«cash VALUE Anlegen» 2015

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Fr. 8.–

Das grosse Interview mit Oswald Grübel

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4. Februar 2015 – www.cash.ch


Limiten bei Anlagefonds setzen – direkt und exklusiv an der Schweizer Börse

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Bei vielen Produkten wie Aktien und Exchange Traded Funds wird der Einsatz von limitier­ ten Aufträgen empfohlen. Was bei Anlagefonds in der klassischen Abwicklungsvariante via Primärhandel zum Nettoinventarwert nicht möglich ist, wird bei der Schweizer Börse mit dem transparenten und liquiden Handelssegment Sponsored Funds in die Tat umge­ setzt. Geniessen Sie die vielen Vorteile des geregelten Börsenhandels – wie die Auftrags­ aufgabe mit Kurslimite. www.six-swiss-exchange.com/sponsoredfunds Besuchen Sie an der Finanz’15 unser Referat «Sponsored Funds – Anlagefonds wie Aktien an der Börse handeln» (5. Februar 2015, Gartensaal). Wir würden uns freuen, Sie auch an unserem Stand G.01 begrüssen zu dürfen.


EDITORIAL – IMPRESSUM

EDITORIAL

Das Geldverdienen an den Märkten bleibt schwierig. Die lang anhaltende Rally bei ­Aktien verzerrt die Realität. Das Anlageumfeld bleibt schwierig. Das war eines der meistgehörten Investorenmottos für das Jahr 2015. «Blanker Unsinn», mag da mancher Aktionär entgegnen. Auf Aktienanlagen verdienen die Investoren seit dem Börsentaucher Mitte 2011 prächtig. Die Sichtweise greift zu kurz. Aktionäre verkennen, dass auch sie eine Zeche zahlen. Die Zentralbanken haben mit ihrer Krisengeldpolitik und den Tiefzinsen ein künstliches Anlageumfeld geschaffen. An die Kasse kommen die Sparer, Steuerzahler, Pensionäre, bei hoher Inflation in Zukunft die Konsumenten. Also wir alle. «Die heutige Politik der Zentralbanken muss zu einem Ende kommen. Sonst ist das Geld eines Tages nichts mehr wert», sagt Oswald Grübel im Interview in diesem cash VALUE. Laut dem ExCEO der UBS und der Credit Suisse verändern nicht bloss die Zentralbanken die Märkte, sondern auch die neuen Regulierungen für Banken. Neue, heftige Börsencrashs seien so vorprogrammiert. Auch nach seinem Rücktritt als UBS-CEO als Folge des AdoboliBetrugsfalles äussert Grübel unverfroren seine Meinung – und eckt heute wie früher an damit. Zu den Bankenskandalen bei Libor und Devisen sagt Grübel etwa: «Man kann Skandale auch erfinden.» Lesen Sie ab Seite 8, warum er diese Meinung vertritt.

Ebenfalls ein alter Fuchs an den Märkten ist Joachim Goldberg. Der Ex-Händler ist Spezialist für verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie. Im Interview mit cash VALUE erklärt der «Börsenpsychologe» das Fehlverhalten der Anleger. Goldberg kommt zum Schluss: «Das Moment, Recht gehabt zu haben, ist für viele Menschen extrem wichtig. Es ist noch wichtiger als Geld verdienen.» Diese Interviews und viele andere Beiträge in dieser Ausgabe von cash VALUE zum Thema «Anlegen» sollen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Tipps und Informationen geben bei Ihren Entscheiden an den Märkten. Gerne verweise ich hier auch auf das umfangreiche Angebot der Finanzplattform cash.ch. Dort finden Sie topaktuelle News-Storys und Kursdaten, das grösste OnlineFondsangebot der Schweiz und umfassende Bankdienstleistungen. Jetzt wünsche ich Ihnen viel Lesevergnügen mit dem cash VALUE

Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Impressum cash VALUE vom 4. Februar 2015: Gedruckt als Spezialversand an Finanzindustrie und Anleger (Auflage: 30 000), als PDF auf www.cash.ch Herausgeber: cash zweiplus ag, Bändliweg 20, 8048 Zürich, Telefon: 044 436 77 77, Mail: contact@cash.ch Geschäftsführer: Urban Scherrer (CEO) Chefredaktor: Daniel Hügli Redaktion: Frédéric Papp, Ivo Ruch, Marc Forster Mitarbeit: Daniel Dubach Layout: Haus der Kommunikation, Hinterdorfstr. 9, 8702 Zollikon Produktion/Bildredaktion: Thomas Demuth, Dominik Hertach Titelbild: Nik Hunger, Zürich Anzeigen: Marco Spadacini, Head of Sales, marco.spadacini@cash.ch; Pascal Weder, Senior Account Manager, ­pascal.weder@cash.ch; Urs Wolperth, Key Account Manager, urs.wolperth@cash.ch Marketing: SilvanFranchetto Werbung: www.cash.ch/werbung Druck: Passen & Partner Copyright: cash zweiplus ag

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SCHWERPUNKTE – INHALT

INHALT

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32 25

08 INTERVIEW OSWALD GRÜBEL

22 INTERVIEW JOACHIM GOLDBERG

Der Ex-CEO der UBS und der CS kritisiert die Politik der Zentralbanken. Und gibt einen Tipp für Langfristanleger.

Der deutsche «Börsenpsychologe» gibt Tipps für Anleger. 25 HANDELN AN ILLIQUIDEN MÄRKTEN

12 DIE BESTEN AKTIENFONDS 2014 Die Aktienfonds konnten den Schwung des Vorjahres teilweise mitnehmen. Wir zeigen, wer am besten performt hat.

Aufgepasst! Bei wenig gehandelten Aktien können sich ­Investoren schon mal die Finger verbrennen. 26 DIVIDENDEN – DAS MÜSSEN SIE WISSEN

14 FOLGEN AUCH SIE STARINVESTOREN? Hobby-Anleger kopieren oft die Taten von Profi-Investoren. Dieses «Trittbrettfahren» birgt aber auch Risiken.

Auch 2015 sind Ausschüttungen für Aktionäre ein TopThema. Der Teufel liegt aber im Detail. 28 DAS SIND DIE FONDSTRENDS 2015

17 EXOTISCHE WACHSTUMSAKTIEN Preissenkungen, Transparenz, mehr Nischenprodukte. Es muss nicht immer UBS oder Novartis sein – auch kleine Unbekannte bieten für Anleger gute Chancen.

30 OBLIGATIONEN – JETZT AUFPASSEN!

18 «GOLDEN AGERS» ALS RENDITEGARANTEN

Wie verhalten sich Obli-Anlagen bei steigenden Zinsen?

Immer mehr ältere Leute, die viel Geld haben und es auch ausgeben: Diesen Trend haben Fondsmanager entdeckt.

32 DIE ZEHN GRÖSSTEN ANLEGERFEHLER Gier und Panik sind Feinde des Investors.

20 DAS EIGENE RISIKOPROFIL ERKENNEN 34 INTERVIEW PHILIPP SCHWANDER Beim Anlegen an den Finanzmärkten spielt die Börsenentwicklung eine Rolle. Aber auch die Risikobereitschaft.

Der Wein-Profi über Weinanlagen und Weinpreise.

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NEWS ANLEGEN

MEHR RISIKO DANK TIEFER LEITZINSEN Bei Anlegern steigt die Risikobereitschaft. Ausgerechnet die Zentralbanken warnen. VON DANIEL HÜGLI

S

teigende Kurse zusammen mit dauerhaft ultratiefen Zinsen verleiten Anleger zu höherem Risikoappetit an den Märkten. Das ist das Resultat einer Umfrage von State Street Corporation. Demnach erwägen mehr als drei Viertel von Pensionsfonds, in den nächsten drei Jahren höhere Anlagerisiken einzugehen. Damit wollen sie sicherstellen, dass sie ihren langfristigen Auszahlungsverpflichtungen nachkommen können. Es ist ja eines der Ziele von Notenbanken, Anleger mit der Tiefzinspolitik aus sicheren Anlageklassen wie Staatsobligationen oder starken Devisen zu locken, damit sie ihren Teil zur Ankurbelung der Wirtschaft beitragen. Bloss: Das bringt Risiken mit sich. Und ausgerechnet die Vertreter der Notenbanken warnen in letzter Zeit vermehrt vor übertriebener Spekulation. «Ein Niedrigzinsumfeld kann zu Versuchungen führen, dass in verschiedenen Marktsegmenten Blasen kreiert werden», sagte etwa der ehemalige Präsident der

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Ex-EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Video-Interview mit cash.ch. cash

Europäischen Zentralbank (EZB), JeanClaude Trichet, Ende des letzten Jahres im Interview mit cash.ch. «Das ist die unvermeidliche Konsequenz von sehr tiefen Zinsen. Dessen müssen wir uns sehr bewusst sein.» Haben die Notenbanken Angst vor den Geistern, die sie riefen?

Rechner Sie haben eine Auswahl an 13 attraktiv gestalteten und schnellen Online-Rechnern. Sie sind geordnet in die Themenbereiche Wohnen, Steuern, Vorsorge und Sparen. Börsenlexikon Das Lexikon erklärt Ihnen alle Begriffe und Stichworte rund um die Börse und die Finanzmärkte. Krankenkasse Beim Krankenkassen-Vergleich finden Sie die für Sie passende Lösung. Diesen ­Service erbringt cash zusammen mit ­MyLibery.

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Firmen schütten immer mehr Geld aus

D

ie Unternehmen weltweit schwimmen in Barmitteln. 2014 wurden als Folge davon Dividenden in Rekordhöhe ausbezahlt. In Zahlen ausgedrückt: Aktionäre kamen im letzten Jahr in den Genuss von insgesamt 1,2 Billionen Dollar. Im Vergleich zum Jahr 2013 entsprach dies einer Steigerung von 13 Prozent. Die Firmen des Swiss Market Index schütteten 36 Milliarden Franken aus. Nestlé allein zahlte den Aktionären 7 Milliarden Franken. Angesichts der anhaltend tiefen Zinsen weltweit ist die Dividende ein Ersatz geworden für Obligationen oder auch Spar-

hefte. Alternativ kaufen die Unternehmen auch eigene Aktien zurück, um ihren Berg von Bargeldern abzubauen. Das führt zu einer Verdichtung des Gewinns und tendenziell höheren Aktienkursen. Allerdings zeugen Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe auch von einer gewissen Ideenlosigkeit der Unternehmen. Denn das Geld könnten die Firmen auch für Übernahmen oder den Ausbau von Geschäftsfeldern nutzen. «Besserung» ist aber in Sicht: 2015 wird ein Anstieg der weltweiten Dividenden von nur noch vier Prozent prognostiziert.

Im Ratgeber-Teil von cash.ch finden Sparer und Anleger wertvolle Tipps. cash

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INTERVIEW OSWALD GRÜBEL

«DIE BÖRSEN KÖNNEN NOCH JAHRELANG STEIGEN» Der Ex-CEO der UBS und der Credit Suisse kritisiert die Politik der Zentralbanken. Und er hat einen Tipp für Langfristanleger. INTERVIEW: FRÉDÉRIC PAPP, DANIEL HÜGLI BILDER: NIK HUNGER

Oswald Grübel: Er war als einziger Banker Chef der Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Herr Grübel, ein deutsches Magazin schrieb einmal, Sie gefielen sich in der Rolle des «stets etwas mürrischen Einzelgängers». Trifft diese Einschät­ zung zu? Das ist die Sicht von anderen, ich selbst sehe ich mich nicht so. Ich bin ein humorvoller und positiver Mensch. Ich kann aber schon mürrisch werden, wenn ich feststelle, dass die Sachen nicht so laufen, wie ich mir das vorgestellt habe (lacht).

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Und der Einzelgänger? Als CEO eines Unternehmens ist man gewissermassen ein Einzelgänger. Sie können in einer Firma nicht viele Freunde haben. Da beginnen die Spekulationen bei den anderen Angestellten im Unternehmen. Zum Umgang mit Ihren Mitar­ beitenden gibt es viele Anekdoten, ob wahr oder falsch. Sie sollen einmal gesagt haben: «Als Hund müsste man

Sie e­ inschläfern.» Stimmt das? Nein. Das muss jemand erfunden haben. Aber dass Sie keine weissen Socken duldeten, das stimmt doch. Da gab es mal eine Zeit, in den 1980erJahren, da sind alle mit weissen Socken herumgelaufen. Ich war damals in England, und dort hat man Witze gemacht über die Schweizer in weissen Socken. Aber das hat sich dann gelegt.


OSWALD GRÜBEL INTERVIEW

Sie denken, dass an den Märkten der grösste Crash vorprogrammiert sei. Warum? Der Markt wird nicht mehr so funktionieren wie in der Vergangenheit. Wegen der neuen Kapitalvorschriften werden die Banken in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, in ihrer Funktion des Market Making einzugreifen. Das heisst, sie werden nicht mehr kaufen, wenn die Kurse sinken, und nicht mehr verkaufen, wenn sie steigen. Das kostet schlicht zu viel Kapital. Wenn also die Aktien- oder Bondmärkte das nächste Mal nach unten gehen, steht niemand hin, der dagegenhält. Und daher können Märkte viel schneller fallen als in der Vergangenheit, wie etwa im Jahr 1987. Es wird dann prozentual einen viel grösseren Crash geben.

Die Exportfirmen und den Tourismus. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wer dafür bezahlte? Sie und wir … Ja, indem wir überhöhte Importpreise bezahlen mussten. Von der Politik der SNB profitieren primär diejenigen, die Schulden haben. Ihnen nützen die tiefen Zinssätze.

«Die heutige Politik der Zentralbanken muss zu einem Ende kommen. Sonst ist das Geld eines Tages nichts mehr wert.»

Welches sind die Warnsignale für einen Crash? Es läuft immer gleich ab: Wenn die Käufer alles gekauft haben, was sie kaufen konnten. Dann dreht der Markt. Die Börsen können aber noch jahrelang steigen, wenn die Zentralbanken weiter Geld drucken. Die Notenbanken spielen heute die zentrale Rolle in den Märkten. Ja. Die Funktion, den Markt zu manipulieren, üben jetzt nicht mehr die Kommerzbanken, sondern die Zentralbanken aus. Nur beeinflussen die Notenbanken die Märkte nicht mit Market Making, sondern mit billigem Geld, mit der Schaffung von Liquidität oder mit tiefen Zinsen. Das kann nicht auf ewig so weitergehen? Das muss zu einem Ende kommen, sonst ist das Geld eines Tages nichts mehr wert. Schauen Sie sich die Bilanzsumme der Schweizerischen Nationalbank an. Die war in kürzester Zeit von 50 Milliarden Franken auf 550 Milliarden Franken angestiegen. Ich bin erstaunt, dass man das einfach so hingenommen hat. Die Kursuntergrenze von 1.20 Fran­ ken zum Euro schützte doch die Volkswirtschaft?

Für Sie war die Euro-FrankenKursuntergrenze von Anfang an eine Schnapsidee. War deren Abschaffung nun ein Sieg der Märkte? Es war eine Anpassung an die Realität, und der Zentralbank ist dafür zu gratulieren. Sie eckten als UBS-CEO bei der SNB an, als Sie sich in der «Too-big-tofail»-Diskussion für die Banken einsetzten. Ich wehrte mich, weil in der damaligen Expertenkommission die grosse Mehrheit der Mitglieder Nichtfinanzleute waren. Da musste ich Stellung beziehen. Es war eine Stresssituation für die Kommission. Und in solchen Situationen Entscheide zu fällen, ist immer gefährlich. Weshalb wehren Sie sich auch heute noch klar gegen die Regulierungen bei Banken? Man muss sein Geschäft verteidigen, das ist normal. Und ich lasse mir nicht gerne Vorschriften machen, die gegen meine Überzeugung gehen. Leider wird man dann schnell als «Antiregulierer» abgestempelt. In der Deutschschweiz und in Deutschland haben wir generell eine hohe Behördenhörigkeit.

Aber die Banken entschärfen mit ih­ ren Skandalen bei Libor oder Devi­ sen die Situation ja auch nicht. Ach, jetzt reden Sie wie alle anderen auch. Man kann auch Skandale erfinden. Man könnte meinen, bei diesen Fällen wurden Preise festgesetzt, die nichts mit dem Markt zu tun hatten. Das geht ja gar nicht. Sie müssen hinstehen und handeln. Natürlich, in einem freien Markt will jeder den Preis manipulieren. Aber ich glaube nicht, dass es viele zivile Klagen geben wird. Man kann nicht beweisen, dass der Kurs merklich anders gewesen wäre, wenn Händler gewisse Aussagen nicht getätigt hätten. Die Banken sind bestraft worden aufgrund dieser blöden Händleraussagen. Verstehen denn die Regulatoren den Markt nicht? Sie verstehen ihn sehr gut, sie sind Teil dieses Marktes. Die grossen Zentralbanken der Welt haben jederzeit genau gewusst, was im Libor-, im Gold- und im Devisenmarkt passierte. In einer freien Preisfindung versuchen die Käufer, so billig wie möglich zu kaufen, und die Verkäufer, so FORTSETZUNG AUF SEITE 10

OSWALD GRÜBEL EX-CEO UBS UND CREDIT SUISSE

Die Welt nach 2007/2008 ist doch für die Banken eine andere … Das ist so. Aber schauen Sie: Als ich 2007 bei der Credit Suisse ging, sagten mir die Regulatoren: «Ihr Risiko-Management bei der CS ist viel schlechter als das bei der UBS.» Ein Jahr später wurde der Gegenbeweis angetreten. Da sehen Sie, wie sich Regulierer täuschen können.

Nach einer Kindheit in der DDR floh Oswald Grübel (71) in den Westen nach Frankfurt. Dort machte er bei der Deutschen Bank eine Lehre. Es folgten Stationen bei White Weld Securities und CS First Boston. Ab 1998 leitete Grübel für drei Jahre das Private Banking der Credit Suisse, von 2003 bis 2007 war er CEO der CS. Bis zu seinem Rücktritt 2011 war er zwei Jahre CEO der UBS.

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INTERVIEW OSWALD GRÜBEL

FORTSETZUNG VON SEITE 9

hoch wie möglich zu verkaufen. Das wird immer so sein. Hat das Universalbankenmodell überhaupt noch Zukunft? Regulatoren wie die Finma wollen das Modell nicht mehr, weil es für sie zu viele Risiken birgt. Sie wollen die Banken indirekt dazu verleiten, das Investmentbanking auszulagern. Dann würde aber das Investmentbanking aufgrund der hohen Kapitalanforderungen stark schrumpfen, und die Finanzierung wäre viel zu teuer. Was uns wieder zum Thema volatile Märkte führt. Es gäbe dann keine grossen Handelsabteilungen mehr, die im Markt eingreifen könnten. Folglich würde höchstwahrscheinlich der Staat aktiv werden und die Börsen schliessen. Das ist eine Befürchtung, die ich habe. Und ich bin ziemlich sicher, dass das einmal passieren wird. Bringen die Regulierungen denn überhaupt etwas? Die Banken werden viel sicherer gegen Verluste, aber nicht risikolos. Das Bankgeschäft ist immer mit Risiko verbunden. Die Bankenlandschaft wird ziemlich langweilig in den kommenden Jahren. Würden Sie einem jungen Menschen in der heutigen Zeitnoch raten,

eine Banklehre zu machen? Das Bankgeschäft ist interessant, wenn Sie sich wirklich dafür interessieren. Banken sind in die gesamte Wirtschaft involviert. Aber wenn Sie das Bankgeschäft «deleveragen» (entschulden, Anm. der Red.), so wie das nun passiert, dann tangiert dies auch das Wirtschaftswachstum. Das scheinen viele nicht verstanden zu haben.

durch. Es ist also unmöglich, abzuschätzen, wie ein Fonds sich entwickelt. Deshalb sage ich: Es ist Glück, wenn langfristige Prognosen eintreffen. Also kein Anlagetipp für die nächsten 30 bis 40 Jahre? Das einzige Investment, das nachweislich seinen Wert über einen längeren Zeitraum hält, ist Gold, und in Zukunft sind es vielleicht noch Bitcoins. Bei Gold und Bitcoins ist die Produktion limitiert. Nicht so bei Geld. Die Zentralbanken können unbegrenzt Geld drucken und sagen uns das heute auch ganz klar. Es ist deshalb nicht werthaltig.

«Das einzige Investment, das seinen Wert über einen längeren Zeitraum hält, ist Gold.»

Gab oder gibt es für Sie ein Vorbild als Banker? Ich hatte das Glück, bei der CS schon früh mit Rainer E. Gut zusammenarbeiten zu können. Er war der Erste, der die Möglichkeiten der Globalisierung frühzeitig erkannte.

Sie sagten einmal, langfristiges Anle­ gen sei dumm. Warum? Also wenn ich das gesagt habe, dann war das dumm, dass ich das so gesagt habe (lacht). Aber es gibt Argumente. Nehmen Sie einen Fonds. Der wird über einen längeren Zeitraum, das heisst zwischen 10 und 30 Jahren, von sehr unterschiedlichen Leuten gemanagt. Der Fonds steigt und fällt da-

Was muss man beim Vermögens­ aufbau beachten? Man soll sich nicht auf den Staat verlassen. Vielleicht bezahlt er Ihnen in Zukunft nicht das, was Sie sich heute vorstellen. Jeder sollte Eigeninitiative ergreifen. Beim Anlegen müssen Sie etwas finden, das begrenzt ist und sich nicht beliebig vermehrt. Bei Gold bewegt sich die Produktion immer um die Marke von 3300 Tonnen pro Jahr. Aktien können kurzfristig sehr profitabel sein, und wir sind durch das lange NachkriegsWirtschaftswachstum verwöhnt worden. Aber das kann sich sehr schnell ändern. Und bei den Bonds wundere ich mich, wer sie bei diesen tiefen Renditen noch kauft. Und Immobilieninvestitionen? Das ist als so genanntes langfristiges Investment interessant. Der Nachteil steht im Namen. Immobilien lassen sich nicht immer verkaufen, wenn man will. Der andere Nachteil: Der Staat kann Sie jederzeit enteignen.

Oswald Grübel (rechts) im Gespräch mit cash-Chefredaktor Daniel Hügli (links) und cash-Redaktor Frédéric Papp (Mitte).

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Sie selber haben offenbar Mühe, Geld auszugeben? Das liegt eher am Lebensstil. Wenn ich etwas kaufen will, dann erledige ich das in allerkürzester Zeit, im Gegensatz zu meiner Partnerin (lacht). Ich lasse mir auch nichts aufschwatzen. Insofern bin ich nicht der Traumkunde der Wirtschaftswerbung.


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ANLEGEN DIE BESTEN FONDS 2014

DIE BESTEN AKTIENFONDS EINES ERNEUT GUTEN JAHRES Die Aktienfonds konnten 2014 den Schwung des Vorjahres teil­ weise mitnehmen. Die Aussichten sind nun etwas unsicherer. VON MARC FORSTER

Würze fürs Portfolio lieferten im vergangenen Jahr Fonds mit Aktienwerten aus Indien.

B

ei den Schweizer Fonds erreichten 2014 diejenigen Anlagevehikel die besten Renditen, die breit gestreut Aktien beinhalteten. Die Fondsmanager setzten auf Pharmatitel, solide Versicherungsaktien oder nichtzyklische Konsumgüter. Es sind die gleichen Aktien, die im letzten Jahr den Swiss Market Index (SMI) zogen: Nestlé, Novartis und Roche. Auch die Zurich-Aktie ist bei den Top-Fonds gut beigemischt. So auch beim zweitbesten Schweizer Aktienfonds 2014, dem «Pictet-Ethos CH Swiss Sustainable

Equities», der als Top-Positionen die gros­ sen Pharmatitel sowie Nestlé und Swisscom hält. Der beste Schweizer Aktienfonds 2014, der «AMG Substanzwerte Schweiz» des Fondshauses LB Swiss, setzte allerdings auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen wie Vaudoise, Cosmo Pharmaceuticals, IVF Hartmann oder Conzzeta. Der Fonds, der auf Firmen setzt, die einen Grossteil ihrer Aktivitäten in der Schweiz haben, erreichte 18,60 Prozent Rendite. Der breit gefasste Swiss Performance Index erreichte 11 Prozent.

«Fonds setzten auf Pharma, Versicherungen und nichtzyklische Konsumgüter.»

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© Mariusz Prusaczyk/fotolia

Bei den Fonds weltweit steht ein asiatisches Land zuoberst: Indien-Fonds erreichten Renditen bis zu 87 Prozent. Was früher eine Belastung war, ist heute eine Chance Die Parlamentswahlen in der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt im letzten Frühling haben das Vertrauen der Investoren deutlich gestärkt. Dem neuen Premierminister Narenda Modi und seiner Regierung wird zugetraut, dass sie Reformen durchführen und die Wirtschaft ankurbeln. Fonds, die auf den Ausbau der Infrastruktur in diesem wichtigen Schwellenland setzten, profitierten erheblich von der Entwicklung.


DIE BESTEN FONDS 2014 ANLEGEN

Die Infrastruktur ist genau eine der gros­ sen Baustellen Indiens: Dort besteht der grösste Reformstau. Das Schwellenland holt jetzt Versäumnisse nach. Im Dreijahresvergleich schneiden die Indien-Fonds schlechter ab. Denn noch 2013 war Indien eher ein Sorgenkind gewesen. Das Wirtschaftswachstum sank auf fünf Prozent, was sich in den Kursen widerspiegelte. Jetzt hofft man bereits wieder auf sieben bis acht Prozent Wachstum.

2015 wird nach den Prognosen der meisten Spezialisten nochmals ein gutes Jahr für Aktien und somit auch für Aktienfonds. Doch die Finanzmärkte haben auch die Risiken ins neue Jahr mitgenommen wie die ungleiche Entwicklung in den grossen Wirtschaftsräumen, mangelnde Reformbereitschaft in grossen Volkswirtschaften oder hohe Bewertungen. Und 2015 wird wahrscheinlich auch das Jahr der ersten Leitzinserhöhungen in den USA seit 2007.

SCHWEIZER AKTIENFONDS – DIE BESTEN 2014 Name

Valor

Rendite Rendite Rendite 2014, in % 3 Jahre, in % 5 Jahre, in %

AMG Substanzwerte Schweiz A

1959753

18,60

58,96

69,98

Pictet-Ethos (CH) - Swiss Sustainable Equities I dy Inc

1908724

17,44

Helvetia AST Aktien Schweiz indexiert Inc

1176850

17,20

67,33

53,97

935908

16,60

69,59

58,16

22475680

16,44

329958

16,10

87,14

65,75

Swiss Equity Discovery Fund Q

18969729

15,57

SQ Quant Swiss Equities CHF A

4473692

15,54

56,29

41,86

PowerShares FTSE RAFI Switzerland UCITS ETF

3716030

15,29

90,41

10533656

14,85

51,78

38,75

Avadis Aktien Schweiz zCapital Swiss Small & Mid Cap ZA CHF Pictet CH – Swiss Mid Small Cap-P dy CHF

Moorea Fund Swiss Entrepreneurs RC

Quelle: cash.ch, Stand: 05.01.2015

WELTWEITE AKTIENFONDS – DIE BESTEN 2014 Name

Rendite Rendite Rendite 2014 , in % 3 Jahre, in % 5 Jahre, in %

Kotak India Mid Cap A GBP Inc

11388857

87,21

Kotak Funds – India Midcap Fund B GBP Acc

11388867

85,36

Robeco Capital Growth Funds – Robeco All Strategy Euro Bonds

14195960

82,60

133,17

Comgest Growth India I EUR Acc

22385434

80,86

77,40

Amundi Funds Equity India Infrastructure A2U-C Class

19695803

80,15

76,09

- 2,30

Matthews Asia Funds – India Fund I GBP

13363451

78,42

105,82

2630552

78,04

91,40

48,33

891737

68,50

74,58

22,84

BB Biotech AG

3838999

67,76

296,78

259,56

Goldman Sachs India Equity Port I Acc

4454106

67,17

116,37

61,69

PineBridge Global Funds – India Equity Fund Y ACM Bernstein SICAV India Growth Portfolio I

Valor

Quelle: cash.ch, Stand: 05.01.2015

«Aufwärtstrend hat sich fortgesetzt» War 2014 ein gutes Fonds­ jahr? Aus volkswirtschaftlicher Sicht war das Jahr 2014 geprägt von zahl­reichen Verunsicherungen. Dennoch, Michele Porro, Head oder gerade des- Continental Europe bei zvg halb, hat sich der GAM Holding. Aufwärtstrend bei Fonds überall fortgesetzt: Das weltweite Fondsvermögen überschritt die Rekordmarke von 30 Billionen Franken. Nie waren mehr Fondsprodukte registriert und nachgefragt. Dass Fonds weiter Vertrauen gewinnen konnten, ist erfreulich. Was hat das Schweizer Fondsgesche­ hen am stärksten geprägt? Die Schweiz konnte sich den grossen Trends nicht entziehen. Absolut prägend war die asynchrone Entwicklung der Wirtschaftsräume. Die USA wuchsen kräftig, Europa stagnierte und die Schwellenländer rangen um Wachstum. Dazu kamen neue geopolitische Krisen. Grossen Einfluss hatte dies auf die Währungen, die sich deutlich auseinander entwickelten. Vor allem aktiv verwaltete Fonds, die sich flexibel positionieren, profitierten, etwa Schwellenländeroder Total-Return-Obligationenfonds. Was hat Sie am meisten überrascht? Anfang 2014 hat kaum jemand erwartet, dass die Renditen von Anleihen noch weiter so deutlich fallen würden. Zudem hat uns das letzte Jahr vor allem wieder an die Unberechenbarkeit von politischen Entwicklungen erinnert. Auch mit der KrimAnnexion durch Russland oder dem massiven Einbruch des Ölpreises hat wohl kaum jemand gerechnet. Wann und wo es zu solchen Ereignissen kommt, ist kaum vorherzusagen. Hinsichtlich Fonds bedeutet dies, dass flexibel gemanagte Strategien, etwa mit Multi-Asset-Ansatz, schneller greifen, was auch eine steigende Zahl Anleger wieder zu schätzen weiss.

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ANLEGEN TRITTBRETTFAHREN

DIE STARINVESTOREN UND IHRE FOLLOWER Hobby-Anleger kopieren oft die Taten von Profi-Investoren. Dieses Trittbrettfahren bringt aber nicht immer fette Gewinne. VON FRÉDÉRIC PAPP

U

m das «Orakel von Omaha», wie US-Starinvestor Warren Buffett von seinen Fans auch genannt wird, scharen sich unzählige Trittbrettfahrer. Seine Anlagestrategie wird von einigen Fondsmanagern sogar eins zu eins kopiert. Der Erfolg des 83-jährigen Milliardärs mit seiner kotierten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway stützt sich auf die strikte Einhaltung von Prinzipien. Zum einen verfolgt Buffett seit je einen langfristigen Anlagehorizont. Der US-Amerikaner investiert nur in Unternehmen, deren Geschäft er versteht und nachvollziehen kann. Und er sucht nach Aktien, die seiner Meinung nach unterbewertet sind – eine offene Einladung an Trittbrettfahrer. Buffett blieb diesen Prinzipien immer treu. Investiert ist er zum Beispiel bei der US-Supermarktkette Walmart, bei American Express oder Coca-Cola. Hier hält er gar rund zehn Prozent der umlaufenden Aktien. Nach der Bankenkrise ist er auch bei den arg gebeu-

Warren Buffett: Auf den US-Starinvestor schauen viele Privatanleger.

telten Banken Wells Fargo oder US Bancorp eingestiegen – ein Investment, das sich bis anhin mehrfach ausbezahlt hat. Doch auch Buffett bewies nicht immer ein glückliches Händchen. So bescherte der Kursrutsch der britischen Supermarktkette Tesco dem Börsen-Guru herbe Ver-

Larry Fink er 63-jährige Mitgründer von Blackrock, dem grössten Vermögensverwalter der Welt, gilt als mächtigster Mann der Wall Street. Der Finanzkonzern verwaltet über vier Billionen Dollar. Blackrock-CEO Lawrence D. Fink, wie er mit vollem Namen heisst, nennt Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, seinen Freund. Blackrock stellte vor zwei Jahren mit dem Ex-SNB-Präsi­ dent Phi­ lipp Hildebrand einen Kenner der Notenbankgeldpolitik an. Auch David Blumer, Ex-Anlagechef von Swiss Re, arbeitet mittlerweile für Blackrock. Der Konzern sammelt überall auf der Welt Geld von Anlegern ein und investiert es in eigene Anlagefonds. Stark

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luste. Auch seine Beteiligungen an IBM drückte auf die Gesamtperformance. Aber eben: Auf langfristige Sicht gingen Buffetts Wetten mehrheitlich auf. Mit Folgen für die Aktie von Berkshire Hathaway. Sie kostet deutlich über 200 000 Dollar und ist damit die teuerste Aktie weltweit. ist Blackrock auch in der Schweiz investiert. Mit mehreren Dutzend Milliarden Franken Anlagevolumen ist Blackrock der grösste Einzelinvestor an der Schweizer Börse, und an jedem der 20 Unternehmen im Swiss Market Index (SMI) ist Blackrock beteiligt. Oft ist Blackrock hier der grösste Einzelaktionär. Eher interessant für Trittbrettfahrer sind somit Aktien von kleineren und mittelgrossen Schweizer Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist: so von Ascom, Comet, GAM, Inficon, Helvetia, Sonova, Cembra Money Bank, Partners Group oder Swiss Prime Site. Einige dieser Titel erzielten im Zuge der langjährigen Börsenhausse schöne Kursgewinne. Allerdings ist Blackrock auch an Transocean beteiligt – der mit Abstand schlechtesten SMI-Aktie 2014.


TRITTBRETFAHREN ANLEGEN

Carl Icahn

Michael Larson

r ist der klassische Firmenschreck. Unternehmen fürchten ihn als aktivistischen Investor, der Verwaltungsrat und Management Dampf macht. Die Beteiligungen des USMilliardärs bieten daher immer wieder Nährboden für Spekulationen jeglicher Art. Icahn kauft sich bei Unternehmen ein, macht dies publik und versucht dann im Gespann mit anderen Aktionären eine möglichst hohe Dividende oder ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm herauszupressen. So geschehen bei Dell, Apple oder Transocean. Icahn machte sein Vermögen vor allem in den 1980er-Jahren, indem er Firmen, die sich in einer schwierigen Lage befanden, möglichst günstig kaufte und dann zerschlug. Die profitablen Teile veräusserte er mit hohem Gewinn wieder. Seine skrupellose Vorgehensweise war Regisseur Oliver Stone Anleitung für den Kultfilm «Wall Street». Im Depot des 78-Jährigen liegen bekannte Namen wie Apple, eBay, Herbalife oder Transocean. Doch wie Blackrock verschätzte sich Icahn bei Transocean. Wegen des Ölpreiszerfalls sackten die Aktien des Betreibers von Ölförderplattformen 2014 deutlich ab.

ine relativ unbekannte Grösse in der internationalen Finanzwelt ist Michael Larson. Gross ist aber sein Portfolio: Larson ist nämlich Vermögensverwalter des reichsten Menschen der Welt, nämlich von Microsoft-Gründer Bill Gates. Diversen Quellen zufolge soll Larson das Vermögen von Gates von 5 Milliarden Dollar im Jahr 1994 auf heute über 83 Milliarden Dollar vermehrt haben. Das entspricht einer Rendite von jährlich elf Prozent. Wie Warren Buffett wird Larson zu den wertorientierten «Buy-and-Hold»-Vertretern gezählt. Das heisst: Aktien kaufen und möglichst lange halten. Einige Milliarden Dollar von Larson bzw. von Gates stecken natürlich in Microsoft-Aktien. Einer der grösseren Posten im «Gates-Portfolio» ist auch Berkshire Hathaway (siehe S. 14) . «Dufte» findet Larson auch ein Schweizer Unternehmen, was hiesige Aktien-Nachahmer hellhörig gemacht hat: Beim Riechstoffhersteller Givaudan hält er eine Beteiligung von rund zehn Prozent. Neben diversen Immobilieninvestments ist Gates auch in Coca-Cola, Walmart, Exxon Mobile oder Canadian National Railway investiert.

Michael ­Pieper

Martin Ebner inst galt er, zusammen mit Tito Tettamanti, in der Schweiz als Börsenguru, der mit dem Slogan «Aktien verändern Ihr Leben!» in den 1990er-Jahren ganze Turnhallen füllte. Mit seinen Beteiligungsgesellschaften, den «Visionen», setzte er Firmen wie Roche unter Druck – bis es Ebner selber erwischte. Seine auf Darlehen aufgebauten Investments verloren im Börsencrash 2002 massiv an Wert und mussten dann notverkauft werden. Heute ist Ebner wieder da, und Trittbrettfahrer haben ihn wiederentdeckt. Über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex hält er Beteiligungen an Myriad Group (Handy-Software), Temenos (Banken-Software), Mobilezone (Handys) oder Ypsomed (Pharma). Dazu kommen alte Investments in Intershop (Immobilien) und Scor (Rückversicherung). 2006 übernahm er zudem die Schweizer Fluggesellschaft Helvetic Airways.

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n ihm orientieren sich viele Schweizer Investoren. Etwas heute kaufen, um es morgen wieder mit Gewinn zu veräussern, dies ist nicht das Ding von Michael Pieper. Er gilt als klassischer Langfrist-Investor. Die Franke-Gruppe ist das Kernstück seiner privaten Artemis Group. In den vergangenen zehn Jahren hat Pieper schrittweise Beteiligungen an Firmen aufgebaut, die an der Schweizer Börse kotiert sind: Feintool, Rieter, Forbo, Autoneum, Adval Tech und AFG Arbonia-Forster. Er sieht sich als eine Art Arzt, der angeschlagene Firmen zur Genesung verhilft – wie zum Beispiel bei Arbonia-Forster. Gleich wie Warren Buffett handelt Pieper nach dem Prinzip «Kaufen, was man versteht und was einem die Verantwortlichen erklären können». Bislang hat sich diese Strategie ausbezahlt: Pieper ist laut Forbes knapp 3 Milliarden Franken schwer.

Bloomberg

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GASTBEITRAG UBS FONDS

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Altersvorsorge

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Anzahl Jahre

* Erfahrungswert, basiert auf langfristiger Aktienmarkt-Entwicklung. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Betrag – was von Bedeutung für den Anlageerfolg ist. Auf dem Konto werden Ihre monatlichen Zahlungen gesammelt. Sind jeweils 250 Franken beisammen, werden sie ins Depot verschoben und investiert, ungeachtet der Marktentwicklung. Das hat wiederum sein Gutes, denn so bleibt Ihnen die Überlegung erspart, wann der richtige Zeitpunkt zum Anlegen ist. Immer richtig zu liegen, ist selbst für Profis ein Ding der Unmöglichkeit. Mit dem Fondskonto investieren Sie regelmässig den gleichen Betrag – und das automatisch. Folglich werden mehr Fondsanteile gekauft, wenn diese günstiger sind, und weniger, wenn sie teurer sind. Der resultierende Durch-

schnittskosten-Effekt erhöht die Chancen auf einen tieferen durchschnittlichen Bezugspreis. Damit hat das Warten auf den idealen Einstiegszeitpunkt ein Ende.

STEFFEN GLOS UBS Steffen Glos ist im UBS Global Asset Management tätig.


EXOTISCHE WACHSTUMSAKTIEN ANLEGEN

DIESE AKTIEN SIND FAST EINZIGARTIG Künstliche Darmausgänge, Catering, Architekten-Software: Mit Wachstumsaktien europäischer Firmen lässt sich gut verdienen. VON DANIEL HÜGLI

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ktien von Unternehmen mit einer guten Position im Konkurrenzumfeld, stabilen Kundenbeziehungen und kontinuierlich wachsenden Umsatzund Gewinnzahlen nennt man auch Wachstumsaktien. Idealerweise steigen sie über einen längeren Zeitraum und sind geringen Schwankungen ausgesetzt. In Europa gibt es eine Unmenge von Wachstumsaktien, die zum Teil mit nichtalltäglichen Produkten erfolgreich sind. Hier eine Auswahl. bpost Der Staat Belgien besitzt noch 50,01 Prozent an der belgischen Post. Die bpost-Aktien sind erst seit Mitte 2013 an der Brüsseler Börse kotiert und haben seither rund 30 Prozent zugelegt. Die bpost-Aktie ist zwar keine typische Wachstumsaktie, aber ein solider Dividendenbringer. Die Rendite beträgt satte 7 Prozent.

Sodexo füllt Kindern den Bauch – und Anlegern die Kasse.

Capita Capita ist eine der grössten Outsourcing-Firmen in Grossbritannien. Die Firma erledigt auch Jobs, die der Staat nicht gerne selber erledigen kann oder will. So schreibt C ­ apita schon mal im öffentlichen Auftrag SMS an illegale Migranten mit dem Inhalt, das Land sei zu verlassen. Die Firma kümmert sich auch um Polizei-Häftlinge in Grossbritannien. Von Mitte 2012 bis Mitte 2014 hat sich der Wert dieser Aktie verdoppelt.

Grifols Der spanische Pharmakonzern ist auf Plasma­derivate, In-vitro-Therapie und medizinische Ausrüstungen spezialisiert. Grifols übernahm vor zwei Jahren das Blutdiagnostikgeschäft von Novartis und ist seither Weltmarktführer in der Transfusionsmedizin. Die Aktien sind im spanischen Leitindex Ibex 35 enthalten und hatten in den letzten drei Jahren eine Performance von über 150 Prozent.

Coloplast Die dänische Firma ist in den Bereichen Inkontinenz, Wundheilung und künstliche Darmausgänge tätig. Coloplast profitiert auch von der demografischen Entwicklung, dass Menschen immer älter werden. Die Aktie hat ihren Wert in den letzten fünf Jahren verfünffacht.

Nemetschek Das verhältnismässig kleine deutsche Unternehmen bietet Software für Architekten und Bauingenieure an und wächst kontinuierlich (auch durch Übernahmen). Die Aktie ist seit 1999 an der Börse in Frankfurt kotiert und hat ihren Wert in den letzten eineinhalb Jahren verdoppelt.

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Schneider Electric Den französischen Konzern gibt es schon seit 1836, er war einst in der Stahlindustrie tätig. Zwischendurch stellte Schneider auch Artilleriegeschütze und Panzerwagen her. Heute ist Schneider als Elektrotechnikkonzern in über 190 Ländern vertreten. Die Aktie ist Teil des französischen Leitindex CAC 40 und hat in den letzten zweieinhalb Jahren 50 Prozent zugelegt. Sodexo Den Hauptanteil des Umsatzes erzielt der französische Konzern mit Catering und Kantinengastronomie (etwa für Schulen oder Krankenhäuser). Die Aktie ging 1983 mit 1,55 Euro an den Start, mittlerweile kostet sie über 80 Euro. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 13 Prozent.

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ANLEGEN «SENIOREN»-FONDS

DIE «GOLDEN AGERS» SIND RENDITEGARANTEN Es gibt immer mehr ältere Leute, die viel Geld haben und es auch ausgeben: Diesen Trend haben auch Fondsmanager entdeckt. VON FRÉDÉRIC PAPP

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issen Sie, wie hoch das durchschnittliche Alter eines Kreuzfahrttouristen ist? Rund 60 Jah­re. Oder welche Altersklasse sich im vergangenen Jahr einen Ferrari leistete? In Japan waren es vorwiegend Leute über 70 Jahre. Ins Bild passt Folgendes: Das Durchschnittalter eines Mercedes-BenzS-Klasse-Fahrers liegt bei 62. Die Zahlen mögen der Strassensicherheit vielleicht abträglich sein, sie zeigen aber, wo aus demografischer Sicht die Kaufkraft liegt: bei den älteren Menschen. Meret Gaugler kennt solche Zahlen. Gaugler ist Fondsmanagerin des «Golden-Age»Fonds von Lombard Odier Investment Managers. Der Fonds wurde Ende 2009 lanciert und brachte den Anlegern seither eine Rendite von über elf Prozent pro Jahr ein. Der Fonds – bislang der einzige seiner Art – investiert ausschliesslich in Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Umsätze mit dem Thema Bevölkerungsalterung erzielen. Aktien von Roche, Straumann, Estée Lauder oder Royal Caribbean befinden sich in Gauglers Fonds. Was früher Belastung war, ist heute eine Chance In den letzten fünf Jahren habe sich die Wahrnehmung der Überalterung der Gesellschaft deutlich verändert, sagt Gaugler. «Während früher primär die Lasten der Demografie für künftige Generationen thematisiert wurden, sehen heute Investoren verstärkt die Renditechancen, die mit der Kaufkraft der Babyboomer zusammenhängen.» Zur

«Golden Agers» bleiben nicht auf ihrem Geld sitzen – sie geben es zunehmend auch aus. © blende40/fotolia.com

Baby­boomer-Generation gehört, wer zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Ende der 1960er-Jahre geboren wurde. Diese Generation hat das grosse Los gezogen. Sie konnte schon früh von der Konsumneigung einer rasch wohlhabend werdenden Gesellschaft profitieren. Sie erhielt oft eine gute Ausbildung, hatte nach der Schule kein Problem, einen Job zu bekommen – und die

«Investoren sehen heute verstärkt die Renditechancen bei konsumfreudigen Alten.»

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Nachkriegsgeneration profitierte von steigenden Löhnen. USA: 70 Prozent der Einkommen sind bei Leuten über 50 Mit Folgen: In den USA liegen laut Gaugler 70 Prozent der verfügbaren Einkommen in den Händen von Menschen über 50. In der Schweiz leben rund 140 000 Millionäre, im Schnitt hat jeder 65-Jährige rund 500 000 Franken auf die Seite gelegt. Es handelt sich bei den Babyboomern im wahrsten Sinne des Wortes um eine goldene Generation. «Eine derart vermögende Generation


«SENIOREN»-FONDS ANLEGEN

«Ein erfolgreicher Investor braucht eine gute Portion Menschenkenntnis»

bleibt wahrscheinlich eine Ausnahmeerscheinung», sagt Gaugler. Als Grund nennt die Fondsmanagerin mitunter die im historischen Vergleich hohe Rendite auf praktisch allen Anlageklassen in den 1980er- und 1990er-Jahren. Zudem lebte die Generation vor den besagten Babyboomern sparsam und hatte grosse Vermögenswerte weitervererbt. Die ersten Babyboomer haben nun vor fünf Jahren das Pensionsalter erreicht. Nach Gauglers Schätzungen könnte der «Golden-Age»Trend noch etwa 20 Jahre lang andauern. Logisch, profitieren auch zahlreiche Firmen von den ausgabefreudigen Alten. Eine wohlhabende Schicht von älteren Menschen ist aber ein Phänomen von Industriestaaten. Gaugler reist denn auch regelmässig für Firmenbesuche in die USA oder nach Japan. Vor einem Aktienkauf eines Unternehmens wird auch die Bewertung des Titels angeschaut. «Wachstum kaufen zu einem vernünftigen Preis», nennt Gaugler das. Auch Treffen mit Managements sind häufig – etwa 150 bis 200 pro Jahr.

Meret Gaugler, Sie haben Physik an der ETH Zürich studiert und zu Parkinson doktoriert. Weshalb der Wechsel in die Finanzbranche? Forschung ist auf lange Sicht sehr spannend, aber der Alltag kann manchmal auch langwierig sein, gerade in monatelangen Experimentierphasen in der biologischmedizinischen Forschung. Bei den Finanzmärkten hingegen ist gerade das Gegenteil der Fall.

Ein boomender Windeln-Markt für Senioren in Japan Von solchen Reisen bringt Gaugler immer wieder Anekdoten mit, wie etwa diese: «Es mag erstaunen, aber beim Verbrauch von Windeln liegen in Japan die Senioren gegenüber Babys klar vorn.» Auch werden in Japan alte Menschen bereits von RoboterKrankenschwestern gepflegt. Das Land hat 10 Millionen Menschen, die über 80 Jahre alt sind, aber gerade einmal 300 000 Altersheimplätze. Dazu lässt Japan weiterhin sehr wenig Immigration zu. Die Robotik könnte laut Gaugler somit eines der nächsten grossen Investitionsthemen werden.

Nik Hunger

Greifen Sie in Ihrer Arbeit oft auf Ihr naturwissenschaftliches Wissen zurück? Ja, vor allem bei möglichen Investments im Gesundheitsbereich. Man ist schneller, wenn man Fachwissen hat. Und dies hebt einen von Generalisten ab, welche oft die Kommentare der grossen Brokerhäuser abwarten. Fachwissen und eine analytische Denkweise genügen aber nicht. Am Markt spielt man mit vielen anderen Playern zusammen, daher braucht ein erfolgreicher Investor auch eine gute Portion Menschenkenntnis.

MERET GAUGLER FONDSMANAGERIN Meret Gaugler ist seit März 2012 zusammen mit Johan Utterman für den «LO Funds – Golden Age» von Lombard Odier Investment Managers verantwortlich. Sie schloss 2004 ihr naturwissenschaftliches Studium an der ETH Zürich ab und doktorierte 2010 an der ETH Lausanne in Neurowissenschaften. Sie ist seit vier Jahren für Lombard Odier tätig.

Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus? Man kann seinen Tag nicht richtig planen, und auch in den Ferien ist Abschalten schwierig. Denn Unternehmensnews oder makroökonomische Richtungsentscheide können jederzeit eintreffen. Das kann mitunter zwar stressig sein, zugleich aber auch spannend. Wichtig ist, möglichst oft einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn der Markt nervös reagiert.

Wie sind Sie denn persönlich investiert? Die Privatbank Lombard Odier ist streng mit Eigengeschäften. Das «Golden-Age»Team darf aber in den Anlagefonds investieren, den es selber managt. Und ganz ehrlich gesagt, ist es mir wohl, in etwas investieren zu können, das ich selber mitverantworte.

Estée Lauder

Bloomberg

Roche

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Royal Caribbean

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DREI ANLAGE-IDEEN AUS DEM «GOLDEN-AGE»-FONDS

Das New Yorker Kosme-

Royal Caribbean ist eine

Das fünftgrösste

internationale Kreuz-

Pharmaunternehmen der

fahrtmarke. Das ame-

Welt ist bei Krebsmedi-

Produkte im Luxusseg-

rikanisch-norwegische

kamenten Weltmarkt-

ment an. Die Luxusgü-

Unternehmen verfügt

führer, bewegt sich

terhersteller bekundeten

über 23 Kreuzfahrt-

aber auch vermehrt auf

im vergangenen Jahr

schiffe, darunter auch

andere Gebiete wie zum

allerdings mehrheitlich

das weltweit grösste,

Beispiel altersbedingte

Mühe. Die Aktien von

die «Oasis of the Sea». Im letzten Jahr klet-

Augenkrankheiten. Der Genussschein stieg

Estée Lauder verteuerten sich ledliglich um

terte die Aktie über 70 Prozent.

2014 gut 8 Prozent.

rund 2 Prozent.

tikunternehmen bietet

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ANLEGEN RISIKO

JEDEM INVESTOR SEIN EIGENES RISIKOPROFIL Wollen Sie einen grösseren Geldbetrag anlegen? Beachten Sie die Aussichten an den Börsen, aber auch Ihr Risikoprofil. VON IVO RUCH

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ngenommen, Sie besitzen 100 000 Franken und möchten diesen Betrag über die nächsten fünf Jahre anlegen. Wer sich einen solchen Anlagehorizont setzt, muss sich zuallererst die wirtschaftlichen Aussichten vor Augen halten. Das passiert untenstehend in den Punkten 1 bis 3. Daraus leiten sich das eigene Risikoprofil und dann die individuelle Port­ folio-Zusammenstellung ab. 1. Wirtschaftsentwicklung Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für 2015 von den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern ein BIPWachstum von 3,7 Prozent. Für die EuroZone wird mit einem Wert von 1,1 Prozent und für die Schweiz mit 1,5 Prozent gerechnet. 2. Zinsen 2015 wird wohl das Jahr der Zinswende. Denn die wichtigste Notenbank der Welt, die US-amerikanische Federal Reserve, wird die Leitzinsen mutmasslich erhöhen. Um eine allzu grosse Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa zu vermeiden, werde die Europäische Zentralbank 2016 nachziehen, sagen Experten. Auch die Schweizerische Nationalbank wird dann nachziehen müssen. 3. Inflation Neben den wirtschaftlichen Aussichten und den Entwicklungen an der Zinsfront spielt insbesondere für langfristig orientierte Anleger die Inflationsprognose eine wichtige Rolle. In der Theorie steigen mit höheren Preisen (Inflation) auch die Gewinne der Unternehmen und ihre Dividenden. Doch davon ist Europa derzeit weit

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Anlegen als Balanceakt zwischen Risikobereitschaft und -fähigkeit. © Chlorophylle/fotolia.com WAS IST EIN RISIKOPROFIL? Ein Risikoprofil für Finanzanlagen lässt sich

vorhandene oder nicht vorhandene Alters-

durch die beiden Grössen Risikofähigkeit und

vorsorge. Risikobereitschaft hingegen beruht

Risikobereitschaft errechnen. Risikofähigkeit

weitgehend auf Emotionen des Anlegers und

beruht auf Fakten. Das sind zum Beispiel der

hängt unter anderem von den Anlagezielen

Anlagehorizont des Investors, der Kapitalauf-

und der Anlageerfahrung des Investors ab.

bau und -verzehr über die Jahre, der Anteil des

Das errechnete Risikoprofil ist auch die Basis

liquiden Vermögens am Gesamtvermögen oder

für individuelle und zielgerichtete Beratung.


RISIKO ANLEGEN

entfernt. Die anhaltend tiefen Inflationsraten von 0,3 Prozent erhöhen vielmehr die Angst vor Deflation. Anders das Bild in den USA: Dort beträgt die Inflationsrate 1,7 Prozent und liegt viel näher beim Ziel der amerikanischen Notenbank. Aus diesem ökonomischen Zukunftsszenario ergeben sich drei Portfolio-Varianten – je nach Risikoprofil.

eine Quote von rund 45 Prozent. Gleichzeitig wird der Anteil von Obligationen reduziert. Bei der Auswahl der Aktien muss allerdings vorsichtig vorgegangen werden. Eine sorgfältige und regelmässige Information ist unabdingbar. Defensive Aktien wie Roche, Nestlé oder Novartis brauchen weniger «Pflege» als konjunkturabhängige Titel, bringen im Normalfall aber auch weniger Rendite. Eine weitere Möglichkeit ist das passive Investieren über einen börsenkotierten Indexfonds (ETF). Im Risikoprofil «Ausgewogen» können zudem alternative Anlagen wie Immobilien, Edelmetalle oder Rohstoffe im Gesamtumfang von maximal 15 Prozent ins Auge gefasst werden. Gerade Immobilien können ein Portfolio weiter diversifizieren helfen. Gold gilt eher als Katastrophenschutz denn als Mittel zur Wertgenerierung.

Bei einem Aktien­ anteil ab zehn Prozent im Portfolio nehmen die Risiken für Anleger schon deutlich zu.

1. Defensives Portfolio Grundsätzlich gilt: je zurückhaltender ein Anleger, desto tiefer der Aktienanteil. Diverse Banken raten in ihrem Musterportfolio mit dem tiefsten Risikoprofil nicht zu Aktien. Einige Anlageprofis gehen sogar so weit, dass sie Aktieninvestments erst ab einem Anlagehorizont ab zehn Jahren empfehlen. Es gibt aber auch Gründe, die in jedem Fall für einen – wenn auch geringen – Aktienanteil sprechen. Allerdings nimmt das Portfolio-Risiko ab einem Aktienanteil von zehn Prozent schon deutlich zu, sagt etwa Stephan Meschenmoser, Anlagestratege bei Blackrock. Am Schweizer Aktienmarkt gibt es indessen Titel wie Swisscom, die über ihre konstant hohe Dividende auch in einem defensiven Portfolio Platz haben. Eine weitere Alternative zu Aktien kann auch ein einfaches Sparkonto sein. Auch wenn die Sparzinsen derzeit überall sehr tief sind, lohnt sich ein Vergleich. Weniger risikoreich sind Obligationen. Sie dienen als Absicherung gegen das Aktienrisiko sowie als Stabilisator und Anker in einem Portfolio. Zudem werfen Obligationen einen konstanten Zins ab. Allerdings gilt auch hier Vorsicht bei der Auswahl: Anleihen mit einem Rating, das tiefer ist als BBB, sind nicht zu empfehlen. Und Obligationen von stabilen Ländern werfen kaum mehr Rendite ab. Um die Auswahl zu erleichtern, bieten sich Obligationenfonds an. 2. Ausgewogenes Portfolio Wer etwas mehr Risiko eingehen will, kann den Aktienanteil in seinem Portfolio erhöhen. Die St. Galler Kantonalbank und Raiffeisen etwa empfehlen ihren Kunden

3. Risikofreudiges Portfolio Bei der Jagd nach hohen Renditen kommt man also an einem hohen Aktienanteil zwischen 60 und 100 Prozent nicht vorbei – allerdings mit dem entsprechenden Risiko für Kursschwankungen. In Erwartung weiterhin tiefer Zinsen in nächster Zeit fehlen vielen institutionellen Investoren (Versicherungen, Pensionskassen etc.) aber die Alternativen – was für Aktienanlagen spricht. Anleger sollten bei der Auswahl vorsichtig vorgehen. Sektoren und Regionen zum Beispiel gilt es breit zu streuen. In wachstumsstarken Märkten kann durchaus ein Übergewicht angepeilt werden. Im Bereich der Obligationen kommen Schwellenländer- und Hochzinsanleihen infrage. Und zur Diversifizierung der herkömmlichen Anlageklassen können auch Investitionen in Hedgefonds oder Derivate berücksichtigt werden. Was für alle Anleger gilt: Ein regelmässiges Überprüfen des Portfolios ist in jedem Fall Pflicht, und zwar unabhängig vom gewählten Risikoprofil. Denn je nach Veränderung der persönlichen Situation des Anlegers steht auch die Portfolio-Strategie auf dem Prüfstand.

«Billig-Fonds» sind die bessere Wahl

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ebühren trüben bei aktiv gemanagten Fonds die Rendite. Börsengehandelte Indexfonds bringen Anlegern dagegen weit mehr ein. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des US-Fondshauses Vanguard aufgrund von Daten von rund 8000 Fonds, die Investoren in der Schweiz zugänglich sind. Bei Schweizer Aktien erreichten aktiv gemanagte Fonds im Jahr 2013 eine Rendite von 5,21 Prozent, während die billigeren, indexbasierten Fonds, also Exchange Traded Funds (ETF), 6,84 Prozent einbrachten. Vanguard ist der drittgrösste Anbieter von ETF in den USA.

Computer schlagen Menschen

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uch die Hedgefonds, die für Aussenstehende oft schwer nachvollziehbare Investitionen in fast alle Anlageklassen tätigen, werden von der Computerisierung des Handels überrollt. Denn diejenigen Hedgefonds, welche Computerprogramme im Handel einsetzten, haben im letzten Jahr die höchsten Erträge der Branche erzielt. Die von Mathematikern oder Ingenieuren entwickelten Programme entdecken Preisunterschiede auf verschiedenen Märkten und nutzen diese aus. Sie verdienten 2014 vor allem viel Geld mit dem fallenden Ölpreis und mit Staatsanleihen, die viele (menschliche) Händler mieden.

Menschen haben gegenüber Computern oft das Nachsehen. © alphaspirit/fotolia.com

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INTERVIEW JOACHIM GOLDBERG

«DER ZUFALL SPIELT AN DEN MÄRKTEN EINE GROSSE ROLLE» Joachim Goldberg, der bekannteste deutsche «Börsenpsychologe», gibt Tipps für Anleger und erklärt deren Fehlverhalten. INTERVIEW: DANIEL HÜGLI BILDER: DIRK HOY

Herr Goldberg, oft hat man das Ge­ fühl, an den Börsen regiere nur der Herdentrieb. Das ist zeitweise sicher so. Die Menschen bewegen sich nun mal gerne in Herden, damit sie die Normen ausloten können. Die Menschen wollen sich an anderen Menschen orientieren, vor allem am Erfolg anderer Menschen. Und sie wollen diesen Erfolg kopieren. Daher gibt es Börsen-Gurus wie etwa Warren Buffett? Der soziale Vergleich ist für die Menschen wichtig. Vor allem der Blick nach oben ist häufig von Neid begleitet. Auf der Welt gibt es zig Millionäre und Milliardäre wie Buffett. Der hatte wohl das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort am richtigen Hebel gewesen zu sein. Milliardär zu sein hat auch viel mit Zufall zu tun. Der Zufall spielt an den Märkten eine grosse Rolle. Welches sind die grössten Fehler, wel­ che den Anlegern unterlaufen? Ich sträube mich etwas dagegen, den Zeigefinger hochzuheben. Aber der grösste Feind unserer Entscheidungen ist das Bedauern. Das heisst: In dem Moment, da ich eine Entscheidung getroffen habe, fängt sofort auch das Bedauern an, daer Gedanke, etwas falsch gemacht haben. Das hemmt dann auch künftige Ent­ scheidungen? Ja. Wir machen die künftigen Entscheidungen vom Erfolg und Misserfolg vergangener Taten abhängig. Eine Aktie springt nach dem Kauf selten gleich fünf Prozent hoch. Viele Anleger werden schnell nervös, wenn eine Aktie nicht gleich deut-

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Joachim Goldberg: «Die Politik der Zentralbanken bewirkt einen Teufelskreis. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird uns dies eines Tages um die Ohren fliegen.»


JOACHIM GOLDBERG INTERVIEW

lich steigt. Oder sie verkaufen sie auch zu schnell bei kleinen Gewinnen. Das Moment, Recht gehabt zu haben, ist für viele Menschen extrem wichtig. Das ist sogar noch wichtiger, als Geld zu verdienen. Die Menschen wollen ja gar nicht ganz grosse Gewinne machen. Wie bitte? Fragen Sie jemanden: «Wollen Sie lieber fünfmal einen Euro verdienen oder einmal fünf Euro?», wollen die meisten das Erste. Es geht um die Häufigkeit der Gewinne. Bei den Verlusten ist es genau umgekehrt. Die Menschen möchten keine kleinen Verluste. Einen Gewinn in Aussicht gestellt zu bekommen ist ein viel dramatischerer Vorgang als der Empfan eines Gewinnes.

aber meistens, dass die Gewinne nicht weit genug laufen gelassen werden. Gewinne mitnehmen ist ein Dürfen, Verluste realisieren ein Müssen. Und die oft zitierte Strategie «Buyand-Hold»? Da hat man keine Verlustbegrenzung, man nimmt aber auch die Gewinne nicht mit. Diese Strategie ist im Zug des Hochfrequenzhandels bei Anlegern wieder beliebter geworden. Das Problem dabei: Die Märkte wachsen heute nicht mehr so linear wie früher. Man kann mit Kaufen und langem Halten die Ineffizienz der Märkte auch nicht ausnutzen. Allerdings schaffen es nur wenige aktive Fondsmanager, einen Index über einen Zeitraum von 10 oder 15 Jahren zu schlagen.

«Das Moment, Recht gehabt zu haben, ist für viele Menschen extrem wichtig. Es ist noch wichtiger, als Geld zu verdienen.»

Was war denn Ihre beste Entschei­ dung an den Märkten? Ich war früher Devisenhändler und handelte mit einem eigenen Computermodell. Vor einem Feiertag im Jahr 1989 hatte ich eine grosse Dollar-Position. Dann fiel der Dollar in der Nacht auf den Feiertag um zehn Pfennig. Ich wusste nicht, ob ich die Dollar-Position gegen die Empfehlung des Computers mit Verlust verkaufen sollte. Ich tat das nicht. Am Feiertag begannen die Studentenproteste in China, und der Dollar stieg wieder um zehn Prozent. Das war eine grosse Lehre: Die Nerven in solchen Situationen nicht zu verlieren und an einem Plan und Modell festzuhalten, auch wenn die menschliche Intuition dagegen spricht. Ihr grösster Fehler? Fehler habe ich viele gemacht. Selbstrechtfertigungen etwa, oder das zu lange Festhalten an Engagements. Das ist Sturheit. Viele Leute setzen «Spielgeld» ein, um kurzfristige Gewinne an der Börse zu erzielen. Geht das auf? Der Markt ist heute sehr viel schwieriger als etwa vor 20 Jahren. Heute werden Maschinen eingesetzt, es gibt Hochfrequenzhändler. Da muss man mit Stop-LossAufträgen arbeiten, also mit der engen Begrenzung von Verlusten. Das Problem ist

Herdentrieb haben wir vor allem bei Blasen und Börsencrashs. Eine aus­ weglose Situation für Anleger? Als Anleger darf man gar nicht in eine solche Situation geraten. Vor einem Engagement muss man sich überlegen: Was unternehme ich, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant? Wenn Anleger zum Beispiel bereits zehn Prozent oder mehr verloren haben, dann rührt das daher, dass sie ihre Verluste nicht frühzeitig realisiert haben. Es fehlt oft ein Notfallplan. Die breite Masse von Anlegern ist nicht wirklich zurück bei Aktienenga­ gements. Ändert sich das wieder? Eine Aktienkultur entstand bei uns bloss in wirklich steigenden Märkten. Anleger, welche die Crashs 2002 und 2008 schmerzhaft miterlebt haben, kommen so schnell nicht zurück. Es ist aber etwas seltsam, dass die Leute ihr Geld nicht anderswo als bei Tagesgeld oder dem Sparkonto investieren. Denn dort verlieren sie real Geld.

runtergeht. Das ist ein Teufelskreis. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird uns dies eines Tages um die Ohren fliegen. Wie legen Sie Ihr Geld an? Ich verbrauche es (lacht). Nun, ich habe ja auch fünf Kinder. Immobilien-Engagements habe ich keine mehr. Ich bin sehr breit gestreut, auch in Aktien, wobei ich keine Anlageklasse besonders bevorzuge. In den nächsten Jahren steht generell eher der Kapitalerhalt im Vordergrund. Eine Frage, die bei Ihrem Nachna­ men kommen muss: Investieren Sie in Gold? Gold habe ich schon lange alles verkauft. Gold ist sicher ein Wertaufbewahrungsmittel und gut im Krisenfall. Aber es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass man mit einer bestimmten Anlageklasse todsicher durch eine Krise kommt. Die wichtigsten Tipps für Anleger? Sie müssen vor dem Investieren einen Plan haben. Der sollte auch schriftlich verfügbar sein. Darin soll stehen: Was passiert, wenn es nicht so geht, wie ich will? Wann realisiere ich frühestens die ersten Gewinne? Die Anleger sollten an den Finanzmärkten, wenn alles gut zu gehen scheint, auch nicht zu stark den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen vertrauen. Das führt zu Nachlässigkeit.

JOACHIM GOLDBERG FINANZANALYST UND BÖRSENPSYCHOLOGE Der Deutsche Joachim Goldberg (58) ar-

Aber weshalb sind denn die Anleger noch immer so misstrauisch? Sie trauen der Markthausse nicht, die wir seit 2008 sehen. Das hat mit der Politik der Zentralbanken zu tun. Diese drucken immer wieder Geld, sobald es an den Börsen

beitete nach einer Banklehre 25 Jahre bei der Deutschen Bank. In den 90er-Jahren begann er sich mit «Behavioral Finance» (verhaltens­orientierte Finanzmarkttheorie) zu beschäftigen und schrieb Bücher wie etwa «Genial einfach entscheiden» (2013).

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Unsere Werte: Familienbesitz & Tradition Die nachhaltige Entwicklung Ihres Familienbesitzes geniesst bei uns oberste Priorität. Eigentum und Vermögen zu erhalten und sie über Generationen hinweg zu vermehren, gehört seit 1841 zu unseren Grundwerten.


MÄRKTE ANLEGEN

WIE ANLEGER AN ILLIQUIDEN MÄRKTEN HANDELN Bei wenig gehandelten Aktien können sich Investoren schon mal die Finger verbrennen. Das sind die wichtigsten Tipps. VON IVO RUCH

S

o genannte Nebenwerte sorgen am Schweizer Aktienmarkt immer wieder für Aufsehen. Mit Kursgewinnen von 100 Prozent und mehr gehörten Titel wie Norinvest, Myriad oder Santhera 2014 zu den allerbesten Aktien. Kein Wunder, dass solche Renditen bei Anlegern regelmässig für glänzende Augen sorgen. Doch neben satten Gewinnen können Nebenwerte auch ein grosses Risiko mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass sich interessierte Anleger gut über ein Unternehmen informieren und nicht auf kurzfristige Kursexplosionen schielen. Bei tiefen Volumen stets mit Limiten arbeiten «Am besten macht sich ein Anleger selbst ein Bild eines Titels und beschränkt sich dabei auf gewisse Kennzahlen», sagt André Spillmann, Experte für Schweizer Aktien und ausserbörslichen Handel bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Eine wichtige erste Anlaufstelle bei kleinen, aber kotierten Aktien ist das Orderbuch. «Sind dort wenige Aufträge verzeichnet, deutet das auf fehlende Market-Maker hin», so Spillmann. Das könne wiederum ein Hinweis auf fehlende Liquidität sein und zu unerwarteten Kurssprüngen führen. Zudem könne das Orderbuch Hinweise auf ausbleibende Käufer geben. Grundsätzlich rät der ZKB-Experte von so genannten Bestens-Aufträgen ab. Damit wird ein Börsenauftrag bezeichnet, der ohne Preislimit erteilt wird. Ein Vorteil ist zwar, dass der Auftrag ohne Limite schneller über die Bühne geht. Ein gewichtiger Nachteil kann aber sein, dass die Aktie zu einem zu tiefen Preis verkauft wird – eine Gefahr, die vor allem bei Aktien mit wenig Handelsvolumen besteht. «Je kleiner ein Titel, desto

Kaufen und Verkaufen: Heikle Sache an illiquiden Märkten.

gefährlicher ist dieses Vorgehen», warnt Spillmann. «Bei illiquiden Titeln sollten Anleger stets mit Limiten arbeiten.» Wer im ausserbörslichen Handel auf Aktiensuche geht, hat in der Regel weniger Informationen zu einer Firma zur Verfügung. Denn diese werden kaum von Aktienanalysten abgedeckt. In diesem Fall ist der Geschäftsbericht eines Unternehmens die unverzichtbare Informationsgrundlage für Anleger. Eine fehlende Analystenabdeckung für eine Aktie kann aber auch ein Vorteil sein. Denn so entfernt man sich von der breiten Anlegermasse. Die Wahl der Handelsplattform kann entscheidend sein Auch im ausserbörslichen Handel sieht Spillmann generell «sehr interessante Titel mit guter Substanz und interessanter Di-

© fotogestoeber/fotolia.com

vidende». Als Beispiele nennt er die Aktien von Auto Holding, Bernexpo Holding oder Wasserwerke Zug. Diese Titel können zum Beispiel bei den ausserbörslichen Handelsplattformen der ZKB oder der Berner Kantonalbank gehandelt werden. Ein Unternehmen kann auf mehreren solcher Plattformen vertreten sein. Das ist jeweils ein gutes Zeichen für die Liquidität des Titels. Die Wahl der Plattform könne beim Handel mit nicht kotierten Nebenwerten aber entscheidend sein, sagt Spillmann. Denn die Aktie kann zu unterschiedlichen Preisen gehandelt werden. Allgemein gilt: Aktien mit tiefen Handelsvolumen eignen sich vor allem für längerfristig orientierte Anleger. Denn laut Spillmann zahlt sich ein Nebenwerte-Engagement unter Umständen erst nach mehreren Jahren aus.

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ANLEGEN DIVIDENDEN

DAS MÜSSEN ANLEGER ÜBER DIVIDENDEN WISSEN Auch 2015 sind Ausschüttungen der Firmen ein Top-Thema für ­Investoren. Bei Dividenden gibt es aber viele Details zu beachten. VON IVO RUCH

D

ividenden stehen in guten Börsenzeiten selten im Vordergrund bei Anlegern. Wenn die Märkte aber anspruchsvoller werden, wie es für 2015 viele Experten erwarten, oder wenn die Leitzinsen tief bleiben, dann werden dividendenstarke Titel bei Anlegern wieder beliebter. So zahlen die börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz seit mehreren Jahren im Durchschnitt Dividenden aus, die höher sind als der Zins der Schweizer Bundesobligationen. Anleger, die auf Titel mit attraktiven Dividenden setzen möchten, müssen aber einiges beachten. Das sind die wichtigsten Punkte:

1. Ex-Dividend-Day Der Zeitpunkt des Aktienkaufs im Hinblick auf die Dividende kann entscheidend sein. Dabei ist das Auszahlungsdatum der Dividende von Bedeutung. Die Saison der Generalversammlungen (GV), an denen die Höhe der Ausschüttung abgesegnet wird, fällt in der Schweiz in der Regel auf die Monate März und April. Wenige Tage nach den Aktionärsversammlungen, am sogenannten Ex-Dividend-Day, wird dann die Dividende an die Aktionäre ausbezahlt. Anspruch auf eine Dividende haben nur Anleger, die am Stichtag im Besitz der Aktien sind. Wer sich die Dividende noch ergattern und auf Nummer

sicher gehen will, kauft sich die Aktien am besten noch vor der GV. Mit dem Nachteil, dass die Aktie wegen der Aussicht auf Bar­ ausschüttung schon von vielen Anlegern gekauft wurde und daher gestiegen ist. 2. Dividende geht vom Kurs weg Die Aktien sinken am Ex-DividendDay um den Frankenwert der Dividende. Ein Beispiel: Eine Firma zahlt eine Dividende von 5 Franken aus, und die Aktie dieser Firma steht am Vorabend der Auszahlung bei 235 Franken. Dann startet diese Aktie am Ex-Divi-

Wieviel Geld erhält der Aktionär für sein Investment? Die Dividende ist ein entscheidender Faktor für die Anlagerendite.

26

Keystone


DIVIDENDEN ANLEGEN

Div. Rend. Perf. 2014 in % in %

Titel Transocean

14

–58

Swiss Re

10

2

Walter Meier

7

–29

Bellevue Group

7

6

Intersport

6

–11

Cie. Fin. Tradition

6

–13

BCV

6

11

Carlo Gavazzi

6

1

Kardex

6

18

Intershop

6

6

Quelle: cash, Stand: 31.12.2014

dend-Day 5 Franken tiefer in den Handel, also bei 230 Franken. Kauft man einen Titel also kurz vor dem Stichtag und stösst ihn gleich wieder ab, kann man zwar die Dividende einstreichen. Diese wird aber durch den anschliessenden Kursrückgang gleich wieder weggefressen. 3. Nach der Dividendenauszahlung einsteigen Eine hohe Dividende kann daher auch ein Grund sein, dass Anleger die Aktie nach der Auszahlung kaufen. Denn je höher die Dividende, desto grös­ ser der Abschlag – und desto höher auch das Aufholpotenzial der betreffenden Aktie nach dem DividendenKnick. In einem positiven Börsenumfeld stehen die Chancen ganz allgemein gut, dass der Abschlag wieder aufgeholt wird, sagt Martin Hüsler, Teamleiter Aktienresearch bei der Zürcher Kantonalbank. Viele Anleger benutzen den Dividendenknick als Kniff – nämlich zum Einsteigen. Dafür spricht auch die tiefere Bewertung. Denn rein rechnerisch passt sich bei einem Wertverlust der Aktie auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis nach unten an – die Aktie wird günstiger und für Anleger attraktiv.

4. Steuern und Gebühren Weil die Dividende wie ein Einkommen versteuert werden muss, kann das unter Umständen ins Geld gehen. Wer beispielsweise in der Stadt Zürich 100 000 Franken verdient, ledig und konfessionslos ist, versteuert eine Dividende von 1000 Franken mit 138 Franken – für verheiratete Personen sind es 108 Franken. Weil bei Aktientransaktionen immer auch Gebühren anfallen, kann die Dividendenzahlung so vollends zum Nullsummenspiel werden. 5. Steuerbefreite Dividende Verschiedene Firmen zahlen den Anlegern steuerbefreite Dividenden in Form von Kapitalrückzahlungen aus. Dies ist dank der Unternehmenssteuerreform II seit 2011 möglich. Davon können Anleger auch 2015 bei verschiedenen Titeln profitieren. Laut Schätzungen werden in diesem Jahr rund ein Drittel der Ausschüttungen der 100 grössten Schweizer Firmen für das Geschäftsjahr 2014 steuerfrei fliessen. So etwa bei Actelion, ABB, Aryzta, Clariant, Credit Suisse, Holcim, Lonza, Swiss Life oder Zurich Insurance.

DIVIDENDEN: HIER GIBTS VIEL BARES Dividendenperlen im SMI Im Swiss Market Index (SMI) wies die Aktie des Ölserviceunternehmens Transocean Ende 2014 die mit Abstand höchste Dividendenrendite aus (siehe Tabelle links). Doch hohe Renditen

sind

blosse

Momentaufnahmen.

So drohen Transocean wegen des gefallenen Ölpreises und Überkapazitäten massive Dividendenkürzungen. Beste Aussichten für steigende Dividenden geben Experten dem SMI-Unternehmen Givaudan (Bild). Mögliche Sonderdividenden machen die Aktien von

Keystone

DIE HÖCHSTEN DIVIDENDEN

UBS und Swiss Re attraktiv. Stabile und bestenfalls leicht steigende Dividenden sind bei Nestlé, Roche und Novartis zu erwarten. Dividendenperlen im SPI Sie treten kaum je ins Rampenlicht. Doch

6. Was noch zu beachten ist Der Dividendentitel schlechthin im SMI ist Swisscom. Aber auch die defensiven Schwergewichte Roche, Nestlé oder Novartis sind beliebt, ebenso die Versicherungswerte Swiss Re und Zurich. Die Dividende darf indes nicht isoliert betrachtet, sondern muss in einem zukünftigen Kontext bewertet werden. Eine hohe Ausschüttung ist nur attraktiv, wenn sie auf einer gesunden Bilanz und einer weiterhin stabilen Cashflow-Entwicklung basiert, wie das etwa bei Swisscom der Fall ist. Wer sich in Sachen Dividende nicht mit Einzeltiteln und Einstiegsgelegenheiten auseinandersetzen möchte, sollte den Kauf eines Dividendenfonds erwägen. So kann nicht nur das Risiko verteilt, sondern auch die Dividendenbesteuerung umgangen werden. Allerdings fallen bei Anlagefonds Gebühren an.

In einem positiven Börsenumfeld stehen die Chancen gut, dass die Aktie den Abschlag der Dividende aufholen kann.

auch kleinere und mittelgrosse Schweizer Firmen im Swiss Performance Index (SPI) weisen konstant hohe Dividendenrenditen von über fünf Prozent bei stabilem Geschäftsverlauf aus. Zu nennen sind insbesondere Burkhalter (Elektrotechnik), Valora (Handel), Cembra Money Bank (Kreditbank) oder Swiss Prime Site (Immobilien). Dividendenperlen in Europa Solide finanzierte Unternehmen mit Dividendenrenditen von über fünf Prozent finden sich in Europa vor allem in Skandinavien. Spitzenreiter sind die Finanzhäuser Swedbank und Nordea (Renditen über sieben Prozent). Andere interessante Dividendenbringer sind Total (Versorger), Deutsche Telekom (Telecom), Allianz (Versicherung) oder Imperial Tobacco (Tabak). Dividendenperlen der Zukunft Diese Schweizer Firmen könnten in Zukunft mit höheren Dividenden überraschen: Adecco (Arbeitsvermittler), Swatch und Richemont (Luxus, Uhren) sowie Lindt & Sprüngli (Schokolade). In Europa könnten dies sein: Heineken und SABMiller (Bier), Continental (Reifen) oder Bayer (Chemie).

dhü

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ANLEGEN FONDSTRENDS

DER VERDRÄNGUNGSKAMPF GEHT IN EINE NEUE RUNDE Mehr Nischenprodukte und weitere Preissenkungen bei Exchange Traded Funds: das sind die Fondstrends für dieses Jahr. VON MARC FORSTER

A

uf den ersten Blick bleibt alles beim alten: Tiefe Zinsen machen Anleihefonds unattraktiv, und das billige Zentralbankgeld kurbelt die Aktienmärkte und so auch Aktienfonds an – wenn denn 2015 und darüber hinaus alles so bleibt, wie es ist. Deswegen werden auch Fondsmanager weiterhin sämtliche Rauchwölkchen im Auge behalten, die über den Zentralbanken aufsteigen werden. Bei den traditionellen Anleihefonds dürfte Geld abfliessen. Nur sehr aktiv verwaltete Anleihefonds, die das absolute Renditeziel im Auge behalten, haben eine Chance, wie Matthias Weber vom Zürcher Fondsresearch-Haus ifund services sagt. Daneben richtet sich das Augenmerk der Anleger mehr auf Nischenprodukte: Weber nennt etwa Cat Bonds oder Mikrofinanz. «Man kann die verrücktesten Dinge kombinieren» Der traditionelle Obligationenfonds habe angesichts der tiefen Zinsen eigentlich kaum eine «Daseinsberechtigung», sagt auch Rolf Maurer, Partner bei Bevag Better Value. Eine Kombination verschiedenster Obligationenstrategien und -segmente in einem einzigen Fonds könne jedoch nach wie vor attraktiv sein. Fondsmanager mischen laut Maurer immer mehr Anlagen: «Man kann die verrücktesten Dinge kombinieren: Long-Only-Strategien mit Hedgefonds-Konstruktionen, ein Mix verschiedener Schuldnerkategorien, also die Kombination völlig unterschiedlicher Alpha-Quellen. Auch Absolute-Return-Strategien spielen eine wichtige Rolle und dürften als Ersatz für klassische Obligationen an Bedeutung gewinnen.» Tiefe Zinsen und hohe Bewertungen dämpfen die Renditeerwartungen bei Aktien-

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Ein Tajine-Laden in Marokko: Immer mehr Anlage-Fonds investieren im Bereich Mikrofinanz. © piccaya/fotolia.com


FONDSTRENDS ANLEGEN

fonds. So werden die Kunden die Kostenfrage stellen. Das mache sich vor allem bei aktiv gemanagten Fonds bemerkbar, so Matthias Weber: «Die Asset Manager lancieren neue Anlageklassen für Kunden mit Beratungs- und Vermögensverwaltungsmandaten. Damit werden aktive Fonds im Vergleich zu ETF günstiger, weil Vertriebskommissionen durch Beratungsgebühren ersetzt werden. Letztere sind für aktive Fonds und ETF meist gleich hoch.» Der Siegeszug der ETF wird sich fortsetzen Stichwort ETF (Exchange Traded Funds): Kaum ein Experte bezweifelt, dass der Trend zu indexbasierten Fonds unterbrochen werden könnte – zumal gerade die tiefen Gebühren diese Anlageklasse, welche Indizes wie etwa den SMI nachzeichnet, so erfolgreich macht. Auch die breite Diversifikation und die leichte und preiswerte Handelbarkeit blieben grundlegende Argumente für ETF, sagt Andreas Homberger vom auf ETF spezialisierten Vermögensverwalter Hinder Asset Management. Zudem seien ETF in Europa trotz des starken Wachstums der letzten Jahre immer noch wenig verbreitet. In den USA sind sie ein Massengeschäft.

sche A-Shares, also in Yuan gehandelte, an chinesischen Börsen kotierte und für Ausländer beschränkt erhältliche Aktien, wozu einige ETF aber direkten Zugang haben. Ein zweiter Bereich seien Spezialsegmente des Obligationenmarktes. «ETF mit Währungsabsicherung sind stark im Kommen» Der zweite Trend entspringt der Volatilität der Devisenmärkte: «ETF mit Währungsabsicherung sind stark im Kommen», so Homberger. Ein dritter Trend spiele sich im Bereich «Alternative Beta» ab, wo es darum gehe, ETF auf Indizes mit anderen Gewichtungsmethoden anzubieten: Der «Standard» bei einem indexbasierten Fonds ist die Gewichtung der enthaltenen Aktien nach Marktkapitalisierung. Bei alternativen Verfahren richte sich die Fondszusammensetzung nach dem Bruttoinlandprodukt, oder es würden alle Titel oder deren Anteil am Gesamtrisiko gleich gewichtet. «Wir stehen dieser Entwicklung eher skeptisch gegenüber», so Homberger.

Breite Diversifikation sowie leichte und preiswerte Handelbarkeit sprechen weiter für Exchange Traded Funds.

Der Spielraum für Preissenkungen ist geringer geworden Trotz allem wird sich der Preiskampf bei den ETF auch hierzulande fortsetzen. Dieser wird heftiger, weil auf dem Markt für ETF der Verdrängungswettbewerb zunimmt. Mehr und mehr dürften die ETFHauptmärkte von wenigen Anbietern dominiert werden, heisst es bei Hinder Asset Management. Der Spielraum für Kostensenkungen ist allerdings deutlich geringer geworden. Laut Homberger sind die Preise bei den indexbasierten Anlagefonds schon stark zurückgenommen worden: «Die Preise in Europa haben sich den amerikanischen Preisen schon stark angenähert.» Bei Hinder beobachtet man mehrere Trends im ETF-Markt. Zum einen werde das Spektrum breiter, sagt Homberger: So gebe es inzwischen auch ETF auf chinesi-

Vor allem kleinere ETF haben keine einfache Zukunft vor sich ETF gewinnbringend zu vertreiben, ist für kleine Anbieter nicht einfach, vor allem, wenn eine physische Replikation erfolgt, wenn also ein Index vollständig nachgebildet wird. So hat auch beim grossen Asset Manager Blackrock eine Konsolidierung von Fonds stattgefunden. Am Markt wird davon gesprochen, dass ein ETF-Anbieter mindestens 20 Milliarden Dollar Vermögen benötigt, um das Geschäft profitabel zu betreiben. Die kleinen ETF drohen angesichts dieser Situation unterzugehen. Bei der Kostenfrage «im Sandwich» sind vor allem semiaktive Fonds, die nahe am Index hängen. Diese würden, sagt Matthias Weber von ifund services, kaum die Gebühren senken – das habe sich schon in der Vergangenheit gezeigt. Als Folge davon würden die Manager entweder die entsprechenden Fonds schliessen oder dann die Gebühren besser rechtfertigen, indem sie die Anlagepolitik aktiver gestalteten.

Die Fonds mit den meisten Geldern

Der grösste Fonds ist 350 Milliarden Franken schwer. © Luftbildfotograf/fotolia.com

D

ie zehn grössten Fonds der Welt verwalten Kundengelder in der Höhe von mehr als zwei Billionen Franken. Allein der schwerste Fonds der Welt, der «Vanguard Total Stock Market Index», vereinigt etwa 350 Milliarden Franken auf sich. Das Produkt von Vanguard ist ein Exchange Traded Fund. Ebenfalls ein börsenkotierter Indexfonds liegt auf Platz zwei der Rangliste der weltgrössten Fonds: Der «SPDR S&P 500 ETF Trust» des Anbieters State Street. Platz drei geht an den «Vanguard 500 Index Fund». Auf Platz fünf abgerutscht ist der legendäre «Pimco Total Return Fund». Der Fonds lag in den fünf Jahren vor 2013 jeweils an der Spitze. Er wurde gemanagt von «Obligationen-König» Bill Gross, der 2014 zu Janus Capital wechselte. ANZEIGE

«Erlauben Sie sich, gesund und schön zu sein.» Mein Therapieangebot umfasst Teil- oder Ganzkörpermassage im Zusammenspiel von europäischen und asiatischen Massage-Methoden wie auch medizinisch-ästhetische Behandlungen. In die Massage integriere ich meine Kenntnisse der Chiropraktik und von osteopathischen und kraniosakralen Techniken.

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ANLEGEN OBLIGATIONEN

ANLEGER VON OBLIGATIONEN MÜSSEN NUN AUFPASSEN Wie verhalten sich Obligationenanlagen bei steigenden Zinsen? Ein Blick zurück bringt überraschende Erkenntnisse. VON DANIEL DUBACH

D

as Jahr 2014 war ein Jahr der Rekordtiefs bei den Marktzinsen. Eine nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Eher drohen weiter sinkende Preise und Zinsen und damit Deflation statt Inflation. Dennoch sicher ist: Die Zinsen werden über kurz oder lang wieder steigen – besonders dann, wenn es niemand erwartet. Vorausschauende Anleger machen sich daher jetzt schon die Zusammenhänge zwischen Marktzins- und Wertentwicklung von Obligationenanlagen bewusst. AAA-Firmenanleihen verlieren bei Zinsanstieg Welton Investment hat nachgerechnet und für den US-Markt untersucht, wie sich Zinserhöhungen in der Vergangenheit auf den Wert von Obligationen ausgewirkt haben. Die Resultate erlauben durchaus auch Rückschlüsse auf das Verhalten in anderen Märkten. Seit 1920 gab es acht Phasen, in denen sich die Zinsen deutlich nach oben bewegt haben. Obligationen gleich welcher Art verlieren bei steigenden Marktzinsen immer an Wert (siehe Erklärung, Kasten rechts). Die Studie hat den Preiseffekt bei AAA-Unternehmensobligationen, also solchen mit bester Kreditqualität, genauer berechnet. In der Spitze liegen die Verluste innerhalb dieser Zinsanstiegsperioden bei AAA-Firmenanleihen zwischen 7 und 24 Prozent – je nach Stärke und Länge des Zinsanstiegs. Eine so hohe Verlustmöglichkeit selbst für erstklassige Obligationen überrascht. Betrachtet man die gravierendsten Phasen, so war der maximale Verlust 2,2- bis 4,5-mal grösser als der durchschnittliche Gewinn, der sich dank den regelmässigen

30

Ein Anlegertraum: Die Zinskurve mit sanfter Gewalt umdrehen.

© bramgino/fotolia.com

OBLIGATIONENPREIS UND Z ­ INSÄNDERUNGEN Weshalb fallen die Obligationenpreise, wenn

ferem Coupon verliert demnach an Attraktivi-

die Marktzinsen steigen, und umgekehrt? Die

tät. Sie wird im Sekundärmarkt nur wieder ge-

Rendite einer Obligation setzt sich aus zwei

kauft, wenn sich die Bewertung entsprechend

Komponenten zusammen: aus einem jährli-

nach unten anpasst, das heisst, die Obligation

chen Zinscoupon und aus einem Kapitalge-

sinkt im Preis.

winn oder Verlust durch Bewertungsänderun-

Genau umgekehrt verhält es sich, wenn die

gen.

Marktzinsen sinken. Dann steigen nämlich die

Wenn eine Obligation herausgegeben wird,

Preise der sich bereits im Umlauf befinden-

entspricht die Höhe des Zinscoupons meist

den Obligationen. Dieser positive Werteffekt

mehr oder weniger dem aktuellen Marktzins­

war in den vergangenen 20 Jahren mit mehr

niveau. Steigen nun die Marktzinsen an, ver-

oder weniger stetig fallenden Zinsen zu beob-

liert die Obligation an Wert, weil ein Investor,

achten. Zwischen dem Wert einer bereits lau-

der in neu ausgegebene Obligationen investie-

fenden Obligation einerseits und den Markt-

ren würde, nun einen höheren Coupon erzielen

zinsen andererseits besteht also ein inverses

könnte. Die bereits laufende Obligation mit tie-

Verhältnis.


OBLIGATIONEN ANLEGEN

Zinscoupons realisieren liess. Insbesondere die 1970er- und 1980er-Jahre waren gekennzeichnet durch scharfe Zinsanstiege in relativ kurzer Zeit, während in den 1950er- und 1960er-Jahren ein schleichender Zinsanstieg über lange Zeit stattfand. Entscheidend ist das Ausgangsniveau bei den Zinsen Aus heutiger Sicht mit rekordtiefen Zinsen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man zukünftig mit Obligationenportfolios jahrelang im Minus liegt. Entscheidend für die Länge der Verlustperiode ist nämlich nicht in erster Linie der absolute Zinsanstieg, sondern das Ausgangsniveau. Sind die Zinsen bereits hoch, führt ein weiterer Zinsanstieg zu einer kürzeren Verlustperiode, weil die hohen, ausbezahlten Zinscoupons besser die Kursverluste kompensieren. Sind die Marktzinsen vor dem Anstieg dagegen wie heute sehr tief, vermögen die mickrigen Zinscoupons die negativen Kurseffekte viel schlechter zu kompensieren, was zu längeren Verlustphasen für Obligationen führt. Deshalb litten Obligationenportfolios zwischen 1954 und 1963 am längsten, da der Ausgangszins lediglich 2,85 Prozent betrug. Umgekehrt Ende der 1970er-Jahre, als ein starker Zinsanstieg ab bereits hohem

Marktzinsniveau von 7,9 Prozent über hohe Coupons schneller wettgemacht werden konnte. Zukünftige Verlusterwartungen für Obligationenportfolios Welche Effekte haben solche Szenarien auf ein heutiges Obligationenportfolio? Im Schnitt ergibt sich über rund drei Jahre ein jährlicher Verlust von 7,3 Prozent. Steigen die Zinsen wie 1987/88 sehr schnell an, verliert ein AAA-Firmenanleihen-Portfolio in einem Jahr über 40 Prozent. Nur wenn die Zinsen wie Ende der 1950erJahre langsam steigen, ist der Verlust auf Jahresbasis gering. Man verdient aber auch während praktisch sechs Jahren nichts. Selbst ganz sachte steigende Zinsen führen zu Verlusten. Weil die Zinsen heute auf Rekordtiefs liegen, ist der negative Effekt von Marktzinserhöhungen also so ausgeprägt wie kaum je zuvor. Es ist deshalb dringlicher denn je, das Portfolio breiter auf verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren. Einzelobligationen aus Emission kaufen und bis zum Verfall halten ist eine Option. Man verdient damit wenigstens den Coupon und braucht sich nicht um die Preisentwicklung zu kümmern. Voraussetzung ist allerdings, dass man das Geld in der Zwischenzeit nicht braucht. Man bindet es also für die Laufzeit der Obligation.

Dringlicher denn je gilt: Anleger müssen ihr Portfolio breiter auf verschiedene Anlageklassen diversifizieren.

ZINSENTWICKLUNG UND OBLIGATIONENPREISE Zinsanstiegsszenario Langsamer Zinsanstieg (wie Ende 1950er-Jahre)

Zinsanstieg und Dauer

Jährlicher Wertverlust Obliga­ tionenportfolio* Bemerkung

+1,8% über 69 Monate

0,03% Minimale Verluste, da Couponzinsen Wertverluste kompensieren

Schneller Zinsanstieg (wie 1987/88)

+2,2% über 7 Monate

43,6% Grosse Wertverluste innerhalb kurzer Zeit. Couponzinsen können Geschwindigkeit des negativen Preiseffekts nicht kompensieren

Durchschnittsszenario (aufgrund der letzten 90 Jahre)

+3,0% über 35 Monate

7,3% Grosse Wertverluste über eine längere Zeitperiode. Couponzinsen vermögen negativen Preiseffekt nicht zu kompensieren

*Errechneter Wertverlust für ein Portfolio, das aus AAA-Unternehmensanleihen besteht.

Verhilft zu guter Rendite: Novartis. bloom

Die besten Schweizer Langzeit-Fonds

D

er Schweizer Aktienfonds mit der besten Performance über die letzten zehn Jahre ist der «Raiffeisen Swiss Stock Futura A». Seit 2004 erzielte er eine Rendite von 230 Prozent. Das zeigen Daten von Lipper. Die beiden grössten Positionen im Fonds sind die Pharmaunternehmen Roche und Novartis. Auf Platz zwei der besten Langzeit-Fonds kommt der «Deka Schweiz» mit einer Rendite von 190 Prozent. Die Bronzemedaillie geht an den «UBAM Swiss Equity AC CHF» von UBP. Er brachte den Anlegern 175 Prozent ein.

Auf das setzen Anleger 2015

L

aut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZWE) gelten unter Finanzmarktexperten vor allem Aktien und Rohstoffe als lohnende Investitionen für das Jahr 2015. Staats- und Unternehmensanleihen sind am wenigsten begehrt. Das waren vor allem Staatsanleihen allerdings schon bei der gleichen Umfrage Ende 2013, und trotzdem erzielten «Sovereign Bonds» im letzten Jahr stattliche Renditen. Auch Aktien rentierten 2014 gut; nun wird dieser Anlageklasse erneut viel zugetraut. Rohstoffen, der zweitbeliebtesten Anlageklasse, wird nach dem schwachen 2014 einiges an Erholung prophezeiht.

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ANLEGEN STOLPERFALLEN

DAS SIND DIE ZEHN GRÖSSTEN FEHLER DER ANLEGER Gier, Panik, Desinformation: Anleger machen Fehler zuhauf, gerade Einsteiger. cash nennt die gröbsten Stolperfallen. VON IVO RUCH

1. Wertpapiere handeln ohne Basiswissen Stürzen Sie sich nicht Hals über Kopf in den Handel mit Wertpapieren. Jede Anlagekategorie hat ihr eigenes Chancen-Risiko-Profil. So sind zum Beispiel Aktien in der Regel risikoreicher als Fonds oder Anleihen. Informieren Sie sich über zentrale Grundbegriffe und die wichtigsten Regeln des Handels. So bleiben Ihnen böse Überraschungen in Form von unerwarteten Kosten und Verlusten erspart. Einige Handelsplattformen bieten günstige TradingGebühren in Form von Einheitstarifen an. 2. Auf Pump investieren Auf keinen Fall sollten Sie mit geliehenem Geld in Wertpapiere investieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kapital von einer Bank oder dem Bekanntenkreis kommt. Haben Sie noch nicht genügend Startkapital zusammen, dann legen Sie regelmässig einen «Batzen» auf die Seite. Geld, das Sie an den Finanzmärkten anlegen, sollte bei Verlust nicht an einem anderen Ort fehlen. Mit anderen Worten: Nur Geld investieren, auf das man bei einem Totalverlust problemlos verzichten könnte. 3. Anlagetipps blind vertrauen In der Börsenwelt kursieren unzählige Börsenbriefe, Finanzwebsiten oder E-Mails mit Anlagetipps, die himmelhohe Renditen versprechen. Oft werden dabei die Risiken verniedlicht. Vertrauen Sie diesen oft selbst ernannten Experten nicht blind und informieren Sie sich gründlich über ein Investment, bevor Sie zugreifen.

Börseneinsteiger, aufgepasst: Die Investments können bei Unwissen und Anlagefehlern rasch im Nichts verschwinden. © fotomek/fotolia.com

Ein Tipp: Suchen Sie nach Informationen, die auch gegen ein Investment – zum Beispiel in eine empfohlene Aktie – sprechen. 4. Alles auf eine Karte setzen Investieren Sie nicht Ihr gesamtes Kapital in ein einziges Wertpapier. Zwar sind die Gewinnchancen höher, wenn es sich um eine mögliche «DauerBoom-Aktie» handelt. Doch ein Stimmungsumschwung an den Börsen kann das Gegenteil bewirken. Verteilen Sie da-

«Nur Geld investieren, auf das man bei Totalverlust verzichten kann.»

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her Ihr Kapital auf verschiedene Branchen innerhalb der Aktienallokation. Halten Sie auch Cash bereit, damit Sie bei gesunkenen Kursen dazukaufen können. 5. Produkte aus einem Hause Lassen Sie sich von Ihrem Bankberater keine bankeigenen Produkte «aufschnorren». An diesen Produkten verdienen die Banken natürlich mehr. Holen Sie sich mehrere Meinungen ein und informieren Sie sich auf spezialisierten Finanzportalen. Kaufen Sie nur etwas dazu, das in Ihr Depot passt. Oder kaufen Sie Produkte von verschiedenen Banken.


STOLPERFALLEN ANLEGEN

6. Ohne Anlagestrategie handeln Handeln mit Wertpapieren sollte nicht zu einem Glücksspiel verkommen. Wählen Sie Ihre Investments mit Bedacht aus und verfolgen Sie eine Strategie über einen längeren Zeitraum, auch wenn zeitweise ein Verlust auf Ihren Anlagen resultieren mag. Denn häufiges Wechseln der Strategie verursacht hohe Transaktionskosten und geht zu Lasten der Rendite. Fragen Sie sich vor dem Aktienkauf immer: Warum gerade dieses Investment, und warum jetzt und wie lange? 7. Die Verluste ins Bodenlose fallen lassen Auch wenn Sie Ausdauer haben, schauen Sie nicht tatenlos zu, wenn zum Beispiel der Kurs einer von Ihnen gekauften Aktie stetig an Wert verliert – und dies vielleicht sogar über Jahre. Handeln Sie nach Plan, das heisst: Überlegen Sie sich vor dem Kauf eines Wertpapiers, welches Ihre persönliche Schmerzgrenze ist, und set-

zen Sie an diesem Punkt eine Stop-LossMarke. Bei einem Stop-Loss-Auftrag bestimmt der Anleger einen Kurs unterhalb der aktuellen Notierung, bei dem ein Verkaufsauftrag für das Wertpapier ausgelöst werden soll. Steigt der Preis des Wertpapiers dagegen regelmässig an, ist die Stop-Loss-Marke ebenfalls anzupassen, und zwar nach oben. 8. Emotionale Anlageentscheide Gier, Angst und Panik sind an den Finanzmärkten in jedem Fall schlechte Ratgeber. Lassen Sie Ihre Emotionen, so gut es geht, aussen vor und handeln Sie strikt nach möglichst rationalen Regeln, obwohl die Märkte oft irrational sind. Immer wieder übertreiben die Finanzmärkte kurzfristig, aber langfristig kommt die «Wahrheit» über ein Investment ans Licht. Geraten Sie nicht in Panik, wenn eine Verkaufswelle die Märkte erfasst. Wenn Sie schon verkaufen, dann seien Sie wenigstens der Erste, der dies tut.

9. Teure Aktien kaufen Meiden Sie Aktien, die teuer sind, auch wenn sie attraktiv sind. Achten Sie stets auf ein vernünftiges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV ist ein Wert, der das Verhältnis des geschätzten Gewinns je Aktie zu ihrem aktuellen Marktkurs darstellt. Ein hohes KGV macht eine Aktie empfindlich für Kursrückschläge, sollten sich die Gewinnerwartungen des Unternehmens nicht erfüllen. Ein sehr tiefes KGV weist auf mögliche Probleme der Firma bezüglich Profitabilität hin. Als Faustregel gilt: Aktien, deren KGV klar über 20 liegt, sollten Sie nur kaufen, wenn andere sehr gute Kaufargumente dafür sprechen. 10. Dividenden vernachlässigen Viele Schweizer Firmen zahlen seit Jahren eine nachhaltige und attraktive Dividende. Das gilt es auszunützen, gerade im heutigen Tiefzinsumfeld. Dividendenstarke Titel sind oft weniger hohen Kursschwankungen ausgesetzt (siehe auch Seite 26 und 27).

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INTERVIEW PHILIPP SCHWANDER

«BEIM INVESTIEREN AUF ­BORDEAUX SETZEN» Der Wein-Profi Philipp Schwander über Weinanlagen, Weinpreise und die spannendsten Anbauregionen der Schweiz. INTERVIEW: IVO RUCH

Welchen Tipp geben Sie Leuten, die in Wein investieren wollen? Nur die berühmtesten Weine der besten Jahrgänge kaufen. Aber ich würde noch zuwarten, weil die Preise weiter sinken werden. Der chinesische Markt, der in den letzten Jahren fast 80 Prozent der berühmten Crus Classés abgenommen hat, ist zusammengebrochen. Da dürfte es noch weitere Reduktionen geben. Beim Investment würde ich einen Schwerpunkt auf Bordeaux legen. Sie sind sehr gut haltbar. Gibt es Weine, die deutlich unterbe­ wertet sind? Wer hervorragende Qualität zu einem tiefen Preis kaufen möchte, sollte Spanien unter die Lupe nehmen. Der Inlandkonsum hat sich dort innerhalb von zehn Jahren halbiert. Das übt einen extremen Preisdruck auf die Winzer aus. Allerdings eignen sich diese Weine meistens nicht als Investition.

Ausbildung der Schweizer Winzer und die Kellerei-Einrichtungen sind hervorragend. Einzig jene Winzer, die Dienst nach Vorschrift leisten und keine besonderen Anstrengungen unternehmen, werden Probleme bekommen.

weil der Wein zusammen mit Speisen völlig anders schmeckt. Deshalb sollte man unbedingt einen Test zuhause mit verschiedenen Speisen machen. Wie viel darf ein Alltagswein höchs­ tens kosten? Ich persönlich würde schauen, dass ich 15 Franken nicht überschreite, bei einigen Konsumenten darf der Alltagswein sogar bis 20 Franken kosten. Unter 12 Franken sinkt die Qualität häufig überproportional, weil gewisse Arbeiten wie eine Fassreifung nicht mehr vorgenommen werden können.

Gibt es eine Schweizer Region, die grosse Fortschritte gemacht hat? Neuenburg mit seinen Pinots Noirs ist eine sehr spannende Gegend, immer mehr aber kommen auch interessante Weine aus Zürich und dem Thurgau. Die Bündner Herrschaft, das Wallis und Tessin arbeiten schon seit längerem sehr gut. Das Waadtland bringt zwar hervorragende Chasselas hervor, glänzt aber nicht mit Innovation.

Hat Schweizer Wein Potenzial? Das ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ich glaube, die Erfolgsgeschichte des Schweizer Weinbaus beginnt erst. Was auch wichtig ist: Die

Ihre Firma gibt es seit über zehn Jah­ ren. Was muss ein erfolgreicher Un­ ternehmer mitbringen? In meinem Fall war es sicher meine langjährige Erfahrung als Weineinkäufer. Aus­ serdem ist es wichtig, den Mut zu haben, neue Wege zu beschreiten und nicht einfach das zu machen, was alle machen. Entscheidend ist auch, dass die Mitarbeiter Freude an ihrer Arbeit haben. Und, das darf man auf keinen Fall vergessen, es gehört immer auch eine Portion Glück dazu.

Welcher Wein wird überschätzt? Die weissen Burgunder aus Puligny-Montrachet, Meursault und andere berühmte Appellationen. Die wenigsten reifen wirklich gut, und es gibt nicht viele, die wirklich hervorragend sind. Die Preise sind, zurückhaltend formuliert, völlig überrissen. Welches ist der häufigste Fehler beim Weinkauf? Meist kauft man Wein an Degustationen. Dies birgt bei Laien eine grosse Gefahr,

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Und ein Weintrend für die Zukunft? In den Ex-Ostblockländern gibt es viele hervorragende Weinregionen, die noch kaum Beachtung finden. Wenigen Schweizern ist auch bewusst, dass die Qualität der deutschen Rotweine markant gestiegen ist.

PHILIPP SCHWANDER WEINHÄNDLER Der St. Galler Philipp Schwander (49) absolvierte eine Lehre als Textilkaufmann und stieg früh in die Weinszene ein. Seit 2003 ist er Inhaber der Selection Schwander in Zürich und einer der grössten Weinimporteure der Schweiz. Zudem bestand er als einziger Schweizer die härteste Weinprüfung der Welt, den «Master of Wine».

Weinhandel ist ein beliebtes Hobby. Profitieren die Konsumenten davon? Für den Weinliebhaber ist die Schweiz ein Eldorado. Sie zählt zu den wettbewerbsintensivsten Märkten der Welt, und man gewinnt wirklich den Eindruck, dass es Mode geworden ist, Weinhändler zu werden. Bei einer Bevölkerung von 8 Millionen haben wir rund 3300 Weinhandlungen. Wer seinen Job nicht gut macht, geht schnell unter.


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Baloise Fund Invest (Lux) ist eine Fondsgesellschaft luxemburgischen Rechts. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Fondsanteilen ist der aktuelle Verkaufsprospekt (erhältlich unter www.baloise-fund-invest.com). Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Mit jeder Anlage sind Risiken, insbesondere Wert- und Ertragsschwankungen, verbunden. Anteile dieses Fonds dürfen weder innerhalb der USA noch an US-steuerpflichtige Personen ausserhalb der USA angeboten verkauft oder ausgeliefert werden. Der ausführliche Verkaufsprospekt, die wesentlichen Anlegerinformationen (KIID), die Statuten sowie die Jahres- und Halbjahresberichte können kostenlos angefordert werden, beim Vertreter in der Schweiz, Acolin Fund Services AG, Stadelhoferstrasse 18, CH-8001 Zürich, sowie bei der schweizerischen Zahlstelle, Baloise Bank SoBa AG, Amtshausplatz 4, CH-4500 Solothurn.

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Ausführliche Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte dem letztgültigen Verkaufsprospekt. Massgeblich sind die Angaben im Verkaufsprospekt sowie der aktuelle Halbjahres- und Jahresbericht. Den Verkaufsprospekt, die Berichte sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen erhalten Sie kostenlos bei der Verwaltungsgesellschaft ETHENEA Independent Investors S.A., 9a, rue Gabriel Lippmann, L-5365 Munsbach oder bei der Vertreterin in der Schweiz IPConcept (Schweiz) AG, In Gassen 6, CH-8022 Zürich. Zahlstelle in der Schweiz ist die DZ PRIVATBANK (Schweiz) AG, Münsterhof 12, Postfach, CH-8022 Zürich.