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WENN JÄGER SICH VON DER GATTERJAGD AUF LÖWEN DISTANZIEREN… Mai 2016

STELLUNGNAHME DES DEUTSCHEN JAGDVERBANDES GEGEN DIE

IM INTERVIEW: MATTHIAS KRUSE Matthias Kruse ist 54 Jahre alt, verwitwet und Vater von zwei erwachsenen Kinder. Als studierter Forstwirt arbeitet er seit über 26 Jahren als Chefredakteur der monatlich erscheinenden Zeitschrift „RheinischWestfälischer Jäger“, mit einer Auflage von 64.000 Exemplaren das meistgelesene jagdliche Medium im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen dieser Tätigkeit organisiert und leitet er seit über 20 Jahren Leserreisen in alle Welt, bei denen es neben jagdlichen Abenteuern auch immer um eine Begegnung mit Land und Leuten, Geschichte, Umwelt- und Artenschutz geht.

GATTERJAGD AUF LÖWEN Am 21. März hat sich der Deutsche Jagdverband in einer Pressemitteilung eindeutig gegen die Gatterjagd auf Löwen in Südafrika ausgesprochen. Für CACH eine gute Gelegenheit die Hintergründe zu eruieren und mit einem vehementen Gegner dieser ‚Sportart‘ zu sprechen. CACH: Wann haben Sie zum ersten Mal über die Löwenzuchtindustrie in Südafrika und die damit einhergehende Gatterjagd (Canned Hunting) gehört? M.K.: Von diesen Abartigkeiten erfuhr ich während einer meiner zahlreichen Reisen in das südliche Afrika vor etwa acht Jahren zum ersten Mal. Mein guter Freund Ronnie Rowland, der ehemalige Präsident des südafrikanischen Verbandes der Berufsjäger (PHASA), erläuterte mir, dass er selbst seit etwa 15 Jahren gegen diese Machenschaften kämpft und genauso lange versucht, die heutigen Verantwortlichen der PHASA zu einer eindeutigen Distanzierung davon zu bringen – etwa mit offenen Briefen in den Medien und der Niederlegung seines Ehrenamtes als Ehrenpräsident. Meinen afrikanischen Freunden und mir ist es allerdings sehr wichtig, bei der Diskussion über die Auswüchse der Löwenzuchtindustrie das Wort „Hunting“ bzw. die Bezeichnung „Hunter“ zu vermeiden: Nicht nur nach unserem Verständnis haben solchen Machenschaften mit Jagd überhaupt nichts zu tun – und derjenige, der so etwas anbietet oder so Löwen tötet, hat das Recht verwirkt, sich „Jäger“ zu nennen. CACH: Viele Aspekte der Gatterjagd sind nicht vereinbar mit der Waidgerechtigkeit. Beim waidgerechten Jagen soll es ja nie nur um den Abschuss gehen. Bei der Gatterjagd auf Löwen gibt es aber keine andere Begründung. Wie sehen Sie die das?

„Wenn man in freier Wildbahn nachhaltig keine Löwen mehr bejagen kann, dann geht es eben nicht mehr.“ – Matthias Kruse


M.K.: Nicht nur viele Aspekte, sondern jede Gatterjagd

Unterstützer, durch solche Abschüsse werde ja

an sich ist mit den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit

immerhin der Bejagungs-Druck von den freilebenden

nicht zu vereinbaren. Die Definition von Jagd ist an

Löwen-Beständen genommen, entlarvt sich am Ende

Eindeutigkeit nicht zu überbieten: Jagd ist die

des Tages eben nicht als „Naturschutz-Projekt“,

nachhaltige Nutzung freilebender Wildtier-Bestände.

sondern schlicht als profitables Geschäftsmodell.

Alles, was wir Jäger rund um den Erdball so tun, muss sich daran messen lassen. Hier bei uns zuhause, hoch auf den Bergriesen Asiens, in der afrikanischen Savanne, im Dickbusch des Dschungels – überall. Das Töten extra zum Zweck solcher „Exekutionen“ gezüchteter Tiere kann niemals diese Definition erfüllen – ganz egal, ob man solche bedauernswerten Kreaturen in die freie Wildbahn entlässt oder sie in großen Zäunen aussetzt. Zur Bewertung solcher Perversität ist es auch völlig irrelevant, wie groß solche wilddichten Zaunanlagen sind. Wer Unwissende auf diese „Schiene“ bringen will, wirbt oft damit, dass es doch „genauso schwierig sei, wilde Tiere in so großen Zäunen zu bejagen wie in freier Wildbahn“. Das mag sogar richtig sein – wenn es sich denn dabei um „wilde Tiere“ handeln würde. Von Hand aufgezogene Löwen, die im Regelfall auch jede Scheu vor dem Menschen verloren haben, sehen aber nur so aus wie „wilde Tiere“. Auch der gern verwendete Hinweis der Zuchtbranche und ihrer

Über die nachhaltige Bejagung freilebender Löwen wachen internationale Naturschutzbehörden (IUCN/CITES) und nationale Regierungen: Sowohl die Quote überhaupt bejagbarer Löwen, als auch die Methode, mit der einzelne Individuen dem Naturkreislauf entnommen werden dürfen, sind genau festgelegt. Wer dagegen verstößt, begeht Straftaten – und verliert als Berufsjäger seine Lizenz (= Lebensgrundlage). Genau deswegen ist ja eine reguläre (waidgerechte) Bejagung von Löwen nur an ganz wenigen Stellen überhaupt noch möglich. Und genau deswegen braucht man dafür mindestens 21 Tage. Wer sich die 60.000 bis 80.000 US-Dollar dafür nicht leisten kann, muss das ja auch nicht tun. Das heißt aber noch lange nicht, dass man stattdessen 3Tages-Trips mit Exekutionsgarantie in einem „Löwenzucht-Puff“ buchen muss. Wenn man in freier Wildbahn nachhaltig keine Löwen mehr bejagen kann, dann geht es eben nicht mehr.

Jäger nach einer Gatterjagd (Foto: Benkoe Safaris, einen der Veranstalter, die im Dokumentarfilm ‚Blood Lions‘ entlarvt werden)


Meine afrikanischen Freunde und ich hoffen allerdings (und tun alles dafür!), dass es soweit nicht kommt. Wie die jahrzehntelange Erfahrung in Afrika zeigt, haben Wildtiere nur dann eine Überlebenschance, wenn sie für die lokale Bevölkerung einen Wert haben. Dazu ein kleines Beispiel: Ich bedauere mit Tier- und Artenschützern auf der ganzen Welt das traurige Schicksal des simbabwischen Löwen, der unter dem Namen „Cecil“ weltweite Berühmtheit erlangte. Leider erst, als er tot war. Nur – gemessen an der Bedeutung dieses Einzelfalles für die Gesamtpopulation der Löwen in Afrika war dies völlig unbedeutend. Ganz im Gegensatz etwa zu der fatalen Entscheidung der Regierung von Botswana, dem Beispiel Kenias von vor über 30 Jahren zu folgen, und jede Form von Trophäenjagd ab 2014 zu verbieten. Das Schicksal Kenias Löwenzuchtfarm in Südafrika (Foto:

hätte eigentlich als überdeutliche Warnung ausreichen müssen: Im

Pippa Hankinson, Produzentin

Gegensatz zu seinem Nachbarland Tansania, das nicht erst seit der

‚Blood Lions‘)

berühmt gewordenen Initiative des Frankfurter Zoodirektors Bernhard Grzimek bis heute als das Wildtier-Paradies Afrikas gilt, sind die einstmals ebenso reichen Wildtier-Vorkommen in Kenia seitdem nahezu

völlig erloschen! Allein in den letzten Monaten sind im Norden Botswanas von einheimischen Viehhaltern über 60 Löwen illegal getötet worden – kein einziger davon hat es in die Weltpresse geschafft wie Cecil. Wahrscheinlich müssen erst noch ein paar Hundert weitere Löwen von Viehhirten gemeuchelt werden, bevor die Regierung Botswanas überhaupt bereit ist, diese fatale Konsequenz ihrer Fehlentscheidung zur Kenntnis zu nehmen. Dabei kann die Quintessenz auch an dieser Stelle doch nur eine sein: Allein die nachhaltige Nutzung von Wildtierbeständen macht diese auch für die heimische Bevölkerung interessant – etwa, in dem aus den Erlösen daraus die Schäden von Viehhaltern ausgeglichen werden können. Sobald ein solcher Ausgleich fehlt, darf man sich nicht wundern, wenn die Hirten in ihrer Not zu anderen Mitteln greifen. Wer könnte es ihnen auch verdenken, wenn ihre Familien nicht mehr satt werden. Dadurch geschaffene Fakten baden ansonsten immer die Schwächsten aus. Genau – die wilden Löwen.

CACH: In Südafrika hat sich die PHASA (Professional Hunting Association of South Africa) vor einigen Monaten vom Canned Hunting distanziert. Im März hat nun auch der Deutsche Jagdverband hierzu ein ähnliches Statement abgegeben. Woher kam dieser Sinneswandel? Gab es hier schon länger Ansätze? M.K.: Auch die PHASA, für die die Auswüchse mit den Zuchtlöwen ein ureigenes Problem sind, hat über 10 Jahre mit sich gerungen, sich davon zu distanzieren. Weil es schlicht für viele PHASA-Mitglieder ein gutes Geschäft war und ist. An dieser Stelle kann man zurecht von einem Sinneswandel reden – verbunden mit der Hoffnung, dass dieses PHASAStatement wirklich der Meilenstein zum Ende der widerwärtigen Zuchtlöwen-Abknallerei werden könnte. Beim Deutschen Jagdverband (DJV) war ein solcher Sinneswandel nicht nötig. Im Gegensatz zur PHASA, die diese Sauereien nicht nur jahrelang duldete, ja durch die Mithilfe ihrer Mitglieder erst möglich machte, hat sich der DJV niemals für dieses blutige Geschäft ausgesprochen. In eher allgemein gehaltenen Erklärungen hat sich der Deutsche Jagdverband aber schon immer vom Abschuss eigens dafür gezüchteter Tiere distanziert – ohne dabei speziell auf Captive Bred lions abzuzielen. Das war sicher ein Versäumnis. Ausgelöst (und aufgeweckt) durch die Blood-Lions-Kampagne organisierten schließlich Jäger im Winter 2015/16 dann den Widerstand gegen diese Machenschaften. Auch wenn es im Hintergrund schon seit längerem Bestrebungen gab,


die Vermarktung von Abschüssen von Gatterlöwen und auch sog. Frankenstein-Züchtungen bei Antilopen (Artificial Breeding) auf Jagdmessen im deutschsprachigen Raum zu verbieten, dauerte es leider bis zum Februar 2016, bis dies endlich auch umgesetzt wurde – so verbieten ab diesem Zeitpunkt die beiden führenden Jagdmessen im deutschsprachigen Raum, die „Jagd und Hund“ in Dortmund sowie die „Hohe Jagd“ in Salzburg die Vermarktung von Gatterlöwen-Abschüssen und Frankenstein-Zuchten. Und überwachen dies auch. Ab 2017 werden Aussteller, die gegen dieses Verbot verstoßen, von der weiteren Messe ausgeschlossen. Insofern war es also kein Sinneswandel, der den DJV dazu brachte, sich mit einer ganz speziellen Erklärung ebenfalls von diesen Machenschaften zu distanzieren. Letztendlicher Anlass war vielmehr die weltgrößte Tourismus-Messe, die ITB in Berlin, auf der im März 2016 die „Blood-Lions“-Initiative den Film erneut vorführte.

Foto: Blood Lions

CACH: Auf den Fachmessen ‚Jagd und Hund‘ (Dortmund) und ‚Hohe Jagd‘ (Salzburg) sollten künftig solche Canned Hunting-Angebote nicht mehr vermarktet werden. Wie hat die Industrie darauf reagiert? M.K.: 2016 ist ein „Übergangsjahr“ für alle Beteiligten – die Teilnahme von Ausstellern an den diesjährigen Messen erfolgte ja rein rechtlich auf der Grundlage der jeweils aktuellen Aussteller-Bedingungen in Dortmund und Salzburg. Und darin war ja von einem Verbot noch nicht die Rede. Insofern erfolgte der „Bann“ in diesem Jahr auf der Grundlage eines freiwilligen Verzichtes. Da ja eine entsprechende Rechtsgrundlage für Sanktionen noch fehlte. „Freiwilliger Verzicht“ hat allerdings nicht bedeutet, dass die Initiatoren Verstöße dagegen einfach so stillschweigend hingenommen hätten. Wer 2016 dennoch Gatterlöwen-Abschüsse angeboten hat oder Frankenstein-Zuchten vermarktete, erhielt auf den Messen in Dortmund und Salzburg Besuch – von der Messeleitung und Vertretern der beteiligten Jagdverbände, namentlich dem Landesjagdverband NRW und der Salzburger Jägerschaft. Unwilligen Ausstellern, die etwa darauf verwiesen, dass sie doch genau dieselben Angebote wenige Wochen zuvor bei Messen in Osteuropa auch gemacht hätten, wurde unmissverständlich verdeutlicht, dass man dies in Dortmund und Salzburg nicht länger dulden wird. Ab 2017 werden solche Aussteller ausgeschlossen.


Foto: Jagdmesse Dortmund

CACH: Die mächtigste Jagdlobby weltweit, der SCI (Safari Club International), akzeptiert weiterhin die Gatterjagd auf Löwen und hat auch ein Punktesystem erstellt, dass genau darauf zielt, Unmengen an Trophäen in der kürzest möglichen Zeitspanne zu erledigen. Das erinnert mich an Aussagen von Dr. Jörg Mangold (Vorsitzender des Ausschusses für Jagdkultur und Vorsitzender des Ethikrates des Bayerischen Jagdverbandes): "Auch in unseren Reihen (Anm.: der Jäger) gibt es Zeitgenossen, deren direkte Abstammung vom Steinzeitjäger unverkennbar ist" oder auch „Ein Jagdrevier ist ein Ökosystem und keine Spielwiese für gestresste Manager". M.K.: Ich bin mit Ihnen fassungslos angesichts des Umgangs mit Gatterlöwen durch den SCI. Die Gedankenwelt dieser Organisation ist mir als deutscher Jäger genauso fremd wie Ihnen. Vor diesem Hintergrund finde ich v. a. die Passagen des Blood Lions-Films besonders verstörend und widerwärtig, in denen der Fokus auf den SCI und US-Jagdmessen gelegt wird. Mir fehlt jedes Verständnis für solches Handeln und dort gemachte Äußerungen. Ich teile mit Ihnen die Ansicht, dass der SCI und seine Verflechtungen mit der Löwen-Mafia mit Jagd nach unserem Verständnis nicht das Geringste zu tun hat – ja im Gegenteil, Jagd und Jägern auf der ganzen Welt schweren Schaden zufügt. Zum Gedankenaustausch mit dieser mir völlig unbekannten Welt (immerhin nennen sich auch die SCI-Mitglieder „Jäger“) werde ich in den nächsten Monaten Gespräche mit der Spitze des SCI führen und habe dazu auch bereits erste Schritte eingeleitet. Allein – dabei kann und wird es nur darum gehen können, den Amerikanern unsere großen Sorgen zu verdeutlichen – angesichts der unweigerlich fatalen Konsequenzen, die definitiv eintreten werden, wenn sich nicht endlich auch der SCI von diesen unsäglichen Sauereien distanziert. Das wäre dann wohl endgültig der Grabstein der Löwenzucht-Industrie.


CACH: Welche Zielgruppe spricht die Gatterjagd an?

CACH: In 2011 wurden Sie nach Namibia eingeladen

Wie im Film ‚Blood Lions‘ gezeigt wird, reisen die

um an einer Besprechung über das Erongo-

Jäger am ersten Tag an, erschießen das Wild am

Verzeichnis teilzunehmen. In was unterscheidet sich

zweiten Tag und fliegen am nächsten Tag wieder

das Erongo-Verzeichnis von herkömmlichen

heim. Sind das tatsächlich gestresste Manager oder

Punktesystemen?

Schnäpchenjäger?

M.K.: Der Name Erongo-Verzeichnis (EV) ist leider

M.K.: Entweder sind das naive Menschen, die

irreführend. Denn dabei handelt es keinesfalls nur um

tatsächlich glauben, die Exekution solch

ein alternatives Rekordbuch für Afrika-Trophäen (als

bedauernswerter Löwen hätte irgendetwas mit

Ergänzung zu Rowland Ward oder SCI). Das EV ist

„wilden Tieren“ zu tun. Das werden aber sicher nur

stattdessen eine Initiative, die sich an vielen Stellen

die Wenigsten sein. So blöd kann eigentlich niemand

für eine Renaissance des natürlichen, nachhaltigen

sein. Die meisten „Löwen-Exekutierer“ (ganz egal,

Jagens einsetzt. Das wird v. a. schon an den 4

woher diese auch kommen mögen) tun dies mit hoher

Prinzipien des EV deutlich: Danach darf nur auf

Wahrscheinlichkeit, um auf diese „elegante",

natürlich vorkommende, autochthone Arten gejagt

„bequeme" und nicht zuletzt auch preiswerte Art und

werden. Diese dürfen nicht durch wilddichte Zäune an

Weise an einen Löwen-Abschuss zu gelangen, um

ihren natürlichen Wanderungen gehindert werden. Im

damit ihre „Big Five“ zu komplettieren. Dass sie dabei

Jagdgebiet muss mindestens einer der vier großen

überhaupt nicht reflektieren, dass dies mit Jagd nichts

afrikanischen Prädatoren (Löwe, Leopard, Gepard,

zu tun hat, echter Jagd und echten Jägern stattdessen

Tüpfelhyäne) natürlich vorkommen. Bejagt werden nur

schweren Schaden zufügt und sie nicht zuletzt damit

Individuen, die nachweislich nicht mehr am

erst den Markt schaffen, den eine gewissenlose und

reproduktiven Geschehen teilnehmen. An einigen

perverse Industrie gewinnbringend bedient, ist m. E.

Beispielen möchte ich Ihnen diese – in der Tat

besonders traurig. Vor diesem Hintergrund muss es

elementaren – Unterschiede im Gegensatz zu

das Ziel aller „echten“ Jäger rund um die Welt sein,

Trophäenjägern, die sich etwa an den Richtlinien des

das der SCI sämtliche Voraussetzungen streicht,

SCI orientieren, erläutern: Bei der Jagd nach den

wonach man mit Abschüssen von Gatterlöwen Zugang

Kriterien des EV steht nicht die Trophäe im

zu irgendwelchen ominösen „Rekord-Büchern“ erhält.

Mittelpunkt. Natürlich erfreuen wir uns an einer

Dazu sollte eine Art Ehrenkodex kommen, wonach

starken, reifen Trophäe – aber uns geht es bei der Jagd

Gatterlöwen niemals zu den „Big Five“ zählen können.

v. a. um die Frage nach dem Wie, der Frage nach der Konsequenz für den verbleibenden Bestand und der Frage nach dem Erhalt der Lebensräume der bejagten Art. Während ein SCI-Jäger etwa bei der Löwenjagd v. a. eine möglichst prächtige Mähne erbeuten will, ist für eine Löwenjagd nach EV-Kriterien ganz klar der soziale Status des erlegten Löwen die Schlüsselfrage: Niemals darf nämlich ein Löwe erlegt werden, der noch aktiv ein Rudel führt, also noch im Reproduktionszyklus steht. In solchen Fällen sind nämlich die Konsequenzen für das verbleibende Rudel fatal – der nachfolgende Rudelboss tötet alle


Jungtiere, um sich möglichst schnell mit den dann

wenn die letzten Zähne abgenutzt sind, sind sie dem

rollig werdenden Löwinnen paaren zu können. Damit

Hungertod geweiht. Genau nach solchen uralten

würde man also mit dem Tod eines Löwen den ungezählter anderer provozieren.

Tieren sucht ein EV-Jagdführer anhand ganz bestimmter Kennzeichen (Sohlentritt, Zustand des

Für einen EV-Jäger ist es also primär nicht wichtig, was

Kotes u. a.). Es geht also nicht um die stärkste

für eine Mähne der Löwe trägt, sondern es muss

Trophäe, sondern erneut um den biologischen Status

sichergestellt sein, dass er alt ist und kein Rudel mehr

des Tieres – bei den Elefanten um einen solchen, der

führt. Nur dann wird eine Freigabe zur Erlegung

sowieso bald sterben wird. Ich hoffe, dass diese

möglich sein. Gleiches gilt auch für Elefanten –

wenigen Beispiele Ihnen aufzeigen, was das EV will.

während ein herkömmlicher Trophäenjäger einen Bullen mit möglichst langen Stoßzähnen erlegen möchte, richten sich EV-Jäger erneut nach dem sozialen, biologischen Status: Elefanten wechseln nämlich in ihrem Leben sechs Mal ihre Backenzähne –

„Niemals darf ein Löwe erlegt werden, der noch aktiv ein Rudel führt, also noch im Reproduktionszyklus steht. In solchen Fällen sind nämlich die Konsequenzen für das verbleibende Rudel fatal.“ - Matthias Kruse CACH: Was hat sich seit 2011 diesbezüglich getan?

heimisches Wild oder hinter wilddichten Zäunen auf

Hat sich das Erongo-Verzeichnis durchsetzen können?

Exoten gejagt werden soll. Wie gesagt, 2012 war das

M.K.: Wir sind nicht so naiv, zu glauben, dass unsere kleine Gruppe die Welt verändern kann. Und das auch noch in kurzer Zeit. Wir sind alle Realisten – und sehen, dass die Welt um uns herum, auch und gerade in Afrika, nach anderen Spielregeln läuft. Und sich verändert. So ist allein in Namibia in den letzten 20 Jahren der deutlich überwiegende Teil der Farmen hinter wilddichten Zäunen verschwunden. Worauf wir setzen, ist eine neue Jäger-Generation. Eine Generation, der wir eine ganz bewusste Alternative zum herkömmlichen Trophäen-Wahn anbieten wollen. Und manchmal werden Träume auch schneller wahr, als man denkt: So habe ich 2012 davon geträumt, dass die Besucher der Messe „Jagd und Hund“ in Dortmund nicht zuerst danach fragen,

ein Traum. Die Realität war eine andere, wir vom EV wurden als „Spinner“ abgetan. 2015 haben wir auf der Dortmunder Messe publikumswirksam erstmals Urkunden verliehen, mit denen Regionen, Jagdführer und Farmen dafür werben können, ursprüngliche, nachhaltige und faire Jagd nach unseren Kriterien anzubieten. Als eine Art Gütesiegel in der Masse der Anbieter. 2016, also in diesem Jahr, wurden Verantwortliche des EV von etlichen Ausstellern beschimpft – da kämen andauernd potentielle Kunden, die nach Zäunen fragen würden. So könnte man keine guten Geschäfte mehr machen … Schneller als wir dachten, scheint also unsere Botschaft doch kontinuierlich Kreise zu ziehen. Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft.

was es kostet und welche exotischen Wildarten man

Auch wenn es unbequem ist und wir von manchen,

denn überhaupt „ab-exekutieren“ kann – sondern sich

die sich Jäger nennen, als Nestbeschmutzer

stattdessen für das WIE interessiert. Und für die nicht

angesehen werden, wollen und werden wir weiter ein

unbedeutende Kleinigkeit, ob in freier Wildbahn auf

solcher "Stein des Anstoßes" sein.


CACH: Die Löwenzuchtindustrie in Südafrika lebt nicht nur von der Jagd, sondern auch von Touristen die sich mit Löwenbabys fotografieren lassen und Freiwilligen die die Babys aufziehen. Die Knochen werden letztendlich nach China verkauft. Kritiker meinen, ein Verbot der Gatterjagd würde dazu führen, dass die Tiere nur noch für den Knochenhandel gezüchtet werden und die Tierhaltung dann noch verwerflicher sein würde. Sehen Sie das auch so? M.K.: Ich bin mit Ihrer Kampagne CACH der Meinung, dass alle Facetten der widerlichen Löwenzuchtindustrie im gleichen Maße verwerflich sind – und abgeschafft gehören. Erlauben Sie mir, am Ende aber doch noch einmal, philosophisch zu werden: Das blutige Geschäft der Löwenzüchter wird nicht dadurch weniger verwerflich, dass ein Marktsegment wegfällt oder nicht. Das Löwenzucht-Gewerbe ist „in sich“ schlecht und wird nicht dadurch moralisch oder ethisch verändert, ob mancher Zeitgenosse auch noch so blöd ist, für die systemimmanente Tötung der armen Tiere vergleichsweise viel Geld zu bezahlen. Sonst müssten das die Züchter (wie bei den meisten Löwinnen) ja auch noch selber machen. Über die Zukunft solcher Machenschaften entscheidet die Gesellschaft. In dem Fall die von Südafrika. Kampagnen wie CACH und Blood Lions nehmen auf diesen Prozess aktiv und mit allen Formen heutiger Medien Einfluß. Wir Jäger und das Erongo-Verzeichnis auch. Wenn wir Ihnen dabei helfen können – wir sind dabei!

Bild: “Canned Hunting” - Alexa Mary für CACH

Mehr Informationen: www.facebook.com/CACHDeutschland www.cannedlion.org www.erongo-verzeichnis.com

Profile for Faye Peeters

Wenn Jäger sich von der Gatterjagd auf Löwen distanzieren...  

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