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DRAKENSTEIN LION PARK: …WEIL WUT ALLEINE NICHT REICHT Ein Bericht von Volontärin Tanja Palfalusi Mai 2017

Tierlieb bin ich schon seit meiner Kindheit. Je älter ich wurde, desto mehr stellte ich jedoch fest: Tiere sind mitunter die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, sie haben keine Stimme, deshalb habe ich mich dafür entschieden, ihnen mit meiner Stimme Gehör zu verschaffen. Ich bin bei einer lokalen Tierhilfe ehrenamtlich engagiert und habe selbst ein Tier aus dem Tierschutz. Meine Liebe für Wildtiere und insbesondere Raubkatzen war immer vorhanden, richtig entfacht wurde diese Liebe aber erst vor 2 Jahren. Es gab zwei, allerdings traurige Ereignisse, die den „Stein ins Rollen“ gebracht haben, sich für die wunderschönen Raubkatzen zu engagieren: zum einen war es eine Reportage über Canned Lion Hunting im Frühjahr 2015 im Deutschen Fernsehen und zum anderen der Abschuss des Löwen CECIL im Hwange-Nationalpark in Simbabwe im Sommer 2015. Der "CECIL-Effekt": wie wohl bei vielen Menschen wurde meine Aufmerksamkeit erst nach dem Abschuss von CECIL und der damit großen internationalen Berichterstattung auf die bedrohliche Situation der Löwen gelenkt, erst dann wurde mir deutlich bewusst, wie schlecht es um den „König der Tiere“ tatsächlich bestellt ist.

„Man kann sich im Leben nicht auf andere verlassen, man muss selbst aktiv werden. Daraus entstand der Herzenswunsch, diesen vom Aussterben bedrohten Tieren zu helfen.“ – Tanja Palfalusi

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Nach der Reportage über Canned Lion Hunting und den Abschuss des Löwen CECIL habe ich viel im Internet über Raubkatzen, Trophäenjagd und Canned Lion Hunting recherchiert, dabei bin ich auf die Organisation CACH Deutschland- Nein zur Gatterjagd auf Löwen gestoßen und habe über Freiwilligenarbeit in seriösen Auffangstationen für Löwen in Südafrika erfahren.

durch das Video von Faye Peeters über ihre

Ich bin ein Mensch der zwar gerne über Tierschutz spricht und dafür spendet, aber am liebsten mit anpackt und damit aktiv etwas für den Tierschutz tut. Viele Menschen behaupten von sich, tierlieb zu sein, werden aber nie wirklich im Tierschutz aktiv. Es nutzt leider gar nichts „nur“ wütend zu sein und auf Facebook etc. über Tierquälerei zu „jammern“, man muss selbst etwas gegen Tierleid tun. Es wird sich nie etwas ändern, wenn man immer nur hofft oder davon ausgeht, dass ein anderer die Verantwortung übernimmt.

lange im Voraus viele Male via E-Mail ausgetauscht,

Blieb nur die Frage: wo sollten wir die

Arbeit von Drakenstein Lion Park Sanctuary. Sie klärte

Freiwiligenarbeit leisten? Zum einen habe ich mich

ebenfalls über Löwenzucht, Canned Hunting und die

selbst kundig gemacht, welche Einrichtung es sein soll,

schlimmen Folgen des Löwenkuschelns auf. Zudem

wichtigstes Kriterium hierbei: es musste eine absolut

war es für jeden Freiwilligen „Pflicht“ die

seriöse und ethisch verantwortungsbewusste

Dokumentation „Blood Lions“ anzuschauen, die auf

Einrichtung sein.

DVD den Freiwilligen im Gemeinschaftsraum der

Freiwilligenarbeit dort, bin ich auf Drakenstein Lion Park Sanctuary gestoßen. Vor der Freiwilligenarbeit muss jeder Bewerber ein Bewerbungsformular mit diversen Fragen (u. a wie man gegenüber Canned Hunting und das Kuscheln mit Löwenbabys eingestellt ist) ausfüllen. Mit Elzette Lategan (General Managerin von Drakenstein Lion Park Sanctuary) habe ich mich sie hat uns alle wichtigen Informationen zukommen lassen. Auf der Homepage von Drakenstein Lion Park Sanctuary http://lionrescue.org.za/ erhält man zudem einen sehr guten Eindruck über die Arbeit und man erfährt über die Schicksale sowie die Rettung der einzelnen Tiere. Am ersten Tag gab es eine Einführung und einen Rundgang: eine Mitarbeiterin zeigte uns die Einrichtung und informierte uns ausführlich über die

Einrichtung zur Verfügung stand. Selbstverständlich Zum anderen folge ich schon länger CACH Deutschland- Nein zur Gatterjagd auf Löwen auf Facebook, durch intensive Recherche und vor allem

bietet Drakenstein als seriöse und verantwortungsbewusste Einrichtung KEINE Interaktionen mit Tieren an.

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Arbeitsbeginn war um 8:30 Uhr und Arbeitsende um

Die Arbeit war spannend, abwechslungsreich und hat

16:30 Uhr. Zwischen 12 und 13 Uhr war Mittagspause.

uns, auch wenn teilweise körperlich anstrengend, sehr

Aufgaben waren unter anderem: Löwengehege

viel Spaß gemacht. Wir sind abends erschöpft aber

säubern, Wasserstellen auffüllen, Kleintierfütterung,

glücklich und mit einem guten Gefühl eingeschlafen.

Kleintiergehege säubern (Drakenstein beherbergt

Die Freiwilligenarbeit hat uns einen Einblick verschafft,

neben Raubkatzen unter anderem auch Kleintiere

wie viel Gutes man mit Mut und Engagement

sowie ebenfalls aus Missbrauch gerettete

bewirken kann und dass „gewöhnliche“ Menschen wie

Schimpansen), Gartenarbeiten sowie

Du und ich mit viel Einsatz und Herzblut

Kontrolle/Wartung der Zäune. Montags, mittwochs

außergewöhnliches leisten können. Die Arbeit hat uns

und freitags nachmittags war Löwenfütterung.

tief beeindruckt, emotional sehr bewegt und viele

Highlight war die Hilfe bei der Erweiterung des

Spuren hinterlassen. Das gesamte Team hat uns mit

Geheges einer 5-köpfigen Löwenfamilie.

offenen Armen empfangen, man hatte das Gefühl, Teil einer großen (Löwen-)Familie zu sein. Der Abschied von Drakenstein ist uns daher äußerst schwergefallen. Da wir die Freiwilligenarbeit mit einer Rundreise verbunden haben, waren wir leider nur eine Woche im Drakenstein Lion Park Sanctuary – das war definitiv zu wenig! Wir wären sehr gerne länger geblieben und hätten wir nicht im Vorfeld einige der Guesthouses und Lodges schon bezahlt, hätten wir Elzette Lategan (General Managerin von Drakenstein Lion Park Sanctuary) um Verlängerung gebeten.

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Als wir Freunden, Bekannten oder Kollegen von unserer Freiwilligenarbeit erzählten, fiel nicht selten der Satz „da könnt ihr bestimmt auch mit Löwenbabys kuscheln“. Dennoch sind wir froh und dankbar, dass wir Drakenstein und den Löwen mit dieser Woche unter die Arme greifen durften und unseren persönlichen Beitrag zum Schutz dieser wunderschönen Tiere leisten konnten. Aus dieser Woche haben wir sehr viel mitgenommen, wir haben gesehen, zu welch schrecklichen Dingen Menschen fähig sind, wenn es um Tiere geht, aber und das überwiegt: wir wurden auch Zeugen wieviel Gutes Menschen bewirken können. Mit dem geretteten ehemaligen Zirkuslöwen Brutus haben wir einen „Adoptivsohn“ im Drakenstein Lion Park Sanctuary, außerdem sind uns das Team und die Löwen sehr ans Herz gewachsen, daher gilt das Motto: nach der Reise ist vor der Reise. Der nächste und etwas längere Aufenthalt im Drakenstein Lion Park Sanctuary 2018 ist in (grober) Planung!

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Viele Freiwillige fahren mit den besten Absichten nach

„Likes“ zu erhalten. Es ist die Gleichgültigkeit genau

Südafrika, aber machen sich ungewollt (da nicht

dieser Menschen, die sie so „gefährlich“ macht und

informiert und teilweise naiv) zum Handlanger dieser

die mir persönlich am meisten Sorgen bereitet, denn

grausamen Lion-Cub-Petting und im Endeffekt auch

hier greift oft auch keine Aufklärungsarbeit.

der Canned Hunting Industrie. Das Kuscheln mit

Diejenigen, die wirklich an seriöser Freiwilligenarbeit

Löwenbabys oder das Wandern mit jungen Löwen

interessiert sind, sollten sich und auch der Einrichtung

wird leider nicht mit Tierquälerei verbunden.

in der man die Freiwilligenarbeit leistet (vorab)

Besonders makaber: auch uns wurden auf unserer

folgende Fragen stellen:

weiteren Rundreise nach der Freiwilligenarbeit diverse

Gibt es Interaktionen mit Tieren, wenn ja:

Tierinteraktionen angeboten, die wir mit entsprechender Begründung abgelehnt haben. In

➢ Welcher Art?

vielen Prospektständern lagen auch Broschüren von

➢ Woher kommen bspw. die Löwenjungen?

entsprechenden Anbietern aus. Diese Erfahrung war

➢ Warum sind sie von ihrer Mutter getrennt?

ein ziemlicher Dämpfer. Die Marketingmaschinerie

➢ Wo ist ihre Mutter, was ist mit ihr passiert?

dieser Industrie ist leider auch perfekt inszeniert: ein

➢ Sind sie Teil eines Löwenzuchtprogramms?

Blick in YouTube oder auf Social Media beweisen dies leider. Es wird einem vorgegaukelt mit dieser Arbeit

Was geschieht mit ihnen, wenn sie aus dem

etwas Gutes zu tun. Mein Mann und ich haben einige

„Kuschelalter“ raus sind, wenn sie auch für

Videos im Internet über unseriöse Freiwilligenarbeit

Wanderungen (Lionwalks) mit Touristen zu groß sind?

gesehen, leider unzählige Male von Zuschauern

Hier kommt den Vermittlern von Freiwilligenarbeit

aufgerufen und noch schlimmer von Usern geteilt, ein

aber auch den Reiseveranstaltern eine wichtige und

mediales Lauffeuer, das keinesfalls den Alltag einer

immens verantwortungsvolle Rolle zu: wenn diese nur

seriösen Löwenauffangstation widerspiegelt. Die

ethischen Projekte zur Freiwilligenarbeit bzw.

brutale Realität dieser Industrie spielt sich zudem

Touristenattraktionen vermitteln, wird irgendwann der

meist im Verborgenen und abgeschirmt von der

Geldfluss der Löwenzuchtindustrie versiegen - nur so

Öffentlichkeit ab. Manchen ist es leider aber auch

kann man ihr die Lebensgrundlagen entziehen. Aber

schlichtweg egal, was mit den Tieren passiert – sie

auch jeder einzelne von uns ist hier gefragt, seinen

würden für ein Foto mit einem Löwenjungen gerade in

wichtigen Beitrag durch verantwortungsvolle

Zeiten des Selfiewahns alles tun, um auf Social Media

Freiwilligenarbeit und Tourismus zu leisten.

möglichst viele „Clicks“ und

Fotos: Dirk Palfalusi Info: www.lionrescue.org www.cannedlion.org/Germany

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Leider mussten wir vor aber auch nach unserer Freiwilligen-Arbeit feststellen, dass die wenigsten in Deutschland über Canned Hunting aufgeklärt sind, geschweige von dessen Existenz überhaupt wissen. Als wir Freunden, Bekannten oder Kollegen von unserer Freiwilligenarbeit erzählten, fiel nicht selten der Satz „da könnt ihr bestimmt auch mit Löwenbabys kuscheln“. Als wir dann informierten, was mit den Löwenbabys passiert, wenn sie zu groß sind für Kuscheleinheiten oder Lionwalks, waren die meisten geschockt und betroffen. Mir und meinem Mann ist nach der Freiwilligenarbeit mehr denn je bewusstgeworden, dass die Art und Weise, wie man Menschen über diese grausame Industrie aufklärt, entscheidend über Erfolg und Misserfolg der Aufklärungsarbeit ist! Die Vorgehensweise ist wie mit einem scharfen Messer zu vergleichen: verantwortungs- und respektvoll eingesetzt kann es Dir und Deinem Anliegen zugutekommen, benutzt Du es leichtfertig und von „oben herab“ schneidest Du Dir ins eigene Fleisch und erreichst damit das Gegenteil. Es bringt also nichts, Menschen die o. g. Frage stellen besserwisserisch vor den Kopf zu stoßen, nur die wenigsten sind dann verständlicherweise noch für gute und schlüssige Argumente zugänglich. Erklärt man es ihnen aber ruhig und sachlich, regt man im besten Fall einen Prozess an, der die Menschen zum Nachdenken bringt. Ebenfalls ein wichtiger Faktor: man muss den Leuten Zeit geben, das Gehörte sacken zu lassen und die Information zu verarbeiten. Was wir auch noch mit auf den Weg geben können: unterschätze NIE Deinen persönlichen Einfluss! Auch wenn wir im Gegensatz zu den Medien „nur“ wenige Menschen über die schlimme Löwenzucht-Industrie informieren und erreichen können, ist diese Arbeit äußerst wertvoll, denn wenn nur einer dieser „informierten“ Personen dann unseren Gedanken von einer ethischem Freiwilligenarbeit oder einem ethischen Tourismus aufgenommen hat und weiterträgt, wenn er durch unsere Information wiederum andere informiert und sich nicht auf eine Freiwilligenarbeit oder eine Touristenattraktion einlässt, die erhebliches Tierleid verursacht, dann ist eine Brücke geschlagen, die viele weitere Menschen erreichen kann. Dann können auch noch zukünftige Generationen das wunderbare, kraftvolle und markerschütternde Brüllen des „Königs der Tiere“ in der Savanne hören und dort erleben, wo es hingehört: in die Wildnis und nicht in ein eingezäuntes Gehege zum Abschuss freigegeben!

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Profile for Faye Peeters

Weil Wut alleine nicht reicht - Freiwilligenarbeit im Drakenstein Lion Park - Tanja Palfalusi  

Weil Wut alleine nicht reicht - Freiwilligenarbeit im Drakenstein Lion Park - Tanja Palfalusi  

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