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anlagen in der Ebene ohne Terrassenelemente und Panoramabezug, bei welchen sich die Gestaltungsprinzipien nicht immer so deutlich aus dem äusseren Rahmen der Anlage ableiten lassen. Sehr gut fassbar für die ursprüngliche Organisation des Haldensteiner Schlossgartens sind die Zentralachse sowie der bereits auf dem erwähnten Wandtäfer nachweisbare Standort der Brunnenanlage. Damit bildet die aktuelle geometrische Raumeinteilung mit der Zentralachse, den daran gespiegelten Querachsen, dem Springbrunnen sowie mit den formalen Buchs- und Eibenelementen die Gestaltungsmittel der Renaissance gut ab. Wer mehr planerische Sicherheit für die Pflege und Entwicklung des Gartens sucht, vergisst, dass die Bepflanzung etwas Lebendiges ist und damit, im Zeitablauf von Wachstum und Vergehen, Veränderungen unterworfen ist. Gut zum Charakter des Lustgartens aus dem 16. Jahrhundert passt auch die Farbigkeit der zahlreichen Rosen, welche mit der Abfolge der Blüte immer wieder neue Akzente setzt. Nicht auf den ursprünglichen Gestaltungsplan zurückzuführen, dürfte die Bezeichnung Gesindegarten sein; dort befindet sich seit 2012 das Gartentheater, was thematisch sicher einen besseren Bezug zum Lustgarten hat. Pflanzen, Pflege und Bewässerung Prägend für das heutige Erscheinungsbild des Schlossgartens sind je eine mächtige Linde und Blutbuche, ein aus weiteren sechs Linden gebildetes Lindenstück sowie ein TrauerSchnurbaum. Von den Eiben präsentieren sich fünf Bäume als grossformatig formgeschnitten und vierzehn in Säulenform. Ein Birnbaum erinnert an den zeitweise zahlreichen Bestand an Obstbäumen. Der teilweise sehr alte Buchsbestand bildet auf den Springbrunnen ausgerichtet einen durchschnittlich zwei Meter hohen Halbkreis in Wellenform mit einem Durchmesser von zehn Metern.

Eine auf Kante geschnittene Buchshecke ist vier Meter hoch; wei­tere Buchshecken bilden verschiedene Parterres. Die grüne Kulisse des im 2012 realisierten Gartentheaters besteht aus Eiben und Buchen. Der recht arbeitsinten­ sive Formschnitt erfolgt einmal jährlich im späten Frühling oder im zeitigen Herbst. Der Rosenschnitt bildet einen Schwerpunkt der Gartenpflege; jahrelange Erfahrung im Umgang mit dem Rosengang, mit der Erneuerung der einmal blühenden Kletter­rosen und mit den Strauchrosen ermög­ lichen es dem Schlossteam, diese Kenntnisse und dieses Know-how im Rosenschneiden einem interessierten Publikum weiterzugeben. Recht hohe Ansprüche stellt die Bewässerung, da die Terrassenform des Schlossgartens die aus den normalerweise in Haldenstein geringen Niederschlägen resultierende Trockenheit noch verstärkt. Deshalb wurde nach den beiden Trockensommern 2003 und 2005 eine Bewässerungsanlage für die Rosen und die Grünflächen installiert; die Grünflächen unter den beiden grossen Solitären werden regelmässig mit Wasser aus dem Springbrunnen gewässert. Diese Bewässerung macht die Rosen und die übrigen Pflanzen widerstandsfähiger. Wegen der besonderen Situation des Schlossgartens würde ein Verzicht darauf durch Absinken des Feuchtigkeitsgehaltes des Gartenbodens zum Ausfall von Pflanzen führen, was beispielsweise nach 2005 bei mehreren Birnbäumen der Fall war. Die ca. 120 Rosen des Schlossgartens werden gegen Pilzbefall behandelt; diese Massnahme ist seit 2012 auch beim Buchs notwendig. Gegen den Buchsbaumzünsler mussten bisher keine Massnahmen ergriffen werden, was sich jedoch jederzeit ändern kann und eine genaue Beobachtung der Buchsbestände verlangt. Immerhin wurde bei der Neuanlage des Gartentheaters auf Buchselemente verzichtet; die verwendeten Eiben- und Buchenpflanzen

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