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KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR

ausgabe 13 — FRÜHJAHR 2011. www.biorama.eu — www.facebook.com/biorama

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Die ganze Welt ein Garten: Community Supported Agriculture – geteiltes Risiko, gemeinsame Ernte Neustart Schweiz: Die Senkung des Lebensstandards als Zukunft? Heimliches Paradies: Wellington in Neuseeland Genießbares aus dem Meer: Algen-Produkte im Test

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Biorama Nº. 13

auftakt

05 Editorial 06 Global Village Die Welt im Großen & Kleinen

inhalt

Cover

12 CSA – Community Supported Agriculture Landwirte und Verbraucher wirtschaften gemeinsam 18 Stadtfrüchte Obstpflücken mitten in der Stadt

community supported agriculture Fair Trade vor Ort: Die Konsumenten kaufen nicht mehr einzelne Lebensmittel, sondern finanzieren mit monatlichen Beiträgen eine ganze Landwirtschaft. Ein direkter Handel, der Vorteile hat.

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Magazin

22 Alternatives Bankwesen Verschiedene Ideen darüber, wie Geld verwaltet werden soll 26 Das heimliche Paradies Wellington 28 Karl Wilhelm Diefenbach Künstler und Naturprophet 32 Stadt-Imkerei Honig ist kein Massenprodukt 50 Die Welt, die wir uns wünschen Neustart Schweiz 52 Marktplatz Produkte, die nachhaltig begeistern 60 Möbel Bio-Regale nach Maß 62 Kichererbse Wie aus einer Fleischerei ein vegetarischer Imbiss wurde

Ernährung

36 Algenprodukte 38 Salatperipherie 42 Das Rezept im Bild Arabischer Revolutions-Teller 58 Kräuter Frisch von der Fensterbank

bio-limonaden Trinken hilft: Lemon-Aid und Chari-Tea setzen auf fairen Handel und ein wesentlicher Anteil der Gewinne fließt in soziale Projekte in den Herkunftsländern.

küchengeräte Designstudie: Ein effizienter manueller Antrieb macht Kaffeemühle, Küchenmaschine und Pürierstab zu langlebigen Alltagsbegleitern und vermeidet Elektroschrott.

Kolumnen

48 Elternalltag Loslassen 64 Slow:Feed Halbzeit-Vegetarier 66 Und hinter mir die Sintflut Prepaid Weltuntergang


Gell Bauer, nn jeder a jetzt ka rtner sein! Bio-Gä

GIBT’S BEI:


editorial, impressum

05

bienenvolkswirtschaft

B

iene ergo sum« formulierte der Wiener Dramaturg und Wortklauber Franzobel einmal. Vermutlich war er sich dabei nicht bewusst, welch existenzielle Wahrheit er damit in eine poetische Formel verpackt hat. Beim Bienensterben geht es nämlich um weit mehr als um Honig. Als Bestäuber sind sie für den gesamten Ackerbau und unser aller Nahrungsversorgung unentbehrlich. Selbst eine Gesellschaft aus eingefleischten Vegetariern bekäme ohne Bienen schnell ein Riesenproblem. Ein halbes Jahrhundert nachdem Rachel Carson in ihrem gleichnamigen Weltbestseller das Schreckenszenario eines »stummen Frühlings« ausmalte, soll heuer das vertraute Summen tatsächlich ausbleiben. Konkret könnte uns 2011 nämlich ein gigantisches Bienen- und Hummelsterben bevorstehen. »Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend«, verkündete der ungarische Landwirtschaftsminister Ende Jänner in Brüssel. Für viele Experten hat das »mysteriöse« Bienensterben vergangener Jahre aber eindeutige Ursachen: industrielle Landwirtschaft und massiver Pestizideinsatz. Gerade dadurch ist der Zulauf, den die Imkerschaft (und damit die Bienenvölker) derzeit in urbanen Gegenden verzeichnet, erfreulich. Ein angehender StadtImker – Stefan Bachleitner, Werber und im Vorjahr als Organisator der Wiederwahlkampagne des österreichischen Bundespräsidenten erfolgreich – erklärt uns in dieser Ausgabe fachkundig, warum es sich bei BioHonig niemals um ein Massenprodukt handeln kann (Seite 032ff ). Auch bei den Management-Ratgebern feiert die Biene als Leittier eine Renaissance. Im Angloamerikanischen gerade gerne gelesen: »Honeybees & Locusts. The Business Case for Sustainable Leadership« von Gayle C. Avery und Harald Bergsteiner. Demzufolge ist weder des Spießers Bienenfleiß, noch die rücksichtslose Wirtschaftsweise der Heuschrecke anstrebenswert. Vielmehr verkörpern beide Tiere zwei einander entgegengesetzte Führungsprinzipien: Als Fabelwesen verbreitet der Heu-Schreck seit biblischen Zeiten Zerstörung und schnelles Ausbeuten. Die Honigbiene repräsentiert demgegenüber den Idealtyp des nachhaltigen Entrepreneurs – sie steht für verantwortungsvolles Agieren des Einzelnen gegenüber dem gemeinsamen Ganzen. Das kann, muss aber nichts gemein haben mit der entschleunigten Bedächtigkeit des Hobby-Imkers.

Thomas Weber weber@biorama.eu

NACHHALTIGKEIT IM BRIEFKASTEN? BIORAMA IM ABO: WWW.BIORAMA.EU

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTION Ursel Nendzig (karenziert) redaktionsleitung Maximilian Zeller AUTOREN Stefan Bachleitner, Sebastian Backhaus, Kirsten Brodde, Mirjam Bromundt, Miriam Damev, Marlene Duffy, Carmen Feichtinger, Michael Huber, Nina Daniela Jaksch, Julia Karzel, Stephan Klein, Franz Knipp, Magdalena Miedl, Sara Mously, Karin Pointner, Philipp Stierand, Johanna Stögmüller, Erwin Uhrmann, Magdalena Vukovic, Imre Withalm FOTOGRAFIE Bernd Gossi, Jan Hestmann, Stefan Knittel, Kurt Prinz, Michael Winkelmann COVERBILD Mike Massaro www.mikemike.co.uk ILLUSTRATIONEN Dario Coelho, Sig Ganhoer, Nana Mandl, Myriam Nagy ART DIRECTOR Sig Ganhoer GESTALTUNG Sig Ganhoer, Carita Najewitz (Super-Fi) LEKTORAT Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Nina Daniela Jaksch, Micky Klemsch (Leitung), Thomas Weber WEB Super-Fi, m-otion DRUCK Druckerei Janetschek, Gußhausstraße 24–26, 1040 Wien PRODUKTION & MEDIENINHABER Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Bernhard Schmidt KONTAKT Biorama c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766; www.biorama.eu, www.monopol.at, redaktion@biorama.at BANKVERBINDUNG Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 4 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien VERLAGSPOSTAMT 1040 Wien

BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für Mensch und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint viermal im Jahr.

foto Michael Winkelmann

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global village

06

Leerställe: Die Veränderungen in der Landwirt­schaft schlagen sich auch in der Kulturlandschaft nieder. Ruinen verfallen – oder Ställe finden eine neue Nutzung.

mobilität

Wasserfahrt

foto Gabriella Gerber und Lukas Bardill, Ralph Feiner; www.ideo.com; www.mediaserver.hamburg.de / H. Angerer

Mit dem Fahrrad Wasser aufbereiten? Das Konzept-Rad Aquaduct kann das.

ARCHITEKTUR und landschaft

der nicht mehr gebrauchte stall Die Landwirtschaft verändert sich und mit ihr die Landschaften, Ortsstrukturen und die Ansprüche an die Gebäude. Stall, Scheune und Stadl haben einst die ländlichen Gegenden geprägt, heute stehen viele davon leer, sind in einer Zeit der Großbetriebe funktionslos geworden. Die Ausstellung erkundet die Architektur und Soziologie des Stalls in Graubünden, Südtirol und Vorarlberg. Es soll nicht nur der Kulturverlust illustriert werden, sondern Ziel ist es viel mehr anhand von Beispielen Problemlösungen und Strategien des Bewahrens aufzuzeigen. Daher wird in begleitenden Veranstaltungen an acht verschiedenen Orten in Vorarlberg Raum für offene Diskussionen für Eigentümer, Planer und Gemeinden angeboten. Die Ausstellung »Der nicht mehr gebrauchte Stall« findet noch bis 07. Mai 2011 im Vorarlberger Architektur Institut VAI in Dornbirn statt.  www.v-a-i.at

1,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu trinkbarem Wasser. Die Idee zu »Aquaduct – Concept Vehicle« der Firma Ideo ist bahnbrechend und gewann im Jahr 2008 den »Innovate or die«-Wettbewerb von Google und Specialized. Das Fahrrad ist mit einem großen Tank für verunreinigtes Wasser ausgestattet und filtert dieses während der Fahrt. Durch das Treten der Pedale wird eine peristaltische Pumpe betrieben und presst schmutziges Wasser durch ein spezielles Filtersystem. Das so erzeugte saubere Wasser wird in einem Extra-Tank gespeichert. Mit Aquaduct könnte man den Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu sauberem und gesundem Wasser sichern. Leider ist das Rad bisher noch ein Prototyp – wir drücken die Daumen, dass bald mit der Serienproduktion begonnen wird. www.ideo.com/work/aquaduct


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Hamburg ist – nach Stockholm 2010 – heuer »Umwelthauptstadt«. Möglichst alle Einwohner sollen zu regelmäßigen Benutzern der öffentlichen Verkehrsmittel werden.

Metropole

GRÜNE HAMBURGER Die Hansestadt Hamburg darf sich »Green Capital 2011« nennen. Was das für die Kommune bedeutet, erklärt KLaus de Buhr aus der Dortigen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

biorama: Welche Projekte wurden im Rahmen von Green Capital 2011 in Hamburg initiiert? klaus de buhr: Hamburg hat sich den Umweltschutz nicht erst für 2011 auf die Fahnen geschrieben. Es gibt viele laufende Projekte und Pläne, die bereits vor dem Titelgewinn in Arbeit waren, und die sich natürlich positiv auf die Entscheidung der EU ausgewirkt haben. Einige Projekte sind noch in der Planungsphase, andere haben bereits begonnen und werden sich im Laufe dieses Jahres deutlich entwickeln. Ein Beispiel sind unsere 130 Umwelttaxis: Pro Fahrzeug stoßen sie 3,6 Tonnen CO² weniger als herkömmliche Taxis aus. Um Menschen außerhalb Hamburgs zu erreichen, setzen wir im April den »Zug der Ideen« auf Schiene. Die interaktive Ausstellung stellt Umweltprojekte aus ganz Europa vor und animiert zum Mitmachen.. Welche Verbesserungen sind zusätzlich geplant? Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) wird derzeit Wilhelmsburg zu einem nahezu CO²-freien Stadtteil umgebaut. Sonne, Wind und Erdwärme werden dort Energie liefern. Oder auch Deponiegas aus einer ehemaligen Müllhalde. Zudem sollen Autofahrer motiviert werden, den Wagen öfter stehen zu lassen. Das Radwegenetz wird ausgebaut und das erfolgreiche Stadtrad-Konzept erweitert.. Was ist Hamburgs größte Schwachstelle? Die Mülltrennung. Daran arbeiten wir aber. Mit einer großen Recycling-Offensive unterstützt die Stadt seit Jahresbeginn die Hamburger bei der Mülltrennung. Für die Entsorgung gibt es zahlreiche Pilotprojekte, um Abfälle zu Energie oder Dung zu verarbeiten. Wie schneidet Hamburg im Vergleich mit anderen europäischen Städten in punkto Klimaschutz ab? Hamburg ist im bewussten Umgang mit Wasser führend. Einerseits, weil die Menschen sehr sparsam damit umgehen. Andererseits, weil die Stadt bei der Abwasserentsorgung fortschrittlich denkt. Ein dickes Plus gegenüber anderen Städten in Europa ist zudem der öffentliche Nahverkehr. Die Fahrgastzahlen steigen seit Jahren – wohl auch, weil 99 Prozent der Hamburger in weniger als 300 Metern Entfernung zu einer Haltestelle leben. Sicher gibt es auch Bereiche, in denen andere weiter sind. Schließlich steht Hamburg als Hafen- und Industriestadt vor größeren Herausforderungen als viele Städte in Deutschland und Europa. Dennoch sind unsere Klimaziele alles andere als zurückhaltend: 40 % weniger CO² bis 2020, 80 % bis 2050. www.umwelthauptstadt.hamburg.de www.iba-hamburg.de


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global village

08

entwicklungspolitik

die »gute wegwerfgesellschaft«

fotos Klaus Pressberger, Diagonale

graz als grossbaustelle in sachen cradle to cradle. Die steirische Landeshauptstadt Graz schafft es gerade, ein sehr ambivalentes Bild in Sachen Nachhaltigkeit zu liefern: Während die Proteste gegen das geplante Murkraftwerk, das die Aulandschaft in Mitleidenschaft ziehen würde, seit Monaten kaum Gehör finden, zeigt das Wirtschaftsressort der Stadt Pioniergeist. Es will nämlich aus Graz eine Vorzeigestadt in Sachen sinnvoller Abfallverwertung machen. »Cradle to Cradle«, nennt sich das (kurioserweise markenrechtlich geschützte) Konzept, das aus Abfall »guten Abfall« machen soll. Produkte werden dabei von der »Wiege in die Wiege« hergestellt. Das heißt, die Bestandteile, die in der Produktion verwendet werden, sind nach Gebrauch direkt weiterverwertbar. Die Ausdrucksweise, die das Wirtschaftsressort verwendet, trägt aber wenig überraschend einen gewissen Zynismus in sich: Der Begriff »die gute Wegwerfgesellschaft« zeigt, dass die grundsätzlichen Prinzipien des Konsums hier kaum hinterfragt werden. Die wesentlich effektiveren Methoden des Umweltschutzes – Konsumverzicht oder Konsumreduktion – werden leider ausgeklammert. Grünes Filmfestival —— Die Stadt selbst ist nicht die einzige, die die grünen Zeichen der Zeit umsetzen will: Die Diagonale, das Festival des österreichischen Films, die wie jedes Jahr auch diesen Frühling in Graz stattfindet, zeigt vor, wie ein Großevent den Prinzipien des Cradle to Cradle gerecht werden kann. Erzeugte bisher die Fülle an Wegwerfartikeln und Werbegeschenken beim Besuch des Events ein gewisses Unbehagen, findet in der Konzeption nun ein Umdenken statt. »Diagonale Goes Green« verspricht, Drucksorten und Gimmicks aus Recyclingmaterialien von regionalen Unternehmen zu verwenden. Nachhaltige Produktion, Ressourcenschonung und sanfte Mobilität sind die erklärten Kernelemente der Strategie für eine »nachhaltige Festivalkultur«. So bleibt das Gewissen beruhigt und das Kulturangebot kann umso mehr genossen werden. www.cradletocradle.at www.diagonale.at

greening events

sichtbarkeit und sensibilisierung biorama: Die Diagonale (das Festival des österreichischen Films) schreibt sich heuer mit »Diagonale Goes Green« eine nachhaltige Festivalkultur auf die Fahnen. Wird sich dieses Ausrichtung auch inhaltlich in Schwerpunkten bemerkbar machen? barbara pichler: Als kulturelle Großveranstaltung haben wir uns vorgenommen, möglichst nachhaltig zu agieren und gleichzeitig auch unser Publikum für ökologisches Handeln zu sensibilisieren. Dennoch sind wir kein Themenfestival, sondern bleiben das Festival des österreichischen Films mit einer ganzen Vielfalt an künstlerischen Positionen und Ausdrucksweisen. Welche konkreten »Greening«-Maßnahmen sind denn fix, und was lässt sich vorerst nicht umsetzen? Ganz oben auf der Liste stehen die Müllvermeidung bei Werbemittel und Catering, der Umstieg von Plastikflaschen auf Glasflaschen und die Verwendung von Recyclingpapier bzw. Papier mit dem FSC-Gütesiegel. Die Give-Aways sind aus umweltschonenden Materialien in Europa hergestellt. Es wird auch einen DiagonaleFahrradverleih mit Lufttankstelle und Servicebox geben. Im Catering versuchen wir auf regionale Lieferanten zu setzen und auf biologische Produkte umzusteigen. Für


Graz: die steirische Stadt als Cradle-To-Cradle-Labor.

Wir hoffen, dass unser Schritt Beispielwirkung haben wird. Barbara Pichler, Diagonale

äääääääääääääääää

Grüne Festivalkultur die nächsten Jahre ist die Umstellung auf erneuerbare Energieformen geplant. Wie wichtig ist Transparenz dabei? Wird es für die Besucher möglich sein, die Nachhaltigkeit nachzuvollziehen? Sichtbarkeit und Sensibilisierung von Festivalpartnern und Publikum sind zentrale Anliegen für uns. Durch spezielle Hinweise und anerkannte Gütesiegel wird auf unsere Strategie aufmerksam gemacht. Ergänzend dazu unterstützt die gezielte Öffentlichkeitsarbeit der Initiative »Green Events Austria« unser Engagement. »Diagonale Goes Green« soll auch Anreize für Sponsoren und regionale Betriebe bieten, verstärkt und offensiv auf Nachhaltigkeit zu setzen. Wir hoffen natürlich, dass unser Schritt Beispielwirkung haben wird. Einerseits geht es darum, bisherige Partner zu überzeugen, andererseits ist es möglich, mit dieser Ausrichtung gänzlich neue Unternehmen anzusprechen und somit auf den österreichischen Film aufmerksam zu machen. Ganz oben auf unserer Wunschliste sind außerdem Gratis-Fahrscheine für Diagonale-Besucher. Wir sind diesbezüglich mit der Holding Graz in Verhandlung.


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global village

technologie und gesellschaft

Grünes Internet? Mit dem Slogan »Green IT« versuchen Hardware-Hersteller und IT-Betreiber, dem steigenden Energie- und ressourcenbedarf eine grüne Masche umzubinden.

AB MÄRZ 2011 VERANSTALTUNGSREIHE MIT WORKSHOPS, GESPRÄCHEN UND KONZERTEN

SAVE THE DATE: 17.-21. AUGUST 2011 FESTIVAL ÜBER LEBENSKUNST IM HAUS DER KULTUREN DER WELT UND IM BERLINER STADTRAUM: INSTALLATIONEN, PERFORMANCES, KONZERTE, FILME, WORKSHOPS, LESUNGEN UND GESPRÄCHE

WWW.UEBER-LEBENSKUNST.ORG

Ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt

Am häufigsten wird man mit dem grünen Gedanken derzeit in der Form von E-Mail-Fußzeilen konfrontiert – mit der Bitte, den Ausdruck zu überlegen. Dabei ist die steigende Internet-Nutzung ein Hauptfaktor im ansteigenden Energieverbrauch, der inzwischen um die 2 % der CO²-Emissionen ausmacht, was den Emissionen der Luftfahrt entspricht. Tendenz stark steigend: Nach einer britischen Studie verdoppelte sich der Strombedarf für Informationstechnologie binnen fünf Jahren und wird in zehn Jahren die Hälfte des privaten Stromverbrauchs ausmachen. Die steigende Nutzung von Internet-Anwendungen führt auch zu einem höheren Bedarf an Serverkapazitäten. Die Rechenzentren stellen immer mehr Leistung auf engerem Raum zur Verfügung, was gleichzeitig höhere Anforderungen an die Kühltechnik stellt. Bereits jetzt geht die Hälfte des Energiebedarfs für Kühlung und eine unabhängige Stromversorgung auf. Gift und kurze Lebenszyklen —— Aber nicht nur der Energieverbrauch stellt ein Problem dar. Die verfügbaren Technologien basieren auf einer Vielzahl von giftigen Materialien wie Quecksilber, Blei und Cadmium, deren Herstellung und Entsorgung alles andere als nachhaltig ist. Die Lebensdauer der Hardware wird gleichzeitig immer kürzer, weil in den hochintegrierten Systemen die Fehlertoleranzen kleiner sind und entsprechend früher ein vorsorglicher Austausch stattfindet. Da sind die Bemühungen mancher IT-Hersteller, die durch Telearbeit und Internet-Konferenzen einge­ sparten CO²-Emissionen gegenzurechnen, lediglich ein Tropfen am heißen Stein. Der Bezug von Ökostrom ist zwar als Einzelmaßnahme lobenswert, macht den Computer aber auch nicht grüner. Es mag ein befremdlicher Gedanke sein, aber möglicherweise kommt der Moment, wo Nachhaltigkeitskriterien zu einer bewussteren Nutzung von Internet & Co. führen, erst dann, wenn »always-on« ein negatives Prädikat darstellt.


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community

Immer weniger Landwirte und zunehmend abgewirtschaftete Böden – diese Fakten in den USA haben eine neue Bewegung ausgelöst: Die Greenhorns sind eine Non-Profit-Graswurzel-Organisation mit derzeit 3.000 Mitgliedern. Als Greenhorn gilt jeder unter 57 Jahren, denn das Durchschnittsalter der amerikanischen Farmer liegt darüber. Gestützt werden die Greenhorns durch ein buntes Netzwerk an Freiwilligen, Aktivisten, Künstlern und Filmemachern. Ihre Aktivitäten erstrecken sich von Konferenzen, Fortbildung für junge Landwirte bis hin zu politischem Reform-Engagement über die National Young Farmers Coalition. Gemäß ihrem Motto »by young farmers for young farmers« stehen die Greenhorns für CommunityBildung. Es geht darum, Skills zu teilen und Geräte zu tauschen. Old School meets New Media: In ihrem Blog, ihrem Wiki und über eine wöchentliche Radioshow geben sie Impulse für das Thema nachhaltige Landwirtschaft, Community Supported Agriculture (CSA) und Bio-Anbau. Ihr aktuelles Kommunikationsprojekt, der Dokumentarfilm »The Greenhorns«, soll noch in diesem Jahr auf Tour gehen. www.thegreenhorns.net

fotos Christian Aysner, Laura Cline

farming reloaded: the greenhorns


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Community Supported Agriculture

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unsere kleine farm Wenn Landwirte und Verbraucher gemeinsam wirtschaften: Community Supported Agriculture

D

as ist Fair Trade vor Ort«, fasst Landwirtin Susanna Lindeke das Konzept des münsterländischen Gärtnerhofs Entrup zusammen. Dahinter steckt eine bestechend einfache, aber völlig andere Idee der Zusammenarbeit mit dem Verbraucher: Die Konsumenten kaufen nicht mehr einzelne Lebensmittel, sondern finanzieren mit monatlichen Beiträgen gemeinsam den Hof. Im Gegenzug versorgt dieser die Mitglieder mit allen Produkten, die im Jahresverlauf produziert werden. Das Konzept heißt Community Supported Agriculture (CSA) oder Landwirtschaftsgemeinschaft und findet in Europa zunehmend Verbreitung. Der Gärtnerhof Entrup liegt im Nordwesten Deutschlands. Das Münsterland ist flach. Der Wechsel von Äckern und Wiesen, Hecken und Wäldern wird auch als Parklandschaft bezeichnet. Hier fährt man Rad und wählt traditionell CDU. Die mittelständische Wirtschaft der Region ist gesund, die Landwirtschaft ist geprägt von Schweinemast. 20 Minuten sind es von hier in die Universitäts- und Behördenstadt Münster mit 270.000 Einwohnern. Seit 1987 wird auf dem Hof biodynamisch gewirtschaftet, 2007 gab es die ersten Überlegungen,

Links: 100 Personen finanzieren den Gärtnerhof Entrup im Münsterland bereits zur Hälfte.

auf Community Supported Agriculture umzustellen. »Ein Jahr lang haben wir geplant und diskutiert, 2008 haben wir dann schließlich gesagt: wir probieren das jetzt«, beschreibt Susanna Lindeke die Gründungsphase. Heute, drei Jahre später, finanzieren 100 Personen den Gärtnerhof Entrup zu 50 Prozent. Um auf die klassischen Absatzwege wie Marktstände und Hofladen verzichten zu können, braucht die CSA noch 100 weitere Teilnehmer.

genug für alle Die Mitglieder beschließen einmal im Jahr den Finanzplan des Hofes und verpflichten sich, für jeden CSA-Teilnehmer im Haushalt einen bestimmten Betrag zu bezahlen. Für 120 bis 135 Euro je Monat und Person erhalten die Mitglieder quasi »all you can eat«. Jeder nimmt sich aus dem Angebot, so viel er für sich braucht. »Und das funktioniert?«, fragt der Außenstehende ungläubig. Susanna Lindeke kontert: »Das funktioniert! Neue Mitglieder fürchten oft, zuviel mitzunehmen. Aber diese Bedenken lösen sich schnell auf.« Während sich moderne land-


text

Philipp Stierand

fotos

G채rtnerhof Entrup Laura Cline

Illustrationen

Dario Coelho

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Community Supported Agriculture

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wirtschaftliche Betriebe spezialisieren müssen, um am Markt zu bestehen, ist auf dem Gärtnerhof Entrup das Gegenteil wichtig. »Wir bemühen uns in jeder Saison, eine möglichst große Vielfalt an Produkten zu erzeugen. Unser Hof will Abwechslung bieten.« Geerntet und gebacken wird zweimal die Woche, damit genügend Ware an den Abholtagen bereitsteht. Im Angebot findet sich regionales Gemüse vom Feld und aus drei Folienhäusern. Die hofeigenen Schafe, Hühner, Schweine und Ziegen versorgen die CSA mit Fleisch und tierischen Produkten. Zudem wird eigenes Brot gebacken und die Schafmilch verkäst.

tet werden können, kommt so gut wie nicht vor. »Diese Planbarkeit und der kurze Weg vom Produzenten zum Konsumenten vermeidet Lebensmittelabfall«, sagt der Biologe und CSA-Experte Thomas van Elsen von der Universität Kassel. Auch das Risiko einer Missernte tragen die Konsumenten mit. Dem Verbraucher sichert die Beteiligung an einer CSA die Versorgung mit frischen, regionalen und relativ günstigen Lebensmitteln. Sie kennen die Menschen, die ihre Lebensmittel produzieren und haben Einblick in die Anbaumethoden und Produktionsverfahren. Transparenter geht es nur noch im eigenen Garten. Im Supermarkt lässt sich der Verlauf der Jahreszeiten kaum noch nachvollziehen. »Die Mitglieder einer CSA müssen erst wieder lernen, wann welches Obst und Gemüseangebot verfügbar ist.« Auch in der Saure-Gur-

planungssicherheit Die robusten Holzregale sind leer, in der ausgeschalteten Kühltheke warten einige Käseschilder auf ihren Einsatz. Aus dem Stall schallt das Geblöke der Schafe herüber. Die Neonröhre und die unverputzten Wände machen deutlich, um Verkaufsförderung geht es hier nicht. Einmal in der Woche erwacht der Raum im Gärtnerhof aber zum Leben: Dann sind die Regale mit Gemüse aller Art gut gefüllt, brummt die Kühltheke. Dann ist hier die Drehscheibe für die Verteilung der Hofprodukte. Die Mitglieder können sich die Lebensmittel auf dem Hof direkt oder bei verschiedenen Depots im Stadtgebiet von Münster abholen. Die Depots werden von den Mitgliedern in Eigenregie organisiert und bestückt. In einem Stadtteil warten die Lebensmittel im Bauwagen auf die Mitglieder, in einer anderen Ecke von Münster wurde einfach ein Carport als Zwischenlager umfunktioniert. Und auch der Flur einer Studenten-WG dient einmal in der Woche als CSA-Depot. Das alles funktioniert? »Auch das funktioniert. Wer auf dem Wochenmarkt und im Supermarkt einkaufen geht, muss sich ja auch organisieren«, sagt Susanna Lindeke. »Mein Anspruch ist es, eine gute Arbeit zu machen«, erklärt die Landwirtin, auf die Vorteile der Gemeinschaft angesprochen. Der Boden müsse optimal versorgt, die Pflanzen gehegt und die Tiere gepflegt werden. »Gute Lebensmittel entstehen dann quasi als Nebenprodukt.« Die Vermarktung tritt als Aufgabe des Landwirts in den Hintergrund. CSA gibt der Landwirtschaft Planungssicherheit: Der Absatz der Produkte lässt sich vorausplanen, Preis- und Marktveränderungen spielen keine Rolle. Die Produktion von Überschüssen, die nicht vermark-

Abwechslung durch Mischkultur: CSA praktiziert die Abkehr von der Monokultur.

ken-Zeit sei ein attraktives Essen möglich. »Die Vielfalt meiner Ernährung ist sogar deutlich größer geworden«, erklärt Katja Beiersmann, Mitglied der CSA Entrup 119. »Vorbei sind die Zeiten, in denen als Gemüse ganzjährig hauptsächlich Tomaten und Paprika auf den Tisch kamen.« Und wenn der Hof mal von einer besonders guten Rote-Beete-Ernte überrascht wird, dann werden augenzwinkernd Rote-Beete-Rezepte getauscht.

Das Konzept csa: erprobt in europa, bewährt in Übersee Die Idee der CSA ist ein Re-Import aus den USA. Einer der amerikanischen Pioniere von CSA arbeitete in den frühen 80er Jahren auf biologisch-dynamischen Höfen in der Schweiz, ein anderer auf dem Demeter-Betrieb Buschberghof bei Hamburg. Von diesen Aufenthalten inspiriert entstanden die ersten beiden CSA-Höfe in Nord­amerika. Die Indian Line Farm in Massachusetts und die Temple-Wilton Community Farm in New Hampshire arbeiten noch heute. Community Supported Agriculture ist nach den ersten Anfängen vor 25 Jahren ein weiterverbreitetes Phänomen in den USA. Die Schätzungen über die Anzahl der dortigen CSA-Höfe reichen je nach Abgrenzung von 2.000 bis 12.000. »Die Grund-


versorgung mit biologischen Lebensmitteln war in den USA viel schwieriger als in Europa«, erklärt Thomas van Elsen. »Das Fehlen einer Infrastruktur für den Ein- und Verkauf wurde durch Eigeninitiative ausgeglichen und führte so zur starken Verbreitung des CSA-Konzepts.« Das Spektrum der Modelle ist groß. Ungefähr die Hälfte der CSA-Farmen in den USA betreibt Abo-KistenSysteme. Hier kann der Verbraucher wöchentlich einund aussteigen, durch Zukauf garantieren die Betriebe ein Angebot, das einem Bioladen in nichts nach steht. Abo-Kisten sind auch in Deutschland und Österreich ein wichtiger Absatzweg für die Produkte der Biolandwirtschaft, in Europa würde man sie aber nicht als CSA bezeichnen. 1987 stand ein Generationswechsel auf dem Buschberghof bei Hamburg an. Auf der Suche nach einem neuen Betreibermodell entsann man sich der Ideen des ehemaligen Mitstreiters Trauger Groh, der mittlerweile erfolgreich die Temple-Wilton Community Farm in den USA betrieb. Anfangs kombinierte man noch die Wirtschaftsgemeinschaft und einen traditionellen Hofladen. Heute versorgt der Buschberghof als reine CSA rund 350 Menschen. 44 davon leben und arbeiten auf dem Hof, 300 sind zahlende Mitglieder. 101 Hektar hat der Betrieb insgesamt, 86 davon sind landwirtschaftliche Nutzfläche. So kann jeder CSA-Beteiligte auf dem Buschberghof nachvollziehbar behaupten: »Dieser Viertel-Hektar ist meine Lebensgrundlage.« Der Etat, den die Mitglieder dafür aufbringen müssen, liegt momentan bei 330.000 Euro im Jahr. Zum öffentlichkeitswirksamen Durchbruch in Europa verhalf der Idee der Landwirtschaftsgemeinschaft ein Bauer, der auch schon mal mit Federboa auf dem Acker steht oder als Biene verkleidet Pestizid-Lieder singt. Das filmische Porträt des Farmer John lief 2007 in den deutschsprachigen Kinos an. Bauer John hat als jugendlicher Hippie die vom Vater übernommene Landwirtschaft ruiniert, wagte aber ein paar Jahre später einen neuen Anlauf als CSA. Heute ist Angelic Organics eine der größten Gemeinschaftsfarmen der USA – und wahrscheinlich die einzige mit eigenem Merchandising-Shop. »In Deutschland gibt es heute etwa ein Dutzend Landwirtschaftsgemeinschaften«, schätzt Thomas van Elsen. Die erste CSA Österreichs befindet sich in Gründung: 30 Kilometer vor den Toren Wiens in Gänserndorf geht gerade der Gärtnerhof Ochsenherz mit seinem Projekt »Gemeinsam Landwirtschaften« in die Umsetzung. Für rund 250 Menschen reicht die Anbaufläche des Hofes. Die Waren können über fertig gepackte ErnteanteilsKisten oder über zwei Marktstände in Wien bezogen werden (siehe Kasten). »CSA bietet eine neue Form, sich mit Lebensmitteln zu versorgen«, sagt Thomas van Elsen. Doch das Sortiment ist eingeschränkt und streng an die Jahreszeiten gebunden. Und Landwirtschaftsgemeinschaften erfordern Mitarbeit und Engagement. Susanna Lindeke:

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Wegweisendes Wirtschaften? – Der Gärtnerhof in Gänserndorf setzt auf ein in den USA bewährtes Gemeinschaftsprinzip.

Gemeinschaftlich zur Haferwurz 30 Kilometer auSSerhalb von Wien formiert sich Österreichs erstes Community-Supported-AgricultureProjekt. Ein Feldversuch, auch in Sachen seltener Gemüsesorten. Es sei ein historischer Moment, sagte der Gastredner aus Deutschland. Im Saal herrschte gespannte Atmosphäre, genährt aus Euphorie, Skepsis und der Hoffnung auf gutes Gemüse. Mit Letzterem haben sich Peter Lassnig und sein Team vom Gänserndorfer Ochsenherz Gärtnerhof über neun Jahre eine Fangemeinde in Wien herangezüchtet – nun hatten sie in einen Versammlungsraum gebeten, um Österreichs erstes Community Supported Agriculture-Projekt auf den Weg zu bringen. »Gemeinsam Landwirtschaften«, kurz Gela, heißt der Feldversuch, der dem Gärtnerhof ermöglichen soll, seinen anspruchsvollen, an Demeter-Kriterien ausgerichteten Gemüseanbau auch kostendeckend zu betreiben. Dieses Ziel, erklärt Lassnig, war mit dem bisherigen Marktverkauf nicht zu erreichen. Kunden werden nun also zu Teilhabern, für ihren monatlichen Beitrag (Richtsatz 68 Euro pro Person, bei hohem Verbrauch oder Spendenbereitschaft auch mehr) dürfen sie sich entweder zu wöchentlichen Terminen frei Gemüse von einem Marktstand entnehmen oder fertig gepackte Kisten abholen. Wobei für Ochsenherz-Aficionados nicht nur das Etikett »Bio« und »regional« zählt: Lassnig ist Experte für Sortenraritäten und möchte durch den Anbau von Haferwurzen, Knollenziesten, Kardonen und anderem Non-Mainstream-Gemüsepflanzen erhalten, die selbst im Bio-Business wenig Chancen haben. Die Community betreibt so gleichermaßen Landwirtschafts- wie Kulturförderung. Bei Redaktionsschluss waren 115 Anteile vergeben, bis Mai soll die Gemeinde auf 180 Teilhaber anwachsen. ◄ www.ochsenherz.at —— Text: Michael Huber


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Community Supported Agriculture

16 »Landwirtschaftsgemeinschaften sind nicht die alleinige Lösung. Das ist nicht für jeden etwas.« CSA sei ein Konzept, das sich an die unterschiedlichen Möglichkeiten anpassen muss, das sich von Hof zu Hof und mit der Zeit verändere. Community Supported Agriculture ist eine Idee, für die sich zunehmend mehr Menschen begeistern, ein Konzept, das im supermarktverwöhnten Europa gerade Fahrt aufnimmt. Eine große Leistung der CSA läge im unmittelbaren Kontakt zwischen Landwirtschaft und Konsumenten, unterstreicht Thomas van Elsen. Ähnlich sieht es Susanna Lindeke: »Auf unserem Hof blicken Erzeuger und Verbraucher in die gleiche Richtung. Wir sind alle für unsere Lebensmittel verantwortlich.«

Die Mitglieder einer CSA müssen erst wieder lernen, wann welches Obst und Gemüseangebot verfügbar ist. Thomas van Elsen, Biologe

Philipp Stierand lebt und arbeitet in Dortmund. Unter www.speiseraeume.de bloggt der promovierte Raumplaner zu den Themen Stadt und Ernährung.

Globaler Gedankenaustausch: In Deutschland ersonnen, wurde die Idee der CSA in Übersee ausgereift. Nun kommt sie nach Europa zurück.


CSA bedeutet gemeinsam getragene Landwirtschaft. CommunitySupported Agriculture (CSA)

Projekte weltweit – Einige Beispiele: » Gärtnerhof Ochsenherz, Tannengasse 1 / 32, A–2230 Gänserndorf, Österreich —— www.ochsenherz.at Demeter-Landwirtschaftsberieb. Seit Dezember 2009 Umgestaltung des Betriebes zu einer CSA. Die Initiative heisst GeLa-gemeinsam landwirtschaften. » Gärtnerhof Entrup eG, Entrup 119, D-48341 Altenberge, Deutschland —— www.entrup119.de Die Gärtnerhof Entrup eG versteht sich als eine nach außen offene, auf viele Teilnehmer ausgerichtete »Publikumsgesellschaft«, die den Hof als Landwirtschaftsort, Bildungsort und Sozialprojekt erhalten und weiter ausbauen möchte. » Buschberghof, D-21493 Fuhlenhagen, Deutschland —— www.buschberghof.de Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise seit 1955. Landwirtschaft in ökonomischer Freiheit: 95 Familien organisieren den Wirtschaftsprozess selbstständig. » Angelic Organics Farm, 1457 Rockton Road, Caledonia, Illinois, USA —— www.angelicorganics.com Seit 1990 bestehendes CSA-Projekt von Farmer John (John Petersen) mit biodynamischer Landwirtschaft. Heute eine der größten »Community owned farms« in USA, die über 1.700 Familien im Raum Chicago versorgt. » The Temple-Wilton Community Farm, 195 Isaac Frye Hwy, Wilton, Newhampshire, USA —— templewiltoncommunityfarm.com CSA-Projekt seit 1986. » Roxbury Farm, 2501 Route 9H, Kinderhook, NY 12106, USA —— www.roxburyfarm.com Biodynamische CSA-Farm, die für 1.200 Familien wirtschaftet. » Canalside Community Food, Warwickshire, West Midlands, UK —— www.canalsidecommunityfood.org.uk CSA-Projekt seit 2007. Versorgt über 100 Haushalte mit saisonalem Gemüse.

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stadtfrüchte

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Chef-Designer Vahakn Matossian beim Obstpflücken mitten in London. Die passenden Gerätschaften, wie Pflückstange und Korb, entwarf und baute er gleich selbst.


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Stadtfrüchte Fruchtoasen mitten in der Stadt: Auch in urbanen Gegenden gibt es haufenweise Grünflächen mit Obstpflanzen aller Art. Die Londoner Aktivisten von »Fruit City« machen diese mittels Geo-Tagging auf ihrer Website sichtbar. Damit wollen sie auch eine Initiative zur vermehrten Pflanzung und Nutzung öffentlicher Obstplantagen sein.


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stadtfrüchte

fotos Vahakn Matossian (Project Designer) — www.vahakn.co.uk / Mike Massaro (Photographer) — www.mikemike.co.uk

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Vahakn Matossian überrascht mit funktionalem Zubehör: Zur Weiterverarbeitung entwickelte er diese transportable Apfelsaft-Presse.


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Anstatt Wegwerf-Flyer verteilen die Fruit City-Betreiber Stadtpläne mit eingezeichneten Obstbäumen.

Dieser Obst-Rucksack ist nicht nur stylish, sondern auch aus Naturmaterialien gefertigt.

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Alternatives Bankenwesen

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A

Der Schwank von der alternativen ——Bank Kapitalisten, Christen, Ökos und Muslime: alle haben unterschiedliche Ideen davon, wie Geld verwaltet werden soll. Lange Zeit war es normal, dass, wer Geld auf die Bank legt, nicht genau weiß, was damit geschieht – das hat sich in den letzten Jahren geändert. Aber welche Alternativen gibt es zum konventionellen Bankwesen?

uch wenn das Social Banking gerade boomt: Das alternative Bankenwesen gibt es nicht erst seit dem Web 2.0. Die meisten alternativen Formen des Bankings sind bereits während der 70er Jahre entstanden. Das Islamic Banking, also jenes Bankenwesen, das sich nach dem Koran orientiert, profitierte vor allem von der Gründung der OPEC und dem steigenden Ölpreis (was für das nötige Kapital sorgte.) Die demokratisierenden Tendenzen bei Banken hingegen entstanden aus der wachsenden Skepsis gegenüber der Wachstums- und Technikgläubigkeit. Sie stehen somit in enger Verbindung mit der Grün-Bewegung. Die »Grenzen des Wachstums« wurden immer greifbarer und es wurde klar, dass das Diktat des Wachstums auch Konsequenzen hat. Wachstum und Gewinnsteigerung begannen als einzige Werte ungenügend zu werden. Eine der ersten Initiativen dieser Erkenntnis war die deutsche Genossenschaftsbank GLS, die »erste sozial-ökologische Universalbank der Welt«. Ihr sollten noch viele andere Initiativen folgen.

Über Geld sprechen Die Informationstechnologie hat mit dem Web 2.0 das alternative Banking auf ein ganz neue Ebene gehievt. In Deutschland gibt es mittlerweile sogar ein eigenes Institute for Social Banking, in dem auch die Bloggerin Katha Beck (kathas-welt.de), beschäftigt ist. Das Institut beschäftigt sich mit der Fortbildung sogenannter Change Agents, das sind Angestellte in alternativen und konventionellen Banken, die sich für eine sozial-ökologischen Neuorientierung des monetären Sektors einsetzen. Ein wichtiger Weg, wie die Rolle des Geldes neu definiert werden kann, ist den Kunden die Partizipation in der Bank zu ermöglichen. Seit Jänner 2010 gibt die deutsche Bank Fidor (»Banking mit Freunden«) hier den Weg vor, denn sie betreibt eine für alle offene Online-Plattform, auf der Mitglieder und Interessierte diskutieren – aber auch die Konkurrenz wird dazu eingeladen, sich einzubringen. Dieser direkte Austausch führt zu ganz neuen Wegen der Kreditvergabe. Die Online-Bank überlässt es ihren Kunden, ob sie einen Kredit über die Bank oder die Community, also Peer-to-Peer, annehmen wollen. Dieses Prinzip, nach dem sich Menschen untereinander Geld leihen, hat auch eine lange Tradition im Islamic Banking.

Zinsfreie Nächstenliebe Obwohl es natürlich anders ist, muss Islamic Banking in seiner kommerziellen Grundauslegung zum konventionellen Bankenwesen gezählt werden. Vor allem ökologische Verantwortung spielt hier nicht zwangsläufig


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Imre Withalm

eine Rolle. Vielmehr geht es darum, die Gesetze des Koran bezüglich Transaktionen, die Fiqh al-Muamalat, einzuhalten. Ähnlich wie früher im Christentum ist nach diesen Gesetzen die Verzinsung von verliehenem Geld verboten. Allerdings gibt es Wege, wie dieses Verbot umgangen werden kann. So ist beispielsweise eine Gewinnbeteiligung des Kreditgebers durchaus üblich. Islamic Banking ist vor allem in zweierlei Hinsicht interessant: Es zeigt zum einen, dass kommerzielles Bankenwesen ohne Zinsen möglich ist. Zum anderen gibt es kein Geld für Investitionen, die sich gegen die Regeln des Korans richten – dieses Ausschlussprinzip wird auch von alternativen Banken genutzt, allerdings natürlich nach anderen Kriterien. Auch wenn das Zinsverbot im christlichen Bankenwesen schon vor einiger Zeit gefallen ist, gibt es immer noch christlich orientierte Banken, die nicht primär auf Rendite aus sind. So gehört die Schattera-Bank zu 85 Prozent christlichen Orden. Sie investiert nicht in große Industrien und versucht, regionale Player zu stärken. Diese Form des christlichen Bankenwesens hat somit zwar Tendenzen einer sozialen Bank – jedoch gibt es keine ausgewiesene Politik, nach der investiert wird und den kleinen Anlegern bleibt das Mitbestimmungsrecht untersagt. Von einer demokratischen Bank kann also hier nicht gesprochen werden. Ähnlich ist es mit der deutschen Missionsbank Steyler. Die Ordensgemeinschaft unterstützt, bis vor einigen Jahren noch ohne Bankenkonzession, soziale Projekte und kleine Wirtschaftsbetriebe mit zinsfreien Krediten.

Was hat dich bloSS so korrumpiert? Überraschenderweise zeigt ein Blick auf die Geschichte, dass auch heutige Großbanken einen altruistischen Ursprung haben. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen eine Genossenschaftsbank, die zum Ziel hatte, die hungernden Kleinbauern mit günstigen Kleinkrediten zu versorgen, um Saatgut und Ähnliches kaufen zu können. Nicht umsonst erinnert das an die Idee der Mikrokredite in Entwicklungsländern, die dem Unternehmer Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis bescherte. Im Kontrast zu ihrem Ursprung stehen wir heute der global agierende Raiffeisen Zentralbank (die RZB ist die größte Bank in Österreich, Anm.) gegenüber, die nicht nur über ein irrwitziges Kapital verfügt, sondern dieses besonders in Österreich durch Medienbeteiligungen strategisch investiert. Diese Entwicklung der Raiffeisenbank steht nur exemplarisch für die meisten Geldinstitute. Die Machtkonzentration,


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Alternatives Bankenwesen

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wie sie die großen konventionellen Banken durchlaufen haben, hat vor allem historische Gründe, wie der Autor Klaus Gabriel meint: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen starken Ruf nach ausreichend Kapital um den Wiederaufbau zu finanzieren – eine Entwicklung, die zu einer stärkeren Abhängigkeit der Politik von den Banken geführt hat.

glaubwürdige alternativen Dieser Zustand, der Anlegern kaum eine Möglichkeit der Einflussnahme lässt, erklärt, warum es ein so massives Interesse an Alternativen gibt. Der Anspruch der oben erwähnten Fidor Bank, den Kunden aus seiner passiven Rolle herauszuholen, korreliert sehr stark mit dem Zugang der Autoren Klaus Gabriel und Markus Schlagnitweit. Sie haben mit dem Buch »Das Gute Geld« gleichzeitig einen Ratgeber für ethische Geldanlage und eine philosophisch-theologische Abhandlung über die Frage, was denn überhaupt moralisch ist, geliefert. Das Buch ist vor allem deshalb interessant, weil es konkrete Ratschläge liefert, wie auch bei konventionellen Banken eine ethischere Geldanlage möglich ist. Einen noch umfassenderen Ansatz als Gabriel und Schlagnitweit vertritt Christian Felber in seinem Buch »Die Gemeinwohl-Ökonomie«. Er beschreibt darin eine gesamtgesellschaftliche Umwälzung, die zur titelgebenden Wirtschaftsform führen soll. Felbers These ist ebenso einfach wie einleuchtend: Die Bevölkerung kann kein Interesse daran haben, Wirtschaftsbetriebe, die die Umwelt zerstören und Projekte, die zu sozialer Benachteiligung führen, zu unterstützen – weshalb sollte ihr Geld also daran beteiligt sein? Dieser Gedanke führt zum Prinzip der »Demokratischen Bank« – einer Einrichtung, die das Geld aller Beteiligten auch in de-

» Die Machtkonzentration, wie sie die konventionellen Banken durchlaufen haben, hat vor allem historische Gründe.« Klaus Gabriel, Buchautor

ren Interesse verwalten würde. Nicht erst seit der Wirtschaftskrise ist klar, dass eine von der Realität losgekoppelte virtuelle Wirtschaft, also das reine Herumschieben von Zahlen, Probleme verursacht – ja, eine existenzielle Gefahr für Umwelt und Gesellschaft darstellt. Die Rufe nach einem Wirtschaftssystem, das sich nicht nur in den Köpfen der Investoren abspielt, werden deshalb immer lauter. Die Demokratische Bank, die in Felbers Theorie verfassungsmäßig geschützt wäre, würde sich demnach von der Wall Street wieder zur Main Street bewegen –

sie würde also nur noch in echte Wirtschaftsleistung investieren anstatt auf fallende oder steigende Kurse zu wetten. Felber hebt so die gesellschaftssteuernde Funktion von Banken hervor. Projekte mit hohem sozialen oder ökologischen Mehrwert würden sehr billige Kredite, beziehungsweise sogar solche mit einem »negativen Zins« (nicht das gesamte Geld muss zurückgezahlt werden) erhalten. Projekte und Unternehmungen, die nur die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen, würden einen entsprechend höheren Zins zahlen müssen. Und Unternehmen, die Umwelt oder Gesellschaft schaden, würden überhaupt nicht mehr finanziert werden, egal wie rentabel sie auf finanzieller Seite wären. »Ethisches Investieren«, wie es auch Gabriel und Schlagnitweit beschreiben, wäre dann gesetzlicher Standard. Noch ist das Bild dieser neuen Wirtschaftsordung, das Christian Felber zeichnet, allerdings (wenn auch eine in den nächsten paar Jahren umsetzbare) Zukunftsmusik.

Und was mache ich nun mit meinem Geld? Die Zeit, wo Geld einfach so einer Bank anvertraut wird, ohne weiter darüber nachzudenken, scheint definitiv vorbei. Gerade das Web 2.0 vereinfacht es immens, bei der Verwaltung des eigenen Geldes mitzureden. Eine allgemein gültige Lösung lässt sich aber nicht so einfach ausmachen. So sieht beispielsweise Gabriel die vollkommene Übertragung der Bankgeschäfte an die Kunden gerade in der wirtschaftlichen Praxis kritisch. Im Alltagsgeschäft brauche es seiner Meinung nach Managing. Auch zeigen sich ganz konkrete Schwierigkeiten, auf eine alternative Bank umzusteigen: So gibt es in Österreich gar keine Bank wie die Fidor – ein heimisches Konto ist aber in vielen Bereichen, wie bei Miet- und Arbeitsverträgen, unverzichtbar. Eines bleibt klar: Die Alternativen zum konventionellen Bankenwesen sind trotz allem systemimmanente Ansätze, wie auch Gabriel erklärt – ansonsten würde es sich nämlich ganz einfach um keine Bank handeln. Und dennoch: Innerhalb dieses Systems sehen wir graduelle Unterschiede von der rendite-orientierten Geldanlage über öko-sozial verträglichere Anlageformen bis hin zu gänzlich neuen Konzepten, bei denen wir die Bank selbst leiten. Letztlich obliegt uns die Entscheidung, was wir mit unserem Geld machen. »Die Gemeinwohl-Ökonomie – Das Wirtschaftsmodell der Zukunft« von Christian Felber ist 2010 im Deuticke Verlag erschienen. »Das Gute Geld – Ethisches Investment, Hintergründe und Möglichkeiten« von Klaus Gabriel und Markus Schlagnitweit ist 2009 im Tyrolia Verlag erschienen.


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Das heimliche Paradies

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Wellington , Die Stadt der Städte Vancouver, Zürich, Auckland – dort lässt es sich gut leben. Auf den ersten Blick zumindest. »Wellington!«, sagt das Beratungsunternehmen Mercer, ohne es explizit so zu formulieren, und auch sonst gibt sich Neuseelands Hauptstadt eher bescheiden. Grund genug, ein wenig genauer hinzuschauen.

Y

ou can’t beat Wellington on a sunny day«, sagt Claudia Dullnig, die vor rund zwei Jahren nach einem Urlaub der Liebe wegen in der neuseeländischen Hauptstadt hängen blieb. Die 28-jährige Kärntnerin schwärmt von der wunderbaren Landschaft, dem tollen Freizeitangebot und der jugendlichen Stadt, die mit ihrem nationalen wie internationalen Flughafen Ausgangspunkt für die Erkundung der Nord- und Südinsel Neuseelands ist. Und das ist nicht einfach so dahin gesagt – als Tour Coordinator eines in Wellington ansässigen Reiseveranstalters hat Claudia viele ihrer Empfehlungen schon selbst gesehen. Auch ihre Arbeitskollegin Sonja Adamek ist von der liebevoll »Welly« genannten Hauptstadt begeistert: »Es

ist sehr kompakt, man kann im Zentrum alles erlaufen und die Busverbindungen sind ziemlich gut. Es gibt tolle Wanderwege, nette kleine Theater und Festivals und im Sommer viele kostenlose Konzerte im Botanischen Garten.« Wie Claudia ist die 34-jährige Hessin nach einem Urlaub in Wellington gestrandet und fühlt sich nach mittlerweile neun Jahren in Down Under dort zu Hause.

Mercer kürt heimlichen Sieger Jährlich dürfen ca. 45.000 bis 50.000 Menschen nach Neuseeland immigrieren, wobei Wellington im Vergleich zu Christchurch oder Auckland nur langsam wächst. Ein Geheimtipp also, der – liest man sich durch


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Mirjam Bromundt

BILD

The Karori Sanctuary Experience WellingtonNZ.com

verschiedenste Statistiken – eigentlich auf der Hand liegen müsste. Das Beratungsunternehmen Mercer vergleicht jährlich die Lebensqualität von Metropolen, was 2010 Wien mit 108,6 Punkten vor Zürich und Genf als lebenswerteste Stadt auszeichnete und prinzipiell europäische Städte auf die oberen Ränge hievte. Ausgangsstadt dieses Bewertungsverfahrens ist New York mit einem Index von 100 Punkten. Schaut man sich das Ergebnis der Studie ein wenig genauer an, findet sich – zwar sieben Plätze hinter dem Regionsrivalen Auckland – Wellington mit 105,9 Punkten bereits auf Platz zwölf der mittels 29 Faktoren in zehn Kategorien erhobenen Liste. Im Vergleich mit New York werden die Metropolen beispielsweise auf ihre politische bzw. soziale Umgebung, die ökonomischen wie soziokulturellen Bedingungen, auf Unterhaltung, Gesundheit, öffentliche Serviceleistungen oder Umwelt abgeklopft. Und genau darauf legte Mercer 2010 seinen Schwerpunkt: Aus den Kriterien Luftverschmutzung, Abwassersysteme, Wasserqualität und -verfügbarkeit, Abfallbeseitigung sowie Verkehrsstörungen wurde eine Spezialstatistik der ökologisch lebenswertesten Städte ermittelt. Von den zehn ersten der nach Mercer lebenswertesten Städte hat es keine einzige in die Top Ten der ökologisch empfehlenswerten geschafft. Auf Platz fünf jedoch findet sich wieder die neuseeländische Hauptstadt, was Wellington somit zum heimlichen Gesamtsieger der beiden Studien macht.

Go with the flow! »Die Lebensqualität ist sehr, sehr gut«, sagt Claudia. »Das Einkommensniveau ist wohl niedriger als in Europa, aber bis auf die Mieten ist das Leben an sich günstiger. Die Luft ist sauber, die Menschen sind wahnsinnig hilfsbereit und freundlich. ›Lending someone a hand‹ wird hier groß geschrieben«, erzählt sie weiter und beschreibt damit das Lebensgefühl, das wesentlich zum Wohlfühlfaktor einer Stadt beiträgt und von Studien nicht erfasst werden kann. »In Wellington ist einfach alles erlaubt«, sagt Sonja Adamek. »Ob blond, brünett, dick oder dünn, begabt oder einfach nur Durchschnitt, ob du nun einen BMW oder einen Toyota Corolla fährst, interessiert hier eigentlich keinen«, sagt auch Claudia. Die Kiwis pflegen einen legeren Lebensstil, der Neuseeland und somit Wellington zu einem beliebten Ziel für Einwanderer macht. »Als Europäer braucht man allerdings Geduld mit den Menschen«, sagt Claudia, »hier dauert alles ein bisschen länger – vom Stromrechnung bezahlen bis zum Strafzettel begleichen.« »Go with the flow! Nicht alles so eng sehen und einfach entspannt sein«, rät auch Sonja, um in den Lebensstil der Neuseeländer einzutauchen.

In einem Land vor unserer Zeit: Mit dem »Zealandia«, zehn Minuten vom Zentrum entfernt, ensteht in Wellington der Welt erstes urbanes Naturreservat. Ein riesiges Areal wird – als Lebensraum für die bedrohte Fauna des Landes – weitestgehend in den Zustand vor Ankunft der ersten Menschen in Neuseeland vor 800 Jahren zurückversetzt.

Was will man mehr? Und nicht nur Mercers Studie spricht für Wellington. Der bei Individualtouristen wohl beliebteste Reiseführer Lonely Planet reiht die neuseeländische Hauptstadt auf Platz vier der weltweiten Top-Städte 2011. »Wellington is Cool-with-a-capital-C«, schreiben die Autoren des »Lonely Planet’s Best in Travel 2011«. Die Stadt hat mehr Bars, Cafes und Restaurants pro Kopf als New York, eine boomende Filmindustrie (»Wellywood«) und wird dieses Jahr »front-and-centre on the world stage«, wenn dort der Rugby World Cup ausgetragen wird. Auch das Arbeitsministerium Neuseelands interessiert sich für seine Zuwanderer und erhob 2010 in der Studie »Why Wellington?«, warum Immigranten Wellington anderen Städten vorziehen. Der einzigartige Arbeitsmarkt, die Bildungseinrichtungen, Familienanschluss sowie die physische Schönheit und geografische Kompaktheit sind dabei die ausschlaggebenden Faktoren. »Bei Sonnenschein und Windstille den Botanischen Garten besuchen, Eisessen an der Harbour Front, vielleicht zum Mount Victoria Look Out die Aussicht genießen und den Straßenmusikern in der Cuba Street zuhören«, so sieht der perfekte Welly-Tag von Claudia aus. Sonja bruncht mit Freundinnen in einem netten Cafe, spaziert am Strand, macht ein Barbecue oder einen Ausflug nach Kapiti Island. So schnell werden die beiden Wellington nicht mehr verlassen. »Ich würd’ nur weggehen, um so richtig mitten in der Pampa zu leben«, sagt Sonja. Und Claudia? »Wegen dem Heimweh vielleicht. Neuseeland ist doch weit weg vom Rest der Welt.«

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karl wilhelm diefenbach

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text und interview

Erwin Uhrmann

Der Naturprophet vergangener Tage

foto Archiv der Spaun-Stiftung Seewalchen, Privatsammlung,

Er war Prophet, KĂźnstler und Rebell. Der Lebensreformer Karl Wilhelm Diefenbach nahm Ende des 19. Jahrhunderts vieles vorweg, was in den 1960er Jahren erst massentauglich wurde und heute als nachhaltiger Lebensstil bezeichnet wird.


as 19. Jahrhundert konfrontierte seine Menschen mit gravierenden Umwälzungen: die Industrialisierung und das Anwachsen der Städte mit ihrem veränderten Leben und Denken. Die zunehmende Armut der Arbeiterschaft, die Kriegspolitik und das Klassendenken fanden einen Gegenpol in der Lebensreformbewegung. Einer ihrer ersten radikalen Vertreter, Karl Wilhelm Diefenbach, beschäftigte sich schon früh mit Malerei und Fotografie. Eine Typhuserkrankung in jungen Jahren bildete den Anfang eines lebenslangen Leidens, das sich stark auf die Kunst, aber auch auf die Lebensgestaltung auswirkte. Im fleischverliebten und trinkfesten München war es ein schwieriges Unterfangen, wenn er als Vegetarier »gegen das Verzehren von mit Salz und Pfeffer einbalsamierten Tierleichnamen« auftrat und auch den Alkoholgenuss anprangerte. Sein früher Feldzug für ein Leben im Einklang mit der Natur, für Mäßigung und eine friedliche Religion der »Menschlichkeit« erscheint mit Blick auf die ökologischen, ökonomischen und politischen Probleme unserer Zeit erstaunlich aktuell.

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goodgoods sind zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen aus aller Welt. goodgoods machen Freude. goodgoods sind ökologisch, fair und verantwortungsbewusst. goodgoods gibt es heute schon in allen wichtigen Konsumbereichen. goodgoods sind begehrenswert oder alltäglich, intelligent oder einfach naheliegend – durch Material- und Verarbeitung und selbstverständlich von guter Qualität. goodgoods überzeugen squalität. goodgoods ermöglichen Verbrauchern gute und verantwortungsbewusste Kons umentscheidungen. goodgoods machen die die Orientierung mit transparenter Ko mmunikation einfach. goodgoods fördern regenerative Energien. goodgoods sch mecken besser. goodgoods vermeiden unnötigen Müll. goodgoods sind gut für die, die sie herstellen, für die, die sie kaufen und für die Umwelt. good goods machen Sinn. goodgoods machen sinnlich. goodgoods brau chen nur wenig Verpackung. goodgoods den nicht gerne in Plastiktüten herum getragen. goodgoods halten lang und sind zu Schade zum Wegwerfen. goodgoods verbrauchen wenig Energie – in der Herstellung und in der Nutzung. goodgoods sind ihren wahren Preis wert. goodgoods nutzen und stärken die Region. goodgoods bestehen aus Recycling-Material oder lassen sich sehr einfach wiederverwerten. goodgoods machen den Alltag leichter und umweltfreundlicher. goodgoods lieben Ökostrom. goodgoods sind die Statussymbole einer neuen Generation. goodgoods schonen die natürlichen Ressourcen. goodgoods funktionieren gut. goodgoods stehen für hohe Effizienz und intelligente Ideen. good goods sind grün – und das in vielen Farben. goodgoods gehen heute nicht auf Kosten DIE MESSE FÜR NACHHALTIGEN KONSUM von Morgen und hier nicht auf Kosten von anderswo. goodgoods schließen Kreisläufe. goodgoods nutzen nachwachsende Rohstoffe. goodgoods fördern zukunftsfähige Wohl standsmodelle und Lebensstile. goodVOM 27.– 29. MAI 2011 IN HAMBURG goods inspirieren uns alle zu einem nach haltigen Leben. goodgoods sind bekömmlich und gesund. goodgoods sind gut gestaltet und fühlen sich gut an. goodgoods helfen beim Energiesparen. goodgoods sind einen Schritt voraus. goodgoods werden von Tag zu Tag mehr. goodgoods können Sie auf der Messe, sehen, testen und kaufen. www.goodgoods.de

»Du sollst nicht töten«. Der Vegetarier als Künstler ohne Furcht vor Pathos und Opulenz.


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karl wilhelm diefenbach

30 Diefenbachs Wirken zeigt sich als radikales Lebenskunstwerk. Nacktheit ist für ihn etwas Natürliches, Versöhnung mit der Natur notwendig. In der Abgeschiedenheit des Isartals gründet er seine erste Landkommune. Anfang der 1890er Jahre zieht er nach Wien, wo er mit einer Ausstellung zwar großen künstlerischen Erfolg genießt, aber aufgrund wiederholter Pfändungen seiner Kunstwerke schließlich verarmt. Diefenbach kommt mit der Friedensbewegung und Bertha von Suttner in Kontakt, die von Diefenbach beeindruckt ist, sich aber wieder von ihm distanziert, als er wegen der Gründung der Wiener Kommune »Himmelshof« weiter in Verruf gerät. Eine Überquerung der Alpen mit seinen Anhängern, die fotografisch dokumentiert wird, führt ihn nach Italien, wo er neue adelige Mäzene kennenlernt, die ihm eine Reise nach Ägypten finanzieren. Einem zweiten Wien-Aufenthalt folgt die letzte Phase seines Lebens in Capri, wo er sich bis zu seinem Tod 1913 der Natur widmet.

Oben: »Friede« (Löwe mit Kind), um 1903, Öl auf Leinwand. Unten: »Per aspera at astra«, 1892, Mischtechnik auf Leinwand – Diefenbachs monumentales Hauptwerk, umgesetzt mit seinem Schüler Fidus

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ie Kuratorin Claudia Wagner hat sich in ihrer Dissertation intensiv mit Leben und Wirken des Lebensreformers beschäftigt. Für das Museum Villa Stuck München stellte sie die Ausstellung »Karl Wilhelm Diefenbach (1851 – 1913). Lieber sterben, als meine Ideale verleugnen!« zusammen, die vom Wien Museum von 7. April bis 26. Oktober 2011 unter dem Titel »Der Prophet. Die Welt des Karl Wilhelm Diefenbach« in der Hermesvilla gezeigt wird. biorama: Welche Motive und Ideale haben Karl Wilhelm Diefenbach am meisten beschäftigt? claudia wagner: Diefenbachs Werk teilt sich in vier große Bereiche. Neben den Schattenrissen, zu dem sein Hauptwerk »Per aspera ad astra« gehört, treten die Gemälde mit lebensreformerischem Inhalt hervor. »Du sollst nicht töten« als Ikone des Vegetarismus, nackte Epheben als Sinnbilder von Nudismus und Natürlichkeit. Auch malt er zeitlebens spirituelle, häufig christliche Motive rund um den erlösenden Heiland. Jesus wird von Diefenbach allerdings primär als Identifikationsfigur für den Außenseiter und neuen Propheten instrumentalisiert. Ab 1900, d. h. mit seiner Übersiedlung nach Capri, liegt der Schwerpunkt seines Werks in symbolistischen, mystischen Landschaften. Welche entscheidende Einflüsse wirkten auf ihn als Künstler? Diese Frage stellt man sich als Historiker natürlich immer und findet bei Diefenbach nur schwer eine Antwort. Geprägt ist er einmal durch sein bildungsbürgerliches Elternhaus, der Vater Leonhard, der selber spätromantische Veduten malte und Kinderbücher illustrierte, dann durch die Jahre in München an der Akademie. Vielleicht war er tatsächlich ein erster Vorläufer der Outsider Art, d.h. der Autodidakten, die aus ihren persönlichen Erfahrungen heraus ganz eigene Wege gehen. Ohne den lebenslangen Kampf Diefenbachs gegen die Widrigkeiten einer Epoche, die im Umbruch steckte, und sein Streben nach idealistischer Erneuerung ist sein Werk nicht zu verstehen. Warum ist sein künstlerisches Werk heute eher in Vergessenheit geraten? Bezüglich seiner lebensreformerischen Ambitionen, die Alltag und Kunst prägten und quasi Motor seines


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Viele der von ihm vorformulierten Ideale mündeten pervertiert und missbraucht in einem noch autoritärerem Regime. Claudia Wagner, Kuratorin der Diefenbach-Schau

umstrittenen Lebenswandels waren, ist Diefenbach als Vorkämpfer unbestritten. Allerdings brachte er nicht die Konsequenz der nachfolgenden Generation auf, blieb häufig in traditionellen Werten und gesellschaftlichkonservativen Vorgaben verhaftet. Diese Zwiespältigkeit, zusammen mit einer ausgesprochen autoritären und wenig gewinnenden Persönlichkeit, ließen ihn nicht zu einer Gallionsfigur für etwaige Bewegungen werden. Auch folgte mit dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland eine Entwicklung, die einerseits Teile des lebensreformerischen Gedankenguts übernahm und pervertierte, andererseits eine tiefe Zäsur bildete und eine unbedarfte Rezeption vorerst verhinderte. Kann man die Bewegungen der 1960er Jahre mit den damaligen vergleichen? Entstehen solche Bewegungen immer aus autoritären Verhältnissen heraus? Würde man Diefenbachs Einflüsse nachverfolgen, käme man über seinen Schüler Gusto Gräser und die Kommune des Monte Veritá zur Hippie-Bewegung. Vergleichbar ist sicher der Kampf gegen ein autoritäres Regime, der sich bei Diefenbach gegen das wilhelminische Kaiserreich entlud und in den 60er Jahren gegen die elitären Strukturen der Nachkriegsgesellschaft protestierte. Bei der Protestbewegung der 1960er Jahre macht es den Anschein, als wäre der Kampf gegen überholte Traditionen teils erfolgreich, bei Diefenbach mündeten viele der auch von ihm vorformulierten Ideale pervertiert und missbraucht in einem noch autoritäreren Regime.

Wie ist in der Kommune mit Sexualität umgegangen worden? Zu den klaren Grundsätzen des Zusammenlebens gehörte unter anderem: keine erotische Beziehung innerhalb der Gemeinschaft. Dies war aber nur eine Regel für die Jünger, nicht für den Meister, der immer eine Dame an seiner Seite hatte, die er mit der Verpflichtung zu sexuellem Verkehr »würdigte«. Auch sind intime Beziehungen zu seiner Tochter Stella belegt. Bei der Einschätzung der Sexualität innerhalb der Kommune, die in der Presse eines unsittlichen Treibens bezichtigt wurde, sollte man generell realistisch bleiben. Was war Ihr persönlicher Anlass für eine intensivere Auseinandersetzung mit Diefenbach? Ausgangspunkt war meine Beschäftigung mit Diefenbach in seiner symbolistischen Kunst. Dann hatte ich das Glück, den Enkel des Malers, Fridolin von Spaun, kennenzulernen und ihn in seinen letzten Lebensjahren zu begleiten. Dieser hatte ein umfangreiches Familienarchiv mit wertvollem und bis dahin durch die Wissenschaft unbeachtetem Material aufgebaut. Das Potenzial, das in diesen Archivalien zu einem unerforschten aber wegweisenden Künstler und Kulturrebellen steckte, hat mich schnell und über viele Jahre fasziniert. Diefenbach ist ein Künstler, der für den Kunsthistoriker mehr birgt als bloße Bildbeschreibung und -interpretation.  Das ungekürzte Interview mit Kuratorin Claudia Wagner findet sich auf www.biorama.eu


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warum biohonig kein massenprodukt ist


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Stefan Bachleitner

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Nana Mandl

Kurze Trachten* sind nicht sexy Honig ist wohl eines der biologischsten Lebensmittel überhaupt. Sonne, Blüten, Bienen. Schleudern, filtern, fertig. Aber warum findet man dann im Supermarkt um die Ecke keinen Biohonig? Dort gibt es doch sonst – von der Hartwurst bis zum Vanillejoghurt – kaum noch ein Produkt, das nicht auch »bio« angeboten wird. Um zu verstehen, warum Honig anders ist: ein Ausflug in die Welt der Imkerei.

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nsere Expedition beginnt in Schwechat – allerdings nicht, wie so viele andere Reisen, am dort gelegenen Flughafen von Wien. Die kleine Stadtgemeinde im Südosten der Bundeshauptstadt ist vor allem für den internationalen Airport und als Heimat des Schwechater Biers bekannt. Was hingegen kaum jemand weiß: Im alten Brauhaus von Schwechat wird heute nicht mehr Bier, sondern Biohonig abgefüllt. Dort liegt der Betrieb von Stefan Mandl, einem von rund 250 österreichischen Erwerbsimkern. Er gehört zu jener Minderheit von Imkereibetrieben, die bio-zertifiziert sind. Mandls Bienen weiden ausschließlich in Gebieten, wo Wildpflanzen und ökologischer Landbau vorherrschen – darunter der an Schwechat grenzende Wiener Zentralfriedhof, der aufgrund seines reichhaltigen Blütenangebots ein unter Imkern sehr begehrter Standort ist.

Was Biohonig ausmacht Beim Biohonig kommt es aber nicht nur auf die Nektarquellen an. Damit Honig wirklich »bio« ist, müssen in der Produktion und Bienenhaltung strenge Regeln beachtet werden. Dabei geht es um weit mehr als den Verzicht auf Antibiotika und Chemikalien. Beispielsweise müssen die Bienenstöcke in der Bio-Imkerei aus Holz oder anderen natürlichen Materialien sein, das im

*) Als Trachten bezeichnet die Imkersprache jene Zeit, in der die Bienen aufgrund des reichhaltigen Blütenangebots mehr Nahrung in den Bienenstock eintragen als sie selbst verbrauchen.


SAMSTAG, 2. APRIL ESTONIAN PHILHARMONIC CHAMBER CHOIR ARVO PÄRT UND ERKKI-SVEN TÜÜR SAMSTAG, 9. APRIL ANNA MAYILYAN & GURDJIEFF FOLK INSTRUMENT ENSEMBLE SPIRITUELLE MUSIK AUS ARMENIEN FREITAG, 15. APRIL GYÖRGY KURTÁG P. KOPATCHINSKAJA, A. PAMMER, M. HOURSIANGOU, C. ZEILINGER Podiumsgespräch mit A. Holl, B. Schmidt, H. Nicklaus SAMSTAG, 16. APRIL CANTO L. PULIDO, C. FENNESZ, M. SIEWERT, B. STANGL, A. CASTELLÓ PALMSONNTAG, 17. APRIL EINE KLANGFAHRT MIT DEM RADDAMPFER „SCHÖNBRUNN“ mit EXTRA VIRGINE, TEOFILOVIC TWINS, BOESZE:FUCHS:NOID, IN/VISIBILE TOUCH THE SOUND EVELYN GLENNIE & FRED FRITH GRÜNDONNERSTAG, 21. APRIL HELMUT LACHENMANN, Y. SUGAWARA, S. MARIA SUN, G. SCHNEIDER, B. ROMEN KARFREITAG, 22. APRIL LAMENTATIONEN ZUM KARFREITAG LE POÈME HARMONIQUE OSTERMONTAG, 25. APRIL J.S.BACH OSTERORATORIUM CAPPELLA MUSICA SACRA & CHORUS MUSICA SACRA KREMS

www.klangraum.at

Bienenstock eingesetzte Wachs darf keine Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln aufweisen und auch das Winterfutter der Bienen hat aus ökologischem Anbau zu kommen. Letzteres ist eine große Hürde beim Umstieg in die Bio-Imkerei, wie auch Stefan Mandl weiß: »Gerade in unseren Breitengraden, wo es länger kalt ist, brauchen die Bienen mehr Futter. Der dafür benötigte Biozucker ist allerdings relativ teuer, wodurch die Produktion von Biohonig deutlich unrentabler wird. Das hält viele Imker von der Umstellung ab.« Der Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbunds, Josef Stich, dessen Imkereibetrieb »BienenStich« ebenfalls bio-zertifiziert ist, nennt noch einen weiteren Grund: »Die Bio-Imkerei ist natürlich auch arbeitsintensiver, weil die Kontrollen und die alternativen Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen wie der Varroamilbe mehr Zeit kosten. Dieser Aufwand ist für viele nicht leistbar.«

Standortnachteil Klimazone Eigentlich fangen die Probleme aber schon mit der Tracht an. In der Imkerei bezeichnet man damit keine traditionellen Kleidungsstücke, sondern jene Zeit, in der die Bienen – aufgrund des reichhaltigen Blütenangebots – mehr Nahrung in den Bienenstock eintragen als sie selbst verbrauchen. Bedingt durch die klimatischen Rahmenbedingungen ist die Zeit, in der die Natur blüht, hierzulande vergleichsweise kurz. Dadurch ist die Honigproduktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger ertragreich als in wärmeren Ländern. Im Klartext: Kurze Trachten sind wirtschaftlich nicht sexy. Eine hiesige Imkerei kann aus diesem Grund niemals so rentabel produzieren wie ein Großbetrieb aus subtropischen Gefilden wie Brasilien. Weniger Geschäft heißt aber auch weniger Imker. Deren Zahl nimmt in Österreich stetig ab, was mit dafür verantwortlich ist, dass die Honigproduktion in den vergangenen Jahren um mehr als 20 Prozent gesunken ist. Dadurch liegt der Selbstversorgungsgrad in Österreich derzeit bei nur mehr 55 Prozent, es muss also Honig importiert werden, um den Pro-Kopf-Bedarf von rund 1,2 Kilogramm pro Jahr zu decken. Der steigende Importbedarf ist einer der Gründe, warum heimischer Honig nur selten im Supermarktregal zu finden ist. Dabei ist die Lage in Österreich aufgrund eines intensiven Förderwesens noch weniger dramatisch als andernorts. Im klimatisch und strukturell


35 Gerade in unseren Breitengraden brauchen die Bienen im Winter mehr Futter. Der dafür benötigte Biozucker ist relativ teuer. Stefan Mandl, Bio-Erwerbsimker

durchaus vergleichbaren Bayern ist die Zahl der Bienenvölker in den letzten zehn Jahren von 296.000 auf nur mehr 162.000 zurückgegangen.

Kleinteilige Produktionsstrukturen Auch die kleinteiligen Produktionsstrukturen tragen dazu bei, dass Biohonig kein Massenprodukt ist. Von den rund 8.000 Tonnen Honig, die jährlich in Österreich produziert werden, kommt der Bärenanteil – laut Expertenschätzungen über 90 Prozent – von »kleinen« Nebenerwerbs- und Hobbyimkern. Rund 20.000 solche Imker, die im Durchschnitt ca. sieben Bienenvölker halten, gibt es in Österreich. Diese setzen noch stärker als die Erwerbsimker auf die traditionelle Direktvermarktung – und unterwerfen sich noch seltener den strengen Auflagen für Biohonig. »Genaue Zahlen gibt es leider nicht«, bedauert Josef Ulz, der Präsident des Österreichischen Imkerbunds, der den Anteil der zertifizierten Bio-Imker bei 3 bis 5 Prozent ansetzt. Angesichts der Tatsache, dass Ende 2010 beim Verband Bio Austria gerade einmal 183 Imker gemeldet waren, könnte diese Schätzung aber sogar noch etwas zu optimistisch sein. Unter diesen Rahmenbedingungen werden es die im Supermarkt vertretenen Marken wie Honigmayr, Darbo oder Ja! Natürlich auch in Zukunft nicht leicht haben, heimischen Biohonig in die Regale zu stellen. Wer trotzdem nicht darauf verzichten will, sollte nach dem Bio-Imker seines Vertrauens Ausschau halten. Honig ist schließlich so haltbar, dass man mit einem Einkauf lange sein Auskommen finden kann. Ein gesundes, natürliches Lebensmittel, dessen Produktion ganz nebenbei die heimische Flora zum Blühen bringt – was kann es besseres geben? Die Bienen wissen jedenfalls was gut ist. Nicht nur in Schwechat warten sie schon sehnsüchtig auf ihre Startgenehmigung für die nächste Saison. Stefan Bachleitner ist Partner der Wiener PR-Agentur The Skills Group und leitete im Frühjahr 2010 die Wiederwahlkampagne des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer. Danach hat er den Grundkurs an der Wiener Imkerschule absolviert. Er wird im Herbst diesen Jahres seine ersten Bienenstöcke im Stadtgebiet aufstellen. www.biomaps.at www.bio-suisse.ch www.bioimkerhonig.de

Im Sinkflug: In Bayern ist die Zahl der Bienenvölker seit dem Jahr 2000 von 296.000 auf nur mehr 162.000 zurückgegangen.


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under the sea In unseren Breiten kennt man Algen v.a. als Umhüllungen von Maki-Sushi und exotische Suppeneinlage. Kaum jemand ahnt, wie vielseitig die grünen Meerespflanzen sein können. Ob roh, getrocknet, eingeweicht, gekocht, gedämpft, angeröstet, als Tee, Gewürz, Flocken, Salat, Suppe oder kleine Vorspeise, Algen haben so einiges drauf. 2

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1 // Mieses Süppchen mit Grünzeug? Miso eignet sich nicht nur als Würzpaste zu Gemüseund Reisgerichten oder exotischer Brotaufstrich, sondern vor allem als köstliche Suppenwürze. Die einzeln verpackte braune Paste haben wir einfach in gekochtes Wasser eingerührt – und fertig ist das asiatische Süppchen! Das Miso aus Reis, Algen, Wasser und Säuerungsmittel löst sich herrlich einfach im Wasser auf und zaubert in wenigen Minuten eine angenehm salzige Suppenalternative. Als Suppeneinlage haben wir uns für getrockneten Seetang entschieden. Laut Verpackung muss 1 Esslöffel Seetang für ca. 3 Stunden ins Wasser gelegt werden und vor dem Kochen öfters gewaschen werden. Für die schnelle Vorspeise wurde unsere Seetang-Einlage weniger lange eingelegt und schmeckte daher sehr al dente. Durch den angenehmen maritimen Geschmack gehört diese günstige Version einer MisoSuppe im asia­tischen Restaurant auf jeden Fall zu einem perfekten Algenmenü dazu! marukome — Instant Miso-Suppe, 12 Stück, 216 g mit Chung Jung Won Seetang getrocknet, 100g

2 // Roll dir was! Ja wir haben uns getraut ... und zum ersten Mal Maki selbst gemacht – ohne die Hilfe eines asiatischen Chefkochs. Und es war gar nicht so kompliziert wie befürchtet! Einfach den Reis (Rundkornreis inkl. zwei Stamperl

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mit Essig, 1 TL Salz / Zucker) und Gemüsestreifen auf das Algenblatt legen und mit Hilfe einer Bambusmatte einrollen. In kleine mundgerechte Stücke schneiden, Stäbchen, Sojasoße und Wasabi schnappen und genießen. Die Algenblätter schmecken auch ohne Füllung köstlich und können daher schon beim Maki-Rollen geknabbert werden. Als Hauptspeise hat uns der AlgenKlassiker wirklich überzeugt. kwangcheon — Seetang-Blätter, 25g

3 // Jodladiooo! Algen enthalten eine große Menge an Jod, was ihren würzig salzigen Eigengeschmack erklärt (100 g dieses Salzes enthalten 1.333 % des empfohlenen Tagesbedarfs an Jod!). Das Kräutersalz beeinhaltet nicht nur viele gesunde Kräuter und Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau, sondern auch Meersalz und feingemahlene Algen. Das Salz mit den jodierten Algen ist eine natürliche Alternative zu künstlich jodiertem Speisesalz und schmeckt nicht so Suppenwürfel-mäßig wie das bekannte »Vegeta«. Uns gefallen nicht nur die umweltfreundliche Nachfüllpackung, sondern auch die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten: ob auf Salaten, Kartoffelgerichten, Gemüseauflauf oder dem Frühstücksei, das Kräutersalz mit den Algen ist wirklich universal. Bitte Meer davon! rapunzel — Kräutersalz mit jodhaltigen Algen, 125g


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Karin Pointner

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Valentin Eisen, Hersteller

4 // Beam ihn rauf, Scotty! Der Seetang-Fertigsalat vom Asia-Shop in NaschmarkNähe sieht aus wie ein Science-Fiction-Salat, da sich die Farbe beim Auftauen ins leicht bläuliche gewandelt hat. »Sieht aus, als hätte sich jemand vom Raumschiff Enterprise übergeben!«. Der Geschmack der Marinade ist viel zu aufdringlich und schmeckt vorwiegend nach Billigessig. Auch der Rettungsversuch mit steirischem Kürbiskernöl (der übrigens bei den Makis als unübliche Sojasoßen-Alternative gut funktioniert hat) scheiterte und macht den Alien-Asia-Salat zu nicht mehr als einem unnötigen Tiefkühlblödsinn. namuse — Seetang-Salat, tiefgekühlt, 280g

5 // Würziger Meeres-snack Die essfertigen Nori-Algen sollen laut Hersteller »ideal für unterwegs und zum Garnieren« sein. Die knackigen grünen Algen schmecken zunächst pickig, dann pikant nach Meer. Etwas dicker wären die Streifen wahrscheinlich ein sättigender Snack. Dass die Streifen in so viel Plastik gewickelt sind, ist auch schade. Nette Idee, aber

als Snack zwischendurch nur in Verbindung mit Reis vorstellbar. Toller Tipp für Faulpelze, die keine Makis rollen wollen: einfach die Nori-Streifen über einen kleines Häppchen Reis legen und mit Hilfe von Essstäbchen verspeisen. Schmeckt wie im Urlaub am Meer und außerdem leicht und gesund. naturgarten — genußfertige Gewürz-Nori, 13,5 g

6 // Ozeanischer Aufguss Kaum zu glauben, aber wahr: Algen kann man sogar trinken! Der Tee besticht nicht nur durch einen angenehm frischen Geschmack von Lemongrass, Zitronenmelisse und Minze, sondern macht durch den unaufdringlichen Zusatz Laminaria-Alge der jeden Tag zum Tag am Meer. Keine Sorge, der Tee schmeckt nicht wie ein matschiger Algenteppich, der nach Meerwasser riecht, sondern ist wirklich aufmunternd, angenehm minzig und soll noch dazu entschlackend sein. Damit jeder Schluck ein wohliger Genuß wird, empfehlen wir Honig zum Süßen. oceanwell — Wellness-Tee, 20 g

all i need ? is green tea with superfruits. all natural. www.allineed.at


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An der Salatperipherie geben sie ihr Stelldichein: Öle, Kräuter, Blüten, Gewürze sind würzige Begleiter für Salatblatt, Tomatenscheibe oder Antipastiteller. Die wichtigsten Qualitätskriterien sind Duft, Farbe und intensiver Geschmack. Wir haben einige davon gekostet.

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Nina Daniela Jaksch

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1 // Born in the USA Berühmt wurde diese klassische amerikanische Salat­ sauce im Waldorf-Astoria, New York. Mit dem pikanten Geschmack von reifen Tomaten und Paprika pimpt das »Thousand Islands Salatdressing« jedes Grünzeug. Wir finden: köstlich.  www.lebensbaum.de

2 // Es blüht und grünt Brennessel trifft auf Rosenblüte. In der GewürzblütenMischung »Alles im Grünen« sind Blüten und Kräuter zu einem bunten Würzmix vereint. Geschmack: fein, erdig, aromatisch. www.sonnentor.at

3 // Dunkles Geheimnis Im Herzen des steirischen Ölkürbis schlummert ein dunkelgrüner, samtiger Genuss: Kürbiskernöl. Verleiht Salaten, Bohnen und auch Dips eine kraftvolle, nussige Note.  www.fandler.at

4 // Hausmannskost ade Germany goes Gourmet. Schnittlauch und Ysop, Dill und Myrte, Steinsalz und Rohr-Rohzucker – klassische Salat­ kräuter der deutschen Küche neu kombiniert. Das Salatgewürz »Wilde Hilde« will alle fünf Geschmacksinne anregen. www.herbaria.de

5 // Pas de deux Innovation aus der Milchmanufaktur: In der FrischeCreme »Spargelzeit« geben grüner und weißer Spargel den Ton an. Eine erfrischende Gemüsecreme, perfekt für den Vorspeisenteller oder zu Kartoffeln.  www.weissenhorner.de

6 // Sonne am Gaumen Zitronen und Oliven werden gemeinsam gepresst, dabei gehen die fruchtig frischen Citrus-Aromastoffe ins Öl über. Die Citrolive-Ölmischung verfeinert Dips und Salatsaucen oder tropfenweise verwendet auch Antipasti oder Insalata Caprese. www.rapunzel.de

7 // Toskanisch getafelt Gut für die Leber, raffiniert am Gaumen: Artischocken. Bruschetta aus Artischocken, ein Klassiker der toskanischen Küche, schmeckt nicht nur auf geröstetem Brot, sondern auch als bitter-aromatische Zutat für ungewöhnliche Blattsalate. www.laselva.eu

8 // Asia Touch Was dem einen sein Kräutersalz, ist dem anderen Gomasio. Hergestellt aus pulverisierter Bio-Sesamsaat und leicht geröstetem Meersalz. Einfach über Tomaten oder Salat streuen. Feiner, nussiger Sesamgeschmack.  www.limafood.com


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trinkend die welt verändern Im Land der Bio-Limonaden gibt es erhebliche Qualitäts­unterschiede. »Lemon-Aid« und »Chari-Tea« setzen auf fairen Handel, zudem fließt ein wesentlicher Anteil der Gewinne in soziale Projekte in den Herkunftsländern.

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eil in all den bunten Drinks oft viel Chemie steckt, greift man gerne zu Durstlöschern, die sich mit dem BioSiegel schmücken. Jakob Berndt und Paul Bethke, die Erfinder des sozialen Erfrischungsgetränks Lemon-Aid, wollen mit ihrer Limonade zusätzlich noch die Welt verbessern, zumindest ein kleines bisschen. »Bio macht heute fast jeder«, erklären die beiden Start-up-Gründer aus Hamburg. »Uns kommt es auf den fairen Handel an.« Ihre Marken LemonAid und ChariTea schmecken nach Zitronenlimonade und Eistee, gebraut aus biologischen Zutaten. Was sie aber von anderen Bio-Getränkeherstellern unterscheidet – ihr Limettensaft, Rohrzucker und

Tee sind mit dem Fair-Trade-Zertifikat ausgezeichnet. Die Idee für Lemon-Aid hatte Paul Bethke vor zwei Jahren. Nach dem Abschluss eines Wirtschaftsstudiums ging er zunächst für eineinhalb Jahre nach Sri Lanka in die Entwicklungshilfe. Zurück in Hamburg blieb der Wunsch, Geld sinnvoll zu verdienen und es »vernünftig« einzusetzen. Den Gedanken, dies in Form eines fair gehandelten Getränks zu schaffen, trug er schon länger mit sich. Genauer gesagt: Das Getränk sollte so gut und erfrischend schmecken wie die selbst gemachte Limonade, die er literweise am Strand von Sri Lanka getrunken hatte. Und sie sollte jene Menschen unterstützen, die


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Wolfgang Smejkal

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Hersteller

die Zutaten dafür anbauen und ernten. »Uns war klar«, erzählt Bethke, »dass es ein cooles Produkt für junge Menschen sein sollte, das gleichzeitig einen sozialen Sinn verfolgt.« Edel und puristisch gibt sich auch das Design der Flaschen, entworfen von einer schwedischen Agentur, die sonst für Ikea und Absolut Vodka kreativ wird. Beim Namen und dem Slogan »Trinken hilft« war man sich schnell einig. Etwas länger dauerte die Suche nach dem perfekten Geschmack. Einige Monate lang wurde mit Fruchtextrakten, Tees und Gewürzen experimentiert und im Freundeskreis verkostet, ehe neben der richtigen Mischung von frischem Limettensaft, Rohrzucker und Mineralwasser auch die optimale Rezeptur für drei Sorten von Eistee gefunden war. ChariTea gibt es als Schwarzer Tee mit Zitrone, Roiboos-Tee mit Passionsfrucht und Grüner Tee mit Ingwer. Der Limetten-Direktsaft kommt aus Brasilien, der Rohrzucker aus Paraguay, der Tee aus Sri Lanka und Südafrika – alles aus biologischem Anbau und fair gehandelt. Man achtet darauf, dass die Kleinbauern, die die Zutaten liefern, gerechte Löhne bekommen und keine Kinderarbeit beteiligt ist. Mit den Fairtrade-Geldern (dzt. fünf Cent pro Flasche) werden zusätzlich soziale und edukative Projekte der Erzeuger direkt vor Ort gefördert.

erfrischung mit sinn »Wir wollen den großen Lebensmittelkonzernen etwas entgegensetzen«, sagt Jakob Berndt, »ihnen zeigen, dass die Konsumenten Werte haben und dafür auch einstehen.« Damit sind Bethke und Berndt als Firmengründer nicht allein. Sie gehören zu einer neuen Generation verantwortungsbewusster Unternehmer, die sich mit ihrem Geschäftssinn gezielt für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzt. Mit mehreren Partner-Unternehmen, die ebenso sozial und ökologisch nachhaltig arbeiten und am Markt etwas verändern wollen, hat man sich bereits zusammengetan und den »Verband der korrekten Getränkehersteller« gegründet. Mit einem gemeinsamen Vertrieb wendet man sich gezielt an hippe Cafes und Bars, dort seien die Zielgruppen nicht nur offen für Neues sondern auch konsumbewusst. Mit 50.000 verkauften Flaschen pro Monat haben die beiden im vergangenen Jahr zwar noch keinen Gewinn erwirtschaftet, dafür gingen bereits mehr als 40.000 Euro Umsatzanteil an die Hilfsprojekte. »Da bleibt vorerst kein Profit übrig«, sagt Jakob Berndt. Das sei aber auch nicht das oberste Ziel, der Plan sei vielmehr, den Spendenanteil pro Flasche auf zehn Cent aufzustocken und zu beweisen, dass es einen Markt für »Erfrischung mit Sinn« gibt.


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Imre Withalm

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Jan Hestmann

das rezept im bild. diesmal:

arabischer revolutionsteller Ein arabisches Sprichwort sagt: »Good food, good mood!« Unser Arabischer Revolutionsteller mit roten Linsen, Couscous und Schwarzkümmel bringt den Ursprung der Zivilisation und politischen Diskurs in unsere Küche. ZUTATEN (für 4 – 6 Personen) » 1 Tasse Couscous » 1 Tasse rote Linsen » ½ Paprika » ½ Avocado » eine Handvoll Cherrytomaten » ½ Granatapfel » eine Handvoll frischer Datteln » 1 Tofublock (etwa 200g)

» eine Handvoll Erdnüsse » 3 kleine Chilischoten » 3 Knoblauchzehen » ½ Zitrone » Schwarzkümmel » Olivenöl » Salz » ein Bund frische Petersilie oder Koriander

Wir brauchen diesmal ganz schön viele Zutaten, von denen dafür auch ganz schön viele Leute satt werden. Dieses DIY-Rezept eignet sich unheimlich gut, um einige Gäste einzuladen und die politische Lage zu diskutieren.

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Zuallererst die Futzelarbeit: Wir müssen diese kleinen Erdnüsse aus ihrer sehr großzügen Schale befreien. Das dauert nun mal. Und siehe da: In einer Schale finden wir sogar drei Erdnüsse. Erdnüsse sind nicht nur Energieträger, sondern peppen später den ansonsten vielleicht eher langweiligen Tofu auf. Paprika und Avocado können wir jetzt schon mal in kleine Stücke schneiden, die Cherrytomaten halbieren wir.

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Es ist unheimlich faszinierend – die etwas ekeligen Arbeiten beim Kochen sind auch immer jene, die am meisten Spaß machen. Eine handgepflückte, frische Dattel zu zerreißen gehört zu diesen Erlebnissen. Wir heben uns die Datteln aber erstmal für später auf und beginnen mit dem Kochen. Als Erstes kümmern wir uns um die Linsen. Vielleicht haben die meisten mit Linsen bisher folgende Erfahrungen gemacht: entweder blöde, unnachhaltige Dosen oder blödes, ewig langes Kochen. Die roten Linsen sind aber ganz schnell durch und haben sogar einen Indikator dafür, wann sie weich gekocht sind. Ändern sie nämlich ihre Farbe stark ins gelbliche ist es bald soweit.

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43 Nach 10 bis 15 Minuten sind die Linsen dann fertig und wir können sie nun »orientalisieren«. Mit dieser grundsätzlichen Kombination ist das Gelingen der meisten orientalischen Speisen garantiert: Schwarzkümmel und Knoblauch in nicht zu heißem Öl ihr Aroma entfalten lassen, danach kommt der Rest dazu. In diesem Fall die gekochten Linsen. Wir gießen alles noch einmal mit heißem Wasser auf, geben Salz dazu und lassen es kurz aufkochen, danach werfen wir die kleingehackten Chili in den den Topf und drehen die Herdplatte ab. Ganz am Schluss geben wir zu den Linsen noch ein Schuss frischen Zitronensaft.

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Den Tofu (unbedingt aus dem Bioladen oder Asia-Shop, auf jeden Fall nicht dieses feste Zeug aus dem Supermarkt) schneiden wir in großzügige Stücke und braten ihn goldgelb an. Am besten jeweils auf einer Seite einige Minuten brutzeln lassen und nicht zu häufig wenden. Wenn nun alle Seiten die gewünschte Farbe haben, drehen wir die Herdplatte ab und fügen die Erdnüsse hinzu – fertig (ganz recht, hier ist es gar nicht nötig zu würzen, in der Kombination mit dem Couscous und den Linsen harmonieren Tofu und Erdnüsse »natur« am besten.)

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Achtung, Achtung – hierfür benötigen wir unbedingt eine Schürze oder alte Klamotten. Blutrote, hartnäckige Flecken sind beim Umgang mit Granatäpfeln nämlich garantiert (ganz schlecht: weißes T-Shirt!). Trotz seiner latenten Fleckengefahr macht der Granatapfel aus unserem Revolutions-Teller erst etwas wirklich Besonderes. Nun der Couscous – es ist das dankbarste Gericht, das es gibt: was falsch zu machen ist fast unmöglich. Wir rühren eine Tasse Couscous in etwa zwei Tassen kochendes, gesalzenes Wasser, stellen den Topf von der heißen Platte und warten kurz. Nach ein paar Minuten ist der Couscous fertig. Nun fügen wir noch den klein geschnittenen Paprika, die Avocadostückchen und die halbierten Cherrytomaten (für Geschmack, Farbe und damit unser Couscous nicht austrocknet) hinzu und lassen das Ganze noch bis zum Anrichten zugedeckt stehen.

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Wir richten den Revolutions-Teller an – auf dem Couscous platzieren wir noch die zerrissenen Datteln und ein wenig vom Granatapfel – und dekorieren ihn mit frischer Petersilie oder noch besser frischem Koriander (nicht immer überall zu haben.) Gemeinsam mit den Linsen und den Tofustücken gehen sich mit unseren Zutaten bestimmt vier bis sechs solcher Portionen aus. Dazu darf gerne das ein oder andere Glas Rotwein getrunken werden. Übrigens: Am Besten wir futtern alles sofort auf, Couscous eignet sich nämlich nicht besonders zum Aufwärmen.

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CREAM PUNK Einfach und robust, unabhängig und nahezu geräuschlos: R2B2, ein Diplomprojekt an der Bauhaus Universität in Weimar, vermeidet Elektroschrott von vornherein.


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Thomas Weber

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Christoph Thetard

Um die Technik nachvollziehbar zu machen, wurde das Schwungrad bloßgelegt. »R2B2 kann per Pedal auf 400 Umdrehungen pro Minute beschleunigt werden. Die gespeicherte Rotations­energie liefert für 1 bis 1,5 Minuten 350 Watt und treibt rein mechanisch die Funktionsaufsätze an«, so die Projektbeschreibung.

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Küchendesign

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Alle Gegenstände wurden unter ständigem Einbezug von Nutzerstudien entworfen. Langlebigkeit, Funktionalität, leichte Säuberung, einfache Demontage und nicht zuletzt eine hochwertige Anmutung waren die Kriterien.


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ie Gerätschaft steht für mehr als sich selbst. Nach ausführlichen Studien entschied sich der Designstudent Christoph Thetard dafür, eine Kaffeemühle, einen Pürierstab und eine Küchenmaschine zu gestalten – beispielhaft, denn mit ihnen lassen sich die allermeisten Aufgaben in einer Küche erledigen. Zumindest diejenigen, die landläufig mit Geräten verrichtet werden, die heute schon den Elektroschrott von morgen ausmachen. Ansatzpunkt der Recherche für sein nun auf den Namen »R2B2« lautendes Diplomprojekt war der Versuch, elektrische Geräte nicht nachhaltiger zu gestalten, sondern möglichst zu vermeiden. »Die Antriebseinheit bildet ein Schwungrad, das mit Hilfe eines Pedals beschleunigt wird. Es dient als Energiespeicher und treibt die Geräte direkt mechanisch an,« so Christoph Thetard. »Durch die Teilung der Geräte in Funktionsaufsätze und Antriebseinheit kann wesentlich mehr Energie als bei üblichen manuellen Geräten gespeichert werden«.

Design und technische Transparenz Nachhaltig sind auch die Verpackung und der Vermarktungsansatz: Ein Teil der Verkaufsverpackung dient als Halterung zur Aufbewahrung der Aufsätze. Alle Aufsätze und Zusatzteile werden einzeln vertrieben. Es muss also nur gekauft werden, was man auch wirklich zu verwenden gedenkt.  www.uni-weimar.de


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eLTERNALLTAG / Ursel Nendzig

foto Photos.com

Ist es nicht gerade erst zur Welt gekommen? Wieso entfernt es sich denn schon vom Elternteil? Das Baby wächst einfach zu schnell. Da kommt doch kein Mensch nach mit dem Loslassen.

Vom Loslassen

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»Da wirft sich das Elternteil schon richtig ins Zeug, um das Baby gut ankommen zu lassen.«

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oslassen« sagt die Stimme. Sie gehört der durchtrainierten, fettfreien Frau im hellrosa Jogginganzug und ist ruhig, sanft und alles-wird-gutig. Die Augen des Elternteils sind geschlossen, sie lässt es sich mal so richtig gut gehen, lässt sich in die Stimme fallen, in die Panflöten-Musik im Hintergrund und auf die Yoga-Matte unter ihr. Herrlich. So ein Elternteil-Leben ist wahnsinnig schön und erfüllend. Klar. Trotzdem tun diese winzigen Inseln der Seligkeit so wahnsinnig gut. Weil das Elternteil-Leben eben manchmal ganz schön wahnsinnig und überfüllt ist. Mal allein sein, wie herrlich das ist! Wie unkompliziert alles ist, wie schnell das Elternteil den Weg hierher zurückgelegt hat, trotz Öffis und trotz Rush-Hour. Jetzt ist jedenfalls Loslassen angesagt, von der ruhigen Stimme. Kein Problem für das Elternteil. Sie lässt jetzt so richtig los, alles lässt sie teil mit dem Baby auf dem Weg zur los, und wie sie es loslassen wird. Sie lässt nicht Kinderkrippe. Vorsprechen. Wer nämnur ihre Arme, Beine, den Rücken und was ihr lich arbeitet, muss sich warm anziehen, sonst noch von der Stimme aufgetragen wird nicht nur das Baby. Der muss sein Kind los, sie lässt sie regelrecht fallen, irgendwohin, nämlich loslassen, also wirklich loslassen, ins Nichts. Und als Fleißaufgabe lässt sie auch zumindest halbtags. Aber: so eine (private) ihre Gedanken los, schaltet sie ab. Hier, im Kinderkrippe, die nimmt nicht jedes Baby. Loslass-Land gibt es nämlich nichts, was sie Da muss man schon gut dazu passen, zum sonst immer festhält, kein Babybrei, keine Gesamtkonzept und überhaupt. Ja, wir essen Windel, kein nächtliches Aufstehen, alles zuhause auch nur Bio. Nein, niemals Fastfood. weg, alles losgelassen. Auch alle Gedanken Trinken – nur Wasser, was denn sonst. Da wirft an das Baby lässt das Elternteil los, ja, so sich das Elternteil schon richtig ins Zeug, um einfach ist das. Einfach nicht dran denken, das Baby gut ankommen zu lassen damit es auch was das Baby gerade macht, ob es beim sicher einen Krippenplatz bekommt. anderen Elternteil auch aufgegessen hat. Dabei hat sie das Baby doch gerade erst beKeinen Gedanken daran verschwenden, kommen. Und schon muss sie darüber nachdenob es sich zum Mittagschlaf hinlegen ken, wie sie es wieder los wird. Ist es nicht gerade hat lassen und ob es auch sein Vitamin erst zur Welt gekommen, vom Elternteil getrennt D bekommen hat. Nicht eine Sekunde geworden, war winzig, schrumpelig, hilflos? Hat es denkt das tiefenentspannte, wie ein nicht gerade erst zum ersten Mal gelächelt, nach Einser loslassende Elternteil daran, einem Spielzeug gegriffen, sich umgedreht, gerobbt, ob das Baby auch warm genug angekrabbelt? Vom Elternteil weg gegrabbelt? gezogen wurde. »Loslassen« sagt die Stimme und bahnt sich ihren So wie es neulich diese Frau geWeg zurück, vorbei an der Panflötenmusik. Dabei sagt hat. Ob es auch warm genug macht das Elternteil seit der Geburt nichts anderes. angezogen sei. Da war das Eltern­ Und hofft auf einen Krippenplatz.


▲ Rezept von Dr. Johanna Budwig: www.noble-house.tk

Omega-Fettsäuren zum Aufladen der zellinternen Batterie Der Mensch besteht aus Milliarden von Zellen. Die Vitalität jeder Zelle ist zum Großteil abhängig von der Qualität und vom Schutz, den die Zellwände (Membranen) bieten. Zellwände bestehen hauptsächlich aus Fetten. Genügend Omega3 und -6-Fettsäuren machen die Zellwände geschmeidig und durchlässig, wodurch sie die Nährstoffe optimal aufnehmen können. Sie sorgen gleichzeitig dafür, dass die Batterien unserer Zellen aufgeladen werden. Sie sorgen dafür, dass elektrische Impulse erzeugt und weitergeleitet werden. Zu wenig Omega-3/6 macht uns müde – körperlich und geistig. Johanna Budwig sagte über das Aufladen unserer Batterien: „Die Zweipoligkeit zwischen Fetten (Zellumhüllung) und Eiweißen (Zellkern) ist

für den Erhalt und die Struktur aller lebenden Zellen von fundamentaler Bedeutung. Diese Zweipoligkeit hängt größtenteils von der Anwesenheit von ausreichend Omega-3/6 ab. Ein Mangel an Omega3/6 lähmt zahlreiche vitale Funktionen unserer Zellen. Wenn die Zweipoligkeit zwischen dem Zellkern und der Zellumhüllung vernichtet wird, beispielsweise durch einen Mangel an Omega-3/6 oder durch den Konsum von teilweise oder insgesamt gehärteten Fetten (Transfetten), ist die Folge, dass die elektrische Ladung verschwindet. Mit anderen Worten, die Batterie der Zelle wird leer.“ Eicosan Perilla ist sehr reich an Omega-3. Enthält ausreichend Omega-7 und 9 und nur wenig Omega-6. Die Eicosan Kräuter fördern die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren. Um ihren Mängel schnell zu beseitigen reicht täglich 1 Teelöffel bis 1 Esslöffel. Erhältlich im Bioladen. Tel 00 32 3 653 25 41, www.noble-house.tk

AMAN PRANA AuSGeGlIcheNe leBeNSKRAFT


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die welt, die wir uns wünschen

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lebensstandard herunterfahren Die Weltbevölkerung verbraucht heute eineinhalb Mal so viele Ressourcen wie die Erde bieten kann. Wie könnte ein Leben mit deutlich weniger Energieverbrauch und mehr Qualität aussehen? Eine utopische Anleitung für eine zukunftsfähige Lebensweise am Beispiel »Neustart Schweiz«.

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er Züricher Autor P.M. hat seine bisherigen Visionen, die er bereits in »Subcoma – Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft« (2000) beschrieben hat, zu einem konkreten Entwurf für ein künftiges Gesellschaftsmodell verdichtet. In »Neustart Schweiz« geht es um eine vollständige Neugründung mit vernetzten Nachbarschaften, Basisgemeinden und Regionen, selbstverwaltet und selbstversorgt. Der Lebensstandard wird so weit heruntergefahren, dass die Schweiz welt- und umweltverträglich wird. Mit erneuerbaren Energien und Sparmaßnahmen alleine ist diese jedoch nicht zu realisieren. Der Bedarf nach Mobilität muss erheblich reduziert werden. Der schlüssige Vorschlag setzt dort an, wo die Gesellschaft an sich beginnt: in der Nachbarschaft. Er gibt ihr eine soziale Struktur und eine wirtschaftliche Funktion. Die Fragezeichen zur aktuellen Wirtschaftslage sind jedenfalls Anlass genug, sich die Vorschläge genauer anzusehen:

P.M. Das Pseudonym des 1946 geborenen Schweizer Schriftstellers, Lehrers und Philologen entstammt dem Telefonbuch: P.M. sind die in der Schweiz am häufigsten vorkommenden Initialen. Seine utopischen Romane und Sachbücher liefern stets Gegenentwürfe zum Kapitalismus als libertäre Zukunftsvisionen: 1980 erscheint das Prosa-Debüt »Weltgeist Superstar«, das versucht, die verschiedenen Strömungen der Linken der 70er Jahre als Science-Fiction zu bündeln. 1983 folgt die ökosoziale Utopie »bolo’bolo«, eine Art Manifest für die Hausbesetzerszene der 80er Jahre. »Subcoma« (2000) beschäftigt sich mit der New Economy in der modernen Informationsgesellschaft. 1995 war P. M. Mitgründer der Zürcher Wohn-Genossenschaft Kraftwerk1 mit mehreren hundert Bewohnern.  ◄ »Neustart Schweiz – So geht es weiter« von P.M. ist 2008 bei Edition Zeitpunkt erschienen.

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und 500 Personen bilden die Idealgröße einer städtischen Nachbarschaft. Das ist einerseits eine ökonomisch optimale Größe, andererseits haben unvermeidliche individuelle Konflikte weniger Gewicht als in kleineren Gruppen. Das Leben in solchen Nachbarschaften wird einfacher und lebendiger, was das Bedürfnis für Einkauf, Vergnügen und Erholung an andere Orte zu fliehen, erheblich reduziert. Eine städtische Nachbarschaft von rund 500 Mitgliedern wäre verbunden mit einem Landwirtschaftsland, das höchstens 40 km weit entfernt liegt. Die Stadtbewohner bilden eine vertraglich gesicherte Gemeinschaft mit den Landbewohnern, die das Landstück bestellen. Berücksichtigt man den Verbrauch fossiler Energiequellen, so ist die Energiebilanz industrieller Landwirtschaftsgroßbetriebe negativ, es werden insgesamt mehr Kalorien verbraucht als erzeugt. Diese Form der Landwirtschaft hat daher keine Zukunft, wenn wir den CO2Ausstoß zurückfahren und den Klimawandel wirklich vermeiden wollen. Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet arbeitsintensive, biologische Mischkulturen – sogenannte Permakultur. Diese Form der Landwirtschaft gilt als unrentabel. Wenn die Nachbarschaften jedoch direkt beliefert werden, sind die wahren Kostentreiber in Weiterverarbeitung, Distribution und Vermarktung eliminiert. Und so


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Wolfgang Smejkal

wird Permakultur wirtschaftlich interessant, auch für kleinere Höfe. Denn mehrere Landwirtschaftsbetriebe können kooperieren, um zusammen eine Vielfalt an Grundnahrungsmitteln zu erzeugen: Gemüse, Früchte, Getreide, Beeren, Eier, Milch und so weiter. Innerhalb der Nachbarschaften werden Nahrungsdepots angelegt, die Gemeinschaftsküchen, Restaurants und einzelne Haushalte versorgen. Die Verarbeitung und Distribution findet damit in den Nachbarschaften selbst statt. So bleibt die Wertschöpfung in der Hand von Produzent und Endverbraucher. Damit ist Permakultur nicht nur umweltverträglich, sondern für alle Beteiligten lukrativ. Manche Lebensmittel wie Öle, Kaffee, Wein, Gewürze und so weiter können nicht regional erzeugt werden. Ihre Gewinnung und Verteilung wird weiterhin auf der Ebene von größeren Regionen, Kontinenten oder sogar global bleiben. Auf der Ebene von Bezirken und Kleinstädten (ca. 40 Nachbarschaften mit rund 20.000 Menschen) werden somit zusätzliche Verteilzentren benötigt. Dies könnte ein größerer Supermarkt sein, wo überregionale und globale Erzeugnisse fair gehandelt werden. Der ganze Kreislauf der Produktion, Verteilung, Zubereitung und des Verbrauchs von Nahrungsmitteln, ebenso wie die Verwertung von Abfällen kann demokratisch von den direkt betroffenen Menschen organisiert und kontrolliert werden. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der «Ernährungssouveränität» und damit auch der politischen Macht. Menschen, die sich selbst ernähren können, sind weniger anfällig für Erpressung und Ausbeutung auf anderen Ebenen. Kapital und Industrie, die Grundlagen unserer Gesellschaft, befinden sich in einer Krise. Wir müssen uns von vielem lösen, das wir gewohnt sind, weil es nicht nachhaltig ist. Arbeitsplätze, Qualifikationen und Wissen werden dabei nicht verloren gehen, sondern im Gegenteil neu geschaffen. Insbesondere das Gesamtvolumen an Transport sowie die Auslagerung von Produktion muss reduziert werden. Unsere Lebensgrundlagen (Nahrung, Technik, etc.) sollen möglichst lokal hergestellt werden, nur so erreichen wir eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Wohlstand – weltweit. Organisationen verlieren an Effizienz, wenn sie zu groß werden. Die allgemeinen Dienstleistungen sollten also nicht durch Großunternehmen abgedeckt werden, sondern durch ein klar gegliedertes Netzwerk aus einander ergänzenden, halb autonomen Einheiten. Ziel dabei ist weder Profit noch Wettbewerb, sondern allgemeiner Wohlstand und Ökologie. Es soll weder anonyme Kontrolle durch Behörden, noch eine »unsichtbare Hand« des Marktes, sondern die bewusste Entscheidung der

Gemeinschaft »wirtschaften«. Hightech-Elemente, die auf einer kontinentalen oder globalen Ebene produziert werden, ermöglichen und ergänzen dabei die regionale Produktion. Ein nachhaltiger Haushalt orientiert sich grundsätzlich am Bedarf. Anstatt Waren auf dem Markt zu verschleudern, werden benötigte Güter von den Verbrauchern bestellt. Die Produzenten versuchen auf »Augenhöhe« den Anforderungen zu entsprechen (soweit die verfügbaren Ressourcen dies zulassen) und geben den »Kunden« Feedback, welches die »Kunden« wiederum in ihren Bestellungen berücksichtigen können. Eine solch demokratische und kontinuierliche Planung in Echtzeit unterscheidet sich sehr von der bisherigen Planung: Es gibt keine separate planende Autorität. Planung ist keine Befehlskette mehr, sondern gehört zu den allgemeinen Dienstleistungen, die allen zur Verfügung stehen. Das meiste gibt es bereits; müssten wir all die historisch gewachsenen Versorgungsstrukturen neu erfinden und einrichten, stünden wir tatsächlich vor einer Herkulesaufgabe. Aber es genügt, wenn wir die bestehenden Versorgungsnetze virtuell abbilden und sie an die neuen Bedürfnisse des gemeinsamen Wohlstands anpassen. (Auszug aus »Besser leben«, Verein Neustart Schweiz)

Der Autor weiß, wovon er spricht. Er beschäftigt sich nicht nur theoretisch mit Utopien in seinen Büchern, sondern erlebt auch im Alltag als Initiator und Bewohner der Siedlung Kraftwerk1 in Zürich die Herausforderungen, die sich zeigen, wenn man eine solche realisiert. Der Verein »Neustart Schweiz« will nicht nur selber aktiv die Umsetzung angehen, sondern auch Personen und Institutionen vernetzen, die auf einem ähnlichen Weg in eine nachhaltige und lebenswertere Zukunft unterwegs sind. Im Rahmen des Transition Town Movement proben Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden weltweit den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Derzeit analysieren Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz in einem betriebswirtschaftlichen Think Tank die Umsetzbarkeit der Ideen. www.neustartschweiz.ch www.transition-initiativen.de


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marktplatz mode


Magdalena Vukovic

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Myriam Nagy

Foto: Stefan Liewehr

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www.landesmuseum.net

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as Angebot für Mode im Internet wird immer größer und es taucht im Sauseschritt ein Webshop nach dem anderen auf. Sich von Kopf bis Fuß ohne Umkleidekabine einzukleiden ist für viele von uns nichts Neues mehr. Auch der Online-Markt für Mode aus nachhaltig und / oder fair gehandelten Rohstoffen ist am Wachsen. Neben den alten Bekannten Vivanda (ehemals Panda) und Hessnatur gibt es natürlich auch Webshops, die sich auf junge, trend-bewusste Öko-Mode spezialisieren und neben größeren Labels wie People Tree oder Kuyichi auch kleine Designer in ihr Sortiment aufnehmen. Im Folgenden stellen wir eine Auswahl solcher Webshops und Lieblingsstücke aus Naturmaterialien vor.

sie » Gummistiefel aus Latex von Grand Step Shoes über www.waschbaer.at » Norwegersocken aus natürlich gebleichter Schurwolle über www.vivanda.at » Hose aus Schurwolle von Clodagh für Hessnatur über www.hessnatur.de » Bedrucktes Top aus Bio-Baumwolle von stewart+brown über shop.goodtruebeautiful.com » Blazer aus biologischer Baumwolle von Mandala über www.unitedelements.com

er » Sportschuhe aus Bio-Baumwolle und Naturkautschuk von Veja über www.glore.de » Schurwollsocken aus reiner Schurwolle über www.vivanda.de » Ungebleichte Jeans ohne Waschungen aus Bio-Baumwolle von Nu über www.muso-koroni.com » Einfaches weißes T-Shirt aus reiner Bio-Baumwolle über www.fairtradebar.com » Karohemd aus Bio-Baumwolle von Cotton Knowledge Apparel über www.avocadostore.de » Blaue, leichte Jacke aus Bio-Baumwolle von Howies über www.howies.co.uk

Kraut & Rüben Menschen und ihre Kulturpflanzen

20. März 2011 - 12. Februar 2012 Kulturpflanzen sind nicht nur sinnbildlich„in aller Munde“: Wir wollen wieder wissen, was wir essen und woher es kommt. Mehr als 100 Nahrungspflanzen stellt die Ausstellung vor – und dazu Menschen, die ihnen verbunden sind. Damit sich aber das sprichwörtliche Krautund-Rüben-Durcheinander nicht durchsetzt, klärt die Ausstellung zuerst Fragen der Kulturpflanzen-Geschichte, zeigt dann ihre wunderbare Formenfülle, aber auch deren Gefährdung, und fragt schließlich, wie die Zukunft aussehen wird. In Kooperation mit Landesmuseum Niederösterreich Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten T: +43-2742-90 80 90-999


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Nina Daniela Jaksch

marktplatz

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Hersteller

Schickes und Brauchbares für Garten, Balkon und Guerillagärtnerei.

Aus einem GuSS Da geht ordentlich was rein. Die Designkanne Camilla – ausgezeichnet mit einem »Sehr Gut« bei Ökotest, weil frei von PVC, Weichmachern und Schwermetallen – ist ein praktisches Tool für kleine und große Gieß-Jobs. Sie wird energie- und ressourcenschonend aus einem Stück gefertigt, ist stapelbar, leicht und liegt super in der Hand.  www.koziol.de

AB 4. MÄRZ 2011 IM KINO! Vertical Room Gardening Nicht jeder besitzt Garten oder Balkon. Ambitionierte Innen-GartenArchitektinnen können sich jetzt mit der Flowerbox-Keramik an ihren Wänden austoben und mit Pflanzen die Vertikale erobern. Living flowers on your wall.  www.flowerbox.de


Gut gestiefelt Traditionshersteller Aigle aus Frankreich stellt bereits seit 1853 Stiefel und Schuhe aus Naturkautschuk her. Die Qualitäts-Philosophie des Unternehmens: Ein guter Stiefel muss einfach anzuziehen, perfekt wasserdicht und überall einsetzbar sein. Damit steht dem beherzten Buddeln in Garten und Acker (fast) nichts mehr im Wege.  www.aigle.com

Papierrecycling nach Gärtnerart

Würzig

und g’schmackig –

was für

ein Fest!

Da wächst die Freude.

d.signwerk.com

Aus Alt mach Aussaattopf: Einfach einen Streifen Zeitungspapier um die Papiertopf-Presse legen, unten umschlagen, drehend in die Formschale pressen und fertig ist das Aussaattöpfchen. Mit Erde und Saatgut befüllen. Die Pflanze durchwurzelt das Papiertöpfchen, so kann es beim Auspflanzen in Garten oder Terrasse einfach mit in die Erde gesetzt werden. Die praktische zweiteilige Presse aus gewachstem Buchenholz macht Aussäen kinderleicht.  www.manufactum.de

Ob großes Familienfest, Dinner für Zwei oder zu Mittag allein: Mit Tante Mizzi, Sven, Franzl und Lieschen, den vier neuen Gewürzmischungen von Sonnentor, sind Braten, Fisch, Wild und Lamm am besten „angezogen“, wenn sie auf den Tisch kommen! Da wird jeder Tag zum Festtag ... Erhältlich im gut sortierten Fachhandel und unter www.sonnentor.com

Schluss mit Schnecken »Bringt Schnecken unter die Erde. Schont Haustiere, Igel und Nützlinge« verspricht die Verpackung liebevoll. Ja! Natürlich erweitert mit dem regenfesten Ködergranulat (aus natürlichem Eisen-Phosphat) sein erfolgreiches Bio-Garten-Sortiment. Ebenfalls erhältlich: »Regenwurm-Humus« als Dünger, ein innovativer »Kompost-Tee« zur Regenwasseraufbereitung (der wie Tee-Säckchen in die Gießkanne ziehen soll) und »Aus die Laus«, ein natürliches Sprühmittel gegen Blattläuse, Spinnmilben und Weiße Fliegen. Auch gängige Kräuter und rare Gemüsesorten sind – in Kooperation mit der »Arche Noah« – wieder unter der Marke Ja! Natürlich verfügbar. www.janatuerlich.at


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Magdalena Vukovic

marktplatz kosmetik

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Hersteller

SHEA BUTTER Raffiniert: Cremes aus Shea Butter schmeicheln nicht nur trockener und sensibler Haut. Ihre Herstellung ist auch fest in der Hand afrikanischer Frauen und begleitet diese auf ihrem Weg zur Gleichberechtigung.

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b als Shea, Karité, ganz altmodisch als Galambutter oder wissenschaftlich korrekt als Butyrospermum parkii – in unseren Breiten kennt man das Pflanzenfett ausschließlich in seiner raffinierten Form: als Komponente von edlen Cremes. In Afrika aber ist es ein Nahrungsmittel und, dank unserer Nachfrage, eine Haupteinnahmequelle für viele Frauen vom Sudan bis nach Senegal. Die Butter wird von der Nuss des Shea-Baumes gewonnen und in aufwendigen Arbeitsschritten – fest in weiblicher Hand – zerschlagen, geröstet und dann gekocht. Erst dann kann jene Substanz abgeschöpft werden, die, mehr Butter als Öl, in ihrer unraffinierten Form einen nussig-cremigen, nicht unbedingt angenehmen Geruch aufweist. In letzter Zeit hat man sich – nachfragebedingt – um eine Optimierung der SheabutterGewinnung bemüht, setzt dabei aber gleichzeitig auf fairen Handel mit lokalen Lieferanten. Wer richtig in die Tiefe gehen will, informiert sich am besten über das NGO-Projekt ProKarité. Bereits der Anbau ist langwierig, da der SheaBaum erst nach 20 Jahren Früchte trägt und schwer zu kultivieren ist. Dementsprechend findet die Nuss hauptsächlich in der Nischenkosmetik Verwendung. Sie eignet sich hervorragend für reichhaltige Cremes für trockene und sensible Haut. Durch ihre entzündungshemmende Wirkung lässt sie sich auch auf wunde oder verbrannte Stellen auftragen und hilft bei Sonnenbrand. Der Rohstoff selbst ist ausgesprochen lange haltbar und lässt, in ausreichender Menge zugefügt, Produkte ganz ohne Konservierungsstoffe auskommen. www.prokarite.org

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1 // Baby-Pos Traum

3 // WIE VEGANER KÜSSEN

Diese reichhaltige Babycreme von der schwedischen Luxus-Ökomarke Estelle & Thild hat als Hauptbestandteile die entzündungshemmende Sheabutter und Mandelöl, beides aus kontrolliert biologischem Anbau. Zusammen mit den heilenden und beruhigenden Eigenschaften von Aloe Vera und Ringelblume ist diese duftneutrale Creme ideal für wunde und hochsensible Babypopos. Das Produkt ist mit dem EcoCert ausgezeichnet und die Verpackung ist – den designkundigen Schweden sei Dank – ein wahres Fest fürs Auge.

Dieser Lippenstift von Lavera ist mit Sheabutter und einer Vielzahl anderer pflegender Öle und Wachse versetzt. Er ist in zehn verschiedenen Farben – von dezent bis unverschämt – erhältlich. Alle Farben sind stark pigmentiert und halten relativ lange, lassen sich aber dank ihrer natürlichen Öle oft nicht ganz leicht auftragen. Der Stift duftet fein und unaufdringlich nach Vanille und ist sogar in zwei veganen Farben erhältlich. Die Rohstoffe für das Produkt sind zu großem Teil aus kontrolliert biologischem Anbau und wurden von Natrue als rein biologisches Kosmetikum ausgezeichnet.

estelle & thild — ecorganic baby & child body cream

lavera — beautiful lips

2 // Für Puristen und Sensibelchen Dieses Produkt von der kanadischen Firma Druide ist ebenfalls reine Sheabutter, die mit Vitamin E versetzt wurde und duft-, sowie farbneutral ist. Im Vergleich zur Konkurrenz scheint sie aber eine klitzekleine Spur weicher und auch weißer zu sein. Reine Sheabutter ist ideal für sensible Haut und nährt trockene Stellen wie Lippen oder Ellenbogen ganz wunderbar. Diese Sheabutter ist mit dem EcoCert ausgezeichnet und stammt zu 100 Prozent aus biologischem Anbau und fairem Handel. Tipp: Wer seine eigene Duftcreme herstellen will, gibt ganz einfach ein paar Tropfen von seinen liebsten ätherischen Ölen (Vorsicht bei Ölen, die zu Hautreizungen führen können!) in einige Teelöffel reine Sheabutter und rührt das ganze kräftig durch. druide — biologisch zertifizierte sheabutter

4 // FETT, FAIR und Feucht Dieses Produkt von Sante ist frei von Parfümstoffen und kann, abgesehen vom Vitamin E-Zusatz, das wegen seiner antioxidativen Wirkung vor allerlei schädlichen Umwelteinflüssen schützen soll, als reine Sheabutter bezeichnet werden – raffiniert natürlich. Die Creme schmilzt sofort auf der Haut und versorgt sie mit viel Fett und Feuchtigkeit, braucht aber dementsprechend lange bis sie einzieht. Ob die Sheabutter durch fairen Handel oder aus kontrolliert biologischem Anbau stammt, lässt sich nicht nachvollziehen, allerdings ist das Produkt mit dem BDIH ausgezeichnet. sante — face & body care shea butter

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Berge von Geschichten. Alle zwei Monate am Kiosk.

Magazin für alpine lebensart www.alps-magazine.com

kräuter

frisch von der fensterbank Ein heller Fleck mit mehreren Sonnenstunden pro Tag reicht, um auch im kleinsten Wohnungswinkel oder am Balkon schmackhafte Kräuter kultivieren zu können. Einige Empfehlungen vom Experten.


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Elmar Fischer

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gal, ob man seine Pflanzen selbst aus Samen zieht oder sie in Töpfen kauft (die dann meist in recht engen Pflanzgefäßen untergebracht sind und bald umgetopft werden sollten): Wichtig zu beachten ist, dass heimische Kräuter andere Vorlieben haben als ihre mediterranen Verwandten – vor allem bei Pflanzkombinationen: Schnittlauch, Petersilie und Kerbel (am besten die kleinblättrigen Sorten) passen sehr gut zueinander. Sie bevorzugen eine eher humose Erde, müssen öfter gegossen werden und mögen einen halbschattigen Platz.  Majoran, Ysop,  Koriander und  Basilikum gedeihen in ungedüngter Gartenerde und fühlen sich im Halbschatten wohl. Mit den Sonnenanbetern unter den Kräutern –  Oregano, Thymian, Rosmarin oder Salbei – wird man auf eher mageren Boden mehr Freude haben. Am einfachsten mischt man der Erde etwas Sand unter. Am wichtigsten ist es, dass die Kräuter nicht zu nass stehen. Daher auf die Abzuglöcher des neuen Pflanzgefäßes beim Umtopfen Tonscherben als Drainage legen. Als Teekräuter lassen sich in größeren Töpfen Zitronenmelisse oder Minzesorten sehr gut ziehen. Sie sind pflegeleicht und garantieren, dass immer frische Blätter für Tee bei der Hand sind. Im Sommer geben sie einen perfekten Kräuter-Erfrischungstrunk. Ein Klassiker für die Fensterbank ist die  Kresse. Sie bereichert jedes Butterbrot und jeden Salat und lässt sich wunderbar einfach ziehen: auf einen Teller ein Stück Küchenrolle legen, gut anfeuchten und Kressesamen darauf streuen. Das Gefäß auf die helle Fensterbank stellen und die Saat immer feucht halten, am besten mit einer Sprühflasche. Schon nach zehn Tagen kann geerntet werden. Auf Balkon oder Terrasse lassen sich in größeren Pflanzgefäßen auch wunderhübsche Blüten wie zum Beispiel der blau blühende Borretsch, Ringelblumen, Speisechrysanthemen oder Gewürztagetes ziehen. Sie sind ein schöner Schmuck und ganz nebenbei kann man diese essbaren Blüten frisch geerntet zur Verzierung von Desserts oder Salaten verwenden. Die Blütenblätter fein geschnitten in einen Topfenaufstrich sorgen bei Tisch für ein wahres Blütenfeuerwerk und schmecken obendrein sehr fein. Elmar Fischer arbeitet auf dem Biohof Adamah in Glinzendorf bei Wien, wo am 29./30. April und 6./7. Mai ein Pflanzenmarkt für biologische Jungpflanzen stattfindet. www.adamah.at

FESTIVAL FÜR EINE ENKELTAUGLICHE ZUKUNFT 18. - 22. Mai 2011 LIECHTENSTEIN

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Küche

mehr


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möbel

60 Stil und Nachhaltigkeit zu verbinden ist gerade bei Möbeln meist nur mit einer dicken Brieftasche möglich. Dein Regal verspricht ökologische Maßmöbel, die leistbar sind.

System für Anspruchsvolle: »Dein Regal« lässt nicht nur Holz fällen, sondern auch aufforsten.

deine regale sind feine regale E

Jungunternehmer Christoph Jung und Daniel Kollmann sind sichtlich zufrieden. Ihr Start-Up ist der günstigste Anbieter für Regale nach Maß – trotz grüner und nachhaltiger Ausrichtung.

ine Drei-Zimmer-Wohnung voller Yin-Yang-Tische und billigen Bücherregalen füllt sich tagelang mit Gas. Der Wärmetransformator des Kühlschranks springt an und Bumm – die Bude fliegt in die Luft und verteilt die Hipster-Möbel über die Nachbarschaft. Wer dieser Szene aus »Fight Club« etwas abgewinnen kann, ist vielleicht bereit, sich vom skandinavischen Möbeldiktat zu befreien und sich in die Welt der nachhaltigen Maßanfertigung zu begeben. Die deutsche Internet-Plattform »Dein Regal« bietet ökologisch unbedenkliche Maßmöbel an, die auch einen akzeptablen Preis haben.

Worte sind einfacher zu transportieren als Holz Die Biorama-Redaktion testet eigentlich zuerst ein Produkt, ehe sie es vorstellt. Diesmal hat aber ein triftiger Grund dagegen gesprochen: Sich ein einzelnes schweres Regal tausend Kilometer weit von Hamburg nach Wien liefern zu lassen, um es dann im Büro aufzubauen, entspricht nicht gerade dem Nachhaltigkeitsprinzip, das wir vertreten. Deshalb haben wir uns damit begnügt, uns ein wenig mit Daniel Kollmann von »Dein Regal« zu unterhalten. Er erzählt, mit welchem Zugang das Unternehmen gegründet wurde: »Wir wollen schon Geld verdienen, sind uns aber auch unserer sozialen Verantwortung bewusst.« Holzregale verbrauchen Holz, das liegt in der Natur der Sache. »Dein Regal« gibt sich allerdings Mühe,


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Imre Withalm

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Dein Regal

Lange Lieferzeit, gutes Gewissen: Es dauert acht bis neun Wochen, bis das Maßregal zugestellt wird.

sich nicht einfach nur an der Natur zu bedienen. Etwa hundert Bäume pro Jahr werden im Namen von »Dein Regal« gepflanzt. Insgesamt ist die Klimabilanz somit positiv (die gepflanzten Bäume absorbieren im Durchschnitt mehr CO2 als Produktion und Transport der Regale erzeugen.) Die Bäume werden allerdings nicht in Deutschland angepflanzt, sondern in Kooperation mit der Organisation Andheri-Hilfe Bonn, die sich nach globalen Notwendigkeiten orientiert. Aktuell entstehen gerade im südlichen Indien kleine Wäldchen im Namen von »Dein Regal«. Das Holz, mit dem die Regale selbst gefertigt werden (Eiche, Birke oder Kiefer) ist durchgehend FSD-zertifiziert und die Lieferkette wird so kurz wie möglich gehalten. »Ausmessen, Erstellen, Aufbauen« – so schnell soll laut Website das Wunschregal entstehen. Allerdings dauert es acht bis neun Wochen, bis das maßgetischlerte Möbel im Wohnzimmer steht. Das Warten scheint sich aber zu lohnen, denn das Konzept spricht die unterschiedlichsten Leute an. »Das sind einerseits jüngere Pärchen um die 30, die sich von ihren BillyRegalen trennen wollen, oder etwas gesetztere Altersgruppen, die ein ökologisches Bewusstsein haben und denen das Internet nicht fremd ist.« Kollmann spricht von einem bisher ausgezeichneten Kundenfeedback. Bei diesem ganzheitlichen Konzept fällt das nicht schwer zu glauben. www.deinregal.de

Ein Dutzend gute Gründe sich verantwortungsvoll zu entscheiden ...

www.janetschek.at/nachhaltigkeit

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Umweltzeichen.

konsequent ökologisch • sozial verantwortungsvoll • wirtschaftlich erfolgreich


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speis und trank

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1977 2011

der apfel fällt recht weit vom stamm Eine gelernte Fleischermeisterin machte in ihrer Metzgerei kurzen Prozess: Sie wandelte den 40 Jahre alten Familienbetrieb in einen vegetarischen Imbiss mit Naturkostladen um. Die »Kichererbse«, Chronik eines Friendly Takeover.

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er Weg von Elisabeth Müllner war irgendwie vorgezeichnet. Ihre Eltern führten im noblen Wiener Außenbezirk Hietzing eine Fleischerei. Also waren auch Schuljause und Mittagstisch voller Fleisch und Wurstwaren. Das war normal, das kannte man nicht anders. Der Fleischerbetrieb in der Speisinger Strasse sollte in der Familie bleiben, und so wurde die Tochter ebenfalls zur gelernten Fleischermeisterin. Aber was Eltern oft so planen und wünschen, geht manchmal nach hinten los. Denn irgendwann hatte Eli-

sabeth Müllner das Fleisch satt. Als sie dann auch noch ihre beiden Kinder bewusst und sinnvoll ernähren wollte, entdeckte sie Ihre Liebe zur fleischlosen Vollwertküche. Im Jahr 2000 wurde dann das Geschäftslokal der Eltern frei – und ein Traum wahr: der eigene Veggie-Imbiss.

Treffpunkt mit Tradition Noch bevor sich Bio-Supermärkte in der noblen Gegend versuchten, startete die »Kichererbse« auf diesem schwierigen Terrain. Zwar ist der Bezirk ei-


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Micky Klemsch

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Micky Klemsch Franz Aron

WER NICHT KOMMEN KANN, MUSS FERNSEHEN! ner der wohlhabendsten der Bundeshauptstadt, dafür umso konservativer und im Bevölkerungsschnitt sehr alt. Junge Menschen können sich Hietzing heute kaum mehr leisten. Die schicken Bobos und gesundheitsorientierten Studenten, die man andernorts in vergleichbaren Lokalen der Innenstadt und in den Uni-Vierteln findet, fehlen gänzlich. Stattdessen leben hier viele ältere Menschen, die man eher bei Schnitzel und Braten in einem gutbürgerlichen Wirtshaus am Eck vermuten würde. Doch auch diese sozialen Orte gibt es in der Umgebung kaum mehr. Und da passt Elisabeth Müllners Küche vortrefflich. Denn dort wird bodenständig gekocht: Am täglichen Menüplan stehen Speisen wie Gefüllte Paprika oder Hascheeknödel – wenngleich gänzlich ohne Fleisch. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, denn die acht Sitzplätze reichen oft nicht für den Andrang. Viele Kunden holen sich das Essen auch zum Mitnehmen ab. Dabei bringt das bescheidene Platzangebot die Menschen durchaus näher zusammen: Schüler und Lehrer aus der benachbarten Volkshochschule, Mütter mit Kindern oder einfach Passanten, die durch die Schauvitrine auf den Appetit kommen. Es schafft neue Kontakte und lädt ein zum Plaudern. Über Hietzing, die Umgebung. Und wie es früher einmal war. Als hier noch Wurststangen baumelten und dort, wo die Chefin heute ihre Zucchinis und Auberginen lagert, die Schweinehälften abhingen. Das Naturkostangebot ist umfassend und reicht vom Biobrot über Demeter-Milchprodukte, Getreide bis zu Teesorten und Getränken für unterwegs. Fast alles stammt aus der Region, die meisten Produzenten kennt sie persönlich. Elisabeth Müllner ist zufrieden, wie es jetzt läuft. Und glücklich, wenn das Geschäft noch lange so gut funktioniert. Irgendwann wird vielleicht Ihre Tochter Anna, die schon seit drei Jahren im vegetarischen Imbiss mitarbeitet, den Betrieb übernehmen. Mal sehen, was die dann daraus macht. Kichererbse Vegetarischer Imbiss und Bioladen Wien 13., Speisingerstrasse 38 Tel: +43 (1) 804 20 06 www.kichererbse.at

Programm aus dem ORF RadioKulturhaus jetzt auch im ORF Fernsehen.

Nähere Informationen finden Sie unter: http://radiokulturhaus.ORF.at

WER NICHT KOMMEN KANN, MUSS FERNSEHEN! Programm aus dem ORF RadioKulturhaus jetzt auch im ORF Fernsehen.

Nähere Informationen finden Sie unter: http://radiokulturhaus.ORF.at


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slow:feed / Wolfgang Smejkal

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Essen ist Lebensgefühl und Glaubensfrage, Lust und Laster. Die Kunst dabei ist, Genuss und Ökologie vereinbar zu machen.

Halbzeit-Vegetarier

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»pflanzliche fleischalternativen sind ein markt, der in den nächsten jahren massiv wachsen wird.«

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ie guten Vorsätze zu Jahresbeginn haben meist alle das gleiche grundsätzliche Problem: sie propagieren Verzicht. Und wer will schon verzichten? Verzicht bedeutet Bedürfnisse zu unterdrücken, bedeutet Nein zu sagen, deswegen wird aus der Theorie leider selten auch Praxis. Das Lustzentrum im Gehirn macht es einem schwer, nach Verzicht zu streben, denn Belohnung in Form von Glückshormonen gibt es nur für Genuss. Wie kommt man also vom Verzicht zum Genuss und ändert dabei gleichzeitig seine Lebensweise? Zugeund günstig. Also entschließt sie sich geben eine schwierige Frage, bei der die Herausforzu einem Selbstversuch, bei dem sie derung letztlich eine der persönlichen Perspektive herausfinden will, was sie für einen bleibt: Wem es gelingt, das zutiefst menschliche bewussten Umgang mit der Natur und Bedürfnis nach Genuss nicht zu ignorieren, sonanderen Lebewesen bereit ist, aufzugedern es in zufriedenes, weil ökologisch verantben. Sie ernährt sich ein Jahr lang nach wortungsvolles Handeln umzulenken, hat dem verschiedenen Prinzipien, erst nur bioloVerzicht seinen bitteren Beigeschmack gegisch, dann vegetarisch, dann vegan und nommen. Carlo Petrini, der Gründer der Slow schließlich frutarisch. Am Ende wählt sie Food-Bewegung, drückt es so aus: »Gut ist, was einen für ihre persönlichen Bedürfnisse den Sinnen Genuss bereitet, also alles, was realistischen Kompromiss: den Fleisch- und schmeckt und Qualität besitzt. Gut ist auch, Milchkonsum auf ein Minimum reduzieren, was unser Ökosystem und die Natur nicht möglichst Bio einkaufen und auf keinen Fall zerstört und sozial gerecht ist.« Produkte aus Massentierhaltung auf den TelDie deutsche Schriftstellerin Karen Duve ler. So radikal und konsequent, wie sie sich das hat kürzlich ein Buch über die Bandbreite anfangs vorgenommen hat, will sie gar nicht ihrer persönlichen Erfahrungen mit einer leben. ebensolchen Entscheidung veröffentlicht. Seinen wöchentlichen Fleischkonsum statt »Anständig Essen« beginnt in einem Sudes vollständigen Verzichts einfach Schritt für permarkt, in dem die Autorin gerade Schritt um die Hälfte zu reduzieren, so lautet eine Hähnchen-Fertiggericht erstehen auch der Vorschlag des neuen Online-Portals will und sich zum ersten Mal darüber »Halbzeit-Vegetarier« (www.halbzeitvegetarier.de). bewusst wird, was sie mit diesem Kauf In 20 Jahren werde dann zwar nicht die Hälfte unterstützt: »Irgendwo in der Perider Menschen Vegetarier sein, aber vielleicht würpherie meines Bewusstseins wusste de nur noch die Hälfte an Fleisch gegessen – ein ich, dass die Bedingungen, unter deGedanke, der sich durch die Aussicht auf ein verbesnen dieses Huhn einmal gelebt hatsertes Lebensgefühl mit Genuss auch auf einer breite, wohl eher unfreundlich waren«, ten Basis vorstellbar ist. schreibt Duve, doch sie habe es bis dahin in Kauf genommen, denn Wolfgang Smejkal bloggt unter Slow:feed auf das Produkt war einfach bequem www.biorama.eu


Cooking History Kinopremiere Peter Kerekes portraitiert in seinem neuesten Dokumentarfilm »Cooking History« europäische Militärköche, die verschiedene Kriege des 20. Jahrhunderts miterlebt haben. »Cooking History« zeigt spannende und subjektive Erzählungen und eröffnet eine Dimension von Geschichte, wie sie nicht in Schulbüchern oder Archiven zu finden ist. Biorama präsentiert die Österreich Premiere des Films im Wiener Stadtkino. Anschließend spricht Herausgeber Thomas Weber mit Regisseur Peter Kerekes und freshii verwöhnt mit gesunden Snacks. Wir verlosen 10 × 2 Tickets für die Premiere am 2.März 2011 unter — www.biorama.eu

handgemachtes und geschenke

poolbar Festivals in Vorarlberg & Wien Musik und Kultur von Nischen bis Pop. poolbar in Wien: 19.5. - 22.5. (Pratersauna) poolbar in Feldkirch: 1.7. - 15.8. (Altes Hallenbad) Wer´s genau wissen will: www.poolbar.at

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foto Photos.com

Konsum kompensiert Ängste, das war schon immer so, also radieren wir die Angst mit der Kreditkarte aus.

Prepaid Weltuntergang

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und hinter mir die sintflut / Johanna Stögmüller

»Ändert die Menschheit ihr Verhalten nicht, werden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts 40 Prozent aller Arten ausgestorben sein.«

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nd of World« ist der Titel des YouTubeVideos. Ich habe kurz gezögert, aber dann wollte ich doch wissen, wie das Ende der Welt denn so aussehen wird. Eh relativ spektakulär: Ein Meteorit rast haarscharf am Mond vorbei, direkt auf die Erde zu. Eintritt in die Erdatmosphäre. Bumm. Einschlag im Pazifik. Bumm, bumm. Tsunami. Explosion. Erde kaputt. Weil aber niemand genau weiß, wann dieser Meteorit unseren Planeten zerstören wird, bleibt noch Zeit, um uns selbst auszulöschen. Die Al Kaida baut zum Ende des 21. Jahrhunderts 40 Prolaut Wikileaks schon mal radioaktive Bomben, zent aller Arten ausgestorben sein. Und die Verschmutzung der Weltmeere durch den was läuft sonst noch schief? Das Wasser Menschen nimmt kontinuierlich zu, ebenso wird knapp. Der Wald wird weniger. Dafür wie die weltweite Staatsverschuldung. 800.000 wird in vielen Teilen der Erde der Hunger Menschen sterben jährlich bereits an den Folgrößer und in Bildung wurde auch schon gen der Luftverschmutzung, der Rest wird mal mehr investiert. höchstwahrscheinlich im eigenen Müll erIrgendwie unangenehm ist das alles schon, sticken, und ein verschwindend kleiner, aber deswegen tun wir was, um uns ein bisschen sehr hartnäckiger Teil der Menschheit sieht besser zu fühlen. Konsum kompensiert Ängsdas Ende der Welt durch Gender Main­ te, das war schon immer so, also radieren wir streaming und die Zerstörung männlicher die Angst mit der Kreditkarte aus. »Our enorGeschlechtsidentitäten besiegelt. Als gebe mously productive economy demands that es sonst keine Probleme. we make consumption our way of life, that we convert the buying and use of goods into rituals, that we seek our spiritual satisfaction, our Angst und Alptraum ego satisfaction, in consumption. We need things Die Weltbevölkerung wächst und consumed, burned up, worn out, replaced, and damit auch der Energiebedarf. Um die discarded at an ever increasing rate.« Nach dem letzten verbleibenden Ressourcen werZweiten Weltkrieg war das der ehrgeizige Plan des den Kriege geführt werden. KlimaerWirtschaftswissenschaftlers Victor Lebow, heute wärmung, die Verschleppung von würde man dazu Alptraum sagen. Unter dem Video Arten und das massive Eindringen »End Of World« steht übrigens folgender Satz: »Um von Nähr- und Schadstoffen in ÖkoIhre Verwandten anzurufen, falls so etwas (ich nehme systeme haben eine schwindende mal an, es ist das Ende der Welt gemeint) eintritt, empBiodiversität zur Folge. Ändert die fehlen wir diesen günstigen Prepaid-Tarif.« Ich schreib Menschheit ihr Verhalten gegenmal eine SMS an Mama. über der Umwelt nicht, werden bis


„ICH WILL BIO!“ ... WEIL ICH NUR DAS BESTE WILL.

BIO – Ein Zeichen für ein gesundes Ego! BIO kann man aus vielen Gründen haben wollen: Wenn man an die Umwelt denkt, wenn man an die Tierhaltung denkt – aber auch, wenn man nur an sich denkt und das Beste für sich will! Achten Sie deshalb beim Einkauf auf das AMA-BIOZEICHEN! Näheres auf www.bioinfo.at

FINANZIERT MIT FÖRDERMITTELN DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT, DER REPUBLIK ÖSTERREICH UND MITTELN DER AGRARMARKT AUSTRIA MARKETING GESMBH.



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