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Die Tragische Geschichte von Jabula Quelle: Stichting Spots, SPCA Bloemfontein Adaptation und Ăœbersetzung: Tanja Palfalusi Fotos: SPCA Bloemfontein, Armand


Hulle het my geroep Jabula ......Mein Name ist Jabula …und ich war ein junger Löwe in Südafrika. Leider bin ich jetzt nicht mehr unter Euch. Vielleicht ist Euch aber in der letzten Zeit irgendwo ein Regenbogen aufgefallen, er ist jetzt mein neues Zuhause. Von dieser “Regenbogenbrücke” werde ich Euch heute meine Geschichte und die meiner Geschwister erzählen: Ich wurde zusammen mit meinen beiden Schwestern im Predator´s Pride Park in Südafrika geboren. Dort wurden wir sehr früh von unserer Mutter getrennt, um uns gleich an Menschen zu gewöhnen. Nach der Trennung von unserer Mutter kamen wir in den Chameleon Village Lion and Tiger Park. Hier dienten wir ungefähr 8 Monate als Touristenattraktion: wir mussten uns den ganzen Tag mit Touristen fotografieren und uns von völlig fremden Menschen anfassen lassen. Die Touristen hatten viel Spaß, waren aber nach kurzer Zeit wieder weg und auf der Suche nach der nächsten Attraktion. Für mich, meine Schwestern und meine Freunde hingegen war jeder Tag gleich. Außerdem vermissten wir unsere Mutter sehr. Das Leben in diesen Parks war trostlos, langweilig und nicht artgerecht. Nachts träumte ich davon, durch die Savanne zu streifen, als Anführer meines eigenen Rudels, so wie meine Artgenossen in freier Wildbahn. 2


Hulle het my geroep Jabula ......Mein Name ist Jabula Als ich und meine Geschwister zu groß für Urlaubsfotos und Kuscheleinheiten mit Touristen wurden, konnte der Chameleon Village Lion and Tiger Park kein Geld mehr mit uns verdienen, wir waren dort nun überflüssig. Viele meiner Löwenfreunde werden dann weiterhin von der Tourismusbranche ausgenutzt: Urlauber können mit jungen Löwen “spazieren” gehen. Ich und meine Schwestern machten aber keine solcher „Spaziergänge“ mit Touristen, wir wurden zurück zu unserem Züchter in den Predator´s Pride Park gebracht. Nicht ganz zwei Monate später wurden meine beiden Schwestern zusammen mit anderen Löwen an die Wag'n Bietjie Farm verkauft. Mein ehemaliger Pfleger erzählte mir, dass zuvor alle Löwen (auch meine geliebten Schwestern) ohne die Anwesenheit eines

Tierarztes betäubt und zur o.g. Farm gebracht wurden. Was es mit dieser Farm auf sich hat, werdet ihr später noch erfahren. Ohne meine Schwestern bin ich mit meinem Freund Star im Predator´s Pride Park zurückgeblieben, dieser Ort war nun mein „Zuhause“. Ich wurde bis Dezember 2017 im Tourismus eingesetzt, danach wurde ich zu groß und zu gefährlich, um weiterhin als Touristenattraktion zu dienen. Ich war nun keine Einnahmequelle mehr, aber der Predator´s Pride Park hatte eine lukrative Idee, um mit mir doch noch Geld zu verdienen… ... deshalb erschienen dort am 22. April 2018 Leute von der Wag'n Bietjie Farm.

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Hulle het my geroep Jabula ......Mein Name ist Jabula Mein Pfleger meint, dass auch bei unserer Betäubung kein Tierarzt anwesend war und wir von den Angestellten der Wag'n Bietjie Farm narkotisiert wurden, dies ist laut Gesetz aber verboten. Man sagt, dass für unseren Abtransport keine korrekten Genehmigungen und Papiere vorgelegen hätten. Am 23. April erfuhr mein Pfleger, dass ich und Star in viel zu kleinen Transportkisten auf der Wag'n Bietjie Farm eingesperrt waren. Er kontaktierte dann sofort die Tierschutzvereinigung SPCA (Society for the Prevention of Cruelty to Animals) Bloemfontein.

Mein ehemaliger Pfleger traute diesen Leuten von der Wag'n Bietjie Farm aber nicht! Um mich vor dieser Farm zu beschützen, bot er daher dem Predator´s Pride Park an, mich zu kaufen. Leider kam es dazu aber nicht mehr, denn mein Freund Star und ich wurden bereits zur Wag'n Bietjie Farm gebracht, genau wie meine Schwestern damals... Da wir seit unserer frühesten Kindheit an Menschen gewöhnt waren, ahnten Star und ich nicht, welche Gefahr von diesen Leuten ausging.

Mitarbeiter der SPCA machten sich auf den Weg zur Wag'n Bietjie Farm. Dort fanden sie mich und Star, ohne Essen und Trinken, eingepfercht in einem viel zu kleinen Käfig. Leider konnten die SPCA Mitarbeiter nichts für mich und Star tun, denn auf dem CITES Gipfel (internationales Artenschutzübereinkommen, auch „Washingtoner Artenschutzübereinkommen“ genannt) 2016 in Johannesburg wurde beschlossen, dass Südafrika offiziell und völlig legal, Skelette von gezüchteten Löwen nach Asien exportieren darf. Zu diesen Zuchtlöwen gehörten auch ich und Star.

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Hulle het my geroep Jabula ......Mein Name ist Jabula Auf der Wag'n Bietjie Farm waren mehr als 200 weitere Löwen. Wie sich herausstellte, ist die Farm eine Art “Endstation” für Löwen, die für diesen Knochenhandel getötet werden. Aber das wussten ich und Star nicht, als wir dorthin gebracht wurden – wir und viele andere Löwen mussten unser Leben auf dieser Farm lassen: wir wurden für den Knochenhandel erschossen und gehäutet.

Mehr Info: https://www.iol.co.za/news/opinion/fin ger-pointing-by-dea-and-daff-leaves-lionsat-free-state-abattoir-in-limbo-15010739 Fotos: SPCA Bloemfontein, Armand

Unsere Knochen werden nun in Asien unter anderem zu Wein und zu Pasten verarbeitet. Die Menschen in Asien glauben, dass unsere Knochen ein Heilmittel gegen viele Krankheiten sind. Leider hält sich dieser Aberglaube. Es ist jedoch lange bekannt, dass diese „Medizin“, für die wir sterben mussten, KEINE Krankheiten heilen kann. Mein Name war Jabula und ich durfte nur 1,5 Jahre alt werden, weil ich für die Menschen tot mehr wert war als lebendig. Aktueller Stand zum Fall Jabula: • Die SPCA Bloemfontein hat Anklage im Fall Jabula gegen die Wag'n Bietjie Farm erhoben. • Bei der Anklage geht es um zwei Löwen, die tagelang ohne Nahrung und Wasser in einem sehr kleinen Käfig gehalten wurden, bevor man sie erschoss. Die Löwen wurden vom Predator´s Pride Park in Hartbeespoort zur Wag'n Bietjie Farm gebracht, um dort getötet zu werden.

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Die Löwenzuchtindustrie in Südafrika Löwen in der Touristikindustrie – das Leben und Sterben für den Knochenhandel und für das Canned Lion Hunting in Südafrika Die Geschichte von Jabula ist erschütternd, aber leider kein Einzelfall. Er ist EIN Löwe unter hunderten, denen das gleiche Schicksal droht und die wie er auf diese Art und Weise sterben werden. Um möglichst viel Profit zu bringen, durchlaufen alle Löwen, die wie Jabula enden, ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt bis hin zu ihrer gezielten Tötung, folgende „Stationen“: • Nach ihrer Geburt auf der Zuchtfarm (englisch Breeding Farm) werden die Löwenjungen schon nach kurzer Zeit von ihren Müttern getrennt. Einerseits sollen so die Löwinnen möglichst schnell wieder neuen Nachwuchs produzieren und andererseits werden die Löwenjungen durch die Flaschenaufzucht schnell an Menschen gewöhnt. Die frühe Trennung ist sowohl für die Löwenmutter als auch für die Löwenjungen traumatisch. Ohne die wichtige Muttermilch werden die Löwenjungen zudem falsch ernährt und leiden an Mangelerscheinungen. • Die Löwenjungen werden zunächst als Kuscheltiere von den „StreichelzooTouristen“ missbraucht. (Lion Cub Petting). Oder Volontäre zahlen teures Geld um die Löwenbabys versorgen zu dürfen. • Sind sie für Kuscheleinheiten zu alt, können Touristen mit ihnen spazieren gehen (Lion Walks).

• Wenn sie auch dafür zu groß und zu gefährlich sind landen sie entweder in der Gatterjagd - dem Canned Lion Hunting (hier werden die Löwen in einem eingezäunten Gehege, ohne Möglichkeit auf Flucht, eingesperrt und somit den Jägern auf dem Silbertablett serviert). Oder sie werden wie in Jabulas Fall für ihre Knochen getötet. Zuchtlöwen werden lediglich als Ware betrachtet und daher auch nur wie ein Produkt behandelt. • Weitere Infos : www.cannedlion.org und www.stichtingspots.nl

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Was können Sie tun? Verantwortungsvoller Tourismus und verantwortungsvolle Freiwilligenarbeit – werden Sie kein Handlanger dieser tierverachtenden Industrie Wie Sie als Tourist helfen können, diesem grausamen System in Südafrika die Stirn zu bieten: • Bitte besuchen Sie keine Löwenparks, mag es auch noch so verlockend sein, mit einem Löwenbaby zu kuscheln. Jeder Tourist der ein Foto oder ein Selfie mit einem Löwenjungen macht oder mit einem jungen Löwen spazieren geht, unterstützt diese grausame Industrie. • Achten Sie bei einer Freiwilligenarbeit in Südafrika darauf, dass Sie eine seriöse und ethische Institution unterstützen. Nehmen Sie sich bei Ihrer Suche nach einem Freiwilligenprojekt unbedingt Zeit und hinterfragen Sie kritisch. Ethische Einrichtungen bieten KEINE der o. g. Interaktionen mit Tieren an. In Gefangenschaft geborene Löwen können nicht ausgewildert werden. • Übersicht ethischer Einrichtungen: https://www.facebook.com/notes/volunteers-in-africa-beware/the-goodbad-and-ugly-lists-for-volunteering-places-in-africa/842278942486270/ • Bitte denken Sie an Jabula und machen Sie sich bewusst, dass das Löwenbaby das Sie heute kuscheln, die perfide Jagdtrophäe von Morgen ist oder für den Knochenhandel sterben wird. • Bitte geben Sie den vielen anderen Löwen, denen das gleiche Schicksal wie Jabula droht, Ihre Stimme und erzählen Sie anderen von Jabulas Geschichte. Es ist wichtig, dass möglichst viele von dieser schlimmen Industrie erfahren. Ein informierter Tourist ist in der Regel auch ein verantwortungsvoller Tourist und somit wäre Jabula nicht umsonst gestorben. Sagen Sie daher bitte „Nein“ zu Streichelfarmen.

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Die tragische geschichte von jabula  

Die südafrikanische Löwenzuchtindustrie und den Knochenhandel

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Die südafrikanische Löwenzuchtindustrie und den Knochenhandel

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