüttet werden. Die Bewerbung für den FAIR ways Förderpreis 2018 ist ab sofort möglich. Weitere Informationen und die Bewerbungsunterlagen gibt es auf der Website des SC Freiburg.


Menschen und Meldungen

Schweißband statt Schlips

wvib als „Verband des Jahres“ nominiert

Dichtes Gedränge am Sandfang: Der B2Run hat sich in Freiburg zum beliebten Event entwickelt.

E-Top-Pitch-Day in Teningen TENINGEN. Die f.u.n.k.e. FUTURE GmbH fördert Start-ups und InnovatorInnen aus dem Bereich produzierende KMU und Social Entrepreneurship. Beim ETop-Pitch-Day präsentieren am 7. April (11 bis 17 Uhr) spannende Start-up-Teams ihre Ideen vor einem großen, öffentlichen Publikum.

Ganter gewinnt Gold

Foto: © Britt Schilling

FREIBURG. Die Brauerei Ganter hat beim DLG-Qualitätswettbewerb 2018 drei Goldmedaillen gewonnen. Die Biere Ganter Spezial Export, Ganter Magisch Dunkel und das dunkle Starkbier Ganter Wodan wurden prämiert. Durch die Auszeichnungen fürs Wodan und das Magisch Dunkel in der Kategorie CRAFT-Biere ist Ganter eine der ersten Brauereien Südbadens, die diese Auszeichnung erhalten hat.

Freuen sich über Gold: Katharina Ganter-Fraschetti, Detlef Frankenberger und Braumeister Lukas Teuber.

Firmenlauf B2Run startet am 7. Juni in Freiburg

Foto: © Infront B2Run

FREIBURG. Der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib), der sich auch „Schwarzwald AG“ nennt, wurde in der Kategorie „Interessenvertretung und Kommunikation“ jetzt als „Verband des Jahres“ nominiert. Ausgeschrieben wird die Auszeichnung von der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement e.V. (DGVM) in Bonn. Mit der Nominierung wird die Kampagne „Einigkeit.Recht.Freiheit.“ des Wirtschaftsverbands gewürdigt. „2017 war ein Jahr, in dem weltweit und auch in Deutschland Kräfte zutage traten, die die gesellschaftlichen Grundpfeiler Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft erschüttern wollen. Wir wollten uns im Wahljahr als Verband, der mittelständische, familiengeprägte, exportstarke Industrieunternehmen im Schwarzwald und darüber hinaus versammelt, erstmals öffentlich hierzu positionieren“, so wvibHauptgeschäftsführer Christoph Münzer. Mit dem Award werden innovative Darstellung und Positionierung gegenüber der Öffentlichkeit, besondere Kommunikationsleistungen, Medienarbeit, Kampagnen, Markenführung, Initiativen sowie die überzeugende Vertretung von Verbandsinteressen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit gewürdigt.

Auch dieses Jahr gibt es für alle Firmen in der Region Freiburg wieder die Möglichkeit, gemeinsam die Laufschuhe zu schnüren: Bevor jedoch am 7. Juni der Startschuss für die Teilnehmer des Betriebslaufes B2Run fällt, läuft jetzt erst mal die Anmeldung. Als Teil der deutschen Firmenmeisterschaft findet der B2Run dieses Jahr in 18 Städten statt. In Freiburg führt die knapp fünf Kilometer lange Strecke das Feld zuerst um das Schwarzwald-Stadion und schließlich auf einen Zieleinlauf innerhalb der Spielstätte. Drei zeitversetzte Startphasen sollen dabei für einen reibungslosen Lauf sorgen: Immerhin werden 6500 Läufer aus Firmen und Institutionen aus der Region Freiburg erwartet. „Das große Interesse regionaler Firmen am B2Run Freiburg zeigt uns den hohen Stellenwert von regelmäßigen Sportangeboten in zahlreichen Unternehmen“, freut sich Lars Gerling, Geschäftsführer von B2Run. Für all diejenigen, die ihrem Bürostuhl ein bisschen zu sehr aufgesessen sind, besteht ab dem 12. April für 95 Euro die Möglichkeit eines achtwöchigen Vorbereitungskurses (Informationen dazu unter www.laufcampus.com). Aufgrund des derzeitigen Anmeldestands und der Erfahrung der vergangenen beiden Jahre empfiehlt der Veranstalter eine rechtzeitige Buchung von Startplätzen. Insgesamt 33.800 Kilometer legten alle Läufer vergangenes Jahr zurück, ihre gewonnenen Finisher-Medaillen wogen 338 Kilogramm. Die Teilnehmer im Juni werden erst mal Kilogramm verlieren. pt Anmeldeschluss ist der 20. Mai 2018. Bei Fragen können sich Firmen unter 0221-716165820 oder freiburg@b2run.de an das Team von B2Run wenden.

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Jedox AG verdreifacht Cloud-Umsatz

FREIBURG. Der Gutachterausschuss der Stadt Freiburg hat für 2017 mit 971 Millionen Euro den vierthöchsten Immobilienumsatz seit Beginn der Aufzeichnungen 1971 verzeichnet. Die Anzahl von 2368 Verkäufen entspricht dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, liegt aber deutlich unter der Zahl des Vorjahres, in dem 2845 Immobilien verkauft wurden.

FREIBURG. Die Jedox AG, Anbieter von Enterprise Planning- und Corporate Performance Management (CPM)-Sof t warelösungen, hat im vergangenen Jahr ihr CloudGeschäft über sämtliche Vertriebsregionen hinweg verdreifacht und mehr als 200 neue Unternehmenskunden gewonnen. Zu den neuen Cloud-Kunden zä hlen IK E A Centres Europa, Coca-Cola Chile, NNIT sowie ein internationa ler Fertigungskonzern. „Wir freuen uns über die nachhaltig starke Nachfrage für unser Cloud-Angebot“, sagte Kay-Ingo Greve, Geschäftsführer der Jedox AG. Mehr als 2300 Kunden in 140 Ländern setzen derzeit auf Jedox.

330.000 Euro gespendet RUST. Beim elften Charity-Mittagessen im 4-Sterne Superior Hotel „Santa Isabel“ des Europa-Park spendeten Menschen rund 28.000 Euro. Das Geld geht komplett an den K reisverband Ortenau des Deut schen K inderschut zbu nd s. Die Initiatorin Mauritia Mack lädt bereits seit 2008 zu dem Benefiz-Event ein und sammelte seither 330.000 Euro ein.

Neuer Chef bei Streck FR E I BU RG. Bernd Schäfer ist neuer Chef der Streck Transport-Gruppe. Der 55-Jährige wird als Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Streck Transportges. mbH und als Präsident des Verwaltungsrats der Schweizer Streck Transport AG das Unternehmen in die Zukunft führen. Schäfer löst Herbert Boll ab, der sich nach mehr als 43 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und in den Beirat wechselt.

Richtfest für Lahr Logistics LAHR. Lahr Logistics hat bei seinem Er weiter u ngsbau au f dem Lahrer Flugplatz das Richtfest gefeiert. Das deutsch-schweizerische Joint Venture wird nach Fertigstellung der zusätzlichen beiden Hallen die ursprüngliche Fläche verdreifacht haben. In den Ausbau werden, heißt es in einer Pressemitteilung, 14,7 Millionen Euro investiert. Lahr Logistics gehört zu 26 Prozent der ZG Raiffeisen und zu 74 Prozent der Schweizer Agrargenossenschaft Fenaco. Die Firma schlägt in Lahr Waren für Haus- und Gartenmärkte um. D a s Fi r me n a re a l i s t i n s g e s a mt 130.000 Quadratmeter groß.

Foto: © FFB

Immobilien für 971 Millionen Euro

Ein Hoch auf uns: Georg Schwende mit seinem Bestseller – dem Premium Pilsener.

Fürstenberg investiert und kreiert DONAUESCHINGEN. Die Fürstenberg-Brauerei hat ein „ordentliches Geschäftsjahr“ hinter sich. Das sagte Geschäftsführer Georg Schwende beim Neujahrsempfang. Der Bierabsatz sei insgesamt leicht zurückgegangen, das Betriebsergebnis hingegen deutlich besser als im Vorjahr. Das Premium Pilsener habe stolze 6,9 Prozent zugelegt und gehöre beim Umsatz zu den Top-5-Pilsmarken in Baden-Württemberg. Mit dem alkoholfreien Radler sei man im Ländle gar Marktführer. Neu im Sortiment ist ein Natur Radler. Im laufenden Jahr investiert die Brauerei 3,5 Millionen Euro, unter anderem in eine Entalkoholisierungsanlage. Ein Highlight werde die Fürstenberg-Festivalbühne sein, die von Juni bis August auf dem Gelände der Messe Freiburg stehen wird. 5 Anzeige

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Unternehmen

Der Europa-Park sammelt fleißig Titel

Roland Mack: „Unsere Gäste sind unsere Arbeitgeber“

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ie Europa-Park GmbH & Co. – Hotelbetriebe KG hat als eines von tausenden Unternehmen den Sprung in die Bestenliste der innovativsten Unternehmen in Deutschland geschafft, die die Wirtschaftsredaktion von brand eins Wissen und das Statistik-Portal Statista ermittelt haben. Zudem hat EuropaparkInhaber Roland Mack den „Made in Baden Award“ gewonnen, und der Park zählt auch zu den beliebtesten Firmen Deutschlands. Die Auszeichnung der innovativsten Unternehmen belegt die Vorreiterrolle bei intelligenten Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen. Mit über 100 Attraktionen und Shows sowie 15 europäischen Themenbereichen und fünf parkeigenen 4-Sterne-Erlebnishotels lockte der Europa-Park in der vergangenen Saison mehr als 5,6 Millionen Besucher. Mehr als 2000 Vertreter innovationsprämierter Unternehmen, 400 Fachleute des Berliner Instituts für Innovation und Technik sowie 20.000 Führungskräfte wurden von brand eins und Statista um ihr Urteil gebeten. Die Europa-Park GmbH & Co. – Hotelbetriebe KG wurde als eines von 285 großen Unternehmen zum „Innovator des Jahres 2018“ gewählt. Darüber hinaus konnte der Europa-Park mit seinen Hotels in allen drei Innovationsbereichen, Produkte und Dienstleistungen,

Prozessinnovationen sowie Unternehmenskultur, punkten. Zudem hat der Freizeitpark nach einer jetzt von „Deutschland Test“ und „Focus Money“ vorgelegten Studie den 13. Platz in einer bundesweiten Befragung belegt, in der aus 1000 Unternehmen die 150 beliebtesten ermittelt wurden. Mehr als 100.000 Kundenmeinungen wurden in einer nationalen Online-Umfrage ausgewertet. „Wir freuen uns sehr über dieses Prädikat, vor allem, weil es von unseren Besuchern und Kunden stammt. Unsere Gäste sind letztlich unsere Arbeitgeber, das dürfen wir nie vergessen“, so Roland Mack. Die Studie belege einmal mehr, wie stark die Familienunternehmen die deutsche Wirtschaft prägen: „Um diese Struktur des Mittelstandes in Familienhand beneiden uns viele Länder der Welt.“ Mack selber wurde unlängst mit dem „Made in Baden Award“ gewürdigt, der durch den Verband der Badischen Wirtschaft an Personen vergeben wird, die in Wirtschaft, Innovationsgeist, Kultur und Kunst Vorbildliches leisten und eine enge Beziehung zu Baden haben. Im Casino Baden-Baden begrüßten der Verbandsvorsitzende Dieter Kersten und der Staatssekretär des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, Volker Schebesta, die Gäste. „Die Preisträger eint, dass sie mit dem gewaltigen Potential ihres Unternehmens und ihrer Einrichtung weit über die Grenzen Ba-

Fotos: © europapark

»Weltweit anerkanntes Imperium «

Roland Mack: Stolz auf den Made-in-Baden-Award. dens hinaus agieren“, so Kersten. Frank Elstner, Moderator und selbst Preisträger des Jahres 2016: „Aus einem kleinen Betrieb im südbadischen Waldkirch hat Roland Mack ein weltweit anerkanntes Imperium aufgebaut. Die Mack-Familie zählt überdies zu den größten Hoteliers des Landes.“ Mack war nur kurz zuvor auch zum „Südbadener des Jahres“ gewählt worden. Seit der Gründung des Parks im Jahr 1975 haben über 110 Millionen Gäste Deutschlands größten Freizeitpark besucht. 2017 konnte der Europa-Park trotz der starken weltweiten Konkurrenz erneut beim begehrten „BranchenOscar“, den „Golden Ticket Awards“, überzeugen. Deutschlands größter Freizeitpark wurde zum „Besten Freizeitpark weltweit“ gewählt und erhielt damit die Auszeichnung zum vierten Mal in Folge in der wichtigsten Kategorie. bib/bar

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Brauereien

Bei Ganter wird auch bei Vollmond Bier gebraut.

Hopfen und Malz noch nicht verloren

Wie sich südbadische Brauereien im schrumpfenden Biermarkt behaupten

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Fotos: © Brauerei Ganter, Waldhaus, Fürstenberg

er Bierdurst der Deutschen erlischt. Im vergangenen Jahr ist der Absatz von Gerstensaft im Land um 2,5 Prozent auf das nächste Rekordtief gesunken. Während im Rest der Republik Kessel leer stehen, treten sübadische Brauereien den Rückzug in die Region an und können dort sogar ein kleines Plus erzielen. Craft-Bier und die Weltmeisterschaft sind für sie aber nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Stimmung in der Bier-Branche ist naturtrüb. Kein Wunder: Der Bierabsatz in Baden-Württemberg sank im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 4,83 Millionen erneut um 1,3 Prozent auf 4,75 Millionen Hektoliter. Das Ländle ist damit noch gut bedient. Der Rückgang im gesamten Reich des Reinheitsgebotes ist mit 2,5 Prozent etwa doppelt so hoch. Zudem setzen steigende Rohstoffpreise und ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein den Brauereibetrieben seit Jahren zu.

Schließungen und Übernahmen sind die Folge. Konkret verringerte sich der Bierabsatz bundesweit von 112 Millionen Hektolitern im Jahr 1993 auf 93 Millionen in 2017. Entsprechend ist offenbar auch die Bierlaune in der Branche. Die Staatliche Brauerei Rothaus möchte sich auf Anfrage zum Thema gar nicht äußern, die zur Brau Holding International zählende Brauerei Fürstenberg veröffentlicht traditionell auch keine exakten Zahlen. Die Brauerei in Donaueschingen gibt jedoch an, mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden zu sein und den Umsatz aus dem Vorjahr deutlich übertroffen zu haben. „Dennoch spüren auch wir die rückläufige Entwicklung am deutschen Biermarkt“, sagt Ilona Zimmermann von der Unternehmenskommunikation. In Waldhaus spricht man indes gerne über Zahlen, schließlich kann die Brauerei im Schwarzwald seit Jahren Erfolge verzeichnen. Erhöhte sich der

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Ausstoß 2017 um 8000 auf 93.000 Hektoliter, will die Privatbrauerei in diesem Jahr dem Markt zum Trotz die 100.000er-Marke knacken. „Natürlich wäre es toll, in einem Markt zu arbeiten, der jedes Jahr um 20 Prozent wächst, aber ich freue mich trotzdem“, sagt Geschäftsführer Dieter Schmid. Er ist froh, dass er für seine positive Bilanz nur vergleichsweise kleine Mengen an Rohstoffen benötigt. Die großen Fernsehbrauereien sind für ihn die Verlierer im deutschen Markt: „Die nationalen Marken haben sich da selbst reinmanövriert. Die haben alle ein gutes Image, sind aber völlig austauschbar.“ Er ist sich sicher: „Als kleine Brauerei muss man sich vom Markt abheben.“ Die südbadischen Brauereien geben außerdem ein klares Bekenntnis zu ihren Standorten ab. Um den regionalen Markt weiter für sich zu gewinnen, sollen Produktionsstätten durch Aktionen und Führun-

Die Stimmung ist naturtrüb


Brauereien

Sein Bier fest im Blick: Waldhaus-Chef Dieter Schmid (Mitte) gen noch weiter gestärkt werden. „Wir konzentrieren uns auf Südbaden, das sind zwei Millionen Menschen“, sagt Detlef Frankenberger, Geschäftsführer der Ganter-Brauerei. Ein Umzug aus dem teuren Stadtkern heraus, wie bei Holsten in Hamburg oder Paulaner in München, sei bei Ganter nicht geplant: „Wir sind in Freiburg positioniert.“ Frankenberger ist überzeugt, dass er mit der Regionalstrategie „auf dem richtigen Weg“ ist. Auch im 70 Kilometer entfernten Waldhaus ist kein Umzug geplant. „Bei uns ist die Logistik nicht optimal“, sagt Schmid, „aber wir sind mit unserem Standort zufrieden.“ Neu ist die deutsche Bierkrise nicht. „Wir haben uns natürlich schon vor zehn Jahren damit beschäftigt, wie man diesen Trend aufhalten könnte“, sagt Frankenberger und vermutet hinter dem Rückgang auch demografische Gründe: „Wir haben früher viel mehr Bier getrunken“, erinnert sich der 53-Jährige. „Ein Liter Bier am Tag tut ja nicht weh.“ Das sehen viele Jugendliche heute anders und suchen im Supermarkt immer häufiger die Smoothie-Bar statt des Bier-Regals: Trank vor 30 Jahren noch mehr als jeder zweite 18- bis 25-Jährige und fast jeder dritte 12- bis 17-Jährige mindestens einmal in der Woche Bier, waren es im vergangenen Jahr nur noch jeder zehnte Jugendliche und nur noch fast jeder dritte junge Erwachsene. „Alkoholkonsum geschieht heute bedachter“, weiß auch der Brauereichef. „Außerdem trinkt die Jugend heute anders, mehr Mischgetränke. Dazu kommen die Alkoholverbote.“ Schmid pf lichtet seinem Ganter-Kollegen bei und gibt der Politik eine Mitschuld am Rückgang des Biermarktes: „Es gibt immer mehr Restriktionen wie Verbote in der Öffentlichkeit. Alkohol wird tabuisiert. Der Kunde hat schlicht immer weniger Möglichkeiten, an das Produkt zu kommen.“

Wohl auch deswegen befindet sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland seit Jahrzehnten im Sinkflug: Kamen 1980 noch 145,9 Liter in den Humpen jedes Bürgers, waren es 2016 nur noch 104,1 Liter. Frankenberger geht davon aus, dass dieser Wert weiter auf 80 Liter sinken wird. „Die gesellschaftliche Entwicklung will, dass Menschen gesund sind.“ Um auf dem ausgetrockneten Markt zu überleben, entschied die Freiburger Ganter-Brauerei bereits 2011, kürzer zu treten und sich technisch neu aufzustellen. „Wir haben vor zehn Jahren entschieden, dass wir uns aus dem Massenmarkt zurückziehen und uns auf Südbaden konzentrieren“, sagt Frankenberger. Die Brauerei schrumpfte sich quasi gesund. Zehn Millionen Euro habe man damals in neue Technik investiert, um den Ausstoß von 100.000 Hektolitern zu gewährleisten. Vergrößert wurde an der Dreisam hingegen das Sortiment. „Wir haben uns spezialisiert, und der Trend zum Craft-Bier hat uns in die Karten gespielt.“ Ein Trend, der auch den WaldhausChef Schmid freut: „Wir spielen gerne auf dem Craft-Bier-Markt mit." Die Branche retten würde das handwerklich gebraute Bier aber nicht: „Durch Craftbier wird der Ausstoß insgesamt nicht steigen.“ Begrenzte Hoffnungen knüpfen die Brauereien an den WM-Sommer. Der deutschen Fußballnationalmannschaft drücken die Brauhäuser diesen Sommer natürlich die Daumen. Für Fürstenberg ist die WM ein wichtiger Absatztreiber, Waldhaus und Ganter halten den Ball dagegen flach, sehen das Event eher als Spitze im Geschäftsjahr. Der Erfolg wird wohl auch davon abhängen, welches Süppchen der Braumeister Joachim Löw kocht.  Philip Thomas

»Die Jugend trinkt mehr Mischgetränke«

Das Verwaltungsgebäude von Fürstenberg in Donaueschingen. Errichtet wurde es 1751 für fürstliche Beamte. chilli | business im Breisgau | 03.2018 | 37


Setzt auf Modenschauen und Männerlounge: Alexander Entov will Einkaufen zum Erlebnis machen.


Einzelhandel

Vollgas auf allen Kanälen Der neue Breuninger-Chef Alexander Entov will Amazon & Co. trotzen

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ch bin ein Breuningerkind“, sagt Alexander Entov. Wer seit seiner Ausbildung beim selben Modehändler arbeitet und mit 36 Jahren bereits Geschäftsführer im zweiten Haus der Gruppe ist, darf sich wohl zu Recht so nennen. Dabei ist Entov niemand, der sich aus Bequemlichkeit auf dem immer gleichen Schreibtischstuhl fläzt. Alle paar Jahre geht es für ihn in eine neue Stadt – immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Seit Januar bringt er nun frische Ideen ins Freiburger Traditionskaufhaus. Durch die Kaiser-Joseph-Straße bläst ein eisiger Wind. Doch im Kaufhaus Breuninger hat der Frühling bereits Einzug gehalten: Die Rolltreppe gleitet vorbei an Wänden mit Blumenprints und Ständern mit pastellfarbenen Klamotten. Im vierten Stock hat sie ihren Zenit erreicht. Wer in Entovs Büro möchte, muss ab hier die Treppe nehmen. Doch meist t rifft man den neuen Geschäftsführer sowieso im Laden an. Der 36-Jährige ist keiner, der über den Dingen schwebt. „Der Faktor Mensch“ stehe bei ihm im Mittelpunkt. Das ist nicht nur Philosophie, sondern Notwendigkeit. Schließlich ist es das Einzige, das Amazon, Zalando & Co. nicht bieten können. „Es reicht längst nicht mehr, nur Ware bereitzustellen“, sagt Entov, „die Leute gehen in einen Laden, weil sie sich dort wohlfühlen.“ Breuningers Erfolg beruhe unter anderem auf langjährigen Mitarbeitern, die nicht nur die modischen Vorlieben ihrer Kunden kennen, sondern auch die Namen von deren Kindern und Haustieren.

„Das sind innige Beziehungen, wie sie das Internet nie erreichen wird.“ Das zweite Erfolgsgeheimnis: Einkaufen zum Erlebnis machen. Dazu gehören für Entov Events wie Modenschauen und Abendveranstaltungen. Die neue Nespresso Boutique im Untergeschoss. Der Barbier, der Männer frisiert und rasiert, während ihre Frauen einkaufen. Und der zukünftig zu einer Art Männerlounge erweitert werden soll mit Fußballübertragungen und Bier. Auch eine Bar hätte Entov gerne: „Wir prüfen, was sich machen lässt.“ Ganz oben auf seiner Agenda stehe allerdings „das Multikanalthema“: Wie man Menschen sowohl online als auch vor Ort erreichen kann. Schließlich erwirtschaftet Breuninger rund 20 Prozent seines Umsatzes im eigenen Online-Shop.

»Freiburg gehört zu den wichtigsten Häusern « Der Mann mit Vollbart und perfekt sitzendem Anzug bringt frischen Wind ins Traditionskaufhaus, das 1881 mit drei Mitarbeitern in Stuttgart gestartet ist. Dort hat Breuninger im vergangenen Jahr ein über 200 Millionen Euro teures Luxus-Einkaufsquartier eröffnet. Auch Entov hat schon im schwäbischen Flagship-store gearbeitet. Ebenso wie in Reutlingen, Karlsruhe und Düsseldorf sowie zuletzt als Geschäftsführer in Erfurt. Als „Dreiergespann“ zieht der Familienvater mit Frau und zweijährigem Sohn von Stadt zu Stadt. „Dadurch bleibt man flexibel im Kopf “, sagt er.

In die Provinz versetzt fühlt sich der aufstrebende Geschäftsführer durch den neuen Posten nicht: „Freiburg gehört zu den wichtigsten Häusern.“ Die Lage im Dreiländereck und der „Medical Tourism“ spülen internationale Kunden ins Geschäft. Nur die Baustellen machen dem Kaufhaus zu schaffen. Zwar ist die Kaiser-JosephStraße wieder frei, die Arbeiten an der Kronenbrücke oder dem Rotteckring würden aber immer noch Leute davon abhalten, in die Stadt zu fahren, glaubt Entov. Ob sich das auch am Umsatz ablesen lässt, verrät er nicht. Das Unternehmen ist mit Zahlen zurückhaltend. In den vergangenen zwei Jahren, als die Umsätze der Branche um zwei Prozent eingebrochen sind, habe Breuninger allerdings ein deutliches Wachstum verzeichnet. So haben die elf Häuser 2016 rund 800 Millionen Euro umgesetzt. Ob Freiburg da mitmacht? „Auch Breuninger in Freiburg entwickelt sich positiv, hat aber noch Luft nach oben“, formuliert es Entov. Jede Stadt tickt anders, weiß er. Freiburg sei modisch sehr casual: weniger Anzüge, mehr Sportbekleidung. Und wenn keiner draufsteht, laufen die Rolltreppen hier langsamer. Schließlich sei den Green-City-Bewohnern Nachhaltigkeit sehr wichtig. Entov mag die Stadt. Auch, weil seine Frau ein waschechtes Bobbele ist. Ob die Bächlestadt mehr als ein kurzer Zwischenstopp auf der Karriereleiter ist, kann er aber nicht sagen. „Ich brauche stets neue Aufgaben, an denen ich wachsen kann“, erzählt er, „aber in Freiburg könnte ich mir vorstellen, eine Weile zu bleiben.“  Tanja Senn

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Arbeitsmarkt

Karriere neben dem Eis

EHC und Agentur für Arbeit stellen einzigartige Kooperation vor

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ußballer verdienen Millionen. Eishockeyspieler nur einen Bruchteil davon. Viele Talente hängen die Schlittschuhe deswegen früh an den Nagel. Profis wiederum kümmern sich nicht immer um ihre Absicherung. Der Eishockeyverein EHC Freiburg hat deswegen mit der Agentur für Arbeit ein einzigartiges Förderkonzept entwickelt. „Sie sind ein gutes Beispiel.“ Das sagt Theresia Denzer-Urschel, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Freiburg, über Julian Airich. Der EHC-Profi sitzt bei einer Pressekonferenz neben der Jobexpertin. Mit seinen 22 Jahren hat er nicht nur einen Vertrag als Profisportler, sondern auch eine Berufsausbildung in der Tasche. Airich hat Einzelhandelskaufmann gelernt – parallel zu seinem kraftraubenden Sport auf zwei Kufen. „Es war mir von Anfang an wichtig, nicht nur auf den Sport zu setzen“, sagt der junge Mann mit Vollbart. Er musste für sein zweites Standbein auch mal an Grenzen gehen: Um 5 Uhr zurück vom Eishockeyspiel irgendwo in Deutschland, um 6 Uhr an der Kasse. Oder abends früh ins Bett, wenn die Kollegen noch losziehen. „Es war eine harte Zeit, aber ich habe es geschafft“, sagt er mit ruhiger Stimme. Airich ist klar, dass nicht jede Ausbildung so etwas ermöglicht: „Man braucht flexible Arbeitszeiten, sonst geht es nicht.“ Denzer-Urschel ist beeindruckt: „Hut ab, das ist eine stramme Leistung.“ Was er geschafft hat, soll nun auch anderen möglich sein. Die Agentur für Arbeit Freiburg und der EHC wollen deswegen jungen und älteren Spielern zukünftig in Sachen Karriereplanung unter die Arme greifen. „Wir wollen die Spieler orientieren und die Eltern informieren“, fasst Den-

Ungewöhnliches Team: Eishockey-Profi Julian Airich, Arbeitsmarktexpertin Theresia Denzer-Urschel und EHC-Chef Werner Karlin. zer-Urschel zusammen. Heißt konkret: Ansprechpartner ihres Hauses stehen den Profis mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen zum Beispiel, die richtige Stelle zu finden. So sollen auch Ausbildungen in Teilzeit gefördert werden. Diese lassen sich besser mit dem Sport vereinbaren als Airichs Vollzeitmodell.

Lieber zur Freundin als ins Training Zudem soll der Nachwuchs besser informiert werden. „Viele springen mit 14, 15 Jahren ab“, sagt EHC-Chef Werner Karlin. Gründe seien die erste Freundin oder der Start in die Ausbildung. „Wir wollen die Spieler länger halten“, betont er. Eltern sollen deswegen schon früh informiert werden. Die Botschaft: Ausbildung und Sportkarriere schließen sich nicht aus. Mit Infoveranstaltungen und Ausbildungsbotschaftern will man aktiv auf Spieler zugehen. Karlin wünscht sich, dass Profis schon während der Karriere auf dem Eis an die Zeit danach denken. Nicht alle würden das angehen wie Julian Ai-

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rich. „Bei vielen Spielern hat das noch nicht die Bedeutung, die es haben müsste“, sagt Karlin. Ob die Leistung darunter leiden kann? „Theoretisch ja, aber wir wollen beides verheiraten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Sind Spieler jobtechnisch abgesichert, könnten sie möglicherweise auch länger auf dem Eis ihre Leistung bringen. „Die Fleischtöpfe im Eishockey sind einfach nicht so lukrativ“, sagt Karlin. Der Sport sei zudem komplex, die Ausrüstung teuer. Mit seinem Zweitligateam (DEL 2) betritt er deswegen Neuland: Kein anderer Profiverein in Deutschland kooperiert in dieser Form mit der Arbeitsagentur. Für DenzerUrschel ist der gemeinsame Weg ein „Premium-Angebot“. Auch Airich ist überzeugt: Mit dem nötigen Support könne jeder Spieler es schaffen. „Sportler kommen oft ungelernt auf den Arbeitsmarkt“, warnt Denzer-Urschel. Dann sei das Risiko viermal so hoch, keinen Job zu finden. Sie erhofft sich von der Kooperation auch Außenwirkung: „Sportler für eine Ausbildung zu gewinnen, kann einen Wow-Effekt erzeugen.“ Junge Leute könne das motivieren, selbst Karriere zu machen. tln


Arbeitsmarkt

So wenig Arbeitslose wie zuletzt 1981 Agentur für Arbeit mit 5232 offenen Stellen

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Fotos: © dpa Sebastian Gollnow, dpa Sebastian Kahnert

m vergangenen Februar waren im Bezirk der Freiburger Arbeitsagentur 13.195 Männer und Frauen ohne Arbeit. 254 weniger als im Januar. Das ist in der offiziellen Arbeitslosenstatistik der niedrigste Februarwert seit 1981. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 3,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt unverändert bei 2,3 Prozent. „Der positive Trend am Arbeitsmarkt hält weiter an. Die Arbeitgeber melden viele Stellenangebote und geben zunehmend auch Bewerbern eine Chance, die auf den ersten Blick nicht zu überzeugen wissen. Darüber freue ich mich“, sagt die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Freiburg, Theresia Denzer-Urschel. Auf Sicht von einem Jahr gebe es bei allen Zielgruppen weniger Arbeitslose. Das gilt selbst für Arbeitnehmer mit ausländischem Pass, die trotz Fluchtmigration ebenfalls zu den Gewinnern zählen. Noch besser entwickelte sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen: Ihr Rückgang um deutlich über zehn Prozent innerhalb eines Jahres zeige, dass alle Bemühungen im Zusammenhang mit der Integration der Flüchtlinge


Arbeitsmarkt

nicht zulasten anderer Personengruppen erfolgten. Neben guten Bedingungen am Arbeitsmarkt sind für Denzer-Urschel noch weitere Faktoren für den Erfolg entscheidend. „Wir investieren viel in Prävention, betreuen unsere Zielgruppen intensiv und arbeiten dabei eng mit anderen Behörden und Einrichtungen zusammen, teilweise sogar unter einem Dach und mit eigener Identität. Das zahlt sich mehr und mehr aus.“ 3839 Menschen fanden im Februar einen neuen Job, 3600 meldeten sich aber neu oder erneut arbeitslos. Die Regionen entwickeln sich dabei unterschiedlich: Der Großraum Freiburg, das Elztal und das Markgräflerland registrieren weniger Arbeitslose, nahezu unverändert präsentierte sich Emmendingen, während der Hochschwarzwald mehr Arbeitslose zählt. In Freiburg gab es Ende Februar 6207 Arbeitslose (Quote 5,1 Prozent), im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald 4352 Arbeitslose (3,0 Prozent), im Landkreis Emmendingen 2636 Arbeitslose (2,8 Prozent). Den aktuell größten Bedarf nach neuen Mitarbeitern meldeten beim Arbeitgeber-Service die unternehmensnahen Dienstleistungen (396 Stellen), das verarbeitende Gewerbe (249), das Gesundheits- und Sozialwesen (233), der Handel (142), die öffentliche Verwaltung (120). Insgesamt führt die Agentur für Arbeit Freiburg aktuell 5232 offene Stellen. bib


Immobilienmarkt

Fehlendes Angebot führt zur Verdrängung S-Immo mit Brot-und-Butter-Geschäft

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ie Immobiliengesellschaft der Sparkasse Freiburg (SImmo) hat im vergangenen Jahr 182 Immobilien im Wert von 54 Millionen Euro vermittelt und mit den Provisionen 2,6 Millionen Euro verdient. Das klingt viel, ist aber ein kräftiger Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als 281 Vermittlungen mit einem Volumen von 82,3 Millionen Euro zu Buche standen. S-Immo-Geschäftsführer Oliver Kamenisch begründet dies mit dem einbrechenden Neubaugeschäft. Zudem sei 2016 ein Ausreißerjahr gewesen. Makler haben es in Freiburg nicht leicht: Es gibt aktuell sehr wenig Neubau, um den sich eine große Schar von Vermittlern drängt und dabei auch Abstriche bei den Provisionen machen muss. „Wir haben weiter eine wahnsinnig hohe Nachfrage, ein fehlendes Angebot und das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern“, beschreibt der VizeVorstandsvorsitzende der Sparkasse, Erich Greil, die Marktlage. Die Stadtverwaltung bemühe sich nach Kräften, neue Baugebiete zu erschließen, aber bis der neue Stadtteil Dietenbach in die Vermarktung kommt, werden sicher sechs Jahre vergehen. Als Kamenisch bei der Immo-Messe Anfang Februar am Eröffnungstag morgens um 10 Uhr seinen Stand öffnete, „war der sofort voll“. Kauf willige gibt es zuhauf, die meisten aber finden kein passendes Angebot. War 2016 noch jede zweite vermittelte Immobilie eine neue, war es im vergangenen Jahr nur noch jede fünfte. „2017 war für uns Brot-

Von der S-Immo erfolgreich vermarktet: 56 Wohnungen auf dem Güterbahnhof. und-Butter-Geschäft“, so Kamenisch. Bei jeder vierten Vermittlung stellt die Sparkasse auch die Finanzierungsmittel. Die neue Wohnimmobilienkreditlinie habe sich nicht als Hemmschuh erwiesen. „Wen wir vor der neuen Richtlinie finanzieren konnten, den können wir auch mit ihr finanzieren“, sagt Greil.

Immer mehr Verkäufe gegen Gebot Der Angebotsengpass hat mittlerweile auch das Umland erreicht. Die Preise befinden sich auch dort auf Höhenflug. „Wir haben immer mehr Verkäufe, die im Bieterverfahren abgewickelt werden“, so Kamenisch. Im Gebrauchtmarkt könne man die selbst erstellten Wertermittlungen zuweilen „in den Papierkorb werfen“, weil der Markt am Ende doch mehr böte. Die Quadratmeterpreise hätten sich in Freiburg seit 2007 „nahezu verdoppelt“. Allein in den bei-

den vergangenen Jahren kletterte der Preis einer durch die S-Immo vermittelten Wohnung von im Schnitt 313.000 auf 388.000 Euro. Auch bei gebrauchten Wohnungen stieg der Wert von 185.000 auf 247.000 Euro. Daraus entspringe ein Verdrängungswettbewerb: Einkommens- oder eigenkapitalstarke Käufer kommen in Freiburg noch zum Zug, finanziell schwächere Haushalte müssen ins Umland gehen, wo der Schwarzwald weiterhin das günstigste Pflaster sei. Das Portal immoscout24 hatte unlängst eine Studie veröffentlicht, wonach in Freiburg 31,4 Prozent des Einkommens für die Miete draufgehen – bundesweit spitze. Trotz der erzielbaren Preise würden sich viele Eigentümer von ihren Immobilien nicht trennen, weil sie in dem Bereich nicht gleich wieder investieren könnten. Wenn sich das ändere, könne es auch mal zu einer Kettenreaktion kommen. An große Preissprünge in der Zukunft glaubt Kamenisch indes nicht. bar

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Immobilienmarkt

Südbaden bekommt » Digi-Hubs «

Kreativpark Lokhalle wird Digitalisierungszentrum

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as Land Baden-Württemberg hat ein Konzept aus der Region Südbaden zum Aufbau und Betrieb eines regionalen Digitalisierungszentrums prämiert. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat dem regionalen Konsortium auf dem Digitalgipfel 2018 unlängst den Zuschlag gegeben. Die Digi-Hubs (Digitalisierungs-Knotenpunkte) sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Das Projekt in Südbaden ist ein Produkt einer regionalen Kooperation von mehr als 20 Konsortialpartnern. Darunter war anfänglich auch die Industrie- und Handelskammer Südbaden (IHK), die erst eine führende Rolle beanspruchte, sich dann aber nach wochenlangen Gesprächen für die anderen Teilnehmer völlig überraschend kurz vor Abgabe der Bewerbung aus dem Kreis verabschiedete.

Das Wirtschaftsmagazin

Wir t scha f t

März 2018 Ausgabe Nr. 17 gratis

Stadtentwicklung

MilliardenProjekt Dietenbach

Heikle Geschäfte mit Iran

Wie der Druck der Amis bis nach Südbaden wirkt Bankbosse

Start-ups

Tourismusrekord

Marcel Thimm und Uwe Barth über Bilanzen und Bitcoins

Messerschleifer und Altholz-Veredler

Freiburger verdienen Millionen mit den Gästen

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Ein regionales Digitalisierungszentrum wird im derzeit im Bau befindlichen Kreativpark Lokhalle Freiburg seinen analogen Ort finden. Insgesamt hat das Land zehn Konzepte für die Umsetzung zugelassen und dafür Fördermittel in Höhe von insgesamt sechs Millionen Euro gestellt. Ziel ist, Digitalisierung in die Fläche zu bringen und gleichzeitig einen Knotenpunkt zu schaffen, der Kompetenzen, Angebote und Infrastruktur an einem Ort physisch bündelt. Die anderen Hubs werden an der Hochschule Offenburg, auf dem Baden Campus in Breisach und beim Innocel in Lörrach installiert. Federführend sind die Klimapartner Oberrhein mit Sitz in Freiburg. Weil digitale Lösungen nicht nur am grünen Tisch entwickelt werden können, gehören auch Demo-Standorte sowie Showrooms für konkrete Anwendungen dazu.

bib/bar Mehr Info: klimaschutz-oberrhein.de


Bronze-Medaille für Bäckerei Dick

Was Napoleon mit einem Weizenbrot zu tun hat Stolz auf die Auszeichnung: Bäcker Michael Dick mit seiner Frau Monika und dem Gewinner-Baguette.

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Foto: © Reinhold Wagner

ür Michael Dick und Sohn Christian kam die Auszeichnung wie ein Geschenk zum 50. Jubiläum des Betriebs. Der Sohn hatte diesen ohne Wissen seines Vaters Anfang 2015 zur Teilnahme am bundesweiten TV-Wettbewerb „Deutschlands bester Bäcker“ angemeldet. Auf einmal tummelten sich Filmleute, TV-Prominenz und Juroren in der kleinen Bäckerei in Denzlingen. Knapp ein dreiviertel Jahr darauf und viele Fernsehaufzeichnungen später stand fest: Die Bäckerei Dick Denzlingen ist Bronzemedaillengewinner. Wie hätte das Großvater Friedrich Dick gefallen, der 1965 den Start in eine ungewisse Zukunft wagte. Unablässiges Festhalten an der Qualität des Bäckerhandwerks, dazu stete Offenheit für Anregungen während zahlreicher Reisen – das gehört seither zur Maxime aller Generationen im Hause Dick. Während 2017 Michael Dick mit seiner Frau Monika den Laden schmiss, befand sich Christian als frisch gebackener Bäckermeister für neun Monate auf Weltreise. Beim Deutschen Bio-Bäcker im australischen Sydney musste er feststellen,

dass dort Mehl nicht gleich Mehl ist: die Qualität schwankt erheblich, was sich in der Verarbeitung zeigt. Ausgezogen war der junge Bäcker mit dem Drang, Neues, Unbekanntes und Exotisches in die deutsche Backkultur einzubringen. Wieder zurück in der elterlichen Backstube, zeigte sich: Wichtiger als das Experimentieren mit Neuem ist das strikte Festhalten an Tradition und Qualität. Wer an der Front mitziehen will, kennt keine billigen Kompromisse: „Wir verwenden ausschließlich Butter und Meersalz für unsere Teigwaren“, erklärt Michael Dick. „Teiglinge oder Fertigmischungen kommen bei uns nicht auf den Tisch. Der Sauerteig wird täglich angesetzt. Koch- und Brühstücke bereiten wir immer schon für den nächsten Tag vor.“ Dass da vom Butterzopf bis zur Brezel und vom Chia-Brot bis zum Bergkäse-Zwetschgen-Baguette alles hochwertig ist, davon zeugt die Stammkundschaft. Nicht erst, seit die Dicks im Fernsehen waren. Für Kundennähe sprechen auch die Öffnungszeiten der Bäckerei, die an allen sieben Wochentagen den Hauptsitz und Filiale in Denzlingen sowie Stände auf sechs Wochenmärkten betreibt. Damit der Chef künftig noch tiefere Einbli-

cke in die Vielfalt der Brote weitergeben kann, ließ er sich 2017 in Weinheim zum Brotsommelier ausbilden. Die aktuell 42 weltweiten Brotsommeliers müssen sich in der Brotkultur ebenso auskennen wie in der sensorischen Beschreibung. Auch Projektarbeit gehört dazu. Dicks Thema: „Das Brot unserer Väter“ befasst sich mit Herstellung, Zutaten und Techniken der Brotbäcker vor 200 Jahren. „Damals zog Napoleon durch unsere Gegend“, erzählt Vater Dick. „Im Gepäck hatte er das bei uns unbekannte helle Mehl. Es gab keinen Strom, das Wasser hatte nicht die heutige Qualität, Backstuben waren weder isoliert noch klimatisiert. Es gab Hungersnöte und Auswanderungswellen.“ Der Brotverbrauch lag damals bei 250 Kilo pro Person und Jahr – heute sind es 60. Die vielen Fürstentümer sorgten für Vielfalt und große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Letztlich aber sollte Brot satt machen. Aus dem erlernten Wissen entwickelte Dick ein Weizenbrot, das nach langer Reifezeit auf einer heißen Steinplatte gebacken wird. Außen knusprig, innen grobporig und saftig, nennt er es – „Bonaparte“.  Reinhold Wagner

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Fakten

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen Anzahl der Brauereien in Deutschland 2003 Anzahl der Brauereien in Deutschland 2017 Bierabsatz in Deutschland 2003 (in Mio. Hektoliter) Bierabsatz in Deutschland 2017 (in Mio. Hektoliter)

1.275 1.492 105,6 93,5

Mitgliederzahl der Fitnessstudios in Deutschland 2003 (in Mio.) Mitgliederzahl der Fitnessstudios in Deutschland 2016 (in Mio.) 

 4,38 10,08

Anteil von Frauen an allen Studierenden an Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg (in %) Anteil von Frauen an allen Studierenden an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg (in %) Anteil der Exporte in die USA vom Gesamtexport aus Baden-Württemberg (in %) Anteil der Exporte in die USA vom Gesamtexport aus Deutschland (in %) Anteil der KFZ-Branche am Gesamtexport von Baden-Württemberg in die USA (in %) Anteil der KFZ-Branche am Gesamtexport von Deutschland in die USA (in %) Umsatz der Spirituosenindustrie in Deutschland 2003 (in Milliarden Euro) Umsatz der Spirituosenindustrie in Deutschland 2016 (in Milliarden Euro) Alkoholunfälle mit Personenschaden in Gesamtdeutschland 1975 Alkoholunfälle mit Personenschaden in Deutschland 2016

78 41 12,2 8,7 33 25,7  3,12  2,28  51.593  13.403  91.505  107.500  118.579

Zahl der Geburten in Baden-Württemberg im Jahr 2013 Zahl der Geburten in Baden-Württemberg im Jahr 2016 Zahl der Geburten in Baden-Württemberg im Jahr 1990 Geburtenrate pro Frau im Alb-Donau-Kreis im Jahr 2016 Geburtenrate pro Frau in Heidelberg im Jahr 2016 Geburtenrate pro Frau in Freiburg im Rekordjahr 2016

1,8  1,2 1,36

Umsatz der deutschen Brauwirtschaft im Jahr 2016 (in Mrd. Euro) Umsatz der 1. Fußball-Bundesliga in der Saison 2015/2016 (in Mrd. Euro)

7,85 3,06

Neuzulassungen von Dieselautos in Deutschland im Februar 2017 Neuzulassungen von Dieselautos in Deutschland im Februar 2018 Anzahl der Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland 2009 Anzahl der Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland 2017

101.677 85.077  3.200 17.200

Versuchstiere in Deutschland 2009 Versuchstiere in Deutschland 2016 Davon Affen

2.786.311  2.854.586 2.462

Anzahl der Beschäftigten in der Autoindustrie in Deutschland 2015 Anzahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie in Deutschland 2016 Anzahl der Beschäftigten in der Fahrradindustrie in Deutschland 2015 Anzahl der Beschäftigten in der Fahrradindustrie in Deutschland 2016



46 | chilli | business im Breisgau | 03.2018

795.618  808.491  4.000 9.478

Lars Bargmann, Philip Thomas / Idee brandeins


business im Breisgau  

Ausgabe 17, März 2018

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