Karl Josef Kassing – Heiteres zoologisches Lexikon

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Heit s zoo sches Lexik KARL JOSEF KASSING

Heiteres zoologisches Lexikon &

Vom Ernst des Unernsten Eine Streitschrift



KARL JOSEF KASSING

Heiteres zoologisches Lexikon & Vom Ernst des Unernsten Eine Streitschrift


Impressum 1. Auflage 2021 Copyright Fohrmann Verlag, Köln Inh. und Hrsg. Dr. Petra Fohrmann www.fohrmann-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages repro­duziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Artwork: Karen Kühne, www.kuehne-grafik.de Zeichnung: Karen Kühne Printed in Germany ISBN 978-3-9818152-8-3 4


Inhalt Zum Geleit

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A – Affe

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Z – Zebra

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Und was sagt ein Fachmann zu diesem Buch?

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Vom Ernst des Unernsten

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Zum Autor

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Zur Gesamtausgabe

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Zum Geleit Die Tradition heiterer zoologischer Verse geht zurück auf die bekannten Reimpaare von Wilhelm Busch. Im Unterschied zu ihnen habe ich als Form den Vierzeiler gewählt, weil sich in vier Zeilen komplexere Aussagen unterbringen lassen. Dabei bekommt die letzte Zeile ein be­ sonderes Gewicht, im optimalen Fall als Pointe. Auch reimtechnisch habe ich mir die Aufgabe nicht leicht gemacht. Fängt der Name des Tieres mit einem Vokal an, reimen die beiden ersten Verse auf diesen Vokal (Affe: ... ja / ... Afrika). Ausnahme: U. Fängt der Name mit einem Kon­ sonant an, endet die erste Zeile auf „Tier“; die reimende letzte Silbe der zweiten Zeile beginnt mit diesem Konsonant (Biene: ... Tier / ... Bier). Ausnahmen: X, Y. Inhaltlich habe ich mich bemüht, dem neu­ esten Stand der zoologischen Forschung zu ent­ sprechen. So wird es nicht überraschen, dass ich auch einige bisher unbekannte Arten vorstelle. Alle besprochenen Arten werden durch die Zeichnungen von Karen Kühne anschaulich vor­ gestellt. So möge dieses kleine Werk nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Bildung der interessierten Leserinnen und Leser bei­tra­gen! Karl Josef Kassing

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A Den Affen, na, den kennt man ja, und zwar nicht nur aus Afrika. Man sagt - das ist doch allerhand: er sei mit unsereins verwandt!

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B Die Biene sammelt – braves Tier! – den Honig. Daraus brauten Bier in alten Zeiten die Germanen. Den Durst hat mancher von den Ahnen!

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C Chamäleon! Wer dieses Tier beschreiben will, verzweifelt s-chier: mal ist es gelb, mal grün, mal blau – kaum wird es aus sich selber schlau!

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H Das Heupferd 1 ist ein scheues Tier, drum ist es auch nicht gerne hier veröffentlicht: erschreckt darob, hüpft es davon im Heugalopp!

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auch: Heuschrecke, Grashüpfer 23


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M Die Maus ist zwar ein kleines Tier, doch sehr gefräßig, glaube mir! Sie lebt von Käse, Speck und Brot, nur Kirchenmäuse leiden Not!

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N Das Nilpferd ist ein plumpes Tier, nie fährt es auf ein Tanzturnier. Es wälzt sich lieber in den Fluten mit seiner Frau, der dicken, guten!

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Vom Ernst des Unernsten (Eine Streitschrift)

Der Autor, von ihm selbst gezeichnet

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„Ich will zuerst von mir berichten. Ich war’s nämlich nicht!“ Wer nicht weiß, woher dieses Zi­ tat stammt, würde es auch nicht vermuten: aus einer klassischen Tragödie, nämlich der ‚Anti­ gone‘ von Sophokles. Ein Bote muss dem König eine schlechte Nachricht überbringen und hat vor allem Angst um sich selbst. Damit könnte er genauso gut in einer Komödie agieren. Und er bleibt seiner Rolle treu: als der König unbelehr­ bar auf einer fatalen Entscheidung beharrt, er­ klärt der Bote: „Hu, furchtbar, wenn einer glaubt, und glaubt verkehrt!“ Damit spricht er eine erns­ te Wahrheit aus. Wie ernst sie ist, zeigt der Fort­ gang der Handlung: der tragische Tod Antigones und ihres Verlobten, des Sohnes des Königs. Bemerkenswert: Komik und Tragik schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Das ent­ spricht ja auch unserer eigenen Erfahrung: Das Leben ist keineswegs immer nur komisch bzw. heiter oder immer nur tragisch bzw. traurig. So hat vermutlich schon jeder erlebt, dass etwa in ei­ ner Trauergesellschaft auch gelächelt oder sogar gelacht wird. Entsprechend können auch andere ernste Situationen aufgehellt werden. Das hat seinen guten Grund: Lachen schafft Abstand, es hilft bewältigen. „Lachen ist die beste Medizin!“ erklärt der Volksmund. Das stimmt sicher nicht immer, aber oft. Indem man über etwas lacht, steht man darüber. So kann Lachen befreien, gerade auch in einer bedrängten Lage. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“ weiß der Volksmund auch zu sagen. Der Humor kann 65


geradezu eine Gegenwehr sein gegen etwas Be­ drängendes, nicht selten die einzige, die den Be­ drängten noch bleibt. So entsteht Galgenhumor! So erklärt sich auch die Beliebtheit von Witzen, die Unterdrückte sich über ihre Unterdrücker erzählen. Und so erklärt sich auch, weshalb die Unterdrücker sich so verbissen gegen solche Wit­ ze wehren. „Heil Hitler! – Heil du ihn!“ Dafür konnte man zur Zeit der Nazis ins KZ kommen. Lachen nimmt nicht ernst, doch gerade des­ halb kann es selbst etwas Ernstes sein. Aber wes­ halb lacht man überhaupt? Als Antwort fällt mir eine Definition ein, die ich in jungen Jahren bei Professor Böckmann in einer Vorlesung in Köln gehört habe: „Lachen ist die Reaktion auf das Nichtseinsollende.“ Das klingt ziemlich abstrakt, wird aber durch die Erfahrung immer wieder bestätigt. Ein konkretes Beispiel aus meinem früheren schulischen Alltag: Im Deutsch-Unter­ richt fällt plötzlich ein langes Lineal um, das der Mathe­lehrer in der Stunde vorher etwas nach­ lässig an die Wand gelehnt hatte. Alle lachen. Aber was ist daran komisch? Wer lacht, vergleicht blitzschnell, wenn auch unbewusst das, was ist, mit dem, was sein sollte und was er erwartet. Je größer der Unterschied ist, um so mehr reizt er zum Lachen. Würde etwa ein Physiklehrer, um die Wirkung der Schwer­ kraft zu demonstrieren, ein Lineal absichtlich so schief an die Wand lehnen, dass es kippen muss, würde niemand lachen, wenn es auch wirklich kippt. Eher würden die Schüler lachen, wenn das 66


Lineal sich weigert, der Anordnung des Experi­ mentators Folge zu leisten, so dass der Lehrer mit einem Stoß nachhelfen muss. Im Lachen steckt also ein Vergleich des Ist mit dem Soll. Gerade deshalb kann Lachen auch Kritik bedeuten, können Witze geradezu eine Waffe von sonst Wehrlosen sein, gefürchtet und bestraft von den Machthabern. Dass man das Lachen auch miss­ brauchen kann, etwa indem man jemand ver­ spottet oder ausgrenzt, macht das über den guten Sinn des Lachens Gesagte nicht ungültig. Mit Lachen reagiert man auf das, was nicht sein soll, haben wir von Professor Böckmann ge­ lernt. Allerdings gilt das nicht immer. Man erlebt einen Unfall mit, also etwas, was nicht sein soll­ te. Aber man lacht nicht etwa darüber, sondern ist schockiert, hat Mitleid mit dem Opfer, fühlt sich spontan aufgerufen zu helfen. Manchmal erlebt man sogar beides im Wechsel: erst lacht man, dann erstickt das Lachen, wenn man merkt, wie ernst es ist. Oder umgekehrt: erst ist man erschrocken, dann lacht man erleichtert, wenn man merkt: es ist ja gar nicht so schlimm, wie es zunächst aussah. Man wird also durch etwas erheitert, lacht über etwas, was man nicht ernst nimmt. Das klingt banal, ermöglicht aber eine wichtige Er­ kenntnis. Die Wörter „heiter“ und „ernst“ legen sich in ihrem Inhalt gegenseitig fest. Das be­ deutet aber: Heiteres gibt es nicht ohne Ernstes, Ernstes nicht ohne Heiteres. Entsprechendes gilt für alle Neben- und Gegenbegriffe. So legen sich 67