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Editorial

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« Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.»

Johann Wolfgang von Goethe


INHALTSVERZEICHNIS

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Editorial4 Mit Ideen zum Unternehmer Vorgeschichte bis 1863

Eingangskontrolle 1963 mit Stereomikroskop

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Die Schlossfabrik Gründung 1863

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Industrialisierung und Wachstum 1870 bis 1900 Krieg, Streiks und Krise 1901 bis 1930

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Pioniertaten für soziale Sicherheit 1931 bis 1950

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Aufbau, Innovation und Jubiläum 1951 bis 1973

49

Aus VGB wird Glutz 1974 bis 1990

61

Unterwegs zum denkenden Beschlag 1991 bis 1999

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Plötzlich stehen die Schlösser unter Strom 2000 bis 2012

77

Gute Perspektiven Heute und Ausblick

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Persönlichkeiten111 Von Bauten, Sozialem und Trouvaillen

121


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Editorial

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren

Vor nunmehr 150 Jahren hat Viktor Glutz-Blotzheim den Grundstein für den Erfolg unseres Unternehmens gelegt. Es erfüllt uns mit Stolz und Freude, Teil einer ­aussergewöhnlichen Geschichte zu sein, die 1863 begann und uns heute fasziniert und beeindruckt. Gerne laden wir Sie zu einer Reise in die Vergangenheit unseres Unternehmens ein. Blicken Sie mit uns gemeinsam durchs Schlüsselloch – und entdecken Sie unzählige grosse und kleine Geschichten, die unsere Firma bis heute geprägt haben. Tauchen Sie in vergangene Zeiten ein und spazieren Sie mit uns über diverse Brücken in die Gegenwart. Unterwegs begegnen Sie immer wieder unseren Kernwerten «sicher – innovativ – beständig» und Sie erfahren, was es damit auf sich hat.

Dabei erkennen wir, dass es vor allem die Menschen sind, die mit ihrem Einsatz und ihrer Verbundenheit die Erfolgsgeschichte unseres Unternehmens seit 1863 mitgestalten. Das sind die Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter, unsere geschätzten Kunden und Geschäftspartner, ­unsere Aktionärinnen und Aktionäre sowie die Mitglieder des Verwaltungsrates. Ihnen allen gebührt unser grosser Respekt – und unser Dank. Mit dem vorliegenden Werk verschaffen wir Ihnen Zugang zu bekannten und auch zu unbekannten ­Teilen von Glutz und wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Blick durch das Schlüsselloch.

Theo Strausak Präsident des Verwaltungsrates

Anton Glutz v. Blotzheim Vizepräsident des Verwaltungsrates


VGB-Liegenschaft vor 1870


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vorgeschichte bis 1863

Von den Ursprüngen bis zur Gründung der Schlossfabrik In der Mitte des 19. Jahrhunderts treffen wir eine komplett andere Schweiz an als das hochtechnisierte Land im Herzen Europas von heute. Die Menschen finden ihr Auskommen in Kleingewerbe und Landwirtschaft, gereist wird mit Kutschen und für die Kommunikation sind Kuriere zuständig. Doch auf einmal weht ein Wind über die beschauliche und beileibe nicht immer idyllische Szenerie. Es ist der Wind der Veränderung! Im Kanton Solothurn haben die neue Verfassung von 1830 und deren Revision von 1841 fortschritt­ lichen Kräften den Weg geebnet, indem sie neu Unternehmertum zuliessen.

Stein auf Stein für den Fortschritt. Kein Autolärm, keine schnaubende Eisenbahn, nur ab und zu ein Wind­ stoss, der durch die Bäume pfeift, und das Hufklappern von Pferdefuhrwerken: Im Jahr 1825 herrscht im Westen der Stadt Solothurn ländliche Ruhe. Der Ratsherr Viktor Glutz-Blotzheim – Vater des gleichnamigen Firmengründers – kauft eine Liegenschaft vor den Toren der damals noch befestigten Stadt. Ohne es zu wissen, erwirbt er ein Landstück, auf dem 188 Jahre später Zutrittslösungen für den Weltmarkt hergestellt werden. Was er wohl heute beim Anblick eines modernen Schweissroboters empfinden würde?


vorgeschichte bis 1863

Viktor Glutz-Blotzheim – Gründervater und Mann der Tat. Viktor Glutz-Blotzheim (1821–1878), Sohn eines Ratsherrn und verwurzelt im Solothurner Patriziat, zeigt sich stets von neuen Ideen fasziniert. Er ergreift Chancen, die sich Leuten mit Pioniergeist eröffnen. Um 1850 betreibt er mit seinem Partner Ludwig Scherer ein Frachtengeschäft. Da zu jener Zeit noch keine Eisen­bahnen fahren, werden die Waren mit Pferdefuhrwerken und auf dem Wasserweg transportiert. Als Warenumschlagplatz dient damals das Solothurner Landhaus – heute ein ­beliebtes Seminarlokal. Viktor Glutz-Blotzheim 1821–1878

Landhaus, um 1895

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vorgeschichte bis 1863

«Dynamisch, flexibel und innovativ»: So würden wohl heute in Management­ zeitschriften die beiden Compagnons Viktor Glutz-Blotzheim und Ludwig Scherer charakterisiert. Sie diversifizieren ihr Geschäft mit einem Handelsbetrieb für Gips, Steinkohle und Früchte. Bereits im Jahr 1857 ergänzen sie das Transportund Handelsgeschäft mit einer leistungsfähigen mechanischen Schreinerei und gliedern dieser schon nach kurzer Zeit eine Parkettfabrik an.

Qualität für grosse Bauvorhaben. 1861 übernimmt Viktor Glutz-Blotzheim die Anteile seines Partners und damit die Firma mit allen Aktiven und Passiven für 50 000 Franken. Schon bald gedeihen die jungen Unternehmen. Sie sichern sich immer mehr bedeutende Aufträge: So führt die Firma Schreinerarbeiten für den Neubau der Universität Zürich und das Schulhaus Biberist aus.

Neue Ideen – ein mächtiger Kraftstoff

Rechnung Glutz-Blotzheim & Scherer 1861


Viktor Glutz-Blotzheim und ­Ludwig Scherer befördern unter anderem Wein – auf dem ­eigenen Dampfschiff ­«Neptun» von ­Yverdon nach Solothurn. In ­Yverdon und Neuchâtel geht ein geflügeltes Wort um. Wenn ­jemand wegen ausgiebigen Weingenusses zu sehr schwankt, heisst es: «Il a chargé pour Soleure!» Inventar und Bilanz 1851 des Handels­ betriebs Glutz-Blotzheim & Scherer


1863 Gr端ndung Internationales Rotes Kreuz Lincoln proklamiert Befreiung aller Sklaven

Erste Untergrundbahn in London

1865 Gr端ndung der Papierfabrik Biberist Horizontale Ventildampfmaschine im Einsatz 1866 Erfindung der Schreibmaschine 1867 Alfred Nobel erfindet das Dynamit 1869 Er旦ffnung des Suezkanals Anwendung des Kettenantriebs f端r Velos


Gr端ndung 1863 Die Schlossfabrik: ein Versprechen f端r die 足Region und die Zukunft.


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gründung 1863

Die Politik als unfreiwillige Geburtshelferin «Ich kann Ihnen noch ­keine Fabrik ­zeigen, denn ich habe Sie geholt, ­ damit Sie mir eine solche ­einrichten.» Viktor Glutz-Blotzheim zu Franz Xaver Heidelberger

Für die Aufträge der mechanischen Schreinerei benötigt Viktor GlutzBlotzheim zahlreiche Schlösser und Beschläge. Er bezieht diese – soweit sie nicht von einheimischen Handwerkern geliefert werden können – aus Frankreich. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und ihrem westlichen Nachbarland sind angespannt: In der Nacht vom 29. auf den 30. März 1860 bemächtigen sich etwa 30 bewaffnete Genfer eines Dampfschiffs und steuern Thonon und Evian an, wo sie erfolglos einen proschweizerischen Aufstand unterstützen wollen – mit der Absicht, den Anschluss Nordsavoyens an die Schweiz durchzusetzen. Weniger handfest, doch auch in Solothurn spürbar, werden die Differenzen zwischen den Ländern auf wirtschaftlicher Ebene ausgetragen. Wegen Zoll­ schikanen wird das Importieren der Schlösser und Beschläge immer schwieriger. «Dann stelle ich sie halt selbst her!», entscheidet Viktor Glutz-Blotzheim: Die Idee für eine Schlossfabrik ist geboren.

Unterschrift von Viktor Glutz-Blotzheim


Anstellungsvertrag von Franz Xaver Heidelberger

1862 wird Franz Xaver Heidelberger als Leiter der Schlossfabrik eingestellt. Er bittet Viktor Glutz-Blotzheim um eine Besichtigung der Produktionsräume. «Ich kann Ihnen noch ­keine Fabrik zeigen, denn ich habe Sie geholt, damit Sie mir eine solche ­einrichten», entgegnet der ­Patron. D ­ araufhin konstruiert ­Heidelberger eigenhändig die benötigten Maschinen und Vorrichtungen. Die erste Stanz­maschine wird bei Francis Berry and Sons in England bestellt.


Dampfmaschine

Aller Anfang ist die Dampfmaschine

Die Industrielle Revolution im 19. Jahr­ hundert wäre ohne die Erfindung der Dampfmaschine undenkbar gewesen. Auch Viktor Glutz-Blotzheims neue Schlossfabrik in Solothurn nutzt von Beginn an die Energie des ­schnaubenden Ungetüms. Dessen Kraft wird über Trans­ missionsriemen auf die Schleifbänder, Bohr- und Schneidmaschinen übertragen. An den Maschinen können auch ungelernte Arbeitskräfte arbeiten. So entsteht eine neue Art von Beschäftigten: die ­Arbeiter. Im Vergleich zu den Handwerkern erhalten sie weniger Lohn und sind dem oft strengen Regime der Meister unterstellt.


gründung 1863

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Die Räder kommen in Schwung. Von seinen Erfolgen ermuntert, erschliesst sich Viktor Glutz-Blotzheim ein weiteres Geschäftsfeld: 1865 beginnt die Firma, Goldleisten herzustellen und Spiegelglas zu belegen. Nach einem erfolgreichen Auftritt an der Weltaus­ stellung in Paris 1867 werden die dreifach vergoldeten Kostbarkeiten unter anderem nach Belgien und Algerien exportiert. Seine Blütezeit erlebt dieses Metier in den 1870er-Jahren.

« 1867/68 wurde die ­Metall­giesserei eingerichtet. Herr ­Direktor ­Büttikofer hat in der Folgezeit die Pläne inkl. ­Zimmerarbeit für den Dachstock zum heute noch bestehenden Gebäude Nr. 61 selbst ­entworfen. Wie Herr Büttikofer mir selbst erzählte, soll Herr Architekt Glutz Ernst sein Können ­bezüglich Konstruktion sehr bewundert ­haben.»

Goldleistenkatalog

Es brodelt, glüht und glänzt. Ein Schloss ohne Beschlag herzustellen, kann auf Dauer nicht befriedigen. Eine im Jahr 1867 der Fabrik angegliederte Metallgiesserei schafft Abhilfe: Ab sofort produziert das Unternehmen elegante und fein ziselierte Türdrücker und Beschläge aus Messing.

Aus den Erinnerungen von Charles Glutz Drückerkatalog


VGB-Liegenschaft um 1900


«Der Wechsel ­

Beständig

ist das

leitet sich von ­ stehen» ab. Wer auf « einem Fels aus G ­ ranit steht, sieht keine ­Veranlassung, seine Stellung zu ­verändern. Was aber, wenn sich der Untergrund bewegt? Dann gilt es sich zu bewegen, um sicheren Tritt zu fassen. Glutz agiert auf dynami­schen Geschäftsfeldern, die immer wieder neue Formen annehmen. Da ist B ­ eweglichkeit Pflicht, um beständig zu bleiben.

Beständige.» Arthur Schopenhauer


1870 Erste Zahnstangenlokomotive von ­Riggenbach 1871 Gründung Portlandzementfabrik Vigier AG, Luterbach 1873 Gründung Uhrenfabrik Langendorf SA (später Lanco) 1875 Einführung des Metermasses in der Schweiz Chocolat Peter produziert in Vevey zum ersten Mal Milchschokolade 1876 Erfindung des Telephons durch Bell und Gray 1877 Erfindung von Mikrophon und Phonograph durch Edison 1879 Bau der ersten elektrischen Lokomotive durch Siemens 1880 Zeitalter des Kolonialismus beginnt 1881 Gründung der Zellulosefabrik in ­Attisholz 1882 Eröffnung der Gotthardbahn

Gründung Carrosserie Hess, Bellach

1884 Erfindung der Setzmaschine für das ­Buchdruckgewerbe 1886 Erstes Auto von Daimler und Benz 1887 Erfindung des Plattenspielers und der Schallplatte 1888 Gründung Papierfabrik, Balsthal Gründung Uhrenfabrik Certina, Grenchen 1. Juragewässerkorrektion, Seeland wird wichtigste Gemüseregion der Schweiz 1891 Erfindung der Farbphotographie 1892 Erfindung des elektrischen Bügeleisens durch Schindler 1897 Bau des ersten Dieselmotors durch Sulzer Schaffung der Schweizerischen ­Bundes­bahnen SBB 1900 Erster Zeppelinflug am Bodensee


1870 bis 1900 Industrialisierung und Wachstum.


1870 bis 1900

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Die Industrialisierung wälzt vieles um Vom ersten Fabrikgesetz zur ­Sozialpartnerschaft. Zu Beginn des Industriezeitalters liegt es ganz im Ermessen der Unternehmer, wie sie Löhne und Arbeitszeit festsetzen. Als eines der ersten Länder führt die Schweiz Gesetze über die Frauen- und Kinder­ arbeit ein. 1877 limitiert das Eidgenössische Fabrikgesetz die maximale tägliche Arbeitszeit auf elf Stunden. Seither sind zwischen den Sozialpartnern unzählige Verhandlungen geführt und Einigungen erzielt worden. Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ist der Dialog besonders wertvoll.

Fischbandabteilung


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1870 bis 1900

Ein harter Schlag für die ­Familie und die Firma Am 22. Mai 1878 stirbt der Firmengründer Viktor Glutz-Blotzheim nach schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren. Er hinterlässt einen Betrieb, der dank seines Wagemuts und Pionier­ geistes prächtig gedeiht. Seine Schwäger Ubald und Georg von Roll sowie sein Neffe Ernst Glutz-Blotzheim führen das Werk gemeinsam weiter: Sie über­ nehmen das Unter­nehmen 1879, gründen die Kommandit­gesellschaft «Viktor Glutz-Blotzheim Nachfolger» (VGB) und stellen die Parkettfabrikation ein. Die Handels­aktivitäten gehen an Viktors Sohn A ­ lphons Glutz-Blotzheim über, der im Alter von 21 Jahren seine eigene Baumaterialhandlung zu führen beginnt. Die nötigen Büroräume mietet er von der VGB.

Die VGB AG wird gegründet. Elf Jahre nach dem Ableben des Gründers ereilt die Besitzerfamilien ein weiterer Schicksalsschlag: 1890 verscheiden innerhalb eines Monats die Kommanditäre Ubald und Georg von Roll. Die Erben gründen in der Folge die V. Glutz-Blotzheim Nachfolger AG. Als erster Verwaltungsratspräsident amtet Ernst GlutzBlotzheim, und die Geschäftsleitung wird an Friedrich Büttikofer übertragen.

«Die Elektricitäts-Werke ­Solothurn liefern dem Abonnenten AG VGB Nachf. in dessen Lokalitäten ­Fabrikationsgebäude No. 191, gelb aus ihrem Leitungsnetz electrischen Strom für den Betrieb von einigen Glühlampen, gemessen am ­Elektricitätszähler.» Aus dem Vertrag mit dem Elektricitäts-Werk der Einwohner­ gemeinde Solothurn vom 22. November 1898

Visitenkarte um 1900


1870 bis 1900

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Kurante Fischbänder mit festen Stiften

«One Stop Shop» im 19. Jahrhundert.

Rezept zum Renovieren von alten Feilen auf chemischem Weg

Wie schon der Firmengründer erkennen auch seine Nachfolger früh den Wert eines durchgängigen Produktsortiments. 1891 läuft die Produktion von Fischbändern an. Dies sind Scharniere, die das Öffnen, Schliessen und Ausheben von Türen und ­Fenstern ermöglichen. Das Sortiment ist nun komplett – die Firma kann alles liefern, was für eine Tür und ein Fenster benötigt wird. Die Erweiterungen brauchen Platz: Die Firma baut ein Büro- und ein neues Fabrikationsgebäude. Mit der ­Errichtung des landesweit ersten Shedbaus mit Kies­ klebedach im Jahr 1897 schreibt die damalige VGB sogar Architekturgeschichte.


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1870 bis 1900

Goldmedaille Landesausstellung Genf

Die hohe Qualität der Produkte der VGB sprechen sich herum. Nicht nur unter Kunden und Partnern des Unternehmens, sondern auch unter diversen Wettbewerbs-­Jurys.

Krönung für wegweisende ­Produkte und Strategien Goldmedaille an der Landesausstellung 1896. Im besten Alter von 33 Jahren nimmt die mittlerweile allgemein bekannte Schlossund Beschlägefabrik an der 3. Schweizerischen Landesausstellung in Genf teil. Ihre herausragenden Produkte werden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.


1870 bis 1900

Giesserei

Poliererei

Technologievorsprung mit galvanischer Anstalt. Die Galvanotechnik wird zum Beschichten und Ver­ härten von Metallen eingesetzt. Dabei liegen die ­Objekte – z. B. Türdrücker – in einem chemischen Bad, durch welches Strom geleitet wird. Ende des 19. Jahrhunderts steckt die Technik noch in den Kinderschuhen. Mit ihrem untrüglichen Instinkt für Erfolg versprechende Entwicklungen erkennen die führenden Köpfe der VGB deren Potenzial und errichten 1893 eine galvanische Anstalt im Betrieb.

Fünf Methoden unter einem Dach. 1897 wird die Fabrik erneut erweitert: mit einer Schleiferei. Zusammen mit der Poliererei, der Messinggiesserei, der Schmiede und der galvanischen Anstalt verfügt das Unternehmen jetzt über eine einzigartige Produktions­ breite – eine ausgezeichnete Basis für innovative Produkt­ entwicklungen. 1898 wird die Goldleisten­fabrikation und damit die Holzverarbeitung aufgegeben.

Schmiede

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Stramme Männer im Einheitstenue

Fabrikschreiner und Maurer mit Mitarbeitern

Früher war nicht alles besser Im 19. Jahrhundert werden die Arbeiter der VGB oft von ihren Kindern in die Fabrik begleitet, die dort ebenfalls Hand anlegen. Auch ein 80-jähriger, ehemaliger ­Soldat der geschlagenen Bourbaki-Armee verdient in der Schlossfabrik sein Brot. Die Verhältnisse sind hart: Jeden Tag wirken die Arbeiter elf Stunden lang in den Produktionsräumen, inklusive Samstag. Ferien stehen ihnen ebenso wenig zu wie eine Unfall- und Kranken­ ver­­sicherung. Verglichen mit anderen Unternehmen gründet die VGB früh – 1920 – eine Wohlfahrtsstiftung, die ab 1979 als Personalvorsorgestiftung geführt wird.

Packerei


1870 bis 1900

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« Um 5 Uhr musste das Feuer in der Esse brennen, um 8 Uhr Frühstück, um 10 und 16 Uhr gab es ein ­Gläschen Schnaps (Härdöpfeler) mit Brot. Um 12 Uhr eine ­Stunde Mittagspause und um 7 Uhr Nachtessen, nach 11 S ­ tunden Arbeit. Am Abend von 20 bis 22 Uhr Hand­werkerschule: Aufsatz, Rechnen, Freihand- und ­geo­metrisch Zeichnen sowie Französisch.» Friedrich Büttikofer – späterer Direktor der VGB – erinnert sich an seinen Alltag als Schlossergeselle in Herzogenbuchsee im Jahr 1869.

Schlosserei


1901 Erfindung von Staubsauger, Rasierapparat und elektrischer Schreibmaschine 1906 Einführung des Postcheck- und Giro­ verkehrs in der Schweiz Eröffnung Simplontunnel, bis 1970 ­längster Gebirgstunnel der Welt Gründung Eterna Werke Gebr. Schild & Co., grösste Uhrenmanufaktur der Schweiz 1907 Eröffnung der Schweizerischen Nationalbank als Notenbank Gründung der Buchdruckerei Vogt/Schild in Solothurn 1908 Erste Luftseilbahn der Welt auf das ­Wetterhorn bei Grindelwald 1909 Erfindung des Bakelits durch Leo ­Hendrik Baekeland 1910 Erfindung der Glühlampe mit Wolfram­ faden durch William David Coolidge 1912 Eröffnung der Station Jungfraujoch der Jungfraubahn (mit 3454 m höchst­ gelegene Eisenbahnstation Europas) 1913 Henri Ford führt in der Automobil­ industrie die Fliessbandfertigung ein 1914

Ausbruch des 1. Weltkriegs

Fabrikarbeit im Kanton Solothurn: Zunahme gegenüber dem Jahr 1900 um 73 % 1915 Erhebung der Kriegssteuer in der Schweiz als erste direkte Bundessteuer Veröffentlichung der Allgemeinen ­Relativitätstheorie durch Albert Einstein 1918 Ende des 1. Weltkriegs mit 16 Mio. ­getöteten oder vermissten und 21 Mio. verwundeten Menschen

Gründung der Scintilla AG in Solothurn

1920

Beginn der Weltwirtschaftskrise

Einführung der elektrischen Fahrzeug­ beleuchtung mit Dynamo 1922

Gründung der Autophon AG in Solothurn

1923 Erfindung des Reissverschlusses durch den Schweizer Winterhalter (RiRi) 1925

Gründung der Migros durch Duttweiler

1926 Erfindung der automatischen Uhr in Grenchen (Rolex Oyster Perpetual) 1929 Erfindung der Geschirrspülmaschine durch Miele


1901 bis 1930 Krieg, Streiks und Krise.


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1901 bis 1930

Mit 300 Mitarbeitern ins neue Jahrhundert Bumm! Es hat sich ausgedampft. Im Jahr 1905 explodiert die ­überlastete Dampfmaschine. Schnell wird ein ­Loko­mobil herangeschafft. Diese Dampf­ maschine auf Rädern ist aber nur eine Übergangslösung. Man kann nicht länger gegen den Strom schwimmen – die Elektrizität übernimmt nach und nach die gesamte Energieversorgung.

Die Rückkehr des Sohnes. Meister mit Lehrling

Ein bedeutendes Schweizer ­Unternehmen.

Kohlenbügeleisen

Um die Jahrhundertwende ist die VGB AG mit ihren 300 Mitarbeitern eines der grössten Schweizer Unternehmen seiner Art. Neben Schlössern und Fisch­bändern stellt sie Tür- und Fensterbeschläge, Haushaltartikel wie Holzkohlebügeleisen, Werkzeuge sowie Metallartikel für das Militär und den Sport her.

1913 stirbt der Verwaltungsratspräsident Ernst Glutz-Blotzheim. Sein Amt übernimmt Alphons Glutz-Blotzheim (1858– 1938). Er ist der Sohn des Firmen­ gründers und Patron der ­Baumaterialien-, Eisen- und Kohlenhandlung AGB. 22 Jahre lang ist er für Kontinuität und Weiter­entwicklung der VGB besorgt, ab 1922 unterstützt durch den neuen Geschäftsführer Albert Johé.


1915 feiert Arbeiter Dietschi seinen 80. Geburtstag und sein 50. Dienstjahr. Er erhält von der VGB 500 Franken geschenkt, was heute einem Wert von 4500 Franken entspricht. Doch die Stimmung in der Fabrik ist wegen des organisierten Mordens auf Europas Schlachtfeldern gedrückt. Nicht zuletzt dank ­Aufträgen der Schweizer Armee kann sich die Firma wirtschaftlich behaupten und 1918 die wöchentliche Arbeitszeit von 57 auf 55 Stunden verkürzen. Das ist den ­Arbeitern aber zu wenig: Im November 1918 streiken sie ein paar Tage lang, Soldaten leisten Ordnungsdienst in der VGB. 1919 wird die Arbeitszeit auf 48 Wochen­stunden gesenkt. 1923 erschüttert erneut ein Arbeitskonflikt die Fabrik, nachdem die Arbeitszeit befristet wieder auf 52 Stunden erhöht werden musste. 116 Arbeiter legen die Arbeit nieder, um dagegen zu protestieren. Gemeinsam mit der Gewerkschaft und dem Einigungsamt wird der Konflikt beigelegt. Die VGB wird verpflichtet, mindestens 100 bis 110 der streikenden Arbeiter ohne Sanktionen wieder einzustellen – im Gegenzug darf die Gewerkschaft die Streikbrecher nicht belangen.

Schmiede

« Als Beleuchtung dienten uns damals die pfupfenden Karbid-Funzeln, die entweder ganz schön oder gar nicht brannten. Ein Riesenschleifstein mit einem Durchmesser von ca. drei Metern blickte auf mich herab, als ich als Jüngling den heutigen Gross- und Urgrossmüttern ihre Kohlenglätte­ eisen fräste.» Erinnerungen von Adolf Fahrni, bei VGB von 1911 bis 1961


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1901 bis 1930

Gute Sitten sind Pflicht

Im Jahr 1900 wird die Fabrikordnung der Viktor GlutzBlotzheim Nachfolger AG vom Regierungsrat des Kantons Solothurn genehmigt. Aus heutiger liberaler Perspektive scheint diese Genehmigungspflicht kaum vorstellbar. Nachvollziehbar – und immer noch aktuell – sind aber die G ­ rundsätze dieser ­Fabrikordnung bezüglich Verhalten in der Fabrik: «Grösste Gewissenhaftigkeit in Ausführung der über­t ragenen Arbeiten, Pünktlichkeit, Ordnung und Reinlichkeit wird jedem Arbeiter zur Pflicht gemacht; Anstand, Mässigkeit und gute Sitten zu beobachten, soll Ehrensache für jeden sein.»

Soziales Unternehmertum – kein Widerspruch. Die ersten Generationen von Firmenbesitzern und Geschäftsführern legen Wert auf klare Hierarchien und Befehlswege. Dies entspricht dem Zeitgeist und den während der Gründer- und Aufbaujahre üblichen Verhältnissen zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern. Doch die ersten Patrons der VGB beweisen Fortschrittsgeist: Sie nehmen ihre Verantwortung für das Wohl­ergehen der Arbeiter wahr. Die Schloss­ fabrik lässt ihre Arbeiter früher als die meisten anderen Unternehmen an neuen sozialen Errungen« Mein erstes Arbeitsfeld war die schaften teilhaben. Während des Ersten Weltkriegs beschliessen die Aktionäre, die durch die Reduktion Schlosserei, wo damals ca. 120 Mann des Betriebs brotlos gewordenen Arbeiter zu unter­ feilten, schlosserten und einen Lärm stützen. Ebenso wird Arbeiter­familien geholfen, deren Männer Militärdienst leisten. 1920 wird der verursachten, dass mir die Stunden arbeitsfreie Samstagnachmittag eingeführt.

zu Tagen wurden.»

Adolf Fahrni über seinen ersten Arbeitstag in der VGB im Juli 1911


Copie de Lettres

Schreiben als Kopf- und Handwerk. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lohnt es sich noch, seine Handschrift zu ­pflegen. In der VGB werden sämtliche Briefe, ­Offerten und Fakturen sorgfältig in Schönschrift erstellt. Den Fotokopierer hat nicht einmal Jules Verne voraus­ gesehen – so erstellen fleissige Büro­ angestellte mit der Handkopiepresse ­Duplikate der Korrespondenz. Die gesammelten Werke sind im «Copie de Lettres»Buch vereint.


1932 Auguste Piccard steigt mit einem Ballon 16 201 m hoch und ist somit der erste Mensch in der Stratosphäre 1935 E  rfindung des Nylons durch Wallace Hume Carothers (ursprünglich für Zahnbürsten ver­wendet) 1936 In Biel entsteht ein Automobilmontage­ werk der General Motors 1938 Völkerbund anerkennt umfassende Neutralität der Schweiz

Erstes Fernschreibernetz in Hamburg

1939 Der 2. Weltkrieg beginnt

Generalmobilmachung der Schweizer Armee

1940 Erstes Überseetelefon in Betrieb 1941 Einführung von Rationierungskarten in der Schweiz Inbetriebnahme des ersten program­ mierbaren Rechenautomaten mit ­Lochstreifen von Ernst Otto Zuse 1943 Inbetriebnahme des ersten funktions­ tüchtigen Kernreaktors in den USA 1945 Kapitulation Deutschlands und Japans, Kriegsende

Gründung der UNO in San Francisco

1946 Beginn der wirtschaftlichen Hoch­ konjunktur in der Schweiz Erste Produktion des Rollers «Vespa» der Firma Piaggio

Erfindung der Polaroidkamera durch den Amerikaner Edwin Herbert Land

1948 E  inführung der AHV in der Schweiz Erfindung von Klettverschluss, ­Langspielplatte und Transistorradio 1949 Diners Club führt die Kreditkarte ein


1931 bis 1950 Pioniertaten f端r soziale Sicherheit in Zeiten von Krieg und Frieden.


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1931 bis 1950

Die dritte Generation ­übernimmt das Ruder Schon vor der Weltwirtschaftskrise stottert die Konjunktur in der Schweiz. Und nach dem «schwarzen Donnerstag» – dem grossen Börsencrash von 1929 – erst recht. Zwischen 1932 und 1935 schreibt die VGB rote Zahlen. In dieser schwierigen Zeit übernimmt Charles Glutz-Blotzheim 1935 als Präsident des Verwaltungsrats die Verantwortung. Ab 1936 ist er zusätzlich als Geschäftsleiter tätig. Dem Enkel des Firmengründers stehen seine Brüder Viktor III als Verwaltungsrat, Konrad als Aktuar und Alphons jun. als Assistent zur Seite. Der Firma wird eine Fitnesskur verordnet. Restrukturierungen werden umgesetzt, die Buchhaltung neu organisiert und das Aktienkapital halbiert. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ist die VGB wirtschaftlich wieder auf Kurs.

Stanzerei

1940 – Einführung der Fünftagewoche. Der Zweite Weltkrieg trifft die Firma empfindlich. Ein Viertel der Belegschaft leistet Aktivdienst, der Auftragsbestand trudelt, die Rohstoffe sind knapp. Das Unternehmen reagiert mit einer Reduktion der Arbeitszeit. 1940 führt die VGB als eines der ersten Unternehmen die Fünf­t agewoche definitiv ein. Das letzte Wort dazu haben die Arbeiter in einer Abstimmung. Dank Kriegsmaterialaufträgen kann ein Teil der Ertragsausfälle kompensiert werden.


1931 bis 1950

Soziale Sicherheit – der Zeit voraus. Ebenfalls sehr früh – nämlich 1946 – erhalten die Angestellten der VGB einen Gesamtarbeitsvertrag, und ab 1949 wird der Zahltag der Arbeiter monatlich abgerechnet. 1962 errichtet die Firma ein Lagergestell: Seiten und Rückansicht Wohnhaus für Fremdarbeiterfamilien – die Villa Italia. Schon ab 1947 sind Gast­ arbeiter im Betrieb tätig, vornehmlich « Wir haben Arbeitskräfte gerufen, aus Italien. 1957 baut das und es sind Menschen gekommen.» Unternehmen die 1920 gegründete Max Frisch Wohlfahrtsstiftung zu einer Personalversicherungskasse aus – notabene Jahrzehnte vor der Einführung des Pensionskassenobligatoriums. Die Gründerfamilie bringt sich auch hier Villa Italia im Bau ein. So amtet ab 1936 während 40 Jahren Viktor III Glutz-Blotzheim und ab 1976 Anton Glutz v. Blotzheim als Präsident der Wohlfahrtsstiftung und späteren Personal­versicherungskasse. 2011 übernimmt sein Neffe Philipp v. Segesser dieses Amt. Einen weiteren Meilenstein für mehr soziale Sicherheit setzt die VGB im Jahr 1966: Mit der Gründung ihrer Kollektivkranken­ kasse zählt sie zu den fortschrittlichsten Unternehmen der damaligen Zeit.

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VGB-Areal um 1955


ÂŤEin Mann mit ist ein so die Idee sich


e ­ iner n ­ euen Idee Narr – lange, bis ­Innovativ.

Innovation bedeutet bei Glutz mehr als das Ent­wickeln ­neuer ­Produkte oder Herstellungs­ methoden. Es sind Menschen, die ein Unternehmen weiterbringen. Ihre neuen Ideen fliessen reichhaltiger, wenn sie sich in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Deshalb ist es alles andere als närrisch, wenn ­innovatives Handeln mit sozialem Fortschritt einhergeht.

durchgesetzt hat.» Mark Twain


1952 Letzte Postkutsche fährt über den ­Simplonpass 1953 Erstbesteigung des Mount Everest durch Edmund Hillary und Tensing Norgay 1954 E  rfindung des Industrieroboters durch den Amerikaner George Devol Produktion der ersten Fotozellen zur Gewinnung von Strom in den USA 1955 S  chaffung der Invalidenversicherung in der Schweiz 1957 Gründung der Europäischen ­Wirtschaftsgemeinschaft EWG 1960 Ende der Kolonialherrschaft für 18 ­Länder in Afrika 1961 Der Russe Juri Gagarin umkreist als erster Mensch in einer WOSTOK-Rakete die Erde 1963 Extreme Kälte in der Schweiz lässt ­Zürichsee und Bodensee zufrieren

Die Schweiz tritt dem Europarat bei

Erster Relais-Satellit verbindet ­interkontinentale Telefonie und ­Fernsehen 1964 Einführung der Postleitzahlen in der Schweiz 1966 EFTA beschliesst Zollabbau auf Industrie­gütern 1967 Gründung der Europäischen ­Gemeinschaft EG 1969 Erste bemannte Mondlandung mit «Apollo 11» (US-Astronauten ­Armstrong, Collins, Aldrin) Erstes Kernkraftwerk der Schweiz ­«Beznau I» in Betrieb 1970 E  rfindung des Mikroprozessors als Basis für die Mikroelektronik 1971 Erhöhung der Rohölpreise führt zu wirtschaftlicher Rezession in der Schweiz und schwächt die Weltwirtschaft Kurzarbeit und Betriebsschliessungen in ganz Europa Einführung des Frauenstimm- und ­-wahlrechts in der Schweiz


1951 bis 1973 Aufbau, Innovation und Jubil채um.


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1951 bis 1973

Europa steht nach dem Krieg voll im Wiederaufbau. Der optimistische Geist des «Wirtschaftswunders» erfasst in den 1950er-Jahren auch die VGB. Das Haus vibriert förmlich von der Energie neuer Ideen. Die VGB eröffnet die neue Abteilung Apparatebau und stellt auch Haushaltsgeräte her – so etwa die «Soletta»-Reihe mit Plattenwärmer und Fonduerechaud. Nicht zuletzt dienen solche Produktentwicklungen abseits des Kerngeschäfts dazu, die saisonalen Nachfrage­ schwankungen der Baubranche auszugleichen und damit die Vollbeschäftigung der Mitarbeitenden zu sichern. 1954 übernimmt mit Ernst Gerber ein dynamischer Ingenieur die Direktion. Diverse Produkte setzen sich auf dem Markt erfreulich durch: Das Solo-Espagnolettenschrank­schloss wird bis nach Übersee exportiert und der TOBY-Ölregler schreibt die ersten Kapitel TOBY-Ölregler 1969 ­seiner langen Erfolgsgeschichte. Immer öfter stehen die Leistungen der VGB im Rampenlicht. Die Schweizer Pavillons an der Weltausstellung in Brüssel 1958 sind ausschliesslich mit ihren Schlössern bestückt, und die «Soletta»-Reihe wird mit einem Design-Preis ausgezeichnet.

Zeit für Innovationen


1951 bis 1973

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Solo-Espagnolettenschrankschloss 1954 bringt die VGB das technisch sorgfältig konzipierte, robuste, rostbeständige und äusserst zuverlässige Solo-Espagnolettenschrankschloss heraus. Das Schloss ist ein voller Erfolg, sodass Aufträge aus Europa und sogar aus Übersee folgen.

Das Bessere ist der Feind des Guten. Bis in die 1950er-Jahre betreibt das Unternehmen keine eigentliche Entwicklungsabteilung. Das ist den kreativen Köpfen in den Werkstätten aber herzlich egal. Sie tasten sich ganz einfach «nach Gefühl» an neue Produkte heran. Eine Handskizze reicht zunächst vollkommen, die Prototypen werden mit einer Polaroid­ kamera fotografiert und auf diese Weise dokumentiert. Ab 1956 wird ein Versuchslabor eingerichtet – darüber hinaus erfolgt der Ausbau der V ­ ersuchsmechanik. Die Leidenschaft für das Finden der besseren Lösung hat nun ein geordnetes Zuhause, und das Unternehmen glänzt in der Folge mit etlichen ­Innovationen – so 1958 mit dem TOBY-Ölregler oder 1969 mit dem legendären SWISSSchloss, einem leichten Einbauschloss für Zimmer­türen. Die Fischbänder werden von modernen Drehbändern abgelöst. Für neue Bedürfnisse des Marktes hält die VGB in aller Regel rechtzeitig eine selbst entwickelte Antwort bereit.


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1951 bis 1973

Spielend zu einem einzigartigen Zusammenhalt 1956 haben die zwei Mitarbeiter Hans Flückiger und Horst Jäggi eine Idee: Warum sollten Kolleginnen und Kollegen, die täglich in ihrem Berufsalltag gut zusammenarbeiten, nicht auch in ihren sportlichen Freizeit­ aktivitäten etwas gemeinsam unternehmen? Eine Idee, die kurz darauf zur Gründung des VGB Sportclubs führt.

Gemeinsam sind wir fit. Rund 30 Arbeiter und Angestellte schliessen sich dem neuen Sportclub an. Sie bilden zunächst eine Fussballmannschaft, ein Damenkorbballteam und eine Klein­ kaliber-Schiesssektion. Später kommen Faustball, Tennis und Tischtennis hinzu. Der VGB Sportclub wird zur ­festen Grösse in Firmenmeisterschaften. Besonders ­beliebt ist der Firmenorientierungslauf, der schnell einmal zu einem jährlichen Höhepunkt wird: Über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen daran teil.

Anstecker vom VGB-Orientierungslauf


Aktie der V. Glutz-Blotzheim Nachfolger AG

Mitsprache – ein Gewinn für alle. Glutz zählt seit jeher auf die Kompetenz seiner Mit­ arbeitenden. Im Lauf seiner Geschichte hat das Unternehmen verschiedene Plattformen für den Meinungsaustausch geschaffen: « Ab 1. Juli 1958 werden Angestellte, Arbeiter das betriebliche Vorschlagswesen, den «Kummerbriefkasten», regelmässige und Lehrlinge am Erfolg der Firma beteiligt.» Sitzungen zwischen den Arbeitnehmerund Arbeitgebervertretungen. Seit 1958 Artikel 1 des Erfolgsbeteiligungsreglements werden die Mitarbeitenden in Form von Prämien am Erfolg beteiligt – besonders verdiente Angestellte haben zudem Aktien erhalten.


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1951 bis 1973

Jubiläum – und niemand feiert?

Einladung zum Festakt

Eigentlich wollte die VGB schon 1957/ 1958 ein Jubiläum feiern: die Gründung der mechanischen Schreinerei und der Parkettfabrik ein Jahrhundert zuvor. Aber: «Das 100-Jahr-Jubiläum wird aufgrund des schlechten Geschäftsgangs verschoben.» Dieser lakonische Satz in einem Geschäftsleitungsprotokoll illustriert den gesunden unternehmerischen Geist, der Glutz bis heute prägt: Man gibt nicht mehr Geld aus, als man hat – und man steht ­solide auf dem Boden der Realität. Gefeiert wird später, nämlich 1963 das 100-Jahr-Jubiläum der Schlossfabrik. Und sobald es der Kontostand erlaubt, investiert die Firma in ihre Zukunft: Mit einem neuen Prüflabor verstärkt die VGB ihre Entwicklungskompetenz. Darüber hinaus tritt sie mit der Gründung ihrer deutschen Tochter­gesellschaft Toby der Zolldiskriminierung durch die EWG offensiv entgegen.

« Zum hundertjährigen ­Jubiläum 1963 überreichte die Belegschaft den Firmen­eigentümern ein ganz besonderes Geschenk: den Glutz-Marsch! Initiant dieser aussergewöhnlichen Aktion war der Mitarbeiter Roman Höhener, der in seiner Freizeit eine Blasmusik dirigierte.» Aus den Erinnerungen einiger Glutz-Mitarbeitenden


1951 bis 1973

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« Altmodisch und konservativ in der Einstellung zur Arbeit, weil uns dies allein glücklich machen kann, aber aufgeschlossen und modern in Technik und Organisation und Ausstattung.» Das Motto zum Jubiläumsfest

Charles Glutz-Blotzheim bei seiner Rede zum Jubiläum

Der Glutz-Marsch wird gespielt

Originalnoten Glutz-Marsch


« Ihr guter Geschmack wird von allen gelobt, wenn Sie ­Ihren Tisch mit den formedlen, überlegen zweck­ mässigen Soletta-Geräten schmücken. Alle Soletta-Plattenwärmer und Fonduerechauds sind nach dem klug durchdachten SolettaHeizprinzip „überall gleich warm“ ­gebaut.» Werbetext Soletta-Plattenwärmer und Fonduerechauds, 1950er-Jahre

Bunte Blüten des Erfindergeistes Die Jahreszeiten beeinflussen den Geschäftsgang der VGB massiv. Dies ist nicht etwa ein esoterischer Erklärungsversuch für schlechten Geschäftsgang, sondern Realität: Im Bausektor wird im Winter naturgegeben weniger gearbeitet. Entsprechend schwankend ist die Nachfrage nach Schlössern, Beschlägen und Zutrittsystemen.

Mit Innovationen in neue Gebiete vorstossen. Was tun, um die Beschäftigung der Mitarbeitenden in Zeiten schwacher Nachfrage aus dem Bausektor zu ­sichern? Erfinderisch werden! Das Unternehmen entwickelt eine Vielzahl von Produkten, deren Absatz nicht an die Zyklen der Baubranche gefesselt ist. Einige davon erzielen grosse Erfolge, andere werden leise wieder aus dem Sortiment genommen … Interessant sind sie alle – und die Vielfalt der Ideen ist faszinierend.


1951 bis 1973

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VGB-Vierkantschlüssel Universeller Türöffner – unter anderem in der Eisenbahn.

Ski Lock Leistet auch heute noch gute Dienste in Skigebieten.

Soletta-Plattenwärmer Zierde des Esstisches – mit prämiertem Design.

Disigard Die diebstahlsichere Garderobe mit Münzautomat.


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1951 bis 1973

Beim Erfinden neuer Produkte dringt die VGB bisweilen in abenteuerliche Gebiete vor. So stellt das Unternehmen beispielsweise eine Heizung für Schwimmbassins her. Die petrolbetriebenen Geräte werden nach dem Tauchsieder­ prinzip verwendet – leider setzen sie sich auf dem Markt nicht durch. Andere Innovationen aus Solothurn machen hingegen ihren Weg bis hin zu Spitzensportlern.

Für das Kleinkind und den Olympiateilnehmer

Kindertöpfchen Ding-Dong Bei der Erledigung des «Geschäftchens» erklingt eine Melodie. Die Vorteile laut Werbetext: 1. Erleichtert die Erziehung des Kindes zur Reinlichkeit 2. Spielende Gewöhnung an das Töpfchen 3. Unnötige Kontrollen werden erspart 4. Dadurch grosse Entlastung der Mütter – Zeitgewinn 5. Das Töpfchen belohnt das Kind mit Musik 6. Kinderpsychologen bestätigen den hohen erzieherischen Wert

Skibremse Catchy Die erste Alternative zu den um­ständ­ lichen Bändern.

Soletta-Ansaugmischer Für die Gartenpflege und die Reinigung.


1951 bis 1973

Langlaufbindung Longstep Die Entwicklung wird vom Schweizer Spitzenlangläufer und Olympiateilnehmer Alfred Kälin begleitet. Der Erfinder Ernst ­Gerber über sein Motiv: «Die neue Bindung wurde aus der Not eines Langläufers geboren, der auf konventioneller Bindung nach jedem Lauf so an Blasen und Wunden litt, dass ihm nur übrigblieb, entweder eine neue Bindung zu bauen oder den geliebten Sport aufzugeben.» Schon bald feiert die Longstep auf der Loipe Erfolge.

1970/71: 10 Prototypen im Einsatz, 4. Rang am ­Engadiner Skimarathon, 1971/72: Einige hundert Musterbindungen im Einsatz. Als Resultat von Superzeitlupenaufnahmen wurden einige Korrekturen an der Bindung vorgenommen, um den Bewegungsablauf für den Spitzenläufer zu verbessern. 1972/73: Einige tausend Bindungen im Einsatz. Alfred Kälin und ­Hansueli Kreuzer laufen ausschliesslich mit Longstep. Alfred Kälin muss die Bindung zwei Mal im schwedischen Fernsehen vorführen. Zuerst machen sich die Schweden über die Bindung lustig, nach dem 2. Platz von Kälin werden sie sehr ernst und nachdenklich. Der Trainer der spanischen Nati, Ueli Wenger, schreibt: «Der aktive Schritt wird etwa um 10 bis 15 cm länger. Die ‚­armen’ Spanier staunen nur, weil sie beim besten Willen nicht mit­kommen.»

« Nach einem Achillessehnenriss versuchte ich Langlauf mit üblicher Bindung. Ich bekam Schmerzen. Zwei Tage später ging ich mit der Longstep los. Es kamen keine Schmerzen. Ich bin jedenfalls jetzt von dieser Bindung noch mehr begeistert als schon vorher.» Brief von Dr. Paull aus Tutzing an Glutz

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Alfred Kälin und seine National­ mannschaftskollegen senden der VGB G ­ rüsse aus dem Trainingslager in Schweden.


1975 E rste vollelektronische Uhr ^ durch Ebauches SA Neuchatel

infu E ¨hrung des Nationalen Autotelefonnetzes (Natel) in der ­ Schweiz

1977 D eutlicher Ru ¨ckgang von Betriebsschliessungen in der ­ Schweiz

rster Personalcomputer E 'Apple II‘ auf dem Markt

eltweite Versuche mit SonnenW kraftwerken

1980 E ro ¨ffnung des Gotthard-Strassen­ tunnels (la ¨ngster Strassentunnel der Alpen) 1981 E infu ¨hrung der Sommerzeit in der Schweiz

BM bringt seinen eigenen, jetzt I auch offiziell PC genannten Personalcomputer auf den Markt und mit ihm das von Microsoft stammende Betriebssystem DOS, das zum weltweiten Standard wird

1982 N eue Rezession und Kurzarbeit in der Schweiz 1983 M otorola bringt das kommerzielle Mobiltelefon 'Dynatac 8000x' auf den Markt

rfindung der Swatch vom E Uhrwerkfabrikanten ETA in ­ Grenchen ­

1985 B estes Schweizer Bo ¨rsenjahr aller Zeiten ­ 1987 A us der Berner Hasler Holding und der Solothurner Autophon AG wird Ascom Holding AG

ie USA beginnen mit dem ­ D Aufbau des GPS (Global Positioning System) ­

1989 Fall der Berliner Mauer 1990 D ie Sowjetunion zerfa ¨llt in selbststa ¨ndige Einzelstaaten, die jugoslawischen Teilrepubliken erkla ¨ren ihre Unabha ¨ngigkeit und Deutschland feiert die Wieder­ vereinigung


1974 bis 1990 Aus VGB wird Glutz: Wachstumsschub unter einem altbekannten neuen Namen. 足


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1974 bis 1990

84 Jahre lang repräsentieren die Initialen des Firmengründers den Namen des Unternehmens VGB (V. Glutz-Blotzheim Nachfolger AG). 1974 ändert der Name in Glutz AG. Zugleich treten die Verwaltungs­ räte Viktor und Charles Glutz-Blotzheim sowie der VR-Aktuar Konrad Glutz-Blotzheim zurück. Heinz Winkelhausen wird neuer Verwaltungs­ratspräsident (bis 1984) und die Familie ist nun mit den Verwaltungsräten Anton und Dr. Alexander Glutz v. Blotzheim, der 1985 Verwaltungsratspräsident wird, vertreten. Der neu konstituierte Verwaltungsrat steht gleich vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Aufgrund der Ölkrise bricht der Absatz von Ölreglern zusammen. Dank eines geschickten Schachzugs kann die Glutz AG Kündigungen vermeiden. Sie übernimmt die Montage von Bohrmaschinen – zwischen 16 000 und 24 000 Stück pro Monat. 1977 geht die Geschäftsleitung an René Trächsel über.

Adieu, VGB – willkommen, Glutz

« Manchmal lösten unerwartete Geschehnisse Innovationen aus. Zum Beispiel lästige Stromstösse: Im Bürgerspital Solothurn hatten unsere Türdrücker aus rostfreiem Stahl Probleme verursacht. Da der Fussboden aus ­L inoleum bestand, baute sich zwischen den Spitalmitarbeitern und den Türdrückern elektrische Spannung auf. Beim Kontakt mit dem Drücker entlud sich ­diese Spannung mit Stromschlägen! Glutz reagierte und setzte zunächst auf Plastik­hülsen, danach auf gelötete Messingteile. Das Löten von Messing und rostfreiem Stahl sorgte aber wiederum für Probleme: Bei starker Belastung brachen die Lötnähte der Türdrücker oft. Als Konsequenz daraus wurde auf Schweissen umgestellt, später ergänzte die hochwertige Kunststoff-Drückerlagerung „glide“ die nun „stromfreie“ Lösung.» Erinnerungen einiger Glutz-Mitarbeitenden


1974 bis 1990

Edelstahl – harte Argumente für mehr Sicherheit. In den 1970er-Jahren stellt Glutz die Produktion um: Neu werden neben den Messingmodellen Türdrücker aus Edelstahl gefertigt. Die neuen Edelstahldrücker über­ zeugen mit ihrer Robustheit und werden den Markttrends gerecht. Zudem erfordert ihre Herstellung – im Vergleich zu Messingdrückern – weniger Handarbeit.

Katalogblätter mit Edelstahlbeschlägen

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1974 bis 1990

Vorwärts mit neuen Strategien Was tun, wenn der Heimmarkt zu eng wird? Expandieren! Im Einklang mit der einsetzenden Globalisierung will sich Glutz vermehrt inter­ nationale Märkte erschliessen. 1980 überschreiten die Exporte erstmals die Millionengrenze – das macht Mut. 1982 übernimmt die Firma mit der Ruf AG ihre bedeutendste Schweizer Konkurrentin und baut ihre Marktstellung aus. 1988 übernimmt Alfons Steger die Gesamtleitung. Unter Dr. Alexander Glutz v. Blotzheim wird ein neues Leitbild erstellt und 1991 die Divisionalisierung initialisiert.

Für eine Mechanik mit elektronischem IQ. Bereits 1984 bringt Glutz das magnetinduktive Sicherheitsschloss «Corkey» auf den Schweizer Markt. Dieser Schritt markiert den Beginn der Entwicklung der schlüssellosen Zukunft. Es braucht allerdings noch Jahre, bis elektronische Schlösser den Markt erobern. Jahrhunderte lang war der metallene Geselle ein treuer Begleiter der Menschen. Plötzlich lässt sich ein Schloss mit einer Magnetkarte entriegeln! Inserat von Glutz «Corkey»


1974 bis 1990

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Teamgeist bewegt Spiel mir einen Pass, Direktor! Auf dem Platz sind alle gleich. Dies respektieren auch die Firmenkader, die im Sportclub mit viel Herzblut mitmachen. Wenn der Ball rollt, duzen sich alle – über die Hierarchiestufen hinweg. Am nächsten Tag in der Firma gilt wieder das gegenseitige Siezen. Für das Arbeitsklima sind die gemeinsamen Erlebnisse äusserst wertvoll. Fussballmannschaft

«In den 1980er-Jahren war unser damaliger Vizedirektor Hans Liechti von Donnerstag bis Samstag geschäftlich in London. Doch am Freitag sollte unser Fussballclub zu ­einem Match antreten! Hans Liechti buchte seinen Flug um und erschien pünktlich auf dem Spielfeld.»

LongstepHerausforderungspreis, Gewinner Roland Aebi

Erinnerungen einiger Glutz-Mitarbeitenden

Freizeit mit vielen Optionen. Tischtennistrio

Der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung wirkt sich auch auf die Freizeitgestaltung der Glutz-Mitarbeitenden aus. Der traditionelle «Bänze-Jass» hat als einziger Anlass den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft. Aber wer weiss – vielleicht bejubelt ja schon bald wieder ein FC Glutz ein schön herausgespieltes Tor?


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1974 bis 1990

Firmenstruktur bis 1991 Von Viktor Glutz-Blotzheim über VGB bis zu Glutz.

Dank Divisionalisierung wieder auf Erfolgskurs.

Immer in Bewegung bleiben, um festen Boden unter den Füssen zu spüren: Dieses Prinzip gilt auch für die historische Entwicklung der Firmenstruktur von Glutz. Im 19. Jahrhundert führten in erster Linie Todesfälle der Protagonisten zu Änderungen der Struktur. In jüngerer Vergangenheit erfolgen Strukturanpassungen im Zuge strategischer Entscheide.

Ende der 1980er-Jahre stottert der Motor bei Glutz. Eine 1989 durchgeführte Betriebsanalyse deckt strategische, organisatorische und prozesstechnische Mängel auf. Die Erkenntnisse geben den Anstoss für eine tiefgreifende Reorganisation. Durch die stringente Divisionalisierung sämtlicher Tätigkeiten erhält das Unternehmen im Verlauf der kommenden Jahre seine Schlagkraft zurück. Zudem wird die Fabrikation von PU-Schaumteilen in Merdingen BRD verkauft.


1974 bis 1990

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ca. 1850 Glutz-Blotzheim & Scherer

1861 Einzelfirma Viktor Glutz-Blotzheim 1863 Gründung Schlossfabrik

1879 Einzelfirma Alphons Glutz-Blotzheim Handel von Baumaterial

1915 Alphons Glutz-Blotzheim AG (AGB)

1879 Kommanditgesellschaft Viktor Glutz-Blotzheim Nachfolger

1890 Viktor Glutz-Blotzheim Nachfolger AG (VGB)

Firmaänderung 1974

Glutz AG Solothurn Herstellung von Schlössern und Beschlägen Stanzteilen, Apparatebau

Disigard-Anstalt

HESO AG

Toby Schaum GmbH

Ruf AG

Vaduz, FL

Solothurn

Merdingen, BRD

Herzogenbuchsee

Vertrieb von diebstahl­ sicheren ­Garderoben und Skiständern

Herstellung von ­hoch­präzisen Zink-Druckgussteilen

Herstellung von PU-Schaumteilen

Herstellung von ­Schlössern und Stanzteilen

Gründung 1962

Gründung 1971

Gründung 1960

Übernahme 1982


1991 Das World Wide Web wird weltweit ­verfügbar Gründung der Europäischen Union EU Feierlichkeiten zum 700-jährigen ­Bestehen der Eidgenossenschaft Strukturwandel in der Schweizer ­Bankenlandschaft 1992 Ablehnung des EWR-Beitritts der Schweiz Claude Nicollier als erster Schweizer ­Astronaut im All 1997 Bankverein und UBS fusionieren PTT wird aufgeteilt in Swisscom AG und Schweizerische Post 1999 Einführung des Euro Der Jahrtausendwechsel ­«Millenium» sorgt für Anspannung in der Computer­welt Der Schweizer Bertrand Piccard ­um­rundet als erster Mensch die Erde ­nonstop mit einem Ballon


1991 bis 1999 Unterwegs zum denkenden Beschlag.


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1991 bis 1999

Firmenstruktur ab 1991 Im Zeichen von Divisionalisierung und Globalisierung. 1991 wird die Glutz Holding AG gegründet. Sie dient der Verwaltung der Beteiligungen und deren ­Finanzierung. Das Unternehmen nutzt den gewonnenen Spielraum, um sich in ausländischen Märkten mit ­eigenen Gesellschaften zu etablieren.


1991 bis 1999

Glutz Holding AG

Glutz AG

Ruf AG

Toby AG

Schliesstechnik und ­Beschläge

Industriekomponenten - Stanztechnik - Druckgusstechnik

Apparatebau

Glutz Deutschland GmbH Gründung 1995

Glutz UK Ltd. Gründung 1998

Glutz GmbH, Österreich Gründung 2000

Glutz Singapore Pte. Ltd. Gründung 2001

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1991 bis 1999

Die hohe Kunst des ­Administrierens Von der Nummernmarke bis zur computergestützten Unternehmensplanung.

Lochkarten für die Arbeits­zeiterfassung

PC-Ausbildung bei Glutz

Nur mit einer effizienten Administration im Rücken erreicht man seine unternehmerischen Ziele. Die Firma partizipiert deshalb stets an den neusten ­technischen Errungenschaften – und setzt manchmal auch un­ gewöhn­liche Mittel ein. So ist um 1910 jeder Arbeiter verpflichtet, beim Betreten des Fabrik­areals seine Nummernmarke vom Brett zu entfernen und in eine kleine Kiste zu werfen. Die verbliebenen Marken zeigen Abwesenheiten an. Ende der 1950er-Jahre kommen Automaten ins Spiel. Mittels Lochkarten werden projektspezifische Arbeitszeiten erfasst und ausgewertet. 1960 rattert im Bürotrakt der erste Buchhaltungsautomat und schon 1970 überweist der neue Borroughs-Computer die Löhne bargeldlos. 1983 investiert die Firma erhebliche Beträge in die E ­ DV-gestützte Produktionsplanung und -steuerung. 1984 steht in praktisch allen Abteilungen ein PC pro sechs Angestellte zur Verfügung – sie ­drucken die Auftragspapiere in fünffacher Ausfertigung aus. 1993 werden die PCs massentauglich: Glutz macht seine Mitarbeitenden später mit Office-Anwenderkursen für die virtuelle Zukunft fit. 2007 installiert Glutz ein neues «Enterprise Resource ­Planning (ERP)»-System. Es ermöglicht die durchgehende Auftragsbearbeitung und eine präzise Produktionsplanung. Zudem enthält es einen Produktkonfigurator: Mit ihm werden die Anwender in logischen Schritten zum genau zu ihren Ansprüchen passenden Produkt geführt.


1991 bis 1999

Qualität ist messbar. 1990 eröffnet Glutz seine komplett neu eingerichtete Schleiferei. Im folgenden Jahr belohnt die Schweizerische Vereinigung für ­Qualitätsund Managementsysteme (SQS) die Anstrengungen für eine ­moderne und qualitativ hochstehende Produktion mit einem Zertifikat. 1997 folgt die Zertifizierung nach ISO 9001 und 2003 erreicht die Sparte Industrie­komponenten die Zertifizierung nach ISO TS 16949.

Erste Zertifizierung ISO 9001

Erste Zertifizierung ISO TS 16949

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1991 bis 1999

Glutz expandiert in neue Märkte. Sie gründet Niederlassungen in Deutschland (1995), England (1998), Österreich (2000) und Singapur (2001). In Thailand, Shanghai und im Mittleren Osten

Glutz forciert das Auslandsgeschäft unter­hält Glutz Verkaufsbüros. Mit seinen neuen Standorten vollzieht das Unternehmen den Schritt vom Export zum aktiven Auslandsgeschäft. Es ist jetzt in mehreren Ländern mit örtlichen Spezialisten am Puls des lokalen Geschehens. Prestigeträchtige Erfolge belohnen dieses Engagement: So stattet Glutz die U-Bahn-Stationen in Bangkok, die Tate ­Gallery in London oder den Flughafen und die U-Bahn in Singapur mit hochwertigen Lösungen aus.

Schleifroboter Beschlagsysteme


1991 bis 1999

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Der Beschlag lernt zu denken

So einfach funktioniert SeLock

Ein modernes Smartphone bietet mehr Rechenleistung, als der NASA für die bemannten Mondflüge zur Verfügung stand. Der Kühlschrank erstellt selbstständig eine Einkaufsliste für Lebensmittel und übermittelt sie an ­seinen Besitzer: Die digitale Revolution kreiert mit atemberaubender Geschwindigkeit immer raffiniertere Innovationen, die unseren Alltag bequemer machen. Glutz hat das Potenzial dieser revolutionären Möglichkeiten früh erkannt – und definiert heute mit Eigen­entwicklungen die Zukunft des Zutritts.

Künstliche Intelligenz in der Produktion.

Mechatronik: Glutz bleibt auf Draht.

1999 stellt Glutz den ersten Schleif­ roboter in den Dienst und folgt damit der Strategie, den Automatisierungsgrad in der Produktion zu erhöhen. Verglichen mit den heute eingesetzten Schleif- und Schweissrobotern halten sich seine ­Talente in Grenzen: Gebogene Teile kann er nicht bearbeiten. Seine nachfolgenden Kollegen sind in dieser Hinsicht besser ausgebildet. Sie biegen Rohre vollautomatisch, schweissen selbstständig Dornhülsen, Deckel und Drücker, schleifen und polieren, bohren und bestiften Teile und beschriften sie auch gleich mit Laser­ gravuren. Die Investitionen in die Industrieroboter sind erheblich – aber für den Erfolg des Unternehmens unverzichtbar.

Die Mechatronik ist eine Zukunftstechnologie. Sie vereint die Mechanik mit der Elektrotechnik und Elektronik und wird durch Steuerungs- und Informa­ tionstechnik ergänzt. 1995 wird es spannend: Zusammen mit einem Partnerunternehmen steigt Glutz in das Geschäft mit elektronischen Schliess­ systemen ein (Dialock-Hotelschloss). Dieses Projekt wird aber nach kurzer Zeit aufgegeben. 1999 gründet Glutz mit zwei Partnern eine Kooperations­gesellschaft, um die Entwicklung eines eigenen elektronischen Schlosses weiterzutreiben. 2002 lancieren die Partner mit dem «SeLock» ein marktreifes mechatronisches Schloss.


2000 S  chweizer Volk stimmt bilateralen ­Abkommen mit der EU zu 2001 E  rstes zertifiziertes Mehrfamilienhaus im Passivhausstandard in der Schweiz 2004 M  it Facebook geht die erste weltweit erfolgreiche Social Media an den Start 2006 N  okia erreicht mit seinem Smart­phone einen weltweiten Marktanteil von 73 % 2007 Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels 2008 G  rösste weltweite Bankenkrise seit 1929 – Schweizer Banken erhalten vom Bund Geld zur Kapitaldeckung 2010 W  eltweite Währungskrise führt zur ­Aufwertung des Schweizer Frankens

 pple bringt mit dem iPad den ersten A Tablet-Computer auf den Markt

2011 N  uklearkatastrophe in Fukushima ­(Japan)

 ie Schweizer Nationalbank legt mit D CHF 1.20 erstmals eine Untergrenze für den Handel beim Euro fest

2012 A  nnahme der Zweitwohnungs­initiative in der Schweiz soll Bauboom in Gebirgs­gegenden eindämmen

 ntdeckung des «Hicks-Elementar­ E teilchens» am CERN in Genf


2000 bis 2012 Plรถtzlich stehen die Schlรถsser unter Strom.


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2000 bis 2012

Neue Technologien bringen Rückenwind Unter der Regie von Peter Riedweg – seit 1997 Geschäfts­ führer – eignet sich Glutz jenes Know-how an, mit dem neue Lösungen für die Zukunft des Zutritts erarbeitet werden: Die Mechatronik hält Einzug! Schlüssel und Schlüsselloch bekommen Konkurrenz von Badges, Codes, Finger­abdrucklesern und elektronischen Schlössern. Glutz leistet mit seinen Lösungen einen substanziellen Beitrag an eine neue Zutrittstechnologie, welche schon heute den Alltag von Tausenden von Menschen komfortabler und sicherer macht. Einen Meilenstein setzt Glutz 2005 mit dem ersten mechatronischen Schliesssystem aus eigener Fertigung. 2012 lanciert das Unternehmen das revolutionäre eAccess. Seine Systemkomponenten werden über Funk programmiert – innert kürzester Zeit können von einem zentralen PC aus sämtliche Zugänge in einem weitläufigen Gebäude mit Zutritts­ berechtigungen versehen werden.


Opera Oslo – ausgerüstet mit Glutz Edition-Türdrückern


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2000 bis 2012

Der Solothurner Unternehmerpreis wird seit 1998 durch den Regierungsrat des Kantons Solothurn, die Solothurner Handelskammer und den Kantonal-­Solothurnischen Gewerbeverband ver­geben. Mit ihm würdigt die Jury Unternehmen, die durch nachhaltige, beispielhafte wirtschaftliche Spitzen­leistungen auffallen.

Solothurner Unternehmerpreis 2004 Im Januar 2004 geniesst Glutz einen ganz grossen Auftritt und kann den begehrten Preis entgegennehmen. Das Unternehmen vergisst nicht, wer diesen grossen Erfolg ermöglicht hat: Die Arbeit­nehmervertretung erhält einen Anteil vom Preisgeld.


2000 bis 2012

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« Die Glutz AG hat ihr Produktespektrum stets nach den ­Marktbedürfnissen und den eigenen Fähigkeiten ausgerichtet, die Fertigungsmethoden im Rhythmus des technischen Fortschritts verbessert und weltweit neue ­Märkte geöffnet. Dabei wurde von den Besitzern und dem Management – selbst in schwierigen Zeiten, die der Firma viel ­ab­verlangten – die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit immer sehr ernst genommen. Das Unter­nehmen wurde bereits 1863 am heutigen Standort in der Solothurner Weststadt gegründet. Hier produzieren 170 Angestellte Tür­beschläge und Schliessvorrichtungen, die den ­hohen sicherheitstechnischen Ansprüchen ­genügen und mit ihrem Design eine inter­nationale ­Architektengilde beeindrucken. Die Solothurner Qualitäts­arbeit der Glutz AG ­sichert und öffnet u. a. die Ein­gänge von privaten und öffentlichen ­Prestigebauten von Europa über den Mittleren bis hin zum Fernen Osten.» Die Jury hebt in ihrer Laudatio die Innovationskraft und das ­verantwortungsvolle Handeln von Glutz hervor.


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2000 bis 2012

Neue Impulse, frische Energie Die Wirtschaftskrise 2007/2008 wirkt sich dramatisch auf den Auftragsbestand in der Fertigung von Industriekomponenten aus. Mit geschicktem taktischem Vorgehen kann Glutz die Krise als ­Chance nutzen. Das Unternehmen holt sich weitblickend zusätzliches Know-how ins Haus – in der Absicht, diese Trumpfkarte bei einer kommenden Ausschreibung ­eines Grossauftrags auszuspielen. Der Plan gelingt: 2009 steigt das Arbeits­ volumen praktisch über Nacht von 50 Prozent (Kurzarbeit) auf 120 Prozent! Der Geschäftsbereich Industriekomponenten floriert, und die Weichen für ein weiteres Wachstum werden gestellt. ­Heute ist Glutz in der Lage, für Welt­ konzerne grosse Auftragspakete in bester Qualität termingerecht herzustellen.

ThermMix sorgt für warme Stuben. Nach fünfjähriger Entwicklung ist es soweit: 2007 bringt die neu gegründete Glutz-Tochter ThermMix AG den Ölofen ThermMix auf den Markt. Befeuert wird er von «Pluto», dem Brenner aus eigener Produktion, und die Ölzuführung stellt der bewährte TOBY-Regler sicher. Mit seinem stufenlosen, modulierenden Betrieb ist der ThermMix anderen Produkten klar überlegen und erreicht beste Abgaswerte. Bereits ein Jahr nach der Einführung erzielt er in der Schweiz einen Markt­anteil von zwölf Prozent. Öl-Wand-Brennwertgerät ThermMix TM15

Schöner Pause machen. Zur Freude der Mitarbeitenden wird 2008 der neue Pausenraum eröffnet. Das Unternehmen hat einen ­nam­haften Betrag in seinen Bau und die Ausstattung investiert. Es lohnt sich: Die Atmosphäre ist freundlich, und erstmals verbringen die Mitarbeitenden aus den Büros und aus der Produktion ihre Pausen gemeinsam. Den Freundinnen und Freunden des Tabaks steht eine überdachte Terrasse zur Verfügung. Wer das Rauchen trotzdem aufgeben möchte, wird dabei vom Unter­ nehmen mit Rat und Tat unterstützt.


Entwicklung

Mehr Schubkraft mit neuen Ideen. Die Entwicklungsabteilung von Glutz wird ab 2008 verdoppelt. In den Standorten Solothurn und Wallisellen rauchen die kreativen Köpfe. Mit neuen CADApplikationen kommen sie rascher ans Ziel: Sie senden die Konstruktionsdaten über das System direkt in das Fräs- oder Laserschneidcenter. Um die kostbaren Eigenentwicklungen vor fremdem Zugriff und Datenverlust optimal zu schützen, siedelt Glutz seine Server 2011 in ein Hochsicherheitsdatencenter um.

Neue Räume, neue Lasermaschine. Ende 2009 rollen auf dem Werksgelände in Solothurn die Baumaschinen an: Baubeginn für den Zwischenbau, der die beiden Produktionshallen 5 und 6 verbindet. In ihm findet die Spedition ihren neuen Platz. Wenig später nimmt Glutz die erste eigene Lasermaschine in Betrieb.

Laserschneidgerät


«Wir wachsen in Solothurn weiter.»


2000 bis 2012

Eine im 2010 durchgeführte Wertstrom­analyse wirft eine wichtige Frage auf: Glutz wird für sein Wachstum mehr Platz benötigen – doch wo ist dieser zu finden? Die Antwort liefert die Standortüber­prüfung 2011. Deren Fazit ist unmiss­verständlich: Am und rund um den bestehenden Standort Solothurn kann der künftige Raumbedarf gedeckt werden. Wirtschaftliche Überlegungen und die optimale Erreichbarkeit des Standortes für die Mitarbeitenden spielen eine wichtige Rolle bei diesem Entscheid. In der Folge erarbeitet Glutz ein Konzept für die räumliche und bauliche Weiterentwicklung sowie ein Renovationsprogramm.

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Wasser und Energie sparen ohne Schmerzen. Ein spannender Teil des Renovationsprogramms ist das neue Energiesparkonzept. Durch laufende Sanierungen senkt Glutz als Erstes den Wasserverbrauch markant. Zudem lässt das Unter­nehmen in den Produktions­hallen ein neuartiges Stromsparsystem einbauen. Es sorgt dafür, dass nur noch genau so viel Strom bezogen wird, wie auch gebraucht wird, anstatt dass die überschüssige Energie als Wärme verpufft. Notabene ohne Leistungseinbusse. Dank dieses Systems spart Glutz zwischen acht und zehn Prozent Strom ein – angesichts des energie­ intensiven Betriebs und steigender Strompreise ein überaus erfreuliches Resultat.

Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen. 2011 startet das Unternehmen das Projekt «Glutz 300». Die Vision: Nach 150 Jahren erfolgreicher Tätigkeit fit zu bleiben für die nächsten 150 Jahre. In einem Kaderentwicklungsprogramm « Es herrscht Vollbeschäftigung. ­Gegenüber dem wird der Nachwuchs mit ­gezielten Schulungen auf seine Auf­gaben Vorjahr wurden 20 Personen mehr angestellt.» vorbereitet. Zugleich baut Glutz sein Innovations­management neu auf. Sitzungsprotokoll der Arbeitnehmervertretung vom März 2011 Beim Entwickeln von neuen Verfahren und Produkten wird innerhalb der Innovationsteams auf ­Hierarchien verzichtet: Die gute Idee ist der Star – ganz egal, von wem sie stammt!


ÂŤSicher ist, dass nichts sicher ist. Joachim Ringelnatz

Selbst das nicht.Âť


Sicher. Er mag Recht haben, der ­deutsche Dichter. Trotzdem strebt der Mensch seit jeher nach Sicherheit. Auf der Maslowschen Be­dürf­ nis­pyramide ­rangiert das Sicher­ heits­­bedürfnis an ­zweiter ­Stelle – ­direkt nach den ­physiologischen Grundbedürfnissen wie Essen oder Schlafen. Glutz findet seit 150 Jahren die richtigen Antworten auf Sicherheits­ bedürfnisse. Und das ist sicher.


Gute Perspektiven mit einem soliden Fundament.


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heute und ausblick

Mit bewährten Grundsätzen in die ­Zukunft « Ein Fabrikationsunternehmen darf nicht stille halten, sondern es muss sich den gegebenen Verhältnissen immer wieder anpassen.» Was Charles Glutz-Blotzheim in seiner Rede zum 100-Jahr-­ Jubiläum schon 1963 ­postuliert hat, ist heute noch gültig – und morgen erst recht.

Zeitgemässe Arbeitsbedingungen für alle. Seit den Gründerjahren der VGB hat sich bei den Arbeits­bedingungen vieles verändert. Heute gilt Glutz als attraktive Arbeitgeberin. Die Arbeitszeiten sind flexibel, die Löhne fair – und wer Unterstützung benötigt, erhält diese im Rahmen des Möglichen. Als Lehrlingsbetrieb engagiert sich Glutz in der Ausbildung des Nachwuchses. So bietet das Unternehmen Lehrstellen im kaufmännischen Bereich, für Konstrukteure sowie die dreijährige Ausbildung zum Produktionsmechaniker EFZ an. Für die hohe Arbeitszufriedenheit spricht die Tatsache, dass ­v iele langjährige Mitarbeitende bei Glutz tätig sind, ­etliche halten dem Betrieb sogar seit 40 und mehr Jahren die Treue. Dazu tragen auch die flexiblen Urlaubsregelungen bei. Und indem Glutz oft Mitarbeitende anstellt, die über 50 Jahre alt sind, nimmt das Unternehmen seine soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung wahr.

Tai-Pin Thi, Lernender Produktionsmechaniker EFZ, erhält von seinem Ausbildner Moreno Tommasini ­Instruktionen zu einem Drehstück.


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Ein Fest für den Teamgeist. Der erste Freitag im September ist jedes Jahr ein besonderer Tag: Das Mitarbeiterfest von Glutz geht über die Bühne! Hier vergnügen sich nicht nur die aktiven Mitarbeitenden – auch alle pensionierten Mitarbeitenden sind herzlich eingeladen. Dieser generationenübergreifende Anlass trägt viel zum besonderen Teamgeist bei, und er gilt vielen als jährlicher Höhepunkt.

Diese Herren – Aktive und Pensionierte mit mindestens 35 Dienstjahren an der Segetzstrasse in Solothurn – haben insgesamt 420 Jahre für das Unternehmen gearbeitet: v. l. n. r.: Roland Aebi (44 J.), Johann Mayer (40 J. aktiv + 12,5 J. als Pensionär), Benito Giacomoni (44 J.), Heinz Ghirlanda (41 J.), Hans Liechti (44 J.), Albert Steinegger (35 J.), Urs Mühlemann (46 J.), Stefan Schmitter (37 J.), Filippo Di Maggio (36 J.) Auf dem Foto fehlt: Walter Loosli (40 J.)


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Mit Innovationen für ein sicheres Leben

Sicherheit hat ­unzählige ­Facetten. Der Arbeiter auf ­einer sturmumtosten Ölplattform in der Nordsee hat andere Bedürfnisse als eine Kinobesucherin in der ruhigen Kleinstadt. Für sie beide – und für Millionen anderer Menschen – bietet Glutz immer wieder neue technische Lösungen. Das Ziel: Höchstmögliche Sicherheit zu schaffen.

Schutz vor winzigen und gewaltigen Widersachern. Eine Innovation von Glutz schafft in Krankenhäusern mehr Sicherheit: die antibakteriellen Beschläge. Dank ihrer unsichtbaren Spezialbeschichtung verringert sich die bakteriostatische Aktivität an Türdrückern, Rosetten und Schildern um über 99,99 Prozent. Für Patientinnen und Patienten sowie für das Pflegepersonal sinkt das Infektionsrisiko dadurch erheblich. Einer elementaren Naturgewalt sind die Haltestangen und Türbeschläge auf Offshore-Bohrinseln ausgesetzt: dem Ozean mit seinem korrosiv wirkenden Salzwasser. Für die Sicherheit der harten Männer auf den kleinen Inseln hat Glutz Speziallösungen entwickelt, die auf Biegen und Brechen halten, was sie versprechen. «Rostfrei» ist hier keine Eigenschaft, sondern schlicht lebenswichtig.


Schnell raus hier! Panikgarnitur im Einsatz.

Auch Undenkbares zu Ende denken.

Ein diskreter Lebensretter.

Angst ist unsichtbar und kann bedrohlich sein. Glutz hält mit Spezialentwicklungen dagegen. Notausgänge in gut frequentierten Gebäuden wie Kinos, ­Konzertsälen, Theatern oder Einkaufszentren sind mit Panikgarnituren aus ­Solothurn ausge­ rüstet. Im Ernstfall genügt ein kurzes Drücken auf die Stange, um den Fluchtweg zu öffnen und Leben zu retten. Manchmal kommt die Bedrohung von innen. ­Menschen in Strafanstalten oder Kliniken können sich selbst gefährden. Anti-Suizid-Beschläge von Glutz helfen mit, Dramen zu vermeiden.

Glutz ist in Millionen von Autos auf der ganzen Welt ­unterwegs – u. a. mit der in Solothurn gefertigten Biege-Reisslasche. Diese Industrie­ komponente arbeitet im Verborgenen. Sie absorbiert jene Energie, die bei einem Zusammenstoss auf die Lenksäule einwirkt. Wenn es um den Schutz von Leib und Leben geht, ist höchste ­Qualität gefragt: Glutz stellt die ­kleinen Retter mit selbst entwickelten ­Werkzeugen in einer Genauig­keit von einem ­Hundertstelmillimeter her.


Mit Design-Kompetenz zu internationalen Erfolgen Drücker-Familie «Vicenza»

Auch in der «mechanischen Welt» überzeugt Glutz mit ihrem hohen Qualitätsbewusstsein. Ihre Beschläge aus Edelstahl setzen in prestigeträchtigen Neubauten starke ästhetische Akzente. In Zusammenarbeit mit renommierten Architekten rüstet Glutz unter ­anderem den Bundesrat Berlin, One Hyde Park und die Tate ­Gallery in London und die Opera Oslo aus.

Design ist, wenn sich Träume materialisieren. Geht nicht, gibt es nicht: Diesen Leitspruch haben die Produktentwickler und Konstrukteure von Glutz im Blut. Das spricht sich herum – über die Landesgrenzen hinaus und bis zu Designern und Architekten mit Weltruf. Für viele von ihnen ist Glutz erste Wahl, wenn sie ihre Vorstellungen in handfeste Produkte transformieren wollen.

Glutz Edition für höchste Ansprüche. Ausgefallene Ideen sind willkommen bei Glutz. In der Glutz-Manufaktur erfüllt das Unternehmen die kühnsten Wünsche und bietet einmalige Dienstleistungen für selbstkreierte Beschläge, edelste Oberflächen, einen Spezialservice für Schlösser und vieles mehr. Kunden, die ein eigenes Objekt designen und entwickeln wollen, sind hier bestens aufgehoben. Sobald sie ihre ersten Skizzen präsentieren, sind sie Mitglieder eines Spezialteams. Dieses lotet die material- und produktionstechnischen Grenzen aus und erweitert sie nicht ­selten in bisher unbekannte Gebiete. Mit Hilfe modernster Technik gestalten die Spezialisten von Glutz Lösungsvarianten, Prototypen und Bemusterungen – die Resultate werden laufend mit den Ansprüchen der Auftraggeber abgeglichen. Als Krönung dieses intensiven, kreativen Prozesses entsteht ein Unikat, das in jeder gewünschten Auflage sorgfältig hergestellt wird. Den letzten Schliff und die Politur erhalten die Meisterwerke von Hand: Dafür sind das gute Auge, das Gefühl fürs Material und die jahre­ lange Erfahrung der Produktionsmitarbeitenden von Glutz unersetzlich.


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Eleganz geht um die Welt. Die einzigartige Kombination von anspruchsvollem Design, bester Schweizer Qualität und Innovationskraft findet rund um den Erdball begeisterte Anhänger. Elegante Türdrücker von Glutz sind in zahlreichen, prestigeträchtigen Bauten feste Bestandteile der Architektur. Doch auch für gepflegte Einfamilienhäuser hält Glutz Speziallösungen bereit, welche den Bewohnerinnen und Bewohnern bei jeder Berührung Freude machen.

Vicenza - Entwicklungsvorschläge

Handskizzen von Florin Baeriswyl

Türdrücker Vicenza – inspiriert vom 16. Jahrhundert. Die Wurzeln der Türdrückerlinie ­Vicenza von Glutz reichen in die Renaissance zurück. Der Designer Florin Baeriswyl hat sich für deren Gestaltung vom Teatro Olimpico in Vicenza inspirieren lassen. Er nimmt die perspektivische Verkürzung der Bühne und der Kulissenstadt auf und erzielt damit eine einmalige Leichtigkeit und Eleganz.

Erste technische Vorschläge aus der Entwicklungsabteilung


« Man könnte meinen, dass in einem so grossen Gebäude wie der neuen Oper die Türdrücker unwichtige Details sind. Das Gegenteil trifft zu: Sie sind die Gegenstände, welche die Menschen am häufigsten berühren, mit denen sie direkten Kontakt mit dem Bauwerk haben! Deshalb war es für uns äusserst wichtig, dass sowohl deren Form als auch Funktion absolut stimmen. Wir haben Tür­ drücker entworfen, welche die Form des Gebäudes aufnehmen. Uns war rasch klar, dass Glutz unsere Vorstellungen am besten umsetzen konnte. Das Know-how, die hohe ­Qualität und die guten Ideen überzeugten uns.» Tarald Lundevall, einer der federführenden Architekten der Osloer Oper


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Mit Access Systems alles für den Zutritt und Austritt Schlagkräftig dank ­Durchgängigkeit. Dieser Geschäftsbereich bietet durch­ gängige Lösungen aus einer Hand und die Vereinigung von Design und höchster ­Sicherheit: Access Systems von Glutz schaffen Zugang und sichern den Eingang. Mit den kompletten Produktfamilien lassen sich Gebäude einheitlich und harmonisch ausrüsten – in nahezu unendlich vielen Kombinationsvarianten.

Edelstahlbeschläge Vom Türknopf bis zum Design-Türdrücker.

Schliesstechnik Vom Einsteckschloss bis zur Mehrfachverriegelung.

Mechatronik Vom Beschlagleser bis zum funkgesteuerten Zutrittsystem mit biometrischen Komponenten. Objektbänder Vom robusten Türband bis zur Sonderanfertigung.


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Mit Industrial Components leisten kleine Teile Grosses Zahlreiche führende und weltweit tätige Unternehmen lassen ihre Industrie­ komponenten von Glutz herstellen. Dank deren hoher Qualität sichern sie sich Vorteile in hart umkämpften Märkten. Ein bedeutender Teil der Produktion wird im Geschäftsbereich Access Systems von Glutz eingesetzt.

Werkzeuggebundene Profile Stanzen und biegen in ­einem einzigen Arbeitsgang. Stanz- und Biegeteile Von der Entwicklung bis zum komplexen Fertigteil.

Baugruppen Vom Werkzeugbau bis zur kombinierten Baugruppe.

TOBY-Ölregler Regler, Pumpen und ­Steuergeräte für den zuverlässigen Betrieb von Ölheizungen.


Mit der Manufaktur lebt traditionelles Kunsthandwerk Was auch immer aus Messing und Bronze geschaffen werden kann – in der GlutzManufaktur werden Träume wahr. Mit zeitgemässer technischer Ausstattung bewegt sich das Unternehmen im 2012 vorwärts zu seinen Wurzeln. Im historischen Giessereigebäude aus dem Jahr 1885 herrscht wieder Betrieb: Orange glühendes Messing fliesst in die Sandgussformen, denen die Spezialisten nach ein paar Minuten die erstarrten Beschläge entnehmen. In sorgfältiger Handarbeit

schleifen die Kunsthandwerker sie danach und verleihen den Ornamenten Tiefe und Ausdruck. In unzähligen Villen prominenter Persönlichkeiten und denkmal­ geschützten Gebäuden integrieren sich die Meisterwerke diskret in die bestehende Architektur und schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Ein Spezialistenteam von Glutz kümmert sich um Renovationen, historische Restaurationen und After Sales Services für wertvolle Schlösser und Beschläge.


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Mit der Mechatronik zum Access Engineering Wohn- und Arbeitswelten verschmelzen. Das neue Zutrittsystem eAccess ist so konzipiert, dass es sowohl in geschäftlichen wie auch privaten Umgebungen eingesetzt werden kann. Zuhause und bei der Arbeit bietet es mehr Einfachheit, Komfort und maximale Sicherheit. Von der Haustür über den Briefkasten über die Bürotür bis hin zum massiv gesicherten Serverraum leistet es überall gute Dienste. Neben raffinierter Elektronik enthalten die Bauteile die 150-jährige «DNA» von Glutz: die extrem robusten und verlässlichen mechanischen Komponenten wie Schlösser, Türschilder, Mehrfachverriegelungen oder Türdrücker. Dank der nahezu grenzenlosen Möglichkeiten der IPTechnologie profitieren die Benutzer von zahlreichen Zusatzfunktionen. So können sie beispielsweise aus der Ferne temporäre Zutrittsberechtigungen für Handwerker oder Paketboten programmieren.

Während die Zutrittsysteme in techno­ logischer Hinsicht immer komplexer werden, vereinfachen sie das tägliche Leben. Mit Access Engineering baut Glutz heute die Brücke von anspruchsvoller Technik zum komfortablen Zutritt. Spezialisten von Glutz begleiten Bauherren, Architekten und Planer von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme der fertigen Gesamtlösung. Mit dieser Lösungskompetenz positioniert sich Glutz als idealer Partner: Ihre Kunden erhalten alles aus einer Hand – vom robusten Schloss über durchgängige Gesamtlösungen bis hin zu Engineering und Support.

Biometrielösungen für höchste ­Sicherheit. Kein Fingerabdruck auf dieser Welt ist identisch mit einem anderen. Darauf bauen die Biometrielösungen von Glutz: Berechtigte Benutzer identifizieren sich an Fingerabdrucklesern und erhalten so auf einfachste und komfortable Weise Zutritt.


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Gut begleitet zur Gesamtlösung.

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Mit Access Engineering kombiniert Glutz das Beste aus der mechanischen und elektronischen Welt. ­Sämtliche Elemente stammen aus einer Hand. Gesamtlösungen von Glutz sind durchgängig – vom Edelstahltürschild bis zum Fingerabdruck­leser. Kunden und Systempartner erhalten ein breites Spektrum von Dienstleistungen. ­Access Engineering umfasst die Gebiete Schulung, ­Beratung und Verkauf, Projek­t ierung, Systemintegration, ­Installation sowie Support und Wartung. Die Spezialisten von Glutz begleiten Fach­ leute und Endkunden von der ersten Bedürfnisaufnahme an Schritt für Schritt zur optimalen Gesamtlösung. Und nach der Inbetriebnahme stehen sie ihnen während der gesamten Lebensdauer des Systems zur Seite. Know-how von der Glutz-Akademie.

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Glutz legt viel Wert darauf, dass aktuelles Wissen multipliziert wird. Das Unternehmen bildet in der Glutz-Akademie neben seinen eigenen Mitarbeitenden auch die Zutritts- und Sicherheitsspezialisten seiner Systempartner aus – und weiter. Damit wird sichergestellt, dass sowohl die Systempartner als auch die Endkunden stets von den fortschrittlichsten technischen Lösungen profitieren können. Nach den Lehrgängen erhalten die Systempartner von Glutz ein Gütesiegel: die Garantie für höchste Qualität und Zukunftssicherheit der Zutrittssysteme.


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heute und ausblick

Mit Elan in die nächsten 150 Jahre Werden uns in einigen Jahren die Türschlösser an den Gesichtern erkennen? Oder öffnen sich die Türen, wenn wir das richtige Passwort sprechen? Und: Welche Visionen hätte der Firmengründer Viktor Glutz-Blotzheim, wenn er unser Zeit­ genosse wäre? Die Antworten auf diese Fragen sind der Fantasie überlassen. Eines ist jedoch ­sicher: Glutz ist bereit, die Heraus­ forderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte anzunehmen. Die richtigen Weichen sind gestellt – die Reise in die Zukunft kann beginnen!

Die Geschichte ist kostbar. Geschichte ist dazu da, dass wir aus ihr unsere Lehren ziehen. Das gilt auch für die Firmengeschichte von Glutz. Sie zeigt auf, dass mit dem Mut zur Veränderung Grosses bewegt werden kann. Dass aus der Besinnung auf eigene Stärken und Werte Kraft fliesst, um auch schwierige Zeiten gesund zu überstehen. Und dass es sich lohnt, unkonventionelle Gedanken ernst zu nehmen und statt ausgetrampelter Pfade neue Wege zu gehen.


Viktor Glutz-Blotzheim mit Georg und Ubald von Roll


Persรถnlichkeiten


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Persönlichkeiten

Denken und lenken aus Leidenschaft Nur was sich wandelt, bleibt sich treu: Die Direktoren von VGB und Glutz haben es in jeder Epoche verstanden, dem Unternehmen kräftige Impulse zu verleihen. Während sie solide auf dem Boden der wirtschaftlichen Realitäten stehen, fördern sie mit offenem Geist neue Entwicklungen. Das Resultat: Frische Ideen, mit denen sich die Firma wertvolle Chancen erschliesst.

Albert Johé 1922–1936

Charles Glutz-Blotzheim 1936–1954

Ernst Gerber 1954–1977


Persönlichkeiten

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Die Geschäftsführer seit 1863

René Trächsel 1977–1988

Franz Xaver Heidelberger 1863–1876

Friedrich Büttikofer 1877–1922

Alfons Steger 1988–1996

Peter Riedweg Seit 1997


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Persönlichkeiten

Operative Leitung am 1.1.2013

Von links nach rechts: Kurt Jäggi, Leiter Personal, Glutz Holding AG Peter Riedweg, Geschäftsführer Glutz AG Heinz Luder, Leiter Finanzen, Glutz Holding AG


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Persönlichkeiten

Verwaltungsratspräsidenten

Charles Glutz-Blotzheim 1935–1974

Heinz Winkelhausen 1974–1984

Dr. Alexander Glutz v. Blotzheim 1985–1993


Persönlichkeiten

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Die Verwaltungsratspräsidenten seit 1890

Ernst Glutz-Blotzheim 1890–1913

Dr. Ulrich Isch 1994–2010

Theo Strausak Seit 2010

Alphons Glutz-Blotzheim 1913–1935


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Persönlichkeiten

Verwaltungsrat am 1.1.2013

Von links nach rechts: Theo Strausak, Präsident Prof. Dr. Dr. Wilfried Sihn Anton Glutz v. Blotzheim, Vizepräsident, Familienvertreter Philipp v. Segesser, Familienvertreter Volker v. Iwonski-Bozó


Von Bauten, Sozialem und 足Trouvaillen


VGB-Areal um 1966

Bauliche Veränderungen des ­Firmenareals von 1858–2013 Die ersten grossen Bauvorhaben verwirklicht der Firmen­ gründer Viktor Glutz-Blotzheim nach der Eröffnung der Bahnlinie, die durch seine Parzellen verläuft. Westlich der Geleise entstehen 1858 und 1859 die Parquetterie und Teile des «Baus 12». 1866 bis 1870 kommen das

Kesselhaus mit seinem charakteristischen Schornstein, der Versilbersaal sowie ein Anbau an die Parquetterie hinzu. Auch die neue Giesserei findet Platz – in einem Neubau (1885) nahe der Bahnlinie.


Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

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1858 bis 1859 1866 bis 1870 1885 bis 1901 1897 Shedbau / 1986 Neubau 1962 bis 1965 1970 bis 1971 1977 bis 1978 2010

Der Shedbau – eine Schweizer Premiere. Mit dem Erfolg des Unternehmens wächst sein Platzbedarf. 1890 erstellt die VGB ein Büro- und ein zusätzliches Fabrikationsgebäude. Bis 1891 wird zudem der Anbau an das Kesselhaus fertiggestellt. 1897 überrascht die VGB die Bau- und Architekturfachwelt mit dem landesweit ersten Shedbau mit Kiesklebedach. Die Vorteile des sägezahnartig angeordneten Sheddachs: Die Grundfläche des Bauwerks kann minimiert werden, und die Ausleuchtung durch den natürlichen Lichteinfall aus Norden ist blendfrei und ohne Schlagschatten. Das ganze Areal wird ab 1905 elektrifiziert, und die VGB erhält 1916 einen Anschluss an das städtische Gasnetz. Die gute alte Dampfmaschine hat ausgedient!

Zwei Neubauten zum runden Geburtstag. Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum 1963 vergrössert sich die Firma mit der fertiggestellten neuen Werkhalle für den Apparatebau markant. 1965 wird das neue Bürogebäude bezogen: Es ist auf das Fabrikationsgebäude aus dem Jahr 1890 aufgebaut.


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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Bauen für das leibliche Wohl.

Tausende Quadratmeter neuer Produktionsflächen.

1968 eröffnet die Firma eine Betriebskantine. Hier erhalten die Mitarbeitenden preiswerte und feine Menüs. Als in den 1990er-Jahren die Nachfrage nach Kantinenverpflegung schwindet, baut Glutz die Kantine zum Schulungsraum um. Sehr beliebt ist jedoch bis heute der 2007 neu gestaltete Pausenraum. In seiner offenen und angenehmen Atmosphäre ist beim Kaffeetrinken schon manche gute Idee entstanden!

Sie bietet rund 1500 Quadratmeter Produktionsfläche – die 1978 bezogene neue Fabrikhalle. 1986 muss der historische Shedbau aus dem Jahr 1897 einem modernen Neubau weichen. Zwischen den 1963 und 1978 fertiggestellten Produktionshallen weiht die Firma 2010 die neue Verbindungshalle ein. Seither befindet sich die gesamte Beschläge- und Schlossproduktion bis hin zur Spedition unter einem grossen Dach. Ende 2012, anfangs 2013 wird das Gebäude an der Dammstrasse saniert – hier zieht die Manufaktur ein.

Heller, grösser, produktiver: Die Form folgt der ­Funktion. Die Arbeitswelt verändert sich, die Produktions­prozesse werden perfektioniert und dem Wohlbefinden der ­Mitarbeitenden wird stärkeres Gewicht beigemessen: Diesen Umständen tragen die neueren Bauten der Glutz AG Rechnung.

Montagehalle Bohrmaschinen 1980

Ankunft der 200-Tonnen-Presse 1982


Hochregallager 2011


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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Mit der Kraft von 100 Jahren erfolgreichen Unter­ nehmertums im Rücken geht die VGB in den 1960erJahren neue Wege. Vom fortschrittlichen Geist profitiert auch das Personal. 1966 wird der Monatslohn für alle Berufsarbeiter eingeführt. Im selben Jahr gründet die VGB eine Kollektivkrankenkasse und erhöht das Ferienguthaben auf vier Wochen. Mit ihren Sozialleistungen befindet sich die Firma damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie manche Gross­unternehmen.

Fortschritt auf allen Ebenen Auszug aus dem «VGB ABC»

Jetzt erst recht! In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kämpft die VGB verbissen für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes. Entlassungen werden nur dann vorgenommen, wenn sämtliche anderen Mittel restlos ausgeschöpft sind. Die Perioden mit Kurzarbeit nutzt das Unternehmen auf intelligente Weise: Es bietet seinen Mitarbeitenden betriebsinterne Weiterbildungen an – unter anderem Fremdsprachenkurse. In den 1960er- und 1970er-Jahren sind Italienischkurse für die Meister sogar obligatorisch. Sie sollen besser mit den italienischen Gastarbeitern kommunizieren können.


Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

«VGB ABC» 1966 – Hausordnung für VGB-Mitarbeiter

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Entwicklung der Arbeitszeit.

Entwicklung der Ferien.

1877 1900 1918 1919 1985 1988 Seit 1997

bis 1929 keine Ferien! 1930 2 Tage 1966 4 Wochen

66 Stunden / Woche 60 Stunden / Woche 55 Stunden / Woche 48 Stunden / Woche 41 Stunden / Woche 40 Stunden / Woche 41 Stunden / Woche*

* Erhöhung als Beitrag an die ­Erhaltung der Arbeitsplätze geplant, nach einem Jahr auf Probe definitiv. Heute gilt das Modell Jahresarbeitszeit: In Perioden mit hoher Auslastung wird mehr ­ge­arbeitet, dafür profitieren die Mitarbeitenden von längeren Erholungs­ phasen.

Seit 1980 richtet sich das jährliche Ferienguthaben nach vollendeten Lebensjahren: Bis 20 Jahre Nach 20 Jahren Nach 30 Jahren Nach 40 Jahren Nach 50 Jahren Nach 60 Jahren

25 Tage 22 Tage 24 Tage 25 Tage 27 Tage 30 Tage

Handfeste Identifikation mit der Firma.

Stundenlohn und Kaufkraft. Jahr Stundenlohn

Preis 1 Ruchbrot

Preis 1 l Milch

1936 1947 1960 Ab 1966

CHF 0.36 CHF 0.48 CHF 0.69

CHF 0.31 CHF 0.44 CHF 0.57

CHF 1.04 CHF 2.16 CHF 3.20 Monatslohn für alle

Ein Beispiel aus den 1970er-Jahren illustriert das Engagement der Mitarbeitenden für einen Arbeitgeber, der seine soziale Verantwortung ernst nimmt: Aufgrund eines Grossauftrages ist die Ölregler­produktion nicht mehr mit den vorhandenen Ressourcen zu bewältigen. Zahlreiche Mitarbeitende melden sich freiwillig für S ­ ondereinsätze am Abend. Gemeinsam montieren sie nach ihrem Feierabend Ölregler um Ölregler. Innerhalb eines Monats werden 100 000 Stück gefertigt. Für die Sondereinsätze erhalten alle Beteiligten den gleichen Stundenlohn – vom Produktionsmitarbeiter über die Büroassistentin bis zum Direktor.


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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Als die Werbung laufen lernte Im 19. und 20. Jahrhundert heisst die Werbung «­Reklame» und schildert die Vorzüge der VGB-Produkte mit Grafiken, Bildern und sorgfältig gewählten Worten. Eigentliche Kunstwerke sind die frühen Produktkataloge: Sie sind liebevoll von Hand gestaltet und mit edlem Golddruck hergestellt.

Preisliste für Eisenwaren 1870

Türdrücker-Album um 1904


Von Bauten, Sozialem und 足Trouvaillen

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Firmenkarte ca. 1890

Logo/Briefkopf 1912

Fabrikmarke

Umschlag des Katalogs 1904


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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Glutz – ungeschlagen in Beschlägen Die Werbung von Glutz widerspiegelt immer auch den Zeitgeist. Vor und nach dem Jahrtausendwechsel herrschen kräftige Farben und teilweise abenteuerliche Inszenierungen. Die Gegenwart geht einher mit der Besinnung auf Natürlichkeit und Sachlichkeit sowie der Annäherung an weltweit gültiges Design.

Prospekt MOBI-Möbelschloss um 1978

Inserat Edelstahlgarnituren um 1990

Flyer Türdrücker um 2000


Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Ein neues Kleid für Glutz. Unter diesen Vorzeichen entwickelt Glutz im Jahr 2007 eine neue Corporate Identity, die bis heute alle Kommunikationsmassnahmen prägt. Seit 2012 steht die Glutz City als Blickfang im Zentrum. Sie vermittelt das durchgängige Sortiment und die Lösungskompetenz des Unternehmens.

Inserat Schliesssysteme um 2008

Gemeinsam sind wir stark.

Glutz macht Kompliziertes einfach. Seine durchgängigen Gesamtlösungen für den komfortablen Zutritt sind ausschliesslich mit Komponenten gebaut, die aus eigener Entwicklung und Produktion stammen: vom Beschlag über das Schloss und Türband bis hin zum funkbasierten Programmiersystem und biometrischen Lesegerät. Und weil alles aus einer Hand kommt, funktioniert das Zusammenspiel hervorragend. www.glutz.com

Inserat Mechanik und Mechatronik 2012

Die Eleganz ist greifbar.

Schöner öffnen mit Beschlägen von Glutz: Mit elegant geformten Türdrückern, Rosetten, Bändern, Fenstergriffen, Schildern und Stossgriffen beweisen Sie Stil. Von den exklusiven Sonderanfertigungen über die kühlen Sachlichen bis hin zu den überraschenden Originellen finden Sie alles, was das Herz begehrt. Greifen Sie zu: www.glutz.com

Inserat Beschläge mit Glutz City 2012

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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Schenken macht Freude Die VGB und später Glutz haben schon immer grossen Wert auf gute und langfristige Beziehungen zu ihren Kunden gelegt. Unter dem ­Motto «Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft» werden in liebevoller Hand­arbeit kunstvolle Unikate gefertigt.

Aschenbecher Als das Rauchen noch gesellschaftsfähig war …

Figur für Sonnenuhr Gute Ölreglerkunden erhalten in den 1980er-Jahren von der VGB jedes Jahr ein Tierkreiszeichen. Nach zwölf ­Jahren besitzen sie eine komplette, einzigartige Sonnen­ uhr. Entworfen hat die Figuren der Winterthurer Künstler Hebeisen. Um Kopien der Kunstobjekte zu verunmöglichen, zerstören die Giesser die Guss­formen nach der Produktion.


Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Strategiespiele faszinieren die Kunden. Mit zwei besonderen Geschenken weckt Glutz die ­Spielleidenschaft seiner Kunden – und fordert deren strategisches Denken heraus.

Schachspiel Die handgegossenen Figuren sind mit Gold und Silber legiert.

Glutz Game Dem Cleversten öffnet sich die Tür zuerst …

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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Produkte, die Geschichte schreiben TOBY-Ölregler – der umsatzstarke Dauerbrenner. Seit den 1950er-Jahren und bis in die jüngere Ver­ gangenheit hat sich das Geschäft mit TOBY-Ölreglern überaus erfreulich entwickelt. ­Zwischen 1970 und 1975 verkauft die VGB in Spitzenjahren 1,6 ­Millionen ­Regler, dazu kommen Einnahmen aus mehreren Lizenzen. Die Ölregler bilden für das gesamte Unternehmen über viele Jahre hinweg eine bedeutende und unverzichtbare Einnahmequelle. Rund zwei Drittel der Regler werden im TOBY-Werk in Deutschland hergestellt, der Rest in Solothurn. Aufgrund von politischen Krisen in wichtigen Absatzmärkten – zum Beispiel der iranischen Revolution 1979 – und Erschütterungen auf dem Heizölmarkt verringert sich der Absatz Ende der 1970er-Jahre erheblich. Glutz reagiert und konzentriert die Regler-Produktion in Solothurn. Statt Ölreglern stellen die Mitarbeitenden im deutschen Werk nun neben Schwimmern für die Regler noch für andere Anwendungen PU-Schaumteile her. Das Werk in Deutschland wird ab 1979 von Anton Glutz v. Blotzheim geleitet. Noch heute werden im Bereich Industriekomponenten verschiedene Reglertypen hergestellt, dies allerdings in deutlich kleinerer Stückzahl.

« 1972/73 machten wir drei Sowjetrussen w ­ ährend dreier Monate mit der ­Produktion der TOBY-Ölregler vertraut. Zugleich fertigten wir eine komplette ­Produktionsanlage und füllten sieben Güter­wagen damit. Und ab die Post! Auf dem Markt wurden aber später nie Ölregler aus sowjetischer Produktion gesichtet. ­Vermutungen laufen dahin, dass die Anlage in S ­ ibirien verschollen ist oder dass man die Regler nur in der Sowjetunion verkauft hat.» Erinnerungen von Roland Aebi, 44 Dienstjahre bei VGB und Glutz


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SWISS-Schloss – die Schlosslegende. Der Anspruch: Ein Türschloss bauen, das auch dann noch einwandfrei funktioniert, wenn eine Tür schon lange defekt ist. Die Antwort: das SWISS-Schloss. Seit 1969 wird das legendäre Einsteckschloss in Millionen von Zimmertüren eingebaut. Es überzeugt mit seiner Robustheit, kommt ohne Wartung aus und ist brandfest. Das Resultat: Anspruch erfüllt – und die Geschichte geht weiter.

SWISS-Schloss, 1969 bis heute

Türdrücker 5071 – macht eine gute Falle. Mit seiner klassischen Form begeistert der Türdrücker 5071 seit mehr als 20 Jahren die Ästhetinnen und Ästheten.

Kleiner Ring, riesige ­Wirkung. Nach unzähligen Arbeitsstunden mit Anpassungen und Tests kommt bei den Erfindern und Entwicklern bei Glutz Freude auf: easyfix ist definitiv marktreif! Mit dem innovativen Verbindungselement setzen sie einen spektakulären Meilenstein in der Schliesstechnik. Die neu entwickelte Steck- und Einrastverbindung garantiert eine bis dahin nicht erreichte Stabilität und Zugfestigkeit. Der Clou: Der Türdrücker wird ganz einfach vor Ort in das montierte Schild oder die Rosette hineingesteckt – die ausgeklügelte easyfix-Mechanik fixiert ihn selbstständig.


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Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

Treplane – die knallharte Mehrfachverriegelung. Einbrecher und andere unerwünschte Besucher ­mögen das Treplane nicht, denn es ist ihnen überaus hinderlich: Beim Schliessen der Tür rasten drei stahl­ harte Riegel ein – im Verbund mit Glutz-Sicherheitsschildern und einbruchsicheren Türkonstruktionen entsteht eine unüberwindliche Barriere.

HZ-lock – wehrhaft und intelligent. Das Hochsicherheitsschloss von Glutz überwacht seine dreifache Verriegelung gleich selbst – mit Hilfe von elektronischen Kontakten. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, das Schloss auf Tag- und Nachtbetrieb zu programmieren. Maximale Einbruchhemmung, Notfallfunktionen und hoher Bedienkomfort machen das HZ-lock zum beliebtesten Schloss für Objekte mit sehr hohen Sicherheitsbedürfnissen.


Von Bauten, Sozialem und ­Trouvaillen

eAccess – die neue Generation. Das Zutrittsystem eAccess erzielt schon kurz nach seiner Lancierung im 2012 grosse Resonanz auf dem Markt. In ihm vereinen sich die bewährten mechanischen Kompetenzen und aktuelles Know-how von Glutz in RFID-, Funk-, IP- und Biometrietechnologie zu einem benutzerfreundlichen Gesamtsystem.

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ca. 1850 Viktor Glutz-Blotzheim und Ludwig Scherer betreiben ein Frachtengeschäft 1857 Aufnahme des Handels mit Gips, Steinkohle und ­Früchten 1858 Gründung einer leistungsfähigen mechanischen ­Schreinerei 1858/59 Bau der Parkettfabrik beim ersten Bahnhof von ­Solothurn und Aufnahme der Parkettfabrikation 1861 Viktor Glutz-Blotzheim übernimmt die Unternehmensanteile seines Compagnons 1863 Aufnahme der Schlossproduktion und damit Gründung der Schlossfabrik 1865/66 Aufnahme der Goldleistenfabrikation und Belegen von ­Spiegelglas 1866/70 Bau von zusätzlichen Produktionsräumen 1867 Grosser Erfolg an der Weltausstellung in Paris mit ­Goldleisten 1867/68 Angliederung einer Metallgiesserei 1877 Einführung des 11-Stunden-Tages (Fabrikgesetz) in der Schlossfabrik, Belegschaft von ca. 40 Mitarbeitern 1878 Erneut Erfolg an der Weltausstellung in Paris mit ­Goldleistenprodukten Am 19. Mai stirbt der Gründer der VGB, Viktor GlutzBlotzheim nach schwerer Krankheit mit 57 Jahren 1879 Gründung der Kollektivgesellschaft Viktor Glutz-­ Blotzheim Nachfolger durch Cousins und Schwäger Einstellung der Parkettfabrikation Übergabe des Transport und Handelsgeschäftes an Alphons Glutz-Blotzheim (AGB) 1885/91 Bau von weiteren Produktionsräumen und eines ­Bürogebäudes 1890 Gründung der Viktor Glutz-Blotzheim Nachfolger AG 1891 Aufnahme der Fischbandfabrikation 1893/94 Ergänzung der Fabrikation mit einer galvanischen ­Anstalt 1896 Die VGB nimmt an der 3. Schweizerischen Landes­ ausstellung in Genf teil und wird mit einer Goldmedaille ausgezeichnet 1897 Neue Fabrikhalle (erster Shedbau der Schweiz) für die Schleiferei 1898 Einstellung der Goldleistenfabrikation und damit der Holzverarbeitung 1900 Genehmigung der Fabrikordnung durch den ­Regierungsrat 1905 Nach Explosion der Dampfmaschine Ersatz durch ­Elektrizität Die Acetylenbeleuchtung wird durch elektrisches Licht abgelöst Die Belegschaft zählt nun ca. 300 Mitarbeiter 1913 Ernst Glutz-Blotzheim stirbt Alphons Glutz-Blotzheim, Sohn des Firmengründers und Inhaber der AGB übernimmt als Nachfolger

1918 Nach dem Krieg kommt es zum ersten Arbeitskonflikt, da die Arbeitszeit von 57 um nur 2 Stunden reduziert wurde 1919 wird die Arbeitszeit dann auf 48 Stunden reduziert 1920 Gründung der Personalvorsorgestiftung (Wohlfahrts­ stiftung) 1923 kommt es zum zweiten Arbeitskonflikt, dies wegen einer befristeten Erhöhung der Arbeitszeit während der Krise 1928/29 Brand in der Bronzerei Erweiterung des Fabrikationsprogrammes, Herstellung von Oberlichtverschlüssen und Kühlschrankbeschlägen 1935/36 Charles Glutz-Blotzheim, Enkel des Gründers und Sohn des seit 1913 amtierenden Verwaltungsratspräsidenten, übernimmt als neuer Delegierter und Präsident des Verwaltungsrates die Geschäftsleitung 1939 Die VGB beteiligt sich an der «Landi» als Gruppen­ führerin der Abteilung Schlösser und Beschläge 1940 Einführung der 5-Tage-Woche als eines der ersten ­Unternehmen der Schweiz; das Personal konnte ­darüber abstimmen 1946 Gesamtarbeitsvertrag 1947 Die Fremdenpolizei erteilt sechs italienischen Staatsangehörigen die Einreisebewilligung, um bei der VGB arbeiten zu können 1949 Monatliche Zahltagsabrechnung für Arbeiter 1954 Einführung des Zeitakkordes Die VGB gliedert eine Abteilung Apparatebau an und nimmt die Herstellung von Haushaltgeräten auf Die VGB bringt das rostbeständige und äusserst zuverlässige Solo-Espagnolettenschrankschloss heraus 1955 Vorschlagswesen wird eingeführt (Prämien) 1956 Arbeiter und Angestellte der VGB gründen einen ­Sportclub Die Fischbandproduktion wird zugunsten der ­Produktion von Drehbändern aufgegeben (Baka-Band) Einrichtung eines modernen Versuchslabors, Ausbau der Werkzeugmacherei und der Versuchsmechanik 1957 Personalversicherungskasse für alle Mitarbeiter 1958 Der TOBY-Ölregler wird auf den Markt gebracht Alle Türen des Schweizer Pavillons an der Weltaus­ stellung in Brüssel sind ausschliesslich mit VGB-­ Schlössern ausgerüstet Einführung der Erfolgsbeteiligung 1959 Mechanisierung und Automation 1960 Gründung der Toby GmbH, Merdingen, BRD, zur Regler­ fertigung Anschaffung eines Buchhaltungsautomaten 1962 Gründung der Disigard-Anstalt (Vertriebsgesellschaft) in Vaduz Die Produktion der Baka-Bänder wird aufgegeben 1962/63 Aufstockung der Werkhalle von 1901 mit einem Büro­ geschoss


1963 Jubiläum 100 Jahre Schlossfabrik Neubau der Werkhalle Apparatebau 1966 Monatslohn für alle Berufsarbeiter 1969 Glutz bringt das SWISS-Schloss, ein leichtes Einbauschloss für Zimmertüren, auf den Markt 1970 Erster Computer, bargeldlose Lohnzahlung und die individuelle Arbeitszeit werden eingeführt 1970/71 Bau einer Lagerhalle 1971 Gründung der Heso AG, Fabrikation von Druckgussteilen 1972 Alle Mitarbeiter im Angestelltenverhältnis Konzentration der Reglerfertigung in Solothurn Ausbau der PU-Schaumteil-Fertigung in Merdingen, BRD (Toby Schaum GmbH) 1974 Änderung der Firma: aus «Viktor Glutz-Blotzheim ­Nachfolger AG» (VGB) wird «Glutz AG» Mit der Wahl von Anton und Dr. Alexander Glutz v. Blotzheim in den Verwaltungsrat übernimmt die vierte Generation 1977 Emission von Mitarbeiteraktien Der Rückgang beim Reglerabsatz kann durch die ­Montage von Bohrmaschinen aufgefangen werden 1977/78 Neubau einer Montagehalle mit Zivilschutzanlage 1982 Glutz übernimmt die Ruf AG, Herzogenbuchsee, eine bedeutende Schweizer Schlossherstellerin Ende September führt Glutz das schlüsselbediente ­Treplane auf den Markt ein (Mehrfachverriegelung) 1983 Einführung der EDV-gestützten Produktionsplanung und -steuerung 1984 Glutz bringt mit Corkey ein magnetinduktives Schloss auf den Markt 1985 Integrierte Datenverarbeitung über alle Unternehmensbereiche 1986 Abbruch des historischen Shedbaues und Neubau der ­Halle 1989 Die Bohrmaschinenmontage wird aufgegeben 1991 Die Divisionalisierung wird eingeleitet und die Gruppe erhält eine Holding-Struktur Die Schlossfabrikation wird bei Glutz konzentriert, Ruf übernimmt die Herstellung von Industriekomponenten Die Fabrikation von PU-Schaumteilen in Merdingen, D wird veräussert 1994 Einführung der prozessorientierten Fertigung 1995 Gründung der Vertriebsgesellschaft Glutz Deutschland GmbH 1996 Das Giessen von Zamak-Teilen wird aufgegeben und die Toby AG übernimmt von der Glutz AG das Reglergeschäft Eröffnung eines Verkaufsbüros in Thailand 1997 Zertifizierung ISO 9001 1999 Gründung der Vertriebsgesellschaft Glutz UK Ltd. Der erste Schleifroboter wird in Betrieb genommen Eröffnung eines Verkaufsbüros in Shanghai Glutz beteiligt sich an der SecurSol AG, Gossau, ein

­Unternehmen für Sicherheitstechnik und ergänzt mit dem HZ-lock das Sortiment Mitbegründung der Sensotec AG, Pfäffikon, eine Ent­ wicklungsgesellschaft für mechatronische Schliessvorrichtungen 2000 Gründung der Vertriebsgesellschaft Glutz Österreich GmbH 2001 Glutz beteiligt sich an der Stoschek Bandtechnik GmbH in Velbert, D, ein Unternehmen für den Vertrieb von ­Bändern Gründung der Vertriebsgesellschaft Glutz Singapore Ltd. 2002 Fusion von Glutz AG und Ruf AG mit den Geschäfts­ feldern Schliesstechnik/Beschläge (Glutz) und Industriekomponenten (Ruf) Übernahme der Drittanteile an der Stoschek Band­ technik GmbH, Velbert, D 2003 Übernahme der Bänderfertigung von der Stoschek ­Bearbeitungs GmbH, Velbert, D Zertifizierung ISO TS 16949 2004 Eröffnung eines Verkaufsbüros Middle East Glutz erhält den Solothurner Unternehmerpreis Fusion der Stoschek Bearbeitungs GmbH mit Glutz Deutschland GmbH 2005 Glutz bringt das erste mechatronische Schliesssystem aus eigener Fertigung auf den Markt 2007 Übernahme der Acter AG, Zürich, ein Unternehmen für biometrische Zutrittlösungen Die ThermMix AG, ein neues Unternehmen der GlutzGruppe, lanciert eine modulierende Ölheizung für Kleinstleistungen (TM15) 2008 Übernahme der Drittanteile an der SecurSol AG, Gossau Übernahme der Giessereiaktivitäten der Kohler AG in Riedtwil 2009 Anschaffung einer Laserschneideanlage 2010 Ein Verbindungsbau zwischen Bau 05 und 06 schafft neuen Platz für Spedition und Schilderfertigung 2011 Glutz positioniert sich mit Access Engineering als ­Systemanbieter Zur Sicherung der Datenbestände werden die Server von Glutz in ein Hochsicherheitsdatacenter ausgelagert 2012 Glutz lanciert sein funkbasiertes Zutrittsystem eAccess Die TOBY-Reglerfertigung wird vom Bereich Industriekomponenten der Glutz AG übernommen und an die Segetzstrasse verlegt Die früheren Giessereigebäude in Solothurn werden für die Giesserei wieder hergerichtet 2013 Die Werksdurchfahrt erhält ein imposantes Dach Die Giesserei wird von Riedtwil nach Solothurn verlegt und mit der Spezialschlosserei zur Manufaktur zusammen­geschlossen Ein neues Kundenzentrum mit einer Erlebniswelt ­entsteht 150-jähriges Jubiläum – wir feiern!


Ein kleines Denkmal für das Schlüsselloch. Diese Firmenchronik ­vermittelt die 150-jährige Geschichte von Glutz. Zugleich erweist sie dem Schlüsselloch eine Referenz. ­Jahrhunderte lang ist das Schlüsselloch Sinnbild für die menschliche Neugier gewesen: Was verbirgt sich hinter der Tür? Was passiert dort? Nach und nach wird das Schlüsselloch aus unserem Alltag verschwinden. In modernen Zutrittslösungen wird es nicht mehr benötigt. Das ist aufgrund des Komfortgewinns ­erfreulich – aber auch etwas ­schade. Denn: Wie stillen wir künftig unsere Neugier? Was kann als neues Sinnbild dienen? Wir wünschen Ihnen eine inspirierende ­ Suche nach der Antwort!


Das Buch hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Schon nur die ­bewegte Gegenwart zu beschreiben, würde ganze Bände füllen. Besser, Sie besuchen uns und machen sich selbst ein Bild von Glutz!

Impressum Redaktionelles Textkonzept, Recherchen Grafische Gestaltung Aufarbeitung Firmengeschichte Interviewpartner Idee, Konzept, Projektleitung

Anton Neuenschwander, BTK GmbH, Bern Karin Haefeli, enon*communication gmbh, Biel Franz v. Segesser, Glutz Holding AG Pensionäre: Roland Aebi, Hans Liechti, Walter Loosli, Johann Mayer Aktive: Nazmi Murati, Lucia Piazza, Peter Riedweg, Stefan Schmitter Gabriela Wymann, Glutz AG

Druck Fotos Historische Mitarbeit Korrektorat Lithografie

Druckerei Herzog AG, Langendorf Christoph Stöh Grünig, Biel Adrian Sigron, Laupen ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv Bildarchiv Glutz Holding AG Max Werren, mwe Consulting, Bern Tipptopp, Brugg Lithwork Phoenix AG, Niederwangen/Bern

Copyright ©

Glutz Holding AG, Segetzstrasse 13, 4502 Solothurn, Schweiz


Editorial

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Glutz Firmenchronik 2013