Wilde Tiere im Tourismus ------Zusammenfassung der Masterarbeit von Nadja Pilz zum Thema Wildlife Sanctuaries und Besucherinteresse nach Tierinteraktionen
Einleitung
März 2017
Quelle: Masterarbeit Nadja Pilz Einmal in Afrika Safari
einmalige und
Das Privileg, den König der
machen. Das war mein Traum
unbeschreibliche Gefühl, die
Tiere in seiner eigenen Welt
seit meiner Kindheit und ist
Wildnis ganz authentisch zu
zu besuchen und ihn bei
meine Leidenschaft bis heute.
spüren. Einem wilden Tier zu
seinen Streifen durch die
Ich erinnere mich an meine
begegnen, das man bis dato
Savanne zu beobachten…
erste Begegnung mit wilden
nur in Naturdokus im
Löwen in Südafrika: Das
Fernsehen bewundern durfte.
S. 1
Das Leben in Freiheit zu
Fakt ist, eine große Mehrzahl
das wird sich zum Ziel
verbringen, seinen Instinkten
der auf den Streichelfarmen
gesetzt. Generell rückt das
zu folgen, - dieses Recht bleibt
zur Schau gestellten Löwen
Thema „Tierschutz im
jedoch vielen Löwen in
endet als Opfer der blutigen
Tourismus“ immer mehr in
Südafrika verwehrt, wie ich in
Trophäenjagd, dem „Canned
den Vordergrund der
den letzten Jahren
Hunting“. Ohne Chance auf
öffentlichen Diskussionen. Ob
herausfinden musste. Über
Entkommen und mitunter
Elefantenreiten und Tiger-
7000 der Tiere werden für die
sogar mit Medikamenten
Tempel in Thailand, Foto-
Gatterjagd (engl. „Canned
ruhiggestellt, werden Löwen
Sessions mit gezähmten
Hunting) in Gefangenschaft
in einem räumlich begrenzten
Affen, Schwimmen mit
gehalten, und wir als
Gehege eingesperrt und den
Delfinen oder eben das
Touristen tragen leider
Hobby-Jägern zum Abschuss
Löwen-Streicheln in Südafrika
Mitschuld an diesem
serviert. Und das alles ganz
– auf der ganzen Welt werden
Schicksal. Als ich Südafrika
legal. Dieses abscheuliche
exotische Tiere unter
zum ersten Mal in 2010
Vorgehen wurde mit der Zeit
desolaten Bedingungen für
bereiste, war mir der Begriff
so populär, dass
die Freuden der Touristen zur
„Canned Hunting“ noch
Großwildkatzen auf Farmen
Schau gestellt.
völlig unbekannt.
nur zum Zwecke der
Glücklicherweise gibt es
Leichtgläubig bewunderte ich
Gatterjagd gezüchtet werden.
bereits einige Unternehmen
auf Facebook Bilder von
Und der touristische
und Organisationen, die als
meinen Freunden, mit
Streichelzoo bietet den
Vorreiter vorangehen und
Löwenbabies im Arm,
Farmern die optimale
sich für nachhaltigere
halbwüchsigen Löwen wie ein
Gelegenheit, sich das Geld für
Standards im
Hund an der Leine –
das Aufziehen der Jungtiere
Wildtiertourismus einsetzen
Touristenattraktionen, die
zu sparen und entstehende
(ABTA, ANVR, TUI,
auch heute noch als „gute
Kosten so gering wie möglich
Praktikawelten, Projects
Tat“ für den Tier-und
zu halten.
Abroad und jetzt auch
Artenschutz verkauft werden. Dabei müsste unser Verstand schon von vornherein Alarm schlagen: Von Menschenhand aufgezogene Löwen, die zurück in die Wildnis entlassen werden? Mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die für ein Leben in der Savanne erforderlich sind? Das ist nur schwer vorstellbar.
Dank der „Blood Lions“ Verfilmung und Arbeit zahlreicher Kampagnen erregte das Thema „Canned Hunting“ enorme Aufmerksamkeit innerhalb der letzten Jahre – sowohl in der Tourismusindustrie als auch in der breiten Masse. Die Unwissenheit der Touristen bekämpfen, Aufklärung leisten und dadurch der Gatterjagd ein Ende bereiten –
S. 2
TripAdvisor –um nur mal einige zu nennen).
Ich selbst habe mich mit
auf die Nachfrageseite gesetzt.
den Tieren, Verbote), können
diesen Entwicklungen im
Im Hauptfokus standen
sie ihr Wissen über Tier-und
letzten Jahr intensiv
sowohl einheimische als auch
Artenschutz während des
auseinandergesetzt. Ich habe
internationale Touristen, die
Besuches erweitern? Und das
Nachhaltiges
touristisch orientierte
größte Fragezeichen: Wie
Tourismusmanagement an
Wildtier-Farmen (im englisch
verantwortungsbewusst sind
der HNE Eberswalde in
auch häufig als „Wildlife
sie unterwegs? Zeigt die
Deutschland studiert und
Sanctuaries“ betitelt) in
Nachfrageseite bereits gute
2015 ein Forschungsprojekt
Südafrika besuchen.
Voraussetzungen für die
Und die Frage lautete: Was
Implementierung von
wollen sie eigentlich? Welche
nachhaltigen Standards im
Motivationen treiben sie an,
Wildtiertourismus? Statistiken
eine „Wildlife Sanctuary“ zu
zufolge ist Nachhaltiges
besuchen? Was erwarten sie
Reisen ja sehr im Kommen.
von ihrem Besuch, wie
Wir nehmen immer mehr
wichtig ist ihnen die häufig
Rücksicht auf die lokale
kritisierte Interaktion mit den
Bevölkerung, achten auf faire
Wildtieren (Streicheln,
Arbeitsbedingungen, auf
Meinen Schwerpunkt habe ich
Anfassen, etc.)? Wie
unseren ökologischen
aber nicht auf die tierischen
empfinden sie Restriktionen
Fußabdruck…. aber auf
Attraktionen selbst, sondern
(z.B. beschränkter Zugang zu
Tierschutz?
mit der Organisation „Fair Trade Tourism“ in Südafrika absolviert. Während dieser Zeit hat das Thema Canned Hunting immer wieder meinen Weg gekreuzt und gleichzeitig entstand in mir auch der feste Wille, mich persönlich für die Bekämpfung dieser kontroversen und unethischen Industrie einzusetzen. Das hat mich dann schließlich dazu veranlasst, meine Masterarbeit dem Thema Wildtiertourismus in Südafrika zu widmen und das Thema einmal von der wissenschaftlichen Seite anzugehen. Wenn man schon 6 Monate seines Lebens mit Recherchieren, Lesen von Literatur, Auswertung von Statistiken und Schreiben verbringen muss, dann doch wenigstens für einen guten Zweck!
S. 3
Die WerUmfrage möchte mir helfen?
Wildtierfarmen als
Letztendlich habe ich 3
Kooperationspartner für
verschiedene „Wildlife
meine Forschung zu
Sanctuaries“ in Südafrika
gewinnen war jedoch
besucht. Im direkten
schwieriger als gedacht. Nicht nur einmal wurde ich abgewiesen mit der Begründung, ich wäre ein
Vergleich analysierte ich zwei Einrichtungen (für Großkatzen und Affen), die sich strikt gegen jegliche TierInteraktionen aussprechen
aufdringlicher Journalist
und sehr motiviert sind, ihre
auf der Suche nach einer
Besucher von der
neuen Negativ-Schlagzeile
Notwendigkeit dieser
Gepardenjunge an der Leine
für die Medien. Bei den
Maßnahmen zu überzeugen
zu führen. Abseits dieser
umstrittenen Löwenfarmen
(„non-touching approach“) –
unterschiedlichen Ansichten
war schon gar nichts zu
und ein Gepardenprojekt,
und touristischen Angebote
machen. Zu heikel das
welches seine Besucher mit
betonten jedoch alle
Thema, zu gefährlich die
der einmaligen Möglichkeit
Sanctuaries ihre primäre
lockt, einen echten Geparden
Motivation, als
zu streicheln oder
Bildungseinrichtung zu
öffentliche Kritik.
fungieren und die Touristen über Tier - und Artenschutz aufzuklären. Mit Diktiergerät und meinem vorab angerfertigten Fragebogen bewaffnet habe ich mich dann auf den Weg gemacht und insgesamt 154 Besucher (ca. 50 pro Einrichtung) sowie 2-3 Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtung zum Thema „Was wollen die Besucher eigentlich?“ befragt.
S. 4
Es stellte sich heraus, dass
Diese Zielgruppe ist sehr
Besucher der „non-touching“
sich viele Besucher vorab nur
typisch für touristische
Farmen der Fall, was wohl
wenig über ihr Ausflugsziel
Attraktionen mit Wildtieren
aus der nur geringen Vor-
informiert hatten, oft war die
in Gefangenschaft, deren
Recherche über die jeweilige
Entscheidung für eine
Besuch natürlich mit viel
Sanctuary resultierte.
bestimmte Sanctuary von rein
weniger Kosten verbunden ist
praktischer Natur geprägt.
als eine Safari in freier
Die günstige Lage in der Nähe
Wildbahn – und die deshalb
von Touristenstädten- und
oft von im Fachjargon häufig
Routen (z.B. Garden Route)
verwendetem Begriff
wurde häufig als Hauptgrund
„Wildlife Generalisten“
für die Reiseauswahl genannt.
dominiert werden. Nicht
Auch zeigten Touristen nur
überraschend äußerten
wenig Vorwissen über
Besucher der interaktiven
„Wildlife Conservation“ und
Gepardenfarm am häufigsten
spezielles Interesse an einer
den Wunsch, ein wildes Tier
Tierart, bzw. einem
einmal streicheln oder
Themengebiet wurde nur
anfassen zu dürfen. Dies war
selten genannt.
auch für 15 bzw. 40 % der
77 von insgesamt 154 befragten Personen nannten „Bildung und Lernen“ als eine der Haupt-Motivationen für ihren Besuch. Auf der Gepardenfarm wurde der Wunsch nach Bildung jedoch häufig von dem Verlangen nach Interaktionen mit den Tieren überlagert. Nicht vergessen sollte man die Zielgruppe der Familien mit Kindern, die einen nicht unerheblichen Anteil der Besucherzahlen ausmachten. Kinder lieben Tiere – und vielen Eltern war es wichtig, ihre Kinder mit Wildtieren in Kontakt zu bringen und ihnen ein Verständnis für Tier- und Umweltschutz zu vermitteln. Einen entspannten Tag mit der Familie zu verbringen, von Zuhause wegzukommen, dem Alltag zu entfliehen und die Kinderfreundlichkeit der Einrichtung wurden als weitere ausschlaggebende Motive für den Besuch genannt.
Obwohl die Hälfte der Befragten „Bildung und Lernen“ als Hauptmotivation für ihren Besuch angaben, wurde der Wunsch nach Bildung häufig von dem Verlangen nach Interaktionen überlagert. S. 5
Interessante Ergebnisse
Einrichtungen häufig als das
Interaktionen zeigten als die
zeigten sich, als ich die
Highlight des Besuchs
Touristen auf der
Besucher verschiedene
erwähnt. Auch gute
Gepardenfarm. Dort waren es
Aspekte des Besuches auf
Fotomöglichkeiten mit
58% der Befragten, die diesen
einer Linkert-Skala von „nicht
möglichst freier Sicht und
Aspekt als „wichtig“ oder
wichtig“ bis „sehr wichtig“
wenigen Zäunen führte zu
„sehr wichtig“ bewerteten.
evaluieren ließ. Im Vergleich
einer hohen
Allerdings bedeutet dies auch,
zu allen anderen Faktoren
Besucherzufriedenheit.
dass für die verbliebenen 42%
wurde „Natürliches und
Hingegen war der
die Interaktion gar nicht
ungestörtes Verhalten der
Eintrittspreis, sichtbare
unbedingt notwendig war,
Tiere beobachten“, „Über die
Abzäunungen für das
dennoch haben alle Befragten
Tiere lernen und Fragen
Sicherheitsgefühl als auch die
an dem Streichel-Programm
stellen können“ als auch das
Qualität des Marketings
teilgenommen. Viele dieser
„Vermeiden negativer
(Informationen auf Website
Touristen haben dies dann
Einflüsse“ auf die Tiere von
und Broschüren) nur für etwa
letztendlich auch als das
den meisten aller Befragten
die Hälfte aller Befragten von
absolute „Highlight“ ihres
(über 80 %) als „sehr
größerer Bedeutung. Letzteres
Besuchs empfunden.
wichtig“ empfunden. Auch
ist wohl auch nicht allzu
naturnahe Gehege mit
verwunderlich, da sich nur
möglichst vielen
wenige Touristen vorab über
Versteckmöglichkeiten
ihr Ausflugsziel schlau
wurden von insgesamt 73%
gemacht hatten.
aller Besucher als „sehr wichtig“ angegeben. Gleichzeitig war es aber von großer Bedeutung, gute Sichtmöglichkeiten auf die Tiere zu haben und möglichst nah an sie heranzukommen.
Betrachtet man die Antworten aller 154 Befragten in allen 3 Einrichtungen, so befanden sich die oft kritisierten Aspekte „Kontakt zu Wildtieren (Streicheln, Füttern)“, „Unterhaltungsmöglichkeiten
Allgemein bevorzugten es
(Tier-Aufführungen) als auch
viele Touristen, in kleinen
„Selfies mit Wildtieren
Gruppen durch die Gehege
schießen“
geführt zu werden, was das
überraschenderweise am
Erlebnis persönlicher gestaltet
unteren Ende des Ratings.
und intimere Einblicke in das
Auch hier zeigte sich deutlich,
Leben der Tiere erlaubt. Ein
dass Besucher der „non
kommunikativer und
touching“-Einrichtungen
informativer Guide wurde in
schon von vornherein etwas
den „non-touching“
weniger Interesse an Tier-
S. 6
Akzeptanz bestimmter
Wie verantwortungsbewusst reisen Touristen?
Maßnahmen verstärken würde.
Allgemein lässt sich sagen, die Voraussetzungen seitens der Touristen für die Implementierung nachhaltiger Standards im Wildtier-Tourismus stehen nicht schlecht. Ein immer größer werdender Hang zu authentischen Erlebnissen, naturnahen Tiergehegen und eine allgemeine Besorgnis über Tierschutz bestätigte sich in den Resultaten der Besucherumfrage. Ein Trend, der sich auch immer häufiger
betonten dessen
in wissenschaftlicher Literatur
Notwendigkeit für das
finden lässt und seitens der
Wohlergehen der Tiere.
Sanctuary Guides und Manager bestätigt wurde. Besucher seien immer mehr besorgt um die Haltungsbedingungen der Tiere, stellen mehr Fragen und werden zunehmend von Social-Media-Kanälen wie Facebook beeinflusst. Auch gaben ca. 60% aller Befragten an, dass bestimmte Restriktionen (z.B. Verbot von Tierinteraktionen, limitierter Zugang zu den Tieren) ihr Erlebnis nicht großartig beeinträchtigen. Einige Besucher äußerten sogar Zuspruch zu einem „no touching“ Ansatz und S. 7
“I have no problem with restrictions if they are necessary for the animal’s well-being. Just happy to observe” “The safety of the animal comes first, so I would rather enjoy it if the animal is enjoying him/herself”
40 % der befragten Touristen fühlten sich jedoch durch Verbote und Beschränkungen in ihrem Besuch gestört. Dennoch gibt es eine gute Nachricht, denn über die Hälfte dieser Personen gab an, dass eine gute Bildungsarbeit und gründliche Erklärungen ihr Verständnis und ihre
Weitere Infos: www.cannedlion.org www.facebook.com/CachDeutsch land Die Autorin kann kontaktiert werden via: nadjapilz@gmx.de Fotos: Nadja Pilz, Faye Peeters, Beverly Pervan, David Nash, CACH
Angebote etwas interaktiver
Es ist nicht alles wie es scheint
zu gestalten. Was letztendlich deutlich zeigt, dass viele Besucher insgeheim den
Auch wenn sich diese
Auf der Gepardenfarm gab
Wunsch hegten, die Tiere
Ergebnisse alle ziemlich gut
es nur eine einzige Person,
streicheln zu dürfen – auch
anhören, eine Kehrseite der
die den Kontakt zu den
wenn sie es nicht direkt
Medaille gibt es allerdings
Geparden als zu
zugeben würden – und
schon. Bei der Auswertung
„unnatürlich“ empfand,
womöglich auch etwas
der Fragebögen zeigte sich
ansonsten zeigte keiner der
enttäuscht über ihr Erlebnis
deutlich, dass sich einige
Touristen Bedenken über
waren. Präferenzen für
Touristen in widersprüchliche
mögliche Folgen ihres
bestimmte Aspekte des
Aussagen verwickelten und
Besuchs (z.B. erhöhtes
Besuches waren aber auch oft
einige Antworten wohl eher
Stresslevel für die Tiere),
durch den kulturellen
von „sozialer Erwünschtheit“
obwohl das Wohlergehen der
Hintergrund der jeweiligen
beeinflusst wurden und somit
Tiere von fast allen Personen
Person bestimmt. So zeigten
nicht immer ganz der
als einer der wichtigsten
amerikanische Besucher in
Wahrheit entsprachen. So
Aspekte genannt wurde.
meiner Forschung ein
wünschten sich zum Beispiel viele Touristen naturnahe Gehege mit Versteckmöglichkeiten für die Tiere, kritisierten jedoch im Nachhinein, dass sie nicht alle Tiere zu Gesicht bekommen konnten.
deutlich größeres Verlangen, Nur wenige Besucher der
die Tiere anfassen oder
„non-touching“
streicheln zu dürfen als z.B.
Einrichtungen beschwerten
Europäer oder Südafrikaner.
sich über den fehlenden
Durch Gespräche mit den
Kontakt zu den Tieren,
jeweiligen Managern erfuhr
dennoch machten viele
ich, dass für arabische und
Touristen den
indische Touristen nicht selten
Verbesserungsvorschlag, die
der Unterhaltungswert des Erlebnisses im Vordergrund steht und dass die persönliche Einstellung gegenüber den Tieren oft dadurch beeinflusst wird, welchen Stellenwert die Tierart in dem jeweiligen Land einnimmt bzw. welche persönlichen Erfahrungen die Person mit dem Tier in der Vergangenheit gemacht hat.
S. 8
leichter für die Touristen machte, Fakten über den Geparden und seine Bedrohungen in der Wildnis in Erinnerung zu behalten. Auch erwähnten die Betreiber dieser Einrichtung, dass der physische Kontakt zu den Tieren –auch wenn so oft kritisiert – den Touristen hilft, emotional mit dem Tier mitzufühlen und somit die Bereitschaft im Wildtierschutz Was das Thema Bildung und
Notwendigkeit eines „No
Aufklärung angeht, zeigten
Touching, No Interaction“
sich zunächst sehr positive
Ansatzes zu überzeugen und
Ergebnisse in allen drei
ihre Ansichten zu diesem
Einrichtungen. Eine große
Thema langfristig zu ändern.
Mehrheit aller Besucher gab
Je zufriedener die Touristen
an, sich durch den Besuch
mit ihrem Besuch waren,
einiges neues Wissen über die
desto aufgeschlossener
Tiere bzw. Tier-und
zeigten sich diese gegenüber
Artenschutz angeeignet zu
den Bildungs-Botschaften der
haben. Was viele Touristen
Einrichtung. Touristen die
dazu anregte, sich zukünftig
sich jedoch mehr
auch weiter mit dem Thema
Interaktionen während des
zu befassen bzw. konkrete
Besuches erhofft hatten,
Maßnahmen für den
wurden demnach nicht in
Wildtierschutz zu
allen Erwartungen erfüllt, was
unternehmen (z.B. Spenden,
die Überzeugungsarbeit
Freiwilligenarbeit, Tier-
dementsprechend auch
Patenschaften, Social Media
schwieriger gestaltete. In dem
Posts etc.). Dennoch bewies es
Gepardenprojekt wiederum
sich allgemein als schwieriger,
war es von Vorteil, dass sich
die Touristen von der
das Projekt auf eine spezielle
aktiv zu werden erhöht.
Tierart fokussierte, was es
Es Bewies sich als schwierig die Touristen von der Notwendigkeit eines „No Touching, No Interaction“ Ansatzes zu überzeugen S. 9
Zusammenfassung der Ergebnisse
Zum Abschluss lässt sich
In meiner eigenen Forschung
sagen: Meine Ergebnisse
zeigte sich dies ganz deutlich
zeigen wohl das typische
an den Zitaten derjenigen
Dilemma der Touristen,
Touristen, die sich unbedingt
wenn es um das Thema
mehr Interaktionen mit den
„Nachhaltigkeit“ und
Tieren wünschten, aber
„verantwortungsbewusster
gleichzeitig betonten, dass die
Konsum“ im Tourismus
Sicherheit und das
geht. Viele Touristen sind
Wohlergehen der Tiere nicht
zwar auf dem richtigen Weg –
gefährdet werden darf:
sie haben ein hohes Bewusstsein für Tierschutz und wünschen sich möglichst geringe Auswirkungen auf die Tiere – sind jedoch oft im
“Perhaps some of the animals could be trained to interact peacefully with humans.” “I want to physically touch the animals - safely of course.”
Zwiespalt mit eigenen Bedürfnissen und können ihren eigenen Egoismus dann doch noch nicht ganz nach
Wie lassen sich touristische
hinten stellen. Viele kennen
Wildtierattraktionen nachhaltiger gestalten?
diesen Zwiespalt sicherlich aus dem Alltag: Soll ich die
Fazit
teuren Bio-Lebensmittel
Wie bereits erwähnt stehen
Attraktionen wird es immer
kaufen, obwohl das Geld
touristische Attraktionen mit
wichtiger werden, Brücken zu
knapp ist? Nehme ich die
Wildtieren immer mehr in der
schlagen und ein
Bahn anstatt des Autos,
Kritik. Durchzunehmend
ausgewogenes Gleichgewicht
obwohl ich es eilig habe?
negative mediale
zwischen
Kaufe ich das schicke neue
Berichterstattung und
Besucherzufriedenheit und
Top zu Discount-Preisen,
steigenden Druck seitens
Aspekten des Tier-und
obwohl ich weiß, dass dieses
Reiseorganisationen und der
Artenschutzes sicherzustellen.
sehr wahrscheinlich aus sehr
Öffentlichkeit wird die
Entscheidend wird es sein, am
schlechten
Notwendigkeit für
bereits vorhandenen „Guten
Produktionsbedingungen
nachhaltige Lösungsansätze
Willen“ der Touristen
stammt?
groß. Für die zukünftige
anzusetzen und ihr
Entwicklung von Tier-
verantwortungsbewusstes Handeln zu stärken, um der
S. 10
Ausbeutung von Wildtieren
einzubeziehen und aktiv mit
Besucher auch nicht auf der
im Tourismus und somit auch
ihnen ins Gespräch zu
Strecke bleiben. Viele
indirekt Praktiken wie der
kommen – sie nach ihren
Touristen geben sich
Gatterjagd ein Ende zu
eigenen Meinungen zu
schlichtweg nicht damit
bereiten. Es müssen Wege
diesem Thema zu befragen
zufrieden, die Wildtiere
gefunden werden, ein Verbot
und Diskussionen anzuregen.
ausschließlich durch die
von Tier-Interaktionen nicht
Viele Touristen befinden sich
Käfige hindurch zu
direkt mit „Verzicht“ und
in einer Art „Action
beobachten und wünschen
negativen Assoziationen in
Paralysis“ – einer Lähmung,
sich einen gewissen
Verbindung zu bringen,
etwas zu unternehmen – da
„Mehrwert“ im Vergleich
sondern die Touristen für
man denkt, eine einzelne
zum traditionellen Zoo
nachhaltigere Ansätze zu
Person könne ja sowieso
Besuch. Auch hier lassen sich
begeistern und das Privileg
nichts bewirken. Dem muss
attraktive Mittelwege finden,
der Tiere, nämlich ungestört
entgegengesteuert werden!
um das Besucher-Erlebnis
und möglichst frei von
Sanctuary-Betreiber sollten
zugleich aufregend als auch
menschlichen Einflüssen
ihren Besuchern aktiv
tierfreundlich zu gestalten. So
leben zu können, emphatisch
Möglichkeiten und Beispiele
wäre z.B. ein kreatives Design
an sie zu verkaufen. Hierzu
aufzeigen, was sie selbst im
der Käfige und Besucherwege
habe ich auch ein sehr
Alltag und abhängig von
eine gute Möglichkeit, den
passendes Zitat in der
ihrem Umfeld (Nationalität,
Touristen verschiedene
wissenschaftlichen Literatur
Kultur) für den Schutz der
Perspektiven auf die Tiere zu
gefunden:
Wildtiere beitragen können.
ermöglichen und die
Auch wäre es wichtig,
Sichtbarkeit ins Gehege zu
Bildungsprogramme auf
verbessern. Hochstände,
verschiedene Zielgruppen
Aussichtsplattformen,
zuzuschneiden – zum Beispiel
Brücken, umzäunte Besucher-
durch den Einsatz von
Tunnel innerhalb der Gehege
Voluntären aus verschiedenen
oder sichtdurchlässige
Ländern mit unterschiedlich
Umzäunungen wären hier ein
kulturellem Hintergrund.
guter Start. Einige Sanctuaries
Der Hintergrund jeglicher
Diese könnten die
mit sehr großen Tiergehegen
Regeln, Verbote oder
Aufklärungsarbeit dann an
bieten die Möglichkeit, kleine
Beschränkungen sollte klar an
die kulturellen Ansichten und
„Safaris“ zu Fuß oder mit
die Besucher kommuniziert
Einstellungen der
dem Geländewagen zu
und mit dem Einsatz
internationalen Besucher
unternehmen – was das
verschiedener Medien
anpassen – und bestimmte
Erlebnis authentischer
veranschaulicht werden.
Themen somit sensibler an die
gestaltet und zugleich mehr
Hierbei ist es wichtig, die
jeweilige Person
Spannung für die Besucher
Besucher emotional in das
kommunizieren. Natürlich
bringen kann. Vielen
Schicksal der Tiere mit
darf das Vergnügen der
Touristen gefällt die
“Build on this sense of goodwill” by enlisting tourists’ assistance as conservation partners wherever possible, rather than enforcing rules and regulations to control tourist behavior (Ballantyne, Packer & Hughes, 2009, p.13).”
S. 11
Herausforderung, die Tiere
an den Aktivitäten der Tiere
die Tiere basteln. Diese Ideen
auf eigene Faust suchen und
über Videobildschirme zu
werden dann auch sofort in
entdecken zu können, wie auf
verschiedenen Tageszeiten
die Tat umgesetzt und die
einer echten Safari in der
teilhaben zu lassen (z.B. durch
Touristen können dabei
Wildnis eben.
sogenannte „Remote
zuschauen, wie gut ihre Basteleien bei den Wildtieren ankommen. Natürlich sind nicht alle Ideen für jede Art von Wildtier-Attraktion geeignet und umsetzbar, dennoch können sie als Richtlinien und Anregungen dienen, um Wildtiertourismus für die Zukunft nachhaltiger zu gestalten und touristische Angebote stärker am Wohl der Tiere auszurichten. So könnten die interaktiven Farmen alternative Angebote für diejenigen Besucher schaffen, die von vornherein
Auch wünschten sich viele
Viewing“ Techniken). In der
meiner Umfrageteilnehmer
Nähe von Kapstadt habe ich
eine größere Auswahl an
auf einer Großkatzen-Farm
verschiedenen Tour-Optionen
ein weiteres, tolles Konzept
(z.B. Fotographie-Touren,
kennen gelernt. Hier werden
Touren zur Fütterungszeit der
die Besucher aktiv in das
Tiere, kinderfreundliche
sogenannte „Animal
Programme, private Touren,
Enrichment“ (Die spielerische
Touren auf eine bestimmte
Beschäftigung von Tieren in
Tier-Spezies ausgerichtet,
Gefangenschaft, um
Touren bei Nacht) und einen
Langeweile vorzubeugen)
tieferen Eindruck „hinter die
eingebunden, ohne direkt mit
Kulissen“ zu bekommen (z.B.
den Tieren in Kontakt
Fütterungs-Vorbereitung,
kommen zu müssen. Die
Tierarzt-Besuche etc.). Die
Besucher können ihrer
Entwicklung von neuen
Kreativität freien Lauf lassen
Medien und Videotechniken
und mit allerlei
birgt außerdem ein enormes
bereitgestellten Materialien
Potenzial, Besucher indirekt
stimulierende Spielzeuge für
S. 12
weniger Interesse am Streicheln/Anfassen zeigen, und diese gegebenenfalls langfristig als zufriedenstellenden Ersatz implementieren.
Egoismus auch mal
Die Verantwortung der Touristen
zurückzustecken und sich zu sagen „Man kann nicht alles haben.“ Auch wenn es noch so verlockend sein mag, ein
Es tragen aber nicht nur
Familie und Freunden auf
Selfie mit einem echten
Betreiber solcher
Social Media zu teilen und
Raubtier im Arm zu schießen
Einrichtungen, sondern auch
Bewusstsein zu schaffen.
– wir wollen es nicht
ignorieren oder schlichtweg
Es gibt mittlerweile eine
verantworten müssen, die
nicht bemerken. Folglich
ganze Reihe von informativen
Gesundheit und das
haben einige der am meist
Listen und Guidelines im
Wohlergehen der Tiere für
kritisierten Einrichtungen eine
Internet, welche über die
unseren Spaß und Eigennutz
exzellente TripAdvisor-
teilweise katastrophalen
zu gefährden. Viel mehr wert
Bewertung und werden als
Bedingungen in manchen
ist es doch, uns in der
eines der „Top Reiseziele“ in
Tier-Attraktionen aufklären
heutigen Zeit auf das
der Region angepriesen.
und eine Auflistung von
Ursprüngliche zu besinnen
ethischen „Best Practice“ Somit wird es immer
und wilde Tiere für das
Beispielen bereitstellen (z.B.
wichtiger werden, sich
wertzuschätzen, was sie
„Your Guide to being animal
genauestens über das
wirklich sind:
friendly on holiday“ der
Ausflugsziel zu informieren,
Organisation „World Animal
Wild. Ungezähmt. Und
Fragen zu stellen, bestimmte
Protection“). Mir selbst ist
wunderschön.
Praktiken zu hinterfragen und
während meiner Arbeit
nicht die Augen zu
immer mehr
verschließen. Gute und
bewusstgeworden, wie
schlechte Erfahrungen mit
wichtig es ist, den eigenen
wir Touristen die Verantwortung, der kommerziellen Ausbeutung von Tieren im Tourismus ein Ende zu setzen. Eine TripAdvisor Studie von 2015 hatte gezeigt, dass 80 % aller Touristen welche Tierattraktionen im Internet bewerten, keine Kommentare zu möglichen Missständen, unethischen Haltungsbedingungen und Trainingsmethoden hinterlassen – diese entweder
S. 13
Vielen Dank fürs Lesen. Nadja Pilz